Nr. 139. Sonnabend, den 16. Juni 1906. Englische Jartlichkeiten für Morenga. Die in East London im Kaplande erscheinende englische Zeitung„Daily Dispatch“ schreibt in einem Artikel vom 16. Mai:„Der Hottentottenführer Morenga ist mit dem Rest seiner Gefolgschaft von der Kappolizei in der Nähe von Aries, Gordonia, aufgehoben worden. Mehrere Jahre lang hat er deutschen Truppen getrotzt und sie wiederholt im Kampfe geschlagen. Jetzt, wo er in die Hände der Kappolizei gefallen ist, darf er sicherlich auf die fürsorgliche und achtungsvolle Behandlung rechnen, die er als tapferer Mann und Führer verdient(!). Man kann nicht umhin, Sympathie mit seinem Mißgeschick zu empfinden. Ist er doch, wie sein ganzes Volk, nur das Opfer eines Kolonialisationssystems, das, solange es befolgt wird, immer und überall die Eingeborenen, die unter diesem Regime zu leiden haben, zum Revoltieren treiben wird. Morenga ist, um mit den Worten eines Mannes zu reden, der ihn sehr genau kennt, ein Gentlemann und hat ohne Ausnahme die Leute, die in seine Hände fielen, respektiert und mit Menschlichkeit behandelt. Solange er in den Händen der Engländer ist, wird ihm sein Los so erträglich wie möglich gemacht werden. Wir beklagen die Umstände, die einen so tapferen Mann dazu getrieben haben, die Wassen gegen die Regierung eines Landes zu ergreifen, in dem er seinen Wohnsitz hat. Wie dem aber auch immerhin sein mag. Er kann sicher sein, auf britischem Gebiet ein sicheres und glückliches Asyl gefunden zu haben. Auf diesen überschwenglichen Begrüßungsartikel für den aufgehobenen Banditen antwortet ein Deutscher, H. E. W. Grimm, in einem Eingesandt an das genannte Blatt:„Ich habe Ihren Artikel über Morenga gelesen. Niemand wird sich mit Ihnen darüber streiten wollen, daß dieser Schwarze ein„Gentlemann“ ist, der ausnahmslos die Personen, die ihm in die Hände fielen(von den deutschen Soldaten sind ihm übrigens nur neun Tote in die Hände gefallen) respektiert und sie mit Menschlichkeit behandelt(d. h. die Leichen nicht erstümmelt) hat. Gewiß hat er„tapfer und schneidig“ gekämpft, aber diese Eigenschaften haben doch in erster Linie grade die Truppen entfaltet, die gegen ihn fochten. Aber Ihr Artikel enthält mehrere kleine Unrichtigkeiten, die der Berichtigung bedürVergeltung. Roman von Martin Wehrau. 1 (Nachdruck nicht gestattet.) Es war dreiviertel neun Uhr vormittags, als der Sollizitator Karr den Schlüssel zu einer braunpolierten, massiven Tür umdrehte, auf welcher eine kleine Tafel befestigt war, die in zierlichen Lettern die Inschrift trug:„Dr. Fried. Schulz, Hofund Gerichtsadvokat, Verteidiger in Strafsachen.“ Aus einem mäßig großen, rings von Mauern umschlossenen Hofraum fiel durch ein Fenster mattes Licht auf den schmalen Korridor, der zur Kanzlei des Advokaten führte; kaum, daß man das Täfelchen lesen konnte. Trotzdem konnte sich Dr. Schulz nicht über Mangel an Klienten beklagen, im Gegenteil. Gerade vermögende Kreise wählten ihn zu ihrem Vertreter, und zwar besonders in jenen Fällen, wo es sich um Geldforderungen handelte. Dr. Schulz verwaltete zahlreiche Depots seiner Klienten; die bei ihm lagernden Gelder und Depositen erreichten mitunter eine sehr stattliche Summe. Wiewohl es hieß, daß der Advokat ein kostspieliges Leben führe, ließ sich doch an der Promptheit und Genauigkeit, mit der er die ihm anvertrauten Geschäfte oder Streitfälle erledigte gar nichts aussetzen. Aufatmend klinkte Sollizitator Karr die Tür hinter sich zu. Er war ein großer, hagerer Mann. Der Nacken mit dem ergrauten Kopfe war leicht vorgeneigt. Die mühselige, angestrengte Schreibarbeit, zu der ihn ein Leben voller Sorgen seit langen Jahren zwang, hatte den einst schlanken, wie eine Tanne gewachsenen Körper gebeugt. Hastig zog er den alten, dunklen Ueberrock aus und hing ihn an den dreizackigen, eisernen Rechen neben dem Ofen, über dessen weißen Kacheln ein Sonnenstrählchen tanzte. Das große Zimmer war nur einfach ausgestattet. Zwei alte, breite, tintenbekleckste Schreibtische, ein großer, gelber Aktenschrank, ein schwarzes Ledersofa mit einem kleinen Tisch davor und einige Rohrsessel bildeten die ganze Einrichtung. Eine Tür führte neben dem größeren Schreibtisch augenscheinlich in ein zweites Zimmer. Der Sollizitator warf einen Blick auf die kleine Uhr oberhalb dieser Tür, dann klopfte er schwach an. Nichts rührte sich, auch auf ein zweites und drittes stärkeres Pochen blieb es still. fen: Morenga ist kein Hottentotte, sondern ein Bantu. Er hat nie deutsche Truppen im offenen Kampfe geschlagen. Er kann auch nicht das Opfer eines verkehrten Kolonialsystems sein, da er von der Kapkolonie nach Deutsch Südwestafrika ausgewandert ist. Er hat nicht Angehörige seines Stammes hinter sich, sondern war ein Freibeuter an der Spitze eines Haufens von Rebellen aller Farben und Schattierungen, meistens Hottentotten. Ich bin bisher immer der Meinung gewesen und halte auch noch weiter daran fest, daß, wenn Weiß gegen Schwarz steht, überall, wo immer es auch sein mag, alle Weißen gemeinsame Sache machen und alle politischen Nadelstiche— die Ihr Artikelschreiber so zu lieben scheint— aufhören sollten. Sie haben wieder einmal gezeigt, daß Sie anders darüber denken. Möge Ihre Gesinnung diesem Lande nie zum Schaden gereichen. Sicherlich werden Sie Ihre Gründe haben für Ihre antideutsche Politik bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit, aber mitunter kann Mangel an politischem Takt geradezu zum Verbrechen werden.“ Die Redaktion des„Daily Dispatch“ verwahrt sich in einem längeren Zusatz gegen den Vorwurf, den deutschen Kolon albestrebungen in Südwestafrika gegenüber eine intrigante Haltung einzunehmen. Ihre Stellungnahme sei nicht antideutsch, sondern lediglich von britischen Rücksichten diktiert. Darauf erhält„Daily Dispatch“ ein Schreiben des deutschen Vizekonsuls in East London, Malcomeß, in dem der Konsul bedauert, daß Herr Grimm es für nötig befunden hätte, auf den Morenga=Artikel der Zeitung öffentlich zu antworten. Derartige Machwerke müsse man mit schweigender Verachtung strafen. Das Eingesandt schließt mit dem ironischen Wunsche, „Daily Dispatch“ und Morenga und andere verwandte Seelen mögen glücklich sein in gegenseitiger Sympathie. „Daily Dispatch“ bemerkt sdazu ärgerlich:„Herr Malcomeß ist deutscher Vize=Konsul für East London. Damit genug!“— Die Gesinnnug der kapländischen Jingoes gegen den deutschen Nachbarn in Südwestafrika wird durch diese Polemik scharf gekennzeichnet. Karr versuchte die Tür aufzuklinken, aber sie war versperrt. „Gott sei Dank," flüsterte er,„der Herr Doktor ist noch nicht hier, und die Besorgnis aus seinem Gesichte schwand. Er rückte einen Sessel an den Schreibtisch neben der Tür und nahm einen etwa zur Hälfte beschriebenen Pavierbogen zur Hand, um die Abschrift aus dem daneben liegenden, vielfach durchgestrichenen Konzept fortzusetzen. Doch nur einige Zeilen warf er mit seiner hübschen, flotten Handschrift auf das Papier, dann stützte er den Kopf auf den Arm. Er dachte an die ärmliche Behausung, die er vor einer halben Stunde verlassen. Julius, sein einziger Sohn, ein sechsundzwanzigjähriger, junger Mann, lag schwer krank danieder. Er hatte dem Vater schon viele Sorgen gemacht. Erst hatte er, die elterlichen Warnungen in den Wind schlagend, ein leichtsinniges Leben geführt. Zwar kam er endlich zur Einsicht und damit zur Umkehr, aber nun tat seine leidenschaftliche Natur wieder zu viel im Gegenteiligen, er strengte sich über Gebühr an. Der entkräftete Körper hielt den Anforderungen nicht stand, er wurde schwer krank. Wochenlag lag er nun schon bei den Eltern zu Hause, hilflos wie ein Kind, auf ihre Wartung angewiesen. Die beiden Alten, denen das Leben nur Sorge gewesen, boten alles, was in ihren Kräften stand, auf, um Julius zu erhalten. Der Arzt sagte nicht viel, er wollte wahrscheinlich die Hoffnung des Besserwerdens nicht absprechen, und doch auch keine machen. Die Alten litten wochenlang die quälendsten Sorgen, ob ihr Sohn noch einmal in den warmen Sonnenstrahlen werde wandern können in dem erwachenden Lenze, der langsam in die Stadt eindrang, den Schnee wegfegte und grüne Triebe auf Bäume und Sträucher setzte. Die Karrs zehrten sich aber dabei auf. Die geringen Ersparnisse waren längst verbraucht. Das schmale Taggeld, das der Sollizitätor bezog, reichte zwar für die bescheidenen Bedürfnisse des Alltags, aber nicht für mehr, und so eine Krankheit, die sich wochenlang dahinzieht, kostet Geld. Schweren Herzens hatten sie Schulden machen müssen. Karr mußte sich von Dr. Schulz Vorschuß geben lassen, was er sonst nie getan hatte; aber es ging trotz dieser Mittel recht knapp im Haushalte zu. An diesem Morgen nun hatte sich die Frau bei ihrem Frühausgange verspätet, allein konnte Karr den Kranken, der einen heftigen Hustenanfall bekommen hatte, nicht lassen. So blieb er, wiewohl er, ein Muster der Pünktlichkeit, wie auf Kohlen saß, Politische Uebersicht. Eine neue„Vorwärts"=Affäre. Berlin, 15. Juni. Wegen Unterschlagung amtlicher Papiere ist ein Postbeamter in Untersuchungshaft genommen worden. Der Beamte genoß das größte Vertrauen seiner Behörde, denn ihm lag die Beförderung der Briefe im hiesigen königlichen Polizeipräsidium ob. Die Angelegenheit wird allem Anscheine nach interessante Einzelheiten aus dem sozialdemokratischen Geheimtreiben zu Tage fördern. Der Beamte war mit der Briefbestellung des Polizeipräsidiums betraut. Diese Briefe soll nun der Briefträger nicht immer an ihre Adresse im Polizeidienstgebäude, sondern verschiedentlich an die Redaktion des„Vorwärts“ abgeliefert haben. Dieses Blatt brachte vor etwa 3 Monaten eine Mitteilung über die Entlarvung eines in Brüssel tätigen Berliner Kriminalbeamten. Der „Vorwärts" teilte damals mit, daß der Kriminalbeamte seine Briefe in trunkenem Zustande in Brüssel verloren habe, und daß sie von dem Finder der Redaktion geschickt seien. Die Untersuchung ergab aber, daß die für das hiesige Polizeipräsidium bestimmt gewesenen Briefe auf dem Postamt 25 angekommen, dann aber verschwunden waren. Der Briefträger hatte sie veruntreut. Was hat Rußland vor gegen Schweden? Stockholm, 15. Juni. Die hiesige Presse beschäftigt sich mit der Landung russischer Truppen auf den Aalands=Inseln. Dagens Nyheter zufolge landeten am Dienstag das russische Panzerschiff Asia und mehvere Transportschiffe auf der Insel Prestö 300 Mann. An demselben Tage sei Großfürst Alexander Michailowitsch von Helsingfors auf dem von vier TorpedoBootsjägern begleiteten russischen Kriegsschiff Almas ebenfalls dort eingetroffen. Auf Prestö seien einstweilige Wohnungen für die Soldaten errichtet worden. Der Aufstand in Korea. Tokio, 15. Juni. Die Lage in Korea ist sehr ernst. Wie es scheint, erstreckt sich die Unzufriedenheit über das ganze Land. Das Volk steckt Japanern gehörige Häuser in Brand. Die japanischen Frauen fliehen aus dem Lande. An der Bewegung nehmen chineiiiche Steräuber teil. Die japanische Regierung entsindte Stunde zeigte, zu welcher er seit Jahren in so seit die Uhr jene Staner z. der Kanzlei zu erscheinen pflegte. Darum atmete er auch erleichtert auf, als Dr. Schulz noch nicht im Bureau war. Der Sollizitator war ein Mann der Arbeit Nachdem er eine Weile des häuslichen Kummers gedacht, schrieb er, ruhig geworden, das Konzept weiter ab. Es war eine Prozeßschrift und betraf eine Geldangelegenheit. Hohe Beträge wurden gefordert und bestritten. Zehn Jahre schrieb Sollizitator Karr nun schon mit einem Hilfsschreiber, der gegenwärtig ein paar Tage Urlaub hatte, solche Prozeßakten ab und gewann so manchen Einblick in jene Kreise, die mit Zehntausenden, wohl auch Hunderttausenden rechnen gewöhnt sind, welche auf der einen Seite mit vollen Händen das Geld hinauswerfen und doch erbittert oft durch g#e um diesen Mammon kämpften; bei den Prozessen wurde manch häßliches Wort entrollt. Der Sollizitator tauchte heftig in das große, messingene Tintenfaß. Was ging ihn das alles an? erschollen auf dem Korridor draußen hastende Tritte. Ein Schlüssel wurde in ein Schloß geschoben, in das Zimmer nebenan trat jemand ein. Ein paar Minuten später wurde die Tür neben Karrs Schreibtisch rasch geöffnet. Ein mittelgroßer, ziemlich starker, eleganter rr erschien auf der Schwelle. Auf den respektvollen Gruß des Souizitators, der sich erhoben hatte, antwortete er mit einem Zumxen Kopfnicken und nahm eine Anzahl Briefe, die in einem Sumeer gage des Solizitators Tisch lagen, an sich Ge eiß ein „Ist gestern nachmittag etwas vorgekommen?“ fragte Doktor Schulz mürrisch, während seine Blicke die breiten, steilgehaltenen Zeilen des Briefes überflogen. „Nichts, Herr Doktor; nur die Firma Roseuberg und Komp hat telephonisch angefragt, ob der Herr Doktor zu Hause sei“ rapportierte der Sollizitator. Dr. Schulz trat, ohne darauf zu reagieren, den Brief in der Hand, langsam in sein Zimmer zurück und stieß die Tür mit dem Fuße zu. 132,20 Sein Gesicht nahm einen ärgerlichen Ausdruck an. Das Schreiben enthielt die kurze Ankündigung eines Heren Robert Reinhausen, daß er in zwei Tagen die zehntausend Kronen, welche er bei Dr. Schul; im Depot habe, beheben werde. 95 Kriegsschiffe zur Wiederherstellung der Ordnung. Der Kaiser von Korca soll während der Abwesenheit des japanischen Generalresidenten Ito eine Bewegung zur Wiederherstellung ider Unabhängigkeit Koreas eingeleitet haben. Aus Stadt und Umgebung. Blitzschläge und Blitzfurcht. Nach dem Rat des„Gesundheitslehrers“ ist es am vorteilhaftesten, sich während eines Gewitters in der Mitte des Zimmers aufzuhalten. Wird man von einem Gewitter im Freien überrascht, so schreike man in gleichmäßigem Tempo weiter. Schnelles Laufen und nochmehr Stehenbleiben erhöht die Gefahr. Zu vermeiden ist der Aufenthalt auf Hügeln und an Gewässern. Bekannt ist die Warnung, unter Bäumen einen Unterschlupf zu suchen, Vereinzelt stehende Bäume sind besonders gefährlich. Die Blitzgefahr schwankt übrigens für die verschiedenen Baumarten sehr beträchtlich. Am gefährdesten sind die Eichen. Bezeichnet man die Blitzgefahr für die Buchen mit 1, so ist für die Nadelhölzer die Zahl 9, für die Nüstern und Linden 12 und für die Eichen die Zahl 34 anzusetzen. Der Grund hierfür liegt in der Verschiedenantigkeit der inneren Struktur der Bäume. Ist es ausführbar, so soll man sich stets 5—6 Meter von den äußersten Zweigen der Bäume halten. Auch einige allgemeine Erwägungen sind geeignet, die Gewitterangst zu mindern und zu verscheuchen. Obgleich in den letzten Jahren die Zahl der Blitzschläge nachweislich zugenommen hat, so werden von der Gesamtbevölkenung Deutschlands jährlich doch nur 200 bis 300 Personen getroffen und davon 50 bis 100 Personen getötet. Auf eine Million Gebäude werden jährlich in Deutschland je nach den Gegenden nur 271 bis 404 durch Blitze beschädigt. Es ist also höchst unwahrscheinlich, von einem Blitz getroffen zu werden. Blitze, von denen man nur den Donner hört, braucht man überhaupt nicht zu fürchten, da der Blitz längst seinen Weg zurückgelegt hat, ehe die Schallwellen an unser Ohr gelangen. Aber auch alle Blitze, die man sieht, sind ungefährlich. Denn da sich das Licht mit einer Geschwindigkeit von 304 000 Kilometer in der Sekunde fortbewegt, so muß der Blitz auch in demselben Augenblick, wo er einem Beobachter sichtbar wird, den Weg bis zu disem durchlaufen haben, falls er die Richtung zu ihm einschlägt. Jeder Blitz, den man sieht, hat daher bereits ein anderes Zeil erreicht. Schließlich gewährt es eine gewisse Beruhigung, zu wissen, in welcher Entfernung die BlitzKleines Feuilleton. „Die Fahrkartensteuer!“ Von allen Steuern auf der Welt— ist es besonders ein,— die vielen Leuten nicht gefällt,— denn sie ist keine kleine!— Sie greift den guten Bürgersmann— fürnehmlich auf der Reise an— und schwächt den nervus rerum— macht er nicht schleunigst„kehr=um“! Fahrkartensteuer heißt man sie,— vom Reichstag jüngst beschlossen,— der Reise=Onkel liebt sie nie,— ihn hat sie schwer verdrossen!!— doch sie ist da und ergo muß— sie heischen ihren Obulus,— man muß sie honorieren— trotz allen Raisonieren!— Der Mann, der in Geschäften reist— ist künftig gar kein Prahler,— wenn er mit Stolz ssich selber preist— als besten Steuerzahlen!— Naturgemäß und sicherlich— vermehren seine Spesen sich,— die schlägt er auf die Waren— wie man schon oft erfahren! Auch wer Vergnügungsfahrten macht,— und sind sie noch so teuer,— ruft: Ei, wer hätte das gedacht— zum Fahrpreis noch die Steuer!— das überschreitet den Etat!— was macht ein kluger Hausherr da?— Nun, man fährt kürz're Strecken,— die Differenz zu decken! Wer sparsam ist und rechnen kann,— wird bald den Ausweg finden,— er sieht die Steuer rosig an und seine Sorgen schwinden;— Sein Antlitz hat sich aufgeklärt,— weil er'ne Klasse tiefer fährt;— mit sonnigem Gemüte— sitzt er in„vierber“ Güte!— Sparsamer aber noch ist der,— dem Reiselust vergangen,— Er spricht zu Muttern: Sieh nur her, — wie hier die Fluren prangen!— Wir fliegen nur per pedes aus,— da kommt man abends hübsch nach HHaus,— so lebt man gar nicht teuer,— spart Fahrgeld samt der Steuer! Doch wer es kann und wer es mag,— der soll sein Geld nicht schonen.— er möge opfern nach und nach— viel schöne Doppelkronen!— Der singt: So hab ich's recht getan,— ich fahre auf der Eisenbahn— als Patriot, als treuer,— und zahle meine Steuer! Jedoch die allerschönste Fahrt— hat doch der Volksvertreter.— Er streicht sich schmunzelnd seinen Bart,— nach erster Klasse späht er!— So oft er will, wohin es sei— Ein„M. d. R.“ fährt immer frei,— ihm wird kein Schmerzbereiter— die Reiselust! Ernst Heiter. Wie Professor Lammberg seinem Dienstmädchen das Türzuschlagen abgewöhnte. „Liebe Frau“, sagte Professor Bernhard Lammberg in einem etwas unwilligem Tone,„es wäre mir doch sehr lieb, wenn du der Brigitte'mal beibringen wolltest, wie sie die Tür zu schließen hat. Es ist unschläge niedergehen. Die Berechung ist einfach; denn da die Geschwindigkeit des Lichtes 304 000 Kilometer in der Sekunde, diejenige des Schalles in derselben Zeit aber nur ungefähr 340 Meter beträgt, so braucht man nur die Zahl der Sekunden, die zwischen dem Aufleuchten des Blitzes und dem Erschallen des Donners verfließen, mit der Forlpflanzungsgeschwindigkeit des Schalles, also mit der Zahl 340, zu vervielfachen, um in Metern die Entfernnung zu finden, in der der Blitz niederfuhr. Einfacher ist es noch, wenn man auf je drei Sekunden, die nach der Beobachtung des Blitzes vergehen, etwa 1 Kilometer rechnet. Schwerte, den 16. Juni. r(Schutz den Fluren!) Zur jetzigen Zeit, da die Kornblumen blühen und der rote Mohn zwischen den Aehren leuchtet, lassen sich die Kinder, von der Farbenpracht dieser Blumen entzückt, nur zu leicht verleiten, ein ein Kornfeld einzudringen, um sich ein Sträußchen zu pflücken. Diesen Frevel, denn anders kann mann es nicht bezeichnen, sollten Eltern und Erzieher zu verhindern suchen. Ein größeres Kind, dem man mit dem nötigen Ernst vorstellt, wie es, um sich jene Blumen zu holen, so und so viel goldene Getreideähren zertritt, wie es damit gewissermaßen künftiges Brot vernichtet, wird dies sofort einsehen und es sich in Zukunft nimmermehr einfallen lassen, ein blühendes Kornfeld zu betreten. Leider sind aber auch oft die Erwachsenen so unverschämt, auf der Jagd nach Kornblumen oder Klatschmohn vernichtend in das Saatgefilde einzudringen und es kann dem echten Na durfreund dann nur zu einer gewissen Genugtuung gereichen, wenn er gewahr wird, daß der Besitzer des betreffenden Ackers energisch gegen jene gedankenlosen Vandalen vorgeht und sie gerichtlich ob des angerichteten Schadens zur Verantwortung zieht. Eltern und Erzieher mögen es sich übrigens an dieser Stelle gesagt sein lassen, daß sie auch für den seitens der ihrer Aufsicht unterstellten Kinder bewirkten Schaden hafts pflichtig gemacht werden können. Darum also Vorsicht! Es wird gewiß niemand etwas dagegen haben, wenn ein Kind oder auch ein Erwachsenev sich zur Vervollständigung eines Feldstraußes diese oder jene am Rande eines Ackers stehende Blume abpflückt, das Eindringen in die blühende Saat zu diesem Zwecke aber ist und bleibt eine Rücksichtslosigkeit, ja eine Rohheit, die nicht scharf genug verurteilt werden kann. *r(Silberne Hochzeit.) Herr Ludwig Hagemann und Frau feiern heute ihr 25jähriges Ehejubiläum. Dem allseitig verehrten Silberpaare unsere herzlichsten Glückwünsche! *r(Oefsentlicher Wetterdienst.) Das Königliche Landratsamt Hörde hat unserer heutigen Auflage eine beschränkte Anzahl von Prospekten beilegen lassen über den mit dem. gestrigen Tage in Funktion gegemein störend, wenn man jeden Augenblick das Gefühl hat, der Blitz hätte ins Studierzimmer eingeschlagen. Auch der Weg Brigittens von der Küche bis zum Speisezimmer gestaltet sich immer ganz unnötig geräuschvoll.“ „Ich habe dem Mädchen schon oft deshalb Vorhaltungen gemacht, lieber Bernhard", zerwiderte Frau Lammberg. „Aber jedenfalls nicht mit der erforderlichen stigkeit“, meinte ihr Gatte.„Nun, ich werde selbst einmal mit Brigitte darüber reden, wie sich das auch di mals wegen der Ordnung der Papiere auf meinem Schreibtisch getan habe. Seit der Zeit habe ich keinen Grund mehr gehabt, mich zu beklagen. Frau Professor Lammberg lächelte, aber sagte nichts, und als sie später mit einer Handarbeit beschäftigt in ihrem Zimmer saß, hörte sie, wie ihr Gatte sich mit Brigitte auseinandersetzte. „Brigitte,“ begann der Professor mit gütigem, fast entschuldigendem Tonfall seiner sonoren Stimme, „ist es Ihnen vielleicht schon mal aufgefallen, wie leicht die Türen zuschlagen, wenn man nicht vorsichtig beim Schließen ist. Und was für ein unangenehmes Geräusch dieselben dann machen können?“ „Das will ich meinen, Herr Professor“ pflichtete ihm mit lauter Stimme Brigitte bei.„Und es ist schrecklich, wie leicht sie einem aus der Hand gleiten. Ja, das ist wahr. Wenn sogenannte stille Portiers an den Türen wären, dann könnte einem das gar nicht passieren. Und was die Hauptsache ist, an der Flurtür müßte eine Patentfeder sein, damit sie ganz leise von selbst schließt, Herr Professor. Ich bin zwar nur eine Köchin, aber ich habe mich schon oft über den Spektakel geärgert, denn die Türen machen, wenn Sie oder die gnädige Frau über den Flur gehen, obgleich ich natürlich nie ein Wort gesagt habe, Herr Professor, denn ich weiß, was sich für ein Dienstmädchen schickt.“ "Schön, schön, antwortete der Professor beschwichtigend,„ich werde sehen, was sich damit machen läßt.“ „Danke schön, Herr Professor,“ sagte Brigette.„Sie werden jedenfalls einsehen, wie viel besser jetzt Ihre Papiere in Ordnung sind, seit Sie sie immer im Schubfache verschließen, wie ich's Ihnen geraten habe, statt sie auf dem Schreibtische herumliegen zu lassen, Herr Professor, wie Sie das früher taten.“ „Ja, ja, Brigitte, ich erinnere mich, daß das Ihre Idee gewesen ist,“ sagte der Professor, und damit war die Unterhaltung zu Ende. „Liebe Elfriede“, sagte nachmittags Professor Lammberg zu seiner Gattin.„Ich habe mir die Sache überlegt, und ich glaube, es wäre ganz gut, wenn wir die Zimmertüren mit Zuggewichten versehen ließen, um das Zuschlagen zu verhindern. Und an der Korridortüre könnte man eine selbstschließende Feder anbringen. Ich denke, so läßt sich die kleine Unanehmlichtretetenen Wetterdienst. Da dieser Wetterdienst vor allem für unsere Landwirte Interesse haben dürfte, haben wir diese Mitteilungen des Landratsamtes auf den Hauptteil der ländlichen Bezirke unseres Leserkreises verteilt, worauf wir hiermit aufmerksam machen. r(Unfall.) Der fünfjährige Sohn des Bierbrauers Sch. in der Sedanstraße kam zu Hause so unglücklich zu Fall, daß er einen doppelten Beinbruch erlitt. („Gerechte Vergeltung") ist den Titel eines Romans aus der Feder des bekannten Schriftstellers Martin Wehwe, mit dessen Abdruck wir heute beginnen. Der flottgeschriebene, fesselnde Roman wird sicherlich unsern verehrten Leserinnen und Lesern gefallen. §8(Schöffengericht.) Weil er die Geburt seines Sohnes verspätet angemeldet, war Fabrikant Aug, M. in eine Geldstrafe von drei Mark genommen worden, wogegen er Berufung eingelegt. Er wurde zu zwei Mark Geldstrafe und den Kosten des Verfahrens verurteilt.— Drei Strafverfügungen von drei Mark, fünf Mark und drei Mark waren von der Polizei gegen den Fabrikanten Adolf König erlassen worden, weil er seine Hühner frei herumlaufen ließ, sodaß dieselben im benachbarten Garten[Schaden anrichteten. Seine eingelegte Berufung hatte den Erfolg, daß er mit drei Mark Geldstrafe davonkam.— Der oft und erheblich vorbestrafte Tagelöhner Karl V. hatte hier gebettelt. Er wurde zu vier Wochen Haft verurteilt, zu der zwei Wochen Untersuchungshaft in Anrechnung gebracht wurden.— Gelegentlich des Kavalleriefestes hatter der Schleifer Gustav V. dem im Garten eingeschlafenen Zimmermann August Lamp aus Hagen Portomonnaie mit 80Mark Inhalt, Uhr mit Kette und Schuhe gestohlen, sowie die Hose beschädigt. Dafür wurde er heute zu vier Monaten und zwei Wochen Gefängnis verurteilt.— Wegen Betruges wurden dem Fuhrknecht A. zwei Wochen Gefängnis zuerklärt.— Die gegen den Kaufmann Julius B. anberaumte Verhandlung wegen Mißhandlung eines Dienstmädchens wurde zwecks Vernehmung weiterer Zeugen vertagt.— Mit einem Strafmandat von fünf Mark. war der Musiker Heinrich J. bedacht worden, weil er in einem Eisenbahnabteil musiziert hatte. Er hatte gerichtliche Entscheidung beantragt. Das Gericht erkannte auf zwei Mark Geldstrafe und Kosten des Verfahrens.— Da es durch irrenärztliche Gutachten konstatiert wurde, daß der Arbeiter Heinrich Brandt nicht geistig normal sei, wurde er von der Anklage des Hausfriedensbruchs, Unfugs und der Beleidigung *(Eine ungemein hohe Steuer für Schankerlaubnis) hatder Kreistag für die Westprignitz beschlossen. Es sollen künftig erhoben werden an Kreissteuern bei Begründung einer neuen Gastwirtschaft, Schankwirtschaft oder eines neuen Kleinhandels mit Branntwein oder Spiritus, wenn der Betrieb zur 1. oder 2. Gewerbesteuerklasse gehört, 6000 Mark, zur 3. Klasse keit, worüber wir heute morgen sprachen, am einfachsten beseitigen. „Das wird wohl das Beste sein, lieber Bernhard“ sagte Frau Lammberg und lächelte wieder still vor sich hin, aber den Grund ihrer stillen Heiterkeit verriet sie nicht. Kennzeichen.„Mein Schwager ist Eletrotechniker.“ *„Hab mir's gleich gedacht, sogar im Gesicht hat er ne Glühbirne!“ Unter Dichtern.„Haben Sie schon einmal in Geanken den Bleistift in das Tintenfaß getaucht?"— Nein, ich nehme wieder die Feder öfters in den Kund.“„(He'„am(8 Das dicke Ende kommt nach. Herr(dei einem GeUschaftsabend zu einem Bekannten):„Gott sei mk, daß die älteste von Kommerzienrats, die mit rer Krähenstimme, heute nicht singt; sie ist nämlich it einigen Tagen verreist.“—„Sie freuen sich zu üh mein Lieber, der Kommerzienrat hat seine: To#hor der Abreise ihr gesamtes Repertoir in ein Gramophon hineinsingen lassen,— gleich geht's los!“ Hoffnungsfreudig. Schwiegermutter:„Wo liegt enn eigentlich Honolulu?“— Schwiegersohn:„Möchen Sie einmal hin?“ O weh! A.:„Was fehlt Ihnen denn?“— B.:„Ach vissen Sie, ich habe mein ganzes Vermögen meiner rau verschrieben, damit es meinen Gläubigern nicht n die Hände fällt.“— A.:„Na, und?“— B.:„Jetzt at sie das Geld genommen und ist von mir fortgezoen— Boshaft. Schriftsteller:„Ich habe eine prächtige dee zu einem Lustspiel.“— Kritiker:„Von wem Die Adresse der Duma. In seiner weisen Minister Schar Sitzt Nicki, der glorreiche Friedenszar. Ein zitternder Sklave näher schleicht Und die Duma=Adresse ihm überreicht. Rings Schweigen. Zar Nicki bricht den Bann: „Ihr Herren, was fangen wir damit an?“ Der erste befühlt die Adresse so weich: „Wir brauchen Geld— verkauft sie sogleich. Einem Käsehändler, das ist mein Rat; So bringt sie doch einigen Nutzen dem Staat! Der zweite:„Ich hab' einen Sohn zu Haus, Dem mach' ich'nen schönen Drachen draus.“ Der Zar eine Weile sinnend stand Und nahm die Adresse langsam zur Hand. Und drehte sich drauf mit großem Genuß Für seine Pfeise'nen Fidibus. Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Famisientreund." o 0 0 0 O O O O O O O o o o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Peiitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 1s Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Alle Kreis- und Lokalpolizeilichen Uerordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbinckliche Kraft. o o O O O O O O O O O C 0 o Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Telegr.-Adresse Braus, Schwerte-Kuhr. o Nr. 139. Sonnabend, den 16. Juni 1906. 38. Wochenschau. (Von unserm Berliner Bureau.) Die sommerliche Stille auf dem Gebiete der deutschen inneren Politik hält auf die Dauer an und richtet sich daher augenblicklich die öffentliche Aufmerksamkeit mehr auf die Vorgänge im Ausland. Von Interesse war höchstens der Ausgang der Reichstagsersatzwahl in Beuthen, welcher allerdings nicht überraschen konnte. Die ppolnischen Bestrebungen fassen auch in Oberschlesien mehr und mehr Fuß und zwar ist es dort gerade der radikale Flügel, welcher dank einer eifrigen Agitation von seiten Korfantys und andever festen Fuß faßt und anderen Parteien, speziell dem Zentrum und den Sozialdemokraten, das Terrain abgräbt. Diese Zunahme der polnischen Stimmen in jener Gegend ist eine dringende Warnung, welche dazu mahnt, beizeiten Gegenmaßnahmen zu treffen. Bisher fühlten sich die oberschlesischen Polen durchaus als Deutsche polnischer Zunge. Durch die Agitation wird wird aber die großpolnische Bewegung genährt und ähnliche Zustände werden leicht herbeigeführt, wie in Posen und Westpreußen selbst. Der Wiener Kaiserbesuch der vorigen Woche wirkt noch immer nach und fand eine Ergänzung durch die gegenüber den Deleationen gehaltenen AAnsprachen des Kaisers Franz Josephs und des Grafen Goluchowski, welche beide sehr eingehend auf die Beziehungen zu Deutschland eingingen und Gelegenheit nahmen, die Intimität beider Staaten aller Welt deutlich vor Augen zu führen.— Weniger glänzend stellt sich die innerpolitische Lage Oesterreich=Ungarns dar, der Konflikt zwischen beiden Reichshälften hat eine Verstärkung erfahren, angesichts welcher eine Verständigung in weite Ferne gerückt erscheint. Die Arbeit in den Delegationen dürfte dadurch bedeutend erschwert sein und auch die übrigen Verhandlungen auf wirtschaftlichem Gebiete dürften noch auf manches Hindernis stoßen. Welchen Grad die Erbitterung gegen Ungarn erreicht hat, beweist der Umstand, daß der Präsident des Abgeordnetenhauses einen Antrag, namens das Parlaments das Bedauern über die Demonstrationen am Sonntag auszusprechen, einfach als inopportun abgelehnt hat, ohne daß jemand aus dem Hause Widerspruch erhob. Die innere Lage der Donaumonarchie ist verworrener denn je und es läßt sich heute in keiner Weise absehen, wie man einen Ausweg Die Schönheit von Rembrow. Roman von Bogumil von Czartorski. 68 Das klang bitterer, als er beabsichtigt. Sie blickte ihn überrascht an.„Was haben Sie, Hurbing? Der Ton steht Ihnen so fremd! Sollte ich Sie gestern unwissentlich gekränkt haben?“ „Durchaus nicht! Im Gegenteil. Gestern waren Sie von Ihrer Wolke herabgestiegen und verrieten Gefühl und Wärme, als seien Sie unseresgleichen.“ „Sie dürfen mich nicht falsch und ungerecht beurteilen, lieber Freund,“ sagte sie jetzt sehr ernsthaft.„Ichhabe Ihnen allen bewiesen, daß ich eine ehrliche, auch opferwillige Freundin zu sein vermag, und daß ich es gern betätige, wo es am Platze ist. So wird mich jeder von Ihnen zu allen Zeiten wiederfinden.“ „Ganz recht, gnädige Frau. Aber Sie geben nur.. und niemand soll in der Lage sein, Ihnen etwas zurückzugeben! Sie wünschen auch nichts. Die Menschen können Ihnen nichts geben, wofür Sie auf Ihrer Wolke Verwendung hätten!“ „Auch darin tun Sie mir unrecht! Sie alle können mir viel gehen; jeder in seiner Art. Sie wissen selbst, wie nahe mir HeLise steht, wie herzlich meine Beziehungen zu unserm alten Pfarrer sind, wie lieb mir Ihr Graf Ehrenbreit geworden, nachdem ich ihn auf seinem Siechbett besser kennen gelernt, als es im Salon jemals der Fall gewesen wäre. Was Sie selbst angeht...“ „Was mich angeht, mir haben Sie mehr gegeben, als irgend einem anderen Menschen, um mir dann wieder, in der letzten Minute, alles zu nehmen!“ „Wie soll ich das verstehen?“ fragte Bianka Stablewski. „Das will ich Ihnen sagen. Gestern schien es mir, als könne man zu Ihnen reden wie zu einem andern gemütvollen Weibe. Und ich nahm mir vor, heute nach Ulmenau hinüberzureiten und Ihnen vorzustellen, wie gut es für Sie wäre, nicht allein zu neiben; wie sehr Sie dazu geeignet sind, glücklich zu machen, aber auch durch die Liebe eines guten Mannes glücklich zu werden. Denn Sie wissen ja auch gar nicht, wie das wirkliche Glück ausschaut. Und ich fühle schon lange und fühlte es gestern intensiver als je, daß ich es vermöchte, Sie glücklich zu machen. Das mag albern und anmaßend klingen, aber Sie werden es nicht so auffassen, sondern mich recht verstehen; ich bin ja keine aus dem Labyrint finden wird. Weit besser als die Machthaber in Wien ist die italienische Regierung daran. Wider Erwarten hat das Ministerium Giolitti in der Kammer mit überwältigender Mehrheit ein Vertrauensvotum erhalten, in der Hauptsache auf Grund seines dargelegten vorzüglichen Programms. In demselben nahmen wirtschaftliche und soziale Reformen den Vordergrund ein und das ist es gerade, dessen Italien dringend bedarf. Auf auswärtigem Gebiete wurde eine Politik des Friedens proklamiert, wobei auch Giolitti nicht unterließ zu erklären, daß Italien seinem Bündnisse entschlossen treu bleiben werde; selbstverständlich fehlten aber auch nicht warme Worte für diejenigen Mächte, welche mit Italien durch„herzliche Freundschaft“ verbunden sind. Hoffentlich wird nun endlich die Dreibundfrage nach den Erklärungen in Wien und Rom aus der öffentlichen Erörterung verschwinden, da die beiderseitigen angeknüpften Kommentare an den tatsächlichen Verhältnissen schwerlich etwas abzuändern im Stande sind. Auch in Paris sind in dieser Woche wichtige Regierungserklärungen über die innere und äußere Politik abgegeben worden, die sich im großen und ganzen fast in demsolben Rahmen bewegen, wie das in Rom verkündete Programm. Innere Reformen sind es in der Hauptsache, welche die Regierung vorzunehmen gedenkt, insbesondere ist es auch hier die Arbeiterfrage, welche eine Regelung durch verschiedene Maßnahmen sozialpolitischer Natur erfahren sollen. Hinsichtlich der äußeren Politik Frankreichs gab Herr Sarrien die Erklärung ab, daß man den Bündnissen und Freundschaften treu bleiben, aber ebenso auch die Rechte der übrigen Mächte auf das loyalste respektieren werde. Das direkte Gegenteil von einem Einvernehmen zwischen Regierung und Parlamentsmehrheit wie es sich am Tiber und an der Saine zeigt, bildet das Verhältnis, welches in Rußland zwischen dem Ministerium und der Reichsduma besteht. Gespannter könnte kaum ein Verhältnis sein und in jedem anderen Lande müßte entweder das Kabinett zurücktreten oder das Parlament abgelöst werden, nur in Rußland nicht. Dort läßt man das Parlament die schärfsten Beschlüsse gegen die Regierung fassen, ohne daß diese sich irgend wie ldarum kümmert. Man läßt die Leute reden und tut im übrigen was man will. Es liegt auf der Hand, daß auf solche Weise der ohnehin schon zur Genüge vorhandene Zündstoff noch vermehrt wird, und daß über kurz oder lang zu einer folgenschweren Explosion kommen muß. Die Gährung im Volke wächst von Tag zu Tag, auch die Bauern erheben sich in verschiedenen Gegenden, weil die Regierung keine Miene macht, bald an die verheißene Landverteilung heranzugehen. Verschärft wird die Situation noch dadurch, daß auch die Unzufriedenheit in der Armee selbst, auf welche sich das Regime stützen zu können hoffte, in bedrohlichen Weise zunimmt und mehrfach bedenkliche Meutereten vorgekommen sind, die nur dadurch beizulegen waren, daß die Forderungen der Soldaten erfüllt wurden. Wenn aber schon unter dem Militär die Disziplin gelockertund auch auf diese Säule kein Verlaß mehr ist, so ist es klar, daß bei einem etwa kommenden Sturm das ganze russische Staatsgebäude ins Wanken kommen muß. Politische Uebersicht. Schutz gegen Streiks. Berlin, 15. Juni. Die Bildung einer allgemeinen Versicherungsgesellschaft gegen Schäden aus Arbeitsniederlegungen der Arbeiter ist nunmehr gesichert Die deutsche Arbeitgeberzeitung teilt mit, daß nach jahrelangen Verhandlungen nunmehr die Satzungen dieser„Gesellschaft des Veveins deutscher Arbeitgeberverbände zur Entschädigung bei Arbeitseinstellungen“ endgiltig angenommen sind. Graf Schlieffens Taufrede. — Bremen, 15. Juni. In einen Taufrede beim Stapellauf des Kreuzers C führte Graf Schlieffen folgendes aus: Der Mann, dessen Namen dieses Schiff tragen soll, hat vor hundert Jahren, in der schwersten Zeit, die unser Vaterland durchzumachen gehabt hat, als alles verzagt, verzweifelt war, den Mut nicht sinben lassen, und das Haupt aufrecht erhalten. Seinem Rat, seiner Tatkraft und seinem unaufhörlichen Drängen ist es später zu danken gewesen, daß zweimal der Riese niedergeworfen, der Koloß gefällt ist. Er war's endlich, welcher die Besiegten bis zur äußersten Grenze der Kräfte verfolgt hat. Jetzt leben wir in tiefem Frieden. Ein goldenes Zeitalter eines nur friedlichen komplizierte Natur, und so kennen Sie mich wahrscheinlich besser, als ich selbst mich kenne. „Das letztere trifft sicher zu, lieber Hurbing," antwortete sie sanft.„Ich kenne Ihr aufrichtiges, ernstes Gefühl für mich, kenne Ihren guten, geraden Charakter, Ihr warmes Herz und manches noch, was Sie mir besonders lieb macht. Und ich will Ihnen noch mehr sagen: Ich bedauere es, Ihnen nicht früher begegnet zu sein in jenen Tagen, da ich noch daran glaubte, daß zwei Menschen in innigster Gemeinschaft ein wirkliches Glück zu finden vermögen. Heute glaube ich daran nicht mehr. Und heute würde ich weder glücklich machen noch glücklich werden können, heute geht mir meine Freiheit, das Alleinsein, in dem ich mich von Früherlebten erholen und ganz nach Neigung und Bedürfnis seelisch und persönlich ausleben kann, über alles! Wenn Sie dieses Ziel meines Daseins die Wolke nennen wollen, von der ich nur bisweilen auf kurze Zeit herabsteige, wohlan! In diesem Sinne akzeptiere ich den Vergleich mit den seligen Göttern!“ „So wollen Sie in der Tat zeitlebens auf Ihrer Wolke bleiben?“ „In der Tat. Und das möge Ihnen ein Trost sein. Sie werden mich immer wiederfinden, wie Sie mich heute verlassen, und ich hoffe, Sie erstreben das auch! Bei jedem Wiederfinden werden Sie konstatieren können, daß ich mich innerlich gar nicht, um so mehr aber äußerlich verändert habe; und das letztere wird Ihnen am besten über den Groll forthelfen, den Sie augenblicklich gegen mich hegen. Widersprechen Sie mir nicht; es muß ja so sein, und ich bin Ihnen gar nicht böse. Ich baue fest auf die Einwirkung der Zeit. Mehr natürlich noch auf Sie selbst, auf Ihre Charaktertüchtigkeit. Männer wie Sie finden sich schließlich immer zurecht.“ Oskar Hurbing wußte nun, daß er von dieser Frau, der einzigen, die erbisher geliebt und zu besitzen gewünscht, nichts mehr zu erwarten hatte. Sonderbar, daß er sich trotzdem nicht bankerott an Hoffnung und Lebenslust fühlte! Daß noch immer ein lächelndes „Vielleicht!“ am Horizont seiner Gedanken schwebte! „Grollen Sie mir ernsthaft?“ fragte Bianka Stablewski, da seine Antwort so lange ausblieb. Er verneinte.„Auch ich baue fest auf die Einwirkung der Zeit!“ erwiderte er.„Sie gestatten mir wiederzukehren, ich darf Ihnen schreiben, über meine Studien berichten und auf Briefe von Ihnen rechnen, die mir zeigen, daß Sie auch fernerhin an meinem Leben und Streben Anteil nehmen? „Ganz gewiß, daß dürfen Sie! Und ich werde Ihnen ein Atelier in Ulmenau einrichten, das jenem in Ehrenbreit nichte nachgibt.“ Lächelnd, wieder mit jenem Lächeln, das er gestern zum erstenmal gesehen, reichte sie ihm die Hand, und er hielt dieselbe einen Moment fest. „Ich danke Ihnen,“ sagte er.„Das ist alles, was ich zunächst beanspruche. Und so gehe ich nicht als ein Bettler, sondern als ein Reicher von Ihnen, obschon Sie mir im Grunde einen Korb gegeben haben. „Warum nicht gar! Dazu gaben Sie mir ja gar keine Gelegenheit! Auch ich fühle, daß die Stunde, in der wir uns aufrichtig mit einander aussprachen, mich bereichert hat. Und so sage ich denn nicht im Sinne der oft gebrauchten Phrasen, sondern mit dem lebhaften Wunsche, Sie möchten es bald zur Wirklichkeit werden lassen: Auf Wiedersehen!" * * Das war ein kurioser Tag in dem alten Polenhause! Man merkte die nahe Abreise der Gäste an allen Ecken und Enden. Und Franz Josef kam aus jenem leisen Frieren nicht heraus, das bei nervösen Naturen häufig in der Begleitung seelischen Unbehagens erscheint. Er hieß das Diner eine Stunde später als gewöhnlich anrichten, befahl die Tafel mit Blumen zu schmükken, und erklärte dem Baron, daß er es sich in den Kopf gesetzt habe, die Ulmenauer Damen(Heloise wohnte seit dem Hochzeitstage Liskas bei Bianka Stablewski) diesen Abend noch einmal auf Ehrenbreit zu bewirten. „Es ist der letzte Abend, den Gräfin Gerstmann in unserer Gegend verlebt,“ sagte er.„Sie soll ihn bei mir zubringen. Sein Ton klang fest und ein bißchen herrisch, wie in früherer Zeit. „Bravo!“ sagte Ruck.„Dann lassen Sie nur gleich anspannen und fahren Sie selbst hinüber. Hurbing ist, wie ich glaube, schon dort. Ich werde mich indessen darum kümmern, daß wir etwas Erträgliches zu essen bekommen, und daß der gute, alte Rotwein die richtige Temperatur erhält.“ *„ 1 3 8. 2 0 Wettkampfes scheint uns bevorzustehen. Aber, wenn doch nun einmal das Morgenrot blutig anbrechen, wenn doch einmal der Tag des Zornes erscheinen sollte, so wünsche ich dir, edles Schiff, daß du würdig deines Namens das erste bist beim Angriff und daß du erst, nachdem die Nacht sich herabgesenkt hat auf die schwarze Flut, wenn auch zerschossen und aus vielen Wunden blutend, das letzte bist, welches von der Verfolgung absteht. Damit taufe ich dich auf Befehl des Kaisers:„Gneisenau“. Wie die rote Presse unser Volk aufklärt, darüber hier eine kleine Stilblüte aus der sozialdemokratischen Mannheimer „Volksstimme“. Sie schreibt über eine angebliche Paßfälschung u. a.:„Hier sehen wir eine Verbrecherbande, die Schandtaten ohne Maß verübt hat, in Brot und Stellung, Amt und Ehren, von keinem Staatsanwalt angeklagt, von keinem Richter verurteilt, von den Regierungen gedeckt, von bürgerlichen Parlamentsmehrheiten geschützt. Es sind ja auch keine„gewöhnlichen Verbrecher“, die ihre Taten aus Not ums Brot oder unterm Zwang ihrer sittlichen Weltauffassung begangen haben, sondern diese Erpresser, Anstifter, Urkundenfälscher sind Verbrecher von hoher Rangklasse, königlich=preußische Staatsschurken!“— Es ist nicht nötig, ein Wort hinzuzusetzen. Spionage=Prozeß. = Paris, 15. Juni. Das Appellationsgericht von Aix verhandelte in geheimer Sitzung über die Einspruchsbeschwerde der vom Marseiller Zuchtpolizeigericht wegen Spionage verurteilten Deutschen Wolf und Wieger. Das Appellationsgericht verwarf die Beschwerde und erhöhte die Strafe Wolfs von zwei Jahren auf drei Jahre, die Strafe Wiegers von 15 Monaten auf zwei Jahre Gefängnis. Die politische Lage in Rußland. In Rußland sieht es nach wie vor recht traurig aus. Die so heiß ersehnte Duma hat noch nichts gebessert, eher verschlimmert. Statt vernünftige, praktisch durchführbare formvorschläge zu machen, berauscht man sich an den eigenen Redeergüssen und jagt Utopien nach. Die Ideen, die vielleicht noch vor etwa 25 Jahren auch in den Köpfen deutscher und anderer Sozialdemokraten anzutreffen waren, werden in der russischen Duma eifrig beraten. Man fordert gänzliche Abschaffung der Todesstrafe und vergrößert dadurch nur die Gier nach weiteren Mordbrennereien. Wie muß es in den Köpfen der Leute aussehen, die solche Forderungen erheben können. Es ist und bleibt doch das Abc aller Gerechtigkeit, daß der Mordbube, welcher das köstlichste Gut eines Menschen, das Leben, freventlich und leichtfertig nimmt, an demselben Gut gestraft wird.„Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll wieder vergossen werden!“ Am meisten und heftigsten wird augenblicklich die Agrarfrage behandelt. Man denkt an eine allgemeine Aufteilung des gesamten Grundbesitzes und hofft durch solche unsinnigen Versprechungen, die nur Unwissenden imponieren können, die kleinen Bauern für alle Pläne einfangen zu können. Die Vertreter der russischen Regierung haben den Dumamitgliedern ausgerechnet, daß bei dieser Aufteilung jedem Landarbeiter und Bauern etwa eineinhalb Morgen Land zufallen würde, und daß die meisten Bauern von ihrem Grund und Boden noch abgeben müßten. Aber solche nüchterne und kühle Berechnungen sind nicht beliebt und entfesseln nur die Leidenschaften der „Landhungrigen“. In verschiedenen Landstrichen ist die Revolution aufs neue ausgebrochen. Mord und Raub sind wieder an der Tagesordnung. Die Polizei sieht sich außer Stande, Ruhe und Ordnung wiederherzustellen, und die Truppen, die ihr helfen sollen, haben schon verschiedentlich— gemeutert. Vielleicht steht das ungückliche Land wie Frankreich im Jahre 1789 am Abend einer großen Revolution, die ihre Wellen über die Grenzen des Reiches hinaustragn kann. Blutigrot geht die Sonne über dem Lande des Zaren unter. = Petersburg, 15. Juni. In der Nacht vom 13. zum 14. d. M. wurdedas dem Grafen Ktyserlingk gehörige Schloß Zinnhof bei Mitau von einer Bande beschossen und in Brand gesteckt. In Tula brennen die Lagerhäuser bereits seit drei Tagen, ebenso die Mühlen mit Getreide. Die deutschen Flottenmanöver im Herbst 1906. Die besondere Bedeutung der diesjährigen HauptFlottenmanöver beruht darin, daß der Kern der Schlachtflotte aus 16 Linienschifen bestehen wird und somit zum ersten Mal die taktischen Verbände der beiden Geschwader voll besetzt sind, wenn auch mit Hilfe des Flottenflaggschiffes Kaiser Wilhelm der Zweite, das späterhin nicht in der Formation mitgezählt wird, sondern als siebzehntes Schiff die Führung hat Dadurch, daß beide Geschwader die ordnungsmäßige Anzahl Schiffe haben, werden alle Manöver der Wirklichkeit weit näher gebracht und lassen in jeder Beziehung richtigere Schlußfolgerungen für den Ernstfall zu. Es ist immer eine mißliche Sache, aus dem Kampf mit einem„markierten Feind“ taktisch einwandfreie Schlüsse abzuleiten, mögen die Manöverbestimmungen vorher noch so sorgfältig festgesetzt sein, und bei den Kämpfen zur See tritt dies noch weit mehr in die Erscheinung, als bei den Manövern der Armee. Die Zahl der Aufklärungsschiffe, drei große und sechs kleine Kreuzer, ist immer noch recht ungenügend gegenüber den wichtigen Aufgaben, die dem Aufklärungsgeschwader zufallen, dafür sind es jetzt aber, im Gegensatz zu dem Bestand der letzten Jahre, alles Schiffe, die ihrem Zweck in Bezug auf Geschwindigkeit und Armierung besser gerecht werden. Zu diesen 16 Linienschifen und neun Kreuzern treten noch die Küstenpanzer Aegir und Frithjoff für die Dauer der Manöver, so)daß also 27 Schiffe daran beteiligt sind, die auch im Ernstfall kämpfen würden. Dazu kommen 36 große und bleine Torpedoboote sowie die Minensuchdivision, bestehend aus sieben kleinen Torpedobooten und dem Minenschulschiff Pelikan, die lediglich zum Legen und Aufräumen von Minensperren Verwendung finden, nicht aber zum Angriff auf feindliche Schiffe angesetzt werden. Alle übrigen Schiffe, wie Blitz, Pfeil, Grille, Ziethenusw., kommen für die Manöver nur als Beiwerk in Betracht, um zu besonderen Aufträgen Verwendung zu finden. Im Ernstfall rechnet man mit ihnen als Waffe nicht mehr. So werden 28 Schiffe(Pelikan miteingerechnet) und 43 Torpedoboote zum eigentlichen Manöverzweck bereitgestellt. Es ist dies eine Zahl, wie sie bisher noch nicht erreicht wurde. Die Schulschiffe des Torpedowesens und der Funkentelegraphie(Vineta und München), sowie die der Artillerie(Schwaben, Prinz Adalbert, Undine und Nymphe), die ebenfalls durchaus moderne, für den Krieg vorbereitete Schiffe sind, werden zu den Manövern nicht herangezogen, um die Zeit für die Ausbildung der dort kommandierten Schüler nicht zu verkürzen, was sich in früheren Jahren sehr störend bemerkbar machte. Die Manöver werden sich in der ersten Hälfte des September in der Nordseee abspielen und in der Hauptsache den für uns so wichtigen Blockadedienst in seinem defensiven wie offensiven Teil zur Darstellung bringen. Dabei mag erwähnt werden, daß gerade diese Art der Kriegführung besonders hohe Anforderungen an die Leistungsfähigkeit des Personals und des Materials stellt, das Tag und Nacht jeden Augenblick gefechtsbereit sein muß. Dem Vernehmen nach finden in der Zeit von Ende Juli bis Anfang August in der Ostsee ebenfalls wichtige Manöver statt, denen der Kaiser selbst beszvohnen wird. Sie werden vier bis fünf Tage dauern. Unser juristischer Beirat. §8 Rechtsverbindlichkeit von Anträgen. Wer einem anderen die Schließung eines Vertrages anträgt, ist an den Anfang gebunden es sei denn, daß er die Gebundenheit ausgeschlossen hat. Der Antrag erlischt, wenn er dem Antragenden gegenüber abgelehnt oder wenn er nicht diesem gegenüber rechtzeitig angenomDie Schönheit von Remörow. Roman von Bogumil von Czartorski. 69 F anka lachte belustigt, als Ehrenbreits Wagen auf den Hof „Dort kommt auch jemand, um Abschied zu nehnten,“ sagte sie zu dem Maler,„aber Heloise, der der Besuch vermutlich gilt, ist nicht anwesend; ich mußte ihr erlauben, dem Rembrower Walde auf einem letzten Spaziergange Lebewohl zu sagen.“ Franz Josef schien recht enttäuscht.„Ichwollte Sie abholen, da wir heute noch einmal vollzählig bei mir versammelt sein können. Es ist heute scheußlich ungemütlich bei mir. Seien Sie gütig, gnädige Frau, und schlagen Sie mir meine Bitte nicht ab!“ Bianka Stablewski schaute Hurbing halb fragend an.„Ja, antwortete sein Blick,„ich verdiene es nach dem Vorangegangenen, daß die Göttin noch einmal von ihrer Wolke herabsteigt! „Ich will nicht philiströs seinz ich will mit Heloise kommen," sagte Bianka.„Die Dunkelheit bricht herein, da wird sie bald heimkehren.“ In diesem Augenblick trat Heloise ein; sie sah sehr hübsch aus mit den von der scharfen Luft geröteten Wangen und den blitzenden Reifsternchen auf Pelzmütze und Jacke.„Ich habe Abschied genommen von Rembrow und Umgegend,“ sagte sie nach der Begrüßung zu Ehrenbreit.„Auch den Edelhof sah ich von fern! Er stand gerade im Feuer der untergehenden Sonne, und die blau=silberne Fahne der Ehrenbreits flatterte fröhlich im Abendwinde. Das war ein lichtes Bild, ein gutes Omen!“ „Sie tun mir wohl, Komtesse. Als ein besonders gutes Omen würde ich es betrachten, wenn Sie sich dazu entschlössen, meinem alten Hause durch einen nochmaligen persönlichen Besuch Heil zu bringen. „Aber Sie wissen doch, Graf, daß ich schon morgen reise. „Mein Wagen wartet, um Sie sogleich mitzunehmen. Ihre Freundin hat schon eingewilligt.“ „Gern dann, wenn Sie mich im Reisekleide und in Reisestimmung haben wollen. So ein Scheiden bringt immer allerlei ernste Betrachtungen mit sich.“ „Denen wir dann in Gemeinschaft nachhängen können. Jeder von uns ist heute auf diesen Ton gestimmt.“ hatte schon bei ihrem ersten Besuche in Ehrenbreit irt Heimatsgefühl empfunden, das ihr seltsam genug erschten. Die altväterischen Zimmer, die Familienbilder an den Wänden muteten sie wie etwas Längstvertrautes an. Sie wagte es gegen niemand, kaum gegen sich selbst auszusprechen, wie sehr es sie beglückte, den letzten Abend hier zubringen zu dürfen; aber die Freude sprach aus ihren Augen, aus ihrem ganzen, gleichsam von einer inneren Flamme durchleuchteten Wesen. Diese Flamme schien auch die anderen mit Licht und Wärme zu versorgen; jedermann empfand ihrewohltuende Einwirkung, jedermann gab sich liebenswürdig, sogar Sebold wurde heiter und schmückte das Knopfloch seines Rockes mit den gleichen roten Blüten wie Heloise, die ein Geraniumbüschel, sie liebte diese anspruchslose Pflanze, aus der vor ihr stehenden Vase zog und in den Gürtel ihres grauen Reisekleides steckte. „Heute hat Ihr Haus garnichts von einer Junggesellenbude, Ehrenbreit,“ sagte er.„Da sieht man einmal wieder, was Frauenzauber tut! Ich glaube, ich heirate auch noch, obschon ich's bereits verredet habe, nur, damit ich mir schon solche behaglichen Abende schaffen kann, an denen sich vergessen läßt, daß man alt wird, daß es schlechte Menschen, widrige Schicksale und rauhe Winterstürme gibt!“ Man saß an diesem Abend besonders lange beieinander; niemand wollte das Wort vom Auseinandergehen sprechen, niemand diese warmen, traulichen Räume verlassen, in denen heute, das fühlten sie alle, ein besonderer, geheimnisvoller Hausgeist waltete, der sie mit besonderen, geheimnisvollen Fäden aneinander geknüpft! Es war nahezu Mitternacht, als Heloise einen stillen Augenblick fand, um an ein Fenster zu treten und noch einmal die ihr so lieben Gärten zu überschauen, die sich in der blassen Mondbeleuchtung wie ein Märchenreich ausnahmen. „Ich wollte, Sie blieben noch einige Tage in Ulmenau! Sie gäben mir Zeit, noch einiges mit Ihnen zu besprechen!“ sagte Franz Josef, an ihre Seite tretend.„Kann es nicht sein?“ „Es kann nicht sein!“ erwiderte sie in leisem, festen Tone. „Ich muß zu meinem Oheim, in das„dunkle Zimmer," von dem ich Ihnen erzählte.“ „Und wenn jene„60 Minuten“ um sind und die Tür in den „Frühlingsgarten“ sich öffnet?“ „Dann werde ich hinaustreten in das Licht und die Pracht und mich nach Ihnen darin umsehen, Franz Josef von Ehrenbreit!“ men wird. Der einem Anwesenden gemachte Antrag kann nur sofort angenommen werden. Dies gilt auch von einem mittels Fernsprechers von Person zu Person gemachten Antrage. Der einem Abwesenden gemachte Antrag kann nur bis zu dem Zeitpunkt angenommen werden, in welchem der Antragende den Eingang der Antwort unter regelmäßiggen Umständen erwarten darf. Hat der Antragende für die Anahme des Antrags eine Frist bestimmt, so kann die Annahme nur innerhalb dieser Frist erfolgen. Ist eine dem Antragenden verspätet zugegangene Annahmeerklärung dergestalt abgesendet worden, daß sie bei regelmäßiger Beförsderung ihm rechtzeitig zugegan gen sein würde, und mußte der Antragende dies erkennen, so hat er die Verspätung dem Annehmenden unverzüglich nach dem Empfange der Erklärung anzuzeigen, sofern es nicht schon vorher geschehen ist. Verzögert er die Absendung der Anzeige, so gilt die Annahme als nicht verspätet. Westfalen und Rheinland. Die Henne=Talsperre. Dortmund, 15. Juni. Am nächsten Sonnabend wird sich die Schlußsteinlegung der HenneTalsperre und die Enthüllung des Intze=Denkmals in feierlicher Weise vollziehen. Erbaut ist die Sperre durch die Talsperrengenossenschaft der oberen Ruhr, bestehend aus den Besitzern der Stauwerke an der Henne und der Ruhr von Meschede bis Schwerte, den Städten, Dortmund, Hamm und Unna und dem Kreise Hörde. Der Ruhrtalsperrenverein gibt eine jährliche Subvention von 96000 Mk. Die Gesamtkosten des Baues betragen 3300000 Mk., wovon auf das Mauerwerk allein 200000.Mk. entfallen. Die Grundfläche der Sperre beträgt 85,25 Hektar oder 350 Morgen. Das auf die Sperre entfallende Niederschlagsgebiet umfaßt 52,7 Kilometer. Die Sperrmauer hat eine Höhe von 41,60 Meter, die größte Länge derselben beträgt 370 Meter. Die Sohle des Mauerwerks ist 32,96 Meter stark, die Krone noch 5,60 Meter, insgesamt war 106000 Kubikmeter[Mauerwerk auszuführen. Der Inhalt der Sperre beläuft sich auf 11 Millionen Kubikmeter. Die Arbeiten begannen am 10. September 1901, fertiggestellt wurden sie am 8. Dezember 1095. Die Ausführung geschah durch Herrn Unternehmer D. Liesenhoff in Letmathe. Die revidierende Ministerialkommission hat die Bauausführung als sehr gut anerkannt, die Mauer selbst ist fast absolut dicht, nur am rechten Talhange finden einige Durchsickerungen durch das Gebirge statt, denen im Laufe des Sommers durch Dichtungsarbeiten abgeholfen werden soll. Infolge der Anlage der Sperre mußten das Gut Hellern, sowie der größte Teil des Dorfes Immenhausen und ein Teil des Dorfes Enkhausen vom Erdboden werschwinden. Das auf der Sperrmauer angebrachte sehr wirkungsvolle Denkmal des Vaters des Talsperrenbaues, Geheimen Regierungsyats Intze((inzwischen verstorben), ist von Heron Stadtbaurat Kullrich=Dortmundund Regierungs= und Baurat von Pelser=Berensberg in Arnsberg entworfen. Die Bronzeplatte mit dem Bildnisse Intzes ist von dessen Sohne, dem Bildhauer Herrn F. Intze in Iserlohn, ausgführt. Vorsteher der Genossenschaft ist Herr Fabrikbesitzer von Schenk in Arnsberg, Bauleiter war Herr Regierungsbaumeister Innecken. An der Feier wird auch der Finanzminister Freiherr von Rheinbaben teilnehmen, dessen Verdienst die Gründung des Ruhrtalsperrenvereins ist, der den Bau von Talsperren in Westfalen überhaupt erst ermöglicht hat. Ferner werden erscheinen die Herren Oberpräsident v. d. Recke, Herr Regierungspräsident von Coels und Herr Landeshauptmann Dr. Hammerschmidt usw. * Dortmund, 15. Juni.(Der Streik der „Ich werde da sein! Ich werde Sie an der Pforte empfangen, Heloise!“ Er sagte es mit so kräftiger, zuversichtlicher Stimme, daß es ihn selbst erstaunte. Sie antwortete durch einen frohen, warmen Blick.„Wollen Sie fest und stark zu werden versuchen in der Zeit, die ich im„dunklen Zimmer" zubringe?“ „Ich will es Heloise! Ich will es, um Ihretwillen!" entgegnete er, ihre auf der Fensterbrüstung ruhende Hand mit festem Druck umschließend. Und dann standen sie noch eine Weile neben einander, während die Turmuhr von Rembrow ihre altersmüde Stimme erhob, in feierlichen Schlägen Mitternacht verkündend. — Ende.— Walter Scotté Nachfolger. Sir Walter Scott war kein guter Schüler; oft saß er auf der letzten Bank seiner Klasse. Als er nun ein berühmter Dichter geworden war, besuchte er eines Tages seine alte Schule um den Schauplatz seiner früheren Leiden wiederzusehen. Der Lehrer wollte einen guten Eindruck auf den Dichter machen und prüfte die Schüler in seiner Gegenwart, um ihm zu zeigen, wie weit sie schon gekommen wären. Nach einiger Zeit fragte Scott:„Aber wer ist denn der Dummkopf in der Klasse? Einen müssen Sie doch haben! Zeigen Sie ihn mir." Der Lehrer rief einen armen, kleinen Jungen auf, der ganz wehleidig und eingeschüchtert zu dem berühmten Besucher kam.„Du bist also der Dummkopf, mein Sohn?“ fragte Scott.—„Ja,“ lautete die Antwort.— Gut, mein Sohn, hier hast Du eine halbe Krone,— weil Du meinen Platz so schön warm gehalten hast.“ Dann lieber nicht.„Wenn Sie mich mit dem Schirm noch einmal ins Auge stoßen, wie Sie das schon zweimal getan haben,“ sagte der Mann im braunen Ueberzieher,„so schlage ich Ihnen den Schädel ein!“—„Daran waren Sie mindestens ebenso viel schuld wie ich,“ antwortete der Mann im grauen Mantel.„Gelüstet es Ihnen, deshalb einen Streit anzufangen, so bin ich bereit dazu. Ich bin mit 20000 Mark in der Gegenseitigen Unfallversicherungsgesellschaft versichert und hätte nur den Betrag für einen eingeschlagenen Schädel einzufordern.— Der Mann im braunen Ueberzieher sah seinen Gegner scharf an. In seinem Gesicht erkannte man, daß er mit sich kämpfte. Endlich sagte er:„Na, vor mir sind Sie sicher. Ich bin Agent jener Gesellschaft.“ 138,20 Straßenbahner) kann als beendet angesehen werden, da die meisten Ausständigen sich zum Dienst gemeldet haben. Von den Kommissionsmitgliedern wurde fast keiner wieder eingestellt. Der Lohn beträgt vorläufig 3,50 Mark bei eintägiger Kündigungsfrist. * Dortmund, 15. Juni.(Dem Major Schmahl) — Zeuge im Prozeß Hüger— ist durch Kabinetts=Order vom 12. Juni 1906 das Ritterkréuz erster Klasse des Friedrich=Ordens verliehen worden. Es handelt sich um eine württembergische Auszeichnung. * Unna, 15. Juni.(Sellbstmord.) Gestern vormittag wurde in der Nähe des Bernkampes der Schutzmann B. von hier tot aufgefunden. Wie die Ermittelungen ergeben haben sollen, liegt Selbstmord infolge Geistesstörung vor. * Unna, 15. Juni. Ueberfallen wurde gestern vormittag das in einem Garten am Massenertor beschäftigt gewesene Dienstmädchen Luise Thorwesten von einem bis jetzt noch nicht bekannten Manne. Das etwa 18—19 Jahre alte Mädchen, das im Kolonialwarengeschäft von Holterhoff bedienstet ist, war im Garten seiner Herrschaft an der Arbeit, hörte plötzlich im Nachbargarten ein Wimmern und ging, die Ursache dieses Klagens zu erfahren, schließlich in den benachbarten Garten. Hier angelangt, wurde sie von einem Menschen gepackt, und zu Boden geworfen. Als sie sich dem Vorhaben des Menschen energisch widersetzte, goß ihr der Unhold eine ätzende Flüssigkeit in den Mund und warf sie sodann in einen in der Nähe stehenden Wasserbehälter, worauf er die Flucht ergriff. Das Mädchen konnte sich nach längerer Zeit wieder aus dem Behälter herausarbeiten. Von dem Unhold fehlt bis jetzt jede Spur. * Hamm, 15. Juni.(Von einemargen Mißgeschick) ist die Lippetaler Brieftaubenvereinigung betroffen worden. Von den zum Wettfluge ab Conz bei Trier(208 Kilometer Luftlinie) gesandten und am letzten Sonntag dort aufgelassenen ca. 3000 Tauben werden etwa 75 Prozent als verloren betrachtet. Nur sehr wenige Tiere haben infolge des am Auflassungsorte herrschenden ungünstigen Wetters den heimatlichen Boden wieder erreicht. Ein Züchter hat von 40 gesetzten Tieren nur 7 wieder erhalten. Wie hoch der materielle Verlust— von dem ideellen ganz zu schweigen— ist, möge man daraus ersehen, daß die besten der Tiere mit 70—75 Mark das Stück bewertet werden, Der Verlust trifft die Vereine umso schwerer, als das nur alle drei Jahre stattfindende Fliegen um die große Staatsmedaille bevorsteht, den meisten Züchtern aber der Wettbewerb um diesen Preis nunmehr unmöglich ist, da die zur Konkurrenz erst berechtigende Mindestzahl von 10 Tauben nicht mehr besitzen. Zur Lippetaler Reisevereinigung gehören u. a. die Vereine Hamm, Soest, Lippstadt, Paderborn, Unna, Werl, Hemmerde, Bockum, Ahlen, Sudenhorst usw. * Bocholt, 15. Juni.((Vom Turm gestürzt.) In der St. Georgius=Pfarrkirche stürzte heute morgen ein aus Anlaß der Fronleichnams=Prozession mit Läuten beschäftigter älterer Mann aus dem Turm durch die Luke, durch welche die Glockenseile in die Kirche führen, aus bedeutender Höhe hinunter und erlitt so schwere Verletzungen, daß er auf dem Transport zum Krankenhause verstarb. Der Verunglückte fiel auf einen Knaben und verletzte auch diesen erheblich * Lüdenscheid, 15. Juni. Beim Putzen eines Revolvers erschoß sich der Werkmeister Baukhage. war ihm unbekannt, daß die Waffe geladen war. * Greven, 15. Juni.(Verbrüht) hat sich in einem Bottich mit kochender Seifenlauge das dreijährige Töchterchen einer hiesigen Familie derart, daß es nach wenigen Stunden qualvollster Schmerzen verschied. * Minden, 15. Juni.(Ertrunken) ist der Pionier Brokmann von der 1. Kompagnie des Hannoverschen Pionierbataillons N. 10 in der Weser. Als eine Abteilung Fahrtenschwimmer nach beendetem Schwimmen das Wasser verließ, sank B., der als einer der letzten aus dem Bassin schwamm, unter. Obwohl sogleich Mannschaften des Rettungsdienstes und gewandte Schwimmer der Kompagnie eifrigst tauchten, gelang es erst nach einiger Zeit, den Verunglückten zu bergen. Die unter ärztlicher Leitung veranstalteten Wiederbelebungsversuche Glieben erfolglos. * Elberfeld, 15. Juni.(Ueberfahren und getötet) wurde gestern abend auf der Schwebebahn ein 19jähriger Streckenarbeiter. Er überhörte bei der Arbeit einen herankommenden Wagen, wurde vom Gestänge erfaßt und schwer verletzt. In der Angst griff er mit einer Hand an die Strakstromleitung und war sofort tot. * Elberfeld, 15. Juni.(Von einem beklagenswerten Schicksal) wurde die Familie des Herrn Rechnungsrevisors Adalbert Fütterer betroffen. Dessen etwa 20jähriger Sohn diente auf einem Schulschiffe des Norddeutschen Lloyd. Er mußte wegen eines Augenleidens in Montevideo liegen bleiben und benutzte dann ein anderes Handelsschiff zur Heimfahrt. Unterwegs sgeriet das Schiff in seinen Sturm, wobei der hoffnungsvolle junge Mann von einer Sturzwelle über Bord gerissen wurde und so den Tod in den Wellen fand. * Kaldenkirchen, 15. Juni. Von dem in Venlo garnisonierenden 2. holländischen Husarenregiment ist neuerdings wieder eine Anzahl Husaren desertiert und hat sich auf preußisches Gebiet begeben. Alle Versuche der holländischen Militärbehörden, die Flüchtlinge zur Rückkehr zu bewegen, sind gescheitert. * Aachen, 15. Juni.(Ein unangenehmes Erlebnis.) ImD=Zung Köln=Aachen hatte Sonntag nacht ein Kaufmann von hier und ein Herr aus Düven. Als die beiden den seitlichen Gang des von ihnen bestiegenen Zuges(10,45 Uhr ab Köln) pasierten, stolperten sie über offenbar absichtlich dort gelagerte GeDer Reichtum dep Lilignagsfamilien „ Atrod Bel## Cafen K—.—. 2000 wil.: is. n RRei. gRh#el 00 AiN. 800 Aim— g00Mut. 300 MilA J.J. Astor Rockefeller, Willi 6.1. Sould’W. A. Clarb H 400 Mi. 400 Mill. 400 Mi. 400 Mlf.“ g 2. f. Moutstepben Rorsrile 300llill. S0wi 30cuin. „• 11 S E Gvesth 240mz. Westinghouse Plerpont Herzogvon * Ga.: Hetty öreen Georg H.# Bedford Morzen Deronshire Dießante Sumhme betraß 2 (290 Mill. A 5 12960 Mill.Mark. Diese K V. A22amilie töngen also un.+ 6½8MIII. Mark Jährlich: 20 verrehren, pro loß fast S GSwehren,pre — 22omiu. 200Mill: 200 Mill., 200 Mill: 200 Mill. 2 Mif.Mark Präsident Roosevelt hat kürzlich gelegentlich einer Rede geäußert, daß eine Zeit skommen werde, in der man gegen die Anhäufung von Riesenkapitalien in einzelnen Familien von Rechts= sunsd Staatswegen werde einschreiten müssen. Diese Rede hat unter den amerikanischen Millionären, Senatoren und Mitgliedern des Repräsentantenhauses böses Blut gemacht, man sieht diese Aeußerung des Präsidenten als den Gipfel des Sozialismus an und viele große Zeitungen haben deshalb gegen den Präsidenten Stellung genommen. Einzelne Stimmen prophezeien infolgedessen eine ungünstige Beeinflussung der Präsidentenwahl für Roosevelt. Die Anhäufung von kolossalen Reichtümern ist in einzelnen amerikanischen Familien aber tatsächlich eine ganz ungeheuere und Roosevelts Rede gab die Veranlassung, daß neuerdings eine Liste dieser mit Glücksgütern so reichlich bedachten Familien aufgestellt wurde. Es wird unsere Leser interessieren, in der beistehenden Abbildung einen Ueberblick über die großen Geldbeutel dieser glücklichen Sterblichen zu erhalten. päckstücke, wodurch ein kleines Gedränge entstand. Hierbei kam laut„Echo der Gegenwart“ dem Aachener Herrn die goldene Uhr mit Kette und ein Portemonaie mit 610 Mark Inhalt abhanden, während der Dürener Herr einen Barverlust von 200 Mark zu beklagen hatte. Der Verlust wurde von den Betroffenen erst bemerkt, als sie Platz genommen hatten. Der Aachene Herr zeigte den Vorfall auf dem hiesigen Hauptbahnhofe an und fuhr dann, einem ihm gegebenen Rate folgend, mit dem Zuge weiter bis Herbestal, um dort die Kriminalpolizei mit der Angelegenheit zu betrauen. Des Diebstahls verdächtig erschienen zwei polnisch oder russisch sprechende Männer, die aber„auch der deutschen Sprache mächtig zu sein schienen. Der Streit um das Remscheider Rathaus. * Remscheid, 15. Juni. Zu dem aufsehenerregenden, hier bereits verzeichneten Streit über die Urheberschaft des Projektes des neuen Rathauses, der sich bisher nur in Fachorganen abwickelte, nimmt nunmehr der Angegriffene, Beigeordneter Stadtbaurat Hertwig das Wort in einer öffentlichen Erklärung: Direkte Veranlassung hierzu gab ein in einem Elberfelder Blatt erschienener Artikel, in welchem für den Architekten Berns, z. Zt. Köln, Partei genommen wird. Hinsichtlich der Rathausangelegenheit weist Baurat Herwig nach, daß, nachdem Grundriß und Kostenvoranschlag des Rathauses, sowie dessen generelle Form feststanden, am 21. Dezember 1901 endgiltiger Beschluß über den Bau gefaßt worden ist, während Berns erst am 1. April 1902 ans Stadtbauamt berufen wurde. In der Folgezeit wurden allerdings einige Aenderungen in Detailsachen vorgenommen, die von Berns herrühren, allein auf Weisung des Baurates H. und unter Anlehnung an die Rathausbau1 ten von Duisburg, Rheydt, Paderborn und Nürnberg vorgenomen wurden. Die zweite, in dem Artikel des Elberfelder Blattes angeschnittene Frage hat zum Gegenstand die augenblicklich in Ausführung begriffene Kanalisation. In dem Artikel wurde von einer offenbar dem B. nahestehenden Seite darauf hingewiesen, daß auch beim Kanalisationsprojekt nicht Baurat H,. sondern ein Ingenieur Knispel der Urheber sei, dessen Namé aber auf den Plänen mit einem Signum: „Erstellt beim Stadtbauamt“ überklebt worden sei. Hierzu weist Baurat H. in seiner Erklärung ebenfalls an urkundlichem Material nach, daß Kn., als er ans Stadtbauamt berufen wurde, auf einem vorher bereits erstellten generellen Projekt fußte, daß an seinem Projekt, das er als städtischer Angestellter, also unter der Verantwortung des Bauamtes, weiter ausarbeitete weitgehende Veränderungen vorgenommen wurden, u. a. die gewiß tiefeinschneidende, daß anstelle des Schwemmsystems das Trennsystem gewählt wurde. Nach der verwaltungsrechtlichen Seite macht die Erklärung H's geltend, das Berns und Knispel Angestellte waren, somit lediglich im Auftrag und unter Verantwortung der Behörden handelten, eigenmächtige Handlungen vorzunehmen also gar nicht in der Lage waren. Wetterbericht der deutschen Seewarte. 16. Juni. Warm, wolkig mit Sonnenschein, Gewitter, windig. 17. Juni. Wolkig mit Regen, windig, teils heiter, ku9t.„„7 Tehhatter Wins 18. Bewölkt, Regen, kuhr, lebhäftel Wind. 19. Wolkig mit Sonnenschein, meist trocken. Verantwortlicher Redakteur: Wilh. Schade, Schwerte. Neue Schiffsprojekte eines Amerikaners. Die Ideee des Rundschiffes hat auch unter modernen Technikern Anhänger gefunden. Ein bekannter amerikanischer Schiffsbauer, Mr. John Elder, befürwortete(um 1868) die Konstruktion runder, statt länglicher Panzerkreuzer, und es wurden dann von der russischen Flottenvrwaltung tatsächlich zwei Kriegsschiffe nach den modifizierten Plänen Elders erbaut. Der neueste Vertreter der Idee, der Newyorker Stokes, kann also auf Vorgänger hinweisen, wenn er Schiffe bauen will, deren Form er als die Umkehrung des gewöhnlichen halbkuglichen Glassturzes über Glaslampen definiert. Er schreibt dieser Schiffsform das Maximum an Schwimmkraft und Tragfähigkeit zu. Die„Trident“— so nennt Mr. Stokes sein Zukunftsschiff— soll 11000 Tonnen Gehalt und starke Das kugelförmige Rettungsboot Panzerung haben und mit fünfzehnzölligen Geschützen ausgestattet sein. Diese Geschütze sollen auf ihren Standplätzen fixiert werden, so daß man, um einen Schuß eine gewisse Richtung zu geben, das Schiff selbst in diese Richtung drehen muß Der jüngste Versuch dieser Art ist der„Doenvig life,saving=globe“(Rettungskugel), der auf größeren Schiffen mitgeführt und der Rettung der Passagiere und Bemannung im Falle eines Schiffsbruches dienen soll. Die Fortbewegung wird d chruuRrdenlbtzni enuiml ahwy enuml eniat wird durch Ruder geschehen. Der Vorteil besteht darin, daß auch eindringendes Wasser, welches sich natürlich an der tiefsten Stelle des Fahrzeuges sammelt, die Schwimmkraft des Schifschens nicht beeinflussen würde. Sruetrrrauf. Der diesjährige Graswuchs auf den Wiesen u. Weiden des städtischen Wasserwerks soll am Montag, den 18. ds. meistbietend verkauft werden und zwar: a. Auf Pumpstation Schwerte vorm. 9 Uhr b. Auf der Schafhude bei Villigst nachmittags 5 Uhr. Zusammenkunft an Ort und Stelle. Dortmund, den 11. Juni 1906. Die Verwaltung des städtischen Wasserwerks. Gras-Verkauf. Der erste Grasschnitt in den Wiesen des Fürstlichen Gutes Rothehaus wird Mittwoch, d. 20. Juni er. nachm. 1 Uhr öffentlich meistbietend verkauft. 2209 Coesfeld, den 12. Juni 1906. Fürstl. Salm-Horstmarsche Rentei. Mrose. Evang. Stadtmission zu Schwerte. O 100 beurc WIT 1 K WH Wer seine Wäsche schonen will gebrauche „ We testenpervel. Warke Schwan Zu haben in allen besseren Geschäften. Sonntag, den 17. Juni 1906 * nachmittags 3 Uhr beginnend im Stadtmissionssaale, hier, Kuhstr. 7. Die Feier besteht in Ansprachen, gemeinschaftl. Gesängen und ChorVorträgen und ist mit gemeinschaftl Kaffeetrinken verbunden. Festredner: Herr P. Schmidt, Dortmund, Herr Buchhändl. Emil Müller, Barmen u. a. Eintritt frei! 9178 Jedermann ist freundl. eingeladen. Der Vorstand. Hannovera. Preis Mk 4.75. mit rostfreien Doppeluhrfedern, leichter als Fischbein. Eleg. bequemer Sitz. Erstlassiges Fabrikat. Zu haben bei Geschw. Trart Schwerte. W S Pnt6s modernen Stils, Flügel und Pianinos in vollkommener Ausführung, neu und gubraucht, sowie Harmoniun s und Klavierspielapparate in reicher Auswahl emplichtt Rud.IbachSohn Königl. Hof-Planofortefabrikant. Alleinvertrieb des Pianola und Aeriola Barmen Tederveg 40 Berllu-Köln-DüsselderfHamburg-London. 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Jeder Erwerber eines bereits bestehenden Betriebes zahlt für die ihm persönlich zu erteilende Schankerlaubnis die Hälfte dieser Beträge. er Lichtendorf, 14. Juni.(Gemeinderatssitzung.) Eine Sitzung der hiesigen Gemeindevertretung fand am 12. d. M. im Lokale des Wirts Bährensmann hierselbst statt. In dieser hatte Herr Amtmann Edler von Daniels aus Westhofen den Vorsitz übernommen. Es wurde der Ausbau des Weges von der Kreisstraße durch Lichtendorf, Overberge bis zur Sölder Genze beschlossen. Die Pläne und Kostenanschläge hierüber werden vom Kreisbauamt angefertigt. Zu den Kosten des Ausbaues wurde ein Provinzialzuschuß erbeten. Der Ausbau soll in der Weise erfolgen, daß die Straße später als Kreisstraße vom Kreise Hörde übernommen werden kann.— Einige unbeibringliche Steuerbeträge wurden niedergeschlagen. d Lichtendorf, 15. Juni.(Verschiedenes.) Die schon hoch betagte Witwe V. auf dem Eichholz sprang in einem Anfall von Geistesgestörtheit in einem Augenblick, wo sie sich unbewacht glaubte, in den Brunnen. Eine Nachbarsfrau hatte den Vorgang jejdoch bemerkt, sodaß die bedauernswerte Frau noch rechtzeitig gerettet werden konnte.— Ein Dinstmädchen des Gutsbesitzers Herrn H. kam mit ihren Kleidern unvorsichtigerweise dem Küchenherde zu nahe, sodaß diese Feuer fingen. Auf das Hülfegeschrei eilte die Ehefrau H. herbei, deren Bemühungen im Verein mit dem Mädchen es gelang, des Feuers Herr zu werden. Während das Mädchen ohne besondere Verletzungen davon kam, verbrannte sich Frau HH. erheblich an den Händen. *e Holzen, 16. Juni.(Verwaltungsstreitverfahren.) In der Streitsache der Gemeinde Holzen gegen das Erkenntnis des Bezirksausschusses wegen Gültigkeitserklärung der letzten Gemeindewahlen steht am 29. d. Mts. Termin vor dem Oberverwaltungsgericht in Berlin an. Es handelt sich vorliegendenfalles um die im November 1904 getätigten Wahlen der dritten Klasse. Bekanntlich wurden die Herren Maurermeister Keßler und Maschinenmeister Brenne gewählt, die aber wegen des noch schwebenden Streitverfahrens bis jetzt in ihr Amt nicht eingeführt werden konnten. ** Holzen bei Schwerte, 15. Juni.(Schulrevision.) Die zweiklassige evangelische Volksschule in den Rosen wurde durch Herrn Regierungs= und Schulrat Hellweg aus Arnsberg revidiert. Es handelte sich lum künftige Besetzung der zweiten Stelle durch eine männliche Lehrkraft; die Stelle wird augenblicklich durch eine Lehrerin verwaltet. * Westhofen, 15. Juni. Dem am 1. April er. in den Ruhestand getretenen Lehrser Herrn Thelmann hierselbst ist seitens Seiner Majestät des Königs der Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern verliehen worden, r Sölde, 15. Juni.(Flüchtig geworden) ist der Bergmann Wilhelm St., der vorigen Montag wegen gefährlicher Körperverletzung festgenommen, dann aber wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Man nimmt an, daß er sich aus Furcht vor der zu erwartenden Strafe ins Ausland geflüchtet hat. St. hat seine aus Frau und drei kleinen Kindern bestehende Familie zurückgelassen. Kleine Chronik. Kiel, 14. Juni. 240 Mitglieder des Flottenvereins aus Bayern sind heute in Kiel eingetroffen, um den Kriegshafen kennen zu lrnen. Diesmal waren es ausnahmsweise nur Erwachsene, Damen und Herren. Der Flottenchef und der Staionschef haben ihnen gestattet, die Schlachtschiffe und die Reichsbetriebe zu besichtigen. Die bayrischen Gäste besuchen morgen die Linienschiffe der Braunschweig= und Brandenburgklasse. Hamburg, 15. Juni. In einer Laube in Alsterdorf wurde sheute der Buchbinder Schneider und die Ehefrau Lemme erschossen aufgefunden. Schneider hatte erst die Frau und dann sich selbst durch Revolverschüsse getötet. Unglückliche Liebe bildet die Veranlassungen zu der Tat. Dresden, 15. Juni. Der aus Breslau gebürtige 28 Jahre alte Sergeant August Franz Schirmel von der 6. Batterie des 3. Feldartillerieregiments Nr. 32 in Riesa hatte sich gestern vor dem Kriegsgerichte der 1. Division in Dresden wegen Mißhandlung von Rekruten zu verantworten. Schirmel ließ z. B. seine Leute bei großer Kälte nach dem Reitplatze abrücken, wo sie das Eis der zugefrorenen Wasserpfützen eintreten und dann mit den Händen das Eis herausschöpfen und nach der Schleuse tragen mußten. Dabei sind einem Rekruten beide Hände erfroren Einem andern Rekruten zählte er zehn Peitschenhiebe auf. Erst als die Gemißhandelten zur Entlassung kamen, erstatteten sie Anzeige. Das Kriegsgericht verurteilte den Sergeanten zu einem Jahr, einen Monat Gefängnis und Degradation. Traben=Trarbach, 15. Juni. Auf der Strecke zwischen hier und Endkirch(Staatsbahn) wurde der Ortsvorsteher Sausen aus Kövenich bei Cröv, als er das Bahngeleise auf dem Wegübergang überschreiten wollte, vom Zuge erfaßt und sofort getötet. Karlsruhe, 15. Juni. Seines Amtes enthoben wurde der Bürgermeister Geng in Löhningen(Amt Waldshut), weil er bei der Landtagswahl als Wahlvorsteher die Wahlkuverte numeriert hatte, um zu Zentrumsgunsten die Namen der wenigen Löhninger Liberalen herauszubekommen. Das schlaue Dorfoberhaupt sorgte auch dafür, daß die also Ermittelten ortsbekannt wurden. Das vor Monaten, wie seinerzeit berichtet, eingelitete Distziplinarverfahren führte nunmehr zur Amtsenthebung. München, 15. Juni. An den drei bayerischen Universitäten wurde der heutige Prüfungstag wegen Durchstechereien sitiert. Es wurde angeordnet, daß neue Aufgaben gestellt werden. Bamberg, 15. Juni. Generalmajoy a. D. Graf Waldersee, ehemals in der Garde in Berlin, wurde gestern in Königsberg in Franken tot im Bette aufgefunden. Er war 76 Jahre alt und ein Vetter des Feldmarschalls. Madrid, 15. Juni. Heftiger Sturm richtete in der Umgebung Sevillas Vernichtungen an. Die Eisenbahn ist zerstört. An der Ernte wurde schwerer Schaden angerichtet. Tehne Trahlmetrungen. Mißglückter Todessturz. Plauen, 15. Juni. Von der 77 Mever hohen Göltzschtalbrücke hat sich die 17jährige Fabrikarbeiterin Pieler in den angeschwollenen Fluß gestürzt. Trotz des Falles aus der großen Höhe konnte das Mädchen lebend ans Land gebracht werden. Eisenbahn=Unglück. Oberlahnstein, 15. Juni. Amtliche Meldung. Heute nachmittag um 6 Uhr ist infolge Entgleisung eines Wagens am Ablaufberge auf Bahnhof Oberlahn= stein die eiserne Mittelstütz eeiner etwa 25 Meter langen Straßenüberführung herausgerissen, infolgedessen der eiserne Ueberbau in der ganzen Länge abgestürzt ist und beide Hauptgeleise und drei Nebengeleise gesperrt sind. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen aufrechterhalten. Die Störung für die Hauptgeleise wird voraussichtlich zwölf Stunden dauern. Personen sind nicht verletzt worden. Brünn(Mähren), 15. Juni. Der heute abgelassene Personenzug No. 9930 ist bei der Einfahrt in die Station Iwanowitz entgleist. Neun Personen wurden verletzt, darunter eine Person schwer. Der angerichtete Schaden ist beträchtlich. Schreckenstaten der Terroristen. Warschau, 16. Juni. In der Stadt Sgierz überfielen 16 maskierte Terroristen das Postgebäude, töteten die Schildwache und verwundeten den Vorsteher. Die Beamten und 4 anwesende Polizisten vertrieben die Terroristen.— In Warschau wurde gestern ein Schutzmann durch Revolverkugeln getötet. Die Soldaten verwundetn bei der Verfolgung des Mörders 3 Passanten. Die letzte Stütze wankt. Wien, 15. Juni. Die Blätter aus Petersburg melden: Schon wird die Korrespondenz der Soldaten kontrolliert, da man entdeckt hat, daß sogar die Bauern ihren beim Militär stehenden Söhnen vom Erschießen von unschuldigen Menschen abraten. Die in der Revolutionszeit der letzten zwei Jahre ausgehobenen Truppen erhöhen die Unzuverläßlichkeit des zarischen Militärs. In den Kasernen wird fieberhaft agitiert, allerorts finden Soldaten=Meetings statt, in denen sehr offen die revolutionäre Lage besprochen wird. Ein Judenmassaker in Bialystok. Bialystock, 16. Juni. Beim gestrigen Frohnleichnamsfeste wurde in eine Prozession eine Bombe geworfen. Die erregte Menschenmenge eröffnete darauf unter den Juden, die man als die Urheber des Attentates ansah, ein furchtbaves Blutbad. Hunderte von Leichen liegen auf den Straßen. Läden wurden geplündert und demoliert, wobei Polizei und Militär sich beteiligten. Besser situierte Israeliten eilten zur Bahn, um Bialystok zu werlassen. Sie wurden aber von Soldaten aus den Waggons herausgezerrt und auf dem Bahnsteig ermordet. Die Plünderungen und das Schießen dauern noch heute fort. Die Zahl der Ermordeten läßt sich auch nicht annährend angeben, immer neue Opfer kommen hinzu. Der Gouverneur von Grodnow ist hier eingetroffen. Weitere Bluttaten. Bialystok, 16. Juni. In der Vorstadt Bojary ermordeten die dort versammelten Juden den 80jährigen Hausbesitzer Chodakiewicz. Als die Christen davon erfuhren, ermordeten sie sechs Juden und Jüdinnen. Ferner verlautet, in der Kupieckastraße sei der Akzisenoberaufseher Sokolow ermordet worden. Schreckliches Verbrechen. Moskau, 15. Juni. Ein schreckliches Verbrechen wird aus Shitomir gemeldet. Im Flecken Janowe wurde die ganze Familie Belzinger, Mann, Frau, 2 Söhne und 3 Töchter ermordet und 20000 Rubel geraubt. Der 13jährige Sohn, ein Gymnasiast, wurde gezwungen, den Mördern während dieses schauervollen Vorganges das Licht zu halten. Der Junge wurde wahnsinnig. Die Mörder, zwei unmündige Händler, zwei Bauern und eine Frau aus Kiew, wurden sämtlich gefangen, wobei ein Händler erschlagen wurde. Die übrigen konnten nur mit Mühe vor der Wut der Menge geschützt werden. Aus der italienischen Kammer. Rom, 16. Juni. In der italienischen Kammer kam es gestern zweimal zu höchst erregten Szenen. Zuerst interpellierte Santini das Ministerium(notabene das frühere Ministerium) über den Mißbrauch des Begnadigungsrechtes und wies auf die allgemeine Entrüstung hin, die die Begnadigung der Linda Murri im Lande hervorgerufen habe.(Großer Lärm bei den Sozialisten.) Santini führte aus, wenn Linda Murri begnadigt würde, so danke sie dies den Sozialisten, unter denen gewisse dabei an 40000 Lire in die Tasche gesteckt hätten.(Neuer heftiger Protest auf der äußersten Linken.) Santini schließt, sie täten besser daran, sich um die Lage der Armen zu bekümmern als die Interessen der reichen Leute zu vertreten. 1770 Vallade vom Ritter Kunz. Der Ritter Kunz, ein grimmer Held, Focht manchen Strauß in Wald und Feld. Und wenn er heim vom Kampfe ritt, Mit ihm Frau Kunigunde stritt: „Von dunklem Blut ist rot dein Wams, „Sogar bis auf dein Hemde kam's! „Drei Wochen wasch ich, wenn o Kunzen, „Du einen Tag dich ließt verhunzen!“— Da kriegte eines Tags beim Kragen err Kunz sich einen Kaufmannswagen; en raubt auf off'ner Straß' er aus, sog triumphierend dann nach Haus, ind rief:„Geliebte Kunigunde, „Vernimm die srohe Siegeskunde! „Erobert hab' ich heut' ein Mittel— „Im Nu wird davon rein der Kittel! „Mein blutig' Wams stört dich nicht meh'! — Hielt in der Rechten Jo-Sa-Sö! Jo-Sa-Sö Seifenpulver Marke 1 Ranges. Fabrikat der Dampfseifenfabrik Jos Sauerwald Söhne Nuttlar a. d. Ruhr. h Altbewährte hanrung für Kinder, Kranke, Genesende. Verhütet u beseitigf: Diarrhge, Brechdurchfall, Darmkatarch. Gottesdienste. Schwerte. Reformierte Kirche. Sonntag, den 17. Juni 1906. Sonntag 9½ Uhr: Pastor Terberger. Evangelisch=lutherische Gemeinde Sonntag 8 Uhr: Pastor Wischnath „ 9½„ Pastor Graeve. „ 11„ Kindergottesdienst. Donverstag 8 Uhr: Jungfrauenverein. Freitag 8¼„ Vorbereitung zum Kindergottesdienst. Evangelische Stadtmission, Kuhstraße 7. Sonntag 8 Uhr: Blaukreuzgebetstunde Verpflichtungsgelegenhei „ 8„ Jahresfest der Evang. Stadtmission im Stadtmissionssaale, hier Kuhstraße 7(verbunden mit Kaffeetrinken). Festredner: Herr Pfr. SchmidtDortmund „ 5„ Bibelstunde fällt aus. „ 8„ Männer= und Jünglingsverein Evangelischer Männer= und Jünglingsverein, Schwerte. Dienstag abend ½9 Uhr: Posaunenchor. Mittwoch abend ½9 Uhr: Gebetsstunde. Donnerstag„ 8 Uhr: Männerchor Freitag„ ½9„ Bibelbesprechstunde. Sonnabend„ 8„ Turnen in der städtischen Turnhalle. Gottesdienstordnung der kath. Pfarrkirche. Sonntag, den 17. Juni 1906 Schwerte. Vorm. 6½ Uhr: Stille hl. Messe. 8 Uhr: Stille hl. Messe mit Prediet 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2½ Uhr: Andacht Lichtendorf. Vorm. 8 Uhr: Stille heilige Messe „ 10„ Hochamt mit Predigt. — Nachm. 2„ Andacht. Bekanntmachung. Die Schulsteuer-Verteilungslisten der evangelischen Schulgemeinden Höchsten und Holzen für 1906 liegen vom 15. d. Mts ab 8 Tage lang zur Einsicht der Beteiligten auf dem hiefigen Amtsbureau, Zimmer Nr. 2, offen. Westhofen, den 7. Juni 1906 Der Amtmann. Bekanntmachung. Die seitens der Gemeindevertretung zu Lichtendorf unterm 8. Mai d. Is. getätigte Wiederwahl des Gutsbesitzers Friedrich Hohenschwert zu Lichtendorf als stellvertretenden Gmeindevorstehr der Gemeind: Lichtendorf auf eine gesetzmäßige Amtsdauer von 6 Jahren ist von mir in Genäßheit des§ 38 der Landgemeinde=Orknung vom 19. März 1856 und des§ 25 der KreisOrdnung vom 31. Juli 1586 am heutigen Tage bestätigt worden. Hörde, den 11. Juni 1906 Der Königliche Landrat. Busch. u Weinderg. Ich biete heute an: Poterstersch Pfoten etc. per Pfd. 00 Pfg. 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