Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Familienkreund." o o 0 0 O O O O O O O O o o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 1o Pf., Anzeigen von auswärts 1s Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Alle Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Ueröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbincliche Kraft. o o o o o o o o o oo o o o Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Telegr.-Adresse Braus, Schwerte-Kuhr. o Nr. 125. Reichstagsblamage. Berlin, 29. Mai. Mit großen Herren ist nicht leicht Kirschen essen. Als Oberst Deimling am Sonnabend den Reichsboten eine in der Ausdrucksweise sstaatsrechtlich und nach dem Buchstaben allerdings nicht ganz gerechtfertigte Wahrheit zu Gemüte führte, daß nämlich der Kaiser und nicht sie darüber zu befinden habe, ob ein Stück deutschen Bundes= oder Schutzgebietes aufgegeben werden solle, da sah er sich plötzlich einer Schar heulender Derwische gegenüber. Den Diätengesegneten ist der Kamm geschwollen und sie möchten ein bischen Duma spielen. Schon in der Budgetkommissich war aus den Afrikaforderungen ein Kuchen ohne Rosinen geworden, dem der Teig fehlte, alsso das„Nein!" wwau heraus. ehe Oberst Deimling die angeblich bedauerliche Rede überhaupt gehalten hatte. Diese Rede sebst diente dann am Sonmabend nur als willkommene Maske vor dem grandiosesten Schildbürgerstreich, den der Reichstag sich seit langem geleistet. Ungemischte Freude wird über die Ablehnung des Bahnbaues mur in der ganzen Kapkolonie herrschen. Die englischen Händler, die jetzt in betriebsamem Eifer von Kapstadt über de Aar und Upington Proviant zu Wucherpreisen an das deutsche Oberkommando verfrachten, die Vermittler, die den englischen Grenzpolizisten auf unsere Kosten bis zu 100 Mark Schmiergeld für das Durchlassen jedes Wagens auszahlen und mindeens dasselbe in die eigene Tasche stecken, können über den Unverstand des Deutschen Reichstages schmunzeln. Ihr aus unserer Not geborenes Privilegium bleibt also bestehen. Sie werden durch Ausstattung neuer Hottentottenrekruten aus den Grenzbezirken schon dafür sorgen, daß der Aufstand nicht erlischt, und wenn wir nach drei oder vier Jahren die Rechnung besehen, wird die „Sparsamkeit“ des Reichstages uns das Zehnfache gekostet haben: die Ablehnung des Bahnbaues nach Keetmannshoop ist geradezu eine Prämie auf die Fortdauer des Krieges. Vielleicht war es aber auch ein Fehler, daß man den Spießbürgern im Reichstage überhaupt vom Kriege sprach, von hungernden Soldaten, von abgeschossenen den 30. Mai 1906. Transportführern. Wer die endlich erreichten 3000 Mark im„grünen Gewölbe“ des Reichstages verzehren kann, stellt sich mur ungern vor, wie man in Dorn und Klippen durstet. Die Gesellschaft hier verdient es gar nicht, daß man das Elend der vom Reich verlassenen Kämpfer ihr schildert; nur vom Geschäft hätte man vielleicht reden sollen. Das größte Geschäft aber, das wir je in unseren Kolonien machen könnten, wäre der Bahnbau über Keetmannshop bis Rietfontein an der Ostgrenze der Kolonie; diese Strecke fände sofort ein englisches Anschlußprojekt bis Vryburg und wir hätten damit das Minenfeld Transvaals als Absatzgeblet gewonnen. Vor einigen Wochen ist die neue Linie Klerksdorp —Fourteen Streams auf englischem Gebiet eröffnet worden, und schon blagt Kapstadt, daß jetzt der Verkehr mit Kimberley nachlasse, zugunsten von Durban und Lourenco Marques. Gäbe es gar eine Bahn von Lüderitzbucht nach dem Witwatersrand, so müßten sämtliche englischen Postdampser, da zwei volle Tage dadurch erspart werden, in unseren Hasen landen und löschen; aus dem jetzigen Barackenlager, das einem großen Truppenübungsplatz mit viel Gesindol an der Landstraße ähnelt, würde in wenigen Jahren eine gewaltige Handelsstadt erstehen, uund die Viehzüchter unseres Südens hätten glänzenden Absatz nach Johannesburg hin. Schon vor dem Kriege lebten die Farmer hier von der Viehausfuhr, die sich hervorragend rentierte; ich weiß alte Schutztruppler, die mit 5000 Mark anfingen und nach sechs Jahren als„gemachter Mann“ ihr Bankkonto von 80000 Mk. besaßen. Dabei hat der Süden den Vorzug, durchaus gesund zu sein und ohne westeres die Akklimatisierung von Europäern zu ermöglichen. In der Budgetkommission aber gab es irre Reden: den Süden müßten wir aufgeben! Gewiß, die Engländer nähmen ihn gern. Jameson hat davon bereits offen gesprochen. Und wenn sie ihn erst hätten, dann wäre die Bahn in zwei Jahren gebaut und im Betrieb. Derselbe Reichstag, dem vor einigen Tagen Furst Bülow sein Wohlverhalten in nationalen Dingen attestieren ließ, dankt dafür nun bei der ersten Gelegenheit mit einer Riesendummheit. Die Ablehnung des Bahn38. baues ist eine Blamage der Erleuchteten der Nation, die sie eigentlich des Rechts verlustig macht, jemals noch an einem Fehler von„oben“ Kritik zu üben. Dazu lehnen dieselben Leute, die sich für den parlamentarischen Aufenthalt in Berlin entschädigen lassen, auch noch die volle Entschädigung der Farmer ab, die draußen in Afrika lum des deutschen Namens willen Leben uund Eigentum in die Schanze schlugen! Wahrlich, es täte not, daß die Rollen einmal vertauscht würden: wir wünschten unsere Kulturpioniere aus Afrika auf einige Wochen hierher und die Reichstagsmehrheit— in die Kharasberge. Adolf Stein. Politische Uebersicht. Die deutschen Flottenmanöver. — Wilhelmshaven, 29. Mai. Die aktive Schlachtflotte hat nach Auffüllung ihrer Vorräte an Kohlen, Proviant, Frischwasser usw. heute den hiesigen Hafen, wieder verlassen, um die Manöver in der Nordsee fortzusetzen. Während das Gros der Flotte noch im Hafen lag, wurde auf der Jade eine Minensuch=Uebung abgehalten. Im Anschluß hieran ging die Flotte die Jade abwärts, zunächst die Torpedoboote, dann die Kreuzer und Linienschiffe. Den Schluß bildeten die drei Flaggschiffe„York",„Wittelsbach" und„Kaiser Wilhelm", die am Nachmittag den Hafen verließen. Die Schiffe fanden auf der Reede den kleinen Kreuzer„Thetis“ vor, der heute morgen aus Ostafrika zurückgekehrt war. Polnische Träume. Berlin, 29. Mai. Die Polenfraktionen im Abgeordnetenhause und im Reichstage haben an die polnische Fraktion der russischen Duma Glückwünsche abgesandt. In der Glückwunschadresse heißt es: Mögen die Ideale und Traditionen unserer Kämpfe ein Ansporn und die unzertrennliche Begleiterin der Bemühungen der neuen polnischen Fraktion bleiben und nicht nur moralische Errungenschaften ihre Früchte sein. Mit diesem herzlichen Wunsch reichen durch die Genzpfähle hindurch der polnischen Fraktion in der russischen Duma die brüderliche Hand die polnischen Abgeordneten des preußischen Abgeordnetenhauses und des deutschen Reichstages. = Französische Missionare in unseren Kolonien. In der eben eingetroffenen„Usambara=Post“ glossiert unter dem Pseudonym„Hans Wahrmund“ ein alter Afrikaner in sehr witziger Weise unter der Ueberschrift „Was der deutsche Reichstag von uns weiß“ die KoloMOSSSEE Bebel in Afrika. r K r i e g i s t a u s. M o r e n g a„ s i t z t", r Mann voll Lüsten und Tücken. emachen wir's nun, das schwarze Volk recht intensiv zu beglücken? weiß einen Rat. Nur nichts wiederholt n allen Fehlern und Sünden! sickt doch den Bebel ins Karrasgebirg. n Zukunftsstaat dort zu gründen. macht nichts, daß Schwarze und Weiße dann h durcheinander finden. der Starke ist ganz der Mann, rgleichen zu überwinden. il Bebel so viel ihm weiß macht, wird it der Zeit manch Neger zum Weißen d Bebel wird schwarz, weil man schwarz werden s eintrifst, was er verheißen! Maxim Gorki. Ja, ja, die Welt ist kugelrund. Wie für dich sich kehrte! Suropa gab dir fürs„Nachtasyl“ Ein Königreich am Werte. Amerika ssetzte dich vor die Tür, So recht wie einen Knoten. Ein Königreich für ein Nachtasyl Hast du vergeblich geboten. Ja, m erk es nur, du mußtest es schon Da drüben empfindlich büßen, Im Lander der Freiheit tritt man nicht Die Sitte keck mit Füßen. Kehr nur in dein heiliges Rußland zurück, 's ist nichts mit dem Triumphe. Sumpfhühnern geht es am besten stets, Sind sie erst wieder— im Sumpfe! Parteigenosse Goethe. „„Parteigenosse“ nannte— hol's der Teufel!— Den Goethe Gothein doch mit Recht und Fug! Warum? Weil Goethe ohne allen Zweifel Wie Gotheins Freunde— Wadenstrümpfe trug. Ungeahnter Fortschritt. Fett von Diäten, von Ort zu Ort Könnt ihr in Zukunft ziehen. Nur eins fehlt noch zu eurem Glück: Freifahrt in die Kolonien! Des Parlaments wird man erst froh, Kann man auf Schiffen und Gleisen Nach Windhuk sund nach Groß=Popo Auf Reichsunkosten reisen. Einstweilen hätt's ja keinen Zweck. Doch das kann schnell sich kehren. Warum denn das allgemeine Wahlrecht nicht Den schwarzen Brüdern gewähren? ’ne Volksversammlung im Urwald geht gut Denn niemand stört ohne Not sie. Elefanten und Affen sind wohl dort, Aber doch keine Sozi! Den Steuerjägern. Wie konntet ihr nur dies vergessen, Kehrt ihr jetzt von der Jagd nach Haus: Gebt doch bei lustigen Prozessen, Für h ohe Zahlung Eintrittskarten aus. Bei leichtem Diebahl fordert ihr 10 Märker, Bei schwerem mögen's 20 sein; Totschlag und Morde steuern stärker, Bei Raubmord tritt ein Zuschlag ein. Doch floh gar über hohe Dächer Ein Lump, verfolgt von hoher Polizei, Kost's 100 Mark! So trägt auch der Verbrecher Sein Scherflein flott— zum Flottenausbau bei. Der Einheitshut. Sie reden und sie schaffen gut, Naumann und Barth, die zwei. Zu bringen under einen Hut Die„große liberale Partei.“ Zwar böse Zungen meinten scharf, Es werde ein Fingerhut sein; Und der reiche auch aus. Denn es sei rern Hut Für die„große" Partei zu klein. Doch denke ich, daß die böse Welt Mit falschem Maßstab mißt, Und der rechte Hut, der ihnen gefällt, Ein„großer“— Strohhut ist! nialdebatten des Reichstages. Zur Beleuchtung der Behauptung des Abgrordneten Erzberger, daß bei den in Deutsch=Ostafrika schon jetzt nahezu der Eindruck bestehe, als ob der Mohammedanismus die deutsche Statsreligion sei, wird folgendes hübsches Geschichtchen, das dem Verfasser von durchaus glaubwürdiger Seite berichtet wurde,erzählt:„Unser Gewährsnann lagerte einmal bei einer Missionsstation. Und da sich die Missionsschüler bei seinem Zelte in größerer Zahl neugierig aufhielten, so knüpfte er auch ein Gespräch mit den Jungen an. Als diese merkten, daß es auf eine Probe ihres Wissens abgesehen war, drängten sie einen Knaben von etwa 14 Jahren vor,der offenbar die Leuchte ihrer Schule war. Der wußte denn auch über die Erschaffung der Welt, Moses, Phararo, David und den Herrn Jesus recht Bescheid. Als dann iber die Frage erfolgte:„Welchem europäischen Volke bist Du untertan?“ antwortete er stramm:„Den Franzosen.“ Es waren nämlich deutsche Fratres, aber ausschließlich französische Patres, auf der Station. Auf die Erklärung, daß nur seine zeitigen religiösen Oberen Franzosen seien, und auf die anschließende Frage, was denn die Deutschen für eine Religion hätten,antwortete er wörtlich:„Die deutschen haben keine Religion— nur Krieg.“ Also Sie sehen, Herr Erzberger, man sorgt Dafür, daß der Mohammedanismirs nicht für die Staatsreligion der Deutschen gehalten wird.“— Das zeigt nicht nur, was im gemeinen ja wohl kein Geheimnis ist“, daß der Abg. Erzberger schnell fertig mit dem Wort ist“, sondern daß es sich auch sehr empfiehlt, den fremden Mssionaren in unseren Kolonien ein wenig auf die Finger zu sehen. Die Zustände in Rußland. Memel, 29. Mai. Die ostpreußißischen Frühblätter melden aus Mitau: Der General Boradowny wurde auf seinem Gute Charlokuhnen von Terroristen erschossen. Das Schloß Charlokuhnen brennt. Von Mitau ist eine Militärabteilung abgegangen. Großer französischer Kolonial=Skandal. = Paris, 29. Mai. Dem Matin zufolge werden auf Antrag der Statsanwaltschaft von FranzösischWest=Afrika der Kolonial=Administrator Nairot und der Vize=Administrator Hubert vor das Schwurgericht gestellt werden unter der Anklage, daß sie 15 Eingeborene, die Häuptlinge ihrer Stämme werden sollten, haben töten lassen, um sich ihrer Güter zu bemächtigen. Heeresvermehrung in Japan. London, 29. Mai. Wie die„Times“ aus Tokio meldet, ist dort viel von einer Vermehrung und Reorganisation der Armee die Rede. Es erscheint sicher, daß die Kavallerie vermehrt werden wird; ebenso sollen auch das Militärtransportwesen und die Eisenbahntruppen, die den Korps folgen, verstärkt werden. Ferner sollen neue Truppenkörper reitender Artillerie, schwerer Artillerie, mit Schnellfeuer ausgerüsteter Artillerie, sowie Luftschiffer=, Telegraphen= und Telephonabteilunge ngebildet werden. Auch ein Gewehr mit größerem Kaliber soll als Einheit eingeführt werden. und die Dienstzeit bei der Fahne auf 2 Jahre herabgesetzt werden. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 29. Mai. Vormünder gesucht! Es ist ein häufig vernommene Klage, daß es an Persönlichkeiten fehlt, welche willig und geeignet sind, das Amt eines Vormundes, Gegenvormundes, Pflegers oder Beistandes zu übernehmen. Das Bürgerliche Gesetzbuch sowohl, als das Fürsorgeerziehungsgesetz, hat der Möglichkeit vormundschaftsgerichtlichen Eingreifens einen erheblich weiteren Spielraum gegeben, als früher bestand. Waisen, Halbwaisen, uneheliche Die Schönheit von Remörow. Roman von Bogumil von Czartorski. 41 Er fühlte, daß sie ihn etwas lehren konnte, was er nirgends sonst in der Welt fand, und richtete deshalb seine Schritte immer lieber und immer häufiger nach ihrem Heim. Ulmenau war ein recht gut gehaltenes, ansehnliches Besitztum, wennschon es nicht die romantische Lage wie das feudale alte Herrenhaus Rembrow besaß. Bianka war mit Leib und Seele auf das Wohl von Land und Leuten bedacht. Kubitken hatte deshalb den Ruf eines Mustergutes erworben. Die Gutsherrin arbeitete frisch und fröhlich mit, sah überall zum Rechten und wurde von ihren Untergebenen geehrt und geliebt. Jedermann auf dem Gute sah gesund und zufrieden aus, wie die Herrin selbst. Hurbing beobachtete das auch heute wieder, als er durch die Ulmenauer Dorfstraße ritt und zahlreiche freundliche Grüße zu erwidern hatte. Nun war das einfache, weißgestrichene Gutshaus erreicht. Bianka Stablewski saß lesend am winterlichen Kaminfeuer. Selbst hier in ihrem Wohnzimmer, in ihrem schlichten, dunklen Hauskleide umgab sie jener herbsüße Duft von Frische, dessen wohltuende Einwirkung auf seine Nerven Hurbing bereits bei der ersten Begegnung verspürt hatte. Die schöne Frau erhob sich und reichte dem Gaste die Hand.„Willkömmen! Wie geht es unserm Grafen?“ „Danke, leidlich. Im Grunde besser als mir. Ich bin aus dem Gleise. Ich bin verstimmt.“ „Warum nicht gar! Verstimmt ohne Veranlassung?“ „Beinahe. Ich dachte mir, der Druck könne hier bei Ihnen von meinen Nerven weichen.“ Sie lachte leise.„Was Ihr Modernen immer mit Euren Nerven habt! Sie mögen mir nun böse sein oder nicht, ich behaupte, bei den meisten Menschen, Sie, mein lieber Herr Hurding, nicht ausgenommen, sind diese Nerven nichts als Mangel an Selbstdis ziplin! Wer es sich erlaubt, alle Augenblicke ohne ernste Veranlassung Stimmungen und Nerven zu haben, dauert mich nicht. Ich nehme ihn nicht ernst. Er ist eine Art Hauswurst für mich.“ sind hart, gnädige Frau, und, wie ich glaube, nicht ganz gerecht. Die Künstler hätten Sie ausnehmen sollen.“ inder, Pflege= und Haltekinder, Kinder, die unter dem § 1666 oder§ 1838 B. G.=B. stehen, Fürsorgezöglinge u. a., sie alle bedürfen eines amtlich bestellten Beistandes. Nach§ 1849 des B. G.=B. ist der Gemeindewaisenrat angewiesen, dem Vormundschaftsgerichte solche Personen vorzuschlagen, die sich im einzelnen Falle als Vormund, Gegenvormund, Mitglied eines Familien= rates eignen. Aber wie oft ist der Waisenrat zu solchen Vorschlägen nicht im Stande, da er solche Presönlichkeiten garnicht zur Verfügung hat. Wie oft muß irgend jemand zur Annahme dieses Amtes geradezu gepreßt oder zwangsweise ernannt werden, wie oft versehen solche Vormünder ihr Amt dann nicht nur widerwillig, sondern auch im höchsten Grade llässig.— Das ist ein tief beklagenswerter Schaden. Haben doch die in mangelhafter häuslicher oder in fremder Erziehung befindlichen Kinder gewissenhafteste und liebevolle Pflege und herzlich= teilnehmende Aussicht doppelt und dreisach nös tig. Die Erziehung gerade dieses Teiles unserer Jugnd muß viell mehr Angelegenheit besonders unserer Gebildeten werden, von ihrer verständnisvollen, willigen Mitarbeit getragen sein. Die besten Gesetze können nur h eilsam und segensreich wirken, wenn ihre Ausführung und ihr Vollzug in der Hand tüchtiger Persönlichkeiten ruht. Unabhängigkeit, Menschen= und Weltkenntnis, Gewandtheit, Takt, Tatkuift sind für das Amt eines Vormundes das dringendste Erfordernis. Darum Freiwillige vor, die dieses Amt um der Kinder willen zu übernehmen bereit sind.— Durch unsere heutige gebildete Frauenwelt geht ein starker sozialer Zug. Unendlich vieles, was auf dem Gebiete der Jugendpflege liegt, kann von der Frau besser geleistet werden, als vom Manne. Die Frau sieht tiefer, versteht das Kindergemüt besser, besitzt mehr Liebe und vermag darum auch mehr Liebe auszuteilen. Wäre es nicht eine edle Aufgabe der Frauenvereine, unter ihren Mitgliedern dahin zu wirken, daß auch sie nicht warten, bis sie gerufen werden, sondern daß sie freiwillig und ungerufen für helfende Liebesarbeit sich dem Gemeindewaisenrat oder dem Vormundschaftsgericht zur Verfügung stellen? In einer Zeit, in der in Presse und Versammlungen soviel von dem Verlangen der Frauen, auch im öfentlichen Leben mit zu raten und zu taten die Rede ist, darf gerade auf dem Gebiet der Jugendpflege ein Hilferuf nach Mitarbeiterinnen nicht ungehört verhallen. **(Bismarckseier auf Hohensyburg. Wie wir schon mitteilten, wird die diesjährige Bismarckfeier am Samstag, 16. Juni, stattfinden. Um dem von Jahr zu Jahr größer gewordenen Andrang und dem zu erwartenden Verkehr Rechnung zu tragen, hat der Vorstand des Bismarckbundes an die Königliche Eisenbahndirektion Elberfeld das Ersuchen gerichtet, auch in diesem Jahre nach Möglichkeit Sonderzüge einzulegen, deren Fahrplan wir bald bekannt geben werden. Um auer auch einer geringeren Anzahl von Teilnehmern, als zu einem Extrazuge notwendig sind, Gelegenheit zu einer billigen Fahrt nach Hohensyburg zu geben, macht der Vorstand des Bismarckbundes darauf aufmerksam, daß Rückfahrkarten zum halben Preise ausgegeben werden, wenn wenigstens 30 Fahrkarten zu einer sogenannten Gesellschaftsreise gelöst werden. Dazu brauchen es nicht 30 Teilnehmer zu sein, sondern schon 20 Teilnehmer stehen sich schon erheblich besser, wenn sie 30 statt 20 Fahrkarten lösen und dann repartieren. Es ist zulässig, die Karten schon am Tage vorher zu lösen, so daß man sie bequemer an die Teilnehmer verteilen kann. Im übrigen wurde in der Ver„Nicht absolut. Es kommt ganz auf den Fall an. Sie arbeiten nicht im strengsten Sinne ums Brot. Und Sie arbeiten auch nicht unter Leiden und Entbehrungen, sondern hübsch bequem zum Zeitvertreib. Ihnen erlaube ich Nerven und Stimmungen nun schon gar nicht. Ich bin keine Anhängerin jenes durch nichts motivierten Glaubens, daß nur Stimmungmenschen wahrhaft große Künstler sein können.“ „Wenn es denn so sein soll, so haben Sie die Verpflichtung, mich in Behandlung zu nehmen, gnädige Frau. Vielleicht werde ich dann normal.“ „Nein, nein, das muß von innen heraus kommen. Ich hatte auch keine Hilfe, als ich mich zur Selbstdisziplin erzog, und ich bin nur ein Weib.“ Nur ein Weib! Wie stolz=bescheiden sie das sagte. Und wie bildschön sie dabei aussah, neben dem Feuer stehend, das ihr geistvolles Antlitz mit rosigen Reflexen übergoß, und eine ihrer wohlgeformten, luftgebräunten Hände auf das lockige Haupt des fast immer an ihrer Seite befindlichen Bernhardiners stützend. „Warum haben Sie sich so aus der Welt zurückgezogen, gnädige Frau?“ fragte Hurbing unvermittelt.„Dort könnten, dort müßten Sie eine Königin sein!“ „Freundschaftliche Ueberschätzung!“ entgegnete sie lächelnd. „Und wenn es so wäre ich bin lieber hier Königin in meinem ureigenen Reiche.“ Vielleicht mochte die Bewunderung, die in den Blicken des Malers lag, zu deutlich reden; denn Bianka Stablewski wechselte rasch das Thema.„Setzen wir uns,“ sagte sie,„und nehmen Sie ein Glas Tee mit mir. Ich habe noch etwas Besonderes mit Ihnen zu reden.“ Auf den Ruf einer altmodischen, silbernen Tischglocke wurde der aromatische Trank schnell herbeigetragen. „Nun sagen Sie mir ehrlich, Herr Hurbing, ob auch Sie der Meinung sind, Graf Ehrenbreit gedenke jene kleine Gärtnerstochter, die sogenannte„Schönheit von Rembrow“, für sich in Anspruch zu nehmen, zu heiraten?“ „Spricht man dergleichen, gnädige Frau?“ „Allerdings. Ich glaube, daß der Obergärtner selbst, von dem erzählt wird, daß er in jüngster Zeit bisweilen in schwerein Weinrausch gesehen wurde, dieses Gerücht durch unvorsichtige, prahlerische Aeußerungen verbreitet hat. Ernst nehme ich es, weil auch mein sehr verständiger alter Freund, Hochwürden Biatsammlung des Vorstandes des Westfälischen Bismarckbundes beschlosson, zur allgemeinen Teilnahme an derselben wirderum einen Aufruf durch die Zeitungen in möglichst ausgebreiteter Weise zu erlassen. Die Fassung desselben übernahm dr Mitanwesende Dr. Hugo. Die Festreden übernahmen die Herren Fabrikant E. Schulz, Kaiserhoch; Professor Bindel, Schalke: Bismarckrede; Rektor Schnur, Altena: Auf das Vaterland; Dr. Hugo: Auf die Frauen.— Bezüglich der Musik wird der Schriftführer J. Secherling sich sofort mit dem Stabstrompeter des Westf. Kürassierregiments Nr. 4 in Verbindung setzen.— Der Stand des Kassenwesens wurde won dem Kassenführer in den einzelnen Positionen der Einnahmen und Ausgaben vorgetragen. Hieraus ergab sich im Rechnungsjahre 1905—06 eine Einnahme von 1779,91 Mark und eine Ausgabe von 1106,80 Mark, mithin ein Kassenbestand von 673,11 Mark. Davon sind in der Sparkasse Boele=Hagen 500 Mark angelegt, so daß dem Kassenführer ein Barbestand von 173,11 Mark zur Verfügung steht.— Zur Ergänzung des Vorstandes an Stelle on zwei gestorbenen Mitgliedern(Landgerichtsvat Bacumer und Rentner Maiweg) sollen für ersteren der neu zu wählende Vorsitzende der Ortsgruppe Dortmund, für letzteren der Amtmann Schöler in Langendreer neu gewählt werden. Ferner an Stelle won zwei noch fehlenden Mitgliedern: Bureauvorsteher Schmidt in Dortmund, Rektor Schnur in Altena. **(Warnung vor dem Genuß zu kalten Mineral= wassers und zu kalten Bieres.) Bei der jetzt beginnenden wärmeren Jahreszeit sei darauf hingewiesen, daß Mineralwässer, sowie das Bier sehr oft zu kalt verabfolgt werden und daß Genuß zu kalten Gteränkes sehr leicht ernste Verdauungsstörungen von langer Dauer nach sich zieht. Es empfiehlt sich nicht, Getränke zu genießen, die eine geringere Temperatur als 10 Grad Celsius haben, d. h. die kälter sind als frisches Trinkwasser. ** Unfall. Infolge verkehrten, Abspringens von der Straßenbahn kam gestern an der Ecke Hohenzollernstraße ein Reisender, der tunlichst schnell zum Bahnhof wollte, zu Fall. Er schlug auf die Schienen und trug eine klaffende Kopfwunde davon. Wir können immer wieder nur zu größter Vorsicht mahnen. Allein wer nicht hören will, muß fühlen. **(Eine ungarische Geigertruppe) wird auf ihrer Reise auch hier am 1. Pfingsttage im Saale des Herrn Schulze=Selmig gastieren. Große Abwechselung in Musik, Solo= und Chorgesang, außerdem choreographische Genüsse werden uns geboten. Bezauberd reich am Lichteffekten und Verwandlungen ist die Aufführung: Ein Traum von Licht und Schönheit. Die Landestrachten, besonders die der Damen sind schmuckvoll und volkstümlich. Die Truppe hielt einen wahren Triumphzug durch die Schweiz, die Niederlande, Frankreich usw. **(Ein herrlich gelegenes Fleckchen Erde) sind die „Baumschulen von L. Post“ auf dem Ebberge bei Westhofen. Man hat von hier aus einen prachtvollen Rundblick nach allen Seiten sund eine herrliche Aussicht auf das weite Ruhrtal. Herr L. Post aus Holzen hat dort nun ein Cafe=Restaurant,„Waldesruh“ genannt, errichten lassen, das am Donnerstag den 31. Mai eröffnet wird. Da sich von hier aus schöne Spaziergänge in den Wald machen lassen, so biefet sich dort zur Erholung ein angenehmer Aufenthalt. Wandhofen, 30. Mai. Der Bau der neuen katholischen einklassigen Schule ist soweit gefördert, daß vor einigen Tagen die Eindachung erfolgen konnte. Die innere Einrichtung, sowie die Herstellung des Spielplatzes wird im Laufe des Sommers vollendet werden, sodaß mit Beginn des Winterhalbjahres die Anstellung des Lehrers erfolgen kann. Die Schule steht etwas abseits von dem von der Chaussee abzweigenden Fahrwege. *r Hohensyburg, 29. Mai.(Fest der Hacketäuer.) Wie in den letzten Jahren, beabsichtigen auch zeck an die Möglichkeit der Sache glaubt. Und wenn es wirklich so wäre, würde Ehrenbreit sich moralisch umbringen; meinen Sie nicht auch?“ Ganz gewiß verdürbe er sich seine Zukunft, und gleichzeitig käme das Mädchen um Frieden und Heil.“ „Aber ich glaube noch nicht recht daran, daß es Ehrenbreit Ernst ist mit dem Heiraten. Da nun Liska Steinert nur auf diesem Wege zu gewinnen wäre, werden sich, so hoffe ich, die Beziehungen zwischen Edelhof und Gärtnerhaus naturgemäß wieder auf das normale Maß reduzieren. Vorläufig allerdings scheint das schöne Kind aus dem Volke eine starke Attraktion auf unseren Freund auszuüben, von welcher der Obergärtner profitiert. Er besucht den Grafen ganz ungeniert, und die guten Weine auf seiner Tafel kommen sicher aus dessen Keller.“ „Mir tut nur der junge Ludwig leid," bemerkte Bianka Stablewski.„Pan Biatzeck erzählte mir, daß dessen ganzes Herz an dem Mädchen hänge, und daß er schwer leide unter dem gegenwärtigen Stand der Dinge. Wenn denn schon einmal geheiratet werden muß, so wäre doch gerade dieser Ludwig der passende Gatte für die Gärtnerstochter. Ich habe viel Sympathie für den jungen Mann, den ich, nachdem Hochwürden Biatzeck mir von seinem Lerneifer und seiner Intelligenz erzählt, häusig mit Büchern versorge. „Wir wollen uns gegen Ehrenbreit verschwören und das Paar zusammenzubringen versuchen, gnädige Frau,“ sagte Hurbing scherzend.„Auch Sie vermögen durch ein kluges Wort zur rechten Zeit auf den Grafen hinzuwirken, und es beglückt mich, daß ich durch diese Verschwörung doch etwas mit Ihnen gemeinsam habe.“ Bevor Frau von Stablewski zu antworten vermochte, ward ihr der Inspektor gemeldet, und Hurbing hielt es für richtig, sich zu empfehlen. Als er das warme, helle Wohnzimmer verließ, war es ihm, als wandere er aus der Heimat in die Fremde. Wenn ich immer in ihrer Nähe sein dürfte, dachte er. Welche Fülle von Freuden edelster Art würden wir gemeinsam dem Leben abgewinnen! Aber sie kennt mich nicht. Ich bin ihr ein Mann wie jeder andere. Und ich muß mir das weiße Haus aus dem Sinne schlagen, bevor die Sache ernst wird. *„ 138.20 jetzt die ehemaligen Angehörigen des 16 InfanterieRegiments sich zu einem Regiments=Appell zusammen zu finden. Für dieses Jahr ist als Versammlungsort unsere alte historische Hohensyburg ausersehen, und als Tag derjenig: gewählt, an welchem einst dem Regimente beschieden war, dem Vaterlande die schwersten Opfer zu bringen und di größten Lorbeeren zu ernten. Nämlich der Gedenktag der Schlacht bei Mars la Tour. Da jedoch dieser Tag auf einen Wochentag fällt, so ist die Feier auf den vorhergehenden Sonntag, den 12. August, verlegt. *c Hörde, 29. Mai.(Unfug.) Zwei halbwüchsige Burschen balgten sich gestern nachmittag vor dem Kaufmannschen Geschäft. Plötzlich nahm einer der Burschen einen Stein und warf damit nach seinem Gegner. Der Wurf ging fehl und zertrümmerte die große Spiegelscheibe ddes Herrn Kaufmann.— Mit einem gelademen Revolver spielten gestern nachmittag in einer hiesigen Wirtschaft zwei juige Leute. Die Waffe entlud sich und erhiellt einer der Leute einen Streifschuß am Arm. Westfalen und Rheinland * Dortmund, 29. Mai.(Mordversuch.) In der Hohe Luft 3 machte der Zimergeselle Heinrich Wagner auf ein junges Mädchen, mit dem er ein Verhältnis gehabt hatte, einen Mordversuch, indem er mehrere Revolverschüsse auf sie abgab. Darauf richtete er die Waffe gegen die Mutter des Mädchns, die Witwe Linnemann. Beide sind schwer verletzt Der Täter ist flüchtig. * Buer, 29. Mni.[(Schwer verbrannt.) Als gestern die ungefähr 17jährige Tochter des Schuhwarenhändlers Schlüter, an der Essenerraße hierselbst wohnhaft, einen größeren Topf mit Fett auf dem Feuer zum Ausschmelzen stehen hatte, schlug die Flamme in den Topf hinein, so daß sich das Fett entzündete. Das junge Mädchen ergriff einen Eimer Wasser, den sie über das brennende Fett goß. Jetzt entstand eine heftige Explosion, wobei das Fett durch die offenstehende Tür in den Laden schlug und das große Schaufenster zertrümmert wurde. Die Schlüter erhielt heftige Brandwunden, besonders wurden ihr die Hände, Arme und Brust schwer verbrannt. * Siegen, 29. Mai.(Der Aberglaube.) Vor einiger Zeit wurde in einem benachbarten Orte bei einer Person die Genückstarve konstatiert. Bei Feststellung dieser stückischen Krankheit verlautete, daß eine Frau in dem Orte die Kranke verhext habe und ein Mann aus dem Hintergrund herbeigeholt worden sei, den Teufel bei der Erkrankten zu vertreiben.— Dies geschehen im 20. Jahrhundert nach Christi Geburt, oder befanden sich die betreffenden Leute noch im Mittelalter!— * Paderborn, 29. Mai.(Genickstarre.) In der 7. und 8. Kompagnie des Infanterie=Regiments Nr. 13 in Münster ist je ein Fall von Genickstarre festgestellt worden. Beide Kompagnien werden deshalb morgen das Sennelager nicht beziehen. Kleine Chronit. (!!) Dr. Götz, der Vorsitzende der deutschen Turnerschaft, erhielt wegen seiner großen Verdienste um das deutsche Turnwesen zum 80. Geburtstag vom Kaiser den Kronenorden dritter Klasse. Hamburg, 29. Mai. An der Elbemündung wurde die Leiche eines Herrn Levy aus Berlin gelandet, der im Januar auf einer Fahrt won Cuxhaven nach Helgoland vom Dampfer Silvana über Bord stürzte und ertrank. Die Leiche, auf deren Auffindung man 500 Mk. Belohnung ausgesetzt hatte, konnte seinerzeit nicht geborgen werden. Wertsachen und Papiere, die er bei sich getragen hatte, wurden bei der Leiche vorgefunden. Nürnberg, 29. Mai. Samstag abend wurden zwei Dienstmädchen auf der Straße von einem ihnen begegnenden Manne durch Messerstiche gefährlich verletzt. Der Täter ist noch nicht ermittelt. Beuthen, 29. Mai. Heute früh 6 Uhr stürzte an dem Neubau in der Parallelstraße ein 4 Stock hohes Gerüst zusammen sund begrub 13 Arbeiter und Arbeiterinnen. Alle sind verletzt Ein Arbeiter ist bereits gestorben. Genf, 29. Mai. Eine sehr gefährliche Sprengbombe wurde in der Gießerei Kugler in Genf entdeckt, deren Znüdschnur durch einen Zufall erloschen war. Kugler hatte während des Metallarbeiterstreiks Arbeiter entlassen und dadurch den Haß der Streikenden auf sich gelenkt. Neapel, 29. Mai. Eine furchtbare Familienkatastrophe hat sich in Montepagano zugetragen. Ein Farmer, welcher einen Gehilfen in Verdacht hatte, Beziehungen zu sseiner Frau zu unterhalten, tötete diesen durch Axtschläge. Die auf das Hilfegeschrei herbeieilende 19jährige Schwester des Farmers tötete letzterer durch Messerstiche und wandte sich alsdann gegen seine Frau, die er ebenfalls durch Stiche tötete. London, 29. Mai. Ein Telegramm aus Reno im Staate Nevada berichtet, daß eine Wasserhose in der Nähe des Grubenlagers von Galconda das ganze Lager zerstört hat 25 Personen sind umgekommen. London, 29. Mai. In der Nacht ist der Maler Archibald Waklen, dessen Bild„Die schlafende Schönheit“ in der Akademie ausgestellt wurde, auf rätselhafte Weise ermordet worden. Die Polizei nimmt an, daß er Einbrecher überraschte und von ihnen erschlagen wurde. An das Haus, in dem der Mord stattfand, stößt nämlich eine Filiale der London u. Connty Bank. London, 29. Mai. Im Firth of Clyde kam es am Sonntag zu einem Zusammenstoß zwischen zwei Dampfern, dem Duke of Gordon und dem Garrik, wobei sechs Menschenleben verloren gingen. Der Dampfer Garrik hate eine Ladung lebendes Vieh an Bord, und es entstand eine furchtbare Verwirrung an Bord, denn der Dampfer ging mit großer Schnelligkeit unter. Der Kapitän, ein Kabinenjunge und vier Zwischendeckpassagiere ertranken. Tokio, 29. Mai. Auf der Grube„Yubari“ in Hokkeda zerstörte eine Feuersbrunst 418 Arbeiterwohnungen. Neun Arbeiter sind in den Flammen umgekommen. der angerichtete Schaden ist bedeutend. Der Sensemann im Modefahrzeug. Berlin, 29. Mai. Gestern um Mitternacht ereignete auf der von Wannsee nach Berlin führenden Chaussee ein Automobilunfall, der den Tod des Chausferus zur Folge hatte. Baron Thyssen, dem das Automobil gehört, fuhr mit Begleitung nach Berlin. An einer Kurve flog der Wagen in den Chausseegraben uund begrub den Chauffeur unter sich. Der Mann brach bei dem Sturze das Genick und war sofort tot. Baron Thyssen und seine Begleitung wurden ebenfalls aus dem Wagen geschleudert, erlitten aber keine ernsteren Verletzungen. Der Wagen war vollständig zertrümmert. Berlin, 29. Mai. Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich heute nachmittag gegen 2 Uhr auf dem Schloßplatze. Ein in schneller Fahrt aus der Breitestraße kommendes Automobil fuhr, da auf dem regenfeuchten Asphalt die Steuerung versagte, mik großer Heftigkeit gegen die Bordschwelle vor dem Schlosse. Die beiden Insassen wurden so schwer an Armen und Beinen verletzt, daß sie nach dem Krankenhaus am Friedrichshain geschafft werden mußten. Der Chauffeur erlitt am Kopfe schwere Verletzungen. für Aus dem Dortmunder Stadttheater. Der Spielplan 1906: 07. Herr Direktor Gelling teilt uns mit: Die letzte Spielzeit der„Vereinigten Stadttheater Essen=Dortmund“ und zugleich die letzte meiner hiesigen Direktionsführung überhaupt, beabsichtige ich— unterstützt durch ein zahlreiches Künstlerpersonal— zu einer besonders eindrucksvollen zu gestalten. Die Spielzeit 1906—1907 soll demnach nicht nur das bedeutendsté von neuem auf dem Gebiete des Schauspiels und der Oper bringen, sondern im gewissen Sinne auch einen zusammenfassenden Rückblick auf die künstlerischen Leistungen der letzten Jahre bieten. Im Schauspiel wird neben der Vervollständigung des klassischen Repertoirs eine ganze Reihe von Neuheiten zur Darstellung kommen. Vorläufig in Aussicht genommen sind u. a.:„Hochzeitsfackal“ von Max Dreyer,„Der Unsichere“ von R. Fellinger,„Marionetten“ von A. Schnitzler,„Der Weg zur Hölle“ von G. Kadelburg,„Nachtkritik“ von R. Presber,„Die fromme Helene“ von Lippschitz,„Die von Hochsattel“ von Stein und Heller. Daß diese Liste noch durch die neuesten Darbietungen Hauptmanns, Sudermanns und anderer hervorragender Autoren, sowie guter älterer Stücke, wie„Hochzeit zu Valeni“ von Ganghofer=Brociner, ver“ vollständigt werden wird, ist selbstverständlich. Henrik Ibbsen— dessen„Volksfeind“ die Spielzeit eröffnet, soll durch eine Auswahl seiner besten Dramen vertreten sein; ebenso Björnstjerne Fallissement— Die Neuvermählten). Die italienische Literatur werden Giacosa(Tristi amori) und Roberto Bracco(Untreu) repräsentieren, während das moderne französische Schrifttum sowohl mit einigen der gemäßigteren Schwänke Bilhauds und Hennequins, sowie durch Prewost, Rostand und Capus zu Worte kommt. Dazu sollen auch die Engländer etwa mit Shaws und Wildes Komödien und von den Spaniern Echegaray sich einfinden. Außerdem ist ein großer„Zyklus von dramatischen Meisterwerken der Weltliteratur“, der in geschlossener Reihe deutsche, französische und spanische Autoren berücksichtigt geplant. Ferner wird ein historischer„Deutscher Lustspiel=Zyklus“ die einschlägige Produktion von 1796 bis 1884 vorführen. Damit dürfte dem Schauspiel ein reiches und künstlerisch wertvolles Arbeitspensum gegeben sein, das auch dem Publikum erlesene Genüsse verspricht. Aehnlich gestaltet sich das Repertoir der Oper und Operette. Aus den Schöpfungn der Gegenwart wird die die Direktion Werke von Leoncavallo(Soheme), Giodano(Fedora), Verdi(Othello), Strauß(Frühlings= luft, sowie sonst Bemerkenswertes bringen, wie„Königin von Saba“ von Goldmark,„Hofmanns Erzählungen, von Offenbach,„Der Widerspenstigen Zähmung“ von Goetz u. a.— Daneben wird das gangbare Opernrepertoir selbstverständlich die beliebtesten Namen und Werke aufweisen. Ueberdies sind große„Zyklen von Meisterwerken der deutschen und französisch=italienischen Tonkunst" in Aussicht genommen. Dieselben sollen einerseits die Entwickelung der Oper von Gluck bis Richard Wagner und andererseits von Cherubini und Mehul bis Verdi(Othello) und Leoncavallo veranschaulichen. Nebenbei werden Pantomimen(„Die HHand“,„Der verlorene Sohn") und Balletneuheiten geboten werben. So soll auf jedem Gebiete, soweit es die Umstände und Verhältnisse gestatten, und soweit diese Pläne Anteilnahme und Beteiligung finden, Interessantes und Sehenswertes den Spielplan ausfüllen. Die Einrichtung der Literarischen Matinees hat sich als erfolgreich erwiesen und soll unter Leitung des Dramaturgen Heinrich von Korff beigehalten werden. Im Sinne ihrer Planung werden diese Matinees ein Bild der modernsten zeitgenössigen Literatur geben. Mit ldiesem Programm will ich mein Wirken hier abschließen, und wie ich mich dieser Aufgabe mit dem ganzen Idealismus widmen werde, der mir in strenger Pflichterfüllung kreu geblieben, erhoffe ich, daß mir auch die Allgemeinheit mit ihrer Gunst und all der Sympathie, die mein Wirken bisher begleitet, in Erfüllung meines Vornehmens bis zum Schluffe freundlich und fördernd zur Seite stehen möge Lehl. Trühlmrrbungen. Verstärkung für Südwest. Hamburg, 30 Mai. Ein Verstärkungstransport Deutsch=Südwestafrika von 20 Offizieren, 294 Unteroffizieren und Mannschaften und 980 Pferden ging auf den beiden Dampfern„Professor Woermann“ und „Pisa“ unter Major Wiedlich und Oberleutnant Hartrott als Transportführer von Hamburg nach Südwestafrika ab. Oesterreich gegen Ungarn. Wien, 29. Mai. Sämtliche Reichsratsklubs nahmen Entschließungen an, in welchen dem zurückgetretenen Ministerpräsidenten Hohenlohe für die Vertretung der österreichischen Interessen gegenüber Ungarn die Anerkennung a usgesprochen wird. In der Bevölkerung herrscht eine geradezu gedrückte und verbitterte Stimmung gegen die kaiserliche Entscheidung, die heftige Ausbrüche im Parlament befürchten läßt. Noch kein Nachfolger gefunden! Wien, 29. Mai. Der Empfang des Statthalters von Böhmen, Grafen Coudenhove, hat nicht zu dem Auftrage, das neue Kabinett zu bilden, geführt. Graf Coudenhove ist wieder nach Prag zurückgekehrt. Halbamtlich wird in Abrede gestellt, daß Graf Schönborn die Bildung des Kabinetts angeboten wurde, er aber abgelehnt habe. Die Schwierigkeit der Lage zeigt sich darin, daß es noch nicht gelungen ist, einen Nachfolger für Hohenlohe zu finden. Drohnde Neuauflage der Revolution. Odessa, 29. Mai. In Sebastopol haben die Behörden weitverzweigte Anschläge entdeckt, alle Offiziere zu ermorden und die Arsenale zu besetzen. Die Truppen sind nur teilweise zuverlässig, während die Mannschaften der Schwarzen=Meer=Flotte sämtlich mißvergnügt sind. Die Lage bezüglich des Geschwaders ist so ernst, daß schleunigst ein Schlachtschiff und ein Kreuzer benannt wurden und zwar hauptsächlich mit Offizieren, um die Schiffsmannschaften einzuschüchtern und nötigenfalls auf die unzufriedenen Besatzungen der anderen Schiffe zu feuern, auf denen die Geschützverschlüsse entfernt wurden. Trotz der Begnadigung hingerichtet? Riga, 29. Mai. Die von Kriegsgericht zum Tode verurteilten acht Revolutionäre wurden heute früh in der Festung Dünmünde hingerichtet, da die Begnadigung angeblich verspätet eintraf. Der serbisch=österreichische Konflikt. Belgrad, 30. Mai. Infolge des am Sonnabend der serbischen Regierung zugegangenen Memorandums der Wiener Regierung, worin diese kategorisch auf eine Bestellung der Skodageschütze bestand, fand gestern unter dem Vorsitz des Königs ein Ministerrat statt, in dem die serbische Regierung auf ihrem Standpunkte beharrte, da sie auf den neuerlichen Druch Oesterreichs in der Lieferungsfrage selbst auf die Gefahr eines Zollkrieges hin nicht nachgebe sondern eher demissionieren werde. Streikende Landarbeiter. Mailand, 30. Mai. In den Reisdistrikten Mortara und Vercelli streiken 6000 Landarbeiter. Die Grundbesitzer beschlossen, keine Konzessionen zu machen. Kavallerie zerstreute herumziehende Haufen Streikender. Die Aufregung wächst. Die Madrider Hochzeitsfeierlichkeiten. Madrid, 30. Mai. Gestern nachmittag drei Uhr trafen mit Sonderzug die fremden Fürstlichkeiten aus England, Schweden, Belgien, Oesterreich, Monaco, Griechenland und Deutschland hier ein, vormittags diejenigen aus Portugal und Italien. Um 4 Uhr war feierlicher Empfang im Palais, wobei die Musik jedesmal, wenn eine Fürstlichkeit vortrat, um die königlichen Familie zu begrüßen, die betreffende Nationalhymne spielte. Trotz erstickender Hitzs war eine ungeheure Volksmenge vor dem Palais versammelt. Gestern nachmittag fanden die offiziellen Empfänge der außerordentlichen Gesandtschaften im Palais statt. Kämpfe in Natal. London, 29. Mai. Bei Krantzkop, Natal, wurde die englische Truppenabteilung gestern mittag von den Aufständischen angegriffen. Nach zweistündigem Kampfe wurde der Feind zurückgeworfen und hatte 70 Tote und viele Verwundete. Englischerseits wurde ein Mann getötet, ein anderer verwundt. Vermischtes. **(Zahlen, die zu denken geben.) Welch ungeheuren Anteil der Alkohol an den Straftaten hat, geht aus folgenden Angaben hervor, welche wir der höchst besenswerten Broschüre„Alkohol und Wehrkraft“ des deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke(Berlin W. 15, Fasanenstraße 59) entnehmen. Darnach sind im Zustand der Trunkenheit verübt worden von 100 Morden 46, von 100 Fällen von Totschlag 63, won 100 Fällen von schwerer Körperverletzung 64, von 100 Fällen von Widerstand gegen die Staatsgewalt 76 und von 100 Fällen von Sittlichkeitsverbrechen 77, Eine ähnliche Zusammenstellung über gerichtliche Aburteilung militärischer Vergehen ergibt, daß verübt worden sind von 100 Fällen militärischen Aufruhrs 88, von 100 Fällen tätlichen Angriffs, gegen Vorgesetzte 75 und von 100 Fällen Ungehorsams 35 im Zustand der Trunkenheit. Verantwortlicher Redakteur: Wilh. Schade, Schwerte. Bekanntmachung. Es wird beabsichtig“, den zwischen, den Parzellen.### Nr. 251/31, 57, 58, 68, 67 und Flur o, Nr. 12 und 22 der mei ung des Ausschlusses bei der u te ze chneten Behörde geltend v: machen.„ gp.; 100 West osen, den 2b. Biai 1906. Der Amimann. v. Daniels. Bekanntmachung. Hierburch ordne ich von Londesgassenggz sgrta, bss amtlichBezeichnung„Bad Sassenkors ührt Arnsberg, den 10. Moi.“ g., Begie, In Vertr.: Seydel. Gestern mittag 12 Uhr entschlief sanft nach lan. gem, schwerem, mit Geduld ertragenen Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, der Berginvallde Cärr Deerei im Alter von 55 Jahren. Dies zeigen tiefbetrübt an mit der Bitte um stille Teilnahme Die trauernden Hinterbliebenen. Lichtendorf, Overberge, Gelsenkirchen, Mörchingen und Geisecke b. Schwerte, 30. Mai 1906. Die Beerdigung findet Freitag, den 1. Juni, nachmittags 3 Uhr vom Sterbehause aus statt. Gras=Bekkäuf. Mittwoch, den 6. Juni d. Js., nachmittags 4 Uhr soll das Gras in den Flößwiesen des Gutes Ruhr nummerweise meistbietend verkauft werden. 1994 Zusammenkunft an der Rettelmühle. Haus Ruhr bei Schwerte, den 28. Mai 1906. Freiherrlich v. Rheinbabeusche Rentei. burg konunsjburg. An den beiden Pfingsttagen grosse K U 1901 Entree à Person 30 Pfg. Table d’ hote: Mittags ½1 Uhr. R. Wulf. — s z u m b i l l i g s t e n T a g e s p r e i s e empfiehlt L. Weinberg. Hinweis. 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Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Familientreund." o o 0 O O O O O O O O o o o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum Pf., Anzeigen von auswärts IS Pf., Reklamezeile 40 Pf. Nr. 125. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Mittwoch, den 30. Mai 1906. Alle Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbincliche Kraft. o 0 0 O O O O O C O O o 0 o Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Telegr.-Adresse Braus, Schwerte-Kuhr. o 38. Der Alkohol in Irland. London, 29. Mai. Die irische Partei im Unterhause bot kürzlich das seltene, uund man kann beinahe zur Verhängung in sche ton, fand sie wieder unter jjenen irischn Abgeordnteen, von denen man weiß, das sie e inem Gläschen Irisch Whisky oder Dublin Stout nicht abgeneigt sind. In Irland handelt es sich nämlich darum, die Sonntagssperre auf die von ihr noch freien großen Städte— Durr., Velfast, Cork, Limerick und Waterford— auszudehnen. Der Führer der irischen Partei, Herr William Regmond schlug sich auf die Seite der Befürworter des Sperrgesetzes. Russell hielt wohl von allen Irländern die eindrucksvolle Rede. Sein schönes Vaterland, sagte er, leide an vier Uebeln: der Auswanderung, der Schwindsucht, der erschrecklichen Zunahme in der Zahl der Irrsinnigen und als lletztes und schlimmstes, der Trunksucht, die die Wurzell der anderen Uebel bildet. Die Frage der Ueberweissung der Bill an den Ausschuß wurde aber dann mit großer Majorität(229 gegen 49 Stimmen angenommen, damit ist das Sperrgesetz für Irland so gut wie gesichert. Die Minorität bestand vorwiegend aus Irländern. Trotz dieser zu Tage getretenen Spalltung in der Sperrfrage wird aber an dem Zusammenhalten der irischen Partei im Unterhause nichts geändert. Gesundheitspflege. Sind Spargel gesund? Die Spargel haben fast noch mehr als jedes andere Gemüse ihre Saison, lin der sie da auch wirklich überall zu finden sind, wo nicht gar zu sehr gespart werden muß. Seine große Beliebtheit beruht wohl nicht ausschließlich auf seinem Geschmack, sondern zum Teil auch darauf, daß er das frühste aller frischen Gemüse ist. Der Spargel enthält einen ihm eigentümlichen chemischen Stoff, das Asparagin. Die Chemie hat jedoch noch nicht zu erklären vermocht, wodurch der angenehme Geschmack der Spargel eigentlich bedingt wird, hat jedoch durch ihre Untersuchungen festgestellt, daß ihnen jedenfalls ein hoher Nährstoff zukommt. Der Spargel gehört zu den merkwürdigen Nahrungsmitteln, die nen festen Stoff bilden, obgleich sie mehr Wasser enthalten als manche Flüssigkeiten, z. B. Milch. Namentlich der am meisten geschätzte Kopf des Spargels ist sehr wasserreich, indem er zu 93 v. H. aus Wasser besteht, zu 5 v. H. mehr als die Milch. Die festen Bestandteile des Spargels sind besonders reich an stickstoffhaltigen Stoffen; wenn das Wasser aus einem Spargel völlig herausgezogen wird, so bilden sie etwa ein Drittel des Ganzen. Zu diesen Teilen kann auch eine Purinverbindung gerechnet werden, der übrigens die schädliche Wirkung des Spargels auf manche mit Gicht behaftete Leute zugeschrieben wird. Wenn Spargel in großen Mengen genossen wird, so wird die Ausscheidung von Harnsäure sehr bedeutend gesteigert. Die Wirkung ist eine ähnliche, wie nach reichlichem Genuß von Bier, das gleichfalls Purinkörper enthält, die dagegen in Spirituosen und Weinen gänzlich fehlen. In mäßigen Mengen kann der Spargel aber wohl kaum irgend eine Störung der Körpertätigkeit herbeiführen, im Gegenteil, er wird wegen seiner leichten Verdaulichkeit auch von kränblichen Leuten vertragen. Zuweilen wird ihm ein Vovurteil entgegengebracht wegen des bei der Verdauung des Spargels entstehenden flüchtigen, schwefelhaltigen Stoffes, der dem Harn einen auffälligen Geruch mitteilt, aber die Tätigkeit der Nieren gar nicht beeinflußt. Westfalen und Rheinland. * Castrop, 29. Mai.(Das Schießgewehr.) 4 bis 5 jugendliche Arbeiter von hier hatten sich vor burzem sogenannte Teschins kommen llassen. Einem dieser, dem Fabrikarbeiter A. L. passierte vor einigen Tagen das Malheur, infolge leichtsinniger Spielerei mit demselben den17jährigen Schlosserlehrling G. Menke, Mühlenstraße, in die Stirn zu schießen, an deren Verletzung er wegen Bruchs des Schädels heute im Krankenhause gestorben ist. Beim ersten Verbinden der Wunde hätte der Getötete angegeben, sich in einen Nagel gestoßen zu h aben, damit, falls keine weitere Schädigung der Gesundheit erfolgte, der leichtsinnige Schütze straflos bleibe. 0 Paderborn, 29. Mai.(Albenbekener Tunel.) Durch eine Reihe von Blättern geht die Meldung, daß der Altenbekener Tunnel voraussichtlich bereits im nächsten Monat wieder fahrbar werde. Daran ist nicht im mindesten zu denken, vielmehr ist dieser Tage wieder ein neues Hindernis eingetreten, das zur Beseitigung einige Zeit erfordert. Mit irgendwelcher Bestimmtheit kann man den Zeitpunkt der Wiedereröffnung noch nicht feststellen, aber wohl als sicher betrachten, daß sie nicht wesentlich vor dem Inkrafttreten der Herbstfahrpläne wird erfolgen können, wenn alles im ganzen seinen regelrechten Verlauf nimmt. 8 Elberfeld, 29. Mai.(Der Fluch der bösen Tat.) In die Angelegenheit der Verbrechen gegen die Paragraphen 218 und 219 des St.=G.=B. sind auch zwei junge Burschen verwickelt worden. Sie hatten erfahren, daß die freiwillig aus dem Leben geschiedene Frau Vorpahl und mit ihr ein Architekt die Verbrechen ausführten und ihre Kenntnis wiederholt erfolgreich zu Erpressungen gegen Frau Vorpahl und den Architekten ausgenutzt. Eine der beschuldigten Frauen, die einstweilen auf freiem Fuße belassen worden war, versuchte sich mit Lysol zu vergiften. Sie sist schwer verletzt. § Duisburg, 29. Mai.(Die Strafkammer verhandelte heute gegen den Landwirt Waterkamp aus Duisburg=Ruhrort=Laar wegen Nahrungsmittelverfälschung. Der Angeklagte hatte im Sommer v. J. in die von seinen Kühen gemolkene Milch 35 Prozent Wasser und eine größere Menge schmutziges Eis getan. Diese Milch hat der Angeklagte als„Kurmilch“ verkauft, wobei er an seiner Wirtschaft ein Schild mit der Aufschrift„Milchkuranstalt" anbringen ließ. Nachdem das Schöffengericht den Angeklagten dieserhalb zu 8 Tagen Gefängnis verurteilte, erkannte die Strafkammer auf die von der Staatsanwaltschaft eingelegte Berufung auf eine Zusatzstrafe von 300 Mark. * Hamborn, 29. Mai.(Durch den Genuß von unreifem Obst gestorben.) Hier starb plötzlich ein 7jähriges Kind, das vorher noch auf der 42 Die Schönheit von Remörow Roman von Bogumil von Czartorski. Seinem Plane gemäß, suchte Hurbing den Grafen nach seiner Heimkehr nicht mehr auf, angeblich, um ungestört einen neuen ntwurf auszuarbeiten. Schließlich griff er denn auch in der Tat, um das Bild der schönen Frau in dem weißen Hause aus seinen Gedanken zu bannen, zu Stift und Skizzenbuch, seine geliebte Kunst schien mit der Zauberin im Bun#r. anter den halb mechanischen Zügen seines Stiftes erschien das edle, ausdrucksvolle Gesicht der Polin auf dem weißen Blatte. Mit ungeduldigem Aufseufzen schob Hurbing die Arbeit zur Seite. Ichwill mich niederlegen und meinen Wahnsinn verschlafen! Da ward das Geräusch sich nähernder Schritte auf der Treppe laut. Sollte Ehrenbreit ihn so spät noch aufsuchen? Nein, das waren die schuellen, elastischen Schritte eines Gesunden, und das nun folgende Klopfen klang, als habe der Besucher Eile, vorgelassen zuwerden. 4464 mem Hurbing öffnete selbst die Tür und war nicht wenig erstannt, Fabian Ludwig vor sich zu sehen. Der junge Mann sah und verstört aus; sein unruhiger Blick verriet dem Maler sofort, daß etwas Besonderes geschehen sein müsse.„Seien Sie willkommen, Ludwig!“ sagte er freundlich, bemüht, dem unerwarteten Gaste über die erste Befangenheit hinwegzuhelfen. „Ich hoffe, es ist kein unerfreulicher Umstand, der Sie veran„Kein erfreulicher, gnädiger Herr. Leider nicht,“ entgegnete Fabian, sich gewaltsam zur Ruhe zwingend.„Ohne einen Grund würde ich es niemals gewagt haben, Sie zu so später Stunde zu stören, und unangemeldet einzutreten. Gnädiger Herr, Sie sagten einmal einige Worte zu mir, es war Sommer damals und vieles anders! Sie sagten:„Ich bin Ihr Freund, vergessen Sie das nicht. Ich vergaß es nicht. Und um dieser acht Worte willen bin ich hier. Ich komme, um Ihren Rat, Ihren Beistand „Das ist brav, Ludwig Ich danke Ihuenl“ sagte der Malez herzlich.„Was ich damals aussprach, gilt noch heute. Ich ten tun, was ich kann. Aber nehmen Sie vor allem einen Stuhl und gönnen Sie sich einige Augenblicke Ruhe! „Ich bin nicht müde. Es ist außerdem keine Zeit zu verlieren in meiner Sache,“ erwiderte der junge Landmann tie atmend.„Sie schrieb mir auch, ich müsse handeln! Und.. bei Gott, das will ich! Meine Geduld, mein Stillhalten hat nun „Sie hat Ihnen geschrieben?“ riefder Maler mit einer Bewegung des Erstannens.„Sie erhielten einen Brief von Liska Steinert? Das ist Ihre Neuigkeit?“ Nicht von ihr, gnädiger Herr. Den Brief schrieb eine junge Dame, die mit ihr in der gleichen Schule ist oder war. Liska befindet sich nicht mehr dort! Der Himmel mag wissen, wo und wie ich sie wiederfinden werde! Aber daß es geschieht, ist sicher! Und sollte ich suchend die Welt durchwandern bis zum letzten Tage meines Lebens!“ Beruhigen Sie sich, Ludwig! Sprechen Sie leiser! Ich kann aus diesen wirren Andeutungen den Sachverhalt nicht erraten, und ohne genau zu wissen, was sich zutrug, ist es mir unmöglich, Ihnen Rat oder Beistand zu gewähren. Was schrieb die junge Dame also? Es wäre gut, wenn Sie den Brief mitgebracht sten.“ „Er ist sehr kurz, gnädiger Herr, daher erschien es mir überflüssig. Die Schreiberin nennt sich Liskas Freundin und sagt, sie allein dort in der großen Schule kenne die Geschichte der„Schönheit“ und den Ort, aus dem sie gekommen. Baron von Ruck habe der Schulvorsteherin nichts davon mitgeteilt und ebensowenig seine Adresse zurückgelassen; da müsse man nun seine brieflich für die nächste Zeit angekündigte Rückkehr abwarten, um ihn von dem Verschwinden seiner Nichte zu unterrichten. Sie, die Briefschreiberin, glaubt aber, ich Fabian Ludwig, sei die einzig richtige Person, Liska Steinert wieder auf den graden Weg zu helfen. So heißt es wörtlich in dem Briefe, gnädiger Herr. Und dann weiter:„Handeln Sie also, Herr Ludwig! Liska muß ihren liebsten und ältesten Freund zur Seite haben in den schweren Tagen, die zweifellos auf ihre Rückkehr in das Vaterhaus b gen werden. Stund= noch nicht beingekehrt 9: Aber Liska ist doch bis zur Stunde noch nüchr hrungrlihek? „Nein! Und sie wird auch nicht heimkehren, wie ich sie kenne. Ich weiß ja nicht, wie das alles zusammenhängt und was die fremden Menschen meinem Liebling getan haben, aber es schmerzt mich, daß das Mädchen nicht aus sich selbst nach miir rief in seiner Not, wie es früher allemal geschah; dennoch will ich handeln, will Liska suchen gehen und wenn ich sie gefunden habe, ihre Sache zu der meinen machen. „Recht gesprochen, Ludwig. Aber es scheint mir, als sei Ihr Platz zunächst hier in Rembrow, solange die Möglichkeit besteht, Liska könne heimkehren. Sie müssen jederzeit da sein, helfend „Und nichts tun als abwarten, gnädiger Herr? Das kann ich nicht aushalten. Die Ungewißheit über das Schicksal Liskas frißt wie ein Wurm an meinem Leben.“ „Sie sollen nicht lange in dieser Ungewißheit bleiben. Ich versprach Ihnen meinen Rat und Beistand. „Was wollten, was könnten Sie in dieser Sache tun, gnädiAn Ihrer Stelle nach Berlin gehen und so viel wie möglich auskundschaften, das ist das erste. Ihnen würden sich dort unzählige, unberechenbare Schwierigkeiten in den Weg stellen, die für mich nicht existieren. So gelangen wir schneller ans Ziel. Die blauen Augen des jungen Landmannes strahlten hoffnungsvoll auf.„Ich danke Ihnen von ganzem Herzen, gnädiger Herr! Das ist mehr, viel mehr als ich erwartete!“ rief er, in überwallendem Gefühl die Hand des Malers ergreifend. „Und Sie hoffen Liska zu finden? Sie werden nicht ablassen, bis wir sie wieder haben?“ „Sicherlich werde ich ein Resultat erzielen. Ich bin ja auch ein aufrichtiger Freund Ihres kleinen Mädchens. Der morgende Tag soll mich bereits reisefertig finden. Vorher sprechen wir einander noch einmal.“ „Nochmals Dank, gnädiger Herr! Mein Herz ist nun viel leichter. Ich will gehen und ruhig abwarten, was Sie mir raten. Gute Nacht!“....„ „Gute Nacht, Ludwig. Sie konnen mir vertrauen und guten Mutes sein.“ An der Tür wandte sich Ludwig noch einmal um. Etwas hätte ich Ihnen beinahe mitzuteilen vergessen. Am Schlusse ihres Briefes schreibt das Fräulein:„Nicht weit von Ihnen, auf Kubitken, jetzt Ulmenau, wohnt eine liebe Freundin von mir, eine herzensgute Frau, zu der Sie gehen können, damit sie sich Liskas gleichfalls annimmt, wenn es nötig sein sollte. Zeigen Sie Frau von Stablewski meinen Brief; ich habe ihr gleichfalls geschrieben.“ Kennen Sie die Herrin von Ulmenau, gnädiger Herr?" Recht gut, Ludwig. Und ich kann Ihnen nur raten, der Briefschreiberin zu folgen. Gehen Sie sofort nach Ulmenau. wenn es auch schon spät ist.“ 138.20 Straße mit sanderen Kindenn fröhlich gespielt hatte. Die ratlosen Eltern ließen sofort einen Arzt holen, weil das Kind über Leibschmerzen geklagt hatte. Nach der Ansicht des Arztes ist der Tod eine Folg: des Genusses grüner Stacholbeeren oder Kirschen. * Düsseldorf, 29. Mai.(Unverdienter Wertzuwachs.) Die ungesunden Preistreibereien in Grundstückswerten, besonders in den großen Industriestädten, erhellen recht bezeichnend wiederum aus folgendem Beispiel. Die hiesige Stadtverwaltung veräußerte im verflossenen Jahre ein ihr gehöriges, im Stadtinnern gelegenes Bangelände zum Preise von 155000 Mark an ein Geschäftskonsortium. Dieses hat nunmehr beim Weiterverkauf an diesem Terrain einen Gewinn von 200000 Mark erzielt. Angesichts derartiger Vorkommnisse auf dem Grundstücksmankte, die keineswegs vereinzelt dastehen, macht sich der Mangel einer Steuer auf den unverdienten Wertzuwachs besonders fühlbar. Kirche und Schule. (::)(Schulstatistische Erhebung.) Der Herr Minister der geistlichen usw. Angelegenheiten hat für den 20. Juni d. J. eine schulstatistische Erhebung angeondnet, uum ein möglichst genaues und wvollständiges Bild über den Stand sund die Entwicklung des gesamten niederen und mittleren Schulwesems der preußischen Monarchie zu erhalten; es handelt sich dabei um Feststellung der seit der letzten Erhebung iim Jahre 1901 eingetretenen Veränderungen und um die Vervollständigung der bisherigen Ermittelungen. Die früheren Erhebungen fanden im Jahre 1886, 1891, 1896, 1901 statt; das Königliche Statistische Landesamt ist mit der oberen Leitung der Erhebung und deren Bearbeitung beauftragt. Die auf gelblichem Papier gedruckten Nachweisungen 1—7, sowie die aufs gelblichem Papier gedruckte Lehrerzählkarte sind für die öffentlichen Volksschulen uund deren Lehrpersonen bestimmt, die blauen Zählpapiere für die anderen unter die geplante Erhebung fallenden mittleren Schulen bestimmt. In den Städten wird der Magistrat(Bürgermeister) die Erhebungsbehörde sein, in den Landgemeinden die Landräte und Kreisschulinspektoren. Humoristisches aus Monte Carlo. Monte Charlo ist in unseren Vorstellungen unauflöslich verknüpft mit den Gedanken an Leidenschaften, mmit der Erinnerung an Tragödien. Daß aber auch der Humor an diesem Orte zu seinem Rechte komt, sucht ein Mitarbeiter von„Chambens Journal“ durch eine Reihe von Beispiellen zu beweisen. So wird man vergebens eine Erklärung für die Tatsache suchen, daß eine Kasino=Gesellschaft, deren einziger Zweck doch das Spiel ist, sich„Societe Anonyme des Bains de Mer et Cerole des Etrangers“ mennt; denndie eigentliche Saison von Monte Carlo fällt auf den Winter und da wird esselbst an dieser milden Küste niemand einfallen, im Meere zu baden Trotzdem belief sich der Gewinn dieser Gesellschaft für Seebäder, die keine Seebäder liefert auf 36 Millionen Frs. im Jahre 1904=5. Schon der Begründer dieser Gesellschaft, Francois Blanc, war ein sehr humorvoller Mann Als er im Jahre 1860 von Monte Carlo kam und das kleine Kasino sah, bot er den Besitzern, die sich gerade in finanziellen Schwierigkeiten befanden, 1700000 Mark für die Konzession Als er nach 17 Jahren starb, hinterließ er ein Vermögen von 60 Millionen. Monaco ist heute der kultivierteste Küstenstrich am Mittelmeer, und durch eine seltsame Ironie des Schicksals ist seine Bevölkerung die moralisch am weitesten vorgeschrittene in Europa, denn kein einheimischer darf je den Spielsaal betreten, während doch aus aller Herren Länder die Fremden kommen, um hier— Seebäder zu nehmen Der alte Blanc nahm jede Lehre von den Leuten an, die nach Monte Carlo kamen, um das„Zufallsspiel“ in ein Spiel der„Gewißheit“ zu verwandeln. Besonders interessierte er sich für die„Systemspieler“, deren Bemühungen er immer mit großer Ruhe beobachtete. Einmal kam ihm aber ein solches Geheimnis doch teuer zu stehen, das ein Mechaniker aus Yorkshire mamens Jaggers entdeckt hatte Diese hatte nämlich monatelang, ohne selbst zu spielen, die Ergebnisse des Roulettes aufgezeichnet und beobachtet, daß ein Rad eine Vorliebe für eine Numer hatte. Darauf baute er sein Spiel auf und gewann auch wirklich 3 Millionen Frcs. ehe die verblüfften Beamten die Ursache seiner riesigen Erfolge errieten. Aber nun wurden die Räder beweglich gemacht und täglich von Tisch zu Tisch gewechselt. Jaggers setzte noch weiter auf das Rad, das er als dasselbe wiederzuerkenen glaubte, und er verlor nun in kürzester Zeit eine Million, worauf er aber so klug war, das trügerische Monte Carlo schleunigst zu verlassen und wenigstens seine zwei Millionen, die er noch hatte, zu retten Der Aberglauben spielt natürlich auch bei den Spielern von Monte Carlo die größte Rolle. Was nur irgend als ein„Wink des Schicksals“ angesehen werden könnte, wird eifrigst benutzt. So erzählt man sich in den Spielsälen mit Vorliebe folgende Geschichte von einem englischen Pair: Er hatte er stdem Gottesdienst beigewohnt und begab sich nun in das Kasino, wo er an einem Roulettetisch gerade die Gewinnnummer ausrufen hörte Es war die Zahl 36, zufällig auch die Nummer des letzten Chorals, der, als er gerade die Kirche erließ, angesagt wurde Ein solches„Omen“ konnte er natürlich nicht unbeachtet lassen, er setzte ein 20=Fr.Stück und verließ den Saal um 700 Fr. reicher als er gekommen war. Die Geschichte wurde ruchbar, und natürlich way dann am nächsten Sonntag die Kirche gedrängt voll von Spielern, die alle das Experiment des Pairs wiederholen wollten. Nie vorher hatte der Kaplan von der Kanzel herab eine so eifrige Menge gesehen, und— wie hatte sich die Kirche nach der Verkündigung des letzten Chorals so schnell geleert, Alles stürzte aus der Kirche an den berühmten Roulettetisch; aber—die angesagte Nummer erschien nicht! Trotzdem war auch an den folgenden Sonntagen die Kirche stärker besucht als gewöhnlich, bis der Kaplan einen Choral wählte, dessen Nummer über 36 war.... Authentisch ist die Geschichte von einem anderen englischen Spieler, der mit Hilfe eines falschen Scheines gewann. Und das kam so. Er hatte all ein Geld verloren und wandte sich telegraphisch um Hülfe an einen Freund. Nach zwei Tagen erhielt er einen Brief, öffnete ihn hastig und entnahm ihm eine Fünfpfundnote. Ohne den Brief zu lesen, eilte er zu dem berühmten Restaurateur Ciro, ließ sich französisches Geld dafür geben, stürzte ins Kasino und gewann auch eine hübsche Summe. Dieses Ereignis wollte er bei Ciro gebührend feiern, aber dort kam ihm der Restaurateur ärgerlich entgegen; die Fünspfundnote war falsch, der Freund hatte sich nur einen Spaß mit ihm gemacht, was er beim Lesen des Briefes oder bei einer genaueren Prüfung der Note sofort hätte merken müssen; denn diese war eine Reklame des Drury Lane=Theaters! Jetzt konnte der glückliche Gewinner aber bezahlen, und die ganze Geschichte, die ihm s onst hätte sehr unangenehm hätte werden können, erschien als ein famoser Spaß. Vielleicht nur ein einziges Mal hat in Monte Carlo ein Spieler wiederwillig gewonnen. Eine ältere Dame, die mit mehreren Neffen und Nichten in Monte Carlo geweilt, wurde von den jungen Leuten so lange gequält, sie ins Kasino zu führen, bis sie schließlich nachgab. Um aber ihren Schützlingen die Nutzlosigkeit des Spielens zu zeigen, ging sie an den Roulettetisch und setzte auf eine einzige Nummer, sodaß sie nur die Chancen 37:1 hatte.„Nun paßt auf, wie ich verliere! Beim Spielen kann eben keiner Geld gewinnen!“ Im diesem Augenblick begann das Spiel, und— ihre Nummer gewann! Während sie moch verdutzt dastand und mit dem Geschicke haderte, das sie gewinnen ließ, und ihre besten pädagogischen Absichten zunichte machte, hatte einer der hoffnungsvollen Neffem bereits 175 Francs vergnügt eingestrichen.s Wetterbericht der deutschen Seewarte. 31. Mai. Heiter bei Wolkenzug, angenehm warm, meist trocken. 1. Juni. Sonnig, warm, schwül, strichweise Gewitter. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schade, Schwerte. Altbewährte Nahrung WT für Kinder, Kranke, Genesende. Verhütet ubeseitigt-Diarrhge, Brechdurchfall, Darwikafarch. Aulterrau=Trrrauf. den 2. Juni er., nachmittags 4 Uhr anfangend, werde ich unterhalb meiner Behausung 8 Morgen Futterbau meistbietend in Abteilungen teils gegen Bar und Kredit verkaufen. 1981 Schulte-Grossenbräuker, Villigst. (a Baumschulen von T. Post Ebberge 5 Westhofen. I des Café=Restaurants „Traldesrur am Donnerstag. den 31. Mai. Hüsingstrasse 8 Hüsingstrasse 8 Meine anerkannt feinste Tapoton in grösster Auswahl. 8 Streichfertige Oelfarben u. 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