Die„Sowerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteijährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Familientreund." o o O O O O O C O O O O O o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 1o Pf., Anzeigen von auswärts 1s Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Alle Kreis- und Lokalpostzeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Uerötfentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbinckliche Kraft. o 0 0 0 0 O C O C O C o o o Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.=Aäresse Braus, Schwerte-Ruhr. o mismmammen Nr. 134. Internationates Steuernsuchen. Mit seinem Suchen nach neuen Einnahmen resp, nach neuen Steuern, was dasselbe besagen Ein, stcht das deutsche Reich nicht allein. Wir sind, wir wollen doch hoffen auf eine gewisse Zeit, über den Berg der Finanzschutierigkeihen fort, demn bei wirtschaftlicher Rührsamkeit müssen auch die Erträge der Reichszölle wieder in die Höhe gehen; im Auslande beginnt man aber verschiedentlich erst mit dieser ebenso unbeliebten, wie schwierigen Arbeit. Mehrfach versucht man ja noch, sich mit großen Anleihen zu heifen, aber dabei ist auch kein Profit mehr herauszuschlagen. Das Geld ist teurer geworden, die Zinsen der Anleihe gehen in die Höhe, und alle politische Freundschaft, wie diejenige Frankreichs für Rußland, kann die Folgen nicht aufheben, die hierbei erwachsen; einmal hat die schöne Zeit des offenen Portemonnaies ein Ende, und für Staaten mit leichtsinniger Wirtschaft mag es sogar ein Ende mit Schrecken werden. Wir haben Rußland nichts mehr geborgt, und auch für andere Völker mag die Einsicht bald anbrechen, daß es schon besser ist, sei Geld zu behall,ten, wie es in den nimmersatten moskowitischen Schlund zu schütten. Besonders kann uns Deutsche von den fremden Steuersuchern Frankreich interessieren, und der Reichs bürger kann ein behagliches Schmunzeln nicht unterdrücken, wenn er sieht, wie es dem westlichen Nachbar doch noch ein gut Teil schlechter geht, als uns. Das ist keine Schadenfreude wegen dieses finanziellen Mißgeschicks des„Erbfeindes“, den wir längst nicht mehr mit so grimmen Augen betrachten, wie die Pariser Chauvinisten es uns gegenüber tuen, es ist nur die rechte Beachtung derjenigen Tatsache, die vielen Deutschen noch llange nicht genug in Fleisch und Blut übergegangen ist, daß wir denn doch ein gewaltig Stück besser daran sind, wie die Franzosen. Frankreich ist ein reiches Land, und seine Bewohner sind viel genügsamer in manchen Dingen wie wir Deutsche, weil sie an viel größere Lasten gewöhnt sind als wir. Denn, vom steuerlichen Standpunkt die Franzosen zu beneiden, haben wir auch nicht den allergeringsten Anlaß. Man hat in Paris alle möglichen und unmögliche Steuern, viel, viel mehr als im letzten Winter und Frühling vom deutschen Reichstag angenommen sind. Man hat bei den indirekten Steuern sogar eine Doppelbelastung, den staatlichen Grenzzoll und die städDie Schönheit von Remörow Roman von Bogumil von Czartovski. 58 „Und fühlen Sie nicht auch, daß diese Verbindung mit Liska ein noch größeres Verbrechen an ihr, die im Lenz ihres Lebens steht, als an Ihnen selbst, dem Mann, der des Lebens Süßigkeiten und Bitternisse zum größten Teil bereits ausgekostet, gewesen wäre? Die Trennung, die naturgemäß eines Tages kommen mußte, hätte Sie kaum ärmer gemacht, als Sie es vordem schon waren, aber Liska? Da wäre sie heimgegangen in dasfremdgewordene, entgötterte Jugendparadies, bettelarm in ihrem Herzen und für lebenslang freudlos; denn wer konnte ihr den Reichtum an Jugend und Lebenslust wiedergeben, der dort oben auf der kalten Höhe gestorben, verdorben? Und wie sie ihn hätte anklagen müssen? Ihn, der alles gewußt hatte, und sie dennoch genommen und ins Verderben gezogen!“ „Hören Sie auf, Gräfin, ich bitte Sie! In Wahrheit bin ich keineswegs jener egoistische, herzlose Sybarit, als den mich Ihre Worte kennzeichnen. Und es ist durchaus nicht erwiesen, das alles so geworden wäre, wie Sie es schildern.“ „Es wäre so, wenn nicht schlimmer, geworden. Und Sie wissen das auch und dürfen sich der Wahrheit nicht verschließen, besonders da in ihr zugleich der beste und wirksanste Trost für den Schmerz liegt, welchen der Verlust Liskas Ihnen momentan bereitet. „Schmerz! Ich weiß nicht, ob ich Schmerz empfinde,“ erwiderte Franz Josef, träumerisch auf das kindliche Antlitz der Schlummernden herabblickend.„Es ist mir, als läge alles, was noch vor kurzem mein ganzes Sein und Denken erfüllte, schon in fernster Vergangenheit begraben. Mein Herz ist still und müde und sauft=traurig, wie wenn ich vom Kirchhofe käme, vom Besuche eines lieben Grabes, auf dem schon jahrelang Immergrün sproßt Können Sie mich auch hierin verstehen?" Eine leise Röte glitt über ihr blasses Antlitz.„Besser als ich Ihnen jetzt auszudrücken vermöchte," erwiderte sie bewegt. „Und wissen Sie vielleicht ebenso zu sagen, was darauf folgen, das heißt, wie das Schlußkapitel meines Lebensromans sich geKalten wird, liebenswürdige Kassandra?“ Der Graf fragte es mit einem traurig=satirischen Lächeln, das ihr ins Herz schnitt. Sie beantwortete es herzlich, fast heiter den 11. Juni 1906. tische Accise. Man hat Monopole, ntmentlich das sehr teuere Tabak=, Zigarren= und Zündhölzchen=Monopol, Wagen= und Fenstersteuer, Inseraten=, Kontobuchund Quittungssteuer, Fahrrad=, Pianoforte=, Livreund Dienstmädchensteuer, gewerbliche Mietssteuer (unserer Gewerbesteuer entsprechend), eine sehr hohe Erbschaftssteuer, Fahrkarten= und Vergnügungs=, Wette=Steuern, kurzum alles mögliche und unmögliche. Nur eine Steuer hatte man nicht, die heute kommen soll, die für uns Deutsche als die natürlichste gilt, die Einkommensteuer. Die nannte man— unmoralich! Dem Deutschen, der denkt, hast du ein klingendes Einkommen, so kannst du auch entsprechend zahlen, kommt das etwas seltsam vor, aber in Frankreich ist es so. Man hat dort noch viel weniger wie anderswo Lust, sich in die Vermögensverhältnisse hineinschauen zu lassen, und weil die Einkommenshöhe doch ohne eineu gewissen Zwang beim besten Willen nicht fezusetzen ist, nannte man diese ganze Steuer unmoralisch; sie mußte bis dato auf sich beruhen bleiben, sehr zum Vergnügen der besitzenden Kreise, besonders zum Wohlbehagen der jenseits der Vogesen so außerordentlich zahlreichen Rentiers. Nun geht es aber nicht längerund weil so ziemlich alles, auch das, was niet= und nagelfest ist, in Frankreich einer Steuer unterworfen ist, muß das klingende Einkommen heran. Wir sehen hier die Gegensätze zwischen deutschen und französischen Anschauungen: Wir begannen in den einzelnen deutschen Staaten mit der direkten Einkommesteuer, die uns als die erklärlichste erschien weil sie Persönlichkeiten mit hohem Eikommen am meisten betrifft; de Franzosen fingen hingegen mit den bei uns sehr abfällig kritisierten Mo nopolen, Accisen und indirekten Steuern anund bequemen sich zur direkten Steuer erst jetzt, wo es wegen allgemeiner Belastung nichts anderes mehr gibt. Wer besser daran war uund wer minder gut, ergibt sich ohne weiteres, zumal unsere indirekte Belastung im Verhältnis zu fremden Staaten gering ist. Wir wollen trotz dieser unanfechtbaren Tatsachen nicht sagen, daß unsere neuen Reichssteuern eine Lappalie sind. Aber wer seine theoretische Kritik unserer deutschen Verhältnisse mit einem Studium ausländischer Zustände vertauschen soll, wird bald kuriert sein! 38. blickend, während sie sagte:„Die Sonne des Glückes wird darüber stehen, wenn mich mein Gefühl nicht trügt! Lassen Sie uns nur alles tun, um das Schicksal der„Schönheit von Rembrow“ zu einem guten Ende zu führen. Danach klärt sich der Himmel auch über Ihrem alten Polenhause, und der Frühling findet dieses stille Tal wieder, wie er es vor Jahresfrist verlassen hat: als eine Heimstätte des Friedens!“ * Nachdem Ehrenbreit das Gärtnerhaus verlassen und nach Hause zurückgekehrt war, gestattete er sich nur eine kurze Ruhezeit; dann sandte er nach den Zimmern des Rittmeisters hinüber, um Sebold für eine kurze Unterredung zu sich bitten zu lassen. Der Diener kehrte sehr bald mit dem Bescheide zurück, der Rittmeister sei nicht anwesend; er habe bereits am Morgen mit der kleinen Reisetasche, die ihn auf Exkursionen in der Umgegend zu begleiten pflegte, den Edelhof verlassen und keinen Bescheid über den Zeitpunkt seiner Rückkehr gegeben. Diese Mitteilung kam dem Grafen sehr ungelegen. Er hatte alles daransetzen wollen, einen friedlichen Ausgleich zwischen seinen beiden Freunden zustande zu bringen, und versprach sich von einer ernsten, eingehenden Aussprache mit Sebold, der ja im Grunde nicht bösartig war, guten Erfolg. Jetzt würde sich wohl kaum noch Gelegenheit dazu finden, da der Rittmeister sicher nur deshalb das Schloß verlassen hatte, um einer Begegnung mit Ruck auszuweichen, und es vermeiden würde, vorzeitig heimMkehren. Das Duell war für den nächsten Morgen festgesetzt und sollte eine Strecke hinter dem Dorfe, im Fichten=Wäldchen, stattfinden. Franz Josef dachte mit Kummer daran, er war immer noch fest entschlossen, mit allen Kräften bis zum letzten Moment dagegen zu arbeiten, und machte auch kein Hehl daraus, als er mit Baron Ruck und dem Maler zur Speisestunde zusammentraf. Nach der schnell und ziemlich schweigsam eingenommenen Mahlzeit, zu der sich Sebold in der Tat nicht einstellte, saßen die drei Freunde noch lange in ernsthaftem Gespräch beieinander. Baron Ruck hatte diesen Nachmittag einen Notar bei sich gesehen und seinen letzten Willen aufgezeichnet; nun betraute er Franz Josef und den Maler noch mit allerlei kleinen Privat= Politische Uebersicht. Der Fall Schöne=Brockhausen— eine von der Sozialdemokratie gestellte Falle. In der amerikanischen Presse macht zurzeit eine ganz neue Darstellung des Schöne=Brockhausen=Zwischenfalles die Runde. Die immerhin auffällige Version stammt von dem Berliner Korrespondenten eines durchaus ernsthaften und meist sehr gut informierten Yankee=Blattes, das gelegentlich seine Wissenschaft auch aus links=radikaler Quelle schöpft. Die viel erörterte Angelegenheit stellt, sich nach diesem Bericht als eine sorgfältig vorbereiteté Falle dar, die der Berliner Polizei von den Parteileitern der Sozialdemokratie gelegt worden ist. Manhat demnach anscheinend dem Polizeikommissar zu verstehen gegeben, daß der russische Kaufmann Br., der in der Paßsache die Hauptrolle gespielt hat, Polizeidienste für die preusische Regierung annehmen wolle. Als dann Schöne in de Wohnung des Russen kam, um hm den— auf einen Christen ausgestellten— Paß selbst zu übergeben, und den Mann für seine Aufgabe mündlich instru ierte, soll der Reichstagsabgeordnete Singer mit anderen Genossen und zwei Stenographen im Nebenzimmer verborgen gewesen sein, und die ganze Verhandlung überhört und schriftlich ausgenommen haben. Der„Vorwärts" der Lüge überführt.* Berlin, 9. Juni. Da der„Vorwärts“ weiter bestreitet, daß auch Rosa Luxemburg's Sekretär Jogliches nach Warschau gereist sei, stellt die„Post“ fest, daß Jogliches, der der Luxemburg vorausgereist sei, um ihr in Warschau die Wege zu ebnen, dort in derselben Pension wohnte, wie die Luxemburg, und dort auch gleichzeitig mit ihr verhaftet wurde. Was in Frankrich alles möglich ist. In der Stadt Saint Claude im Departement Jura äußerte sich der Uebermut der sozialistischen Gewerkschaften auf eine sonderbare Weise. Das dortige Tribunal hatte nämlich mehrere rote Genossen wegen Meuterei, Rebellion und öffentlichen Skandals zu mehrmonatlichen Gefängnisstrafen ohne Strafausschub verurteilt. Um nun die sofortige Freilassung der Verurteilten zu bewerkstelligen, dekretierten alle Gewerkaufträgen, die genugsam Zeugnis ablegten von dem menschenfreundlichen Sinne, dem echten Edelmute„Ahasver's“. Seine sorgenden Gedanken kehrten aber immer wieder zu der Gärtnerstochter zurück. Ehrenbreit gelobte nochmals, ganz im Sinne ihres Oheims an Liska handeln zu wollen, wenn es nötig werden sollte; dann händigte ihm Ruck noch einen wohlversiegelten Brief ein, der zu seinem Erstaunen die Adresse der Gräfin Heloise trug. „Er enthält mein Vermächtnis für das tapfere Mädchen,“ sagte der Baron mit einem warmen, liebevollen Aufleuchten in seinen dunklen Augen,„und Sie müssen ihn ihr morgen selbst überbringen, Ehrenbreit, bevor wir zum Wäldchen-fahren. Ja, ja, vordem! Sie müssen es, so seltsam Ihnen dieser Umstand auch erscheinen mag. Eine innere Stimme sagt mir, daß mein Leben sein legitimes Ende erreicht hat, wenn ich mich so aus. drücken darf, und in diesem sicheren Vorgefühl handle ich. Wenn Sie wollen, daß ich dem Rittmeister mit ruhigem Gemüt und fester Hand entgegentreten soll, so dürfen Sie mir in der Erfüllung meiner letzten Wünsche nicht zuwider sein.“ „Die innere Stimme trügt uns oft,“ entgegnete Franz Jose mit einem Versuche, heiter und sorglos zu erscheinen,„aber es soll geschehen nach Ihrem Willen. Mein Wort darauf. Und nun, meine Freunde, wenn wir noch ein paar Stunden schlummern wollen..“ „In der Tat, es ist spät! Trennen wir uns!“ Mit herzlichem Händedruck nahmen sie Abschied von einander, während die heisere Stimme der altertümlichen Wanduhr die dritte Stunde des neuen, bne Zweisel ereignisreichen Tages verkündete. „„ * Im Morgengrauen ging Franz Josef bereits nach Rembrow hinüber; er hatte keinen Schlummer gefunden, und so empfand er es als eine Wohltat, sein schweigendes Zimmer und sein schweigendes Haus verlassen und hinauswandern zu dürfen in die frische, kalte Morgenluft. Der geheimnisvolle Brief ruhte wohlgeborgen in seiner Brusttasche; er sann dem Inhalt desfelben, er sann dem ganzen sonderbaren Schicksalsgange dieser letzten Monde nach und hatte dabei, sich selbst unbewußt, während des ganzen Weges das blasse, patrizische Antlitz der Grafentochter vor sich. Es leuchtete ihm wie ein Stern voran. 138,20 schaften von Saint=Claude, darunter auch die Bäcker, den Generalstreik. Um dieser Gefahr zu entgehen, stellten sich die Behörden dergestalt auf die Seite der Gewerkschaften, daß sich das Gericht genötigt sah, mittels eines Beschlusses die Verurteilten in Freiheit zu setzen. Der Fleischtrust=Skandal und die nordamerikanische Landwirtschaft. Washington, 10 Juni. Repräsentant Wadsworth, der Vorsitzende des Ackerbaukomitees, der das öffentliche Verhör wegen der scharfen Fleischbeschau=Bill abhält, hat erklärt, der amtliche Bericht über die Schlachthöfe habe die Ackerbauinteressen des Landes schon Mil lionen von Dollars gekostet. Wenn die auswärtige Nachfrage weiter abnehme, wie in den letzten zwei Wochen, werde der Wert des amerikanischen lebenden Viehs um mehr alls 30 Prozent abnehmen. Wenn der Bericht nicht veröfffentlicht worden wäre, hätte die auswärtige Nachfrage nicht nachgelassen, da keine Klage vorgelegen habe. James Reynoldts von der Zweierkommission, welche die Schlachthäuser untersuchte, rühmte vor dem Komitee das reinliche Verfahren in den Berliner Schlachthöfen, die er 1894 besichtigt hat. Weiteres von der Schweinerei. Die großen Fleischversandfirmen in Chigaco tun ihn Aeußerstes, um der Wirkung der Enthüllungen über die Schmutzereien und Scheußlichkeiten in ihren Betrieben entgegen zu arbeiten. Vor allen Dingen hat ssich ihrer plötzlich ein ungeahnter Trieb zur Rein lichkeit bemächtigt. In den Schlachthäusern werden de Fußböden gereinigt, die Wände abgekratzt und frisch gestrichen, bessere Beleuchtung und Lüftung eingeführt und auch die Verhältnisse, unten denen die Arbeiter tätig sind, verbessert. Neue Waschstellen und andere sanitären Einrichtungen werden angelegt, und Plakate fordern die Vorarbeiter auf, dafür zu sorgen, daß das Fleisch rein gehalten wird und die Arbeiter sich der Sauberkeit befleißigen. Wer ncht vor und nach der Arbeit sich die Hände wäscht, soll mit Entlassung bestraft werden. Tabak ist in allen Betrieben verboten. Während sich der Fleischtrust so rührt, herrscht im Repräsentantenhause eine bemerkenswerte Apathie. Die Botschaft und der Bericht des Präsidenten wurden mit bedeutsamen Schweigen ausgenommen. Zahlreiche Mitglieder des Hauses unterstützen unter Führung des Sprechers offen den Fleischtrust und erklären, die vom Präsidenten[Roosevelt gemachten Mitteilungen für unverbürgt. Das Publikum läßt sich jedoch weder durch die vom Trust eingeführten Reformen noch durch die Haltung der Volksvertreter täuschen und weist die Chicacoer Erzeugnisse zurück. Auch die gemeinsame Erklärung von acht Chicagoer Firmen, worin versichert wird, der Präsident und die Zeitungen hätten die Fleischpacker verleumdet und die Tatsachen sentstellt, macht keinen Eindruck. Die allgemein herrschende Ueberzeugung, daß die in den Blättern erschienenen Schilderungen nicht übertrieben seien, ist nicht zu erschüttern.— Die Amerikaner kennen ihre Leute! London, 9. Juni. Die Verpflegung englischer Truppen und der Marine mit amerikanischem Büchsenfleischist völlig eingestellt worden. Die englischen Lieferanten wurden unter schärfste Kontrolle gestellt, da auch ihre Methode nicht einwandsfrei sein soll. Der amerikanische Verlust während der letzten zehn Tage wird auf 80 Millionen Mark geschätzt. Aus Stadt und Umgebung. Befreiung Schwachsinniger vom Militärdienst. Mit dieser Frage hat sich die Militärverwaltung in lletzter Zeit eingehend beschäftigt, und verschiedene zu dieser Materie vorliegende Vorschläge geprüft. Es war namentlich die Frage herangetreten, ob es angebracht sei, Schwachsinnige gänzlich vom Militärdienst zu befreien. Hierbei stellten sich aber Schwierigkeiten ein, da man bei der Untersuchung der Militärpflichtigen nicht genug Zeit hätte, die Leute nach ihrer psychischen Beschaffenheit zu untersuchen, zumal nicht einmal die körperliche Untersuchung beim ersten Male sehr genau sein kann. Es wurde deshalb vorgeschlagen, daß Schul= und Militärbehörden Hand in Hand arbeiten sollten, und daß die für schwachbefähigte Schüler bestehenden Schulen über ihre zur Entlassung kommenden Schüler die Ersatzkommission unterrichteten. Auch dieser Ausweg hat Lücken. Es ist daher sjetzt bestimmt worden, daß bei Militärfplichtigen, die schwachsinnig sind oder sich als schwachsinnig ausgeben, die Zivilvorsitzender der Ersatzkommissionen alle Verhältnisse der Militärpflichtigen, welche auf Beurteilung ihrer Tauglichkeit von Einfluß sind, bis zum Ersatzgeschäfte völlig klarzustellen haben, umnd dazu erforderlichenfalls Ermittelungen in der Heimat, bei der Schule usw. anstellen, auch dann, wenn die ärztliche Untersuchung von diesen Leiden nichts erkennen läßt, oder der Mann den Eindruck eines Simulanten macht. Erforderlichenfalls sind diese Untersuchungen bis zur Rebruteneinstellung fortzusetzen, damit der Mann nachträglich noch ausgemustert werden kann. Das Heer legt großen Wert darauf, schwachsinnige Leute nicht einzustellen. Weiterhin ist seitens des Kriegsministerums an die Truppenteile eine Anweisung dahin ergangen, daß sowohl de militärischen Vorgesetzten wie die Sanitätsoffiziere unausgesetzt auf etwaige anormale Geisteszustände der Rekruten ihr Augenmerk zu richten haben. Betreffs folcher Personen, die Schulen für Schwachsinnige besucht haben, ist angeordnet worden, daß diese Schulen die Namen ihrer Schüler den Ersatzbehörden zukommen lassen. Von vornherein alle Schwachsinnigen vom Militärdienst zu befreien, ist nicht angängig gewesen, da solche Personen oft später ganz brauchbare Menschen geworden sind. Es muß jedesmal von Fall zu Fall entschieden werden. Schwerte, den 11 Juni. **( Z u m P r o v i n z i a l= G u s t a v= A d o l f f e s t e.) I n E r gänzung unseres bereits neulich gebrächten Programms teilen wir heute noch mit, daß der Kindergottesdienst am Hauptfesttage, Mitttwoch den 27. Juni, durch Herrn Pastor Kochs aus Hattingen, dem Verfasser einer preisgekrönten Schrift auf dem Gebiete der Jugendpflege, abgehalten wird. Drei Gesangvereine, nämlich ein gemischter Chor, die Gesangabteilung des evangelischen Arbeiter= und Bürgervereins und der Lehrerchor des Konserenzbezirkes Schwerte=Westhofen haben sich bereitwiigst in den Dienst der Sache gestellt und werden die Gottesdienste, sowie die Begrüßungsund Nachversamlung durch ihren Gesang verschönern. **(Neubau.) Herr Karl Halverscheidt errichtet an der Sedanstraße neben seinem Wohnhause gegenüber der neuen Schule ein Wohn= und Geschäftshaus. So bekommt auch die Sedanstraße en immer moderneres Aussehen. *(Das gestrige Freischütz=Konzert) es spielte die Militärmusik=Vorschule aus Herne— war ganz gut besucht. Die Darbietungen der Kapelle wurden mit lebhaftem Beifalle ausgenommen. **(Ein Luftballon) ging gestern abend 7,45 Uhr in den Ruhrweiden diesseits von Geisecke nieder, ei großes Publikum anlockend. Der 400 Kubikmeter sasende Ballon war mit dem Luftschiffer Paul Heller 7,15 Uhr im Felsschlößchen zu Dortmund aufgestiegen. **(Rauflustige Gauner.) Drei Burschen versuchten in der Kremerschen Wirtschaft beim Bezahlen der Zeche das von ihnen in Zahlung gegebene größere Geldstück wieder verschwinden zu lassen. Infolgedessen kam es zwischen dem Wirt und den unohrlichen Gästen zu Auseinandersetzungen. Herr Kremer holte die Polizei, welche von den Burschen mit dem Messer bedroht wurde, so daß Herr Polizeiwachtmeister Thieecke von seiner Waffe Gebrauch machen mußte. Schließlich wurden die Burschen überwältigt und zur Polizeiwache gebracht. **(Die Leistung des Briefträgers.) Anläßlich des Dienstjubiläums eines Briefträgers im Reichslande hat man folgende Berechnung aufgestellt: Ein Briefbote legt schätzungsweise täglich 32 Kilometer zurück, er zählt jährlich etwa 335 Diensttage, durchmißt also pro Jahr 11000 Kilometer. In seinen 25 Dienstjahren hat er sonach einen Weg von 275000 Kilometern zurückgelegt. Vergleicht man damit den Umfang der Erde, der am Aequator 40000 Kilometer beträgt, so kommt man zu dem Ergebnis, daß der Briefbote etwa siebenmal rund um die Erde gegangen wäre. Nimmt man ferner das Gewicht seiner Tageslast an Briefen, Zeitungen usw. täglich mit 20 bis 25 Kilogramm an, so hat der Briefträger während seiner Dienstzeit 200000 Kilogramm Papier in die Häuser seines Dienstbezirkes geschleppt. ** Ergste, 9. Juni.(Zinsfußerhöhung.) In der gestern im Lokale des Wirts Karl Kappenstein hierselbst stattgefundenen Sitzung der Amtsvertreter des Amtes Ergste wurde beschlossen, den Zinsfuß der Sparkasseemlagen der Sparkasse des Amtes Ergste zu Hennen vom 1. Jan. 07 ab von 3,50 auf 3,75 Pz. zu erhöhen. Den Anlaß zu dieser Erhöhung haben die günstigen Geschästsergebnisse der letzten Jahre gegeben. *r Ergste, 9. Juni.(Amtshauseinweihung und Festessen.) Wie wir bereits meldeten, findet am Donnerstag den 21. d. M. aus Anlaß der Ernennung des Amtmanns Herrn Overbeck hierselbst ein Festessen werbunden mit der Einweihung des Amtshausneubaues statt. Eine große Zahl der Amtseingesessenen hat sich bereits in die Teilnehmerlisten eingezeichnet. Infolgedessen sah sich der Festausschuß veranlaßt, de für das hiesige Amt so bedeutungsvolle Feier in einem der größten hiesigen Wirtschaftslokale abzuhalten und beschloß in seiner gestrigen Sitzung, das Fest im Lokale des Wirts Herrn Karl Kappenstein hierselost zu feiern. Die Zahl der Festteilnehmer nimmt noch täglich zu, welches gewiß ein schönes Zeichen der großen Sympathien ist, der sich der bei den Amtsbürgern so beliebte Herr Amtmann Overbeck erfreut. Schwerte zur Zeit des 30jähr. Krieges. Nachdruck verboten. Von Oberlehrer Feldhügel. Fortsetzung. Aber nicht nur die Einwohnerzahl, auch der Wohlstand der Bevölkerung hat in jenen Jahren einen verhängnisvollen Niedergang erlitten, von dem sich die Nachkommen nur langsam erholt haben. Von April 1622—1631 haben hier, wie schon erwähnt, die Spanier gehaust; aber auch in den folgenden Jahren ist die Mark vielfach von den kriegführenden Parteien, vor allen von den Kaiserlichen und den auf Schwedens Seite fechtenden Hessen heimgesucht In den Jahren 1637 bis 1646 hatte die Krigsbedrängnis sogar so zugenommen, daß in manchen Gegenden der Grafschaft Mark der Gottesdienst in Höhlen und Wäldern abgehalten werden mußte. Die kirchenordnungsmäßigen Synoden waren längst eingestellt. Genauer unterrichtet sind wir aber nur über das Jahre 1638. Durch einen glücklichen Zufall habe ich an einem Orte, wo ich es am wenigsten vermutete, zwischen alten Prozeßakten nämlich, einige lose Zettel entdeckt, die, teilweise zerrissen, uns doch ein Bild von der Nor der Schwerter Bevölkerung jener Tage zu geben vermögen. Es lag im Frühjahr 1638 eine Abteiilung Kaiserlicher in der hiesigen Gegend, 7 Kompagnien, wie es scheint 6 zu Fuß, 1 zu Pferde unter Graf Goetz und Oberwachtmeister Mandelsloh, zus. 7 Hauptleute, 7 Leutnants, 7 Fähnriche, 7 Feldwebel("Veldtwaibels") 49 Unterofffiziere, 84 Gefreite, 439 Gemeine, insgesamt 600 Mann. Diese verhältnismäßig kleine Abteilung legte den von ihnen besetzten Teilen Westfalens eine Kontribution von 4836 Thlr.(münsterisch) auf. Die Verteilung auf die einzelnen Gemeinden sollte folgendermaßen erfolgen: Amt Bochum: 2000 Thlr.; Gericht Mengede: 80 Thr.; Amt Una: 865 Thlr.; Amt Camen: 105 Thlr.; Amt Lünen: 163 Thlr.; Amt Schwerte: 129 Thlr.; Stadt Hamm: 261 Thlr., Stadt Lünen: 47 Thlr.; Stadt Schwerte und Westhofen: 79 Thlr. Es folgt alsdann die Wiedergabe der Aufzeichnungen über eine Reihe Einquartierungslasten, die wir hier übergehen wollen. Der Herr Verfasser fährt dann fort: Also hat Schwerte in der kurzen Zeit von 10—11 Wochen das nette Sümmchen von 1372 Thlr. hergeben müssen, wahrlch für eine Stadt von damals 400—500 Einwohnern(1636 war ja die Hälfte gestorben) eine ge radezu horende Summe. Daß damit die Geldforderungen moch keineswegs erschöpft waren, sieht man aber aus der vorliegenden Bemerkung des Bürgermeisters und Rates(12. Juni)„salvo, waß weiter darauf gehen wirt“ und der entsprechenden Bemerkung„salvis suturis“, die sich auf der Kohlenrechnung der Schwerter Bürger findet. Dabei ist noch zu bemerken, daß das Geld damals einen viel höheren Wert hatte, als heutzutage; galt doch in Dortmund 1546, also 90 Jahre vorher 1 Pfund Butter 16 Pfg.(1 Goldgulden= 12 Schill.(Stüber) a 12 Pfg. nach der„Geltsate"— Münzordnung von 1512.) Wir haben nun zufällig nur diesen, einen Beweis von schwerer Brandschatzung während des dreißigjährigen Krieges urkundlich überliesert erhalten; indessen ist es höchst unwahrscheinlich, daß Schwerte in den übrigen Kriegsjahren nach 1631 vom Feinde verschont geblieben ist. Infolge einer„Supplik“ des Bürgermeisters forderte der Hauptmann Roch durch seinen Fourier die Bürgermeister auf, mit herüber zu kommen nach Hamm, um„Rechnung zu halten“. Diese erkannten an, es sei gar„Kötig und dienlich“ und sie selbst„schuldig Bürgermeister hatte die lletzten Tage krank zu Bett und willig“ sich in Person einzustellen. Aber der jüngste gelegen, nud der älteste Bürgenmeister lehnte die Einladung ab mit Hinweis auf ldie fortwährenden Belästigungen der Stadt, vor allem durch„hessische Executores“. In seinem vom 16. Juni datierten Antwortschreiben an den Hauptmann Roch begründet der älteste Bürgermeister sein Fernbleiben damit,„daß man fast alle uhr und stunden dann mit diesen, dann mit jenen bey der Statt molestirt undt verunruhigt wirt, wie sich den jetzo die hessische Execuxors daher undt in nicht geringer anzahl finden unddt dannenhere fast keine Bürger sich draußen wagen darff.“ Die Bürgerschaft selbst, fährt der Bürgermeister fort, wollte ihm in diesen gefährlchen Zeitläuften die Reise nicht erlauben. Er bittet aber,„abermalst umb gottes willen, weill uns undt unseren bürgern die last so schwer uffgelegt gewesen... daß man bereitz alles daran setzen müßen, Ew. gestrengen geruhen, unseren willig gehorsamb undt doch armseligen, unvermögenden Zustand zu erwegen undt auß den ansehnlich vielen verpflegungskosten undt den monatgeldern etwas zu gutten kommen zu laßen, sonsten auch die anlage hinfüro dahin zu erleichtern, damit die Bürger pleiben können". Ob der Hauptmann Roch der Bitte um Herabminderung der Kontribution entsprochen hat, ist nicht sicher festzustellen, da sich bis jetzt keine Antwort des Hauptmanns oder eine spätere Aeußerung des Bürgermeisters gefunden hat. Es ist aber um so weniger wahrscheinlich, da er nicht einmal die in seine eigene, des Hauptmann, Küche nach Hamm gelieferten Schinken, Butter und den Hafer voll angerechnet hat(von 31 Rthlr. nur 8 Rthlr. angerechnet!) trotzdem er vorhin erklärt hatte,„Waß man an Haber und victualien liefern würde, daß solches gut gethan werden solte“. Wenn man nun noch erwähnt, daß die Bestellung des Ackers durch die herrschende Unsicherheit vor den Toren gehindert wurde, und wenn man die Rohheit und Verwilderung der Soldateska jener schrecklichen Tage in Betracht zieht, erkennt man, wie schwer Schwerte damals unter der Geißel des Krieges gelitten hat. Fortsetzung folgt. Kreisverbandsfeit der evangelischen Arbeitervereine in Iserlohn. Schwerte, den 11. Juni. Das alle zwei Jahre stattfindende Verbandsfest der evangelischen Arbeitervereine des Kreisverbandes Iserlohn wurde gestern in Iserlohn gefeiert. Der hiesige evangelische Arbeiter= und Bürgerverein hatte die stattliche Anzahl von 250 Teilnehmern aufzuweisen, die im festlich geschmückten Sonderzug sich zum Festorte begaben. Nach Empfang der auswärtigen Vereine bewegte sich ein großer Festzug unter Begleitung von zwei Kapellen ddurch die Straßen der Stadt zur Alexanderhöhe. In dem Festlokale auf der Alexanderhöhe begann dann um halb 4 Uhr der Festgottesdienst. Die Festpredigt hielt Herr Pastor Rahlenbeck aus Köln über das Bibelwort 2. Tim. 1, 7:„Gott hat uns nicht gegeben der Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht.“ Der Geist der Kraft, so betonte die Predigt, möge die evangelischen Arbeiter ausrüsten zu einer Kerntruppe gegen die sozialdemokratische Agi Zu der Verlobung im Hause Krupp in bringen nachstehend die Bilder des Brautpaares. Fräulein Berta Krunp Legationsrat Dr. v. Bohlen u.Halbach tation, zu einem Bollwerk gegen die„Mächte glaubens, zu furchtlosen und tatkräftigen Männern, deren unsere Zeit und unser Volk bedarf. Zu dem Geist der Kraft möge aber der Geist der Zucht und Liebe hinzukommen, der die Devise der evangelischen Arbeitervereine:„Fürchtet Gott, ehret den König, habet die Brüder lieb“ hoch hält, der ein friedliches Einvernehmen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern anbahnt, der sich der sozialen Wohlfahrtsgesetzgebung freut sund der Zucht übt in den Vereinen und an jeden Einzelnen.— Im zweiten Teile der Feier wechselten Ansprachen, Vorträge der Grimm'schen Kapelle, des Posaunenchors aus Hemer und der Gesangabteilungen aus Schwerte, Hemer, Iserlohn, Hohenlimburg und Menden in bunter Reihenfolge miteinander ab. Besonders schön brachte die hiesige Gesangabteilung unter der altbewährten Leitung des Herrn Klempt„O Wald mit beinen duftgen Zweigen“ zu Gehör. Herr Pfarrer Natorp aus Iserlohn entbot im Namen des festgebenden Luther=Männervereins den erschienenen Brudervereinen herzlichen Willkommensgruß und übermittelte dann Grüße von dem Vorsitzenden des Kreisverbandes Herrn Pfarrer Schütte aus Oeftrich, der fern in Freiburg im Breisgau auf der Delegiertenversamlung des Gesamtverbandes weilte. Aus dem darauf erstatteten Jahresbericht erwähnen wir kurz folgendes: Der Gesamtverband epangelischer Arbeitervereine Deutschlands zählt in 409 Vereinen 88669 Mtglieder, der rheinische=westfälische Verband in 140 Vereinen rund 29000 Mitglieder und der Kreisverband Iserlohn 2341 Mitglieder gegen 2288 im Vorjahre. Zur rheinisch=westfälischen Sterbekasse gehören 1800 Mitglieder des Kreisverbandes, 132 sind in der München-Gladbacher Sterbekasse. Die meisten Vereine zahlen außerdem noch Sterbegelder. Die Bibliotheken der Vereine weisen 1800 gute Bücher auf. (Von der Bibliothek des Schwerter Vereins hört man niemals etwas. Red. Gesangabteilungen sind 5, Posaunenchöre 3 vorhanden. Das Vermögen der Vereine beläuft sich auf 23000 Mark, darunter 16000 Mark Barvermögen. Nach Erstattung des Jahresberichtes brachte Herr Pfarrer Natorp ein begeistert ausgenomnienes Hoch auf den Kaiser aus. Darauf hielt Herr Pfarrer Kremer aus Witten die Festrede im Anschluß an die beiden Wörtchen:„Arbeit sund Glauben". Der Grundgedanke seiner Ausführungen war der, ein Arbeiten ohne Glauben sei trostlos, aber ein Arbeiten mit Glauben mache überaus glücklich. Arbeit und Glaube sollte deshalb das Panier sein, das wir für das neue Vereinsjahr aufwerfen wollen. Herr Behle aus Elberfeld, der auch im hiesigen Arbeiterverein schon gesprochen, verbreitete sich über das Thema:„Unsere Arbeit und unser Kampf in der Gegenwart". Er forderte auf zum Kampf gegen den Umsturz und den Unglauben, zur Milderung der Klassengegensätze und zur Beseitigung der sozialen Nöte. Vor allem verlangte er eine eifrige Fürsorge für die gefährdete schulentlassene Jugend im Alter von 14 bis 20 Jahren, damit micht so viel Jünglinge dem Strafrichter verfallen. Mit einem Schlußwort des Herrn Pfarrer Jürgensmeier und einem gemeinsamen Gesange erreichte die schöne Feier ihr Ende. Der evangelische Arbeiter= und Bürgerverein langte um halb 10 Uhr hier wieder an. Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 9. Juni.(Caviar fürs Volk.) Ein Restaurant betraten gestern vier Personen, zwei Männer und zwei Damnen wom Lande. Sie hatten Hungen und ließen sich die Speisekarte reichen. Da stand u. a.: Caviar a Portion 1,50 Mark.„Portion“ ist nach landesüblichen Begriffen ein ordentliches Quantum, das zur Sättigung ungefähr genügt.„Vier Portionen Caviar!“— Der Caviar erscheint.„Wie, was, Kompott zuerst?“ fragt die Eine.„Gleich das Fleisch bringen!“ ergänzt der andere.„Nicht einmal Suppe vorher?“ fragt der zweite weibliche Gast.„Ueberhaupt, so schwarzes Kompott, dafür banke grunzt den Vierte. Nach der Aufblärung, daß das Gervierte die ganze Portion Caviar sei, verlassen alle vier, nachdem sie gezahlt haben, schimpfend das Lokal. „Da sind wir aber mal hereingefallen",„einmal und nicht wieder",„fünfzehn Groschen für Kompott",„das Brötchen war das Beste". Der Wirt erfuhr den Vorgang übrigens erst durch den Stift, dessen Gesichtsbeschaffsenheit ihn zu der Frage veranlaßte:„Bist du am Caviarfaß gewesen?“ Worauf als Antwort die Erzählung des Sachverhalts erfolgte mit dem Schluß, daß die beiden Stifte sich in dem bezahlten aber, stehengelassenen Caviar geteilt hätten.—.... Wos Kellner so gut haben! * Lippstadt, 9. Juni.(Wi dem Bahnhofe wurde ein Korb mit vier Rehböcken angehalten. Als Besitzer nännte sich ein Arbeiter Bleiwäsche bei Büren, der den Korb mit Inhalt von dem großen Unbekannten in Verwahrsam genommen haben will. Anscheinend handelt es sich um eine regelrechte Wildieberei, der der Genannte in den Königlichen Forsten seine Heimat in den Pfingstfeiertagen obgelegen hat. Der Mann wurde festgenommen. * Duisburg 9. Juni.(Ein Riesenhecht.) Beim Fischen mit einem Schleppnetz zog Herr Dickhorne von hier einen Hecht im Gewichte von 47 Pfund hoch. Interessant ist, daß das Tier bereits tags vorher an der Angel gesessen hatte, diese aber durch die Kraft des Tieres entzwei gerissen wurde. Ein Angebot von 50 Mark an Ort und Stelle für das Tier schlug der fischereiberechtigte aus. drohende Haltung an, so daß die Tore geslossen werden mußten. Kossuth, Wekerle und Zychy zeigten sich am Fenster, zogen sich aber bald zurück, worauf Beamte und Diener erschienen, die auf die Demonstranten hinunterspuckten. Die Erregung der Meuge wuchts. Sie schlenderte Stöcke, Steine wurden von einem benachbarten Bau geholt und damit die Fenster eingeworfen. Endlich erschienen sechzig Mann Wache, die mit Mühe die Menge zerstreute, welche noch vor das Ministerium des Innern zog. Entschuldigung der österreichischen Regierung wegen der Demonstration. Wien, 10. Juni. Die Demonstration der ChristlichSozialen gegen das ungarische Palais, an der sich Tausende beteiligten, die Steine Stöcke und Messer in die Säle der ungarischen Delegation warfen, wird als ein sehr ernster Zwischenfall angesehen. Wekerle versprach der Delegation gebührende Genugtnung zu verschaffen, Ministerpräsident Beck und der Minister des Innern Bienerth erschien im ungarischen Palais, um für die unvorhergesehene Demonstration die Entschuldigung der österreichischen Regierung vorzubringen. Einige Delegierte erklärten, an den weiteren Verhandlungen in Wien nicht mehr teilzunehmen und reisten ab. Bei der herrschenden Stimmung ist es zweifellos, daß die ungarische Delegation in Zukunft nicht mehr in Wien tagen wird, wenn auch die Agitation der Extremen, daß die Delegation sofort die Verhandlungen in Wien abbrechen und nach Budapest zurückkehren soll, kaum ihren Zweck erreichen wird. Kleiue Chronik. Verstärkung der Cuxhavener Marinestation. Curhaven, 10. Juni. Bei der letzten Anwesenheit des Marineministers Tirpitz in Cuxhaven wurde beschlossen, die hiesige Matrosenartillerieabteilung um eine Kompagnie zu verstärken und das im Herbst frontdienstfähg werdende erste moderne Schiff mit 200 Mann Besatzung hier zu stationieren, sowie die Marinetelegraphenschule entgiltig von Lehe nach Cuxhaven zu verlegen. Zur Vergrößerung des Nord=Ostsee=Kanals. Berlin, 10. Juni. In der nächsten Woche wird eine aus höheren Regierungsbeamten bestehende Kommission eine Bereisung des Kaiser Wilhelmskanals in sener ganzen Ausdehnung vornehmen, um einen neuen bedeutend erweiterten Plan für die Verbreiterung des Kanals auf seine Durchführbarkeit zu prüfen. An der Reise nimmt auch ein Mitglied des Reichsmarineamts teil. Schweres Eisenbahnunglück. Sangerhansen, 11. Juni. Ein schweres EisenbahnUnglück ereignete sich diese Nacht im hiesigen Bahnhofe. Der Güterzug 6701 fuhr in einen rangierenden Güterzug, es entgleisten 26 Wagen und gerieten teilweise in Brand. Ein Bremser ist tot, das Lokomotivpersonal des einen Zuges, sowie Zugführer und zwei Bremser sind schwer verletzt. Der Materialschaden übersteigt 100000 Mark. Zwei Kinder erstickt. Berlin, 10. Juni. Bei einem Brand erstickt sind Sonntag früh die 4 und 3 Jahre alten Kinder des Gastwirts Otto Bärmann aus der Camphausenstraße. Kampf mit Wilderern. Königshütte, 10. Juni. Zu einem erbitterten Kampfe kam es im Emanuelsegen zwischen dem Forstaspiranten Tyralla, der sich auf einem Reviergange befand, mit drei Wilderern. Tyralla wurde am Rücken und Oberarm verletzt und erhielt außerdem eine Schußwunde am linken Bein. Von den Wilderern zwei schwer, einer leicht verletzt. Vater und Sohn— Lustmörder. Altona, 10. Juni. Die Altonaer Polizei ist einem vor 13 Jahren hier verübten Morde auf die Spur gekommen. Zu jener Zeit verschwand ein 12jähriger Knabe, an dem der Wirt Brettrück einen Lustmord verübt haben sollte. Die Strafverfolgung wurde aber eingestellt, da das Belastungsmaterial nicht genügte. Dagegen wurde der Sohn Brettrücks im Jahre 1895 wegen eines anderen Lustmordes hingerichtet. Ein Jahr darauf entfloh der Vater. Jetzt hat man auf dem Hofe des Grundstückes einen Schädel gefunden, den man für den des ermordeten Knaben hält. Erdbeben in Italien. Rom, 10. Juni. Ein wellenförmiger Erdstoß sechKiel, 9. Juni. Bei einer Säbelmnsur ohne Binden und Bandagen zwischen zwei Studenten wurde einer von ihnen so schwer verletzt, daß er hoffnungslos in den akademischen Heilanstalten darniederliegt.. Der Stich gng durch den Rücken in die Lunge. Swinemünde, 9. Juni. Die Polizei verhaftete gestern ein Hochstaplertrio, eine Manns= und zwei Frauenspersonen, die zahlreiche Hoteliers geprellt haben und sonstigen Betrügereien und des Falschspiels verdächtig sind. Der Mann nannte sich Buffeier Baumann und Ingenieur Konner und trug einen Gefängnisschein aus Tegel bei sich, wo er wahrscheinlich erst vor kurzem entlassen ist. Stettin, 9. Juni. Auf dem Schullschiff„Stosch“, das gestern in Swinemünde eintraf, verunglückte der Seekadett Bohl aus Frankfurt am Main durch Herabfallen aus der Takelage tödlich. Mainz, 9. Juni. Während der Müller Thomas aus Niedersaulheim, der gestern den GendarmerieWachtmeister Rickert erschoß, sich mit seiner Familie in seiner Mühle verbarrikadiert hält, uund bei jeder Annäherung auf die Leute schießt, gelang es heute, seinen Sohn zu verhaften. Magdeburg, 9. Juni. Gestern nachmittag verbrannte sich durch den Gebrauch von Spiritus beim Feueranmachen eine Postschaffnersfrau lebensgefährlich. Ihre Tochter, die zur Hilfe eilte, erlitt ebenfalls schwere Brandwunden. Die Mutter liegt im Sterben. Halle a. d. S., 9. Juni. In Friederichsroda beging ein früherer Fürsorgezögling, der Müllerlehrling Steinbach, in Abwesenheit des Mühlenbesitzers aus Rache süber eine Zurechtweisung einen Mordversuch gegen die Ehefrau des Müllers. Er werletzte die Fra durch Axthiebe tötlich. Bresltu, 9. Juni. Auf der Straßebei Tepnitz wurden zwei Dominialarbeiter von drei russischen Arbeitern, mit denen sie vorher in einem russischen Gasthause Streit hatten, überfallen und durch Messerstiche getötet. Die drei Russen wurden verhaftet. sten Grades von zehn Minuten Dauer rief gestern früh München, 9. Juni. Umfangreiche Haferdiebstähle 2,45 Uhr in Monte Leone eine unbeschreibliche Panik sind bei der ersten Batterie des dritten Feldartillerie= 5 6Aölbenume hervor regiments entdeckt worden, die bereits monatelang ausgeführt worden. Ein Unteroffizier, ein Gefreiter und ein Gastwirt sind jetzt verhaftet. Tehle unter der Bevolrerung yervor, die eine Wiederholung des Stoßes befürchtend, laut schreiend auf die Straße lief und dort idie Nacht verbrachte. In San Calogero und San Constantino stürzten viele Mauern der schon vorher beschädigten Häuser ein und brachten andere Gebände in Gesahr. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schade, Schwerte. Lärmende Demonstrationen gegen Ungarn. Wien, 10. Juni. Gestern veranstalteten die Christlich=Sozialen anläßlich der Hierherkunft der ungarischen Delegation Demonstrationen gegen Ungarn. Et wa dreitausend Demonstranten, die vor dem Rathaus Koffuth in Effigie aufhingen, zogen zum ungarischen kelbildun Ministerium in der Bankgasse, wo die Delegation tagte, zeichnen schrieen dort:„Nieder mit Ungarn!“ und nahmen eine Auch ein Arbeiter mit geringem Wochenlohn ist imstande. seine Kinder mit Kufeke's Kindermehl und Kuhmilch zu ernähren, suppe gereicht wird, Kindermehi enthält. nügt, um die Kuhda dasselbe den Kinvern nur als dünne welche in 3/4 Liter nur 1 Gßlöffel Kufeke's Kindermehl Diese geringe Quantität des Kindermehles genügt, um die Kuhmilch leichter verdaulich zu machen und den Nährgehalt derselben zu erhöhen. Kufeke's Kindermehl fördert die Knochen= und Muskelbildung, regelt in hervorragender Weise die Verdauung und die damit ernährten Kinver durch gutes Gedeihen aus. 1 Statt jeder besonderen Anzeige. Nach langem mit grosser Geduld ertragenen Leiden entschlief heute sanft und gottergeben meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Urgrossmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Prad-Holltotts-Phons geb. Pauly nach eben vollendetem 79. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Elsebrücke b. Schwerte, den 9. Juni 1906. Die tiefbetrübten Angehörigen: Fritz Theile sen. Fritz Theile jan. Anna Schulte geb. Theile Emma Bach, geb. Theile Anna Theile, geb. v. d. Heyde Geh. Med. Rat Dr. Fritz Schalte, Hörde. Apotheker A. Bach, Witten 16 Enkelkinder und 1 Urenkel. Bekanntmachung. Zwecks Aufbringung der Entschädigung en für das an Rotz, Lungenseuche urd Milzbrand gefallene Vieh wird für das Rech 1906 eine Abgabe erhoben.. B.g###... Das Verzeichnis über den abgabepflichtigen S#ehorsand o## Stadtbezirls Schwerte liegt vom 11. d. Mis ao 14 Tage lan; im Stadthause, Zimmer Nr. 5, hierselbst zur Einsicht der Beteiligten Anträge auf Berichtigung des Ver eichnisses sind innerhalb der vierzehntagigen Frist bei uns anzubringen. Schwerte, den 9. Juni 1906. Der Magistcat. Rohrmann. Die Beerdigung findet auf dem alten Kirchhofe in Schwerte am Dienstag, den 12. Juni, nachmittags 4 Uhr, vom Sterbehause aus, statt. Bekanntmachung. Bei einem dem Fabrikarbeiter Mathu chewsky hierselbst gehörigen Schwein ist die Scheineseuche festgestellt. 2160 Schwerte, den 8 Juni 1906. Die Bekanntmachung. Die Bezirksschornsteinfegerstelle zu Hörde habe ich vom 1. Juli d. Is ab dem Scholnsteinfeger Paul Gregor May hierselbst ütertragen. Der Kehrbezick des Genannten umfaßt die Stadt Hörd= und das Amt Wellinghofen. Hörde, den 5. Juni 1906. Der Königliche Landrat. Busch. 11 0 4. s Preisverzeichnis für diese Woche: Dickes fettes Rindfleisch per Pfd. 60 Pf. Prima Schweinefleisch per Pfd. 75 u. 80 Pf. Täglich: Frisches Gehacktes, per Pfd. 80 Pf. Mettwarst per Pfd. 80 Pf. Leberwurst per Pfd. 40 u. 50 Pf. Blutwarst per Pfd 40 u. 50 Pf. Rinderwurst per Pfd. 25 Pf. N. B. Sämtliche Wurstsorten sind gar. mehlfrei und zweimal wöchentlich frisch zu haben. Schwerter kl. Marktstrasse Nr. 4 Veranntmachung. Die Firma Glässing u. Schollwer zu Schüren beabsichtigt auf iihrem Grundstücke in Schüren, Flur 2, Parzelle Nr. 413 der Steuergemeinde Schüren eine Erweiterung ihrer Fabrik vorzunehmen. Auf Grund der§§ 17 und 18 der Reichsgewerbe Ord nung in der Fassung vom 30. Juni 1900 uno der Nr. 19 und 20 der ministeriellen Ausführungs=Anweisung vom 1. Mai 1904 wird dieses Vorhaben mit der Aufforderung bekannt gemacht. Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen bei dem Amte zu Aplerbeck schriftlich in zwei Exemplaren oder zu Protokoll anzubringen. Beschreibungen und Zeichnungen liegen auf dem genannten Amte zur Einsicht aus. Die Einspruchsfrist nimmt ihren Anfang mit dem Ablauf des Tages, an welchem das diese Bekanntmachung enthaltende Kreisblatt ausgegeben worden und ist für alle Einwendungen präklusivisch Nach Ablauf der Frist können Einwendungen in dem Verfahren nicht mehr angebracht werden. Zur mündlichen Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen wird gemäß Ziffer 19e der vorbezeichneten Anweisung Termin auf Mittwoch, den 27 Juni d Is., vormittags 10 Uhr auf dem Amtsbureau zu Aplerbeck anberaumt und wird besonders darauf hingewiesen, daß im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden gleichwohl mit der Erörterung der Einwendungen wird vorgegangen werden. Als Kommissar des Kreis=Ausschusses ist der Herr Amtmann Leonhard tätig. Hörde, den 8. Juni 1906. Namens des Der I. V.: Freiherr von Steinaecker, Regierungs=Assessor. Standesamt Hennen Im Monat Mai wurden beurkundet: Geburten. 1 Sohn: Wasserwerksarbeiter Anton Friedrich Ludwig Trappe zu Drüpplingsen. Kettenschmied Heinrich Peters zu Hennen. 1 Tochter: Witwe Friedrich Scäfer, Emma Ling geb. Börsting zu Leckingen. Landwirt August Gustav Adolf Forthmann zu Leckingsen. Branntweinbrenner Heinrich Hermann Friedrich Philipp zu Kalthof. Kettenschmied Heinrich Wilhelm Schulte gen Höppe zu Drüpplingsen. Tagelöhner Heinrich Borgschulte zu Hennen. Kettenschmied Heinrich Peters zu Hennen. Kettenschmied Hermann Rügel zu Kalthoff. Kettenschmied Heinrich Pütter zu Drüpplingsen Aufgebote: Landwirt Heinrich Heimann Karl Rahlenbeck zu Kal hof und gewerblose Wilhelmine Brackelmann zu Keßebüren. Stallmeister August Friedrich Heinrich Wortmann zu Harpen und gewerblose Anna Bölling zu Drüpplingsen. Eheschließungen: Kettenschmied Wi helm Hohmann schreißer P und gewerblose Friederite Oopgenktmaggb Gtate. Bggnreiter August Krause zu Hengsen und Vienstmagd Julie Vieler zu Hennen. Stallmeister August Friedrich Heinrich Wortmann zu Harpen und gewerblose Anna Bölling zu Drüpplingsen. Sterbefälle: Tagelöhner Karl Schenk zu Barendorf, J. Hufschmied Heinrich Bauerhaus Mon. 76 3 MIR Kur die Tteilezeit halte ich mich zur Lieferung bezw Besorgung sämtlicher Reiseführer Verkehrsbücher und bestens empfohlen. Carl Braus, Buch=, Kunst= u. SchreibwarenHandlung. Gr. Marktstr. 3—5. Ceroisteiner Sprudel Nur echt mit dem roten Stern. Hauptniederlage W. Pferdekämper Restaur. Fernspr. 117. Empfehle mein Grosses Lager allen Sorten HerrenDamen- u. Kinderstiefel. in Anfertigung nach Mass. Heinr. Wallrabe, Schuhmachermeister und Fachmann, Schwerte, Brückstrasse 3. 1349 haarausfall! Haarspalte! Immer und immer wieder Der allgemein beliebte in Taschenformat erscheinende Westsälisch=Rheinische Fahrplan Sommer=Ausgabe 1906 120 Seiten stark ist wieder zu dem niedrigen Preis von 10 Pfeunig in meiner Buchhandlung zu haben. Carl Braus Gr. 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Alie Kreis- und Lokalpollzeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbinckliche Kraft. o o 0 O O O O o o o o o o o Druck u. Uerlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Telegr.-Adresse Braus, Schwerte-Ruhr. o Nr. 134. Montag, den 11. Juni 1906. 38.5 Jahrgang (Von unserm Berliner Bureau.) nommen, er hat aufs neue die Festigkeit und Intim tät der Beziehungen Deutschlands und Oesterreich=Ungarns aller Welt bewiesen und zwar in einem Maße, daß es wohl kaum zwischen irgend welchen anderen Mächten ein aufrichtigeres Verhältnis Auch die Ungarn wetteiferten dem Kaiser ihre Anhänglichkeit in Deutschland zu beweisen, ja die Preßstimmen waren oft noch um eine Note überschwenglicher gestimmt, wohl im Schuldbewußtsein, daß man nach jener bekannten Hetze sehr viel nachzuholen hat. Daher tat die auszeichnende Haltung, welche der Ministerpräsident Wekerle durch den Kaiser erfuhr den Herren Ungarn doppelt wohl und triumphierend verkündete man daß Kaiser Wilhelm dem Ungarlande noch dieselben Sympathien entgegenbringe wie 1897. So war also auch nach dieser Richtung hin der Kaiserbesuch ein vol ler Erfolg. Das Schwergewicht des ganzen Besuches, dessen politische Bedeutung wohl kaum moch jemand zu leugnen wagen wird, liegt aber wie bereits erwähnt, in dem Depeschenwechsel zwischen Wien und Rom. Besonders muß es angenehm berühren, daß man sich in den Depeschen won jedem Ueberschwang fern gehalten hat, der als äußerliche Mache hätte erscheinen und den Eindruck der Bedeutung dieses Aktes nur hätte abschwächen können. Es verdient auch hervorgehoben zu werden, daß die Antwort des Königs Viktor Emanuel um einen Grad herzlicher klingt, als die an ihn ergangene Begrüßung, woraus hervorgeht, daß es dem Könige ein Bedürfnis war, seine Dreibundtreue zu versichern. Als sicher darf angenommen werden, daß nunmehr auch die Beziehungen zwischen Berlin und Rom wieder besser werden, und die Erkenntnisse des Wertes der deutschen Freundschaft am Tiber anhält. Trotz alledem soll damit nicht gesagt sein, daß das Verhalten Italiens in Algeciras so schnell vergessen werden kann, wenn auch jetzt von jensseits der Alpen herüber begeisterte dreibundfreundliche Stimmen im Verolg des Kassertelegraumes erschallen. Aus der einen Die Schönheit von Rembrow. Roman von Bogumil von Czartorski. 59 Natürlich schlummerte im Gärtnerhause noch alles. Ehrenbreit mußte wiederholt pochen, bevor sich im Innern des Hauses das geringste Geräusch bemerkbar machte Endlich ging eine Tür, wurden langsame, schlürfende Schritte hörbar, und danach zeigte sich Mütterchen Rosalies verschlafenes, verdrießliches Gesicht in der vorsichtig geöffneten Haustür. Sie war nicht wenig erstaunt, zu vernehmen, daß der Gutsherr die gnädige Gräfin zu früher Stunde zu sprechen wünsche, und ging erst auf seinen wiederholten Befehl, sie zu wecken, nachdem sie ihn in das kleine Wohnzimmer geführt hatte. Es währte gar nicht lange, da erschien auch schon Heloise, in ein kleidsames Morgengewand von dunklem, pelzverbrämten Sammet gehüllt, das glänzendschwarze Haar in Nacken zu losem Knoten verschlungen. Sie sah weder verstimmt noch erstaunt aus; ihr schönes Gesicht trug den gewohnten wohlwollenden und teilnahmsvollen Ausdruck, obschon ihre Augen besorgt und fragend blickten. „Ich muß annehmen, daß sich etwas Besonderes ereignete, Graf Ehrenbreit,“ sagte sie,„da Sie zu so ungewöhnlicher Stunde kommen. Bedarf man vielleicht meiner Hilfe? Ich bin zu jeder Minute bereit.“„ e 6E. 84 Besten Dank, Komtesse. Vorderhand handen es suh niche um dergleichen,“ erwiderte Franz Josef.„Ich erschien hier im Auftrage meines Freundes Ruck, um Ihnen diesen Brief einzuhändigen, der, wie er sich ausdrückte, sein„Vermächtnis“ enthält. Jedenfalls erfahren Sie daraus mehr, als ich selbst weiß, ich darf daher meine Mission als erfüllt betrachten.“ Gräfin Heloise nahm den Brief mit ein wenig zitternder Hand entgegen.„Sein Vermächtnis?“ wiederholte sie„Ichweiß nicht, wie ich mir das Wort erklären soll.“ Sicherlich sagt Ihnen der Brief dieses und noch mehr Vergeben Sie, wenn ich Sie darauf verweise und Ihnen bis auf weiteres Lebewohl sage.“ Mit diesen Worten empfahl sich Ehrenbreit. Wenige Sekunden später sah ihn Heloise so eilends, wie sein leidender Zustand es zuließ, die Dorsstraße hinaufgehen. Franz Josef hatte in der Tat keine Zeit zu verlieren, wenn er eine Unterredung mit Sebold haben wollte, bevor sich die Gegner zum Fichtenwäldchen begaben. Erfahrung gewitzigt, werden wir uns nicht so leicht wieder durch schöne Worte betören lassen, sondern nur mit den Tatsachen rechnen. Es ist wohl kaum nehmen, daß der Dreibund wieder erneuert wird, da die Italien durchaus frei stehenden„Extratouren“ fast die Regel zu werden scheinen, und umsomehr wird man daher eine lumso festere Anlehnung an Oesterreich=Ungarn, wenigstens so lange die Augen des greisen Kaiser Franz Joseph noch über die Donaumonarchie wachen, suchen müssen; müssen wir auch in erster Linie stets und ständig uns auf unsere eigene Kraft verlassen, so haben wir andererseits aber auch durchaus keinen Grund eine vollständige Isolierung zu suchen und uns deren zu rühmen, wie es noch vor einer Reihe von Jahren England getan hat. Unser Verhältnis zu Oesterreich=Ungarn steht unerschütterlich fest und mit gutem Rechte konnte daher der Staatssekretär von Tschirschky in einem Interview erklären, daß er nicht nach Wien gekommen sei lum besondere Abmachungen zu treffen, denn für solche lasse der Bündnisvertrag keinen Platz, mit anderen Worten Uunsere Beziehungen sind derartig, daß beide Mächte in allen Nöten treu geeint zusammen vorgehen werden. Etwas anderes ist es mit Italien, welches sich allerlei Klauseln gesichert, und in den verschiedensten Fragen freie Hand hat, sodaß dessen Bündnisfähigkeit nicht so hoch anzuschlagen ist, und es wäre dahen durchaus kein Fehler, wenn im Jahre 1912 nach Ablauf der Tripelalliance aus dem Dreibund ein neuer Zweibund wird. wenn die Urkunde Verhandlungen über ein Rechtsgeschäft enthält, die zwischen ihm und einem Anderen oder zwischen einem von beiden und einem gemeinschaftlichen Vermittler gepflogen worden sind. Die Vorlegung hat an dem Orte zu erfolgen, an welchem sich die vorzulegende Sache befindet. Jeder Teil kann die Vorlegung an einem anderen Orte verlangen, wenn ein wichtiger Grund vorligt. Die Gefahr uund die Kosten hat derjenige zu tragen, welcher die Vorlegung verlangt. Der Besitzer kann die Vorlegung verweigern bis ihm der andere Teil die Kosten vorschießt und wegen der Gefahr Sicherheit leistet. Unser juristischer Beirat. §§ Einsichtsrecht in fremde Sachen. Wer gegen den Besitzer einer Sache einen Anspruch in Ansehung der Sache hat oder sich Gewißheit verschaffen will, ob ihm ein solcher Anspruch zusteht, kann, wenn die Besichrigung der Sache aus diesem Grunde für ihn von Interesse ist, verlangen, daß der Besitzer ihm die Sache zur Besichtigung vorgelegt oder die Besichtigung gestattet. Wer ein rechtliches Interesse daran hat, eine in fremdem Besitze befndliche Urkunde einzusehen, kann von dem Besitzer die Gestattung der Einsicht verlangen, wenn die Urkunde ein zwischen ihm und einem Anderen bestehendes Rechtsverhältnis burkundet oder Zu seiner großen Befremdung mußte er indessen bei seiner Heimkehr vernehmen, daß der Rittmeister weder nachts noch an diesem Morgen zurückgekehrt sei; vermutlich war er demnach im Dorfwirtshause eingekehrt, hatte daselbst genächtigt und erschien nun von dort aus auf dem Rendezvous=Platze. „Das Schicksal ist mächtiger als mein Wille,“ sagte er sich. „Ich glaube, ich muß ihm seinen Lauf lassen.“ Unterdessen hatte Heloise mit einem unbestimmten Angstgefühl ihren Brief geöffnet. Er war nicht lang und keineswegs reich an schönen und gefühlvollen Phrasen. Dennoch erschütterte sein Inhalt sie tief. Baron Ruck schrieb:„Wenn Sie dieses Briefblatt in den Häuden halten, bin ich im Begriff, mich für eine Reise zu rüsten, von der es vielleicht keine Rückkehr gibt. Im Fichtenwäldchen hinter Rembrow wartet der Rittmeister von Sebold auf mich; wir werden dort eine Pistolenkonversation mit einander haben. Ich sage Ihnen das alles ganz genau, denn Sie sollen die Wahrheit wissen und von dieser Wahrheit sprechen dürfen, wenn Sie mit Ehrenbreit meiner gedenken. Mein Gefühl sagt mir nämlich, daß ich in diesem Zweikampf fallen werde. Mein Lebeusfaden hat sich abgesponnen, ich sehe, wie die Hand der Parze sich ausstreckt, um ihn abzuschneiden. Gern hätte ich vorher noch ein paar freundliche Worte mit Ihnen gesprochen, aber mir scheint, schriftlich sagt sich ein Lebewohl besser in einem solchen Falle Und auch ein Vermächtnis gibt sich leichter schriftlich. Mein Vermächtnis für Sie heißt: Franz Josef von Ehrenbreit! Ich beschwöre Sie in dieser ernsten Stunde, verlassen Sie ihn nicht, Gräfin Heloise! Er steht, all seinen weltmännischen Erfahrungen zum Trotz, wie ein Kind inmitten der Gegenwart, mit seiner unverstandenen, nach Liebe und Mitgefühl dürstenden Seele, und wird verschmachten, wenn nicht bald eine barmherzige Hand ihm den Becher des Lebens reicht. Von Irrtum zu Irrtum ging er durch alle Jahre, Sie Gräfin, sind die einzige Wahrheit seines Lebens! Verlassen Sie ihn nicht! Bleiben Sie ihm mit Ihrer sanften Festigkeit, Ihrem klugen, starken Geiste, Ihrem warmen, edlen Herzen die Freundin und Beraterin, deren er so dringend bedarf. Ich schreibe den Namen Franz Josef für alle Ewigkeit in Ihre Gedanken. Das ist mein Vermächtnis. Und nun, mein Kind, falten Sie das Briefblatt ruhig zusammen und gedenken Sie seines Absenders als eines Toten!“ Brief aus China. Tientsin, 18. April. Der Abschied der deutschen Brigade. Schneller, als wir erwarteten, war der Augenblick gekimmen, wo die deutsche Brigade wieder in ihre Heimat zurückbehren sollte. Man kann wohl sagen, die meisten Krieger wären gern noch länger in China geblieben, denn man hatte sich allgemein recht gut an die hiesigen Verhältnisse gewöhnt und lebte mit den Chinesen und Angehörigen der verschiedenen fremden Besatzungen in gutem Einvernehmen. Am Gründonnerstag, den 12. April, wurden die ersten abfahrenden Truppen mit Musik feierlich durch Tientsin zum Bahn hof geleitet. Am Karfreitag sollte der Rest folgen Ei ne große Menschenmenge hatte sich am Bahnhof versammelt, um dem Abschiede beizuwohnen. Alle Residenten der verschiedenen Nationen fuhren an, und die hohen chineschen Würdenträger erschienen mit Vorund Hinterreitern. Um 11 Uhr traf der Generalswagen in Begleitung einer zahlreichen Eskorte auf dem Bahnhof ein, wo eine Ehrenwache Aufstellung genommen hatte, auf dem rechten Flügel eine Kompagnie der deutschen Abteilung, schlicht und prunklos, aber stramm und fest, leider jetzt ohne Musik. Daran schloß sich eine Kompagnie chinesischer Polizeitruppen in guter Haltung. Es folgten die Franzosen, deren Musik die deutsche Nationalhymne spielte. Die Engländer in ihren roten Prunkröcken nud die indische Kompagnie mit ihren roten Röcken und gelben Turbanen boten ein malerisches Bild. Italienische und österreichische MaHeloise las diese Worte mehrmals hinter einander, während ihre Lippen zuckten und ihre Augen sich feuchteten. Dann kniete sie, das Papier fest in die gefalteten Hände schließend, am Feuster nieder und sprach ein stilles, kleines Gebet für die Lebenden und die Toten. Der Himmel, zu dem ihre schönen, ausdrucksvollen Augen aufblickten, ward unterdessen heller und heller und stand urplötzlich in dem flammenden Purpur der Morgenröte. Heloise fühlte sich wie an das Ziel ihres Gebetes emporgetragen, während sie so inmitten des himmlischen Feuers kniete, und ein wundervoller Friede zog in ihre geängstigte Seele ein. Sie sah auch den Weg vor sich, den sie ihrem Gefühl nach gehen mußte. ** * Auf dem Edelhofe hatten die drei Herren mit einander einen frühen Kaffee eingenommen, immer noch von Minute zu Minute eine Botschaft des Rittmeisters erwartend. Als diese ausblieb, meinte Oskar Hurbing, der Sekundant Sebolds, es falle unter diesen Umständen eigentlich jede Verpflichtung fort, den Rendezvousort noch aufzusuchen. Zuvor müsse des Rittmeisters Handlungsweise irgend eine Erklärung finden. Ehrenbreit schien dieser Ansicht, die doch immerhin einen Aufschub der fatalen Angelegenheit in Aussicht stellte, beipflichten zu wollen, jedoch Baron Ruck beharrte sehr energisch auf der Durchführung des ursprünglich festgesetzten Plaues. „Herr von Sebold hat die Verabredung durch sein Nichterscheinen keineswegs aufgehoben,“ sagte er,„wir wissen ja, wo er zu finden ist, da Ort und Stunde der Zusammenkunft bestimmt wurden. Lassen Sie uns aufbrechen, Ehrenbreit, ich möchte um keinen Preis den Vorwurf der Unpünktlichkeit noch in der zwölften Stunde meines Lebens auf mich laden.“ So fuhren sie miteinander in den schönen, frischen Morgen hinein; der Himmel war so klar, die Sonne lächelte so golden, und das verwitterte Antlitz„Ahasver's“ trug einen so feierlichen, fast frommen Ausdruck, als er seine Blicke freundlich umherschweifen ließ und träumerisch, wie zu sich selber, sagte:„Das ist ein schöner Abschiedstag. Als der Wagen sich der Lichtung näherte, die sein Ziel war, erblickten die drei Männer den Wagen des Doktors. Der alte Arzt war ausgestiegen und kam ihnen entgegen. 138.20 rineabteilungen folgten in bunter Abwechslung, und au dem llinken Flügel standen die Russen mit ihrer Regimentsmusik. Der französische General Levefre führte als Doyen der fremden Generale den deutschen Besehlshaber Petzel die Front ab und nahm dann herzlichen Abschied; die Damen der Offfiziere, die chinesischen Würdenträger, die Konsuln tauschten den letzten Händedruck; ein uralter Indier überreichte dem General als besondere Ehrung eine Hand voll Reiskörner. Dann setzte sich der Zug unter den Klängen der vielen Musikkapellen und dem Hurra der Russen in Bewegung. Um halb 1 Uhr kam man in Tangku an, wo das französische Offizierkorps, das dort mit der deutschen Kompagnie gute Beziehungen unterhalten hatte, zum Abschied erschienen war. Die Offiziere des französischen Kanonenbootes baten um die Ehre, den deutschen General zum Neckar zu fahren, der bekantlich die Brigade nach Bremerhaven überführen soll. Der deutsche General hielt eine kräftige Abschiedsrede, in der er ausführte, daß, wenn die Welt nur aus Soldaten bestände, es nie zu einem Kriege kommen künne. Das französische Schiff könne er leider nicht benutzen, da der chinesische Vizekönig Juanschikai ihm schon tags zuvor seine Dampfer zur Verfügung gestellt habe. Um 3 Uhr fuhr der General ab und äm Abend gegen 11 Uhr lichtete der Neckar die Anker und trat die Fahrt nach der Heimat an. Vermischtes *(Wie Sensationsliteratur gemacht wird.) Im vorigen Jahre erschien im Verlage Fontane das„Tagebuch einer Verlorenen. Von einer Toten. Die Verfasserin war Margarete Böhme. Das Buch war der Erfolg des Jahres. Es erlebte in außerordentlich kurzer Zeit eine ungewöhnliche Auflage und ist jetzt bei der 83. angelangt. Wie gewöhnlich in solchen Fällen wurde von anderer Seite in nicht einwandfreier Weise versucht, diesen Erolg auszunützen. Und so erschien einige Monate darauf das„Tagebuch einer anderen Verlorenen. Auch von einer Toten. Nach dem Originalmanuskript herausgegeben von Rudolf Felseck.“ Es konte natürlich der Vorwurf nicht ausbleiben, daß das Felsecksche Tagebuch eine Nachahmung sei, und Herr Felsek suchte sich gegen diesen Vorwurf durch ein notarielles Zeugnis zu schützen, dessen Unterzeichneter Justizrat Robert Rudert=Leipzig war. Jetzi stellt ein Berliner Blatt fest, daß das„Tagebuch einer anderen Verlorenen“ nichts anderes ist, als eine fast wörtliche Wiedergabe des im Jahre 1847 erschiene nen, gesetzlich nicht mehr geschützten Zeisigschen Buches „Die Prostitution in Hamburg“ dem nur ein anderer Titel gegeben worden ist, weil die Bezeichnung„Tagebuch einer Verlorenen“ beim Publikum einen guten Klang hatte und man sich eben davon einen Erfolg versprach. Selbst das Vorwort des Herausgebers ist in beiden Büchern fast wörtlich gleichlautend. Es ist deshalb sehr drollig, wenn Herr Felseck mach Schluß des Vorwortes sagt:„So weit war dieses Vorwort geschrieben, als das„Tagebuch einer Verlorenen“ erschien sund gewaltige Verbreitung fand.“ Das stimmt nicht gut. Dieses Vorwort war nämlich, als das Böhmesche Buch erschien, nicht nur„so weit“ geschrieben, sondern schon„ganz“ gedruckt, und zwar schon Anno 1847! Daß bei der Fabrikation von Sensationsliteratur nicht immer einwandfreie Mittel gebraucht werden, ist schon eine alte Geschichte. Neu ist nur die— notarielle Beglaubigung! Es wird wohl jetzt an dem kgl. sächsischen Notar, Justizrat Robert Rudert sein, sich über den Fall aufklärend zu äußern. *(Eine Frau als Bräutigam.) Eine eigenartige, zunüchst kaum glaubliche Betrugsgeschichte beschäftigte dieser Tage die Berner Gerichte. Salomo Lejeune, eine 29jährige Französin, wurde im Jahre 1902 mit einer 19jährigen Schweizerin namens Lina Pauly bekannt und bald deren intimste Freundin. Auf diese Weise erfuhr sie auch, daß Lina gern heiraten wolle. Unter dem Namen eines überhaupt nicht existierende „Dr. Krause aus Straßburg“ knüpfte die Lejeune mit ihrer Freundin eine Korrespondenz an, die zur Verlobung führte, bei der als Bräutigam Salome in Männerkleidern erschien. Vier Jahre währte die Verlobung, und der„Bräutigam“ wußte sich in den Besitz fast des ganzen Vermögens des betrogenen Mädchens zu setzen. Da schöpfte dessen Bruder Verdacht, er unternahm Schrittte bei der Polizei, und der weibliche Bräutigam wurde zu einem Monat Gefänis, den Kosten und Ausweisung verurteilt. *(Am Hochzeitstage erschossen.) Ein tragischer Vorfall hat sich in der Nähe von Gablonz in Böhmen gelegenen Ortschaft Drzkow abgespielt. Dort feierte ein gewisser Mrva mit der 16jährigen Anastasia Holub Hochzeit. Als sich das neuvermählte Paar mit seinen Gästen von der Kirche aus zum Festmahl in ein Lokal begeben wollte, gab einer der Teilnehmer den üblichen Freudenschuß ab. Das Gewehr war aber geladen und die Kugel traf die junge Frau Mrva, die tödlich verletzt zusammenbrach und nach wenigen Minuten verschied. Nachdem die Leiche in die Totenkammer geschafft worden war, begab sich die Hochzeitsgesellschaft unter Führung des neugebackenen Ehemannes in das Wirtshaus und tanzte dort bis zum frühen Morgen(!) als ob nichts geschehen wäre. Als die Polizei am Morgen die nötigen Erhebungen vornahm, mußten die Gendarmen den jungen Ehemann förmlich(dazu zwingen, ihnen die notwendigen Aussagen über den Vorall zu machen; denn der Gemütsmensch war äußerst ungehalten darüber, daß man ihn im Tanze störe! M. war Wilderer sund in erster Ehe mit der Schwester des Erschossenen verheivatet.— Die Ermittelungen der Genbarmerie führten schließlich zu der Verhaftung des früheren Geliebten der Anastasia Mrva geb. Holub, eines gewissen Todla, er ist dringend verdächtig, die junge Frau nicht aus Versehen erschossen, sondern das Gewehr für die Freudenschüsse aus Rache mit einer scharfen Ladung versehn und auf die aus der Kirche heraustretende Frau angelegt zu haben. Westfalen und Rheinland * Eving, 9. Juni.(Furchtbarer Tod.) Auf eine gräßliche Weise zu Tode kam heute auf Zeche Minister Stein der jugendliche Arbeiter Wilhelm Klaus, der hier bei seinen Eltern, Kolonie 17, wohnt. Er hatte sich in der Mittagspause von seinem Mitarbeiter mit einem der elektrischen Aufzüge herauf und herunterfahren lassen. Als er im Begriff war, wieder auszusteigen, ließ der andere den Aufzug plötzlich in die Höhe gehen, wodurch er zwischen Aufzug und Bekleidung geriet und so schwere Verletzungen erlitt, daß der Tod auf der Stelle eintrat. * Soest, 9. Juni.(Kaiserliche Ehrung.) Der Direktor des hiesigen Königlichen Lehrer=Seminars, Schulrat Kohlmann, wurde durch ein Schreiben aus dem Kultusministrium aufgefordert, als Gast des Kaisers an dessen Nordlandfahrt vom 17. bis 30 Juni teilzunehmen. * Rheine, 10. Juni.(Ertrunken.) Der auf der Strecke Rheine=Quakenbrück in der Bauernschaft Altenrheine bedienstete Weichenstellen Wilhelm W. wollte gestern abend trotz des dringenden Abratens seiner Freunde ein Bad in der mahe fließenden Ems nehmen. Mit den scherzhaften Worten:„Wenn ich nicht zurüchkehre, grüßt mir meine FFrau und Kind“, sprang er in die Fluten. Als er bis zur Mitte des Flusses geschwommen war, wurde seine scherzhaften Worte zur bitteren Wahrheit; er sank plötzlich unter und wurde nach zwei Stunden als Leiche herausgezogen. Bei dem kalten Wasser wird ihn offenbar ein Herzschlag getroffen haben. * Essen, 9. Juni.(Arbeiterehrung.) Eine besondere Ehrung wurde am Pfingstfeiertag, wie man jetzt erfährt, zehn der ältesten Werksangehörigen der Krupp'schen Fabrik zuteil. Drei Meister und sieben Arbeiter wurden durch Wagen von ihren Wohnngen abgeholt und nach Villa Hügel gebracht, um dort an einer aus Anlaß der Verlobung von Fräulein Berta Krupp veranstalteten Feier teilzunehmen. Im Verlauf der Feier unterhielt sich das Brautpaar mit den Senioren eingehend über den Werdegang der Fabrik. * Duisburg, 9. Juni.(Die Strafkammer) erhandelte heute gegen einen Mädchenentführer, den Schlosser Johann Kleinfeld aus Hamborn. Der Angelagte hat mit der 18jährigen Wirtstochter Anna Schwalbe daselbst ein Liebesverhältnis, was die Eltern des Mädchens nicht duldeten. Am 1. Februar d. J. entführte der Angeklägte das Mädchen gegen der Eltern Willen und brachte es in einer auswärtigen Animierkneipe unter. Der Angeklagte ist zu acht Monaten Gefängnis verurteilt worden. Bekanntmachung. Die Hufbeschlagprüsung vor der staatlichen Prüfungskommission für den Regierungsbezirk Arnsberg finden am Mittwoch, den 11 Juli und am Mittwoch, den 10. Oktober in der K. Schnet kerschen Schmiede zu Hüsten, Kreis Arnsberg statt. Herrn Veterinärrat Blome, welcher als Regi rungs=Kommissar an den Prüfungen teilnimmt, habe ich zum Vorsitzenden der aus 3 Mitgliedern bestehenden Prüfungskommission enannt. Der Meldung zur Prüfung, welche an den Vorsitzenden zu richten ist, hat der Prüfling solgende Nachweise beizufügen: 1. Die amtliche Bescheinigung, daß er das 19. Lebensjar vollendet hat(Geburtsschein). 2 Die amtliche Bescheinigung, daß er mindestens die letzten 8 Monate vor der Meldung im Bezirk der Prüsungskommission sich aufgehalten hat. 3. Die Versicherung, daß er in erhalb der letzten 6 Monate einer Hufbe'ch'agprüfung nicht erfolglos sich unterzogen hat. 4. Die Bescheinigung über die erlangte theoretische und praktische Ausbildung. Der Vorsitzende entscheidet über die Zulassung zur Prüfung und beruft die Prüflir ge zur Prüfung ein Im Falle der Zulassung hat der Prüfling 10 Mk. Prüfungsgebühr post= und bestellgebührenfrei an die Königliche RegierungsHauptkasse in Arnsberg einzuzahlen. 5. Von der erfolgten Einzahlung der Gebühr setzt der Prüfling den Vorsitzenden durch Einsendung der Quittung oder des Posteinlieferungsscheines in Kenntnis. Die Prüfungsgebühr ist verfallen, wenn der Prüfling ohne nügende Entschuldigung im Termin nicht erscheint oder die Prüfung nickt besteht Bei nachgewiesener Bedürftigkeit kann die Gekühr ganz oder teilweise erlassen werden. Zur Prüfung hat der Prüfling ein Rinimesser und einen Unterhauer mitzubringen. Das übrige Ha dwerkszeug, die Schmiedeeinrichtungen und die nötigen Pferde werden von der Kommisson zur Be fügungg stellt. Arnsberg, den 22. Mai 1906. Der Regierungs=Präsident. J. B.: Kretschmann. 4 der Molkerei Westheim das Pfund 120 Pfg. ächter holländischer — Maikäse— das Pfund 90 Pfg. bi Ernst Klein. Brachsdsnen jeder Art liefert in künstlerischer wie einfacher Weise prompt und billig die Buchdruckerei der+ 4 ++„Schwerter Zeitung“ 2 von Carl Braus, Schwerte. Proben stets gern zu Diensten. 880 Mehrere Diplome. 80 Viele Anerkennungen. *** Stellungsuchende Redakteure, Mitarbeiter, Korrespondenten, Expeditionsbeamte, Propagandachefs, Buchdruckereifaktoren, Maschinenmeister, Metteure, Maschinensetzer, Schriftsetzer inserieren vorteilhaft im „Zeltungs Verlag Zentral-Organ f. d. deutsche Presse Eigentum und Verlag des Vereins Deutscher Zeitungsverleger in = Hannover. Zellenpreis für Stellengesuche 15 PI. Der Anzeiger des „Zeitungs-Verlags“ wird Stellensuchenden gegen Verher-Einsendung von 5 Pfennig pre Nummer portofrei zugestellt. Der Bezug kann mit jeder beliebigen Nummer begonnen und beendet werden. *** Meine anerkannt feinste V Pahine uiter 1,25 Mk. p. 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