Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Fesertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Famisientreund.“ o 0 0 0 0 O O O O O O 0 o o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts is Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Alie Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Ueröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbincliche Kraft. o o o 0 0 O O o o o o o 0 o Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Telegr.-Aäresse Braus. Schwerte-Kuhr. o Nr. 140 Mangelnde Selbstzucht. Aus Petersburg wird uuns geschrieben: Wer die Aeußerungen des russischen Volkslebens mit Aufmerksamskeit verfolgt, wird überall, in Haus wie an Gerichtsstelle, den gleichen Mangel an Selbstzucht und moralischen Halt, das gleiche oberflächt Gehaben ohne inneren Wesenskern, das gleiche klammern an die äußere Form ohne gefestigten Inhalt bestätigt finden, die zur Charakterristik des Die Begabung des Russen reicht wohl aus, den Vergleich mit den Nachbarvölkeen anzustellen, darlaus auch zu erkennen, was ihm fehlt. Er versucht dann durch Nachahmung der äußeren Lebensbedingungen die gleiche Kulturstufe zu erreichen, aber— nur Anfang und Ende. Den Werdegang, die nach unwandelbaren Naturgesetzen sich vollziehende Entwicklung, den Ausbau eines jeden Werdefaktors, gleichviel ob auf geistigem oder materiellem Gebiete— zu durchdringen, dafür wreicht nicht einmal der Wille zur Erkenntnis aus. Diese verständnislose Oberflächlichkeit tritt uns im Amtszimmer des Bureaukraen, wie in der Hütte des einfachen Mannes mit markanter Uebereinstimmung entgegen. 6 5 Rückt man die maßlosen, jeoe ernste Inbetrachtnahme ausschließenden Forderungen der Radikalen in diese Beleuchtung, so ergeben sich daraus auf Schritt und Tritt die Beweisargumente für die russische Nationalkrankheit: die mangelnde Selbstzucht! Der Bauer hat nicht Land genug; folglich— so sagen die Volksführer— nehmen wir es, wo wir es herbekommen. Hir## Rüchlose Mörderhande haven Dir den Bruder erschlagen, die Tochter vergewaltigt, Dein Haus verwüstet, Dein Hab und Gut gestohlen, gesengt und geplündert. Du aber darfst beileibe nicht diesen— politischen Märtyrern zu nahe rücken! Amnestie, allgemeine Amnestie ist der Preis, um welchen allein die Reichsduma bereit ist, mit der vom Zaren eingesetzten Regierung auch nur in Verhandlung zu treten. Fehlende Selbstzucht! Welchen Einblick in das russische Innenleben gewähren uns die Geschworenengerichte! Nicht die erwiesene Tatsache eines Diebstahls, nicht das abgelegte Geständnis des schweren Verbrechers reicht zu seinem Schuldverdikt aus. Ganz andere Kriterien sind für die Geschworenen maßgebend: Ist der Dieb ein armer Teufel? hat er ein hartes Schicksalslos gezogen? ist der Geschädigte im Verhälnis zum Stehler gut situiert?— so wird der Dieb unter 10 Fällen 9 Mal freigesprochen.— Denn nicht der Dieb, dieser „Unglückliche" ist schuldig, sondern die Gesellschaft! — Kindesmörderinnen werden durchgängig freigesprochen, darunter eine menschliche Bestie, die ihr neugeborenes Kind mit Säure zu Tode gebrannt hat.— Die Gattenmörderin, die, nachdem sie vor dem wundertätigen Heiligenbilde um Gelingen ihves Mordplanes gebetet, ihren Mann kaltblütig erdrosselt, der Wechselfälscher aus gutem Hause— sie alle werden freigesprochen, denn— so gebietet es sentimentale Zuchtlosigkeit— sie sind allesamt keine Verbrecher, sondern Mißverstandene! Der russische Arbeiter, faul und unfähig, kaum imstande, auch nur den vierten Teil der Leistung eines westeuropäischen Arbeiters zu erfüllen, wird durch kopflos nachgeahmte Schutzgesetze zur Zuchtlosigkeit und zur Revolution erzogen.— Die im ersten Keimen begriffene russische Industrie aber mit Keulen künstlich totgeschlagen!— Die Forderung des achtstündigen Normalarbeitstages für den russischen Arbeiter, ist den Landesverhältnissen genau sso gerecht sangepaßt, als wenn der deutsche oder französische Arbeiter mit dem Anspruch auf zweistündigen Arbeitstag hervortreten würde. Was der russischen Nation nottut: in erster und in letzter Reihe, won oben bis unten, ist, dreimal unterstrichen: Selbstzucht. Montag, den 18. Juni 1906. Politische Uebersicht. Die Automobilfahrt des Kaisers. Hannover, 16. Juni. Kurz vor 1 Uhr bestieg der Kaiser sein mit Rosen reich geschmücktes offenes Automobil, um die Fahrt durch die Lüneburger Heide nach Hamburg anzutreten. Die den Kaiser begleitenden Herven folgten im weiteren Kraftwagen. Das KönigsUlanenregiment hatte der Kaserne gegenüber Aufstellung genommen und brach bei der Abfahrt des Kaisers in dreimalige kräftige Hurrarufe aus, in welche die am Königsworther Platz versammelte Menge begeistert einstimmte. Celle, 16. Juni. Der Kaiser traf au fder Fahrt nach Hamburg um 2 Uhr nachmittags im Automobil hier ein und fuhr sogleich zum Schloß, dessen Besichtigung etwa eine halbe Stunde in Anspruch nahm. Dann folgte ein Vorbeimarsch der Garnison, worauf der Kaiser, von der Bevölkerung mit Jubel begrüßt, sich zu Fuß nach der Stadtkirche begab und dort längere Zeit verweilte. Kurz nach drei Uhr fuhr der Kaiser über Uelzen nach Hamburg weiter. Hamburg, 16. Juni. Der Kaiser traf in einem Fiatwagen heute abend um 7 Uhr 8 Min. hier ein und wurde von dem Bürgermeister Burchard und dem Gesandten v. Heyking begrüßt. 38. Deutschland in der Levante. Die Franzosen in der Levante fürchten, wie der „Pr. Korr.“ von dort mitgeteilt wird, eine deutsche Gefahr, denn seit der Norddeutsche Lloyd eine direkte Dampferlinie zwischen Marseille und Konstantinopel eingerichtet hat, hat sich eine Verschiebung der kommerziellen Kräfte in der Levante vollzogen. Deutschland nimmt nunmehr im Schiffsverkehr des Hafens von Konstantinopel, den siebenten Platz, Frankreich den achten ein, im Vorjahre war es noch umgekehrt. Die deutsche Ausfuhr nach der Türkei ist von 1900 bis 1904 von 34 auf 75 Mill. Mark gestiegen, die türkische Ausfuhr nach Deuschland nur von 30 auf 44 Mill. Mark. Die Ausfuhr Deutschlands nach der Türkei besteht in der Hauptsache in Wollwaren, Baumwollstoffne, Eisen, Seide, Kurzwaren und Drogen. Die wichtigsten Einfuhrmittel sind: Nahrungsmittel verschiedenster Art, Häute, Getreide, Drogen und Wolle. Recht unangenehm erscheint es den Franzosen, daß die Deutschen sich nunmehr auch in der Ebene von Adana festsetzen, der Nachbarschaft Syriens, doch geben die Franzosen zu, daß die deutsche Baumwollgesellschaft viel zur Hebung der Baumwollkultur beigetragen hat. Diesen deutschen Erfolgen können die Franzosen nur geringere gegenüberstellen, wie den Bau des kleinen Hafens von Pandena und der Wasserleitung von Brussa.— Zunächst richten sich die Abwehrmaßregeln der Franzosen gegen die deutsche Mittelmeer=LevanteLinie, welche den drei französischen Linien starke Konkurrenz machen muß. Ein„deutschfühlender“ Sozialdemokrat. — Berlin, 16. Juni. In der gestrigen Sitzung der Berliner Stadtverordneten, in der über die Bewilligung einer Unterstützung von 100000 Mk. für die durch die revolutionären Ereignisse in Rußland geschädigten Deutschen beraten wurde, hat der Stadtverordnete Stadthagen, bekannt als sozialdemokratischer Dauerredner im Reichstage, alles, was er an Gift und Galle besitzt, gegen die Deutschen in Rußland verspritzt. Es freut uns, feststellen zu können, daß Herr Stadthagen mit diesen Angriffen allein blieb und daß es ihm nicht gelungen ist, die humanitären Absichten der Berliner Stadtverwaltung zu hintertreiben. Die Rede war ja wohl auch im wesentlichen zum Fenster hinaus gehalten uund sollte für die Genossen noch einmal alle die jenigen Anklagen zusammenfassen, die seit Monaten in der sozialdemokratischen Presse gegen die Deutschen in Rußland erhoben waren. Im ganzn hat es wenig Bedeutung, was Herr Stadthagen sagt, aber seine Reede ist doch wieder bezeichnend für das, was die sozialdemokraische Führung den Genossen zu bieten wagt. Letten und Esten sind unschuldsvolle Lämmer, die von den grausamen deutschen Verfolgern hingemordet werden! Wir haben wirklich zu viel Vertrauen in die Intelligenz unserer Arbeiter, als daß wir glauben sollten, sie kümmerten sich so wenig um die Vorgänge der Tagesgeschichte, um nicht zu wissen, daß die Verhältnisse in Wirklichkeit ganz anders liegen. Wer eine Darstellung beliebt wie[err Stadthagen, der schlägt nicht nur der Wahrheit ins Gesicht, sondern er beleidigt auch den gesunden Menschenverstand derer, die an seine böswilligen Phantasien glauben sollen. Die„Meutereien" des„Vouwärts". Zu den Veröffentlichungen des„Vorwärts“ über angebliche Meutereien in Südwestafrika schreibt man auf Grund zuverlässiger Informationen:. Gänzlich falsch ist die Meldung, es sei ein Offizier erstochen worden. An der Meldung über Ausschreitungen einem Wachtmeister gegenüber ist soviel richtig, daß auf einer Etappenstation im Windhuker Distrikt neu hinausgekommene Reiter bei einem Trinkgelage und unter dem Einfluß übermäßigen Alkoholgenusses einen Portepee=Unteroffizier bedroht und ihn gezwungen haben, mit ihnen ein Hoch auf die Sozialdemokratie auszubringen. Die Beteiligten— junge, unerfahrene Leute— sind wor ein Kriegsgericht gestellt uund zu schweren Freiheitsstrafen verurteilt worden. Der Fall steht aber ganz vereinzelt da. Im übrigen kann die Truppe mit Stolz gerade auf das ausgezeichnete, vom Geiste der Kameradschaft getragene Verhältnis zwischen den Offizieren und den Unteroffizieren und Mannschaften hinweisen. Die Schreckenstage von Bjelostok drohen bereits in eine neua füdrussische Revolution auszuarten. Petersburg, 16. Juni. Aehnliche Judenmetzeleien wie in Bjelostok wurden in Homel, Odessa, Cherson, Nicolajew und Kiew verübt. Die Lage der Juden ist verzweifelt. Bjelostok, 16. Juni. Die ganze Nacht hindurch wurden Revolver= und Gewehrschüsse gehört. Heute steht in allen Fabriken der Betrieb still. Bis jetzt sind 53 Tote aufgefunden. Es wird niemand zur Stadt zugelassen. In der Stadt herrscht Mangel an Lebensmitteln. Bjelostok, 16. Juni. Die Unruhen dauern noch fort. Die Soldaten einer benachbarten Garnison haben die Stadt eingeschlossen und beschießen sie unausgesetzt. Die Lage ist trostlos. Nur wenige Juden vermochten unter hohen Geldopfern aus der Stadt zu entkommen. Moskau, 17. Juni.(Drahtber.) Privatnachrich= ten zufolge sollen bei der Judenmetzelei in Bjelostok über 600 Personen getötet und verwundet worden sein. Mehr als 200 Magazine und Wohnungen wurden zerstört und ausgeraubt. 6000 Juden flüchteten in die nächsten Wälder. Diejenigen, die sich auf dem Bahnhofe treffen wollten, wurden unbarmherzig niedergemacht. In einer jüdischen Apotheke wurden die gesamte Familie des Besitzers und alle Angestellten ermordet. Am Leben blieb nur ein 1jähriges Kind des Besitzers, Militär und Polizisten ssetzten 8 Stunden lang dem Gemetzel bein HHindernis entgegen. Ganz Bjelostok wußte, daß für den ermordeten Polizeimeister ein Racheakt vorbereiket wurde. Zwei Wochen hindurch wurden auf den Straßen, besonders am Abend, Aufrufe verteilt, welche zur Vernichtung der Juden aufforderten. Die Polizei trat gegen diese Agitation nicht auf. Das Signal zu der Metzelei gab ein auf die Prozession abgefeuerter Schuß. Industrielle Heimarbeit und Landarbeit. Von einem Bundesmitgliede aus dem Königreich Sachsen erhält die„Dtsch. Tagesztg.“ eine diesbezügliche Zuschrift, in der u. a. folgendes ausgeführt wird: „Im Anschluß an die Berliner Ausstellung von Heimarbeiten, auf welcher die traurigen Lohnverhältnisse bei dieser gewerblichen Tätigkeit klar zum Ausdruck gebracht wurden, ist von d er Reichsregierung BeSachkundigen welche Weise man zu einer Verbesserkönne. aber ich muß praktischer Erfolg wirksame Besserung Fführt Leute oder ihre dazu werstehen Arbeit zu treten. Der eine Kommission mit Erhebungen über die Lage der Heimarbeiter und zur Ausarbeitung von Verbesserungsvorschlägen eingesetzt worden. Die Herren Kommissionsmitglieder haben inzwischen u. a. auch das sächsische Erzgebirge, einen der Hauptsitze der Hausindustrie, besucht und mit Geistlichen, Lehrern, zirksärzten, Fabrikanten und anderen eingehend die Frage erörtert, auf den industriellen Heimarbeitern ung ihrer traurigen Lage verhelfen.... ist das alles ganz gut und schön, stark bezweifeln, ob dabei ein herauskomen wird. Eine wirklich andererseits sehr leicht herbeige den, wenn sich diese so sehr veklagten Nachkommenschaft svon Jugend auf wollten, bei uns Landwirten in Arbeitermangel ist hier z. B. ganz besonders groß, namentlich weibliche Arbeitskräfte sind fast gar nicht mehr zu erhalten, trotzdem die Löhne für Mägde schon 410#s 000 Balt mrrn k... fr. E flng sind. Wäre der Unterstichugggskommission den notleidenden Heinnar= beitern den Rat gegeben hatten, sich der gesunden, gutgelohnten Landarbeit zuzuwenden, anstatt in ihren meist dumpfen, ungesunden Wohnungen so schlecht bezahlte Heimarbeit für die Spielwaren= und Tabakindustrie zu werrichten oder Spitzen zu klöppeln usw., wobei sie dahinsiechen und in großer Zahl der Schwindsucht zum Opfer fallen? Ist es nicht ein seltsamer Widerspruch, daß hohe und gelehrte Herren sich umsonst die Köpfe darüber zerbrechen müssen, wie man diesen vielen Tausenden Dr. Heimarheifer„. Arbeiterinnger der anderen auf 240 bis 300 Mark neben völlig freier Wohn und guter reichlicher Verpflegung gestiegen sind. W es nicht zweckmäßiger gewesen, wenn die Herren Unterstichu# den notleidenden Heinn ten Arbeitskräften Umschau halten und froh sind, nenn sie wenigstens einige vielfach zerlumpt ankomnende Ausländer mit großen Kosten herbeischaffen Die sonst von deutschen Mägden verrichteten Schweiresp. der Existenz verheisen konnte, wahreno auf Seite die Landwixte wergebens nach den nokwendigsten Arbeitskräften Umschau halten und froh sind. we me können? Die sonst Arbeiten in den Viehställen werden jetzt von zern, die Feldarbeiten von Polen, Galiziern usw. besorgt und bei notwendigen Bau= und Erdarbeiten Czechen und Italiener beschäftigt. So hört man überall fremde Laute, kaum noch ein deutsches Wort auf Hof und Feld. Sind das nicht geradezu unerhörte Zustände, während doch eine Besserung für beide Teile, für unsere Landwirte und für die unter so traurigen Verhältnssen dahinlebenden industriellen Heimarbeiter, so leicht wäre, wenn letzteve sich nur dazu entschließen wollten, ihre Berufsarbeit aufzugeben und sich der Landwirtschaft zuzuwenden?" Wir müssen den durchaus richtigen Anschauungen unseres werten Freundes in Sachsen im Grunde völlig zustimmen, nur daran können wir nicht recht glauben, daß irgend ein diesbezüglicher Rat bei den industriellen Heimarbeitern Gehör und Nachachtung finden würde. Diese Leute werden leider nach wie vor lieber als Heimarbeiter hungern und an der Schwindsucht sterben, als als gut genährte und entlohnte Landarbeiter leben wollen. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, 18. Juni. *(Ein Dieckerhoff=Denkmal.) Unser Berliney Korrespondent schreibt uns aus Berlin, 16. Juni, folgendes: In engem Kreise der Vertreter der tierärztlichen Wissenschaft und Paxis wurde heute im Park der Berliner tierärztlichen Hochschule ein dem Altmeister der praktischen Tiermedizin Wilhelm Dieckerhoff errichtetes Denkmal enthült. Die Festrede hielt der Kreis= und Departementstierarzt Dr. Lothes=Köln Er gab ein Bild von der kernigen Westfalennatur Dieckerhoffs— er ist 1835 als Sohn des (Landnüirtes Dieckerhoff in Lichtendorf geboren, wo noch ein Bruder von ihm, Herr Gemeindevorsteher und Amtsbeigeordneter Dieckerhoff auf dem väterlichen Hofe seßhaft ist,— von seiner 12jährigen Tätigbeit als praktischer Tierarzt in Bochum, in der er einen erheblichen Einfluß auf die Verbesserung der westfälischen Vieh= und Pferdebeschläge übte, und schilderte dann sein wielseitiges Wirken an der tierärztlichen Hochschule zu Berlin, an die er 1870 berufen wurde. Er feierte ihn als klinischen Lehrer, Schriftsteller und Forscher und als den erfahrensten praktischen Tierarzt seiner Zeit. Zum Schluß würdigte der Redner die Verdienste Dieckerhoffs um die Hebung des Standes der Tierärzte sein Name werde mit der tierärztlichen Hochschulreform stets verknüpft sein. Für das landwirtschafliche Ministerium, das neben dem Reichsgesundheitsamt bei der Feier vertreten war, sprach Unterstaatssekretär von Conrad. Das Denkmal, eine Bronzebüste auf einem Sockel von rotem norwegischen Granit, ist eine Schöpfung des Professors Herter. (Wohltätigkeitsbazar.) Uns wird geschrieben: An allen Ecken und Enden regt's sich jetzt, um den am 22., 23. und 24. Juli im„Reiche des Wassers"stattfindenden Bazar zu einem großartigen zu gestalten. Etwa 120 Persönen, davon 70 Damen, werden im Bazar tätig sein. Es sind etwa 25 verschiedene„Geschäfte“, darunter auch eine Anzahl humoristischer, vorgesehen, so daß ganz gewiß jeder Besucher auf seine Rechnung kommen wird. Die großen Säle des Herrn SchulzeSelmig werden nicht wiederzuerkennen sein. In einer am Freitag Abend im Ausstellungslokale unter dem Vorsitze des Herrn Rechtsanwalts Thoholte stattgefundenen Sitzung, in welcher die Damen auf die einzelnen Verkaufsstände usw. verteilt wurden, wurde auch das Eintrittsgeld festgesetzt. Heute Abend findet wieden eine Sitzung im Saale des Herrn Schulze=Selmig statt, zu welcher alle Damen und Herren, die mitzuhelsen bereit sind, eingeladen sind. *(Bahnmeisterversammlung.) Gestern trafen auf der hiesigen Station ekwa dreißig Bahnmeister aus der näheren und weiteren Umgebung unserer Stadt ein, unn unter Führung von Ingenieuren der Braunschweiger Firma Max Jüdel, welche bekanntlich die elektrischen Stellwerke unseres neuen Bahnhofes erbaut, genannte Anlagen bei erläuterndem Vortrage eingehend zu besichtigen. Im Anschluß an die Besichtigung fanden sich die Herren zu einem Glase Bier beim Bahnhofswirt Herrn Otlinghaus und einem gemeinschaftlichen Mittagessen im Hotel zur Post zusammen. *er(Bahnpersonalie.) An die hiesige Station versetzt ist seit vorgestern Herr Statonsassistent Hinkel, bisher in Kupferdreh. 00(Einen schweren Zusammenstoß) gab es in der Nacht zum Samstag im hiesigen Bahnhofe. Ein Güterzug stieß mt einem zweiten, flottrangierenden Güterzuge zusammen. Die Lokomotive wurde dabei schwer beschädigt, der Heizer verletzt, jedoch glücklicherweise nicht sehr schwer. Auch eine Reihe Wagen wurde zertrümmert, darunter ein Wagen, der hochbepackt war mit— Lampen aus Neheim=Hüsten. Wie diese Ladung jetzt aussieht, kann man sich wohl denken. Die hiesige Werkstätte ging sofort an die Aufräumungsarbeiten, sodaß morgens das Verkehrshindernis wieder behoben war. k(Wer hat ihn gesehen?) Der Sohn des am 14. ds. Mts. von Gelsenkirchen nach Hennen verzogenen pens. Vollziehungsbeamten Herding hat sich am 15. ds. Mts. aus seiner Wohnung entfernt und ist nicht zurückgekehrt. Derselbe ist nachmittags zwischen 6 und 7 Uhr auf der Chaussee zwischen Rheinen und Schwerte gesehen worden; derselbe befindet sich im krankhaften Zustande. Er ist 22 Jahre alt, auf beiden Füßen verkrüppelt, trug schwarzen Cheviot=Anzug und braunen Hut. Derselbe hat Papiere auf seinen Namen, Ernst Herding, bei sich. Personen, die über den Verbleib des jungen Menschen etwas wissen, werden gebeten, den Eltern umgehend Nachricht nach Hennen zu geben. (Um Nachdruck wird gebeten). **(Turnerisches.) Der hiesige„Schwerter Turnverein“, Mitglied der Deutschen Turnerschaft, hatte gestern eine Riege von dreißig Turnern unter Führung der Herren Ernst Müller und Vorsitzenden Oberingenieur Nake zur 50jährigen Jubelfeier des Turnvereins„Eintracht“ nach Dortmund zum Freden baum entsandt. An dem Feste nahmen über 5000 Turner teil. Die Schwerter Riege führte unter allseitigem Beifall Uebungen am kombinierten Pferd und Barren vor. Gut Heil! ** Der deutsche Dilettantenbund, dem auch der Schwerter Dramatische Verein„Humor“ angehört, hält seinen diesjährigen Bundestag in der Zeit vom 14. bis 16. April in Dortmund ab. Die Verhandlungen und Festlichkeiten finden in den Lokalitäten des Gewerbevereins statt. Aller Voraussicht nach werden eine Menge Dilettanten während dieser Tage nach Dortmund pilgern, daß außer den interessanten Verhandlungen auch größere Aufführungen geplant sind, wovon sich die besten Dilektanten der verschiedenen Bezirke beteiligen werden. Der Bund, der erst kaum 4 Jahre besteht, hat sich bereits in den kunstliebenden Kreisen großer Beliebtheit erfreut, er ist ständig bestrebt gewesen, die Volksbildung durch Abhaltung von Rezitationsvorträgen, Uebung von Literatur und dramatischer Kunst zu fördern. Der Bund hat nichts gemein mit den gewöhnlichen Dilettantenvereinen, die mit Vorliebe die dramatische Kunst nur als Mittel zum Zwecke betrachten, um durch Darbietungen der niedersten Art sich auf der Bühne zu zeigen. Die Parole des deutschen Dilettantenbundes, dessen Sekretariat sich in Dortmund, Hohensyburgstraße 9, befindet, ist, sich in erster Linie gute Theatervorstellungen von Berufsspielern anzusehen. Vereint mit den Literaturstudien, die er betreibt, will er hiermit den Geist nach des Tages Mühe und Arbeit bilden. Der Bund gibt auch eine eigene Fachschrift heraus; dieselbe wird von dem Theaterschriftsteller Friedr. Ewald=Dortmund redigiert. Herr E. ist beauftragt worden, eine besondere Festschrift zu verfassen, worin über das Wesen des Bundes und Dilettantismus näheres geschrieben werden soll. Die Theatervereine„Nordstern" und „Preziosa“=Dortmund haben vereint mit dem Sekretariat des Bundes die lokalen Leitungen des Bundestages übernommen Evgste, 18. Juni.(Einen schönen Erfolg) hatte der unter Leitung des Herrn Lehrer Schulte stehende Gesangverein„Eintracht“ gestern auf dem Gesangwettstreit in Werdohl zu verzeichnen. Dieser Erfolg ist uumso höher anzuschlagen, als der nur 25 Sänger zählende Verein in der zweiten Klasse und unter sehr starker Konkurrenz sich seine Preise holte. Mit 76 Punkten wurde ihm der zweite Preeis zuerkannt; gesungen war das Lieed„Die Maiennacht". Im Ehrenpreissingen errang der Verein dann noch mit dem Liede„Dich grüßt der Mai“ mit 78 Punkten den dritten Ehrenpreis. Der wackeren Sängerschar und ihrem tüchtigen Dirigenten sprechen wir unsere besten Glückwünsche aus. Die Bismarckfeier auf Hohensyburg. *erk Hohensyburg, 16. Juni. Unbestimmt und trübe war ddas Wetter während des heutigen Vormittags gewesen, aber immer mehr brach die Sonne durch, als Mittag vorüber war, und so war es erklärlich, daß auch heuer wieder die Scharen der Bismarckverehrer, die der stolzen Höhe zustrebten, nach Tausenden zählten. Aus allen Gauen ihres reichgesegneten, arbeitsfreudigen Heimatlandes strömten die Westfalen mit ihren Frauen, Söhnen und Töchtern herbei, um in weihevoller Stimmung des Einigers des deutschen Reiches zu gedenken angesichts des wuchtigen, in das sonnige, von silberglänzenden Flußstreifen durchGerechte Vergeltung. Roman von Martin Wehrau. 8 Abends um halb sechs Uhr schloß auch Karr seine Arbeit und eilte nach Hause. Auch er hatte einen weiten Weg. In einer entlegenen, engen Gasse, in deren alten, unbequemen Häusern Handwerker und kleinere Beamte wohnten, hatte er ein Zimmer und eine Küche inne. Die Fenster des Hinterhauses gingen auf ein winziges Gärtlein hinaus, das dem Eigner des Nebenhauses gehörte. Ein großes Gemüsebeet, ein kleineres mit billigen Blumen und zwei Rosenstöcken bildeten den verkümmerten ganzen Garten. Aber Licht und Luft gab er der kleinen Behausung des Sollizitators, und jetzt im erwachenden Frühling drang auch frischer Erdgeruch herein. Karr begrüßte in der Küche erst seine Frau, eine bekümmerte, aber sehr geschäftige Person, die auf einem Spirituskocher eben ein Töpflein Suppe erwärmte. „Wie geht's dem Jul?“ fragte er. Sie zuckte mit den Schultern.„Ich glaube, er schläft ein wenig.“ Sie strich sich die grauen Haare unter das Häubchen zurück und sah Karr an.„Hast Du nicht ein paar Heller auf Wein für Jul?" flüsterte sie. Der Sollizitator seufzte.„Nein, Mutter, der Doktor gibt keinen Vorschuß mehr. Frau Karr sagte nichts mehr, da sie aber das Gesicht über das kleine Blechgefäß beugte, schien es, als ob ihre großen, ruhigen Augen feucht seien.„Trag' Jul die Suppe selbst hinein,“ wandte sie sich nach einer Weile an den Gatten und kostete sie mit einem Löffel.„Sie ist gerade warm genug. Dann sollen wir dem Doktor noch einmal sagen, wie viel Grad Jul hat. Tu's abmessen. Du kennst Dich davei aus, Vater.“ Karr nahm den kleinen Topf und trat in das ziemlich geräumige Zimmer. Es war reichlich mit Möbeln ausgestattet, blitzblank und freundlich. Alles aber alt und ärmlich, überall Spuren von übermäßig langer Benützung. Ein bleicher, magerer Kopf wandte sich aus den rotgestreiften Kissen eines Bettes neben dem Fenster ein wenig empor, und eine sehr schmale, fast fleischlofe Hand streckte sich dem Sollizitator entgegen. „Grüß Gott, Jul!“ sagte dieser und drückte die Finger des Kranken zärtlich. Grüß Gott, Vater," war die leise Erwiderung. Der Kranke sah sehr alt aus; in dem Antlitz lag Furche neben Furche und der Hals war dünn und lang. Es war der Sohn Karrs, aber wenn nicht sein Haar blond gewesen wäre, hätte dies niemand gedacht; er sah beinahe älter aus, als der Sollizitator. „Wie geht es, Jul?“ fragte der letztere. „Danke, Vater, besser.“ In kurzen, hastigen Zügen trank Julius die Bouillon, die ihm der Vater an die Lippen hielt. Hierauf maß Karr mit dem kleinen Thermometer in der Achselhöhle die Körpertemperatur, die stets schwankte, aber nie eine normale werden wollte. Dann saß er auf dem Bettrande und erzählte ihm, wie er den dicken, gelben Kanarienvogel, der gegenüber dem Bette in einem kleinen Käfig saß und ein paar Takte sang, erworben. Der Ausländer war irgendwo davongeflogen und eine Katze verfolgte ihn auf dem Dache, auf dem er sich niedergelassen. Zu Tode geängstigt, schoß der Vogel hinunter in den Hof, mitten in eine Kiste mit Asche und Ruß, daß er schwarz wie ein Rabe wurde. Ganz ruhig ließ er sich dort von Karr fangen. Sie sperrten ihn in ein Bauer und er fühlte sich bald heimisch, aber noch lange dauerte es, ehe sein Gefieder wieder die ursprüngliche gelbe Färbung zurückerhielt. Jul schlief, als der Sollizitator seine Erzählung beendet hatte. Auf den Zehenspitzen ging letzterer in die Küche zurück. Dort nahm er ein sehr bescheidenes Nachtmahl ein, dann zog er sich wieder den Ueberrock an.„Ich werde jetzt zum Doktor gehen, Mutter." „Ja, und dabei könntest Du vielleicht einmal zur Toni hinausschauen Sie wohnen noch in der Fischergasse. Voriges Jahr als der eine Bub’, der Franzi, krank war, hat sie sich sechs Kronen bei mir geborgt. Jetzt täten wir's brauchen. Karr stimmte zu.„Brauchen tun wir's, wie der Blinde das Augenlicht. Aber ob sie's haben werden, das ist die Frage. Hinschauen kann ich ja. Alsdann geh' ich Brauchst nicht warten, bis ich komme. Bis in die Fischergasse ist ein weiter Weg. Aber die Stubentür verriegel' nicht, damit ich nicht klopfen muß; der Jul könnt' sonst aufwachen. Adieu, Mutter!" Karr schlurfte langsam davon. Beim Arzte mußte er etwa Schröeine Viertelstunde warten, ehe der vielbeschäftigte Dr. der erschien. Die Mitteilung des Sollizitators befriedigte ihn.„Gut, gut. Es geht jedenfalls besser, und wenn kein Rückfall eintritt, wird sich's schon machen. Jetzt nur sehen, daß der junge Mann zu Kräften kommt, das übrige geht dann von selbst.“ * Karr machte sich dann auf den Weg zu seinem Schwager. Es war eine warme, ziemlich dunkle Nacht. Der Mond, welcher über dem Horizont langsam emporstieg, wurde meist von Wolken umhüllt. Der Sollizitator schritt neben einer schmalen, aber weit sich dehnenden Parkanlage auf dem weißblinkenden Trottoir dahin. Der Wind rauschte leise in den frischbelaubten Bäumen, von Ferne hörte man das Rollen von Wagen; schäkernde Liebespaare huschten in dem Schatten der Bäume, manchmal klang ein helles Lachen dazwischen. Karr förderte nicht eben seine Schritte, er hatte ja viel, so viel zu denken, zu sorgen. Von dem Parke bog auf das Trottoir gerade im vollen Lichte einer Laterne ein alter Herr ein, der Karr so forschend ansah, daß dieser unwillkürlich aufblickte.„Ah, guten Abend, Herr Reinhausen, sagte er im nächsten Augenblick und zog höflich den Hut. „Guten Abend, Herr Karr," erwiderte der Privatier.„Ich mache gerabe einen kleinen Spaziergang und wundere mich dabei, wie die Stadt doch gewaltig zunimmt. Ich wohnte vor etlichen dreißig Jahren auch da, als ich noch Buchhalter war. Da war’s ganz anders.“ Reinhausen sprach langsam, er war sichtlich gut aufgelegt, und sein freundliches, rundes Gesicht schimmerte rot.„Ja, damals waren andere Zeiten, lieber Karr. Und wissen Sie, warum ich just da herumstreife? Meine Frau, Gott hab' sie selig, stammte aus diesem Viertel, und übermorgen feiert mein Neffe Hochzeit. Da wird man, wenn man betrachtet, wie die Zeit vergeht, halt ein bißchen rührselig."„„ Der Soklizitator nickte höflich.„Ja, Herr Reinhausen haben recht; früher waren doch andere Zeiten.“ Der Privatier blieb stehen, brachte umständlich ein Zigarrenetui aus der Tasche, bot Karr einen Glimmstengel an, wie er sagte und zündete sich selbst eine Regalia an. 132,20 zogene Tal hinabblickenden Kaiser Wilhelm=DenkDie erst: Rede am Denkmal hielt der Vorsitzende des Bismarcbundes, Herr Emil Schuls gup.Hurgen. Er nahm Bezug auf das neu enthüllte Lum g Bismarckdenkmal, von dem er u. a. ausführte: Hamburg hat dem Helden ein Denkmal geschaffen, in welchem sich alles das vereinigt, was bei einem Bismarck zur Gestaltung drängt, sein Denkmal, welches da Große, Heldenhafte, Symbolische in seinem einer Gestalt zusammenfaßt, In. dex Gismarcks Züge lands für das geeinte Vaterland, der. 96 trägt. Von grünem Hügel am Strande der Elbe, rie senhaft die weite Gegend beherrschend, schaut er herunten— ein gewaltiger Held, die„riesenhafte Verkörperung sdes natronalen Geratenr. Sein Bild schaut hinab auf den Strom, der von hier aus zur Weltstraße wird. Weiter erwähnte der Redner die Zustände in Rußland, verglich sie mit den ruhigen, festen, gesicherten Verhältnissen in unserem Vaterlande und schloß mit einem brausend aufgenommenen Kaiserhoch. Mächtig klang dann die tionalhymne, von Tausenden vaterlandsliebender Westfalen gesungen, von der HHöhe hinab. Zu der eigentlichen Festrede nahm sodang Herr Dr. Hug o=Hagen das Wort. In zündenden pries er Bismarcks Werk. So hieß es an einer Stelle: „Mit scharfem Hieb wußte er den verwirrten Knoten zu lösen, aber ebenso verstand er es auch die feinen Fäden wieder auszuspinnen, die heute als ein fest Band Nord und Süd umschließen. Er verstagh eg, Welt vor Augen zu führen, welch preußisch=deutschen Heere wohnt. Er wußte Deutsch land ein Uebergewicht in der Reihe der Großmächte Europas zu sichern. Niemals hat Bismarck jedoch seine Macht mißbraucht: er hat die deutsche Heeresmacht als einen wichtigen Faktor einzusetzen gewußt, inn es galt deutsch= Interenen Ju Friehiepend, Positie zu andererseits auch stets eine fried##rene rrin treiben, eine Politik, die noch heute unser Kütsegn, sein Panier geschrieben hat. Ihn vermissen wir heute, wo es einem englischen Könige beinahe gelungen ist, Deutschland zu isolieren, einen solchen Helden. Aber es wäre nicht im Sinne des großen Toten im Sachsenwalde, wollten wir nun in Klagen ausbrechen. Nein, im Gegenteil,„Mit Gott für König und Vaterland, mit Gott für Kaiser und Reich“, das wäre die Losung, die ein Bismarck uns auch heute noch zurufen würde.“. Nach dieser mit großem Beifall ausgenommenen Rede wurde„Deutschland, Deutschland über alles“ gesungen und dann gings unter Vorantritt der Kapelle der 43. Artillerie aus Krefeld zurück zum Festsaal, wo Herr Rektor Schnur=Altena das Hoch auf das Vaterland ausbrachte. Während der aufs angenehmste verlaufenen Feier wurden dann noch verschiedene Ansprachen und unterhaltenden Vorträge gehalten; u. a. hielt Herr Dr. Klug aus Westhofen eine weihevolle, mit humoristischen Pointen geschmückte Rede auf die Frauen, bei welcher er von Bismarcks Briefen an seine Frau ausging. Draußen entwickelte sich allmaylig ein gemutliches Leben und Treiben. Garten und Veranden waren dicht besetzt, man freute sich des schönen Tages und der herrlichen Aussicht und setzte zahlreiche— Bowlen an, so auch dem inneren Menschen sein Recht zuteil werden lassend. Auch das heutige Fest hat wieder bewiesen, vaß die Anteilnahme an der Bismarckfeier nicht nur nicht abflaut, sondern eher noch von Jahr zu Jahr zunimmt. Westfalen und Rheinland. Kleine Chronik. Metz, 14. Juni. Auf dem Luxemburger Bahnpostamte wurden bei der Umladung zwei Postbeutel mit zusammen 10000 Franken Inhalt, die für die Generalkasse bestimmt waren, gestohlen. Gegen die beiden bei der Umladung beschäftigten Postbeamten Kayl und Kaiser ist Untersuchung eingeleitet, aber bis jetzt ohne jeden Erfolg. Man glaubt,, daß der Diebstahl von einem Vorübergehenden in dem Augenblick ausgeübt worden ist, als die Aufmerksamkeit der beiden Beamten abgelenkt war. Die Umladung geschieht mittelst Handkarren auf offener Straße. Algier, 15. Juni. Nach Mitteilungen aus der Provinz Constantine haben zahlreiche heftige Hagelschläge, die sich seit Tagen folgen, ungeheuere Verheerungen angerichtet und in einzelnen Strichen die gan ze Ernte vernichtet. Besonders sind die Aecker, Felder und Wiesen um Soukaras und Tebessa herum hart mitgenommen worden. * Dortmund, 16. Juni. Das Urteil im Prozeß Hüger wurde heute mittag gefällt. Es lautete auf Freisprechung und zwar nahm das Gericht an, daß der Oberst a. D. Hüger bei Abfassung seiner Broschüre „Wie es meiner Petition im Reichstage erging“, sich in einem krankhaften Zustande befunden habe, der seine Willenskraft ausschloß. Es wurde daher nach dem Gutachten des Sanitätsrates Dr. Murmann mach§ 51 des St.=G.B. auf kostenlose Freisprechung und Einziehung der Platten erkannt. * Lüdenscheid, 16. Juni.(Ermordet.) Das vor 14 Tagen durch den Arbeiter Mertens entführte 6 Jahre alte Kind der Eheleute Crau ist nunmehr als Leiche in einem Walde bei Claswipper aufgefunden worden. Der Unmensch hat zunächst das Kind getötet und sich dann erhängt. Die kleine Leiche wurde in der Nähe des Ortes gefunden, an dem man auch die Leiche des Mertens fand. Bottrop, 16. Juni.(Eine Bluttat) wurde heute früh in der Bauerschaft Fuhlenbrock verübt. Die in einem Hause wohnenden Familien Thiechame und Bär lebten seit einiger Zeit nicht in bestem Einvernehmen. Heute früh entstand gegen 4 Uhr ein Wortwechsel zwischen den beiden Frauen. Der 26jährige Heinr. Th. ergriff Partei für seine Mutter. Daraufhin kam der Ehemann B. mit einem geladenen Revolver aus der Wohnung und schoß dem Heinrich Th. eine Kugel in die Brust. Th. stürzte sofort zu Boden; die Luftröhre ist ihm durchschossen worden. Er wurde in das hiefige Krankenhaus geschafft, wo er hoffnungslos darniederliegt. Der Revolverheld wurde kurz nachher verhaftet. * Duisburg, 15. Juni.(Die Strafkammer 2) des hiesigen Landgerichts verhandelte heute gegen n 13jährigen Schüler Paul Sikera, Josef Sikora und Paul Bolte aus Hamborn wegen Kirchendiebstahls. Die Angeklagten haben in der Zeit vom Dezember v. J. und Januar d. Is. insgesamt 7 Opferstöcke der Kirchen in der Gemeinde Hamborn erbrochen und ihres Inhaltes beraubt. Außerdem haben die Angeklagten in einer der Kirchen den Altar verunreinigt. Das Urteil lautete gegen die beiden Sikoras auf je 3 Monate, gegen Bolte auf 3 Wochen Gefängnis. Gesundheitspflege. Des Sommers Würge=Engel unter unseren Kleinsten. Wenn der Herbst mit seinen rauhen Winden, der Winter mit seiner strengen Kälte und das Frühjah mit den plötzlichen Temperaturschwankungen direkt oder sindirekt durch gesundheitsschädliche Einwirkungen oft so viele hoffnungsvolle Menschenknösplein zum Opfer fordern, dann sind die Eltern genigt, den lieben warmen, Sommer Herbeizuwünschen, als die gesundeste und für die Kleinen unschädlichste Jahreszeit. Aber doch ist die Kindersterblichkeit des Sommerquartal bedeutend größer, als die der anderen Quartale; selbst alle in den rauheren Jahreszeiten vorherrschenden Krankheiten zusammengenommen— wie Diphterie, Bräune, Lungenerkrankungen, Katarrh usw.— bringen die Gesammtsterblichkeit unserer Kinder nicht zu solch grausiger Höhe wie eine einzige Kinderkrankheit: die Brechruhr. In Berlin beträgt die Sterblichkeit der Kinder bis zum fünften Lebensjahr an Diarrhöe im Juli, August und September ungefähr 55 Prozent, also über die Hälfte aller Todesursachen Und zwar ist diese mörderische Krankheit um so gefährlicher, je jünger die Kindlein sind. So gehörten von je 100 Gestorbenen dem ersten Lebensjahre an im Deutschen Riche 34, Bayern gegen 37 und in Berlin 37, also stets über ein Drittel. Und etwa wieder der dritte Teil dieser Todesfälle kommt auf die Sommermonate, in den Großstädten sogar noch mehr. Auch fast bei allen sanderen Völkern sind diese Sterblichkeitsziffern mehr oder weniger gleich. Nach den Berechnungen des Professors A. Hirsch haben von 705 Ruhrepidemien unseres gemäßigten Klimas geherrscht: 529 im Sommer, 137 im Herbst, 14 im Winter und 25 im Frühling; also im Sommer über dreimal soviel als in den anderen Jahreszeiten zusammen. Die Brechruhr entreißt eben in der heißen Periode Tausende und Abertausende rosiger Kindlein den Armen der liebenden Mutter. Stets ist die Krankheit umso häufigerund umso bösartiger, je höher die Hitze des Sommers sich gestaltet. Was ist nun der Grund hierfür? Zunächst wird der menschliche Organismus durch die Hitze des Sommers viel schlaffer und weniger widerstandsfähig gegen etwaige Krankheitserreger. Wie unser Körper größere Strapazen, z. B. auf Fußtouren, in der heißen Jahreszeit nicht so lange aushält, als in der kühleren, so vermag er dann auch den Anfechtungen von Unwohlsein und Krankheiten meist nicht genügenden Widerstand zu leisten. Außerdem besitzt im Sommer der Verdauungsapparat aller Menschen, auch der Erwachsenen, eine sehr große Reizbarkeit, er ist leicht disponiert zu Erkrankungen mannigfacher Art. Fast jeder wird wohl aus eigener Erfahrung wissen, daß sich im Sommer selbst der kleinste Diätfehler meist rächt durch Diarrhöe, krampfartige Magenschmerzen, oder Erbrechen oder gar durch alles zusammen. Wie viel mehr muß dies natürlich der Fall sein bei dem zarten kindlichen Organismus, welcher gar nicht vollständig entwickelt ist. Aber auch indirekt übt die sommerliche Hitze gesundheitsschädlichen Einfluß aus. Die Speisen werden durch sie oft schon von einem Tag zum andern in Zersetzung überführt und dadurch zu einer gefährlichen Nahrung gemacht. Jede Hausfrau weiß, wie schnell die Milch im Sommer in Zersetzung übergeht. Solche Milch ist für die kleinen Kinder einfach Gift, auch wenn sie nicht sichtbar verändert ist. Die Milch ist immer durchzukochen, an einem kühlen luftigen Ort aufzubewahren und vor dem Gebrauch mit einem Streifen Lakmusppapier zu prüfen, färbt sich dieser rot, so ist die Milch sauer geworden und für Kinder nicht mehr zu verwenden. Natürlich müssen auch Flasche, Saugpfropfen, überhaupt alle Gegenstände, welche mit dem Mnde der Kleinen in Berührung kommen, stets aufs Peinlichste mit abgekochtem Wasser gereinigt werden. In der Befolgung dieser hygienischen Grundregeln wirö noch viel gesündigt, was schon daraus hervorgeht,daß die Brechruhr unter den künstlich genährten Kindern viel größere Opfer fordert als unter den Brustkindern. Ein anderer Fehler, der häufig bei der Mischung von Kindermilch gemacht wird, besteht darin, daß man das Wasser zur Verdünnung erst nach dem Kochen der Milch zugießt. Erhalten die Kleinen Kindermehle oder andere künstliche Ersatzmittel, so soll man über deren Güte erst den Arzt um Rat fragen. Ganz zu verwerfen aber und sehr schädlich ist der in manchen Gegenden beliebte aus mehligen Substanzen hergestellte Brei, der nicht nur der ausreichenden Nährkraft entbehrt, sondern auch sehr oftVerdauungsstörungen nach sich zieht. In vielen Familien herrsch noch die Unsitte, daß die kleinen Kinder mit an den Tisch genommen werden, um sie an die Kost des Hauses zu gewöhnen. Grobes Brot, grünen Salat, ungekochtes Obst, rohe Früchte, geröstete Kartoffel und fette Speisen sollte selbst ein zwei Jahre altes Kind noch nicht erhalten. Auch an erregende Getränke, wie Wein, Bier, Branntwein, Kafsee, Tee, dürfen Kinder nie gewöhnt werden. Im Kindesalter ist vollständige Abstinenz geboten. Nicht selten liegt die Ursache des Magendarmkatarrhes auch in einer Erkältung des Magens. Bei Kleinen muß der Magen stets warm gehalten und darf beim Emporheben nicht entblößt werden. In der Nacht aber werden törichterweise selbst in der heißen Jahreszeit die armen Kindlein mit dicken Federbetten fest zugedeckt, fangen dann nttürlch bald an zu schwitzen, strampeln sich bloß und ungehindert kann die kühle Nachtluft ihren schädigenden Einfluß auf die nur durch eine dünne Hautdecke geschützten Eingeweide ausüben. Man decke also die Kinder nur leicht zu, damit sie nicht in Schweiß geraten. Wendet man all diese Vorsichts= und Vorbeugungsmaßregeln mit Liebe und Sorgfalt an, dann wird die Brechruhr hoffentlich nicht mehr so erschreckend große Opfer unter den kleinen Lieblingen fordern und so viele herzige, rosige Menschenkindlein den Armen der liebenden Mütter entreißen. Dr. Otto Gotthilf. Kriegsgericht. Kieel, 17. Juni. Der Feldwebel Schmedemann vom Infanterieregiment Herzog von Holstein wurde vom Kriegsgericht wegen Urkundenfälschung zu sechs Monaten Gefängnis und Degradation verurteilt. Er wurde am 3. Januar verhaftet, weil 1400 Mark Kompagniegelder fehlten, deren Verbleib unaufgeklärt ist. Gräßlicher Selbstmord. Kopenhagen, 17. Juni. Gestern nachmittag erstieg in einem Vorort Kopenhagens ein jüngerer, gutgekleideter Mann den Rathausturm bis zum, u.. Hier sprang er auf die Ballustrade und stürzle### in einer Höhe von 215 Fuß mit einem furchtbaren weitgehörten Schrei in die Tiefe. Auf das Dach des Hauptgebäudes niederschmetternd, fiel er schließlich als blutige Masse auf die Straße herab, während mehrere Frauen bei diesem Anblick das Bewußtsein verloren. Die Persönlichkeit des Selbstmörders ist unbekannt. Große Bergarbeiter=Demonstration. Prag, 17. Juni. An der Demonstration der Bergarbeiter in Brüx beteiligten sich 18000 Personen. Die Versammlung mußte vom Regierungsvertreter aufgelöst werden, da die Mitteilung, daß, blaßh höhung der Krankenunterstützung geneyungt würde, die anderen Forderungen aber abgelehnt werden, erbitterte Szenen hervorrief. Die Zugänge zur Stadt, wohin die Demonstranten ziehen wollten, waren von Gendarmerie und Kavallerie abgesperr. Meuterei im Gefängnis. Wilna, 17. Juni. Im hiesigen Gerichtsgefängnis haben die Gefangenen revoltiert. Sie steckten ihre Strohsäcke, Tische und Banke in Brand. Das einschreitende Militär machte von der Feuerwache Gebrauch. Mehrere Gefangene wurden erschossen, viele erlit schwere Brandwunden. Schiffshavarie. 17. Juni. Während einer Probefahrt Havarie. 6 Matrosen wurden schwer verletzt Das Schiff legte sich auf die Seite. Vom sozialen Felde. Englische Arbeitszeit am Sonnabend. In einer Sitzung der Sozialen Kommission der vereinigten Kaufmännischen Vereine Barmens machte der Vorsitzende die Mitteilung, daß die von ihm im April d. J. im Ausschuß des Kaufmannsgerichtes eingebrachte und einstimmig angenommene ärteren Einführung der sogenannten„chlag 13.1 uhe den Fabriken an Sonnabenden— Arveit, mittags— bereits den Erfolg gehabt, daß 69 Betrieve, burunter die größten, mit insgesamt 7000 Arbeitern die Aenderung der Arbeitsordnung bei der Behörde beantragt und erhalten hätten. Bei einer Arbeiterzahl unter 20 ist eine Arbeitsordnung nicht vorgeschrieben.— Wir halten. richtung für ein dringend notwendiges Korrelat des Achruhrtadenschlusses und vor allem der so dringend wünschenswerten völligen Sonntagsruhe im Kaufmannsgewerbe. Es gibt so mancherlei Einkäufe, wir erinnern z. B. an den Kauf von Kleidungsstücken, die mit völliger Ruhe und, wenn möglich, bei geslicht gemacht werden müssen. Wann soll sie ein Familienvater erledigen, der werktäglich bis 7 Uhr und noch länger seinem Berufe nachgehen muß, wenn ihm nicht auf irgend eine Weise die nötige Zeit dafür gegeben wird? Vermischtes. * Eine sinnige Methode) hat ein findiger Gläubiger ermittelt, um einen„unauffindbaren“ Schuldner eine gerichtliche Vorladung richtig zustellen zu lassen. Er sandte einfach gleichzeitig mit der gerichtlichen Ladung einen Geldbrief an den Gesuchten. Für den Geldbrief, der natürlich in Wirklichkeit kein Geld enthielt, ließ sich der Adressat sehr bald finden. Und als dies geschehen war, wurde ihm gleichzeitig mit dem Geldbrief die gerichtliche Ladung behändigt. Probatum est! Durch die Blume. Dienstmann:„Lieber Herr Baron, seien Sie doch so gut und jeben Sie mir'ne schriftliche Bestätigung, daß Sie mir diesmal keen Trinkgeld jejeben haben; denn sonst glaubt meine Frau, ick hätt's versoffen!“ Verantwortlicher Redakteur: Wilh. Schade, Schwerte. K CC * 6 Gestern morgen 2 Uhr entschlief sanft nach kurzemschwerem Leiden unser lieber treusorgender VaterSchwieger- und Grossvater, Bruder, Schwager und Onkel, der Königliche Bahnwärter a. D. Prieurieh Btrathen. im beinahe vollendeten 64. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Im Namen der traueraden Hinterbliebenen Karl Edelhoff jr u. Familie. Schwerte, den 18. Juni 1906. Die Beerdigung flindet Dienstag nachm. 2½ Uhr. vom Sterbehause Schwerte, Westenstr. 7 aus, statt. Bekanntmachung. Die Gewerbesteuerlisten der Gemeinden des Amtsbezirks Barop für das Steuerjahr 1906 liegen vom 18. Juni d. Is. ab eine Woche lang im Amtshause hierselbst— Zimmer Nr. 4 zur Einsicht für die Steuert flichtigen des Veranlagungsbezirks aus Barop, den 9. Juni 1906. 1 Der Amtmann: Freitag. Auf die der gegenwärtigen Nummer des Kreisblattes beigefügte Beilage, enthaltend die Satzung der Sparkasse der Aemter Barop, Kirchhörde und Wellinghofen vom 12. Februar 1906 bis 9. März 1906 mache ich hierdurch aufmerksam. Barop, den 15. Juni 1906. Der Vorsitzende der Sparkassen=Abordnung: Freitag, Amtmann. Meine anerkannt feinste Tapralskie utte. 1.25 Mk. p. Pfand empfiehlt Cart ArOg. Grasverlauf. Der Graswuchs auf folgenden Grundstücke des städtischen Wasserwerts soll meistbietend verkauft werden und zwar: 1. Auf der Wiese an der Köln=Berliner=Provinzstraße bei Schürmann in Bickefeld am Donnerstag, den 21. Juni, vormittags 8 Uhr, Zusammenkunft an Ort und Stelle. 2. An der Röhrenßraße unterhalb des Schwerter Forsthauses am Donnerstag, den 21. Juni, vormittags 9 Uhr. Zusammenkunft am Forsthause. 3. Die Kleefrucht auf dem früheren Ww. Louis Eckeyschen Grundstücke in der Schwerterheide unweit des Armenhauses am Donnerstag, den 21. Juni. vormittags 10 Uhr. Zusammenkunft an Ort und Stelle. 2234 Dortmund, den 15. Juni 1906. Die Verwaltung des städtischen Wasserwerks. Ainle Bacher und Schrirten insbesondere alle Neuerscheinungen des deutschen Buchhandels liefert bezw. besorgt schnelstens L Carl Braue Buch- Kunst- und Dülk Braus, Schreibwarenbandi. Grosse Maarktstrasse 3—5. Pretinzial austat-Kaek Sss alle unsere evangelischen in Stadt und Lans! Die evangelischen Kirchengemeinden zu Schwerte rüsten sich auf hohe, festliche Tage. Ein liebwerter Gast will zum allerersten Male in unserer Mitte Einkehr halten. Am 26. und 27. Juni ds. Is., Dienstag und Mittwoch der nächsten Woche, wird der Westfälische Hauptverein der Gustav=Adolf=Stiftung hier seine Jahresfeier festlich begehen. Teure Glaubensgenossen! Wir sind die Gastgeber, als solche haben wir unabweisbare Pflichten. Wir haben dem Verein die Herberge zu bereiten. Wir grüßen die lieben Gäste mit herzlichem Willkommensgruß. Wir haben zu zeigen, daß wir die Fahne des Evangelismus frei und unentwegt hochhalten. An alle Evangelischen in Stadt und Land, weß Standes sie auch sind, richtet der unterzeichnete Festausschuß die herzliche und dringende Bitte: Stehe Keiner abseits; nehme ein Jeglicher freudig und fleißig Anteil an den festlichen Veranstaltungen, den Frühgottesdiensten in der Kirche, den Gemeindeversammlungen bei Schulze=Selmig u. im Schützenhofe. Auch wollen wir durch Ausschmückung der Straßen und durch Beflaggung der Häuser unsere hohe Wertschätzung des lieben Gastes zum dankbaren äußeren Ausdruck bringen. Dabei dürfen wir nicht vergessen, daß Kirchen und Säle, besetzt bis auf den letzten Platz, den allerschönsten Festschmuck bilden. Wohlan! Die Herzen und die Hände weit geöffnet für die mannigfachen Nöte der Diaspora! Lasset und Gutes tun an jedermann, allermeist an des Glaubens Genossen. Aus der Festordnung seien die den Gemeindegliedern zugänglichen Versammlungen hier mitgeteilt: Dienstag, den 26. Juni. Nachm. 6 Uhr: Festgottesdienst in der großen Kirche unter Mitwirkung des gemischten Chors. Festprediger: Herr Hofprediger Schniewind aus Berlin. Nachm. 8 Uhr: Oeffentliche Begrüßungsversammlung im Saale oon Schulze=Selmig mit Vorträgen der Gesangabteilung des Evangel. Arbeiter= und Bürgervereins. Kindern kann der Zutritt nicht gestattet werden. Mittwoch, den 27. Juni. Vorm. 8 Uhr: Kindergottesdienst mit Kinderchor in der großen Kirche, Kinderpredigt: Herr Pfarrer Kochs aus Hattingen. Vorm. 10 Uhr: Festgottesdienst in der großen Kirche unter Mitwirkung des Lehrer=Gesangvereins. Festprediger: Herr General= superintendent Zoellner aus Münster. Nichtkonfirmierte nehmen an diesem Gottesdienste keinen Teil. Nachm. 1 Uhr: Mittagessen bei Schulze=Selmig. Preis des Gedecks 2 Mk. Kein Weinzwang. Beteiligung der Damen sehr erwünscht. Nachm. 3 Uhr: Große Gemeindeversammlung im Schützenhofe zu welcher auch Kinder zugelassen werden. Ansprachen von Diasporapfarrern. Gemeinschaftliche Gesänge mit Begleitung des Posaunenchors. Für beide Festgottesdienste werden gedruckte Liedertexte verteilt, Gesangbücher brauchen daher nicht mitgebracht zu werden. Schwerte, den 18. Juni 1906. 2338 Der Festausschuß seine Speiserartöffeln empfiehlt L. Weinberg. PFEIFFER& DILLERS Kaffee-Essenz in Dosen.: KDFFEF-ESSENZ Jugendliche Arbeiter u. Arbeiterinnen für leichte Sortier= und Polierarbeit gesucht Nickelwerk. ** (Magnum bonum) prima Ware wieder eingetroffen und liefert zu niedrigsten Preisen franko Haus Ant. Berkenkopl. Für die Reisezeit halte ich mich zur Lieferung bezw Besorgung sämtlicher Reiseführer Verkehrsbücher und Wegekarten bestens empfohlen. Carl Braus, Buch=, Kunst= u. SchreibwarenHendlung. Gr. Marktstr. 3—5. Größte Auswahl, billigste Preise. Reparaturen werden schnell 215 und billig besorgt. 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Alle Kreis- und Lokalpollzeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbincliche Kraft. o 0 O O O C O O O O O O 0 o Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Aäresse Braus, Schwerte-Kuhr. o Montag, den 18. Juni 1906. 38. Aus großer Jeit. Kaiserin Eugenie und Bismarck. Ueber eine bisher unbekannte Episode des deutsch=französischen Krieges berichten die kürzlich erschienenen Erinnerungen des früheren preußischen Botschafters in Grafen Bernstorff. Als nach der Schlacht von nur die in Metz eingeschlossene Armee Bazaines noch kriegstüchtig war, wünschte die Kaiserin Eugenie mit Hilfe dieser Armee in Frankreich die noch junge Republik zu stürzen und das Kaisertum wieder zu errichten. Sie sandte deshalb einen Boten an Bismarck, der sich damals in Ferkieres befand, und ließ ihm ihren Plan mitteilen. Der Bundeskanzler ging auf den Gedanken der Kaiserin ein, und wünschte nur eine Er klärung Bazaines, daß er die Kaiserin als Regentin anerkannte. Zugleich forderte Bismarck, daß Eugenie persönilch einen Aufruf an das französische Volk erlasse, und in einem weiteren, von einem ihrer Vertrauensmänner unterzeichneten Aufrufe die Friedensbedingungen kundgebe, die eine Landabtretung in sich schließen sollten. Ohne weiteres erklärten sich Bazaine und sein Stab für das Kaiserreich und erkannten Eugenie als Regentin an, betreffs der Landabtretung aber verhielten sie sich ablehnend. Eugenie befand sich damals in London und dort erhielt am 23. Oktober der preußische Gesandte einen Brief von ihr, gezeichnet Gräfin von Pierrefonds, in dem sie ihn zu einem Besuche aufforderte. Der Gesandte begab sich daraufhin sofort zur Kaiserin, ihre Besprechung verlief aber ergebnislos, da Eugenie sich zu keinem Opfer verstehen wollte. Durch Vertrauensmänner von beiden Seiten wurden die Besprechungen fortgesetzt und besonders Clement Duveynois, ein Freund der Kaiserin, riet dringend zur Annahme der Foderungen Bismarcks. Napolon, sder damals als Gefangener auf Wilhelmshöhe lebte, wurde von all diesen Verhandlungen in Kenntnis gesetzt und wünschte, daß neben Bazaine auch der in Paris befindliche General Vinoy ins Vertrauen gezogen werde. Es bestand damals noch ein weiterer Plan. Mit Zustimmung Bismarcks sollte sich die französische Armze in Metz neu verproviantieren, dann, nach der unvermeidlichen Kapitulation von Paris, Bismarck unter dem Vorwand die Ordnung wielderherzustellen, die Ersetzung Trochus durch Vinoy fordern; ein französischer Gebietsteil sollte zugleich für neutral erklärt und durch die alte, am 44. September 1870 aufgelöste Kammer der Sohn Napoleons 3. als Napoleon 4. zum Kaiser ausgerufen werden. Dieser zweite Plan scheiterte an dem Widerstande der Kaiserin, ein Abkommen zu unterzeichnen, das durch die darin enthaltene Landabtretung für Frankreich ehrlos sei. Lieber wolle sie samt ihrem Sohne ihr ganzes Leben in der Verbannung zubringen. Die Verhandlungen schwebten noch, als am 27. Oktober Metz kapitulierte und durch die Gefangennahme der gesamten Armee Bazaines alle Hoffnungen auf Wiederherstellung des Kaisertums mit Hilfe dieser Armee endgültig scheiterten. Westfalen und Rheinland. * Bochum, 16. Juni.(Diebstahl.) abend wurde in einem Privathause an der Marrischen Straße in Abwesenheit der Bewohner eingebrochen. Den Spitzbuben fielen etwa 500 Mark Bargeld in die Hände. * Schwelm, 15. Juni.(Einen raffinierten Vertrauensbruch) beging der ½4jährige Kaufmannslehrling Wilhelm Gerlach, der sich heute vor der Hagener Strafkammer zu verantworten hatte. Der junge Bursche war seit einem Jahre bei dem Kaufmann Möllmann in der Lehre und durfte sich schon eines gewissen Vertrauens seikens seines Chefs rühmen. Am 20. März d. J. beauftragte letzterer den G., einen Geldbrief im Werte wvon 400 Mark zur Post zu bringen. Der Junge nahm aber die Banknoten heraus, legta statt dessen einige Papiersetzen herein, versiegelte den Brief und brachte ihn zur Post. Den nach drei Tagen einlaufenden Reklamationsbrief der betreffenden Firma vernichtete er einfach. Da die 400 Mark seinen Ansprüchen, wie Uhr, Ringe, photographische Artikel und sonstige Liebhabereien, nicht genügten, fälschte er eine Postanweisung von 150 Mark mit der Unterschrift seines Chefs und erhob das Geld. In Anbetracht des jugendlichen Alters und des noch unbescholtenen Rufes erhielt er wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung 5 Monate Gefängnis. * Barmen, 16. Juni.(Aus Liebesgram) stürzte sich der 31 Jahre alte Kaufmann E. aus Gräfrath in der Nähe der Isländer Brücke in die Wupper. Erst nach längerer Zeit gelang es einem Polizeibeamten in Gemeinschaft mit mehreren Passanten, den Lebensmüden aufs Trockene zu bringen. E., der sich bei dem Sturze einen Beinbruch zugezogen hatte, wurde ins städtische Krankenhaus gebracht. * Hattingen, 16. Juni.(Toldessturz.) Monteur Zimmermann stürzte auf Henrichshütte vom Gerüst am Hochofenbau und starb nach kurzer Zeit an den erlittenen Verletzungen. * Steele, 16. Juni.(Herabstürzendes Gestein) erschlug auf Schacht Hintzmann der Zeche „Eintrach=Tiefbau“, den Bergmann Rockicki aus Freisenbruch. N. hinterläßt Frau und 5 unmündige Kinder. * Linden, 16. Juni.(Todessturz.) Die Zeistesschwache Anna Krause ein Mädchen von 17 Jahren, sprang aus dem Fenster der elterlichen Wohllung auf die Straße, wo sie mit zerschmetterten Beinen liegen blieb. Von der Sanitätskolr ine wurde sie sterbend ins Hospital gebracht. Duisburg, 15. Juni.(Ziseierlei Maß.) Die größeren Metzger von Meiderich, Ruhrort, Laar und Beeck wollen das neu zu erbauende Schlachthars für Meiderich und Ruhrort boykottieren, indem sie alles Fleisch geschlachtet von auswärts beziehen. Der Ausfall für das Schlachthaus würde etwa 60000 Mirk betragen. Grund zu diesem Vorgehen ist die Befreiung der Großschlächterei Löckerhoff, A.=G., Gesellschaft in Ruhrort vom Schlachthaus wang durch geheimen Stadtverordnetenbeschluß. Au seine etwaige Uebertretung haben die Metzger ei##e hohe Konventionalstrafe gesetzt. Rechtspflege. 88 Ist hohes Alter ein Entlassungsgrund? Diese Frage unterlag setzt einer Prüfung vor dem Berliner Kaufmannsgericht. Ein etwa 56 Jahre alter Reisen der hatte bei seinem Engagement einen Vertrag un terzeichnet, in dem er sich verpflichtete, später weder Gerechte Vergeltung. Roman von Martin Wehrau. 2 Der Brief war vom zweiten vorhergehenden Tage datiert, also hatte der Advokat den Besuch seines Klienten, des gewesenen Fabrikbesitzers und jetzigen Privatiers Reinhausen, der in einer größeren Landstadt wohnte, noch heute zu erwarten. Dr. Schulz ließ sich mit einem Seufzer an dem Schreibtisch nieder, der sein Licht von einem breiten Erkerfenster erhielt, neben dem links ein eiserner Kassenschrank stand. Die Hände in die Hosentaschen gestemmt, den Kopf zurückgelehnt auf die harte Sessellehne, blickte er einige Zeit mit halbgeschlossenen Augen sich hin. Nach einiger Zeit Zeit stand er auf und ließ, wiewohl sreibtisch fiel das Rouleau des Fenvor sich hin. Nach einig die Sonne nicht auf den Ssters herunter. Hierauf öffnete er die Kasse und hantierte mit den Holzschalen, in denen Gold= und Silbermünzen lagen, dann in einem eisernen Kästchen, das Banknoten, Börsenscheine und sonstige Dokumente enthielt. Gr zählte das Geld. Hierauf verschloß er wieder den Schrank und setzte die Durchsicht der eingelaufenen Korrespondenz fort. Bald hielt er ein sehr elegantes, parfümduftendes Schreiben in den Händen, welches lautete:„Da ich Sonntag selbst in der Residenz eintreffe, werde ich mir die viertausend Kronen, welche zu übersenden ich Sie bat, persönlich abholen. Oder vielleicht lassen Sie mir dieselben durch einen Ihrer Leute am bezeichneten Tage um 11 Uhr vormittags ins Hotel Royal zustellen. Baronin Jefferson. NB. Es ist dies eigentlich schon der zweite Brief in dieser Angelegenheit. Sie erhielten meinen ersten nicht? Mein Stubenmädchen versichert mir, es habe ihn selbst in den Postkasten gesteckt.“ Um den festgeschlossenen Mund des Advokaten zuckte es Einige Minuten verharrte er in absoluter Bewegungslosigkeit, dann griff er zögernd nach dem nächsten Briefe. Unterdessen war in das Vorzimmer, in welchem Karr arbeitete, ein alter Herr eingetreten, den der Sollizitator höflich als Herrn Reinhausen begrüßte. Derselbe war ein kleiner, kaum mittelgroßer Mann, mit roten, vollen Wangen, die zu dem weißen, kurzgeschnittenen Haar in einem freundlichen Gegensatz standen. Die ein wenig glänzenden Aeuglein sahen munter drein. Er knöpfte sich den stark gefütterten Ueberrock auf und fuhr sich mit dem Taschentuch über die Stirne.„So, also der Herr Doktor ist zu Hause. Schön, das freut mich, dachte schon, daß ich ihn am Ende verpassen würde." Die Schlußworte sagte er etwas leiser. Dabei streifte er das Gesicht Karrs. „Sie sehen schlecht aus. Sind Sie denn krank? Was?“ Der Sollizitator verneinte.„Ich nicht, aber mein Sohn. Seit Wochen liegt er schwer krank zu Hause. „So, so! Das ist fatal, hatte auch voriges Jahr solch Malheur, mit Hans, einem Neffen, brummte teilnahmsvoll der Privatier. Dann, auf das ursprüngliche Thema zurückkommend, fuhr er fort:„Wird Herrn Doktor Schulz vielleicht nicht recht angenehm sein. Natürlich, wenn man Geld holt. Will aber für Adolf, der übermorgen in Gründorf heiratet, ein paar Kröten mitnehmen.“ Karr nickte höflich, ohne etwas zu erwidern. Der alte Herr reichte ihm die fleischige, krebsrote Rechte. „Na, wünsche baldigste Genesung für Ihren Sohn, und wenn er keine Stelle haben sollte, na, vielleicht hat mein Adolf.. ist ein guter Junge.. dann eine für ihn... 6 5„öehuug a6. Der Sollizitator dankte mit stummem, festen Handebrat. würgte ihn in der Kehle. Herr Reinhausen verschwand in der Tür zu Dr. Schulz' Zimmer. Der Advokat schreckte aus seinem Sinnen empor. Mit Herzlichkeit begrüßte Reinhausen Dr. Schulz, der eine liebenswürdige Haltung einnahm und nervöses Kopfweh als Erklärung seines blassen Aussehens angab. Der alte Herr nahm das Geld in Empfang, ließ sich zu der Hochzeit seines Neffen gern gratulieren und bemerkte endlich, daß er am nächsten Tage vom Hotel Stern aus die Reise nach Gründorf fortsetzen werde. Dann empfahl er sich. Dr. Schulz suchte unmittelbar, nachdem Reinhausen sich entfernt hatte, ein benachbartes Restaurant auf, um ein Gabelfrühstück einzunehmen Als er nach ungefähr einer Stunde zurückkehrte, lag eine leichte Röte auf seinem Gesicht und seine Augen glänzten. Karr schöpfte frischen Mut und glaubte, die Gelegenheit sei günstig, um einen neuerlichen Gehaltsvorschuß zu erbitten. Aber kaum hatte er stotternd das Ansuchen ausgesprochen, als sich die Züge des Advokaten verdüsterten.„Was soll das heißen, Herr Karr? Sie haben, obgleich wir erst den Zwanzigsten haben, bereits das ganze Gehalt als Vorschuß erhalten und wollen noch mehr?“ „Sie wissen ja, Herr Doktor, mein Sohn ist sterbenskrank,“ stotterte der Sollizitator fast schüchtern. „Ich weiß, das haben Sie mir ja oft genug vorgejammert, daß Ihr Sohn, den Sie selbst noch vor nicht langer Zeit ein ungeratenes Früchtel nannten, Sie auszieht. Es geht aber nicht, von einem weiteren Vorschuß ist keine Rede. Es muß Ordnung sein. Karr bat:„Nur ein paar, sechs oder acht Kronen, Herr Doktor.“ Der Advokat lachte auf.„Nein, Herr Karr, für heute wäre Ihnen das genug, ja, aber übermorgen kämen Sie wieder. Ich gebe keinen Vorschuß mehr, absolut nicht, sonst müßte ich Sie entlassen. Bringen Sie Ihren Sohn doch in ein Spital!“ Hart klangen die Worte Dr. Schulz'. Der Sollizitator verbeugte sich stumm und drehte sich um. Der Advokat war an den Schreibtisch getreten.„Halt, Herr Karr," sagte er,„Reinhausen hat vergessen, zu unterschreiben. Da, er nahm die Quittung, welche den Empfang von zehntansend Kronen bestätigte, und übergab sie Karr,„gehen Sie sofort ins Hotel Stern und fragen Sie nach Herrn Reiuh nsen aus O. Sie kennen ihn ja?“ Der Sollizitator nickte. „Bitten Sie ihn, diese Quittung zu unterschreiben. Das Geld hat er bereits in Empfang genommen. Haben Sie mich verste. iden? Also beeilen Sie sich Karr zog seinen Ueberrock an und begab sich sofort nech dem bezeichneten Hotel. Eine halbe Stunde später brachte er den bestätigten Schein zurück. Dr. Schulz nahm ihn schweigend in Empfang und schloß ihn in die Kasse ein. Sonst verging der Tag in der Kanzlei ohne besondere Ereignisse. Klienten kamen und gingen wie immer. Ziemlich zeitig verließ Dr. Schulz sein Bureau, sperrte beide Türen sorgfältig ab und fuhr nach seiner Privatwohnung, in einem eleganten Vorstadtviertel lag. Wiewohl der Advok: Junggeselle war und nur einen sehr geringen Teil Hause Leil oer Zeit zuzuoringen pflegte, hatte er doch ein elegantes Hein: 132.20 in Deutschland, noch in Oesterreich=Ungarn ein gleich= tung unserer Missionsaufgaben in Deutsch=Südwestafrika.“ Kurz artiges Geschäft zu gründen oder bei einer Konkur ausgedrückt lautet die Aufgabe: Nach dem stattgehabten Kampfe renztirma als Reisender einzutreten. Nach dretein- Imuß alles gesammelt werden, was übrig blieb, um wieder die halbjähriger Tätigkert erhielt er seine Kündigung, Friedensarbeit auszunehmen. Mit Hilfe der Mislionare sind in und zwar nach seiner Ansicht lediglich wegen seines diesem Jahre in Ombaro und Otjihaenna je 3000 Hereros in seine Tätigkteit ten werde bei eipro Tag des Zu zwar die streitenden und zwar nach seiner Ansicht lediglich wegen seines Alters. Es gelang ihm aber, bei einer Konkurrenzstrum wieder Stellung zu finden. Nun erhob sein früherer Chef gegen ihn Klage beim Kaufmannsgericht mit dem Antrage, daß dem enisenden bei der Konkurenzfirma sofort verbote ner Kondentionatstrafe von 10 Mart widerhandelns. Das Gericht erkannte Rechtsgüttigkeit des s. Zt. zwischen den Parteien abgeschlossenen Vertrages an, kam aber trotz den zur Abweisung des Mlägers. Der Betlagte, der sich über a Jahre lang in die Brauche eingearbeitet habe, könne seines Alters wegen nicht ohne Weiteres aufs Pflaster gesetzt werden. Das Alter sei skein Ent lassurngsgrund. Ferner müsse in Veracht gezogen werden, daß der Entlassene eine Familte mit vier Kindern zu ernähren habe uid dabei nicht lüben genügende Substistenzmittel verfüg:, um sich eine andere Posttion schaffen zu können. In diesem Falle finde auch der§ 56 des Handelsgesetzbuches Anwendung, wonach die Konkurrenztiansel wegfalle, wenn einem Angestellten von seiner Firma ohne triftigen Grumd gekündigt werde. ie NeneNepenene Kirche und Schule. Die märkische Missionsgesellschaft, eine Hilsogesellschaft der rheinisch=westsälischen Missionogesellschaft zu Barmen, seierte am letzten Sonntag und Montag, den 10. und 11. Juni, zu Hagen thr 75jähriges Bestehen. Herr Generalsuperintendent Zoellner predigte am Sonntag im Hauptgotteodienst über Hef. 36, 22 ff., worauf nachmittags um 4 Uhr eine freie Versammlung im Vereinohause folgte. Herr Missionar Niecke berichtete über seine Tätigkeit in China. Außerdem redelen die Herren Pastor Jost Ende und Koelter=Hagen, Herr Superinlendent Graeber der Herr Generalsuperintendent. Am Montag vormittag um halb 11 Uhr fand die General= versammlung statt, eröffnet und geleitet von Herrn Superintendent Niederstein Lüdenscheid. Letzterer gab im Anschluß an den 96. Psalm den Jahreobericht. Am 27. Juli 1831 in Hohenlimburg gegründet, hat die märkische Missionsgesellschaft sich von den kleinsten Anfängen an bis heute herrlich entwickelt. Nicht bloß für die Heidenwelt draußen, sondern auch für das religiöse Leben innerhalb der heimatlichen Kirche ist sie ein großer Segen geworden, verdanken doch dem von der Mission gepflegten Liebeosinn auch die mannigfaltigen heimischen inneren Missionsanstalten(Erziehungo-, Diakonissen= und Krankenhäuser) ihre Entstehung. Das spezielle Gebiet, wofür die Mark Missionsgesellschaft sorgt, ist das Hererogebiet in Deutsch Südwestafrika. Betrübend war die Mitteilung, daß die meisten Synoden im Jahre 1905 etwas weniger aufbrachten als 1904, immerhin war das Gesamtergebnis dank der Mehrerträge einzelner Synoden um 20 000 Mark gegen das Vorjahr höher(etwa 131 000 Mk.). Sodann referierte der Herr Missionsinspektor über:„NeugestalGise der Misstonate sind in diesem Jahre in Ombaro und Otjihaenna je 3000 Hereros in drei Monaten allein zur Unterwerfung bewogen worden. Solche Hereros gilt es wieder um das Evangelium zu sammeln. Verschwunden sind heute die selbständigen Stämme mit ihren Kapitänen(Häuptlingen), der Reichtum an Viehherden, die Hälfte der Bevölkerung, ferner das alte patriachalische Leben und Wirken der europäischen Missionare. Das neue ist das: es gilt unbeachtet der Stammeszugehörigkeit, Lokalgemeinden zu bliden, an denen sich die Missionare nur allein der geistlichen Wirksamkeit zu widmen haben. Für den eigenen Unterhalt, wie früher, können sie nicht mehr beitragen. So wird ihr Unterhalt für die heimische Missionsgemeinde viel kostspieliger. Neu und gut ist, daß die zügellosen weißen Elemente zurückgedämmt, der Alkoholverbrauch eingeschränkt wurden. Unter den Eingeborenen sind heute 4 Gruppen zu unterscheiden: 1. Treugebliebene=(Hottentotten und Herero) z. B. in Keetmanshoop und Beersaba, Grootsontein usw. 2. die von Soldaten zurückgeholten in Gesangenen Kraalen untergebrachten, z. B. Swakopmund Lüderitzbucht. Bei beiden Gruppen ist immer der missionarische Einfluß tätig gewesen. 3. Die durch Missionare in die Sammellager hereingeholten. 4. Die noch im Feld befindlichen. In Zukunft sollen die Eingeborenen in Reservate(Landstriche) untergebracht werden, wo sie allein mit ihrem Vieh leben. Die tüchtigsten jedoch sollen in„Lokationen“ als Arbeiter der Weihen ihren Unterhalt verdienen dürfen. Besonders wird die Mission sich der Schulen annehmen, da nun die Jugend zusamma ist. Es muß schnell ein Seminar für eingeborene Lehrer eingerichtet Dazu kommt Versorgung der weißen verlassenen Hererokinder(von weißen Vätern). Alles wird große, große Mittel erfordern, die dürfen die heimischen Missionsschaften nicht verweigern, weil die ganze Arbeit im Hereroland sehr sehr hoffgange Arbeil im Hetetbland sehr, sehr höfsnungsvoll ist. Man erreicht jetzt gegen früher sehr viel Wschen mit dem Evangelium und: weich und gepflügtes nur durch das Enanaolium esammengehalten den Iserlohr für die sammeln. Mendie Trübsal hat die Herzen empfänglich gemacht. Es heißt Saat streuen in tief Land. So werden neue Gemeinden entstehen, die Fnich das Evangelium zusammengehalten werZum 4 066 088(2770 801) Heidenchristen und 1196 127(786 002) Schüler in 27835(19 384) Schulen. Das Gesamteinkommen der Mission aus der alten Christenheit wird für 1905 auf 76,7, für 1895 auf 54,5 Millionen Mark berechnet, zu denen noch eine Einnahme vom Missionsfelde in Höhe von 1,4(6,1) Millionen Mark zu zählen ist. Auf Deutschland entfallen für 1905(hier ist im wesentlichen D. Grundemanns letzte Berechnung zugrunde gelegt) 602 Hauptstationen, 1017 Missionare, 127 unverheiratete Missionsschwestern, 468 577 Heidenchristen, 48086 Taufbewerber und 119 746 Schüler, sowie eine Einnahme von 6,5 Millionen Mark aus der Heimat und 1,9 Millionen Mark aus der Heidenchristenheit. Leider schloß die Jahresrechnung von 11 unter den 24 deutschen Missionsgesellschaften mit einem Fehlbetrage von insgesamt 9,5 Millionen Mark ab. Vermischtes. Schluß begründete Herr Superintendent Pickertohn die Notwendigkeit der märkischen Missionsgesellschaft, die neuen Aufgaben eine besondere Jubiläumsgabe einzuDie Gesamtleistung der evangelischen Mission im Jahre 1905, allerdings einschließlich der Arbeit an den nichtprotestantischen Völkern, berechnet D. Leonard im Januarheft der„Miss. Neview“ in einer verhältnismäßig genauen Statistik, die durch Beifügung der Zahlen für 1895 ein besonderes Interesse erhält. Danach ist ein Netz von 31 451(1895: 22 631) Missionsstationen und Außenstationen über die Welt ausgebreitet, auf denen 5560 (4028) ordinierte, 2630(1477) nicht ordinierte Missionare. (3682) Missionarsfrauen und Leute ohne Kinder!“ Ach, lieber Gott im Himmel, schau Voll Mitleid auf uns nieder Ein Menschenkind so bös und rauh Schreibt in die Zeitung wieder: „Ein sonnenhelles Wohngemach Ist zu vermieten“— aber ach! „Für Leute ohne Kinder!“ Der hat gewiß zu keiner Frist Des Heilands Ruf vernommen: „Sie, deren Reich der Himmel ist, Laßt alle zu Mir kommen!“ O, sagt's dem Harten nur geschwind, Wie gottlos seine Worte sind: „Für Leute ohne Kinder!“ Das Hündlein liebt er und die Katz, Er legt sie gar auf Kissen— Für Kinder hat er keinen Platz, Das Schönste will er missen. Das Kind ist's, das uns Kränze flicht: Wie trostlos ist das Leben nicht „Für Leute ohne Kinder!“ Drum grolle nicht der Jugendlust; Ein Kind ist Gottes Gabe, Nimm gern es auf, bedenk, du mußt Einsam genug im Grabe Einst modern, in des Todes Graus. Drum auf die Tür und schreibe aus: „Für Leute auch mit Kindern!“ der Edle Rache. „Stimmritze“. „Gestern habe gesagt, ihr Ver ich den Mitgliedern sionarinnen, von nicht ordinierten onswerk treiben. 100.000 Vorm (66 000) 4306 4353(4295) eingab 5 Uhr: (2578) Mierten und unn-statter Verheiratete gervereins 3361 Mis89 335(55 118) vorenen Helfern unterstützt, das MissiDas bedeutet einen Arbeiterstab von über Menschen. Die Frucht ihrer Arbeit bilden de v Errimn bestehe nur aus zum 214-30740 heute htben sie mich einstimmig ulig Btrenmitgliede ernannt!“ Wetterbericht der deutschen Geewarte. 19. Wolkig mit Sonnenschein, meist trocken. 20. Wärmer, heiter bei Wolkenzug, meist krocken. Verantwortlicher Redakteur: Wilh. Schade, Schwerte. O. ###af folgenden 95 es— und 1 soll me““ Zeitgelst wissenschaft. liche u. feullleton. Zeitschrift (Montag) Der Wellsplegel illustr. Halbwoch.-Chronik(Donnerst.) VLK farbig illustrietes. satiriech-politischen Witzblatt(Preitag) Handels-Zeitung mit seinen 6 wertvollen Belblättern: Techniche Rundschau Illustrier. polytechn. Fachzeit„Ischrift(Mittw) Haus Hof Garten Wochenschrift für Garten- und Hauswirtschaft(Sonnabend) Der Weltsplegel illustr. Halbwoch. Chronik(Sonntag) bringt allwöchentlich ausser einer sorgfältig redigierten Reise-, Bäder- und Touristen-Zeitung je eine Juristische, Literarische und Frauen-Rundschau sowie ein besonders ansprechendes Sportblatt. Im Feuilleton erscheint ausser kleineren Novellen: Das Perlenhalsband von Burton E. Stevenson Stevenson ist mit diesem bis zum letzten Ende fesselnden Detektiv-Roman, der in einer hochdramatischen Weise ausgearbeitet ist, mit einem Schritt in die vorderste Reihe der Verfasser von Detektivgeschichten getreten u. ist auf eine Linie mit A. K. Green und Sir Coran Doyle zu stellen. Trink'n wir noch ein Tröpfchen, aus dem kleinen Henkeltöpchen neuester humoristischer Rheinländer für Klavier 0.60 Mk. im Garten, im Grase lag schlummernd ihr Kind. Walzer mit Text Merstwogen gaur F Onde), Plasgschf sgesgefsesh lz, Pespiesntae 1.20 1.50 Mk. Set aegrüßt Du mein schönes Soreit. Für hoße od r gel,. Stirgge mit Klovierbegletung 1.20 Dui S“e bb Die neuesten komischen Vortunge##4 Gesangvereine, Vergnügungsvereine, Turnvereine, Feuerwehren usw. usw. ber die Mlase der Mist, weiche er bracht losenes ionnen lasen, gasgatengsaatertet unck Für große Chor=Vereine empfehle ich auch antiquarisch das gesamte Auffühlungs Orchester, vieler großer Tonwerke, Oratorien 2c. Verzeichnis kostenros. Karl Fritzsche, Musikalienhandlung, Leipzig 28. von 2 bis 4 Zimmern(darunter 2 schräge) mit schöner Aussicht ist an alleinstehende Dame oder Herrn, eventl. auch an kleine durchaus ruhige und anständige Familie zu vermieten. 2212 Carl Braus. Eine frdl. 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