für den kreis börde. Nr. 122 Die heutige Nummer umfaßt 16 Seiten. Die Arbeit des Gustav AdolfVereins. * 1. Was will der Gustav=Adolf=Verein? Der große, barmherzige Samariter, unser Heiland, hat die hülfsbedürftigen Glaubensgenossen, die in der Zerstreung uunter Andersgläubigen wohnen, seinen Gläubigen anvertraut und ihnen geboten:„pfleget Ihrer.“ Diese die ganze Erde umspannende Arbeit hat der Gustav=Adolf=Verein auf sich genommen; sein Auge sist auf die Evangelischen in der Zerstreuung, mögen sie im Inlande oder im Auslande jenseits der Weltmeere wohen, gerichtet, sein Herz erbarmt sich ihrer Bedränguung, ihrer geistlichen Not, seine Hände reichen die Mittel zur Hülfe, zur Linderung der Not. 2. Was hat der Gustav=Adolf=Verein bisher im ganzen leistet? Der Gustav=Adolf=Verein hat bisher unterstützt: 3280 Gemeinden im deutschen Reiche, 1483 Gemeinden in Oesterreich, 691 Gemeinden in sonstigen Ländern also: 4454 Gemeinden in der Zerstreuung Diesen Gemeinden hat er dargereicht in den Jahren 1833 bis 1904 den Betrag von 44 059 831 Mk. zu Bauten von Kirchen, Bethäusern, von Pfarr= und Schulhäusern, zu Friedhofanlagen, zum Gehalte von Predigern und Lehrern, zur Einrichtung von Waisenund Konfirmandenhäusern Sonnabend, den 26. Mai 1906. Wie viel Segen hat er dadurch gestiftet! Wie hat er den Glauben der Brüder gestärkt, Not beseitigt oder doch gelindert, so daß sie tatsächlich erfahren haben: Ihr steht nicht allein, eine große, hülfsbereite Schar von Glaubensgenossen steht hinter euch! Wie ha ter Vieler Herzen zum Dank gegen Gott gestimmt und Viele in der Treue gegen die Kirche, gegen das Evangelium bewahrt! Er ist ein Mittel gewesen, um das Gefühl der Zusammengehörigkei zu wecken, um die herrlichen Güter der Reformation, den freien Zugang zum Vater durch Jesum Christum den in der Vereinsamung lebenden Glaubensgenossen zu bewahren!! Der breite Segensstrom dieses Vereins der Bruderliebe ist zwar hauptsächlich unserm deutschen Vaterlande zu gute gekommen, aber es sind doch Bäche und Tropfen dieses Segens auch in die andern Länder und Erdteile geflossen. 3. Was hat der Gustav=Adolf=Verein im Jahre 1904 geleistet. Seine Arbeit ist gewachsen, aber auch seine Kraft wuchs. Die Zahl der Zweigvereine hat sich von 1957 auf 1970 erhöht; die Zahl der Frauenvereine stieg von 641 auf 644. Dementsprechend ist denn auch die Jahreseinnahme des Vereins im Jahre 1904 auf 2585 408 Mk. gestiegen. Freilich wachsen auch die Ansprüche, welche an den Verein gestellt werden. Nicht nur, daß in der Heimat sich immer wieder neue evangelische Gemeinden unter Andersgläubigen bilden, sei es, daß Evangelische durch ihr Amt, durch ihren Beruf, durch die Arbeitsgelegenheit, in Gegenden ziehen, in denen bis dahin evangelische Gemeinden nicht bestanden, sei es, daß die Kraft des Evangeliums eine kleinere oder größere Zahl von Evangelischen 38. Jahrgang sammelt, welche für sich und ihre Kinder evangelische Pflege und Förderung verlangen,— nein auch in der weiten Ferne anderer Erdteile, in den großen Hafenund Handelsstädten, ebenso wie in den ackerbautreibenden weiten Gebieten namentlich Südamerikas entstehen evangelische Gemeinden, welche laut rufen:„kommt herüber und helft uns!“ So ruft nicht nur aus Oesterreich, Italien, Spanien, Belgien eine stets wachsende Zahl von Evangelischen, sondern auch aus Brasilien, wo allein in der Provinz Rio Grande do Sul mehr als 150000 Protestanten wohnen, aus Argentinien, aus Chile, aus dem heiligen Lande dringt der Bittruf an unser Herz um Prediger und Lehrer, um Kirchen und Schulen. Da kann es uns nicht wundern, daß im vorigen Jahre weit über 2500 Gemeinden hülfsbedürftig die Hände uns entgegenstreckten! 4. Was hat der Gustav=Adolf=Verein im Jahre 1904 in Westfalen getan? Immer wieder bilden sich neue evangelische Diasporagemeinden in unserer Provinz, besonders im Münsterlande und im Vest Recklinghausen, weil hier die Kohlenzechen nördlich von der Emscher und der Lippe entstehen, aber auch im kölnischen Sauerlande. Da sind in der neuesten Zeit entstanden: Borghorst, Hoerstel, Habinghorst, Resse, Hüsten, und schon stehen wieder Hochlarmark, Suderwich, Sundern bittend mit Beckhausen vor der Türe. Es sind im ganzen etwa 100 westfälische Gemeinden und Anstalten mit rund 85000 Mark unterstützt worden. Da in Westfalen etwas über 90000 Mark für den Verein gesammelt wurde, so hat Westfalen etwa 5000 Seidennaus Aie Wrt VözkUPaftkzn. e Elberfelderstrasse 14. HAGEN i. W. Elberfelderstrasse 14. in Gürtel Bbrngen Garnituren Gummigürtel Ledergürtel Seidengürtel Gürtelschnallen Gürtelbänder Wäschekragen Spitzenkragen ackenkragen HANDSCHUHE Stoff-Handschuhe Glace-Handschuhe Halb-Handschuhe Handschuhe für halblange Aerme! Blusenstreifen Blusenpassen Spitzen-jäckchen Kravatten Spitzenärmel Rüschen-Boas Federn-Boas Halbfertige Roben e Halbfertige Blusen Mark mehr geleistet als empfangen. Besonders rühmlich zu erwänhen sind die 28 Gustav=Adolf=Frauenvereine, die zum Teil in wahrhaft beschämender Weise die Vereinsarbeit unterstützen. Ihnen gebührt ein besonderer Dank. 5. Was kann ich noch mehr tun? 1. Ich kann die Not der Brüder, die Arbeit des Vereins noch besser kennen lernen, um sie noch besser schätzen und lieben zu lernen. Das kann ich aber nur, wenn ich ein Gustav=Adolf=Blatt halte. Da ist für uns das geeignetste das vom Superintendenten Terlinden in Duisburg herausgegebene Gustav=Adolf=Blatt für Rheinland und Westfalen. 2. Ich kann meine Gabe willig und fröhlich darreichen; der Sammler nimmt in diesen Tagen die Gaben freundlich entgegen, zu anderer Zeit wird der Pfarrer gern die ihm übergebenen Gaben weiter besorgen. 3. Ich kann beten, daß Gott die Vereinsarbeit segne, damit sie gereiche zur Ehre Seines Namens, zur Mehvung Seines Reiches, zur Erquickung der Glaubensgenossen in der Zerstreuung. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 26. Mai. Aus der katholischen Gemeinde. **(Der katholische Arbeiterverein„St. Stephanus.) beschloß in seiner Generalversammlung am Donnerstag Abend zu dem anläßlich des diesjährigen Katholikentages in Essen am 19. August stattfindenden Arbeiter=Festzug eine Fahnendeputation zu entsenden. Die „Westdeutsche Arbeiter=Zeitung“ soll in drei Exemplaren für den Vorstand abonniert werden. Am 8. Jul unternimmt der Verein einen Ausflug nach Opherdiche. In der nächsten Generalversammmlung wird Herr Lehrer Köhnen einen Vortrag halten über das Thema:„Moderner Verkehr zur See“ **(Wohltätigkeitsbazar.) Gestern Abend tagte im Hufmagel'schen Lokale ddas in der Versammlung vom 15. er. gewählte Bazarkomitee, welches sich durch eine Ergänzungswahl noch verstärkte. Zum Vorsitzenden wurde Herr Rechtsanwalt Thoholte gewählt, während Herr Pfarrer Schnurbus den Ehrenvorsitz übernimmt. Der Bazar wird am 22. Juli in den Sälen des Herrn Schulze=Selmig(„Im Reiche des Wassers") eröffnet und voraussichtlich drei Tage währen. Zur Erledigung der verschiedenen Arbeiten wurden einzelne Kommissionen gewählt, von denen die Ausstellungskommission am Dienstag Abend bereits eine Sitzung abhält. Am nächsten Freitag findet alsdann eine Sitzung des Gesamtkomitees und der mitwirkenden Damen im Saale des Herrn Schulze=Selmig statt. Diejenigen Damen, welche ihre eKraft in den Dienst der Sache stellen wollen, werden gebeten, sich bei Herrn Pfarrer Schnurbus oder dem Schriftführer des Komitees, Herrn Liese, in den nächsten Tagen zu meldden. (Weitere lokale Nachrichen s. im anderen Blatt.) Westfalen und Rheinland * Köln, 26. Mai. Die Kriminalpolizei verhaftete den 30jährigen Tagelöhner Schmitz unter dem dringenden Verdacht, seine im Februar verschwundene Ehefrau ermordet zu haben. *Godesberg, 25. Mai.(Selbstmord durch Gift.) Das Dienstmädchen einer hiesigen Herrschaft hat sich am Sonntag früh mittels Salzsäure vergiftet. Das Mädchen starb nach stundenlangen großen Schmer 260. Koblenz, 25. Mai. Ein Herr aus Beuel, der auf der Hochzeitsreise hier eintraf, hat einen Blutsturz erlitten, an dessen Folgen er gestorbn ist. Trier, 25 Mai. Von dem Erlös der Berliner Ausstellung der kronprinzlichen Hochzeitsgeschenbe sind dem Gerolsteiner Krankenhaus 2000 Mark und den in der Eifel durch Hagel Geschädigten 1100 Mark überwiesen wonden. * Trier, 25. Mai.(Goldenes Ergebnis.) Freitag Nacht endete mach neunzehntägiger Dauer die Weinversteigerung. Es wurden für insgesamt 5 379730 Mark Mosel= und Saarweine umgesetzt. Es ist dies der höchste jemals erreichte Umsatz. Kleine Chronit. Leipzig, 26. Mai. Auf der Fahrt von Leisnig nach Oschatz ist gestern abend das Automobil des Oschatzer Sanitätsrats Dr. Sulzberger explodiert. Der Bezirksarzt Dr. Schmidt wurde tötlich verletzt und ist heute morgen im Krankenhaus in Leisnig gestorben. Dr. Sulzberger und der Chausseur Adam haben schwere Brandwunden erlitten. Der praktische Arzt Dr. Wichenberg in Leisnig und der Amtsrichter Bendorf aus Doebeln wurden bei den Rettungsarbeiten erheblich= per letzt. Paris, 25. Mai. Der amerikanische Kaufmann William Groß aus Philadelphia ist gestern bei einer Automobilfahrt auf der Straße von Rambouillet nach Versailles aus dem Wagen gestürzt und war sofort tot. Seine Frau und die übrigen Insassen des Automobils wurden schwer verletzt. London, 25. Mai. Die Ausstellung von Werken deutscher Künstler ist heute hier durch den Prinzen und die Prinzessin Christian von Schleswig=Holstein eröffwet worden. Vermischtes *(Erblindung durch Blitzschlag.) Es kommt zuweilen vor, daß ein Mensch, der vom Blitz getroffen wird, auf einem oder beiden Augen erblindet, ohne daß er sonst andere erhebliche Verletzungen davonträgt. Die Wissenschaft bezeichnet eine derartige Wirkung als Blitzstaar oder Blitzkatarakt. Zwei solcher Fälle hat Dr. Guzmann=Wien in der Wiener Klinischen Wochenschrift beschrieben. Der eine betrifft eine Frau von 42 Jahren, die vom Blitz getroffen war, während sie gerade mi einem Kneifer las, der eine Sahleinfassung hatte. Nach einer Bewußtlosigkeit von 20 Minuten erwachte die Frau ohne eine Lähmung zu spüren, dagegen meldeten sich sofort Schmerzen in beiden Augen. Eine Verschlechterung der Sehkraft trat erst nach 4—6 Wochen ein und äußerte sich auch in der Erscheinung schwarzer Flecken vor den Augen. Der Arzt stellte punktförmige Trübungen in der Linse fest, die sich später zu einem spinnwebeartigen Netz vereitigten. Durch Anwendung von Gläsern war die Sehkraft nicht zu verbessern. Im zweiten Fall wurde ein 19jähriges Mädchen vom Blitz getroffen und blieb eine Stunde lang bewußtlos liegen. Danach bestanden eine Lähmung der linken Körperhälfte und Brandwunden an Gesicht Hals und Füßen. Die bis dahin vorzüglich gewesene Sehkraft war auf dem linken Auge sofort beeinträchtigt und wurde allmählich immer schlechter. Auch der Mund zeigte nach dem Unfall eine schiefe Stellung. Der Arzt ermittelte gleichfalls eine Trübung der Linse auf beiden Augen und führte die Staaroperation aus, die nachdem sie noch zwecks Beseitigung des Nachstaars wiederholt worden war, eine gewisse Besserung herbeiführte. Die eigentümliche Wirkung des Blitzes auf die AugenLinse ist vermutlich dadurch zu erklären, daß die Kapsel durch die heftige Erschütterung verletzt wird und durch ihre Zerreißung eine Trübung der Linse eintritt. Immerhin lehrt die Beschreibung von Guzmann, daß die Verschlechterung der Sehkraft erst allmählich im Verlauf einer verhältnismäßig langen Zeit nach dem Unfall vor sich geht. Eingegangen. Gatte(zu seiner jungen Frau, die sehr viel Kleider braucht):„Dieses Kleid gefällt mir außerordentlich gut.... in dem möchte ich Dich immer sehen!“— Frau:„Na... den Wunsch kann ich Dir schon erfüllen! Ich werde mich in dem Kleide malen lassen und Dir das Bild über Deinen Schreibtisch hängen!“ Logisch. Sie glauben es wohl nicht: Ihr al ter Onkel war bei uns Hahn im Korb!“—„So?! Haber Sie ihn ordentlich gerupft?“ Ausrede. Junger Ehemann(mittags):„Das Ragout schmeckt— nimm mir's nicht übel! einfach scheußlich!“— Frau(verlegen):„Ja, weißt du, das Rezept dazu habe ich von einer Freundin bekommen und die schreibt so undeutlich!“ Getroffen. A.:„Gestern ist der Buchhalter Fuch mit Fräulein Lehmann durchgebrannt Was wohl de Alte zu diesem Spaß sagen wird?“— B.:„Fuchs, di hast die Gans gestohlen.“ Habe den Mut es einzusehen, wenn du arm bist, du nimmst dadurch der Armut ihren Stachel. Habe den Mut, auf das zu verzichten, was du nicht nötig hast, wenn du's auch begehrst. Habe den Mut, deine Mittel nicht zu überschreiten, wenn du deine Freunde einlädst. Habe den Mut, lieber den Armen zu geben, als dein Geld für Prunk und Pracht zu verschwenden. Habe den Mut, Bittende abzuweisen, wenn du den Nutzen einer Gabe nicht erkennen kannst, aber auch deine Bequemlichkeit dranzugeben, wenn es gilt zu helfen. Habe den Mut, erst für gesunde Nahrung und Wohnung zu sorgen, ehe du für Ueberflüssiges und Schädliches Geld ausgibst. Habe den Mut, Behaglichkeit und Anständigkeit der Mode vorzuziehen. Habe den Mut, wie ein Schüler zu lernen, auch wenn die Leute den Kopf darüber schütteln. Habe den Mut, deine Ideale eben so wenig zu verbergen, als deine Schwächen und Fehler verborgen sind. höhten Forderungen vorgelegt, der auf drei Jahre Gültigkeit haben soll Der Entwurf fand einstimmig Anahme. Es wurde beschlossen, an den drei Plätzen Leipzig, Berlin und Stuttgart die Arbeit nicht eher aufzunehmen bis der Buchbinder=Arbeitgeberverband den neuen Tarif anerkannt hat. Insgesamt sind 3970 Leute ausgesperrt. Konkurs Freiherr v. Cramm=Burgsdorf. Braunschweig 26. Mai. Das Schloßgut des Gesandten Freiherrn von Gramm=Burgsdorf wurde im Subhastaionstermin von dessen Sohn erstanden. Das Grt ist mit einer Familienhypothek in Höhe von 181 400 M. belastet. Ausstand der Oderschiffer. Breslau, 26. Mai. Ueber den Ausstand der Schiffer meldet die„Bresl. Ztg.“, daß die Gesamtzahl der Ausständigen bei den Breslauer Oderreedereien, die 2500 Schiffer beschäftigen, zwischen 450 und 500 schwankt. Die Vertreter der Oderreedereien hielten gestern eine längere Sitzung ab und kamen zu dem Ergebnis, daß sie nach wie vor es ablehnen, mit der Organisation der Schiffer in irgend einer Form zu unterhandeln, dagegen erklärten sie sich bereit, mit ihren eigenn Leuten nach Wiederaufnahme der Arbeit die Lohnfrage in wohlwollender Weise zu erörtern. Die chinesische Studienkommission. Brüssel, 26. Mai. Die chinesische Studienkommission traf heute von Londom hier ein und wurde nach militärischer Begrüßung vom Nordbahnhof im Hofwagen zur Gesellschaft gefahren Generallentnant v. Moltke in Wien. Wien, 26. Mai. Der Chef des preußischen Generalstabes Generalleutnant von Moltke besichtigte heute in Begleitung des österreichischen Generalstabschefs das militärgeographische Institut. Abends fand beim Kaiser in Schönbrunn Tafel statt, zu der Generalleutnant von Moltke mit seinem Adjutanten zugezogen war. Die Veränderung im russischen Ministerium. Petersburg, 25. Mai. In den Wandelgängen der Duma wird ein seit gestern kursierendes Gerücht bestätigt, wonach die Ernennung Schipows zum Ministerpräsidenten, des Fürsten Urussow zum Minister des Innern und des Grafen Heyden zum Unterrichtsminister bevorsteht Schipow und Heyden gehören dem Verbande vom 30. Oktober an, Urussow, der das Amt eines Gehilfen des Ministers niederlegte, gehört keiner Partei an. Drohbriefe. Riga, 26. Mai. Zahlreiche deutsche Pastoren in Kurland erhielten Drohbriefe, man werde alle Landpastoren erschießen. Demission des schwedischen Kabinetts. Stockholm, 25. Mai, Infolge der Weigerung des Königs wegen der abweisenden Beschlüsse beider Kammern, in der Wahlrechtsvorlage neue Wahlen auszuschreiben, demissionierte das gesamte Kabinett. Der König übertrug die Kabinettsbildung dem bisherigen Direktor des Telegraphenwesens, Lindman. Fälscherbaude entdeckt. Mailand, 26 Mai. Eine Fälscherbande wurde entdeckt, die Industrie=Aktien fälschte. Bisher sollen vorzüglich gefälschte Aktien im Betrage von etwa 3 Millionen Lire entdeckt sein. Die Geschädigten sind anscheinend einige kleinere Privatbanken in Pavia. Unruhen in Italien. Reggio di Calabria, 25. Mai. In Benestore versuchen etwa 1000 Landleute, welche die Wiederherstellung der Gemeindeverwaltung verlangten, das Rathaus zu stürmen. Die Carabinieri mahnte zur Ruhe, die Bauern grifen sie aber mit Waffen an und suchten sie zu entwaffnen. Der Brigadier und drei Carabinieri wurden verwundet. Die Carabinieri gaben Feuer. Eine Person wurde getötet, acht verwundet, darunter zwei schwer. Verstärkungsmannschaften sind abgegange. Oesterreichisch=italienische„Freundschaft.“ Jusbruck, 26. Mai. Die italienische Regierung läßt an der österreichischen Grenze nördlich von Arfiera drei neue Sperrforts erbauen. Tehn Trühtmetbungen. Freigesprochen. Berlin, 25. Mai. Das Schwurgericht sprach die Schlächtersfrau Künstler frei, die wegen versuchten Totschlags angeklagt war. Die Angeklagte hatte wegen unglücklicher Familienverhältnisse sich mit ihren beiden Knaben im Alter von 7 und 3 Jahren vergiften wollen. Alle wurden gerettet. Die spanische Königshochzeit. Irnn, 26. Mai. Prinzessin Ena von Battenberg ist gestern hier eingetroffen, begrüßt von dem Könige, der sie hier erwartete. Die Weiterfahrt des Brautpaares erfolgte im Hofzuge. Die montenegrinischen Grenzkämpfe. Cetinje, 25. Mai. Die Meldungen, daß 400 Montenegriner die Grenze überschritten hätten und daß Montenegro Truppen mobil mache, werden als völlig erfunden bezeichnet. Gnadenakt des Königs. Dresden, 26. Mai. Unter den 64 vom Könige am 25. Mai begnadigten Gefangenen waren 28 Zuchthäusler, darunter 3(2 Männer und 1 Frau), die zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt waren und bereits 44, 26 oder 19 Jahre verbüßt hatten. Badische Diäten. Karlsruhe, 26. Mai. Die Budgetkommission der zweiten Kammer befaßte sich gestern in zweiter Lesung mit dem Gesetzentwurf, wonach die in Karlsruhe wohnenden Abgeordneten künftig 6 Mark Diäten erhalten sollen. Die Kommission erhöhte diesen Betrag auf 9 Mark, womit sich die Regierung einverstanden erklärte. Sämtliche Abgeordnete erhalten künftig auch freie Fahrt auf den badischen Eisenbahnen. Der Kampf im Buchbindergewerbe. Leipzig, 26. Mai. Eine von etwa 2000 Buchbindern besuchte Versammlung nahm Stellung zu dem Buchbinderstreik. Es wurde ein neuer Tarifentwurf mit erVerantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schade, Schwerte. Gere:., Sprüde, SchutzWarke. Tafelwalser I. Ranges. Herztlicherleits empfohlen als vorzügliches Mittel gegen Halsübel, Cagen-, Blasen- und Dierenleiden. Hauptniederlage: W. Pferdekämper. Schwerte, Restausatoar. Fernsprecher 117. für den-Kieis Rorck! Mrei umrrurmmmmmerr Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Familientreund." o 0 0 0 O O O O O O O O 0 o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Peitzeig gnser ogzen Rongn 1o Pf., Anzeigen von auswärts 1s Pf., Kenlamerenn 40 F. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Alle Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbincliche Kraft. o o O O C 0 0 O o o o o 0 o Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse Braus. Schwerte-Kuhr. o Nr. 122. Die heutige Ausgabe umfaßt 16 Seiten. Die Friedensstärke der deutschen und der französischen Armee. Der vor kurzem veröffentlichte Bericht des Senators Waddington über das französische Militärbudget ist von hohem Interesse. Das Budget ist in der Deputiertenkammer auf rund 719 Millionen Frapk, festgesetzt, davon 653 Millionen für die Armee in En###era, 39 Millionen für die Kolonialarmee und 27 Millionen für außerordentliche Ausgaben. Der Bericht vergleicht die Friedensstärke der deutschen und französischen Arme. Die Stärke der deutschen Armee ist einschließlich Unteroffizieren und EinjährigFreiwilligen auf 597,500 Mann die sämtlich in Deutschland stehen, angegeben. Die französische Armee ist 553,000 Mann stark, von denen aber 73,000 außerhalb Frankreichs garnisonieren und 25,000 Mann der Gendarmerie angehören, so daß nur 455,000 in Europa verfügbar sind, also 142,500 weniger als bei der deutschen Armee. Rechnet man die Gendarmerie ab, so sind 1.32 v. H. der Bevölkerung unter den Waffen, in Deutschlan Es ist sehr die Frage, ob Frankreich diese Stärke mit der zweijährigen Dienstzeit auf die Dauer wird aufbringen könen, da die jährliche Geburtsziffer nicht nur verhältnismäßig, sondern absolut zurückgeht, und zwar sehr bedeutend. Die jetzt zur Einstellung gelangend Rekruten sind im Jahre 1885 geboren; die Zahl der diesem Jahl geborenen Knaben ist in dem Bericht au pund 473,000 angegeben; im Jahre 1895 ist diese Jahl auf 426 000, also genau um 10 v. H. zurückgegangen. Waddington rechnet damit, daß 45 v. H. der geborenen Knaben nach zwanzig Jahren diensttanglich sein würden, d. h. im Jahre 1906 ewa 213,000 Mann. Im Jahre 1916 würden aber nur 191,700 Mann zur Einstellung verfügbar sein, also schwerlich den Bedarf an Rekruten decken. In Deutschland ist die Zahl der im Jahre 1885 geborenen Knaben auf rund 1,000.000 zu veranschlagen der 1895 geborenen aber auf 1,100,000. Rechnet man ein gleiches Verhältnis für die Diensttauglichen wie in Frankreich, so könnte Deutschland m Jahre 1906 etwa 450,000, 1916 aber 495,000 Rekruten einstellen, d. h. das 2.17 bezw. 2.5=fache des französischen Kontingents. den 26. Mai 1906. Während Frankreich selbst mit Einstellung des letzten diensttauglichen Mannes kaum in der Lage ist, die Etats der Friedensarmee zu füllen, brauchen wir in Deutschland nur 270,000 Rekruten einzustellen und können noch jährlich etwa 80,000 Mann der Ersatzreserve und 100000 Mann dem Landsturm überweisen, die in Frankreich unbedingt eingestellt würden. Dieses überaus günstige Verhältnis zwischen der verfügbaren und wirklich eingestellten Mannschaf erlaubt uns, die Anforderungen an die Tauglichkeit sehr viel strenger zu stellen, und ist ein Hauptgrund für die günstigeren Gesundheitsverhältnisse der deutschen Armee. An und für sich ist die Friedensstärke der taktischen Einheiten in Frankreich geringer als in Deutschland, Dazu kommt noch ein großer Mangel an Unteroffizieren, so daß, ganz abgesehen von den Spaltungen im Offizierkorps, der innere Halt der französischen Armee 38. Mannschaften einer französischen Eskadron, die stens eine einjährige Dienstzeit hinter sich hatten, auf 88, während diese Zahl zur ungünstigsten Zeit für Deutschland sich auf 130 stellt. Von Jahr zu Jahr macht sich in Frankreich der Mangel an Menschen mehr fühlbar, und es wird wohl bald einsehen müssen, daß 40 Millionen Einwohner unmöglich eine ebenso starke Armee aufbringen können wie 60 Millionen. H. Rohne, Generalleutnant z. D. Aus Stadt und Umgebung. Der niederrheinisch=westfälische Industriebezirk unter der Fremdherrschaft vor 100 Jahren. Das rheinische und westfälische Gebiet, welches den heutigen rechtsrhenischen Industriebezirk bildet, wurde zurzeit der französischen Herrschaft bekanntlich in das Rhein= und Ruhrdepartement eingeteilt. Diese Departements waren wieder in mehrere Arrondissements, die unter der Verwaltung von Unterpräfekten standen und diese weiter in Kantone zerlegt. Wsa zunächst das Rhein=Departement anbetrifft, so deckten, laut„D. Z.“, dessen Grenzen sich im großen und ganzen mit dem heutigen rechtsrheinischen Teil des Regierungsbezirkes Düsseldorf. Komplizierter war dagegen die Zusammensetzung des Ruhrdepartements, das aus aus den folgenden heutigen Stadt= bezw. Landkreisen bestand: Bochum=Stadt, Gelsenkirchen=Stadt, WittenStadt, Bochum=Land, Gelsenkirchen=Land, Hattingen, Dortmund=Stadt, Dortmund=Land, Hörde, HammStadt und Land, dem nördlichen Teile des Kreises Soest, Hagen=Stadt und Land, Schwelm, Altena und dem nördlichen Teile des Kreises Iserlohn. Den Amtssitz Unterpräfekten bildeten Essen, Mülheim an der Ruhr, Duisburg, Wesel, Dortmund, Hamm und Hagen. Begrenzt wurden die zum Rhein= und Ruhr=Departement gehörenden Gebiete im Norden vom EmsDepartementmit der Hauptstadt Münster, im Osten und Südosten von dem Departement Arnsberg, im Süden von dem Departement Dillenburg und der unter Großherzoglich Hessischer Oberhoheit und LehensHerlichkeit stehender ehemaligen Grafschaft Wittgenstein und endlich im Westen vom Rhein. Für jedes Arrondissement wurde 1810 ein Tribunal erster Instanz und für jeden Kanton ein Friedensgerichd errichtet. Als im November 1813 die preußischen Truppen in dieses Gebiet wieder einrückten, wurde es sofort für die Krone Preußens in Besitz genommen. Gleichzeitig wurde bestimmt, daß die Präfekten als Landesdirektoren, die Unterpräfekten als Landräte und die Maires als Bürgermeister ihr Amt einstweilem weiterführen sollen. Diese Anordnung vollzog sich umso einfacher und leichter, als diese Beamten zumeist Landeskinder waren und mit dem Volke den Wechsel in der Herrschaft freudig begrüßten. Die neue Einleitung des Gebietes in Regierungsbezirke und landrätliche Kreise erfolgte erst im Jahre 1816. Man nahm dabei große Rücksicht auf die geschichtliche Zusammensetzung der einzelnen Gebietsteile und schuf auf diese Weise Bezirks= und Kreisgrenzen, die sich unter den heutigen Verhältnissen ellenweise auf die Dauer nicht mehr werden aufrecht erhalten lassen. Schwerte, den 26. Mai. **(Die gestrige öffentliche Stadtverordnetensttzung) war nach kaum viertelstündiger Dauer beendigt. Auf der Tagesordnung standen nur 5 Punkte, die dann auch noch ohne wesentliche Debatte erledigt wurden. Betreffend den Verkauf einer städtischen Parzelle erklärte sich Kollegium damit einverstanden, daß am alten Kuhwege 60 Quadratmeter Land zum Preise von 30 Mark pro Rute verkauft werden.— Der zweite Punkt betraf Abänderung der Fluchtlinien der projektieren Kaiser= sund Königstraßn Hier, wo bekannklich Herr Die Schönheit von Rembrow. Roman von Bogumil von Czartorski. 34 Schließe nun Dein Etui. Aber was ist das? Ein verdorrtes Myrtenzweiglein!“ Sie hob das unscheinbare, farblose Etwas behntsam fast zärtlich in den schlanken Fingern empor. Gab er ihn Dir, Liska?“—6 i0 Das Antlitz der Gefragten glühte auf und ihle Augen nahmen einen sprechenden, beseelten Ausdruck an, den Heloise niemals in dem glänzenden Spiegel wahrgenommen. Nicht er, den Du meinst, Heloise," erwiderte sie abgebrochen. „Und man gab es mir auch nicht. Ich nahm es von Fabian mit beim Abschied. Er pflegte dergleichen in seine Bücher zu legen. So war es auch an jenem Abend, als ich.. als ich... Du bist bewegt, Liebste. Erzähle mir alles, das wird Dir wohltun. Ich will die Lampe löschen, es spricht sich leichter im Dunkeln."Sorgsam legte Heloise den kleinen Zweig auf das purpurne Bett zurück und schloß nach einem letzten verstohlenen Blick auf das bleiche, stolze Antlitz des fremden Mannes den Deckel des Behältnisses. Dann ward es dunkel in dem kleinen Raum. Liska fühlte sich von den Armen der Freundin umschlungen und begann in ihrer für das Ohr des vornehmen Weltkindes sehr ungewöhnlichen, naiven Art von dem heimatlichen Paradiese und seinen Sternen zu erzählen. In der Erinnerung erschien das alles ihrem Herzen noch tausendmal teurer und reizvoller als je vordem, und während des Aussprechens ward ihr der Wert dessen, was sie bis vor kurzem besessen und gedankenlos und willig hingegeben, ernsthaft klar. All ihre Schüchternheit schwand, mit leuchtenden Farben malte sie die frischen, ländlichen Bilder ihres friedlichen Daseins, die Gestalten, die diese Bilder belebten. Glänzend wie ein Stern stand mitten darin der Helose fühlte sich wie in ein Märchen versetzt. Sie sah alle: gleichsam mit eigenen Augen, und verstand und fühlte mehr al den Worten Liskas heraus, als diese sagen wollte und selbst „Deine Geschichte ist wunderbarer als irgend eine, die ich semals vernahm, Liska,“ sagte sie endlich,„und es ist mir, als hätte ich sie in jenem alten schwarzen Buche gelesen, das dort aufgeschlagen neben meinem Bette liegt und von Martha Kürchner für mich aus der Leihbibliothek herübergeschmuggelt wurde. Aber denke nur, Herz, ich weiß nicht, ob ich Dich für glücklich halten soll. Das begreifst Du wohl nicht?“ „Nein, denn Vater meint, ich sei es. Ichsei glücklich und im höchsten Grade beneidenswert.“ Und Duselbst, Liska, hast Du Deinen„jungen König" sehr lieb? Sehr lieb!" beteuerte die Schönheit von Rembrow mit ihrem offensten Aufblick und glänzendsten Lächeln.„Er ist der gütigste Herr, den es geben kann.“ Aber als Gatte? Kannst Du es Dir vorstellen, wie er sich in der Ehe ausnehmen wird? Nein! Dein bestürzter Blick verrät klar, daß Du daran noch nicht dachtest. Du hast bisher an das glänzende Leben, an die seidenen Gewänder, kostbaren Geschmeide, kurzum an all die luxuriösen Aeußerlichkeiten gedacht, mit denen seine Güte Dich überschütten wird. Seltsam!“„ Seltsam? Begreifst Du nicht, vaß ich mich varauf freue, Heloise? Du liebst doch schöne Kleider und Kostbarkeiten auch .. und es gefällt Dir, Dich schntücken zu dürfen. Nein, Kleine. Diese Dinge waren mir immer gleichgültig. Ich bin ein Weltkind und reich geuug mir derartige Wünsche erfüllen zu können, aber Du siehst nichts einem Schmuckgegenstande Aehnliches an mir; dieses dunkle Kleid ist einfacher als das Deine. Mir galt dergleichen, wie gesagt, niemals etwas. Vielleicht, weil Du es von Jugend auf besaßest," lautete der Gärtnerstochter unbewußte philosophische Entgegnung.„Mir aber ist es etwas Herrliches, zu denken, daß ich mich in den hohen Spiegeln des Herrenhauses von Rembrow von oben bis unten sehen und bewundern werde, wenn jene Tage da sind, und daß meine langen seidenen Gewänder auf den Fußböden, die so glatt wie Feusterglas sind, rauschen und die Perlen an meinem Halse leise klirren werden! Warum seufzest Du, Heloise?" „Mir ist bange um Dich, Liska, mein Liebling. Die hohen Spiegel und blanken Fußböden werden herzlich wenig dazu beitragen, Dich glücklich zu machen, wenn Dein Gatte es nicht tut! „Und warum soll er es nicht tun, Heloise? Der Graf, der so reich und schön ist, wie ein König!“ Der Graf und seine äußeren Vorzüge bedeuten in meinen Augen nicht mehr als ein Seufkorn, Liska. Ich würde um dessentwillen keinem Manne mein Leben schenken. „Wie sonderbar! So wärest Du imstande, einen einfachen Landmann zu heiraten?“ Das nicht, weil ich selbst kein Landmädchen bin, und aus einer so ungleichen Verbindung nur Unheil entstehen könnte Der Mann meiner Wahl müßte mir ebenbürtig sein, aber er dürfte den fadenscheinigsten Rock der Welt tragen, das armseligste Dachstübchen bewohnen, ich würde ihm folgen, wenn ich ihn liebte! Liska antwortete nur durch einen halblaut unterdrückten Seufzer. Heloise fuhr nach einer kleinen Pause fort:„Versuche Deine Zukunft einmal mit klarem Blick zu überschauen, bevor sie sich wie eine unlösliche goldene Kette um Dein Leben legt. Glaubst Du nicht, daß es Dich aus jenen prunkvollen Gemächern, worin Du, ein Kind des Volkes, die Dame spielen mußt, Tag um Tag, Jahr um Jahr unwiderstehlich hinauslocken wird, mit tausend vertrauten Stimmen des Feldes, des Waldes, die Dich sonst umklangen, als es Dir noch vergönnt war, wie ein freier Vogel Dein ländliches Reich zu durchflattern? Glaubst Du es nicht, Liska? Und wenn Du dann blaß und heimwehkrank inmitten dieses Wetterleuchtens aus der Vergangenheit stehen wirst, glaubst Du, daß der Graf, Dein Herr und Gatte, Dich dann verstehen, Deinen Kummer gutheißen und zu heilen versuchen wird, indem er sagt:„Lege Dein Seidenkleid ab und Deine Juwelen, schlüpfe in ein schlichtes Mädchengewand, sei wieder ein Kind, wie Du es warst, bevor ich kam und Dich fand und Dich zu mir erhob! Geh, trinke Dich satt am Becher der Freiheit, und dann sollst Du wieder wie vordem meine Schloßfrau sein! Nein, Liska, das glaubst Du nicht. Und es könnte auch nicht sein. Dein Gatte wird nie begreifen lernen, warum Du das echte Glück nicht bei ihm finden kannst und welchen Zauber Dein Jugendparadies umschließt. Deine liebsten Träume, Wünsche und Gedanken wird er nie verstehen, und Dir werden die seinigen fremd bleiben. Nebeneinander werdet Ihr im besten Fall durchs Leben gehen, aber niemals miteinander, weil die Wege, die Euch durch Geburt und Erziehung vorgeschrieben wurden, himmelweit aus. einanderlaufen und in Wahrheit nicht vereinigt werden können, wenigstens nicht innerlich! Sieh, Liska, das trübselige Schicksal meiner armen Cousine Renate, jenes blassen Mädchens, dessen Porträt Du vorhin gesehen, steht immer wie eine Mahnung vor meiner Seele. Sie ging an dem einzigen großen Irrtum ihres Lebens, an dem Glauben, daß die Liebe alles gleich mache, zu Grunde. Es war ebenfalls eine ungleiche Verbindung, die sie einging. 138,20 A 4 1 NeutralMoresnet Niederlan Zwischen Belgien und Preußen sind bekanntlich diplomatische Verhandlungen eingeleitet worden über die Frage der Aufteilung des neutralen Gebietes von Moresnet zwischen beiden angrenzenden Ländern. In den letzten Monaten tat sich in dem neutralen Gebiete eine Spielhölle nach der anderen auf, sodaß allein deswegen schon eine Regelung der dortigen gesetzlichen Verhältnisse erwünscht wäre. Luck zwei Wohnhäuser errichten will, ist man zu einer Abänderung der Fluchtlinien gekommen, damit nicht der Ankauf der Schmidt'schen Besitzung nötig wird. Die Königstraße wird eine Breite von 25 Metern erhalten, davon entfallen je 5 Meter auf Vorgärten, je 4 Meter auf die Bürgersteige sund 7 Meter auf den Fahrdamm. Kollegium erklärt sich mit den Vorschlägen einverstanden.— Sodann beschäftigte man sich nochmals wieder mit dem beschlossenen Darlehn von 150000 Mark für Elektrizitätszwecke. Bekanntlich soll das Darlehn bei der hiesigen Sparkasse ausgenommen werden zum Dilgungssatze von 1 Prozent. Der Herr Regierungspräsident hat gegen diesen Tilgungssatz, weil zu niedrig, Einspruch erhoben; derartige Darlehen müßten in 32 Jahren abgetragen sein. Das Kollegium setzt den Tilgungssatz deshalb auf einzweidrittel Prozent fest. Nach Vorlage von Kassen=Uebersichten der Stadtkasse verliest der Herr Vorsitzende ein Dankschreiben des Herrn Kommerzienrats Fleitmann für seine Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Schwerte. 88(Schöffengericht.) Gegen die Eheleute Obermeister H. ward heute zum zweitenmale wegen unberechtigten Verkaufes von Kognak und Rum verhandelt. H. erzielte Freisprechung, seine Frau wurde zu 15 Mark Geldstrafe und in die Kosten des Verfahrens verurteilt.— Der schon oft und erheblich vorbestrafte Maurer Pf. hate sich wegen Hausfriedensbruchs in zwei Fällen, Sachbeschädigung, Bedrohung und Diebstahl zu verantworten; er wurde zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.— Weil er— Bretzeln verlost hatte, hatte sich der Schneidermeister K. aus Holzen eine Anklage zugezogen; er wurde freigesprochen.— Eine gerechte Strafe: traf sodann den Schlosser P. hirselbst; als„rasender", Fahrer hatte er auf einem„Duftrade“ oder Motorzwei rald, wie die Dinger auch heißen, die Straßen unsicher gemacht 20 Mark Geldstrafe muß er nun zahlen. Hoffentlich fährt es von jetzt ab langsamer.— Mit einem Verweise kam der 14jährige Anstaltszögling L. aus Hohensyburg davon, der sich einen Hammer und 1 Mk. bares Geld widerrechtlich angeeignet hatte.— Weil er die vorgeschriebene polizeiliche Anmeldung unterlassen hatte, war der Arbeiter Johann H. in ein Strafmandat von 3 Mark genommen worden, wogegen er Berufung eingelegt hatte. Die Strafe wurde vom Gericht bestätigt unter Belastung der Kosten für das Verfahren.— Dem angetrunkenen Arbeiter Kröhme gewaltsam 8 Mark aus der Tasche gestohlen zu haben, waren der Friseur Elias O. und der Metzger G. angeklagt. O. wurde zu 1 Monat Gefängnis verurteilt, dagegen G. freigesprochen. *r(Bautätigkeit.) Herr Mauverpolier Kohl hier= selbst errichtet in seinem in der Nähe der Schulze=Selmigschen Besitzung westlich von der Isrlohnerstraße liegenden Garten ein Wohnhaus. (—) Garenfeld, 26. Mai.(Ausflug des Krie[gervereins.) Am vorgestrigen Himmelfahrtstage unternahm der hiesige Kriegerverein seinen FrühlingsAusflug zur Kreuzschlenke bei Bürenbruch. Bei dem neuen Besitzer, Herrn Ludwig Fischer, genannt Tönnis, einem geborenen Garenfelder, verlebte der Verein einige recht frohe, genußreiche Stunden. * Aplerbeck, 26. Mai.(Diebstähle.) In der verflossenen Nacht haben Diebe dem Geflügelstall des Herrn Pastor B. einen Bsuch abgestattet und eine Gans sowie 5 Enten gestohlen. Die Tiere sind sofort abgeschlachtet worden, die Köpfe wurden heute früh in unmittelbarer Nähe des Pastorats gefunden. (Weitere lokale Nachrichten im andern Blatt.) Westfalen und Rheinland. * Bochum, 25. Mai.(Abgestürzt.) Gestern ist von den im Bau befindlichen Gasapparaten an den Hochöfen des Bochumer Vereins der mit der Montage beschäftigte Kesselschmied Hellmich abgestürzt. Auf dem Transport zum Krankenhause starb er. Der Verstorbene hinterläßt eine Frau und fünf Kinder. * Münster, 25. Mai.(Zu Ehrenbürgern) der Stadt Münster wurden in der gestrigen geheimen Sitzung der Stadtverordneten die Herren Kultusminister Dr. Studt und Ministerialdirektor Dr. Althoff durch einstimmigen Beschluß des Kollegiums ernannt. Die Ehruig erfolgte aus Dank dafür, daß die beiden Herren die Ausgestaltung unserer Universität mit großem Interesse gefördert haben. Außerdem wurde ein Kredit für ein Silbergeschenk an Ministerialdirektor Dr. Althoff bereitgestellt. Kultusminister Dr. Studt erhielt bei der Angliederung der juristischen Fakultät vor drei Jahren bereits eine gleiche Gabe. * Marsfeld, 25. Mai.(Vom Zuge über fahren) wurde heute auf der Teilstrecke Marsberg=Bredelar der Ruhrtalbahn ein Bahnwärer. Die Strecke Marsberg=Bredelar wird zurzeit wegen Umbaues des einen Geleises eingeleisig befahren. Der Bahnwärter war nun auf dem Fahrgeleise in einer scharfen Kurve damit beschäftigt, die Laschen mittelst Laschenschlüssels anzuziehen, als ein Ausladezug herankam. Das Lokomotivpersonal bemerkte den Wärter, gab Warnungsund zugleich Haltsignal, aber wegen der kurzen Entfernung zu spät. Der Bahnwärter erhielt won der Maschine einen Stoß, der ihn den acht Meter hohen Eisenbahndamm hinabschleuderte. Man brachte ihn besinnungslos zur Station Bredelar, von wo aus er mit dem nächsten Zersonenzuge nach Marsberg ins Hospital geschafft wurde. * Wolbeck, 25. Mai.(Ertrunken) ist gestern nachmittag das eineinhalbjährige Söhnchen einer hiesigen= Familie. Das Kindchen stürzte in einem unbe wachten Augenblick beim Spielen im Hofe in die am Hofe vorbeifließende Angol. Als man das Kind vermißte, fand man es im Wasser. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. *Osnabrück, 25. Mai.(Um einen Schnaps) hat sich der Arbeiter A. aus Rütenbrock eine Gefängnisstrafe von vier Monaten zugezogen. Er forderte von einem dortigen Einwohner, den er auf der Straße traf, er solle einen Schnaps für ihn ausgeben. Als dieser sich aber weigerte, drohte ihm A., wenn er keinen Schnaps bekomme, solle bald der rote Hahn auf seinem Dache krähen. Wegen Androhung von Brandstiftung erkannte die Strafkammer auf obige Strafe. * Elberfeld, 25. Mai.(10 Frauen verhaftet. Wegen Verbrechens gegen§ 218 verhaftete die Polizei 10 Frauen. Als die Polizei die Anstifterin zu dem Verbrechen, die Frau des Zahntechnikers Vorpal verhaften wollte, bat sie, sich umziehen zu dürfen und begab sich in das Schlafzimmer, wo sie Cyankali zu sich nahm und burz darauf starb. Düsseldorf, 25. Mai. Hinter dem mit einer Schuldenlast von zweielnhalb Millionen Mark nach Amerika geflüchteten Bauunternehmer Karl Pritschau aus dem benachbarten Benrath ist ein Steckbrief wegen betrügerischen Bankerotts erlassen worden. * Oberhausen, 25. Mai.(Genickstarre.) Im Krankenhause zu Schmidthorst starben das 7jährige Kind des Fabrikarbeiters Mohr, der 16jährige Stellmacherlehrling Reuter und der 8jährige Knabe des Fabrikarbeiters Babinski an Genickstarre. Die Verstorbenen befanden sich alle erst 8 bis 14 Tage im Krankenhaus. * Köln, 25. Mai.(Jagdglück.) Bei einer Jagd, die dieser Tage von einer Kölner Jagdgesellschaft bei Dillenburg ausgeübt wurde, hatte einer der Jäger das seltene Glück, mit einem Schuß zwei Rehböcke, die miteinander kämpften, zu erlegen. Mr. Fallieres weiße Weste König Eduard, Englands Stolz und Zie:, Im Reich der Mode Herr Sprach jüngst zu Fallieres:„Oh my dear Ihr weißes Wet' glä zt serr In großr Reinheit wondernice Wie macken Sie das West so weiß?“— Sire“ lacht Fallie es„ick frag nach dies Sofort mein Frau par leu!“— Gleich drohtet wieder aus Paris Frau Fallieres:„Jo-Sa-Sö!“— King Edward hustet:„häm-hö-hd,“ Kommt das aus Japan„Jo-Sa-Sö?“ „Non Sire,“ meint darauf ganz verlegen Herr Falliere?(aano 70 wegen, ist es made in Germany— Doch waschen tut es wie noch nie!“ Jo-Sr-Sö Seifenpulver Marke 1 Ranges. Fabrikat der Dampfse fenfabrik Jos Sauerwald Söone 1767 Nattlar a. d. Ruhr. Phaung Nchrung HHHLZIUE für Kinder, Kranke, Genesende. Verhütet! ubeseitigt: Diarrhoge, Brechdurchfall, Darmkatarch Diese Wöche von Sonnabend, den 26. Mai bis einschließlich Sonnabend, den 2. Juni 1906 „ D„„ elegante, hochfeine Herren=Anzüge, Knaben=Anzüge, Herren=Hosen, farbige Herren=Westen, Knaben=Waschblusen, Strohhüte für Herren und Knaben, Kravatten, Wäsche u s. w. Martt 7. Sernnard-Steiu, Conwerte H A Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Familientreund." o 0 0 O O O O O O O O O 9 o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 1S Pf., Reklamezeile 40 Pf. und ältestes Tagesorgan Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Alie Kreis- und Lokalpollzeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Ueröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbincliche Kraft. o 0 O O O O O O O O O 0 0 0 Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Telegr.-Aäresse Braus, Schwerte-Kuhr. o Nr. 122. Die heutige Ausgabe umfaßt 16 Seiten. Ehrentafel deutscher Arbeitgelder. In der Zeitschrift„Der Arbeiterfreund“, dem Organ des Zentralvereins für das Wohl der arbeitenden Klassen, wird wieden von dem Bibliothekar Peter Schmidt die Ehrentafel aller freiwilligen Aufwendungen zum Besten der unbemittelten Volksklassen veröffentlicht. Sie enthält nicht nur die Schenkungen des Jahres 1905, sondern auch Gesamtaufstellungen über die letzten fünf Jahre. Das Gesamtergebnis des in der „deutschen Ehrentafel“ von nur einem Bearbeiter gesammelten, für den Zeitraum von 1898 bis 1905, also für acht Jahre bearbeiteten Materials beläuft sich auf über eine halbe Milliarde, nämlich auf 551 657·098 Mk. Für das gleichmäßig bearbeitete Jahrfünft 1901/05 beträgt das in den 7124 Einzelfällen quellenmäßig nachgewiesene Gesamtergebnis 424 555393 Mk., das durchschnittliche Jahresergebnis 84911 078 Mk. Von diesen Beträgen entfällt auf direkte, freiwillige Fürsorge für Angestellte, Arbeiter und deren Angehörige die reichliche Hälfte, nämlich 241 271310 Mk. auf das Jahrfünft und 48254 262 Mk. auf den Jahresdurchschnitt. Hervorzuheben ist, daß bei diesen wirklich freiwilligen Zuwendungen von Arbeitgebern für Arbeiter diejenigen der privaten Spender von 20 Millionen Mark im Jahre 1901, auf fast 61 Millionen Mark im Jahre 1905, also um das Dreifache gestiegen, und daß die ermittelten Zuwendungen der Aktiengesellschaften und Banken von 22 Millionen Mark im Jahre 1901 auf 18 Millionen Mark im Jahre 1905 gefallen sind. Hervorzuheben dürfte ferner sein, daß von dem Gesamtergebnis für 1901 bis 1905 von 424 555 393 Mark über die Hälfte, nämlich 267 767069 Markauf Preußen, davon ein Drittel, nämlich 93843 425 Mark auf die Stadt Berlin, ein Viertel, nämlich 72085 706 Mark auf das Rheinland und je ein Zehntel, nämlich 28941369 Mark bezw. 25 019 900 Mark auf die Provinzen Schlesien und Hessen=Nassau(davon ein sehr großer Teil auf die Sadt Frankfurt a. M.) entfallen. Bayern und Sachsen zeigen fast gleichen Anteil, nämlich 36 326 887 Mark bezw. 87567086 Mark. Im übrigen ermöglichen die Tabellen mancherlei lehrreiche Vergleiche, und bedeuten in ihrer Gesamtheit in schönes Zeugnis für die im ddeutschen Unternehmertum herrschende Opferfreudigkeit. Es ist nur schade, daß diese Ehrentafel diesmal zum letzten Mal veröffentlicht wird, weil der„Arbeiterfreund" durch die immer größer werdende Tabelle zu sehr belastet wird. Es müßte entschieden dafür gesorgt werden, daß sie fortgesetzt wird, vielleicht durch das Statistische Amt und durch Veröffentlchung im„Reichsarbeitsblatt". Ist sie doch eine starke Waffe gegen die Hetze der Sozialdmokratie. Ein Bürgertum, daß außer den gesetzlichen Lasten für Arbeiterwohlfahrt noch jährlich eine freiwillige Leistung von 85 Millionen auf sich nimmt, kann wahrlich nicht so rettungslos im Mammonismus versunken sein, wie die Sozialdemokratie weis machen möchte. Politische neversicht. Die Sünden unserer„Witzblätter“. Ueber die oft beklagte Schädigung Deutschlands im Auslande durch einen Teil der deutschen Witzpresse spricht sich eine neuere Broschüre„Die Presse und die deutsche Weltpolitik“(von einem AuslandSonnabend, den 26. Mai 1906. deutschen, Zürich, Verlag Zürcher und Furrer 1906) in schärfster Weise wie folgt aus: „Gibt es in der Tat etwas Gemeineres, Frecheres, ja Ekelhafteres als die stetigen Besudelungen, welche sich ein Teil der deutschen Witzpresse Fürsten, Politikern und Völkern des Auslandes gegenüber erlaubt? Von Witz und Humor in der Regel keine Spur; lediglich giftsprühende Roheit und Gemeinheit bis zur Erregung physischen Ekels für den anständigen Teil schon des deutschen Publikums! Und nun denke man sich die Wirkung dieser ordinären Ausfälle auf das Ausland! Ich war wiederholt im Ausland Zeuge davon, wie in Kaffees SimplicissimusNummern von Engländern und Russen, auch Schweizern(anläßlich der Beschimpfung schweizerischer Offiziere) in blinder Wut in hundert Fetzen zerrissen wurden, und wie man von dem Wirte kategorisch verlangte, daß er solche ekelhafte Lektüre künftighin aus seinem Lokale beseitige, was in der Tat auch häufig geschah. Wenn dann solche Witzblätter trotzdem dort später zu finden waren, so geschah dies in der Regel auf Verlangen der guten Deutschen, welche damit den Satz illustrieren: jedes Volk hat die Witzblätter, die es verdient! Das dutsche Volk hat derzeit zweifellos die gemeinsten und gemeingefährlichsten vom deutschen Standpunkte aus, Item: das Ausland läßt sich die blöden Anrempelungen der deutschen Witzblätter schon lange nicht mehr ruhig gefallen und reagiert prompt dagegen, wenn auch häufig nur im stillen, indem sich eine stets sich vermehrende Portion Haß und Zorn gegen die„Deutschen“ bei ihm ansammelt.“ So weit die Broschüre.— Einer unserer Leser, bemerkt hierzu die„N. pol. Kor.“, erwidert jedem Bahnhofsbuchhändler, der ihm den Simplizissismus offeriert:„Wie können Sie einem anständigen Menschen ein solches Blatt anbieten?“. Aber wie selten sind solche Fälle von Selbstzucht!— Die lesenswerte Broschüre bringt außerdem noch praktische Vorschläge zu einer systematischen Unterstützung der deutschen Weltpolitik durch die Presse in zwei Kapiteln:„Wie die Presse des Auslandes zu beeinflussen ist" und„Wie man im Auslande durch die Presse gegen deutsche Interessen intriguiert.“ — Die„Freiheit“ in der„freien“ Buchbinderorganisation. Aus Leipzig, 23. Mai, schreibt man uns: Hier haben sich dem Buchbinderstreik auch Gehilfen angeschlossen, die 35 bis 70 Mark(!) Wochenlohn erhalten, da kann man es dem Verbande deutscher BuchbindereiBesitzer nicht verargen, wenn er schon jetzt erklärt, daß solche Leute nach Beendigung des Streiks für die Betriebe überflüssig sein werden. Der Buchbinderverband zahlt den streikenden männlichen Arbeitern wöchentlich 17 Mark, außerdem für jedes Kind eine Mark, aber er hat ihnen verschwiegen, daß sie vor Auszahlung der Unterstützung einen Revers unterschreiben müssen, in dem sie sich verpflichten, die empfangene Gesamtsumme als ein persönliches Darlehen von Herrn H. anzusehen und es diesem zurückzuzahlen, wenn sie vor Beendigung des Streiks die Arbeit wieder aufnehmen. Damit will die Organisation ihre Mitglieder zwingen, im Streik so lange auszuhalten, als es ihr gefällt. Es fragt sich nur, ob ein solches Vorgehen nicht ungesetzlich ist, da dadurch die Arbeiter in ihrer Freiheit in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weise beeeinträchtigt werden. — Die aktive Schlachtflotte mit Ausnahme des zweiden Geschwaders, welches nach Brunsbüttel detachiert ist, ist vor Wilhelmshaven eingetroffen und wird zur Fortsetzung der Uebungen am 28. Mai wieder auslaufen. v. Moltke beim Kaiser Franz Wien, 25. Mai. Der Kaiser empfing heute vormittag 11 Uhr den Chef des Generalstabs der deutschen Armee, von Moltke, mit seinem Adjudanten Rittmeister von Dommes in besonderer Audienz. Aufruhr auf Martinique. Paris, 25. Mai. Dem hiesigen New York Herald wird aus Fort de France auf Martinique gemeldet, daß die Stadt dem Aufruhr preisgegeben sei und dabei die schwarze Bevölkerung die Weißen bedrohe und beschimpfe. Eine Anzahl Politiker habe während des Wahlfeldzuges von der Ausweisung aller Weißen gesprochen, und das Volk fordere nunmehr die Durchführung dieser Maßregel. 38. Interessantes aus Rußland. = St. Petersburg, 25. Mai. Die Domänenvexwaltung, in dem Bestreben, ihr Eigentum vor der Expropriation zu Gunsten der Bauern zu schützen, hat einer deutschen Firma alle während zehn Jahren zum Abholzen verfügbaren Forsten für den Preis von 50 Millionen Rubel bar verkauft. Käuferin ist die deutsche Firma Hermann. Als Finanzmann steht Mendelssohn dahinter. Es sollen sogar 22000 Dessatinen Urwald in Belowe diesem Geschäft zum Opfer falen. Es werden Vorwürfe gegen Deutschland wegen Zerstörung der besten Reichsforsten laut. In Nétal wird's ernst. : Pretoria, 25. Mai.(Reuter.) Die Lage in Natal wird als sehr ernst angesehen. Den englischen Truppen ging der Befehl zu, sich in Bereitschaft zu halten. Rußland und montenegro. Belgrad 24. Mai. Große Sensation rufen hier die Enthüllungen der„Stampa“, eines der ansehensten Belgrader Blätter, über die Beziehungen zwischen Rußland und Montenegro hervor, die als völlig glaubwürdig gelten dürfen. Daß Fürst Nikolaus von Montenegro im Jahre 1882, als er als Gast Alexanders des Dritten in Petersburg weilte, einen Vertrag unterzeichnete, worin er den Zaren als Protektor Montenegros anerkannte und sich verpflichtete, unter allen Umständen nach den Befehlen der russischen Regierung zu handeln, war längst bekannt. Der Zar hatte sich einerseits bereit erklärt, die Kinder des Fürsten auf eigene Kosten erziehen zu lassen und den Töchtern ansehnliche Mitgiften zu gewähren, ferner dem Fürsten eine jährliche Subsidie zukommen zu lassen. Jetzt erfährt man, daß diese Unterstützung ursprünglich auf 600000 Rubel festgesetzt worden war und damit die Gehälter der montegrinischen Offiziere, Priester und Lehrer bestritten werden sollten. Einige Jahre später machte der Fürst in Petersburg Vorstellungen, daß 600000 Rubel nicht ausreichten, um die Ausgaben für Armee, Kirche und Schule zu decken. Er schlug vor, die Summe um wenigstens 200000 Rubel zu erhöhen. Nach einigen Zögern willigte der Zar ein, und von 1893 bis 1901 erhielt der Fürst die Summe von 800000 Rubel jährlich richtig ausgezahlt. Aber auf Grund von hartnäckig wiederkehrenden Gerüchten sandte schließlich der„Protektor Montenegros“, einen Beamten des russischen Finanzministeriums, Miller, nach Cetinje, damit dieser auskundschaftete, wie die Subsidengelder verwandt würdem. Miller berichtete, daß die den Offizieren, kirchlichen Würdenträgern und Lehrern ausbezahlten Gehälter wie 330000 Rubel überschritten, und daß Fürst Nikolaus 470000 Rubel für sich behielte. Infolgedessen ordnete der gegenwärtige russische Herrscher an, daß von 1902 ab die Unerstützungssumme auf 370 000 Rubel herabgemindert würde. Alle Versuche des Fürstens, wenigstens wieder den ursprünglichen Betrag von 600000 Rubel bewilligt zu erhalten, scheiterten. Es wurde offenkundig, daß er, den Alexander der Dritte einst„Rußlands einzigen Freund“ genannt hatte, bei Nikolaus den Zweiten keine Gunst fand. Fürst Nikolaus dachte nun, er könne etwas erreichen, wenn er auf irgend eine Weise einen Druck auf St. Petersburg ausübe. Im Vertrage von 1882 hatte er sich verpflichtet, weder in der inneren noch in der äußeren Politik irgend einen Schritt zu tun, ohne sich vorher mit dem nussischen Gesandten in Cetinje ins Einvernehmen gesetzt. zu haben. Da aber Rußland die ursprüngliche Subvention nicht mehr weiter zahlte, glaubte sich der Fürst auch nicht mehr völlig an das Abkommen gebunden Alle seine heimlichen Abmachungen mit Italien während der letzten zwei Jahre und seine letztjährigen Besuche in Berlin und Wien geschahen ohne Kennins und Einwilligung des russischen Gesandten. Auch in anderer Weise legte der montegrinische Hof häufig seinen Groll gegen die russische Regierung an den Tag. So geschah es z. B., daß das Telegramm über die Berstörung der russischen Flotte bei Tfuschima dem Thronfolger Montenegros, Danilo, überreicht wurde,„als dieser herabe ein Bankett abhielt. Er erhob sich augenblicklich und toastete auf Admiral Togo und seine ven Leute. Rußland hat sein Prestige in Montenegro verloren und die russische Regierung zieht auch setzt die 4 Konsequenz daraus, indem sie sich weigert, das Ländchen noch weiter finaziell zu unterstützen. Davon find freilich die Montenegriner nicht erbaut; sie können sich aber damit trösten, daß sie bei weitem nicht die einzigen sind, die auf den russischen Rubel jetzt verzichten müssen, der ihnen früher so reichlich zugute kam. Zersetzung der Duma-Parteien Aus Petersburg wird geschrieben: Innerhalb der Reichsduma=Parteien tritt jetzt, nachdem die russische Regierung ihr Visier den Duma gegenüber geöffnet hat, eine bemerkenswerte Veränderung ein. Die einen streben damnach, die Solidarität aller Parteien zu erreichen, um gegen die Regierung gemeinsam vorzugehen. Die andern aber, unterstützt durch die Regierung selbst, beemühen sich, eine Spaltung herbeizuführen. Dieses von den jetzigen Leitern der Geschicke Rußlands zunächst erstrebe Ziel dürfte auch zu erreichen sein, denn das Vorgehen der K.=D.=Partei ist jetzt Gegenstand der schärfsten Kritik geworden, und die rechts stehenden Elemente der„Kadetten" fallen ab. Dazu kommt, daß die Bauern sich noch immer nicht entschlossen haben, das Agrarprogramm der„Kadetten“ anzunehmen. Inzwischen sucht die Regierung den einflußreichen Abgeordneten dder Bauernpartei zu verstehen zu geben, daß di Lösung der Argrarfrage lediglich bei einer Verständigung mit der Regierung erfolgen könne, daß diese sich aber nieemals zur Annahme phantastischer Projekte der Theoretiker verstehen werde. Da die Regierung sich diesmalernstlich mit dem Gedanken trägt, den Bauern größere Zugeständnisse zu gewähren, so dürften die Bemühungen der„Kadetten“ und sonstigen extremen Elemente, sich die Unterstützung der Bauern in der Reichsduma zu sichern, erfolglos bleiben. Dadurch aber bekommt die Reichsduma eine andere Physiognomie, denn die Bauernpartei, die sich vorläufig als farblos zeigt, wird ultrakonservativ, sobald sich auch nur ein Teil ihrer Wünsche in Bezug auf Land erfüllt. Die Führer der radikalen Parteien in der Reichsduma haben dies wohl auch eingesehen und suchen nun mit allem Mitteln die ihnen entgleitende Stütze zu halten. Infolgedessen entsteht im Parteiwesen ein Chaos, das kaum dazu beitragen wird, daß die erste Reichsduma die so wie so mur noch wenige Wochen tagen soll, auch nur eine einzige ernste gesetzgeberische Arbeit in der ersten Session beendet. Man wird mit bewunderungswürdigem Eifer reden und „höhere Ziele“ anstreben, jedoch nichts Positives schaffen. Die Regierung hat bei ihrem Verhalten der Reichsduma gegenüber in rster Linie eine Veränderung in der Parteigruppierung im Auge gehabt und dürfte erreichen, daß die Reichsduma resultatlos auseinandergeht, ohne von der Regierung geewaltsam aufgelöst zu sein. Aus Südwest-Afrika. Die Rheinische Mission in den Sammellagern. In Deutsch=Südwestafrika macht die Sammlung der zerstreuten Herero in den beiden Missions lagern erfreuliche schritte. Es haben sich bereits über 4000 friedlich eingestellt und die Waffen abgegeben. Mit dankbarem Herzen erblicken wir darin eine Erfüllung des Wortes Jesaias 49, 8 u. 9. Missionar Kuhlmann in Omburo hat sich von den aus dem Felde eingebrachten Herero eine ganze Anzahl zuverlässiger Leute ausgewählt(zeitweise 70), die als seine Abgesandten in Trupps von 10—12 ins Feld ziehen, um ihre Stammesgenossen hereinzubringen. Wenn es sich um größere, gefährlichere Werften handelt, dann vereinigen sich mehrere Trupps, um ohne persönliche Gefahr ihr Ziel zu erreichen. Obwohl sie stets mit einigen Gewehren zu ihrer persönlichen Sicherheit versehen auszogen und bereits eine sehr gefürchtete Werft ausgehoben und hierher gebracht haben, ist von ihrer Seite noch kein Schuß gefallen und auch keiner verletzt worden. Bedeutsam ist auch, daß von den eingebrachten Herero noch kein einziger wieder entlaufen ist, obwohl sie in Omburo vollständig unbewacht sind. Unter den Eingebrachten sind viele, die sich früher schon gestellt hatten, aber wieder entflohen waren. Jetzt kommen sie, weil sie hören, daß sie um einen Missionar und um Gottes Wort gesammelt werden und daß kein Militär am Platze ist. Missionar Diehl jun. berichtet aus Otjihaenena von dem Widerstand, den feindliche heidnische Werfte der Rückkehr ihrer Landsleute entgegensetzen. So haben z. B. die Andreasleute eine friedenswillige Werft während der Abwesenheit der Männer überfallen, die hilflosen Weiber halb tot geschlagen und ihnen die paar Fetzen heruntergerissen. Dennoch gelang es, die durch Kirischläge verwundeten Frauen ins Lager zu bringen, wo sie von Diehl verbunden wurden. Andere Gruppen werden dagegen von der Orlogsbande festgehalten und, da sie nur wenig Gewehre besitzen, können sie sich nicht selbst frei machen. Ein Fortlaufen mit Weibern und Kindern ist ausgeschlossen, da die feindliche Horde sie im Felde umzingeln und einfach niedermachen würde. Nun hatte sich der Großmann Philemon bereit erklärt, noch einmal mit einer starken Patrouille von 32 Mann am 20. Februar in die Nähe der Andreaswerft, die bei Epata am Sandfeld liegt, zu gehen, um zu versuchen, die armen Festgehaltenen zu befreien. Zuerst wollte er einen andern friedlich gesinnten Großmann jener Gegend gewinnen und dann den Versuch bei der Adreaswerft wagen.— Miss. Diehl schreibt:„Es ist ein gefahrvoller Weg. Der Herr schütze und schirme die Boten mit seiner allmächtigen Hand!“— Inzwischen traf die Nachricht ein, daß sich 500 Leute aus Epata eingestellt haben. So ist also jener gewagte Versuch glücklich gelungen. Am liebsten blieben die Zurückgekehrten ganz auf den Sammelplätzen, um dort friedlicher Arbeit und christlicher Unterweisung zugeführt zu werden. Hoffentlich werden sie und ihre Kinder auf den ihnen zugewiesenen Arbeitsstellen dem Einfluß der evangelischen Mission, durch den sie zur Rückkehr bewogen wurden, nicht wieder entzogen. Kirche und Schule. Mit welcher Heftigkeit im benachbarten Dortmund theologische und kirchliche Kämpfe geführt werden, davon gibt die nachstehende Notiz, die wir in der Wochenschrift„das alte Evangelium“ finden, ein beredtes Zeugnis; zugleich zeigt sich aber auch, welch' wenig feiner Umgangston bei einer gewissen Presse immer mehr einreißt. Dortmund. Wie unseren Lesern aus der vorletzten Nummer bekannt ist, hatte Herr Hauptlehrer Grünweller aus Mühlheim a. R., der Herausgeber der„Evangel. Volksschule", in außerordentlich wirkungsvoller Weise letzthin in einem Vortrage für die unbedingte Erhaltung der Konfessionsschule sich ausgesprochen, da nur eine solche christlich=nationale Bildung unserer Jugend verbürge. Einer der anwesenden Pastoren hatte nun der „Dortmunder Zeitung“ einen objektiven Bericht eingesandt und noch dazu die bescheidene Bitte ausgesprochen, wenn der Bericht zu lang sei, möchte man nur die Einleitung und die Resolution bringen. Auf diese Bitte antwortete die Redaktion mit folgender Briefkastennotiz:„D., hier. Es ist mehr als naiv, einer Redaktion, die seit Monaten aus vollster Ueberzeugung und nach reiflicher Ueberlegung zugunsten der Simul= tanschule Stellung genommen hat, spaltenlange Ausführungen über die Vorzüge der Konfessionsschule aufnötigen zu wollen. Da Sie für das Beleidigende, das in der von Ihnen gestellten Zumutung liegt, absolut keine Empfindung zu haben scheinen, bleibt uns nichts übrig, als Ihnen auf diesem Wege von unserer Auffassung Kenntnis zu geben und Sie zu bitten, uns ferner weder direkt noch indirekt in dieser Sache zu belästigen.“ Wir möchten diese Antwort nur etwas niedriger hängen. Unsere Leser werden jetzt wissen, wessen sie sich bei dieser Zeitung zu versehen haben. Jammervoll bleibt es, daß man mit seinen Annoncen(die, nebenbei bemerkt, durchaus nicht beleidigend auf die Redaktion wirken) an dieses Blatt geradezu gewiesen ist, aber journalistische Taktlosigkeiten, ja geradezu Fußtritte zu gewärtigen hat, wenn man positives Christentum in jener Zeitung vertreten will. Wie not täte uns eine bewußte evangelische Tagespresse! Wir sind darin gegen Rom wirklich übel daran.— Vermischtes. F(Goethes dicherische Schlagfertigkeit.) Von der Schlagfertigkeit unseres Altmeisters Goethe zeugt folgende, noch wenig bekannte kleine Episode. Es war zur Zeit, als Goethe noch im schwarzen Brot zu Leipzig wohnte. Kamen da eines Dages vier Holzbauern aus der Umgegend von Leipzig mit einer Fuhr Holz vorgefahren, welches sie unserm großen Dichter zum Geschenke brachten; zugleich baten ssie ihn um ein kleines Andenken in Form eines Gedichts. Die biedern Holzbauern stellten sich als Müller, Schulze, Schütze und Wohlgemuth wor und sofort kam Goethe den unschuldigen Wünschen nach, indem er folgendes Poem zu Papier gebracht, überreichte: Wär ich immer Wohlgemuth Und ein guter Schütze, Schöß' ich Müllern durch den Hut Und Schulzen durch die Mütze. *(Eine Tranung unter tragischen Umständen) fand im Krankenhause in Philadelphia statt. Ein sterbendes, bildhübsches Mädchen ging die Ehe mit ihrem Bräutigam ein, durch dessen Schuld sie zu Schaden gekommen war. Er hatte seiner Braut einen Revolver gegeben, der nicht gesichert war; der Schuß ging los und verletzte das Mädchen tötlich. Der Tod erfolgte gleich nach der Trauung. *(Eine geheimnisvolle Tote) wurde in einem Londoner Hotel aufgefunden. Sie hatte sich zu Lebzeiten für eine Französin namens Derval ausgegeben, jetzt ist aber festgestellt worden, daß sie eine russische Anarchistin Helene v. Krebel war, die zuletzt im Solde der Petersburger Polizei stand sund ihre früheren Parteigenossen verriet. Deshalb war ihr von diesen der Tod zugedacht worden. Sie floh unter falschem Ramen, aber die Häscher fanden sie immer wieder. In ihrer Verzweiflung beging sie Selbstmord. f(Ein amerikanischer Marinescherz) hat in England sehr peinlich berührt. Die Kadetten der MilitärAkademie sollten am Sonnabend in der Zerstörung von Schlachtschiffen durch Unterseeminen unterrichtet werden. Die bezüglichen Manöver fanden in der Bai von Newyork, nahe Fort Hancock, statt. Das zum Opfer bestimmte Schlachtschiff flog schon beim ersten Versuch in die Luft und wurde vollständig zerstört. Das falsche Schlachtschiff aber trug in großen Lettern den Namen „Dreadnought“, bekanntlich der neueste Schlachtschiffkoloß der britischen Flotte und der Stolz jedes guten Engländers. Schlaue Berechnung. Hausherr(nach einer Gesellschaft):„Das ist nett von der Liesel, daß sie den Professor so freundlich anlacht, wenn er ihr,— wie ich es von ihm gewiß weiß,— anstatt ein Trinkgeld zu geben, nur die Hand drückt!“— Hausfrau:„Du, die Liesel ist schlau. Die tut's bloß, damit wiemand merkt, daß ihr der reiche Professor nichts gegeben hat; denn sonst geben ihr die andern auch nichts!“ Jagd und Sport. :: Leipzig, 24. Mai. Zu Ehren des Vorsitzenden der deutschen Turnerschaft Dr. Götz, der heute seinen 80 Geburtstag feiert, versammelten sich gestern Abend im Festraum des Leipziger Zentraltheaters eine größere Anzahl Leipziger Turner, zu denen sich ein Teil der Mitglieder des Ausschusses der deutschen Turnerschaft sowie viele Vertreter auswärtiger Turnvereine gesellten, zu einem Festkommers, der sich zu einer großartigen Kundgebung gestaltete. Heute vormittag fand im Hause der Familie Götz eine Feier statt. Der Schatzmeister der deutschen Turnerschaft Kanzleivat Atzrott=Berlin teilte dem Geburtstagkinde mit, daß die Turnerschaft eine Sammlung von 18000 Mark zusammengebracht habe als Grundstock zu einer Dr. Ferdinand Götz=Stiftung, deren Zweck der Gefeierte bestimmen möge. Wetterbericht der deutschen Geewarte. 27. Mai. Rgendrohend, teils heiter, Gewitter, kühl, 28. Mai. Veränderlich, kühl, windig, Gewitter. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schade, Schwerte. Die Schönheit von Rembrow. Roman von Bogumil von Czartorski. 36 „Sollte das nicht die Liebe sein?“ fragte sie sich selbst, laut mit einem sanften Lächeln hinzusetzend:„Sprich, Liebste, willst Du auch seinen Beistand nichtsuchen?“ „Ich kann es nicht. Ich kann es weniger als irgend etwas sonst in der Welt. Fabian hat mich immer ermahnt, Vaters Willen zu tun, und würde es sicher nicht billigen, wenn ich ihm schon so bald entgegenhandelte. Er hat auch nichts getan, mich in Rembrow zurückzuhalten, als ersah, daß es zur Entscheidung ging.“ „Vielleicht weil er Deinem Glücke nicht hindernd in den Weg treten wollte.“ „Vielleicht.. Ich habe ihm auch gesagt, daß ich mich freue, unseres schönen, gütigen Herrn Liebe gewonnen zu haben, seine Gemahlin zu werden und mir in Zukunft jeden Wunsch erfüllen zu können. Das war... „Das war alles sehr kindisch und töricht, Liska, nicht wahr?“ „Ich glaube ja, Heloise! Sehr kindisch und töricht!“ sprach die Gärtnerstochter ernsthaft nach, während ihre ehrlichen, schwarzen Augen sich mit Tränen füllten.„Aber was nützt es nun, das einzusehen? Ich würde lieber sterben, als hilfesuchend an Fabiaus Tür pochen!“ Liskas Augen glühten in sieberhaftem Glanze, als sie diese Worte in halbversagender Stimme hinzufügte. „Beruhige Dich! Es wird noch alles gut werden. Nach meinem Gefühl gehörst Du in das Haus Deines Vaters bis zu der Stunde, wo Du es freiwillig mit klarem Bewußtsein an der Hand eines anderen verläßt. Ob dieser andere Graf Ehrenbreit sein würde, wenn Deinem Herzen die Entscheidung anheimfiele, ist zweiselhaft, aber es tut auch hier wenig zur Sache. Das erste ist: Du mußt Deiner Heimat zurückgegeben werden! Nur dort kannst Du Deinen verlorenen Frieden wiederfinden.“ Liska bewegte heftig verneinend das Haupt.„Unmöglich! Sie wärden mich alle mit so sonderbaren Augen ansehen, wenn ich heimkehrte, wie ich gegangen, ohne eine Dame geworden zu sein. Den Leuten von Remorow diente ich dann zum Spott, Vakers Zorn wäre grenzenlos, und der Graf.. nein, o nein! Es kann nimmermehr werden, wie es war, bevor...“ „Du Deinem jungen König zum erstenmal das alte Kirchenlied vorgesungen an jenem sanften Sommerabend? Vielleichtnicht, Liska, aber es kann alles gut werden, sage ich Dir. Und Du mußt heim.“ „Prüfe Dich noch einmal recht ernstlich, ob Du nicht fühlst, daß ich recht habe. Denke nicht an die Leute von Rembrow, nicht an den Grasen, nur an Dich selbst. Später sprechen wir dann weiter über diese Sache und finden sicherlich einen Ausweg, wenn Du nur Mut hast.“ ** * Bianka Stablewski an Komtesse Heloise von Gerstmann. „Ulmenau=Kubitken, im Dezember 189 Als ich Dich vor meiner Abreise nach Kubitken zum letztenmal in Deinem Vogelkäfig aufsuchte, meine liebe Heloise, es war Sommer dazumal, da gabst Du mir eine Bitte, nein, einen regelrechten Auftrag mit auf den Weg. Und dieser Auftrag betraf seltsamerweise eine Persönlichkeit, die Du noch niemals mit leiblichen Augen gesehen: den Grafen Ehrenbreit; den Mann, dessen zügelloses Leben, dessen Glück bei Frauen, dessen abenteuerliche Reisen und seltsame verschwenderische Passionen den Zeitungen immer neuen Stoff lieferten. Es war vielleicht nicht ganz recht von mir, daß ich Dir, meiner lieben, romantisch veranlagten Heloise, jene Zeitungsberichte zu lesen gab, deren letzter sich in schwunghaftestem Romanstil über die Duell=Affäre des artstokratischen Weltbummlers und deren unglücklichen Ausgang verbreitete. Wir lasen darin auch, daß sich Ehrenbreit auf seine im Posenschen gelegene Besitzung zurückzuziehen beabsichtigte, und stellten fest, daß diese der meinen benachbact ist. „Du mußt den Grafen kennen zu lernen und seelisch zu beeinflussen suchen!“ sagtest Du mir in Deiner reizenden, frauenhaft sorglichen Art.“ „Es ist fast eine Art Pflicht für Dich, da sonst keines Menschen Wohl und Wehe in Deinen Händen liegt. Du wirst ihm vielleicht etwas sein können in der ungewohnten Einsamkeit, und etwas dazu tun, daß die böde Krankheitszeit eine gesegnete für ihn wird, an die er späterhin gern zurückdenkt.“ So sprachst Du, liebe Heloise, und ich gab Dir den Namen Caritas. Ich versprach Dir, Ehrenbreits Bekanntschaft zu machen, nachdem ich mich bei meinem alten Freunde und Ratgeber Hochwürden Biatzeck nach ihm erkundigt, und ihm nach Kräften nützlich zu sein. Eins wie das andere ist geschehen. Ehrenbreit gefällt mir recht gut. Allerdings mutet er mich an wie ein großes Kind, woran nur zum Teil sein leidender Zustand die Schuld trägt, Er hat einen herrischen, eigenwilligen und dennoch nicht festen Charakter; er ist vom Schicksal verwöhnt, und sein Glück, wenn man das Wort in Bezug auf ihn überhaupt gelten lassen soll, hat ihn daran verhindert, ganz auszureifen. Solche Menschen sind nicht meine Menschen. Der Mutterinstinkt fehlt mir ganz und gar. Trotz alledem, wie gesagt, gefällt mir der Graf. Seine körperliche Besserung schreitet sehr langsam vorwärts; so langsam, daß die beiden Aerzte, die eigens hergereist kamen, um den gegenwärtigen Stand seines Befindens festzustellen, recht unbefriedigt wieder fortgegangen wären, hätten nicht die anderseite unbedingt zu konstatierende gute Laune und neuerwachte Lebensfreudigkeit des Patienten ihre Diagnose günstig beeinflußt. Woher die gute Stimmung des Grafen kommt? Ja, meine Liebste, da kann man nur Vermutungen haben. Hochwürden Pan Biatzech macht sich einen eigenen Vers daraus Hier gab es ein wunderschönes Gärtnertöchterlein, mit dem sich der junge Graf viel beschäftigt haben soll; natürlich in allen Ehren. Man sah ihn häufig im Garten ihres Vaters, und sie mußte ihm alte Lieder zur Zither vorsingen. Dieses schöne Kind ist nun plötzlich in eine große Erziehungsanstalt gesandt worden, um Dame zu werden. Pan Biatzeck meint, es sei nicht unmöglich, daß Ehrenbreit, für den es so ziemlich nichts Neues mehr unter der Sonne gebe, den zum mindesten originellen Gedanken hege, die Kleine allen Ernstes zu seiner Gemahlin zu machen. Ich habe Biatzeck mit seinem romantischen, alten Kopfe recht ausgelacht; je mehr ich indessen darüber nachdenke, um so möglicher erscheint auch mir die Sache. Ein blasierter Lebemann ist zu vielem fähig.„Da hast Du gleich einen Roman.„Fortsetzung folgt" heißt es auch hier, wie bei einem Zeitungsfeuilleton. Sobald ich mehr weiß, schreibe ich es Dir. Verbrenne aber meine Briefe; sie sind Konterbande, die Madame in ihrem Taubenschlage nicht dulden darf, wennschon sie Dir, als der ihrer Obhut eigentlich bereite Entwachsenen, eine eigene, unkontrollierte Korrespondenz gestattet. Graf Ehrenbreit hat große Pläne. Er will den einen Flügel des alten Herrenhauses, das im übrigen ganz im ursprünglichen Zustande erhalten und möglichst konserviert werden soll, nach modernem Großweltstil einrichten. Alle Erfindungen der Neuzeit sollen darin Platz erhalten. 138.20 Schon beschäftigt er sich lebhaft mit einer Telephonanlage, welche besonders hier mit riesigen Kosten verknüpft sein dürfte. Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Berugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Familientreund.“ o 0 0 0 O O O O O O O O o o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 1s Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und ältestes des Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Alie Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbinckliche Kraft. o o O O O O O O O O O o 0 0 Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse Braus, Schwerte-Kuhr. o Wochenschau. In den Parlamenten wird jetzt mit Hochdruck gearbeitet, man will endlich zum Schlusse kommen; hätte man sich doch auch vorher etwas beeilt, dann brauchte jetzt die Arbeit nicht überstürzt zu werden. Für die Reichsfinanzreform, die doch wahrlich von der höchsten Bedeutung ist, brauchte man für die zweite und dritte Lesung nur eine ganz kurze Spanne Zeit, während man beispielsweise beim Etat Posadowsky fast drei Wochen lang seinen Redefluß über die gleichgiltigsten Dinge freien Lauf ließ. Man sieht also, es geht auch so. Die dritte Lesung der Steuervorlage ergab im wesentlichen die Annahme der Beschlüsse der zweiten Lesung, nur mit der einzigen Ausnahme, daß das Banderolen=System bei der Zigarettensteuer gefallen ist, wofür man eine andere Skala festsetzte. Mit großer Sympathie werden die neuen Steuern nirgends ausgenommen, nicht einmal in den Kreisen, welche dafür gestimmt haben und es geschah auch nur in der Erwägung, daß unbedingt die Finanzlage des Reiches verbessert werden müsse. Die endgiltige Annahme der Reichsfinanzreform hat alsbald den Kaiser Veranlassung gegeben, außer in einem Dankschreiben an den Schatzsekretär von Stengel eine besondere Kundgebung dem Reichskanzler zu übermitteln, worin die hohe Bedeutung der angenommenen Vorlage hervorgehoben sund betont wird, und der geschickten Hand Bülows bei Erledigung der Reformen besondere Anerkennung gezollt wird. Mit Neid wird der österreichische Ministerpräsident Prinz Hohenlohe nach Berlin herübersehen, da es ihm absolut nicht gelingen will, mit den Parteien über die Wahlreform zu einer Einigung zu kommen. Die Tschechen und Polen sind halsstarrig, weil lihnen der Ministerpräsident nicht alles bewilligen und nach ihrer Pfeife tanzen will. Erschwert wird die Lage obendrein durch die Differenzen mit Ungarn auf wirtschaftlichem Gebiete, über welche sich infolge der ablehnenden Haltung Transleithaniens keine Verständigung erreichen läßt; heißt es doch sogar, daß die beiderseitigen Ministerpräsidenten dem Kaiser ihre Portefeuilles angeboten haben, die aber abgelehnt wurden. In Budapest hat nunmehr durch den Kaiser die Eröffnung des Parlamentes stattgefunden und es war seit Jahrzehnten das erste Mal, daß die Mitglieder der Kossuthpartei in der Hofburg erschienen sind. Dies charakterisiert zur Genüge den Wechsel der Zeit; die Die Schönheit von Rembrow. Roman von Bogumil von Czartorski. 35 „Der Mann ihrer Wahl, sie fand ihn an ihrem Wege und nahm ihn auf wie ein Spielzeug, stand an Geburt und Bildung tief unter ihr; es schmeichelte seiner Eigenliebe, vor den Augen eines so schönen und hochstehenden Weibes Guade gefunden zu haben, und so verließ er seine Welt und gestattete der Aristokratin, ihn zu sich zu erheben. Sie versuchte das ernsthaft. Renates Vater, mein Oheim, sah den unheilvollen Ausgang dieses Experimentes voraus, allein er war zu schwach, seinem Lieblingskinde in irgend einer Sache der Welt entgegenzuhandeln, und so nahm das Verhängnis seinen Lauf. Der Verlobte meiner Cousine vermochte das Leben in der ungewohnten Sphäre auf die Dauer nicht zu ertragen, wenn er sich ihm auch äußerlich immer mehr nud mehr anzupassen schien; die heimatlichen Sterne seiner schlichten Vergangenheit lockten wohl auch übermächtig, zurzum, er machte sich frei! Er zerriß die drückenden Fesseln in der einzigen Art, die ihm nach seiner Ansicht noch übrig blieb, indem er seinem Leben ein Ende machte. Und der Tag, an dem Renates Hochzeitsglocken läuten sollten, fand die jugendliche Braut gleichfalls als eine Tote. Der schöne, zu dem Besitztum meines Oheims gehörige Nixensee gab sie uns blaß und still zurück. Und so, aber ich fürchte, ich rede gar nicht, wie es sich für eine Pensionärin dieses Hauses geziemt, und Du verstehst mich wohl auchnicht ganz, ga, 1. Jinem Stüßern aus „Nicht ganz, antwortete Lisca mit einem Flastren, aus dem es wie unterdrücktes Schluchzen hervorklang,„aber genug, Heloise, genug! Laß mich gehen!“. enseuer Eage 64. Ungestüm wie die wilde Drossel vergungene: Tüge schwirrte sle auf und war verschwunden, bevor Heloise ihr Licht entzünden und ein beschwichtigendes Wort hatte sprechen können. „Vielleicht ist es gut so,“ dachte die Grafentochter.„Jene Menschen, die das arme Kind blind in ihr Geschick hin eintreiben, dessen Folgen es nicht im entferntesten kennt oder auch nur ahnt, begehen in jedem Fall eine Sünde. Mag Liska sehen und denken lernen! Sie wird es auf alle Fälle brauchen. Eine durchweinte Nacht ist kein zu hoher Preis dafür.“ Liska suchte keine Gelegenheit, den abgerissenen Gesprächsfaden wieder anzuknüpfen. Es schien ihr Bedürfnis, die empfangenen Eindrücke sill in sich zu verarbeiten. Ein gedankenvoller heutigen Anhänger des großen ungarischen Revolutionärs erscheinen bei Hofe Eine Kabinettskrise hat es auch bei unserem anderen„Verbündeten“ gegeben, in Italien. Dort hat man aus einer nichtigen Veranlassung das Kabinett Sonniu ut Pe der gekommen. Ob damit für Italien eine bessere Zeit heraufkommen wird, kann als fraglich gelten, denn die gestürzte Regierung war von den aufrichtigsten Absichten für eine Gesundung der wirtschaftlichen Verhältnisse beseelt und ist doch gestürzt worden oder vielleicht gerade deswegen; denn in verschiedenen Gegenden Italiens möchten sich die Beamten nicht gern in den Topf schauen lassen, da sie sonst leicht um ihre hohen Nebeneinahmen kommen könnten. Aus diesem Grunde ist bisher noch jedes Kabinett, welches mit der herschenden Korruption aufräumen wollte, von der Bildfläche orschwunden. Ländlich— schändlich. Dagegen waltet über dem jetzigen französischen Kabinett, das man vielfach anfänglich für eine Eintagsfliege hielt, anscheinend ein glücklicher Stern. Das günstige Resultat im ersten Wahlgang hat eine weitere Verbesserung erfahren durch den Ausgang der Stichwahlen, welche den Sieg der Regierung noch vergrößerten; zieht doch der Regierungsblock mit 58 neuen Sitzen in der ersten Kammer ein. Was dasHauptgepräge der Kammerwahlen von 1906 bildet, ist das völlige Verschwinden der Nationalisten aus dem Parlament, sodaß die Rolle dieser Partei wohl für lange Zeit ausgespielt sein dürfte. Damit ist die Gewähr gegeben, daß Frankreich einer Zeit ruhiger Entwicklung entgegen geht, und diese Wendung darf auch in Deutschland freudig begrüßt werden. In Rußland steckt das Parlament, wie kaum anders zu erwarten war, noch in den Kinderschuhen. Die einzelnen Abgeordneten berauschen sich ordentlich am Reden und 12stündige Sitzungen gehören sogar zur Regel. Mit echt slavischem Fanatismus werden die hitzigsten Beschlüsse gefaßt und hinterher, wenn sich deren Unausführbarkeit erweist, zeigt man sich als folgsame Kinder. Die Thronrede des Zaren war mit einer ellenlangen die schärftsten Forderungen enthaltenden Adresse beantwortet worden, und man erging sich in den fürchterlichsten Drohungen, wenn der Zar ihre Entgegennahme verweigern würde; als dies aber wirklich geschah, buschte man sich, wie ein Hund. Es ist eine alte Erfahrung, blinder Eifer schadet nur. Durch derartige übermäßige Forderungen kann nur der Sache der ReSchatten, der den kindlichen Zügen einen völlig neuen Ausdruck verlieh, lag auf ihrer Stirn, und ihre Lippen zuckten bisweilen leise, während sie abends, über ihr Buch geneigt, scheinbar eifrig lesend am Arbeitstische saß. Augenscheinlich ward ihr Gemüt von den widerstreitendsten Empfindungen bewegt, aus denen sie sich noch nicht zur Klarheit durchzuringen vermocht. Heloise hatte, wenn auch nicht alles in ihrer bilderreichen Sprache von dem ungeschulten Geiste der Gärtnerstochter gefaßt werden konnte, doch die rechten Akzente angeschlagen, um im Herzen derselben zu wecken, was durch die Sirenenlieder anderer, verführerischer Stimmen in tiefen Schlummer gesungen worden war. So hatte noch niemand zu Liska gesprochen. Niemand außer dem freundlichen jungen Maler vielleicht, der einmal im Abendlicht bei ihr am Rosenstrauch gestanden und sie ermahnt hatte, nicht zu eilig ihrem stillen Glücke den Rücken zu kehren. Jetzt war das bereits geschehen. Jetzt lag Rembrow im Winterschlaf, und seine Schönheit saß trauervoll wie eine vertriebene Königstochter in der Fremde und weinte, da die Geister vergangener Tage sie aufsuchten! mit inmnbi Nachts, wenn Lista, nachbem sie lange ulir unrühigen Gedanken wachgelegen, in einen leichten, fieberhaften Schlummer sank, zauberte ihr der Traumgott liebliche, halbvergessene Bilder aus der Heimat vor die Seele, und allmorgendlich erwachte sie mit dem sehnsuchtsvollen Seufzer:„Wär' ich daheim!“ Natürlich übten dergleichen Träume und Reminiszenzen keinen günstigen Einfluß auf Liskas ohnehin mangelhafte Leistungen aus; ihre Lehrer ergriffen nur zu gern die Gelegenheit, darüber bei der höchsten Instanz Klage zu führen, und so hatte Madame mehrere ernsthafte Rügen zu erteilen, die sämtlich mit dem armen Herrn Baron von Ruck, der natürlich sehr bekümmert sein werde," begannen und schlossen und Liska in einer Weise erregten, wie Madame es unmöglich ahnen konnte. Heloise allein fühlte, was die trotzig aufeinandergepreßten Lippen und zusammengezogenen Augenbrauen bei ihrem Liebling zu bedeuten hatten. „Verzage nicht!“ sagte sie, einen stillen Augenblick nach der Arbeitsstunde benutzend, wo nur noch Liska, tief über die Weltkarte gebeugt, am Tische saß.„Geduld überwindet mehr als ein paar schwierige Lexionen. Sobald Duernsthaft gesonnen bist, auf der Bahn vorwärts zu gehen, die zu Deinem Grafen führt, aktionäre gedient sein, welche tatsächlich wieder Oberwasser fühlen. Aus Stadt und Umgebung. (Weitere lokale Nachrichen s. im anderen Blatt.) Schwerte, den 26. Mai. *r(Verlängerter Geschäftsverkehr.) Wir machen die Geschäftswelt und das kaufende Publikum darauf aufmerksam, daß von jetzt ab bis Pfingsten an den Werktagen die Geschäfte bis 10 Uhr abends für den Verkauf geöffnet bleiben dürfen. **(Die Bismarckfeier) auf Hohensyburg zur Erinnerung an die Westfalenfahrt nach Friedrichsruh findet in diesem Jahre am 16. Juni statt. §8(Gewerbegericht.) Der Bäckergeselle Franz Fickermann zu Dortmund klagt gegen den Bäckermeister Heinrich Krumme zu Schwerte um einen Lohn von 55 Mark wegen sofortiger Entlassung. Durch Vergleich ist er mit 20 Mark zufrieden.— Der Steinbrucharbeiter Giovanni De Dea zu Buchholtz klagt gegen den Steinbruchbesitzer Müller auf Zahlung eines Lohnrestes von 17 Mark, die wegen angeblich schlechter Arbeit einbehalten sind. Beklagter wurde verurteilt zur Zahlung von 17 Mark und 11 Mark für Versäumnis zur Wahrnehmung zweier Termine.— Der Metzgergeselle Julius Sonnenschein stand in Arbeit bei Herrn BarthWellinghoferheide und ist sofort enlassen weil er am Kontrolltage angetrunken war. Durch Vergleich ist Kläger mit 10 Mark zufrieden— Der Schreinergeselle Hugo Hanf zu Gladbeck klagt gegen den Kaufmann Müller zu Schwerte wegen eines Lohnausfalles von 20 Mark. Durch Vergleich war Kläger mit 12 Mark zufrieden und zieht die Klage zurück. **(Für Jäger.) Der Beginn der Schonzeit für Birk=, Hasel= und Fasanhähne ist durch den Bezirksausschuß in Arnsberg für den ganzen Regierungsbezirk auf Freitag, den 1. Juni, festgesetzt worden. **(Bestellung von Güterwagen.) In welchem Umfange die Staatsbahnverwaltung für die Bewältigung des stetig fortschreitenden Verkehrs Sorge trägt, geht daraus hervor, daß jetzt wieder 14 725 Gütrwagen verschiedener Gattung in Bestellung gegeben worden sind. so wird es Dir auch schon gelingen, wenn auch nur nach und nach. Wünschest Du, daß ich mit Dir lerne?“ Liska bewegte verneinend das Haupt und klappte ihr Buch zu.„Vielen Dank, Heloise, Du bist sehr gut, aber ich fürchte, nein, ich weiß es nun ganz gewiß, selbst Deine Hilfe würde mir wenig nützen. Ob ich auf diesem Wege fortgehen will, fragst Du? Ich weiß es nicht! Ich weiß nicht, was das Rechte ist, und habe ein Gefühl, als könne nur der Tod mir aus diesem Leide helfen. „O, Liska! Liebe kleine Törin! Du weißt noch nicht, was Leid bedeutet. Dein jetziger Zustand, der vorübergehen wird wie ein Gewitter im Sommer, verdient diese ernste, schwere Bezeichnung keineswegs. Was meinst Du, Kind, wäre nicht ein ehrliches Wort zu dem Manne, der in Dir seine zukünftige Gemahlin sieht, das beste?“ „Was und wie sollte ich zu ihm sprechen, in welcher Art sollte ich ihm meine Kümmernisse schildern, Heloise? Ich muß immer daran denken, was Du an jenem Abend sagtest von zwei in verschiedenen Welten lebenden Geistern. „Würdest Du es vorziehen, Deinem Vater zu schreiben? Soll ich es für Dich tun?“ „Es wäre umsonst, Du Gute. Es ist Vaters fester Entschluß, daß ich eine vornehme Dame werden soll, und nichts in der Welt könnte ihn dazu bringen, diesen Plan, den er mehr als alles liebt, aufzugeben. „Und Dein Oheim?“ „Er würde meine Kümmernisse vielleicht freundlich belächeln und mir gut zusprechen, Geduld zu haben und mein bestes zu tun. Ich weiß und fühle aber, daß das nichts helfen kann.“ „Höre einmal, Liska, wir vergaßen eine Person: wir vergaßen Deinen Jugendfreund! Heißt er nicht Fabian? Wenn ich nicht irre, erzähltest Du mir, er habe Dir in der Abschiedsstunde das Versprechen abgenommen, ihm ein Zeichen zu geben, wenn Du Dich je einmal unglücklich und hilfsbedürftig fühlen solltest in der Fremde. Ist dieser Moment nicht gekommen?“ Liska erhob abwehrend die Hände, und ihr trauriges Antlitz bedeckte sich mit einer tiesen Röte, die Heloise an den Moment erinnerte, wo ihr das welke Zweiglein in die Hände gefallen war.“ 138.20 ** Annen, 25. Mai.(Genickstarre.) Wiederum sind hier gestern zwei neue Fälle von Genickstarre durch Herrn Medizinalrat Dr. Schulte aus Hörde festgestellt worden. Auch diesmal handelt es sich um 2 Kinder, eins ist der gefährlichen Krankheit schon erlegen. Von den gestern gemeldeten Erkrankungsfällen, es waren ebenfalls 2 Kinder erkrankt, ist eins gestorben. Eigenartig ist das Auftreten der Genickstarre hinsichtlich der Oertlichkeit. Während die ersten Erkrankungsfälle in der Kirchstraße auftraten, sind die letzten in der Bergstraße zu verzeichnen. In letzter Stunde wird wieder eine weitere Erkrankung von Genickstarre gemeldet. und Rheinland 8 Hagen, 25. Mai.(In Fürsorge=Erziehung) mußte wegen liederlichen Lebenswandels die 16jährige M. V. gegeben werden. Damit beträgt die Zahl der in den letzten 4 Wochen der Fürsorge=Erziehung überwiesenen 15= bis 16jährigen Mädchen 6. * Marten, 25. Mai.(Ein trauriger Unglücksfall) passierte am Mittwoch auf Station Marten. Der Schaffner Blicke von hier tat Zugführerdienste bei Güterzügen. Er gab das Signal zum Vorziehen und stellte sich in die Packwagentür. In demselben Augenblick kam ein Zug, den B. nicht bemerkt hatte, und stieß schräg auf den Packwagen, was zur Folge hatte, daß B. an Kopf und Brust tötlich verletzt wurde. Sieben Minuten nach dem Unfall starb der brave Beamte. Die Leiche wurde in die Leichenhalle zu Marten gebracht. * Bochum, 25. Mai.(Selbstmord aus Furcht vor Strafe.) Ein an der Hernerstraße wohnender Arbeiter durchschnitt sich gestern abend mit einem Taschenmesser die Kehle. Er konnte noch lebendd ins Krankenhaus gebracht werden. Der Mann hat die Tat vermutlich aus Furcht vor Strafe begangen; er hatte nämlich die Frau seines Kostwirtes mit einem Messer verfolgt und sollte deshalb verhaftet werden. *Oberhausen, 25. Mai.(Ein schrecklicher Unglücksfall) ereignete sich heute nachmittag gegen 4 Uhr am hiesigen Brücktor. Daselbst spielten einige Kinder auf der Straße, als ein schweres Lastfuhrwerk der Firma Th. von hier die Straße passierte. Plötzlich wurs den die Pferde scheu und gingen durch. Das Kind der Familie F. von der Mülheimerstraße wurde von dem Wagen erfaßt und zu Boden geschleudert. Die Räder gingen dem 6jährigen Knaben über den Kopf, den sie buchstäblich platt drückten. Die Versletzungen waren derart, daß der Tod nach wenigen Augenblicken eintrat. Wen die Schuld an dem Unglücksfall trifft, wird die eingeleitete Untersuchung ergeben. * Bonn, 22. Mai.(Mord.) Heute früh 5 Uhr wurde hier die Leiche eines jungen Mannes aus Walberberg, namens Peter Leyendecker, aus dem Geleise der Vorgebirgsbahn ausgefunden. Der Lokomotivfühver des um diese Zeit nach Köln fahrenden Zuges bemerkte den auf dem Geleise liegenden Körper und brachte den Zug zum Stehen. Die Leiche wies mehrere Messerstiche im Gesicht auf; die Taschenuhr Leyendeckers sowie 7 Mk. Bargeld wurden bei dem Toten vorgefunden. Ob es sich bei dem grausigen Fund um einen Mord handelt, ist nach dem B. G.=A. noch nicht festgestellt. Kleines Keuilleton. Ernst Heiter sagt! „Neue Steuervorschläge.“ Fananzreform! das inhaltschwere Wort— beschäftigt unsern Reichstag fort und fort;— die Volksvertreter müssen sich beeilen,— es sind noch sehr viel Steuern zu verteilen.— Sehr zu erwägen ist das„wo und wie“.— Freiwill'ge vor!— Ach, hier versagen sie, denn mit Bedauern hört man Jeden klagen,— er könne neue Lasten nicht vertragen!— Viel schöne Dinge nimmt man aufs Vesier,— Fahrkarten, Zigaretten und auch Bier,— und doch gibt es noch viele andere Sachen,— die zu versteuern müßt' Vergnügen machen:— zum Beispiel wenn der Sommer Einzug hält,— dann gibt es meist viel Staub auf dieser Welt— und tritt alsdann die Schleppe in Erscheinung,— legt Steuern drauf! Wie ist dafür die Meinung? Mit Rücksicht auf das schönere Geschlecht— wär eine Junggesellensteuer recht,— man muß auf diese Weise hintertreiben,— daß so viel brave Mägdlein sitzen bleiben;— auch wer mit Vorsicht in die Ehe ging— und mit Berechnung einen Goldfisch fing,— dem mache man die Rechnung etwas teuer— durch eine sogenannte Mitgiftsteuer!— Gar viele Menschen reden gern und viel,— mitunter aber ohne Zweck und Ziel;— das ließe, wird es gar zu unbescheiden,— durch eine Rede=Steuer sich vermeiden.— Der Steuersatz erhöhe sich sofort— insonderheit für jedes böse Wort.— Ermäßigung komme nur dem Ehegatten,— der Schwiegermutter aber nie zu statten!— Es gibt gar viele Menschenkinder, die— viel Neigung haben zu dem lieben Vieh,— hier würde sich die Steuerschraube lohnen,— Liebhabereien darf man nicht verschonen,— Besteuert werde drum in Dorf und Stadt— derjenige, der einen Vogel hat,— als steuerpflichtig ferner sich betrachte,— wer nächtlich einen Spitz mit heimwärts brachte!— Jüngst hat der Reichstag den Beschluß gefaßt: Ein Volksvertreter hat viel Kostenlast,— drum lebten manche, die das Volk vertreten,— durchaus Diät, es fehlten die Diäten!— Hinfür sei man nicht mehr spesenlos,— Diäten gibts— das ist ja ganz samos,— und so erlaub ich mir den Vorschlag weiter:—„Diätensteuer“ einzuführ'n!— Ernst Heiter. Vermischtes. * Magdeburg, 23. Mai.(Eine regelrechte Maikäferernte) findet gegenwärtig in der Letzlinger Heide(Altmarkt) statt. Für den Liten gesammelter Käfer werden von der Forstverwaltung, die für diesen Zweck rund 100000 Mark verausgaben kann, 20 Pfennig gezahlt. Manche Familien haben einen Tagesverdienst von 25 Mark und darüber. Alt und jung widmet sich dem einträglichen Geschäft des Maikäfersammelns, und jjede Feld= und Waldarbeit ruht. Das Sammeln gestaltet sich folgerdermaßen: Vor Sonnenausgang schon wandert die ganze Familie zur Heide. Während der Vater mit einer Stange ausgerüstet ist, führen die übrigen Latten, Säcke, Gießkannen, Töpfe u. dergl. mit sich. Kaum graut dann der Morgen, so beginnt die Arbeit. Die Heide wimmelt von Sammlern, denn fast das ganze Dorf Letzlingen ist hinausgeeilt. Der Bauer schüttelt mit der Stange die Zweige der Bäume, und die schlaftrunkenen Käfer fallen zu Tausenden zur Erde, Mutter nd Kinder fangen sie in ausgebreiteten Leinenlaken auf und schütten sie in die bereitgehaltenen Gefäße. So geht es von Baum zu Baum. Jede Familie arbeitet in ihrem Bezirk. Sobald die Gefäße gefüllt ssind oder die Sonne die Käfer aus dem Schlafe geweckt hat, kehren die Bewohner in das Dorf zurück. Zu Hause beginnt nun das Geschäft der Hausfrau. Da die Käfer nur getötet abgeliefert werden dürfen, bereitet sie siedendes Wasser, womit die Tiere begossen und getötet werden. Die getöteten Käfer werden in der Försterei abgeliefert, gemessen und dann sofort in eine Grube geschüttet. Auch für die Förster hat das Sammeln einigen Nutzen. Denn dadurch, daß Kalk zwischen die Käfer gestreut wird, bereitet man ein gutes Düngemittel. Die Sammelzeit dauert ungefähr drei Wochen. Besonders die Schuljjugend sieht diesen Maientagen mit Freuden entgegen. Da auch sie an dem großen Vertilgungswerk mitarbeitet, wird in der Hauptflugzeit der Unterricht entweder verkürzt oder gar die Schule geschlossen; es treten die sogenannten „Maikäferferien“ in die Rechte. F(Eingemauerte Eier.) Neuhaldensleben(Prov. Sachsen), 20. Mai. Beim Abbruch eines hiesigen alten Gebäudes fanden die Maurer im Fachwerk in Häcksel verpackt Eier eingemauert. Der Fund dürfte mit einer im Mittelalter geübten Sitte zusammenhängen. Man glaubte hierdurch das Haus vor Unglück, Blitz, Feuer usw. schützen zu können. In noch weiter zurückliegender Zeit hat man statt der Eier, der Urform des Lebenden, lebende Geschöpfe eingemauert. Katzen sind hier öfters in alten Gebäuden eingemauert gesunden worden. F(Gift in Eiern.) Die Natur bringt oft die größten Gegensätze neben einander vor, so daß man wirklich, wenn man es nicht besser wüßte, glauben könnte, sie habe sich hier oder dort einen gelungenen Scherz gestattet. So ist eins der wichtigsten und billigsten Nahrungsmittel für uns das Ei gewisser Vögel, besonders das Hühnerei; es ist umso wichtiger, als es, wegen seiner ganzen Beschaffenheit, bisher wohl noch niemals verfälscht wurde. Nun hat sich aber herausgestellt, daß diese selben Eier einen giftigen Bestandteill enthalten. Allerdings sind sie, wenn man sie ißt, ganz unschädlich, wie ja durch unendlich häufigen Genuß erwiesen ist; wenn man aber das Gelbe von Hühner= oder Enteneiern einem Tier, z. B. einem Kaninchen, unter die Der Chesterkäse Klaus Stühring, der alte Schiffskapitän, war mit seiner Frau bei seinem langjährigen Freunde Hendrik Petersen zu Besuch. Das„däftige“ Mittagessen neigte sich seinem Ende zu. Man war bei der Butter und Käse angelangt und Klaus Stühring, der bereits eine ordentliche Scheibe alten Chesterkäse verzehrt hatte, schnitt sich eben einen zweiten Happen ab. Klaus, Klaus,“ rief mahnend Frau Stühring,„du willst doch nicht zum zweiten Male Chester nehmen? Laß es sein, Klaus, laß es sein! Es bekommt dir nicht.“ Ach was, Hanne, laß man gut sein! Diesmal wird er mir schon bekommen, antwortete Kapitän Stühring mit einem breiten Lachen über sein ganzes Gesicht. „Na, dann iß man, Klaus, iß man! Aber ich habe wieder drunter zu leiden, das ist sicher.“ „Wieso, Frau Stühring?“ fragte der Gastgeber Hendrik Petersen. Aber Kapitän Stühring ließ seine Frau nicht zur Antwort kommen. „Was meine Hanne da ist,“ sagte er,„die hat Angst, daß ich wieder den Gabelanker auswerfe. Vor fünf, sechs Wochen war's, da waren wir bei Willem Johannsen zu Tisch und die hatten uns auch einen gleichen alten Chesterkäse vorgesetzt, wie dieser hier ist. Na, und da habe ich einen kleinen Happen davon gegessen. Du brauchst nicht den Kopf zu schütteln, Hanne. Es kann aucheinziemlich großerHappen gewesen sein. Na, undwie wir abends zu Bett gegangen waren, da träumte mir, ich wäre wieder auf See, auf meinem alten Schiff, der „Anna“. Es schien mir, als segelten wir die schottische Küste entlang. Ich hatte die Wache, lund auf einmal kriegen wir einen Windstoß, wie ich ihn in den Breiten noch nicht erlebt habe. Der Wind blies wie der Teufel und das Schiff lag ganz auf der Seite. Das war nur noch eine Rettung. Der einzige Mann in meiner Nähe war der Maat Dirksen und ich schrei' ihm zu: „Dirksen, schmeiß den Gabelanker über Bord.“ Der Maat stürzt auf den Anker los und zieht und reißt, aber er kriegt ihn nicht von der Stelle. Und der Sturm bläst immer toller.„Dirksen“, rief ich nochmals in Verzweiflung,„über mit dem Anker jetzt und schnell!“ Aber er zwingt ihn nicht. Der Sturm heult und das Schiff kracht in allen Fugen. Da stürze sich die Kommandobrücke herunter, fünf Schritt vor und schrei': „Scher dich weg, du Stockfisch! Laß mich den Anker selber werfen, sonst gehen wir zugrunde.“ Damit greife ich den schweren Anker mit beiden Armen, due einen heftigen Hub und Wurf und über Bord fliegt er. Aber Haut spritzt, so muß das so behandelte Tier unfehlbar daran sterben, nachdem es schwere Vergiftungserscheinungen des Nervensystems, besonders des Gehirns gezeigt hat. Es handelt sich also sogar um ein sehr gefährliches Gift, und es ist um so auffälliger, daß die Natur einen so bedenklichen Stoff in die Eier gelegt hat. Uebrigens beschränkt er sich nicht blos auf Vogeleier, sondern seine weitere Verbreitung wird dadurch erwiesen, daß man ihn in demselben Grad von Giftigkeit auch in Schildkröteneiern gefunden hat. (Sekundaner als Einbrecher.) In Parchim(Mecklenburg) wurden zwei Sekundaner des Gymnasiums wegen schweren Diebstahls zu sechs, beziehungsweise vier Wochen Gefängnis verurteilt. Beide hatten in Gemeinschaft mit einem Glaserlehrling einen Einbruch in eine Konditorei verübt und sich die gesamten Waren die im Schaufenster lagen, angeeignet. U. a. waren den Dieben etwa zwanzig Pfund Bonbons, diverse Kuchen usw. in die Hände gefallen. Der Lehrling, der während der Tat Schmiere stehen mußte, erhielt zwei Wochen Gefängnis. Die beiden Gymnasiasten gehörten bis vor kurzem zu dden besten Schülern der Anstalt; dann ergaben sie sich heimlich dem übermäßigen Genuß von— Tabak und Alkohol. Rechtspflege. Die parfümierte Geschäftsdame. Um den„guten Geruch“ einer Geschäftsdame stritt man gestern im Berliner Kaufmannsgericht. Die Richter hatten die duftige Frage zu entscheiden, ob eine Verkäuferin im Ladengeschäft parfümiert ins Geschäft kommen kann. Der Beklagte, der ein Manufakturwarengeschäft in der Landsbergerstraße betreibt, entließ die Verkäuferin Lieschen M. ohne Innehaltung einer Kündigungsfrist, da sie trotz Verwarnung wiederholt sehr stark parfümiert war. Nach der Behauptung der Beklagten habe die Sucht der Klägerin, sich einzuparfümieren, bei ihm im Geschäft einen unhaltbaren Zustand herbeigeführt. Fräulein M. habe die Manie so weit getrieben, daß es im ganzen Geschäftslokal danach ge—rochen habe. Es wäre das nicht nur bei seinem Personal übel empfunden worden, auch die Kunden hätten sich teilweise beschwert und wollten von der Klägerin nicht bedient sein. Demgegenüber behauptete die Klägerin, daß sie nur hin und wieder, wenn sie abends vom Geschäft ins Theater ging, einige Tropfen Parfüm auf Bluse und Taschentuch getan hätte, und daß es auch nicht eine übelduftende Mixtur, sondern feinster Extrakt gewesen wäre. Zum Beweise stellte sie einen Flakon dieses Parfüms auf den Richtertisch. Auch die vom Beklagten vorgeschlagenen Zeugen, frühere Kollegen der Klägerin schränkten die Angaben der Beklagten erheblich ein. Fräulein M. sei nur dann und wann etwas parfümiert gewesen, und von Beschwerden seitens der Kundschaft hätte niemand etwas gehört. Das Kaufmannsgericht verurteilte daher den Beklagten zur Zahlung des Restgehalts von 125 Mark. Es müsse einer Angestellten, gleichviel ob im Detail= oder Engroshandel, unbenommen bleiben, sich zu parfümieren, sofern nicht dieses Attribut der Toilettenkunst derart auf die Geruchsorgane der Umgebung einwirkt, daß eine Störung des Geschäftsbetriebes die Folge ist. Diese Dimension hatte die Parfümierung hier aber keineswegs angenommen. Verantwortlicher Redakteur: Wilh. Schade, Schwerte. ein alter Haifisch soll mich lebendig mit Haut und Haar fressen, wenn's nicht wahr ist. Der dicke Anker stieß einen Schrei aus, so laut, daß er das Heulen des Sturmes überkönte, und er brüllte:„Klaus Stühring, Klaus Stühring! Was machst du denn?" Ich wache auf, und was seh' ich? Meine Hanne liegt am Fußboden und heult und jammert. Ich hatte sie für den Gabelanker gehalten und über Bord geworfen. Wahrhaftig, so war’s.“ Frau Hanne Stühring war die einzige, die nicht lachte.„Ja“, sagte sie,„du hast mich auf den Boden geworfen wie einen Sack und jetzt stopfst du wieder den unverdaulichen Chesterkäse in den Magen, als wenn gar nichts passiert wäre.“ Der kluge Hans. Hauslehrer:„In Amerika gibt es Gegenden, wo es monatelang uunausgesetzt regnet.“ — Peterl:„Da sind sicher die Wolkenkratzer dran schuld!“ Nengierig.„Du, Lisi, der Doktor meint, ich hätt' ein falsches Hausmittel angewandt! Welches könnt's denn sein? Das vom Hausmeister, von der Frau Kontrolor, vom Nachbarn, von der Schwiegermutter, oder das von deiner Freundin?“ Ein guter Gatte.„Wie sehen denn Sie aus, Herr Nachbar? Man kennt sie ja gar nicht mehr— so entstellt Sie der Bart!“—„Ja, wissen Sie, meine liebe Frau hat mir zu meinem Namenstag ein blaues Krawattl geschenkt, das mir halt gar nicht gefällt, und da hab' ich mir— um sie nicht zu kränken— einen Vollbart stehen lassen!“ Sein Standpunkt.„Wie einer a' Malen wer'n kann, is mir ganz unbegreiflich!... Wenn man durchaus verhungern will, ist's doch nicht erst notwendig, daß man Bilder malt!“ Tarif.„Was muß man denn bezahlen, wenn man durch das Fernrohr schauen will?"—„Zehn Pfennig!“ —„Aber heute sieht man ja gar nichts wor lauter Nebel!“—„Ja, wenn ma' was sieht, na' kost's auch zwanz'g!“ Zu natürlich. Theaterfreund:„Ihre Truppe spielt wirklich sehr gut— so natürlich!“— Direktor eines Bauerntheaters:„Ja, das ist richtig,— b'sonders die Resl, die spielt halt so natürlich wie noch keine. Neulich hat sie sogar Wasser in d' Milch getan, die sie dem Sommerfrischler in dem ersten Akt im neuen Stück hat vorsetzen müssen!“ Warnung. Nad amtlicher Fest=lung ist in dem Dorfe Holzen des hiesigen Kiies ein tollwtr ker Hund(Tollwut beobachtet. Die Tollw t odr Hundswut wi d durch de Biß tollwut kranker Tiere überinage. Hund=, Katzen, Pferd:, Wie erkäuer, Nager, Schwein und Hausgeflügel werden gebissen, tollwutkrank und können des Wutgin durch geringsüg ge Verletzungen af Mensch'n und Tiere wieder über ragen. Ihr Speichel nd ihr Blut enthalten das Gitt bere ts, bevor die Tollwut bei ihnen zum Ausbruch ek mme int Nach der Verletz ng durch ein tollwitkrankes Tier vergehen 2 Wochen bis 3 Monae und längere Zeit ohne daß der Gebissene erkrankt Erst dann d icht die K ankheit aus. Bei Hunde zegt sich die Kra khit an durch verändertes Benehmen, mancke si d aufgeregt, mißirauisch oder auch widerspenstig verkriegen sich andere sind auffallend freundlich und zutraulich, ferner duch den Drang zu entwechen und heiumz schweifen, dury die Neigung zum Beißen, Vränderung der Stimme, Schl gbeschweiden und und Erbrechen. Die Tiere per zehren fast nur unverdaulche Dinge und magern so nell und st rk ab. Se lecken häufig Wasser und schwimmen woh auch drch Flüsse und Seen, Scheu vor Wasser besitzen sie also nicht. Bei schlinglähmung beobachtet man Geitern Zunge, Nase und manchmal der ganze Kopf sind geschwoll n, de Augen sind gerötet und lichtscheu. Nach spatestens 4 Tagen treten Lä mung des Unterkiefers, Lähmung des Hiutert ils Atemnot und Krampe ein, die gemöhnlich am 7. Tage den T d herbeiführen Bei der stillen Wut fehlen die Reizerscheinungn; demzu folge beobachtet man ein füheres Ei treten der Lahm ngeer scheinungen, name itlich des Unterkie ers. Der Tod erfolgt hei schon nach 2 bie 3 Tagen. Beim Menschen beginnt die Krankheic unter Unruhe und Angst mit Schling und Amtmungs eschwerden, denen sich Schling und Atmunskrämpfe anschließen, die trotz quce den Turstes zum Widerwillen gegen Flussi keiten führen. Später geng schon der Anblick und die Vorst llung von Flussi keiten, das Ve schlucken von Speichel, ji der Luftzug, um schme zhafte Schlund und Atmungskrämpfe hervorzuruen Nach zahlreichen Kramp anfällen tritt in der Regel am 7 Tage der Tod durch A.emläh mung ein, wenn eine Behandlung nicht erfolgt ist. Der Ausbruch der Krankheit ist mt Sicher heit zu verhüten. wenn der Gebissene sich spätestens 8 Tage nach der Bretzung, am besten sofort in das Institut für Zufektion kra khei en in Berlin, Wutschutzabteilung Nordufer—Föhrerstraß am Ringbahn hof Puitttztraße begibt und sich dort der Schutzimpfung unter zeht, welche vollständig schmeczlos und ungefährlich wie die Schutzpocke impfung ist. Es wird deshalb dri geid ersucht, Bißverletzungen von toll wutverdachtigen Hunden zur Anmeldung und Untersuchung bei den Ortsbehörden zu bringen, damit letz ere die Ueberführung der Gebissenen in das genannte Iusti ut veran assen können. isse 8 wrungstrasse 8 in grösster Auswahl. 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