Erstes und ältestes Tages-Organ des Kreises Hörde. Haupt Annoncenblatt Nr. 96. Mittwoch, den 2s. April 1990. 38. Jahrgang. Amtliches Kreisblatt alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbindliche Kraft. Insertionsgebühr für lokale Anzeigen, die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., außerhalb 15, Reklame=Zeile 40 Pfg., Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Fernsprech=Anschluß Nr. 62. Amt Schwerte. Abonnementspreis pro Quartal: 1 Mark 65 Pfg., extra 42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“ Deutscher Neichstag Am Dienstag, nach Schluß der Osterferien, ist der Reichstag wieden zusammengetreten. Präsident Graf Ballestrem begrüßte die Erschienenenund gedachte dann des Vesupausbruchs und des Unglücks in San Franzisko Er sprach von dem uns verbündeten Italien, mit dessen Volk uns alte historische Gefühle nahe verbinden(!) und wom dem uns befreundeten und stammverwandten mordamerikanischen Volbe. Das deutsche Volk nehme an der schweren Heimsuchung der beiden befreunbeten Nationen dem innigsten, schmerzlichsten Anteil.(Lebh. Beifall.) Und er, der Präsident, sei sich bewußt, im Namen aller Vertreter des deutschen Volbes zu sprechen, wenn er von dieser Stelle aus diesen Gefühlen Ausdruck gegeben habe.(Neuer lebhafter Beifall.) In Erledigung der Tagesordnung wurden hierauf endgiltig angenommen: Der Gesetzentwurf über die Entlastung des Reichsinvallidenfonds und die Novellen betreffand Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses, Erhöhung der Naturallleistungs=Entschädigungen und betreffend die Servis= und Klasseneinteilung der Orte. Nachdem das Haus auch noch Eingaben erledigt hatte, erfolgte schon nach zweistündiger Sitzung Vertagung. Dienstag: Gesetzentwürfe betressend Haftpflicht der Tierhalter, betrefend Vogelschutz und betreffend Haftpflicht der Automobilbesitzer. Politische Uebersicht. Deutschland. Der italienische Botschafter in Berlin, Graf Lanza. Wie aus Rom gemelldet wird, hält man dort die Abberufung des Berliner italienischen Botschafters Grafen Lanza für nahe bevorstehend. Graf Lanza, der bald nach Schluß der Marokkokonferenz nach Rom zitiert wurde, hat dort inzwischen mit den maßgebenden amtlichen Persönlichkeiven eingehende Besprechungen gepflogen. Fast 14 Jahre hat Graf Lanza, der in seiner Heimat den Rang eines Divisionsgenerabs besitzt, den Berliner Botschafterposten inne gehabt. Carlo, Graf Lanza, Marchese di Busca, wurde am 31. Maj 1837 in Mondovi geboren, 1856 wurde er Leutnant der Artillerie, machte dann die Kriege von 1859 und 1866 mit, und trat 1873 als Militärattache in Paris in den diplomatischen Dienst über. 1879—1884 war er der Botschaft in Wien beigegeben, ward dann General, befehligte 1887— 1890 eine Brigade in Erythräa, dann die Division in Genua bis er 1892 den Berliner Botschafterposten erhielt — Wie die deutschen Katholiken in der Ostmark behandelt werden, erzählt der„Graud. Die deutschen Katholiken von Gorzno wandten sich im Dezember vorigen Jahres an ihren geistlichen Hirten, den Bischof Dr. Rosentreter von Pelplin, und baten ihn um Gewährung von vier deutschen Predigten im Jahre, um Verlesung der Evangelien auch iin deutscher Sprache und Verlegung der pollnischen Predigt ans Ende des Gottesdienstes. Auch stellten sie fest, daß ihnen die Teilnahme an den Kirchenvorstandswahlen dadurch erschwert oder gar unmöglich gemacht wurde, daß ddie Termine dieser Wahlen nur in polnischer Sprache von der Kanzel angekündigt würden. Das war, wie gesagt, im Dozember. Heute haben wir Ostern hinter uns, und noch immer warten die deutschen Katholiken von Gorzno auf einen Bescheid. — Wo die Arbeitergroschen bleiben. Für die russischen Revolutionäre haben die deutschen Sozialisten bis jetzt 307399 Mark gesammelt. Was da auf einzelnen Listen gesammelt wurde, bedarf wohl keiner weiteren Hervorhebung. Aber sehr bemerkenswert ist, daß die gewerkschaftliichen Zentralverbände aus ihren Kassen hohe Summe für die russischen Revolutionäre hergaben. So schickte der Zentralverband der Maurer, Zweigverein Berlin, 3000 Mark ein. Von der Geldsammlung für eine Kranzspende, welche die Arbeiter und Arbeiterinnen der deutschen Waffen= und Munitionsfabriken zum 18. März veranstalteten, blieben als Ueberschuß 669 Mark; da sieht man wieder, wie das Gelld eingetrieben wird. Ein Posten soll von der Versammlung der Spandauer Staatswerkstättenarbeiter im Rothen Adler herrühren; das ist„Sand in die Augen“. Die Versammlung war wohl für die Staatswerkstättenarbeiter einberufen, aber schließlich erhielt jeder Genosse Zutritt. 4000 Mark für die russischen Revolutionäre wurden im 3. Hamburger Wahlkreis und im 6., 8. und 10. schleswig=holsteinischen Wahlkreis gesammelt. Kürzlich haben ja die Agitatoren wiederholt in Hamburg und Berlin erzählt, daß der Arbeiter nicht wisse, wie er angesichts der hohen Preise für Lebensmittel seinen Hunger stillen könne; und hier werden im Handumdrehen 4060 Mark für die russischen Revolutionäre aufgebracht. Das Trennungsgesetz. Paris, 24. April. Nach einer amtlichen Mitteilung hatten von 38000 Geistlichen, denen auf Grund des Trennungsgesetzes ein Anspruch auf lebenslängliche Pension oder zeitweilige Unterstützung zusteht, bis zum 15. April 27•242 darum nachgesucht. Zur Eröffnung der Reichsduma. Petersburg, 24. April.(Russ. Telegr.=Agentur.) Der Kaiser beschloß, den Reichsrat und die Duma am 10. Mai persönlich in Petersburg und mit großer Feierllichkeit zu eröffnen. England allüberall. Schanghai, 24. April. Der neue englisch=tibetanische Vertrag bestimmt die Anerkennung des chinesischen Protektorats in Tibet, England verpflichtet sich, in Tibet mur dann vorzuschreiten, wenn es andere Mächte tun. China bewilligt dafür die Eröffnung mehverer Märkts für den indischen Handel, ein englisches Vorzugsrecht im Eissenbahnbau und 2400000 Taells Entschädigung für die Lhassa=Expedition. Ein Marineskandal in Italien. Rom, 24. April. Die Marineenquete scheint nach Veröffentlichung des Deputierten Torraca im „Corriere della Sera“ bedauorliche Resultate zutage zu fördern. Während die„Tribuna“ und die„Patria“ diese Veröffentlichungen dementieren, spricht der„Messagere“ dem Deputierten Torraca sein Vertrauen aus und sagt, zu dem Vesuvunglück geselle sich ein neues moralisches Unglück. Der Bericht führt aus: Obwohl die Ueberlegenheit der Kruppschen Panzer schon durch den Minister Briand festgestellt und deren Anschaffung empfohlen worden ist, hört man nach dessen Tode nichts mehr davon. Die Armierung sei mangelhaft in bezug auf Qualität umd Quantität. Anstatt Stahlkanonen erhielt man solche von mminderwertiger Qualität. Man beordente Geschosse eines Typs und erhielt mehrere Typs und sicher nicht die besten. Für die Prüfung von Panzern gebrauchte man schlechte Geschosse, für die Prüfung der Geschosse schlechte Panzer. Die Kommission sagte, die italienische Marine sei dem Menschenmaberial nach die erste(der Welt, aber sie sei so schlecht wegen Mangels an Material, Irmierung und Ausrüstung. Die Bureaukratie unterdrücke jede gute Initiative. Das Verwaltungspersonal sei privaten Einflüssen zu sehr zugänglich. Die Lebensmittellieferanten hätten einen wahren Schmuggelring gebildet. Die Gendarmeriefrage in Frankreich. Die Regierung in Frankreich kann immer nur eine Parteiregierung sein. Sie repräsentiert die Mehrheit der Kammer und führt deren Willem aus. In England ist zwar das Verhältnis ein ähnliches, die Folgen aber sind nicht so schroffe, da die Parteiem sich bei weitem nicht so scharf gegenüberstehen als in Frankreich. Jeder Franzose ist eifriger Parteimann und die Angehörigen des Heeres machen darin keine Ausnahme, der Allehöchste Kriegsherr dem alle ihrem Eide ensprechend Gehorsam lleisten), auch wenn ihr Herz anders fühlt, fehlt; es ist Daher nur natürlich, wenn, wie es recht häus sig vorgekommen ist, die Truppe in Fällen ersagt, wo sie zur Durchführung der Regierungspolitik im Innern gebraucht werden soll. Grobe Indisziplinen haben sich eresignet sowohl bei der Unterdrückung von Unordnungen bei Gellegenheit von Streiks, bei der befohlenen Schließung von Klöstern, wie jetzt bei der angeordneten Inventuraufnahme in den Kirchen Der Wunsch, bei solchen Veranlassungen Truppen nicht verwenden zu müssen, ist daher erklärlich, dazu kommt daß man die in vielen Kresisen herrschende feindliche Gesinnung gegen das Heer, die in dem nicht selltemen Ruf:„a bas l'armee“ zum Ausdruck kommt, nicht zu vermehren wünscht, indem man das Heer blutigen Konflikten mit der Bevölkerung aussetzt. Die Disziplin in der Armee hat überdies durch diese und andere Umstände auch so geslitten, daß man grobe Vergehen gegen diese vielfach nicht entsprechend zu ahnden gewagt hat. Aus jenen Umständen erklärt es sich, daß man bereits seit einigen Jahren den Plan ins Auge gefaßt hat, eine„mobile Gendarmerie“ zu errichten, die bei solchen Ereignissen Verwendung finden soll unter grundsätzlicher Ausschaltung des Heeres. Unter Kriegsminister Andree war bereits ein solcher Plan ausgearbeitet, dem der Senator Montfort den Plan auf Errichtung einer„mobillen Polizei“ entgegenstellte. Der Plan des Kriegsministers scheint munmehr zur Ausführung zu gellangen. Man hat sich zur Vermehrung der Gendarmerie und nicht der Polizei entschlossen, da die erstere, als Elitetruppe bekannt, sich eines bei weitem größeren Ansehens bei der Bevölberung erfreut als die Polizei. Man meint, daß das Erscheinen einer Abteilung Polizei bei Unordnungen häufig aufreizend gewirkt hat, während das Eingreifen einiger Gendarmen auch ohne Waffengebrauch meist zum Ziele führt Die Einführung der zweijährigen Dienstzeit im Heere hat jedenfalls für den Plan fördernd gewirkt; man will die sehr junge Truppe durch Abteilungen besonnener, für jemen Dienst besonders vorgebildeter Männer ersetzen und besigt dabei dem bisherigen Uebellstande vor, daß, wenn man sich entschloß, bei solchen Gellegenheiten die Provinzialgendarmerie zusammenzuziehen, der regellmäßige Dienst der Sicherheitspolizei darunter litt. Der Kriegsminister hat der Kammer nunmehr ein entsprechendes Gesetz worgelegt Es soll vorläufig ein Korps vom 2000 Mann, davon die Hälfte beritten, aufgestellt werden, das in einzelnen Abteilungen von verschiedener Stärke an entsprechenden Punkten kaserniert wird und dem Befehlshaber der Gendarmerie des Distrikts unterstellt ist. Die Organisation umfaßt Kompagnien und Eskadrons bezw. einzelne Züge. Da die Gendarmerie sich nur durch freiwilligen Eintritt gedienter Soldaten ergänzt, ist die Regierung sicher, eine ihr unbedingt ergebene bewaffnete Macht in dieser Schöpfung zu haben, deren Vermehrung man ev. beschließen wird. Die republikanische Regierung wird durch dies Institut eine starke Stütze geganüber allen politischen Bewegungen im Innern erhalten. von Pelet=Narbonne, Kassel. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 21. April. *(Entbehrliche Fremdwörter.) An verschiedenen Stellen der März=Nummer der Zeitschrift des Allgemei nen Deutschen Sprachvereins wird über entbehrliche Fremdwörter und ihre glückliche Verdeutschung erzählt. Zunächst wird von technischen Ausdrücken berichtet, die der Geheimrat Hausding vom Kalsenichen Patentamt in der zweitan Auflags seines Buches über Torfgewinnung und Torfverwertung verdeutscht hat. Da heißt es z. B. Schleuderpumpe statt Zentrifugalpumpe, Brennstoff statt Brennmaterial, Verfahren statt Methode, Gasentwichkler statt Gasgeneratoren; da lautet ferner eine Ueberschrift„Heizwirkung der Gewichtseinheit, der Maßelnheit und der Hitzegrad,“ während sie früher hieß:„Wärmeeffekt, absoluter, spezifischer und pyrometrischer. In solcher Weise führt der Verfasser die Verdeutschungsarbeit in dem ganzen Bucch durch. Aus Volumen wird Rauminhalt, aus Kallorie Wärmeinhalt, aus Kurve Bogenlinie oder krumme Linie, aus radial strahlig, aus homogen gleichartig, aus einer permanentan Bewegung wird eine stetige Bewegung, aus rotierenden Messern kreisende Messer, aus funktionierenden Maschinen arbeitende Maschinen. Je mach dem Zusammenhang verwendet er verschiedene deutsche Ersatzwörter: so wwird Konstruktion durch Ausführung, Einrichtung, Erbauung, Formgebung übersetzt. Zuweilen bleibt das in der ersten Auflage gesetzte Fremdwort als überflüssig weg, wie bei Torfbildungs=Prozaß, Zersetzungs=Prozeß, wo jetzt bloß Torfbildung, Zersetzung steht. So wird die Darstellung durch Beseitigung der Fraindwör#r oft klarer und bestimmter, und nicht allein in technische Schriften; auch in den Ankündigungen der Bomner Zerlitzschule sind neuerdings eine ganze Reihe von emdwörtarn mit Leichtigkeit verdeutscht worden. T heißt es nie mehr Institut, sondern stets Anstalt;i mehr immer Methode, sondern zur Abmehrmals Lehrweise; statt Korrespondenz wird emtweder Briefwechsol gesagt oder Briefe oder Briefschreiben; statt Formular abwechselnd Schein und Vordruck; statt korrigieren bald prüfen, balld verbessern; statt Kursus Lehrgang; statt Termin chier Tag, dort Frist; statt Honorar stets Stundengeld.— An einer dritten Stelle wird über den Dittmarschen Reiseführer für Südtirol gesprochen, in dem gleichfalls viele Fremdwörter auf glücklichste wermieden werden. Da heißt z. B. Strecke statt Route, Ausflug statt Tour, Weinhaus für Weinrestaurant, und statt Cafee Kaffeehaus; ferner Winterkurort statt Klimatischer Kurort, Pflanzenwelt statt Vegetation, Vorhalle statt Portikus.— Man sieht also, daß es auf dem verschiedensten Gebieten sehr wohl möglich ist, unnötige Fremdwörter zu vermeiden und durch gute und meist viell verständlichere deutsche Ausdrücke zu ersetzen. **(Westfälischer Städtetag.) Im Anschluß an die gestern von uns mitgeteilte geschäftliche Tagesordnung für den am 11. und 12. Mai dieses Jahres in Soest stattfindenden westfälischen Städtetag bringen wir nachstehend die von dem Ortsausschuß aufgestellte Festordnung zur Kenntmis: Freitag, den 11. Mai, nachmittags 3 einhallb Uhr, Zusammenkunft im Saale der Ressource. Erledigung der für den ersten Tag festgesetzten Tagesordnung. Nach den Verhandlungen— etwa einhalb 8 Uhr— gesellige Zusammenkunft und Konzert auf dem Schützenhof, Sonnabend, den 12. Mai, orgens 8 Uhr, Zusammenstreffen am Rathause. Besichtigung hochinteressanter Sehenswürdigheiten: Osthofentor von 1536 mit Sammlungen, Burghof mit Burghofskapelle(altes Patrizierhaus), viele Fachwerbhäuser mit reichen Schnitzereien und Bemalungen, Kirchen. Die Besichtigung erfolgt in verschiedenen Gruppen unter je einern Führer. Morgens 10 Uhr Zusammenkunft in der Ressource zur Erledigung der für den zweiten Tag festgesetzten Tagesordnung. Nachmittags 2 Uhr Festessen im Blauem Saal des Rathauses. Abends 7 Uhr gesellige Zusammenkunft und Konzert im Ressourcegartem. *r(Aufnahme an der Höheren Mädchenschule.) Heute vormittag fand die Aufnahmeprüfung an der Höheren Mädchenschule statt. Zur Aufnahme gelangten 31 Schülerinnen, darunter drei für höhere Klassen. Die Gesamtzahl der Schülerinnen ist damit auf 96 gestiegen, gegen 76 im Vorjahrs ein Zeichen erfreulicher Entwickelung dieser Lehnanstalt. **(Sein 25jähriges Arbeitsjubiläum) auf dem Nickelwalzwerk feiert in diesen Tagen Herr Walzmeister Derkmamn hierselbst, Kampstraße wohnhaft. In welch treuer gewissenhafter Weise Herr Derkmann allzeit dem ihm anvertrauten Posten worgestanden hat, dafür ist ein Beweis wohl der Umstand, daß er während dieses ganzen Vierteljahrhunderts nur 3 Tage gefehlt hat und auch diese kaum nennenswerte Versäumnis war noch durch Krankheit verursacht. Wir sprechen dem Jubilar, der sich bei sseinen Mitarbeitern und Vorgesetzten des besten Ansehens erfreut, zu seinem Ehrentage unseren besten Glückwunsch aus. Die Jubiläumsspende des Nickolwalzwerkes, die auch Herrn Derkmann zu teil geworden ist, bezw. wird, besteht bekanntlich in einem Sparbassenbuch über 200 Mark. **(Fürsorge für Hebammen.) Die Gemeindekomdes Hebammenvereins zu Halle a. S. um gesetzliche Remission des Abgeordnetenhauses hat über die Petition gelung der Einkommen= und Altersversicherungsverhältnisse der Hebammen Bericht erstattet und die Petitian der Regierung als Materiall überwiesen. Die Petition lwill ein Fürsorgegesetz für Hebammen schaffen, welches diesen ein bescheidenes Einkommen sichere und im Falle der Erwerbsunfähigkesit ssie vor Not und Sorge sschütze. Regierungsseitig wurde dazu erklärt, der Entwurf eines Hebammengesetzes sei in der Schwebe Man hoffe aber, schon in der mächsten Session den Entwurf worlegen zu können. *(Kirmes.) Am nächsten Mittwoch findet hierselbst die übliche Frühjahrskirmes statt. Mit derselben ist ein Schweinemarkt verbunden. Die Frühjahrskirmes hat gegen früher sehr an Bedeutung verloren. *(Falsche Fünf= und Zwelmarkstücke) sind in verschiedenen Städten in letzter Zeit in Umlauf gesetzt worden. WWährend bei ersteren der Rand sehr schlecht uund die beiden Flachseiten ziemlich deutlich bearbeitet sind, kann man bei letzterem das Gegenteil beobachten, der Rand ist gut ausgeprägt, während Nie übrige Prägung nratt mid undeutlich ist. Bei einiger Aufmerksamkeit wird man sich also sehr wohl vor den Falsifikaten schützen skönnen. * Aplerbeck, 25. April.(Aus Windhuk) wird amtlich telegraphiert: Am 18. April wurde im Gefecht bei Holpan Hauptmann Emil von Rappard, geboren in Aplerbeck, lleicht verwundet, Schuß in die linke Seite der Bauchwand, Prellschuß oberhalb des rechten Handgelenks. §§ Hörde, 24. April. Beleidigungsklage.) Heute sollte vor dem hiesigen Schöffengerichte die Beleidigungsklage des Bürgermeisters Evers und des Polizeisergeanten Saller gegen den Schreinet Pröpper verhandelt werden. Pröpper hat nämlich dem Bürgermeister in Bezug auf seime Amtsführung Pflichtwidrigkeiten vorgeworfen. Pröpper war zur Verhandlung nicht erschienen, weshalb das Gericht die Vertagung u. zwangsweise Vorführung des Pröpper zum nächsten Termin beschloß. Westfalen und Rheinland * Hagen, 24. Appil.(Opfer des Erdbebens.) Wie wir erfahren, sind bei dem furchtbaren Erdbeben in San Franzisko nahe Verwandte des Herrn Restaurateurs Kleberhoff hiersellbst unter einem zusammenstürzenden Hause begraben und getötet worden. * Dortmund, 24. April.(Bergmannslos.) Auf der Zeche Minister Achenbach wurden gestern durch Tanke Ermgard. Roman von Albin Manger. 63 „Gewiß, gewiß, Tante Irmgard," drängte Fredine,„aber bilte, nun gehe auch, daß Du Dich meinetwegen nicht verspätest!" Die Glocke des kleinen weißen Kirchturms hoch oben hatte soeben die vierte Stunde verkündet, und die reine, klare Luft hatte den Klang bis hierher getragen, als ein Kahn vorsichtig, dicht am Ufer bleibend, vor Fredines Feuster hielt. Das junge Mädchen nahm ihr leichtes Gepäck schnell zur Hand, und stieg eilenden Fußes hinab. Der Bootsmann fragte in italienischer Sprache, ob er recht sei bei der Signora Besano, die ihn bestellt, zum Ueberfahren nach Menaggio. Fredine bejahte, und dahin schoß die kleine Gondel, als würde sie von unsichtbaren Mächten getrieben. Wie köstlich würzig war die Luft, wie still und friedlich lag die weite Wasserflache vor Fredines Augen, immer weiter trat Belaggio zurück mit seinen stattlichen Häusern, die schloßähnlich auf den Bergabhängen thronen, mit den zierlichen, weißen Villen, die sich fest in die dunklen Zypressenbäume schmiegen, und deren Gärten kosend der See bespült. Dort lag, mächtig über alle Häuser hinwegragend, erker geschmückt, mit unzähligen Balkonen, das Hotel, wo sie heute den Abschied des Fürsten Chersky feierten. Die italienische Flagge rauschte in zwei Exemplaren von den runden Seitentürmen, und es war Fredine, als höre sie dieselben leise knattern; die grünen Läden waren geschlossen, und hier und da schimmerte ein Lichtstreif durch die Spalten. Es war kein Groll, der das Herz des jungen Mädchens bewegte, als sie sinnend, hinüberschaute, ein Gefühl der Wehmut beschlich sie; wie wir gern es verzeihen, wenn es uns gut geht, hatte sie nun auch das Gefühl, alles vergessen zu wollen, was die da drüben an ihr gefehlt, ja, ihr weiches, jetzt so froh bewegtes Herz suchte für jeden nach Entschuldigungs=Gründen für sein Tun! So glitt sie ruhig weiter, gute Wünsche in der freudig hoffenden Seele. Drüben in Belaggio hatte unterdessen ein glänzendes Olner um einhalb drei Uhr begonnen, und ruhig seinen Fortgang genommen. Irmgard fühlte sich heute nicht so behaglich, wie sonst, es kam ihr vor, als seien die Menschen heute weniger freundlich; selbst Cherskys schienen kühler, sie fragten teilnehmend nach der Nichte, aber für sie selbst hatten sie nicht die Liebenswürdigkeit, die sie gewohnt war. Auch Maufredo war anders; er hatte sie zwar begrüßt mit allen Honneurs, die er schuldig war, dann aber hatte er sich nur seiner Nichte gewidmet, die in einem gelben Spitzenkleide, mit reichem Perlen= und Brillautschmuck in dem Glanze unzähliger Kerzen wirklich schön zu nennen war. Ihr Teint war wie Perlmutter, ein seines Rot überhauchte die Wangen, und Augen und Haar in ihrem tiefen Schwarz kontrastierten eigentümlich mit der zarten Hautfarbe und dem duftigen Spitzengewebe. Dabei lachte ihr korallenroter Mund unaufhörlich, und ließ die weißen, glänzenden Zähne frei. Manfredo schien sich ganz dem Zauber hinzugeben, mit dem sie bemüht war, ihn mehr und mehr zu umstricken, er erwiderte offen ihre heißen Liebesblicke, unzählige Male führte er ihre malerisch schöne Hand an die Lippen, strich über ihr nachtschwarzes Haar und war nur Aug' und Ohr für sie. Irmgard gärte innerlich, am liebsten hätte sie ihm gesagt, daß sein Benehmen sie verletze als Tante seiner Braut, dann aber fielen ihr seine herrlichen Güter bei Venedig ein, sie sah sich selbst gefeiert in der alten Dogen= und Lagunenstadt, und dann schwieg sie lieber, vielleicht war er auch absichtlich so auffallend um Olga bemüht, um die Gedanken der Gesellschaft abzulenken von den Kombinationen, die man über ihn und Fredine sich bildete. Er hatte einmal etwas Exzentrisches, er liebte das Unberechnete in seinem Benehmen, man mußte seinem Charakter, seiner Nationalität Rechnung tragen. Eine kleine Rache wollte Irmgard aber doch nehmen, wenn der Tanz nachher so recht im Gange war, wollte sie heimlich verschwinden, wollte hinübergehen zu ihrer Nichte, und wollte sie im Namen Cherskys bitten, auf eine Stunde nur in der Gesellschaft zu erscheinen, sle sollte in einfacher Gesellschaftstoilette kommen, als Reonvaleszentin, nur um dem alten Fürsten, den sie hoch verehrte,„Lebewohl“ zu sagen. Wie würde Manfredo, wie würde seine kokette Richte erschrecken, der fragende Blick Fredines würde mehr wirken, als ihre vorwurfsvollen, die weder Manfredo noch Olga bemerkten. Es war endlich an der Zeit, das Diner zu beenden, und herabfallende Gabirge fünf Bergleute verletzt, drei da. von schwer. * Hamm i. W., 24. Aprkl.(Die richtige Antwort) erteilte eein hiesiger Bauunternehmer 5 Mitgliedern des sozialdemokratischen Verbandes, die an ihn mit der Forderung herantraten, bis zu einer gewissen Frist die am selben Neubau arbeitenden Mitglieder des christlichen Mauververbandes zu enklassen, weil diesse sich geweigert hatten, zum sozialdemykratischen Verband überzutreten. Der Unternehmer kam ihrem Verlangen selbstredand nicht nach, sondern gab ihnen als Antwort auf ühre unverschämte Forderung selbst den wohlverdienten Laufpaß. * Unna, 24. April.(Zweigleisig?) Wie mit Bestimmtheit verlautet, plant die Eisenbahnverwaltung, durch den fortgesetzt steigenden Verkehr veranlaßt, den zweigeleisigen Ausbau der Eisenbahnstrecke Unna=Fröndenberg. * Velbert, 25. April.(Durch einen Gaunertrick) wurden einem hiesigen Geschäftsmann 10 Mark abgeschwindelt. Er suchte durch Inserat in einem auswärtigen Blatte eine Stelle für seinen Sohn. Darauf meldete sich per Telegramm ein Herr aus Düsselldorf und kündigte auch zugleich seinen Besuch für den folgenden Tag an, der dann auch erfolgte Dabei stellte er sich als Kaufmann H. aus Düsseldorf vor. In Abweseinheit des Sohnes wurde sodann in die Besprechung der fraglichen Angelegenheit eingetreten. Der endgiltige Abschluß sollte in Düsseldorf erfolgen, zu welchem Zwecke der Fremde Wohnung und Tellefonnummer angab. Nach guter Bewirtung nahm der neue Chef, der über ein nobles Auftreten verfügte, in freundlichster Weise Abschied und ging gegen 9 Uhr abends zum Bahnhof, um die Heimreise anzutreten. Er kehrte aber nach kurzer Zeit zurück und war anscheinend in größter Bestürzung und Verlegenheit, da er langeblich seiine Börse nebst Inhalt und Rückfahrkarts verloren hatte. Der Geschäftsmann wollte mit 5 Mark aushelfen; das war aber dem Fremden nicht genug, da, wie er sagte, seine Frau in Vohwinkel auf ihn wartete und jedenfalls auch kein Geld bei sich habe. Mit weiteren 5 Mark gab er sich zufrieden und reiste erleichtert ab, nachdem er versprochen, das Geld am folganden Tage zurückzusenden. Unsemm Geschäftsmanne kam hernach die Sache doch etwas eigentümlich und bedenklich vor. Am folgenden Morgen telophonierte er unnter der angegebenen Nummer nach Düsseldorf. Zu seinem Erstauwen aber stimmten die Nr. und Firma H. nicht überein, und er erfuhr dann weiterhin zu seiner Enttäuschung, daß man bei der Firma H von nichts wußte. Der hiesige Geschäftsmann war um eine Erfahrung reicher, aber um 10 Mark leichter geworden. Da aber nicht ausgeschlossen ist, daß der geriebene Gauner, denm um einen solchem handelt es sich zweifellos, auch an anderen Orten seinen Trick anwenden wird, sei vor ihm hiermit eindringlichst gewarnt * Bensberg, 24. April.(Gräßlicher Selbstmord.) In der gestrigen Nacht verübte ein Bergmann von hier einen Selbstmord, indem er sich eine DynamitPatrone in den Mund steckte und diese zur Explosion brachte. Der Kopf wurde dem Selbstmörder vollständig auseinandergerissen. * Düsseldorf, 24 April.(Ein drolliges Schlaubergerstückchen) haben sich zwei Jungen geleistet. Es üist polizeilich verboten, mit Kinder= und Sportwagen über die schmale„Goldene Brücke“ im Hofgarten zu fahren. Zwei Düsseldorfer Radschläger aber, die sich gewöhnlich um die polizeilichen Verfügungen nicht viel kümmern, versuchten kürzlich dennoch, mit einem Sportwagen die Brücke zu passieren. Aber das Auge des Gesetzes wacht. Ein Polizeibeamten befiehlt dem Jungen, der den Wagen schiebt, umzukehren„Och, lot ons doch als diesmol noch eröwer,“ bettelt der Junge, dee in dem Wagen sitzt,„ich setz' no emol eso nett hedrenn, on mer hant keen Ziet mieh, dä große Oemweg hengen eröm zu maake Lot ons doch eröwer,“ et es jo rasch jedonn.“ Der Polizist aber schüttelt streng das Haupt. „Nein, macht, daß Ihr fortkommt. Ihr dürft nicht hidie Fürstin hob die Tafel auf. Irmgard mußte sich eingestehen, daß sie von den herrlichen Gerichten, die das Men## verheißen, recht wenig genossen; ihre Gedanken waren zu sehr mit anderem beschäftigt, als daß sie Rücksicht auf den bei ihr sonst sehr berücksichtigten Magen genommen hätte. Man gruppierte sich beim Tanz, und bei der Polonaise, die die Jugend begann, zog man in langer Schlangenlinie an den älteren Herrschaften vorbei, ihnen gleichzeitig eine„gesegnete Mahlzeit“ wünschend. Maufredo eröffnete den Zug, Olga an seiner Seite, und es war Irmgard, als träfe sie ein hamischschadeufroher Blick aus den Augen der jungen Prinzessin, als das Paar vor ihrem Platze Halt machte. Es war ein halb acht Uhr; sobald die Uhr voll zeigte, die Jugend sich im Kreise drehen würde, wollte Irmgard gehen; sie mußte sich eine Genugtuung verschaffen. *„* Tiefe Finsternis umgab Irmgard, als se, von ihrem Diener begleitet, die kleine Villa betrat, um Fredine zu holen, nur eine kleine, flackernde Hauslampe brannte und warf lange Schatten der im Flur stehenden Gegenstände auf die hellgemalten Wände. Nach längerem Rufen erschienen aus dem Souterrain die beiden Mägde, denen man es ansah, daß sie seit geraumter Zeit fest und ungestört geschlafen. „Hat Komtesse Fredine ihr Abendbrot schon verlangt?“ fragte Irmgard in italienischer Sprache. Die beiden Mägde sahen sich erst gegenseitig fragend an, ehe sie gemeinsam kopfschüttelnd verneinten. „So wird die Komtesse noch auf sein!“ erklärte Irmgard, offenbar befriedigt, dann befahl sie die Lampe auf ihr Zimmer und trat in den kleinen Salon, der sich vor ihren Gemächern befand. Der Diener war ihr vorausgeeilt und hatte die Lichter eines Armleuchters entzündet, Irmgard nahm eines davon heraus und begab sich direkt nach Fredines Zimmer. Nauni mußte gleich nachfolgen, um bei der Toilette behilflich zu sein. Irmgard klopfte leise an die Tür des Schlafzimmers ihrer Nichte, ihr wurde keine Antwort, aber die Tür wich sogkeich, als sie die Hand auf den Drücker legte, sie war nicht verschlossen. Das Schlafzimmer war leer. Vielleicht befand sich Fredine in ihrem kleinen Zimmer. Irmgard trat auch dort hinein.. dieselbe Sulle und Oede umgabsie. 187.90 Von 1#Z Millichen ( Einwohnern ieben! Landwirt schaft Industrie Interessantes. aus Russland. I 84 in Bbuernhöfen hat: Russland fohne Pblen) Paren 12 Millionen 4 Milid##n L BER Aur 25 Einwr. k.ein Rot Russlands Schulden. m Umlauf befindl. Papier zeld OT W Französisches Kapital in Russland Deren jälbliche Verzinsun bebräß n 0 Goldbestand der russ Staalsbank 500 Mill. Mark Oeutsches Kapitat in Gussland Interessantes aus Rußland. Eine interessante Verhandlung beschäftigte am Sonnabend das Berliner Schöffengericht. Es hamdelte sich um die Privatklage des bekannten Regierungsrates im kaiserlichen Statistischen Amte, Rudolf Martin, gegen den Leiter des. Karl Heymannschen Verlages, Georg Kreyenberg, und endete mit der Verurteilung des letzteren zu 500 Mark Geldstrafe. Veranlassung zu dieser Beleidigungsklage hatte das Ende v. Is. erschienene, berechtigtes Aussehen erregende Werk Martins: „Die Zukunft Rußlands und Japans“, welches außerdem den Untertitel„Soll Deutschland die Zeche bezahlen“, trug, gegeben. Dieses Buch, welches eine berechtigte Warnung vor weiteres Festlegen deutschen Kapitals in Rußland enthielt, brachte eine Fülle wissenswerten Materials. Unserer heutigen Statistik liegen die genauen Anlagen des Martin'schen Werkes zu Grunde. In ihrem ersten Teil bringt uunsere Statistik eine Gegenüberstellung der in der Landwirtschaft(115 Millionen Einw. und in der Industrie umnd dem Handel (27 Millionen Einw.) beschäftigten Einwohner Rußlands; es gibt die ungeheure Mehrheit von 75 Prozent für die ersteren. Der zweite Teil bringt eine Zusammenstellung der Bauernhöfe in Rußland und Polen, für letzteres ergiebt sich eine im Prozentsatz stärkere Verteilung der verschiedenen Einwohner, auf die Höfe. Der untere Teil der Statistik bringt eine gerade in diesen Tagen hochinteressante Uebersicht der Schuldenlast Rußlands. nüberfahren.“ Da grinst das Bürschchen, das den Wagem schiebt, und sagt zu dem anderen:„Sag, Wim, stank emol ap, steig emol us. Ich weaß jet.“ Der andere steügt aus dem Wagen und sieht seinen Kameraden fragend an. Der aber faßt den Sportwagen an, hebt ihn an einer Seite in die Höhe sund fordert seinen Kameraden auf, das gleiche zu tun. Darauf sagt er:„Süch, Wilm, wemmer dä Sportwage nit öwer de Brück fahre dörfe, dann kann et ons bee Minsch verbeede, wemmer öm eröwer drage!“ Und triumphierend tragen sie den Wagen zur Belustigung der Zuschauer über die Brücke an dem Polizeibcamten vorbei, der sie verblüfft gewähren läßt. * Köln, 24. April.(Eine Tierseltenheit) hat der Stationsvorsteher von Stommeln aufzuweisen. ist ein Hühnchen mit vier Beinen. Die zwei überflüssigen Beinchen wachsen hinten aus dem Rücken heraus und sind wollständig normal ausgebilldet. Das Tierchen ist bereits vierzehn Tage alt und vollkommen munter. * Goch, 24. April.(Der Alkohol.) Ein hiesiger Zigarrenmacher schlug gestern abend im Rausch mit der Flasche nach seiner Frau, mit Der er in Streit geraten war. Der Schlag verfehlte sein Ziel, traf aber das bleine Kind der Leute so unglücklich, daß es kurze Zeit darauf starb. Der Mann wurde heute morgen fesstgenommen. Kirche und Schule. (:) Nürnberg, 25 April. Die 6. Generalversammlung des Deutsch=Evangelischen Frauenbundes wird in den Tagen vom 4. bis 10. Juli hier stattfinden. Die vorgesehenen Referate werden auf dem sozialen Gebiete sich eingehend mit der Gefangenenfürsorge und der Arbeiterinnenfrage beschäftigen Die Sittlichkeitsfrage soll vom christlichen und sozialen Standpunkt, und der der Frauenarbeit in ethischer Beziehung beleuchtet werden. Vom sozialen Feld :)(Frauen, klobt wecter!) In einem auswärtigen Blatt finden wir nachstehende skurze Notiz: „Die Ehefrau eines westfälischen Landwirts, die nach ihrer Verheiratung freiwillig die Versicherung fortgesetzt hatte(mit 10 Beitragsmarken im Jahre) erkrankte an einem harnäckigen Augenlleiden Auf ihren Antrag wurde ihr eine lebenslängliche Invalidenrente von jährl. 118 Mark bewilligt. Hätte die Frau sich bei ihrer Verheiratung die Hälfte der Beiträge zurückerstatten lassen, so würde ihr nichts weiter als eineinmaliger Betrag von 30 Mark zugefallen sein.“ Nichts besser als dieser Fall aus der Praxis kann die Tatsache illustrieren, daß die teilweise Rückerstattung der Invalidenversicherungsbeiträge an weibliche Versicherte, die eine Ehe eingehen wollen, ein Geschenk von recht zweifelhaftem Wert darstellt. Denn in Wirklichkeit sind die Vorteile, die ein Verzicht auf den Rückerstattungsanspruch und eine freiwillige Weiterversicherung bieten, so klar, daß die weiblichen Versicherten nicht eindringlich und nicht oft genug gewarnt werden können, gegen einen kaum nennenswörten Betrag ihre Ansprüche an die Invalidenversicherung aufzugeben. Kleine Chronik. Detmold, 24. April. Wie in unterrichteten Kreisen verlautet, trifft Kaiser Wilhelm Anfang Juli zum Besuch des Fürsten von Lippe in Detmold ein. Göttingen, 24. April. Im Harz herrscht starkes Schneetreiben. Das Thermomter zeigt bis zwei Grad Kälte Emden, 24. April. Bei Wangeroog kenterte ein Carolimensieler Granatfischerboot. 2 Fischer, darunter ein Familienvater mit zahlreicher Kinderschar, ertranken. Alzey, 27. April. Vor kurzem verschwanden aus der Gemeinde Heimersheim zwei junge Mädchen auf unerklärlicher Weise. Nunmehr wurde festgestellt, daß die beiden gemeinschaftlich den Tod im Rheine gesucht haben. Marcinelle, 24. April. Die 62jährige Witwe de Payel wurde von ihrem 18jährigen Enbel Ferrig mit einem Hammer getötet. Der Mörder zündete das Haus an, um die Dat zu verwischen. Rom, 24. April. In Torrequirico bei Florenz erkrankten 150 Personen unter schweren Vergiftungserchung ist im Gange. E scheint, daß Bleiweiß dem Brotteige beigemischt war. London, 24. April. Wie die„Times Wellington“ meldet, sind beide Kabel zwischen Nausceland und Australien heute gerissen, vermutlich infolge von unterseeischen Störungen. Alle Telegramme müssen über die pazifische Route geleitet werden. Vermischtes. *(Von einer„Ausweisung" durch den Oberbürgermeister) erzählt man sich in den Kreisen der Berliner Beamten nachstehendes wohlverbürgte Geschichtchen. Eine Kategorie städtischer Beamten, denen auch diesmal wieder keine Gehaltsaufbesserung bewilligt worden war, beauftragte zwei Kollegen damit, ihre Wünsche einem einflußreichen Mitgliede des Etatsausschusses zu unterbreiten. Die Delegierten trafen das Ausschußmitglied nicht zu Hause und wollten es, da die Zeit drängte, im Rathause aufsuchen. Sie hatten aber die Rechnung ohne Oberbürgermeister Kirschner gemacht. Er stand plötzlich in der Garderobe vor ihnen und sagte, als er von ihrem Begehren Cenntnis erhielt, wörtlich:„Die Herren vom Ausschusse haben sich beschwert, daß Sie durch Sie belästigt werden. Ich veranlasse Sie sofort das Rathaus zu verlassen!" Die„Berliner BeamtenZeitung", der wir diesse Mitteilung entnehmen, bemerkt dazu:„Zum mindesten hätte der Herr Oberbürgermeister sich nicht dazu verleiten lassem sollen, Herren, die alls städtische Bürger uund städtische Beamte ein gutes Recht darauf haben, in persönlichen Angelegenheiten im Rathause zu weilen, in so schroffer Weise hinauszuweisen. So sollte der erste Beamte der Stadt auch nachgeordneten Beamten gegenüüber nicht handeln.“ Tehn Trählmetrangen. Die Hamburger Exzesse vor Gericht. Hamburg, 25. April. Die Straskammer verhandelt heute gegen die aus Anlaß der Wahlrechtsunruhen angeblagten 30 Personen. 130 Zeugen sind geladen. Von Hottentotten überfallen. Berlin, 24. April. In den Großen Karasbergen in Südwestafrika wurde eine Pferdewache von Hottentotten überfallen. Hierbei fiel ein Unteroffizier, vier Reiter wurden schwer, zwei Reiter leicht verletzt. Die sofort alarmierte Kompagnie und die schwache Nurudas nahmen die Verfolgung der Pferderäuber auf, konnten aber nicht verhindern, daß ein Teil dder Pferde abgetrieben wurde. Ob Morenga sich bei einer dieser Banden befindet, steht nicht fest. Ehrung eines Rabbiners. Schwerin, 25. April. Doktor Feilchenfeld, der Landesrabbiner von Mecklenburg=Schwerin hat zu seinem 50jährigen Doktorjubiläum vom Großherzog von Mecklenburg die große goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft erhalten. Das Sylvesterschießen. Frankfurt am Main,, 24. April. Das hiesige Schöffengericht hatte einen 14jährigen Schüler, der am Sylvesterabend mit einem Terzerol scharf geschossen und dabei ein Mädchen verletzt hatte, zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt. Auf die Berufung des Staatsanwalts erkannte heute die Strafkammer mit Rücksicht auf das fre welhafte Vorgehen des Angeblagten auf 3 Wochen Gefängnis. Soldatenquäler verurteilt. Dresden, 25. April. Der Unteroffizier Werner von der 2. Kompagnie der Leibgardegrenadiere wurde wegen zahlreicher Soldatenmißhandlungen vom Oberkriegsgericht in Dresden zu 5 Monaten Gefängnis und Degradation verurteilt und sofort verhaftet. Genickstarre und Pocken. Stettin, 25. April. Hier sind ein Unteroffizier und zwei Soldaten als an der Genickstarre erkrankt, ins Lazarett gebracht worden. Wahrscheinlich haben sie sich die Krankheit während des Urlaubes zugezogen.— Der 18jährige Gymnasiast Kavl Wartenberg ist an echten Pocken erkrankt.— In Köslin ist ein zwölfjähriges Mädchen an Genickstarre gestorben. Unterschlagung von Eisenbahnmater al. Glogan, 25. April. Die Voruntersuchung wegen Unterschlagung von Eisenbahnmaterial in der Glogauer Eisenbahnwerkstatt ist sjetzt abgeschlossen. Der Materiaverwalter Wehnert und der Wertmeister Klose werden sich wegen Unterschlagung, der Altwarenhändler Nathan Friedeberg aus Breslau wegen Hehlerei zu verantworten haben. Die beiden anderen in derselben Sache beteiligten Beamten Agten und Bierwagen haben sich im Gefängnis erhängt. Bibellästerer. Erfurt, 25. April.. Die hiesige Strafkammer verurteilte den Schuhmacher Wagner aus Gillersdorf, der abfällige Bemerkungen über die Bibel gemacht hatte, zu 1 Monat Gefängnis. Streik. Reichenberg, in Böhmen, 24. April. An dem in Königinhof in sämtlichen Textilfabriken ausgebrochenen Streik sind zirka 8000 Arbeiter beteiligt. Sie fordern eine Lohnerhöhung von zirka 15 bis 30 Prozent, sowie Preisgabe und Bezahlung des 1. Mai. Ein neuer Zusamemnstoß. Lemberg, 25. April. Aus Warschau wird gemeldet, daß in Lessna neuerdings ein blutiger Zusammenstoß zwischen Marianisten, welche die katholische Ortskirche zurückerobern wollten und 3000 von bischöflichen Delegierten angeführten Katholiken stattfand. Die Marianisten hieben mit Knütteln auf die Geistlichen ein. Ein Geistlicher sowie mehrere ander:. Katholiken wurden getötet, mehr als 40 verwundet. Ein Kreuz des Marianisten wurde zertrümmert. Die Ruhe kehrt wieder. Lens, 24. April. Die Zahl der Ausständigen betrug heute immer noch 40 000, während 14000 Arbeiter eingefahren sind. Die Ausständigen zerstörten die telegraphischen Verbindungen mit mehreren Ortschaften. Eine große Anzahl Soldaten ist ddamit beschäftgit, die beschädigten Verb indungen wiederherzustellen. Haussuchungen und Verhaftungen dauern fort. Die GesamtTruppenmasse, welche im Streikgebiet zusammengezogen ist, hat sichtbaren Eindruck auf die Ausständigen gemacht. Die Gemüter fangen an, sich überall zu beruhigen und es werden keine ernsten Attentate gegen die Arbeitswilligen mehr gemeldet. Doppel=Selbstmord. Nizza, 24. April. Zwei junge Mädchen begingen Selbstmord, indem sie sich vor dem Herrannahen des Eilzuges auf die Schienen legten und sich überfahren ließen. Der türkisch=englische Konflikt. Konstantionopel, 25. April. Der Akaba=Konflikt spitzt sich anscheinend immer mehr zu. Aegypten konzentrierte Truppen am Kanal zur eventuellen Einschiffung und von hier erging der Befehl an den Kommandanten von Akaba, persönlich beim Sultan zu intervenieren, der den englischen Ansprüchen nicht nachzugeben gewillt scheint. San Franzisko. Newyork, 15. April. Bisher sind, wie aus San Franzisko gemeldet wird, 1000 Leichen beerdigt worden. Gestern fanden wieder einige leichte Erdstöße statt. Wetterbericht der deutschen Geewarte. 26. April Bewölkt, teils heiter, trocken, ziemlich kühl. 27. April. Heiter bei Wolkenzug, Tags wärmer, Nachts kalt Verantwortlicher Redakteur: Wilh. Schade, Schwerte. 4 Die Bedesten Kundge. der an allen hiesigen Lehr-Anstalten eingeführten — Schüfbucher— bekommt man sämtlich sofort bei OUFPEFGUD Buch-, Kunst- und Schreibwaren-Ilandlung Grosse Marktstrasse 3—5. Bekanntmachung Zur Vornahme der diesjährigen Ruhruferschau hat der Herr Regierungs=Präsident Termin auf Dienstag, den 1. Mai er, vo# mittags 9½ Uhr, an der Funkenburg bei W sthofen beginnend, anberaumt. Zu dieser Schau, welche stromau wärts staftfindet, werden die Uferbesitzer des diesseitigen Bezirks mit dem Bemerken eingeladen, daß Anträge und Beschwerden in dem Termin angebracht werden können. Schwerte, den 21. April 1906. Die Polizei=Verwaltung. Rohrmann. Bekanntmachung. Gemäß§ 12; Ziffer 7 der Wehrordnug weiden die Namen der für den Fall einer Mobilmuchung zu: ckgestellten Mannschaften nachstehend bekaun gemecht: I. Reservisten. Keine. II. Landwehrleute. Große=Oetringhaus Wilhelm'n Menglinghausen Köper Augusr Heinrich in Wellinghofen Meyknecht August Theodor in Schw.rie Hörde, den 22. April 1906. Der Königliche Landrat. I. V. Frh. v. Steingecker, 1550 Regierungs=Ass ssor. Betanntmachung. Gemäß§ 1 der Regierungs=Polizei=Verordnung vom 25. November 1897(A.=Bl. S. 708) ist vom Herrn Regierungs=Präsidenten eine Schau des Ruhrflusses angeordnet Die Schau erstreckt sich auf das in den Gemenden Syburg, Westhofen, Wandhofen und Geisecke gelegene rechte Ufer und findet am Dienstag, den 1. Mai 1906, 9½ Uhr vormittags an der Funkenburg beginnend, stromau wäcts statt Vorstehendes bringe ich hierdurch mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis, daß an diesem Tage die Bewässerung der an dem rechten Ufer liegenden Grundstücke bis nach vollendeter Schau zu unterbl iben hat und die Stachel= und Drahtzäune, Hecken usw. so. eingerichtet sein müssen, daß die Kommissioi ungehindert am Ufer entlang gehen kann. Die Userbesitzer sind berechtizt, Anträge und Beschwerden bei der Schau anzubringen. Westhofen, den 21. April 1906. Amtmann. von Daniels. AEINN femste Pflanzenbotter Zum Hechen, Blaten und Satten 83 PFEFFER&a. DILLERS Kaffee-kssenz in Desen.: s a. Aassheut vräis chms Füchungu era ürticht OEFE ESEN #% S PI. Bekanntmachung. Die Hundesteuer=Hebelisten des Gemeinden des Amtsbezirks für 1906 liegen vom 27. dss. Mts. ab 2 Wochen lang im Amtshause hierselbst, Zimmer Nr. 4, zur Einsichtnahme für die Hundebesher and Gegen die Heranziehung zur Hundesteuer kann innerhalb einer Frist von 2 Monaten, vom Tage des Ablaufs der Auslegungsfrist an gerechnet, Einspruch erhoben werden. 6 Barop, den 19. April 1906. Der Amtmann.= Prttag Fahrräder und 2 1552 Nähmaschinen gut undisehr billig! A. Eick& Co. Warenhaus u. Pfandleihanstalt Pesik.- bortumund beim Besirks-Kommande. ersparen Sie bei Verbrauch von 10 Pfund Delikatess-Margarine S0L0 in Carton gegenüber dem gleichen Quantum teurer Butter. Deshalb zögern Sie nicht länger, diesen vorzüglichen Butter-Ersatz gleich hunderttausenden anderen Hausfrauen zu verwenden und fordern Sie gleich jetzt bei ihrem Kaufmann F 00 für Hefezug(Webedrähte) für dauernde Beschäftigung gegen hohen Akkordlohn nach Altena i. Westfalen zu sofortigem Eintritt gesucht. Angeb. unter W. 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Abonnementspreis pro Quartal: 1 Mark 65 Pfg., extrs 42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“ Erstes und ältestes Tages-Organ des Kreises Hörde. Ein interessanter Brief vom Vesuv. Im Gegensatz zu den bisher veröffentlichten aufregenden Meldungen über dus Ungtlüick scHgrißzetr inen liner Jurist, der sich zur Zeit in Neapel auf, einen längeren Briéf, der die Sachlage ganz anders darstellt. Es heißt da: Es entsppicht durchaus nicht der Wirklichkeit, von dem Besuv=Ausbruch und seinen Folgen als von einem„Landungsunglück“ zu sprechen: man##### sellt hier Dank der Sensationsberichte das Schaufpert mit dem„Erfolge.“ Der Vesuvausbruch und seine Folgen hier,— ist— um es mit einem Worte zu sagen,— auch nicht im geringsten etwas anderes im volkswirtschaftlichen Sinne, als wie es alle Kulturländer fast Jahr aus Jahr ein hier und dort zu verzeichnen haben, ohne daß auch nur im allergeringsten ein solches Aufhebens davon gemacht würde, wie hier. Und ganz speziell die fast alljährlichen deutschen Wasserkatastrophen an der Weichsel, Oder usw. lassen die hier jetzt eingetretenen an Schrecken und Schaden weit hinter sich, ohne daß darüber sich meines Wissens in Italien irgendwie in der Oeffentlichkeit eine Hand auch nur gerührt hätte! Ich habe sellbst heute seingehend die Lavafelder besucht und folgendes festgestellt: Durch Feuer zerstört mögen etwa ein Dutzend Häuser, oder, wenn man so sagen will,„Gehöfte“, sein;— die meisten, nach den Bauten zu urteilen, das Eigentum von wohlhabenden Leuten, die also, zweifellos versichert sein dürften. An Ackerflächen sind einige hundert Hektar mit Lava bedeckt, nicht tausende und abertausende, wie die Reporter schreiben. Meist sind es Weinberge, aber micht vom Werte etwa unserer rheinischen oder sonstigen Edel=Gewächse, sondern von der Art, deren Proddukte das ganze Liter mit einer halben Lire(40 Pfennig) bezahlt wird. Das ist die Wahrheit, und wer etwas anders schreibt, übertreibt iin ganz unverantwortlicher Weise. Soweit das flache Land uum den Vesuv.— Nirgends sonst ist eine Spur von Schädigung zu spüren oder zu bemerken. Und mun Neapel! Richtig ist, daß der Aschenstaub eine sehr unangenehme Plage ist. Aber das ist alles! Und hier die Sache in das Deutsche übertragen, ergibt sich folgendes Bild: Der Aschenfall und seine Beseitigung ist ebenfalls nichts anderes, als U Lante Ermgard. Roman von Albin Manger. 64 Dort lagen Bücher aufgeschlagen auf der türkischen Plüschdecke des kleinen Tisches, da stand ein halbgeöffnetes Neeessaire, aus dem eine feine Stickerei lugte. Alles deutete darauf hin, daß die Bewohnerin des kleinen Gemaches es noch benutzt vor kurzer Zeit, die Bewohnerin selbst war verschwunden! Irmgards Hände begannen zu zittern, ihre Knie wankten; sie mußte die brennende Kerze in einen Leuchter stecken, der vor ihr auf dem Tische stand, und sich selbst auf einen Sessel niederlassen, um nicht umzusinken. Die furchtbarsten Bilder stiegen vor ihrer Seele auf. Die ruhige Fassung Fredines heute, ihr Drängen, Irmgard möchte sich nicht verspäten; Gott, wenn sie sich ein Leid angetau hätte! Der See rauschte so verlockend vor ihren Fenstern, wie leicht war der Sprung zewagt!„Nur das nicht, nur das nicht, barmherziger Gott!“ betete ihre Seele, während ihre Hände sich fest ineinanderschlossen. Kaum mächtig, sich aufrecht zu halten, schwankte sie nach der Tür, den Diener oder Nanni zu rufen. Sie mußte an den unverhängten Fenstern vorüber; draußen lag das Mondlicht auf dem schlummernden See und spielte blitzend und glitzernd in denkleinen Wellen, die ein schwacher Windhauch aufwarf. Gespenstisch glitten die Silberstrahlen hin und her. Irmgard zog mit festem Ruck die Vorhänge zusammen, daß die Schnur mit der Eichenquaste polternd zur Erde fiel, dann rief sie mit angsterfüllter Stimme hinaus nach den Leuten. In dem halbdunkeln leeren Korridor klang ihre Stimme hohlthnend zurück, Irmgard erschrak vor dem rauhen Klang und wiederholte den Ruf. Endlich erschien der Diener auf der Kellertreppe, und Irmgard bebte bei seinem Anblick, als habe sie einen Geist gesehen; ihr schlechtes Gewissen schuf überall Gespenster Vr zitternden Lippen befahl die sonst stets so resolute Gräfin sofort hinüber nach dem Hotel zu eilen und den Fürst Manquelio zu ihr zu entbieten. Eine lange, bange Stundeverrann, ehe der Gerufene kam Nanni erschien, um der Komtesse zu helfen, sie war die ganze Zeit über mit Riechsalz und Ean de Cologne um ihre wie ihn unsere großen deutschen Städte oft genug winterlich mehrmals in einem Jahre als Schneefall zu erdulden haben: es fällt doch bei uns miemanden ein, in den Kosten der Beseitigung ebenfalls gesradezu ein nationales Unglück zu sehen. Es ist ei# Ausgabe für den Stadtsäckel, die den tausenden sonst arbeitsscheuen Personen willkommenen Verdienst bietet! Soweit eine Schilderung, die den Tatsachen entspricht; ich kann nur wiederholen, daß es tief zu beklagen ist, in welcher Weise durch Sensations=Berichterstatter(allen voran natürlich auch hier wieder die General=Anzeiger= und verwandte Reklamepresse), die öffentliche Meinung irregeführt ist. Wäre in Deutschland ein wwirtschaftlich gleichwertiges Ereignis geschehen, so wären, deß kann man versichert sein, noch nicht soviel Zeilen darüber geschrieben worden,alls wie hier in dem Lande der zahllosen Reisenden und weltberühmten Schönheit, entstellende Aufsätze darüber geschrieben sind. Und wie die Italiener selbst über das ungeheure„Unglück“ demben, dürfte daraus zur Genüge hervorgehen, daß von irgend welchen Hilfsaktionen in größerem Stile bis jetzt absolut nichts verlautet.„Kaltes Blut" dürfte deshalb aus mancherlei Gründen unserem sonst so wohltätigen Vaterlande dringend zu empfehlen sein. Nun im übrigen moch eins: Der Fremdenzufluß ist ein so kolossaler, daß schon hierin mehr wie ein Aequivalent für die Nachteile liegen dürfte, die entstanden sind: in Neapel ist schlechterdings kein Zimmer aufzutreiben, und die Einwohner von Boscotrectse und Torre Annunciata schwimmen geradezu in einem Goldregen, denen sie den neugierigen Fremden abzulocken wissen. Einges aus Frankreich. In einer Wählerversammlung im 18. Arrondissement fand am letzten Donnerstag der sozialistische Kandidat und Pariser Stadtverordnete Le Grandais einen höchst dramatischen Tod. Der 69 Jahre alte Herr war als Gegenkandidat des bisherigen roten Deputierten Rouanet aufgetreten. Vor einem dichtgefüllten Saal entwickelte er eben seln Programm, als er von einem Anhänger Rouanets mit folgenden Worten unterbrochen wurde:„Ich begreife nicht, wie ein Mann, der schon mit einem Fuße im Grabe steht, gegen den Bürger Rouanet auftreten kann. Sie handeln wie ein Verräter an unsrer Partei.“ Ueber diese Worte war Herr Le Graneigentliche Herrin bemüht, sie durfte nicht von ihrer Seite weichen, das geringste Geräusch trieb Irmgard kalten Schweiß auf die Stirn, das Flackern und Zischen der Wachskerzen ließ sie furchtsam zusammenschauern. Gräfin Hochstein saß in ihrem Salon, Fredines Zimmer konnte sie sich nicht überwinden, wieder zu betreten, da führten die Fenster auf den glitzernden, gu„elnden See, der unaufhörlich plätschernde Wellen an das Ufer warf,„mein Gott, wenn eine Welle...“ Irmgard konnte den Gedanken nicht ausdenken, er war zu furchtbar, sie bedeckte die Augen mit den zitternden Händen. haupt Annoncenblatt. dais zuerst überrascht, dann sah man ihn plötzlich zu sammenbrechen und nach einigen Sekunden gab er seinen Geist auf. Ein Hirnschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Bei dem Leichenbegängnis des Leutnants Lautour, dem Opfer der roten Meuterer von Lens, kam es zu einem vielbemerkten Zwischenfall. Nach den Reden der behördlichen Vertreter näherten sich vier Männer in Livre dem offenen Grabe des Leutnants. Sie trugen einen riesigen Kranz, auf dessen Schleifen in reisengroßen Lettern„Le Matin“ zu lessen war. Mit Entrüstung wies die Familie diese Kranzspende, mit der das ministerielle Blatt wieder eine Reklame machen wollle, zurück und seine Sendlinge mußten sich eiligst aus dem Friedhof entfernen. Westfalen und Rheinland. Dortmund, 24. April.(Die Handwerkskammer) hielt gestern eine sehr erregte Versammlung ab, in welcher vielle unangenehme Sachen zur Sprache kamen. Die Versammlung endete, wie uns berichtet wird, damit, daß eine größere Anzahl Mitglieder, darunter 3 Herren des Vorstandes, unter Protest den Sitzungssaal verließen. Obschon auf Antrag der Versammlung die Oeffentlichkeit hergestellt war, blieb vorsichtigerweise der Zuschauerraum geschlossen. * Münster i. W., 24. April.(Das hiesige Schwurgericht) beschäftigte heute unter anderen der Raubanfall bei Wolbeck. In der Frühe des 15. Januars dieses Jahres gegen 5 Uhr, fanden, wie erinnerlich sein wird, Leute, kurz vor dem Gehöft Garthaus in einem Hohlwege liegend, den Ackerer Wesselling blutüberströmt auf. Der Schwerverletzte wurde im Wagen zum Krankenshause geschafft, wo außer mehreren lasfenden Wunden im Gesicht, noch 15 Verletzunge; am Kopf festgestellt wurden. Die Schläge waren of bar mit einem stumpfen Gegenstand ausgeführt und war mit solcher Gewalt, daß der Schädel teilweise blos; legt war. Erst glaubte man kaum, den so Zugerichtet n am Leben erhalten zu können. Aber schon nach 3 Wochen hatte sich, infolge der guten Konstitution des Patienten, sein Befinden soweit gebessert, daß er nus dem Krankenhaus entlassen werden konnte. Als der Tat drüngend verdächtig hatte sich heute der Arbeiter Johann Bremig aus Münster zu verantworten. Der AngeAn ihren Fenstern vorbei die Straße, lachende, führte die Stra schwatzende Menschen zogen vorüber, ihre Tritte halten unheimlich in der Stille wieder, bei jedem sich nähernden Schritte glaubte sie, es sei Manfredo, aber immer ging er vorüber, der Ersehnte war es nicht. Wie konnte er sich auch so schnell losreißen von dem Glanz um sich her, von Olga! Irmgard sah im Geiste das lachende Gesicht, die Augen, die mit verzehrender Glut auf dem schönen Manne an ihrer Seite ruhten; dann wieder hörte sie es ranschen, ganz, ganz fern, es kam näher und näher, da plötzlich lag es zu ihren Füßen... ein totenbleiches Gesicht, die Augen, schon halb gebrochen, vorwurfsvoll auf sich gerichtet.. da, was war das? Eine Tür wurde heftig aufgerissen und ebenso wieder ins Schloß geworfen. Irmgard fuhr stöhnend auf. Da trat Maufredo ein, und es war ein Glück, daß er kam, die erregte Phantasie schuf ihr zu entsetzliche Bilder. „Was ist geschehen?“ fragte der Fürst, und durch seine Stimme klang es wie ein Vorwurf, daß man ihn gerufen mitten aus aller Lust. „Fredine ist verschwunden!" Es war alles, was Irmgard hervorbringen konnte, dann sank sie ohnmächtig in den Sessel zurück. Nanni mußte, so gut sie konnte, Auskunft geben, sie wußte ja auch nur, daß Komtesse Irmgard bei ihrem Nachhausekommen die Zimmer der jungen Gräfin leer gefunden habe. Manfredo ließ sich nach diesen Zimmern führen, und während die Zofe zu der ohnmächtigen Gebieterin zurücksandte, blickte er suchend in den Räumen umher, die bis jett das junge Mädchen bewohnt.. Je 16 Es währte nicht lange, da hatte er gefunven, was er suchte, denn ein triumphierendes Lächeln spielte um seinen Mund, als er, die Zimmer verlassend, wieder zu Irmgard trat. „Fassen Sie sich, Gräfin, und überwinden Sie Ihre Schwäche, hier gilt es zu handeln und nicht seinen Gefühlen nachzuhängen!“ Mit diesen, im energischsten Tone gesprochenen Worten faßte er Irmgards Hände und zog sie von ihrem Gesicht hinweg, auf dem sie noch immer ruhten.„Erbrechen diesen Brief, oder autorisieren Sie mich dazu!“ herrschte er sie förmlich an.„ 116 m 5 468 6 Irmgard schlug die augen auf.„Was ist das für ein Brief?“ hauchte sie. „Er ist an Sie gerichtet und wahrscheinlich von Ihrer Nichte, denn er lag auf ihrem Schreibtisch drüben,“ entgegnete Manfredo vollkommen ruhig. „So lesen Sie.. ich kann nicht..o Gott, wenn sie mir mitteilte, daß sie selbst", Irmgard sank erschöpft zurück. „Sich das Leben genommen!“ ergänzte der Fürst, und ein verächtliches Lachen begleitete seine Worte.„Seien Sie unbesorgt, verehrte Tante, ich kenne die Frauen besser, Selbstmord erfordert Mut, und den hat keine Tochter Evas!“ Dabei hatte er das kleine Kuvert zerrissen und hielt nun lachend ein Billett in die Höhe, dann las er:„Damit Du, wenn Du mein Verschwinden bemerkst, nicht erschrickst, oder unnütz Alarm machst, halte ich es für meine Pflicht, Dich in etwas über mein Vorhaben zu orientieren. Ich habe vergebens an Dein Herz, an Dein Rechtlichkeits=, an Dein Pflichtgefühl appelliert, Du wolltest mich nicht hören, nun wundere Dich auch nicht, wenn ich meine eigenen Wege gehe, mein Recht, mein Glück mir selbst suche! In einigen Tagen wirst Du von mir hören; es wäre das vernünftigste, Du packtest indessen und kämest auch nach Hochstein, vielleicht finden wir uns dort wieder! Fredine Gräfin Hochstein.“ Maufredo hatte laut, jedes Wort betonend, gelesen; jetzt brach er in ein gezwungenes Gelächter aus, während Irmgard hochaufgerichtet mit funkelnden Augen vor ihm stand:„Was nun tun?“ fragte sie empört, eigentlich nur, um Manfredo zum Schweigen zu bringen, dessen Lachen anfing, sie zu belästigen 137.20 klagte lleugnete die Tat hartnäckig, wurde jedoch durch Zeuigemaussagen stark belnstet Das Gericht sprach den Angeklagten des Straßentubs im Zusammenhang mit gefährlicher Körperverletznung schinldig und erkannte auf 10 Jahre Zuchthaus umd Aberkennung der bürgerliChrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren. * Altenessen, 21. Aprll.(Ein tranriges Geschick.) Emn Schafsten der elektrischen Straßenbahn hatte getüns.g##und hatte heute, Dienstag, um 1 Uhr seine Zeit um. Er traf aber i seinem Wagen verspätei ein und mußte noch bis zum Markt fahren. Im latz= en Angenblick überfuhr er um 1,30 Uhr ein etwa 4jährges Rund, welches sosom ter war. Der Schaffner scheint an dem Unglück keine Schuld zu tragen, da das Kind vor den Wagen gerannt sein soll. Lennep, 24. April.(Fischzucht in der Talsperrc.) Die Erfolge, die der Eschbachtater Eischerei= verein mach Errichtung der Remscheider Talsperre durch Rutzbarmachung der Sperre für Fischzuchtzwecke orzialt hat, haben den kürzlich gegrümdeten Fischereiverein für den Kreis Lennep weranlaßt, auch die Bevertalsperve für die Fischzucht muitzbar zu michen. In den nächsten Wochen wird der Verein muterhalb der Sperrmaner an der alten Mühle ein Bruthaus ererichten. * Düsseldorf, 24. April.(Schwerer Unglücksfall.) Heute Mittag kurz wor 12 Uhr ereignete sich Ecke Wehrhahn und Heinestraße ein schwerer Unglücksfall. Der Lenber eines mit Ziegelsteinen beladenen Wagens wollte in die Heinestraße einbiegen. Er saß auf dem Bocke. Als er die Bramse lösen wollte, bekam der Wagen einen Ruck.. Der Aermste stürzte infolgedessen zur Erde, er geriet unter den Wagen, und zwar so unglücklich, daß ihm die Räder über den Kopf gingen. Der Tod trat auf der Stelle ein. * Duisburg, 24. April. Gestern früh wurde in einem Grundwasser in der Nähe der Duisburger=Ruhr= orter Straße die Leiche des als unheilbar aus einem hiesigen Krankenhause vor wenigen Tagen entlassenen Kaspar Weisenbach gefunden. Bei dem Toten, der durch Sellbstmord den Tod gefunden, wurde ein Zettel gefunden, in dem er Nahrungssorgen als Grund dafür angibt, daß er den Tod suchte. * Duisburg=Ruhrort, 24. April. Die Genickstarre nimmt im Landkreise Ruhrort immer weitere Dimensionen an. Seit dem Ausbruche der Seuche sind bis jetzt über 140 Erkrankungen und gegen 100 Todesfälle festgestellt worden. In der verflossenen Woche sind in Hamborn allein wihlder 4 Sterbefälle und 6 neue Erkrankungen zur Meldung gelangt. In Duisburg=Ruhr= ort sist gesstern bei der sieben Monate alten Johanna Bars, Bergstraße 9, Genickstarre festgestellt worden. Sie wurde im Krankenhause zu Laar untergebracht. * Köln, 24. April.(Bedauernswerte Kinder.) In einem Warenhause an der Hohestraße wurde gestern ein 12jähriges Mädchen, das von seinem 8 bezw. 5 Jahre llteh Brüderchen begleitet war, erwischt, als 's eine Düte mit Kaffee gestohlen hatte. Man revidierte die Kinder, die vollgepackte Handtaschen trugen, und fand in diesemn u. a. Lebenomittel, Gebetbücher, Briefbeschwerer, Schokolade und Koufekt. Der Kriminalpolizei gaben die Kinder and finobruch sF, Vi nalpolizei gaben die jugenidlichen Debe an, sie seien Waisen und von ihrer in der Rolshovenerstraße in Kalk wohnenden Tante ausgeschickt, um in Ladengeschäften zu stellen. Es wurde aber festgestellt, daß die Künder aus Ehrenfeld sind und dort bei ihren Eltern wohmen. Eine in deren Wohnung vorgenommene Unkersuuchung fördert eine Menge Sachen zu Tage, die anscheinend alle aus Ladendiebstählen herrühren. * Kalk, 23. April. Der Hilfsbahnwärter Peter Klein us Vingst geriet gestern vormittag auf der Bahnstrecke KalkMülhefan a. Rh. unter einen Güterzug, wurde überfahren und sofort getötet. Die Leiche wurde ganz zermalmt. Der Getötete wollte einem ihm entgegenkommenden Zuge ausweichen und geriet dabei unter den hinter ihm herkommenden Zug. * Krefeld, 24. April.(Fingierter Eünbruch.) Der Stationsbeamte Wirtz von der hiesigen Krefelder Eisenbahn hat durch Bücherfälschung 2500 Mark unterschlagen. Er sollte zu einer anderen Station versetzt werden und da bei dieser Gelegenheit der Betrug gemerkt worden wäre, täuschte er einen Einbruch in den Geldschrank vor. Der Versuch mißlang, und der Betrug wurde entdeckt. Der Täter wurde verhaftet. # Mörs, 24. April.((Z um vierten Male.) Die gestrige Stadtverordnetensitzung hat mach kurzer Besprechung einer Verfügung des Regierungspräsidenten, durch die desm erment gefaßten Beschluß, den Rathausturm miederzulegen, miedmim die Genehmigung versagt wird, nochmalls— also zumm vierten Male— einstimmig besschlossen, den Turm nieserzulegen und den Regierungspräsidenten zu bitten, mit Rücksicht auf den Plan, die elektrische Klelubahn Ruhrort=Mörs durch die Stadt zu führen und dam't Sie Verkehrsverhältnisse zu verbessern, nunmehr die langersehnte Genehmigung zum Abbruch des Turmes zu erteilen, da jeder andere Weg der Verbesserung der Verkehrsverhältnisse der Staadt zur Zeit unerschwingliche Opfer auferlege. * Borbeck, 24. April.(Schwer mißhandelt) wurde der Pellzeisergennt Röder bei Ausübung seines Amtes. Gestern abend wurde der Beamte in das Haus Steegstraße 33 gerufen, um gegen den Arbeiter Hermann Schulz, welcher seiinen Valer bedrohte, einzuschreiten. Bei der Amtshandlung wurde der Beamte plötzlich von dem Hermann Schulz und den anwesenden Arbeitchn Lutz, Holz, Gebrüde, Hr. und Klank, sowie der Mutter und Schwester des Schulz angegriffen, z Boden geworfen und mit Fäusten, Stühlen, Stocheisein usw. arg zugerichtet. Die Täter, ausgenommen Frau Schulz, sind werhaftet. Im Hause Lux aauf der Hu gostraße wurden der Rerelver und die Mütze des Herrn Röder, der Savel unter der Wäsche i Hause Steegstr. aufgefunden. Dem Verletzten ließ man sofort ärztliche Hilfe zu teill werden. *(Eine ergötzliche Schmugglergrischichte) erzählt E. Floeßel in seinem nenen Werke„Der Hund.“ Ein Hund in Mecheln brachte seinem Herrn durch Einschmuggeln verzollbarer Waren ein Vermögen von mehr als 300000 Mark ein. Das ging so zu. Ein armer Teufel in M., der sich auf ehrliche Weise nicht mehr zu helfen wußte, kam auf den Gedanken, durch Schmuggel seine Lage zu verbesseren. Erentlieh von seinen Fretinden eme Summe Geldes, ging nach Flandern und kaufte Spitzen ein, um sie in der Heimat mit Umgehung des hohen Zolles zu verkaufen. Von der Gelehrigkeit seines Pudels überzeugt, richtete er diesen dazu ab, ihm hierbei behilflich zu sein. Er lließ ihn scheren, verschaffte sich eine Hundshaut von eben den Haaren und von glescher Größt wie der seines Pudels, wickelte dem Hunde die Spitzen um dem Leib und kleidete ihn dann in die neue Haut so gut, daß diese Umkleidung von niemand erkannt wurde. So ging er nach der Heimat. Abmechselnd wählte er in Mecheln bald das eine, bald das schg# or zum Ausritt. Sein Hund Barbon trollte selostverrständlich ganz unbefangen dicht am Zollwächter zum Tore hinaus und lief, ohne sich nach seinen Herrn umzusehen, an einen bestimmten Ort, wo er seiner Spitzen entledigt wurde. Sechs Jahre lang trieb der Mann großen Reiatzum alsktrati war, daß er bald zu eimnem m gerangte. Em Vervat machte der Sache ein Ende. Der Hund wurde, als er über die sand um seinen Leib vewickelt für 15 0oge— fand um feinen Leis gelbüren füt 15000 Mark Spitzen. *(Zu wenig Apostel.) In Chieago erzählt man sich eine amüssante Anekdote von einem Theaterdirektor, der mohr über Reichtum als über Wissen verfügt, und der bei der Inszenierung von Theaterstücken kein anderes Ziel kennt, als seinem Publikum die prächtigste Jnszenierung, die großartigste Dekorationen und ein riesiges Ausgebot von Statisten zu bieten. Vor einiger Zeit gab man in seinem Theater das bekamnte biblische Hur.“ Der Direktor hatte ganz Außerordentliches gerentet. Statt der beiden römischen Viergeszumme, die nach der Vorschrift des Verfassers auf der Bühne erscheinen sollten, sah man bei der Generalprobe vier Wagem mit je acht Pferden; die Zahl der Senatoreni, der Gladiatoren und der Vestalinnen war vom 25 auf 50 gesteigert, und in demselben Maßstabe ging es f#rt. Der Direktor schwamm in Wonne, als er plötzlich hor sten auf der Bühne erscheinen sah.„Was soll das #a alberm! Sofort sollen dreimal sso wiel kommen!“ Schüchtern wollte der Regisseur Einwendungen er bem, aber der Trektor schnitt ihm das Wort ab und 1c6#### den Rücken zu. Schließlich aber konnte er sich woch mitung verschaffen:„Herr Direktor“, sagte er, Sals Beier Harteu it umcglsch. Wir können die ., Eieser Choristen nicht verdreifachen. Sie stellen die— zwölf Apostel dar...“ Rob. Eippirkhn, Brückstrasse 1, Schwerte, Brückstrasse 1. Grösstes und feinstes rantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schade, Einige kräftie Talzuertsarreiter per sofort gesucht. Nickelwerk Schwerte. am Platze. Niedrigse Preise! Beste Fabrikate! Hüte, Mützen, Schirme, Herren-Wäsche und Cravatten. — Fabrikation von Schüler-, Vereins- und Beamten-Mützen 8p; in eigener Werkstatt. (1%%, S0werig. Fernsprecher 32 empfiehlt Streichfertige Oel- u. 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