Aimrüches Rreiseicnt Insertionsgebühr für lokale Anzeigen, die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., außerhalb 15, Reklame=Zeile 40 Pfg., Druck und Verlag von Carl Braus in Fernsprech=Anschluß Nr. 62. Amt Schwerte. Telegr.=Adresse Braus, Schwerte=Ruhr. alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche Kraft. Abonnementspreis pro Quartal 1 Mark 65 Pfg., excl. 42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Komiltentreund! Nr. 278 Frankreich und die Friedensidee. Wir haben immer das Gefühl, als ob Frankreich seine innersten Empfindungen verheimlicht, wenn es in die Friedensschalmaien seiner Freunde einstimmt, wenn es mit Rußland den Frieden preist und sich mit England und Italien zur Aufrechterhaltung des Friedens in schwungvollen Tiraden verpflichtet. Und daß den Franzosen in Wirklichkeit an nichts weniger, als an dem dauernden Frieden gelegen ist, das hat die jüngste Debatte in der Pariser Deputiertenkammer wieder einmal handgreiflich bewiesen. Der Minister des Auswärtigen, Delcassé, schloß eine lange Rede über Frankreichs Auslandspolitik, die in allen schwebenden politischen Fragen der größten Zuversicht Raum gab, mit den bezeichnenden Worten: Was die Abrüstungsfrage betrifft, so begreifen Sie, daß Frankreich damit nicht den Anfang machen kann. Wesentlich deutlicher wurde der folgende Redner, der radikale Replublikaner Leygues. Er betonte, daß auf dem Rouener Friedenskongreß auf Wunsch der deutschen Delegierten die Abrüstungsfrage von der Tagesordnung abgesetzt wurde. Auf sozialdemokratischer Seite erhebt sich darauf großer Lärm. Leygues fuhr fort: Wir leiden ebenso sehr wie Sie(zu den Sozialisten) unter dem bewaffneten Frieden. Die Mitglieder der äußersten Linken sprachen hier von wirtschaftlichen Interessen. Vergessen Sie nicht, daß am Tage nach unserm Unglück Deutschland seinen wirtschaftlichen Aufschwung nahm. Wir wollen friedliebend sein, aber die Hand am Degen behalten. Vergessen wir nicht, daß Macht allein die Schutzwehr der Ehre und der Freiheit ist. Noch charakteristischer war, was der nächste Redner, der Sozialist Paul Castans, im Namen seiner politischen Freunde erklärte, indem er sagte, daß auch er gegen die Verstümmelung sei, die man Frankreich im Jahre 1870/71 angetan habe; er habe aber das Recht, von einer internationalen Verständigung die Rückgabe Elsaß=Lothringens an Frankreich zu erwarten.„Das Recht zu erwarten wollen wir den französischen Sozialisten nicht streitig machen, nur sollen sie sich das Warten nicht zu lang werden lassen, denn für absehbare Zeit hat das Rezept so wenig Aussicht auf Erfolg, wie das der säbelrasselnden Revanchemänner. Aus alledem aber ergibt sich für uns aber wieder die gute Lehre: Unser Pulver jederzeit trocken zu halten! Politische Uebersicht. Die Einnahmen der preußischen Staatsbahnen haben im letzten Monat eine Höhe erreicht wie sie in mehreren Jahren in keinem Monat festgestellt worden ist: 136 Mill. Mk. oder 7,97 Mill. mehr. Die gesamten Einnahmen betrugen in den ersten siehen. Sinnsprüche. 905½ Mill., was einei Ueberschuß von 49,13 Mill. Mk. bedeutet. Eisenbahnversuchsfahrten mit großer Geschwindigkeit werden gegenwärtig vom Verein deutscher Bahnverwaltungen auf verschiedenen Strecken des Reichs veranstaltet. Es sind nach der„Post“ Geschwindigkeiten bis 100 Km. in der Stunde erreicht worden. Die Züge bestanden aus einer Schnellzugslokomotive und vier Personenwagen. Im letzten Wagen, der erfahrungsgemäß Schwankungen und Stößen am meisten ausgesetzt ist, waren Instrumente aufgestellt, die alle Bewegungen des Wagens selbsttätig aufzeichneten. Zur Sicherheit wurde das im letzten Beobachtungswagen stationierte Personal mit dem Personal der Maschine telephonisch verbunden. Es läßt sich jetzt schon sagen, daß einer allgemeinen Erhöhung der Geschwindigkeit nichts mehr im Wege steht. Die Heimkehr unserer Südpolarexpedition. Wie aus Kiel berichtet wird, ist das deutsche Südpolarschiff „Gauß" wohlbehalten in der Holtenauer Schleuse angekommen. Am Mittwoch fand an Bord eine Begrüßungsfeier statt. Vom Reichsamt des Innern war Unterstaatssekretär Dr. Hopf erschienen, der die Mitglieder namens der Staatsregierung begrüßte. Prof. von Drygalski dankte und schilderte in kurzen Zügen den Verlauf der Fahrt. Der Rektor der Kieler Universität Prof. Baumgarten hieß die Mitglieder im Namen der Universität, der Stadt und der Bürgerschaft willkommen, Prinz Heinrich von Preußen unterhielt sich längere Zeit mit dem Führer und besichtigte die inneren Räume des Schiffes. Abends war Festmahl im Gasthaus Düsternbrook. Die Expedition war am 11. August 1901 von Kiel ausgefahren und hat, wie bekannt, ein glänzendes Ergebnis gehabt. Der soeben zum Präsidenten des Evangelischen Oberkirchenrats ernannte Präsident des Landeskonfistoriums in Hannover, Oberkonsistorialrat Voigts, ist geborener Hannoveraner. Er war zuerst Gerichtsassessor, dann Landrat und Verwaltungsgerichtsdirektor. — Die Gräber von Langensalza sollen auf Veranlassung des Herzogs von Cumberland und, soweit die Angehörigen der Gefallenen nicht eintreten, auch auf seine Kosten erneuert werden. Der„Hann. Kourier" bemerkt zu dieser ihm zugehenden Meldung:„Der Inhalt der Mitteilung ist befremdlich. Denn Rechtsnachfolger des ehemaligen Königreichs Hannover, dessen Fürsorgedie Gräber von Langensalza anheimgefallen waren, ist der preußische Staat, und seine Behörden hättenr zeitig ihr Augenmerk darauf richten sollen, daß die Gräber wackere Kämpfer für ihr Vaterland nicht in Verfall gerieten. Aber abgesehen von dieser Ehrenpflicht des Staates sollten sich auch im Lande Hannover selbst Instanzen genug finden— wir denken an die provinzialen Selbstverwaltungskörper, die Geschichts= und vor allem die Kriegervereine— die eine ehrenvolle Erinnerung in Pietät zu pflegen bereit wären.— Es gibt in Hannover auch wohl Staatsbehörden, deren Pflicht sein wird, dafür zu sorgen, daß nichts neues Agitationswasser auf die welfischen Mühlen geleitet werde. —„Schmok Mehring“ nimmt nach einem im „Vorw. veröffentlichten Ukase des sozialdemokratischen Parteivorstandes seine Mitarbeiter an der„N. Zeit.“ wieder auf. Der Parteivorstand versichert, daß er seinen Beschluß gefaßt habe, nachdem er die gegen Mehring auf dem Dresdener Parteitage erhobenen Angriffe geprüft und auch die Erörterungen nach dem Dresdener Parteitage in den Kreis der Erwägungen gezogen habe. Es ware interessant, zu erfahren, ob der Parteivorstand sich auch in die sehr lesenswerte Broschüre von Professor Dr. Georg Adler:„Franz Mehring als Historiker“(Verlag von Lipsius und Tischer, Kiel und Leipzig) vertieft hat. In dieser Flugschrift findet man eine Reihe von amüsanten Gegenüberstellungen aus den zwei von Mehring verfaßten Geschichten der Sozialdemokratie. In der ersten hatte Mehring bekanntlich dieselbe Sozialdemokratie mit Stumpf und Stiel ausgerottet, die in der zweiten zu den Sternen erhob. Adler weist nun nach, daß Mehring sich die zweite Arbeit sehr leicht gemacht hat, indem er einfach sein altes Klischee nahm und aus„ja“„nein“ und aus„schwarz“„weiß“ machte. Ein echter Schmok kann schreiben rechts und kann schreiben links. Wir gratulieren der Sozialdemokratie zu dieser neugewonnenen schätzenswerten Kraft. So geht der sozildemokratische Froschmäusekrieg in allseitiger Harmonie aus. Nur ein anständiger Mensch, der frühere Pfarrer Göhre, blieb auf dem Platze. Oesterreich. = Die Lage in der Habsburgischen Doppelmonarchie ist nach wie vor so unerfreulich wie nur denkbar. In Wien herrscht der gewohnte heftige Streit zwischen Deutschen und Tschechen, in Budapest hat der Friede, der infolge des Tiszaschen Angriffs auf den Baron v. Koerber eingetreten war, nicht lange vorgehalten. Die Sitzungen tragen wieder einen ungemein stürmischen Charakter und die Obstruktion ist wieder oben auf. Bedenklicher noch als der Streit innerhalb der beiden Reichshälften ist aber die Uneinigkeit zwischen diesen beiden. Mag die Differenz zwischen den beiden Ministerpräsidenten immerhin geschlichtet sein, die Entfremdung der beiden Reichshälften besteht fort und wird mit jedem Tage schärfer. Dieser Umstand wird auch einmal von Einfluß auf die österreichisch=ungarische Wehrkraft und auf den Wert der Habsburgischen Monarchie als einer Dreibundmacht werden. Daß Oesterreich=Ungarn wegen seiner Uneinigkeit in wirtschaftspolitischen Fragen die größte Nachsicht derWohl geht der Jugend Sehnen Nach manchem schönen Traum, Mit Ungeduld und Tränen Stürmt sie den Sternenraum. Der Himmel hört ihr Flehen Und lächelt gnädig: nein, Und läßt vorüber gehen Den Wunsch zusamt der Pein. * Gott grüße dich! kein and'rer Gruß Gleicht dem an Innigkeit. Gott grüße dich! kein and’rer Gruß Paßt so zu aller Zeit. Gott grüße dich! wenn dieser Gruß So recht von Herzen geht, Gilt bei dem lieben Gott der Gruß So viel wie ein Gebet. Im Sturm. Novelle von E. Fahrow. (27. Fortsetzung.) „Erna! Göttin!“ sagte er. Und jetzt hatte seine Stimme wieder den vollen, dunklen Reiz, wie sonst. In bestrikkendem, warmen Wohllaut quollen die Worte von seinen Lippen. Aber dieser Klang hatte seine Macht über Erna verloren. Sie fühlte nichts mehr als eine Art stolzen Mitleids..748 4 6i6— Schilt „Selbst Dem Hohn andert nichts,“ luf er.„Schilt mich, schlage mich, wenn Du willst, aber laß mich hier. Ich weiß es, ich fühle es Dir ja ab, damals in Bozen, daß auch Du mich noch nicht vergessen hast..“ „Nein!“ unterbrach sie ihn jäh,„allerdings hatte ich Sie nicht vergessen! Das sollte mir auch schwer sallen! Man vergißt nicht den, der Einen tötlich beleidigt hat. Aber Sie sind mir jetzt vollständig gleichgiltig geworden, merken Sie sich das. Ob Sie einen pathetischen Auftritt aufführen, oder ein Wildfremder, das ist für mich dasselbe.— Sie haben mich mit meinem Verlobten gesehen,— haben Sie doch wenigstens so viel Schamgefühl, sich nicht zwischen uns zu drängen.“ „Ich kann nicht!“ rief er,„und ich will nicht! Ich liebe Dich ja! Hörst Du es denn nicht? Ich liebe Dich! — Und er glitt näher an sie heran. Erna fühlte ihre Kräfte schwinden. Es ward ihr schwarz vor den Augen, und ihr Herz jagte so wild auf und ab, daß sie zu ersticken fürchtete. Der Aufruhr in ihr war nur Mitleid und Angst, dessen war sie sich bewußt.— Sie durfte aber keine Minute mehr zögern,— der Mann hier war gefährlich... gig Eamm. „Bill!“ rief sie in die Nacht hmaus,„Eill komm hierher!“ Durch irgend einen elementaren Einfluß erloschen in diesem Augenblick die elektrischen Lampen im ganzen Ort. — Ein neuer, namenloser Schreck für das geangstigte Mädchen.— Mit einem wilden Laut der Furcht stürzte sie aus der Laube und in das prasselnde, krachende, heulende Unwetter hinaus. Richard Winter haschte nach ihren Kleidern, griff aber zum Glück fehl. In der nächsten Sekunde war er aufgesprungen und rannte hinter ihr her. Erna lief blindlings dem Dorf zu,— ihr war's, als höre sie nahende Schritte.66 In einem gelben Blitzstrahl, dem ein betaubender Donnerschlag folgte, sah sie Bill heraneilen. „Bill!“ schrie sie noch einmal auf,„Bill, zu Hilfe! Er warf den Schirm fort und fing, aufs äußerste erschrocken, das wankende Mädchen in seinen Armen auf. Zugleich tönte ein grimmiges Lachen aus Männermund an sein Ohr und zemand stürzte sich über ihn. Er drehte sich blitzschnell um und ließ zunächst Erna aus seinen Armen zur Erde gleiten, packte aber dabei zugleich den unbekannten Gegner. Ein kurzes Ringen entstand.— Winter seiner Stimme nicht mehr mächtig, hatte angreifen wollen, fühlte aber bald, daß er mit seiner eigenen Verteidigung genug zu tun habe.„ Bill war sehnig und statt, uvervies in jeder korperlichen Uebung erfahren. Nach zwei Minuten hatte er den anderen niedergeworfen und kniete auf ihm, einen Moment ratlos, ob er ihn durch einen Faustschlag unschädlich machen oder ihn mit seinem Plaidriemen binden solle.— Der Besiegte selbst machte seinem Zweifel ein Ende. Plötzlich ließen die Finger in ihrem krampfhaften Griff nach, der Körper ward schlaff und fiel zurück— eine Ohnmacht mußte ihn umfangen haben. Bill sprang auf und eitte wieder zu Erna hin, die inzwischen ihre Schwäche noch einmal bekämpft u. sich aufgerafft hatte.„ Mit einem schmerzlichen Aufschluchzen sank sie jetzt von neuem in Bills Arme. „Ach mein Gott!“ seufzte sie.„Bill— bist Du un„Ganz und gar, mein Lieb! Komm, komm, ich führe Dich jetzt ins Hotel zurück. Mein armes, liebes Herz, wie mußt Du Dich erschreckt haben!“ Ein Zittern überlief ihre Gestalt. „Ja,“ sagte sie.„Es war entsetzlich.“ „Wer war der Mensch? Was wollte er? „Es war der— der Schatten! Ich erzähle Dir Alles, komm' nur erst fort von hier!“ Unterstützt von Bills kräftigem Arm, schleppte sich Erna bis in das Hotel, wo Therese bereits in Sorge um sie war.— Aber die Aufregung war zu viel für ihre schon angegriffenen Nerven gewesen. Als sie in das hell jenigen Mächte bedarf, die mit ihm zu tun haben, das ist ein offenes Geheimnis und erst ganz neuerdings von dem ungarischen Handelsminister Hieronymi, in seiner Szetmaxer Wahlrede festgestellt worden. Bei der Neuwahr des Ministers kam es übrigens zu so schweren Ruhestörungen in Szetmar, daß zu deren Unterdrückung Militär herbeigerufen werden mußte. Kleine Chronik. — Ein Bombenattentat ist in Ardnig in Obersteiermark ausgeführt worden, indem eine Kiste mit Dynamit zur Explosion gebracht wurde. Es galt nach der Gcazer Tagespost dem Fabrikanten Janardelli und ist vermutlich ein Racheakt entlassener Arbeiter. Der stete 12 Menschen das Leben, während 8 Verletzungen davontrugen. — Von einer Tragödie auf hoher See wird aus Los Angelis in Nordamerika berichtet: Der erste Offizier des Hamburger Schiffes„Oktavia“ wurde sterbend ans Land gebracht. Der Segelmacher ist in Fesseln gelegt worden, da er des Mordes verdächtig ist. Nach dem Schiffsbuch sind auf der Fahrt drei Matrosen in die See versenkt worden. *+ Auf schreckliche Weise ist in Alsenborn(Bayern) ein 11jähriges Mädchen ums Leben gekommen. Es hatte dem Vater Geld veruntreut und schlüpfte aus Furcht vor Strafe in eine Kiste. Letztere konnte die Kleine aber, nachdem der Deckel ins Schloß gefallen war, nicht mehr öffnen, so daß sie verstickte. Die Leiche wurde erst nach mehreren Tagen entdeckt. Der Nachlaß des ermordeten Königs Alexander soll laut Meldung aus Belgrad bereits in nächster Zeit versteigert werden, die Yacht der Königin Draga aber erst im Januar. Das Schlafzimmer wird die Regierung ankaufen, um dessen etwaige Ausstellung zu verhindern. Hatte doch ein Amerikaner schon 300000 Fr. dafir, geboten. Der gute Mann wollte das Zimmer in den Hauptstädten Europas ausstellen. + Kolmar i. E., 26. Nov. Die Jägerkaserne brennt. Ein Flügel derselben, in welchem sich auch die Kleiderkammer befindet, ist bereits als verloren zu betrachten. Fortwährend hört man Patronen explodieren. + Wiesbaden, 26. Nov. Bei den Stadtverordnetenwahlen der dritten Klasse siegten die vereinigten bürgerichen Parteien mit 600 Stimmen Majorität gegen die + Berlin, 26. Nov. An der heutigen letzten diesjährigen Schnellfahrt der Studiengesellschaft für elektrische Schnellbahnen, bei welcher wiederum 200 Kilometer pro Stunde erzielt wurden, nahmen u. a. der diensttuende Generaladjutant des Kaisers, v. des Generalstabes, v. Schlieffen, und zahlreiche Offiziere des Generalstabes teil. Lokales. Schwerte, 27. November 1903. **(Evangelisch=sozialer Kursus in Dortmund.) Das Programm für den im Bürgerhause zu Dortmund am Sonntag den 10. und Montag den 11. Januar 1904 „Wie kann und soll die Sozialdemokratie bekämpft werden?" 1) Durch das Wort? A. Kirchberg, MülheimRuhr; 2) Durch die Schrift? Generalsekretär Barth, Eichlinghofen; 3) Durch Organisation? LummelEssen. Mittags ½12 Uhr: Einfaches Mittagsessen. Nachmittags: Besichtigung von Wohlfahrtseinrichtungen. **(Alle Haus= und Grundbesitzer) machen wir nochmals auf die heute abend im Saale des Hotels Ostermann stattfindende Versammlung der Haus= und Grundbesitzer zwecks Gründung eines Vereins aufmerksam. Die Zeit ist ernst und alle Stände schließen sich zu mehr oder minder festen Korporationen zur Wahrung und Vertretung gemeinsamer Interessen zusammen. Da kann man es auch den Grundbesitzern unserer Stadt nicht verdenken, daß sie nun anfangen wollen, das Wort zu veherzigen:„Einigkeit macht stark!“ nachdem in fast allen Nachbarstädten schon derartige Vereine segensreich wirken. Es ist eigentlich schwer zu begreifen, daß ein Hausund Grundbesitzerverein nicht längst in Schwerte besteht. *(Die Masern) treten seit einiger Zeit in unserer Stadt vielfach auf. In den Schulen, besonders in den teit die Prauthet jinß, und das setzt eingetretene klare Frostwetter dürfte der Krankheit wr twanh wochen. **(Arends'scher Stenographenverein.) Am Sams= tag, den 5. Dezember, feiert der Arends'sche Stenographen=Verein hier im Gasthof Ostermann(W. Engel) sein diesjähriges Winterkränzchen, verbunden mit der Geburtstagsfeier des Meisters Arends. Die Feier findet geschlossen statt, nur Eingeladene haben Zutritt. Die Feier besteht aus Konzert und Tanzkränzchen, eine kleine, seit Jahren schon veranstaltete Verlosung, wird sich anschließen. Bei der großen Beliebtheit, welcher sich der Verein und auch sein Fest alljährlich erfreut, ist auch in diesem Jahre auf einen guten Besuch zu rechnen. ben entseelt im Geleise liegen. Derselbe war, wie festgestellt wurde, zwischen die Puffer der Wagen geraten und erdrückt. Die hier recht beliebte Familie Bock verliert hiermit ihren einzigen Sohn. * Langendreer, 26. Nov. Rohe Tat. Als der Fuhrunternehmer Schmerfeld von hier gestern nachmittag mit seinem Fuhrwerk kurze Zeit vor der Wirtschaft Schlingermann in Laer hielt, haben rohe Burschen das Pferd **(Eine wichtige Entscheidung) hat nach Berliner Blättern der preußische Gewerbeminister über die Erhebung der Reinigungsgebühren durch die Bezirksschor####ne steinfeger getroffen. Danach soll es zulässig sein, vorzu- 1 Massenbestande schreiben, daß die Kehrlohne nur von den Hausbesitzern bevorrechtigte u eingezogen werden dürfen und daß die Forderung vonl derungen gegen Gebühren unter dem tarifmäßigen Betrage unzulässig ist. Schornsteinfeger, die diesen Vorschriften zuwider von den Mietern den Kehrlohn einziehen oder gegen einen niedrigeren als den taxmäßigen Lohn kehren, soll die Stelle eines Bezirksschornsteinfegers entzogen werden können. germann in Laer hielt, haben rohe Burschen durch funf Messerstiche am Kopfe arg verletzt. Das Fuhrwerk sowie das verletzte Pferd fand man diese Nacht in einer Wiese wieder. Den Tätern ist man auf der Spur. ner* Münster, 26. Nov. Eine magere Konkursquote. 9* Im Konkursverfahren über das Hotel Wieseler soll jetzt en eine Abschlagsverteilung erfolgen. Einem verfugbaren 314 Massenbestande von nur 8150 Mark stehen 82 Mark Lichtendorf, 27. Növ. Anschließend an unseren gestrigen Bericht über die Jubiläumsfeier des Herrn Gemeinde=Vorstehers Dieckerhoff hierselbst lassen wir nachstehend den Wortlaut des von dem Vollziehungsbeamten Herrn Lecking selbst verfaßten und gesprochenen schönen Gedichtes folgen: Verehrte Festgenossen: Wer treulich seine Pflicht erfüllet Und graden Wegs geht durch die Welt, Wer gern des Nächsten Kummer stillet, Mit dessen Haus ist's wohl bestellt Und wer sich niemals läßt beirren, Kein Anstoß nimmt an falschem Wahn, Nicht reizen läßt durch manche Wirren, Der wandelt auf der rechten Bahn. Dies Bild erscheint uns heut im Wesen In unserm teuern Jubilar, Der der Gemeinde auserlesen Gedient hat fünfundzwanzig Jahr; Der nur im treuen Wirken, Streben Genüge und Befriedigung fand, In seinem arbeitvollen Leben Stets treu uns war mit Herz und Hand. Der die Interessen der Gemeinde Gefördert hat mit Freud’ und Lust, Trug für den Freund wie für die Feinde Ein edles Herz in seiner Brust, Kam jedem liebevoll entgegen Und scheute niemals Müh und Plag, Laßt unsern Dank zu Fuß ihm liegen An seinem frohen Ehrentag! So nimm denn, teurer Jubilar, entgegen Den Dank, den wir Dir heute weihn. Mögst lang Du noch auf Deinen Wegen Mit Deiner Fürsorg' uns erfreu'n, Mög stets der gute Geist Dich leiten, Der Dir bisher gab Mut und Kraft: Der Geist, der auch in ferneren Zeiten Noch jede Tugend wirkt und schafft. Ja nochmals, teure Festgenossen, Das sei heut' unser Wunsch und Fleh'n: Daß wir noch lang’ und unverdrossen In unsrer Mitt' ihn wandeln sehn, Daß Fried' und Freud' ihm mögen blühen, Und Frohsinn wie zu dieser Stund. Und wie ihm unsere Herzen glühen, Soll ihn verkünden unser Mund. So lasset uns die Gläser heben In unserm heitern Festgewog: „Unser Jubilar soll leben, Ja, er soll leben dreimal hoch!“ Es braucht wohl nicht besonders hervorgehoben zu werden, daß die Festversammlung freudig in das Hoch einstimmte und dem Verfasser und Vortragenden rauschenden Beifall spendete. Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 26. Nov. Die Strafkammer verurteilte de von nur 8150 Mark stehen 82 Mark und 80532 Mark nicht bevorrechtigte Forderungen gegenüber. Für letztere wird also eine Konkursdividende von ganzen zehn Prozent herauskommen! * Essen, 25. Nov.(Blutvergiftung.) Vor einigen Tagen hatte am hiesigen Hauptbahnhof ein Handelsmann aus Bornheim, der an der Verlobung seiner hier weilenden Tochter teilnehmen wollte, das Unglück, mit einer Hand zwischen zwei der außergewöhnlich schweren Türflügel zu geraten und sich eine erhebliche Verletzung zuzuziehen. Jedenfalls hat der Mann auf die Wunde nicht genügend Obacht gegeben, denn bald stellte sich Blutvergiftung ein und heute ist er unter gräßlichen Schmerzen gestorben. * Barmen, 26. Nov. Der„Barmer Verkehrsverein“ hatte in einer Eingabe an den Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten auf den Rückgang des Fremdenverkehrs in Deutschland und speziell am Rhein und auf den gleichzeitigen Aufschwung dieses Verkehrs im Auslande hingewiesen. Gleichzeitig unterbreitete der Verein Vorschläge zur Besserung der Verhältnisse. Auf diese Eingabe ist nunmehr folgende Antwort des Ministers eingelaufen: „Dem Verein danke ich bestens für die gefälligen Mitteilungen in der Eingabe vom 4. v. M. Ich habe die Königlichen Eisenbahndirektionen angewiesen, den Verein bei seinen Bestrebungen tunlichst zu unterstützen, bedaure indes, daß mir Geldmittel zu diesem Zwecke nicht zur Verfügung stehen.“ * Elberfeld, 25. Nov.(Es ist nichts sofeinge sponnen.) Die in dem Hause Engelsbergerhof bei Ohligs wohnende schon betagte Witwe Gerhard Schmitz hatte im Jahre 1900 von ihrem verstorbenen Bruder annähernd 6000 Mk. geerbt. Da sie bis dahin in recht dürftigen Verhältnissen gelebt hatte, machte sie von einem Teil des Geldes Anschaffungen, den Rest brachte sie zur Walder Bank. Auch von diesem Rest verbrauchte sie nach und nach, bis die Summe auf 3050 Mk. zusammengeschmolzen war, dann ließ sie sich die ganze übrig gebliebene Summe auszahlen und verwahrte sie in ihrer W ung in einer verschließbaren eichenen Eihezger Heigharh deren Seite des Hauses wohnte der Schleifer#urd Schaaf mit seiner aus neun Köpfen bestehenven Famitie. Dem Mann wird nicht nachgerühmt, daß er besonders fleißig sei, man sagt vielmehr, daß er stark der Schnapsflasche huldige. Am 18. Oktober d. J. brach während der Abwesenheit der Wwe. Schmitz— sie war nach Hilden gefahren— in dem Hause plötzlich Feuer aus. Dasselde griff so schnell um sich, daß das ganze Gebäude bald in einen Schutthaufen verwandelt wurde. Nachdem das Feuer gelöscht war, wurde nach der Geldkiste der Frau Schmitz gesucht. Man fand sie auch, sie war aber geöffnet und ihres Inhalts beraubt worden. Da dies nicht während oder nach dem Brande geschehen sein konnte, entstand der Verdacht, daß jemand einen Einbruch bei Frau Schmitz verübt und darnach, um die Spuren zu verwischen, das Haus vorsätzlich in Brand gesetzt habe. Der Verdacht fiel schließlich auf den gestrigen Angeklagten Schaaf, ihm war bekannt, daß Frau Sch. das Geld zu Hause aufbewahrte. Er war kurz vor Ausbruch des Brandes und auch noch während desselben in dem Zimmer, in dem das Feuer entstanden war, gesehen worden, und er leugnete dies, er hatte auch, obwohl er seine Siebensachen nicht versichert hatte, auch nicht eine Hand zur Rertung gerührt, hate vielmehr andere Leute, die retten wollten, davon mit der Bemerkung:„Laßt doch brennen, was heute einen Zimmergesellen polnischen Namens wegen Majestätsbeleidigung zu neun Monaten Gefängnis. Nebrennen will,“ abzuhalten versucht, und auch dies später bestritten. Man stellte ihn schließlich wegen Einbruchsbiebstähls und gericht. Ruch gestern leugerleuchtete Zimmer trat, wo die Freundin ihr besorgt entgegeneilte, löste sie sich von Bill los, schaute mit einem verstörten Lächeln um sich und fiel dann besinnungslos Bill ging,— da Therese ihn aus dem Zimmer schickte,— noch einmal nach der Stelle zurück, wo der kurze en Die elektrischen Lampen funktionirten wieder und das Gewitter hatte ebenso plötzlich nachgelassen, wie es Die Gestalt des Niedergestreckten lag noch regungslos auf ihrem Platze, aber Menschen sammelten sich be„Er muß krank sein,“ sagte Jemand, der ihm die Stirn befühlt hatte... Jedenfalls hat er hohes Fieber. Niemand wußte Antwort darauf, am wenigsten Vill, der jetzt die Reihen der Umstehenden durchbrach und den Ohnmächtigen berngechiag folgt.) diebstahls und vorsätzlicher Brandstiftung unte und gestern vor das Schwurgericht. Auch gestern leugiete er hartnäckig, wurde jedoch durch die Beweisaufnahme so schwer belastet, daß die Geschworenen ihn schulNt auf) dig erklärten. Das Gericht verurteilte ihn darauf zu Diese 13 Jahren und 6 Monaten Zuchthaus, sprach ihm die bür19 des V###rlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre ab und erklarten seine Masestätsbeleidigung zu neun Monaten Gefägguis. ben den beleidigenden Aeußerungen über die Person des Kaisers hatte er u. a. gesagt:„Wenn ich als Soldat einen Krieg mitzumachen hätte, dann würde ich nich, auf die Feinde, sondern auf die Deutschen schießen. Diese Juhren und 6 Monaten Zuchthaus, sp Aeußerung veranlaßte das Gericht, uber den Antrag((gertachen Eztentarste uuf u Sin#5 und Staatsanwalts, der sechs Monate beantragt hatte, hin= Stellung unter Polizeiaufsicht zur zulässig. 5ö1gezen. Bund In dm#u# i 8 Neuß, 26 Nov In Herdt sind in * Brackel, 26. Nov. Graßlicher Funo. In der Weide des Herrn Westermann im Westerholz fand man eine stark in Verwesung übergegangene Leiche. Diese hing an einem Baume. Dem Vernehmen nach soll es die Leiche des Arbeiters Stanislaus Piotsowitsch sein. Er wurde im vergangenen Sommer in dem Augenblick verscheucht, als er dabei war, seiner Frau den Hals durchzuschneiden. Er entfloh und man hatte bis dahin nichts mehr von ihm 2 Bochum, 26. Nov. Die Kirchenvorstandswahlen in Recklinghausen endigten nach dreitägiger Wahlschlagt mit dem Siege der deutscheg, atholiken. Die derg# Katholiken vereinigten auf sich 970 Stinimen, die Poien Nruß, 20. Rod. In Geerbr#me in der vergangeverhütet. Von den Tätern fehlt jede Spur. Vermischtes. 1(Berliner Leben.) Vor der Berliner Strafkammer trunkenen Manne mit heißen Kakao das brüht hat. Sie bedauerte die Tat und der Mann er „Ick vertrage mir mit Muttern wieder janz jut, ick nehme den Sioge be beuichen, Auheal, eng, bis Hage- die Alage zurich iK ianm ach afe Strife fehregzi. e Sotchoalten prenigeg aut sch uich eun. gaasfolgte Fresprechung, Arm im arm vertagen ue Eheler 606. Es haven 60 krozent der Wählerschaft ihr Wouyr, te dag Gerichtsgepause. recht ausgeübt., Die Wahlen waren bekanntlich Zurchste vus vrt.... 14 54 dur wahridie bischofliche Behörde kassiert worden, weil die Polen die deutschen Katholiken an der Ausavung des Wahlrechts verhindert hatten. * Langendreer, 26. Nov. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern Abend im hiesigen Bahnhof. Der 1(Unbeschreibliche Aufregung) rie bei der Madridie das Tragen be Abn eben be,„ Aer auf aibe, Aadhnun, ür den Ceufaungse Preieieun Gerden ulen. Saste fand man densel=wollen im Theater den Zylinderhut aufsetzen und durch gegangen sein. Pau darf auf die weitere Entwickelung der Dinge und darauf, wer Sieger bleiben wird, gespannt sein. 1 Hilchenbach, 25. Nov. Die niederdeutsche blütigkeit hüllt sich gern in ein Schelmengewand. Wir lesen folgendes in der„Hilchenb. Ztg.:„Pasters" lassen ihren Hof neu pflastern. Als der erste Akt des schweren Werkes, das Aufreißen des alten Pflasters, glualich beendigt ist, machen die Arbeiter eine Frühstückspause. Der neugierig aus dem Fenster zuschauenden Frau Pastor fällt dabei namentlich ein Arbeiter auf, der von einer prächtigen Schlackwurst fortwährend machtige Stücke absäbelt. Um ihn auf seine sündliche Ueppigkeit aufmerksam zu machen, ruft die würdige Dame endlich herab: „Aber lieber Mann, was essen Sie da für eine Wurst zum Frühstück! So eine ißt ja mein Pastor nicht einmal! „Denn is he lecker!“ kommt es von unten zurück.— Nach dem Frühstück wird mit frischen Kräften an die Neupflasterung gegangen und am Spätnachmittage kommen die Rammen in Tätigkeit. Mitten in dem ohrbetäubenden Lärm öffnet sich das Fenster wiederum und Pog# der Frau Pastorin ertönt zum zweitenmale: 9.5e was macht Ihr da für einen Larm: Das kann ja mein Pastor nicht hören!“. Und in Chorus schallt es zurück:„Denn is he doow(taub)!“ 1(Treue eines Pferdes.) Einen rührenden Beweis treuer Anhänglichkeit hat ein Pferd des Bauern Schulz zu Wulkow bei Alt=Ruppin geliefert. Schulz hatte das Pferd mehrere Jahre im Besitz und verkaufte es vor einiger Zeit an den Schlächter Weger in Alt=Ruppin. Als dieser mit dem Pferde eine Ausfahrt machte, ging es durch, sodaß der Wagen an einem Baume zerschellte. Nun stürmte das Pferd die Straße nach Wulkow hinauf, eilte zunächst auf den Acker des Bauern Schulz und sodann nach dessen ihm wohlbekannten Gehöft. Nachdem es sich hier durch fröhliches Wiehern vor dem Hoftore bemerkbar gemacht hatte, wurde es eingelassen und in den Stall gebracht. Als der benachrichtigte Schlächter kam, um es zurückzuholen, wollte das Pferd durchaus nicht aus dem Stalle und es bedurfte der größten Anstrengung dreier Männer, das Tier zum Verlassen des liebgewordenen Ortes zu veranlassen. Sichtlich betrübt folgt es schließlich seinem neuen Herrn nach dessen Wohnsitz zurück. (Die Klage der Lorelei.) Der Meldung: auf dem Loreleifelsen am Rhein sollte ein Lorelei=Denkmal in Marmor errichtet werden, widmet der„Kladderadatsch" folgende Verse: „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, Daß man in aller Still' Das Märchen aus alten Zeiten In Marmor aushauen will. Ich saß so bequem doch hier oben Und kämmte so manches Jahr, Vom Abendglanz umwoben, Mit goldnem Kamme mein Haar. Nach Herzenslust durft' ich singen, gnädigst, euch des Abends vorher, als am 16. November d. J., in Sternberg einzufinden und nach gebührender Anmeldung am folgenden Tage die in Unserm Namen euch zu eröffnenden Propositionen, deren Inhalt hineben beigefügt ist, zu erwarten, der gemeinsamen Beratschlagung darüber beizuwohnen und ohne erhebliche Ursache vor erfolgtem förmlichen Landtagsschlusse euch nicht von dannen wegzubegeben. Ihr tut nun solches oder nicht: so sollet ihr dennoch zu allem dem, was von den Anwesenden gehörig wird beschlossen werden, gleich andern Unsern gehorsamsten Landsassen und Untertanen verbunden und gehalten sein. Hieran geschieht Unser gnädigster Wille. Schwerin. Friedrich Franz, G. H. v. M.— F. von Dewitz. *(207 Kilometer in der Stunde und— der Postwagen.) Man erzählt der„Tägl. Rundsch.": Ein alter Freund unserer Familie, der vor ein paar Jahren mehr als achtzigjährig starb, pflegte wieder und wieder ein paar Jugendgeschichten zu erzählen, Das Hauptstück darunter war die folgende: Als er ein zehnjähriger Knabe war, vollzog sich in seinem westfälischen Heimatskreise ein großes Ereignis: Es wurde eine Postverbindung zwischen B. und St. geschaffen. An unserem Vaterstädtchen O. führte sie etwa 1½ Stunden vorbei. Der denkwürdige Tag der Eröfnunng kam heran, und ein biederer Bürger von O. ließ es sich nicht nehmen, hinauszupilgern, um die Post vorbeifahren zu sehn. Als der Zeuge der außerordentlichen Begebenheit wieder heimkam, umstand ihn alsbald ein Haufe Neugieriger. Und er erzählte:„Jungens, dat gang der für(das ging dermaßen durch), dat umen orndtlich schwindlich wurde!“ gebungen, als sie, begleitet von ihren beiden Töchtern und ihrem kleinen Sohne vor dem Gerichtsgebäude vorfuhr, um Geld und Briefschaften, die sich noch bei Gericht befanden, abzuholen. Der Wagen wurde von einer hurrahrufenden Menschenmenge umringt. Bei der Abfahrt wiederholten sich die Kundgebungen. Hd Berlin, 27. Nov. Das„Berl. Tgbl.“ veröffentlicht ein Interview mit der Gräfin Kwilecka. Dieselbe bleibt noch zwei Tage in Berlin und fahrt dann zu einem ihrer Brüder, auf dessen Besitzungen in Posen. Später gedenkt sich die Gräfin in Berlin nieder zu lassen. Etwa 200 Glückwunsch=Telegramme sind bei ihr eingelaufen. Graf Hektor Kwilecki hat vorgestern an Justizrat Wronker ein Schreiben gerichtet, in welchem er erklärt, daß er durch den Gang der Prozeßverhandlungen zur Einsicht gelangt sei, auf Grund von ihm nicht zu beweisender Tatsachen seine Verwandte beschuldigt zu haben. Er hoffe, daß die beteiligten Personen seinen Irrtum entschuldigen werden. Hd Berlin, 27. Nov. Nach einer Meldung aus Breslau wurde in Strehlen ein entlassener Hilfsbahnwärter verhaftet, weil er einen Güterzug zum Entgleisen bringen wollte. Hd Berlin, 27. Nov. Die auf dem Bahnhofe Stralau=Rummelsburg gleichzeitig mit ihrem Vater und ihrem Bruder von einem Zuge überfahrene 4jährige Wally Maskiewisz ist ihren schweren Verletzungen im Krankenhause erlegen. Das gab einen mächtigen Klang; Hoch ließ es die Wellen springen, Auch manches Schifflein zersprang. Nun soll ich aus marmorner Kehle Begrüßen den funkelnden Rhein, Und sind mir doch Herz und Seele Gebannt in den frostigen Stein. Die Schönste seit uralten Tagen Nun war ich's die längste Zeit, Bin Stein ich erst, werden sie sagen: Zu schwammig, zu fett und zu breit! Drum klag' ich im Abendrotscheine: O wär' doch erst alles vorbei, Vorbei diese häßliche, kleine, Erbärmliche Philisterei! Schon dämmerte weithin die Ferne, Da seufzte sie tief und verschwand, Und einsam blickten die Sterne Herab auf das dunkelnde Land. 1(Juwelendiebe nach amerikanischem Muster.) ReicheBeute machten Juwelendiebe, die in der Nacht das Geschäft von H. Delfs in der Bellealliancenstraße in Berlin heimsuchten. Neben dem Laden und der Werkstatt dieser alten Juwelen= und Uhrenhandlung steht jetzt im ersten Stock eine Wohnung leer. Diese erbrachen die Diebe und versuchten nun, nach amerikanischem Muster durch die Decke zu den Vorräten zu gelangen. Nachdem sie einen Teil des Stabfußbodens abgehoben hatten, entfernten sie säuberlich die Füllung und bohrten ein mannsbreites Loch aus der Verschalung heraus. Dann aber stießen sie auf einen Balken, der ihnen unüberwindliche Schwierigkeiten bereitete. Um nun nicht noch einmal an einer anderen Stelle vergeblich zu arbeiten, gaben sie diesen Weg auf, gingen in den Hausflur hinab und brachen hier die eiserne Tür der hinter dem Laden gelegene Werkstatt heraus. Darauf erbrachen sie mit den Werkzeugen des Juweliers die Vorlegeschlösser der Zwischentür und gelangten so in den Laden. Nachdem sie sich für den Fall einer Ueberraschung den Rückzug gesichert hatten, indem sie ein Werkstattfenster am Hofe öffneten, räumten sie ein das Schaufenster und einen Teil des Ladens aus, packten für 15000 Mark Armbänder und Ringe mit Brillanten, goldenen Uhren usw. ein und verschwanden mit der Beute, indem sie die Haustür mit einem Nachschlüssel öffneten. In der leeren Wohnung fand man am nächsten Morgen einen Becher, den sie mitzunehmen vergessen hatten. 1(Aus der guten alten— Neuzeit.) Unter diesem Schlagwort reproduziert die„Köln. Ztg. den Erlaß, mit dem der Landtag in Mecklenburg=Schwerin, wie üblich, einberufen worden. Das amüsante Schriftstück lautet: Friedrich Franz, von Gottes Gnaden Großherzog von Mecklenburg, Fürst zu Wenden, Schwerin und Ratzeburg, auch Graf zu Schwerin, der Lande Rostock und Stargard, Herr usw. usw. Wir fügen euch hiermit gnädigst zu wissen, daß Wir die Haltung eines allgemeinen Landtages beschlossen haben, und daß derselbe am 17. November d. J. in Sternberg eröffnet werden soll. Gleichwie Wir nun solchen Landtag Landes=Fürstlich ausgeschrieben haben wollen: so befehlen Wir euch andurch Im Verlag von Clauß& Feddersen in Hanau ist soeben ein Werk erschienen:„F. A. Feddersen, Erzählungen eines Dorfpredigers. Bilder und Skizzen vom Lande.“ Preis broch. 1,50, geb. 2,50 Mark, das uns einen Landgeistlichen alten Stiles vorführt, der mit beiden Füßen auf dem Dorfgrunde und mitten unter seinen Pfarrkindern stehend an den Leiden und Freuden derselben herzlich Anteil nimmt und alles zum Besten kehrt. Eine große Fülle landwüchsiger Charaktere, große und kleine, arme und reiche, kluge und einfältige Leute, die in einer Beziehung zum erzählenden Dorfprediger gebracht werden, ziehen, humorvoll beleuchtet, an dem Leser vorüber. Das Ganze kann als„Dorfidyll" bezeichnet werden, gleich weit entfernt von landläufigen Dorfgeschichten und Schauerromanen. Denselben Charakter der idyllischen einfachen und ländlich Reinen trägt die eingestreute Lyrik an sich. Ein würziger kräftiger Hauch von Landluft und Feldduft liegt über diesen„Erzähllungen“ ausgebreitet, die einen Kreis von Lesern voraussetzen, die durch fade Salonlektüre sich den Geschmack an feinerer Erzählkunst und gesunder Naturlyrik noch nicht verdorben haben. Wir können das Buch bestens empfehlen. Im Verlage von L. Staackmann, Leipzig, erschien: „Mein Himmelreich“, Bekenntnisse, Geständnisse und Erfahrungen aus dem religiösen Leben von Peter Rosegger. 26 Bogen 8° broschiert Mk. 4.—, geb. Mk. 5.—. Das Eingreifen des steirischen Dichters in die religiöse Bewegung seines Landes hat weit über die Grenzen Oesterreichs hinaus so viel Aufsehen erregt, daß die Herausgabe dieses Buches förmlich eine Notwendigkeit geworden ist. Man findet in ihm in klaren, eindrucksWetterbericht. 28. Nov.: Wolkig, Niederschläge, windig, kalt. 29. Nov.: Veränderlich, wolkig, windig, kalt. 30. Nov.: Veränderlich, kalt, meist trocken. 1. Dez.: Wärmer, meist bedeckt, Niederschläge. 2. Dez.: Feuchtkalt, veränderlich, teils heiter, NachtStott-Rchel. Verantwortlich für den redaktionellen Teil Wilh. Schade. Banksagung. Allen Teilnehmern an der Beerdigung meines lieben Mannes, sowie für die vielen Kranzspenden, spreche ich hierdurch meinen besten Dank aus. Schwerte, den 27. Noybr. 1903. Frau WIlh. Jungesbluth. vollen Worten die intimsten Gedanken Roseggers über die verschieden Probleme des religiösen Lebens niedergelegt, und der Freimut, mit dem hier manches gesagt wird, dürfte in evangelischen wie katholischen Kreisen berechtigtes Aufsehen, das gleiche tiefgehende Interesse, erregen. Für den Gebildeten, der von einem Buche nicht nur Unterhaltung, sondern auch Anregung und Erhebung des Geistes verlangt, wird es kaum ein wervolleres Weihnachtsbuch geben, wie das genannte Werk Peter Roseggers. Losung. Elschen, Elschen, nicht gelogen! Sag, wie ist es zugegangen, Daß die Vase hier zerbrochen? Sprich, was hast du angefangen?"— Ei,— ich spielt' in diesem Zimmer, Badete mein kleines Püppchen, Zog ihm schöne Kleider über, Gab ihm Fleisch und Apfelsüppchen, Gab ihm Pudding auch und Kuchen, Und dann mußte Püppchen ruh'n.— Püppchen hat gar nicht geschrieen, Wie's die bösen Kinder tun. Nein!— solch' Püppchen, wie mein Püppchen, Ist ein gar zu gutes Kind! Trudchen Beckers große Puppen Lange doch so brav nicht sind!... Kind ich spreche von der Vase, Was mit der du angefangen!— Ach, die Vase—— ja, die ist doch Ganz von selbst entzwei gegangen. Eigener Depeschendienst der„Schwerter Hd Berlin, 27. Nov. Dem Fähnrich z. S. Hüssener ist durch kaiserliche Ordre vom 24. ds. Mts. mit gleichzeitigem völligen Ausscheiden aus dem militärischen Dienstverhältnis der Abschied erteilt worden. Hd Berlin, 27. Nov. Zu der Ehetrennung des lichen Paares Schönburg=Waldenburg wird noch mitgeteilt, daß der Scheidungsprozeß in Kürze vor Gericht in Dresden stattfinden wird. Hd Berlin, 27. Nov. Die Gräfin Kwilecka war auch gestern mittag in Moabit wieder Gegenstand von KundUn dir Taus= und Gründbischer der Stadt Am Freitag, den 27. November er., abends 8½ Uhr, findet im Saale des Herrn Engel(früher [Ostermann) eine Versammlung von Haus= und Grundbesitzern statt, zwecks Gründung eines Haus= und Grundbesitzer=Vereins für Schwerte und Umgegend. Tages=Ordnung: 1. Vortrag des Herrn E. Schermeng=Schwerte: „Die Zwecke und Ziele städtischer Haus= und Grundbesitzer=Vereine unter besonderer Berücksichtigung der neueren Steuergesetzgebung. 2. Beschlußfassung über die Gründung des Vereins und eventl. Wahl des Vorstandes. Wir laden zu dieser Versammlung hiermit höflichst ein und hoffen, daß jeder Haus= und Grundbesitzer uns in unserem Bestreben, die Interessen des Haus= und Grundbesitzes zu schützen, durch den Besuch dieser Versammlung unterstützen wird. Das Komitee. I. A.: Wilhelm Haver. Vom 29. November bis 12. täglich abends 8½ Uhr Evangelisations-Versamm. des Herrn Prediger Dannert=Barmen in der großen iogt. Rirche. Vom 30. November ab täglich Wibelstunde nachmittags 4½ Uhr in der kleinen reformierten Kirche. Jedermann ist herzlich eingeladen. Das Presbyterium der Das Presbyterium der größeren ev. Gemeinde. reformierten Gemeinde. Hinweis. Mit dem neuen Werke Bibliothek des allgemeinen und praktischen Wissens, über das die Buchhandlung von Braus in Schwerte der heutigen Nummer unserer Zeitung einen Prospekt beilegt, wird ein literarisches Unternehmen geboten, das zum erstenmal dem nach Wissen und Bildung Strebenden ein vortreffliches Mittel bietet, sich diese beiden fur das Vorwärtskommen in unseren Tagen so wichtigen Faktoren durch Selbstunterricht anzueignen. 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