okale Anzeigen, die sechsgespaltene zeile oder deren Raum 10 Pfg.,„außerhalb 15, 40 Pfg., Druck und Verlag von Cari Braus in Schwerte, Fernsprech=Anschluß Nr. 62. Amt Schwerte. Telegr.=Adresse Braus, Schwerte=Ruhr. Insertionsgebühr für lok zeile oder deren Raum Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche Kraft. Abonnementspreis pro Quartal 1 Mark 65 Pfg., exel. 42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“ 36. Jahrgang. — Aus unseren deutschen Finanzkreisen heraus wird dringend eine Abänderung des bestehenden Börsengesetzes gewünscht, und dies Hoffen soll, wie bekannt, erfüllt werden. Der Bundesrat hat bereits einem bezügauch kein Mensch für möglich gehalten, und sie passierten Wir wünschen von ganzem Herzen, daß den mittleren und kleineren Finanzkreisen durch eine Abänderung des Börsengesetzes jenes volle Leben wieder gegeben werde, das ihnen zum Teil durch die ganz großen Filichen Gesetzentwurf seine Zustimmung erteilt, und die nanz=Institute entzogengist, betrffende Vorlage kaun alg den deuticheg Reichstag monchetzeinischen Finanzmann sprechen, als mit den Angestellten einer großen Bank. Aber wenn manche Börsenkreise hoffen, in einem abgeänderten„Börsengesetz das große Publikum wieder für eine toule Vorsenspekulation gewinnen zu können, so wird sich das hoffentnicht verwirklichen, und hierüber müssen in jedem Falle völlig einwandsfreie Paragraphen bestehen bleiben. Wer Geld fortzuwerfen hat, gut, mag er das fortwersofort nach dessen Wiederzusammentritt im Januar beschäftigen. Wenn es nun aber gilt, berechtigten Forderungen auf eine Abänderung, die sich im Laufe der Zeit ergeben haben, zu genügen, so darf man auch die anderen praktischen Erfahrungen, die eine Ergänzung verlangen, nicht vergessen. Diese Erfahrungen, die sich in den Berliner, Leipziger, Kasseler und anderen Bank=Prozessen mit einer verblüffenden Deutlichkeit gezeigt haben, haben bis heute nichts von ihrem Wert eingebüßt und verlangen ganz unbedingt Berücksichtigung. Es sind das Fragen des geschäftlichen Vertrauens und Solidität, bei welchen ein Parteistandpunkt nicht in Betracht kommt, für deren regelrechte Ordnung Jeder eintreten kann. Was geschehen ist, kann heute wohl ruhig, aber unter keinen Umständen nachsichtiger beurteilt werden. Sonst haben wir in ein paar Jahren die alte Misere wieder. Die Börsenkreise haben mindestens ebenso gut, wie jeder andere Kaufmann und Gewerbetreibende ein Recht auf Freiheit des Handelns; die Börse einzuschnüren, ist weder möglich, noch wäre es gerecht, noch wäre es nützlich. Mit seinem Gelde kann am Ende ein Jeder machen was er will, und so weit dieser Punkt in Betracht kommt, kann Niemand unter Kuratel, wenigstens im Geschäftsleben nicht, gestellt werden. Anders aber gestalten sich die Dinge, wenn finanzielle Kreise das große Publikum um Hergabe von Geld für geschäftliche Zwecke ersuchen, wenn sie diesen Geldgebern zumuten, den Geschäftsberichten Glauben zu schenken. Dann kann kein Finanzmann sagen, die Hergabe von Geld an ihn sei eigentlich selbstverständlich, es liegt eine moralische Verpflichtung ob, dies Geld nach bestem Wissen und Gewissen zu verwalten. Und damit die Verwaltung in diesem Sinne erfolgt, müssen alle beteiligten oder gesetzlich vorgeschriebenen Faktoren, Direktoren, Aufsichtsräte u. s.w. im vollsten Maße ihre Pflicht tuen. Im allergrößten Teil der hier in Betracht kommenden deutschen Unternehmungen geschieht das; daß es aber nicht überall geschehen ist, daß darüber Millionen und aber Millionen verloren sind, wissen wir aus den oben erwähnten Prozessen. Eine Abänderung des Börsengesetzes mag also Freiheit da geben, wo sie angebracht ist; aber die Maschen des Gesetzes müssen so dicht wie möglich für die Fälle sein, wo die Versuchung nahe treten kann. Unmöglich ist nichts. Die bekannten Geschichten hat ja f. Z. Herz und Gemüt. Ein edles Beispiel macht die schweren Taten leicht. Freude wird den Schöpfer dankend loben, Aber fester zieht der Schmerz nach oben. * Das Recht sagt: Jedem das Seine! Die Liebe: Jedem das Deine! Unser Einziger. Von Th. Smidt. (2. Fortsetzung) „Herr von Gleichen, Sie sehen mich in einer schreckichen Situation hier,“ sagte sie vortretend.„Meine Tocher hat vorhin im Laden des Herrn Kauer in einem Monent, in dem sie von der Pracht und dem Glanz eines halsschmuckes, nach dessen Besitz sie sich sehnte, geblenet ward, diesen Schmuck in Gedanken beigesteckt. Dazei ist sie von einem Bediensteten des Geschäfts heimlich jeobachtet worden. Herr Kauer sah dieses gedankenlose kinstecken des Schmuckes für Diebstahl an, er ließ einen Polizeibeamten holen und dieser Herr hält mein Kind iun auch für eine gewöhnliche Diebin. Sie können sich senken, wie peinlich dieser Vorfall für mich ist. Meine kochter ist zu jeder Abbitte bereit und ich erkläre mich nit jeder Geldbuße, sei es zu Gunsten der Armen oder iner sonstigen wohltätigen Einrichtung der Stadt einverstanden. Des Beamten Mienen waren sehr ernst geworden. So einfach schien sich die Tat nun gerade nicht zu erkläten, mochte er denken. „Wollen die Damen hier eintreten, ich muß zujächst die Zeugen hören,“ sagte er höflich eine Tür öfffen, das tut am Ende nur ihm selbst weh, aber es müssen Schutz= und Strafbestimmungen bleiben, welche einem systematischen Verführen und Ausbeuten den Weg versperren. Wir meinen, mancher vertrauensselige deutsche Bürger hätte bei englischen Geldpapieren und anderen sogenannten„vorzüglichen“ Anlagewerten gemerkt, was der Schein besagen will. Das Deutsche NationalVermögen ist in den letzten Jahren sehr schwer geschädigt, wer weiß wie viel Heeres=Ausgaben konnten davon gedeckt werden. Damit könnte es nun aber genug sein. Politische Uebersicht. Oesterreich. Gegensätze zwischen Oesterreich und Ungarn kommen in der neuesten Parlamentsrede des ungarischen Ministerpräsidenten wieder scharf zum Ausdruck. Graf Tisza ließ hageldichte Schläge niedersausen auf Herrn v. Körber wegen dessen Rede über die Militärfrage. Er erntet dafür den Beifall seiner Landsleute, die besonders entzückt sind über die Stelle, an der Tisza den Wiener zentralistischen Faktoren Unfähigkeit vorwirft, eine Lokkerung des Staatsverbandes in Oesterreich hintanzuhalten, trotzdem aber in Ungarn Einfluß gewinnen wollten. Herr v. Körber muß diese Abfuhr ruhig hinnehmen, denn der Reichsrat ist ja vertagt worden. Vielleicht ist er auch zufrieden, nicht antworten zu müssen.— Der den Delegationen vorzulegende Militäretat soll nur 100000 Kronen höher sein als im Vorjahr und 15 Mill. für neue Geschütze verlangen. Die auf die Vorlage des neuen Wehrgesetzes, das man auf die zweijährige Dienstpflicht gründen wollte, Bezug habenden Pläne mußten fallen gelassen werden, da die ungarische Heeresverwaltung noch nicht einmal die Rekruten für 1903 ausgehoben hat. = Ein Kaltwasserstrahl. Der österreichische Kaiser betonte beim gestrigen Empfang des serbischen Gesandten, daß an ein Einvernehmen zwischen Oesterreich und Serbien so lange nicht zu denken sei, als die Königsmörder am Hofe, im Heere und in der Verwaltung eine solche Rolle spielten. Die Bestrafung, zum mindesten die Entfernung aller Beteiligten sei eine Forderung des öffentlichen Gewissens Europas und König Peter müsse diese Forderung selbst auf die Gefahr hin, seine Lage noch schwieriger zu gestalten, erfüllen. Was die Beurlaubung des österreichischen Vertreters in Belgrad betreffe, so erklärte der Kaiser, diesem verhältnismäßig milden Verfahren würden in Zukunft ernstere und wirksamere Kundgebungen der europäischen Mächte folgen, falls die königsmörderischen Personen am Hofe ihren Einfluß beibehalten.— Diese Kundgebung des greisen Herrschers, die sicher in Uebereinstimmung mit den Monarchen von Deutschland und Rußland erfolgte, wird in allen Kreisen, in denen das Gefühl für Recht und Sitte noch nicht erstorben ist, mit Freuden begrüßt werden. Frankreich. = Die französischen Landboten haben ein warmes Herz für wasserwirtschaftliche Vorlagen. Sie bewilligten soeben 700 Mill. Fr. für Schifffahrtswege und Verbesserung bestehender Wasserstraßen, während der Senat die Summe auf 300 Mill. herabgesetzt hatte.— Eine famose Rede hat der französische General Bruneau in Pamiersgehalten:„Der deutsche Cäsar liegt im Hinterhalt und lauert auf euch. Wenn wir nicht auf unserer Hut sind, so wird er uns eines schönen Tages sicherlich Burgund, die Champagne und die Freigrafschaft vor der Nase wegstehlen und von uns außerdem eine Entschädigung von 20 Milliarden herauspressen. Die Deutschen sagen das ohne Scheu laut heraus.“ Wie wir uns aus den Fingern gesogen haben, besteht in Berlin der Plan, ganz Frankreich zu einer deutschen Provinz zu machen. Rußland. = Ein russisches Stimmungsbild aus dem Nordwestgebiete bringt der Petersburger„Herold". Es heißt darin: Kein Winter, keine Wege, keine Zufuhr, keine Arbeit, kein Holz, kein Kerosin, auch sonst eine Reihe negativer Güter und dem gegenüber ein Ueberfluß an Krankheiten, Schmutz, an Müßiggang, Langeweile, Kartenspiel und Branntwein! Ueber alledem thront jene verhängnisvolle Hilflosigkeit gegenüber wirtschaftlichen Kalamitäten. Ehe diese Macht nicht gebrochen ist, ist eine Aenderung zum Besseren nicht zu erwarten. Aus der Stadt Bobruisk wird gemeldet, daß die Bauern der Umgegend es nicht wagen, sich mit ihren kleinen Pferden zur Stadt aufzumachen; Die Fuhren versinken im Straßenschmutz. Unter solchen Verhältnissen ist nicht verwunderlich, wenn die Stadt weder Holz noch Lebensmittel hat und die Preise für die wichtigsten Bedarfsartikel bis ins Unerträglichste hinaufaetrieben werden. nend.„Ich werde Sie bald hier wieder eintreten las„ P die mnt bicht esentte Als Mutter und Tochter— diese mir nief geseu#lem Kopf— an ihm vorbei in das Zimmer traten, forschte des Beamten Blick eifrig in den Zügen der jungen, schlanken Delinquentin. Charlotte Reuter war eine anziehende Erscheinung. Schlank und von biegsamem Wuchs, umrahmte üppiges krauses aschblondes Haar ein rosiges Gesichtchen mit sprechenden großen dunkelbraunen Augen, die keck zu fragen schienen: Bin ich nicht hübsch? Die fast schwarzen, schön gewölbten Augenbraunen und der kleine fein geschweifte Mund mit den Schelmengrübchen in den Wangen vervollständigten das Bild eines zarten holden Mädchen=Antlitzes von ungewöhnlichem Reiz. So war Lotte Reuter dem jungen Beamten bislang erschienen, wenn er sie bei dienstlichen Konferenzen mit ihrem Vater im Hause der Eltern traf und sie ihm eine Erfrischung reichte oder sich mit ihm unterhielt. Und dieses holde Geschöpf, das, so gestand er sich oft, einen stärkeren Eindruck auf ihn ausübte, als alle jungen Mädchen seiner Bekanntschaft, sollte eine gemeine Diebin sein? Er mochte es nicht glauben und ging mit einer gewissen Spannung und Unruhe an die Vernehmung der drei Sencgen.,„ gissar auf dm Tisch golate Etn Das von dem Kommissar auf den Tisch gelegte Erni erhebend sagte er:., 6t 8os Trän.e, „Wer von den Herren hat beobachtet, daß Frautein Reuter diesen Schmuck in ihrer Manteltasche verschwinden ließ?“ wandte er sich an Kauer und dessen Gehülfen. „Ich, Herr Polizeileutnant,“ antwortete Mertens einen Schritt vortretend.„ „Erzählen Sie mir den Vorfall ausführlich.“ „Die junge Dame trat mit ihrer Mutter vorhin an den Ladentisch, auf dem noch von einem kurz vorher stattgefundenen Verkaufe die zur Auswahl ausgebreiteten! Stücke, es waren sehr wertvolle Schmucksachen darunter, lagen. Die Frau Konsul ließ sich Broschen zur Auswahl vorlegen. Während sie dieselben besichtigte, nahm die Tochter etwas abseits von ihrer Mutter mehrere Etuis in die Hand, betrachtete die darin liegenden Gegenstände und legte sie wieder an ihren Platz. Da fiel ihr der Halsschmuck, den man später in ihrer Tasche fand, in die Augen. Sie griff sofort danach, betrachtete ihn eifrig, zeigte ihn auch ihrer Mutter und flüsterte dieser einige Worte zu, die ich auf meinem geheimen Ausguckposten aber nicht verstehen konnte. Die Mutter schüttelte mit dem Kopfe, worauf die Tochter den Schmuck, wie es schien, mit einem Seufzer der Enttäuschung und schmollender Miene wieder auf den Ladentisch legte. Aber der Schmuck mußte eine magische Anziehungskraft auf das junge Mädchen ausüben; es schenkte keinem der anderen Gegenstände mehr einen Blick der Beachtung. Es nahm das Etui nochmals in die Hand und vertiefte sich in den Anblick der feinen Goldschmiedearbeit und das Funkeln der Steine. Da wurde mein Kollege, der die Frau Konsul bediente, von einer anderen Dame nach dem Preise eines Gegenstandes gefragt, und während er sich dieser Dame zuwandte, ließ das junge Mädchen die rechte Hand mit dem zugeklappten Etui sinken und verbarg sie in ihrer Manteltasche. Ich wartete noch einen Moment auf meinem geheimen Posten, ob die Hand mit dem Etui wieder zum Vorschein kommen würde, als das aber nicht geschah, als die junge Dame vielmehr die leere Hand aus der Tasche zog und dieselbe der Mutter mit ein paar Worten auf den Arm legte— vermutlich fragte sie dieselbe, ob sie nicht gehen wollten—, da eilte ich ins Kontor und teilte meinem Herrn Prinzipal mit, was ich soeben beobachtet hatte. Mehr weiß ich nicht auszusagen.“ Herr von Gleichen machte ein sehr ernstes und bedenkliches Gesicht. (Fortsetzung folgt.) pelte Arbeit, deren Nachteil in der so stark geschäftlichen Kleine Chronik. Zeit auch wieder doppelt empfunden wird. Vor allem verVerlin, 16. Dez, An Stelle seines polnischen Na, meide man, wenn möglich, B 6, Z ei, or; Hoxptan stänggn, mens hat der Superintendent v. Koblinski, Pfarrer anl das sind die Abezshistabserzigungen zu besorgen und man St. Vartholondi in Verin, nach dem„Reichsauz; den)ung, Aberpeste gange Zeit zu warten, Ungeduld, unzu. sonen v, Sohn 1g. Deg. Beim Bau eines Sieles in fräglichteiten seitens des Pubikuns und der Veamten stelle Fabrikwärter 3. Vienert mit seiter Frau und sechs mäglicht gleichnäßige Verteilen in der Poststreguenz liegt Kindern, drei Kgrrg# rte.#d##t Der nur in den Händen des Publikums. Wer möglichst wenaben und drei Mädche nung vergiftet. Die Frau und die stinder zu tot. Der Mann, welcher noch Lebenszeichen von sich gab, wurde in das städtische Krankenhaus übergeführt. Die Ursache der Vergiftung ist anscheinend in der Krankheit der Frau Leipzig, 16. Dez. In Gohlis steckte das viersährige Söhnchen eines Militärmusikers den Arm durch das Loch einer Umzäunung. Ein innerhalb des Zaunes frei umherlaufender Bernhardiner biß den Arm am Euoogen ab und fraß ihn. Das Kind wurde ins Lazarett gebracht. + Metz, 16. Dez. Das Kriegsgericht ver 55. Division verurteilte gestern den Leutnant Schilling vom Infanterie=Regiment Nr. 98 wegen Mißhandlung Untergebener zu 1¼ Jahren Gefängnis und Dienstentlassung unter Anrechnung von einem Monat Untersuchungshaft. Es wurden 618 Fälle von Mißhandlung, 57 von unvorschriftsmäßiger Behandlung Untergebener und ein Fau des Abhaltens von einer dienstlichen Meldung als erwiein seinem Jahre Gefängnis und Dienstentlassung beantragt. Heute beginnt die Verhandlung gegen den Kompagniechef und den Feldwebel des genannten Regiments in derselben + Kiel, 16. Dez. Der wegen Verdachts der tätlichen Beleidigung Untergebener verhaftete Fähnrich Heyrot vom Küstenpanzer„Hagen“ ist nach längerer klinischer Beobachtung seines Geisteszustandes ohne Gerichtsbeschluß aus der Marine entfernt. ugeit, dus Oher+ Bromberg, 16. Dez. In Anwesenhen des Oberpräsidenten v. Waldow fand gestern vormittag hier die Einweihung der neu erbauten evangelischen Pfarrkirche statt. Die Kirche ist nach den Plänen des Baurats SeeVertreter der Anklage hatte ling=Berlin erbaut. Mark. Die Baukosten betragen Lokales. Schwerte, 17. Dezember 1903. **(Die Weihnachtspackerei,) die in den Wochen vor Weihnachten in so ausgedehnter Weise gepflegt wird, ist an und für sich schon ein Fest, denn sie verherrlicht den Verkehr mit den entfernten Lieben. Tausende von Gefühlen des Andenkens, Wünsche, Hoffnungen, Grüße begleiten die materiellen Geschenke. Schon über diese äußerliche Tätigkeit des Verpakens, Schnürens, Siegeln tet sich der geheimnisvolle Zauber der großen Schenkungszeit aus. Das schöne Gefühl, den Lieben eine Freude bereiten zu können, umgibt die vielen kleinen Umstände mit festlicher Weihe. Darum liegt es auch daran, sich diese vorfestlichen Arbeiten nicht zur Qual zu machen durch das gewöhnliche Hasten, Jagen, Drängen, wenn man sie alle in der letzten Stunde zusammenkommen läßt. Ist das Hasten an und für sich schon aufreibend, so wird es das noch viel mehr durch die vielen Unannehmlichkeiten, die jedes Ueberstürzen im Gefolge hat. Mit allem möglichst zeitig zu beginnen, ist ein Zuruf, welchen in der vorweihnachtlichen Zeit zu beherzigen doppelten Wert hat und nicht zuletzt zur Berücksichtigung der Post, die vor Weihnachten eine Riesenarbeit zu überwältigen hat. Die Anstauung der Paketablieferungen auf eine Zeit zu verhindern, liegt hauptsächlich in den Händen und dem Willen des Publikums, nicht nur der Post, sondern hauptsächlich sich selbst zum Nutzen. Jedesmal einige Zeit vor Weihnachten läßt die oberste Postbehörde einige wohlgemeinte Ermahnungen an die Oeffentlichkeit ergehen, welche nun auch der allgemeinen Beachtung wert sind. In erster Linie gehört dazu die Orientierung über vorschriftsmäßige, gute, sichere Verpakung. Eine Zurückweisung macht dopnig frequentierte Stunden wählt, tut das nur öntersse..hen=Gerein) Giat (Der Arends'sche Stenographen=Benein, hielt am Dienstag abend im Vereinslokal„Zur Glocke“ seine diesjährige Hauptgeneral=Versammlung ab, die ziemlich gut besucht war. Der 1. Vorsitzende entwarf in kurzen Zügen ein Bild über das verflossene Vereinsjahr. Aus dem Bericht ist besonders hervorzuheben, daß der Verein augenblicklich 60 Mitglieder zählt. Bei der nun folgenden Neuwahl des Vorstandes wurde der alte Vorstand einstimmig wiedergewählt. Sodann wurde noch beschlossen, Mitte Januar einen neuen Kursus in der Arends'schen stenographie zu eröffnen unter Leitung des Herrn Börstinghaus. Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers soll am 30. Januar durch ein gemeinschaftliches Abendessen mit nachfolgendem Kommers festlich begangen werden. Nach Schluß der Versammlung hielt Herr Duisberg noch einen kurzen Rückblick auf die Geschichte der Stenographie und erwähnte, daß der erste Arends'sche Stenographen=Verein in Schwerte begründet wurde. Redner wünschte dem Verein, daß er auch in Zukunft sich immer kräftiger entwickeln möge und daß sich immer mehr Jünglinge bereit finden möchten, der Arends'schen Sache zu dienen. *(Ein Zusammenstoß) zwischen einem Wagen der Straßenbahn und dem mit Weihnachtsbäumen beladenen Wagen des Herrn Rahlenbeck aus Ergste fand vorgestern morgen hier statt. Zwei der Bäume drangen in den Straßenbahnwagen, wodurch vier Scheiben zertrümmert wurden. Weiteres Unglück wurde glücklicherweise verhütet. Wandhofen, 16. Dez. Herr Amtmann Graf Haslingen hielt eine Sitzung der hiesigen Gemeinde=Vertretung ab, in welcher die vom Herrn Rendanten Fleer=Westhofen für das Rechsnungsjahr 1902 gelegte Gemeindekassen=Rechnung geprüft und dem Herrn Rendanten Entlastung erteilt wurde. Nach der Rechnung waren an Einnahmen 19 309,39 Mk., an Ausgaben 12 008,88 Mk. zu verzeichnen, sodaß noch ein Bestand von 7233,51 Mk. verblieb, welcher auf die nächstjährige Rechnung übernommen werden soll.— Zu Mitgliedern der Kommunalsteuer=Einschätzungs=Kommission für 1904 wurden die Herren: Königlicher Kammerherr, Major a. D. und Rittergutsbesitzer Freiherr v. Rheinbaben, Landwirt Wilhelm Schulte, Gemeindevorsteher Klempt und Landwirt D. Klempt gewählt. Das Bedürfnis zur Errichtung eines Amtsarmenhauses erkannte Versammlung nicht an. Von den Bestandsgeldern des Vorjahres sollen 4000 Mk. zur jederzeitigen Verwendung bei der Sparkasse Schwerte zinsbar angelegt werden. * Lichtendorf, 16. Dez. Am gestrigen Tage hielt Herr Amtmann Graf Haslingen eine Sitzung der hiesigen Gemeindevertretung ab. Als Mitglieder der Kommunalsteuer=Einschätzungskommission wurden gewählt die Herren Gemeindenverordneten Hohenschwert, Schäfer, Hauske und Frohne. Der früher gestellte Antrag um Errichtung eines eigenen Standesamtes für die Gemeinden Lichtendorf und Geisecke wurde vertagt, da sich die letztere Gemeinde nicht angeschlossen hat, vielmehr es beim alten zu belassen wünscht. Dem Unternehmer Frede wurde zu den Kosten des Wegebaues an der Vogtschen Besitzung zu Ostberge entlaang unter gewissen von ihm einzuhaltenden Bedingungen ein angemessener Zuschuß bewilligt.— Die Prüfung der vom Kommunalrendanten Fleer=Westhofen pro 1902 gelegten Rechnung ergab zu Ausstellungen keinen Anlaß, weshalb beschlossen wurde, dem Rendanten Entlastung zu erteilen. Die Einnahmen haben 17194,11 Mk., die Ausgaben 15 109,57 Mk. betragen, sodaß noch ein Bestand von 2084,54 Mk. vorhanden ist, der dem nächsten Rechnungsjahre vorgetragen werden soll.„„„„ Geisecke, 16. Dez. unter dem Vorsitze des Herrn Amtmanns Grafen von Haslingen fand am gestrigen Tage eine Sitzung der hiesigen Gemeinde=Vertretung im Lokale des Gastwirts Schulte=Höppe statt, in welcher die Gemeindekassen=Rechnung aus dem Rechnungsjahre 1902 revidiert wurde. Nach derselben haben die Einnahmen 9 184,91 Mk., die Ausgaben 8327,89 Mk. betragen, sodaß noch ein Bestand von 857,30 Mk. vorhanden ist, welcher auf das nächste Rechnungsjahr übernommen werden soll.— Zu Mitgliedern der Kommunalsteuer=Einschätzungs=Kommission wurden die Herren: Landwirt G. Berge, Wirt Fr. Schulte=Höppe, Landwirt H. Ersternbrink und Landwirt H. Mätte gewählt. Westfalen und Rheinland. * Altena, 16. Dez. Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich gestern nachmittag kurz vor 12 Uhr auf dem Linscheid. Hier führt die Firma Basse& Selve ein Erweiterungs=Fabrikgebäude auf. Die Vorderfrontmauer war bis auf die Verkrönung fertig. Da gaben plötzlich die Gerüste nach. Fünf Arbeiter, welche sich darauf befanden, wurden hinabgeschleudert. Die Bretter und die Stangen folgten ihnen. Ein Teil der neu aufgeführten Mauer stürzte nach und bedeckte mit dem zusammengebrochenen Gerüste die heruntergestürzten Arbeiter. Einer von diesen war sofort tot, ein anderer starb auf dem Transporte zum Krankenhause, und die übrigen wurden, nachdem ihnen die erste ärztliche Hilfe zu teil geworden war, zum Krankenhause transportiert. Wem die Schuld an diesem Unglück zuzumessen ist, wird durch die sofort eingeleitete Untersuchung festgestellt werden. * Unna, 16. Dez. Bei der heutigen Stadtverordneten=Stichwahl für die dritte Abteilung übten von 2004 Wahlberechtigten nur 140 ihr Wahlrecht aus. Der Bergmann Scheele erhielt hiervon 107, Schneidermeister Gudermann 33 Stimmen, ersterer ist somit gewählt. Castrop=Schwerin, 16. Dez.(Unterschlagung) Der sozialdemokratische Agitator, der Berginvalide Johann Ernsbacher von hier, hat es sich nicht nehmen hann Griesbacher von hier, hat lassen, die Grundzüge seines Parteiprogramms in praktischer Weise durchzuführen. Derselbe ging mit ca. 400 Mk. Beiträge, welche er in Erstrebung des Zieles„der Gleichheit“ gesammelt hatte, der„Freiheit" nach, indem er sich auf und davon machte, seine Frau in Not zurücklassend. Vor seiner Abreise verkaufte er noch sein ganzes Mobiliar. Im übrigen wird seine„Brüderlichkeit" auch noch illustriert, wenn hinzugesetzt wird, daß G. seine Frau fortgesetzt durchprügelte und er die„Arbeitergroschen“ durch flotten Lebenswandel an den Mann zu bringen suchte. Siegen, 10. Dez. Nachdem die hiesigen Krankenkassen beschlossen hatten, auswärtige Aerzte heranzuziehen und auch bereits eine ganze Anzahl Meldungen solcher vorlagen, sind die hiesigen Aerzte erneut mit den Kassen in Verhandlungen getreten und haben sich vorläufig mit dem Satze von 3,50 Mk. für das Jahr und Mitglied einverstanden erklärte. Stellt es sich im Laufe dieses Jahres heraus, daß bei diesem Satze dei Bezahlung der Aerzte ungenügend ist, so soll die Erhöhung der Sätze einer Kommission anheimgestellt werden, die zur Hälfte aus Aerzten und zur Hälfte aus Vertretern der Kassen besteht, die unter dem Vorsitz eines Mitgliedes des hiesigen Magistrats zusammentreten. Ahaus, 16. Dez. Der Mangel an Volksschullehrern wird immer größer. An der hiesigen katholischen Volksschule unterrichteten bisher bereits 7 Lehrerinnen und nur 3 Lehrer. Da nun, wie der„Westf. Merk.“ mitteilt, der Hauptlehrer H. mit dem 1. Dezember sein Amt als Lehrer niedergelegt hat und für ihn keine männliche Kraft beschafft werden konnte, muß man sich mit einer Lehrerin begnügen, so daß jetzt in der katholischen Volksschule 8 Lehrerinnen und 2 Lehrer tätig sind. Im Volke sagt man deshalb:„Die Schule in Ahaus hat Damenbedienung.“ Düsseldorf, 16. Dez. 2569 leerstehende Wohnungen gab es am 27. Oktober in hiesiger Stadt! Daneben standen 219 Geschäftslokale leer! Das bedeutet gegen das Vorjahr eine Zunahme von 1370 bezw. 1. Johann Gottfried von Herder. Gedenkblatt zum 100 jährigen Todestage. Am 18 Dezember dieses Jahres rundet sich ein Jahrhundert, seit zu Weimar im Thüringer Land ein Mann die Augen schloß, der zu den hervorragendsten und einflußreichsten Schriftstellern und Denkern Deutschlands gehört. Nicht unzutreffend hat man Johann Gottfried von Herder einen„Priester der Humanität", den ologen unter den Klassikern und den Klassiker unter den Theologen“ genannt. Aus dem Leben und Wirken dieses Großen im Reiche der Geister, der durch eine lange Reihe der verschiedenartigsten Schriften bahnbrechend und pfadzeigend auftrat, seien zu seinem ehrenden Gedächtnis wie zu Nutz der Frommen der Leser in der Folge einzelne lose Bilder vor die Augen geführt. Am 25. August 1774 im ostpreußischen Städtchen Mohrungen als drittes Kind eines armen Elementarschullehrers und Glöckners geboren, verlebte der schüchterne, empfindsame und abgeschlossene, aber sehr begabte und fleißige Knabe eine ziemlich freudlose und trübe Jugendzeit. Auf des Kindes weiches Gemüt machte der geistliche Gesang, mit dem jeder Tag am Abend geschlossen wurde, einen gar tiefen Eindruck, so daß es Herder noch in seinen spätern Jahren sehr oft drängte, an das Klavier zu treten und einen der vielen in der Kindheit gelernten Choräle wieder zu singen. Mit 16 Jahren kam Herder um seiner schönen Handschrift willen als Schreiber in das Haus seines schriftstellerisch tätigen Pastors Trescho, der ihn an dem fremdsprachlichen Unterricht seiner Söhne teilnehmen ließ. Hier wurde er auch durch eingehende Beschäftigung mit den zeitgenössischen Dichtern wie Klopstock, Gellert, Gleim, Kleist und Lessing bald zu eigenen dichterischen Versuchen angeregt. Im Sommer 1762 bezog Herder die Universität Königsberg und kam in das Haus eines Regimentschirurgen, der sich erboten hatte, ihn Medizin studieren zu lassen. Aber schon bei der ersten Operation, der er beiwohnen wollte, fiel er in Ohnmacht, weshalb er den ärztlichen Beruf alsbald aufgab und sich zum Studium der Theologie entschloß. Zu den Lehrern des jungen Studenten, der durch Unterricht die Vollendung seines Studiums ohne Beihilfe seiner vermögenslosen Eltern ermöglichte, gehörte vor allem der große Weltweise Immanuel Kant. Bei ihm hörte er sämtliche Vorlesungen unentgeltlich. Mit 20 Jahren übernahm der junge Theologe sein erstes Amt, eine Lehrerstelle am Gymnasium zu Riga in Livland. Als mit dieser Stelle auch ein Predigtamt verbunden wurde, ernteten seine Predigten bald den reichsten Beifall, so daß die Kirche für die zahlreiche und gewählte Gemeinde sich zu klein erwies. Gleichzeitig begründete er durch mehrere kühne und scharfsinnige Schriften seinen Ruf als Schriftsteller. Als Herder als Reisebegleiter und geistlicher Führer eines holsteinischen Prinzen in Darmstadt weilte, lernte er seine nachmalige Gattin, Caroline Flachsland kennen, die durch eine Predigt zuerst auf ihn aufmerksam geworden war. Sie war ihm in 30jähriger, glücklicher Ehe die verständnisvolle Vertraute seiner Gedanken und seiner literarischen Arbeiten, trotz eigener Kränklichkeit auch eine treue, liebevolle, geduldige Trösterin und Pflegerin in den nicht seltenen Tagen des Leidens und der Krankheit. Während eines sechsmonatlichen Aufenthalts in Straßburg, wo er sich einer Augenoperation hatte unterziehen müssen, machte Herder die Bekanntschaft Goethes, die bald zu einer innigen Freundschaft führte. Der geistvolle, vielseitige Herder wirkte auf den fünf Jahre jüngeren Freund im höchsten Grade anregend.„Ich ward", bekennt später der Dichterheros im Rückblick auf diese Zeit, „mit der Poesie von einer ganz anderen Seite, in einem anderen Sinne bekannt als bisher; es war kein Tag, der nicht aufs fnichtbarste lehrreich für mich gewesen wäre und fand mich täglich, ja stündlich zu neuen Ansichten befördert!" Als Beide einstmals vor dem Bilde des großen englischen Dichters Shakespeare standen und des gewaltigen Dichters originelle Geisteskraft bewundernd anerkannten, da haben sie sich, in ihrer Begeisterung, sympathisch fühlend, feierlich umarmt. Auf der Höhe seiner segensreichen Wirksamkeit stand Herder in Weimar, wohin er mit 32 Jahren als Hofprediger, Generalsuperintendent und Oberkonsistorialrat berufen war. Hier hat er an der Spitze des gesamten Kirchen= und Schulwesens die geistige und sittliche Blüte des Landes gezeitigt und behütet. Es bleibt Herders unvergängliches Verdienst, Tausende seiner Zeitgenossen wieder für die Kirche gewonnen, in den Geist des Christentums eingeführt und zu warmer, tiefer Begeisterung für alles echt Menschliche angeregt zu haben. Er war ein Prophet und Vertreter der wahren im Christentum begründeten Humanität. Die Wiederherstellung des Menschen zu dem Ebenbilde Gottes ist das Ziel alles seines Strebens und Wirkens gewesen. Die Worte:„Licht, Liebe, Leben,“ mit denen der Großherzog Carl August im Jahre 1819 die Gedächtnistafel für Herders Grab in der Stadtkirche zu Weimar schmückte, bezeichnen treffend den Inhalt seines Denkens und Handelns. Eine Katzengeschichte. Theodor Storm. Vergangnen Maitag brachte meine Katze Zur Welt sechs allerliebste kleine Kätzchen, Fürwahr, es war ein zierlich Wochenbettchen! Maikätzchen, alle weiß mit schwarzen Schwänzchen. Die Köchin aber— Köchinnen sind grausam, Und Menschlichkeit wächst in einer Küche— Die wollte von den Sechsen fünf ertränken, Fünf weiße, schwarzgeschwänzte Maienkätzchen Ermorden wollte sie, dies grausam Weib. Ich half ihr heim!— der Himmel segne Mir meine Menschlichkeit! Die lieben Kätzchen Sie wuchsen auf und schritten binnen kurzem Erhobnen Schwanzes über Hof und Herd: Ja, wie die Köchin auch ingrimmig drein sah, Sie wuchsen auf und nachts vor ihrem Fenster Probierten sie die allerliebsten Stimmchen. Ich aber, wie ich sie so wachsen sahe, Ich pries mich selbst und meine Menschlichkeit.— Ein Jahr ist um, und Katzen sind die Kätzchen, Und Maitag ist's, wie soll ich es beschreiben, Das Schauspiel, das sich jetzt vor mir entfaltet! Mein ganzes Haus, vom Keller bis zum Giebel, Ein jeder Winkel ist ein Wochenbettchen! Hier liegt das eine, dort das andre Kätzchen, In Schränken, Körben, unter Tisch und Treppen. Und jede, jede von den sieben Katzen Hat sieben, denkt euch! sieben junge Kätzchen, Maikätzchen, alle weiß mit schwarzen Schwänzchen. Die Köchin rast, ich kann der blinden Wut Nicht Schranken setzen dieses Frauenzimmers; Ersäufen will sie alle neunundvierzig! Mir selber, ach, mir läuft der Kopf davon— O Menschlichkeit, wie soll ich dich bewahren! Was fang' ich an mit sechsundfünfzig Katzen! Veimischtes. *(Dem Tode des Erfrierens geweiht.) Nach einem amtlichen Bericht hat sich in den russischen Gouvernements Ssamara und Ohrenburg, wie man schreibt, eine neue Sekte gebildet. Die der, Sekte Beitretenden werden vor einem Heiligenbilde vereidigt, wobei sie geloben, das Geheimnis der Sekte zu wahren, weder Vater noch Mutter zu hören und nur die„Gebote des lebendigen Gottes“ zu erfüllen. Die Sekte zeichnet sich durch Unduldsamkeit und großen Glaubenseifer aus. Der Bericht führt einen Fall von Selbstmord einer ganzen, der Mormonensekteangehörenden Familie an, der im Dorfe Danitowka, Gouvernement Ssamara stattfand. Ein Bauer des Dorfes, der eine Tat der Selbstverleugnung zu verüben und die Märtyrerkrone zu erlangen wünschte, weihte sich und seine aus drei minderjährigen Kindern bestehende Familie dem Tode durch Erfrieren. Sie wanderten zusammen auf ein Feld in der Nähe des Dorfes und begruben sich dort im Schneehaufen. Durch gerichtsärztliche Untersuchung wurde festgestellt, daß sämtliche Umgekommenen freiwillig in den Tod gegangen waren. Solche Taten pflegen in Rußland einer neuen Sekte gleich Scharen von Anhängern zuzuführen. *( S c h l a g f e r t i g k e i t) i s t e i n e d e r w i c h t i g s t e n T u g e n d e n des politischen Redners, schreibt eine englische Zeitschrift, die ein paar sehr hübsche Beispiele dafür anführt.„Heraus mit der Sprache!“ brüllte bei einer Versammlung der Wähler Sir Frank Lockwoods, ein Mann mit schlechten Manieren,„heraus mit der Sprache, wir können Sie nicht hören!"„Ich dachte“, entgegnete der witzige Rechtsanwalt,„daß die Ohren des Herrn, der mich unterbricht, lang genug sind, um mich auch in einer viel größeren Entfernung zu hören.“ Aber auch Lockwood fand seinen Meister. Ein Zeuge erklärte bei einem Fall, bei dem es sich um den Diebstahl eines Esels handelte, er hätte aus der Entfernung gesehen, wie das Tier abgeführt wurde. Da erklärte Lockwood mit strenger Miene:„Lassen Sie sich warnen, mein Herr, vorsichtig in ihrer Aussage zu sein. Wollen Sie mir sagen, in welcher Entfernung Sie glauben, einen Esel so deutlich sehen zu können, um ihn zu erkennen?"„Nun“, antwortete der Bauer,„etwa gerade so weit, wie ich von Ihnen entfernt bin.“ Vor einiger Zeit sprach ein bekannter Politiker, der sich seiner einfachen Abstammung nicht schämt, verächtlich von den Menschen, die von den Verdiensten ihrer Vorfahren leben.„Das würden Sie auch tun,“ unterbrach ihn ein Mann aus dem Publikum, „wenn Ihre Vorfahren nicht aus der Gosse stammten“ — worauf der Redner ruhig erwiderte:„Ich bin auf meine Vorfahren, die aus der Gosse stammen, mindestens eben so stolz, wie mein Freund auf seine Vorfahren, die vom Baum herabstiegen, nur sein kann.“ Eine niederschmetternde Zurechtweisung erteilte der amerikanische Pastor Corwen einem Mann, der immerfort rief:„Lauter, lauter!“ Endlich unterbrach sich Corwen und sagte, zu dem Betreffenden gewandt:„Am letzten Tage, wenn Himmel und Erde vergehen, wenn Gott der Vater auf seinem großen Throne sitzt und die himmlischen Heerscharen sich zu Tausenden recht und links von ihm aufstellen, wenn der Erzengel in die Posaune stößt, die die Gräber öffnet und die Toten erweckt,— dann wird man einen Esel aus Buffalo schreien hören:„Lauter, lauter!“ Sir Patrick Brien gehörte zu den schlagfertigen Iren, die je das Unterhaus entzückten. Einmal sprach er im Unterhaus von einem Mitglied„als der jungen Seeschlange aus County Clare.“„Zur Ordnung!“ rief der Speaker streng.„Dann will ich die Seeschlange zurückziehen und dafür das ehrenwerte Mitglied für County Clare sagen," fuhr Sir Patrick mit einer höflichen Verbeugung zum Speaker fort. Vor kurzem ging ein Pfarrer in Suffolk durch die Felder und kam zu einem Zauntor, wo ein Bauernjunge, der seine Sonntagsschule besuchte, ein substantielles Frühstück genoß, das aus Schweinefleisch und Brot bestand. Da der Junge sich nicht rührte, um dem Geistlichen Platz zu machen, sagte der letztere streng:„Ich glaube, Du bist besser genährt, als unterrichtet."„Ja, das ist sehr wahrscheinlich,“ antwortete der Junge grinsend,„denn Sie unterrichten mich und ich ernähre mich selbst.“ Eigener Depeschendienst der„Schwerter Zeitung"“. IId Berlin, 17. Dez. Wegen Soldatenmißhandlungen in 1520 Fällen und wegen vorschriftswidrigen Verhaltens in 100 Fällen wurde der frühere Unteroffizier Otto Franzki vom Infanterie=Regiment Nr. 85 vom Kriegsgericht in Rendsburg zu einer Gesamtstrafe von fünf Jahren Gefängnis und zur Degradation verurteilt. In dem Urteil sprach das Kriegsgericht aus, daß der Angeklagte mit der„Brutalität eines Ochsenknechts" gehandelt habe, obgleich es an der nötigen Beaufsichtigung seitens der Vorgesetzten nicht gefehlt habe. Hd London, 17. Dez. Der„Sk. James Gazette" zufolge soll der am 10. d. Mts. verstorbene Erzbischof von Valenzia, Herrero, in seinem Testament 50000 Pesates für denjenigen spanischen General ausgesetzt haben, dem es zuerst gelinge, auf amerikanischem Boden ein genügend starkes Heer zu landen, um die spanischen Niederlagen auf den Philippinen und Cuba zu rächen. Id Innsbruck, 17. Dez. Das Villgratental wird von heftigen Schneestürmen heimgesucht. Große Schneemassen verhindern den Verkehr. Zahlreiche Arbeiter sind aufgeboten, die Straßen frei zu halten. Viele Bewohner wagen sich nicht aus den Häusern. Der Schnee liegt über .3 Meter hoch. IId Newyork, 17. Dez. Panama ist bereit, ein Drittel der Summe, die es für den Kanal von Amerika erhält, an Kolumbien abzugeben, jedoch unter der Bedingung, daß sie nur für ausländische Gläubiger verwandt wird. Wetterbericht. 18. Dezember: Kälter, wolkig, teils heiter, teils Niederschläge. Verantwortlich für den redaktionellen Teil Wilh. Schade. ZanaLanaal. Berce S Grosser Weihnachts-Ausverkauf.## Wit gewähren im Weihnachts-Ausverkauf auf sämtliche Artikel einen 10 P und zwar dergestalt, daß für 10 Prozent der bei uns Waren nach freier Wahl gratis zugegeben werden. Anerkannt grösste Auswahl Damen- und Kinder-Konfektion, 0 K l e i d e r s t o f f e n 0 und sämtlichen Manufakturwaren. * Beschil. Becker, Ichuerte = Grösstes Geschäftshaus am Platze für Damenmoden. Fernsprecher Nr. 29. Fernsprecher Nr. 29. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme beim Hinscheiden meines lieben Sohnes, unseres guten Bruders, Schwagers und Onkels, sagen wir allen Freunden und Bekannten, sowie sämmtlichen Vereinen auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Schwerte, den 17. Dezember 1903. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wwe. Krämer. Beinleiden aller Art, auch veraltete, werder g. wissenh behandelt nachbewährter „Ozol-Meth Dr. med. Strat!“ im Institut Dortmund, LangStraße 47, Straßenbahnhalte stelle„Wallhalla“. W. Niewels, Naturheilkundiger. Rechnungs-Formulare zu haben bei Cart Ein gewaltiger Fortschritt ist die Waschmaschine. System„Krauss“ D. R. G. M. Eine kleine, bessere Familie sucht eine Wonnung von 4—5 Zimmern auf sosort im Mittelpunkt der Stadt, abgeschlossene Etage bevorzugt. Zu erfr. in der Geschäftsstelle d. Z 1 schöne Wohnung auf sofort oder später zu vermieten. W Lehmhaus, Teichstr. 5. Prosgeht graite. 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