Die„Schwerter Zeitung“, erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Famillentreund.“ o 0 0 0 O O O O O O O O 0 0 Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 1s Pf., Reklamezeile 40 Pf. Nr. 128 Sonnabend, den 2. Juni 1906. 38. Jahrgang Alie Kreis- und Lokalpollzeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröttentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbinckliche Kraft. o 0 0 C O O O O O O O O 0 0 Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Dr. 62 Ami Schwente. Celeor-Rärese Brauz, Schwene Kuhr. e Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises Haupt=Annoncenblatt. Amtliches Hreisblalt Sssee das liebliche Fest der Maien! Nun hat durch hehre, göttliche Macht, Die über der Erde waltet, Des Lenzes herrlichste Blütenpracht Sich allerwärts entfaltet!— Pfingströslein nickt am Gartenhag, Dabei Jasmin und Flieder; Der Nachtigall, der Lerche Schlag Entzückt, beglückt uns wieder! Ja, reinste Herzensfreudigkeit. Ertönt von tausend Zungen! Der Frühling hat das herbste Leid Sogar zur Flucht gezwungen; Pfingstglockenklang und Orgelschall, Am sonnigen Festtagsmorgen Durchströmend rings das weite All, Verscheucht die bangen Sorgen! Westfalen und Rheinland * Dortmund, 1. Juni.(Uebet eine neue Zeibungsfusion) meldet das„Westfälische Tagebl.“ in Hagen:„Die seit eineinhalb Jahren in Dortmund erscheinende„Westfälische Allgemeine Zeitung“ wurde vom Verlag Krüger für 50000 Mark übernommen. Wie verlautet, hat die Zeitung 200000 Mark Kosten fordert. Im Krügerschen Verlag erscheint bereits Dortmunder Zeitung und Generalanzeiger.“ Und wie den Jüngern einst vom Herrn Ward Kraft und Mut gegeben, Erfüllt die Schöpfung, nah und fern, Ein neues, frisches Leben! Da dringt ins Herz ein Leuchten auch Des heiligen Gottesgeistes, Wie jede Blume, jeder Strauch, Empor zum Himmel weist es. So laßt uns denn nach altem Brauch Das Haus mit Maien zieren, Auf daß wir drinnen einen Hauch Vom Frühlingsdufte spüren!— Wie's Birkenbäumlein steht umwalkt Von zarten, grünen Schleiern, Wir alle wollen, jung und alt, Ein„fröhlich Pfingsten" feiern! * Dortmund, 1. Juni.(Die hiesige Strafkammer) verurteilte heute den aus Deutsch-Krone stammenden Reisenden Bernhard Rump wegen Schwindeleien und Urkundenfälschung zu einer Zuchthausstrase von einem Jahre und fünf Jahren Ehrverlust. Rump hat unter dem Vorgeben, mit der Gründung eines großen Petroleumgeschäfts beschäftigt zu sein, verschiedene Leute um Beträge von 400, 500 und 700 Mark geschädigt. Zu der Hergabe des Geldes ließen sich die Geldgeber dadurch bewegen, daß Rump ein gefälschtes Schriftstück, vorlegte, demzufolge er mit großen Fabriken in Verbindung stand. * Holzwickede, 1. Juni.(Eine merkwürdige Behandlung) läßt ein hiesiger Eingesessener seiner besseren Hälfte zu Teil werden. Angeblich wegen Trunkenheit sperrte er sie in den Keller ein und als sie daraus entwich, soll er sie zum zweiten male eingesperrt, diesmal aber, um eine nochmalige Flucht zu verhüten, an Ketten gelegt haben. Der so ungalante Ehemann wird sich demnächst, da die Sache zur Anzeige gebracht ist, wegen Freihseissbehaubung zu verantworten haben. * Iserlohn, 1. Juni.(Geflüchtet.) Dr. Heimes von hier, der neulich wegen Beleidigung einer hiesigen Dame vor der Hagener Strafkammer stand und durch Gerichtsbeschluß auf 6 Wochen zur Beobachtung seines Geisteszustandes einer Irrenanstalt überwiesen worden war, sollte heute der Anstalt in Aplerbeck zugeführt werden. Wie wir hören, hat er sich seiner Festnahme durch die Flucht entzogen. * Kefeld, 1. Juni.(Vermächtnis.) Der verstorbene Herr Artur v. Beckerath hat sein Vermögen im Betrage von 80000 Mark zu guten Zwecken vermacht, darunter dem Singverein 30000 Mark, dem Verein für Volks= und Jugendspiele 20·000 Mark und dem Museum für Landschaftsbilder 10000 Mark. Kleine Chronik. London, 1. Junii Obgleich das Marineamt die Tatsache bestreitet, wird aus zuständiger Quelle doch mitgeteilt, daß der Verlust des Linienschiffes„Montagne“ Tatsache st. Die Besatzungen von 3 Kreuzern sind an Bord des„Montagne“ mit der Rettung der großen Schiffsgeschütze beschäftigt. Unwetter=Meldungen. Nachdem am letzten Dienstag ein surchtbarer Orkan in niederbayrischen Orten arge Verheerungen anrichtete nud erheblichen Schaden an Gebäuden und Wäldern werursachte, wurde am gestrigen Tage Oberhessen sowie der nördliche Teil der Provinz Sachsen von dem Unwetter heimgesucht. Auch hier wurde, wie aus den nachfolgenden Drahtmeldungen hervorgeht, durch die eingetretenen Verwüstungen ein ungeheurer Schaden angerichtet: Frankfurt a. M., 1. Juni. Gestern abend wütete in Oberhessen ein mit heftigem Gewitter verbundener Orkan, der in der nördlichen Weterau großen Schaden anrichtete. In Leihgestern bei Gießen ist die alte Pfarrkirche eingestürzt, wobei ein Mädchen verletzt wurde. Auf dem Bahnhof in Gelnhausen wurden auf den Gleisen stehende Güterwagen teils umgeworfen, teils in Bewegung gesetzt. In Hanau wurden verschiedene Dächer abgedeckt; auch an dem Baumbestand an den Straßen und in den Anlagen ist großer Schaden angerichtet. Die Obstanlagen in verschiedenen Orten haben stark gelitten. Nordhausen a. H., 1. Juni. Ein schweres Gewitter entlud sich gestern abend und heute nacht über dem Helmetal. In Uthleben sind zahlreiche massive Gebände durch eine Windhose zerstört. Der Kirchturm ist in der Mitte abgebrochen. Fast alle Dächer sind abgedeckt. Die Obsternte ist völlig vernichtet. Heiligenstadt, 1 Juni. Ein furchtbares Unwetter ging vergangene Nacht über das westliche Eichsfeld nieder. Ein Wirbelsturm zerstörte viele Gebäude, deckte Dächer ab und entwurzelte eine große Anzahl von Bäumen. Der Schaden wird auf 100000 Mank geschätzt. Koburg, 1. Juni. Ein surchtbarer Gewittersturm hat in der vergangenen Nacht hier gewütet. Hunderte von Bäumen sind entwurzelt, wiele Dächer sind beschädigt worden. Die Leitung des Elektrizitätswerkes und der Güterbahnhof sind zerstört worden. Bedeutender Schaden wurde unter den Garten; und Feldfrüchten gnngerichtet. nR Vermischtes. * Ein originelles Geschenk ist von Neuyork nach Potsdam augenblicklich unterwegs, das für den deutschen Kronprinzen bestimmt ist und am Jahrestag seiner Hochzeit, am 6. Juni, in seine Hände gelangen soll. Es besteht aus einem Album, in dem alle erreichbaren Berichte amerikanischer Zeitungen zusammengestellt sind, die sich mit der kronprinzlichen Hochzeit beschäftigt haben. Das eigenartige Werk ist eine Gabe der Vereinigten deutschen Gesellschaften, des Deutschen Vereins, des Albrecht Dürer=Vereins, der Deutschen senschaftlichen Gesellschaft, der Deutschen Evangelischen Heilandsgemeinde und eines besonderen Komitees. Die Berichte sind vom Argus=Preß=Clipping=Bureau gesammelt worden und entstammen einem wahren Chaos von amerikanischen Zeitungen, mit den ersten Neuyorker und Washingtoner Organen beginnend bis zu den kleinsten Hinterwäldlerblättchen. Auch der Humor kommt in dieser Sammlung zum Recht. Es sollen sich unter den Schilderungen einige Kabinettstückchen amerikanischer Journalistenphantasie befinden, die mit ihrer zur Wirklichkeit in allzu drastischem Widerspruch stehenden Komik den Kronprinzen gewiß ein herzliches Lachen entlocken werden. Lehle Trührmetbungen. Der Bombenwurf in Madrid. Madrid, 1. Juni. Durch Glassplitter wurde der Ring an dem Großkordon des milikärischen Santiagoordens auf der Brust des Königs gesprengt. Der Ministerrat beschloß, die Feste nicht aufzuheben, aber einen großen Huldigungsakt für die Opfer zu veranstalten, deren genaue Zahl auch heute noch nicht bekannt ist, und die Verfolgung gegen die Anarchisten einzuleiten. Infolgedessen wurden gestern viele von diesen verhaftet. Der Hauptattentäter scheint aber entkommen zu sein Paris, 1. Juni. Dem„Eclair“ wird über den Anschlag auf den König Alfons aus Madrid noch gemeldet, die Explosion war so furchtbar, daß die Fronten der Häuser stark beschädigt wurden. Die Gardinen in der ersten Ctage zeigten Blutspuren. Der gesamte Häuserblock wurde sofort von Truppen umzingelt und durchsucht. Ein gewisser Cuesta wurde verhaftet. Ebenso ein junger Mann, der das Haus, aus dem die Bombe geschleudert wurde, kurz nach dem Attentat verließ. Nach genauen Feststellungen sind bis jetzt 14 Personen getötet und etwa 35 schwer verletzt worden. Madrid, 1. Juni. Der König und die Königin haben Glückwunschdepeschen aus allen Telen der Welt erhalten. Das Brautkleid der Königin, das mit Blut bespritzt worden war, wird wahrscheinlich in der Almudena=Kirche, die dem Orte, an dem die Bombe explodierte, gegenüberliegt, aufbewahrt werden. Kleines Feuilleion. Pfingstfreuden. Lieblich ist ein Feiertag— namentlich zu Pfingsten!— Tausend Freuden ruft er wach,— selbst bei dem Geringsten.— Mit dem ersten Hahnenschrei macht der Mensch sich schon dabei— festlich si zu putzen— und den Tag zu nutzen! Vater, Mutter, er und sie,— sind sich einig beide: Eine kleine Pfingstpartie— bringt viel Augenweide; — eine Fahrt durch Blütenschnee— ist gesund und tut nicht weh,— kräftigt Herz und Lungen— Alten wie auch Jungen! Draußen ist's so wunderbar,— welch ein Blüh'n und Sprießen!— Einmal muß man doch im Jahr— die Natur genießen!— Dazu ist ja Pfingsten da,— und die gute Hausmama— putzt schon früh die Kleinen, daß sie„schmuck“ erscheinen! Macht sie alle blitz und blank,— putzt sich selbst aufs Beste,— reicht dem Vater aus dem Schrank— eine weiße Weste:—„Alter, heute bist du fein,— steck noch in den Schlips hinein— die Geburtstagsnadel wirklich— ohne Tadel!“ Also in die Waldesruh— geht's mit Wohlbehagen — bis die Mutter stöhnt:„Schieb du— mal den Kinderwagen!"— Vater tuts mit Unlust nur,— durch die durch die blühende Natur— schielt er voll Erwarten— nach dem nächsten Garten!— Kommt der Sonne goldner Schein,— kommt der Durst nicht minder,— frohen Sinnes kehren ein— Vater, Mutter, Kinder.— Muttern tut der Kaffee wohl, Vater schlürft den Alkohol,— Kinderkehlen baden— sich in Limonaden! Gute Rast bringt frischen Mut— Großen wie auch Kleinen.— Vatern schmeckt das Bier so gut,— er trinkt stets noch„Einen“,— doch das Mutterauge wacht— und die Mahnung tönt ihm sacht:—„Trink doch mal'ne Brause— oder komm nach Hause! Schmunzelnd steht der Wirt beiseit’,— reibt sich froh die Hände:— O, du schöne Festtagszeit,— Segen ohne Ende!— Ist uns Mutter Sonne hold,— bringt sie Gold und wieder Gold,— doch höchst ungelegen, kommt zum Fest ein Regen! Wehe, wenn die Wolken zieh'n— trüb mit Sturmgebrause,— Vater, Mutter, Kinder flieh'n— wilden Laufs nach Hause;— in dem Trubel aus Versehn— bleibt der Kinderwagen stehn,— doch das tut nichts weiter!— Frohes Fest!—— Ernst Heiter. Empörende Gefühlsroheit. Madrid, 2. Juni. Im Madrider Stadtrat drückten heute die Sozialisten ihr Bedauern über die Opfer des Anschlags auf das Köngspaar aus; gleichzeitig erklärten sie aber, daß sie an der Freude über die Errettung des Königspaares nicht teilnehmen könnten. Weitere Bemerkungen gingen in einem Entrüstungssturm, den diese bodenlose Gefühlsroheit hervorrief, unter.—Vier Verwundete sind gestorben. Der Gendarm, der heute morgen den verdächtigen Engländer verhaftete, als der Zug nach Andalusien sich bereits in Bewegung setzte, behauptet, daß er ihn mit Morales zusammen auf dem Balkon gesehen habe. In dem Pensionszimmer, das der verhaftete Robert Hamilton bewohnt hatte, wurde auch e ine rote Flüssigkeit und ein Stadtplan von Madrid mit bezeichneter Route des Hochzeitszuges gefunden. Ein Ordensdiebstahl im Zeughause. Berlin, 1. Juni. Aus dem hiesigen Zeughause ist heute nacht ein türkischer Orden im Werte von 24000 Mark gestohlen worden. Der Dieb hatte in das Haus sich einschließen lassen, und ist nach begangener Tat durch Herablassen an einem Seil entwichen. Berlin, 1. Juni. Der in der vergangenen Nacht aus dem Zeughause gestohlene Orden ist der türkische Mishan Imtiaz=Orden mit Brillanten. Der Orden ist ein achtstrahliger goldener Stern mit 16 großen Brillanten, in der Mitte den Namenszug des Sultans tragend; die gleichfalls gestohlene, dem Orden affigierte Medaille ist“ ein kleiner Stern mt 18 kleinen Brillanten, der an einem rotgrünen Bande hing. Für Mitteillung aus dem Publikum, welche zur Ermittlung des Diebes oder Wiedererlangung des gestohlenen Gutes beitragen, sind 1000 Mk. Belohnung ausgesetzt. Mehr nicht? Berlin, 1. Juni. Die„Schl. Ztg.“ schreibt, die Zentrumsfraktion des Reichstages hat beschlossen, daß jeder ihrer Abgeordneten von seinen Diäten 100 Mark in den Parteifonds zu zahlen hat. Herzschlag während eines Gewitters. Würzburg, 1. Juni. Der bekannte Würzburger Theologe, Professor Hermann Schell wurde während eines heftigen Gewitters am Schreibtisch von einem Herzschlag betroffen und war sofort tot. Das gesunkene Torpedoboot. Kiel, 1. Juni. Die Bergungsdampfer des Norddeutschen Bergungsvereins haben heute mittag die Kommandobrücke, den Kessel, ein Geschütz und sonstige kleine Teile des Torpedobootes S 126 hier eingebracht. Von den noch vermißten 16 Mann der Besatzung wie auch vom Kommandanten des Bootes hat man nichts entdecken können. 361000 Mark veruntreut. Fürstenwalde, 1. Juni. Ueber den Fürstenwalder Spar= und Vorschußverein, G. m. b. H., bei dem, wie gemeldet, 361000 Mark veruntreut worden sind, ist der Konkurs verhängt worden. Schreckliche Tat. Heidelberg, 2. Juni. Im benachbarten Alt=Lußheim erschoß im Streit der Landwirt Büchner seinen einzigen noch jungen Sohn und stellte sich dann selbst der Behörde. Von einem Felsblock zermalmt. Lüttich, 1. Juni Bei Sprengarbeiten in einem Steinbruch zu Hermalle fiel ein 800 kg. schwerer Felsblock auf eine Gruppe Arbeiter. Zwei wurden sofort getötet, zwei andern die Beine zerschmettert. Wie es in den Ostseeprovinzen hergeht. Riga, 2. Juni. In das Bureau der Versicherungsgesellschaft Sekurita im Mittelpunkt der Stadt drangen gestern 4 Räuber ein, bedrohten den Kassierer mit Revolvern, raubten 500 Rubel und flüchteten. Auf der Straße prallten sie mit zu Hilfe eilendem Publikum zusammen und suchten durch unaufhörliches Schießen die Passanten zurückzuhalten. Einer der Verbrecher erschoß zwei Herren und eine alte Dame und wurde darauf selbst won einem Polizeioffizier getötet. Man fand bei ihm das geraubte Geld. Die anderen drei entkamen. Ungarn und Serbien. Belgrad, 2. Juni. Gestern trafen in Belgrad ungefähr 80 ungarische Journalisten, Abgeordnete und Studenten e in, um als Gäste der serbischen Journalisten die Pfingstfeiertage in Belgrad zu verbringen. Nach der Art und Weise, wie die Serben die ungarischen Gäste begrüßten, kann der Besuch als Kundgebung aufgefaßt werden. So schreibt„Policia,, der Besuch werde zeigen, daß heute Serben und Magyaren Schulter an Schulter gegen den gemeinsamen Feind(lies Oesterreich) stehen. In ähnlichem Sinne schreiben auch alle übrigen Blätter. Die Bischöfe unterwerfen sich dem Trennungsgesetze. Paris, 1. Juni. Die Unterwerfung der Bischöfe unter das Trennungsgesetz ist nicht mehr zweifelhaft. Die Mitteilung des Erzbischofs Fuzet von Rouen, daß Minister Briand im Falle der Auflehnung gegen das Gesetz de Ruhegehälter und vierjährigen Abfertigungen der Pfarrer sperren werde und die Broschüre über die Verfassung des Katholizismus in Preußen haben auf die Versammlung ihren Eindruck nicht verfehlt. Bischof Catteau von Lucon erlitt in der gestrigen Nachmittagssitzung einen Schlaganfall. Gegen die marokkanischen Seeräuber. Tanger, 1. Juni. Zwischen den Regierungen Frankreichs, Englands und Spaniens fand ein Notenwechsel wegen Unterdrückung der Seeräuberei an den marokkanischen Küsten statt. Es heißt, daß die Absicht besteht, die Küsten ständig durch je drei Kanonenboote diesser genannten Staaten bewachen zu lassen, ohne erst die marokkanischen Behörden in Kenntnis davon zu setzen. Die Versicherungsgesellschafen kneifen. Newyork, 1. Juni. Die amerikanischen Versicherungsgesellschaften haben gemeinsam den endgültigen Beschluß gefaßt, für die in San Franzisko entstandenen Schäden nicht aufzukommen, sofern diese erweislich durch das Erdbeben verursacht sind, und die Zahlung aufzuschieben, sofern die Gebäude auf behördliche Anordnung niedergelegt sind und in allen zweifelhaften Fällen Vergleiche anzubieten, insbesondere, wenn es fraglich ist, ob der Einsturz des Gebäudes durch Feuer oder durch Erdbeben veranlaßt ist. Verantwortlicher Redakteur: Wilh. Schade, Schwerte. 768 Die Sennerin. Auf lustiger Alm die Se nerin sitzt, Sie hütet die Kühe und singt. Im Sonnerglanz hellweiß ihr Brustlatz blitzt, Den Firnschnee in Eifersucht beingt. Da kommt aus d’m Tale der Wanderbursch hez, Sseht das Dirndl so frisch und verwunvert sich sehr. „In's möglich, n ein Kind, daß so sauber und fein Bei ihren Kühen die Senne in kann sein?!“ Hell jodelt das Bergkind: Hodu iöh, 's kemmt all s nur her von„Jo=Sa=Sö!“ Jo-Sa-Sö Seifenpulver Marke 1 Ranges. Fabrikat der Dampfseisensabrik Jos Sauerwald Söhne N tilar a. d. Ruhr. Zu haben in den meisten Geschäften.-3; Fabrikant: Cori Gentner, Göggenzen. pant Schmmais Taichtsriaseiinast veracer de SSchssek. d Schre Smante * DDHGTUGSCHTNASEHINEN für Antrieb durch Söpel, Dampk, HANLAS A wasser, Elektrizitdt, Gas, Petroleum........ Verhaufsstellen weist kostenlos nach: 2. Spe. K Kircn-n K Nr. 128 Sonnabend, den 2. Juni 1906. 38. Jahrgang Pfingsten 1906. rüne, duftende Maien an Türen und Toren, farbenfrohe Sträuße von Frühsommerblumen in den Zimmern, festlich blanke Fenster auch in den ärmlichsten Hütten, fröhliche Menschen auf allen Pfaden, sonnenscheindurchflutete, glockenszlangumwehte Kirchen, wundersam wogende Saaten auf den Aeckern, blumenübersätes Gras auf den Matten, Lust und Blust, Glast und Leuchten überall:— das sind deutsche Pfingsten. Von oben ist das Füllhorn segnender Gnade ausgeschüttet über die Welt, über Hag und Hain, über Anger und Aecker, über Höhen und Tale; und das gesegnete Land sendet sprießend und blühend, lachend und leuchtend seinen Dank, seinen jubelnden Dank himmelwärts. In üppiger Fülle, auf sonniger Höhe steht das Jahr. Die Nacht ist schier geschwunden, noch um Mitternacht sleuchtet es am Saume des dämmerndn Himmels. Was zu Weihnachten, als der Bethlehemsstern die wandernden Wolken durchbrach, leises, sein selbst kaum bewußtes Ahnen war, was in der herben Frühe des Östermorgens, da die sieghafte Sonne mit der dunkeln Nacht rang, als zages, zweifelndes Hoffen die Herzen durchbebte, das ist nun lichte Gewißheit geworden. Die Verheißung ist erfüllt. Dem Tode ist die Nacht genommen; er ist niedergerungen. Das Leben ist Wahrheit; es triumphiert allerorten. Hier gleißt und glänzt es in Blumensternen und Blütendolden, dort strebt es lichtwärts in Halmen und Aehren, da klingt es und singt es in tausend jauchzenden Stimmen. All diese Stimmen und Lenzblüten sind eines Grundtones Weisen; in allen Adern pulst und bebt derselbe mächtige Strom, den Stoff belebend und gestaltend. Es heißt dem Menschen Seltsames zumuten, wenn er glauben soll, daß dieser Lebensstrom keinen Quell und Ursprung habe, daß diese zeugende, blühende, segnende Kraft in den Stoff gebannt sei. Solche Welt= und Lebensanschauung hat etwas Winterliches, Kaltes, Frostiges, Totes. Vor den Wundern der Weltpfingsten hält sie nicht stand. Vor der Pfingstpredigt des Aehrenfeldes und des sommergrünen Waldes, des segenstillen Landes muß sie schweigen. Was im grämlich=grauen Düster des Winters gespenstisch den Sinn und die Seele umnebelte, das wird gebannt und gescheucht, zerflockt und zerissen von der Strahlenhand pfingstlicher Sonne. Jedes neue Pfingstfest ist ein Siegesfest über den rückständigen Wahnglauben an die Alleinherrschaft des Stoffes. Nicht der Stoff ist die Lebensmacht, sondern der Geist,— der Geist, der nicht in, sondern über dem Stoffe ist, der ihm nicht entstammt, sondern ihn meistert. So weit reichen die Gedankengänge des natürlichen Menschen. Auf die Frage nach dem Wesen, uimer, kunft dieses Geistes findet und weiß er keine u# Das Pfingstfest den Natur ist ein fröhliches# selig und Gnaden bringend wird es erst durch die köstliche Kunde der ersten heiligen Pfingsten. Wer diese Kunde nicht vernommen, wer sie nicht gläubig aufgenommen hat, der vermag den zwingenden Zauber de Geistesfestes, den befreienden Segen des Geistesglaubens nicht zu empfinden, der fühlt nicht die wunderbare Wärme der pfingstlichen Sonne, der schaut nicht die himmlische Sonne des Festes, der steht den Welt überwindenden Wundern gegenüber mit der Frage blöden Zweifels:„Was will das werden?“ oder mit dem lbubenhaften Gemeinplatze des Gassenmenschen: „Sie sind voll süßen Weines“. Heute, wie damals! Der Unglaube hat seine Formen nur wenig, seine Art nie gewandelt. Er spielt sich auf als den Wissenden, obwohl er nichts weiß, als den Sehenden, obwohl er blind und blöde ist, als den Erhobenen, obwohl er tief unter den Dingen bleibt. Er reckt und streckt sich auf den Zehen empor, als ob ihm dadurch gelinge, den Himmel zu erreichen; und was er trotz alles Dehnens und Reckens nicht zu erreichen vermag, das versucht er hinabzuzerren in seinen stickigen, düstern Dunstkreis. Dem Erdenwurme gleicht er, der von der Sonne nichts weiß, weil er seine Tage in himmelsferner Finsternis zu verbringen verurteilt ist. Ist's nicht Unsinn und Unfug, Sonne und Himmel leugnen zu wollen, weil man so tief drunten oder so seelenblöde ist, daß man sie nicht selber schauen kann. Hat der Blinde das Recht, andere zu blenden? Wer das Pfingstwunder nicht glauben kann, ist ein armer, beklagenswerter Geselle, der unsers tiefen, herzlichen Mitleids sicher ist; wenn er aber seine Armut uns als Reichtum anpreisen und aufdrängen will, so gebührt ihm scharfe, ernste Abweisung. So viel die Sonne heller ist als die Nacht, so viel der Himmel höher ist als die Erde: so viel ist der Glaube köstlicher als der Zweifel. Ein Narrr und ein Feigling, der sich solch köstliches Gut nehmen oder vergällen läßt durch den maseweisen, afterklugen Spott der gespreizten Toren! Wer den Hauch, das Wehen, das Wirren des Geistes der ersten Pfingsten gespürt hat, der ist gefeit und gefestet, gestärkt und gestählt, gewahrt und gewappnet gegen die Steinwürfe des Hasses, gegen die Giftpfeile des Hohnes, gegen die Frostkrallen des Zweifels, der feiert nicht nur mit den Blüten und Saaten fröhliche Pfingsten, sondern auch mit den gleichgestimmten, gleichberufenen, gleichbegnadeten Seelen in treuer Gemeinschaft, wie damals die ersten Jünger, umrauscht von den Schwingen des verheißenen, gottgesandten Geistes ein seliges, ein gnadenbringendes Fest. Verlassen und doch gesegnet,— einsam und doch in seelischer Gemeinschaft,— séhnend und doch beseligt,— das war die Signatur der Tage zwischen Himmelfahrt und Pfingsten für die Jünger, die den Meister hatten heimwärts ziehen sehen und nun dessen in trauter Treue harrten, was er ihnen gekündigt und zugesichert hatte! Am Tage der ersten Pfngsten ward ihr suchendes Sehnen ganz stille, ihre harrende Seele ganz stark. Himmelher kam der Geist, der ihnen verheißen war, der sie geleiten sollte allerwärts, der bei den gläubigen Bekennern bleiben sollte bis an das Ende der Zeit,— der Geist Gottes und seines eingeborenen Sohnes, der die Welt bezwingen und erneuen sollte bis zu dem großen Tage der herrlichen Wiederkunft. Wie wurden die ärmlichen, die verachteten Fischer nun so überreich, wie wurden die schlichten, schüchternen Männer nun so sicher, so seelenstark, wie wurden die ungelehrten, ungebildeten Leute nun so sprachenkund, so beredt, so geistesvoll! Die zweifelnden Fragen der Suchenden machten sie ebensowenig irre, wie die ätzenden Hohnworte der neunmal Klugen. Aus ihnen sprach der, der auf alle Fragen weiß, der von keinem Spotte erreicht werden kann. Und diesen Geist nahmen sie mit hinaus in die Welt. Er führte sie durch Leid und Kreuz hindurch, so daß sie auch unter Qualen zu lächeln vermochten, er bannte die Gott suchenden Hörer an ihre Lippen, er zwang die heilsehnenden Herzen in ihren Bann, er sammelte um sie eine treue Gemeinde, er wirkte weiter durch die Jahrhunderte hindurch, er richtete Kreuze auf an den Wegen und Kirchen in den Städten und Dörfern, er lichtete das Dunkel, das auf den Menschen lastete, er limderte das Leid, das der Menschheit Erbteil ist, er brach die Sklavenketten und machte die Schmachtenden frei von harter Fron. Auch uns ist dieser Pfingstgeist verheißen; auch uns sind seine Segnungen beschieden, wenn wir die Hände des Glaubens ihnen entgegenstrecken, wenn wir die Herzen ihnen öffnen. Ob wir auch im Banne der Tagesfron stehen, ob die Erde uns hält mit ihrer Schwere, ob Leid und Sorge Die Schönheit von Rembrow. Roman von Bogumil von Czartorski. 47 Er schrieb an den Grafen, Liska sei, vermutlich aus Ueberaustrengung und Heimweh, ernsthaft erkrankt, befinde sich indessen in bester Pflege und werde, sobald ihre Rekonvaleszenz so weit wie erforderlich vorgeschritten, nach Rembrow in das Haus ihres Vaters zurückkehren, um dort hoffentlich die Rosen ihrer Wangen und ihren verlorenen Jugendfrohsinn wiederzufinden. Auch an Herrn Steinert richtete der Baron einige Worte, die den Obergärtner von der Krankheit seiner Tochter und ihrer demnächst erfolgenden Heimkehr unterrichteten. Bereiten Sie alles sorgsam vor, daß Liska Bequemlichkeit und gute Pflege findet; empfangen Sie Ihr Kind mit einem freundlichen Gesicht, Steinert, denn der Himmel hat es wie durch ein Wunder gerettet und Ihnen so gleichsam zum zweitenmal geschenkt. So hieß es in dem Schreiben. Beide Briefe schlossen mit einem bedeutsamen, dick unterstrichenen„Alles weitere mündlich“, das den Adressaten zu denken gab. Es währte noch eine geraume Zeit, bis Liskas Genesung weit genug vorgeschritten war, um an ihre Uebersiedlung in die Heimat denken zu lassen. Sie verlangte nichts. Still und teilnahmslos saß sie Tag um Tag in ihrem kleinen, ruhigen Krankenzimmer, befolgte gehorsam die Verordnungen des Arztes, zeigte sich freundlich und dankbar für die ihr von allen Seiten entgegengebrachte Aufmerksamkeit und Liebe, aber keine Frage trat jemals auf ihre Lippen, keine Hindeutung auf Vergangenes oder Zukünftiges; ihr Geist schien die Fähigkeit eingebüßt zu haben, über die Gegenwart hinaus zu denken. Ihr Verhältnis zu Fabian Ludwig hatte einen ganz neuen, für den jungen Mann keineswegs schmeichelhaften genommen. Die Unbefangenheit, die Vertraulichkeit und Wäime früherer Tage waren vollkommen daraus verschwunden. schien seine Anwesenheit wie einen Druck, sein Fernbleiben als Erleichterung zu empfinden, das verriet sich nur zu deutlich in Ausdruck ihres Gesichts, wenn der Freund kam oder ging. Ludwig selbst konnte sich dieser Wahrnehmung so wenig wie die anderen verschließen, und sein Herz litt darunter, obschon er äußerlich nichts davon verriet.... Tellnahme und Heloise, die ihrer Liska mit immer gleicher Teltnähme und Liebe zur Seite blieb, beobachtete alles und alle mit ihrem stilen, tiefschauenden Blick, ähnlich dem Maler, mit dem sie auf einem angenehm freundschaftlichen Fuße stand. Die Grafentochter und der Künstler verstanden, begegneten einander, und nicht nur in der Sympathie für Ludwig und Liska: ihre Charaktere, ihre Lebensanschannngen hatten viel Verwandtes, obschon sie die Welt von zwei verschiedenen Standpunkten aus betrachteten. Manche interessante, ernsthafte, kleine Konversation ward zwischen ihnen beiden neben dem Krankenbett der Gärtnerstochter geführt, und sie hatten an Fabian Ludwig bei solcher Gelegenheit einen so aufmerksamen und verständnisvollen Zuhörer, daß es sich wohl verlohnte, ihn bisweilen ins Gespräch zu ziehen. Er sprach wenig und bescheiden, aber was er sagte, verriet einen denkenden und für seine Verhältnisse erstaunlich durchgebildeten Geist, dessen Stärke vornehmlich in seiner klaren, zielbewußten Ruhe und Selbstgenügsamkeit lag. Liska, noch immer nicht mehr als ein schwacher, farbloser Schatten der„Schönheit von Rembrow“, versuchte gleichfalls, den Gesprächen mit Aufmerksamkeit zu folgen; aber das währte selten lange. Sie verstand die Pointen nicht, verlor bald den Faden und begnügte sich dann damit, die drei um ihr Ruhebett gruppierten Personen in ihren äußeren Eigentümlichkeiten zu betrachten, bis ihr die Augen zufielen und sie so ein gemütliches Pendant zu dem in seiner Ofenecke eingenickten Fräulein v. Wangenrot bildete. Es war eine seltsane, trotz ihrer Monotonie keineswegs reizlose Zeit, an die alle noch in späteren Jahren nicht ungern zurückdachten. Baron Ruck war nicht allabendlich anwesend; er befand sich auch nicht immer in Berlin, erschien aber dennoch häufig genug, um, die blasse, kleine Hand seiner Nichte in der seinen haltend, an der Planderstunde teilzunehnien und sie zu einer besonders interessanten und angeregten zu machen. Sein glänzender Geist entsprach der Richtung Heloises am meisten und sie taten miteinander manchen kühnen Flug. Wiederholt nahm die Grafentochter wahr, wie angelegentlich Baron Ruck sich bemühte, Liska diesen oder jenen Gesprächs gegenstand zugänglich zu machen, um immer und immer wieder ihrem sanften, geduldigen Lächeln und müden Blick gegenüber von seinen Versuchen abzustehen, resiguiert aufseufzend, mit einem traurigen Ausdruck in seinen Augen, den wohl einzig Heloise sich richtig zu deuten wußte. Graf Ehrenbreit hatte fast täglich kleine Aufmerksamkeiten in Gestalt von Treibhausblumen oder kostbaren, für Liska in ihrem gewärtigen Zustande unverwendbaren Spielerei an die Kranke befördern lassen; er schrieb häufig sehnsüchtige, unruhevolle Briefe, aus denen sehr deutlich das Verlangen, selbst zu kommen und zu sehen, sprach, an Ruck und dieser mußte jeden Tag ein Bulletin nach Ehrenbreit senden, das genaue Kunde über Liskas Befinden in das alte Polenhaus trug. Uebrigens hatten die beiden miteinander abgemacht, den Umstand, daß Liska Steinert von Baron Ruck adoptiert worden war, nicht länger vor der Welt, also auch nicht vor Sebold geheim zu halten; eben so wenig die Tatsache der Erkrankung Liskas. Der Rittmeister sah sich nun im Besitz mehrerer ungeahnten und erstaunlichen Neuigkeiten; er machte sehr gewandt gute Miene zum bösen Spiel und sandte ein tadellos, taktvolles Schreiben an Baron Ruck, worin er diesen seiner Teilnahme sowohl an dem einen, als auch an dem anderen, versicherte. Im Innern seiner Seele grollte er indessen der ganzen Welt. Sie haben mich alle belogen und betrogen, sagte er in ohnmächtigem Zorn zu sich selbst bei seiner jetzt einsamen Abendzigarre, alle, sogar Hurbing! Und ich wünschte, ich könnte ihnen allen einen Streich spielen, könnte einen jeden von ihnen an seiner empfindlichen Stelle treffen! Es ist zum Wahnsinnigwerden, hier in dem alten Hause so untätig stillsitzen zu müssen! Während dieser Gedanken stieg durch irgend eine geheimnisvolle Ideenverbindung das Bild eines schwarzhaarigen Mädchens vor seiner Seele auf, und sein finsteres Antlitz erhellte sich ein wenig. Die einzige, die mich nicht betrog, die einzige, der ich etwas Gutes erweisen möchte, obschon ich ihr diese entstellenden Kampfzeichen auf meinem Gesicht zu danken habe, murmelte er halblaut vor sich hin. Und ich glaube, ich kann erwas tun für das blasse Mädchen. Eilfertig zog er eine Schublade seines Schreibtisches auf und entnahm ihr die Brieftasche, die im Leben der armen Kaschinka eine so bedeutende und tragische Rolle gespielt hatte. 138.20 In einer Tasche derselben steckte die Botschaft des Mädchens das die Leute von Sielanka eingesperrt hielten, an den Geliebten; das Blatt trug des Musikers vollständige Adresse. Sebol lächelte, als er darauf niederblickte.„Sie sah mich als ihren Rette. an, ich will es werden!“ sagte er zu sich selbst und ging sofort daran, ein zweites Briefblatt mit verstellten Schriftzügen zu bedecken. 61 5 uuns uumbangen und umbranden: der Geist macht uns doch seelisch frei, er hebt uns doch auf luftigen Schwingen über das niedere Getriebe hoch empor, er scheucht die Nebelschwaden der Sorge und stillt des Leides Wogen. Und wenn wir auch der letzten großen Erfüllung noch harren, wir sind sicher, daß sie kommt. Mag der Pfad der Menschheitsentwickelung manchmal dunkel zu sein und in die Irre zu führen scheinen: er hat ein großes, herrliches Ziel, das wir mit den geklärten Augen des Psingstglaubens von ferne schauen. Unser ist die Verheißung, der Sieg ist unser. Deshalb ist Pfingstfreude in unsern Herzen, deshalb empfinden wir Pfingstseligkeit, weil wir der Pfngstgnade sicher sind. Deshalb klingt unser triumphierendes Pfingstlied, das mit dem Gruße anhob:„Schmücket das Fest mit Maien!“ in den Jubel aus: O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Pfingstenzeit! Christ, unser Meister, Heiliget die Geister! Freue, freue dich, o Christenheit! Politische Uebersicht. Des„Vorwärts“ Eingeständnis. — Berlin, 1. Juni. Der„Vorwärts“ gesteht heute ein, daß Rosa Lupemburg mit einem falschen Paß nach Rußland gereist ist, wie die„Post“ behauptet hatte Politische Widerhaarigkeit — Metz, 1. Juni. Die„Lothringer Zeitung“, amtliches Organ des betreffenden Kreises, berichtet über ein Beispiel, Widerhaargkeit, das man, wenn sie sich nicht besonders dafür verbürgte, kaum glauben sollte. Vor einigen Tagen verstarb in dem Dorfe Donnelay, das nebenbei bemerkt nahe der französischen Grenze im sog. gemischten Sprachgbiet liegt, eine etwa 93 Jahre alte Frau. Das ganze Dorf gab ihr das letzte Geleit, nur nicht der katholische Geistliche, obgleich die Frau bei Lebzeiten eine fromme Katholikin gewesen war. Der Grund der Versagung der kirchlichen Beerdigung war der Umstand, daß der Beerdigungsschein des Bürgermeisters in deutscher Sprache ausgestellt war! Zur Erklärung dieses mindestens sonderbaren Vorkommnis ses sei bemerkt: In den gemischten Sprachgebieten werden stets Bügermeister ernannt, die beider Sprachen mehr oder weniger mächtig sind. Die amtliche Korrespondenz mit den Behörden ist natürlich deutsch, mit Privaten je nach Umständen deutsch oder französisch. Die Formulare zu den Beerdigungsscheinen sind deutsch. Nun korrespondiert aber die katholische Geistlichkeit in ganz Lothrngen, selbst im deutschen Sprachgebiet, nur französisch. Der Pfarrer von Donnelay verweigert nun grundsätzlich die Annahme jedes deutschen Schriftstückes von seiten des ihm wahrscheinlich feindlichen Bürgermeisters. Aehnliche Weigerungen sind schon öfters, auch bei Nichtgeistlichen, vorgekommen, aber daß bei ihnen die Konsequenz selbst bis auf den Tod, und sogar darüber hinaus ausgedehnt wurde, ist uns nicht bekannt Kriegsnachklänge in Rußland. = Petersburg, 1. Juni. Wegen kampfloser Uebergabe des Torpedobootes Bjedolwy an die Japaner am 28. Mai 1905 sind zwei zum Stabe des Generals Roschdjestwenski gehörige Offiziere als Anstifter vor das Marinemilitätsgericht gestellt, ebenso neun Offiziere, weil sie die Ueberga be zugelassen haben, endlch Admiral Roschdjewenski selbst, der sich schwerverwundet auf dem Torpedobvot befunden hatte, und nichts zur Verhinderung der Uebergabe getan hatte. enterei in der französischen Marine. = Toulou, 1. Juni. An Bord des Torpedobootes 250 meuterten die Mannschaften. Sämtliche Matrosen verließen das Schiff während der Uebungsfahrt bei Bonifacio, an der Küste von Korsika, und kehrten erst nach längeren Interventionen seitens des Schiffskommandanten an Bord zurück. Das Attentat in Madrid stellt sich als viel schlimmer heraus, als nach den ersten Meldungen vermutet werden konnte. Durch einen Zufall ist das junge Königspaar dem Verderben entgangen. Die neuesten Meldungen besagen: Madrid, 1. Juni. Die Mutter der Königin erhielt, während sie sich zum Kirchgang ankleidete, einen anonymen Brief, in dem das Attentat angekündigt wurde. Madrid, 1. Juni. Die Zahl der durch die Bombenexplosion Getöteten wird auf etwa 20, und die der Verwundeten auf rund 50 angegeben. Unter den Getöteten befinden sich drei Offiziere. In dem Hause, aus welchem die Bombe geworfen würde, kamen acht Personen ums Leben. Auch die Marquise von Toledo und deren Tochter wurden getötet Fünf der Verwundeten sind lebensgefährlich verletzt. Die Königin fühlt sich angegriffen. Madrid, 1. Juni. Alle Vertreter der auswärtigen Mächte sind wohlbehalten. Es wird gemeldet, daß der Urheber des Anschlages zuerst ein Zimmer in einer anderen Straße gemietet hatte, wodurch der Festzug kam, doch habe er dasselbe aufgegeben, weil keines derselben einen Balkon nach der Straße hatte. In dem Zimer wurde weißes Pulver, welches anscheinend Dynamit ist und eine kleine Glasspitze gefunden, die nach bitteren Mandeln roch und vermutlich dazu gedient hat, in dem Augenblick, wo der Zug vorbei kam, die Bombe zu laden. Außerdem wurde ein eleganter Anzug sowie ein Arbeiteranzug gefunden. Auf dem Balkon des Hauses, welches der Verbrecher bewohnte, sind sieben Personen getötet. Die Festlichkeiten werden ihren Fortgang nehmn. Madrid, 1. Juni. Der Urheber des Anschlags hatte gestern morgen einen Blumenstrauß gekauft und dann verboten, sein Zimmer zu betreten, indem er Unwohlsein vorschützte. In dem Augenblick, wo der königliche K Wagen vorbeifuhr, schleuderte er das Bukett, in dem die Bombe verborgen war, auf die Straße hinab, zog sich schnell vom Fenster zurück, ohne bei der allgemeinen Verwirrung die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Bis jetzt wurden 20 Verhaftungen vorgenommen. Nach weiteren Berichten über das Unglück bei dem Bombenattentat in Madrid ist die Gräfin von Toledo mit ihrer Tochter auf dem Balkon der Wohnung des Herzogs von Athamada getötet wonden. Ihr Leichnam blieb im Balkon hängen und konnte nur mit großer Mühe freigemacht werden. Zahlreiche Personen, welche Verwandte in dem Hause hatten, aus dem die Bombe geschloudert wurde, wollten die Verwandten besuchen; es wurde aber niemand hineingelassen mit Ausnahme des Marquis von Toledo. geschsendert. kurchtharen un Beide explodierten gleichzeitig mit Bauc usgeissen uuert Enem Pferdte wurste der Stadt und Umgebung. Schwerte, 2. Juni. Müssen sich zahnleidende Krankenkassen=Mitglieder der Behandlung durch einen Zahntechniker unterziehen? Ein Ortskrankenkassen=Mitglied hatte wegen eines Zahnleidens die Hilfe eines nicht zu den Kassenärzten gehörigen Zahnarztes in Anspruch genommen und dann gegen die Ortskrankenkasse auf Ersatz der hierfür von ihm gemachten Aufwendungen geklagt, indem er behauptete, die Kasse habe unter den von ihr angestellten Aerzten keinen einzigen Zahnarzt, vielmehr weise sie die Behandlung aller Zahnleiden einem Zahntechniker zu. Es habe ihm nicht zugemutet werden können, sich von diesem behandeln zu lassen, zumal§ 6, Absatz 1, Ziffer 1 des Krankenversicherungsgesetzes ausdrücklich bestimme, daß die Krankenkasse ihren Mitgliedern freie ärztliche Behandlung zu gewähren habe. Die beklagte Kasse wandte dagegen ein, der Kläger hätte sich zunächst an einen Kassenarzt wenden und diesem die Entscheidung darüber überlassen müssen, ob seine Erkrankung sich auch zur Behandlung durch den Zahntechniker eignete; er habe sich jedoch, wiewohl bein dringender Fall vorlag, sogleich an einen selbstgewählten Zahnarzt gewandt und müsse daher auch die dadurch entstandenen Kosten selbst tragen. Das badische Verwaltungsgericht hat sich diesen Ausführungen der beklagten Ortskrankenkasse angeschlossen und den Anspruch des Klägers als unbegründet zurückgewiesen. Kritische Betrachtungen zur alttesiamentlichen Schopfungsgeschichte. Nachdem wir vor einer Woche den ersten Vortrag des Dozenten Jäger„Kritische Betrachtungen zur Schöpfungsgeschichte“, den er in Dortmund gehalten, wiedergegeben, lassen wir heute den zweiten Vortrag folgen, der sich in fesselnder Weise mit dem Sündenfall und der Sintflut beschäftigt. Mehrfache Zuschriften aus unserem Leserkreise geben uns die Gewißheit, daß der erste Artikel mit g roßem Interesse gelesen worden ist und erkennen dankbar an, daß wir damit auch aus einem Gebiete berichten, das man größtenteils von Tageszeitungen unberücksichtigt findet. Doch lassen wir den Forscher selbst nun zu Wort kommen. 2. Sündenfall und Sintflut Kritik am Alten Evangelium haben schon Jesus und Paulus geübt, aber religiöse Kritik. Zum Beispiel am Sabbatgebot. Diesem Gebot, das schon die Schöpfungsgeschichte beherrscht, das durch Moses ein Grundstein der Gesetzgebung geworden ist, das seit der Zeit des Exils das Grundgebot des Judentums gewesen, dem setzt Jesus entgegen:„Mein Vater wirket, und ich wirke auch". Der Menschensohn ist ein Herr auch über den Sabbat, denn nicht ist der Mensch um des Sabbat willen da, sondern der Sabbat um des Menschen willen. Und Paulus schreibt an die Galater:„Ihr haltet wieder Sabbat; ich fürchte, ich habe vergeblich an euch gearbeitet". Das ist die Kritik des Neuen Testamentes am Alten. Aber es gibt auch eine irreligiöse Kritik am Alten Testament, eine Kritik, wie sie Celsus und Spinoza geübt haben, und wie sie heute wiederkehrt in den„gesammelten Werken Jehovas“ und in der„Bibel in der Westentasche" wo man sich darüber lustig macht, daß Gott im Paradiese spazieren gehe oder bei Abraham Kalbsbraten äße.— Neben diese Kritik, die religiöse und irreligiöse, tritt aber auch schon früher die mythische Kritik, wie sie die Gnostiker geübt haben, und wie sie von ihnen Hegel gelernt hat und seine Nachfolger La Garde, Gunkel bis auf Fr. Delitzsch. Sie sehen in der Urgeschichte des A. T. lediglich Mythen, wie die Mythen Homers, der Edda oder der Veden. Für sie ist Jehova nicht besser als Zeus oder Wodan oder Indra oder auch Marduck.— Hier schließt sich drittens an die naturwissenschaftliche Kritik, welche seit der Zeit der Renaissance wach wurde und namentlich in der Aufklärung des Nationalismus eine große Rolle spielte. Sie spottete über den Lebensbaum und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, über die redende Schlange, über die Arche, welche die ganze Tierwelt fassen sollte, und über die Flut, die über alle Berge geht.— Endlich regt sich im 19. Jahrhundert die geschichtliche Kritik. Für sie ist der Urmensch Adam eine Fabel, der Turmbau eine Legende, die Sprachverwirrung ein Märlein. Sehen wir nun zu, was gegenüber dieser ganzen Kritik und im Lichte der Kritik des jeuen Testamentes die Urgeschichte uns zu sagen weiß über Sündenfall und Sintflut. Zunächst der Sündenfall. Die Schöpfungsgeschichte hatte uns gelehrt, daß aus der Hand Gottes alles gut hervorgegangen sei, vor allem der Mensch. Damit ist aber das große Problem gegeben, welches schon die Frommen des alten Bundes quälte, und welches auch die Kirche von ihren ersten Zeiten an bewegte, das Problem: Woher das Böse, woher das Uebel? Auf diese Frage will die Geschichte vom Sündenfall in einfacher, kindlicher Form die tiessinnige Antwort geben. Zunächst betont sie, daß der Mensch unschuldig und glücklich gewesen sei, daß er sittlich und sinnlich ein paradiesisches Leben geführt habe. Das Paradies ist für sie ein Ort auf Erden. Vom Lande Eden, d. h. Babylon, kommt der Euphrat, der es durchströmt. In ihn münden der Chaddekel, d. h. der Palmenfluß, der vor Aschur strömt, dem arabischen Stammlande der Assyrer, der Gichon(altbabylonisch Gischinnu), der das arabische Kusch umfließt, und endlich der Pischon(mittelarabisch Faischan), der um das arabische Land Chavila strömt, wo man seit Urzeiten das Gold, das Bedellion (Gummiharz) und den Schohamstein fand. An der Mündung des Euphrat in den persischen Meerbusen lag also nach unserer Erzählung, genau lokalisiert, der Ursitz der Menschheit, und die Erinnerung an diese Zeit haben die Menschen der verschiedensten Völker in ihren Sagen vom„goldenen Zeitalter“ erhalten. Und merkwürdigerweise finden sich gerade bei den ältesten den Israeliten verwandten Kulturvölkern, nämlich bei den Babyloniern und Arabern, noch die Namen der vier Paradiesflüsse, aber nur bei den Israeliten in ihrer richtigen Reihenfolge, ein merkwürdiger Beweis der Treue ihrer Ueberlieferung. Die ersten Menschen lebten weder von Fleisch noch von Körnerfrüchten, sondern von Baumfrüchten. Sie lebten auch noch ohne jede Kultur im Stande der Natur. Aber wie heutige Kinder oder Naturmenschen waren sie Menschen und keine Tiere, mit menschlicher Sprache, menschlichen Gefühlen, menschlichen Gedanken, menschlichem Willen. Ihr Verhältnis zu Gott war das von Kindern; aber ein kindliches Verhältnis zu Gott ist ja das höchste. Die Probe, auf die sie gestellt wurden, um sie zu bewußter Reife des Willens und der Erkenntnis zu führen, zur Erkenntnis des Guten und Bösen, war eine Probe für Kinder, und doch eine Probe für große Kinder. Denn wie einen Mann ein Königreich reizen kann, nicht minder ein Kind ein Apfel, und ein Kind, namentlich ein großes Kind, die Aussicht, klug zu werden, zu wissen, was es bisher nicht weiß. Fragt doch ein Kind von früh an: Was, Wie, Warum? Aber die Versuchung, das Gebot Gottes zu übertreten, kommt nicht aus dem Menschen selbst, kommt auch nicht aus dem Gebot Gottes als solchem, sondern kommt von außen, von einer vormenschlichen Macht, von der Schlange. So trifft denn auch den Mann und das Weib die Strafe für ihre Uebertretung, der schwerste Fluch aber die Schlange. Auf dem Manne lastet der Fluch, nicht, daß er arbeiten soll(denn arbeiten sollte er auch im Paradiese, und Arbeit ist ein Segen kein Fluch) sondern, daß er im Schweiße seines Angesichts arbeiten mußte, im entmutigendem Kampfe mit Dornen und Disteln den Acker bestellen, und endlich, daß er sterben mußte, zum Staube werden, von dem er genommen war. Das Weib trifft der Fluch, nicht, daß sie gebären sollte(denn Kindergebären ist ein Segen und kein Fluch) sondern, daß sie mit Schmerzen und oft unter Krankheit und Lebensgefahr gebären sollte, und daß sie unter den Mann geknechtet wird, seine Sklavin sei. Wer etwas von der Lage der Frau in der außerchristlichen Menschheit weiß, selbst im Islam, selbst unter den Hellenen, der weiß, wie furchtbar dieser Fluch in Erfüllung gegangen ist, und was es bedeutet, wenn der Apostel Paulus sagte, daß er erst in Jesu Christo aufgehoben sei, denn„in Jesu Christo ist weder Mann noch Weib“. Wer aber ist nun die Schlange? Ist sie wirklich nur das Tier, die Natter, die Kreuzotter, die Boa constrictor, die den Menschen in die Ferse sticht, und der er den Kopf zu zertreten sucht, wie etwa Gunkel uns einreden will? Oder ist sie, wie das ganze Judentum glaubte, und wie es in der Offenbarung Johannis deutlich ausgesprochen wird, die alte Schlange, Satan? Zweifellos ist sie dies nach der ganzen Auffassung des A. T., das die Schlange als den Erbfeind Jahwes kennt, von Anbeginn an, und doch weiß, daß auch sie ein Geschöpf Jahwes ist, die Verkörperung der widergöttlichen Macht, Daher auch der Fluch über sie:„Du sollst auf deinem Bauche kriechen und Staub fressen“. Staub ißt man nach der Anschauung des ganzen alten Orients in der Unterwelt. Durch diesen Fluch wird die Schlange dahin gebannt, wohin sie gehört, in die Hölle, in den Abgrund. Und so hat auch, wie der Fluch, so die Verheißung den tiefen Sinn, den die Kirche von Anfang an in ihr fand: Der Weibessame wird dir den Kopf zertreten. Wie die Israeliten auf den Weibessamen und Menschensohn, so haben auch schon die Babylonier auf den Menschensamen, der die Schlange bezwingt, geharrt, haben die Hellenen und Inder den großen Schlangentöter besungen, und die Apostel hatten vollkommen Recht, diese Weissagung im neuen Adam erfüllt zu Die Bibel schildert nun weiter, wie die Sünde in der Menschheit wächst. In der zweiten Generation steigert sie sich schon bis zum Brudermord aus religiöser Eifersucht, und bald nimmt sie so überhand, daß die ganze Erde voll von Gewalttaten ist. Die Gottessöhne sehen nach den Weibern der Menschen und lassen sich von ihnen in gottloses Wesen hineinziehen. Die Gottessöhne bezeichnen hier nicht, wie man nach Hiob, einzelnen Psalmen, einer Danielstelle sowie nach den Büchern der Jubiläen, des Henoch und dem Brief Judas glauben könnte, Engel. Das schließt schon das Wort des Herrn aus:„Sie werden weder freien, noch sich freien lassen, sondern sein, wie die Engel Gottes.“ vielmehr bedeuten die Söhne Gottes in Uebereinstimmung mit andern Stellen des A. T. und im Zusammenhange der Urgeschichte selber— man denke nur an Henoch und Noah— die Frommen im Gegensatz zu den Gottlosen, die Friedfertigen im Gegensatz zu den Gewalttätigen, die Gerechten im Gegensatz zu den Verderbten. Der letzte in der Reihe der Gottessöhne ist Noah (er auch nach babylonischer Tradition der zu den Göttern Entrückte und nicht etwa ein Gott, der zu einem Menschen wurde). Dieses ganze Gschlecht war nach Lebensdauer und Körpergestalt ein Riesengsechlecht, wie die gesamte Erinnerung darauf hinweist und wie einzelne Funde es bestätigen, daß uns kleinen Menschen und Tieren Riesengeschlechter vorangegangen sind. Ueber diese verderbte Menschheit kommt nun als Strafe Gottes die Flut, und der Volksmund hat ganz Recht, wenn er die Sintflut „Sündflut" nennt. Nur Noah und die seinen werden um seiner Gerechtigkeit und Frömmigkeit willen gerettet. Sie pflanzen nach der Flut den Gottesdienst der Menschheit fort, und mit ih Allerdings— so äußerte sich der Gerichtshof— sollen die Krankenkassen ihren Mitgliedern die ärztliche Behandlung in der Regel nur durch approbierte Aerzte gewähren, indessen sind von diesem Grundsatze gewisse Ausnahmen zuzulassen, zu denen man einfache ZahnOperationen, bei denen keinerlei Komplikationen vorliegen, unbedingt rechnen muß. Die Ausführung solcher Operationen durch geeignete Zahntechniker ist als ganz unbedenklich zu erachten. Auch im vorlie genden Falle wäre die Behandlung durch den ZahnTechniker unbedenklich gewesen; der Kläger kann daher die Inanspruchnahme eines Nichtkassenarztes nicht damit rechtfertigen, die Kasse habe ihre gesetzlichen Verpflichtungen nicht erfüllt. Nach§ 26 a, Abs. 2 Ziffer 26 des Krankenversicherungsgesetzes sind die Kassen berechtigt, die Bezahlung derartiger Kosten abzulehnen, und demgemäß steht dem Kläger ein Anspruch auf Ersatz des verauslagten Betrages nicht zu. **(Die Zeit der Pfingsten) fällt in diesem Jahre fehr spät, wie im vorigen Jahre, wo der auf den 11. Juni traf, also ganz dicht an der überhaupt möglichen äußersten Grenze. auf den Pfingsten treffen kann, ist der 13. Juni. Von den Lesern unseres Blattes werden hoffentlich recht vielle diesen Termin erleben; er trifft im Jahre 1943 ein. Aber den überhaupt möglichen frühesten Termin, nämlich den 10. Mai, wird schwerlich ein Leser erlebt haben, noch erleben, denn zum letzten Mal fiel Pfingsten auf den 10. Mai 1818 und dies wird sich im Laufe unseres Jahrhunderts nicht wiederholen. Dicht heran kommen wir allerdings im Jahre 1913, wo wir das Pfingstfest am 11. Mai begehen werden. Pfingsten folgt in der Veränderlichkeit dem Osterfest, das nach der Entscheidung des Konzils von Nikäa(325) an dem Sonntag gefeiert wird, der zunächst auf den Frühlingsvollmond folgt, und wenn dieser Vollmond auf einen Sonntag fällt, am nächsten Sonntag. Mithin ist Östern nie vor dem 22. März und nach dem 25. April. 49 Tage nach Ostern fällt dann das Pfingstfest. **(Lehrer=Orientfahrten 1906 und 1907.) Den in den letzten 5 Jahren ausgeführten 16 Fahrten nach gypten und Palästina werden im Laufe dieses Sommers noch zwei weitere folgen. Die nächstjährigen vier Frühjahrsreisem nach Aegypten beginnen bereits Mitte Januar, an diese schließen sich dann drei Sommertouren an, auf denen zwischen Luxor und Aassuan ein SpezialDampfer benutzt werden wird. Je nach Umfang und Wahl der Reiseroute ist die Dauer der einzelnen Reisen an denen auch Damen und Nichtlehrer teilnehmen, verschieden. Das a usführliche Programm der Fahrten Nr 17 bis 25 ist bereits erschienen und wird auf langen Interessenten von dem Reiseleiter Herrn Jul. Bolthausen in Solingen kostenfrei zugesandt. r*(Das Märkische Lehrer=Gesangfest) wird am 4. und 5. Juli in Schwelm gefeiert. Es berechtigt auch diesmal zu den besten Hoffnungen. Der Männerchor für die geistlichen Chöre ist durch den Beitritt mehrerer Lehrergesangvereine bedeutend verstärkt worden. Das Hauptkonzert soll in der lutherischen Krche abgehalten werden. Die Leitung liegt in den Händen des Musikdirektors Knabe aus Soest. Rektor Große=Weischede aus Bochum, der sonst die Orgelpartien übernahm, ist durch ein Augenleiden an der Mitwirkung verhindert. Für ihn tritt Lehrer Sandmann aus Elberfeld ein. Die Orchestermusik stellt die Kapelle des 17. Infanterieregiments. Für die Vorfeier hat der Kriegerverein seine Festhalle auf der Wilhelmhöhe zur Verfügung gestellt. Die Schwelmer Bürgerschaft hat einen ansehnlichen Garantiefands gestiftet. Der Ausschuß gibt ein Festbuch heraus. **(Das Wetter im Juni.) Ueber das Wetter im diesjährigen Juni sind unsere Wetterprophezeier recht verschiedener Meinung. Nach idm Allerweltsprophezeier, dem hundertjährigen Kalender soll das Wetter sich wie folgt gestalten: Die ersten Tage im Juni warm, dann merkliche Abkühlung, vom 10. bis 21. schönes Wetter, nur vereinzelt Gewitter und Regen und vom 21. bis zum Schluß unzuverlässige, meist trübe Witterung. Falbs Prognose hingegen bezeichnet den Monat Juni dieses Jahres als heiß und drückend undsignalisiert besonders für die Zeit, wo der Mond sich in Erdnähe befindet, also um den 7. herum, starke Hitzentwicklung. Nach Falb sollten die ersten zwei Drittel des Mai ziemlich stürmisch und regnerisch verlaufen. Derjenige aber, der das Wetter wirklich macht, machte ihm einen Streich durch seine unfreundliche Prognose uund zeitigte so ein herrliches Wetter, wie wir es während langer Zeit nicht gehabt haben. Der Wetterprophet Habenicht signalisiert für den Juni reichliche Niederschläge. Das wäre unseren Landleuten und auch uns Städtern nicht angenehm. Hofen wir also, daß diesmal Herr Falb recht behält mit seiner Juni=Prognose. **(Das Fest der silbernen Hochzeit) feiern am 1. Pfingsttage im Kreise der Ihrigen die Eheleute Daniel Flüsch und Frau Maria geb. Brückner, Hellpothstraße wohnhaft.— Wir sprechen dem Jubelpaare unseren herzlichsten Glückwunsch aus. *r(Schöffengericht.) Zwei beim Betteln ertappte Arbeiter wurden zu je drei Wochen Haft verurtelt. Wegen tätlicher Beleidigung,— er hatte seinem Partner mit„schlagenden Beweisen aufgewartet, wurde der Klempner W. zu 10 Mark Geldstrafe verurteilt.— Der Erdarbeiter Gustav B. zog seinen Einspruch gegen eine polizeiliche Strafverfügung in Höhe von drei Mark zurück.— Der Scherenmeister Sch. war angeklagt, die Verletzung des Scherengehilfen K. verursacht zu haben Da ihm keinerlei Fahrlässigkeit nachgewiesen werden konnte, wurde er freigesprochen. *r(Der evang. Jünglingsverein) der Blaukreuzverein, der gemischte Chor der Stadtmission beabsichtigen am zweiten Pfingsttag einen Ausflug nach Arnsberg zu machen. Die Abfahrt soll vormittags 8,37 vom hiesigen Bahnhof erfolgen, dann können die Ausflugler am Gottesdienst in Arnsberg teilnehmen. tagen im wahren Sinne des Wortes. Ein ähnliches zweistöckiges Haus ohne Treppen befindet sich am Heidberger Bach, nahe bei Solingen. * Mülheim a. Rh., 1 Juni.(Eine Ueberrumpelung zu miternächtlicher Stunde plante in der letzten Nacht Köln Mülheim gegenüber. Köln beabsichtigt nämlich das letzte Stück des Schienenstranges von der elektrischen Kleinbahn Köln=M.=Gladbach zu legen und wollte nunmehr die Schienen der hiesigen Kleinbahn durchschneiden. Jedoch hatte man die Rechnung ohne den Wirt gemacht, das heißt, das hiesige Kleinbahnkonsortium hatte seine Beamten, durch Arbeiter verstärkt, auch zu mitternächtlicher Stunde auf den Platze. Man ließ die Kölner das Straßenpflaster ruhig aufbrechen, als sie aber die Schienen durchschneiden wollten, ertönte Halt und um den Vordringen Einhalt zu tun, ließen die Mülheimer zwei Wagen der„Elektrischen“ an der strittigen Stelle auffahren und so lange halten, bis die Kölner unverrichsteter Sache abzogen. Wiederum ein Stück Fehde zwischen den Verwaltungen der„Elektrischen“ der beiden Nachbarstädte. * Elversberg(Reg.=Bez. Trier), 1. Juni. Aus einer eigentümlichen Todesursache starb hier ein zweijähriger Knabe. Der Hahn des Nachbars hatte ihm vor ängerer Zeit ein kleines Loch in den Scheitel gepickt. Die anfangs ganz unscheinbare Wunde eiterte und wollte längere Zeit nicht heilen. Aerztliche Hilfe wurde in Anspruch genommen. Dieser Tage jedoch heilte die Wundstelle rasch zu, bei dem Kleinen stellten sich aber Krämpfe ein, sodaß das bedauernswerte Kind jetzt gestorben ist. nen schließt Gott einen Bund. Aus der Offenbarung Gottes entspringt die Frömmigkeit, und dem Frommen wird Gottes Offenbarung zuteil, das ist ein allgemeines Gesetz in der Geschichte der Menschheit. Das Paradies war untergegangen in den Wassern des heutigen Persischen Golfes, und wenn es noch wo zu finden war, so war es im Vorstellung vom himmlischen Paradies gegenüber dem irdischen ist in der Bibel wie auch sonst das Spätere. Im Zweistromland hatte die Menschheit ihren ältesten Sitz, und im Ararat landete die Arche. Kein Wunder, daß dahin die ganze Erzählung von der Sintflut weist. Viele Ausdrücke betreffs den Archenbau sind nicht hebräisch, sondern babylonisch, und die Sitte, ein Schiff außen und innen mit Asphalt zu verpichen, ist eine Sitte, welche sich in Babylon von etwa 4000 v. Chr. bis in unsere Zeit nachweisen läßt durch 6 Jahrtausende. Die Erinnerung an die Sintflut haben die Völker aus ihrem Ursitze mitgenommen, und so kehrt sie denn wieder, wie bei den Babyloniern so bei den Juden und Germanen, den Kamtschacken und Fidschiinsulanern, den Amerikanern von Nord=Amerika, den Mexikanern und Peruanern, den Hereros wie den Massais. Sie kehrt wieder oft in den einzelen und überraschendsten Zügen, der Versündigung der Menschheit, dem Gebot ein Schiff zu bauen, dem Aussenden von Vögeln, dem Landen auf einem Berg, selbst der Zahl von 8 Menschen, die gerettet worden. Natürlich ist sie in den verschiedenen Ländern verschieden getrübt. Aber nicht die Trübung, sondern die treue Erhaltung über die ganze Erde hin ist das Erstaunliche. Wenn wir uns nun fragen, was naturwissenschaftlich unter der Sintflut zu verstehen sei, so kommt es auf die Uebersetzung eines einzigen Worts an, nämlich des Wortes, welches„Land“ oder„Erde" bedeutet. Es kann der Sinn der Erzählung sein, daß die Menschheit noch auf Mesopotanien beschränkt war, und daß dieses ganze Land überschwemmt wurde und so die ganze damalige Menschheit unterging. Es kann aber auch gemeint sein, daß die Menschheit schon über die ganze Erde verbreitet geweln und nun die ganze Erde überschwemmt wurde und so die ganze Menschheit vernichtet sei. Nach dem Fortgang des Berichtes ist die erste Auffassung die wahrscheinlichere, und es läßt sich dann die Flut als eine Erdbeben=Sturmflut wohl verstehen. Sie kommt nach dem richtig gelesenen Text vom Meere. Es brachen wie bei einer Erdbebenflut die Brunnen der Tiefe auf, d. h. das Grundwasser brach plötzlich an verschiedenen Stellen quellenartig aus dem Boden, und gleichzeitig werden die Gitter des Himmels aufgetan und ungeheure Regenmassen ergießen sich herab. Der babylonische Bericht, also derjenige, welcher auf seinem heimatlichen Boden geblieben ist, schildert noch, wie die Erde schwankte, und wie ein ungeheures Gewitter tobte. Diese Momente zusammen geben das Bild einer gewaltigen ErdbebenSturmflut, wie sie ähnlich in neuerer Zeit, wenn auch nicht in demselben Umfange, das Ganges= und Industal heimgesucht haben. Die neuesten Vorgänge in Italien und Kalifornien geben uns Analogien für einzelne Züge. Die Wirkung ist die gänzliche Vernichtung alles Lebendigen und aller Menschenwerke. Was dem Theologen vielfach unverständlicher Mythus bleibt, das ist dem Geologen begreifliche Wirklichkeit. Westfalen und Rheinland. * Langendreer, 1. Juni.(Rätselhafte Todes. fälle.) Der Maurer S. ist infolge Trinkens von tem Wasser vorgestern plötzlich gestorben. Nun ist auch der Drahtzieher Agetha, welcher mit S. zusammen argestern ebenfalls plötzlich verstorben, währen noch weitere Personen erkrankt sein sollen. Die Leichen beider Verstorbenen sind heute nach dem hiesigen Wuthelmsstift gebracht, wo durch Obduktion die Todesurache festgestellt werden soll. Man vermutet Typhus, entstanden durch den Genuß verseuchten Trinkwassers. * Essen, 1. Juni.(Einen bösen Reinfall) erlebte in der gestrigen Sitzung der Strasrammer ein hiesiger Kaufmann. Der Angeklagte hatte im Eisenbahn=Koupee einer Näherin einen Kuß geraubt. Weinend verließ das Mädchen in Hügel den Zug und wurde von ihrem jüngeren Bruder in Empfang genommen. Da die Beleidigte wußte, daß der Missetäter am nächsten Tage abermals nach Werden kommen würde, so fand sie sich am Abend dieses Tages wieder auf dem dortigen Bahnhofe ein. Sie hatte richtig gerechnet. Nachdem der diensthabende Stationsbeamte von dem Vorfall durch das Mädchen unterrichtet worden war, stellte er den am Bahnsteig wandelnden jungen Mann und schritt unter Zuziehung eines anwesenden Polizeiwachtmeisters zur Feststellung der Personalien. der Beschuldigte bestritt die TTat; auch vor dem Schöffengericht, vor dem er sich zunächst zu verantworten hatte. Das Schöffengericht sprach ihn frei, weil es einen Irrtum des Mädchens in der Person des Täters immerhin nicht für ausgeschlossen hielt. In der gestrigen Berufsverhandlung aber verwickelte sich der Angeklagte in so zahlreiche Widersprüche und grundlose Behauptungen, daß ihn der Gerichtshof auf Grund der umfangreichen Beweisaufnahme der Tat für überführt hielt. Angesichts des erschwerenden Umstandes, daß der Angriff in einem Eisenbahnzuge erfolgt ist, wurde von einer Geldstrafe Abstand genommen und der Angeklagte zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. * Düsseldorf, 1. Juni.(Die Strafkammer) verurtelte den Regierungs= und Schulrat Dr. GroßeBohle wegen Diebstahls zu 2 Wochen Gefängnis. Dr. Große=Bohle ist Schulvat a. D., wohnt in Düsseldorf, wo er von seiner Pension lebt. Es handelt sich, wie wir hören, um einen Betrag von 400 Mark, den Dr. GroßeBohle, der jetzt anscheinend in dürftigen Verhältnissen lebt, in rechtswidriger Absicht an sich brachte. Solingen, 1. Juni.(Ein dreistöckiges Wohnhau s ohne Treppen) steht zu Kotterheidberg, Nachbargemeinde Höscheid. Es ist so an einen Berg gebaut, daß der Eingang des Edgeschosses sich im Tale, der des ersten Stockwerkes an der Böschung und der des zweiten Stockwerkes sich an der vorbeiführenden Chaussee befindet. Das Haus hat also abgeschlossene Vom sozialen Felde. (::)(Noch viel mehr Volksheilstätten!) Berlin, 31. Mai In der Generalversamlung des Zentralkomitees ür Lungenheilstätten erklärte Graf Posadowsky in einer Ansprache:„Wir müssen vor allem noch viel mehr Volksheilstätten begründen, um sofort jedem, der einer solchen bedarf, die nötige Fürsorge zuteil werden zu lassen. Endlich fehlt es noch an Anstalten für diejenigen Tuberbulosen, die eine Hoffnung auf Besserung nicht mehr zu erwarten haben. Die Männer der Wissenschaft halten es für möglich, die Tuberkulose auszurotten und sie durch planmäßige Bekämpfung verschwinden zu lassen. Ist das möglich, so müssen wir alle Teile des Volkes heranziehen, um diesem Ziele näher zu kommen. Wer dem Volke die Gesundheit erhält, erhält es arbeitsfähig und wehrfähig. Ein Volk aber, das arbeits= und wehrfähig ist, wird damit seine Schwerkraft in der Geschichte der Völker in Gegenwar und Zukunft behaupten.“ Graf Posadowsky schloß mit dem Aufruf zur werktätigen Mitarbeit des Komitees. (::) Essen, 31. Mai. Die„Rhein.=Westf. Ztg.“ meldet: Unter der Firma Vereinsversicherungsbank für Deutschland ist in Düsseldorf ein Unternehmen im Entstehen begriffen, an dessen Spitze Oberbürgermeister Marx steht. Außerdem gehören dem Ausschusse hervorragende Industrielle, Großkaufleute und Staatsbehörden an Gegenstand des Unternehmens sollen die Lebens=, Pensions=, Alters=, Witwen=, Waisen=, Aussteuer=, Militärdienst= und ähnliche Versicherungen sein. Insbesondere sollen solche Versicherungen für die minderbemittelten Klassen und den Mittelstand des deutschen Volkes zur Durchführung gelangen. Das Unternehmen ist ein gemeinnütziges. Das voll eingezahlte Grundkapital der Gesellschaft besteht aus 300 000 Mark, eingeteilt in 3000 Aktien über 1000 Mark auf den Namen ausgestellt. Außer den gesetzlichen Abschreibungen für den Reservefonds bis zu 10 Prozent des Grundkapitals ist eine Dividente bis höchstens 4 Prozent des Grundkapitals vorgesehen Jagd und Sport. (::) Elberfeld, 1. Juni.(Ein seltenes Jagdglück) hatte am Sonntagmorgen ein Elberfelder Nimrod. Er schoß auf dem Anstand in Berghausen bei Waldbröl einen Fuchs, der in seinem Fang fünf Amseln trug, die beinahe flügge waren. Drei der Amseln lebten noch, gingen aber nach kurzer Zeit infolge der Verletzungen ein. Anscheinend hatte der Fuchs die Amseln zusammen im Nest ergriffen und versucht sie zu seinem Bau fortzuschleppen. Kleine Chronit. Kiel, 1. Juni. Die Nachforschung nach den Leichen auf dem Torpedoboot S 126 sind nunmehr endgiltig eingestellt. Es fehlen: Oberleutnant Kayser, Leipzig; Obermaate Schneider, Berlin und Konock, Leipzig, außerdem 14 Heizer und Matrosen Die Fehlenden haben wahrscheinlich noch lebend den Ausgang gefunden, sind dann aber ertrunken Der Wert des gehobenen Bootes beträgt 1200000 Mark, die Bergungsgesellschaft erhält 250000 Mark. Rom, 1. Juni. 20 Seemeilen von Capri entfernt wurde auf dem Meere eine treibende Barbe mit einem halbverhungertn jungen Mann gefunden. Es scheint sich um einen Geisteskranken zu handeln. Wetterbericht der deutschen Seewarte. 2. Juni. Teils heiter, wolkig, warm, strichweise Gewitterregen. 3. Juni. Schön, heiter und warm. 4. Juni. Wärmer, schwül, heiter bei Wolkenzug trichmette Regen. 5. Juni. Wolkig mit Sonnenschein, schwul, warm, Neigung zu Gewittern. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schade, Schwerte. LU W 2047 Aasberg“, fNeiese-Wöche! Wir Biotell Endbertöttches! mit Ihren Einkäufen in weissen Waren jeder Art bis zu unserer „ Weissen Woche“ vom 16.Juni b. 23.Juni Hagen Elberfelderstrasse47. Ferneicheinue W ungr Hagen I. W. 97,99,101. Frankfurterstr. 97, 99, 101. bringt zum bevorstehenden Pfingstfest bei bekannt billigsten Preisen seine grossstädtische gediegene Auswahl in Damen-, Herren- u. KinderKleidung. Wäsche, Strumpfwaren und Unterzeuge aller Art. Oberhemden, Serviteurs, Kragen und Manschetten. Korsetts, Unterröcke, Schürzen, Damengürtel, Hosenträger, Kravatten, Handschuhe, Damenputzartikel. 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Pfingsttag 8, Pastor Heinenberg. „ 9 ½„ P a s t o r W i s c h n a t h. „ 11„ Kindergottesdienst. 2. Pfingsttag 2 Uhr: Gottesdienst in der Schule zu Eichholz. Donnerstag 8 Uhr: Jungfrauenverein. Freitag 8¼„ Vorbereitung zum Kindergottesdienst. Evangelische Stadtmission, Kuhstraße 7. Sonntag 8 Uhr: Blaukreuzgebetstunde. Verpflichtungsgelegenheit. „ 5„ Bibelstunde. „ 8„ Männer= und Jünglingsverein. Montag, den 4. Juni— 2. Pfingfttag— vormittags 8,37 Uhr: Abfahrt nach Arnsberg. Evangelischer Männer= und Jünglingsverein, Schwerte. 1. Pfingsttag 8 Uhr: Freie Unterhaltung mit anschließender Bibelbesprechung. Montag, den 4. Juni— 2. Pfingsttag— vormittags 8,87 Uhr: Abfarth nach Arnsberg. Dienstag abend ½9 Uhr: Posaunenchor. Mittwoch abend ½9 Uhr: Gebetsstunde. Donnerstag„ ½9 Uhr: Männerchor. Freitag„ ½9„ Bibelbesprechstunde. Sonnabend„ 8„ Turnen in der städtischen Turnhalle. Gottesdienstordnung der kath. Pfarrkirche. Pfingstsonntag und Pfingstmontag. 13stündiges Gebet. Vorm. 5 Uhr: Aussetzung des Allerheiligsten 6½ Uhr: Stille hl. Messe. 8 Uhr: Stille hl. Messe. (Gemeinschaftliche hl. Kumminion der Erstkommunikanten Knaben, Montag Mädchen.) 10 Uhr: Hochamt, Montag Levitenhochamt mit Segen. 11 Uhr: Armen=Seelen=Andacht.— Nachmittags 12—2 Uhr: Stille Anbetung. 2½ Uhr: Vesper. 3 Uhr: Andacht für die Frauenvereine. 4 Uhr: Andacht für die Männervereine. 5 Uhr: Schlußandacht mit Segen. Lichtendorf. Vorm. 8 Uhr: Stille heilige Messe. " 10„ Hochamt mit Predigt. Nachm. 2„ Hochamt. Fahrräder und , Nähmaschinen gut und sehr billig! K. Hrek& UO. Warenhaus u. Pfandleihanstalt Nicolafstrasse 5 Dortmund beim Bezirks-Kommende. Die Autssparkasse in Letmathe verzinst Einlagen in jeder Hohe mit —O 4 0— Srasvertauf. Herr Hch. Hohenschwert am Bergerhofe läßt 2036 Donnerstag, den 7. Juni, nachmittags 5 Uhr das Gras(beide Schnitte) in seiner Hofeswiese nummerw. meistbietend an Ort u. Stelle verkaufen. Hohenschwert 2036 Schwerte. 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Juni 1906, nachmittags 5 Uhr zu Dortmund im Aölaischen Hof stattfindenden Generalversammlung desselben ein. Cagesordnung: Einfügung einer Peslimmung in die Satzung über die Ferm, in welcher die Bekanntmachungen des Vereins zu erfolgen haben. Dortmund, den 30. Mai 1906. Die Direktion. Schulte=Witten. 2 Ahgschlossene I. Mäage 7 Zimmer, per 1. Oktober zu vermieten. Preis 470 Mk. Angebote unt. F. G. 2038 an die Geschäftsstelle der Schwerter Zeitung. Versetzungshalber ist zum 1. Juli eine abgeschlossene Etage anderweit zu vermieten. 2059 Hch. Walter, Hagener Straße 38. An den beiden Pfingsttagen: Großes Extra-Konzert der Kurkapelle. Gastspiel des berühmten und grössten Posaunen-Virtuosen Herrn Prof. Alschausky. Beginn des Konzerts 4 Uhr nachmittags; Ende gegen 8½ Uhr. = Eintritt à Person 75 Pfg. #Die Badeverwaltung. Vorzügl. Tafelwasser. Krirnhener apPruret empfiehlt C. Lethaus, Schwerte. Standesamt Westhofen. Nachrichten für die Zeit vom 15. bis 31 Mai 1906. Geburten. Ei Sohn: Bergmann Heinrich Schulte, Geisecke. Bahnarbeiter Louis Brieke, Wandhofen. Bergmann Louis Wegener, Holzen. Landwirt Anton Niggemeier, Wandhofen. Kommis Wilhelm Heinrich Schmidt, Westhofen. Eine Tochter: Bergmann Wilhelm Kötter, Lichtendorf. Fabrikarbeiter Karl Pelzing, Wandhofen. Berginvalide Gustav Michels, Holzen. Bergmann Wilhelm Krane, Holzen. Fabrikarbeiter Lorenz Ludwig Faber, Westhofen. Bergmann Heinrich von gufge bote: Fabrikarbeiter Emil Loose und Bisette Wilhelmine Holsiepe zu Bohwinkel und Westhofen. Apotheker Otto Kraushaar und Julie Wilhelmine Christine Overbeck get. Pottgießer zu Hagen und Villigst. Bergmann Karl Wilhelm Hosang get. Tutt und Elfriede Bdings zu Geisecke und Lichtendorf. Bergmann Heinrich August Meininghaus und Ottilie Kolle geb. Cheschließungen: Kommis Wilhelm Heinrich Schmidt und Frida Sophia Bühner zu Gevelsberg und Westhofen. Tage löher Louis Pütter und Emma Sophie Sievert zu Westhosen. Bergmann Adolf Wilhelm Hotz und Henriette Mühr zu Holzen. Bahnarbeiter Theodor Franz Asmuth und Louise Henriette Beckensträter zu Holzen. Bergmann Fritz Ludwig Degener und Anna Maria Schmidt geb. Micheel zu Syburg und Westhofen. Gerichtsaffessor Doktor juris Julius Alwin Maximilian Bacmeister und Julie Eieonore Mathilde Tony Overweg zu Essen und Reicht mark. Prokurist Wilhelm Albert Dettenbeck und Hedwig Davids zu Duisburg und Westhofen. Sterbefälle. Adolf Brand 11 Mon., Westhofen. Erich Spänhoff 4 Mon. Holzen. Berginvalide Karl Voerth 55 Jahr, Lichtendokf. Ehefrau Emma Braukhoff geb. Möllenhoff 45 Jahr, Lichtendorf. Bekanntmachung. Gemäß dem Gesetz vom 2. 7. 1875 betr. die Anlegung und Veränderung von Straßen und Plätzen u. den Ministerial= Vorschriften für die Aufstellung von Fluchtlinien und Bebauungsplänen vom 28. 5. 1876 ist für die Gemeinde Wandhofen und zwar von der Schwerter Grenze bis zum Kreimberge, da wo das südliche vom Wege liegende Middelmannsche Grundstück westlich endet, sowie von der Ecke des Lehrer=Gartens bis am Einwohnerhause des Schulte gt. Prinz ein Fluchtlinienplan angefertigt und von der Ortspolizeibehörde und dem Gemeinde=Vorstande vorläufig festgesetzt. Dieser Plan liegt vom 30. d. Mts. an 4 Wochen lang zu jedermanns Einsicht in der Wohnung des Unterzeichneten offen. Einwendungen müssen innerhalb dieses Zeitraumes schriftlich oder zu Protokoll bei mir angebracht werden. Wandhofen, den 18. Mai 1906. Der Gemeinde=Vorsteher. 2066 Klempt. ist:heute bei der offenen und Co. zu Schwerte In sunser Hankelsregister Handelsgesellschaft Vogt folgendes eingetragen worden: Die Gesellschaft ist aufgelöst; die bisherige schafterin, Ehefrau Kausmann Wtihelm Vogt Meta geb. Beckhaus zu Schwerte ist alleinige Inhaberin der Firma. Schwerte, den 26. Mai 1906. Königliches Amtsgericht. Zalterbau= und Frusverkauft Freitag, den 8. Juni und zwar: nachm. 5 Uhr für Herrn L. Hagemann 3 Morgen Futterbau in d. Nähe d. Schützenhofes, sodann um 6 Uhr das Gras in der Pastorat und Munkenbeck schen Wiesen unterhalb des Schützenhofes und um 7 Uhr in der Oelkampswiesen am Ostentor. Sonnabend, den 9. Juni, in den Städtischen Wiesen und zwar: nachm 5 Uhr im Walkenteich und um 6 Uhr in den Wiesen auf der Liethe a. d. Ruhr, früher Börstinghaus und v. Fürstenbergschen Wiesen, nummerweise meistbietend an Ort und Stelle. 2049 Hohenschwert, Schwerte. Gras=Sekkauf! Der diesjährige Graswuchs auf der früheren Westhoffschen Wiese(zwischen den Ruhren) und der früheren Cordesschen Wiese soll öffentlich versteigert werden und wird Termin hierzu auf Freitag, den 8. Juni d. Is. anberaumt. Zusammenkunft an Ort und Stelle und zwar für die Westhoffsche Wiese vormittags 9 Uhr, für die Cordes=Wiese nachmittags 4 Uhr. Dortmund, den 1. Juni 1906. Die Verwaltung des städtischen Wasserwerks. Tafelwaller I. Ranges. Gerztlicherleits empfohlen als vorzügliches Mittel gegen Salsübel,(agen-, Blasen- und Dierenleiden. Hauptniederlage: W. Pferdekämper, Schwerte, Restauratonr. Fernsprecher 117. Für den Inseratenteil verantwartlich: F. Pien, Schum### * Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Famisientreund.“ o 0 0 O O O O O O O O O o o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 1S Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Alle Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Ueröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbincliche Kraft. o 0 0 0 O O O O O C O C 0 o Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Aäresse Braus, Schwerte-Kuhr. o Sonnabend, den 2. Juni 1906. Bersabac! Grootbroekkaros Bg. 7008 0 Keetmanshoop Rasttur# Rietforttein GnhonaP. 9 38. Jahrg. muß, bedarf kaum noch der besonderen Betonung. Für die Entwickelung unserer Kolonie wäre die Bahn auch insofern von schwerwiegender Bedeutung, als erfahrungsgemäß in den von der Bahn durchzogenen Gegenden eine Aufstandsbewegung am schnellsten abflaut. Da die Strecke Lüderitzort—Kubub eine Längeausdehnung von 130 Kilometer hat, die ganze Line bis Keetmannshoop aber 300 Kilometer mißt, so würden blos noch 170 Kilometer zu vollenden sein. Die Gesamtkosten der ganzen Bahn würden sich auf etwa 18 Millionen Mark belaufen. Zur Ablehnung der Bahnlinie Kubub=Keetmannshoop. Unser heutiges Kartenbild zeigt unseren Lesern die im Reichstag so viel umstrittene Bahnlinie, welche den im äußersten Süden Uunserer südwestafrikanischen Kolonie kämpfenden Truppen eine Zufuhrader von größerer Bedeutung werden sollte, als dies die Ochsentransporte sein können. Freilich ist die Bahnlinie von Lüderitzort bis Kubub bereits fast fertig und damit ist die schwierigste Strecke durch die Sanddünen bereits überwunden Daß d ie Bahnstrecke Lüderitzort—Kubub an sich ein Embryo ist, dem nach Beendigung des Krieges jede Lebenskraft fehlt, leuchtet wohl ein. Daß also über kurz oder lang die Bahnlinie doch bis Keetmannshoop und von da nach Windhoek verlängert werden Wochenschau. Der Reichstag ist am Montag geschlossen. Er hat in der letzten Session manche wichtige Aufgabe geschaffen. Die Diätenvorlage, die jedem Abgeordneten jährlich 3000 Mark Anwesenheitsgelder verschafft, kommt ja den Reichsvertretern selber zu gute. Es ist nur im Sinne der Gerechtigkeit, daß Regierung und Bundesrat endlich den wiederholt geäußerten Wünschen der Abgeordneten nachgaben und die Vorlage zum Gesetz erhoben. Die vielen Bedenken, die von seiten der Regierung und der Konservativen dagegen geäußert wurden, sind nicht am Platze. Das Gesetz kommt nicht in erster Linie der Sozialdemokratie zugute, die bisher ihre Abgeordneten am besten und leichtesten bezahlte und dieselben ganz von der Parteikasse abhängig machte.— Wichtiger für das Reich ist die Finanzreform, die angefangen wurde. Denn daß wir noch nicht am Ende derselben stehen, dürfte wohl jedem Einsichtigen klar sein. Der Ueberschuß von den neuen Steuern mag das Reich wohl vor neuen Schulden bewahren, aber was soll mit don 3 Milliarden bisher angehäufter Schulden geschehen. Man muß sich überhaupt über die Leichtfertigkeit wundern, mit welcher der Reichstag die Schuldenlast so unerträglich groß werden ließ. Man hätte schon längst vorher auf Erschließung neuer Steuerquellen sinnen sollen. Die Folgezeit wird darüber einst kein gelindes Urteil sprechen. Man handelte nach dem Worte aus Ludwigs 15. Zeit:„Nach uns— die Sintflut.“ Und wenn's jetzt wenigstens den Abgeordneten ordentlich Bedacht wäre. Aber es fehlt durchaus eine kühn=durchgreifende Tat. Flickarbeit ist geleistet worden, weiter nichts. Wann wird man dazu übergehen und die Bodenschätze verstaatlichen und darin dem Reich eine neue und gerechte Erwerbsquelle erschließen. Die Bodenschätze gehören nicht einigen wenigen reichen Leuten, um ihnen hohe Dividenden zu verschaffen, sondern dem ganzen Volke. Die Schönheit von Rembrow. Roman von Bogumil von Czartorski. 48 Am folgenden Morgen beförderte er diesen geheimnisvollen und ohne Zweifel wichtigen Brief selbst zur Station und rauchte auf dem Rückwege seit langer Zeit wieder einmal mit Appetit eine von Ehrenbreits vorzüglichen Zigarren. „Neujahr ist vorüber, Liska,“ sagte Heloise an einem sonnigen Januarnachmittag zu der Gärtnerstochter, die still zufrieden hinter einer blühenden Mauer von Treibhauspflanzen am Fenster ihres Stübchens saß und einigen sich im Schnee badenden Sperlingen zuschaute,„und unser Doktor ist der Ansicht, daß Du Dich nun allgemach wieder an die Luft gewöhnen mußt. Zudem will mich mein Oheim nicht länger in Berlin lassen, und doch wäre es mir so wünschenswert, einen Teil der Reise mit Dir gemeinsam zu machen Wenn Frau von Stablewski, meine Freundin aus Kubitken, jetzt Ulmenau, die Du ja kennst, ihr Wort wahr machen und uns ein Stück Weges entgegenkommen kann, so würde es mir vielleicht sogar erlaubt werden, Dich heimzugeleiten und in den ersten Tagen an Deiner Seite zu bleiben; letzteres wäre mir eine große Beruhigung. Du antwortest nicht, Liebling? Ist Dir denn der Gedanke, heimzukommen, nicht angenehm und beruhigend?" Liska wandte ihre Augen nur zögernd von den Sperlingen ab.„Ich bliebe am liebsten mein Leben lang hier in diesem Zimmer, entgegnete sie ruhig.„Aber das geht natürlich nicht, ich weiß es. Und es ist mir auch recht, nach Rembrow zurückzukehren, da es sein muß. Ich will alles, was Ihr wollt.“ „Das ist nicht das Richtige,“ sagte Heloise ernsthaft.„Du hast Deinen freien Willen, und niemand wird Dich sernerhin zu etwas zwingen wollen.“ „Ich werde mein Wort halten! Ich werde es dem Grafen und meinem Vater halten!“ antwortete Liska so gelassen wie vorher;„mir ist alles klar, was ich tun muß Da der Tod an mir vorübergegangen, nimmt das Schicksal seinen natürlichen Lauf.“ „Wenn es seinen natürlichen Lauf nimmt, so wirst Du damit zufrieden sein können. Aber es wäre mir lieb, wenn Du ein wenig teilnehmender in die Zukunft sähest. Nun will ich Dir und Mantel holen; Du sollst in Deines Oheims und meiner Begleitung eine kleine Spazierfahrt unternehmen.“ „Muß es denn sein, Heloise? Mußich unter die Leute?“ „Es muß sein. Du gewinnst sonst die verlorenen Kräfte niemals zurück. Auch gibt es nichts in Deinem Leben, das Dich veranlassen könnte, die Berührung mit der Außenwelt zu scheuen. Vorwärts also! Die Sonne lacht so freundlich auf uns hernieder, sie soll Dir frische Wangenröslein malen. Liskas Heimkehr ward nun für Anfang Februar festgesetzt. Baron Ruck und Hurbing sollten einige Tage vorher nach Ehrenbreit abreisen. Ersterer hielt es für nötig, vor der Ankunft der Rekonvaleszentin mit Steinert und dem Grafen Rücksprache zu nehmen, und es erschien ihm wünschenswert, den Maler, seinen Gesinnungsgenossen, dabei zur Seite zu haben. Fräulein von Wangenrot, die eine hohe Verehrung für Baron Ruck empfand, hatte sich trotz ihres Alters dazu verstanden, Liska bis zu dem Begegnungsorte zu begleiten, an dem sie von Frau von Stablewski in Empfang genommen werden sollte. Heloises Oheim hatte unter diesen Umständen, und nicht eben ungern, davon Abstand genommen, seine Nichte von Berlin abzuholen, um so mehr, als Baron Ruck ihm schriftlich das Versprechen geleistet, sie demnächst selbstheimzugeleiten. Fabian Ludiig war demnach der einzige Beschützer der drei Frauen. Wie oft hatte er sie sich, während der langen, einsamen Stunden an ihrem Krankenbette, in den hellsten Farben ausgemalt; diese Heimfahrt mit der wiedergefundenen, genesenen Geliebten! Wie hatte er sie trösten, ihr Mut einsprechen und sich zu einem Schutz= und Trutzbündnis mit ihr vereinigen wollen, nach dem Rat des guten Herrn Hurbing! Alles das blieb nun unausgeführt. Liska saß blaß und still in der Ecke ides Wagens und wandte die Blicke ab, wenn sie zufällig den seinen begegneten. Heloise und Fräulein von Wangenrot gaben sich alle Mühe, während der Fahrt heiter und unterhaltend zu sein und ihren Schützling dem Banne augenscheinlich trüber Gedanken zu entreißen, aber Liska ward nicht heiterer, obschon aufgeregter, jemehr sie sich dem Ziel ihrer Reise näherte. Der Abschied von der guten„Tante Agnes“ schien ihr sehr nahe zu gehen, und gegen Frau von Stablewski, die sich rechtzeitig und mit fröhlichem Gesicht am Rendezvousorte einfand, zeigte sie sich zunächst schweigsam und scheu. Baron Ruck allein kam den Reisenden an der letzten Station mit zwei Wagen entgegen. Einer derselben brachte Bianka Stablewskt nach Ulmenau zurück; Heloise wollte erst, nachdem die ersten, schwersten Tage für Liska vorüber, zu ihr übersiedeln. Auch Fabian Ludwig trennte sich schon an der Station von den übrigen.„Mein Anblick könnte Herrn Steinert verstimmen oder gar aufbringen, bemerkte er.„Das müssen wir vermeiden.“ „Sehr verständig und richtig, Ludwig!“ sagte Baron Ruck. „Morgen sprechen wir einander bei guter Zeit wieder.“ „Lebe wohl, Liska. Gott segne Dich und Deine Rückkehr in die Heimat!“ Werner sprach es sehr bewegt als er ihr zum Abschied die Hand reichte. „Ich danke Dir Ludwig. Ich kann es nicht ausdrücken, wie ich möchte, aber ich weiß, was Du für mich getan hast!“ entgegnete Liska mit zuckenden Lippen. Dann wandte er sich ab und ging seines Weges. ** Den Vater sollte Liska erst innerhalb des eigenen Hauses wiedersehen, den Grafen an einem der nächsten Tage; letzteres machte Baron Ruck von ihrem Befinden abhängig und Ehrenbreit hatte versprochen geduldig zu sein. Es konnte leicht der Aufregung zu viel werden für die immerhin noch nicht völlig Genesene. Heloise, die an alles dachte, hatte dafür Sorge getragen, daß es bereits ganz dunkel war, als der Wagen das Dorf passierte. Obwohl hier die Tatsache der Erkrankung und Heimkehr der Gärtnerstochter bekannt geworden war, so wußte doch niemand die Stunde ihrer Ankunft, und so befand sich nur ein kleiner Teil der Leute von Rembrow auf der Straße und in dem glücklichen Fall, dem geschlossenen Wagen nachgaffen zu können. Als das Gefährt die breite Dorfstraße hinabrollte, als Liskas Blick die bekannten kleinen Häuser mit den umhüllten, schwach erleuchteten Fenstern, die alte Kirche, einen Teil des anmutigen Friedhofs traf, begann sie heftig zulzittern und schmiegte sich fester in den Arm der treuen Heloise. „Sei ganz ruhig!“ flüsterte diese beschwichtigend,„Du bist nun wieder daheim und von treuen Freunden umgeben. Es wird alles gut werden.“ 138.20 2 7 4 In letzter Zeit ist wiederholt in der heimischen wie ausländtschen, besonders englischen Presse von einer nahe bevorstehenden englisch=russischen Verständigung die Rede gewesen. Trotz aller offiziösen Ableugnungen scheint dieselbe nahe zu sein. Es handelt sich um Abmachungen in Kleinasien zwischen den beiden Ländern, von denen auch Deutschland betroffen wird. Auf englischer Seite scheint die Absicht zu bestehen, Persien zwischen Rußland und England als Handelsgebiet aufzuteilen. Aber auch Deutschland hat in Persien wichtige Handelsinteressen, die wir nicht ohne weiteres beiseite schieben lassen können. Wir haben also eine ähnliche Lage wie vor einigen Monaten in Marokko. Kaum ist diese Wolke am politischen Himmel verschwunden und neue ballen sich an einer anderen Stelle zusammen. Es wäre töricht von uns, wenn wir der Tatsache nicht fest ins Angesicht schauen wollten, daß Deutschland wenig Freunde, aber sehr viel Neider und Feinde hat. Wir können uns im tiefsten Grunde nur auf unsere gerechte Sache und unser gutes Schwert verlassen. Zum Glück hat Rußland vorläufig mit sich selbst zu tun. Kenner der russischen Verhältnisse wollen behaupten, daß das Land nicht am Ende, sondern am Anfang einer Revolution stehe. Zwischen Regierung und Duma ist der öffentliche Konflikt ausgebrochen, Die Duma forderte in einer der letzten Sitzungen die Entlassung des Ministeriums. Der arme Zar erlebt gleich am Anfang wenig Freude von den Vertretern seines Volkes. Es ist nicht ausgeschlossen, daß in dieser Konfliktszeit neue Unruhen ausbrechen und neue Greueltaten verübt werden. Armes Rußland. An der Spitze ein schwacher Regent, am Ruder eine Duma, die gleich zu Anfang unerfüllbare Forderungen stellt. Ueber dem Unglücksland will auch die Pfingstsonne noch nicht scheinen. n. Theologie und Kirche. Neuerdings wird eine ziemlich lebhafte Agitation der Sozialdemokraten für Austritt aus der evangelischen Landeskirche beobachtet. In Aplerbeck sollen nicht weniger als 80 Personen die erste Erklärung eingereicht haben, in Brackel 24, in Eving ebenfalls eine größere Zahl, in Eichlinghofen 30(hier ist der Austritt schon endgiltig erfolgt.) In anderen Orten werden Erklärungen von Agitatoren gesammelt. Man kann nach dieser oder jener Richtung hin diese Tatsache bedauern, viele Amtsbrüder halten den Vorzug des Austritts für eine heilsame, nötige Scheidung in der Landeskirche. Die verfahrenen Verhältnisse, zu welchen das Hervortreten der radikalen religiösen Bewegung sicher manches beiträgt, läßt die Austrittsbewegung verständlich erscheinen. Augestblicklich liegt die Sache in der Mark so, daß die Verhältnisse vor etwa 120 Jahren zur Zeit des Rationalismus aufs neue sich beleben, wo jeder Pfarrer nach seinem Gutdünken es machte wie er wollte und die Kirche tatsächlich sich auflöste in ein Konglomerat zusammenhangloser Gemeinden mit Pfarrern an der Spitze, die ihrer Willkür freien, Lauf ließen. Diese Verhältnisse müssen auch jetzt die evangelische Kirche um den Rest ihres Ansehens bringen und ein Verlassen derselben begünstigen. Westfälisches Pfarrerblatt. Hüsingstrasse 8 Hüsingstrasse 8 ge. e Westfalen und Rheinland * Bad Königsvorn bei Unna, 1. Juni. Wennschon an sich großes Vergnügen gewährt, den herrlich gepflegten Königsborner Kurgarten zu besuchen, der in diesem Jahre durch mannigfache Veränderungen schöner denn je geworden ist, so bietet sich den Besuchern der an den beiden Pfingsttagen stattfindenden ExtraKonzerte auch noch ein musitalischer Genuß. In beiden Konzerten tritt der berühmte sund größte Posaunen=Virtuose Prof. Alschausky als Gast auf. Die„Neue Züricher Zeitung“ schreibt erst kürzlich über den Künstler:„Im Konzert des Tonhallen=Orchesters vom Mittwoch abend eröffnete der Posaunen=Virtuose Prof. Seraf. Alschausky ein auf wenige Tage berechnetes Gastspiel Herr Alschausky, Mitglied des HofopernOrchesters und Lehrer am Konservatorium, genießt in der musikalischen Welt den Ruf, einer der begabtesten Vertreter seines Instruments zu sein; sein hiesiges Auftreten dürfte dies bestätigt haben. Ein sonorer umfangreicher, in die Höhe wie in die Tiefe gleichmäßig vollklingender Gesangton verbindet sich mit einem duchaus sicheren Ansatz, einer verblüffenden Technik und einer äußerst vornehmen Vortragsweise. * Borken, 31. Mai.(Ver aftet)wurde gestern morgen auf dem hiesigen Bahnhof ein Dienstmädchen aus Wesel unter dem Verdacht, die Mutter des Kindes zu sein, welches in der vorigen Woche dem Tode nahe, in einem Chausseegraben gefunden wurde. Sie leugnete zuerst, legte aber schließlich, nachdem sie sich in Widersprüche verwickelt hatte, ein umfassendes Geständnis ab. * Meggen, 31. Mai.(Erstickt.) Am Samstag hat die Schwefelkiesgrube„Sicilia“ wieder ein Opfer gefordert. Ein im rüstigen Mannesalter stehender Bergmann wurde durch herabstüerzendes Gestein verschüttet und konnte erst, nachdem die schweren Kiesstücke gesprengt waren, aus seiner Lage befreit werden. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau sowie fünf Kinder im Alter von 8 Tagen bis 7 Jahren. Seit Jahresfrist ist dies das sechste Unglück mit direktem Todesfall. für die drei ersten Quartale des Steuerjahres in Höhe von 20,87 Mark, da diese Stuerbeträge schon länger als drei Monate fällig waren. Das Gericht sprach dem Kläger den ve rlangten Betrag zu, weil nur der Abzug der Steuern für das letzte Vierteljahr berechtigt gewesen sei. Wenn B. durch eine unrichtige Auskunft des Besamten zu dem unberechtigten Abzug veranlaßt worden sei, möge er versuchen, die Stadt dafür verantwortlich zu machen. Vermischtes. Rechtspflege. § Solingen, 31. Mai. Der beim Bauunternehmer, Bitter hierselbst beschäftigte Verputzer Michel hatte für das ganze Steuerjahr 1905 noch keine Steuern entrichtet, war auuch nach seiner Angabe von der Lohnbeschlagnahmung verschont geblieben, bis vor einigen Wochen sein Arbeitgeber von der Steuerkasse ein Lohn zahlungsverbot erhielt für die gesamte Steuersumme des Steuerjahres in Höhe von 27,83 Mark und für 4,40 Mark Beitreibungskosten. M. protestierte vergeblich dagegen, daß ihm der ganze Betrag vom Lohne abgehalten wurde, und klagte am Gewerbegericht gegen B. auf Zahlung des ihm zuviel abgenommenen Betrages Tapololl in grösster Auswahl. 8 Streichfertige Oelfarben u. Lacke garantiert gut und schnell trocknend 8 kaufen Sie am billigsten im Schwerter Haushaltungs. Bazar.= — Empfehle mein Grosses Lager in allen Sorten HerrenDamen- u. Kinderstiefel. ne Anfertigung nach Mass. Heinr. Wallrabe, Schuhmachermeister und Fachmann, Schwerte, Brückstrasse 3. 1349 Das Beste für die Wäsche ist „ marke SCnwan. Zu haben in allen besseren Geschäften. BACH K. K. Hoflieferant. Alleinvertrieb des Planoia FLUGEL Barmen Neuerweg 40. PIANOS Die lbach-Flügel und lbach-Pianinos mit 111jähriger Erfahrung und neuesten Hilfsmitteln gebaut, vereinen mit grossem, edlem, sympathischem Klang und angenehm leichter, ausgeglichener Spielart ein künstlerisch schönes, auch im Einfachsten nech geschmackvolles Arusseres. 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Er ersuche den deutschen Börsenverein, im Namen des deutschen Buchhandels Zeugnis abzulegen und den Börsenvorstand, die vorliegenden Exemplare der Schmutzschrift zu vernichten. Bei energischem Vorgehen werde die niederträchtige Schamlosigkeit verstummen, sie Ehre des deutschen Buchhandels gewahrt und viel Unheil abgewendet. Der angeschuldigte Verleger war selbst zugegen. Einen Augenblick schwiegen die Anwesenden, dann stimmten sie zu, und Tags darauf vernichtete der Vorstand feierlichst die vorhandenen Exemplare. Perthes wurde von dem Verleger auf Schadenersatz und wegen Beleidigungen angeklagt, in beiden Prozessen aber freigesprochen. Affäre Schoene=Brockhusen. Das war die Rosa Luxemburg, Die ging mit falschem Passe durch Eydtkuhnen und Wirballen. Die Freundin zog zur Polizei: „Gesicht gewöhnlich, Stirne frei.“ So'n Paß, der paßt ja allen. Der Polizesagent, der wollt' Nach Rußland auch und kauft mit Gold Sich ebenfalls solch Päßchen. Da aber macht der Bebel Krach, Und steigt dem Deutschen Reich aufs Dach Ob solcher Reisepäßchen. Er schrie im Reichstag Zetermord, Die Staatsmoral, die ist jetzt fort, Und lauter solche Sachen. Na, Bebel, denk an Rosa mal. Mir scheint, mit doppelter Moral Ist auch kein Staat zu machen. Gottlieb im„Tag.“ Reparaturen an Uhren u. Goldwaren werden gut und billig unter Garantie ausgeführt. Andreas Schaefer Uhrmacher Schwerte, Hüsingstr. 10 im Hause des Herrn 1345 Wilh Kett. Färbere: Chem. Reisigung. Spezialltät: Gardigenwäscherei. Um Irrtümer zu vermeiden, erklären wir, daß unsere Vertretung für Schwerte u. Umgegend nur beim Schneidermstr. Herrn Ortmann ist, der die gleichen Fabrik=Presse unserer anderen Annahmestellen und Wagen führt und bitten wir also, die Sachen gütigst dort abgeben zu wollen, Kleidungsftücke zum Schwarzfärben für Trauerfälle in kürzester Frist. 1613 u. W. Lindackers, Wetter(Ruhr). 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