Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Familientreund.“ o o 0 O O O O O O O O o o o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Kaum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 1S Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Alle Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Verötfentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbinckliche Kraft. o 0 O O O O O O O O O O 0 o Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse Braus, Schwerte-Kuhr. o Nr. 126. Donnerstag, den 31. Mai 1906. 38. Jahrg. Die heutige Ausgabe umfaßt 8 Seiten. Politische Uebersicht. Die„wahren" Arbeiterfreunde. Ein dreister Schwindel wurde anläßlich der Mai feier von sozialdemokratischer Seite in den SiemensSchuckert=Werken in Nürnberg verübt. Die Direktion hatte durch Anschlag bekanntgegeben, daß jeder am 1. Mai fehlende entlassen sei. Neueinstellungen würden ab 3. Mai nach Bedarf erfolgen, und seien diese Neueingestellten aller bisher erworbenen Rechte verlustig. Um die dadurch tief herunter gedrückte Maistimmung wieder zu heben, wurden erneute Versammmlungen einberufen und eine Kommission gewählt, die mit der Werksleitung wegen Zurücknahme oder Milderung des Anschlags verhandeln sollte. Dieser Abordnung gegenüber blieb die Direktion jedoch strikte auf ihrem Standpunkt bestehen. Und was geschah nun? Statt den Arbeitern die Wahrheit zu sagen, wurde im ganzen Werk das Gerücht verbreitet, die Direktion habe den Anschlag zurückgezogen und den 1. Mai freigegeben. Ueber 2000 Arbeiter, etwa 45 Prozent der gesamten 5000 Köpfe zählenden Arbeiterschaft blieben auf dieses Schwindelmanöver hin von der Arbeit fern und erhielten noch am selbigen Tag die Mitteilung von ihrer Entlassung. Wie der„Deutsche Metallarbeiter", das Organ des christlichen Metallarbeiterverbandes, mitteilt, hat selbst im sozialdemokratischen Lager große Empörung über diesen Streich Platz gegriffen. Zahlreiche Uebertritte vom„freien" zum christlichen Metallarbeiterverband waren, wie das „Zentralblatt der christlichen Gewerkschaften“ mitteilt, infolgedessen zu verzeichnen. Kaiser Franz Joseph will abdanken. Wien, 30. Mai. Alle Wiener Frühblätter besprechen ernstlich die Gerüchte von einer Abdankung des Kaisers. Das„Deutsche Volksblatt“ sagt: Oesterreich stehe am Wendepunkt seiner Großmacht=Stellung. Die liberalen Blätter verurteilen schärfstens die Nachgiebigkeit gegen Ungarn. Alle Blätter fordern den Thronfolger auf, Oesterreichs Macht gegen die ungarische nicht in die Wagschale zu werfen. Kaiser Franz Joseph soll seit einigen Tagen wöllig gebrochen sein. Anzeichen eimer tiefen sseelischen Depression sind dem„Neuen Wiener Tageblatt" zufolge wahrzunehmen. Ein parlamentarisches Weißblatt ist in London erschienen, das den Stand der Kriegsflotten der Weltmächte darstellt. Was es wert ist, kann man daraus entnehmen, daß Deutschland an fertigen Schiffen 31 Linienschiffe, 47 Kreuzer angedichtet werden. Als im Bau begriffen bezeichnet man dann noch 6 Linienschifse, 2Panzerkreuzer, KKreuzer. Tatsächlich hat Deutschland, den am 28. Mai ablaufenden Panzer mitgerechwet,ur 2 Linienschiffe im Bau, die 18000 TonnenSchiffe sind noch nicht begonnen. Zwei,„Pommern und„Hannover“, werden ausgerüstet,„Deutschland“ und„Lothringen“ schwimmen seit anderthalb und zwei Jahren schon. Fertig gibt es 4 Klasse„Preußen“, 5 Klasse„Wittelsbach“, 5„Kaiser"=Klasse und, schon veraltet, 4 Klasse„Brandenburg". Gibt statt 37 fertig und im Bau 24, ein Unterschied von 18 Schiffen! — Von den 47 Kreuzern sind 6 Panzerkreuzer. Es ist also das Weißblatt ein sensationelles Werkchen, bestimmt, den Herren Parlamentariern hübsch Sand in die Augen zu streuen, und es wirkt umso besser, weil England, das mit 67 Linienschiffen, 124 Kreuzern darin vertreten ist, in den letzten beiden Jahren alles alte Material an Panzerschiffen rücksichtslos ausgemerzt hat, darunter Linienschiffe unter 20 Jahren Alter, Kreuzey noch sfüngere. Nach diesem Werkchen steht das deutsche Reich als zweite Seemacht da, ist aber in Wirblichkit vierte, nach England, Frankreich, Vereinigte Staaten, und muß Acht geben, von Japan nicht überholt zu werden, was übrigens, wenn große, moderne Schiffe in Rechnung kommen, von denen heute die Entscheidung in der Schlacht abhängt, schon geschehen ist. Der Fleischtrust in Nöten. = Neuyork, 30. Mai. Der Fleischtrust ist über den Einfluß der letzten entsetzlichen Enthüllungen, betreffend die unsauberen, lebensgefährlichen Manipulationen des Büchsenfleisches, allarmiert. Englische und deutsche Firmen, welche sonst ungeheure Quantitäten Büchsenfleisch aus Amerika importierten, haben ein Drittel ihrer Aufträge gestrichen. Eine japanische Firma, welche den größten bisher bekannten Auftrag für amerikanisches Büchsenfleisch gegeben hatte, hat diesen Auftrag ebenfalls zurückgezogen. sich Die Kriegsbeute vor dem Mikado. = Tokio, 30. Mai. Der Mikado hielt vor einigen Tagen eine Trupenschau ab und ließ nach derselben die Soldaten vor der von den ussen eroberten Kriegsbeute, bestehend aus 11 150 Säbeln, 35 Lanzen, 70000 Gewehren, 132 Feldgeschützen, 132 Schnellfeuergeschützen, 176 Belagerungsgeschützen, 1538 Wagen, Munition, 624 Truppentransport=Wagen, 11 612 Kisten Patronen und einem Fesselballon, defilieren. Aus Stadt und Umgebung. (Weitere Lokalnachrichten im anderen Blatt.) Schwerte, den 31. Mai. ***(Das Wekter zu Pfingsten.) Natürlich kannes bei dem kühnen Unterfangen, über das vetter zu reden, nur um das voraussichtliche jandeln. Es kann auch anders kommen. Aber wie ins die sehr häufig Recht behaltende Deutsche varte in Hamburg berichtet, lautet die Parole für den rsten Pfingsttag:„Schön, heiter und warm,, Kurz und fündig, aber inhaltsreich; mehr verlangen wir gar richt. Hoffen wir, daß die Voraussage recht behält! *r(Elektrizitätswerk Mark.) Gestern tagte in Hasen der Aussichtsrat des kommunalen Elektrizitätsverks Mark, um mit der Stadt Dortmund wegen Errichtung einer gemeinschaftlichen Zentrale zu beraen. Die Verhandlungen sollen am 9. Juni zu Ende seführt werden. Von 70 Bewerbern um den Posten ines Direktors waren 8 zur engeren Wahl gezogen. Es sind dieses die Herren Becker, Direktor des Wiesbadener Werkes und de Pret, Berlin. Der erstere hat ie meiste Aussicht, gewählt zu werden. Bemerkensvert ist, daß sich auch Witten an der Sache beteiligen vill. **(Firmung.) Im Juli d. J. wird Herr Weihdischof Gockel von Paderborn in der kath. Gemeinde die Firmung spenden. Gleichzeitig wird der Herr Bichof die Konsekration der neuem kath. Kirche vornehnen. Von seiten der kath. Gemeinde wird ein feiericher Empfang vorbereitet. *r(Wirtschaftsübernahme.) Das bekannte Hotel Östermann, welches jetzt von Herrn Eckmann geführt vird, übernimmt im September der zeitige Besitzer des botels der frühere Wirt Herr L. Hagemann. Herr Hazemann will im nächsten Frühjahre das Haus abreißen nd einen modernen Hotelbau errichten lassen. **(Der Restaurateur Herr Fritz Eckmann) hierelbst im Gasthof Ostermann kaufte die an der Walltraße in unmittelbarer Nähe des städtischen Schlachtsauses zu Iserlohn belegene Restauration des Herrn Albert Walz. Der Kaufpreis beträgt 57000 Mark. die Uebernahme erfolgt am 1, Oktober ds. Is. **(Glück im Unglück) hatte der Zimmerleister Fr. danebaum. Mit der Aufrichtung eines großen Heuodens auf der Schützenstraße beschästigt, brachen plötzich die Balben und das ganze fertige Dach stürzte zur Erde. Hanebaum, welcher unter dem Dache stand, bemerkte den Vorgang und konnte sich durch einen kühnen Sprung vom fast sicheren Tode retten. Langschede, 30. Mai.(Unglücksfall.) Am Samstag stürzte der Wirt Fröhlich von hier beim Aufbauen seines Zeltes in Bruchhausen bei Neheim=Hüsten von demselben herab. Fröhlich war durch einen Fehltritt zu Fall gekommen; er hat einen Beinbruch und innere Verletzungn davongetragen. Er wurde in das Neheimer Krankenhaus gebracht. Vom sozialen *r(Trinkerheilung.) Eine soziale Einrichtung von nicht zu unterschätzender Bedeutung hat die Landesversicherungsanstalt in Münster geschaffen; sie betrifft die Durchführung von Kuren mit Trunksüchtigen in Trinkerheilanstalten und die Aufnahme von alkoholkranken Renten=Empfängern in Invalidenhauspflege. Voraussetzung zur Bewilligung eines Heilverfahrens ist, daß die betr. Personen noch soviel moralische und körperliche Widerstandsfähigkest besitzen müssen, daß von einem längeren Aufenthalte in einer Trinkerheil= anstalt die Wiederherstellung des Kranken mit einiger Sicherheit zu erwarten ist. Hiernach ungeeignete Fälle bleiben von der Behandlung ausgeschlossen, zumal die Durchführung eines derartigen Heilverfahrens der Versicherungs-Anstalt beträchtliche Kosten erfordert. Die Kuren dauern in der Regel 6 Monate; bei Kranken mit Familie wird auch diese unterstützt. Die Aufnahme von alkoholkranken Renten:Empfängern in Invalidenhauspflege wird in vielen Fällen der einzige Ausweg sein, den Kranken wor völligem Untergange zu bewahren. Die Ortsbehörden erteilen in jedem bezeichneten Falle mähere Auskunft. Vermischtes. *(Mecklenburgisches.) Aus Schwerin wird uns geschrieben: Die Regierung hatte 175 ritterschaftliche Schulpatrone aufgefordert, Schulaborte einzurichten und deren Renigung zu regeln. Der Erblandmarschall v. Lützow=Eickhoff hat darauf als Klosterhauptmann von Dobbertin angeordnet, daß die Schulaborte in den Gütern Altenhagen und Kl.=Upahl vernagelt und somit ihrer Bestimmung entzogen werden. Die Herren „Ritter“ richten also beine Aborte ein und lassen die vorhandenen noch unbrauchbar machen. Heitere Zustände! *(Ein aufregendes Examen.) An der Klaufenburger Universität ereignete sich am Samstag ein Vorfall, der ungeheuere Sensation hervorrief. Ein gewisser Hauri stand zum viertenmale or der Prüfungskommission, nachdem er bereits dreimal durchgefallen und war im Wege der königlichen Gnade noch einmal zum Rigorosum zugelassen worden war. Hauri ist Beamter der Statsbahnen, verheiratet und Vater mehrerer Kinder. Der Professor der Nationalökonomie Doktor Okos Navratil begann die Prüfung und machte im Laufe derselben die Bemerkung, daß der Kandidat offenbar abermals unvorbereitet erschienen sei und daß er wahrscheinlich gezwungen sein werde, ihn auch jetzt durchfallen zu lassen. Hauri geriet durch diese Bemerbung derart in Aufregung, daß er einen Revolver hervorzog und diesen gegen den Professor richtete, der entsetzt aus dem Sal flüchtete. Hauri kehrte nun den Revolver gegen sich und jagte sich eine Kugel in den Kopf, noch ehe es dies die wenigen im Saale anwesenden Hörer verhindern konnten. Die auf die Detonation aus dem Saal stürzenden Studenten fanden Hauri blutüberströmt bewußtlos am Boden liegen. Die rasch herbeigeeilte freiw. Rettungsgesellschaft führte ihn in das Spital, wo seine Verwundung als lebensgefährlich befunden wurde. Nun kehrte sich die Wut der Studenten gegen den ProfessorNavratil, von dem es heißt, daß er 90 Prozent der Examinanden durchfallen ließ. Die Studenten hatten nicht übel Lust, ihn zu lynchen. Sie stürmten gegen die verschlossene Tür des Dekanats, wohin sich Professor Navratil geflüchtet hatte. Vergebns sucht der Rektor die Studenetn durch die e hrenwörtlich bekräftigte Erklärung zu beruhigen, daß er eine strenge Untersuchung anordnen werde. Nur mit schwerer Mühe gelang es dem Professor Na pratil, sich zu einem Freunde zu flüchten. Aber auch dorthin folgten ihm die Studenten, die erst durch Interwvention eines starken Polizeiaufgebots zerstreut werden konnten. Die Studenten chaben beschlossen, telegraphisch an den Unterrichtsminister die Aufforderung zu richten,schleunigst e ine Untersuchung einzuletten. Der Zustand Hauris ist hoffnungslos. Man befürchtet für den Fall sseines Todes weitere Ausschreitungen. f(Streik der Londoner Telophonistinnen.) London steht wieder einmal in Gefahr, ohne Telephon sich müssen. Die jungen Damen, die viesen Dienst besorgen, haben vor geraumer Zeit bereits eine gebildet und sind nunmehr zu dem Entschlusse gelangt, die Forderungen, welche sie bereits seit einiger Zeit stellen und die bisher keinen Erfolg gehabt haben, durch einen Ausstand zu erzwingen. Die Sympathien des Publikums ssind ausgesprochen auf seiten der HHallo=Mädl“, wie die Telephonistinnen dort nach dem üblichen Anrufe beim Gebrauche des Fernsprechers genannt werden. Sie verlangen den achtstündigen Arbeitstag, eine Forderung, die, wenn man die auf die Nerven gehende Arbeit berücksichtigt, vollständig berechtigt erscheint. Das gleiche gilt auch von der zweiten Forderung, für den Dienst am Sonntag ebenso bezahlt zu werden, wie an Werktagen. Da der Verkehr an Sonntagen geringer ist, zahlt die National Telephone Company für die Sonntagsarbeit nur etwas über die Hälfte. Der Streit um die zwei Fragen zieht sich jetzt schon sechs Monate hin und bei der durchaus ablehnenden Haltung der Gesellschaft ist jetzt den jungen Damen die Geduld ausgegangen. In einem Meting beschlossen sie, ein Ultimatum zu sellen umd, wenn ihren Forderungen nicht binnen acht L#ten ntsprochen wird zu streiben. Das männliche Dienstperhat sich bereit erklärt, zur Unterstützung ihrer berechtigten Forderungen gleichfalls die Arbeit einzustellen, und dadurch würde London auch mit dem telehonischen Verkehr nach außen hin vollständig abgeschnitten sein. *(Menschliche Straußenmagen.) In dem Museum des„Royal College of Surgeons“ in London sind merk würdige Dinge aufgestellt, die zu von Menschen verschluckt worden sind. Da sieht man ein Messer, das ein Gaukler vor vielen Jahren Versehentlich verschluckt hat. Der Mann lebte noch 2 Monate danach, und als man nach seinem Tode des Nesser aus seinem Körper entfernte, fand sich, daß die Magensäure den bleiernen Griff und einen großen Teil der Klinge zerstört hatte. Daneben sieht man einen Eierbecher, der sich in einem menschlichen Körper befund, aber man weiß nicht, wie er hineingekommen ist. Staunend steht man auch vor einem Gefäß mit 29 rundenden Steinen(Murmeln). Diese seltsame„Mahlzeit“, die übrigens keinen Schaden angerichtet hat, hatte ein Knabe infolge eine Wette zu sich genommen. Ein Mädchen hatte im Laufe der Jahreaus bloßer Geohnheit Nägel, Knöpfe und andere Sachen heruntergeschluckt, die nun hier vereint im Museum aufbewahrt werden Weiter sieht man neun Unzen=Stecknadeln, die eine Frau“gewohnheitsmäßig", zu sich genommen hatte. *(Die Hinterlassenschaft eines Geizhalses.) Dieser Tage starb in Taganrog ein früherer Beamter. Er war Witwer und Vater zweier Töchter. Schlechter als er, konnte kein Bettler leben. Schmutzig und verwahrlost war die kleine Kammer, die er bewohnte. Seine Kleidung bestand aus einem einzigen zerrissenen Anuge. Er nährte sich von Abfällen. Nach seinem Tode fand man bei ihm 45000 Rubel an barem Gelde, eine Nenge von Schuldscheinen und Dokumente über den Besiß von 30 Deßjatinen Landes. Die ganze Hinterlas##schaft wird auf 250000 Rubel geschätzt. Die Zinsen des Kapitals hat der Verstorbene seinen Töchtern Nutznießung überlassen; nach deren Tode verfällt die ganze Summe der Kirche. Auch außerhalb Rußlands gibt es solche Toren. Doch bei uns bilden sie immerin noch eine Ausnahme. In Rußland sind„Originale“ dieser Art keine Selltenheit. früh= und spätitalienische Kunst behandeln. Zu jeder Serie gehört ein Handbuch, das zusammen mit den Bildern in alle Teile des Landes an Schulen, Klubs und einzelne versandt wird, die eine Auslandsreise planen. Das unternehmende Bureau hat jetzt sogar eine„europäische Sommerschule“ mit guten Lehrkräften begründet, so daß die Teilnehmer an den Reisen Vergnügen und Arbeit verbinden können. Der Prospekt führt als Unterrichtsgegenstände an europäische Geschichte, Nationalökonomie, Handelsgeographie, römische Geschichte, Pädagogik, Archäologie, Architektur, Malerei, Skulptur, griechisches Leben uund Literatur usw. Die Schüller dieser Reifeschule haben um 8 Uhr morgens einen Vortrag, dann folgt praktische Arbeit in Museen und an geschichtlich interessanten Orten unter Leitung von Instruktoren, und eine zweite Vorlesung schließt den Tag. Amerikanisches Reisefieber. In jedem Jahre schwillt der Strom von reisenden Amerikanern, der das alte Europa im Frühjahr und Sommer überflutet, höher an. Schon jetzt sind auf den großen Passagierdampfern alle Kajüten zur Ueberfahrt bis zur Mitte des Sommers bestellt, u. viele werden Mühe haben, überhaupt einen Platz zu finden. Dabei sind die reichen Amerikaner unter den Reisenden merkwürdig in der Minderheit, und das Uebergewicht haben die Damen. Viele davon sind Frauen, und Töchter von Männern, die zu Hause bleiben müssen; viele gehören auch der großen Klasse ernster und wissensdurftiger Frauen in Amerika an, die ebenso nach Europa gehen müssen, wie sie die besten Zeitschriften und am meisten besprochenen Bücher lesen. Der große Zug der Reisenden geht nach Großbritanien und verveilt sich von dort auf den Kontinent. Die Vorbereitungen für einen Sommer im Ausland werden frühzeitig getkoffen; ist doch für viele Frauen diese Reise das Ereignis ihres Lebens, an dem sie viele Jahre zehren. Den ganzen Winter und Frühling vor der Abreise beschäftigen sich gewissenhafte Frauen, die nur über geringe Mittel verfügen, mit den Orten und Dingen, die sie sehen werdn, so daß in den öffentlichen Bibliotheken und Lesehallen Reisebeschreibungen immer vergriffen sind. Vorträge und Stunden bereiten weiter für die Reise vor. Eine gutgehende Agentur für Europareisen, die Filialen in Boston, Chikago, Pa ris und London hat, zählt zu ihren Leitern nur Professoren, Doktoren und Philosophie oder Leute, die wenigstens e inen akademischen Grad erworben haben Den ganzen Winter werden gut besuchte Vorträge über Kunst, Geschichte und Literatur gehalten. Dazu werden vorzügliche Bilder in Serien von je 500 verbreite, die griechische und römische Bildhauerkunft und Lehle Trahrmetbungen. Die Schlacht bei Jena 1806. Berlin, 30. Mai. Der Kaiser spendete zur Errichtung der Erinnerungsdenkmäler für die Gefallenen von 1806 in Hassenhausen und Vierzehnheiligen einen Betrag von 10000 Mark. Er geht nicht! Berlin, 30. Mai. Nach Meldungen verschiedener Blätter wird in der Leitung der Kolonialabteilung voraussichtlich kein Wechsel eintreten. Erbprinz Hohenlohe dürfte in der Nichtbewilligung des Staatssekretärpostens keinen Anlaß erblicken, aus dem Amte zu scheiden. Ein endgiltiger Entschluß liege allerdings noch nicht vor. Teure Heimat, sei gegrüßt! Bremerhaven, 31. Mai. Mit dem Lloyddampfer „Neckar" trafen gestern abend 3000 Mann der ostasiatischen Besatzungsbrigade hier ein. Die Truppen wurden vom Generalleutnant v. Versen begrüßt. Sie werden morgen früh gelandet werden. Nachspiel zur Hennig=Jagd. Berlin, 30. Mai. Die Strafkammer verhandelte gegen die Kriminalschutzleute Petschak und Welk, die beschuldigt sind, durch Fahrlässigkeit am 6. Februar die Entweichüng eines ihnen anvertrauten Gefangenen, nämlich des Raubmörders Hennig erleichtert zu haben. Petschak wurde zu 300 Mark Welk zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt. Hennig wurde als Zeuge vernommen und vereidigt. Verurteilter Hetzapostel. Breslau, 30. Mai. Die Strafkammer hat den Redakteur Klüß wegen des Abdruckes eines Gedichtes von Leon Holly,„Der erste Mai“ in der Mainummer der Volkswacht auf Grund des§ 130 des Strafgesetzbuches zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, obwohl das Gedicht bereits früher in anderen Blättern straflos nachgedruckt worden ist. Holly ist der Deckname des Redakteurs Schweynert, des Hauptangeklagten im Ruhstratprozeß. Selbstmord eines Bankiers. Würzburg, 30. Mai. Heute vormittag hat sich hier den Bankier Karl Strohmberg, Inhaber des gleichnamigen Bankgeschäftes, erschossen. Als Ursache des Selbstmordes werden h ohe Spekulationsverluste an(gegeben. Vom Blitz erschlagen. Beuthen, 30. Mai. Während eines schweren Gewitters wurde gestern nachmittag der Kutscher eines chiesigen Kaufmanns mebst den beiden Pferden vom Blitz erschlagen. Der Regen setzte viele Keller unter Wasser. Bergmannsgeschick. Meseritz, 30. Mai. In der im Bau befindlichen Zühlkeschen Braunkohlengrube bei Kainscht wurden heute vormitag ein Obersteiger und ein Arbeiter durch Gase getötet. Bestrafter Vertrauensbruch. Posen, 30. Mai. Die Strafkammer Meseritz verurteilte den Lehrer Stürmer aus Schilln, der als Rendant der Schillner Spar= und Darlehnskasse 60000 Mark unterschlagen und 31 Wechsel gefälscht hatte, zu sechs Jahren Zuchthaus und zehnjährigen Ehrverlust. 15 Millionen Mark für einen Schlachthof. Dresden, 31. Mai. Der Rat zu Dresden genehmigte die neue Schlachthofanlage sund bewilligte hierzu 15 Millionen Mark. Der neue österreichische Ministerpräsident. Wien, 31. Mai. Mit der Kabinettbildung wurde Baron Beck, Sektionschef im Ackerbauministerium betraut, der Spezialist in den mit Ungarn schwebenden Fragen ist, und dafür eintritt, daß, nachdem die ungarische Regierung dem Parlament nur einen ungarischen Zolltarif vorlegte, Oesterreich den als gemeinsamen Zolltarif beschlossenen Tarif in einen östereichischen umwandle und auf die Umwandlung des Handelsbündnisses in einen Hanbdlesvertrag eingehe, ebenso aber auch sonst seine wirtschaftlichen Sonderinteressen gegenüber Ungarn stark betone. Die Madrider Festtage. Madrid, 30. Mai. Der Fremdenzufluß ist ungecheuer. Bis heute nachmittag sind 50 Sonderzüge, welche mit Reisenden übersüllt waren, eingetroffen. In der Stadt befinden sich nach oberflächlicher Schätzung über eine Million Fremde. 180 Journalisten vom Auslande und den Provinzen sind eingetroffen und haben sich im Ministerium des Aeußeren einschreiben lafsen. Seit 48 Stunden herrscht drückende Hitze, welche bereits mehrere Erkrankungen an Sonnenstich zur Folge hatte. Das Dampfer=Unglück vor Riga. (S. im anderen Blatt.) Riga, 31. Mai. Der gestern gekeuterte Dampfer, der Wilna, ist heute gehoben worden. In den Innenräumen wurden elf Leichen gefunden, darunter zwei von Frauen. Die Zahl der Verunglückten beläuft sich wie angenommen wird, auf fünfzehn. Englisches Linienschiff verunglückt. London, 30. Mai. Nach einer Lloydmeldung aus Lundy Island am Eingang des Bristolkanals ist das englische Linienschiff Montagu bei Schütter auf Grund geraten. Ueber den Unfall des englischen Linienschiffes „Montagu“ wird noch drahtlich berichtet, daß das Schfif beide Schrauben verlor. Der Apparat für Funkentelegraphie ist über Bord gegangen, im Vorschiff ist ein Loch in den Schiffsboden gestoßen, am Steuerbord sind mehrere Abteilungen voll Wasser gelaufen, die Maischinen=, Kessel= und Heizräume stehen unter Wasser. Das Schiff hat starke Schlagseite nach Steuerbord und macht noch mehr Wasser. Zahlreiche Schleppdampfer sind zur Hilfeleistung entsandt. Es herrscht immer noch dichter Nebel bei leichter Brise Mißgeschick englischer Torpedoboote. London, 30. Mai. Heute vormittag stießen im Kanal auf der Höhe von Plymouth die dort übenden Torpedoboote 108 und 81 zusammen und erlitten schwere Beschädigungen. Diejenigen ides Torpedobootes 108 sind so ernst, daß das Schiff sofort in Devoupot eingedockt werden mußte. Humoristische Ecke. Unglaublich. Obmann(eines Touristenvereins): „Meine Herren, unser ehemaliges Mitglied, der Mayer, wurde letzthin auf einem bloß 1200 Meter hohen Gipel gesehen. Es ist unglaublich, wie tief der Mensch sinken kann.“ Rache. Kannibale:„Der weiße Gefangene, der uns gestern mit seiner Schwiegermutter in die Hände gefallen ist, ist über Nacht entflohen.“— Häuptling:„So? Na, wark' Kerl, jetzt llasse ich seine Schwiegermutter — auch laufen!“ Der schwierige Name. Der Herr Oberregssieur hat seiner Frau Hausmeisterin ein Freibillet zuGlucks„Orpheus und Eurydike“ geschenkt.„Wie hat's Ihnen denn gefallen?" erkundigte er sich am andern Tage. „Ach, es war ja alles zu schön,“ erwiderte die Gefragte, „über eins habe ich mich nur wundern müssen!— Ueber was?“—„Ja, was die Frau war, die war doch ganz mager, warum hat denn er da immer gesungen: „Teure Dicke?“ Sonderbare Vermutung. Erster Schusterjunge: Hör' mal, Du, wat sind denn die für welche?— Zweiter Schusterjunge: Meinst Du die Leutnants? die sind Eisenbahner.— Erster Schusterjunge:„Aber der eine hat ja Sporen!“— Zweiter Schusterjunge: Na, der wird dann wohl von der Pferdeeisenbahn sin. Falsch verstanden. Arzt:„Ihr Aussehen ist micht besonders. Sitzen Sie viel?“— Patient:„Es geht, das letzte Mal bin ich mit sechs Wochen davongekommen.“ Auch eine Gratulation.„Nun, hat dir der Hauswirt zu deinen Zwillingen auch gratuliert?“—„Ja, — er hat mir gekündigt“. Beim Abschied. Von einem Bankier verabschieden sich auf dem Bahnhofe Verwandte und Bekannte. Kurz vor der Abfahrt des Zuges reicht ihm seine Schwägerin noch eine Tafel Schokolade mit den Worten:„Damöt Du nicht verhungerst!"— Darauf sagte sein Vetter, ihm ein Fläschchen mit Kognak übergebend:„Hier, damit Du n icht verdurstest!“— Seine vierjährige Nichte die auf merksam zugehört hat, soll ihm nun noch ein Veilchensträußchen reichen. Sie tut dies auch, ans Couppeefenster emporgehoben, mit den Worten:„Hier, lieber Onkel, damit du micht verduftest!“ Verantwortlicher Redakteur: Wilh. Schade, Schwerte, „A W SE WE Amtneher-Rressbialt mmrrmmrrrn FE Erstes und ältestes Tagesorgan Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Alle Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbincliche Kraft. o o O O O O O O O O O O 0 0 Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse Braus. Schwerte-Kuhr. o Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Familientreund.“ o o 0 0 O O O O O O O o o o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 1o Pf., Anzeigen von auswärts 1s Pf., Reklamezeile 40 Pf. Nr. 126. Donnerstag, den 31. Mai 1906. 38. Jahrg. Gott Mammon. Durch den gewaltigen Aufschwung des Deutschen Reiches, namentlich auch in wirtschaftlicher Hinsicht, ist das Gleichgewicht der Kräfte zwischen Deutschland und Frankreich gestört worden. Vor dieser Tatsache verschließen auch die Franzosen ihre Augen nicht mehr. Aber weiterblickende Schriftsteller unter ihnen glauben schon den Beginn eines Umschwunges zu erkennen, der ihrer Meldung nach eintreten wird wenn infolge des zunehmenden Reichtumes deutsche Gewohnheiten und Eigenschaften Abänderungen oder Schwächungen erleiden sollten. Zu dieser Auffassung hat kürßlich Graf Berchem in München, der frühere Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt, das Wort ergriffen im Anschlusse an einschlägige Auslassungen des Pariser Akademikers Marquis de Voguc in der„Revue des deux mondes" aus Grund von Reiseeindrücken in Deutschland. Graf Berchem sagt: „Daß wir allmählich aus einer armen eine vermögende Nation geworden und uns dem Behagen anderer Völber nähern, ist gewiß ein großer Segen für uns. Damit brauchen die schädlichen Nebenwirkungen des Reichtums, die anderwärts den Staat geschwächt und nach Capua geführt haben, nicht notwendig verbunden zu sein. Dieser Verbindung zwischen zunehmendem Wohlstand und inneren Verfall, der in der Geschichte eine so große Rolle gespielt hat, rechtzeitig entgegenzutreten, ist jedenfalls die größte Aufgabe, welche unserer Zeit gestellt sein dürfte. Es geht nicht an, die Jugend unter dem gesellschaftlichen Zwang ihre Mittel übersteigenden Lebensgewohnheiten zu halten, die Menschen nach dem Besitz von Automobilen zu blassifizieren, das Vorurteil zu nähren, welches die Frau des Volkes bis in die ärmste dienende Klasse hinein der Mode der letzten Monate unterwirft, jedwede Art des Reichtums ohne Ursprungsattest in hohe gesellschaftliche Stellung zu fördern, dadurch der Armut ihre Gleichberechtigung zu rauben und sie unter das Joch kostspieliger„Vereinsmeierei“ zu beugen, welche, nebenbei bemerkt, den deutschen Stamm in allen fremdsprachlichei Grenzen zum beständigen Rückgang verurteilt. „Virtus post nummos“(„Die Tüchtigkeit erst hinter dem Geldsack!") soll nie ein deutscher Horaz von unserem Volke sagen dürfen.! Die Schönheit von Remörow. Roman von Bogumil von Czartorski. 43 „Erzählen Sie Frau von Stablewski alles und bitten Sie sle, mit eine Legitimation an die Vorsteherin jenes Pensionates oder an die junge Dame, die Ihnen schrieb, mitzugeben, damit ich mir die Pforten des vermutlich für Fremde fest verschlossenen Hauses erschließen und zunächst an der Quelle Erkundigungen einziehen kann. Damit es keine nächtliche Störung hier im Hause gibt, werde ich Ihre Rückkehr außerhalb des Hoftors erwarten.“ Nachdem sich die Tür hinter Ludwig geschlossen, verschwand der zuversichtliche Ausdruck von Hurbings Antlitz.„Der Himmel mag wissen, wie das alles zusammenhängt, was das Mädchen begonnen hat, und wie ich es wiederfinden werde!“ murmelte er vor sich hin.„Jedenfalls will ich mein möglichstes tun, und ohne Zögern. Es hatte an sich nichts Auffallendes, daß sich der Maler für kurze Zeit von Ehrenbreit beurlaubte, um nach Berlin zu gehen. Dort befand sich seine alte Verwandte und er hatte auch in Betreff seiner Bilder Beziehungen zur Hauptstadt. Die einzige Schwierigkeit lag für den Maler in der momentanen Spannung, die die„Passionsblume“ zwischen ihm und dem Grafen hervorgerufen hatte. Als Hurbing am folgenden Morgen in das Frühstückszimmer trat, fand er den Hausherrn allein anwesend. Er stand am Fenster und wandte sich um, als die leichten Schritte des Malers hinter ihm hörbar wurden. „Guten Morgen, Ehrenbreit!“ „Guten Morgen, Hurbing!“ Das klang keineswegs entgegenkommend. Der Maler trat näher und legte seine Hand auf die Schulter des andern.„Sprechen Sie ein Wort zu mir Ehrenbreit,“ sagte er herzlich;„ein einziges Wort, aus dem ich entnehmen kann, wie wir stehen. Es ist nicht möglich, daß Sie mir ernstlich zürnen. Oder könnte es sein? Könnte es sein, daß das Bild uns trennte?“ Einen Augenblick noch verharrte der Graf regungslos, dann wandte er sich mit einer raschen Bewegung um und streckte dem Maler beide Hände entgegen. Sein Antlitz trug einen bewegten Ausdruck und es lag ein gedankenvoller Schatten auf seiner Nur mit dem Idealismus und der Arbeitsfreudigkeit der alten Generation, mit dem stolzen Streben, überall Tüchtiges zu leisten, und Pflichtgefühl, welches heute noch Armee, Staatsdienst, selbst die zahllosen Scharen unserer Eisenbahnarbeiter und unsrer wirtschaftlichen Kreise zumeist durchdringt, läßt sich das Erbe der Väter erhalten. Diejenigen aber, welche, wie eingangs erwähnt, einem gewissen Pietätsgefühl folgend, die neueren Vorgänge stets an der Hand der großen Vergangenheit zu messen bestrebt sind, mögen sich das herrliche Wort des großen Königs vom 7. Januar 1861 vergegenwärtigen:„Deutschlands(Preußens) Beruf ist es nicht, dem Genuß erworbener Güter zu leben.“ Die patriotischen Besorgnisse, die ein süddeutscher Aristokrat von weitem Gesichtskreis sund hervorragender Erfahrung freiwillig zu äußern sich gedrungen fühlt, entspringen der Empfindung, daß eine Ueberschätzung des modernen Geldreichtumes, der nicht selten aus dunklen Quellen sozusagen über Nacht entstanden ist, ungünstige Rückwirkungen auf Staat und Gesellschaft, auf Ueberlieferungen und Sitten ausüben muß. Der Mammonismus ist ebenso gefährlich, wie die Revolution— beide bedingen einander, beiden muß ein gleich rückhaltloser, schneidiger Kampf gelten. Politische Uebersicht. — Die Reichseinnahmen aus Zöllen und Verbrauchssteuen betrugen im April 68,20 Millionen Mark oder gegen das Vorjahr 4,96Millionen Mark mohr. Die Zuckersteuer hat zum ersten Mal wieder ein Mehr von 3,75 Millionen ergeben. Die Einnahmen der Reichspost und Telegraphenverwaltung stiegen um2,80 Millionen Mark. In der Ostmark machte die Ansiedlungskommission weitere Ankäufe. Bisher hat sie von der Gesamtfläche der Provinz Posen 7,5 Prozent und von der Westpreußens 5,5 vom Hundert in ihren Besitz gebracht. — Löhnungsappell im Reichstag. Die Volksvertreter holten, soweit sie es nicht schon am Montag getan haben, am Dienstag an der Reichstagskasse ihre 2500 Mark Diäten ab. Es wird laut„B. T.“ größtenteils in Scheinen gezahlt. Mancher erhält 20 bis 60 Mark weniger, da drei namentliche Abstimmungen seit Inkrafttreten des Diätengesetzes stattgefunden haben. UeStirn.„Es soll uns nicht trennen, Hurbing, erwiderte er warm; „ich kann nicht annehmen, daß Sie die Passionsblume" malten, um mich zu beleidigen; denn Sie sind mein Freund und konnten außerdem nicht ahnen, welche Empfindungen das Bild in mir wecken würde, da Ihnen die Beziehungen genug! Ich zürne Ihnen nicht. Ist es begründet, was man sich heute morgen in den Dienerzimmern erzählte und mein Kammerdiener mir mitgeteilt: daß Sie für einige Tage nach der Hauptstadt gehen wollen?“ „Allerdings. Ich möchte meine Tante einmal wiedersehen, da sie neuerdings recht leidend war. Gleichzeitig veranlaßt die Ausstellung... „Erlauben Sie, Hurbing! Hatten Sie die Absicht, jenes Bild zur Ausstellung zu geben?“ Der Maler lächelte.„Blicken Sie nicht so drohend, Ehrenbreit! Die Passionsblume soll nicht zur Ausstellung. „Sondern?“ „Sie gehört Ihnen. Eine Träumerei meiner Muse, die hier so schöne Rast fand, unserem gütigen Gastherrn gewidmet.“ „Ich danke Ihnen, Hurbing!“ sagte der Graf mit Wärme.„Das Geschenk ist ein wertvolleres für mich, als Sie ahnen können, obschon es mich immer melancholisch stimmen wird. Später hoffe ich dieses liebliche Antlitz in anderer Weise von Ihnen gemalt zu sehen. Wann darf ich meinen Besitz antreten?“ „Sobald es Ihnen gefällt. Ich bin stolz darauf, daß mein Geschenk angenommen wird.“ „Und möchten Sie mir nicht die dazu gehörige Geschichte dreingeben?“ „Ein andermal vielleicht. Jetzt ist mein Kopf mit egoistischen Plänen hinsichtlich der Verwertung meiner Reise erfüllt.“ „Recht so. Rasten heißt Rosten. Ihr Eifer belebt den meinen. Auch ich habe viel zu tun! Hier ist übrigens ein Brief für Sie. Lesen Sie ihn ungeniert, während ich einen Blick in die Zeitung werfe." Hurbing erkannte bereits auf dem Umschlage die altmodische Handschrift seiner guten Tante und lehnte sich mit Gemächlichkeit in seinen Stuhl zurück. Tantchens Episteln pflegten ziemlich langatmig zu sein. Sie empfand es als eine große Wohltat, noch am Abend ihres Lebens eine Menschenseele gefunden zu haben, auf die sie ein moralisches Anrecht besaß, der sie die einfachen, kleinen Leiden und Freuden ihres stillen Altjungfernber 100 Abgeordnete, die auch trotz der Diäten fern geblieben sind, müssen sich den Abzug von 100 Mark gefallen lassen, da sie auch am Dienstag zum Empfange der Diäten noch nicht erschienen waren, wird das Geld vorläufig an der Kasse deponiert, wo sich die notorischen Schwänzer den Lohn für ihre Nichtarbeit gegen Quittung nach Belieben abholen und sogar vielleicht per Post nach ihrer Wohnung zuschicken lassen können. Das Recht der freien Eisenbahnfahrt erlischt für die Reichstagsmitglieder acht Tage nach dem Beginn der Vertagung der Session. Der Vielgehaßte.„Ich war Monate lang bei allen Hausfrauen der bestgehaßte Mann, ich freue mich aber, daß ich festgeblieben bin.“ Diese Erblärung gab Landwirtschaftsminister v. Podbielski soeben im preusischen Herrenhause ab, und er fügte hinzu:„Wie wurde doch vor acht bis neun Monaten über Fleischnot geschrien! Jetzt aber kann man sagen: Wie hat sich das Blättchen gewandt! Jetzt sind die Preise ringsherum höher, als bei uns. Die deutschen Schweine, die mach Oberschlesien kommen, sind zurzeit 8 bis 12 Mark das Stück billiger als die russischen. In wenigen Wochen sind wir vielleicht schon ein fleischausfühvendes Land.“ Oberst von Deimling, Kommandeur der Schutztruppe. Das Militärwochenblatt meldet: wv. Trota, General Leutnant und Kommandeur der Schutztruppe von Südwestafvika, ist in Genehmigung seines Abschiedsgesuches mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt v. Deimling, Oberst mit dem Range eines Brigade=Komandeurs, Abteilungschef im großen Generallebens mitteilen und von der sie Mitgefühl erwarten durfte. Der dankbare und gutherzige Hurbing las ihre Herzensergüsse gern und mit Aufmerksamkeit. Auch ihm tat es wohl, wieder etwas wie ein Heim zu besitzen, zumal jetzt, da sein Dasein Inhalt erhielt. Kaum hatte Hurbing das Briefblatt entfaltet und die ersten Zeilen mit den Blicken überflogen, als sein Antlitz einen überraschten Ausdruck annahm. Graf Ehrenbreit hatte sich hinter sein Zeitungsblatt verschanzt und bemerkte nichts davon; kaum daß er aufsah, als Hurbing mit der Röte der Erregung auf den Wangen seinen Platz und nach minutenlangem Auf= und Niedergehen auch das Zimmer verließ. * Fabian Ludwig hatte den Tag innerlich recht unruhig hingebracht, in vergeblichem Harren auf die verheißene Botschaft von seinem Gönner und Freunde, dem Maler. Es war bereits völlig Abend geworden, als Hurbing endlich erschien, ganz reisefertig und mit einer Miene, die Fabian zu der Frage veranlaßte:„Ist Ihnen noch etwas Besonderes eingefallen, gnädiger Herr? Haben Sie vielleicht dennoch Verwendung für mich gefunden, so daß ich nicht nötig hätte, still daheim zu sitzen?“ Der Maler nickte ernsthaft.„Ich habe Verwendung für Sie. Mit dem Stilldaheimsitzen ist es nichts. Aber schließen Sie erst Ihre Tür sorgfältig, es gibt mancherlei, das Sie vordem hören und bedenken müssen. Auch ich erhielt einen Brief. Lud80 Der junge Landmann zuckte zusammen.„Gleichfalls von jener jungen Dame, gnädiger Herr?“ fragte er, atemlos vor Erwartung.„Ist Hoffnung auf Liskas Finden?“ „Lesen Sie!“ erwiderte der Maler kurz und legte seinen Brief in Ludwigs Hände.„Er ist von meiner alten Verwandten, deren ich Ihnen gegenüber schon Erwähnung tat.“ Tante Agnes schrieb:„Du wirst erstaunt darüber sein, heute bereits wieder einen Brief von mir zu erhalten, und mehr noch, wie ich glaube, über das sonderbare und keineswegs erfreuliche Ereignis, das mich zum Schreiben zwingt. Leider bist Du diesem Ereignis nicht fremd, lieber Sohn, und ich muß mich deshalb zunächst an Dich wenden mit der Bitte um schleunigst: und ganz rückhaltlose Aufklärung.“ 138,20 stabe, scheidet aus dem Heere am 21. Mai d. J. aus und wird mit dem 22. Mai d. J. als Kommandeur der Schutztruppe für Südwestafrika angestellt. Damit steht ein auf dem eigenartigen Boden Afrikas alterfahrener Offizier an der Spitze der Schutztruppe. Der Gouverneur von Deutsch=Südwestafrika hat auf Grund kaiserlicher Verordnung die gesamten Stammvermögens aller Hereros nördlich des Wendekreises des Steinbocks und auch der In###ooiHottentotten von Franzsantum wie der Toopnar=Hottentotten von Zensfantum verfügt. Bombenwürfe und kein Ende = Kutais, 30. Mai. Hier wurden in voriger Nacht gegen den früheren Generalgouverneur Alichanow auf der Fahrt zum Bahnhof zwei Bomben geschleudert. Der General wurde an der Hüfte verwundet. Von Vorübergehenden ist eine Person getötet, drei verwundet.. Die Mörder entkamen. Blutige Kämpfe in Marokko. London, 29. Mai. Nach einer Meldung aus Tanger finden bereits im Süden Marokkos hartnäckige Kriegern des Thronprätendenten statt. Verstärkungen werden schleunigst aus Fez entsandt, um den bisher stegreichen Anmarsch der Aufständischen aufzuhalten. Die größten Stämme Marokkos molbilisieren Armeen, um den Sultan vom Thron abzusetzen. Die berittenen Krieger des Prätendenten dringen nach Fez vor und liefern blutige Schlachten mit den Anhängern des regierenden Sultans unterwegs. In diesen Kämpfen wurden viele getötet und verwundet. Die Stadt Mogador ist an der Landseite bereits von den Aufständischen unter Anfleo umzingelt. Die Soldaten plündern, brennen und morden vor den Toren Mogador. Zweierlei Maß. Der Fall Schöne= Brockhusen und der angebliche Paßschwindel tage wurden Faksimiles des von der Polizei angeblich „gefälschten“ Passes verbreitet und„Vorwärts" und „Leipziger Volkszeitung“ zierten tags darauf ihre Spalten mit einem Nachdruck des Passes. Der wärts“ schrieb darüber die schöne Ueberschrift:„Amtliche Urkundenfälschung". Zu dieser Angelegenheit veröffentlicht nun in ihrer Dienstagabendnummer die „Post“ folgende intevessante Ausführungen: „Mit diesem Paß verhält es sich genau so, wie mit dem Passe, auf den Rosa Luxemburg nach Rußland gereist ist. Rosa Luxemburg hat eine andere Person zur Polizei geschickt und für diese andere Person ist ein Paß ausgestellt worden, den dann die kluge Rosa für ihre Reisen nach Warschau benutzt hat. Hoffentlich veröffentlicht der„Vorwärts“ auch einen Faksimile=Abdruck dieses Passes! Wenn der„Vorwärts" also den ersten Paß eine„amtliche Urkundenfälschung“ nennt, so muß er auch in bezug auf seine Kollegin Rosa Luxemburg von einer Urkundenfälschung reden. Es ist eine bekante(Tatsache, daß die sozialdemokratischen Agitatoren fast immer mit fremden Pässen über die Grenze gehen. Das weiß Bebel ganz genau und das weiß auch der„Vorwärts.“ Wir verurteilen den im Falle Schöne=Brockhausen angeblich geplant gewesenen Paßschwindel natürlich ebenso, wie den von der Rosa Luxemburg und ihrer Helferin tatsächlich verübten. Die Sozialdemokratie mißt selbstverständlich wieder mit zweierlei Maß, ihr ist erlaubt, was sie bei anderen mit der höchsten sittlichen Entrüstung verurteilt— ein Beweis, welchen Wert diese sitliche Entrüstung hat.“ Man kann gespannt ssein, was der„Vorwärts“ zu diesen anmutigen Enthhüllungen zu sagen haben wird. Voraussehen kann man, daß er seine Feder in bitterste Galle tauchen wird, besonders weil man versuchte, sein Heldenweib Rosa schnöde zu„verdächtigen“ Das französische Steuer= und Flottenprogramm. Paris, 29. Mai. Flotten= und Steuerverstärkung bilden nach dem deutschen Muster das nächste Programm der neuen Kammer; die Wahlen ließ man vorübergehen, ehe man etwas Bastimmtes über die Pläne des Marineministers und den Kostenanschlag bekannt gab. Die radikalsozialistischs Majorität wird trotz aller englischen Abrüstungsvorschläge, wie der„Matin“ wom oberen Konseil der Kriegsmarine und vom Minister Thomson selbst erfährt, eingeladen werden, ein neues Flottenprogramm zu votieren, das Frankreich zwanzig größte Schlachtschife zu den bisherigen verschaffen soll. Thomson hält es für möglich, mit jährlich 352 Millionen Franks auszukommen, einer Ziffer, die in den letzten Jahren bereits mehrmals überschritten wurde; 1919 soll das Programm durchgeführt sein. Nur bei solchen Opfern werde Frankreichs Marine der Deutschlands gewachsen bleiben. Frankeich könne weniger wie irgend ein anderes Land daran denken, seine Rüstungen zur See zu beschränken. Gewiß bedeuten die Schlachtschiffe, die nach kaum mehr als einem Dezenium völlig wertlos würden, für alle Länder eine enorme Last, aber ohne sie wäre ein Krieg zur See heute nicht zu führen, was in den japanischen Gewässern bewiesen wurde; eine Torpedo= und Unterseebotflotte vermöge allein nicht Frankreichs Küsten zu schützen. Nun die Deckungsfrage: Während der marokkanischen Krise machte der Kriegsminister ohne Wissen des Parlaments 200 Millionen Extra=Ausgaben, die im Budget von 1907 gedeckt werden müssen; dazu die neuen Flottenlasten— der Finanzminister weiß nicht aus noch ein, wie er in Commerey gestern noch rückhaltlos darlegte. Poincare hhat seine Kollegen aller Ressorts beschworen, ihre Ausgaben so viel wie möglich zu reduzieren, und Clemenceau, der Minister des Innern, hat damit angefangen, die Zahl der mehr politischen Zwecken dienenden Unterpräfekten auf die Hälfte zu verringern— was aber nur eine Ersparnis von eineinhalb Millionen bringen wird... Eine neue Anleihe scheint unvermeidlich, da das indirekte Steuersystem sich kaum anschrauben läßt. Die sozialen Reformen kosten unkalkulierbare Summen, da sie gleich mit einem Schlage weiter gehen sollen wie in Deutschland. Wenn der französische Bürger schon lange der höchstbesteuerte in der Welt ist, das radikal=sozialistische Regiment wird ldamit beginnen müssen, ihm noch höhere Opfer aufzuerlegen. Die Kapitalisten sehen dem mit Schrecken entgegen, wie der Rentenverkauf und die Nervosität an der französischen Börse seit den Wahlen beweisen. Da die Republik, was man auch dagegen sagt, ein Eldorado für Finanzleute bis zum heutigen Tag geblieben ist und ihren Goldreichtum dem spekulativen Anteil an dem Industriegewinn des Auslands verdankt, vermag die erwartete hohe Steuerbelastung des Kapitals zum Vorteil der mittleren und unteren Klassen eine gewaltige Wirkung auf das gesamte wirtschaftliche Leben und den Nationalwohlstand auzuüben. Aus Stadt und Umgebung (Weitere Lokalnachrichten im anderen Blatt. Vorstoß gegen das lästige Zigennerunwesen. Der Herr Minister des Innern hat unter dem 17. Februar d. J. eine 20 Paragraphen enthaltende Anweisung zur Bekämpfung des Zigeunerunwesens erlassen, die sich scharf gegen ausländische und inländische Zigenner wendet. Darnach ist ausländischen Zigeunern der Uebertritt über die Reichsgrenze mit allen gesetzlich zulässigen Zwangsmitteln zu verwehren. Alle trotzdem im diesseitigen Staatsgebiete betroffenen ausländischen Zigenner sind festzunehmen und auszuweisen auf Grund llandespolizeilichen Bestimmungen oder Uebernahmeabkommen mit benachbarten Staaten im Wege des Zwangstransportes. In Falle der Rückkehr über die Landesgrenze werden ausgewiesene Zigeuner wegen Bannbruchs strafrechtlich verfolgt. Bei inländischen Zigeunern, die nachweislich die Staaatsangehörigkeit in einem deutschen Bundesstaat besitzen, ist anzustreben, daß sie möglichst an einem bestimmten Wohnort seßhaft werden und nicht im Umherziehen der Bevölkerung zur Last ffallen. Ausweispapiere, sind mit besonderer Vorsicht auszustellen. Für verwahrloste Zigennerkinder ist Fürsorgeerziehung zu beantragen. Gegen alle Straftaten umherziehenden Zigeuner ist mit besonderem Nachdruck einzuschreiten. Während des Umherziehens sind die Zigeuner dauernd polizeilich zu beobachten. In einem Anhange ist der Anweisung noch eine Zusammenstellung der vorzugsweise in Betracht kommenden Strafbestimmungen beigefügt. Die Herren Regierungspräsidenten haben es darauf allen polizeilichen Organen zur besonderen Pflicht gemacht, die Anweisung genau und strenge durchzuführen, und an die Bevölkerung das Ersuchen gerichtet, die Beamten bei der Durchführung der Anweisung in jeder Beziehung zu unterstützen, ihnen insbesondere über das Auftreten von Zigeunerbanden sofort Anzeige zu erstatten. Wer es erfahren hat und weiß, was für eine wahre Landplage die umherziehendem Zigeunerhorden sind, wie sie durch Betteln, Stehlen, Betrügen und Seuchengefahr unsere Landstädte und Dörfer brandschatzen, der kann sich über diesen kräftigen Vorstoß gegen das Zigeunerunwesen nur aufrichtig freuen. Zu wünschen ist nur, daß diese Anweisung überall recht wirksam unterstützt wird, damit diese alte, stets tiefbeklagte Plage aus unsern Grenzen verschwinde. Dazu aber wirds nötig sein, daß das große Publikum nicht alles den Polizeibehörden überläßt, sondern daß jeder mit Hand anlegt, um die Lande von allem Zigeunergssindel zu säubern. Schwerte, 31. Mai. **(Auslosung der Geschworenen.) In vorgestriger öffentlicher Sitzung des Landgerichts Hagen fand unter dem Vorsitz des Herrn Landgerichtspräsidenten Hense die Auslosung der Geschworenen für die am Montag den 2. Juli d. J. beginnende dritte diesjährige Schwurgerichtsperiode statt. Aus der Urne gingen folgende Namen aus Schwerte und Umgebung hervor: Kaufmann Nathan Rosenberg aus Schwerte, Gutsbesitzer Fritz Hidding aus Ergste. *r(Ungünstiger Geldmarkt.) Die Landesbank der Provinz Westfalen in Münster teilt den staatlichen und kommunalen Behörden mit, daß seit einiger Zeit sich die Verhältnisse des Geldmarktes so ungünstig gestaltet haben, daß die Unterbringung westfälischer Provinzialschuldverschreibungen, durch deren Verkauf die Landesbank sich das zu Ausleihungen an Gemeinden Die Schönheit von Rembrow. Roman von Bogumil von Czartorski. „Die Sache trug sich folgendermaßen zu: Abends gegen neun Uhr war es; ich saß gerade bei meiner einsamen Teetasse und der Zeitung, die momentan einen sehr schönen Roman aus dem Französischen enthält, als die alte Trine hereintrat und mir noch einen späten Gast ankündigte, einen seltsamen Gast der ihr auf Im ersten Moment, als ich die elegant gelleibete, bildschöne, junge Person erblickte, glaubte ich nicht anders, als der Besuch sei von Dir an mich adressiert, gelte einer Bilderangelegenheit und werde mit einer schönen Bestellung für Dich abgetan sein; die junge Dame sah aber so merkwürdig erhitzt und aufgeregt aus und trug einen kleinen Reisekoffer in der Hand, wie wenn sie sich bei mir auf längere Zeit einquartieren wollte. Da sagte ich mir, hier könne nur ein Irrtum vorliegen, und nannte, dem jungen Mädchen klar und deutlich meinen Namen. „Ich heiße Agnes von Wangenrot, mein liebes Fräulein,“ sagte ich;„vielleicht suchen Sie Fräulein von Dewall, die im ersten Stock wohnt?“ Da setzte das Mädchen sein Köfferchen nieder, lieber Sohn, trat dicht vor mich hin, und schaute mich mit seinen großen, schwarzen Augen an wie ein gehetztes Wild, daß es mir durch Mark und Bein ging, und sagte: Ich habe mich nicht geirrt; denn er, Herr Hurbing, der jetzt beim Grafen Ehrenbreit in Rembrow zum Besuch ist, hat mir Ihre Adresse selbst aufgeschrieben. Hier ist der Zettel. Ich bin mit Herrn Hurbings Erlaubnis hier und Sie dürfen mich nicht wieder fortsenden. Er wollte ja, daß ich kommen sollte, wenn es mir schlecht geht. Dabei hatte sie an ihrer Gürteltasche herumgenestelt und ein Blättchen zum Vorschein gebracht, auf dem ich allerdings Deine Schriftzüge erkannte. Die Angelegenheit wurde immer rätselhafter und unerquicklicher für mich.„Ja, aber ich begreife nicht ich nehme keine Kostgänger, habe kein Zimmer frei, mein Neffe weiß das!“ sagte ich ihr, und sie antwortete:„Trotzdem muß ich hierbleiben. Ich habe keinen anderen Zufluchtsort in der Welt.“ Während sie sprach, kam ihre Gestalt ins Wanken, und sie wäre zu Boden gesunken, wenn ihr die Trine nicht geschwind von rückwärts einen Gessel hingeschoben hätte. Darin lag sie dann hilflos und schwer atmend wie eine Sterbende, und mir kam ein furchtbarer Gedanke, Oskar! Konnte diese junge Person nicht Deine Geliebte sein? Konnte nicht Dein Leichtsinn sie in diesen Zustand versetzt haben? Ich mußte das in Erfahrung bringen. „Sie scheinen recht krank, mein Fräulein," sagte ich, vor den Sessel tretend,„und gehören eher in das Hospital als in das Haus einer alleinstehenden, alten Dame, die Ihnen wenig oder gar keine Hilfe angedeihen lassen kann. Trotzdem will ich Sie nicht so bei Nacht und Nebel auf die Straße setzen, sondern Ihnen eine Freistatt unter meinem Dache gewähren, bis morgen früh. Es wäre mir aber wünschenswert, vorher zu erfahren, wer Sie sind und in welchem Verhältnis Sie zu meinem Neffen Das Mädchen blickte mich, während ich sprach, mit wahren Kinderaugen an, halb furchtsam und halb erstaunt; so kann keine Verworfene blicken, dachte ich, fragte aber trotzdem, da keine Antwort kam, nochmals ziemlich streng:„Also, wer sind Sie?“ Da erwiderte die junge Person mit sichtlicher Anstrengung:„Ich habe nicht gedacht, daß Sie so hart mit mir sprechen würden, wirklich nicht. Sonst wäre ich nicht hierhergekommen. Und ich will auch gleich wieder gehen. Nur einige Minuten gestatten Sie mir noch hier auszuruhen, dann wird meine Kraft zurückgekehrt sein. Lieber Sohn, ich kann es Dir nicht verheylen, ich wurbe weich. Der sanft, geduldige Ton dieser kranken, jungen Stimme ergriff mich wider Willen. „Ichlasse Sie heute nicht mehr fort,“ sagteich mit Besrimmtheit.„Es ist Nacht und Winter.“ Und eine harte Frau bin ich nicht. Niemand kennt mich als eine solche. Sie müssen aber selbst zugeben, daß Ihr sonderbares Auftreten“ Sonderbar?“ unterbrach mich die junge Person, während ein mattes, trauriges Lächeln über ihr blasses Gesicht ging.„Sonderbar? Mir erschien, was ich tat, ganz einfach und natürlich. Ich tat, so lange ich lebe nichts anderes, als was jedes Mädchen an meiner Stelle getan haben würde, und dennoch fand man von jeher alles ungewöhnlich und„sonderbar“ an mir und von mir. Das ist mein Unglück, das ist es!“ Natürlich konnte ich aus dieser Rede nicht klug werden, „Aber, so hieß es in dem Brie,= weile=,„##### Mädchen dauerte mich aufrichtig. Obschon es gleich einer Vagabundin bei Nacht und Nebel in mein Haus geschneit war, konnte ich es nicht für schlecht und leichtfertig halten.„Es bleibt dabei, daß Sie hier nächtigen,“ sagte ich;„gleichviel, was und wer Sie sind. Und meine Trine wird Ihnen gleich eine gute Tasse Tee mit reichlichem Rum geben. Das bringt auf die Beine.“ Als Trine hinausgegangen war, setzte ich mich neben des Mädchens Sessel und sagte möglichst sanft:„Sie sollen auch nicht mit viel Fragen gequält werden, aber die eine, auf deren Beantwortung ich ein Recht habe, müssen Sie sich schon gefallen lassen: Wie stehen Sie zu Herrn Oskar Hurbing?" Das schien sie nicht zu verstehen. Sie lächelte nur und sagte wieder mit dem rührenden Kinderblick:„O, er ist so gut, Herr Hurbing! So sehr gut!“ „Ich weiß das,“ erwiderte ich,„ich kenne meinen Neffen. Aber es will mir scheinen, als habe er sich Ihnen gegenüber ein Unrecht zu Schulden kommen lassen. Gestehen Sie es, er hat Ihnen ein Heiratsversprechen gemacht, und Sie kommen nun, ihn an dasselbe zu mahnen?“.. Schon während ich noch sprach, hatte sich dus Gesicht des Mädchens auffallend verändert; jetzt schlossen sich seine Augen und es sank mit einem tiefen, seufzenden Atemzuge bewußtlos zusammen. Erschrocken rief ich nach Trine; wir brachten die Kranke unverzüglich zu Bett, ich gab ihr Dein Stübchen, mein Sohn, und wir haben dann abwechselnd bei ihr gewacht bis zum Morgen, da sie ohne Besinnung blieb und unaufhörlich das verworrenste Zeug durcheinander phantasierte. So ist es noch heute, nach drei Tagen. Ich habe dem Arzt gegenüber, den ich rufen ließ, das Mädchen als die Tochter einer Jugendfreundin ausgegeben, um Deinetwillen, und es gepflegt, wie seine leibliche Mutter es nicht sorgsamer könnte, gleichfalls um Deinetwillen. Ich weiß nicht, inwieweit Du teil hast an seinem Unglück und was Du ihm schuldig bist; ich hegte auch stets andere, stolzere Pläne und Zukunfshoffnungen für Dich, und es liegt keineswegs in meinen Wünschen, Dich so schnell an die erste beste gefesselt zu sehen fürs Leben, da Du noch im Beginn Deines Schaffens stehst; trotzdem sage ich Dir, komm' und tue Deine Pflicht. Im Falle Du dem Mädchen ernstliche Versprechungen gemacht hast, so mußt Du sie halten, oder doch gesonnen sein, es zu tun. Wenn nicht ein Wunder geschieht, so wird wahrscheinlich das arme, junge Geschöpf, das in diesem Moment mit weitgeöffneten Augen ein Lied singt in seinem Fieber, ein melodisches, aber sehr trauriges Lied, keine Fessel mehr für Dich werden. per Jettow-Aurcar! Ranallinie —4 Kilometer SEh fr. Wezgenten e un O- ee Zur bevorstehenden Einweihung des Teltow=Kanals. Nur wenige Tage trennen uns noch von dem Termin, an welchem das für die Schiffahrt ganz Deutschlands hochwichtige Werk des Teltow=Kanals dem Verbehr übergeben werden soll. Die den Kanal passierenden Schiffe, die von der Elbe zur Oder oder umgekehrt fahren wollen, vermeiden einmal die zahlreichen Schleusen Berlins und verstopfen andererseits nicht mehr die ohnehin schon von Schiffen überfüllten Spreeläufe in der Residenz. Sie sparen demnach vor allem Zeit, da sie auch auf elektrischem Wege durch den Kanal getreidelt werden. Der Kanal führt von Klein=Glienikke bei Potsdam durch die Glienicken Lacke und den Griebnitzsee mach Klein=Machnow, schneidet den Machnowsee, den Teltowersee und passiert Großlichterfelde, Steglitz und Lankwitz. Bei Tempelhof erreicht der Kanal den höchsten Punkt auf der Strecke und senkt sich von jetzt ab über Mariendorf und Britz langsam zur Oberspree hinab. Er mündet in die Spree in zwei Armen, der eine bei Treptow, der andere bei Grünau. Die Länge des Kanals beträgt 42 Kilometer, die Breite an der Sohle 20 Meter, die Tiefe in der Mitte 2,5 Meter. Die Maße sind so gewählt, daß Schiffe bis zu 600 Tonnen(12000 Zentner) Tragfähigkeit den Kanal passieren können. Die Kösten betragen rund 22 Millionen. Ueber den Kanal führen 42Brücken. Der zwischen Spree und Havel herrschende Höhenunterschied von 2,75 Meter wird durch ein gewaltiges Schleusenwerk bei Machnow ausgeglichen, der einzigen Schleuse, die der Kanal besitzt. Die Hauptbedeutung des Kanals wird aber in die Zukunft fallen. Das Gelände zu beiden Seiten des Kanals ist zu kolossalen Preisen in feste Hände übergegangen und in zwei bis drei Jahren wird sich an seinen Ufern eine 40 Kilometer lange Fabrikstadt erheben, deren Arbeiter die anliegenden Berliner Vororte beleben werden. Das ist für die Vororte selbst, das ist für Berlin ein kolossaler Gewinn und so kann man mit Befriedigung der Entwickelung der Dinge am Kanal zusehen. usw. erforderliche Geld beschaffen muß, auf erhebliche Schwierigkeiten stößt. Die Landesbank ist daher nicht in der Lage, auf der sseitherigen Grundlage zinsung von 3,85 Prozent den Gemeinden Darlehen zu bewilligen; sie weist daher die Gemeinden der Provinz Westfalen auf die gegenwärtige ungünstige Lage hin und stellt anheim, Anlagem, für welche Anleihen ausgenommen werden müssen, nach Möglichkeit zu verschieben. Da die Landesbank zurzeit Geld nur durch Verkauf vierprozentiger westfälischen leihescheine sich verschaffen kann, wird demnächst mit einem Darlehens=Zinsfuß von 4 Prozent zuzüglich ein Zehntel Prozent Verwaltungskosten zu rechnen sein. **(Für den Pfingstverkehr) werden, wie immer zu den Hauptfestzeiten, Vorzüge eingelegt werden. Sie werden auf allen Hauptstrecken einige Tage vor, bis einige Tage nach dem Feste gewöhnlich 10 Minuten vor Abgang der fahrplanmäßigen Züge abgelassen. Alles Nähere ist aus den auf den Stationen aushängenden Bekanntmachungen ersichtlich. ** Berghofen, 29. Mai.(Preisgekrönt.) Der Gesangverein„Treubund“ vom hier(Dirigent Herr Lehrer Siewers) errang auf dem am Sonntag in Hemer bei Iserlohn stattgefundenen Gesangwettstreit in der 3. Klasse den 5. Preis uid 1. Ehrenpreis. ** Berghofen, 30. Mai.(Schlechte Wasserversorgung.) Seit Montag vormittag sitzen die Bewohner der Häuser, die an das Wasserwerk Unna an geschlossen sind,„auf dem Trokenen“. Auch schon früher kam es bei der großen Dürre oft vor, daß die Leitung versagte, aber dann dauerte dieses nur wenige Stunden. Die Klagen über ungnügende Versorgung mit Wasser häufen sich immer mehr. Da wäre es wohl angebracht, daß das Werk Unna zunächst dafür sorgt, solche Anlagen zu besitzen, die genügen, um die vorhandenen Abnehmer zu befriedigen, ehe es immer größere Absatzgebiete sucht. Westfalen und Rheinland. * Unna, 30. Mai.(Hauschaltungsschule.) In günstiger Weise entwickelt sich die mit der hiesigen evangelischen Volksschule verbundene Haushaltungsschule. Es werden durchschnittlich 24 Mädchen aus der Oberklasse im Kochen sowie im Haushaltungswesen tet. Die Regieuung hat der Schulgemeinde einen e maligen Zuschuß von 150 Mark bewilligt. * Iserlohn, 30. Mai.(Die Kieler Beschüsse.] Vereine folgen Iserlohn, 30. Mai.(Gattten= umd Fhmpg. mördsasn.) Auf Verfügung der Staczung## schaft findet heute nachmittag die Ausgravu. Pic Leiche des vor vier Wochen angeblich durch Selbsts dem Leben geschiedenen Schneidermeisters Kühnlein statt, weil dringender Verdacht, öesteht, roß dann in die Lage eines Erhängten gebracht hat. Die Frau Kühnlein befindet sich gegenwärtig im Hagener Gerichtsgefängnis wegen Verdachts des KKindesmores iun unterüuchung. Erichtige 9 Duseldorz, V. Douy, Erischung der alger btschen Arie, guis henach ein m e. 3. Krnestel. von sich reden. der, über mannshaher, essenammterter Begen eur Aufnohwe der Hovy, pergentr geit den bezüglichen nere Meter verschoben.. geschaftg“.9. mit Arbeiten ist man gegenwärtig beschufregt; sie nicht unerheblichen Kosten verknüpft. Wer für dieselben aufzukommen hat, muß erst festgestellt werden. * S o l i n g e n, 3 0. M a i.( L i e b e s d r a m a.) I m Walde zu Sudberg hat sich ein junges Liebespaar von hier, der 19jährige Kommis Ernst Kaufmann und die 18jährige Tochter des Fabrikarbeiters Lambertz, erschossen. Das Liebesverhältnis der beiden wurde von den Eltern nicht gestattet; hierin scheint der Grund zum Selbstmord zu liegen. * Linnich, 30. Mai. Gestern nachmittag spielten hier Kinder an einer mit Holz beladenen Karre. Plötzlich gaben einige Holzblöcke nach und rutschten ab. Dabei geriet ein 7jähriger Junge unter die Blöcke und wurde zu Tode gedrückt. * Trier, 30. Mai. Hier wurde die Gastwirtsfrau Fuß verhaftet, die verdächtig ist, ihren Mann mit Bleiweiß vergiftet zu haben. Kleine Chronik. Nürnberg, 30. Mai. Der wegen Raubmordes an der Witwe Bittermann anfangs April vom Schwurgericht zum Tode verurteilte Mechaniker Weißkopf ist etzt vom Prinzregenten zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt worden. Weißkopf, der seine Tat eingestand, hatte den Raubmord mit zwei Helfern verübt. Konstanz, 30. Mai. Im Eelektrizitätswerk zu Lufenau(Voralberg) wurde der Anstreichergehilfe Paser, der mutwilligerweise den mit einer Spannung von 25000 Volt arbeitenden Starkstrom=Apparat berührte, vom elektrischen Strom sofort getötet. Schweres Unwetter: München, 30. Mai. Ein furchtbarer Orkan hat gestern den Bezirk Egenfelden heimgesucht, namentlich die drei Gemeinden Rimbach, Reicheneibach und Seemannshausen sind besonders schwer betroffen. Li. Straßen sind mit hunderten von entwurzelten Bäumen bedeckt. Zahlreiche Bauernhöfe sind stark beschädigt, viele Dächer sind abgedeckt und mehrere wurden dem Erdboden gleichgemacht. Der nup#pelturm der Kirche in Rimbach ist auf das Feld geschleudert, drei Neubauten sind zusammengestürzt. Der Orkan dauerte 5 Minuten und war von einem starken Regenschauer und Hagel begleitet. Anrich, 30. Mai. Durch den letzten wolkenbruchartigen Gewitterregen sind bei der Upschörter Schleuse nahezu 2000 Kubikmeter Sand in den Ems=Jadekanal geschwemmt worden, sodaß dieser nur von den kleinen Binnenfahrern passiert w erden kann, b': igan als einhalb Meter Tiefgang besitzen. Inzuichen ein Emder Bagger nach Upschört abgegangen, um das Fahrwasser wieder frei zu machen. Vergiftungen. Heidelberg, 30. Mai. Eine größere Anzahl Personen, die im hiesigen Hotel ihr Mittagessen einnahmen, sind unter Vergiftungserscheinungen erkrankt und mußten in das akademische Krankenyaus gebracht werden. Unter den Erkrankten befinden sich die russischen Fürsten Obolenski und Gagarin, sowie etwa 12 Studenten; auch das Hotelpersonal ist in Mitleidenschaft gezogen. Lebensgefahr besteht für die Erkrankten nicht. Die gerichtliche Untersuchung ist eingeleitet Harburg, 30. Mai. Die 6jährige Tochter des Gemeinde=Vorstehers Harms in Iddensen ist an Goldregenvergiftung gestorben. * Haiger, 30. Mai. Im benachbarten Haigerseelbach war noch ein kleiner Knabe mit anderen Kindern in die Wiesen gelaufen und hatte dort von den Blättern und Blüten des Hahnenfuß gegessen, wodurch er sich eine schwere Vergiftung zugezogen hatte, an der er kurz darauf starb. 1 8 Stuttgart, 30. Mai. Die Familie des Raufmanns Meißener, bestehend aus fünf Köpfen wurde heute früh in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Die Ursache ist Gasvergiftung. Eine zweite Meldung besagt indessen: Stuttgart, 30. Mai. Der Kaufmann Wolfgang Meißner hat sich, seine Frau und drei Kinder durch ausströmendes Gas getötet. Auf dem Tische wurde eine Summe Geldes gefunden, ldie auf einem dabei liegenden Zettel als Lohn für das Dienstmädchen bezeichnet war. Dampferunglück im Hafen von Riga. Riga, 30. Mai. Ein m it 75 Passagieren und Ladung mach Dubbeln bestimnter Dampfer ist gestern unmittelbar nach dem Ablegen von der Laudungsbrücke gekeutert, man nimmt an, infolge von Ueberladung. Nur 10 Personen wurden gerettet. Dubbeln ist der größte mehrerer Badeorte, die dicht nebeneinander auf einem schmalen, Küstenstreifen liegen, der auf eine ziemlich beträchttich Lange hin durch den Unterlauf des Aaflusses vom Hinterlande getrennt ist. Die Entfernung von Riga beträgt au, dem Wasserwege etwa 40 Klm. Da aver die hälfte dieses Weges von Riga bis Dünamünde Flußlauf der hier allerdings ziemlich breiten Düna ist, so ist der hohe Menschenverlust beim Keutern unmittelbar nach dem Ablegen von der Landungsbrücke nicht recht verständlich. Weitere Meldungen werden die ungenaue und wage Fassung dieses ersten Berichts der Peetrsburger Tel.=Agentur wohl vervollständigen und ihren verhängnisvollen Inhalt hoffentlich mildern. Vermischtes. Voran der Herr Leutnant...... Wer nicht an jenen Vers aus Litlencrone„Die Musik kommt“, wenn er folgendes Zirkular einer Firma in Mitteldeutschland liest, mit dem diese eine Aenderung in der Inhaberschaft der Firma ankündigt Es heißt P. P. Ich beehre mich, hiermit anzuzeigen, daß ich meinen Sohn, den Leutnant der Landwehr, als Teilhaber in meine Firma ausgenommen habe" Und am Schlusse steht: Kommerzienrat X. zeichnet wie bisher... Leutnant der Landwehr X. wird zeichDaß ein Großkaufmann seinem Sohn den altehrwürdigen Namen„Kaufmann“ vorenthält und die An gabe der militärischen Stellung im Rahmen eines geschäftlichen Aktenstückes als hervorragendste Charakter= risierung seines Sohnes benutzt, zeugt, wie die„Merkuria“ mit Recht betont, von einem bedauerlichen Mindestmaß von Achtung vor dem Kaufmannsstand oder von einer erstaunlich hohen Ueberschätzung des Leutnantstitels bei in praktischen Kaufmann. Moderne Ausrede. Gendarm(einen Strolch visitierend):„Wo haben Sie das viele Geld her?“ Strolch: „Dös is a Schmerzeisgeld von dem Autler, der mi überfahrin bgt!“ Wetterbericht der deutschen Geewarte. 31. Mai. Heiter bei Wolkenzug, angenehm warm, meist trocken.(emss fticmpeise 6 1. Juni. Sonnig, warm, schlout, strichbeise Gewitter. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schade, Schwerte. Bekanntmachung. Landespolizeiliche Anordnung. Da in der letzten Zeit im Kreise Hörde ein tollwutkrarker Hund reiumhergelaufen ist, ordne ich mit Gere migung des Herin Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Fosten auf Grund der§§ 18 ff des Reiheges. betr. die Abwehr und Unterdrück#ng von Viehseuchen vom 23. Juni 1880 und 1. Mai 1894 für den Kreis Hörde für die Dauer der Gefahr der Weiteiverbreitung der Seuche, d. h. bis auf weiteres folgendes an: 1. Die Eigentümer, Besitzer und Führer von Hunden sind verpflichtet, dieselben sofort an eine sichere Keite fest anzulegen und zwar an einem Ort, der für fremde Hunde nicht zugänglich ist. Der Feststellung aleichzuachten ist das Führen der mit einem das Beißen sicher verhindernden Maulkorbe versehenen Hunde an der Leine. 2. Ohne Erlaubnis der Ocispoli eibehörde dürfen Hunde aus dem Sperrgebiet nicht ausgeführt werden 8. Die Benutzung der Hunde zum Ziehen ist unter der Bedingung gestattet, daß dieselben fest angescirrt, mit einem siche: ren Maulkorbe versehen und außer de: Zeit des Geb auchs fedgelegt werden. B 64 4. Die Ve wendung von Hirtenhunden zur Begleitung der Herde und von Jagdhunden bei Ausüung der Jagd wird unter der Bedingung gest ttet, daß dese Hinde außer der Zeit des Gebrauchs(außerhalb des Jagd eviers) festgelegt, oder mit eigem sicheren Maulkorbe versehen, an der reine 5. Werden Hunde diesen Vorschristen zuwider frei umherlaufend angetroffen, so kann auf Anordnung der Polizeibehörde die sofortige Tötung erfolgen. 6. Die Eigentümer, Besitzer oder Führer von Tieren oder die Vertreter derselben sind ve pflichtet, bei einm etwaigen Auftreten solcher Krankheitserscheinungen, welche den Ausbruch der Tollwut befürchten lassen, der Ortspolizeibehörde sofolt 7. Wer diesen Vorschriften zuwiderhandelt, wird gemäß den s8 65 ff. vom 23. Juni 1880 und 1. Mai 1894 bestraft, sofern nicht nach dem§ 323 des Reichsstrafgesetzbuches eine höhere Strafe veroirkt ist..... Wast 18—— Diese Anordnung tritt sofort in Kraft und wird aufgehoben bezw einge chränkt werden, sobald die im Eingange erwähnte Tollwutg=fahr in dem Kreise beseitigt sein wird. Arnsberg, den 23. Mai 1906 Der Regierungs=Präsident. Allei3zs J. B. Kretschmann. Falkerdau=Verrauf. Samstag, den 2. Juni er., nachmittags 4 Uhr anfangend, werde ich unterhalb meiner Behausung 8 Morgen ausgezeichneten Futterbau meistbietend in Abteilungen teils gegen Bar und Kredit verkaufen. 1981 Schulte-Grossenbräuker, Gras=Verkauf. Dienstag, den 5. Juni d. Is., nachmittags 6 Uhr soll das Gras in den Flurpöten bei Lichtendorf nummerweise meistbietend verkauft werden. Zusammenkunft an Ort und Stelle. Haus Ruhr b. Schwerte, den 26. Mai 1906. Freiherrlich von Rheinbabensche Rentei. 1084 is Konzert-Etabliss.„Im Reiche des Wassers“, Inh. Schulze-Selmig. Bei jeder Witterung, Garten oder Saal. Sonntag, den 3. 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