für den Kreis Norch! Anthehser Rreisbialt mmüürri mr M Mmmren Mmrrmmmrn Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Familientreund." o 0 0 0 0 O O O O O O o 0 o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Peiitzeile oder deren Kaum 10 Pf., Anzeigen von auswärts is Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Alle Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Ueröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbinckliche Kraft. o O O O O O O O O O O o o o Druck u. Uerlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Telegr.-Adresse Braus, Schwerte-Kuhr. o Nr. 123. Montag, den 23. Mai 1906. 38. Jahrg. Deutschlands Außenpolitik. Die dritte Etatslesung hat eine nochmalige sprechung unserer auswärtigen Politik, wie zu erwarten war, herbeigeführt, nachdem seinerzeit eine ausführliche Erörterung wegen der plötzlichen Erkrankung des Reichskanzlers nicht stattfinden konnte. Leider mußte auch diesmal der Kanzler fern bleiben, sehr zum Schaden der Besprechung, denn das Debut des Herrn von Tschirsky war gerade kein allzu glänzendes; er beschränkte sich überwiegend auf allgemeine Wendungen und rechtfertigte damit die vorangegangene sarkastische Bemerkung des Grafen Limburg=Stirumjdaß solchen Erblärungen nicht allzu große Bedeutung beigemessen werden kann. Gewiß hatte im Grund genommen Herr von Tschirsky wohl auch kaum etwas anderes sagen können, aber es kommt bei solchen Gelegenheiten weniger auf das„was“, sonder auf das„wie“ an, und in letzterer Beziehung hat der neue Herr Staatssekretär ziemlich versagt. Herr von Tschirsky sieht alles im rosigsten Lichte, auch der Dreibund ist, wenn man ihm Glauben schenken darf, keineswegs gelockert, er habe vielmehr nach dieser Richtung hin die bündigsten Erklärungen durch den italienischen Botschafter erhalten. Gewiß ist am Dreibund dem Buchstaben nach nichts geändert, gleichwohl wird man aber auch in der Wilhelmstraße sich sehr wohl bewußt sein, daß die Haltung Italiens arg verstimmt hat, nur sagen darf man es nicht. Schuld hat natürlich wie immer die böse Presse, die auch gelegentlich der Ankündigung der Wiener Kaiser=Reise viel Unheil angerichtet haben soll. Was also Herr von Tschirsky über Italien und Oesterreich sagte, fällt kaum ins Gewicht. Bemerkenswert war dagegen seine Erklärung, daß die Zeit der Mißstimmung zwischen Deutschland und England vorüber sei und auch der Passus, daß die deutsche Regierung„voll Vertrauen und auf eigenen Füßen stehend ihren Weg weiter gehen werde“, dürfte eine nicht mißzuverstehende Bedeutung haben. Unser Verhältnis zu England steht gerade im gegenwärtigen Augenblick imVordergrunde des Inberesses, da eine Verständigung zwischen England und Rußland über Vorderasien zweifellos stattgefunden hat. In der letzten Sitzung des englischen Unterhauses ist dies zwar bestritten worden, indessen kann man sich ja auch verständigen, ohne daß ein direktes Abkomnien abgeschlossen worden ist. Bei dem großen wirtschaftlichen Interesse, welches Deutschland speziell durch die Bagdadbahn in jenen Gegenden zu vertreten hat, liegt es auf der Hand, daß Deutschland dieser Angelegenheit das größte Interesse entgegenbringt. Herr v. Tschirsky sieht in dieser Richtung hin zwar angeblich gleichfalls sehr optimistisch in die Zukunft und meint, daß derartige Verhandlungen mit deutschem Interesse nicht kollidieren könnten, infolge denkt man aber bekanntlich etwas anders und ist davon überzeugt, daß es sich bei jener englisch=russischen Verständigung nicht in letzter Linie um einen Gegenschachzug gegen die wirtschaftlichen Errungenschaften Deutschlands in Kleinasien handelt, welche schon längst den Engländern ein Dorn im Auge waren, auch wird man allenthalben in der Nation den Standpunkt vertreten, daß der englischen Politik gegenüber das schärstfe Mißtrauen nach wie vor am Platze ist, selbst wenn man anfängt, jenseits des Kanals eine freundlichere Haltung einzunehmen. Sind doch wieder geschäftige Leute dabei, denen dies nicht in den Kram paßt, das Wasser zu trüben. So weiß der Pariser„Sandart"=Korrespondent— man beachte die französische Quelle— von einem Vertrage zu berichten, der zwischen der persischen Zollverwaltung und dem deutschen Gesandten in Teheran abgeschlossen worden sei, wonach Deutschland eine Anleihe von eineinhalb Millionen Pfund Sterling gibt, und dafür Konzessionen erhält, u. a. Einräumung eines Hafens zur Errichtung einer Kohlenstation und Abzweigung einer Bahn von der Bagdadbahn ausgehend in das Innere Persiens. Aus dieser Meldung guckt der Pferdefuß deutlich genug heraus, gleichwohl aber steht es außer Frage, daß diese Meldung die beabsichtigte Wirkung in England erzielen wird. Bemerkenswert ist auch ein Kommentar der„Times“ zu der Rede Tschirsky's, iborin erklärt wird, daß man zwar gern ein freundschaftliches Verhältnis mit dem deutschen Volke wünsche, daß aber der deutschen Regierung gegenüber trotz ihrer Vesicherungen nicht eher geglaubt werden könne, als bis sie durch die Tat die Aufrichtigkeit ihrer Politik bewiesen habe. Diese Bemerkung zeigt deutlich, daß man nach wie vor in uns den schärsten Rivalen sieht, dem man entgegen arbeiten müsse und unsere auswärtige Politik wird unter der Anlehnung an die eben erst betonte Freundschaft gelegentlich der Anwesenheit des deutschen Generalstabschefs von Moltke in Wien ihre Richtung einschlagen müssen. Politische Uebersicht. — Die Witwe Eugen Richters ist Freitag Abend in Kreuznach, wo sie bei ihrem Sohne weilte, an Typhus gestorben. Frau Elisabeth Richter war in erster Ehe mit dem freisinnigen Politiker und Bankier Ludolf Parisius vermählt. Jetzt ist sie ihrem zweiten Gatten nach zwei Monaten in den Tod gefolgt. Ein Schaganfall Kaiser Franz Josephs. Wien, 26. Mai. Der Kaiser Franz Joseph hat in den letzten Tagen seines Ofenpester Aufenthalts einen leichten Schlaganfall erlitten, der indessen ohne merkliche Folgen vorüberging. Bei der Truppenschau in Ofenpest sah das Gefolge zu seinem Rücken den Monarchen, der sich bis dahin immer stramm im Sattel hielt, wanken und für einen Augenblick das Bewußtsein verlieren. Der Leibarzt des Kaisers hat nunmehr ernstlich darauf gedrungen, daß der greise Monarch in der nächsten Zeit kein Pferd mehr besteigt. Das ist die wahr: Ursache des unterbliebenen Kaiserbesuches in Bruck an der Leitha. Opiumraucher im französischen Militär. Auf Veranlassung des französischen Marineministers, der die Wahrnehmung gemacht hatte, daß das Opiumrauchen unter den Offizieren und Mannschaften im Kriegshafen von Toulon bedenklich überhand genommen habe, ließ der Minister des Innern in verschiedenen Opiumrauchstuben Durchsuchungen vornehmen. In drei derselben wurden große Quantitäten von Opium beschlagnahmt. Gegen die Besitzer der Rauchstuben wurde eine strafrechtliche Verfolgung eingeleitet. Regierung und Duma. Petersburg, 26. Mai. Ministerpräsident Goremkyn gibt folgende Erklärung ab: Die Regierung, welche ihrer Tätigkeit strenge Gerechtigkeit zu Grunde legt, erklärt, nach dem ihr vom Kaiser übertragener Durchsicht der Adresse der Duma ihre Bereitwilligkeit, den von der Duma vorgelegten Fragen, soweit dieselben nicht den Rahmen ihrer Zuständigkeit gesetzgeberischer Initiative überschreitet, ihre volle Unterstützung zu leihen. Die Unterstützung wird die Regierung auch hinsichtlich der Abänderung des Wahlrechts an den Tag legen, obgleich sie dafür hält, daß die Frage nicht der sofortigen Beantwortung unterliege, da die Duma erst ihre Tätigkeit beginne und daher also nicht über das Die Schönheit von Remörow. Roman von Bogumil von Czartorski. 37 Seine Freunde sagen, er werde sein Geld mit fürstlicher Freigedigkeit auf Rembrow verwenden und dann, wenn das Schicksal ihn nämlich wieder gesund machen sollte, dennoch nicht hier leben, sondern in die große Welt zurückkehren für immerdar. Die Zeit muß lehren, ob sie recht behalten. Rembrow behält übrigens nicht seinen Namen; es fällt, wie mein gutes Kubitken, jetzt Ulmenau, und fast alle anderen noch polnisch benannten Ortschaften dem Verdeutschungsprinzip zum Opfer und wird fernerhin Ehrenbreit heißen, nach seinem nunmehrigen Besitzer. Uebrigens lebt der Graf nicht so einsam, wie Du glaubst. Er hat sich ja ein paar Freunde mitgebracht, die das altgewohnte Großstadtparfüm in sein Leben tragen. Einer derselben ist ein begabter Maler, der sich schon einen gewissen Ruf erwarb. Du weißt, ich liebe die Malerei und interessiere mich um so mehr für sie, nachdem sie zur streitbaren Kunst geworden ist. Dieser Herr Hurbing tut, was ich für das einzige Richtige halte, er kümmert sich um keine der verschiedenen Schulen. Er arbeitet nie ohne Inspiration und studiert in erster Linie sich selbst, das heißt, sein Wollen und Können. In seinen Bildern fehlt die moberne, grelle Farbenstimmung und zum Glück auch der wieder modern gewordene magere Junge, den ich nicht ausstehen kann. Das kleine Aquarell, das er mir schenkte, ist ein Meisterwerk feinster Stimmungsmalerei und wird Dich entzücken. Sein Mokiv ist ganz einfach; es stellt einen Waldsee in abendlicher Beleuchtung dar, einen jener melancholischen, dunklen Seen, die es eigentlich nur in Polen gibt und deren Schönheit etwas Schmerzliches hat, das zur Geschichte ihres Landes paßt. Hurbings See wird erhellt durch ein paar zitternde purpurgoldige Abendsonnenreflexe und belebt durch zwei gazeflügelige Libellen, die dieson letzten Lichtschimmer zu suchen scheinen. Zu etwas anderem jetzt! Ich werde nicht, wie geplant, das Weihnachtsfest in Berlin zubringen, sondern noch hierbleiben. Meine Besitzung und meine Leute brauchen mich noch. Schreibe mir bald, Deine Briefe erfreuen mich; Du weißt ihnen Inhalt zu geben, obschon Du gar nichts erlebst. In Liebe Deine Bianka.“ „Meinem nächsten Briefe könnte ich schon Inhalt geben! Einen Inhalt, der die gute Bianka in Erstaunen versetzen würde!“ sagte Heloise beim Lesen der Schlußzeilen lächelnd zu sich selbst. Aber ich muß Liskas Geheimnis wahren. Das Schicksal bringt es wohl bald genug aus Licht.“ ** * Das Weihnachtsfest wurde im Pensionat Plattwitz, nach der in den meisten derartigen Lehrinstituten üblichen Schablone gefeiert. Die Mehrzahl der Pensionärinnen verreisten für die Festtage; jenen wenigen, die kein Daheim besaßen, oder ihm aus besonderen Gründen fern bleiben mußten, wurde ein Baum geschmückt; die für sie von Freunden und Verwandten eingetroffenen Briefe und Gaben, denen Madame regelmäßig ein nützliches, mit ihrer eigenhändigen Inschrift:„Zur Erinnerung an die Pensionszeit!“ versehenes Buch beifügte, lagen darunter ausgebreitet und verklärten durch den Glanz lieber Erinnerungen und Hoffnungen den Christabend in der Fremde. Der Platz, den man Liska eingeräumt hatte, enthielt eine besonders große Anzahl kostbarer Geschenke. Offiziell waren sie alle von dei liebevollen Oheim Baron Ruck gesandt, doch verriet ein in dessen Schreiben eingeschmuggeltes Briefchen Ehrenbreits, welche Gegenstände er selbst für seine„geliebte Braut" ausgewählt hatte. Liska erschauerte, als sie die beiden Worte las, und wußte selbst nicht, warum. Es mußte wohl die Größe des sie erwartenden Glückes sein, die so seltsame Empfindungen in ihr erweckte. Der Vater sandte seine Grüße indirekt, auch durch den Oheim, und empfahl ihr, fleißig und folgsam zu sein. Von den widerstreitendsten Gedanken und Empfindungen bewegt, stand Liska, den Brief in der Hand, bei den vor ihren Augen sich ausbreitenden Schätzen. Und dann begann sie diese langsam, wie mechanisch, in die Hand zu nehmen, jedes Stück sorgsam prüfend, beinahe, als suche sie etwas, das den reichen Gaben erst den rechten Wert verleihen solle. Dieses Etwas fand sich nicht, und sie hätte es auch nicht mit Namen zu nennen vermocht. Irgend etwas fehlte ihr, irgend etwas ließ sie nicht zur Freude über die eleganten und früher so ersehnten, allesamt zur Ausstattung einer jungen Dame aus feinem Hause gehörigen Dinge gelangen. Leise lösten sich glänzende Tropfen von den Wimpern der Gärtnerstochter und sanken auf den kostbaren Sammet des pelzverbrämten Mantels herab, mit dem sie sich fernerhin schmücken sollte. „Was betrübt Dich, Liska?“ fragte Heloise, die still herangetreten war, das Mädchen umfassend. „Ich.. ich weiß nicht.. Ich bin unsäglich traurig!“ Und Liska lehnte, von ihren Gefühlen überwältigt, das Haupt an die Schulter der Freundin und brach in heftiges Schluchzen aus. Aller Augen richten sich auf die kleine Gruppe unter dem Lichterbaum. Peinlich berührt, rauschte Madame in ihrem schwarzen Festgewande heran.„Was haben Sie nur, Liska?“ fragte sie verdrießlich.„Dergleichen ist wahrlich nicht dazu geeignet, die Festfreude Ihrer Mitschülerinnen zu erhöhen!„Madame dachte noch rechtzeitig daran, wie freigebig Baron Ruck für seine Nichte zahlte und setzte ein wenig milder hinzu:„Vielleicht fühlen Sie sich nicht recht wohl; dann wird Ihnen ein Stündchen Ruhe gut tun.“ „Sie ist in der Tat krank, ich werde sie auf ihr Zimmer geleiten,“ antwortete Heloise statt der noch immer Weinenden. Dann ermannte sich Liska so weit, daß sie die Hand der Vorsteherin küssen und einige Worte der Entschuldigung murmeln konnte. Erleichtert fühlte sie sich erst, als sie auf ihrem weißen Bett lag, zur Seite die getreue Heloise, die eine ihrer Hände hielt. Bald gelang es ihr denn auch, sich einigermaßen wieder zu fassen. „Was werden sie alle von mir denken!.. Aber, weiß Gott, ich konnte nicht anders, ich mußte weinen," stieß sie abgebrochen hervor.„Mir wurde plötzlich so elend, so verzweifelt zu Mute. Mir kamen die vergangenen Weihnachtstage daheim in den Sinn, die so schön waren. Wie schön, das weiß ich allerdings erst seit heute. Wir suchten uns unser Bäumchen im Walde selbst aus, Fabian undich, und schmückten es dann zu Hause. Das war so lustig, und manchmal wieder so feierlich, wenn wir ernste Dinge dabei sprachen. Fabian hat viel gelernt, und ich verstand ihn tausendmal besser, als sämtliche Lehrer hier in der Pension. Vater brummte manchmal über das Baumputzen, das er unnütze Zeitvergendung und kindischen Firlefanz nannte, aber ich kümmerte mich nicht darum. Ichhantierte so gern mit all den hübschen, zierlichen Dingen, die Fabian aus der Stadt mitgebracht hatte. Die alte Rosalie saß strickend dabei, alle Augenblicke einnickend und wieder auffahrend, um durch irgend einen drolligen Ausruf ihre Bewunderung für unser Werk zu bekunden. 138.20 Bedürfnis nach einer Aenderung Klarheit geschaffen werden konnte. Mit besonderer Vorsicht verhält sich der Ministerrat gegenüber den von der Duma angeregten Fragen, hinsichtlich der unaufschiebbaren Befriedigung der Bedürfnisse der Landbevölkerung und Gleichstellung der Bauern mit den übrigen Klassen, des Gesetzes über den obligatorischen Volksunterricht und die Heranziehung der vermögenderen Klassen zur Steuerpflicht, Reorganisation der Polizeiverwaltung und der Selbstverwaltung mit Berücksichtigung der Eigenart der Grenzgebiete. Zu der angeregten Aufhebung der Ausnahmegesetze und Beseitigung der Willkür von Amtspersonen übergehend, findet der Ministerrat, daß sie völlig zum Gebiet der Selbstverwaltung gehören, auf welchem der Duma mur das Imterpellationsrecht zusteht. Außerdem bildet die Einbürgerung strenger Gesetzlichkeit den Gegenstand besonderer Fürsorge der Regierung, die nicht verfehlen wird, darauf zu achten, daß die Handlungsweise der Regierungsorgane von gleicher Bestrebung durchdrungen sind. Der Ministerpräsident fährt fort: Nicht geringe Bedeutung mißt der Ministerrat dem angeregten Gesetze betreffend die Unverantwortlichkeit der Person, des Gewissens, der Preß-, Versammlungs= und Vereinsfreiheit bei, doch hält er für nötig, daß bei der Ausarbeitung solcher Gesetze die Verwaltung mit wirksamen Mitteln auszurüsten, damit die Regierung dem Mißbrauch der gewährten Freiheiten vorbeugen, bezw. entgegenwirken kann. In Bezug auf die Lösung der Agrarfrage mit Hilfe der Apanage der Klöster sund der kirchlichen Ländereien und zwangsweisen Enteignung des Privatgrundbesitzes, wozu auch der Privatgrundbesitz der Bauern gehört, hält es der Ministerrat für seine Pflicht zu erblären, daß eine derartige Lösung unbedingt unzulässig ist. Die Regierung kann das Besitzrecht nicht den einen nehmen und den andern zugestehen, das Recht des Privatgrundbesitzes zu bestreiten. Die Unantastbarkeit des Eigentums bildet in der ganzen Welt und auf allen Stufen der Entwickelung des bürgerlichen Lebens den Eckstein des Volkswohlstandes und den Grundpfeiler des Staatslebens. Die übrigen von der Duma erwähnten Gesetze betreffen die Verantwortlichkeit der Minister und die Beseitigung des Reichsrates. Bei diesen Vorschlägen es bewenden zu lassen, hält der Ministerrat sich nicht für berechtigt, weil sie eine radi kale Abänderung der Grundgesetze bedingen, die nicht der Durchsicht der Duma unterliegen. Das Haus beschließt beinahe einstimmig eine Resolution, welche die Entlassung des gesamten Ministeriums fordert. tadeln. Zahlreiche Unglücksfälle durch Blitzschläge, wie sie die Blätter alljährlich zur Sommerszeit melden, verdanken ihre Entstehung oft nur dem Mutwillen oder dem Unverstande der Menschen und es ist vielleicht daher nicht unangebracht, die Frage:„Wie haben wir uns bei einem Gewitter zu verhalten?“ in den nachstehenden Zeilen näher zu erörtern. Wird man auf reiem Felde von einem Gewitter überrascht, so vermeide man es, den Schirm aufzuspannen, lasse sich vielmehr lieber etwas naß regnen. Auch laufe man nicht eiligst dahin, da dies den Blitz leicht anzieht. Besonders gefährlich ist es, sich unter einen Baum zu stellen, namentlich unter eine Eiche, denn ein alter Spruch besagt:„Von den Eichen sollst du weichen— und die Weiden sollst du meiden— Auch die Fichten such mit nichten— Doch die Buchen sollst du suchen. In der Tat hat die Wissenschaft festgestellt, daß der Blitz nur in den allerseltensten Fällen in eine Buche, sehr oft aber in eine Eiche, Weide oder Pappel fährt, was wohl auf den geringeren Oelgehalt dieser Bäume zurückzuführen ist. Trifft einen das ausbrechende Gewitter auf der Straße, so meide man beim Unterstellen die Nähe der Dachrinne, wähle aber auch nicht den zugigen Hauslur als Unterschlupf, sondern trete lieber in das Treppenhaus. Befindet man sich aber während des Gewitters im Zimmer, so halte man allen Zug fern, sorge jedoch dafür, daß ein offenes Fenster der frischen Luft Zutritt gestattet, denn dumpfige Räume sind leicht gefahrbringend. Man setze sich nicht direkt ans Fen ster, ebensowenig aber in die Nähe des Rauchfanges, oder Schlotes, sondern nehme seinen Platz mehr in der Mitte des Gemaches ein, jedoch nicht gerade unter dem Kronleuchter oder in der Umgebung größerer Metallgegenstände. Es gibt natürlich noch mehr Verhaltungsmaßregeln, dies aber sind die hauptsächlichsten. # Leutscher Reichstag. Nicht weniger als drei Sitzungen wurden am Sonnabend abgehalten. In der ersten Sitzung wurden zunächst die Vorlagen wegen Vertagung des Reichstages bis zum 13. November und der Handelsvertrag mit Schweden angenommen. Es folge die zweite Beratung der Nachtragsforderungen für Südwestafrika, die aber bald darauf abgebrochen und in der zweiten Sitzung fortgesetzt wurde. Die Kommission beantragte nur Bewilligung der 500000 Mark für die Ansiedlung von Soldaten unter gewissen Bedingungen, aber Ablehnung der Summe für die Entschädigung der Ansiedler und den Weiterbau der Bahn von Kubub mach Keetmanshoop. Kolonialchef Erbprinz Hohenlohe bat um Bewilligung. Der Süden müsse gehalten werden, wenn nicht ein neuer Aufstandsherd entstehen solle. Etwt 1000 Mann müßten ständig dort bleiben, um die Eingeborenenbanden niederzuhalten. Die Bahn sei erforderlich, um die Verpflegungsschwierigkeiten zu beheben. Auch sei der Bezirk Keetmanshoop wirtschaftlich wertvoll. Die Bahn könne erst in zwei Jahren gebrauchsfähig sein, und bis dahin sei der Aufstand längst beendet. Auch Abg. Spahn(Zent.) lehnte ab, während die Abgeordneten Arendt(freikons.), v. Staudy(kons.) und Semler(ntlib.) für Bewilligung waren. Oberst v. Deimling rat gleichfalls für die Forderung ein. Die Art seines Auftretens wurde vom Abg. Müller=Sagan(Freis. Volksp.) gerügt. Abg. Ledebour meinte sogar, sie erinnere an Boulanger. Auf die erregten Bemerkungen erwiderte Erbprinz Hohenlohe, wenn Deimling gesagt habe, erst wenn die Bahn bewilligt sei, würden die Truppen zur rückgezogen, so sei damit kein Handelsgeschäft gemeint gewesen, sondern nur, daß erst dann Truppen entbehrlich wären. Man könne versichert sein,, daß er, der Kolonialchef, bestrebt sei, dem Reiche die schweren Opfer zu ersparen. Die Forderungen wurden alsdann mit 186 gegen 95 Stimmen abgelehnt. In der dritten Sitzung wurden die Etatsreste aufgearbeitet uund die endgiltigen Beschlüsse gefaßt. Erst in später Abendstunde trat die Vertagung ein. Aus Stadt und Umgebung. Wie verhalten wir uns beim Gewitter? Die Gewitterfurcht ist ein mervöser Zustand, unter dem speziell die Vertreterinnen des schönen Geschlechts in jetzigen Zeit wieder viel zu leiden haben, doch ist hiergegen bedauerlicherweise kein Kraut gewachsen, denn Menschen, die einmal von einer derartigen Angst befallen sind, lassen sich weder durch den liebevollen Zuspruch, noch durch die unerschütterliche Gelassenheit derer, die sie während eines Gewitters umgeben, beruhigen und ihre grenzenlose Aufregung legt sich erst, wenn der letzte Blitz erloschen, der letzt Donner verhallt ist. Wenn man nun auch eine solche Gewitterfurcht, die wie oben erwähnt, lediglich einem krankhaft überreizten Nervensystem entspringt, so viel wie möglich zu bekämpfen suchen muß, so iist andererseits die absolute, oft geradezu kindische Sorglosigkeit vieler Personen, die während eines Gewitters, jegliche Vorsichtsmaßregeln außer acht lassend, des entfesselten Elementes spotten zu können glauben, aufs schärfste zu Schwerte, 28. Mai. **(Nr. 1000.) Unsere am 27. Februar d. J. eröffnete Volksbibliothek befindet sich in einem erfreulichen Aufschwung und wird immer fleißiger benutzt. Nachdem bereits am 10. März der 100. Band ausgeliehen war, ist am Freitag, 24. Mai, die Zahl 1000 erreicht und überschritten. Die Durchschnittsziffer der ausgeliehenen Bände ist langsam, aber stetig gewachsen, wie folgende Uebersicht zeigt: März 334 Bände an 27 Tagen, Durchschnitt: 12—13. April 351 Bände an 25 Tagen, Durchschnitt 14. Mai 303 Bände an 20 Tagen, Durchschnitt 15. Den regsten Zuspruch fand die Bibliothek am 21. April, wo nicht weniger als 32 Bände entliehen wurden(außerdem an 16 Tagen über 20 Bände. Die Zahl der Benutzer betrug 267, von denen 81 dem schöneren Geschlecht angehörten. Einzelne, besonders eifrige Leser benutzten die Bibliothek zirka zwanzigmal. Unter den Lesern befinden sich zahlreiche höhere Töchter und hoffnungsvolle Jünglinge unserer Stadt. Dementsprechend gestaltet sich auch die Auswahl der Bücher. Im Vordergrunde stehen selbstverständlich Unterhaltungsschriften; sie marschierten an der Spitze mit der stattlichen Anzahl von 752 Bänden, die sich auf zirka 315 Werke verteilen. Auch die zahlreich vorhandenen Zeitschriften wurden gerne gelesem(166 Bände. Dann folgen Geschichte(57), Heimatliches(8), Heer und Flotte(7), Erdkunde(5), Naturkunde(2), Rechts= und Staatskunde(2) und endlich Kultur= und Sittengeschichte(1). Gar nicht verlangt sind Bücher über Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie. Am meisten gewünscht wurden Bernstorff:„Unsere blauen Jungen“ und Jules Verne:„Die geheimnisvolle Insel“(je 9 mal); ferner je 8 mal Heimburg, Lumpenmül“ lers Lieschen Marlitt, Goldelse. Wolzogen, Tolle Komteß. Matthias, Kampf und Schrecken im Reich des Mahdi. Um die Benutzung der in den zahlreichen Zeitschriften verstreuten Romane usw. zu erleichtern, hat Schreiber dieser Zeilen ein alphabetisches Verzeichnis deselben verfaßt, das über 1000 Nummern enthält. Sobald die von der Kreisbibliothek in Hörde in Aussicht gestellten Bände eingetroffen sind, soll die Drucklegung des Kataloges in Angriff genommen werden. Die Zahl der Bände beläuft sich auf zirka 1200. Weitere Zuwendungen an Büchern, Zeitschriften(auch ungebundenen) usw. sind sehr erwünscht, und die wohlhabenden Mitglieder werdem gebeten, das junge aufblühende Unternehmen auf diese Weise zu fördern und zu unterstützen. Es sei an dieser Stelle noch einmal darauf hingewiesen, daß 5se Benutzung ganz unentgeltlich erfolgt und die Bücher in allen Bureaustunden ausgeliehen werden. Wir schließen diese Zeilen mit dem Wunsche, daß die Volksbibliothek sich kräftig weiter entwickeln möge. Fh. **(Das 10jährige Stiftungsfest des Kavallerievereins Schwerte) wurde mit großem militärischen Pomp und unter Teilnahme der sämtlichen hiesigen und vieler auswärtiger militärischer Vereine gefeiert. Zu Ehren des Tages hatte die Stadt Festgewand angelegt, leider nicht auch der Himmel, der vielmehr ein seineres Sieb eingesetzt hatte, durch das der Wottergott in größeren und kleineren Pausen größere oder kleinere Quantitäten des himmlischen Naß auf die Erde beziehungsweise auf die Regendächer der hier unten wandernden Menschheit herniedergoß. Die Folge davon war, daß der ganze Festzug höchst unkriegsmäßig mit Regenschirmen bewaffnet war; glücklicherweise hielt sich das Wetter indessen während des Zuges, sodaß diese„Waffen“ nicht in Tätigkeit zu treten nötig hatten. Das glanzvolle Fest ist in jeder Weise würdig verlaufen. Es wurde eingeleitet durch einen Zapfen streich zum Kriegerdenkmal, wo man den in den großen Kriegen gefallenen Kameraden einen prächigen Kranz widmete. Eine stille ernste Feier war es, die hier gehalten wurde. Stumm legten alle die gedienten Männer die Hand an die Kavallerie=Mütze, während die Kapelle das Hohelied der ewigen Liebe intonierte; dann folgte die Nationalhymne, hierauf ein kurzes Kommando und unter den rauschenden Klängen des Jägermarsches setzte sich der Zug wieder in Bewegung. Wir wollen hier gleich bemerken, daß der Verein in der Kapelle des 9. Dragonerregiments aus Metz eine Festmusik hatte, wie er sie schöner, glänzender und— fleißiger gar nicht haben konnte. Nicht allein die schneidige Marsch= musik war wie aus einem Guß, auch wer den Konzerten beigewohnt hat, mußte den wahrhaft künstlerischen Darbietungen der Kapelle ein uneingeschränktes Lob erteilen; es war herzerquickender Genuß, den dieses in künstlerischer Hinsicht exakt geschultes Trompeterchor allen Zuhörern bot. Wir haben denn auch überall nur Lob und Anerkennung der Darbietungen der Kapelle gehört. Nur beim Blasen des Weckrufes profanierten die beiden Trompeter die eine Welt von Poesie bergenden herrlichen Kavallerie=Signale durch den als Anhängsel gegebenen banalen Gassenhauer„Trinken wir noch'n Tröppchen"; wir müssen gestehen, daß das unserem Ohr beinahe körperlich weh getan hat. Von mittags an war gestern die ganze Stadt musikdurchzittert. Hier rückte ein Verein mit Trommeln und Pfeifen an, dort brachte einer eine eigene Kapelle mit, und das Ganze sammelte sich ggen drei Uhr auf der Chaussee vor dem Reiche des Wassers, wo Herr Hauptmann v. Daniels die Parade über die Vereine abnahm, nachdem er eine Begrüßungsansprache an die teilnehmenden Vereine gehalten hatte. Ein imposantes, glänzendes Bild bot der Festzug, dem hoch zu Roß 6 Kavalleristen in Uniform voanritten. Leider ließ es die Witterung nicht zu, daß das Konzert gestern nachmittag im Reiche des Wassers im Garten stattfinden konnte. Nach dem ersten Teile desselben nahm Herr Bürgermeister Rohrmann das Wort zu der Festrede, die mit einem brausend ausgenommenen Hoch auf den obersten Kriegsherrn schloß. Ueber die Leistungen der Kapelle haben wir uns ausgesprochen, wir können hier nur ergänzend bemerken, daß auch das Rachmitagskonzert##n hochgespanntesten Erwartungen entsprach. Zum Schluß wurde ein großes Feuerwerk abgebrannt und dann begann der Festball ebenfalls unter reger Beteiligung. Der Verein darf auf die Feier des 10jährigen Stiftungsfestes mit Genugtuung blicken. *r(Verbandsfest der kath. Sodalitäten.) Gestern fand hierselbst das Verbandsfest der Jünglingssodalitäten der östlichen Mark statt, an welchem 24 auswärtige Sodalitäten teilnahmen. Die kirchliche Feier bestand in einer Festandacht. Bei beiden Gottesdiensten hielt der Dominikanerpater Sadoe= Stuhlweißenburg aus Düsseldorf die Festpredigten. Nach der Andacht wurde der Festzug formiert, der wohl auch einer der imposantesten war, die Schwerte gesehen. Rund 2000 Teilnehmer hatten sich trotz des schlechten Wetters eingefunden, zu dieser Zahl kamen noch etwa 500 sonstiger Festgäste, so daß der große„Schützenhof"=Saal, der als Festraum gewählt war, sich als zu klein er wies. Zum Präsidenten der Festversammlung wurde Herr Kaplan Plessen=Castrop gewählt. Nach Vortrag eines Prologs, der von Fräulein Lehrerin Ludwig, verfaßt war, hielt der Präses der hiesigen Sodalität Herr Kaplan Ricke die Begrüßungsansprache in welcher er seiner Freude über die große Beteiligung Ausdruck gab An den Bischof Dr. Schneider in Paderborn wurde ein Huldigungstelegramm gesandt. Herr Kaplan Plessen brachte in zündenden Worten ein Hoch auf Kaiser und Papst, in der die Menge begeistert einstimmte. Die Papst= und Kaiserhymne, welche darauf gesungen wurde, klang mächtig durch den Saal. Den Glanzpunkt der Festfeier bildete die Festrede, welche ebenfalls der Pater Stuhlweißenburg hielt. In formvollendeter Weise sprach der Redner über die Ideale eines christlichen Fünglings und warnte vor den Irrlehren des Materialismus, der im praktischen Leben im Sozialismus seinen Ausdruck finde. Für die Unterhaltung der Festgäste sorgten die Gesangabteilungen der Sodalitäten Castrop, Börnig=Sodingen und Schwerte. Letztere welche unter Leitung des Herrn Lehrers Grosche steht, hat sich in ganz vorzüglicher Weise entwickelt. Die Festmusik lieferte die Hagener Stadtkapelle mit Herrn Branscheid an der Spitze, welcher in bekannter exakter Weise sein Programm abwickelte. Herr Kaplan=Plesser=Castrop brachte am Schluß der Schwerter Sodalität im Namen der Festteilnehmer seinen herzlichsten Dank für die große Mühe und Arbeit, die sie durch Uebernahme des Festes gehabt. Vom Festlokal marschierten die Sodalen unter Vorantritt der Kapelle zur Kirche, woselbst nach einem burzen Gebet die Fahne aufgehangen wurde. Im Vereinslokal bei Herrn Hufnagel, fand sodann noch eine gemütliche Nachfeier statt. Die Schwerter Sodalität kann mit dem Erfolge dieser Veranstaltung sehr zufrieden sein. ür(Turnerische Erfolge.) Bei dem mit dem Jahresfeste des ersten Bezirkes des Hellweg=Märkischen Turngaus in Kamen bei Unma verbundenen Wetturnen, bestehend in Vierkampf, Kugelstoßen, Weitsprung, Barren= und Reckübungen, errangen unter Teilnahme von 14 Vereinen die Mitglieder des hiesigen Turnvereins Baumeister und Götter mit 37¼ bezw. 29 Punkten den 3. bezw. 15. unter 28 Kränzen, zu deren Erlangung 25 Punkte Vorbedingung war.— der hiesige Turnverein„Turnerbund“ nahm gestern an dem Turnfeste in Sonnenberg teil und kehrte gleichfalls mit mehreren Preisen zurück. Gut Heil! **(Leichenfledderei.) Vergangene Nacht wurden dem Zimmermeister Aug. Lampe aus Hagen, der als mitfeiernder Kavallerist jedenfalls eins über den Durst getrunken und sich im Garten des Restaurants„Im Reiche des Wassers“ schlafen gelegt hatte, die Schuhe von den Füßen, sowie das Portemonnaie sund die Uhr aus der Tasche gestohlen, um letztere erreichen zu können, war es nötig, die Weste aufzutrennen. Heute Morgen wurde der Dieb in der Person des Schleifers Gust. Simon festgenommen. Westfalen und Rheinland * Hagen, 26. Mai.(Beim Spiel verunglückt.) Das sechsjährige Söhnchen des Polizeisergeanton Rem nert vergnügte sich heute nachmittag damit, mit anderen Kindern sich an fahrende Fuhrwerke anzuhängen. Hierbei geriet das Kind mit einem Bein in Rad, das Bein wurde ihm vollständig am Knie abgedreht, sodaß es nur noch an einer Sehne hing. Das schwerverletzte Kind wurde in das Krankenhaus gebracht. Dortmund, 26. Mai. Der Gastwirt Rühter, der bekanntlich an der Hammer Entführungsgeschichte beteiligt war, hat sich heute nachmittag nach seiner Entlassung aus dem Untersuchungsgefängnis erschossen. * Hamm, 26. Mai.(Auf freien Fußgesetzt) wurde auf Anordnung der Dortmunder Staatsanwaltschaft die wegen Kindesentführung festgenommene Frau Schäfer. Ihr Mann befindet sich noch im hiesigen Untersuchungsgefängnis. Soest, 26. Mai. In das hiesige St. Marien=Hospitalsind zwei 16= bezw. 18 Jahre alte Mädchen, die auf einem Gute in Wigeringhausen bedienstet waren, als an Genickstarre erkrankt eingeliefert worden. Der Zustand des jüngeren ist sehr bedenklich. * Bochum, 26. Mai.(Verbrüht.) In Abwefenheit der Eltern stürzte das 4jährige Töchterchen einer Arbeiterfamilie in einen Kübel kochenden Sodawassers und wurde schrecklich verbrüht ins Krankenhaus gebracht. Die Wunden sind derartig schwer, daß der Tod stündlich eintreten kann. Obermassen, 26. Mai.(Ein schwerer Unglücksfall) hat sich hier vorgestern abend zugetragen. Der Invalide Benjamin Atnath, der bei seinem Sohne, dem Metzgermeister Emil Axnath, wohnt, hatte sich abends 10 Uhr zum Dachboden begeben, um Heu für das Pferd abzuwerfen. Hierbei muß er einen Schwindelanfall bekommen haben, denn er fiel durch die senkrechte Luke vier Meter hoch zur Erde hernieder. Gegen 4 Uhr morgens verchied er, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. * Barmen, 26. Mai.(Ein schweres Unglück) ereignete sich heute morgen gegen 8 Uhr in der Mittelstraße. Ein Anstreichergerüst, das in einer Höhe von etwa 15 Metern an einem Hause befestigt war, stürzte infolge Bruches eines Gerüstbaumes ein und riß zwei Anstreicher in die Tiefe. Einer war sofort tot, der zweite schwer verletzt. * Paderborn, 26. Mai.(Das kommt vom Aberglauben.) Die Losangabe der preußischen Klassenlotterie in Wittingen sandte einem Landwirt auf dessen Bestellung ein Viertellos. Zufällig war es eine Nummer, die mit 13 beginnt und mit 13 endete. Flugs sandte der Besteller das Los zurück mit dem Bemerken, daß er unter keinen Umständen sein Geld für eine solche Unglücksnummer ausgeben werde. Als das Vorkommnis hier an einem Stammtische erzählt wurdekamen einige Mitglieder auf den Gedanken, der Kuriosität halber, gerade dieses Los zu kaufen. Sie taten es, und in dieser Woche ist das Los mit einem Gewinn von 1000 Mark herausgekommen. Ob jener Landwirt nun wohl von seinem Aberglauben kurriert ist? * Neuß, 26. Mai.(Große Geistesgegenwart) rettete den Anstreichergehilfen P. Vasen vor dem sicheren Tode. Derselbe war auf dem Dache eines Hauses am Markt mit Arbeiten beschäftigt. Als an einem Strick eine Leiter hinaufgezogen werden sollte, lehnte sich V. über das das Dach umgebende Gitter, wobei ein Stück ausbrach Dadurch verlor er den Halt, bekam das Uebergewicht und stürzte aus einer Höhe von 20 Metern in die Tiefe. Im Fallen jedoch ergriff or das Seil und rutschte an diesem hinunter, wobei er mit einer Fußverstauchung und Hatabschürfung an den Handen davonkam. Duisburg, 26. Mai. Die Strafkammer verurteilte heute den Straßenbahnführer Adam Skhidlikhowski aus Mülheim wegen fahrlässiger Tötung zu 9 Monaten Gefängnis. Als ein zweijähriges Mädchen unter dem Wagen lag, fuhr er, trotzdem er von einem Passagier darauf aufmerksam gemacht war, weiter, sodaß dem Kinde der Kopf abgefahren wurde. Kleine Chronik. Teplitz, 26. Mai. Die Gattin des am 15. Mai ermordeten Rentiers Schneider hat eingestanden, ihren zukünftigen Schwiegersohn Göbelt gedungen zu haben, um ihren Ehemann zu ermorden. Sie hat dem Göbelt für die Mordtat 4000 Kronen versprochen. Das MörGepaar ist in das Gefängnis eingeliefert worden. Tehn Trähtmerbangen. jedoch das Geständnis zurück. Nun ist aber durch Zusammenarbeiten der Dresdener und Berliner Behörden so viel Belastungsmaterial herbeigeschafft worden, daß Dittrich der beiden genannten, sowie zweier in Sachsen verübten Morde nahezu überführt erschein.t Wien, 27. Mai. Der ungarische Ministerpräsident Dr. Wekerle kam noch gestern nacht in Begleitung der Staatssekrtäre des Finanz= und Handelsministeirums hier an. Heute sollen beim Kaiser wichtige Beratungen stattfinden. Pilsen, 27. Mai. Der hiesige Bauarbeitgeberverband hat die seit 4 Wochen bestehende Arbeiteraussperrung aufgehoben, jedoch den Arbeitern keinerlei Zugeständnisse gemacht. Wien, 27. Mai. Die„Neue Kr. Pr.“ konstatiert auf Grund von an kompetenter Stelle eingeholten Information, daß die gestrige Meldung eines Berliner Blattes, der Kaiser sei von einem Unwohlsein befallen worden, jeder Grundlage entbehrt, und daß das Befinden des Kaisers andauernd ein sehr günstiges ist. Petersburg, 27. Mai. In doplomatischen Kreisen glaubt man bestimmt, daß Witte bald wieder in Aktion treten wird; die Meldungen von einer bevorstehenden Abreise seien irreführend. Köln, 27. Mai. Nachdem die Entfestigung und der Ankauf des Festungsterrains durch die Stadt für 25 Millionen Mark genehmigt worden, sind die Verhandlungen zwecks Eingemeindung der Vororte Kalk, Mühlheim, Vingst eingeleitet. Köln erzielte dadurch einen Bevölkerungszuwachs von rund 100 000 Einmoohneng. Danzig, 27. Mai. Das Oberkriegsgericht des 18. Armeekorps verurteilte den Kriegsgerichtsrat Koch aus Graudenz wegen Dienstvegehens und Beiseiteschaffung von Ukunden zu zwei Monaten Gefängnis. In lder ersten Instanz war Freispruch erfolgt. Auf Veranlassung des Kriegsministers hatte der Gerichtsherr Berufung eingelegt. Christiania, 27. Mai. Ibsens Begräbnis wird bestimmt am Freitag, den 1. Juni stattfinden. Der König wird bei der Feier persönlich anwesend sein. Die Irinitätskirche, in der de Leiche aufgefahrt wird, erhält eine prachtvolle Ausstattung. Theodor Casparie schreibt aus Anlaß der Beisetzung eine Cantate. Petersburg, 27. Mai. Aus guter Quelle wird mitgeteilt, daß die Gerüchte von einer angeblich geplanten Auflösung der Duma vollständig unbegründet ist. Die Duma werde bis Mitte Juni tagen und alsdann in die Ferien gehen. Die Ersetzung der gegenwärigen Minister hänge einschließlich vom Zaren ab. Die Rede des Justizministers in der gestrigen Dumasitzung soll, wie es heißt, die persönlichen Ansichten des Kaisers wiederspiegeln. Petersburg, 27. Mai. Der gestrige Beschluß der Duma hat in Regierungskreisen, weil erwartet, keine Ueberraschung hervorgerufen. Man ist der Ansicht, daß selbst, wenn der Zar ein anderes Kabinett aus Mitgliedern der Duma berufen sollte, dasselbe ebenfalls die allzu weitgehenden Forderungen der Duma absolut nicht bewilligen könne. Weiter ist man überzeugt, daß die gemäßigten Elemente der Duma es nicht auf einen ofenen Konflikt mit dr Krone werden ankommen lassen, sondern bestrebt sein werden, mit der Regierung in Kompromiß einzugehen, damit die drohenden Gefahren beschworen werden. Wien, 27. Mai. In hiesigen politischen Kreisen ist man der Ansicht, daß die im Laufe des heutigen Tages zwischen Wekerle und Hohenlohe stattfindenden Verhandlungen wegen der Frage des antonomen Zolltarifes zu einem Kompromiß führen werden. London, 27. Mai. Nach Meldungen aus Odessa zieht der Matrosenausstand alle Hafenstädte des Kaukasus und der Krim in Mitleidenschaft. Der genamnte Schiffsverkehr auf dem Schwarzen Meers ist lahmgelegt. Soeben erschien Modell 1906: mit bedeutenden Verbesserungen — Tein Blaken!— Kein Rüssen near!— =4 D.-R.-Patente.— „A.B.C.-Brenner für Petroleum-— Mk. 5.50 Glüblicht kempleit mit Dauerstrumpf, Orlinder und Decht Brennt heller wie Gasglüblicht und verbraucht dabei nur für ca. 1 Pfennig Peiroleum pro Stunde. Kein Verschneiden, kein Putzen des Tochtes; es gelangen auswechselbare Brennringe von grosser Haltbarkeit zur Verwendung. Der Brenner ist so einfach, dass er von einem Kinde bedien0 werden kann, daher der Name„A.B.C.1 Passt für jede vorbandene 10“ und 14“ Lampe und mittels Zwischenring auch auf — jedes andere Basaln. Nustergiltig in Handhabung und Brennweise! Das rationellste Licht der Jeintzelt! Niederlagen in Schwerte: Alfred Knülle, Installationsgeschäft. 3800 R. Landmann, Eisenhandlung. Richard Schulz, Installationsgeschäft. 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F. B. 1976 a. d. Exp. d. Bl. 0 S PI. Berlin, 27. Mai. Fürst Bülow ist, wie die„Tägl. Rundschau" erfährt, auf seiner Fahrt nach Nordeney von einem Arzte, Prof. Renvers, begleitet worden de den Auftrag hatte, dort über die ersten Erholungstage des immer noch in der Reconvalescenz befndlichen Kanzlers zu wachen. Das geschah auf kaiserlichen Befehl. Geheimrat Renvers wird nach seiner in wenigen Tagen zu erwartenden Rückkunft dem Kaiser persönlich Bericht über das Befinden des Fürsten erstatten. Berlin, 28. Mai. Der angeblich geisteskranke Lederarbeiter Max Dittrich hatte, wie berichtet, nach seiner Ueberführung aus der Irrenanstalt Herzberge nach Dresden dort ein überraschendes Geständnis abgelegt. Anfang Mai bezichtigte er sich der Täterschaft an zehn Morden, darunter der an den Frauen Gressnic und Schurm in Zeuthen. Am letzten Mittwoch zog er Aus einer Verteidigungsrede.„Mein Klient ist sicher unschuldig. Er hat ein so gutes Gewissen, daß er schon seit Jahren ohne Kopfkissen schläft!“ Habe den Mut, lieber fest zu halten an dem, was dauernd ist, als an dem, was bald vergeht, denn wer den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit. Habe den Mut, das Ehrenwerte zu achten, in welchem Gewande es auch auftritt. Unehrlichkeit und Doppelzüngigkeit aber zu bekämpfen, wer sie auch zeigt. Habe den Mut, offen deine Meinung zu sagen, wo es nötig ist, ungeachtet etwaiger Nachteile für dich. Habe den Mut, einen Freund im schäbigen Rocke zu kennen, auch wenn du fein angezogen bist und mit feinen Leuten gehst; wie der Sohn der Herrlichkeit die Zöllner und Sünder auch nicht verachtete. Habe den Mut, deine schlechten Neigungen und Sitten zu bekämpfen in der Kraft Gottes, so wirst du ein Held, ob du auch nie eine Waffe führtest. Das Reich Gottes und auch unser Vaterland brauchen solche Streiter. ersparen Sie bei Verbrauch von 10 Pfund Delikatese-Margarine S 01.0 in Carton gegenüber dem gleichen Quantum teurer Butter. Deshalb zögern Sie nicht länger, diesen vorzüglichen Butter-Ersatz gleich hunderttausenden anderen Hausfrauen zu verwenden und fordern Sie gleich jetzt bei Ihrem Kaufmann SOLS in Sart“ 1552 Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schade, Schwerte. Fahrräder und Nähmaschinen gut und sehr billig! A. Efck& Co. Warenhaus u. Pfandleihanstalt strasse5 Dortmund“ strggr beim Bezirks-Kommande. Spezial-Kenerten Fugt! Schwerte Brückstraße 3 Brückstraße 3 Beste und billigste Bezugsquelle für saltlichrerrtenilleuren. Von Montag, den 28. Mai Nur solange a Schnittbohnen 2 Pfd.=Dose 27 pf. a Brechbohnen 2 Pfd.=Dose 27 pf. la mittelseine Erbsen Bose 52 9s. a feinste Erbsen 2 Pfd=Dose 80 gf. Ia Wachsbohnen 2 Pfo.=Dose 40 pf. außergewöhnliche aufgeführten Gemüsebis Samstag, den 2. Juni. 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Bekanntmachung In der Gemarkung Hengsen finden zur Zeit und im Laufe der nächsten Iihre durch die Vermessungsbeamten der Auseinandersetzungsbehörde Neumessungen statt. Dieselben werden sich auch über das Auseinandersetzungsgebiet hinaus anf die nicht zum Verfahren gezogenen Grundstücke, sowie in benachbarte Feldmarken erstrecken. Ich mache darauf aufmerksam, daß die Eigentümer bezw. die Pächter oder sonstigen Nutznießer von Grundstücken gemäß§ 1 und und 2 des Gesetzes, betreffend die Errichtung von Marksteinen vom 7. April 1869 verpflichtet sind, die Ausführung der Arbeiten bei allen trigonometrischen Vermessungen, sowie bei allen späteren zur Ausführung der Landesvermessung erforderlichen amtlichen Detailvermessungen auf den betreffenden Grundstücken zu gestatten. Die zur Festlegung der trigonometrischen Punkte durch Errichtung von Merksteinen nach der Bestimmung der Tigo nometer ersorderlichen Bodenflähen, sowie das zur Sicherstellung der Mak steine nötige Umgebungsterrain, sind dem Staate eigentümlich zu überlassen. Gebäude, Hoflagen und Hausgärten werden von den vorstehenden Anordnungen nicht betroffen In Ermangelung einer gütlichen Einiging zwischen den Interessenten erfolgt die Einweisung in den Besitz der hiernah dem Staate abzutretenden Bodenfläche nach Anhörung des beteiligten Eigentümers und nach wenigstens vorläufiger Feststellung der Entschädigung durch den Kreis=Landrat Die Vergütung des den Grundstücken bei Ausführung der bezeichneten Arbeiten etwa zugefügten vorübergehenden Schadens erfolgt nach den allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen. Der Anspruch auf jede derartige Entschädigung erlischt binnen Jahresfrist nich der angeblichen Schadenszufügung. Wer die zum Zwecke der Vermessung eingeschlagenen Pfähle und Stangen oder die gesetzten Grenzsteine beschädigt oder beseitigt wird nach§ 803 des Feld= und Forstpolizeigesetzes vom 1. Apcil 1880 mit Geldstrafe bis zu einh indertundfünfzig Mark oder Haft bestraft; ferner wird nach§ 274 Reich'strafgesetzbuches mit Gefängnis, neben welchem auf Geldstrafe bis zu dreitausend Mark ekannt werden kann bestraft, wer dieselben in der Absicht wegnimmt oder verrückt um einen anderen Schaden zuzufügen Hörde, den 18 Mai 1906. Der Königliche Landrat. J. B. Frhr. v. Steingecker Bekanntmachung. Die Provinzial Heilanstalt zu Aplerbeck hat d'e Genehmigung zur Verlegung der Wegest ecke in Flur 1 Nr. 979, Nr 3 und 4 der Steuergemeinde Aplerbeck nahgesicht. Dieses Vorhaben wird hierdurch in Gemäßbeit des§ 57 des Zuständigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 mit der Aufforderung zur öffentlichen Kenntnis gebracht, etwaige Einsprüche gegen die Verlegung binnen 4 Wochen zur Vermeidung des Ausschlusses mündlich zu Protokoll oder schriftlich bei der unterzeichneten Behörde anzubringen. Der Pan liegt auf dem h esigen Amis auamt während der angegebenen Frist zu Jedermanns Einsicht offen. Aplerbeck, den 23. Mai 1906. Seen barb Der glücklichen Geburt eines kräftigen — Knaben— erfreuen sich Wilh. Schade u. Frau Emmy geb. Heimbeck. Schwerte, den 28. Mai 1906. Meine anerkannt feinste Tapralie nitel 1,25 Mk. p. Pfund empfiehlt Carl Trog. Gestern abend 11 Uhr entschlief sanft nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann und Vater. unser guter Sohn, Bruder und Onkel, der Fabrikarbeiter Ludwig Schöttler im Alter von 47 Jahren und 6 Monaten. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Schwerte, Hohensyburg, Dortmund, Kirchhördeund Bad Oeynhausen, den 27. Mai 1906. Die Beerdigung fir det Mittwoch, den 30. Mai, nachmitags 3 Uhr vem Hause Liethgasse 3 aus statt. seretetettetetererereteeeee Neueste Pfingstkarten wirklich gediegene Erzeugnisse in allen Preislagen. Carl Braus Buch-, Kunst- und Schreibwaren-Handlung Gr. Marktstrasse 3—5. Geschäfts-Empfehlung. Den geehrten Bewohnern von Schwerte und Umgebung die ergebene Mitteilung, dass ich durch die Verheiratung mit Frau Fr. Selve die Firma E. Selve in bisheriger Weise weiterführen werde. Durch selbstständige Tätigkeit in besseren Konditoreien und den Verbrauch von nur prima Material soll es mein Bestreben sein, das volle Vertrauen meiner Kundschaft zu erwerben. Hochachtungsvoll Konditorei und Café Seive Inhaber: Otte Sclieper. Ein Grspann kabrudser Pferde zu kaufen gesucht. 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Haupt=Annoncenblatt. Alle Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbindliche Kraft. o 0 O O O O O O O O O O 0 0 Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse Braus, Schwerte-Kuhr. o Nr. 123. Alein. Stand der sechste Heinrich einst mit seinen Räten, an des Reiches Grenzen klangen Kriegsdrommeten. Bebten da die einen, andre wollten warnen, alle ließen scheu sich von der Angst umgarnen. „Laß uns, großer Kaiser, diesmal lieber weichen, denn wir stehen einsam unter allen Reichen. Feinde drohn gerüstet allen unsern Marken, und so viele Schwerter fällen auch den Starken: Doch der stolze Heinrich sah sie an mit Grollen: „Ist die Flut des Unglücks schon so hoch geschwollen? Hat in meinen Thron schon jäh der Blitz geschlagen, daß die deutschen Männer vor dem Kampfe zagen? Seht den Kaiser einsam unter allen Fürsten, weil nach seiner Hoheit ihre Seelen dürsten! Seht die deutschen Lande einsam unter allen, weil der Sieg noch immer auf ihr Schwert gefallen! Und so lang der Deutsche steht bei seinem Schwerte fehlt auch in Gefahren mie ihm der Gefährte. Und ob Feinde kommen so wie Sand am Meere, viele Feinde machen deutschen Namens Ehre. Und so lang die Deutschen wird ein Banner einen, laßt uns Gott nur fürchten und von Menschen keinen!“ Geheime Wahl nach sozialdemokratischem Ruster. Berlin, 26. Mai. Ein herrlicher Beweis von Freiheit, Gleichheit sund Brüderlichkeit wurde gestern wieder einmal von den „Genossen“ und„Genossinnen“, die als Schlepper und Stimmzettelverteiler in Kellers Festsälen, Kopperstr., angetreten waren, geliefert. Die Delegiertenwahl zur Ortskrankenkasse der Schneider und Schneiderinnen Berlins hatte alles auf die Beine gebracht, was mit den erschreckenden Zuständen, die durch die Genossen in dieser Krankenkasse herbeigeführt worden sind, nicht Seite setzten die Herren Sozialdemokraten, in dem Bestreben, sich nicht in die Karten sehen zu lassen, alles daran, um das Heft wieder in die Hände zu bekommen. Abgesehen von dem Mordsspektakel, mit welchem jeder Wähler und jede Wählerin empfangen wurde, behandelten die Genossen den zur Urne schreitenden Wählern mit ausgesuchter Aufdringlichkeit und Frechheit. Ganz besonders hervorragenden Anteil daran nahm der„Obergenosse“ Max Kiesel, indem er die„Genossen" und„Genossinnen“ zu größter Rücksichtslosigkeit anfeuerte, sehr häufig mit den Worten:„Den nungsparteilern wollen wir zeigen, was wir Genossen vermögen. Diese schmutzigen Zettel, die Sie da in der Hand haben, werfen Sie weg; unsere Liste, das ist die einzig wahre und rechte!" Das gab ein Spießrutenlaufen sondergleichen für jeden Beteiligten, der halbwegs noch etwas auf Wohlanständigkeit hält! War dann der Wähler endlich bis zu der steilanführenden Treppe, welche zum Wahllokal führte vorgedrungen, so stand er vor der Alternative, nunmehr aufs meue all die Flegeleien der Genossen über sich ergehen zu lassen, oder umzukehren und tatsächlich kehrten wiele um, die die von den Herren Roten beliebten Roheiten und Gemeinheiten nicht über sich ergehen lassen mochten. Fast auf allen Stufen stand rechts und links die rote Garde, die mit ohrenzerreißendem Gebrüll jeden Hinzukommenden empfing. Und im Wahllokale selbst genau das gleiche Bild! Abends 8 Uhr 30 Minuten wurde der Wahlakt geschlossen und die Anzahl der abgegebenen Stimmzettel festgestellt, die alsdann in verschlossener und versiegelter Urne der Behörde zur genauen Prüfung und Aufbewahrung übergeben werden sollten. Die genaue Feststellung der gewählten Personen war bei dem herrschenden Tohuwabohn unmöglich; deshalb erschien die Aufbewahrung bis zum nächsten Tage als der einzige Ausweg. Das aber ging den Genossen wider den Srich. Ein Höllenlärm begann aufs neue, und daraus hörte man Worte wie„Sofort feststellen!"„Betrügevei“,„Lumperei“, und ähnliche Koseworte. Schließlich stürmte die aufgehetzte Meute das Pooium, um sich der als Wahlurne dienenden Kiste zu bemächtigen. Der sattsam bekannte Schneider Täterow brüllte den Wahlleiter an: Sie mögen ja sehr schlau sein, aber hier haben wir zu bestimmen! Bei dem nun beginnenden Kampfe vissen die Herren Genossen, diese edlen„Beschützer" des„bedrohten“ Wahlrechts, wie un38 Die Schönheit von Remörow Roman von Bogumil von Czartorski. Am Christabend gingen wir alle zur Kirche, zu derselben Kirche, In der Mutter getraut, in der ich getauft worden war. Das war o herzbewegend. Oft schien es mir, als ob meiner griegen au bes, sanftes Gesicht, das mir Fabian so treulich beschritren, aus den gemalten Wolken des Deckengemäldes freundlich auf mich Es tat Liska offenbarsehrwohl, sichaussprechen zudürfen. Heloise, der das nicht entging, ermunterte sie durch geschickte, kleine Zwischenfragen zum Weiterreden. Sie hatte jetzt auch den wunden Punkt in Liskas Seele und damit die wahre, dem Mädchen selbst nicht bewußte Ursache des Gefühlsausbruchs erkannt. „Es betrübte Dich, unter all den schönen Sachen kein Gedenkseichen Deines Freundes zufinden, Liska, nicht wahr?“ sagte sie Liskas Augen füllten sich wieder mit Träuen.„Ja, es ist mir so ungewohnt. Fabian war sonst immer da, wenn ich ihn brauchte. Und er wußte immer, warum ich froh oder betrübt war „Du wirst Dir denken können, daß es auch ihm schwer fällt, heute nicht bei Dir sein oder Dir wenigstens aus der Ferne einen Freundschaftsbeweis geben zu dürfen, daß er aber als verständiger Mann und als Dein wahrhafter Freund unter den obwaltenden Umständen jede Vertraulichkeit, die an vergangene Tage gemahnen könnte, unter= lassen muß. Die kleine Liska von früher und die Verlobte des Grafen Ehrenbreit sind zwei verschiedene Personen. Bist Du verständig geuug, das einzusehen, Liebling?“ Liska nickte ernsthaft.„Es ist, wie Du sagst, Heloise. Und ich will versuchen, verständig zu sein. Nun mußt Du aber wieder hinuntergehen zu den anderen, sonst wird Madame noch ungnädiger gegen mich gestimmt. Vielleicht kann ich ein bißchen schlafen. Küsse mich noch einmal!“ Die arme Liska versuchte es auch redlich in der ganzen darauf folgenden Zeit, gehorsam und verständig zu sein, aber es wurde ihr immer schwerer gemacht. Mit den Arbeiten wollte Ein zeitweilig mit Hesigkeit austretender stechender Schnerz in den Schläfen machte es ihr manchmal vollkommen unmoglich, den Vorträgen der Lehrer zu folgen. Ganz besonders war 38. parteiische einwandsfreie Zeugen bekunden können, ganze Stöße von Stmmzetteln aus der Kiste, die reits in allen Fugen krachte. 6 1 Schließlich erschien ein Polizeiaufgerer auf vem Plan und räumte den Saal. Die inzwischen zertrümmerte Wahlkiste aber hießen die Genossen mitgehen. Schon während des Wahlaktes war ein reichstreuer Wähler in dem Gedränge vor dem Eingang in brutalster Weise durch Schläge auf den Hinterkopf mmißhandelt und die Treppe hinunter geworfen worden. So hat sich denn die rote Brüderschaft wieder einmal in ihrer ganzen Glorie gezeigt; sie hat von neuem bewiesen, daß sie die freie Meinungsäußerung, wie sie hier in Ausübung des Wahlrechtes zur Geltung kommen sollte, in schimpflichster Weise mit Füßen tvitt, sobald sie es mit einem tatkräftigen Gegner zu tun hat. Die schändliche Verwilderung der Sitten innerhalb der sozialdemokratischen Masse, die anmaßende heit der Macher und Treiber feierten ebenfalls gestern wahre Orgien!! Ein neuer Beleg dafür, wie es mit Recht und Menschenwürde bestellt sein würde, wenn diese Rotte jemals die Macht in die Hände bekäme. Wovor uns Gott und deutsche Art behüten möge! Politische Uebersicht. — Noch ein fliegender Schriftgenosse. Berlin, 26. Mai. Die Parteidisziplin, wie man auf Rotwälsch die Tyrannei bezeichnet, mit welchen die geistigen Arbeiter im Dienste der Arbeiterpartei unter dem Joch des jeweilig von Berlin Lindenstraße als maßgebend verkündeten Dogmas gebändigt werden, hat wieder einmal einem Redakteur das„Fliegen“ gelehrt. Diesmal traf es den langjährigen Redakteur der„Bergischen Arbeiterstimme“ in Solingen, Otto May. Daran wäre nun eigentlich nichts weiter interessant als die statistische Feststellung, wie viel fliegende auf wie viel sitzende usw. Schriftgenossen kommen, wenn nicht das weitere Schicksal der Gemaßregelten ganz dazu angetan wäre, die mit so viel Aufwand verkündeten Grundsätze der Sozialdemokratie bezüglich der Verwendung der Arbeitskräfte im Zuhunftsstaate in bengalischer Beleuchtung zu zeigen. Die zur Beruhigung der durch die Häufung dieser Ketzergerichte etwas stutzig gewordas an einem Tage der Fall, den Heloise außerhalb des Pensionats, bei einer ihrem Oheim befreundeten Familie zubringen mußte. Liska fühlte sich in Abwesenheit ihrer einzigen Freundin doppelt verlassen und unglücklich. Noch um vieles stumpfer als sonst saß sie heute ihrem Plagegeist, dem Professor mit der grünen Brille, gegenüber und versetzte ihn durch den starren Blick ihrer großen, schwarzen Augen in eine nie gekannte Verlegenheit, die allmählich zum Zorn Ich muß Ihnen gestehen, Fräulein von Ruck, daß ich noch niemals eine Schülerin unterrichtete, der es derart an gutem Willen mangelte, mich zufriedenzustellen!“ sagte er ihr in gereiztem Tone, seine grüne Brille emporschiebend, hervor drohende Blicke auf ein unschuldig aussehendes Blatt Pavier zu werfen, das mit kleinen, ängstlichen Schriftzügen bedeckt war.„Sehen diese Buchstaben nicht allesamt aus, als ob sie einen Rausch hätten? Steht auch nur einer von ihnen auf dem rechten Platze? Gibt es eine junge Dame im ganzen schen Reiche, die weniger Schönheitssinn besitzt, weniger von ihren Lehrstunden profitiert, als Fräulein Liska von Ruck? Professor Isensee hatte die Angewohnheit, seine Rügen größtenteils in Form derartiger Fragen zu erteilen, auf die er türlich niemals eine Antwort erwartete und erhielt, oder erhalten hatte, bis zu diesem Tage. Unter anderen Verhältnissen würde wohl auch Liska diesen Verweis wie alle vorhergegangenen in schweigendem Trotze hingenommen haben, heute aber befand sie sich in so hoher Erregung, daß fast ohne ihr Wissen und Wollen eine schnelle Entgegnung auf ihre Lippen trat.„Ich weiß nicht, Herr es eine solche junge Dame gibt, aber ich weiß, daß es mir nie mals an dem guten Willen gefehlt hat, Sie zufriedenzustellen, obschon Sie noch kein einziges, freundliches Wort zu mir gesproProfessor Isense befand sich im höchsten Stadium der Verblüfftheit. Seine grüne Brille fuhr mit einem hörbaren Ruck bis unter die verschossene Perücke, von der es sich nicht mehr sagen ließ, was für eine Farbe sie in ihres Lebens Blütezeit getragen haben mochte„Einfreundliches Wort? Wollen Sie mir gefälligst sagen, was mich veranlaßt haben sollte, ein freundliches Wort an Sie zu richten, Fräulein von Ruck?“ fragte er mit dem Ausdruck maßlosen Erstannens in seinen boshaften Augen.„Vernahmen Sie jemals dergleichen aus meinem Munde Und glauben Sie, daß es zu meinen Verpflichtungen in diesen „Kein Here Prosessor. Aber ich bin es gewöhnt vondaheim Dort verkehrte jedermann freundlich mit mir. Seine Hochwürden, der Herr Pfarrer, war die Güte selbst gegen mich und ich glaube, daß ich deshalb so gut bei ihm lernte. So..o.. o! In der Tat. Es ist nur bedauerlich, daß sich heute nicht mehr herausfinden läßt, was Seine Hochwürden, Ihr sehr schätzenswerter Herr Pfarrer, Sie in seiner großen Güte lehrte, Fräulein von Ruck,“ sagte Professor Isensee, ein kleines hämisches Kichern aus der hohen Halsbinde hervorsendend;„es müßte denn die Dreistigkeit mit der Sie Ihren Lehrern Reprimanden zu erteilen, sich anmaßen, ein Resultat jenes zweifellos vortrefflichen Lehrsystems sein.“ Obwohl Liska den diesen Worten zu Grunde liegenden Sarkasmus nicht völlig begriff, fühlte sie doch heraus, daß diese eine Beleidigung für ihren alten Lehrer enthielten, und diese Wahrnehmung trieb ihr das ohnehin erregte Blut doppelt heiß zu Kopf und Herzen.„Hochwürden ist sehr gut und sehr klug! Ich leide es nicht, daß man ihn verhöhnt oder herabsetzt!“ entgegnete sie mit erhöhter Stimme.„O, säße ich doch in seinem kleinem Schreibzimmer an dem alten, schwarzen Tische wie damals! O, wäre doch alles, was danach kam, nur ein Traum gewesen, wie ihn oft in schweren Krankheiten träumt!" 138, Das war mehr als Professor Isensee vertragen konnte. Es rührte ihn wenig, daß Liska bei ihren letzten Worten in schmerzliches Weinen ausbrach. Heftig erzürnt sprang er auf und erwiderte nun auch seinerseits mit erhobener Stimme:„Das erstere wünschte ich auch, Fräulein von Ruck! Wahrhattitgl Air) was hindert Sie, es wieder in Szene zu setzerz), Sie, sich zu jenem„alten schwarzen Tische Ihr Leben lang daran sitzen zu bleiben? Wir nicht, Fräulein Liska von Ruck! Wir nicht, Mademoiselle Lavalette, was meinen Sie?“ Die letzten Worte galten der soeben eintretenden französischen Lehrerin. Demoiselle Fauchon Lavalette ließ ein geheimnisvolles Etwas in ihrem Munde verschwinden und warf einen schmachtenden Blick in den Spiegel, bevor sie mit flötender Stimme entgegnete:„Ik wissen nikt, von was für eine alte schwarze Tisch Sie spreken, Err Professor, und verstehen nikt, aus was für ein Grund Mademoiselle Liska ßu weinen belieben, aber mir schein: diese Ssimmer übereizt zu sein; ik finden die Luft ßerr dick.“ denen Gemüter verbreitete Version, daß Genosse May in der Redaktion der Elberfelder„Freien Presse“ Unterkunft gefunden habe, muß jetzt vom„Vorwärts“ dahin richtig gestellt werden, daß die genannte Zeitung den Redakteur May als„Annoncen=Akquisitär“ angestellt habe. Das ist immerhin etwas und bringt Herrn May nicht in Gefahr, sich nochmals gegen das Parteidogma zu versündigen. Es geht eben nichts über die Freiheit— in Wort und Schrift. Neues von Morenga. Kapstadt, 27. Mai. Wie Reuter meldet, ist Morenga nach Kapstadt gebracht, und soll in Tokai, einem Dorfe in der Nähe von Kapstadt, interniert werden, — damit er besser entwischen kann. In Oesterreich kriselt es wieder. Aus Wien wird geschrieben: In der parlamentarischen Situation ist plötzlich ein Umschwung eingetreten. Die Meldung, daß sich zwischen den beiden Ministerpräsidenten wegen der Neuregelung der wirtschaftlichen Beziehungen der beiden Reichshälften solche Meinungsverschiedenheiten ergeben hätten, daß eine Krise unausbleiblich sei, ist zwar nicht richtig; wohl aber ist die Stellung des österreichischen Kabinetts in der Wahlreformfrage unhaltbar geworden. Der Beschluß des Abgeordnetenhauses, die Vorlage betreffend die Verstaatlichung der Nordbahn sofort auf die Tagesordnung zu setzen, hat wiederum gezeigt, daß die Gegner der Wahlreform im Abgeordnetenhause das Heft in der Hand haben. Prinz Hohenlohe muß daraus entnehmen, daß es unmöglich ist, die Wahlreform durchzusetzen. Um jedoch eine Niederlage in dieser Frage, die seine weitere Karriere schwer schädigen würde, zu vermeiden, scheint Prinz Hohenlohe entschlossen zu sein, seine Differenzen mit der ungarischen Regierung zum Vorwande seiner Demission zu machen. Er fiele so in einer in Oesterreich sehr populären Pose und hätte sich damit für die Zukunft reservient. Man glaubt, daß möglicherweise noch im Laufe dieser Woche die Entscheidung fällt, und nennt bereits den früheren Justizminister Grafen Schönborn und den Vizepräsidenten des Herrenhauses Fürsten Schönburg als mutmaßliche Nachfolger des Prinzen Hohenlohe. Beide kamen beveits nach dem Sturze Gautsch's in Betracht Echt französische Wirtschaft. Paris, 27. Mai. 16 Witwen der werunglückten Bergleute in Courrieres richteten ein Schreiben an den„Matin“, worin sie erklärten, daß sie seit Karfreitag keine Unterstützung aus den bereitstehenden Fonds erhalten hätten. Es sind für die Hinterbliebenen von Courrieres etwa sechs Millionen eingegangen, deren Verwaltung ein großes Komitee, dessen Vorsitz Loubet führt, vornehmen soll. Dieses Komitee, zu dem die ersten Persönlichkeiten des Staates gehören, ist sehr glänzend, aber die Langsamkeit, mit der es arbeitet, ist nahezu skandalös. Herbe Kritik über das englische Oberhaus. # London, 27. Mai. Der Handelsmimister Lord Groig hielt gestern in Liverpool eine Rede, in welcher er das Oberhaus heftig angriff. Er erklärte wörtlich: Der Augenblick ist gekommen, zu prüfen, ob es dem Oberhaus gestattet ist, sich dem Volkswillen zu widersetzen. Ich bin immer der Ansicht gewesen, daß das Oberhaus stets ein Hindernis gegen jeden Fortschritt gegeben hat und ich bin nie mehr davon überzeugt gewesen, seitdem ich Minister bin. Das Oberhaus vertritt die Faulheit des Landes. Es befindet sich in demselben kein einziger Arbeiter. Westfalen und Rheinland Köln, 25. Mai.(Tödlicher Unglücksall.) Gestern abend sprang auf der Venloerstraße ein 18jähriger Ziegeleiarbeiter, der in Bickendorf in einer Ziegelei beschäftigt ist, trotz der Warnung des Schaffners rückwärts von dem Vorderperron eines Triebwagens, um seinen durch den Wind ihm entführten Hut wieder zu holen. Er stürzte auf das Pflaster und zog sich eine Gehirnerschütterung zu. Ohne daß er das Bewußtsein wiedererlangte, starb er bald darauf. *s Krefeld, 26. Mai.(Erwischt.) In Berlin brannte vor einigen Tagen der Kassenbote der Kohlenirma Schiebel u. Co. mit 11000 Mark durch. Auf einer Motoradtour, die ein früherer Krefelder, Franz L., von Berlin nach Krefeld zum Besuche seiner Eltern unternahm, lernte dieser in Gütersloh einen stutzerhaft gekleideten Menschen kennen, der schließlich das Motorrad kaufen wollte. Da der Fremde sehr verschwenderisch mit seinem Gelde umging und sich auch so verdächtig benahm, veranlaßte L. seine Verhaftung, bei der der Ergriffene die Unterschlagung bei der Berliner Firma eingestand. Auf die Ergreifung des Durchbrenners war eine Belohnung von 500 Mark gesetzt worden. Vermischtes. *(Schlange im Gerichtssaal.) Ein nicht geringer Schrecken bemächtigte sich des Publikums, als sich dieser Tage eine Schlange durch die geöffnete Tür eines Newyorber Polizeigerichtssaales schlängelte und auf dem Fußboden ruhig in die Sonne legte. Das zahlreiche, namentlich aus Frauen bestehende Publikum flüchete entsetzt vor dem Reptil, und auch die Polizeirichter verließen eiligst ihre Plätze. Mehrere herbeigeholte Polizisten traktierten das Tier mit Knüppelhieben, vor denen es aus dem Zimmer auf den Flur vetirierte. Ein Polizist Smith,der früher in Texas Cowboy gewesen war, zog seinen Revolver und tötete die Schlange durch einen wohlgezielten Schuß in den Kopf. Das Tier war zwei Fuß lang und gehörte zur Gattung der südamerikanischen Kreuzottern. Es kommt nicht selten vor, waß die Schlangen mit Bananensendungen eingeschleppt werden, in welchen sie zusammengerollt unentdeckt bleiben, bis warmer Sonnenschein sie ans Tageslicht lockt. Zeitgemäß. Herr:„Ihre Kinder lesen schon die Zeitung?“— Witwe:„Nur die Heiratsinserate; sie suchen sich einen neuen Papa.“ der Zerstrenung Ein junger Mann ist in die Tochter eines Krämers verliebt und entschließt sich, beim Vater um ihre Hand anzuhalten Als er mit dem Vater gesprochen hat, ist er sich nicht ganz klar darüber, ob er eine Zusage erhalten hat oder nicht Deshalb sagt er:„Also werden Sie mir Ihre Tochter geben?"— „Gewiß“, antwortete der Krämer zerstreut,„wollen Sie, daß ich sie Ihnen einwickele?“ Bescheiden.„Nun, Fräulein, sind Sie nicht auch dafür, daß den Frauen das Wahlrecht gleichfalls zuerkannt werden muß?“—„Ach, Herr Doktor, ich wäre schon zufrieden, wenn ich nur— einmal wählen dürfte!“ Ein Gemütsmensch.„Ist denn der Rentier Fellhuber wirklich so krank, daß Du ihn sschon drei Monate behandelst?“— Keine Spur, aber der Mann offeriert mir jedesmal einen geradezu phänomenalen Rotwein. Ehe das Fäßchem nicht leer ist, wird der mir nicht gesund.“ Krerverpachlung. Am Dienstag, d. 29. 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