Nr. 163. 37. Jahrgang. Freitag, den 14. Juli 1hos. S— * Amtliches Kreisblatt mmere für den kreis börde. Insertionsgebühr für lokale Anzeigen, die sechsgespalten. Verl: zeile oder deren Raum 10 Pfg., außethalb 15, Reklam Zeile 10 Pfn Druck und Verlag von Carl Braus in Schverte. Fernsprech=Anschluß Nr. 62. Amt Schwerte. und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis semäß Bekanntmachung#er durch Veröffentlichung in der„Schwerke verbindliche Kraft. recht. nementspreis pro Quartal i Mark 65 Pfg., extra Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Hemtbestsuch Erstes und ältestes Tages-Organ des Kreises hörde. Politische Uebersicht. Deutschland. Von den Duzfreunden des Kaisers plandert die im Kreise seiner Korpsbrüder, der Bonner Borussen, befindet, kann man ihn viele der Anwesenden mit und das gilt natürlich in erster Linie von denen, die seine Studiengenossen waren und die sich zum Teil jetzt in den höchsten Staatsstellungen befinden, wie der Minister v. Bethmann=Hollweg und der Oberpräsident v. Waldow. Auch der Reichskanzler Fürst Bülow, den der Kaiser selbst in Briefen und Telegrammen nie anders, als mit„Du“ anspricht, ist### während seiner Universitätszeit Bonner Preuße gewesen. Auch Graf Tiele=Winckler, Fürst Henckel von Donnersmarck usw. werden vom Kaiser geduzt — Der Reichskanzler Fürst Bülow hat seinen auf mehrere Wochen berechneten Sommerurlaub, den er auf Norderney zu verleben gedenkt, angetreten, nachdem er unmittelbar vor der Abreise, den schuß für auswärtige Angelegenheuten, der nur in wichtigen Fällen berufen wird, um sich versammelt dessen Mitgliedern eingehende Auskunft über den Verund das Ergebnis der Maro,=gzlogphozatung mit Frankreich erteilt hatte. Fürst outow hat nach dem fast einstimmigen Urteil des Auslands in diesen Verhandlungen einen vollen Erfolg davongetragen. Das deutsche Volk hat mit lebhafter Genugtuung den glücklichen Ausgang der Unterhandlungen begrüßt. ist daher selbstverständlich, daß der Bundesausschuß dem Fürsten=Reichskanzler bereitwilligst die volle Zustimmung zur Marokko=Politit ausgesprochen hat. Rußland. — Es wird nichts vorgeschossen. Petersburger Blätter wollen wissen, daß die russische Deutschland neuerdings einen Vorschuß von 100 Mill. Rubel zu denselben Bedingungen ausgenommen habe, wie die 200 Millionen Rubel im April d. I. Demgegenüber stellt die„Nationalzeitung“ fest, daß diese Nachricht jeder tatsächlichen Grundlage entbehre und von einem solchen Vorschußgeschäft keine Rede gewesen sei. — Die Japaner haben den Russen jetzt schon beinahe 1½ Jahr lang soviel vorgeschossen, daß man den Wunsch der Petersburger Blätter nach einem kleinen Kaliberwechsel wohl verstehen kann. = Massenübertritte zur katholischen Kirche. Im Vatikan sind Meldungen darüber eingetroffen, daß in Podolien und in der Ukraine die Bewohner vieler Dörfer und kleiner Landstädte wieder zu der katholischunierten Kirche übergetreten seien. Es sind dort während der letzten Jahrzehnte Tausende aus der kath. Kirche zur russisch=orthodoxen Kirche übergeführt worden, während jetzt diese vormaligen Unisten von dem jüngsten Toleranz=Ukas des Zaren Gebrauch machen und sich wieder als Katholiken bekennen. Die vorliegenden Berichte behaupten, daß auch viele Personen, die stets zur russischen Kirche gehört haben, jetzt mit zum Katholizismus übertreten; im Vatikan ist man daher damit beschäftigt, die kirchliche Organisation jener unierten Bezirke weiter auszugestalten, da sie Gelegenheit geben würde, den Einfluß der katholischen Kirche in Osteuropa wesentlich zu verstärken. Moskau, 13. Juli. In dem in der Nähe von 10(Löttringhausen—Schwerte.) Aus Witten wird geschrieben: Eine Deputation, besteyend aus dem Bürgermeister Dr. Haarmann=Witten, Amtmann Schülergeosven. Gu. unsere Stayt Ist en. Bötringhausenstrecke, die einmal von Witten=Anghwerteslrusberg. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, 1. Juli 1905.(Langendrer und Pfarrer Bsgmßergesischbör, "(Von der Lankesversichernngsanstalt) zu Bon, Eotrinahansehsgchwerte als-Bolbahn vorstelig dter wurde ein Unmnger Arbeitgeber in 465 Mork, Opvb. grden. Für unsere Stadt st der Ausbau 5 nungsstrafe genommen, weil er für einen fünf Jahre lang beschäftigten Arbeiter keine Beitragsmarken für die Invaliditäts= und Altersversicherung geklebt hatte. Auch der betreffende Arbeiter hat Nacheil bei der Sache, weil der Arbeigeber nur die Beitragsmarken für die beiden letzten Jahre nachkleben darf und bei einer späteren Invalidität des Versicherten die Beitragsmarken für die übrigen drei Jahre außer Berechnung bleiben müssen. Der Versicherte kann sich gegen derartige Nachlässigkeit nur dadurch schützen, daß er sich regelmäßig vom Arbeitgeber die Aufrechnungsbescheinigung über die Ablieferung der Quittungskarte aushändigen i*(Die gestrige Stadtverordnetensitzung) bot außerordentlich viel des Interessanten und Neuen, sodaß die beiden neugewählten Herren Döpp und Wolf, die gestern zum ersten Male anwesend waren und durch Herrn Bürgermeister Rohrmann in ihr Amt eingeführt wurden, gleich eine sehr anregende und debattenreiche Sitzung mitmachten. Ueber den Verkauf eines Splißteils städtischen Grund und Bodens an Herrn Bauunternehmer Cremer kam es zu einer lebhaften Auseinandersetzung, in der Herr Bürgermeister Rohrmann den Standpunkt des Magistrats vertrat, man dürfe mit derartigen Splißteilen, die, wie hier, zu einem Neubaue unbedingt erforderlich seien, im Interesse der Baulust nicht allzu teuer sein. Beim Punkte Ausbau des Holzenerweges wurde die Auseindersetzung ebenfalls recht lebhaft; bemerkenswert ist hier, daß die Holzener Dampfziegelei, die bekanntlich eine jährliche Beihilfe zahlen soll, die Situation für sich ganz gut ausgenutzt hat, denn sie sagt sich, den Weg müssen die Schwerter bauen, also wollen wir uns mal aufs Abhandeln verlegen. Interessant ist ferner die hier vom Stadtverordneten Herrn Schermeng, der der dem Magistrat Zickzackkurs vorwarf, gemachte Mitteilung, daß die deutschen Nickelwerke für StraßenAusbaukosten 25000 Mk. zahlen müssen. Na, die haben's ja nun glücklicherweise, aber die Zahl redet doch eine deutliche Sprache. Den Zickzackkurs aber ließ Herr Bürgermeister Rohrmann nicht auf dem Magistrate sitzen, verwehrte sich vielmehr energisch gegen den in diesem Ausdruck liegenden Vorwurf und fand auch aus dem Kollegium selbst Hilfe. Jugendspiele oder nicht,— Mädchenturnen oder nicht— auch über diese beiden Punkte gab's viel Worte. Hier war es besonders Herr Stadtverordneter Duisberg, der im Hinblick auf unsere mißlichen Steuerverhaltnisse bringend vor irgene varnte, während anderer). zur die zugend Backhausen mit besonderer Wärme für die Jugene eintrat. Alles, was wir für körperliche Kräftigung Schwerte=Iserlohn=Siegen, ferner Scthecttr# ug Cassel, oder Schwerte=Altenbeken fährt, dann aver auch westlich nach Langendreer=Bochum ins Industriegebiet als Durchgangsstrecke fährt, von der großten Bedeutung, liegt doch die ganze Entwicklung unserer Stadt an der rheinischen Bahn(im Osten), fast sämtliche neuen industriellen Werke sind hier angelegt und neuerdings mit Anschlüssen versehen. Ob die Strecke Wirten=Bommern gebaut wird, ist durch die Strecke Langendreer=Blankenstein sehr fraglich geworden. **(Aus Anlaß des neulichen Hochwassers) hat die Eisenbahn=Verwaltung in der Bergischen Straße zwecks Erzielung eines besseren Gefälles längs der etwa 80 Meter langen Futtermauer eine Rinne pflastern lassen. Ebenso hat die Provinzial=Verwaltung den östlichen Chausseegraben an der Hörderstraße bis zu dem Zuwege zum katholischen Friedhof in einer Breite von einem Meter und entsprechender Tiefe auswerfen lassen. Die gleichfalls zum schnellen und unschädlichen Abfluß größerer Wassermassen erforderlichen Anlage größerer Durchlässe unter den Wegekreuzungen ist indessen unterblieben. Hoffentlich genügt dieser Hinweis zur Nachholung des Versäumten; denn ohne genügend große Durchlässe nutzen breite und tiefe Gräben nichts; die Stauungen an den Wegen und Unterspülungen derselben bei starkem Gewitterregen werden sonst nach wie vor statfinden. 6# ()(Jugendlicher Ausreißer.) Der 13jahrige Sohn der in der Ostbergerstraße wohnenden Familie H. entfernte sich, als er einen von seiner Mutter erteilten Auftrag ausführen sollte, vorgestern nachmittag aus dem Elternhause und kehrte auch am Abend bezw. in der Nacht nicht wieder zurück. Die Rundfrage der besorgten Eltern bei in der Umgegend Schwertes wohnenden Verwandten war ergebnislos. Gestern nun wurde der Junge aus Hagen, woselbst er aufgegriffen war, der Familie wieder zugeführt. Hoffentlich ist dem Ausreißer hinreichend Gelegenheit gegeben worden, einmal sein eigenes Geschrei hören zu können. lih Lichtendorf, 13. Juli.(Schulausflug.) Die beiden hiesigen evangelischen Schulen machten heute auf 4 großen Leiterwagen unter Führung ihrer Lehrer einen Ausflug ins Hönnetal, zum Felsenmeer und zur Dechenhöhle. Abends kehrte die frohe Schar wohlgemut wieder heim. ! D r ü p p l i n g s e n, 1 3. J u l i.( B e d a u e r n s w e r ter Unfall.) Einen bedauernswerten Unfall erlitt gestern das 7jährige Söhnchen des Schmiedes B. hierselbst. Dasselbe spielte mit mehreren anderen Nachbarkindern an einem Fahrrade, und zwar wurde das * 5 dessalhen an dan Vadalon sohr stark gedreht. barkindern an einem Fahrrade, und zwar Hinterrad desselden an den Pebaten sehr stürr gebreyt. Stadtpetooy zltnisse dringend vor um dasselbe nun wieder zum Stillstand zu hringen, unsere mißlichen Steuerverhältnisse vriny. faßte das obengenannte Kind mit der rechten Hand in send welchen nicht unbedingt nötigen Ausgaben die Kette, wobei die Hand auf das Kettenrad kam und irnte, während andererseits Herr Rechtsanwalt dem Kinde 2 Mittelfinger der rechten Hand fast vollbesonderer Wärme für die Jug— ständig abgequetscht wurden. Es wurde sofort zum Roskaun gelegenen Walde Marsitnn Roische laud eine) umteretziegersziehentente undesingt nihzige Ausgabe. plötzlich durch die Kreispolizei gestört. Als die Arbeiter die wenigen Polizeibeamten bemerkten, fingen sie an, sie mit Steinen zu bombardieren. Um die Beamten am Entkommen zu hindern, zündete die Menge den Wald an. Dieser war bald in ein Flammenmeer verwandelt. Der Chef der Kreispolizei hatte unterdessen telegraphisch aus Moskau militärische Hilfe erbeten. Bald trafen Gendarmen und Kosaken ein, die mit blaukem Säbel gegen die Meuge vorgingen. Während des Kampfes wurden 50 Arbeiter getötet und 200 schwer verwundet. Nur mit Mühe gelang es den Kosaken die Demoustranten auseinander zu jagen. Ein Gendarmerieoffizier, 10 Kosaken erhielten gefährliche Verletzungen. Die Polizei verhaftete etwa 60 Personen. da es dazu beitrüge, gesunde Frauen und Mütter heranzuziehen. Beide Punkte wurden indessen zwecks näherer Feststellung der Kostenfrage vertagt. Dann besetzte man den Eichmeisterposten neu und beschloß die Aufnahme eine Darlehns über 40000 Mark zum Ausbau des Holzenerweges und eines zweiten Darlehns über 20000 Mark für die Grunderwerbskosten zum Bahnbau Schwerte=Iserlohn bei der hiesigen Sparkasse. Besonderes Interesse boten zum Schluß noch die Ausführungen des Herrn Bürgermeisters Rohrmann über Lieferung elektrischen Stromes, die der Leser ebenso wie alles hier kurz gestreifte und garnicht erwähnte im Sitzungsbericht nachlesen mag. W. Sch. dem Kinde 2 Mittelfinger der rechten Hand fast vollständig abgequetscht wurden. Es wurde sofort zum Dr. Garbsch in Hennen getragen, welcher ihm den ersten Verband anlegte. :)=) Schüren, 13. Juli.(Schrecklich verbrannt) hat sich der dreijährige Knabe der Eheleute Harbott kurz nachdem die Mutter die Kinder verlassen hatte. Nach ihrer baldigen Rückkehr fand sie schon das Kind in Flammen stehen. Der arme Knabe ist bald darauf gestorben. Sitzung der Stadtverordneten. *r Schwerte, den 13. Juli 1905. Nach längerer Pause fand heute wieder eine Stadtverordneten=Sitzung statt, deren Punkte umfaßte. Vom Magistrate war Herr Bürgermeister Rohrmann anwesend. Die Stadtverordneter Herren Hohenschwert, Korflür und Marquis fehlten mit tschuldigung. Den Vorsitz führte Herr Staot verordneten=Vorsteher Direktor Terbrüggen. An den Beratungen nahm Herr Stadtbaumeister Bierbach teil. 1. Beschlußfassung über die Giltigkeit der im Mai stattgehabten Stadtverordneten-Ersatzwahlen. Herr Stadtv.=Vorst. Terbrüggen teilt hierzu mit:„Am 30. Mai ist in der Ersatzwahl der 3. Abteilung anstelle des von hier verzogenen Herrn Adolf Müller der Kaufmann Herr Otto Döpp und am Tage darauf anstelle des in den Magistrat gewählten Direktors Herrn Emmerich in der 1. Abteilung Herr Prokurist Wolf gewählt worden. Einwendungen während der vorgeschriebenen Zeit gegen die Giltigkeit der Wahl seien nicht erfolgt.“ Da solche auch aus dem Kollegium nicht erhoben werden, werden die Wahlen für giltig erklärt. * 2. E i n f ü h r u n g d e r n e u g e w ä h l t e n S t a d t v e r o r d neten. Die Einführung der in 1 genannten beiden Herren erfolgte durch Herrn Bürgermeister Rohrmann in üblicher Weise. Er machte die neuen Stadtväter mit ihren Pflichten vertraut und legte ihnen als obersten Grundsatz für ihr Handeln den ans Herz, stets das Allgemeinwohl über das Wohl des Einzelnen zu stellen. 3. Herstellung von Bürgersteigen. Es handelt sich um Herstellung der Bürgersteige vor dem Neubau des Herrn Bernhard Feit und des Schniewindt'schen Hauses an der Hüsingstraße. Die Totalkosten betragen 559,50 Mk., von denen die Stadt 252,50 Mk. trägt.— Die Vorlage wird genehmigt. 4. Bewilligung der Kosten für die Befestigung einer Böschung und Errichtung eines Zaunes. Es handelt sich hier, wie Herr Bürgermeister Rohrmann bemerkt, um die Böschung an dem Grundstücke des Wirtes Herrn Anton Menke am Holzener Wege. Bei Regulierung des Weges habe die Stadt die Böschung angeschnitten. Da dort Fließ sei, sei das Erdreich nachgerutscht. Die Stadt habe selbstverständlich die Pflicht gehabt, die Böschung dem Anlieger wieder herzustellen. Den Zaun habe man aus Billigkeitsrücksichten dann ebenfalls auf Kosten der Stadt setzen lassen.— Die Kosten, 50 Mk., werden genehmigt. Abrechnung über Bürgersteig=Anlagen am ben die Erhöhung auf 500 Mk. herbeigeführt. Der Ma= Herr Bürgermeister Rohrmann weist noch dagistrat ist von seinem ursprünglichen Vorschlage nur rauf hin, daß auch der Turnunterricht in den hiesigen insofern abgewichen, als er die Einschränkung bezüg= Schulen mangels eigener Turnhallen nur mangelhaft lich der Produktion gutgeheißen hat. Zwingen können erteilt werden könne. Nur die Schule an der Weißenwir die Ziegelei nicht. Wenn der Ausbau der Straße burger Straße turne im Progymnasium. von der Gegenleistung der Ziegelei abhängig gemacht Herr Stadtv.=Vorst. Terbrüggen: M. H., werden soll, wird schließlich der Weg in diesem Jahre wenn wir uns nicht grundsätzlich für die EinBahnhofsplatz. Inbetracht kommt hier, wie Herr Stadtv.=Vorst. Terbrüggen mitteilt, die Bürgersteig=Anlage vor der Villa der Deutschen Nickelwerke (Gesamtkosten 967,60 Mk., davon zu Lasten der Stadt 764,90 Mk.) und die vor den Besitzungen Quadbeck und vom Steeg(Gesamtkosten 687,90 Mk., davon zu Lasten der Stadt 184,49 Mk.).— Die Vorlage wird genehmigt. 6. Verkauf einer städtischen Parzelle. Verkauft werden soll ein in der Mährstraße zwischen der Fluchtlinie und dem vom Bauunternehmer Herrn Josef Cremer gekauften Kohlhase'schen Hause belegener Splißteil und zwar für den Preis, den seinerzeit Herr Wirt Klempt für einen ähnlichen Splißteil zahlte, nämlich 200 Mk. die Quadratrute. Herr Waltenberg ist der Meinung, daß der Preis etwas zu niedrig sei; man könne entschieden mehr fordern. Herr Bürgermeister Rohrmann: Magistrat und Baukommission haben bisher stets den Grundsatz befolgt, derartige Splißteile zu verhältnismäßig billigem Preise abzugeben, um die Baulust nicht abzuschrecken. Herr Stadtbaumeister Bierbach: Ich bin der Ansicht, daß der Preis nicht einmal zu niedrig ist, denn für den in nächster Nähe zwischen Lehmhaus und Duisberg belegenen, zu Baugrund verkauften Garten sind auch nur 250 Mk. pro Rute gezahlt worden. Herr Weinberg: Ich halte es für gegen das Interesse der Stadt gehandelt, wenn man den Splißteil billiger abgibt als nötig ist.— Der Magistratsantrag wird indessen angenommen. 7. Ausbau des Holzenerweges von der Fleitmannstraße bis zur Gemeindegrenze. Für den Ausbau des Weges sind 40000 Mk. vorgesehen. Die Sache hat, wie unsere Leser sich erinnern werden, schon in der letzten Sitzung zur Sprache gestanden. Damals wurde der im Magistratsantrage vorgesehene Betrag von 300 Mark jährlicher Vergütung, den die Ziegelei Holzen zahlen sollte, vom Stadtverordnetenkollegium auf 500 Mark ersöht.„ p. Kumeu u Men. Herr Bürgermeister Royrmann erlautert die mit der Ziegelei geführten Verhandlungen und führt aus, daß die Ziegelei sich entschieden geweigert habe, 500 Mk. jährlich zu zahlen. Als man daraufhin den Magistratsantrag auf 300 Mk. wiederhergestellt habe, sei sie mit ganz anderen Vorschlägen gekommen und habe bei einer Produktion von 4 Millionen Steine 300 Mk., bei weniger als 2 Millionen 150 Mk., und sobald Bahnanschluß hergestellt sei, garnichts zahlen wolle. Schließlich habe man sich auf den vorliegenden Magistratsantrag geeinigt, demzufolge die Ziegelei bei einer Jahresproduktion von über 2 Millionen Steine 300 Mk. jährliche Entschädigung, bei einer Produktion von weniger als 2 Millionen 150 Mk. zahle. Im Falle, daß Bahnanschluß komme, seien erneute Verhandlungen vorgesehen. Herr Schermeng:„Ich verstehe diesen Zickzackkurs des Magistrats nicht, erst waren es 300 Mk., dann 500 und nun wieder 300 bezw. 150 Mk. Ich bin der Ansicht, daß hier Auswärtige besser behandelt werden als Einheimische. Das Nickelwalzwerk— mir fällt gerade kein anderer Vergleich ein— ist mit 25000 Mk. zu den Straßenausbaukosten herangezogen worden. Angenommen, dieses beträfe jemand anders, der sich das Geld leihen und es mit 4% verzinsen müsse, so gäbe das für ihn eine jährliche Belastung von 1000 Mk., und da sollte eine auswärtige Firma, deren Fuhrwerke notorisch den Weg zerfahren, nicht mit 500 Mk. jährlich herangezogen werden können? Herr Bürgermeister Rohrmann: Von einem Zickzackkurs kann hier absolut nicht gesprochen werden. Nicht der Magistrat, sondern die Stadtverordneten haführung der Spiele entscheiden, können wir auch diese Ausgabe für Ausbildung der Lehrpersonen sparen. Ein inzwischen gestellter Vertagungsantrag Duisberg wird angenommen. 11. Einführung des Mädchenturnens in den Schulen der Stadt. Die Schuldeputation hat beschlossen: das Mädchenturnen soll im nächsten Schuljahr beginnen und zwar vorläufig im Sommerhalbjahr. Die Mittel sind in den Etat für 1906 einzustellen. Herr Duisberg äußert gegen diesen Punkt dieselben Bedenken wie gegen den vorigen: Herr Rechtsanwalt Backhausen: Wir haben in der Schul=Kommission den Eindruck gewonnen, daß wir, wenn wir das Mädchenturnen nicht freiwillig einführen, wir von der Regierung dazu gezwungen werden. Wenn das Turnen für Knaben notwendig ist, ist das in noch höherem Maße für Mädchen der Fall. Wir haben das Interesse, unsere Mädchen zu gesunden kräftigen Frauen heranzuziehen, deren Körper den hohen Ansprüchen, die Ehe und Mutterschaft später an ihn stellen, genügen. Unsere Frauen leiden heutzutage leider daran, daß ihr Körper nicht kräftig genug ist, daß sie zu früh zusammenbrechen. Herr Bürgermeister Rohrmann: Ausgaben werden bei Einführung des Mädchenturnens zweifellos entstehen. Wenn die Mädchen in den Schulhöfen turnen sollen, müssen diese genügend eingefriedigt sein, auch Geräte müssen angeschafft werden, ferner besondere Hanteln für die Uebungen zur Stärkung der Brust usw. Aber sehr groß werden diese Kosten nicht werden. Alle Schulen in der Turnhalle des Progymnasiums turnen zu lassen, ist unmöglich; die Turnhalle ist heute schon an 14 Turnstunden wöchentlich besetzt, außerdem turnt ein Verein dort(evang. Männer= und JüngWege in gutem Stand halten. Dann möchte ich darauf lings=Verein. Red.) und zwei weitere dahingehende aufmerksam machen, daß in den verlangten 40000 Mk.] Gesuche liegen schon wieder vor. Es ist nicht ausgeaus die Ausgaben für Gasleitung und Kanalisation schlossen, m. H., daß wir die Frage erwägen, ob wir enthalten sind, die für die Ziegelei garnicht inbetracht nicht eine große Turnhalle bauen werden; erschrecken kommen. Der Vorwurf des Herrn Schermeng, der Sie nicht, wenn Ihnen vielleicht in Bälde in derartigen Magistrat habe die Interessen der Stadt nicht gewahrt, Projekt schon vorgelegt wird, denn gar so hoch werden wird durch die beigefügten Akten über die Verhandlun= sich die Kosten nicht stellen. gen mit der Ziegelei widerlegt. Wenn die Herren] Herr Weinberg: Als Tunhalle sollte man den nicht mehr ausgebaut, und alle Verträge mit den anliegenden Interessenten über kostenlose Abtretung des Landes sind hinfällig, da die Abtretungen ausdrücklich unter der Bedingung gemacht sind, daß der Ausbau der Straße in diesem Jahre noch erfolgt. Herr Rechtsanwalt Backhausen: Meiner Ansicht nach ist der Ausdruck Zickzackkurs nicht richtig. Wenn das Nickelwalzwerk zu Straßenausbaukosten herangezogen wird, so geschieht das aus ganz anderen Gesichtspunkten; weil es direkter Anlieger ist und weil diese Heranziehung durch Gesetz und Ortsstatut vorgeschrieben ist. Herr Schermeng: Es ist ganz gleich, aus welchen Gesichtspunkten die Heranziehung erfolgt. Tatsache ist, daß hier der Einheimische schärfer herangezogen werde als der Auswärtige. Wir sind jetzt soweit, daß nicht wir der Ziegelei, sondern sie uns die Bedingungen diktiert. Herr Rechtsanwalt Backhausen vertritt nochmals die Ansicht, daß die Gesichtspunkte, unter denen die Heranziehung erfolge, doch ganz wesentliche Bedeutung habe. Herr Irle: Für die Bedürfnisse der Ziegelei wäre es genügend, wenn die Straße so ausgebaut werde, wie dies auf Holzener Gebiet geschehen ist. So wie der Ausbau jetzt geplant ist, wird er 40000 Mk. kosten, und ausgebaut muß er sowieso werden. Herr Bürgermeister Rohrmann: Der große Unterschied, den Herr Stadtv. Schermeng ganz außer Betracht läßt, ist der, ob der Herangezogene Anlieger ist oder nicht. Östermann=Holzen hat niemals den Vorteil vom Ausbau der Straße, den ein Anlieger hat. Wir müssen aber im Interesse des Handels und Wandels in unserer Stadt alle in Schwerte hineinführenden Schützenhof benutzen, er wird ja doch nicht benutzt. Inzwischen ist ein Vertagsingsantrag Duisberg gestellt worden. Ehe es über ihn zur Abstimmung kommt, stellt Herr Schermeng den Antrag, die Sache zu vertagen, und die Kostenfrage inzwischen zu klären. Herr Stadt.=Vors. Terbrüggen läßt über den Antrag Schermeng als den weitestgehenden zuerst abstimmen; der Antrag wird angenommen. 12. Ueber Schulgelderhebung beim Progymnasium beim Schulwechsel werden die gefaßten Beschlüsse genehmigt. 13. Als Eichmeister beim hiesigen Eichamte wird Herr Schlossermeister Wilh. Hesse hierselbst bestellt. 14. Die Zinsen der Kaiser Wilhelm=Augusta=Stiftung sollen, wie bisher, so auch diesmal von der Armenverwaltung verteilt werden. 15. Vorlage der Protokolle über die letzte regelmäßige Revision der Sparkasse und der Stadtkasse.— Es fand sich nichts zu erinnern. 16. Aufnahme zweier Darlehne. Das erste Darlehen in Höhe von 40000 Mark soll zur Deckung der Kosten des Ausbaues des Holzenerweges dienen, das zweite in Höhe von 20000 Mark ist der Anteil Schwerte's an den Grunderwerbskosten zum Bahnbau Schwerte=Iserlohn, der, wie Herr Bürgermeister Rohrmann betont, schneller vor sich zu gehen scheine, als man dies sonst gewohnt sei. Beide Darlehen werden genehmigt, sie sollen bei der hiesigen Sparkasse aufgenommen und mit 3½ Prozent verzinst werden. 17. Mitteilung eines Beschlusses betr. Lieferung von elektrischem Strom. Hierzu teilt Herr Bürgermeister Rohrmann näheres mit. Er geht erst auf die seit langem geführten Verhandlungen mit der Straßenbahn=Gesellschaft ein, die für Licht 30 Pfg. für Kraft 18 Pfg. pro Kilowattstunde gefordet habe, bei größerer Abnahme allerdings eine Preisermäßigung einzipiell nicht gegen zugesagt habe. Dabei habe die Gesellschaft noch Garan6:.9 ein Pttnderten nicht 6e9## tie verlangt, daß für 4000 Mk. Strom abgenommen * Spiele. Aber daß es Schwerte werde. Die Verhandlungen sind dann abgebrochen ihrung derselben so eilig haben worden, weil ein niedrigerer Preis nicht zu erreichen Harte Kritik ist mitunter wegen des Verhaltens sagen, es ist nicht richtig, daß die Ziegelei uns Bedingungen stellt, so müssen Sie eben beschließen, m. H., daß der Weg nicht ausgebaut wird, dann unterbleibt es. Herr Stadtbaumeister Bierbach: Der Weg verursacht jetzt als Ascheweg jährlich 750 Mk. Unterhaltungskosten(Hört, hört!) und dabei macht jedes andauernde Regenwetter alle Ausbesserungen wieder illusorisch. Die Anlieger haben sich beschwert, daß sie im Winter nicht einmal die Kinder in die Schule schicken könnten. Die Anlieger haben zugunsten des Ausbaues auf Grunderwerbskosten in Höhe von 10000 Mk. verzichtet, darunter ist auch das Nickelwerk mit 3500 Mark vertreten. Herr Schermeng: verwahrt sich dagegen, daß er gegen den Ausbau des Weges überhaupt sei.— Sodann wird der Magistratsantrag einstimmig angenommen. 8. Mit Uebernahme der Unterhaltung der Dammstraße, soweit sie zwischen Holzenerweg und Wandhofer Grenze liegt, ist Kollegium einverstanden. Uebrigens sind, wie die Akten ergeben, der Stadt hier durch Beschlüsse aus dem Jahre 1896 die Hände gebunden. 9. Bewertung von Straßenland. Die Bewertung des Straßenlandes des Holzenerweges und der Dammstraße wird auf 65 Mk. pro Quadratrute, des Rosenweges von Damm= bis Fleitmannstraße auf dieselbe Höhe und des Rosenweges von dort bis zur Gemeindegrenze auf 50 Mk. festgesetzt. 10. Bewilligung der Kosten für die Einführung der Turn= und Jugendspiele in den Schulen der Stadt. Die Schuldeputation hat sich besonders warm für die Einführung der Spiele ausgesprochen. Die heutige Vorlage fordert nur die Kosten für die Ausbildung des hiesigen Lehrpersonals in den Jugend= und Turneien.„.. 3ch bin wrinzwell Herr Duisverg: Ich oin prinzlpien nicht gegen die Einführung dieser gerade mit der Einführung soll, vermag ich nicht einzusehen. Das ist mehr etwas für größere Städte. Wir sind ein Lanostadrchen, und soll, vermag ich nicht eindusehen.„ gi.2 d4chan unz war. Harte Kritik ist mitunter wegen des Verhaltens für größere Städte. Wir sino ein Lanbstavichen, und de Magistrats geführt worden. In einer Versammhier bei uns haben die Kinder Gelegenheit genug, sich lung ist sogar von Rückständigkeit desselben geim Freien, im Gränen zu tummeln. Meine Hauptbe=(sprochen worden. Nun, m. H., die Rückständigkeit lag venken richten sich gegen die finanzielle Seite. Erst auf der andern Seite, denn die Gesellschaft, mit der wir kommen nun die Kosten für die Ausbildung der Lehrer, dann wollen die Lehrer die Extrastunden bezahlt haben, dann sollen Spielplätze geschaffen werden und so geht es fort bis ins Aschgraue. Ich bin der Ansicht, daß wir bei unseren gegenwärtigen Steuerverhältnissen allen Anlaß haben, unnötige Ausgaben zu vermeiden. Herr Bürgermeister Rohrmann: Die Spiele sind sowohl in großen wie in kleinen Städten angebracht, sie führen auch eine gewisse Ausbildung und eine Kräftigung des Körpers herbei. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, daß ihre Einführung außer den heute geforderten später noch einige Kosten verursacht, aber wenn das auch der Fall ist, tun wir unserer Jugend einen guten Dienst. Herr Rechtsanwalt Backhausen tritt mit herzlicher Wärme für die Jugendspiele ein, die darauf abzielten, die Körperkraft unserer Jugend zu stählen und zu stärken. Die Spiele sollten, soviel er wisse, während der Unterrichtszeit anstelle des Turnunterrichts stattfinden, genau könne er das aber nicht sagen. auf der andern Seite, denn die Gesellschaft, mit der wir jetzt verhandeln(Zeche Wiendahlsbank) fordert für — Wechselstrom allerdings— Licht 15 Pfg., Kraft 9½ Pfg. pro Kilowattstunde, dabei liefert sie den Strom frei bis in Schwerte hinein, fordert keine Kaution, sondern will sogar eine solche von 3000 Mark stellen und ist mit jeder Zahl der Verbraucher zufrieden, ohne auch hier eine Zahl vorzuschreiben. Allerdings seien die Einzelanschlüsse recht teuer. Die Sache sei aber in Fluß. Herr Homel bringt dann besondere Wünsche zweier kleiner Industrieller vor, deren wohlwollende Berücksichtigung zugesandt wird. Nach mehr als anderthalbstündiger Dauer wird die Versammlung geschlossen. Westfalen und Rheinland. 1f Dortmund, 13. Juli.(Das Unglück auf „Borussia“.) Wie bereits gemeldet, mußten heute vormittag die Bergungsmannschaften wegen der schlechten Wetter schleunigst ausfahren. Die Glut im Innern wird immer stärker, sodaß noch geraume Zeit darüber vergehen kann, ehe die Verunglückten geborgen werden können. Eine Zeit lang habe man erwogen, einen Durchschlag mit der Zeche Germania auszuführen. Indessen dürfte die Bergbehörde diesen Plan wegen der damit verbundenen Gefahr für die benachbarte Zeche kaum genehmigen. Nach einer Konferenz der Verwaltung der Zeche mit der Bergbehörde wurde der Beschluß gefaßt, die Bergungsarbeiten einstweilen zu sistieren. Das Gerücht, daß das 11 Fuß dicke Flöz 21 in Brand stehe, erklärt die Verwaltung für unbegründet. 1f Mülheim a. d. Ruhr, 13. Juli.(Gräßliches Unglück.) Ueber eine Wassergasvergiftung auf dem Blechwalzwerk der Firma Thyssen u. Co. wird gemeldet, daß der Oberingenieur Hannesen, zwei Monteure und zwei Arbeiter tot sind. Sechs Mann sind wieder zur Besinnung gekommen.— Zur gleichen Stunde wurde in derselben Abteilung desselben Werkes einem Arbeiter von einer Blechplatte der Körper durchschnitten. Der Tod trat sofort ein. Oberst a. D. Hüger vor Gericht. 8 Dortmund, den 13. Juli 1905. 3. Verhandlungstag. (Fortsetzung aus dem 2. Blatt.) Die Beweiserhebung über das Beschwerdeverfahren war damit erschöpft. Der Vorsitzende ging nunmehr dazu über, die Beleidigung des Generals v. Lindequist mit dem Angeklagten zu erörtern. Auf Seite 5 und 6 spricht der Angeklagte von Rechtsbeugungen über Rechtsbeugungen, die ihm gegenüber begangen sein sollen. Der Angeklagte bemerkt, daß er dem General von Lindequist keinen Vorwurf habe machen wollen, zudem habe er, wie es auch in der Broschüre heiße, eine vorsätzliche gegen ihn verübte Rechtsbeugung nicht angenommen. Vors.: Wer die fraglichen Stellen in Ihrer Broschüre liest, der kann keinen Augenblick darüber im Zweifel sein, daß Sie sich über den Begriff der Rechtsbeugung recht klar gewesen sind. Welchen Personen haben Sie denn den Vorwurf der Rechtsbeugung machen wollen, können Sie uns dieselben nennen? Ja, zuerst kommt der Hauptmann Schmahle in Frage, er hat die versteckten Anzeigen gegen mich eingereicht; ferner ist es der General v. Cämmerer, sowie die beiden Auditeure in ihrer Eigenschaft als Offiziere. Vorsitzender: Woraus wollen Sie Exzellenz von Lindequist einen Vorwurf machen? Angekl.: Der General hat mir in seiner Entscheidung den Vorwurf gemacht, daß der an die 3. Batterie gegebene Befehl falsch gewesen sei, obwohl ich an der Sache ganz schuldlos war; es sind widrige Umstände gewesen, die das Versehen herbeiführten. Ferner macht der General mir einen Vorwurf daraus, daß ich in die Befugnisse der einzelnen Batteriechefs eingegriffen habe. Im übrigen berufe ich mich auf die schon gestern erwähnte Kabinettsordre. Vors.: Gerade diese Verordnung hat General von Lindequist in seinem ablehnenden Bescheide angeführt. Er sagt Ihnen, daß das zu viele Eingreifen des Regimentskommandeurs in Angelegenheiten des inneren Dienstes die Ausbildung und die Selbständigkeit des Einzelnen beeinträchtigen müsse, die Liebe zum Dienst raube und der Kameradschaft Abbruch tue. Auch die übrigen Angaben, mit den Exzellenz von Lindequist seine Entscheidung begründet habe, hält der Angeklagte für ungerechtfertigt. Der General der Infanterie von Lindequist wurde dann als Zeuge vernommen und gab eine Darstellung seiner Tätigkeit in Sachen der in Frage kommenden Beschwerde des Obersten Hüger. Erster Staatsanwalt Dr. Schulze=Sölde: Haben Sie eine Broschüre zugesandt erhalten? Waren in derselben vielleicht blaue Stellen angestrichen und war über eine Stelle der Name von Lindequist geschrieben? von Lindequist: Jawohl, das stimmt, ist weiß aber nicht, ob mir Oberst Hüger dieselbe zusandte; ich sandte die Broschüre an die Stelle, an die sie gehörte und die darüber zuständig war, ob etwas geschehen sollte. Erster Staatsanwalt Dr. Schulze=Sölde: In der Broschüre spricht der Angeklagte von Rechtsbeugungen, von Parteilichkeit; ich wollte nun festgestellt wissen, Excellenz, ob Sie bei Ihren Entscheidungen— ich halte es für selbstverständlich — nur nach bestem Wissen gehandelt haben. von Lindequist: Das ist ganz selbstverständlich. Erster Staatsanwalt Dr. Schulze=Sölde: Excellenz, es ist doch wohl kein Zweifel daran, daß Sie diese Be, leidigungen auf sich bezogen haben. von Lindeuist: Jawohl. Rechtsanwalt Kohn: Sind Sie in dieser Annahme bestärkt worden durch die Zusendung der Broschüre, vielleicht auch durch die blauangestrichenen Stellen und durch das Ueberschreiben des Namens? von Lindequist: Jawohl, ganz unwillkürlich. General von Lindequist äußerte sich auf Befragen noch dahin, daß der Eingriff des Obersten Hüger in die Obliegenheiten der Batteriechefs zu weit gegangen sei. Es sei viel wichtiger, auf die Selbständigkeit der Offiziere Wert zu legen, als auf die Ausführung kleiner Befehle zu achten. Der Vorsitzende widerlegt dann an der Hand der württembergischen Militärstrafprozeßordnung die Anschuldigungen des Angeklagten, daß die Richter des Untersuchungsgerichts auch nur in einem Falle ihre Pflicht verletzt hätten, er konstatiert, daß diese lediglich nach den Bestimmungen des Gesetzes gehandhabt hätten und geht dann über zur Erörterung der Beleidigung des Generals Schall. Diese Beleidigung hängt mit einer Anzeige zusammen, die Oberst Hüger gegen den Hauptmann Schmahle wegen Ungehorsams eingereicht hatte. Der Angeklagte sagt in seiner Broschüre: Ein württembergisches Untersuchungsgericht, bestehend aus dem General von Sick und dem Oberkriegsgerichtsrat Schall, habe in einem Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens Zeugenaussagen absichtlich gefälscht. Da der Angeklagte bemerkt, sich über diesen Punkt im Augenblick nicht äußern zu können, vertagt der Vorsitzende die Verhandlung nachmittags um 3 Uhr auf morgen früh 9 Uhr, um dem Angeklagten Zeit zu lassen, sich alles in Ruhe überlegen zu können. Rom, 13. Juli. Hier herrscht eine unerträgliche Hitze. Die Folge davon ist eine wahre Selbstmordepidemie. Kein Tag vergeht, ohne daß 5 bis 6 Personen geisteskrank werden oder Selbstmord verüben. Viele Pferde gehen zu Grunde. Vögel fallen tot auf die Straßen. Lissabon, 13. Juli. Die Hängebrücke bei Caja ist eingestürzt. Die im Augenblick des Einsturzes auf der Brücke befindlichen Personen sind umgekommen. Bis jetzt sind die Leichen von drei Männern und zwei Frauen aufgefunden. Die Zahl der Verunglückten ist noch nicht bekannt. Verurteilte Hehler. (=) Hanan, 14. Juli.(Privattel.) In dem großen Goldwaren=Diebstahlsprozeß vor der hiesigen Strafkammer wurde der Goldhändler Mahlmann, der für 112 800 Mk. gestohlene Goldsachen verkauft hatte, zu 5 Jahren Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt. Majestätsbeleidigung. (8) Lüneburg, 14. Juli.(Privattel.) Die Strafkammer verurteilte einen 20jährigen Kaufmann wegen Majestätsbeleidigung zu 3 Monaten Gefängnis. Familien=Drama. (=) Heiligenstadt, 13. Juli.(Privattel.) Der„Eichsfeldia" zufolge erschoß in dem benachbarten Dorfe Uder der Landwirt Foellmer im Jähzorn seine Tochter, verwundete seine Frau und seine beiden Söhne durch Schüsse und vergiftete sich hierauf mit Strychnin. Eisenbahn=Unglück. (:) Zwickau, 13. Juli.(Wolff=Tel.) Der Zwickauer Zeitung zufolge entgleisten heute mittag zwischen Stein und Niederschlema mehrere Wagen eines Güterzuges. Ein Schaffner wurde getötet, zwei andere verletzt. Opfer des Scharfschießens. (tb) Straßburg i. E., 13. Juli.(Drahtmeld.) Den Neuesten Nachrichten“ zufolge wurde beim Scharfschießen einer Abteilung des Infanterie=Regiments Nr. 143 ein Bürger von Dangolsheim, der auf dem Felde arbeitete, erschossen. 107 Leichen geborgen. [] London, 14. Juli.(Herold=Tel.) Von den bei Wattstown verunglückten Bergleuten sind bisher 107 Leichen geborgen. Die Bergung der übrigen Leichen ist unmöglich. Die Toten auf dem„Implacable.“ (:) Gibraltar, 13. Juli.(Wolff=Tel.) Von den durch die Explosion an Bord des Schlachtschiffes„Implacable“ Verwundeten sind vier gestorben. Die Gesamtzahl der Toten beträgt somit sechs. Ministerkrisis in Spanien. (:) Madrid, 14. Juli.(Wolff=Tel.) In Regierungskreisen heißt es, daß eine Kabinetskrise unvermeidlich *(Der Löwe als Reisebegleiter.) Daß ein Kurgast sein Reitpferd oder seinen Hund mitnimmt, wenn er in einen Badeort geht, kommt wohl oft vor; daß aber ein Löwe als Reisebegleiter fungiert, dürfte selten erlebt worden sein. In Karlsbad ist dieser Fall soeben eingetreten. Es traf nämlich ein Graf zum Kurgebrauche ein und stieg in einer der Villen im Westenviertel ab, und dieser brachte sich einen Löwen mit— zwar noch ein junges Tier von außerordentlicher Zahmheit und Folgsamkeit, das seinem Herrn wie ein Hündchen gehorcht, gegen fremde Personen aber ganz nach Katzenart faucht. Selbstverständlich bietet der junge Wüstenkönig, der sonst auch possierlich ist, das Interesse für die ganze Bewohnerschaft des Hauses. Auf der Promenade aber dürfte dieser exotische Reisebegleiter wohl kaum erscheinen. sei. Eigener Depescheabicnst der„Schwerter Zeitung“. Die Kronprinzessin als Schützenkönigin. (:) Berlin, 13. Juli.(Wolff=Tel.) Kronprinzessin Cecilie hat die ihr von der Schützengilde in Bützow (Mecklenburg) angetragene Würde einer SchützenKönigin angenommen und der Gilde ein prachtvolles Schild mit ihrem Bildnis gewidmet. Das gesunkene Unterseeboot. (:) Biserta, 14. Juli.(Wolff=Tel.) Es gelang, das gesunkene Unterseeboot aus dem Schlamm zu heben, es. ist nur noch 3 Meter unter der Meeresoberfläche. Cholera. (ib) Tanger, 14. Juli.(Drahtmeld.) Hier wurde gestern ein Fall von asiatischer Cholera festgestellt. Alles rennet, rettet, flüchtet. (Ib) Odessa, 14. Juli.(Drahtmeld.) 20000 Juden haben die Stadt aus Furcht vor Massakres verlassen und sich ins Ausland begeben. Der Sündenbock. (:) London, 13. Juli.(Privattel.) Nach Petersburger Nachrichten soll die Ausstoßung des Admirals Krieger aus der russischen Marine bevorstehen, weil er es unterlassen habe, den Potemkin anzugreifen und in die Luft zu sprengen. Die Vergeltung. I1 Odessa, 14. Juli.(Heroldtel.) 24 Rebellenführer wurden gestern in den verschiedenen Gefängnissen gehängt, weitere 18 auf öffentlichen Plätzen hingerichtet. Wahnsinn infolge Hitze. (:) Newyork, 14. Juli.(Wolff=Tel.) Zahlreiche Wahnsinnsaufälle wurden hier durch die Hitze verursacht. Am Mittwoch allein wurden 13 Personen wahnsinnig. Gestern stürzten 57 Personen auf der Straße zusammen. Verantwortlicher Redakteur Wilhelm Schade, Schwerte. Weras Wugbertet. Em Kerzserg) Tonnorts, nadingen! Infolge gänzlicher Aufgabe meines Geschäfts Aufsehen erregend billige Preise. zum Einkauf guter Waren zu Spottpreisen. Das Ladenlokal ist au vermieten. 0 A M4 N Vier extra billige Sokutt Donnerstag. den 13 Juli bis Sonnlag, den 16. Juli ds. Js. N A S e %1* Auf alle anderen hier nicht aufgeführten Leder-Schuhwaren gewähre 44) hrazent Kabaft! ich während dieser Schuh-Tage meinen werten Kunden: 10 T-IOBeu:- Jaii! SPwrahaKerhotau, nur 101 Frankfurterstrasse 101. Sgon.. M. Am Samstag, den 15. Juli er., vormittags 9 Uhr, werde ich im Pfandlokale beim Wirt Böhmer hierselbst zwei Bettstellen mit Bettwerk gegen bar versteigern. Schwerte, 14. Juli 1905. Morgenroth, Gerichtsvollzieher. □ Statt besonderer Anzeige! Infolge eines Unglücksfalles entriss uns heute der unerbittliche Tod meinen innigstgeliebten Mann, unseren treusorgenden Vater. Sohn, Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel, den Ober-Tngenieur Gustat-Raltlesen im Alter von 84 Jahren. Um stille Teilnahme bitten Namens der Hinterbliebenen Frau Adele Hannesen, geb. v. d. Heyde, und Kinder. Mälhelm=Rahr, den 13. Juli 1905. Die Ueberführung der Leiche vom Bahnhof Mulheim-Ruhr nach Schwerte findet Samstag nachmittag 3½ Uhr vom Trauerhause, Sandstrasse 63, die Beerdigung in Schwerte Sonntag nachmittag 4 Uhr vom Bahnhof aus statt Rauswradcn, 9 zu haben in den meisten Geschäften Fabrikant: Carl Gentner, Göppingen Ckiffre- Anzeigen für Personal-Gesuche " Stellen-Gesuche " An- und Verkäufe " Finansirungen sowie Anneuoen jeder Art besorgt am besten und billigsten die Alteste Annostsa-Expedition A.6. Pers Hohestr. 115-1158.1 Pernspr. 800 Hoistrantentaste für den Amtsbezirk Westhofen. Durch die von dem Bezirksausschuß in Arnsberg genehmigten Beschlüsse der Generalversammlung vom 27. November 1904 und 26. März 1905 sind die§§ 37 und 70 des Kassenstatuts wie folgt abgeändert worden: § 37 Abs. 1. Die Zusatzbeiträge werden auf monatlich 1 M. 50 Pfg. festgesetzt. § 70. Die Aufsicht über die Kasse wird unter Oberaufsicht der Königl. Regierung zu Arnsberg von dem Amtmann des Amtes Westhofen wahrgenommen. Westhofen, den 13. Juli 1905. 2469 Der Vorstand. erreist. ltbrecht, homöopatb. Arzt, tmund, Brüderweg 10. 2470 wahrt Eure Interessen! Bei Einkauf eines ½8 Pfundes meiner hochfeinen Haushaltungs-Margarine, Haushaltungs-Kalfee erhält man einen Bon, für welche je nach der Anzahl hübsche nützliche — Haushaltungs-Gegenstände— Gratis! verabreicht werden Gratis! Jeder Bon berechtigt zu einem — Geschenk.— Ausserdem gebe ich auf sämtliche Artikel durch Ausgabe von (Rabattmarken 6 Prozent). Für jedes vollgeklebte Buch, welches Nur 250 Marken enthält zahle ich 8 Mark in bar, jedes vollgeklebte Buch sowie Bons werden zu jeder Zeit in meinen sämtlichen Geschäften eingelöst. Jede sparsame Hausfrau decke daher ihren Bedarf in Margarine, Kaffee, Käse, Eier, Schmalz, Gelee, Honig, upfelkraut, Preißzelbeeren, Honigbutter, Süßrahmbutter sowie prima Fleisch= und Wurstwaren, Speck 2c. 2c. nur bei A. Peiffer, Hagenerstr. 8, Schwerte, Hagenerstr. 8. Weitere Filialen: Hagen— Altena— Lüdenscheid— Unna. Nr. 163. 37. Jahrgang. Freitag, den 14. Juli 19o5. Insertionsgebühr für lokale Anzeigen, die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., außerhalb 15, Reklame=Zeile 40 Pfg., Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Fernsprech=Anschluß Nr. 62. Amt Schwerte. Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechtverbindliche Kraft. Abonnementspreis pro Quartal 1 Mark 65 Pfg., extr42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierte Familienfreund.“ Erstes und sältestes Tages-Organ des Kreises Hörde. Haupt-Annoncenblatt. Vom sozialen Felde. *r(Entwertung der Klebemarken.) Durch eine neue Bekanntmachung des Bundesrates ist vorgeschrieben, daß vom 1. Oktober an alle in Quittungskarten für Invalidenversicherte eingeklebten Marken entwertet werden müssen, während bisher die Entwertung nur für Markn vorgeschrieben war, die für mehr als eine Wochen gelten. Die Entwertung erfolgt durch Angabe des Tages der Entwertung in Ziffern mittels Tinte; zum Beispiel„1. 10. 05.“ bei Entwertung am 1. Oktober 1905. — Die Lage des edutschen Arbeitsmarktes ist zurzeit außerordentlich günstig. Mehrfach hat man ein Abflauen im Juni befürchtet, aber die jetzt vorliegenden Berichte beweisen gerade das Gegenteil. Ueberall bot sich reichlich Arbeitsgelegenheit, die Landwirtschaft und das Baugewerbe haben sogar verschiedentlich nicht so viele Arbeitskräfte erhalten können, wie sie verlangten. Bei den Arbeitsnachweisstellen ist der Andrang erheblich zurückgegangen, selbst seitens der ungelernten Arbeiter. Das ist ein besonders günstiges Zeichen. Hoffen wir, daß der Höhepunkt noch nicht erreicht ist, daß die Aufwärtsbewegung vielmehr weiter anhält. Westkalen und Rbeinland. * Herdecke, 13. Juli.(Schwindler.) Heute morgen hielt sich in der hiesigen Stadt ein Mann auf, der von Haus zu Haus ging und hierselbst um eine Unterstützung bat. Derselbe gab an, sein Sohn sei bei dem Gruben=Unglück auf der Zeche Borussia verunglückt und er sei arm und ohne Geldmittel und könne dieserhalb die Begräbniskosten nicht bestreiten. Als er sich von der Polizei verfolgt sah, ergriff er die Flucht und verschwand. *) Haspe, 13. Juli.(Tötlicher Unfall.) Auf dem hiesigen Eisen= und Stahlwerk stürzte vorgestern nachmittag der 50jährige Zimmerer J. Kistner aus einer Höhe von 18 Metern vom Gerüst herunter auf die Straße. Der Unglückliche, der eine zahlreiche Familie hinterläßt, erlitt einen Genickbruch, der den sofortigen Tod zur Folge hatte. * Solingen, 13. Juli.(Beide Augen verloren.) Beim Böllerschießen anläßlich des NiederMangenberger Schützenfestes hat sich ein schreckliches Unglück ereignet. Einer der die Böller bedienenden jungen Männer, welcher etwas angetrunken war, hielt, als ein Schuß nicht losgehen wollte, ein brennendes Streichholz an das Zündloch. Die Ladung explodierte und flog dem Unglücklichen ins Gesicht, welches schrecklich verbrannte. Beide Augen sind verloren. :) M ü n s t e r b. B i n g e n, 1 3. J u l i.( W i e d e r e i n e.) Eine hier wohnende 22jährige Frau wollte heute vormittag das Feuer im Ofen mit Petroleum anfachen. Sofort schlugen die Flammen aus dem Ofen hervor und die Frau trug schwere Brandwunden davon. Nach Konstatierung des Arztes wird die Frau mit dem Leben wohl nicht davonkommen. * Bochum, 13. Juli.(In gemeingefährlicher Weise) suchte der Bergmann Wilhelm Steffen von Crange die Kasse des Allgemeinen Knappschaftsvereins zu brandschatzen. In der heutigen Sitzung der Strafkammer war er deshalb des Betruges und der Urkundenfälschung angeklagt. Steffen fand eines Tages auf einem Zechenplatze eine Anzahl Krankenscheine. Fortgesetzt fälschte er die Scheine, indem er sie mit dem Namen von Knappschaftsärzten und Grubenverwaltern versah und dann die Beträge bei der Kasse des Allgemeinen Knappschaftsvereins abhob. Endlich wurde durch Zufall die Fälschung entdeckt. Die Strafkammer verurteilte den Schwindler zu einem Jahr Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre Zuchthaus beantragt. Steffen wurde sofort verhaftet. * Bochum, 13. Juli.(Die alte gute Zeit.) Bei dem Festessen des 50jährigen Jubiläums des Landwirtschaftlichen Kulturvereins frischte Herr v. Bockum=Dolfs einige Erinnerungen auf, die einen beschaulichen Einblick in die gute alte Zeit tun ließen. Zur Zeit, als der alte„Pilgrim“ noch Landrat des ungeteilten Kreises Bochum war, wurde die landrätliche Verwaltung vom Landrat und von seinen beiden Sekretären Daute und Steinecke besorgt. Daute, der wegen der Namensähnlichkeit mit dem genialen Dichter der„Göttlichen Komödie“ allgemein der göttliche Daute genannt wurde, hat nahezu ein halbes Jahrhundert unter wechselndem Regiment dem alten Kreise Bochum seine Arbeitskraft gewidmet. Als Beispiel für die Seßhaftigkeit und Ausdauer des„göttlichen Daute“ führte Herr v. Bockum=Dolfs an, daß Daute während seiner Amtszeit einen Bureaustuhl mit dickem Brettersitz buchstäblich durchgesessen habe. Ein zweiter Stuhl von gleich derber Bauart wies, als der„göttliche Daute“ das Zeitliche segnete, ebenfalls eine ziemlich tief ausgesessene Mulde auf. Von dem zweiten Adlatus des„alten Pilgrim“ erzählte Herr v. Bockum=Dolfs: Der Mann hieß zwar Steinecke; aber sein Herz war so weich, daß er es nicht über sich brachte, die Eingesessenen des von ihm mitverwalteten Kreises durch ein Strafmandat zu kränken. Als auch Steinecke Gevatter Hein tributpflichtig geworden war, fand man in dem Schreibpult des sonst ziemlich akkuraten Beamten ganze Stöße von Strafmandaten, die nie ihre Adressaten erreicht hatten. Die Mitteilungen des Herrn v. Bockum=Dolfs trugen zur Erhöhung der Festfröhlichkeit nicht wenig bei, und mancher der alten Veteranen, die vor 50 Jahren durch Steineckes weiches Herz vor einer Ordnungsstrafe bewahrt geblieben, bestellte sich noch eine gute Pulle. § Arusberg, 13. Juli.(Die Strafkammer) verurteilte heute den Arbeiter L. von hier wegen Sittlichkeitsverbrechen, begangen an seiner 10jähr. Stieftochter, zu 3 Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust. * Dinker, 13. Juli.(Ein Kugelblitz.) In Haus Sengerhoff bei Dinker schlug gestern mittag 1¼ Uhr, ein sogenannter Kugelblitz, glücklicherweise ohne zu zünden oder sonstwie Schaden anzurichten. Der Blitz fuhr im Erdgeschoß durch ein offenes Fenster unter einem an demselben stehenden Stuhle durch, auf welchem ein arbeitendes Dienstmädchen saß, ohne diese zu verletzen, rollte feuersprühend unter Knistern durch die Küche und zerschellte, ohne irgend eine Spur zu hinterlassen, unter Feuererscheinung und scharfem, etwa dem Losschießen einer Dynamitzündkapsel ähnlichen Knall an der gegenüberliegenden Wand, worauf etwa nach einer Sekunde Donner erschallte. Die Kugel hatte etwa die Größe eines gewöhnlichen Spielballs. Der Knall wurde auch in Dinker gehört. * Bielefeld, 13. Juli.(Dem irdischen Richter entzogen.) Der unverheiratete Pferdehändler Franz Mönkebusch von hier war auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft am Sonntag nachmittag verhaftet worden unter der Anschuldigung, sich an einem 13jähr. Mädchen schwer vergangen zu haben. Die Straftat selbst liegt etwa zwei Jahre zurück. In vergangener Nacht nun hat sich der Verhaftete dem irdischen Richter Ferlassen Roman von Erich Bronstein. 54 „Ruhig, ruhig, mein Lieb!" tröstete Hellmut mit gütiger Stimme die tief Erschütterte.„Siehe, es tut mir nur so wehe, daß drei Jahre vergehen mußten, ehe die Klarheit in mich kam, die Deine Rätsel entschleierte. Und der Schlußstein, den ich noch brauchte zu meinem Gedankengebäude, er fiel mir zu, als ich Dich hier die Bühne betreten sah. Eine bange, durchwachte Nacht führte mich gleichsam Deiner Seele zu. Ichlernte in Dir lesen, wie in einem altvertrauten Buche aus Kindertagen. Und die letzten Schleier fielen zwischen mir und Dir. Nicht Deine Mittellosigkeit, nicht dieses Gebundensein an einen Jugendgespielen, den Du nie geliebt, konnten Dich von mir entfernen, sondern nur eine Schuld, an welcher Du erst in dem Augenblicke mitzutragen hattest, als sie Dir offenbar wurde. Kinder tragen aber zumeist mit an der Vergangenheit ihrer Eltern. So mußte auch Vein Entsagen in dem Dir bisher unbekannten Schicksale Deiner Eltern liegen.“ „Als Künstlerin fand ich Dich endlich wieder. Du hattest Dir Selbständigkeit errungen, weil Du wußtest, daß in Deinem Dasein nur eine Liebe Raum hatte. Sie mußte begraben sein. Und vas war so schwer. Da riefest Du Deinen Stolz zu Hilfe. Du wolltest mir, Du wolltest jenen, die Steine auf Dich warfen, zeigen, daß man auch mit dem Tode im Herzen seinen Idealen getreu zu sein vermag, daß man unter schwersten Versuchungen rein bleiben kann, selbst wenn die Vergangenheit ihren Fluch bereit hält.“ Ich fand Dich allein wieder. Du hattest Dich in dem Augenblicke, in dem Du mich verloren geben mußtest, auch losgelöst von Deiner Umgebung. Die Majorin Trenkler, der Du stets kindliche Ehrerbietung bewiesen, war von Dir verlassen worden. Alle diese Momente lichteten mir das Bild der rätselvollen Vergangenheit. Ja, ich hätte darauf schwören mögen, daß diese mir widerwärtige, junge Dame, Frau Trenklers Tochter, die ich neben Dir im Theater sah, an jenem letzten, denkwürdigen Abend, den ich nicht nützte, Dir die Binde von den Augen nahm, welche bisher gerecht denkende Menschen Dir schützend darüber gelegt hatten. Ist es so gewesen, Liebling?“ Er gab ihre Hände frei. Er hob ihren Kopf von seiner Brust empor. Aufs tiefste erschreckt blickte er in ihr angstverzerrtes Gesicht. Da verließ sie vollends das Bewußtsein. Er hielt eine Ohnmächtige in seinen Armen. Er hatte sie noch fragen wollen, warum sie gerade an der M.'schen Bühne Stellung genommen, da sie ihm doch hier sicher begegnen mußte. Aber die Lösung dieses letzten Rätsels war nebensächlich. Vielleicht, daß sie die Sehnsucht vermocht hatte, die selbstgewählte Verbannung aufzuheben! Dieser Schluß stimmte freilich nicht recht zu dem Bilde, welches er sich von Annie in der Erinnerung bewahrt, aber es genügte, bis Annie die richtige Aufklärung gab. Auch eine tröstliche Kunde hatte er für sich in Bereitschaft. Er hatte ihr sagen wollen, daß er schon mit dem kommenden Frühling im Sinne gehabt habe, nochmals auf die Wanderschaft zu gehen, dieses Mal gewillt, ohne die Braut nicht heimzukehren. Bis zu diesem Zeitpunkte glaubte er seine Stellung in der Heimat so unantastbar gestaltet zu haben, daß die Frau, welcher er seinen Namen gab, gleichsam gefeit war gegen üble Nachrede, daß man sie aufnahm, wie sein Weib in seiner Heimat aufgenommen werden mußte. Und seiner Persönlichkeit, seiner Energie, nicht zum mindesten aber seiner rastlosen Arbeit an sich und für andere, verdankte er das Erklimmen dieses schönsten Zieles. Jetzt machte sich Werner bittere Vorwürfe, daß er bei seinen Mitteilungen nicht schonender zu Werke gegangen. Frau Zuinhand kam auf seinen Ruf sogleich herbei und trug mit ihm Sorge um das kranke Mädchen. Frov Hainhand brachte A5 frau Zuinhand brachte Adda zu Bett. Mit ihren Hausmitteln ließ sich die Ohnmacht nicht wirksam bekämpfen. Aber auch als der Arzt der Familie Hellmut erschien und unter seinen Bemühungen endlich die starrkrampfartige Lähmung aller Sinne von Adda wich, blieb das Mädchen apathisch und teilnahmslos. Sie ging tagelang umher wie eine Schlafwandelnde, um dann von peinigender Ruhelosigkeit erfaßt zu werden, wenn Werner nicht in ihrer Nähe weilte. „Du wirst mich verlassen! O Gott, Du wirst mich verlassen!“ klagte sie zuweilen mit schmerzbewegter Stimme! Und wenn sie auch diese Worte nicht sagte, sie standen doch wie eine Anklage in ihren schwermutverschleierten Augen zu lesen und rührten und bewegten seltsam Hellmuts Herz. Ihr war am wohlsten, wenn er ihr zur Seite saß, wenn ie das Haupt an seine Schulter lehnen und so mit geschlossenen lugen vor sich hinträumen konnte. Sie war zaghaft und kleinmütig geworden, befremdend scheu und furchtsam im Wesen und zu allerhand Aberglauben geneigt. Werner Hellmut bewies ihren wechselnden Launen gegenüber eine zartsinnige Geduld. Er ahnte eine tiefe, seelische Erschütterung und er gab sich allein die Schuld daran. Seine der Wahrheit völlig entsprechenden Erklärungen hatten diesen traurigen Zustand über Annie verhängt. Er schalt sich, daß er überhaupt geredet. Aber er hatte es doch nur in der Absicht getan, Annie dieses Bekenntnis zu ersparen. Der Arzt befürwortete eine Luftveränderung. Der Oktober zeigte sich in diesem Jahre nicht allzu freundlich. Rauhe, kalte Tage wechselten mit Sonnenstunden ab, und dicke Nebel breiteten sich oft wie feiner Regen über das Gebäude. So drang denn Hellmut in Adda, mit ihm ein paar Wochen an die oberitalienischen Seen zu reisen. Frau Zuinhand war bereit, ihr„Pflegetöchterchen“, wie sie Adda am liebsten nannte, zu begleiten. Was hätte die alte, gute Frau nicht getan, wenn Werner den Wunsch geäußert? Ihm zu Gefallen hätte sie sich wohl auch den Gefahren einer Gletscherpartie ausgesetzt, obgleich Gebirgstouren nicht ihre Sache waren. Doch Adda schüttelte zu solchen Plänen verneinend den Kopf. Sie wollte in der Stadt bleiben, die sie mit ihrem Glücke verbunden. Jeder Schritt in die unbekannte Ferne schien ihr die Trennung näher zu führen. Sie sagte sich stündlich, daß diese Trennung bald eintreten müsse. Aber sie zögerte, selbst etwas zu tun, was die gefürchtete Katastrophe beschleunigen konnte. Ihr Zustand war bejammernswert Seit sie wußte, daß Annie aus Liebe zu Werner ein ungewisses Los in der Verlassenheit auf sich genommen, stand der Entschluß, zu Annies Gunsten zu entsagen, unverrückbar in ihr fest. Ihre Seele forderte von ihrem ruhelosen Gewissen nur noch eine kurze Galgenfrist. Sie wollte auch einmal glücklich sein! Denn Glück, trotz dieser Geist und Körper ermattenden Kämpfe, bedeutete es für immer noch, Hellmut neben sich zu haben, seine Stimme zu hören, ach, und ihre Lippen geküßt zu fühlen von seinen Lippen!„So sterben!“ seufzte sie zuweilen, wenn unter seinen tändelnden Zärtlichkeiten der Rosenschein wieder über ihre blassen Wangen hinzog. Und dann kam ihr wieder die wahnsinnige Idee, alles beim Alten bleiben zu lassen, bis sie Werners Weib geworden. 121,20 entzogen, indem er sich mit seinem Handtuch im Untersuchungsgefängnis erhängte. Oberst a. D. Hüger vor Gericht. s Dortmund, 13. Juli. 1905. 3. Verhandlungstag. Nach Eröffnung der heutigen Sitzung wurde in der Beweisaufnahme über das Beschwerdeverfahren des Hauptmanns Schmahle fortgefahren. Major a. D. Brenken, der als erster Zeuge veronmmen wurde, erklärte, Oberst Hüger habe ihm eines Tages beim Dienst einen Brief übergeben mit den Worten:„Hier haben Sie die Sache und sehen Sie zu, daß Sie damit fertig werden.“ Der Zeuge hat als ältester Offizier des Regiments die vom. Hauptmann Schmahle gegen Oberst Hüger vorgeschlagenen Zeugen vernommen, wobei er das Gefühl hatte, daß die Offiziere dabei mehr aussagen wollten. Major Brenken ließ sich auch durch den damaligen Adjutanten Moß das Parolebuch holen und strich jene Stellen, die zur Beschaffung des Materials dienen sollten, blau an. Der Zeuge bemerkte: In der Brochüre des Angeklagten wird die Sache so dargestellt, als wenn in die PrivatVerhältnisse der Offiziere bei der Vernehmung eingegriffen worden sei, ich muß das mit aller Entschiedenheit als unwahr zurückweisen. Bei den vielen Befehen wußte ich, daß der Oberst sich alle Befehle notierte, um etwas Sicheres in Händen zu haben. Bei einem Gespräch, welches Oberst Hüger mit mir in meiner Wohnung hatte, verlangte dieser, er wünsche Kenntnis von dem Verlaufe des Beschwerdeverfahrens zu erhalten. Ich habe ihm die gesamten Akten auf den Tisch gelegt mit den Worten:„Hier, Herr Oberst, haben Sie alles, ich habe nichts zu verheimlichen“ obschon für den Obersten H. recht unangenehme Dinge in den Akten enthalten waren. Verteidiger: Hat der Angeklagte das Material burchgelesen? Zeuge: Das kann ich nicht sagen, ich habe ihm das Material zur Verfügung gestellt. Angekl.: Ich lestreite ganz entschieden, daß das richtig ist, was Major Brenken hier sagt. Er hat eine Aeußerung gegenüber der Aussage des Hauptmanns Schmahle gemacht und sogar die Hände über das gehalten, was dir Offiziere ausgesagt hätten. Ich verlangte nur, daß mir wenigstens die Befehle des Generals von Witzendorff zur Kenntnis gebracht würden. Ich bin sehr erstaunt über die Aussage des Zeugen. Major v. Brenken: Ich bleibe dabei, ich habe dem Oberst das ganze Material zur Verfügung gestellt, mit dem Bemerken, ich hätte keine Geheimnisse. Erster Staatsanwalt: Es wäre sonderbar, wenn der Zeuge dem Oberst das Material gezeigt hätte und über die Stellen, die für den Oberst gewiß wissenswert gewesen wären, die Hände gehalten hätte. Der Oberst würde sich als Vorgesetzter das nicht haben gefallen lassen; es wäre ihm gewiß ein Leichtes gewesen zu sagen:„Hände weg!“ Vors.: Griff Oberst Hüger sehr in die Obliegenheiten der einzelnen Batteriechefs ein? Zeuge: Jawohl. Es gingen mir mitunter Zuschriften zu, die für den Oberst recht unangenehm waren, ich habe sie dem Oberst gar nicht gegeben, um die gereizte Stimmung nicht zu verschärfen. Vors.: Wissen Sie, daß Oberst Hüger hinsichtlich des Wäsche=Appells einen Befehl erließ? Zeuge: Ich erinnere mich, daß moniert wurde, daß der Appell einmal Freitags abgehalten wurde. Angekl.: Es ist in der ganzen deutschen Armee Sitte, den Wäsche=Appell Samstags abzuhalten. Die Reinlichkeit im Regiment ließ viel zu wünschen übrig, sodaß man sich um Dinge kümmern mußte, deren Erledigung eigentlich den Batteriechefs obgelegen hätte. Es war so, daß die Mannschaften des Sonntags beim Appell ihren Rock aufknöpften, um den Offizieren reine Wäsche zu zeigen, nach der Besichtigung zogen die Mannschaften die reine Wäsche wieder aus, um die schmutzige wieder anzuziehen. Vors.: War das bei der dem Hauptmann Bardt unterstellten Batterie? Angeklagter: Nein, die war es nicht, es handelte sich um die 4. Batterie. Es wurden dann die Zeugenaussagen verlesen, die sich auf das Beschwerdeverfahren in Sachen des Hauptmanns Schmahle gegen Oberst Hüger beziehen. Bemerkenswert ist eine Auslassung eines Offiziers, der zu Protokoll gab, daß die einschneidenden Befehle des Obersten gegeben seien in dem Bestreben, die unsauberen Elemente aus dem Unteroffizierkorps des Regiments zu entfernen, was auch geglückt sei; es seien aber auch eine Reihe anderer tüchtiger Unteroffiziere aus Furcht vor einer Bestrafung wankelmütig geworden. Aus einer Reihe Dienstanweisungen, die zur Verlesung kamen, ging hervor, daß Oberst Hüger bestrebt war, den Dienst für die Mannschaften leichter und zweckmäßiger zu gestalten. Er will die Verfügungen erlassen haben, wie es in einem Rechtfertigungsschreiben heißt, deshalb, weil der Dienst bei mancher Batterie im Argen lag. Den weiteren Prozeß=Bericht s. 1. Blatt. Vermischtes. *(Eine Erinnerung aus den Schiller=Festtagen.) Eine Leserin unseres Blattes sendet uns folgende nette Anekdote: Es war in Karlsruhe. Der gütige Landesvater Großherzog Friedrich hatte ein ganzes Hoftheater der Jugend der Volksschulen für eine Aufführung des„Wilhelm Tell“ geschenkt. Oben saßen die Buben, unten die kleinen Mädchen. Das Parkett mit den vielen weißen Kleidern, den rosigen Gesichtern und bunten Zopfbändern sah aus wie ein großes, lustiges Blumenbeet. Mit einem hellen, jauchzenden Hoch aus vielen hundert Kinderkehlen auf den geliebten Landesherrn begann der schöne Nachmittag; aber mäuschenstill ward's, als der Vorhang ausging. Schallendes Händeklatschen, jubelnder Beifall ertönte nach jedem Aktschlusse, und ein brausendes Hurra begrüßte den Tell nach der Apfelschuß=Szene. Als aber Geßler neben dem gefeierten Helden erscheint, ruft eine helle Mädchenstimme:„Den wolle mer net“ und„den wolle mer net" tönt's aus unzähligen entrüsteten kleinen Herzen durch das ganze Haus. Der geniale Darsteller des bösen Geßler aber lächelt verständnisvoll, verschwindet in die Kulissen und läßt die Jugend mit dem geliebten Helden allein. *(Wie gewonnen, so zerronnen.) Bis Juni 1901 studierte in Leipzig ein junger Mann aus Eisenach Chemie. Unerwartet schüttete Fortung ihr Füllhorn über ihn aus, denn mit dem Tode seines Vaters fielen ihm 63000 Mark und später noch eine zweite Erbschaft zu. Im Handumdrehen lag die Retorte in der Ecke und Bruder Studio begab sich auf Reisen. Wohin er kam, trat er auf wie ein Lord und ließ nichts ungekostet, was die weite Welt an Genüssen bietet; Trinkgelder gab er mit vollen Händen. Aber nur zu rasch war der Goldquell erschöpft, und eines Tages wanderte der reiche Erbe als— Ortsarmer in Eisenach ein. Außer dem Gelde hat er den Verstand verloren und mußte in einer Irrenanstalt untergebracht werden. Jetzt streiten nun Eisenach und Leipzig darum, wer für die Unterhaltung des Unglücklichen zu sorgen hat, und der Stand der Sache ist der, daß die Kreishauptmannschaft Leipzig die Klage des Eisenacher Ortsarmenverbandes abgewiesen hat, da der Student in der letzten Zeit seines Leipziger Studiums keinen Hörschein gehabt, also auch nicht volle zwei Jahre in Leipzig gewohnt habe. (Schlesisches Gold.) Der Bezirksausschuß Liegnitz genehmigte kürzlich einem Unternehmer, auf dem Gelände der Arsenikhütte Altenburg einen Röstofen zur Gewinnung von Gold und Silber aus den Abbränden der Hütte zu errichten. Bekannt ist, daß die Trauringe Kaiser Friedrichs III. und des jetzigen Kronprinzenpaares aus schlesischem Golde, gewonnen in Reichenstein, hergestellt worden sind. Wenig oder gar nicht unbekannt ist indessen, daß auch das Taufbecken der kaiserlichen Familie aus schlesischem Golde besteht. Das Becken ist wundervoll gearbeitet und ein Meisterwerk schlesischer Goldschmiedekunst; es befindet sich im Königlichen Schloß zu Berlin und findet stets Verwendung bei den Taufen am kaiserlichen Hofe. Dresden, 13. Juli. Die Strafkammer verurteilte die 16jährige Zigarettenarbeiterin Lina Jehne wegen Kindesmordes zu einem Jahre Gefängnis. Rostock, 13. Juli. In Spornitz(Mecklenburg) wurde durch Blitzschlag das Wohnhaus des Erbpächters Hinrichs eingeäschert. Hinrichs verbrannte hilflos, da er gelähmt war. Frischgeröstete das ½ Pfd. 40, 50, 60, 70 Tfg. empfiehlt 2465 Lonise Tiemann, Schwerte, Ostenstr. 5. werden Herrschaftlicher Gärtner sucht zu sofortigem Eintritt einen T.,(Kr g. Näheres Freiherr von Esebeck, Schl. Unterlind b. Coburg. Tüchtiges zuverlässiges Maschen zu baldigstem Eintritt gesucht Frau C.Th. Niddendorf, Hagen 1. W., Eckeseyerstraße 44. Pralutalutpapier wieder vorrätig. Buchdruckerei Carl Braus. 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