K —— □ 0 Amtliches 85 Soicht 63 den Kreis börde. Insertionsgebühr für lokale Anzeigen, die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., außerhalb 15, Reklame=Zeile 40 Pfg., Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Fernsprecher=Anschluß Nr. 62. Amt Schwerte. Telegr.=Adresse Braus, Schwerte=Ruhr. Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche Kraft. Abonnementspreis pro Quartal 1 Mark 65 Pfg., exct. 42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“ Die heutige Nr. umfaßt 3 Seiten. Britischer Aerger über die Kanzlerrede. Den verbissenen Aerger englischer Kreise über die Erklärung des Grafen Bülow, daß Deutschland unter keinen Umständen in die Entwickelung der Mandschureifrage eingreifen werde, spiegelt die„Morning Post“ wieder, indem sie schreibt: „Graf Bülow sagte, Deutschland sei entschlossen, sich aus einem Streite herauszuhalten, der es nichts angehe, und es werde vermeiden, sich in die chinesischen Wirren verwickeln zu lassen. Kein Mensch hat jemals angenommen, daß Deutschland irgendwelche Interessen in der Mandschurei hätte oder sich einmischen werde, aber es zweifelt niemand daran, daß Deutschland sich so weit wie möglich auf Rußlands Seite stellen, und daß es den geeigneten Augenblick wählen wird, um sich für seine Rußland geleisteten Dienste und für seine allgemeine Tugendhaftigkeit entschädigen zu lassen. Die Entschädigung wird natürlich der deutschen Schätzung der deutschen Verdienste auf seiten der guten Sache angemessen sein müssen und wir haben die Beobachtung gemacht, daß alle deutschen Patrioten— alle Deutschen sind Patrioten— stets glauben, daß jede deutsche Sache gut ist, und sie werden kaum geneigt sein, in diesem Falle Deutschlands Verdienste gering anzuschlagen. Das offizielle Deutschland hat schon lange der zivilisierten Welt die gelbe Gefahr verkündigt. Wir glauben, ein solcher Dienst dürfte doch einen Hafen und eine Kohlenstation im fernen Osten sowie eine Provinz Chinas wert sein. Der neue deutsche Admiral im fernen Osten ist derselbe sehr geschickte Offizier, dessen strategisches Auge den Wert von Kiautschou und der Provinz Schantung erkannte, und dasselbe scharfe Auge wird zweifellos viele Häfen und Provinzen im fernen Osten durchspäht haben.“ Auf diese gehässigen Bemerkungen des Londoner Blattes kann man nur mit der Bemerkung des Bolz in Freytags Journalisten antworten:„Muß der sich aber geärgert haben.“ Lokales. Schwerte, 18. Dezember 1903. **(Die Trauerfeier) für den verstorbenen Geheimen Regierungsrat Professor Dieckerhoff von der königlichen Tierärztlichen Hochschule fand Mittwoch nachmittag in der Amtswohnung der Tierärztlichen Hochschule, Luisenstraße 56, in Berlin unter Teilnahme des gesamten Professorenkollegiums der Anstalt und der Landwirtschaftlichen Hochschule, sowie sämtlicher studentischen Vereinigungen der Berliner Universität und der königlichen Technischen Hoschule zu Charlottenburg statt. Herrliche Kranzspenden füllten die Trauergemächer. Als Vertreter des Landwirtschaftsministers waren Unterstaatssekretär Wirklicher Geheimer Rat Sterneberg und der Vortragende Rat Geheimer Oberregierungsrat Küster zur Trauerfeier erschienen. Pfarrer Lic. D. Kirmß von der Neuen Kirche hielt die Gedenkrede. Im großen Trauerzuge, die Chargierten der studentischen Vereinigungen mit ihren Bannern und Fahnen in Equipagen folgend, erfolgte die Ueberführung des Sarges durch die Luisenund Invalidenstraße, vorbei an der Landwirtschaftlichen Hochschule, nach dem Lehrter Bahnhof, von wo aus die Leiche zwecks Verbrennung nach Hamburg übergeführt wurde. (Allgem. Ortskrankenkasse.) Wir machen hiermit alle Interessenten ganz besonders auf die morgen(Samstag) abend im Saale des Herrn Hufnagel stattfindende Generalversammlung der Ortskrankenkasse Schwerte aumerksam. Nicht nur ist die Tagesordnung eine eminent wichtige, nicht nur handelt es sich um die Ersetzung der bisherigen Generalversammlung durch Vertrauensmänner, nicht nur wird der Vorstand neu gewählt, sondern die Kardinalfrage morgen abend ist die:„Soll die Kasse gänzlich den Sozialdemokraten ausgeliefert werden oder nicht?“ Wir haben in Erfahrung gebracht, daß die hiesige sozialdemokratische Organisation eifrig im Stillen agitiert hat, um alle ihre Anhänger Mann für Mann morgen zur Stelle zu haben. Sie wollen so, hoffend auf den bisher oft geradezu elenden Besuch der Generalversammlungen der Kasse, die Gelegenheit benutzen, um ihre Leute als Vertrauensmänner und in den Vorstand durchzudrücken, was ihnen ohne Zweifel gelingt, wenn nicht die Arbeitgeber „ordentlicher", d. h. sozialdemokratischer Vertreter zu sorgen. Jedes nichtsozialistisch gesinntes Mitglied der Kasse, ob nun Arbeitgeber oder Arbeitnehmer hat daher die Pflicht, zur Stelle zu sein, um sozialdemokratischen Machtgelüsten einen Riegel vorzuschieben. **(Zur Beachtung.) In letzter Zeit scheint wieder der Telephonschwindel in Blüte zu stehen. Mit Hilfe des Telephons bestellen die Schwindler bei irgend welchen Geschäften verschiedene Auswahlkollektionen und lassen diese dann durch einen Boten abholen. In der Regel gelingt dieser Schwindel dann. Es dürften solche Vorfälle für sämtliche Geschäftsleute wiederum eine Mahnung mehr sein, beim Mitgeben von Waren an Unbekannte vorsichtig zu Werke zu gehen und ausnahmslos in solchen Fällen vorher einen schriftlichen Ausweis zu verlangen. Jedenfalls kann niemand unter solchen Umständen den Geschäftsleuten verargen, wenn diese sich weigern, unbekannten Boten oder Dienstmädchen Waren mitzugeben. Es sei noch hervorgehoben, daß eine einfache schriftliche Miteilung, nicht genügen kann; am besten dient eine Visitenkarte oder Papierbogen mit aufgedrucktem Namen. morgen sind haus eingedrungen und zwar heute früh zwischen 4 und 5 Uhr und haben gründlich geplündert. Schließlich sind die im Erdgeschoß schlafenden Kinder wachgeworden und haben durch ihr Schreien die Diebe gestört und verscheucht, 36. gewiesen, daß nur als dauernd versorgungsbericht anerkannten Invaliden einen Anspruch auf den Zivilversorgungsschein haben, weil in der Gewährung des Scheines eine dauernde Versorgung begründet ist, was auch des öfteren seitens der Gerichte anerkannt worden ist. Um aber jeden Zweifel auszuschließen, ist eine entsprechende Bestimmung in der Militär=Pensionsnovelle vom Jahre 1893 aufgenommen worden. Der Zivilversorgungsschein wird ferner nur solchen Personen erteilt, welche zur Wahrnehmung einer Beamtenstelle körperlich tauglich erscheinen. Werden sie in einzelnen Fällen trotzdem wegen ihres Körperzustandes von den Anstellungsbehörden zurückgewiesen, so werden sie nachträglich als untauglich im Zivildienst anerkannt und erhalten die gesetzmäßige Zulage für die Nichtbenutzung des Zivilversorgungsscheines. Hierbei wird auch bei dem Ablauf der allgemein für die Erhebung der Ansprüche auf Entschädigung vorgeschriebenen Frist nach erfolgter Aushändigung des Scheines in denjenigen Fällen angesehen, in denen durch die Erhebung festgestellt wird, daß die Untauglichkeit schon vor dem Ablauf der Frist bestanden hat. Die gegenwärtig in Ausarbeitung befindliche organische Neuordnung der Militärversorgungsgesetzgebung dürfte hierin ganz wesentliche Abänderungen zu Gunsten der Militäranwärter und=Invaliden bringen. Aplerbeck, 17. Dez. Die Wirtschaftskonzession gehört auch hierorts zu den begehrtesten Artikeln, wie aus den oft wiederholten Gesuchen und Klagen um Erteilung derselben ersichtlich ist. Vor einer längeren Reihe auf die Parterre=Räume des Hauses ausgedehnt wurde. Kurz darauf verkaufte Herr B. die Besitzung an den Wirt Herrn Staufenbiel, doch verweigerte die Gemeindeverwaltung diesem die Umschreibung der Konzession auf seinen Namen. Der Kreisausschuß sowohl wie der Bezirkszession nur durch den Vorbesitzer Herrn Blankenberg in eigener Person ausgeführt werden kann. Herr Staufenbiel ist daher von seinem Kaufvertrag zurückgetreten und hat die Wirtschaft bereits geräumt, die vorläufig geschlossen ist. Wie man hört, beabsichtigt Herr B., die Angelegenheit bis zur höchsten Instanz zu verfolgen. die indessen bis dahin schon reiche Beute gemacht hatten. wpegsthwfe dertest sich mit dieser Angelzgenheit im KlageGestohlen sind folgende Gegenstände: ein schwarzer giltige Urteil dahingehend gefällt worden, daß die konKammgarnanzug mit Gehrock im Werte von 80 Mk., ein vollständiger schwarzer Jakettanzug 52 M., ein schwarzer Ueberzieher, weiß gesteppt mit Monogramm F. A. 45 Mk., ein schwarzer Tuchrock und Weste 50 Mk., ein blaugrauer Jakettanzug, auf dem Anhängsel steht die Firma„J. Hecht Nachfolger“, 60 Mk., ein blauer Cheviotrock und Hose 35 Mark, ein blauer Ueberzieher mit Sammetkragen 35 Mk., eine Uniformhose 17 Mk., dito 8 Mk., eine schwarze Tuchhose 20 Mk., eine weitere Hose 10 Mk., weiter eine braunc Lodenjoppe und ein Paar Hosenträger. Man sieht also, die Einbrecher haben gründlich Umschau gehalten. Dieselben Diebe werden es gewesen sein, die eine Stunde früher, zwischen 3 und 4 Uhr, in der Wirtschaft Schulte hinter dem Schwerter Berge im Schwerter Walde einen Einbruch versuchten; sie wurden aber durch den Bruder der Witwe Schulte verjagt. Wer irgend etwas über den vorstehenden Diebstahl bezw. über die Täter oder den Verbleib der gestohlenen Sachen in Erfahrung bringen sollte, wird gebeten, sofort die hiesige Polizeibehörde zu benachrichtigen. **(Ein Liter Kaffec 4 Pfennige.) Eisenbahndirektor Brettmann=Jena teilt in der„Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen“ mit, daß durch das Entgegenkommen der Eisenbahndirektion Erfurt ermöglicht wurde, zunächst für die Nebenwerkstätte Jena, dann Westfalen und Rheinland. * Iserlohn, 17. Dez. Einen Akt großer Roheit verübte gestern abend ein Maurer, der mit seinem Schwiegervater in Meinungsdifferenzen geriet. Der Mann versetzte dem Vater mit einem Stock einen solch wuchtigen Schlag ins Gesicht, daß ein Augapfel aus der Höhle trat. Der hinzugerufene Arzt mußte das Auge ganz herausnehmen. Werl, 17. Dez. Die Fälle der Wilddieberei mehren sich in erschreckender Zahl. Auch in der hiefigen Haar wurde stark gewildert. So erzählten sich vor ca. 14 Tagen die Bewohner eines Dörfchens an der Haar, im Walde sei Treibjagd des Nachts gewesen, denn so hatte es geknallt. Trotz der regen Tätigkeit des Försters W. stellten die Wilderer ihr Unwesen nicht ein. Da fand man eines Morgens ein mit frischem Schweiß bedecktes Reh. Schnell war die Polizei zur Stelle, um die Wilddiebe beim Abholen des Wildes in Empfang zu nehmen. Drei Tage lang wurde gewartet. Schon wollte die Polizei ihren Posten verlassen, da stellken sich drei Abnehmer ein. Sie waren gerade damit beschäftigt, das Reh im Rucksack verlicht wurde, zunächst für die Nepenwertstatte Irna, vunn schwinden zu lassen, als der Oberwachtmeister N. sie verfur die größere Betriebswerkstätte Gera große Kaffee=lhaftete und nach Werl zum Amtsgerichtsgefängnis maschinen zu beschaffen. Den größten Umsatz erzielte brachte. Auch noch andere Personen sollen an der Sache Gera. Der Kaffee sollte ursprünglich nur an die 200 Beamten und Arbeiter der Werkstätte verabfolgt werden, fand aber auch starken Zuspruch bei den Beamten und Arbeitern aller anderen Dienstzweige, sowie fremder Fahrbeamten. Infolgedessen wurden in Gera in einem Jahre nicht weniger als 73792 Liter zum Preise von 4 Pfennig pro Liter verkauft, während der Biergenuß beträchtlich nachließ. Bei einem Umsatz von 3000 Mark wurde trotz der Verwendung nur guter Bohnen noch ein Ueberschuß von 300 Mark erzielt. **(Zur Frage des Zivilversorgungsscheines) wird den Militäranwärtern, zur Belehrung folgendes bekannt gegeben: In den Kreisen der Militäranwärter sind vielfach irrige Ansichten über die für die Verleihung des Zivilversorgungsscheines maßgebenden Vorschriften und Verhältnisse verbreitet. Demgegenüber sei darauf hinbeteiligt sein. * Bochum, 17. Dez. Auf Zeche„Konstantin“ wurden heute 3 Bergleute durch hereinbrechende Kohle verschüttet. Alle drei erlitten schwere Verletzungen. * Bochum, 17. Dez.(Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.) Das sozialdemokratische Bochumer„Volksblatt“ wußte in den letzten Wochen viel Ungünstiges von der Baukontrolle in Bochum zu berichten und stellte dann die Frage, ob wohl eine Baukontrolle überhaupt vorhanden sei. Das Bauamt wußte das Blatt von dem Vorhandensein einer Baukontrolle zu überzeugen, indem man den Neubau des sozialdemokratischen Bergarbeiter=Verbandes einer Kontrolle unterzog. Dieses stellte, nach einer Blättermeldung, so erhebliche Mängel fest, daß der betreffende Beamte die einstweilige Stillelegung des Baues beantragte. * Recklinghausen, 17. Dez. Vor kurzem setzte sich der 13jährige Schulknabe Jürgenliemk von hier zu Haufe hin, um mutig seinem Herzenswunsch, in einer Unter g## schule Aufnahme zu finden, dem Kaiser in einem. mitzutellen. Die Eitern sahen seinezeranzgeng so pig. und der ältere Bruder gob ihm vttzueswags an einen für die Freimarke. Sie glaubten. g. unt einen Erfolg. Doch siehe da, gestern fruh wurde der Knabe auf das hiesige Bezirkskommando gerufen, wo Mitteilung gemacht wurde, der Kaiser wolle seine. erfüllen. Mit 15 Jahren könne er in eine Unleroffihllt vorschule eintreten, um später aus dieser in die Unteroffizierschule überzugehen, und zwar soll die ganze Aus bildung kostenlos geschehen. Briefkasten. Nach Ergste. Wenn das Haus im Grundbuche gleich auf den Käufer umgeschrieben werden soll, dann ist der Abschluß eines Kaufvertrages, dessen Gebühren sehr hoch sind, nicht erforderlich. Die Kosten für den Kaufvertrag können dann gespart werden. Soll das Haus jedoch im Grundbuche nicht gleich umgeschrieben werden, sei es, daß die Besorgnis vorliegt, daß einer der Kontrahenten vom Vertrage zurücktreten sollte oder aus einem anderen Grunde, so empfiehlt sich der Abschluß eines Kaufvertrages. Die Gebühren des Notars sind etwas höher wie die Gebühren des Gerichts. welche vier Wohnhäuser zerstörte, kamen ein Greis, zwei Mädchen, sowie mehrere kleine Kinder in den Flammen um. IId Warschau, 18. Dez. 4 Soldaten vom hiesigen zweiten Festungsregiment überfielen in dem Dorfe Golabki das Gehöft des Kolonisten Mikolajiezek, töteten diesen und seinen Sohn und raubten 2050 Rubel. Die Mörder sind verhaftet. Hd Petersburg, 18. Dez. Wie aus Helsingfors gemeldet wird, ist der verbannte Finländer und frühere Gardekapitän Fraser, der bei Professor Jakowlew in Petersburg wohnte und plötzlich nachts verhafte. wurde, seitdem spurlos verschwunden. Ueber das Schicksal des verhafteten Bürgermeisters Hallonblad und des verhafteten Volksschullehrers Wainio herrscht ebenfalls vollstän diges Dunkel. Niemand kennt deren Aufenthaltsort. Russische Justiz. IId Saloniki, 18. Dez. Der Bandenführer Jankow, der im Besitze wichtiger Pläne, sowie bulgarische Staatsmänner stark kompromittierende Papiere ist, wurde in Rostur verhaftet. IId Newyork, 18. Dez. Sämtliche größeren Neubauten werden des Nachts durch elektrische Bogenlampen hell beleuchtet und scharf bewacht, weil in mehreren Nächten vorher, wiederholt Dynamitanschläge versucht worden waren, welche anscheinend durch den Streit der Unternehmer mit den Gewerkschaften verursacht wurden. Wetterbericht. 18. Dezember: Kälter, wolkig, teils heiter, teils Niederschläge. Verantwortlich für den redaktionellen Teil Wilh. Schade. Eigener Depeschendienst der„Schwerter Zeitung". H4 Köln, 18. Dez. Auf dem Rangierbahnhofe Deutzer Feld wurde die Leiche eines unbekannten Mannes mit zerschmettertem Schädel aufgefunden. Es scheint Selbstmord vorzuliegen. Id Berlin, 18. Dez. Große Unterschlagungen soll ein Berliner Seidenstoff=Agent zum Nachteil mehrerer französischer und schweizer Fabrikanten begangen haben. Die veruntreute Summe soll sich nach der Angabe eines Berichterstatters auf 100 000 Mark belaufen. Der Agent machte größere Geschäfte auf eigene Rechnung und erlitt dabei erhebliche Verluste, die er durch verdichtete Verkäufe zu verdecken suchte. Schließlich wurden die Fehlbeträge so groß, daß er die ihm anvertraute Ware unter dem Preise gegen sofortige Bezahlung verschleuderte. Hd Berlin, 18. Dez. Nach einem Telegramm aus Wilhelmshaven kenterte im Jadebusen ein Segelboot. Die beiden Insassen ertranken. Hd Frankfurk a. M., 18. Dez. Nach einer Meldung der„Frkf. Ztg.“ ist das Lagerhaus der Kunstmühle Brockdorf bei Stadtamhof niedergebrannt. Unter den Trümmern wurde eine verkohlte Leiche aufgefunden. Wie es heißt, sind noch mehrere Personen in den Flammen umgekommen. Aa Antwerpen, Te.—.. Gottesdienste Schwerte. Größere evang Gemeinde. Sonntag, 20. Dezember 190 Vormittags ½10 Uhr: Hauptgottesdienst. Pastor Graeve Nachmittags 2 Uhr: Kindergottesdienst. Pastor Heinenberg. Nachmittags 5 Uhr: Abendgottesdienst. Pastor Wischnaty. Resormierte Kirche. Sonntag, den 20. Dezember 1903. Ev. Stadtmission, Schwerte, Kuhstr. 7. Sonntag, 20 Dezbr. 190°. Vormittags 8 Uhr: Blaukreuzgebetstunde. Nachmittags 2 Uhr: Uebung des Gemischten Chors Nachmitttags 5 Uhr: Bibelstunde. Abends 8 Uhr: Jünglingsverein. Gottesdienstordnung der kath Pfarrkirche. Sonntag, den 20. Dezember 1903. 4. Adventssonntag. 6½ Uhr: Stille hl. Messe. Kaplan Rieke. 8¾ Uhr: Stille hl. Messe m. Predigt. Pfarrer Schnurbus. Nachmittags 2 Uhr: Andacht. 6 Uhr: Westhofen. den 2.). Dezbr. 1903. Vorm. 9½ Uhr: Anzeige. Dem Herrn über Leben und Tod hat es gefallen, meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter und Grossmuter Frau Weichensteller a. D. Hleinrich Sander Lisette geb. Heuck: heute morgen 6 Uhr im Alter von 66 Jahren nach langem Leiden durch einen sanften Tod zu erlösen. Allen Freunden und Bekannten diese Trauernachricht mit der Bitte um stille Teilnahme Die trauernden Hinterbliebenen. Schwerte und Hagen, den 18. Dezember 1903 Die Beerdigung findet Montag nachmittag 3½ Uhr vom Sterbehause, Hörderstr. 58, aus statt. H Antwerpen 18 Dez. Die Direktionen der Diamantschleifereien beschlossen gestern in einer versammlung, die Forderung der Arbeiter auf Einführung des 9=Stundentages abzulehnen. II8 Paris, 18. Dez. Nach einem hier vorliegenden Kopenhagener Privattelegramm soll der König von Dänemark gelegentlich seines Berliner Besuches die Verheiratung seiner Enkelin, der Herzogin von Camberland mit dem deutschen Kronprinzen vorbereiten. IId Paris, 18. Dez. Wie die Blätter berichten, ist man im Kriegsministerium neuen Unregelmäßigkeiten auf die Spur gekommen. Zwei Beamte sollen falsche Stempel des Kriegsministeriums angefertigt und hiermit Waren abgestempelt haben. Auf diese Weise gelang es ihnen, unbrauchbares Material und Waren, deren Abnahme verweigert wurde, an das Ministerium wieder abzusetzen. Man nimmt an, daß noch mehrere andere Beamte an dieser Affäre beteiligt sind. IId Algier, 18. Dez. Bei einer in einem Dorfe in der Nähe von Philippville ausgebrochenen Feuersbrunst, Bekanntmachung. Die Mitglieder des Brieftaubenvereins„Blitz“ hierselbst haben ihre Tauben der Militärverwaltung zur Verfügung gestellt. finden daher auf diese Zazuhe die Bestimmungen des Gesezes vom 28. Mai 1894(Reichs=GesetzBlatt Seite 463) betr. den Brieftaubenverkehr und den Brieftaubenschutz Anwendung § 1 dieses Gesetzes lautet: Die Vorschriften der Landesgesetze, nach welchen das Recht, Tauben zu halten, beschränkt ist, und nach welchen im Freien betroffene Tauben der freien Tötung unterliegen finden auf Militärbrieftauben keine Anwendung. Dasselbe gilt von landesgesetzlichen Vorschriften, nach welchen Tauben, die in ein fremdes Taubenhaus übergehen, dem Eigentümer des letzteren gehören. Schwerte, den 17. Dez 1903. Die Polizei=Verwaltung. 93 Neujahr 1904! 4 Glückwunseh : Karten: mit Namen liefert in reichhaltiger Auswahl Carl Braus. Bestellungen werden möglichst frühzeitig erbeten. Zwungkrkkial. 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Wahl der Vertreter in den General=Versammlungen. Es sind zu wählen: a. Aus dem Stande der Arbeitgeber: 12 Vertreter. b. Aus dem Stande der Arbeitnehmer: 24 Vertreter. 2. Neuwahl für die ausscheidenden Vorstandsmitglieder und 1 für Her a. Schanagus den Stande 3)„„ H. Meister„„„„„ 3. Neuwahl von drei weiteren Vorstandsmitgliedern. 4. Bewilligung von Kosten, welche durch die Statutenänderung entstanden sind. 5. Wohl der Rechnungs=Revisoren. 6. Verschiedenes. Schwerte, den 8. Dezember 1903. Der * Insertionsgebühr für lokale Anzeigen, die sechsgespaltene Pet zeile oder deren Raum 10 Pfg., außerhalb 15, Reklame=Zeile 40 Pfg., Druck und Verlag von Carl Braus in Sahwerte. Braus, Schwerte=Ruhr. Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche Kraft. Abonnementspreis prö Quartal 1 Mark 65 Pfg., exct. 42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“ derner sozialer Anschauungen ihren Arbeitern mit wollen gegenüberstehen. Im Krimmitschangegtzeik benrdie in es sich nicht um den Zehnstundentag, sgetzrgegzen, um den mer noch nicht daruber veruhigt, daß due.#her in dieFranzösische Schmerzen. Die öffentliche Meinung in Frankreich hat sich imsem Jahre eingestellten Rekruten um 37000 Mann hinter der des Vorjahres zurückbleibt. Diese Verminderung des Ersatzes wurden allgemein auf den zunehmenden Rückgang der jährlichen Geburten zurückgeführt. Von offizieller Seite wird jedoch erklärt, daß die Zahl der Militärpflichtigen in den Jahren 1902 und 1903 ungefähr die gleiche geblieben sei. Dazu komme, daß der Rekrutenersatz im Jahre 1902 ungewöhnlich hoch gewesen sei und diese Höhe dadurch erreicht habe, daß die Aushesammlung beschloß, die Krimmitschauer Arbeitgeber moralisch und finanziell weitgehendst zu unterstützen. — Gegen die zögernde Handelspolitik der Reichsregierung haben die Konservativen ten Schritt untemnommen, indem sie folgende Interpellation im Reichstage einbrachten, die in einer der ersten Sitzungen des neuen Jahres zur Besprechung gelangen soll:„Warum ist die im Interesse der deutschen LandEngland. = Mr. Chamberlein hat zwar die laute Agitation durch öffentliche Reden einstweilen eingestellt. Im Stillen setzt er jedoch die Propaganda für seine Zollreform=Projekte mit unvermindertem Eifer und, wie man hinzufügen muß, mit handgreiflichem Erfolge fort. Die Zahl der Freihändler ist in gewaltiger Abnahme, die der Schutzzöllner in rascher Zunahme begriffen. Das haben u. a. die beiden jüngsten Ersatzwahlen zum englischen Unterhause in Lewisham und Dulwich bewiesen. Beide Wahlkreise gehörten bisher zu dem unerschütterlichen Besitze der freihändlerischen Liberalen, jetzt sind, sie den Schutzzöllnern in die Hände gefallen. Samtliche Londoner Blätter bezeichnen dieses Ereignis als ein charakteristisches Symptom der Wandlung, die sich in den handelsse Kommissionen hätten nunmehr die Strenge übertrieben, wahrscheinlich, daß eine regiermn Die große Zahl von Zurückstellungen in diesem Jahre der Interpellation erfolgen wiro. Freiz Bta, zu, werde jedenfalls im nachsten Jahre wieder zur, Hehung..— Die Kanalvorlage soll sich der,;ei des Rekrutenersatzes beitragen. In jedem zruue vieibt roige bereits im Drigghrschesnligteit gerechnet werden, die Tatsache bestehen, daß Frankxeich aus Mangel an zu, so muß mit bsg piesen Stürmen heingesuchte Gesetzverfüigbarer Mannschaft die im Jahre 1897 aufgestell daß der schon ven k.,„ammenden Session wiederum den ten vierten Bataillone, von denen im Jahre 1901 bereits entwurf bereits in er..... zird Bisher bich es 79 Kompagnien aufgelöst werden mußten, nunmehr um spreußischen Landtag beschäftegangltragg gollten nicht veiter Ee convagnien bat bermüdern wisen.(zeiähgelig zur Eräiterung gelangen. Käne die KanalPolit sche Uebersicht — Ein erfreuliches Bild von der Abnahme der Schwindsucht in Deutschland liefert die vom Statist. Amt veröffentlichte Arbeit von Prof. Dr. Mayet„25 Jahre Todesursachen=Statistik.“ Es starben danach in den deutschen Orten mit wenigstens 15 000 Einwohnern vorlage, so müßte man annehmen, die Reichsregierung habe die Hoffnung aufgegeben, dem Reichstage noch in der laufenden Session den einen oder den anderen der Handelsverträge zur Beschlußfassung zu umerbreitet So schlimm liegen die Dinge aber doch wohl nicht. Also noch Vorsicht bezüglich der Kanalmeldungen! — Im Zukunftsstaate mag man alles mögliche abschaffen, den Byzantinismus scheint man bestehen lassen Vor dem Diktator Bebel insbesondere werden in Varschit der aist Vorzaher. Das haselch enien Beast hsche stersehen a. Shat sund Losge. Jo seh, Cewinn von 4700 Menschen. Bedienteneifer für Bebel ist es so unvorsichtig, den Geg— Zu dem Weberstreik in Krimmitschau hat auch eine ner Bebels als durchaus minderwertig hinzustellen. Es Kottbuser Versammlung von Textindustriellen und Ver= heißt doch den Erfolg Bebels herabzusetzen, wenn man tretern von Fabrikantenvexeinen aus 25 deutschen Stad= seinen Gegnern als solchen Stümper zuid, Dummkopf. hinverbitten. tretern von Fabrikantenvereinen aus 25 deutschen Städ= seinen Gegnern als solchen Stümpe ten Stellung genommen. In einem Beschlußantrag heißt stellt, wie der Vorwarts es mit der es, daß die Arbeitgeber vollständig auf dem Boden mo- Herr Bebel sollte sich das verbitten Fur Herz und Gemüt. Das Christentum hat die Welt aus der Barbarei zur Gesittung emporgehoben. Es hat in tausendjährigem Wirken die Sklaverei beseitigt, die Arbeit geadelt, die Frau emanzipiert und den Blick in die Ewigkeit geöffnet. Graf Moltke. * Unmöglich kann dies Erdenleben ein letzter Zweck sein. Wir haben ja nicht um dasselbe gebeten, es wird uns gegeben, auferlegt. Graf Moltke. * Man braucht kein großer Denker zu sein, um groß zu denken. * Es wäre eine Freude zu leben, wenn jeder die Hälfte von dem täte, was er von andern verlangt. Anser Einziger. Von Th. Schmidt. (8. Fortsetzung.) „Hat Fräulein Reuter den Schmuck sogleich wieder herausgegeben, als Sie ihm den Diebstahl auf den Kopf ig,„Rein, es war durch die Bezichtigung des Diebstahls derart erschreckt worden, daß es, keines Wortes mächtig, an allen Gliedern zitternd auf den Stuhl sank und sich laut schluchzend das Taschentuch vor die Augen hielt,“ antwortet Kauer.„Die Mutter zog ihrer Tochter sodann nach kurzem Wortwechsel mit dem Herrn Kommissar selbst das Etui mit dem Halsschmucke aus der Manteltasche. Sie sehen, Herr Polizeileutnant, es handelt sich hier um einen wohlüberlegten Ladendiebstahl. Wer weiß— vielleicht ist es nicht der erste, den das junge Mädchen in meinem Geschäft vollführte. Ich bitte, der Stellung der Eltern gegenüber keine Rücksicht auf die junge Diebin zu nehmen. Ich bin durch wiederholte Entwendungen von wertvollen Schmucksachen, die nur von Damen aus der besseren Gesellschaft verübt sein können, da nur diese bei mir zu kaufen pflegen, in den letzten Jahren arg geschädigt worden und ich freue mich wirklich, einmal eine solche Diebin aus der feineren Gesellschaft in Flagranti erwischt zu haben.“ „Freuen Sie sich wirklich über diesen betrübenden Vorfall?" fragte Herr von Gleichen mit tiefem Ernst im „Herr Polizeileutnant, wenn man jahrelang bestohlen wurde und endlich eine Diebin ertappt, sollte man sich da nicht freuen?" „Von Ihrem Standpunkte aus mögen Sie Recht haben, vergegenwärtigen Sie aber einmal die Folgen, die dieser Vorfall für eine angesehene ehrenwerte Familie nach sich ziehen wird. Ich kenne die Familie des Konsul Reuter. Der einzige Sohn steht als Offizier in Garnison, der Konsul ist schon seit Jahren schwer leidend. Wie hart muß nun dieses Ereignis die Familie, besonders den Kranken, treffen, wie viele Hoffnungen der Eltern sowohl wie auch der Kinder werden in der Stunde vernichtet werden, in der das Ereignis in Ihrem Laden öffentlich bekannt wird? Der Bruder könnte doch nur gleich den Dienst quittieren. Das bedenken Sie, Herr Kauer. Sie haben noch keinen direkten Antrag auf Bestrafung der jungen Dame gestellt und ich nehme an, daß es Ihnen hauptsächlich daran lag, zunächst die Namen der beiden Damen durch die Polizei festgestellt zu sehen. Wenn Sie erklären, daß Ihnen an einer gerichtlichen Bestrafung des jungen unerfahrenen Mädchens nichts liege, so ließe sich jetzt die Sache noch unterdrücken. Mutter will ja gern ein Geldopfer als Sühne bringen. Dauer von zwei Jahren aufrecht zu erhalten. Rußland. = Mit Japan ist noch immer keine endgiltige Verständigung erzielt. Nach den beruhigenderen Meldungen der letzten Tage liegen sogar wieder einige Meldungen aus Tokio vor, die die Lage in recht düsteren Farben zeichnen. Gleichwohl glauben wir nicht an einen Krieg. Rußland will den Frieden und das genügt, ihn zu erhalten. — Mit schelen Blicken betrachtet Rußland, wie nicht anders zu erwarten war, den englischen Einfall in Tibet. Die Petersburger Blätter sagen ganz richtig, dieses Vorgehen Englands sei ein Tollhausstreich, durch den es sich Rußland entfremdet, das gerade jetzt nicht abgeneigt war, in eine englisch=russische Annäherung zu willigen. Vielleicht bewirkt dieses Lockmittel eine gewisse Zurückhaltung Englands gegenüber Tibet. Serbien. = Aus Belgrad. Es ist ergötzlich mitanzusehen, wie die serbischen Regierungskreise die bittere Pille der Abberufung der fremdländischen Gesandten zu versüßen suchen. Nachdem sie so lange wie möglich feierlichst versicherten, daß keine der europäischen Großmächte gewillt sei, ihren Vertreter auf kürzere oder längere Zeit von dem Belgrader Dienste zu beurlauben, müssen sie jetzt Farbe bekennen, nachdem der österreichisch=ungarische Gesandte auf Befehl des Kaisers Franz Joseph die Reise nach Wien angetreten hat. Sie teilen nun mit, daß dieser Gesandte, Graf Dumba, Belgrad auf dreiwöchigen Weihnachtsurlaub verlassen habe. Der Urlaub sei dem Gesandten schon vor langer Zeit bewilligt worden. Natürlich weiß man in Belgrad ganz genau, daß die Mächte Da Sie keinen Schaden erleiden, so hat der Vorfall wohl keine weitere Bedeutung mehr für Sie. Ueberlegen Sie sich die Sache und kommen Sie morgen früh wieder, ich werde die Angelegenheit vor meinem Chef, dem ich sie noch heute abend vortragen muß, so darzustellen suchen, daß von einer gerichtlichen Verfolgung wohl abgesehen werden kann. Mein Gott, wer steckt nicht einmal einen Gegenstand, den er in der Hand hielt, aus Versehen und in der Gedankenlosigkeit in die Tasche. Ich fasse den Vorgang wenigstens so auf. galt und b. Des Juweliers Antlitz war kalt und hart geblieben bei dieser warmen Verteidigung des jungen Beamten, der wegen seiner Gutmütigkeit und noblen Gesinnungsart überall beliebt war. Kauers Gedanken weilten seit der Namennennung nicht recht bei der Sache, vor allem nicht in der Gegenwart. An den Namen Reuter knüpften sich für ihn höchst peinliche Erinnerungen, und die erfüllten sein Herz mit Groll und Haß gegen dessen Träger. Aber er war ein Mann, der gelernt hatte, sich zu beherrschen. Er wollte das Gefühl der Genugtuung, das ihn im Augenblick für die einst erlittene schwere Kränkung beherrschte, hier an dieser Stelle unterdrücken. Nur Aug' im Auge sollte Reuter es erfahren, daß er jetzt gerächtsei, daß es einen Gott über uns gäbe, der den Ehrvergessenen überall zu finden und zu strafen weiß. Den Grund seiner feindseligen Gesinnung gegen die Reutersche Familie verschweigend, sagte er kühl: „Ich habe aus den bereits angeführten Gründen wahrlich keine Veranlassung, die Familic des Konsuls Reuter zu schonen, wenn der Konsul und seine Frau die Tochter so schlecht erzogen haben, daß sie zur Diebin herabsinken konnte, so mögen Sie das mit Ihrem Gewissen abmachen. Ich beantrage eine strenge Untersuchung des Diebstahls und Bestrafung der Schuldigen.“ „Ist das nach dem, was ich Ihnen soeben über die Familie des Konsuls erzählte, wirklich Ihr Ernst, Herr keinen Wert auf die Unterhaltung diplomatischer Beziehungen zur serbischen Regierung legen, so laneg diese unter dem maßgebenden Einflusse der Königsmörder steht. Indien. = Die Engländer in Tibet. Viel Freude erleben die Engländer nicht zu stoßen, durch den Jeleß=Paß gelangt sei. Ueberfall, der dem zweiten Jameson und seinen Leuten leicht hätte das Leben kosten können, ist bisher unterblieben. Die Expedition befindet sich aber erst unweit der Grenze, so daß sie der Gefahr jetzt eigentlich erst entgegengeht. Daß die Tibetaner über den Einfall der Engländer aufs Tiefste erbittert sind, das geht aus der Meldung Younghusbands hervor, daß die Lokalbehörden sich weigerten, die englische Expedition zu begrüßen, aber gezwungen worden seien, den Engländern wenigstens einen formellen Empfang zu bereiten. Das alles beweist, daß die tibetanische Unternehmung für England recht übel ablaufen kann. Aber was haben auch die Engländer in Tibet zu suchen. In Ost= Zentralasien ist so wie so schon Zündstoff übergenug angehauft, es ist wahrhaftig nicht nötig, daß John Bull die Explosionsgefahr in seiner Beutegier noch verschärft. Westfalen und Rheinland. * Unna, 17. Dez. Verhaftet und dem hiesigen Gerichtgefängnis zugeführt wurde gestern morgen der Bergmann Friedrich Schacht aus Niedermassen, der am Montag aend auf der Masenerstraße am Einzghzuglichtigen thentalerweges an einem 14jährigen Mädchen ein Sittlichkeitsverbrechen versuchte. Der Wüstling, der verheiratet und Vater mehrerer Kinder ist, hatte sich vor einigen Jahren wegen eines ähnlichen Deliktes vor dem Schwurgericht zu verantworten, wurde er. Lamen, 17. Dez. Heute morgen verunglückten auf Zeche„Monopol“ die Bergleute Keiro und Tannhäuser. Keiro war sofort tot, Tannhäuser wurde dem Krankenhause überwiesen; an seinem Aufkommen wird gezweifelt. Beide sind Familenväter,(stun ghurd usa“ sich * Wattenscheid, 17. Dez. Gestern abend erschoß sich hier infolge unvorsichtigen Hantierens mit einem geladenen Revolver ein Buchhalter. ** Bochum, 17. Dez.(Der wanvernoe Rei sekorb.) Am 1. Oktober d. J. fuhr ein hiesiger Bürger von hier über Düsseldorf, um seine Tochter nach Hamont in Belgien in ein Pensionat zu bringen. In Düsseldorf war dann der Reisekoffer spurlos verschwunden. Alle Nachforschungen waren vergeblich. Deshalb sahen sich die Eltern genötigt, sämtliche Kleider und, Wäschege genstände neu anzuschaffen und der Tochter ken. Vorgestern erhielt nun der Vater ein Telegramm der Eisenbahndirektion Elberfeld, daß der Korb wieder aufgefunden sei. Derselbe war mittlerweile zur direkten Ladung nach Amerika gelangt und hatte die Reise über den Ozean gemacht. Die Frage ist nun, ob die Eltern für den gehabten Schaden Ersatz verlangen. * Bochum, 17. Dez. Auf dem Bahnhofe Langendreer=Süd wurde heute morgen ein Arbeiter von dem Schnellzuge Dortmund=Köln überfahren und sofort geGelsenkirchen, 17. Dez.(Polnische Schul kinder im Industriebczirk.) Nach der„ schen Lehrerzeitung“, erreicht die Zahl der polnischen Schulkinder im rheinisch=westfälischen Industriebezirk, wie sich aus einer neuerdings ausgenommenen Statistik ergibt, einen Prozentsatz von 9,74 der Gesamtschülerzahl. Für einzelne Kreise wird dieser Prozentsatz natürlich be deutend höher. So steigt er im Landkreise Bochum auf 12,8, in Recklinghausen auf 16,3 und in Gelsenkirchen so9 Holzminden, 17. Dez. Auf dem hiesigen Bahnhof wurde heute früh der Wagenmeister Bloetz durch einen Rangierzug überfahren und getötet. ** Förde,(bei Grevenbrück), 16. Dez. Die Explosion auf der hiesigen Dynamitfabrik, die wir meldeten, ist noch größer als anfangs angenommen wurde. Nach einem neueren Bericht bietet die Fabrik den Anblick einer grauenhaften Verwüstung; die meisten der vielen Baulichkeiten sind zerstört, Holzteile und Dachpfannen liegen überallzerstreut umher. Und das ist kein Wunder, denn es ist nicht nur eine Patronenbude und das Trockenhaus mit etwa 500 Kilogramm Schießwolle, sondern auch das Lagerhaus mit etwa 600 Kisten à 25 Kilogramm Dynamit in die Luft geflogen. Die Stelle, wo sonst das von großen und hohen Wällen umgebene Lagerhaus stand, ist zu einem tiefen Kessel aufgewühlt, die Wälle zerstört, weithin den Berghang hinan die Birkenbäume geknickt, die Wellenblechumfriedigung der Fabrik mit den eisernen Ständern herausgerissen. In der Frühe wurde nach den Körperteilen des verunglückten Patronenmachers gesucht und diese zum Teil aufgefunden. Der Arbeiter in dem Schießwolltrockenhaus ist bei dem nachfolgenden Brande noch verbrannt; ein dritter Arbeiter war ebenfalls gleich tot, ein vierter wurde unter den Trümmern einer Patronenbude noch lebend herausgezogen, ist aber nun auch seinen Verletzungen erlegen; 2 weitere Arbeiter sind so schwer verletzt, daß sie als Todeskandidaten betrachtet werden müssen. In ärztlicher Behandlung sin im ganzen 16 Personen, ungerechnet diejenigen, welche nur so leicht verletzt sind, daß sie noch arbeisfähig sind. Es ist noch als ein großes Glück zu betrachten, daß die Explosion nicht auch die übrigen Teile des Betriebes, in denen das Sprengöl hergestellt wird, ergriffen hat, sonst wäre der Menschenverlust weit bedeutender geworden. Die Fabrik liegt in einem, sonst unbewohnten engen Seitentale, das sich in Förde vom Veischedetale abzweigt, eine viertelstunde wom Kirchdorf entfernt, und doch sind dort und in stundenweitem Umkreis des Lenne= und Veischedetales Fenster und Fensterrahmen gebrochen und Dachpfannen abgedeckt worden. Der Betrieb der Fabrik wird erst wie der nach einem fast völligen Neubau erfolgen können; vorläufig haben die nicht verletzten Arbeiter noch lange mit den Aufräumungsarbeiten zu tun. * Paderborn, 17. Dez. Für den Ersatz der„Krefelder Tanzhusaren“ in Düsseldorf ist eine neue Anord nung getroffen worden. Als Ersatz für das am 1. April 1905 von Düsseldorf nach Krefeld zu verlegende Husaren=Regiment sollte die in Wesel garnisonierende Eskadron Jäger zu Pferde nach Düsseldorf kommen. Neuerdings scheinen jedoch anderweite Anordnungen getroffen zu sein, denn die Eskadron wird nicht nach Düsseldorf, sondern nach Paderborn in Garnison kommen. Der Ersatz, den Düsseldorf erhält ist noch nicht bekannt. * Minden, 16. Dez. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern in einem Steinbruch an der Stelle in der Nähe von Willebadessen. Die drei ältesten Söhne einer Witwe waren dort mit Steinbrechen beschäftigt. Vermutlich haben sie hierbei, anstatt die Bodendecke abzutragen, diese unterminiert. Plötzlich brach die Boden decke los und verschüttete den ältesten und den jüngsten der drei Brüder derart, daß ersterer erst mit vieler Mühe schwer verletzt unter dem Schutt hervorgezogen werden konnte. Er hatte das rechte Bein doppelt gebrochen und sonst schwere Verletzungen dovon getragen. Der letztere, ein 15jähriger Knabe, konnte erst nach längerer Zeit von dem Schutt befreit werden; er war bereits erstickt. Haan, 17. Dez. Ein reiches Weihnachtsgeschenk wurde dem hiesigen Fabrik=Invaliden Aug. Ponge zu teil, indem ihn seine Frau mit Drillingen beschenkte, und zwar sind es zwei Mädchen und ein Knabe. Zwölf Kinder sind insgesamt am Leben, das älteste davon ist noch keine 18 Jahre alt. Mutter und Kinder befinden sich wohl, auch der Vater soll sich mittlerweile von seinen schrecken erholt haben. * Solingen, 17. Dez.. Ein anscheinend an Tollwut erkrankter Hund hat gestern in der Nähe des Nestorkottens den von Ohligs kommenden 14jährigen Sohn des Gabelschleifers Fritz Happe von Höhscheid=Bauermannskulle gebissen. Noch im Laufe des Tages schwoll das durch den Biß verletzte Glied, die rechte Hand, derart an, daß der zu Rate gezogene Arzt den Tollwutverdacht als bestätigt ansah und veranlaßte, daß der Junge noch in der Nacht nach Berlin in das Pasteursche Institut geracht wurde. Der an Tollwut erkrankte Hund, der einem zu Heippertz(Gemeinde Ohligs) wohnenden Schleifer gehört, wurde laut„B. Ztg. sofort getötet und behördlicherseits beschlagnahmt. * Wald, 17. Dez. Zu denjenigen Krankenkassen des ärzte(ein Pauschalhonorar von 3,50 Mk. pro Jahr und Mitglied) abgelehnt und die Anstellung beamteter Kassen ärzte beschlossen hatte, zählte auch die hiesige Ortskran kenkasse. Jetzt hat nun der sozialdemokratische Vorsitzende der Kasse, C. Leven, beim Vorstand beantragt, die Forderung der Aerzte anzuerkennen, welchem Antrage zugestimmt wurde. Leven erklärte den Vertretern des Aerztevereins, daß es ihm unmöglich gewesen sei,„Streikbrecher" zu finden, die Organisation der Aerzte sei zu stramm.„ * Köln, 17. Dez.(Ein„schlaues Bauerlein.) Kommt da dieser Tage ein Mann in Bauernkleidern und bietet frische, schwere Waldhasen zum Verkauf, die schon abgebalgt und ausgenommen seien, um der werten Herrschaft, wie dieser Mann sagt, die schmutzige Arbeit zu ersparen. Da nun auch ich ein Liebhaber von Wild bin, so entschloß ich mich rasch zum Kauf und erhielt einen schweren, frischen Hasen für 4,50 Mk. Mit den freundlichen Worten:„Adjö bis nächstens“ entfernte sich der brave Bauersmann, der noch etwa 8—10 Hasen an einer Stange trug. Vergnügt hängte ich gewohnterweise den Hasen ans Fenster, um meine Frau mit einem Nikolausgeschenk zu überraschen. Aber—.— daß doch kein Glück auf Erden ohne ein Aber zu genießen ist! aber, sage ich, wie erstaunt meine Frau beim Zurechtmachen des Wildes, als sich erwies, daß die hinteren Läufe des Hasen sehr unauffällig und geschickt angenäht waren, und als sich bei näherer Untersuchung die bittere Endeckung ergab, daß ich einem Schwindler in die Hände gefallen war und an statt eines Waldhasen einen Dachhasen gekauft hatte, zum größten Gaudium mehrerer Freunde und Bekannten, die mich der Sorge für den Spott erhoben, nachdem ich den Schaden hatte. Da der Gauner noch mehr Geschäfe gemacht haben wird, so wünsche ich allen mit mir Hereingefallenen wenigstens guten Appetit. Da ist es übrigens kein Wunder, wenn so viele Katzen weggefangen und in der Dämmerung als Hasen verkauf werden! und Sport. * Stukenbrock, 17. Dez. Unlängst wurden von einem älteren Herrn(passioniertem Jäger) in der nördlichen Senne zwei Hasen zur Strecke geracht, die beide hochgradig verseucht waren. Dieselbe Erfahrung machte kurz darauf ein Höfelhofer Herr mit Meister Lampe. In Jägerkreisen bringt man die genannten Tatsachen mit der allährlich in der Senne begriffenen Abnahme der Hasen in Verbindung. Man ist der Ansicht, daß die ganze Sippe der Furchtsamen an der sogenannten Hasenseuche leide. In einzelnen Jagdbezirken, in denen vor 10—15 Jahren noch 100—150 Hasen geschossen wurden, fallen heute kaum 20 Stück. Am meisten werden auswärtige Jäger enttäuscht, die nach hier kommen, um das edle Weidwerk auszuüben. Es ist vorgekommen, daß mehr als 1 Dutzend Herren mit großen Hoffnungen nach hier kamen und am Abend mit einem oder zwei Häschen und einem Karnickel, mißmutig ob der geringen Beute, den Heimweg antraten. In verflossener Woche wurde auf der„Eselhaide" von einer großen Anzahl Nimroden, man spricht von 36, 6 Hasen, 3 Kaninchen und 1 Fuchs als Beute gezählt. Leider ist bei letztgenanntem Freudenfeste auch ein Unglücksfall zu verzeichnen. Als ein Teil der Gesellschaft am Abend auf einem Leiterwagen dem Höfelhofer Bahnhofe zueilte, brachen nicht weit von der Abfahrtstelle die Leitern unter der Last zusammen und einer der Fröhlichen erlitt dabei einen doppelten Beinbruch.— Die vermutliche Hasenseuche wird dahier schon mit dem neuen Fleischschaugesetze in Verbindung gebracht, dahinlautend, daß auch das Wild, insonderheit Meister Lampe, sowohl vor als nach der Tötung von einem Sachverständigen zu untersuchen sei. Obs dazu kommen wird? oberen Kreises Solingen, die die Forderungen der KassenKauer?" fragte von Gleichen überrascht. „Es ist durchaus mein Wille, daß einmal ein Exempel statuiert wird," bemerkte Kauer erregt,„und ich wünsche nicht, daß, weil die Person der Diebin den sogenannten besseren Ständen angehört, die bekannte Manier beobachtet wird, nach der man große Diebe laufen läßt und die kleinen hängt. Der Beamte überhörte den Vorwurf der Parteilichkeit, den Kauer ihn nicht mit Unrecht machte, und fragte „Gestatten Sie eine Frage: Kennen Sie den Konsul „Ja, ich kenne ihn und weiß, daß er seit fünf Jahren hier wohnt und vorher etwa dreißig Jahre in Santos in Brasilien weilte, wo er eine Kaffee=Plantage be„Woher wissen Sie das so genau, Herr Kannten Sie den Herrn schon in früheren Jahren? fragte von Gleichen gespannt.„ „Ich kenne diesen Herrn schon seit fununddreißig Jahren,“ sagte der Gefragte kurz. Was ging den Beamten seine frühere Bekanntschaft mit dem Konsul an? Er hatte sich bei diesen Fragen und Antworten nun doch etwas erregt; aus seinen Antworten klang eine gewisse Gereiztheit und Gehässigkeit her#s Ich gehe wohl mit der Annahme nicht fehl, daß Sie mit dem Konsul vor langen Jahren geschäftliche oder freundschaftliche Verbindungen unterhalten haben? fragte der Beamte. Kauer zögerte mit der Antwort. Ich habe mit dem Konsul Reuter in geschäftliche und freundschaftliche Beziehungen gestanden, sagte er „Und diese wurden wohl Ihrerseits plötzlich abge„Ja. Doch nun bitte ich, mich nicht weiter über solche Dinge zu fragen, sie gehören doch wohl nicht recht zur rache. „Da haben Sie allerdings Recht; der Fall ist ja bis soweit klargestellt,“ sagte von Gleichen. Er schrieb eine Weile an einem Protokoll, das er Kauer und dessen Gehülfen vorlas und danach von beiden unterschreiben ließ. Vorläufig können die Herren gehen, bemerkte er danach.„Falls noch weitere Angaben Ihrerseits nötig sein sollten, werde ich Sie rufen lassen oder selbst zu Herr von Gleichen verneigte sich leicht und Kauer entfernte sich mit seinem Gehülfen; auch der Kommissar verließ auf einen Wink seines Vorgesetzten das Zimmer und begab sich in das nebenan gelegene Wartezimmer. Nach dem Weggange der drei Herren erhob sich von Gleichen und ging einige Minuten lang erregt im Zimmer auf und ab. Die Sache stand schlecht, verteufelt schlecht für die Tochter der ihm befreundeten Familie. Er stand hier vor einem Rätsel. Was hatte Lotte Reuter, dieses reizende und nach seiner Meihnung im Ueber fluß lebende Mädchen nur dazu getrieben, den Schmuck an sich zu nehmen? Litt sie wie manche andere Dame gegenüber Dingen, die sie zu besitzen wünschen, an Kleptomanie— jener Art Stehlsucht, von der er schon wiederholt Beweise aus den besseren Kreisen erhalten hatte und die von dem Psychologen als Mangel an Willenskraft und krankhafte Gier zur Aneignung von Sachen oft der geringfügigsten Art bezeichnet wird? (Fortsetzung folgt.) Vermischtes. (Wie sah Goethe aus?) Im Anschluß an einen Zeitungsartikel„Wie sah Goethe aus?“ bringt die„Weimarische Zeitung“ eine Anzahl interessanter Zuschriften, die die Tatsache bestätigen, daß an Goethes Gestalt ein gewisses Mißverhältnis zwischen der oberen und der unteren Körperhälfte(der Unterkörper war verhältnismäßig zu kurz) bestanden hat. Der verstorbene Bibliothekar der großherzoglichen Bibliothek in Weimar, Skell, war in jüngeren Jahren eine Zeit lang Sekretär bei Goethe. Er hat wiederholt Bekannten mitgeteilt, daß Goethe sich der Kürze seines Unterkörpers wohl bewußt gewesen sei; daher sein ganz auffälliger Widerwille gegen den Frack, den er gerade haßte. Nur wenn die gesellschaftlichen Rücksichten ihm Zwang auferlegten und es eben nicht anders ging, sei er in diesem Kleidungsstück erschienen, sonst nur in dem bekannten langen Rock, der den Fehler korrigiert oder wenigstens verdeckt habe. Auch die der Stadt Weimar gehörige auf dem Rathaus stehende Gipsfigur Goethes stellt diesen in langem, bis auf die Knöchel reichenden Rock dar; die meisten Gemälde zeigen ihn nur im Brustbild. Dagegen kann man Goethe auf einer Bleistiftzeichnung von Riemer, dem langjährigen Freund und Hausgenossen des Dichters, sehen, wie dieser in zugeknöpftem Frack, den Zylinder auf dem Haupte, sich in den Straßen Weimars bewegt, anscheinend in lebhafter Unterhaltung. Auf diesem, sehr charakteristisch gezeichneten Blatte fällt sofort die gedrungene Gestalt, das Ueberwiegen des Oberkörpers über die kräftigen, aber im Verhältnis zu kurzen Beine auf. Als Professor Suphan aus Anlaß der goldenen Hochzeit 1892 das Blatt der Frau Großherzogin Sophie verehrte, hatte diese zuerst den Eindruck, daß es sich um eine Karrikatur handle; aber sie überzeugte sich bald, daß zu dieser Annahme kein Grund vorlag. Auch der Landschaftsmaler Friedrich Preller, der Aeltere, der Schöpfer der Odyssee=Bilder, der Goethe noch gekannt hat, hat wiederholt bestätigt, daß Goethe sitzend größer erschien als stehend, eben wegen der Kürze der untern Extremitäten. Verantwortlich für den redaktionellen Teil Wilh. 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