Nr. 104 n esee 38. Jahrgang Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche Kraft. Insertionsgebühr für lokale Anzeigen, die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., außerhalb 15, Reklame=Zeile 40 Pfg., Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Fernsprech=Anschluß Nr. 62. Amt Schwerte. Abonnementspreis pro Quartal: 1 Mark 65 Pfg., extra 42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“ Su Erstes und äliestes Tages-Organ des Kreises Hörde. Haupt Arnoncenblatt Regierung und Diäten. (Von unserm Berliner Bureau.) Mit welchem Zynismus einzelne Abgeordnete der Linken die Diätenvorlage behandeln, wie sie ganz ungeniert die Parole ausgeben:„Schimpfen, was das Zeug hält, aber annehmen, was man kriegt!“, das ist der Regierung sehr gut bekannt. Besonders der freisinnige Barde Abg. Traeger hat sich darin hervorgetan, von der Rednertribüne heruntergewettert, aber im Parterve vor jedermann, der es hören wollte, mit Lächeln seine Zustimmung kundgegeben. Um so mehr könnte sich der Bundesrat darauf versteifen, keinen Schritt nachzugeben und die Annahme der unveränderten Vorlage abzuwarten. Wir erfahren dazu von maßgebender Stelle, daß das Diätengesetz mit der Bestimmung steht oder fällt, daß die Führung einer Präsenzliste fostgelegt wird. Die Art und Weise, in der schon bei der ersten Lesung des Etats der Abg. Lenzmann und andere von den Diäten sprachen, Die sie beinahe mehr als Entschädigung für St euerbewilligungen, wie als Entschädigung für Berliner Aufenthaltskosten ansahen, läßt es ja auch für begreiflich erscheinen, daß die Regierung an der Form der Anwesenheitsgelder festhält— und damit ist die Listenführung natürlich verbunden. Dagegen will man die wiederholt verlangte Freifahrt auf allen Eisenbahnen während der Session(nicht während der Legislaturperiode) den Abgeordneten gewähren. Im Grunde gab es schon bisher keine Tour, die ein Reichsbote sich hätte versagen müssen: vorsichtige Volksvertreter pflegten drei oder vier„Wohnorte" an allen Enden des Reiches für sich anzugeben— und wenn es eine Jagdhütte oder das Stübchen einer alten Tante war— und erhielten anstandslos für alle diese Strecken den Freifahrtschein. Da ist es denn nahezu ein Gebot der Moral, den stillschweigend geduldeten Mißbrauch in einen gesetzlich festgelegten Gebrauch umzuwandeln, und hier will auch die Regierung mit sich reden lassen. Politische Uebersicht. Von der Flotte. — Kiel, 3. Mai. Von den Kanonenbooben, deren gegenwärtige Bestimmung im Gegensatz zu früher, wo sie in erster Linie zur Küstenverteidigung verwendet wurden, die Verwendung in außerheimischen Gewässern, im stationären Diemste an flachen Küsten und auf Flüssen in Ostasien, Afrika und Südamerika ist, sind„Wolf“ und jetzt„Habicht“, aus den Listen des schwimmenden Materials gestrichen worden, ohne daß bisher für einen Ersatz Sorge getragen ist, und in nicht zu ferner Zeit wird auch ein Austausch der Kanonenboote im Auslande erforderlich werden, da„Illtis“,„Luchs",„Jaguar",„Tiger“ und„Panther“ bereits sämtlich eine lange Indiensthaltung hinter sich haben und eine Grundreparatur der Schiffe erforderlich werden muß. Bereisungen der Stromgebiete aber, wie letzthin jene des „Panther“ auf dem Paraua und Paraguay, die in ihren Erfolgen bewiesen haben, wie dringend nötig im Interesse der handelspolitischen Beziehungen sie sind, wären ohne die Indiensthaltung von Kanonenbooten nicht möglich. Deshalb sind von der Marineverwaltung auch weitere Neubauten von Kanonenbooten in Aussicht genumnmen, die aber, wie die„Kieler Neuesten Nachrichten“ hören, etwas vergrößerte Abmessungen erhalten sollen. Man will das vergrößerte Deplacement zum Einbau stärkerer Maschinen und zur Vergrößerung der Kohlenbunker benutzen, da es erforderlich wird, auch diesen Schiffen einen größeren Aktionsradius zu geben. — Gegen die Abschaffung der Zwe.pfennig=Postkarte, für die sich die Steuerkommission des Reichstages zur Erhöhung der Einnahmen aus der Reichspost= und Telegraphenverwaltung in einer Resolution ausgesprochen hat, haben die Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin eine Eingabe an den Reichstag gerichtet, in der an der Hand eines umfassenden statistischen Materials nachgewiesen wird, daß die Ermäßigung des Portos im Nahverkehr, besonders in bezug auf die 2 Pfg.=Postkarte, sich finanziell und wirtschaftlich gleich vorzüglich bewährt habe. Polnischer„Ruhm“. =Kattowitz, 3. Mai. Der„Gornoslonsak“, der jetzt bekanntlich vom„Katholik“ angekauft ist, teilt in einer Abonnementseinladung mit, daß er während seiner 5jährigen Lebensdauer für beanstandete Artikel an Geldstrafen etwa 15000 Mark gezahlt und daß seine verantwortlichen Redakteure insgesamt gegen viereinhalb Jahre im Gefängnis zugebracht hätten. „Die Einigung der Liberalen". Die„Nat. Ztg.“ knüpft an ein von den Sozialdemokraten im Wahlkreise Hagen=Schwelm verbreitetes Flugblatt an, welches von gemeinen Schmähungen Eugen Richters strotzt, um zu folgender treffenden Würdigung der liberalen Parteivorgänge in Darmstadt zu gelangen: „Und mit dieser sozialdemokratischen Gesellschaft, die den toten Gegner noch im Grabe beschmutzt, verbündet sich der Vorsitzende der freisinnigen Volkspartei Hessens, Herr Justizrat Gutfleisch, um einen nationalliberalen, persönlich unangreifbaren Stichwahlkandidaten zu Fall zu bringen!“ = Petersburg, 3. Mai. Mehrere Blätter berichten, daß auch Durnowo seine Entlassung eingereicht habe. Amtlich ist darüber noch nichts bekannt gegeben. Schonung der schwachen Schultern! Die„Deutsche Tageszeitung“ schreibt: Schonung der schwachen Schultern! Das sollte ausgesprochenermaßen das Leitmotiv für die Stellungnahme der Steuerkommission zu den neuen Steuerforderungen der Regierung sein. Uns will es aber so scheinen, als wenn man von diesem leitenden Grundsatz doch oft recht weit abgewichen wäre. Zirka 50 Millionen soll die neue Fahrkartensteuer liefern, den Löwenanteil davon aber würden die in der 3. Wagenklasse fahrenden Angehörigen des Mittelstandes aufzubringen haben. während die reichen Kohlengrubenbesitzer, die jetzt Tausende von Arbeitern aus den entlegensten Gebieben Deutschlands und aus dem Auslande herbeiholen, für diese natürlich in der 4. Wagenklasse beförderten Passagiere keinen Pfennig Fahrsteuer zu entrichten brauchen. Zwölf Millionen Mark soll die Erhöhung der Portosätze im Orts= resp. Nachbarortsverbehr einbringen. Diese Forderung wurde besonders damit als gerechtfertigt begründet, daß die Post bei dem heutigen Portosätzen hier nicht auf ihre Kosten komme. Nun ist aber kürzlich von uns darauf hingewiesen worden, daß die Telegrammbeförderung bei den heutigen Preisen unserer Reichspostverwaltung Kosten verursacht, die um mindestens 20 Millionen hinter den vereinnahmten Telegrammgebühren zurückbleiben dürften. Trotzdem ist ein Antrag auf den Sellbstkosten entsprechende Erhöhung auch dieser Gebühren abgelehnt worden, während ses doch auf der Hand liegt, daß die den Telegraphen am meisten in Anspruch nehmenden Staatsbürger viel steuerkräftigere Schultern besitzen, als die große Masse der Leute, welche nur Briefe und Irmgard. Roman von Albin Manger. 79 Lothar war offenbar bemüht, das junge, erregte Wesen vor einem übereilten Schritte zu bewahren; seine Worte verletzten sie, er wußte nicht, warum. „Ich brauche keinen Schutz, Graf Trach," entgegnete sie abweisend, und was den Verkehr anbelangt, so habe ich mich immer am wohlsten gefühlt, wenn man mich allein ließ!“ Lothar erbob sich.„Wenn Sie Rat und Beistand brauchen, dann bitte vergessen Sie nicht, daß Ihr alter Onkel Lothar, das ehemalige Münde! Ihres hochverehrten Vaters, Ihr nächster Freund und Ihr Nachbar ist!" Die Worte sollten warm und innig, wie sie gemeint, der jungen, augenscheinlich tief verbitterten Frau dazu verhelfen, wieder in den alten, herzlichen Verkehrston zu gelangen. Auch hier schlug die beabsichtigte Wirkung fehl. Fredine richtete sich zu ihrer ganzen Höhe auf:„Ich werde nie vergessen, daß Sie mein alter Onkel sind, Sie hätten diese Mahnung sparen können," erwiderte sie bitter;„aber ich werde auch nie Opfer von Ihnen verlangen, die Sie aus Dankbarkeit für meinen teuren Vater bringen. Ich gedenke mit Hilfe eines Freundes, vielleicht gibt es in der weiten Welt doch einen, der nur aus Freundschaft für mich, für mich eintritt, Hochstein zu verpachten und werde in einem milderen Klima vorerst meine Gesundheit wieder herzustellen suchen! Sie, Onkel Lothar haben zu Hause höhere Pflichten. Sie dürfen Ihre kostbare Zeit nicht der Tochter Ihres Vormundes widmen, auch nicht aus Danbarkeit!“ Lothar ging. Für jetzt wollte er nicht seinen Rat aufdrängen, wo er so streng zurückgewiesen wurde; er konnte und mußte ja doch ihre Angelegenheit weiter führen, wie bisher; sie ahnte zwar nichts davon, aber sie mußte es annehmen, ob sie wollte oder nicht, er war der einzige,der helfen konnte. „Wie kann eine so kurze Spanne Zeit ein Wesen so verändern,“ murmelte er vor sich hin,„es muß aber viel Kummer und Leid dazu gehört haben, dieses harmlose, liebliche, vertrauende Kind so zu verbittern, ich will den Kampf nicht aufgeben, endlich muß sie doch meine selbstlose Liebe erkennen und muß..“ Seine Gedanken wurden in eine andere Bahn gezwängt, Brann erwartete ihn am Fuß der Treppe, er hatte noch viel zu fragen, Lothar mußte nochmals bei ihm eintreten. Fredine hatte sich an dem kleinen Tische am Kamin niedergelassen, ihre Augen ruhten mechanisch auf den Buchstaben vor ihr, die ihr einen so rührenden Roman erzählten. Seite um Seite schlug sie um, und doch wußte sie nicht, was sie gelesen. Ihre Gedanken jagten durch das erhitzte Hirn, sie hatte sich das erste Begegnen mit Lothar ganz anders gedacht und wußte auch nicht, wie. Sein ganzes Wesen hatte sie gekränkt, ja, tief verletzt, und doch konnte sie sich keine Rechenschaft geben, was es gewesen! Sie sprang auf und legte das Buch beiseite, mit großen Schritten durchmaß sie das Zimmer. War er es nicht gewesen, zu dem ihr Kinderherz gläubig aufgeblickt? Hatte nicht ihre Liebe zu Lothar, die er nicht zu erwidern vermochte sie zuerst hineingetrieben in das Unglück, daß sich ein bitteres Weh nach dem andern zu einer Kette um sie schloß, aus der sie nachher nicht mehr entfliehen konnte? Und derselbe Mann, der ihr Leben vernichtet, er hatte jetzt vor ihr gestanden und hatte sie erinnert, daß er nur ihr alter Onkel sei, daß er ihrem Vater Dank schulde, und deshalb ihr helfen wolle! Ja, hatte er ihr nicht Schutz und Verkehr in seinem Hause angeboten? An seinem Herde, wo seine Gattin herrschte und ihr aus Mitleid ein Plätzchen bot, wie er aus Dankbarkeit! Fredine lachte laut auf, wie weit war es mit ihr gekommen! Gott sei Dank, mein Stolz hilft mir, daß ich nicht verderbe!“ Sie hatte die Worte leise gesprochen und ihre Blicke suchten dabei das Bild ihres Vaters, das über ihrem Schreibtischchen hing; sie blieben auf einem kostbaren Blumenstrauße haften, der vor dem Bilde stand. „Wer sandte diese Blumen?" rief sie laut. Es wäre aber nicht nötig gewesen, daß die alte Weber aus dem Nebenzimmer erschien, und die Frage beantwortete: dieselben Blumen, in derselben Zusammenstellung hatte sie schon einmal in den Händen gehalten, sie konnten nur von Lothar sein. Ein eigentümliches Gemisch von Sehnsucht nach einer längst entschwundenen Zeit und von Zorn über die Gegenwart überkam sie, die Tränen drängten sich ihr heiß in die Augen und tropften auf die weißen Kamelien und rosa Rosen. Aber sie sollte nicht weich sein, nicht für Momente, sie richtete sich stolz uf.„Trage diese Blumen hinaus, Webern," befahl sie,„ihr duft erregt zu sehr meine Nerven, und dann hilf mir beim luskleiden, ich bin sehr müde!" Ich muß Braun notwendig sprechen, führe ihn zu mir," betimmte wenige Tage nach ihrem ersten Aufstehen Fredine, und anz kurze Zeit darauf trat schon der Rentmeister bei ihr ein. Die junge Fürstin saß an ihrem Schreibtisch und wandte kaum en schönen Kopf nach dem Eintretenden; was sie von ihm vollte, erforderte ihre ganze physische und seelische Kraft. „Es ist endlich an der Zeit, Braun," begann sie,„daß wir Abrechnung halten und uns klar werden über die Zukunft; wie tehen unsere Verhältnisse, Sie haben bisher alles allein trasen müssen!" „Das hätte ich nicht gekonnt, Durchlaucht,“ entgeguete trocken ser alte Geschäftsmann,„und ich war froh, daß sich der Graf aus Meißendorf gleich selbst erbot, Vormund für unere gnädige Komtesse zu werden, nun der Herr Gemahl ot ist; mit seiner Hilfe sind wir soweit, daß wir in wenigen Jahren wieder hoch sind, das heißt," setzte er zögernd hinzu, wenn Durchlaucht nicht wieder so enorme Summen verbrauhen, wie in dem letzten Jahre!" Fredine war kreidebleich geworden. Mußte denn überall Lohar mit seiner Dankbarkeit für ihren Vater ihr seine Hilfe ufdrängen?.„„„ c „Geben Sie mir die Bücher zur Durchsicht und gegen Mittag kommen Sie wieder!" Die Stimme klang tonlos, mit der ser Befehl gegeben wurde. Braun zog sich zurück und sandte durch den Rechnungsfüh#er große Folianten, in die sich die Besitzerin von Hochstein emhaveriete. Das waren auerdings immense Summen, die sie verbraucht seit dem Tode ihres Vaters, von denen sie bisher nichts geihnt; aber sie hatte ja alles persönlich verlangt, unter jedem Briefe stand ihr Name und Manfredo Manquelio hatte nur mitunterzeichnet. Die Briefe mit den Forderungen waren sämtlich der Zeit nach geordnet und an jedem stand eine Bemerkung, aus der hervorging, daß beinahe jedesmal Lothar das Geld geliehen, Brauns Kasse leer war. 137.29 arten im kleinen Verkehr austauschen. Bei der Erbschaftssteuer hat man auch verhälinismäßig recht schwache Schultern mit zu neuer Steuerleistung für die Reichskasse herangezogen. Da befanden wir uns in einer Notlage, die solche Steuerbelastung notwendig machte. Als aber vorgeschlagen wurde, doch auch die bisher ganz reichssteuerfrei gebliebenen und an den neuen Reichsausgaben besonders lebhaft interessierten Kreise der Kohlen= und Kaligrubenbesitzer wenigstens durch einen Ausfuhrzoll etwas steuerpflichtig zu machen, da hieß es mit einem Mal: So ungünstig ist unsere Finanzlage doch noch nicht, daß wir zu Mitteln unsere Zuflucht nehmen müßten, wie sie England z. B. im Verlauf eines kostspieligen langen Krieges erst in Gebrauch genommen hat. Diese Ausfuhrzölle auf Kali und Kohlen, die, abgesehen vom großen volkswirtschaftlichen Nutzen, der Reichskasse mindestens 30 Millionen, ohne jede Belastung schwacher Schultern, einbringen konnten, lehnte nicht nur die Regierung, sondern auch die Mehrheit der Steuerkommission ab, deren einzige Sorge doch sein sollte: Schonung der schwachen Schultern! Graf Witte und sein Nachfolger. Graf Witte hat tatsächlich seinen Abschied eingereicht und zwar in einer so katelgorischen und brüsken Form, daß man in Zarskoje Sselo etwas erstaunt darüGraf Witte. ber gewesen ist. Gormykin, der als Nachfolger Wittes genant wird, war als Vorgänger Sipzjägins Minister des Innern. Goremykin ist eine starke Persönlichkeit. Goremykin Wittes Nachfolger Er mußte seiner Zeit Witte weichen, als er für die Erweiterung der Semstwobefugnisse eintrat, während Witte seine Denkschrift gegen eine solche Erweiterung an den Zaren richtete. Gleichwohl nimmt amn an, daß Goremykin Wittes eingeleitete Politik fortsetzen wird. Deutscher Neichstag Gegenstand der Tagesordnung der Donnersagsitz= ung war die sozialdemokratische Anfrage wegen der Russenausweisungen. 666 Staatssekretär Graf Posadowsti erl#urte, daß der Reichskanzler eine Beantwortung ablehne. Nachdem Besprechung beschlossen worden war, führte Abg. Bebel(Soz.) aus, die Verweigerung der Beantwortung sei eine Mißachtung des Reichstags. Hätté das Zentrum die Anfrage gestellt, so wäre sie sicher beantwortet worden. Vertragsmäßig hätten die Russen das Recht, sich in Deutschland miederzulassen. Es sei eine Ehrenpflicht, den Verfolgten Unterkunft zu gewähren. Redner kritlsierte dann die Ausweisungen im einzelnen und ging mit der Polizei ins Gericht, der er Verbrechen nachsagte. Vizepräsident Graf Stollberg rügte das. Abg. v. Oldenburg(kons.) fand die Ausweisung gerechtfertigt und wandte sich gegen die Sozialdemokratie, deren aufhetzerische Tätigkeit nicht geduldet werden dürfe. Wenn Herr Bebel gesagt habe, der König von Preußen and die Minister fühlten sich als Diener der Kapitalisten, so sei das eine Unverschämtheit. Abg. Pohl(fr. Volksztg.) rügte die Ausweisungen, die Deutschland herabwürdigten. Abg. Spahn(Ztr.) bedauerte das Fernbleiben des preußischen Ministers des Innern. Die Auskunft dürfe nicht verweigert werden. Damit schloß die Besprechung. Freitag: Steueworlagen. und Schwerte, den 4. Mai. **(Der Maikäfer.) Maikäfer flieg',— Dein Vater ist im Krieg,— Deine Mutter ist im Pommerland, Pommerland ist abgebrannt“, so singen die Kinder zur Jetztzeit, wenin sie des kleinen braunröckigen Gesellen ansichtig werden, dessen Ankunft dem Gärtner jedesmal einen leisen Seufzer entlockt, denn ein Maikäfer hat stets Appetit und das junge Grün der Bäume ist ihm zur Stillung seines Hungers gerade gut genug.— Die liebe Schuljugend in ihrem frischen Egoismus fragt aber durchaus nicht nach solchen Dingen, sie begrüßt den furrenden Käfer mit hellem Jubel, dient er ihr doch als hochwillkommenes, lebend iges Spielzeug— das allerdings leider nur zu häufig Tierquälereien ausgesetzt ist. Zu mehreren Exemplaren in eine mit Luftlöchern versehene und mit Blättern ausgelegte Zigarrenskiste gesperrt, krabbeln die kleinen Wichte in dem dunklen Gelaß zur Freude ihrer kindlichen Besitzer umher, bis sie eines Tages aus Verdruß über die schmachvolle Kerkerhaft„alle Sechse“ von sich strecken resp. einziehen oder bis ih nen ein glücklicher Zufall den Deckel ihrer Behausung öffnet und sie mit fröhlichem Summen wieder dahin entschwirren, woher sie gekommen sind. Aber auch hier in der Freiheit währt die Dauer ihres Lebens nicht allzulange. Was nicht den Jagdgelüsten der Spatzen zum Opfer fällt, dem machen zumeist die drei Eisheiligen: Mamertus, Pankratius und Servatius den Garaus und so mancher Landmann denkt dann vergnügt mit Wilhelm Busch:„Gott sei Dank, jetzt ist's vorbei— Mit der Käferkrabbelei.“ Für das brave Huhn freilich, das unsere Tafel um die gegenwärtige Zeit so wacker mit Eiern versorgt, dürfte die Maikäferzeit gern noch ein wenig länger dauern, denn der fette Braunrock ist ein wahrer Feiertagsbraten für unser Hofgeflügel, das—und wer wollte ihm dies verdenken? auch gern mal„was Gutes“ schnabuliert. ::(Generalversammlung der Lehrer=Witwen= und Waisenkasse. Gestern nachmittag fand im Kölnischen Hofe in Dortmund die Jahres=Generalversammlung der Lehrer=Witwen und Waisenkasse der Kreise DortmundLand und Hörde statt. Der Kassierer Herr Lehrer Reckert=Dorstfeld erstattete den Kassenbericht. Einnahme und Ausgabe balanzierten mit 17709 Mark; der Reservefonds betrug Ende 1905 die Summe von 30 364 Mark gegen 28096 Mark im Vorjahre. Das Gesamtvelrmögen der Kasse steht auf 86 508 Mark gegen 83 782 Mark Ende 1904. Neu der Kasse beigetreten sind im Vorjahre 17 Mitglieder; dagegen schieden 6 Mitglieder durch den Tod, darunter zwei ohne Unterstützungsberechtigte Hinterbliebene, und ein Mitglied durch Verzug aus dem Kassenbezirke aus. An Unterstützungen wurden außer vier Teilzahlungen in 45 Fällen je 260 Mark außer dem Sterbegeld gezahlt. Die Kasse hat z. Z. 424 Mitglieder und nur 48 Unterstützungsberechtigte. Die Höhe der Unterstützung wurde wie im Vorjahre festgesetzt. Die satzungsgemäß ausscheidenden Vorstandsmitglieder Rektor Lübold=Marten als zweiter Vorsitzender und Lehrer Schröder=Castrop alls zweiter Schriftführer wurden wiedergewählt. Sodann schloß der Vorsitzende, Rektor Scholl=Mengede die Versammlung. **(Die Freiwillige Santäts=Kolonne,) deren Vorsitzender der Herr Lehrer Hömberg ist, während die allwöchentlichen Uebungen unter Leitung des Herrn Dr. med. Mester stattfinden, ist in letzter Zeit in erfreulichem Aufblühen begriffen und zählt gegenwärtig 31 Mitglieder. Am Sonntag, den 6. ds. Mts., nachmittags 3 Uhr findet im„Reiche des Wassers“ die Prüfung der Kolonne durch den Geheimen Medizinalrat Herrn Dr. Brümmer aus Münster statt. **(Die hiesigen Kameraden des 16. Armee=Korps) die sich wieder zusammengeschlossen haben, um an dem Korps=Apell, der am 8. Juli in Dorimund in Gegenwart Sr. Exzellenz des Grafen von Haeseler stattfindet, halten am Samstag, den 5. Mai, abends 8,30 Uhr, im Gasthof„Zum alten Rathaus“ eine Versammlung ab. Die Vereinigung zählt bis jetzt schon 80 Kameraden. Am 20. Mai findet in Dortmund der Delegiertentag für den Korps=Apell statt und muß bei dieser Gelegenheit angegeben werden, welche Anzahl sich an dem Feste beveiligen wollen. Die Liste zum Einzeichnen, die im Gasthof„Zum alten Rathaus“ offen liegt, wird deshalb mit diesem Tage geschlossen, was den Kameraden die sich noch nicht eingezeichnet haben, aber an dem Festo teilzunehmen gedenken, zur Kenntnis dienen mag. Um Zweifel zu zerstreuen, sei mitgeteilt, daß jeder sich beteiligen kann, der bei einem der Regimenter, die jetzt das 16. Korps bilden, seiner Dienstpflicht genügt hat. Die olympischen Spiele und die modernen Griechen. Von Hans Wald. Unsere Landsleute, und wer sonst an den„olympischen Spielen“ in Athen teilgenommen hat, werden aus der Fremde um eine Erfahrung reicher heimkommen. Der klassische Name, der dieser modernen sportlichen Veranstaltung gegeben worden ist, hat zweifellos viele bestochen, und warum soll am Ende auch nicht eine solche internationale Veranstaltung stattfinden, aber schließlich ist sie doch mehr auf die„Geschäfts=Tüchtigkeit“ der modernen Griechen zurückzuführen, wie auf ideale Gesichtspunkte. Die letzteren sind gewiß von manchen Veranstaltern in den Vordergrund gestellt, aber im allgemeinen hat die Welt keinen besonderen Anlaß, Geld nach Athen zu tragen, nach dem selben Athen, das den gelungensten Staatsbankerott der neuesten Zeit gesehen hat. Die Pariser sind eitel, die Römer sind noch ein ganz Teil eitler, aber beide werden von den Griechen im allgemeinen und den Athenern im besonderen noch übertroffen. Es giebt ferner im Orient noch ein bekanntes Wort, das, im Deutschen ausgedrückt, etwa besagen will: „Schlauer als der Türke ist der Jude; schlauer wie der Jude der Grieche, aber allen Dreien über ist der Armenier.“ Woraus zu ersehen, daß die„Geriebenheit“ auch der Griechen schon ziemlich hoch steht. * Aplerbeck, 3. Mai. In der Sitzung der größeren Gemeindevertretung wurde einstimmig der Bau eines Pfarrhauses in Schüren beschlossen.—. Der bei einem Anbau in der Herdeckenstraße beschäftigte Maurer Franz Bernards fiel so unglücklich vom Gerüst, daß der Genannte sofort dem Krankenhause überliefert werden mußte. r* Aplerbeck, 3. Mai.(Personalnachricht.) Für den vor einiger Zeit nach Dorstfeld gewählten Polizei=Kommissar von Scheven ist am gestrigem Tage der bisherige Magistratsbureanassistent Herr Karl Meuler von der städtischen Verwaltung in Dortmund zum Polizei=Kommissar des Amtes Aplerbeck gewählt worden. * Hörde, 3. Mai.(Selbstmord.) Auf dem Boden des Verwaltungsgebäudes des„Hörder Vereins“ machte ein Beamter durch Erhängen seinem Leben ein Ende. Er hinterläßt Frau und 4 unmündige Kinder. Das kleine Griechenland zählt unter seinen Stammesangehörigen in der engeren Heimat sund im ganzen Orient vielleicht mehr schwerreiche Männer, meist Großkaufleute, Bankiers usw., wie irgend ein anderer Staat der Welt. Natürlich ist das im Verhältnis gerechnet. Diese Leute haben einen ganz hervorragenden Geschäftssinn, und in der Kunst, Geld zu machen, sind sie dem smartesten Yankee überlegen. Es soll auch nicht geleugnet werden, daß sie zu Ehren des griechischen Namens große Aufwendungen gemacht haben und noch machen. Die Universität in Athem, Institute und Schulen können davon erzählen. Aber die Ehre desgriechischen Staates zu retten, als der hundsgemeine Staatsbankerott gemacht wurde, haben auch sie für sehr überflüssig gehalten. Alle diese schwerreichen modernen Griechen verstanden es im Gegenteil recht gut, die faulen Papiere dem Auslande aufzuhalsen. Und als sie alles an den Mann gebracht hatten, kam die Pleite. Daß hinterher die europäische Finanzkontrolle kam, hat den benachteiligten Gläubigern ihr Geld nicht wiedergegeben und läßt über die unsaubere Geschichte noch lange kein Gras wachsen. In keinem Lande giebt es im Verhältnis so viel Zeitungen wie in Griechenland, und demgemäß auch nirgend so viel Politiker. Jeder Grieche denkt sich einen geborenen Staatsmann, jeder Soldat hält sich für einen Zukunfts=General. Nirgendwo ist wohl vor einem Kriege so felsenfest voneinem Siege gesprochen, wie vor dem letzten türkisch=griechischen Kriege, der doch ein so Westfalen und Rheinland. * Hagen, 3. Mai.(Schwerer Eisenbahnunfall.) Heute früh 8,09 Uhr fuhr in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Hagen=Eckesey der von Haspe=Heubing kommende Güterzug 6817 infolge Ueberfahrens des Haltesignals dem von Hagen=Eckesey ausfahrenden Güterzug 7268 in die Flanke. Der Zusammenstoß erfolgte mit solcher Wucht, daß sämtliche teils leer laufenden, teils mit Kohlen und Baumaterial befrachteten Wagen zertrümmert wurden, sodaß auf der Unfallstelle ein wüstes Chao herrscht, mit dessen Beseitigung man augenblicklich beschäftigt ist. Der Güterzugverkehr wird umgeleitet. Das Beamtenpersonal konnte sich rechtzeitig durch Abspringen retten, nur ein Heizer und ein Bremser erhielten leichte Verletzungen. Amtlich wird über den Vorfall folgendes gemeldet: „Bei Ausfahrt des Güterzugs 7268 heute früh 8 Uhr 9 Min. überfuhr der von Haspe=Heubing kommende Güterzug 6817 das Einfahrtssignal und fuhr dem ausfahrenden Güterzug in die Flanke. Hierbei entgleisten 2 Maschinen und 13 Wagen, wovon die meisten unbedeutend beschädigt wurden. Ein Bremser und ein Heizer wurden gering verletzt. Betriebsinspektion 1 Hagen. * Hohenlimburg, 3. Mai.(Das Gesuch des hiesigen Kriegervereins) um Verleihung eines Fahnenbandes ist abschläglich beschieden worden. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir die Nachricht, die in allen Kreisen bitter empfunden werden wird ,mit der Ablehnung der Reformvorschläge des deutschen Kriegerbundes zusammenbringen. klägliches Ende nahm, und in dem, nach der eigenen Kritik des Oberbefehlshabers Kronprinzen Konstantin, besonders die Offiziere unter aller Würde waren. Wer weiß, ob König Georg von Griechenland heute noch auf seinem Thron säße, wenn bei der damals vor der Tür stehenden Revolution nicht fremde Kriegsflotten in nächster Nähe gewesen wären. Und trotz der mannigfachen Schattenseiten ihres Karakters, der geringen Vorzüge, die sie von ihren Vorfahren geerbt haben, bleibt der Name der Griechen immer von dem Zauber umgeben, den die vuhmreiche Vergangenheit des alten Hellas verleiht. Der Glanz dieser Zeiten kann niemals verwischt werden, und so wird ein flüchtiger Besucher von Griechenland u. seiner neu emvorblühenden Hauptstadt Athen immer mehr von der Erinnerung an das Einst gefesselt werden, als daß er auf den starken orientalischen Zug achtet, mit demm das heutige griechische Leben, selbst das Familienleben, durchsetzt ist. Dieser Umstand ha tauch im Wesentlichen dazu beigetragen, den wieder erstandenen„olympischen Spielen“ einen gevissen Namen zu geben, obgleich wirklich kein rechte. Grund zu ersehen ist, noch fremdes Geld nach Athen zu tragen. Freilich sie selbst, die Grieche. hoffen sicher noch auf eine große Zukunftsrolle, und umsonst trägt der Kronprinz von Griechenland bekanntlich ein Schwager des Deutschen Kaisers, nicht den Namen Konstantin. * Dortmund, 3. Mai.(Die letzten drei.) Die Verwaltung der Zeche Borussia teilt uns mit, daß heute nachmittag die letzten drei Leichen aus der Grube geförderet wurden. Die Leichenreste wurden an dem zu Bruch gegangenen Ort 7 gefunden. * Dortmund, 3. Mai. Die Ehefrau des Arbeiters Pechen hat sich und ihr zweijähriges Kind mit Lysol vergiftet. Das Kind ist tot, die Frau gab bei der Auffindung noch Lebenszeichen; sie hat anscheinend in Irrsinn gehandelt. * Dorsten, 3. Mai. Auf der Zeche Baldur wurden beim Abteufen sinfolge Umkippens des Förderkorbes 13 Bergleute durch herabfallende Gesteinsmassen erheblich verletzt; sie wurden in das hiesige Krankenhaus ge4 Hoentrop, 3. Mai.(Schneller Tod.) Wie der „Bochumer Zeitung“ aus Goentrop gemeldet wird, fiel ein zehnjähriger Knabe, als ihm der Lehrer eine körperliche Züchtigung erteilt hatte, plötzlich in Krämpfe, derart, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Lüdenscheid, 3. Mai.(Der Termin für die Reichstagsersatzwahlen) im Wahlkreise Altena=Iserlohn ist auf den 27. Mai festgesetzt. Die Aufstellung der Wählerliste muß bis zum 25. Mai beendet sein. Zum Wahlkommissar ist der Landrat des Kreises Iserlohn ernannt. * Ennigerloh, 3. Mai.(Einen verwegenen Fluchtversuch) vollführte ein Invalide aus Münster, der durch einen Transporteur von dort in eine Trinkerheilanstalt gebracht werden sollte. In der Nähe der hiesigen Station bat er den Transporteur, den Abort aufsuchen zu dürfen. Er benutzte die gegebene Gelegenheit, öffnete blitzschnell die Wagentür und sprang aus dem in voller Fahrt befindlichen Zuge. Der Sprung war um so gefährlicher, da der Mann ein Gummibein trägt. Der Transporteur faßte ihn noch, konnte ihn aber nicht halten, wenn er nicht selbst nachstürzen wollde. Da keine Notbremse angebracht war, lief der Transporteur den ganzen Zug entlung bis zur Lokomotive und veranlaßte das Halten des Zuges. Man fand den Entsprungenen schwer verletzt am Boden liegen, und mußte ihn per Wagen hierher ins Krankenhaus transportierem. * Barmen, 3. Mai.(Tötliche Unfälle.) Der Klempnenmeister H. Schmitz wurde gestern abend in seiner Wohnung, Kleinewerth 24, tot in seinem Bett aufgefunden. Er hatte in seinem Bett liegend gelesen, wobei er eine Gaslampe benutzte. Schmitz ist eingeschlafen und der Schlauch der Gaslampe löste sich von der Leitung, sodaß der Raum mit Gas gefüllt wurde und Schmitz erstickte. Deir Verunglückte ist 55 Jahre alt und war unverheiratet.— Gestern abend wurde am Bahnhof Barmen=Rittershausen der Bahnarbeiter H. Brettgher von hier von einer Maschine erfaßt und tötlich verletzt. * Remscheid, 3. Mai. Beim hiesigen Amtsgericht haben gestern 80 Personen den Austritt aus der Landeskirche angemeldet. Diese Vorfälle sind indessen nicht etwa auf den noch immer die Gemüter bewegenden Fall Römer, sondern auf sozialdemokratische Agitation zurückzuführen. *Düsseldorf, 3. Mai.(Verschwunden. Der Kassierer der Bergischen Kleinbahn ist seit einigen Tagen spurlos verschwunden und mit ihm eine junge Frau aus Hilden. Ob Unregelmäßigkeiten in der Kasse vorliegen, konnte noch nicht festgestellt werden. * Düsseldorf, 3. Mai.(Selbstmord.) Die von der hiesigen Strafkammer am verflossenen Montag wegen Erpressungsversuchs zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilte Ehefrau Ludwig Steinmann aus Frankfurt a. M. hat sich im Derendorfer Gefängnis eerdrosselt. * Alstaden, 3. Mai.(Genickstarre.) Die etwa 12jährige Tochter einer am Treibweg wohnenden Bergmannsfamilie erkrankte an Genickstarre und verstarb schon nach einigen Stunden. Es ist dies der erste Fall hierselbst. Tehn Trühlmetrungen. Kleine Chronit. Berl.n, 3. Mai. Unter der Beschuldigung des Verbeenens im Amte hatte sich der Kriminalschutzmann Seifert vom Polizeipräsidium heute vor der 7. Strafkammer des Landgerichts 1 zu verantworten. Seifert soll dem berüchtigten Darlehnsschwindler Fritz Uhlig gegen Entgelt Informationen aus amtlichen Aktenstücken erteilt und so den Gang der gegen Uhlig und Genossen geführten Untersuchung verraten haben. Im Auftrage des Polizeipräsidiums führte ein Kommissar Protokoll. Der Angeklagt Seifetzt wurde zu sechs Monaten Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust verurteillt. Ludwigshafen, 2. Mai. Der 26 Jahre alte Bahnassistent Carius wurde heute nacht mit seiner Geliebten, der 19 Jahre alten Kellne n Frieda Steinmann, im Bett seiner Wohnung erschossen aufgefunden. Carius hatte noch den Revolver in der Hand. Beide Leichen weisen Schußwunden in den Schläfen auf. Auf einer lassenen Visitenkarte hatte Carius den Wunsch ausgedrückt, beide Leichen in einem gemeinsamen Sarge zu beerdigen. Mannheim, 3. Mai. Heute nacht wurde ein schwer verletzter Mann von mehreren Passanten im Schloßparke mit eingeschlagenem Schädel ermordet aufgesunden. die Täter sind noch unbekannt. Wien, 3. Mai. Ein serbischer Student, Pejitsch, ererschoß hier meuchlings auf offener Straße einen andern serbschen Studenten, Isakowitsch, aus Rache und versuchte, sich dann selbst zu erschießen. Isakowitsch hate ihn bei der Universitätsbehörde angezeigt wegen Fälschung seines Reifezeugnisses. Die Untersuchung ergab nicht nur die Richtigkeit der Anzeige, sondern auch, daß Pejitsch seine letzte Zins= und Kostschuld nicht bezahlt und eine goldene Brillandnadel entwendet hatte. Der Kaiser beim Kanzler. Berlin, 3. Mai. Der Besuch des Kaisers beim Reichskanzler dauerte etwa eine halbe Stunde. Die Unterhaltung war sehr angeregt. Der Kaiser fand den Reichskanzler recht fwrisch aussehend. erlin, 3. Mai. Der„Post“ zufolge empfing der Reichskanzler Fürst Bülow an seinem heutigen Geburtstage ungezählte Sympathiebeweise, die im Hinblick auf seine genau vor vier Wochen irfolgte Erkrankung noch zahlreicher und wärmer als sonst waren. Fast alle Monarchen, die diplomatischen Vertratungen des Inund Auslandes, die parlamentarischen Körperschaften usw. hatten Glückwünsche, brieflich und telegraphisch, übersandt. Deutsche Hilfe für französisches Unglück. Laris, 3. Mai. Fürst Radolin teilte dem Minister des Auswärtigen mit, daß er leine Summe von 200 000 Mark als Betrag der Subskription der deutschen Grubendirektoren und Arbeiter für die Hinterbliebenen der Opfer von Courrieres zu seiner Verfügung halte. Der franz. Minister des Auswärtigen sprach dem Botschafter seinen lebhaften Dank für die Gabe aus. Zum ehrenden Gedächtnis Paul Gerhardts. Berlin, 4. Mai. Zum ehrenden Gedächtnis des Kirchenliederdichters Paul Gerhardt soll anläßlich seines vor 300 Jahren erfolgten Geburtstages in seinem Geburtsort Gräfenhainichen bei Wittenberg, wo er am 12. März 1607 als Sohn des Bürgermeisters geboren wurde, ein Paul Gerhardt=Haus errichtet werden, das für die Diakonie und Jugendpflege insbesonders bestimmt ist. Außerdem wird Paul Gerhardt in Lübben vor der alten Kirche, wo er während der letzten 7 Jahre seines Lebens als Archidiakonus seines Amtes geewaltet hat, und wo er auch nach seinem am 7. Juni 1676 erfolgten Tode bestattet wurde, ein würdiges Bronzestandbild erhallten, mit dessen Entwurf der Berliner Bildhauer Friedrich Pfennigschmidt beauftragt worden ist. Der Schopenstehler Prozeß. Hamburg, 4. Mai. In der Verhandlung wegen der Wahlkrawalle auf der Straße Schoppenstehl vor dem hiesigen Schwurgericht sprachen die Geschworenen vier Angeklagte des Landfriedensbruchs, 15 des Aufruhrs und der Plünderung, 3 dev Unterschlagung und 5 der Hehlerei schuldig. Mildernde Umstände wurden 8 Angeklagten zugebilligt. Das Urteil ist noch nicht gesprochen worden. Hamburg, 4. Mai. Das Urteil wurde 3 Uhr heute morgen gesprochen. 1 Angeklagter wurde freigesprochen, 3 auf freiem Fuß gesetzt, da ihre Strafe durch die Untersuchungshaft verbüßt war. Gegen alle übrigen Angeklagten wurde auf Strafen von 1 Woche Gefängn's bis zu 2 Jahren Zuchthaus erkannt. Straferschwerend waren die vielen Vorstrafen der Angeklagten und die Rohheit der Ausschreitungen. Die meisten Verurteilten verzichteten auf das Rechtsmittel der Berufung. Ein grausiges Sittenbild. Magdeburg, 3. Mai. Wegen Blutschande wurde im Stadtteil Buckau der Metallarbeiter Friedrich Schmidt verhaftet. Er hat den verbrecherischen Verkehr bereits vor 13 Jahren mit seiner ältesten Tochter, einer jetzt verheirateten 25jährigen Frau gehabt und nun auch eine zweite Tochter von deren 12. Lebensjahre ab zu dem Umgange gezwungen. Die zweite Tochter wurde Östern aus der Schule entlassen. Sie verriet das Verbrechen schließlich der Mutter, da diese von dem Verhafteten wiederholt schwer mißhandelt wurde. Lebenslänglich Zuchthaus. Ratibor, 4. Mai. Nach zweitägiger Verhandlung verurteilte gestern das Schwurgericht in Ratibor den früheren Förster und jetzigen Hausbesitzer Josef Czencz= kowski, der am 4. Januar in der Schonwitzer Weide den Förster Wanzek erschoß, wvon dem er beim Wildern ertappt wurde, zu lebenslänglichem Zuchthaus. Schreckliches Drama. Paris, 3. Mai. In dem Dorfe St. Verand unweit Macon hat eine Bauersfrau ihre beiden Kinde aus zweiter Ehe in den Brunnen geworfen und ist selbst nachgesprungen nachdem sie vorher das Haus in Brand gesteckt hatte. Die Frau hatte erfahren, daß ihr Mann ihre 15jährige Tochter aus erster Ehe verführt habe und beschloß deshalb ihre Kinder aus zweiter Ehe zu töten. Explosion einer Höllenmaschine. Paris, 3. Mai. Heute vormittag durchschritten zwei Leute den Bois de Vincennes, an der Stelle, die Les Quincones genannt wird; jeder von ihnen führte eine Höllenmaschine mit sich, die sie wahrscheinlich soeben im Bois ausgegraben hatten. Eine Höllenmaschine explodiewte und tötete ihren Träger, namens Stria, und verletzte dessen Gefährten, Buffnoff, schwer. Ueber den Stand, dem die Männer angehören, ist man noch nicht ganz klar, indessen weiß man, daß sie russischer Nationalität sind. Buffnoff hate noch eine zweite Höllenmaschine bei sich. Man berührte sie bisher nicht, um eine etwa mögliche Explosion zu verhüten. Englisch=russisches Abkommen. London, 3. Mai. Ein englisch=russisches Abkommen ist mach einem Telegramm aus Peking getroffen worden, wahrscheinlich auf der Basis, daß Rußland sich eines Eingreifens in die britischen Interessen in Tibet enthält und England sich nicht in die russischen Interessen in der Mongolei einmischt. Aus Rußland. London, 3. Mai. Daily Expreß meldet aus Petersburg, daß in den baltischen Provinzen neuerdings eine revolutionäre Bewegung im Gange sei. Die Aufständigen stießen bereits an verschiedenen Stellen mit den Truppen zusammen und leisteten hartnäckigen Widerstand. Die Deutschen in den baltischen Provinzen sind stark beunruhigt und verlassen scharenweise das Land, um Sicherheit in Deutschland zu finden. Unruhen in Moskau. Moskau, 4. Mai. In der kaiserlichen Gewehrfabrik in Tula macht sich eine bedrohliche Bewegung bemerkbar. Die Arbeiter der mechanischen Werkstatt sind in den Ausstand getreten. Da die Gärung wächst und auch die staatlichen Patronenfabrilen ergriffen hat, sind sämtliIche Werkstätten von Militär besetzt. Inzwischen haben sich die Eisenbahnarbeiter der Bewegung angschlossen. Bei einer von ihnen abgehaltenen Versammlung kam es zu einem blutigem Zusammenstoß mit der Polizei und Kosaken. Ein Arbeiter wurde getötet, viele verwundet, 5 verhaftet. Aufsehen erregende Tat. Madrid, 3. Mai. Ein angesehener Geistlicher namens Morales erschoß heute in der Santo. DomingoKirche zu Murcia den Jesuitenpater Martinetz, lud daen die Pistole von neuem und tötete sich selbst. Die Bewec gründe der Tat, die großes Aufsehen macht, sind noch unbekannt. Der versehmte Gorki. Newyork, 3. Mai. Der Bürgermeister von Boston verbot einen von Gordi angesagten Vortrag und erklärte, daß er unter keinen Umständen Gorki gestatten werde, in Boston öffentlich aufzutreten. Eigemartige Anklage wegen Mordes. London, 4. Mai. Eine eigenartige Anklage wegen Mordes hat der Staatsanwalt des Kriminalgerichts zu Melbourne erhoben. Wie der Voss. Ztg. berichtet wird, war eine gewisse Minnie Opper der vorsätzlichen Tötung ihres Säuglings angeklagt; den Tod habe sie absichtlich dadurch herbeigeführt, daß sie sehr viel Spirituosen getrunken und dadurch das Kind, das sie selbst nährke, vergiftet habe. Das Gericht hielt die Alkoholvergiftung durch die Muttermilch nicht für ausreichend erwiesen und sprach die Angeklagte frei. Der Ausstand verläuft im Sande. Lens, 3. Mai. Die Zahl der Ausständigen nimmt rapide ab. Die Zahl der Arbeitenden betrug heute 28 000 gegen 27000 Streikende. In einer Versammlung welche heute morgen abgehalten wurde, teilte der Vorsitzende des Syndikats der Bergarbiter mit, daß der Grubendirektor von Lens keinerlei Zugeständnisse mache und nicht einmal das Versprechen abgeben wolle, bei Wiederaufnahme der Arbeit keinen der Streibenden zu maßregeln. Trotzdem verlangte die Mehrzahl der Anwesenden Wiederaufnahme der Arbeit. Man nimmt an, daß nächsten Montag in allen Gruben mit vollen Schichken gearbeitet werden wird. Streiks und Aussperrungen. Wien, 3. Mai. Die Streikbewegung in der österreichischen Eisenindustrie beginnt große Dimensionen amzunehmen. In den Witkowitzer Eisenwerben dürfte morgen, in den Oderbeerger Eisenwerken in den nächsten Tagen der Generalstreik ausbrechen. Auch in den Werken der Böhmischen Montagegesellschaft nimmt die Streikbewegung derart zu, daß diese Werke längere Zeit gezwungen sein werden, ihren Betrieb einzustellen. Kiew, 3. Mai. In der Tabakfabrik Koyen und in der Hefefabrik Marr ist eein Streik ausgebrochen. Riga, 3. Mai. Hier streiken bereits 18000 Arbeiter von 33 Fabriken. Die durch Privattelegramme hier bekannt gewordene Nachricht vrm Rücktritte Wittes macht einen äußerst deprimierenden Eindruck. Paris, 3. Mai. Heute morgen sind mehrere hundert Mechaniber, die in verschiedenen Automobilwerkstätten beschäftigt waren, ausgesperrt worden. Diese Maßregel wurde getroffen, weil die Betreffenden gestern abend nach 9stündiger Arbeit die Werkstatt verließen. Infolgedessen haben die Arbeitgeber die meisten Werkstätten in den Vorstädten von Paris nach einer gemeinsamen Einkunft heute die Tore der Werkstätten geschlossen. Der Riesenstre.k in Paris. Paris, 4. Mai. Mit Ausnahme der Dachdecker beteiligten sich nunmehr etwa 500 000 Arbeiter am Streik. Ein großer Teil der Arbeitgeber hat die Etablissements geschlossen. Man erwartet für Sonntag wieder ernste Unruhen. Doch sind von seiten der Behörde umfassende Maßregeln getroffen. In Paris bleiben bis auf weiteres 28000 Mann dislozierter Truppen, die anläßlich der Unruhen hierher kamen. Die Pläne über die Errichtung oberirdischen Telegraphenlinie an * der Kreisstraße Wellinghofen—Reschsmaik und an der Provnzialstraße Aplerbeck—Heidecke liegen bei dem Kaiserlichen ante in Hörde vom 3 Mai ab 4 Wochen aus. Dortmund, den 29. April 1906. 1675 Kaiserliche Ober=Postdirektion. Fine Bacher und Schrirten insbesondere alle Neuerscheinungen des deutchen Buchhandels liefert, bezw. besorgt mollstens E Carl braus, Screibwareaband. Grosse Marktstrasse 3—5. Bekanntmachung Der Bautechniker Mex Sieling zu Dortmund, Kreuzstraße 14 hat die Genehmigung zur Ansiedelung auf dem außerhalb einer im Zusammenhange gebauten Ortschaft u der politischen Gemeinde Hacheney belegenen unbebauten Brundstücke Flur 3 Parzelle 698·80 der Katastergemeinde sobene Gemäßhelt des S 16 des Gesetzs vom 10. August 1904 bringe ich diesen Antrag mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis, daß gegen denselben von den Eigentümern, Nutzungs=, Gebrauchsberechtigten und Pächtern der benachbarten Grundstücke innerhalb einer Ausschlußfrist von 21 Tagen bei dem Kreisausschuß zu Hörde Einspruch erhoben werden kann, wenn der Einspruch sich auf Tatsachen begründen läßt, welche die Annahme rechtfertigen, daß die Anfiedlung den Schutz der Nutzungen benachbarter Grundstücke aus der Land= oder Forstwirtschaft, aus dem Gartenbau, der Jagd oder Fischerei gefährden werde. Brünninghausen, den 2. Mai 1906. Gemeindevorsteher. 1906 8666. Betanntmachung. Buchhalter Carl Schulze zu Dortmund Stolzestraße 3 hat die Genehmigung zur Ansiedlung auf dem außerhalb einer im Zusammenhange gebauten Ortschaft in der politischen Gemeinde Hacheney belegenen unbebauten Grundstücke Flur 3 Parzelle 697/80 der Katastern Za Gemäsheit des S 16 des Gesetzes von 10. August 1904 bringe ich diesen Antrag mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis, daß gegen denselben von den Eigentümern, Nutzungs=, Gebrauchsberechtigten„Mdzchhigzezg der benachbarten Grundstücke innerhalb einer von 21 Tage bei dem Kreisausschuß zu Hörde Einspruch erhoben werden kann, wenn der Einspruch sich auf Tatsachen begründen läßt, welche die Annahmen rechtfertigen, daß die Ansiedlung den Schutz der Nutzungen benachbarter Grundstücke aus der Land= oder Forstwirtschaft, aus dem Gartenbau, der Jagd oder Fischerei gefährden werde. Brüninghausen, den 2. Mai 1906. Der Gemeindevorsteher: 1670 Cosack. Leestertertesertererereteeeeeee Geschantserellnung. Am Samstag, den 5. Mai nachmittags eröffne ich im Hause meines Onkels, des Metzgermeisters Andr. Bischoff Moltkestraße 44, hierselbst ein aufs reichhaltigste assonierte Weiß= und Wonwaren=Geschaft. 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Sonntag, den 6. Mai abends 8 Uhr: Generalversammlung Tages=Ordnung: 1. Zahlung der Beiträge. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Rechnungslage. 4. Endgültige Stellungnahme zu den„KielerBeschlös m.“ 5. Verschiedenes. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet 1672 Vereinigung ehemal. Kameraden des 16. Armeekorps (von Schwerte u. Umgegend. Samstag; den 5. Mai abends 8½ Uhr im Gasthof „Zum alt Versammlung. 1. Anmeldung neuer Mitglieder. 2. Zahlung des Festbeitrages. 8. Wahl von Delegierten. 4. Verschiedenes Das Komitee. Mehrere Mädchen, Küchen, Haus=, Zweitmädchen, so vie Landmädchen erhalten kostenfrei Stellung. 1673 Frau H. Duisdicker, Gefinde= und Stellenvermittlerin. Ein ordentliches 1678 Dienstmadchen sucht Frau Rath, Brückstraße 12. Morgenmädchen sofort gesucht. 1647 Hagenerstr. 31. Verkaufe Sonnabend(morgen) 5. Mai, von 8—10 Uhr frisches Schweinefleisch per Psd. 70 Pf, Schinken 80 Pf. im Allg. Kons.=Verein Sedanstr. 1. Rudolf Gierke. FSE Kattune Mousselines Engl. 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Hennig war so„berühmt“ geworden und seine Selbstverteidigung vor Gericht war so geschickt, daß manche dazweifelten, ob die Geschworenen wirklich zu vem tötlichen Schuldspruch des Mörders gelangen wurden. Aber glücklicher Weise ist dieser gefährliche Mensch zum rode verniteit worden.... zam der zweiDie Gerichtsverhandlung ging in Potsdam, o zweiten Residenzstadt, von sich, und es wurde berichtet, daß auch vornehme Damen, ja sogar die Tochter eines süddeutschen Königs, sich zu dem Schauspiel das der um sein Leben ringende Mörder bot. Die feinen Herrschaften, die dem Hennig ihre Aufmerksamkei widmeten, werden die Sache gewiß„interessant“ gefunden haben. Wir aber sind der Meinung, daß man sich durch Neugierde und Nervenkitzel nicht verleiten lassen soll, der Eitelkeit der Verbrecher zu schmeicheln und dem gewöhnlichen Volke ein unerbauliches Beispiel zu geben. In der„Verherrlichung“ des Hennig war doch fürwahr schon vor dieser letzten Verhandlung übergenug geHennig hat übrigens nichts romantisches an sich, was die öffentliche Aufmerksamkeit entschuldigen könnte. Er ist der richtige Typus eines Berliner Berufsverbrechers mit guter Schulbildung. Die grundlegenden Eigenschaften sind: faul und liederlich. Nur keine Arbeit! Von Jugend an sinnen und trachten diese weltstädtischen Sumpfpflanzen nach mühelosem Gelderwerb durch Zuhälterei, Schwindel, Diebstahl und gegebenenfalls durch Raub und Mord. Wird man gefaßt und verurteilt, so sitzt man die Strafe ab, um während dessen neue Verbrechertricks zu ersinnen, zu besprechen und vorzubereiten. Diese Leute ertragen alles, nur mht die ehrliche Arbeit um das tägliche Brot. Bei dieser unausrottbaren Arbeitsscheu ist auch an eine Besserung nicht zu denken. Von liberalen und sozialdemokratischen und Rednern wird offen geprahlt, daß die„Buldung den Menschen sittlich und glücklich mache, so daß man die Religion zu diesem Zweck gar nicht brauche. Hennig steht auf einer Bildungsstufe, die recht beträchtlich über das Durchschnittsniveau hinausgeht. Er hat nicht bloß in der trefflichen Berliner Gemeindeschule sich tüchtiges Schulwissen angeeignet, sondern der Mensch zeigte auch in seiner Selbstverteidigung einen sehr gewandten Geist, eine spitzfindige Denkkraft und eine bedeutende Schlagfertigkeit. Wenn Bildung allein die Tugend garantiert, so hätte Hennig ein Musterbürger werden müssen. „Aber die Religion hat doch bei ihm auch versagt", entgegnen die Propheten der Bildungsmoral. Wir wollen nicht erst untersuchen, ob die religiöse Erziehung in Berlin auf derselben Höhe steht, wie die intellektuelle Ausbildung. Denn schließlich giebt es immer unglückselige Naturen und verhängnisvolle Einflüsse, die auch die bestem religiösen Anleitungen unwirksam machen. Die Religion kann nicht alle retten; aber sie bildet für sehr viele den Rettungsanker in jenen gefährlichen Uebergangsjahren, die den Hennig bereits auf die Verbrecherlaufbahn brachten. Mit 16 Jahren war er schon zum ersten Male bestraft.„„ In einem Blatte wird ausgefuhrt, Gefangnis und Zuchthaus hätten sich auch hier als Hochschulen des Verbrechertums erwiesen, demn Hennig, der als jähriger schon zehn Jahre lang gesessen, sei durch die unzweckmäßige Strafart erst vollends verdorben worden. Es ist richtig, daß unsere Gefängnisse und Zuchthäuser mehr Leute verschlechtern, als wie sie bessern; aber ein Mensch mit der Arbeitsscheu und den Verbrecherinstinkten eines Hennig wäre ohne Aufenthalt im Gefängnis derselbe geworden, wie jetzt. Aus diesem Vorfall kann man höchstens folgern, daß unsere Freiheitsstrafen, auch die Zuchthausstrafe, nicht abschreckend genug wirken. Dieser Mißstand ist aber erst neuerdings aufgedeckt. Ebenso ist die Frage schon alt, ob man nicht die rückfälligen Verbrecher, die als gewohnheits= und gewerbsmäßige Frevler an der Gesellschaft unschädlich gemacht werden müssen, nach einer Strafkolonie deportieren oder in einem Arbeitshause bis zu erwiesener Besserung invernieren solle. Das sind Fragen, die ungeheuer weit und tief greifen und unmöglich so nebenbei unter Eindruck eines sentationellen Einzelfalles gelöst werden können. Westfalen und Rheinland. * Plettenberg, 3. Mai.(Von Sträflingen überfallen.) Im Gerichtsgefängnis wurde der Amtsgerichtsdiener Höke, als er drei in einer Zelle internierten Sträflingen das Abendbrot brachte, von zwei derselben, einem Italiener und einem Kroaten, überfallen und derart zugerichtet, daß er sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. Dem Kroaten gelang es, zu entwischen und sich bis jetzt verborgen zu halten. Sein rabiater Komplize dagegen war von dem Gerichtsdiener solange festgehalten worden, bis Hilfe herbeikam und er wieder in die Zelle zurückgebracht werden konnte. Der dritte Sträflig hatte sich während des ganzen Vorganges teilnahmslos verhalten. * Lütgendortmund, 3. Mai.(Genickstarre.) Seit kurzer Zeit ist hier der vierte Fall an Genickstarre zur Anmeldung gekommen. Dem Bergmann Duffe erkrankten mehrere Kinder an Diphtheritis; bei einem vierjährigen Kinde dieser Familie wurde auch Genickstarre festgestellt. Das Kind wurde sofort ins Krankenhaus gebracht und ist bereits der gefährlichen Krankheit erlegen. * Lutzerath, 3. Mai.(Ein seltsames Paar.) Vor dem hiesigen Standesamte erschien dieser Tage ein selltsames Paar aus einem benachbarten Orte Der Bräutigam zählt nicht weniger als 82 Jahre, während seine Braut erst auf 27 Lenze zurückblicken konnte. * Westerholt, 3. Mai.(Glücklicher Sturz.) Das vierjährige Kind des Lokomotivführers Schulz kletterte in einem Augenblick, wo niemand im Zimmer weilte, auf ein im Fenster ausliegendes Kopfkissen und stürzte mit diesem aus dem dritten Stockwerst auf das Straßenpflaster Das Kind hatte sich krampfhaft an dem Kissen festgehalten, welches ihm bei dem Aufschlagen auf den Erdboden denn auch einen ganz wesentlichen Schutz darbot. Es trug nur einen Beinbruch davon; ohne den Schutz des Kissens wäre ihm der Tod wohl sichen gewesen. * Werden, 3. Mai.(Leichen landung.) Gestern abend gegen 6 Uhr wurde an jenseitigen Ufer der Ruhr, oberhalb der Papierfabrik, die Leiche eines ungefähr 23 Jahre alten Mädchens gelandet, die etwa 14 Tage im Wasser gelegen haben dürfte Wie bereits festgestellt werden konnte, hat man es mit dem jungen Mädchen zu tun, das am Karsamstag von hier aus brieflich ihrer in Essen wohnenden Muter den Entschluß mitteilte, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Diesen Entschluß hat die Unglückliche, die den Tod ihres Bräutigams bertagte in der Nacht zum 15. April ausgeführt. * Marxloh, 3. Mai.(Trübe Erfahrungen) hat vor kurzem ein Einwohner unserer Gemeinde machen müssen, der im Besitz eines großen Hauses war. Er hatte, damit er gesichert sei, falls sich seine VBerhältnisse eiennmal verschlechtern sollten, sein Haus auf den Namen seiner Frau schreiben lassen. Vor einiger Zeit brachen nun ernste Differenzen zwischen den Ehgleuten aus, in Tanke Irmgard. Roman von Albin Manger. 80 Jetzt hatte er nochmals 50000 Fl. vorgeschossen, um die Schulden Manfredos zu decken. Wie sie das alles drückte! Fredine berechnete emsig, was sie bei der größten Einschränkung an einem bescheidenen Orte wohl verbrauchen könnte. Ihr Entschluß stand fest, hier in Hochstein blieb sie nicht, die Dankbarkeit Lothars für ihren Vater, die er jetzt an sie abtragen wollte, erdrückte sie.„.. zen wosl. MNain“, Lieber wollte sie auf Jahre allementsagen, wollle allein leben, fern von jedem Geräusche der Welt, bis sie Lothar nichts mehr schuldete. Als sich Braun wieder melden ließ, teilte sie ihm mit, daß sie willens sei, Hochstein mit allen Vorwerken, so weit diese noch ihr Eigentum, zu verpachten, daß sie selbst nur ihre alte Weber als Bedienung mitzunehmen gedächte und mit einem kleinen Jahrgelde, sie nannte ihm eine Summe, an einem billigen Orte leben wollte, bis alle Schulden amortisiert seien. Braun blickte lächelnd in die erregten Züge der jungen Herrin:„Durchlaucht werden mit dem festgesetzten Gelde nicht weit reichen!“ entgegnete er lakonisch, als aber Fredine heftig erwiderte:„Lassen Sie das meine Sorge sein!“ meinte er verlegen:„Ja, aber der Herr Vormund muß doch auch erst gefragt werden!“ „Ist es denn nötig, daß ich als Frau überhaupt noch einen Vormund habe?" fragte Fredine gereizt.„Könnte ich nicht beantragen, daß man mich mündig erklärt?“ „Die gnädige Durchlaucht haben zu viel verbraucht, das Vormundschaftsgericht dürfte das Vertrauen verloren haben!“ entgegnete Braun mit verlegener Miene.„Hätte damals, als der schwedische Herr Graf die Nachricht von dem so plötzlichen Tode des Herrn Fürsten brachte, nicht der Meißendorfer Herr gleich alles übernommen, hätten so schon die Gerichte die Nase in den Nachlaß gesteckt!“ Fredine wandte sich errötend ab, wieder Lothar! Nein, sie mußte fort, um jeden Preis!„So besorgen Sie mir die Einwilligung des Vormundes!" befahl sie und entließ den RentBisher hatte Fredine keine Besuche in der Nachbarschaft gemacht, die tiefe Trauer und ihre Krankheit entbanden sie ja davon; blieb sie länger, so konnte sie nicht umhin, frühere Beziehungen wieder anzuknüpfen. Ihr wurde siedend heiß, sie daran dachte, daß man über sie und ihre unglückliche Ehe sprechen und sie ein Gegenstand der Neugier für Jung und Alt sein würde; daß ihre plötzliche Abreise aus der Residenz auch hier nicht eben liebevoll ausgelegt worden war, das alles hatte sie noch, gar nicht überlegt, ihr schwebte nur immer ein Bild vor der Seele, Lothar und Asta! Ehe sie in sein Haus ging, ehe sie die Blicke seiner Gattin auf sich ruhen ließ, lieber wollte sie mit noch weniger Mitteln sich einGegen Abend ließ Lothar sich melden. Braun war bei ihm gewesen und hatte ihm das Ersuchen der Herrin um Einwilligung in ihre Pläne vorgetragen; es hatte eine heftige Szene gegeben, Graf Trach war erzürnt, ja, heftig sogar gegen den alten Rentmeister gewesen, wozu hatte er Fredine eingeweiht? Braun hatte dagegen gehalten, daß er die Bücher vorlegen müsse, wenn es von ihm verlangt würde, und daß ühberdieg di stin Manguelio selber am besten wissen müsse, daß ihre enormen Ansprüche im letzten Jahre Hochstein stark ben#stet haben müssen. „Sie haben einen so schwerwiegenden Entschluß gefaßt, Durchlaucht?" begann Lothar, nachdem er den Sessel neben Fredine eingenommen hatte, er wußte selbst nicht, warum das„liebe, kleine Fredine“ nicht über seine Lippen wollte.„Sie verlangen meine Einwilligung?“ „Nun ja, ich muß sie ja haben, da Sie einmal mein Vormund sind!“ entgegnete Fredine herb. „So möchte ich Sie, kraft meiner Autorität als Vormund, ersuchen, sich einen so wichtigen Schritt erst reiflich zu überleSie hatte die Augen fest auf ihn gerichtet, und er fühlte, wie ihm das Blut aus dem Herzen in die Schläfen schoß, als er fortfuhr:„Sie sind verwöhnt, durch äußere Verhältnisse,“ schaltete er ein, als ihr Blick ihn vorwurfsvoll fragend traf, „Sie werden sich in so veränderter Lebenslage nicht zurechtfinden, Sie waren gewöhnt, Ihre Ausgaben nicht zu berechnen,“ ein Blitz aus den großen Kinderaugen schoß zu ihm herüber, und er lenkte entschuldigend ein:„Daß Sie von den Summen, die im letzten Jahre an Ve, abeziger,ir wußt, Fredine, das wußte ich, sobals u. Sie wiebersah.. Fredine ließ ihn nicht fortfahren:„Ich maußte, fpehl. rum, denn ich habe sie selbst verlangt, oder lasen Sie meine Unterschriften nicht, Graf Trach?“ Ihre Stimme klang hart, eo las sie, entgegnete Lothar, und sein Blick ruhte vol inniger Teilnahme einen Augenblick auf den feinen, edlen Zügen;„aber Sie waren von jeher verwöhnt," nahm er den alten Faden wieder auf,„überlegen Sie wohl, was es heißt, mit wenigen zugezählten Groschen haushalten zu müs„Mein Entschluß steht fest, ich habe alles wohl erwogen erwiderte sie bestimmt, und in diesem Augenblicke war jeder Zoll an ihr eine Fürstin. „So verlange ich, daß Sie wenigstens bis zum Frühjahr hier warten, bis ich einen Pächter beschafft haben kann, fuhr Lothar fort, dann setzte er weich hinzu:„Wenn es Ihnen hier zu einsam wird, Fredine, dann kommen Sie zu mir die Zeit, Meißendorf hat ja jetzt eine Hausfrau, die Sie willkommen heißen wird, ich bin überdies Ihr Vormund Fredine war aufgesprungen, alleFarbe war aus ihrem Gesichte gewichen, sie streckte beide Hände abwehrend gegen den Vormund:„Nie, nie, nur das nicht!“ stieß sie leidenschaftlich hervor. Lothar blickte voll inniger Trauer auf die liebliche Gestalt vor ihm; was flößte ihr diese augenscheinliche Angst vor „Ich bin die Einsamkeit gewöhnt und liebe sie!“ setzte Fredine wie entschuldigend hinzu,„bei fremden Menschen ist mir so sehr, sehr bange!“ Eine peinliche Pause entstand, dann schien es, als habe Lothar einen letzten peinlichen Eutschluß gefaßt:„So lassen Sie mich Ihnen noch etwas anderes mitteilen, das ich aus Zartgefühl Ihnen noch vorenthalten wollte bis auf eine passendere Zeit," begann er von neuem, zog einen Brief aus der Brusttasche und reichte ihn seiner Mündel hinüber.„Ich erhielt heute!? 137.20 deren Verlauf die Frau ihren Mann sehr nachdrücklich aufforderte, ihr Haus zu verlassen. Wohl oder übel zu verlassen. Wohl oder übel mußte dieser der Aufforderung Folge leisten und wohnt jetzt fern vom schönen Marploh als möblierter Herr. Häuslichkeit! Eine unheimliche Krankheit geht durch unsere Zeit. Das Schlimmste dabei ist, daß es die meisten garnicht bedeuten hat. Wie soll ahnen, was dieses Siechtum zu beocuren har.# man's gleich nennen? Diese Unruhe, die in die mueipen und Tingeltangel, die großen und die kleinen Gesellschaftem treibt; dieses nervöse Ausspähen nach immer neuen Vergnügungen bald hier, bald ddort— niun, kurz und bümndig gesagt, es ist die Aushäusigkeit. Zur geläufigen Redensart ist's bei unzähligen modernen Menschen geworden:„Abends zu Hause bleiben? Brr, wie langweilig!“ Und doch ist der alte gute Spruch kein leerer Wahn:„Trautes Heim— Glück allein!“ Einem Bismarck ists am wohlsten gewesen, wenn er nach den aufreibenden Tagesgeschäften heiter froh im Kreise der Seinen weilen durfte, und er hat dankbar bekannt:„Gott hat mir reichen Segen gegegeben, daß mein Familienleben ein so sehr glückliches ist.“ Unser deutsches Kaiserpaar, davon ist mit Recht grade bei der Silberhochzeit so manches berichtet worden, liebte von jeher eine echt christliche, echt deutsche Häuslichkeit. Auch ein herrliches Kaiserwort:„Ich fühle mich nirgends glücklicher als daheim in meiner Familie.“ Vorbildlich für alle Volkskreish sollte das sein, auch für die einfachsten und ärmsten. Es ist ja darüber oft gewitzelt worden, und es liegt doch eine bleibende Wahrheit in dem deutschen Dichterworte, daß auch„in der kleinsten Hütte“ Raum ist für ein„glücklich liebend Paar“. Und es sind ihrer, Gott sei's gedankt, immer noch genug Leute vorhanden, die mit Wilhelm Baurmann sprechen können:„Im kleinen Haus das große Glück kann mich mit hartem Los versöhnen, es fällt ins Herz wie Sonnenblick, wenn Feierabendglocken tönen“. Unserm Volke muß der wundersame häusliche Feierabend erhalten bleiben. Da kann's auch Scherz und Jubel, Unterhaltung und Abwechslung geben— warum denn nicht? Aber wie heißt's doch in dem kerndeutschen, von Altmeister Gorthe zu Ehren gebrachten Spruchreim:„Draußen zu wenig oder zu viel; zu Hause nur ist Maß und Ziel!“ Häuslichkeit im christlich=deutschen, freudig gläubigen Sinne, welche Fundgrube für Edles und Schönes, welche Burg der Gesundheit, der guten Sitte, der Sparsamkeit, des ernsten tapferen Arbeitens! Selbstverständlich kann auch in der Familie Aerger, Verstimmung und überhaupt Unangenehmes vorkommen. Menschen sind nun einmal keine Engesl, und jeder hat so seine eigenen Gedanken und Wünsche. Aber andverseits ist eben das häusliche Leben eine außerordentlich praktische Erziehungsstätte in Sachen des Nachgebens und sich gegenseitig Verstehen Lernens. Geibels sinnige Verse könnten darüber geschrieben stehen:„Das ist die rechte Ehe, wo zweie sind gemeint, durch alles Glück und Wehe zu pilgern treu vereint; der eine Stab des andern und liebe Last zugleich, gemeinsam Ruh' und Wandern und Ziel das Himmelreich!“ Zum Hause gehören auch die Kinder. Sich mit ihnem in den Freistunden abzugeben, ihnen auf alle erdenkliche Weise wirklich Vater und Mutter zu sein, das hat einen tieferen Sinn und einen viel höheren Wert, als sie den fremden Leuten überlassen und derweilen in die Wirtshäuser oder zu den sonstigen Vergnügungsstätten laufen. Daheim! Möchte der sonnige Zauber dieses kleinen Wortes nicht mutwillig und gedankenlos erstickt werden! Es plappern jetzt eine Menge Menschen mit aller Oberflächlichkeit so ungefähr das nach, was Rauchhaupt in Gerhart Hauptmanns„Rotem Hahn“ als aufdringliche Lebensweisheit zum Besten gibt:„Allens is traurig in de Welt; et is bloß de Frage, wie man et ansieht!“ Im christlich deutschen Hause, da isst eins der stärksten Bollwerke gegegenüber allem blasiert=resignierten Stumpssinn, da ist ist eine warmherzige Welt im kleinen, die einem oft einen vortrefflichen Halt für das Leben und Treiben da draußen gibt. e Vermischtes. Das größte Naturwunder der Welt., die Viktoriafälle des Iguazu in der Republik Argentinien, schildert unter Beigabe einer prächtigen, technisch meistenhaften Gesamtansicht die illustrierte Zeitschrift„Ueber Land und Meer“(Stuttgart, Deutsche Verlags=Anstalt) in ihrem soeben ausgegebenen 13. Heft. In einem Halbkreis von etwa 4000 Metern stürzt sich der Iguazu von einer Höhe von mehr als 60 Metern kaskadenartig in die Tiefe. Seine Breite übertrifft also die Niagarafälle um mehr als das Vierfache und er ist 10 bis 15 Metev höher als diese. Es sind vielleicht hundert riesige Wasserfälle mebenund übereinander, die aber zusammen ein kolossales Ganzes und mit der sie Uunterbrechenden Vegetation ein einziges überwältigendes Bild unübertrefflicher Naturschönheit bieten. Die Wasser stürzen sich mit so großer Gewalt auf den felsigen Grund herab, daß sich aus dem dichtem Wasserstaub eine gewaltige, undurchdringliche Säule bildet, die bis zu einer Höhe von 100 Metern zum Himmel emporsteigt. Die ganze Luft ist wie ein seiner, weicher Schleier, durch den in der Sonne die oberen Teile des Falles wie flüssiges Gold leuchten und in denen sich beständig nette Regenbogen von inkensiver Farbenpracht bilden. Und die Vegetation! Dort ist nicht ein Stein, der nicht mit den fesselsten Moosen und Flechten bewachsen und von den zierlichsten und schönsten Farnkräutern beschattet wäre. Nachlässig zertritt man bei jedem Schritt Pflanzen, die nordamerikanische Milliadäre mit Gold aufwiegen würden, wenn sie ihre Tafel und ihre Salons schmücken könnten. Man braucht nur die Hand auszustrecken, und ohne lange Wahl pflückt man Begonien, Orchideen, und hundert der seltensten Pflanzen. Mehr als 400 Holzarten zählte man auf einem lächenraum von einer Quadratmeile, und unter diesen sind die kostbarsten und schönsten; einige von ihnen gleichen nach dem Polieren farbigem Marmor. Ueber die Fälle teilte Horazio Anasagasti, Kommissar der Regierung Argentiniens, dem Geographischen Kongreß in St. Louis folgendes mit:„Ich habe die Iquafälle gemessen. Ich habe auch die Niagara= und Sambesifälle gemessen und studiert und kann daher behaupten, daß die Iguazufälle die größten der Welt sind. Ich bin auch sicher, daß diese Fälle in einem Jahreals das größte Naturwunder gelten werden. Der Abgrund, über den der Fluß stürzt, ist 210 Fuß hoch, während der des Niagara nur 167 Fuß mißt. Man schätzt, daß stündlich 100 Millionen Tonnen Wasser über die Niagarafälle brausen und schäumen; für die Iguazufälle beträgt aber die Wassermenge in derselben Zeit 140 Millionen Tonnen.“ *(Vogelschutz und Damenmode.) Vor kurzem ging durch die Presse die Nachricht, daß in England die Königin selbst sich an die Spitze der Bewegung gegen den Aufputz von Damenhüten mit Vogelleichen gestellt habe und daß zu gleichem Zwecke endlich auch in Paris eine Frauenliga gegründet worden sei. Daß man in dieser Beziehung auch in deutschen Landen rüstig am Werke ist, lehrt ein Bericht in dem letzten Heft des„Deutschen Tierfreundes". Ddanach fand in diesem Frühjahre in Berlin ein Wohltätigkeitsfest statt, an dem mehr als tausend Angehörige der ersten Gesellschaftskreise teilnahmen. An der Spitze des Festkomitees stand die Gräfin von der Gröben. Ein ganz eigenartiger Reiz war dem Feste dadurch verliehen worden, daß der größte Teil der Damen zu den kostbaren Balltoiletten Hüte trug, die aufs reichste und prächtigste mit Blumen und Straußenfedern garniert waren, auf keinem jedoch war sein ausgestopfter Vogel oder das Gefieder nützlicher Vogelarten zu sehen. Diese für jeden Naturfreund erfreuliche Erscheinung hatte ihren Grund darin, daß auf dem Festprogramm ausdrücklich für die Balltvilette vorgeschrieben war:„Der Gebrauch von Vögeln, alls Kopfschmuck ist ausgeschlossen.“ Dies dürfte wohl das erste Mal geschehen sein, daß bei einer vornehmen Veranstaltung offiziell ein Verbot des Tragens von Vogelbälgen ausgesprochen wurde. Man gehht wohl micht mit der Annahme fehl, daß dieser Fortschritt dem Einfluß der Gräfin von der Gröben, der Vorsitzenden des„Internationalen Frauenbundes für Vogelschutz", zu danken ist. Im Zwischenakt.„Potztausend, daß das Stück auch gerade so niederträchtig sentimental ssein muß!“—„Lieben Sie das nicht?"—„Sonst wohl— aber heute sitzt mein Neffe neben mir, und der bemutzt meine rührselige Stimmnung und pumpt mich immer an!“ Wetterbericht der deutschen Seewarte. 4. Mai. Wolkig, windig, kühler, strichweise Regen. 5. Mai. Bewölkt, Regenfälle, kühl, windig. 6. Mai. Wolkig, vielfach bedeckt mit Regen, kühl, windig. Verantwortlicher Redakteur: Wilh. Schade, Schwerte. Schlachtviehpreise nach Lebendgewicht Auf Grund amtlicher Marktberichte zusammengestellt und nach eigenen telegraphischen Berichten gearbeitet von der Centralstelle für Viehverwertung der Preußischen Landwirtschaftskammern Berlin W., Köthenerstraße 28/29. Auftrieb: Tendenz: Rinder Kälber Schafe Schweine Rinder Kälber Schafe Schweine Mk. a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes b) junge fleischige, nicht ausgemäst. u. ält. ausgemäst. o) mäßig genährte junge und gut genährte ältere d) gering genährte jeden Alters. a) vollfleischige, ausgemästete bis zu 5 Jahren.. b) vollfleischige jüngere.. o) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere d) gering genährte a) vollfleisch., ausgemäst. Färsen höchst. Schlachtw. b) vollfleisch., ausgemäst. Kühe, höchst. Schlachtw. o) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut ente wickelte jüngere Kühe und Färsen... d) mäßig genährte Kühe und Färsen..... e) gering genährte Kühe und Färsen...... a) Doppellender b) feinste Mast=(Vollmilchmast) u. beste Saugkälber c) mittlere Mastkälber und gute Saugkälber d) geringere Saugkälber e) alteres gering genährtes Jungvieh(Fresser) a) Mastlämmer und jüngere Masthammel. d) ältere Masthammel c) mäßig genährte Hammel und Schase(Märzschafe) d) Holsteiner Niederungsschase und Lämmer a) vollfleischige der Rassen u. Kreuzungen bis zu 1. J. b) Käser c) fleischige gering entwickelte.. d) Sauen Mr. 43—46 44—45 36—38 31—32 27—29 37—44 81—33 24—27 38—34 30—31 24—26 21—22 58—61 48—50 32—38 24—27 36—87 32—33 22-24 63 60—62 56—59 55 37—38 82—34 27—29 41—42 34—36 29—31 89—40 35—86 81—38 24—27 52—54 48—51 44-47 40—42 88 39 66 64—65 59—63 Mk. 43 88—89 32—33 27—28 41—42 36—87 81—32 26—27 36 31 82 25—27 42—48 36—38 69 66—67 58—62 Mik. 43—44 89—40 83—35 43 85—37 30—31 41—42 36—37 32—83 25—27 70 54—55 50—52 44—48 41 Fernsprecher 32 empfiehlt Streichfertige Oel- u. Lackfarbe = Bernsteinlack= l’insel- Bronzen- Beizen — Fensterglas Spiegel-, Roh- u. Drahtglas in allen Größen geschnitten. — Kitt= weiß und gelb: Ziehung 16.(7, K. und 19. Bal Zienung zu Freiburg I. Br. 7te Grosse Freiburger Geld-Lotterie zur Wiederherstellung des Münstere Lose à„M. 3.30 Porto u. Liste Lose à Nr. 3.30 Jo Pig. extra. 164 SchutzMarke. 67 64—66 58—62 59—63 58—62 Rassereine rebhuhnfarbige Italiener Bruteier Stück 10 Pfg. Fritz Schroer, Lichtendorf. 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