Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Familsentreund." o 0 0 0 O O O O O O O O o o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 1s Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und ältestes Tagesorgan Alle Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbincliche Kraft, o o o o 0 o ooooo o o o Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Telegr.-Adresse Braus, Schwerte-Kuhr. o * Das kaiserliche Hanoschreiven au den Reichskanzter. an (Von unserm Berliner Bureau.) huldvolle Handschreiben unseres Kaisers# den Reichskanzler Fursten von Bülow aus Anlaß der Erledigung der Reichsfinanzreform war für weite Kreise eine große Ueberraschung. Man hatte gar nicht geglaubt, daß auch an diesem Reformwerk der Reichskanzler einen so wesentlichen Anteil hatte, da die verbündeten Regierungen bei den bezüglichen Debatten in erster Linie durch den Reichsschatzsekretär Freihern von Stengel, den preußischen Finanzminister und einigen vortragenden Räten vertreten wurden. Man hatte sich sogar gewöhnt, die ganze Reichsfinanzreform als eine „lex Stengel“ zu bezeichnen. Erst aus dem Handschreiben unseres Kaisers ist es für jedermann ersichtlich geworden, daß die Vaterschaft auch der Reichsfinanzreformvorlage dem Fürsten von Bülow gebührt. Der Reichskanzler war es, dem unser Kaiser den hervorragendsten Anteil an dem Entstehen wie dem Gelingen des für die Stellung des Reiches nach außen wie für seine innere Festigkeit und Entwicklung gleich bedeutsamen Reformwerkes zuschreibt. Als vor einigen Wochen die Marokkokonferenz von Algeciras ihre Arbeiven zum glücklichen Abschluß gebracht hatte, da wurden vielerlei kaiserliche Auszeichnungen bekannt, aber von einem besonderen Huldbeweis des Monarchen gegenüber dem Fürsten von Bülow erfuhr man nichts. Als dann wenige Tage später, am 5. April, der Reichskanzler den schweren Ohnmachtsanfall erlitt, nachdem er kurz vorher seine Reichstagsrede üben die Marokkokonferenz gehalten hatte, wurden die Stimmen laut und lauter, daß die Stellung des Kanzlers erschüttert sei. Wer tiefer sah, konnte durch derartige Manöver gewissenloser Intriguanten freilich nicht irre geführt werden; es war schon damals für jeden Einsichtigen klar, daß der Kaiser seinem ersten Ratgeber sein Vertrauen und seine persönliche Freundschaft auch nach dessen Erkrankung bewahrt habe. Der kaiserliche Besuch beim Fürsten Bülow am 3. Mai, dem Geburtstage des Reichskanzlers, ließ denn ja auch das törichte Gerede verstummen, das über den baldigen Rücktritt des obersten Reichsbeamten angeschlagen worden war. Das neuerliche Gandschreiben des Monarchen muß nun aber die verhärtetsten Zweifler überzeugen, daß das Verhältnis zwischen Kaiser und Kanzler unverändert geblieben ist. Indem das Schreiben des Kaisers das unveränderliche Vertrauen zum Fürsten Bülow bekundet, erinnert es durchaus an das inhaltsvolle„niemals“, das Kaiser Wilhelm der Erste auf einem Entlassungsgesuch des Fürsten Bismarck als Marginalbemerkung beifügte. Das deutsche Volk aber darf sich dazu beglückwünschen, daß zwischen seinem Kaiser und dessen ersten Diener so vertrauensvolle Beziehungen obwalten und eine so glückliche Harmonie der Ansichten besteht wie es nachdem Wortlaut des kaiserlichen Handschreibens tatsächlich der Fall ist. Diese Meinungseinigkeit ist ein Faktor, der für de Wohlfahrt unseres teuren deutschen Vaterlandes nicht hoch genug veranschlagt werden kann. Politische Uebersicht. Erbprinz zu Hohenlohe=Langenburg. — Berlin, 23. Mai. Die„Nordd. Allg. Zeitgung“ schreibt:„Auf Grund einer Mitteilung in der„Freien Deutschen Presse“ geht die Nachricht durch die Zeitungen, dem Erbprinzen zu Hohenlohe=Langenburg seien in seiner Eigenschaft als Vertreter des Direktors dder Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts Bezüge angewiesen worden, welche nicht nur das etatsmäßige Einkommen des Direktors der Kolonialabteilung, sondern auch das eines Staatssekretärs in der bisherigen Höhe übersteigen. Demgegenüber muß festgestellt werden, daß der Erbprinz zu HHohenlohe=Langenburg bisher lediglich eine Remuneration in der Höhe des etatsmäßigen Diensteinkommmens des Direktors der Kolonialabteilung bezogen hat.“ — Die Konsumvereine im Königreiche Sachsen. Dresden, 23. Mai. Die Zahl der dem Verbande sächsischer Konsumvereine angehörigen Vereine ist im letzten Fahre von 143 auf 155„die Zahl der Mitglieder auf 222 600 gestiegen. Der Gesamtumsatz stieg um rund 5 Millionen Mark auf fast 62 Millionen Mark. Der Bruttogewinn erreichte die Höhe 13 500000 Mayk, der Reingewinn überstieg die Summe von 7 Millionen Mark. Davon kamen an die Mitglieder 6 460000 Mark zur Verteilung. 83 Vereine werteilten mehr als 10 Prozent Dividende, einer sogar 24 Prozent. Von den Vereinen waren insgesamt 2700 Personen beschäftigt. Die zu zahlende Steuer betrug etwa 654000 Mark. Wie groß die Zahl der wirtschaftlichen Existenzen ist, die durch die Konsumvereine ihre Selbständigkeit verloren haben, bedarf keiner besonderen Hervorhebung. Beileidstelegramm des Reichskanzlers. Berlin, 23. Mai. Der Reichskanzler hat an die Witwe des Reichstagsabgeordneten Grafen Reventlew folgendes Beileidstelegramm gerichtet:„Schmerzlich berührt durch die Nachricht won dem Hinscheiden Ihres Herrn Gemahls bitte ich Sie, den Ausdruck meiner herzlichen Teilnahme entgegenzunehmen. Sein temperamentvolles Auftreten im Reichstage werde ich ebenso vermissen, wie sein im Dienste des Vaterlandes auf das Höchste gerichtete Streben.“ — Reichstagsersatzwahl erforderlich. Durch den Tod des Grafen Reventlow ist eine Reichstagsersatzwahl im ersten Hessen=Nassauischen Wahlkreis RintelnHofgeismar=Wolfhagen notwendig geworden. Der Wahlkreis ist seit dem Jahre 1890 im Besitze der deutschen Reformpartei und dürfte ihr auch jetzt wieder zufallen. Bei der letzten Wahl erhielt in der Stichwahl die deutsche Reformpartei 9543 Stimmen, die Sozialdemokratie 4030. Bei der Hauptwahl hatten die Nationalliberalen 2154, die Sozialdemokraten 3488 Stimmen erhalten. Das Urteil im zweiten Schopenstehl=Prozeß. —Hamburg, 23. Mai. In de mzweiten Prozeß wegen Wahlrechtsbundgebungen am 17. Januar, der vorgestern vor der hiesigen Strafkammer begann, wurde heute das Urteil verkündet. Von 20 Angeblagten wurden 7 freigesprochen. Einer erhielt 2 Tage Gefängnis. Die übrigen wurden zu Strafen von 3 Monaten bis zu einem Jahr und 4 Monaten Gefängnis unter Anrechnung von 3 Monaten auf die Untersuchungshaft verurteilt. Frankreich baut 18000 Tonnen=Panzer. Pars, 23. Mai. Der Marineminister erteilte der Kriegswerft in Brest den Befehl, mit dem Bau des Panzerschiffes„Danton“ zu beginnen. Das Schiff, das erste nach dem Programm von 1905 zu beginnende, soll 18000 Tonnen Gehalt,22000 Pferdekräfte haben, die eine Geschwindigkeit von 19 Knoten ergeben sollen. Ausgerüstet wird es mit vier Geschützen von 355 Millimetern, 12 Turmgeschützen won 240 Millimetern, 16 Geschützen von 75 Millimetern und 47 lleichteren Geschüten, sowie zwei Unterseetorpedokanonen. Ein deutscher Konsul ermordet. New=Orleans, 23. Mai. Der deutsche Vize=KonDie Schönheit von Roman von Bogumil von Czartorski. 32 Nach beendeter Arbeitsstunde hatten die jungen Mädchen die reiheit, sich sofort zurückzuziehen; während des gemeinschaftichen Weges zu ihren Zimmern gesellte die Dunkelhaarige sich vie zufällig zu Liska. „Willst Du noch einige Minuten bei mir eintreten?“ fragte se freundlich.„Meine Tür liegt der Deinigen gerade gegenber. Liska antwortete nur durch einen leuchtenden Blick, aber sie rgriff schnell und fest die ihr entgegenkommende Hand der anheren, und so traten beide Mädchen miteinander in das kleine bemach. Der erste, flüchtige Rundblick schon zeigte Liska, daß ihre neue Gönnerin keineswegs luxuriöser eingerichtet war als sie elbst; jedes Stück des Meublements glich dem ihren, aber es stand alles anders; es lag ein Duft von Anmut über dem kleinen Raume, dessen wohltuende Wirkung die Gärtnerstochter empfand, ohne sich über das Warum ihres Gefühls klar zu wer„Setze Dich,“ sagte ihre junge Wirtin, zwei niedrige Stühle Bur Reibtcisa Schlasenszeit = glige Liska, nicht wahr, Liska v. Ruck?“ Die Gefragte bejahte.„Aber es ist nicht der Name, auf den ich getauft bin," setzte sie freimütig hinzu.„Mein Oheim, der mich an Kindesstatt angenommen, gab ihn mir.“ „Der liebenswürdige Herr, welcher Dich bei uns einführte, nicht wahr?" Ich sah ihn nur flüchtig, aber sein Aeußeres erschien mir sehr sympathisch. Du hast mir schon lange zu denken gegeben, Liska, und diesen Abend wurdest Du durch meine Blicke einigermaßen in Verlegenheit gesetzt, wie mir schien. „Ich bemerkte Ihre Blicke, ich fand sie aber nicht störend.“ „Es ist Dir bekannt, daß wir einander hier mit den Du und einfach beim Namen nennen sollen; danach mußt auch Du Dich richten. Ichheiße Heloise.“ „Das ist kein deutscher Name, nicht wahr?“ „Nein. Meine Mutter, von der ich ihn erbte, stammte aus der schönen, liederreichen Provinz. Aber davon will ich Dir heute nichts erzählen. Sage, Liska, könntest Du nicht ein wenig Vertrauen haben zu mir? Du bist auch interessant für mich; denn Du gleichst nicht den anderen.“ Liska errötete; denn sie sah in den Worten eine Hindentung auf ihre niedrige Herkunft; aber das erzürnte sie nicht; sie fühlte sich nur gedemütigt. „Ich bin nicht wie die anderen!“ wiederholte sie,„und es fällt mir sehr schwer, hier zu sein, wo alles so anders ist, als daheim. Ich finde es trübselig in der Welt.. nur nicht in Rembrow!“ „In der Welt!“ wiederholte Heloise mit einem kleinen, belustigten Lachen.„In der Tat, meine kleine Liska, Du tust Madame zu viel Ehre an, diesem großen Vogelbauer, worin sie uns gefangen hält, den stolzen Namen Welt beizulegen. Du kenust die Welt noch garnicht, kleine Sonderbare!“ „Ich glaube nicht, daß sie mir gefallen wird, Heloise. Diese Menschen sind alle so verschieden von denen daheim, wo man mich so liebte, wo es war, als sei jedermann um meinetwillen da!"„ c nast „Du bist eine kleine Romanheldin, Lisca, das weiß ich tungst. Madame deutete bei Deiner Ankunft geheimnisvoll darauf hin, daß irgendwo eine glänzende Zukunft auf Dich wartet. Und diesen Abend während der Arbeitsstunde blicktest Du so stolz über uns alle hin, als bestehe diese glänzende Zukunft in nichts Geringerem als in einer Königskrone!" Es ist, wie ich dachte! Sie liest in den Seelen! sagte Liska erschrocken zu sich selbst, während Heloise ruhig fortfuhr:„Aber bisweilen blicken Deine Augen auch bitter traurig, und in solchen Momenten befand ich mich schon oft nahe daran, Dich nach der Ursache der zurückgedrängten Seufzer und Tränen zu frage. „Ich weiß sie bisweilen selbst nicht. Ich fühle mich so fremd hier und so verlassen. Es wird mir schwer, oft unmöglich, zu lernen, zu begreifen, was man von mir verlangt, und niemand in meiner Umgebung behandelt mich, wie die Menschen daheim es taten! Sie sehen mich scheu, mißtrauisch an! Und sie würden es nicht tun, wenn ihnen bekannt wäre... „Du bist doch nicht etwa wirklich eine verzauberte Prinzessin, Liska, oder dergleichen?“ fragte Heloise, ihr schönes, ernsthaftes Antlitz vorneigend, und Liska meinte in dieser Frage eine Nuance von Spott zu entdecken. Das machte sie wärmer und eifriger. „Ich bin ein einfaches Mädchen, heute noch aber ich werde eines Tages eine Gräfin!" sagte sie in ihrer kindischen, trotzigen Art;„vornehmer als die meisten, die es jetzt verschmähen, mit mir zu sprechen, und wohl ebenso vornehm wie Du. Mein Verlobter kann mir jeden Wunsch erfüllen.“ „Ich werde ganz glücklich sein, wenn ich erst dieses häßliche Haus in der großen, staubigen Stadt verlassen habe.“ Etwas in dem nachdenklichen Gesicht ihrer Gefährtin veranlaßte sie zu dem Nachsatz:„Du glaubst mir doch, Heloise?" „Sicherlich. Dein ungewöhnliches Schicksal gibt mir zu denken. Ich wollte, ich wüßte genau, wie die Verhältnisse liegen.“ „Vater und der Graf wünschen es nicht, daß ich darüber spreche, hier in der Welt draußen.. dennoch möchte ich Dir alles mitteilen, Heloise. Ich werde es!“ Die junge Aristokratin nahm das ihr zugeneigte, reizende Haupt der Gärtnerstochter in ihre schmalen Hände und zog es näher zu sich, um Liskas Lippen zu küssen.„Deine Augen sind die schönsten, aufrichtigsten der Erde, Liska! Sie verraten, daß Du ein treues Herz hast!“ Diese Worte, so einfach an sich, riefen Tränen in Liskas Augen.„Ich glaube nicht, Heloise! Ich fürchte, es ist mir nicht ganz klar, was treu sein bedeutet,“ erwiderte sie in bekümmertem Tone.„Aber horch! die Bettglocke! Wir müssen uns trennen.“ „Für heute allerdings. Aber morgen ist Sonntag, da gehören uns die stillen Nachmittagsstunden. Wenn Du nicht anderen Sinnes wirst, Liska, so höre ich dann Deine Geschichte. Liska erwiderte mit leidenschaftlicher Zärtlichkeit den Gutenachtkuß ihrer neuen Freundin. Sie erschien ihr überirdisch schön und gütevoll, und sie betrat mit einem Gefühl ihr Zimmer, als könne das wunderbare Erlebnis dieses Abends nicht mehr als ein Traum sein, der beim Morgengrauen davon geflogen sein würde, wie so manches glänzende Bild, das der Schönheit von Rembrow in mondhellen Nächten erschien, als sie noch auf dem schlichten Lager des Gärtnerhauses ihre märchenhaften, oft kindischen Träume träumte. „„ 138,20 Die schöne, edelherzige Heloise hatte von jeher eine Vorliebe für Romanhelden und romantische Lebensgeschichten und war geneigt, solchen Menschenkindern, die etwas wie ein Romankapitel erlebt hatten und mit Empfindung darüber zu sprechen wußten, einen besonderen Teil ihrer Gunst zuzuwenden. 0 sul Cannich ist in Bocas del Toro von einem Eingeborenen mamens Meier ermordet worden. Cannich saß in einem Restaurant mit dem Konsul Beckmann und anderen Herren. Meier eröffnete das Feuer, ohne jemand zu warnen, indem er laut rief, daß er den Konsul Beckmann zu töten beabsichtige. Der Mörder wurde von der Polizei verhaftet, die Mühe hatte, ihn vor der Lynchjustiz zu schützen. Eine amtliche Nachricht hierüber liegt noch nicht vor. — Was der deutsche Reichstag von uns weiß. Unter dieser Ueberschrift„will die in Tanga erscheinende „Usambara Post“ständig bemerkenswerte Aussprüche von den Reichstagsabgeordneten bei den Kolonialdebatten mit kurzen Bemerkungen veröffentlichen. Der Nr. 24 der Zeitung vom 21. April entnehmen wir folgende Ausführungen, die es wert sind, den weitesten Kreisen bekannt zu werden. Der„Genosse" Ledebour hatte im März im Reichstage u. a. gesagt:„Durch die Kolonial= politik wird die Bestialisierung in ein Volk hineingetrieben. Dazu bemerkt das Blatt: Nun hören Sie eine ernste Sache, Genosse! Als ein alter Afrikaner, der Oberleutnant Graf Fugger im Jahre 1904 in Kamerun friedlich vor seinem Zelbe sitzend von dem Giftpfeile eines schleichenden Mordbuben— in Ihrem Sinne gewiß keiner Bestie— getroffen worden war und die Wache an die Gewehre eilte, winkte der Graf ab und sagte zu seinem Unteroffizier:„Lassen Sie nicht schießen, der Mann wußte nicht, was er tat.— In einer halben Stunde bin ich tot. Unter jenem Baum will ich begraben sein!“ Dann nahm er mit der letzten Kraft seiner erkalteten Hand schriftlich Abschied won seinen Eltern und seiner Braut. Und ehe er verschied, befahl er noch:„Unteroffizier, melden Sie an die Kompagnie, daß nur das Verbrechen eines Einzelnen vorliegt, man soll den Stamm nicht strafen, an Unschuldigen will ich nicht gerächt sein. Und unter jenem Baume begrub man ihn.—— Merken Sie es sich, Herr Ledebour, ein Graf Fugger wiegt hundert Kannenberge auf, und nicht nur Bestien, bis zu denen ihr Erkenntnisvermögen reicht, sondern Helden von antiker Seelengröße entsprießen den großen Verhältnissen, in denen wir leben und weben. Was seid Ihr armen Schächer gegen solche Männer? Drei Tage zerrt Ihr am Kannenberg herum und des Fuggers gedenkt niemand. er auch diesmal noch verschont bliebe, gleichwohl bei nächster Gelegenheit die Abkehr; auch mag die dem heutigen Bergarbeiterstande eigene Wanderlust hierbei mitgesprochen haben. Dies bewirkte unmittelbar noch keinen Arbeitermangel. Inzwischen aber sind die Aufträge sehr gestiegen. Verschiedene junge Industvien, die sich im Aufblühen befinden, sind es, die in erster Reihe eine Zunahme des Kohlenverbrauches heworrufen. Andererseits nehmen diese und andere Industrien dem Bergbau auch Arbeitskräfte weg, vor allem die Eisenindustrie. Ein frappanter Beleg hierfür ist, daß die Firma Krupp jetzt 13000 Arbeiter mehr beschäfigt, als vor einigen Jahren, und zwar machen einen großen Prozentsatz davon, wahrscheinlich mehr als die Hälfte, die Bergleute aus. Mit den dargeleg ten Umständen wollen die Zechen es rechtfertigen, daß nuerdings wieder im steigenden Maße ausländische Bergleute angenommen werden. Die großen Städte des Ruhrreviers, wie Dortmund, Bochum, Herne, Gelsenkirchen bekommen, was ihre Arbeiterbevölkerung anbelangt, beinahe einen internationalen Charakter, und in einigen kleineren Städten ist die Möglichkeit, daß sie nach einer Anzahl von Jahren eine polnische Bevölkerungsmehrheit haben werden, sehr groß, wenn die Praxis der Zechen dieselbe bleibt. Die gesellschaftlichen und nationalen Wirkungen dieser Verschiebungen wird niemand als erwünscht bezeichnen können. Deutscher Reichstag Am Mittwoch wurden die Militärgesetznovellen endgiltig angenommen. Die Vorlage betreffend die Verwendung weißer Soldaten auch in Ostafrika usw. wurde gemäß der ablehnenden Haltung der Reichstagskommission von der Regierung zurückgezogen. Es folgte die dritte Lesung des Reichshaushalts. Abg. Bassermann(ntl.) wünschte baldige Fertigstellung des Gesetzes über die Berufsvereine und der Strafprozeßordnung, dankte für die Diäten und äußerte sich über die auswärtige Politik. Die auswärtige Lage habe sich für uns verschlechtert, ob die Goluchowski=Depesche notwendig war, wage er nicht zu entscheiden. Staatssekretär des Auswärtigen v. Tschirschky erklärte, für das Telegramm übernehme der Reichskanzler gern die Verantwortung. Eine Verständigung zwischen Rußland und England dürfte, wie anzunehmen sei, die deutschen Interessen nicht schädigen. Italien habe erklären lassen, daß es am Dreibund festhalte. Die Wiener Reise Kaiser Wilhelms solle lediglich die freundschaftlichen Gefühle für den hohen Verbündeten zum Ausdruck bringen. Zu Kundgebungen gegen Italien und Ungarn liege kein Grnd vor. Die deutsch=englische Preßfehde sei erfreulicherweise vorüber. Auf alle Fälle werde sich aber die deutsche Politik selbst vertrauen. Abg. Bebel(Soz.) nahm noch einmal zu den neuen Steuern Stellung, wobei er sich besonders gegen die Nationalliberalen wandte, stellte die Flotten= und eeresinteressenten als Haupthetzer und die Sozialisten als Friedensfreunde hin. Staatssekretär Graf Posadowsky erwiderte, daß sich Rußland schon beschweren werde, wenn es glaube, ihm sei Unrecht geschehen. Die Vorlage wegen der Berufsvereine werde bestimmt im Herbst vorgelegt werden. Verschiedene Etats wurden erledigt. Weiterberatung am Freitag. Abgeordnetenhaus. Die Schulvorlage wurde am Mittwoch weiterberaten. Eine längere Erörterung entstand bei den Bestimmungen über die konfessionellen Schulverhältnisse, wozu Abänderungsanträge der Freisinnigen und des Zentrums vorlagen. Abg. Funck(fr. Volksp.) sprach gegen die Konfessionsschule während Abg. Dr. Friedberg(ntl.) ausführte, daß es kein libevaler Standpunkt sei, diese Schulart zu unterdrücken. Der Redner war ebenso wie die Abgg. v. Heydebrand(kons.) und Frhr. v. Zedlitz (frkons.) für die Kommissionsbeschlüsse. Abg. Dr. Porsch(Ztr.) befürwortete die Anträge seiner Partei auf Beseitigung der Simultanschulen. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 25. Mai. Arbeitermangel und Ausläuderzuzug im Ruhrrevier. Im Ruhrrevier herrscht aus werschiedenen Ursachen gegenwärtig Mangel an Arbeitskräften für den Bergbau. Nach dem letzten großen Streik im vorigen Jahre erfolgte eine„Sperve“, d. h. die am Ausstande stärker beteiligten Arbeiter wurden von der Mehrzahl der Zechen nicht wieder beschäftigt. Diese Maßnahme der Sperre hat eine weiter gehende Wirkung gehabt, als ihre Urheber wünschten. Mancher, der nicht einmal bestimmt wußte, ob die Sperre auch ihm galt, verzog doch alsbald, da er denken mochte, es drohe ihm, wenn ***(Der Himmelfahrtstag) ist inbezug auf die Ausflüge gewissermaßen die Generalprobe zum Pfingstfeste, vorausgesetzt natürlich, daß das Wetter sich hält, wie es das gestern erfreulicherweise getan hat. begann denn gestern schon in der Morgenfrühe auch in unserer Stadt ein eifriges Leben. Schon früh kamen Ausflügler zu Fuß, den Rucksack auf dem Nacken, hier durch, mir Pfeifen und Trommeln kam ein Trnverein fröhlich daher marschiert, andere Ausflügler waren zu Rad und das benachbarte Dortmund lieferte ganze Wagenladungen, die„Elektrischen“ waren schon morgens besetzt und die unvermeidlichen Parfümwagen, Automobil zu deutsch„Töff=töff“ genannt, sehlten gleichfalls nicht, aber die Insassen hatten garnicht viel Ursache, etwa geringschätzig auf ihre„nur" zu Fuß wandernden Mitmenschen herabzusehen, denn den schönsten und innigsten Genuß hat man doch von Gottes freier Natur, wenn man auf Schusters Rappen sie durchzieht. Nun wollen wir hoffen, daß wir vom gestrigen Tage in punkto(Wetter auf ein sonnenscheindurchflutetes lichtes Pfingstfest schließen dürfen. *r(Liberale Versammlung.) Am Dienstag abend fand hier unter der Leitung des Herrn Justizrat Backhausen und unter Anwesenheit des Herrn Generalsekrettärs Zabel aus Dortmund eine eingehende Besprechung statt, die der Reorganisation der nationalliberalen Partei in unserer Stadt galt. Die Aussprache war sehr lebhaft und förderte viele beachtenswerte Gesichtspunkte zutage, die der Sache nur zum Nutzen gereichen können. Mit Eintritt des Herbstes soll alles getan werden, was zur erfolgreichen Belebung des Parteigedankens notwendig ist. An einer konsequenten Durchführung dieser Absicht wird es sicherlich schon deshalb nicht fehlen, weil sich eine Reihe von tatkräftigen Parteifreunden als besonderer Arbeitsausschuß dem Vorsitzenden zur Verfügung stellten, dieser also zu einem er“ heblichen Grade von der Arbeitslast, die sein Amt mitbringt, befreit werden wird. *r(Spielkurse.) In diesem Jahre werden wieder zur Förderung der Volks= und Jugendspiele Spielburse abgehalten und zwar in Haspe vom 28. Mai bis zum 2 Juni unter Leitung des Herrn Realschuldirektors Dr. Neuendorff daselbst und in Bielefeld in der Zeit vom 27. Mai bis 2. Juni unter der Leitung des Herrn Oberturnlehrers Schmale daselbst. **(Gesangübung für das Provinzial=Gustav=Adolf= Fest! Den Mitgliedern der Parochial=Lehrer=Konferenz für Schwerte und Umgegend zur gefl. Mitteilung, daß am morgigen Samstag, nachmittags 4 Uhr im Ostermannschen Saale eine Gesangübung mit nachfolgender Probe in der Kirche stattfindet. **(Die Kampfgenossen=Vereinigung) unternahm gestern nachmittag mit ihren Damen und der Jugend einen Ausflug nach Wellenbad Geisecke, der auf das trefflichste verlief. In gemütlichem Tempo wanderte die Kolonne durch das herrliche sonnenbeglänzte Tal, über die leise schaukelnde Hängebrücke und nahm unter den hohen schattigen Bäumen Platz,wo der Kaffee eingenommen wurde. Immer wieder berührt uns der innige, fast familiäre Zusammenhang, der bei den Kampfgenossen herrscht, auf das allerangenehmste. War's doch auch gestern wieder, als sei es eine einzige große Familie, die dort in trauter Harmonie an den Tischen Platz genommen hatte. Hernach wurde ein Faß Bier angeschlagen und alle Teilnehmer erhielten ein däftiges Butterbrot. Und das alles— das war das Schöne dabei— zahlte die Vereinskasse. Bald herrschte frohe angeregte Stimmung und frohe Lieder ertönten, zur Erhöhung der Stimmung trug Herr Rehage jr. einige plattdeutsche Sachen wor und so flossen die Stunden gar schnell dahin. Das Kaiserhoch brachte Herr Schmidt aus. Die alten Kämpen sind alle noch so gut zu Fuß, daß man auch wieder zurückwanderte, quer durch sogar, übek Zäune und Bäche, wobei HHerrn Schulte=Höppe noch eine Serenade gebracht wurde. Gegen 12 Uhr traf der ganze Trupp wieder hier ein, des Lobes voll über den schönen Nachmittag, über das herrliche Fleckchen Erde, das das Ziel des Ausflugs gewesen war, und über die ausgezeichnete Bewirtung dort. Wir können tatsächlich für kleinere Ausflüge auf das Wellenbad mur empfehlend hinweisen. (!)(Das gestrige Militärkonzert am Freischütz) fiel aus, da die Kapelle der 8. Paderborner Husaren, die wahrscheinlich die Abfahrt wersäumt oder über die sonst plötzlich anderweitig verfügt war, ausblieb. Das Morgenkonzert der„Ruhrtaler Sänger=Vereinigung“, deren Programm zwölf Nummern aufwies, war von nur reichlich 100 Personen besucht. Der ziemlich starke Wind erschwerte das Singen im Freien, und das größere Publikum scheint diesem hierselbst bisher unbekannten Genusse gesanglicher Darbietungen am frühen Morgen doch noch und mit Recht abwartend gegenüber zu stehen. Zu dem Ausfallen des Nachmittagskonzerts teilt uns Herr Straetmanns noch mit, daß das Konzert perfekt abgeschlossen worden sei; ihm sei das Ausbleiben der Kapelle ganz unverständlich. Selbstverständlich werden die Vorverkaufskarten zurückvergütet und behalten auch Gültigkeit bis zum nächsten Militärkonzert. ::(Der Freischütz als Ausflugsort.) Am Mittwoch Nachmittag trafen sechs= bis siebenhundert Eisenbahner der Vereine Altena, Werdohl, Letmathe und Hohenlimburg per Extrazug auf unserer Station ein und marschierten unter den Klängen einer eigenen Kapelle zum Freischütz. Die größere Hälfte der Vereine, reichlich tausend Personen, haben sich für den übermorgigen Sontag angemeldet. Die Rückfahrt erfolgte um 9 Uhr abends.„ 6 (:)(Brand in der Straßenbahn.) Gestern aoend zwischen 7 und 8 Uhr geriet ein dicht besetzter Straßenbahnwagen, aus der Richtung von Schwerte kommend, kurz vor der Haltestelle am Freischütz in Brand. Der Wagen wurde alsbald zum Stehen gebracht und das Feuer durch einige Eimer Wasser gelöscht; ein Unfall der erklärlicherweise in riesigen Schrecken versetzten Fahrgäste ist zum Glück nicht vorgekommen. *s(Bahnpersonalie.) Der Zugführer Riegelmeier von hier ist zum 1. Juni nach Düsseldorf=Derendorf versetzt. ***(Diebstahl.) Dem an der Hörderstraße wohnenden Telegraphenassistenten Herrn H. wurde ein Paar Hosen im Werte von zwanzig Mark aus der Waschküche gestohlen. Von dem Täter fehlt jede Spur. *(Unfälle.) Der Schüler Fritz Steden fiel von einem Wagen und zwar so unglücklich auf daß er innere Verletzungen erlitt und sich einer Operation unterziehen muß.— Das Dienstmädchen des Herrn A. Östermann wollte am Mittwoch abend eine Gaus absengen. Hierbei fingen die Kleider de Mädchens Feuer, und ist es nur der Hilfe des sofort herbeigeeilten Wirtes Fröhling, der nasse Säcke um das Mädchen schlug, zu verdanken, daß das Mädchen mit einigen kleinen Brandwunden davonkam. (Eine Flegelei) begingen am Montag Abend Arbeiter einer Firma aus Duisburg, welche hier die Eisenkonstruktion an der Bahnunterführung am Holzener Wege liefert. Der Pater Arndt, welcher zurzeit die Mission hier in der katholischen Kirche abhält, begab sich in Begleitung des Küsters Enste zu einem am Holzener Wege wohnenden Kranken, um diesen die Sakramente zu spenden. Als der Herr Pater mit seinem Begleiter unter die Unterführung kamen, tönten ihnen von dem Chorus der oben genannten Arbeiter gemeine und höhnende Worte entgegen und zwar so laut, daß weitab stehende Leute sie vernahmen. Anscheinend sind die Burschen in solchen„Leistungen“ groß. Jedenfalls sozialdemokraische„Erziehung“. **(Warnung.) In mehreren Zeiungen ist in letzter Zeit wiederholt eine Annonze mit der Ueberschrift„Gratis an Fettleibige“ und der Abbildung eines korpulenten Paares erschienen, in der die„AnticeltaAssociaion 62,Chanery London W. C.“ eine Gratisprobe ihrer„Anticelta=Tabletten“ gegen Fettleibigkeit anbietet. Der Gratisprobe liegt dann ein Schreiben bei, in welchem dem Besteller angebündgt wird, daß der Spediteur der Firma in Paris, um Portoauslagen und Zeitverlust zu sparen, sofort eine Portion Tabletten abgesandt habe, wofür 10 Mark 20 Pfennig Nachnahme erhoben werde. Für letzteren Betrag erhält man 70 bis 90 Stück weiße Plätzchen, die im wesentlichen aus doppelkohlensaurem Natron(Bullrichs Salz) bestehen. wie sie in jeder hiesigen Apotheke für geringes Geld zu haben sind. Es ist selbstverständlich, daß die Plätzchen die ihnen beigelegte Wirkung auf die Fettleibigket nicht ausüben können. Vor dem Bezug dieser teuer bezahlten Tabletten, deren Anpreisung eine Ausbeutung des Publikums enthält, wird dringend gewarnt. Westfalischer Landgemeinbelag. Münster, 22. Mai. Heute und morgen findet hier die erste gemeinsame Tagung der drei Landgemeindentage der Provinz Westfalen statt. Der Verhandlung wohnten u. a. bei der Regierungspräsident von Gescher, sowie ein Vertreter des Oberpräsidenten und je ein Vertreter der Regierungspräsidenten von Minden und Arnsberg, sowie Landrat Gerstein=Bochum. An den Kaiser wurde folgendes Telegramm gesandt:„Ihrem Herrscher, dem Friedensfürsten und rastlosen Förderer Deutschlands Macht und Größe, bringen aus dem historischen Rathause Münster in treuer Liebe sund unwandelbarer Ergebenheit ehrfurchtsvollste Grüße die zu gemeinsamer Tagung versammelten Landgemeindetage der drei westältschen Regierungsbezirke, Soisggchunge, Ehrenamtmann.“ Von den früheren Lande h#p#mannern der Provinz Westfalen, Wirkl. Geh. Oberregierungsrat Overweg=Berlinund Unterstaatssekretär Holle=Berlin Zum Schluß der Sitzung hielt Geh. Justizrat Dr. Zorn=Bonn einen einstündigen Vortrag über die „Landgemeinden im Osten und Westen der Preußischen Monarchie". Redner bezeichnete die Aemter und Bürgermeistereien des Westens als die Kommunalverbän de, in denen mehr und mehr der Schwerpunkt der obrigkeitlichen Verwaltung überhaupt, als der Staats= und Selbstverwaltung liegt. In der Bildung der Landgemeindetage liegt die Lösung des großen Problems, das darin besteht, die Schwäche und Leistungsunfähigkeit der kleinen Landgemeinden zu überwinden. Redner schloß mit den Worten:„Gott wolle diese Arbeit gesegnet sein lassen für Ihre Gemeinden, für Ihre schöne so alt und echt deutsche Provinz, für unsern preußischen Staat, daß er auch darin, wie in so vielem und großem, Führer und Wegweiser deutscher Zukunft sei, und für unser ganzes geliebtes deutsches Vaterland, daß es innerlich stark bleibe und immer stärker werde zum Abwehr, wenn es not tut, von äußeren Gefahren, vor allem aber zur Abwehr des verbrecherischen Unsinns, der heute wie ein unbgreiflicher Giftstrom durch die Adern unseres Volkes geht und unsere heiligsten Güter mit Vernichtung bedroht.“ Nach der Sitzung fand ein Rundgang durch Münster und am Abend geselliges Beisammensein im Hotel Moormann statt. Münster, 23. Mai. Die zweite und Schlußsitzung der diesjährigen Tagung wurde um 9,30 Uhr vormittags im Rathause eröffnet. Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen des Vorsitzenden, Ehrenamtmannes Schulz=Henne hielt Amtmann Schnitzler=Gescher den ersten Vortag über die Pflicht des Staates an der Mitunterhaltung der Schulen. Unter Zugrundelegung des Schulgesetzentwurfs erörterte er das zu der Unterhaltungspflicht des Staakes in engster Verbindung stehende Anrecht desselben auf Ordnung und Beaussichtigung des Unterrichts sowie auf Vorbildung und Anstellung von Lehrpersonen. In den weniger leistungsfähigen Gemeinden, namentlich auf dem Lande, müsse der Staat die Schularbeit unterstützen, besonders da durch die Bemühungen der leistungsstarken industriellen Gemeinden um hochmoderne Schulhausbauten sund Lehrerwohnungen sowie steigende Gehälter die Landflucht der Lehrer veranlaßt werde, sodaß eine ordentliche Entwickelung der ländlichen Schulen und eine Stabilität in der Lehrerschaft verhindert wird. Abhülfe soll dadurch geschaffen werden, daß entsprechend dem gesetzlich festgelegten Mindestgehalt auch eine höchste Grenze der Besoldung bestimmt und ausreichende Summen zun fortlaufenden Unterstützung schwacher Gemeinden ausgesetzt werden. Amtmann Beckermann=Eickel beantragt Annahme einer Resolution, daß dder Staat allen Gemeinden eine höhere Dotation für die Unterhaltungskosten der Volksschule zuwende. Die Resolution wurde einstimmig angenommen.„ 8B. 4m Dann verbreitete sich umtmann Beclenmann üver das Thema:„Taxwesen“ und seine Bedeutung namentlich für Feuerversicherungen, Beleihungen, Enteignungen, Bergschädenreparaturen. Auseinandersetzungen, Prozesse usw. Unter ausführlicher Begründung fordert Redner Einrichtung besonderer, einheitlich geregelter staatlicher Taxämter, durch die mancherlei Uebelständen würde abgeholfen werden können. Im Sinne seiner Ausführungen will der Landgemeindetag bei den betr. Ministern vorstellig werden. Nach kurzer Debatte, in der das Vorgehen der Privatversicherungsgesellschaften gegenüber der Provinzialfeuersozietät scharfer Kritik unterzogen wurde, wurde dem Antrag zugestimmt. Bei dem Punkte: Anträge aus der Versammlung beantragte Amtmann=Busch=Bork, daß die Vorstände der Landgemeindetage intensiv auf eine Aenderung der §§ 50 und 76 der Kreisordnung für die Provinz Westfalen hinarbeitete, damit die Amtmänner wählbar für die Kreisausschüsse und den Provinziallandtag würden. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Es wurde sodann ein Beschluß gefaßt, alle zwei Jahre eine gemeinsame Tagung der drei westfälichen Landgemeindetage für die Regierungsbezirke Minden, Münster und Arnsberg abzuhalten. Als Ort der Tagung 1908 wurde Minden festgesetzt. Zum Schluß der Tagung hielt Dr.=Ing. Arelt von der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft Berlin einen Vortrag über Versorgung der Landgemeinden mit elektrischer Energie. An der Hand von Lichtbildern zeigte der Vortragende die vielfache Verwendung der Elektrizität und sprach die Hoffnung aus, daß die Elektrizität auch auf dem Lande sich noch ausbreiten möge. Mit einem Festessen um 1 Uhr schloß die Sitzung. Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 23. Mai. Bei den Ausschachtungsarbeiten an einem Neubau an der Ostseite des Marktes wurde eine große Anzahl von Silbermünzen aus dem 15. Jahrhundert gesunden. * Dortmund, 23. Mai. Auf Zeche Borussia wurden heute vier Bergleute verschüttet. Ihr Schicksal ist noch nicht bekannt. * Dahl, 23. Mai.(Kaninchenplage.) Die Landwirte in der Umgebung unseres Ortes klagen sehr darüber, daß ihnen die Kaninchen viel verderben. In Rudeln treten diese auf und fressen Klee= und Roggenfelder kahl. Besonders schlimm ist es im Deipenbrinker Bezirk. Obgleich sich schon Landwirte an die Jagdanpächter gewandt haben, geschieht doch von dieser Seite nichts, um dem Uebelstande abzuhelfen, und Selbsthilfe wird ihnen nicht gestattet. Wie man hört, wollen die Geschädigten sich an die Behörde wenden, und sich von dort Hilfe erbitten. * Hamm, 23. Mai.(Turmbau.) Der einem Aufruf zur Jubelfeier der Grafschaft Mark deren 300jährige Zugehörigkeit zu BrandenburgPreußen im Jahre 1909 festlich begangen werden soll, vor, einen monumentalen Turm nach Art marcktürme im Dorse Mark bei Hamm, des früheren Stammsitzes der Grafen von der Mark, zu errichten. * Fröndenberg, 23. Mai.(Einbruchsdiebstahl.) In der vergangenen Nacht brachen DDiebe in das Uhrengeschäft Thelen hierselbst ein. Anscheinend sind sie durch ein offen stehendes Fenster in den Ladenraum gedrungen, woselbst sie ca. 50 goldene Herrenund Damenringe, 30 Uhrketten, 6 Halsketten, sowie den ganzen Reparaturvorrat an goldenen und silbernen Uhren im Gesamtwerte von ca. 6—700 Mk. entwendeten. Von den Dieben fehlt bis jetzt jede Spur. Sie müssen sehr worsichtig zu Werke gegangen sein, da die im Hause schlafenden Personen nichts demerkt haben. n * Milspe, 23. Mai.(Als ein ungetreuer Arbeitgeber) und Landsmann hat sich der Tiefbauunternehmer Gherliinzoni(Italiener) von hier erwiesen. Ihm waren an der Kirchstraße Ausschachtungsrarbeiten übertragen und hatte er einen größeren Betrag(über 2000 Mark) ausbezahlt erhalten. Mit diesem Gelde ist er gestern von hier verschwunden, ohne seinen Arbeitern den schuldigen Lohn zu zahlen. sind zirka 15 Arbeiter, die insgesamt eine Forderung von etwa 500 Mark an G. haben, ldie nun aber um ihren sauer verdienten Lohn gekommen sind. * Gelsenkirchen, 23. Mai.(Ein tötlicher Unfall) stieß dem neunjährigen Sohn des Bergmanns Grabowski im angrenzenden Erle am gestrigen Tage zu. Den Junge befand sich in den Schmiede des Schmiedemeisters Bettentrup und lehnte sich an ein schweres Wagenrad. Plötzlch stürzte dasselbe um und mt solcher Wucht auf das bedauernswerte Kind, daß es sofort erschlagen wurde und als Leiche vom Platze getragen werden mußte. Der Vater des Knaben ist ob des Unfalls schwer erkrankt. * Düsseldorf, 23. Mai.(Die hiesige Strafkammer) verurteilte den Obertelegraphenassistenten Karl Presser von hier wegen Kuppelei zu sechs Wochen Gefängnis. Eine mitangeklagte Dienstmagd wurde von der Anklage des Vergehens gegen den§ 218 Str.= G.=B. freigesprochen. * Homberg, 23. Mai.(Genickstarre.) Hier starben im Krankenhause an Genickstarre die seit vier Wochen erkrankte Ehefrau Zimmer aus Scherpenberg und das vor einigen Tagen erkrankte Kind des Bergmanns Müller aus Hochheide. Zwei neue Erkrankungen gelangten zur Meldung. * Hamborn, 23. Mai. Die in der Mordsache des Landwirts Tenter aus Walsum verhafteten Arbeiter haben vor dem Untersuchungsrichter in Duisburg nach langem Leugnen eingestanden, die Tat begangen zu haben. werke Beier u. Co. in der Zeit vom 8. September 1905 wegen gemeinsamen tätlichen Angriffs auf einen Vorgesetzten zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er führte sich in Köln gut, und ein Gnadenakt erließ ihm nach zweieinhalb Jahren den Rest der Strafe. Kaum hatte er die Freiheit wiedererlangt, als er in leichtfertiger Weise sich wieder an einem Vorgesetzten vergriff. Um der Sühne zu entgehen, versuchte er zwei Kameraden zu überreden, günstig über ihn auszusagen. Das Gericht verurteilte ihn wegen beider Verbrechen zu dreieinviertel Jahren Zuchthaus. Es waren zweieinhalb Jahre Zuchthaus beantragt. Kleine Chronit. Berlin, 23. Mai. Die Fürstin Wrede ist heute mit ihrem Gatten in Berlin eingetroffen und wird sich in einigen Tagen in ein Sanatorium begeben, das in der Nähe von Berlin liegt. Hamburg, 23. Mai. Bei Hornslet unweit Flensburg wurde der 15jährige Sohn des Hofbesitzers Heilskow ermordet und furchtbar verstümmelt ausgefunden. Es liegt ein schwerer Raub= und Lustmord vor. Die mutmaßlichen Täter sind zwei 16jährige Mädchen, welche inzwischen verschwunden sind. Hamburg, 23. Mai. Im Auktionslokal von Elsaß wurde der Kommis Zyrus von drei Burschen im Alter von 23 bis 24 Jahren niedergeschlagen und geknebelt. Außer 500 Mark bar wurden noch verschiedene Wertsachen geraubt. Die Täter sind spurlos verschwunden. Magdburg, 23. Mai. Die Strafkammer in Stendal verurteilte dden früheren Kassierer des Zimmererverbandes Seehausen, den Zimmermann Pape, wegen Unterschlagung von Streikgeldern zu zwei Jahren sechs Monaten Gefängnis. Halle a. S. 23. Mai. Der Intendantursekretär Hauptmann Thaeder wermachte dem Reichswaisenhaus zu Lahr 583000 Mark, wovon ein neues Reichswaisenhaus am Berge des Altvaters für 50 Waisenmädchen erbaut werden soll. Annaburg, 23. Mai. In dem nahen Schweinitz erschlug der vor längerer Zeit aus der Irrenanstalt entlassene Handelsmann Kürschner in einem Anfalle von Geistesgestörtheit seine Ehefrau mit dem Beil. Lötzen, 23. Mai. Bei einem nachts im VolksschulGebäude ausgebrochenen Brande ist der Lötzener Zeitung zufolge der Lehrer Mretzek mit seiner 18jährigen Tochter verbrannt. Kattowitz, 23. Mai. In der Georgengrube der Sosnovice=Aktiengesellschaft an der russisch=preußischen Grenze sind durch eine Gasexplosion 19 Arbeiter schwer verletzt worden, von denen inzwischen einer gestorEsbjerg, 22. Mai. Der deutsche Marnnesowat Hermann Runge aus Goldenbaum(Meckl. Strelitz) fiel in der Nacht zum Sonntag, als er sich an Bord des KriegsSchiffes Ziethen begeben wollte, in den hiesigen Dockhafen und ertrank. Der Verunglückte wurde mit militärischen Ehren begraben. Christiania, 23. Mai.(Telegr.) Henrik Ibsen ist heute nachmittag gestorben. Marine=Kriegsgericht. Kiel, 23. Mai. Wegen Unterschlagung von Mannschaftsgeldern im Betrage von 722 Mark hat das Kriegs=gericht der ersten Marine=Inspektion den Zahlmeisterapplikant vom Torpedoschulschiff Blücher, Heim, zu drei Monaten Gefängnis und zur Degradation verurteilt. Heim war in leichtsinnige Gesellschaft geraten und hate sich die mittels Postanweisung an die einzelnen Leute der Blücher=Besatzung eingehenden Beträge angeeignet.— Dasselbe Kriegsgericht verhandelte über einen Unverbesserlichen, der erst in diesem Frühjahr aus dem Festungsgefängnis in Köln nach Kiel zurückLehn Trahrmetbungen. Die Weserwerften sperren aus. Bremen, 24. Mai. Gemäß Beschluß des Gesamtverbandes deutscher Metallindustrieller werden die dem Arbeitgeberverbande der Unterweser angehörenden Werften usw. am 2. Juni mit der Entlassung von 60 Prozent ihrer Arbeiter vorgehen. Verurteilter Defraudant. Frankfurt a. M., 23. Mai. Vor der hiesigen Strafkammer hatte sich der am 10. März 1882 in Kowno (Rußland) geborene Kaufmann Theodor Pinkus wegen Urkundenfälschung und Unterschlagung zu verantworten. Er ist angeklagt, als Buchhalter der Metallwerke Beier u. Co. in der Zeit vom 8. September 1905 bis 2. Februar 1906 nicht weniger als 215 220 Mark unterschlagen und die Entnahme der Gelder durch Bücherfälschungen verdeckt zu haben. Der Angeklagte unterhielt große Spekulationen an der Pariser Börse und stand in dem Rufe eines Millionärs. Er wurde wegen der begangenen Delikte zu 2 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt. Fünf Pioniere ertrunken. Ingolstadt, 23. Mai. Heute nachmittag 4 Uhr legte sich bei einer Pionierübung auf der Donau ein Ponton mit einem Unteroffizier und acht Mann um. Acht Mann wurden ins Wasser geschleudert, von denen fünf ertranken. Die Leichen der Verunglückten sind noch nicht geborgen. Dynamit=Frevel. Großwardein, 23. Mai. Unbekannte Täter versuchten durch Zerstörung der kleinen Bahnbrücken auf der Strecke Budapest=Klausenburg den Schnellzug zur Entgleisung zu bringen. Dank der Aufmerksamkeit des Bahnwärters gelang es, den Zug rechtzeitig zum Halten zu bringen. Einsturz. Budapest, 25. Mai. Auf dem Ausstellungsgelände stürzte der russische Pavillon um; 5 Arbeiter wurden getötet, 12 schwer verletzt. Erdbeben. Bozen(Tirol), 25. Mai. In den Lugano=Bergen fand ein Erbeben statt. Die Temperatur erhöhte sich plötzlich um 7 Grad. Kein Eisenbahnerstreik. Petersburg, 25. Mai. Die Versuche der Revolutionäre, einen neuen Eisenbahnerstreik in Szene zu setzen, sind gescheitert. In den meisten Orten wurden die abgesandten Aufwiegler sämmerlich verhauen. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schade, Schwerte. Der allgemein beliebte in Taschenformat erscheinende Westsälisch=Rheinische Fahrplan Sommer=Ausgabe 1906 120 Seiten stark ist wieder zu dem niedrigen Preis von 10 Pfennig in meiner Buchhandlung zu haben. Carl Braus Gr. Marktstr. 3—5. hat unter der Hand nummerweise abzugeben. Fritz Wortmann 1930 Lichtendorf. Verziehungshalber nach dem Auslande billig abzugeben:Kleiderschrank, Küchenschrank, Vertikow, kleiner Schrank, Tisch, Spiegel, Kinderwagen, Protographieapperat mit Zubehör und Unterricht. 1945 Kötterbachstr. 24. Zwangsverkauf. Am Samstag, den 26. Mai, vormittags 9½ Uhr werde ich im Pfandlokale beim Wir Böhmer hierselbst 1 Eisschrank, 1 Marktbude. 1 Partie Konserven, 1 Flasche Baumöl, 1 Kistchen Mragarine, 1 halben Kübel Schmalz, 1 Nähmaschine gegen bar versteigern. Der Verkauf findet bestimn.. statt. 1942 Schwerte, den 25. Mai 1906 Morgenroth, Gerichtsvollzieher. Großen Posten hochfeine Zigarren und Zigaretten in jeder Preislage: f. Nordhäuser Kautabak von G. A. Hanewacker. In 5 Pfd.=Kistchen zu Originalpreisen. Beste Bezugsquelle für Wiederverkäufer. Adolf Heinrich, 1774 Hüsingstraße 28. Eine schöne, geräumige Wohnung von 3 Zimmern auf sofort ntloder per 1. Juli an einer Truhigen Familie zu vermieten. Zu erfragen in der Geschäftsst. der Schw. Zeitung. Dedchten Sie Mor,, das Angebot des Schuhwarenhauses D. Herz Nachf., Schwerte und des Konfektionshauses Gebr. Stein, Schwerte. Eirer-Oitorten-Emegrr. Kubaulerie Terern Schwerte senrt un.. 20. u. 27. Mai 1900 in den Sälen u. Gartenaulagen des Herrn Schulze-Selmig (Im Reiche des Wassers) sein lehähriges **. Samstag, den 26. Mai, abends 7 Uhr: Antreten im Vereinskokal C. zum Zapfenstreich. Niederlegung eines Kranzes am Kriegerdenkmal. Abends 8 Uhr: Kommers mit Konzert im Lokale Schulze=Selmig. Hierzu sind die Kameraden hiesiger Vereine eingeladen. Anzug: Mütze, Orden, Ehrenzeichen sind anzulegen. Entree frei. Sonntag, den 27. Mai, morgens 5½ Uhr: Reveilleblasen(Wecken) v. 2 Trompetern. 10½ Uhr: Früh=Konzert im Vereinslokal beim Wirt C. Böhmer am Markt.— Abholen der auswärtigen Vereine. Nachm. 1½ Uhr: Antreten zur Abholung der Standarte im Berinslokal C. Böhmer. 2 Uhr: Paradeaufstellung a. d. Festwiese bei Schulze=Selmig 3 Uhr: Festzug. 4½ Uhr: Konzert. 8 Uhr: Großes Schlachten=Feuerwerk darstellend die Schlacht von Mars la Tour 1870. Nachdem die Große Kavallerie=Retraite0 geblasen vom ganzen Trompeterkorps der 9. Dragoner Polenaise zum Festlokal. 9 Uhr: Ball. Montag, den 28. Mai, nachm 2 Uhr: Antreten im einslokal C. Böhmer, Abholen der Staudarte, 36marsch zum Festlokal(Schulze-Seimig). Daselbst 4 Uhr Großes Militär-Konzert. Abends 8 Uhr: Pall. Die Mufik wird ausgeführt vom ganzen Trompeterkorps des 1. Hannov. Dragoner=Regts. Nr. 9 aus Metz(Chef: Se. Maj. König Carl I. von Rumänien) unter persönlicher Leitung des Königl. Musik=Dirigenten Herrn Gehrmann(25 Musiker). N. B. Die geehrten Bürger der Stadt Schwerte werden höfl. gebeten, besonders zu Ehren der auswärtigen Vereine die Häuser zu bekränzen und zu flaggen. Freikarten werden während der Parade=Aufstellung an die Kameraden der einzelnen Vereine ausgegeben. Es ladet zu recht zahlreichem Besuch ein 1926 Der Vorstand. Wohnenstaugen Rottannen, schöne lange Ware empfiehlt billigst 1929 Th. Greve. Drautpomn ucht eng beshten von 2 mieten. 1950 Wohnung Zimmern per sofort zu Angebote an Wilh. Mager, Westenstr. 18. Heute morgen entschlief sanft nach längerem Leiden mein lieber Mann, unser lieber Vater, Schwiegervater und Grossvater, der Königl. Zugführer a. D. Heinrich Greve im Alter von 52 Jahren. Schwerte, den 23. Mai 1906. Um stille Teilnahme bittet Die trauernde Familie. Die Beerdigung findet Samstag. den 26. Mai, nachmittags 3 Uhr vom Sterbehause Schwerte Hörderstr. 87 aus statt. 1940 Staatseisenbahnverein Schwerte. = c. V. Zur Teilnahme an der Beerdigung des verstorbenen Vorstandsmitgliedes Zuglührer a. D. Heinrich Greve tritt der Verein am Sonnabend, den 26. d. Ms., nachm. 2¼ Uhr im„Stadtkeller" an. Zahlreiches Erscheinen ist erwünscht. Der Vorstand. Carde- u. Landwehr-Verein Schwerte. Zur Feier des 10jähr. Stiftungsfestes des hiesigen Kavallerie=Vereins tritt der Verein am Sonntag, 27. Mai, nachmittags 2½ Uhr im Vereinslokal an. Vereinsmütze sowie Orden und Ehrenzeichen sind anzulegen. Um recht zahlreiche Beteiligung wird ersucht. 1937 Der Vorsand. Dr. Crato’s Backpulver, Puddingpulver, Vanillezucker mit Prämien-Ben empfiehlt Cari Frog. Wer 50 ausgeschnittene Prämien-Bons einsendet, erhält gratis und franko 1 Dose fl. Bieletelder Biscuits. eamntmachand. Für das Baden wird eine Stelle im Ruhrflusse unmitielbar an dem städtischen Grundstücke(Dollenkamp) freigegeben. Als Zugangsweg zu dieser Badestelle darf nur der eingezäunte, von der Iserlohner Straße ausgehende Pfad benutzt werden. Das Baden an allen übrigen Stellen der Ruhr und auch im Mühlenstrange ist innerhalb des Stadtbezirks Schwerte verboten. Schwerte, den 29. Mai 1906. Die Polizei=Verwaltung. Rohrmann Krieger-## Verein Schwerte. Zwecks Teilnahme an dem Stittungsfeste des hiesigen Kavallerie=Vereins treten die Mitglieder am Sonntag, den 27. Mai, pünktlich 1½ Uhr im Vereinslokal an. Orden und Ehrenzeichen anlegen. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Ktärneegeerein Schwerte. Zur Teilnahme an der Feier des Kavallerie=Vereins tritt der Verein am Sonntag, d. 27. d. Mts., mittags punkt 1 Uhr im Vereinslokal beim Kameraden Walter an. Das Erscheinen sämtlicher Mitglieder erwartet Der Vorstand. Weizenmehl 000 hochbackend bei 10 Pfd. 1.23 Mk. Stampfzucker, per Pfd. 20 Pfg. ger. Korinthen„„ 27„ westf. Blockwurst per Pfd. 1.05 pr. ia.„„„ 1.25 Rauchfleisch per Pfd 90. Pfg. hiefigen Bauchspeck per Psd. 87 Pfg. Andreas Nolte, Ostenstraße 30. es LE K Neue Matjesheringe empfiehlt 1922 Carl Trog. e Zimmer mit Morgenkaffee an 1—2 Herren zu vermieten. Höeder Str. 22. Sine von 3 Zimmern mit Stallg. und 50 Ruten Garten am Hause per 1. Oktober zu vermieten zum Preise von 150 Mk. Zu erfragen in d. Geschäftsst. der Schw. Ztg. 1899 Preisgekrönte indische Tausenten 1905 Brut 1 zu 3 billig zu verkaufen. 1900 Lichtendorferstr. 28. Haus= u. Grrndbes.=Verein Kleeverpachtung. Am Dienstag, d. 29. Mai, nachmittags 5 Uhr verkaufe ich ca. 4 Morg. auf'm Heethof nummerweise gegen Baar und Kredit. Ed.Pferdekämper Landwirt. 1998 Kleverpachtung. Herr Göckmann, hier, läßt Montag, den 28. Mai und zwar nachmittags 5 Uhr 1 Morgen oberhalb des evgl. Totenhofes und um 5½ Uhr 1½ Morgen am Brunsiepen in der Nähe von Wwe. Körner nummerweise an Ort und Stelle verpachten. Hohenschwert 1919 Schwerte. Krieger=Verein Schwerte. Zur Teilnahme an der Beerdigung des verstorbenen Kameraden Hein: treten die den 26. Uhr in Greve der Sonabend nachmittags 2 uslokal an. Zahlreiche Beteiligung wird erwartet. 1941 Der Vorstand. Eine Frau oder Müdchen welche Lust hat, Backwaren auf dem Schwerter Wochenmarkt zu verkaufen, sofort gesucht. 1934 Heinrich Leuzen, Ostenstraße 13 Schwerte, 23. Mai.(Wochenmarkts=Berichts.) Kartoffeln per 50 Ko. 3,40 Mk., Butter per Pfd. 1.15—1,00 Mk., Eier 15 Stck. 1,00 Mk. Rindfleisch v. Pfd. 70 Pf. Schweinefleisch per Pid. 0.90 Mk. Kalbfleisch per Pfd. 80 Pf. Hammelfleisch per Pfd. 70 Pf. Gerkuch Speck per Pfd. 80—90 Pf. Für den Inseratentel verantwortl.: ven 1n : A. Pfa son. Schwerte. Amtnehtr-Rresbialt für den Kieis worck! Dune chmmmre hemmmmmermrmmerr * Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Familientreund.“ o 0 0 O O O O O O O O 0 o o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 1o Pf., Anzeigen von auswärts Is Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Alle Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbinckliche Kraft, o o o o 0 0 o o o o o o 0 0 Druck u. Uerlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Telegr.-Adresse Braus, Schwerte-Kuhr. o Nr. 121. Minister v. Stein über Rationalismus, Sozialismus und Reformtbeologie. Im 8. Jahrgange der Evangel. Kirchengeschichte Wefalens“) findet sich das Gutachten abgedruckt, welches Stein am 6. Januar 1830 dem Präses der Synode über die Gründung eine Prediger=Seminars übersandt hat. 1101 den„ Es lautet im Auszuge:„Ew. Hochwurden guligst ven 21. d. Mts. mitgeteilter Aufsatz über die Errichtung eines Märkischen Prediger=Seminariums beweist überzeugend dessen Unentbehrlichkeit, die vorzüglich aus der einseitigen Ausbildung des Verstandes und Ueberfüllung des Gedächtnisses durch den Gymnasial= und akademischen Unterricht entsteht. So wird Einbildungskraft, Gemüt und praktischer Sinn unterdrückt, und Geistestrockenheit und Unbeholfenheit hervorgebracht oder vermehrt. Diesen Betrachtungen läßt sich nichts hinzusetzen. Die aber noch unerörterten Fragen wegen Lehre, Disziplin und Anschaffung eines den Erfordernissen der Anstalt angemessenen Einkommens erlaube ich mir aber, wenngleich nur Laie, zu veittren. 0 Die erste wichtigste Frage bleibt immer:„Was„ gelehrt werden? Eine geoffenbarte christliche Religion? Etwas Festes, Bestehendes, in einem Geist, der bekennt, daß von Gott ist, oder der das nicht bekennt, den 1. Joh. 4, 1—3 Geist des Widerchrists nennt, der Nationalismus, etwas Unbegrenztes, Vages, das zuletzt allen Irrtümern, deren menschlischer Dünkel und menschlicher Geist fähig ist, den Zugang erDer Rationalismus setzt an die Stelle der Religion die Ansichten des dünkelhaften menschlichen Verstandes, denn warum sollen Meinungen sehr mittelmäßiger Menschen fester bestehen, als Tausende von Systemen der Weltweisen, Physiker usw., so die Vorzeit ersonnen, bestanden haben. Nur die christliche Religion hat sich in der Dunkelheit aus schwachen Keimen entwickelt, hat den Kampf gegen die ganze Kraft des Römischen Reiches bestanden und ist daraus siegreich hervorgegangen. Es erhoben sich in der Kirche zwar Spaltungen, Meinungsverschiedenheiten, aber die Achtung für die Grundwahrheiten bestand, man beabsichtigte nicht Zerstörung des Heiligsten; auch in der protestantischen Kirche finden wir bald starre Dogmatiker, bald aber auch Männer, die wie Spener, Franke usw. strebten, einen christlichen, gottergebenen, in das Leben eingreifenden Sinn zu erwecken; nur der letzten Hälfte des 18. Jahrhunderts *) Gütersloh, bei C. Bertelsmann 1906. Freitag, den 25. Mai 1906. war vorbehalten, in Frankreich die Erscheinung der materialistischen, egoistischen und atheistischen Philosophenrotte, in Deutschland der frechen Exegetenschule der S..., P.:„ W. usw. Und was haben diese Männer aufgebaut? Nur zerstört und den Weg den ihnen nachstürzenden Metaphysikern gebahnt, den Deisten, Spiritualisten, Materialisten, Pantheisten, Atheisten usw. Welches wäre das Resultat dieser Verwirrung der Geister, wachte nicht die göttliche Vorsehung auf die Erhaltung des göttlichen Wortes unter dem armen Menschengeschlecht? Unterdessen ist das nächste Resultat der begonnenen Zerrüttung des christlichen Glaubens: Zerrüttung im Glauben, in den gottesdienstlichen Handlungen und Steigerung der Unsittlichkeit—; diesem Unglauben gegenüber erhebt sich Aberglaube, wie die Erscheinungen in der deutschen Schweiz, in England, in Amerika beweisen, die Schächers, die Rossianer, endlich die Blüte des Unsinns H. Owen, der alle Religion verwirft, Gemeinschaft des Eigentums, willkürliche Auflöslichkeit der Ehe, gemeinschaftliches Arbeiten, gemeinschaftliches Tanzen, moralische unentgeltliche Vorlesungen als die Mittel der höchsten Vervollkommnung des Menschengeschlechtes empfiehlt. Diese Bedingung der Ohnentgeltlichkeit wäre wohl vielen anstößig, die denn doch trotz aller Sophismen in ihrem Innern fühlen, daß sie nicht berechtigt sind, Kircheneigentum zu genießen, das nur unter der Bedingung, die Lehren der Kirche vorzutragen, ihnen zu benutzen überlassen ist, wenn man diese Lehren angreift, oder möglichst verschweigt, oder mit gleißnerischen Phrasen predigt. Ein Hauptzweck der Gründung eines Predigerseminariums ist Katechetik und Ausbildung der Kanzelberedtsamkeit; für die letztere ist aber die trockene, kalte, in exegetischen, metaphysischen Untersuchungen sich verlierende Vernunft nicht empfänglich. Ein so gebildeter geistvoller Mann wird belehrende Vorträge halten, aber nicht auf die Gemüter wirken; der große Haufe von mittelmäßigen Kanzelrednern dieser Art ist der ungebildeten Klasse unverständlich, der halbgebildeten langweilig und der gebildeten unerträglich, wozu also ihre Kanzelberedtsamkeit, die die Kirchen verödet? Für den Vortrag eines, selbst höchst gewöhnlichen, aber demütigen, frommen, für das Seelenheil seiner Gemeinde besorgten Predigers sind die Zuhörer immer empfänglich, durch den in ihm herrschenden frommen Sinn, durch die Einwirkung des Geistes Gottes, durch die Kraft des Gebetes.“ Schließlich gibt Stein der Voraussetzung Ausdruck, daß das zukünftige Predigerseminarium kein Brennspiegel zur Ansammlung der Strahlen des Nationalismus sein werde. 38. Die Schönheit von Rembrow. Roman von Bogumil von Czartorski. 33 Aber sie war dabei ein verständiges, praktisch denkendes Mädchen, das sich bestrebte, jedem Dinge auf den Grund zu gehen, jeder Sache den ihr gebührenden Platz anzuweisen, in inneren wie äußeren Dingen, Klarheit zu finden und mitzubringen, wohin sie kam, mit ihrem gedankenvollen Blick und ruhigen Lächeln. Daß Liska, das liebliche, seltsame Kind, hier nicht an ihrem Platze stand, daß dieser fernab von dem eingeschlagenen Wege liegen mußte, fühlte Heloise bald heraus; es verlangte sie danach, einen Blick hinter den Schleier zu tun, der des Mädchens Schicksal verbarg, und Liska, wenn möglich, eine Stütze oder wenigstens ein Trost zu werden in dieser unbekannten Sphäre, so lange es anging; das heißt, so lange Heloise den Vogelläfig mit den Gefährtinnen teilte. Sie zählte bereits achtzehn Jahre und würde unter anderen Verhältnissen das Pensionat bereits seit geraumer Zeit verlassen haben, um unter dem Schutze ihrer Angehörigen durch die Zauberpforte zu treten, die das glänzende Reich des fashionablen Gesellschaftstreibens von dem friedlichen Reich der Kinderstube trennt. Aber Heloise besaß kein Elternhaus, keine Heimat im eigentlichen Sinne des Wortes. Ihr Vormund, zugleich der einzige, lebende Verwandte des Mädchens, war ein älterer, menschenfeindlicher Mann, der, nachdem ein hartes Geschick ihm alles geraubt hatte, was seinem Leben teuer gewesen war, in seinem schönen, alten Herrenhause ein echtes Einsiedlerleben führte, mehr und mehr absterbend für die Welt, in der er nichts anderes als ein großes Grab zu sehen vermochte. So war Heloise nach vollendeter Erziehung in dem Pensionat des Fräulein Adelheid von Plattwitz geblieben, um noch einige Zeit unter den gewohnten Verhältnissen fort zuleben und zu lernen. Sie genoß infolge ihrer eigentümlichen Stellung begreiflicherweise eine größere Freiheit als die übrigen Pensionärinnen, benutzte diese aber so wenig wie möglich und war ernsthaft bemüht, ihr Wissen nach jeder Richtung hin zu bereichern Studien und Privatstunden verschiedener Art füllten ihre Tage aus, und so verlernte sie es am Ende fast, sich aus dem Vogelkäfig hinauszusehnen; er schien ihr sogar einnehmend wie nie zuvor, als eines Tages ein Brief von dem Vormund und Oheim eintraf, der Fräulein von Plattwitz davon unterrichtete, daß er nunUnsere Liberalen berufen sich zur Verteidigung ihrer Grundsätze mit Vorliebe gerade auf den Freiherrn v. Stein. Ob und wie weit sie dazu berechtigt sind, soll hier nicht erörtert werden. Jedenfalls aber geht aus dem obigen Auszuge hervor, daß sie sich bei der Rechtfertigung ihrer Stellung zu kirchlichen Fragen, insbesondere zu den Grundwahrheiten unserer christlichen Kirche, nicht auf ihn stützen können, sondern daß der heimgegangene Staatsmann, wenn er heute noch lebte, den kirchlichen Liberalismus scharf bekämpfen würde. Rechtspflege. §§(Wem gehört das Sparkassen=Guthaben?) Mit einem für industrielle Kreise interessanten schäftigte sich kürzlich das Dortmunder Landgericht. Das Martener Eisenwerk, Gesellschaft mit beschränkter Haftung, befindet sich in Liquidation. Nun ist laut Sparkassenbuch Nr. 522, das am 20. Juni 1895 auf den men der„Arbeiterunterstützungskasse“ ausgesteut ist, ein Sparkassenguthaben bei der Amtssparkasse zu Lütgendortmund vorhanden. Das in Liquidation befindliche Werk nimmt setzt das Sparkassenguthaben für sich in Anspruch, indem es behauptet, eine offizielle Unterstützungskasse auf Grund der Versicherungsgesetze habe nie bestanden. Es handle sich vielmehr lediglich um eine Einrichtung des Werkes. Die Sparkasse hat jedoch die Auszahlung des Guthabens verweigert, und der Landrat sowohl, wie der Regierungspräsident haben den Liquidator auf den Rechtsweg verwiesen. Die se hat auf erhobene Klage Abweisung beantragt, und zur Begründung vorgebracht, daß in die Unterstützungskasse nur solche Gelder geflossen seien, welche als Strafgelder den(Arbeitern an ihrem Lohn vorenthalten worden seien. Das Verlangen des Klägers widerspreche den Vorschriften der Gewerbeordnung, nach welchen es verboten sei, die von den Arbeitern erhobenen Strafgelder zu Gunsten der Arbeitgeber zu verwenden. Diese Behauptungen hat der Kläger bestritten. Er ist jedoch vom Landgericht Dortmund mit der erhobenen Klage kostenpflichtig abgewiesen worden, und zwar aus folgenden Gründen: Die Zeugen, die gerichtlich vernommen worden seien, hätten eidlich bekundet, daß die betreffenden bei der Sparkasse zu Lütgendortmund eingelegten Gelder aus Strafgeldern der Arbeitern bemehr gesonnen sei, seine Nichte aus dem Pensionat heimzunehmen; der Zeitpunkt ihres Austrittes war für Neujahr angesetzt. Der Oheim, der sich plötzlich all seiner bisher vernachlässigten Pflichten zu erinnern und entschlossen schien, diese von nun an freiwillig auf sich zu nehmen, gedachte Heloise zu der genannten Zeit selbst aus den Händen der Pensionsvorsteherin in Empfang zu nehmen und in sein einsames Haus zu führen, wo es fortan ihre Mission sein sollte, Licht und Wärme zu verbreiten wie es eben einzig und allein die goldene Jugend vermag. „Du sollst das Haus, das Dir dereinst gehören wird, kennen lernen und liebgewinnen,“ hieß es in dem Brief an die Nichte; lange werde ich es ohnehin nicht mehr mit Dir teilen. Dann wird wieder Leben und Freude einkehren in die düsteren Räume, worin nun schon jahrelang nur die Geister meiner teuern Abgeschiedenen wohnen.. Sei es so! Bis zu meinem Tode aber mußt Du Dich drein finden, mein Eremitenleben zu teilen; es kann nicht schwer sein, eine Stunde lang in einem dunkeln Zimmer zu sitzen, wenn man die Gewißheit hat, daß hinter den verhängten Fenstern ein klarer Frühlingshimmel blaut und die Pforte zu dem lachenden Eden sich nach jenen sechzig Minuten von selbst auftun wird! Das ist Dein Fall, Heloise. Ich hoffe, Da slechst die Situation mit dem richtigen Verständnis an und wirst es mir nicht schwer machen, meine Pflichten gegen Dich zu erfüllen. Einen Augenblick schauerte Heloise bei dem Gedanken an das dunkle Zimmer, dann aber faltete sie die Hände über dem Briefblatt und sann, wie es ihre Art war, mit geschlossenen Augen über den Inhalt nach, fest und mutig das, was kommen sollte, ins Auge fassend. Eine Stunde darauf war das tapfere Mädchen mit seinem Schicksal versöhnt. Der Tag, der den verhängnisvollen Briefbrachte, war eben der Sonntag, an dem Liska ihre Geschichte erzählen sollte. Der Vormittag verging wie immer mit dem Kirchenbesuch und der Hausandacht, an die sich ein stiller, gemeinschaftlicher Spaziergang sämtlicher Pensionärinnen anschloß. Nachmittags sah man die jungen Damen teilweise in dem jetzt schmucklosen, von hoher Mauer umgebenen Garten promenieren, teilweise saßen sie beieinander in ihren Zimmern, von der Heimat plaudernd oder über jenen geheimnisvollen, interessanten Reliquienschrein gebeugt, der zum Leben aller jungen Mädchen untrennbar zu gehören scheint und mit seinen Erinnerungsschätzen nicht selten noch ein einsames Alter verklärt. Heloise und Liska hatten sich in dem Zimmer der ersteren zusammengefunden. Heloise zeigte der andächtig blickenden Liska die Bilder ihrer verstorbenen Eltern und ein drittes noch, das Porträt einer schönen, jungen, ganz in Weiß gekleideten Frau, deren Antlitz aus einer Wolke von Spitzen hervorschaute, lächelnd, aber wie es schien, mit tränenvollen Augen lächelnd. Weinte sie, als man sie malte?" fragte Liska neugierig. Nein. Sie war zu unglücklich, um Tränen zu haben. „Das verstehe ich nicht, Heloise. Aber sage mir: wer ist sie?“ „Die Tochter meines Oheims, des Mannes, in dessen Hause ich fernerhin leben werde. Sie starb früh; ihre Geschichte ist zu traurig, als daß Du sie verstehen würdest. „Das tut mir leid, ich hätte sie gern gehört. Rührende Lebensgeschichten sind wundervoll anzuhören oder zu „Das erinnert mich an Dein Versprechen," erwiderte Heloise, ihr Ebenholzkästchen schließend, das außer den Bildern noch einige abgegriffene Briefblätter und ein paar von Gräbern gepflückte, dürre Zweige enthielt.„Willst Du nun erzählen?“ Was enthält jenes schöne, kleine Etui? Ich vermute, daß es zu Deiner Geschichte gehört. „Es ist der Anfang und das Ende meiner Geschichte,“ antwortete die Schönheit von Rembrow unbewußt poetisch.„Es enthält ein Bild und einen Ring, den ich später tragen soll.“ „Sein Bild!“ Da stand es bald darauf in der Umrahmung von purpurnem Sammet vor der erwartungsvollen Heloise, und ihre sanften Augen schauten darauf hin, wie verzaubert, bis die breiten Lider halb darüber sanken, träumerisch oder müde. Liska vermochte es nicht zu unterscheiden.„Willst Du einschlafen, Heloise?“ fragte sie zaghaft.„Gefällt er Dir „Kleine Törin! Wem sollte dieses Antlitz nicht gefallen! Es liegt so viel darin, was Sympathie erweckt und zum Nachdenken anregt.“ Wirklich? Davon verstehe ich nichts, glaube aber, daß er sehr schön ist! Und auch dieser Ring, Heloise; sieh ihn Dir geDie junge Aristokratin beehrte den köstlichen Solitär, der dazu bestimmt war, in Zukunft an der Hand, der Gärtnerstochter zu funkeln, nur mit einem kalten, flüchtigen Blick. Sehr schön, in der Tat. Ich finde wenig Gefallen an dergleichen, sagte sie gleichgültig. 138,20 80 standen hätten, die alsUnterstützungsfonds der Arbeiter gesammelt wurden. Eine andere Bestimmung als eine solche zum Besten der Arbeiter hätten die Strafgelder nach den von der Sparkasse angegebenen Bestimmungen den Gewerveordnung gar nicht erhalten dürfen. Der Kläger hat daher keinerlei Ansprüche auf das fragliche Sparkassenguthaben. Unzutreffend sei auch die Ansicht, daß der Liquidator für Die Weitergabe der Gelder an die etwaigen Empfangsberechtigten zu sorgen habe. Es sei vielmehr Sache der zustehenden Verwaltungsbehörde, hierüben eine Bestimmung zu treffen. Es habe somit die Klage abgewiesen werden müssen, und zwar auf Kosten des Klägers. Kirche und Schule. Die Gründe zu den Austritten aus der Kirche, von denen wir in letzter Zeit lasen, dürften sich nach den verschiedenen Gebieten, auf denen sie sich geltend machen, als materielle, philosophische und politische kennzeichnen lassen.— Verhältnismäßig am harmlosesten, aber auch am verächtlichsten scheint die Veranlassung bei verdrossenen Steuerzahlern, denen es eine christentumfeindliche Presse begreiflich gemacht hat, die Erhöhung der Kirchensteuer bedeute etwas Unerhörtes und Unerschwingliches. Mögen es noch so viele sein, die unsere Großstadtgemeinden ausscheiden sahen, diese werden sich mit dem Gedanken trösten dürfen, daß ein solcher Aderlaß ihrer innern Gesundheit nur förderlich sein kann.— Von gesteigert symptomatischer Bedeutung ist die Aufforderung von vier Leipziger Studenten an ihre Kommilitonen und Professoren, gleich ihnen aus der Kirche auszutreten. Eine allgemeine deutsche Studentenversammlung soll dann den wahren Begriff der akademischen Freiheit verkünden, und die Universität wird zur Trägerin einer„lebenskräftigen Diesseitsreligion". Die„Thesen“ der jungen Herren scheinen eine aus Nietzsches Lebensweisheit und Frenssens neuester Sittenlehre bereitete Mischung darzustellen. Auch ist es wohl kein Zufall, daß um dieselbe Zeit in Jena unter dem Vorsitz von Professor Häckel der Deutsche Monistenbund ins Leben trat. Der Zeitgeist wird durch jenen Studentenstreich einigermaßen gekennzeichnet. Fühlbare Folgen von Austrittserklärungen wird man eher auf einem dritten Gebiete zu fürchten haben. Auf die kommende Revolution trotzend, nährt die großstädtische Sozialdemokratie in ihren Reihen den Haß gegen alles Kirchliche mehr und mehr. Den„Austritt aus der Landeskirche" setzte der„Deutsche Holzarbeiterverband“, als den ersten Punkt auf die Tagesordnung seiner Versammlung. Der erschreckenden Zahl ungetaufter Kinder in Berlin und anderen Großstädten sowie der seitherigen Erziehung der heranwachsenden Jugend entspricht die betrübende Beobachtung, daß sich schon 15—16jährige aus der Kirche abmelden. Was diese dritte Art der Austritte besonders verhängnisvoll erscheinen läßt, ist ihre Verquickung mit der politischen und sittlichen Verkommenheit ganzer Familien.— Wer aber helfen möchte, dieser Verwahrlosung oder jener Verirrung zu steuern, wie sie auf den drei erwähnten Gebieten den Austritt bedingt und verursacht haben, der gebe sich nicht nur als wohlwollenden Freund, sondern betätige sich als bewußtes Glied seiner Kirche! Die schwere Belastung der christlichen Liebestätigkeit durch die vom Reichstage beschlossene Schenkungssteuer erheischt ein unverzügliches Vorgehen aller christlichen Kreise. Es handelt sich nicht um das übliche Geschrei, das Interessenten gegen neue Steuern anzustimmen pflegen. Wenn es hier Interessenten gibt, so sind es die Aermsten der Armen, denen die christliche Liebestätigkeit hilft: die Waisen und Witwen, die Kranken und Siechen. Es ist schwer verständlich, wie die deutsch=konservative und frei=konservative Partei zu einer derartigen schweren Schädigung der christlichen Liebestätigkeit die Hand hat bieten können. Bereits in den Kommissionsverhandlungen hatte der Abgeordnete Raab auf Veranlassung von D. Stoecker auf die bevorstehende Schädigung der Liebesarbeit hingewiesen, aber keinen Widerhall bei anderen Parteien gefunden. Das Plenum hat sodann bei der zweiten Lesung trotz der Bemühungen der Abgeordneten Savigny und D. Stoecker die Steuer auf die Mildtätigkeit beschlossen. Wir haben wahrhaftig in Deutschland wenig genug Freude eines großzügigen Gebens, so daß solche Schenkungen nicht noch durch Besteuerung unseren wohlhabenden Kreisen sollten vergällt werden. Die Linke ging bei ihrem Angriff gegen die„tote Hand“ von einer durchaus unrichtigen Voraussetzung aus. Sie nahm an, daß solche Schenkungen durchgängig kapitalisiert würden. Wer unsere Aeußere und Innere Mission kennt, weiß, daß Schenkungen an dieselbe durchweg für die laufenden Bedürfnisse verbraucht werden.— Selbst bei einem Verein von der Größe und dem Alter des Gustav=Adolf=Vereins ist das zinstragende Vermögen nicht groß. Unsere Missionsgesellschaften haben vollends keine Möglichkeit, von den Zinsen zu leben. Wir können nur wünschen, daß noch in letzter Stunde aus evangelischen Kirchenkreisen eine umfassende Einwirkung auf die konservativen und frei=konservativen Kreise stattfindet. Der Zentral=Ausschuß für Innere Mission hat hier eine wichtige Aufgabe. Aber auch die Pfarr=Vereine und alle einzelne Vereine für Innere Mission könnten eingreifen. Wenn überall in konservativen und frei=konservativen Wahlkreisen Versammlungen und Konferenzen Eingaben an den Abgeordneten des Kreises machten, so wird man es sich vielleicht doch noch in konservativen Kreisen überlegen, ob es den echten konservativen Traditionen entspricht, für den eigenen Besitz die Erbschaftssteuer abzulehnen, aber den Witwen und Waisen, den Kranken und Siechen durch eine Schenkungssteuer eine schwere Last aufzuerlegen. Die Hoffnung, daß durch Gegenagitation noch irgend etwas geändert werden könnte, darf man wohl fahren lassen, denn inzwschen ist das Gesetz auch in dritter Lesung angenommen worden. Für's Haus. Rhabarberkuchen. Der praktisch e Ratgeber im Obst= u. Gartenbau bemüht sich seit Jahren um die Einbürgerung des Rhabarbers in den deutschen Gärten, indem er Kulturanweisungen und Kochrezepte veröffentlicht. Die Verwendung des Rhabarbers in der Küche ist eine sehr vielseitige. Die neueste Nummer des praktischen Ratgebers enthält folgendes Küchenrezept vonE. Böttner.„Den Rhabarberkuchen bereite ich wie anderen Obstkuchen: Nicht zu dünne Unterlage von Hefenteig! Der Rhabarber wird in eineinhalb bis zwei Zentimeter lange Stückchen geschnitten, in kochendem Wasser einige Minuten ziehen gelassen, auf ein Sieb gegossen, und nachdem er vollständig abgelaufen ist, mit reichlich Zucker vermischt. Den Guß bekeste ich wie folgt: Von einem halben Liter Milch, einem Stückchen Butter, gut einviertel Pfund Gries wird ein Brei gekocht, den ich mit einem halben Liter dicker, faurer Sahne, zwei Eiern, etwas geriebener Zitrone und einer Prise Salz vermische. Unter den vollständig erkalteten Rhabarber menge ich ein Viertel Pfund kleine und ein Viertel Pfund große Rosinen und die Hälfte von dem Guß, streiche ihn gleichmäßig auf den gut aufgegangenen Teig, gieße den anderen Guß darüber und bringe den Kuchen, ohne ihn stehen zu lassen, in den heißen Ofen.“— Wer sich für die Verwendung des Rhabarbers interessiert, kann weitere Rhabarberrezepte kostenfrei praktischen Ratgebers im Obstund Gartenbau in Frankfurt a. O. erhalten. Wahlplakat.) Bei den letzten fran war der frühere Arzt M. Boularan. Er fiel zwar durch, aber eine lustige Geschichte machte doch viel von seiner Kandidatur reden. Er hatte als Wahlbureau sich einen Laden gemietet, den vorher ein Getreide##adler inne gehabt hatte, und ohne die verschiedenen Inschriften zu entfernen, ließ er ein großes rotes Plaauf dem stand:„Wahlbureau für Boularan.“ Den anderen Tag und alle die folgenden Tage ste sich eine zahlreiche Menge vor dem Laden, te ihre Späße und schüttelte sich vor Lachen. Der Zandidgt, dem gar nicht heiter zu Mute, konnte diese Tchtbarkeit nicht erklären, bis er schließlich bemerkte, daß unter einem Plakat zufällig eine Inschrift des Getreidehändlers stehen geblieben war, die in großen Ga, ankündigte:„Hier kann gedroschen werEin Geizkragen. Ede:„Ick wünschte, ick hätt' hunderttausend Emmchen!" Lude:„Na, sieh' mal Ede, wenn du die mal hättest, da gäbste mir doch die Hälfte von ab?!“ Ede:„I wo wer ick denn!" Lude:„Ick bin doch dein bester Freund; un wenn du nu so ville Jeld vn### swpanzigtausend Märkerchen könnste mir doch von schenren!“ Ede:„Nee, det tu' ick nich, ooch nicht zehntausend, noch nicht fünftausend!“. Lude:„Na,'ne Kleinigkeit wirst de doch vor mir iebrig haben; sag' mal, Ede, wie viel gibste nu jutwillig?“ Ede:„Jarnischt jebe ick,— wünsch dir doch alleene wat!“ Wetterbericht der deutschen Seewarte. 26. Mai. Wolkig mit Sonnenschein, windig, kühl, Strichregen, Gewitter. Verantwortlicher Redakteur: Wilh. Schade, Schwerte. S Eimlädung. Aus Anlass der Ernennung des c. Amtmanns Herrn Overbeck zum Amtmann des Amtes Ergste findet nach erfolgter Verlegung der Geschäftsräume in das neuerbaute Amtshaus Donverstag, den 24. Juni cr., nachm. 3 Uhr ein K (Herrenessen) in einem demnächst bekannt zu gebenden Saale der Ortschaft Ergste statt. Trockenes Gedech 2.50 Mk. Listen zur gefl. Einzeichnung liegen vom 20. Mai bis 6. Juni in den Wirtschaften der Amtsgemeinden Hennen, Ergste u. 1 Berchum aus. 90 Im Austrag: Der Festausschuss. Brückstrasse 1, Rob. Eippmann 9 7 Brückstrasse 1. Schwerte, Grösstes und feinstes Spezialgeschäft am Platze. Niedrigste Preise! Beste Fabrikate! Hüte, Mützen, Schirme, Herren-Wäsche und Cravatten. Fabrikation von= Schüler-, Vereins- und Beamten-Mützen 8mp; in eigener Werkstatt. Die auf der Dortmunder Kunstausstellung empfohlenen Werke und Schriften sind vorrätig bezw. schnellstens erhältlich in der Buch-, Kunst- und Schreibwarenhandlung Carl Braus, Grosse Marktstrasse 8—5. ESeronnaeen für Herren 1728 Knaben und Kinder. Enorme Auswahl. ner Billigste Preise. F. Reeineke Schwerte, Hüsingstrasse 14. Peru-Guano (Füllhornmarke) empfiehlt 1236 L. Weinberg.