Reue E Insertionsgebühr für lokale Anzeigen, die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., außerhalb 15, Reklame=Zeile 40 Pfg., Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte, Fernsprech=Anschluß Nr. 62. Amt Schwerte. Telegr.=Adresse Praus, Schwerte=Ruhr. Ne. Se Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche Kraft.— Samstag den 14. November 1905. Abonnementspreis pro Quartal 1 Mark 65 Pfg., exel 42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöcheutliche Gratisbeilage:„Illustrierte Familienfreund.“ 36. Jahrgang. Die heutige Nr. umfaßt 10 Seiten. Schwerte, 14. November 1903. (Die Landtagswahl) läßt erkennen, daß die Sicherheit besteht, daß für unseren ganzen Wahlkreis die Bemühungen der Sozialdemokratie nichts weiter waren, als ein Schlag ins Wasser. Von den 92 Dortmunder Wahlbezirken wurden gewählt 445 nationalliberale, 9 sozialdemokratische und 2 Zentrums=Wahlmänner. Im ganzen sind jetzt bekannt 661 nationalliberale, 92 sozialdemokratische und 10 Zentrumswahlmänner. In den groWarenhausbesitzer zu einer empfindlichen Geldstrafe verurteilt. Der Paragraph lautet wörtlich:„Wer in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weise einem anderen vorsätzlich Schaden zufügt, ist dem andern zum Ersatze des Schadens verpflichtet.“ Der Schadens verpflichtet.“ Der„Deutschen Handelsztg.“ zufolge lag der Klage folgender Tatbestand zu Grunde. Das beklagte Warenhaus verkaufte lange Zeit ein im Preise sonst genau festgelegtes Seifenpulver unter dem Preise. Trotz Vorstellung des Fabrikanten und sonstiger Maßnahmen war das Warenhaus nicht zu bewegen, von seinem Vorhaben abzustehen. Inzwischen ist gegen dieses Urteil erster Instanz Berufung beim Oberlandesgericht eingelegt worden, und es bleibt abzuwarten, ob sich die ßen Städten wurden durchweg nationalliberale Kandida= obere Instanz die Ansicht der Vorrichter aneignen wird. ten gewählt, die unglückliche Bezirksdrittelung ergab al— lerdings manche merkwürdige Resultate, so in Rüding= us Maler und Rhhausen, wo in allen Abteilungen sozialdemokratisch gewählt wurde, Annen zeigt 38 Liberale gegen 4 SozialdeWeil i wählt wurde, Annen zeigt 38 Liberale gegen 4 Sozialde=] 8 Castrop, 13. Nov. Der 74jährige Schneider Hüser mokraten, Hörde 90 Liberale gegen keine Sozialdemokra=] von Essen wurde vergangene Nacht beim Schmiedemeister ten, Castrop 44 Liberale gegen keine Sozialdemokraten, Jul. Sellinghoff festgenommen. Da dem S. in den letzten Bochum alle Liberale, Schwerte ebenso, Dorstfeld ebenso 30 gegen 0, Marten 26:6. Wenn die Nationalliberalen auf dem Posten gewesen wären, so wären auch diese 6 nicht durchgekommen. Weiter sind noch folgende Resultate anzufügen: gewählt wurden im Amte Sodingen 28 Nationalliberale gegen 6 Zentrum, Barop 28 zu 7Sozialdemokraten(in Eichlinghofen), Kirchhörde 42:10(in Rüding= hausen), Wellinghofen 25:0 Gahmer 2:2 Fahn=Pischlingen 3:0. zwei Jahren etwa 50 Hühner gestohlen waren, hatte er sich eine elektrische Weckvorrichtung am Hühnerstall anbringen lassen, die denn auch vergangene Nacht um 2 Uhr in Tätigkeit trat. Es gelang dem S. den Dieb zu fassen. Einen Korb mit 8 Säcken fand man heute morgen im Hofe, anscheinend sind mehrere Diebe tätig gewesen. 5 m1. du. Mch Heißen, 13. Nov.(Verunglückt.) Gestern 520, Gahmien 312, NahmrA###, geriet der Bergmann Jansen auf der Zeche Rosenbium An Sozialdemokraten wurden gewählt: Hörde—, Schwerte—, Amt Annen 4, Amt Barop 7, Aplerbeck 3, Westhofen 3, Wellinghofen 6, Kirchhörde 10, Stadt Lünen Delle unter herabfallendes Gestein und wurde als Leiche hervorgezogen. Der Verunglückte war verheiratet und Vater von mehreren unmündigen Kindern. —, Castrop—, Amt Brakel(exkl. Wambel) 9, Dorstfeld;..* Rheine, 13. Nov.(Patent=Bettlade.) 8, Kirchderne 25, Mengede 1, Sodingen—, Rauxel 1 Ein schlichter Arbeiter Georg Grein hat ein Modell einer (Frohlinde), Lütgendortmund 15(Gespel 8, Lütgendort=] Bettlade fertig gestellt, aus welcher der Schlafende kurmund 7). Der ganze Ueberblick über den Riesenwahl= zerhand mechanisch hinausgetan wird, wenn er nicht sokreis ergibt also mit Sicherheit, daß die Bemühungen der; fort aufsteht, sobald der Wecker anhebt. Die Vorrichtung, Sozialdemokraten in keiner Weise zu Buche schlagen, son= welche meit einer gewöhnlichen Weckuhr in Verbindung dern völlig belanglos sind. Allerdings macht man auch steht, bewirkt, daß sich eine Seite des Bettes mit Rolaufen die Entdeckung, daß auch die bürgerlichen Parteien eine der Weckuhr senkt. Der Schlafende rutscht dadurch ganz gauz miscrable Veteligung bei der Kahl zegten. Kandenperden das Selbstauftechen vorgezagen hat. Ob muß die ine der Weckuhr senkt. Der Sch########m sacht zum Bett hinaus, wenn er nicht schon dem Aufge— den standemberben dus Eelbstaufftehen vorgezogen hat.: Ob (Stadtverordneten=Ersatzwahl.) Autßer„ven, die Erfindung praktisch verwertet werden kann, muß Reichstagswahlen im Sommer und den Landtagswahlen, Exfahrung leb in denen wir jetzt stecken, finden in unserer Stadt in die(i## sem Jahre auch noch Stadtverordnetenwahlen statt und zwar eine der 1. Klasse für den nach Holzen verzogenen Werkmeister Herrn Hüseken und einer der 3. Klasse für den zum Magistratsmitgliede gewählten Direktor der Eisenindustrie Herrn Kilb. Die Ersatzwahl für Herrn Hüseken ist nunmehr auf Montag, den 30. d. Mts., mittags von 12—1 Uhr festgesetzt und findet im StadtverordnetenSitzungssaale statt. (Evangelisation.) Der Einsicht folgend, daß an den zur Kirche gehörenden, ihr aber entfremdeten Gliedern evangelisierend gearbeitet werden müsse, daß ferner in unseren Gemeinden aus den Modekirchgängern solche werden müssen, die aus innerem Bedürfnis die Kirche besuchen, haben die Presbyterien der beiden hiesigen evangelischen Gemeinden sich zu einer„Evangelisation“ entschlossen und für Ende dieses Monats den Prediger Dannert aus Barmen eingeladen. Näheres berichten wir in nächster Nummer. (Für die Ueberschwemmten) in Schlesien und Posen gingen bei uns noch ein: Von Frau S durch O. 5 Mark. Herzlichen Dank! (Ein Einbruch) wurde dieser Tage in die Baubude an der kath. Kirche verübt. Den Dieben fielen Verkzeuge und verschiedene Kleidungsstücke in die Hände. *(Gerüstbruch.) An dem an dem Lokomotiv= schuppen der hiesigen Station in Bau befindlichen Wasserturm brach gestern vormittag das Gerüst und die auf demselben arbeitenden Maurer purzelten zur Erde, doch kamen sie bis auf einen, der ernstlichere Verletzungen davontrug, mit dem Schrecken davon. (Der Gesangverein„Cäciliä“,) über dessen Aufblühen und reges Vereinsleben wir schon mehrfach berichken konnten, feiert am worgigen Sonntage im Saale des herrn Hufnagel sein diesjähriges Stiftungsfest durch gesängliche und theatralische Vorträge mit nachfolgendem Ball. Die Feste der„Cäcilia“ erfreuen sich ob ihrer Gemutlichkeit und Gediegenheit großer Beliebtheit. Steele, 13. Nov.(Die harte Behandlung.) Die hier wohnenden Eltern des beim Bezirkskommando Ulm bediensteten Unteroffiziers Tott erhielten Nachricht, daß ihr Sohn sich in Hannover erschossen habe. Als Grund seiner Handlung gibt der unglückliche junge Mann laut„E. Vlkztg.“ in einem hinterlassenen Briefe an seine Eltern an, die harte Behandlung eines höheren Vorgesetzten habe ihn in den Tod getrieben. * Münster, 13. Nov.(Wahrscheinlicher Lustmord.) An der Roxeler Chaussee fand man die Leiche einer erwürgten, unbekannten Frau. Die Anzeichen sprechen für einen Lustmord. * Ruhrort, 13. Nov. Bei der Verpachtung der Brückengelderhebung auf der früheren Hanielschen Ruhrbrücke zwischen Ruhrort und Duisburg vom 1. Januar 1904 ab blieb Appell aus Mülheim a. d. Ruhr mit 39 750 Mark jährlicher Pacht Meistbietender. Der bisherige Pächter war Strohn aus Köln, der 32700 Mark Pacht zahlte. Barmen, 13. Nov. Ueberfahren und entsetzlich verstümmelt wurde gestern vormittag auf dem Rangierbahnhofe Barmen=Wichlinghausen der 75 Jahre alte, Weiherstraße 16 wohnhafte Bahnarbeiter Karl Niggeloh. Ihm wurden die beiden Beine sowie ein Finger abgequetscht. Außerdem hatte der Unglückliche Kopfverletzungen davongetragen. Er war mit Reinigungsarbeiten beschäftigt und wurde dabei von einer Rangiermaschine erfaßt. Man brachte den Schwerverletzten ins städtische Krankenhaus, wo eine Amputation der beiden Beine vorgenommen wurde. Aerztliche Kunst vermochte den Unglücklichen jedoch nicht am Leben zu erhalten. Heute nacht ½1 Uhr ist N. seinen Verletzungen erlegen. * Elberfeld, 13. Nov. Auf ebenso dumme wie freche Weise versuchte hier der Wirt Hermann Ernst Sch. das bekannte hiesige Bankhaus v. d. Heydt=Kersten und Söhne um 900 Mark zu beschwindeln. Sch. hatte im Jahre 1899 wese gzee verdee... einmal 100 Mark eingezaht. Im Drange der Geschäfte (Neue Personenwagen) dritter Klasse verkehren; stellte der ihn abfertigende Beamte der Bank irrtümlich auf einigen Linien der preußisch=hessischen Staatsbahnen; ein Quittung über 1000 Mark aus, bemerkte das Versehen dür Probe. Es sind Durchgangswagen, haben aber auch aber gleich und änderte die Quittung entsprechend um. an den Längsseiten je drei Türen, die indessen nur im Notfalle zu benutzen sind. Ferner sind die Wagen mit zwei Aborten ausgestattet. **(„Gegen die guten Sitten.“) Auf Grund des § 826 des B. G. B. hat das Düsseldorfer Landgericht einen Vor kurzem erinnerte sich Sch., der inzwischen in Vermögensverfall geraten ist, jener Quittung und heckte nun folgenden Plan aus, in der Meinung vielleicht, daß der betreffende Beamte seinerzeit auch in den Büchern statt 100 Mark 1000 Mark als vereinnahmt gebucht und die Berichtigung des Irrtums in den Büchern unterlassen habe. Er ging hin zu der genannten Bankfirma und for derte noch 900 Mark als den Rest der vor etwa zwei Jah ren eingezahlten 1000 Mark nebst Zinsen zurück. Mar wies ihn ab, weil er nach den Geschäftsbüchern ein Gut haben nicht mehr hatte. Ninmehr ging er zum Land gericht und suchte das Armenrecht nach, er habe zwar selbst die 1000 Mark nicht eingezahlt, aber er habe unte. seinen Papieren damals eine Quittung über eingezahlte 1000 Mark gefunden, habe davon 100 Mark abgehober und die Quittung dagelassen. Wer die 1000 Mark für ihn eingezahlt habe, wisse er nicht, er vermute, daß es ir gend ein„wohlwollender“ Gläubiger gewesen sei. Nachdem sich die ganze Geschichte als Schwindel herausgestell: hatte, übergab die Zivilkammer die Akten der Staatsan waltschaft, und diese erhob gegen Sch. Anklage wegen versuchten Betruges. Die Strafkammer verurteilte ihn heute zu 3 Monaten Gefängnis. Düsseldorf, 13. Nov. In der benachbarten Gemeinde Bürrig hat die unverehelichte Gertrud Feste ihr neugeborenes, lebendes Kind in den Kamin gesteckt und elend verbrennen lassen. Die eigene Mutter brachte die Kindesmörderin zur Anzeige, worauf deren Verhaftung erfolgte. Düsseldorf, 13. Nov. Umfangreiche Diebstähle in Alteisen usw. hatte sich der Maschinenführer Abe auf der hiesigen Eisen= und Drahtindustrie sowie auf dem Karls werk in Mülheim am Rhein zu schulden kommen lassen, indem er das gestohlene Gut am Tage über die Mauer warf und am Abende zu den hiesigen Althändlern Peter Klein und Heinrich Möller brachte. Insgesamt hattei beide Werke durch die Veruntreuungen einen Schader von 2300 Mark zu verzeichnen. A. wurde von der hie sigen Strafkammer zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt die beiden Althändler erhielten wegen gewerbsmäßiger Hehlerei je ein Jahr Zuchthaus. Düsseldorf, 13. Nov. In den hiesigen Preßverhältnissen wird mit dem 1. Januar 1904 eine nicht un wesentliche Aenderung eintreten. Das Düsseldorfer Volksblatt(Organ der Zentrumspartei) wird, wie die „K. Volksztg.“ erfährt, von diesem Zeitpunkte ab unter dem Titel Bergische Landeszeitung in zweimaliger täglicher Ausgabe erscheinen. Die Düsseldorfer Zeitung, welche bisher im Privatverlage von Eduard Lintz erschien, geht in den Besitz einer Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 100000 Mark über, deren Teilhaber vorwiegend hiesige Großindustrielle sind. Eschweiler, 13. Nov. Gegen einen Kleinbahnmast geschleudert und sofort getötet wurde der Fuhrmann eines Milchwagens im benachbarten Kinzweiler, als dessen Pferd plötzlich scheute. Der Verunglückte hatten einen doppelten Schädelbruch erlitten. Cochem, 13. Nov. Zwei Schlosser aus Essen wurden hier durch einen Gendarmen festgenommen, weil sie versuchten, falsche Zehnmarkstücke in Silbergeld umzuwechseln. rTrier, 13. Nov. Der Soldat, der als Posten vor 2½ Monaten nachts einen Sergeanten in Saarlouis erschossen hatte, wurde vom Kriegsgericht freigesprochen. Nachen, 13. Nov. Mit dem Messer niedergestochen hat Dinstag abend der Gelegenheitsarbeiter Kessel, der seit kaum einem halben Jahre verheiratet ist, aber von seiner Frau getrennt lebt, letztere auf der Straße nach einem kurzen Wortwechsel. Der Täter stellte sich dann der Polizei. Die Frau verschied auf der Stelle. Dieses ist die vierte schwere Bluttat innerhalb eines Jahres. * Mainz, 13. Nov.(Ein langer Prozeß.) Vor vier Jahren strich in dem Keller des Stadthauses in Mainz ein Gehilfe den Transformator an. Dabei berührte der junge Mann die Drähte, die hochgespannten Strom leiteten und nahezu leblos wurde er, der Sohn eines hiesigen Beamten, in das Hospital gebracht. Jetzt ist laut„Mainzer Journal“ die Firma Schuckert, die Erbauerin des städtischen Elektrizitätswerks, zur Zahlung sämtlicher Kosten, auch der Verpflegungskosten, und zur einmaligen Zahlung von 1208 Mark an den Geschädigten verurteilt worden. * Mainz, 13. Nov.(Die Unsitte,) sich von Hunden die Hände und oft sogar das Gesicht belecken zu lassen, ist eine weitverbreitete und hat schon vieles Unheil angestiftet. Zur Zeit befindet sich, wie das„Journal“ berichtet, zwei hiesige junge Herren im Rochusspital, die dieser Unsitte gehuldigt haben müssen, da deren Leber förmlich mit Hundewürmern durchsetzt ist.. Die Aerzte mußten an den beiden Kranken eine schwierige Operation vornehmen. * Kaiserslautern, 13. Nov.(Messerheld.) W AA 645 Lährend eines Streites stieß der 19 Jahre alte Otto Hamiel seinem 26jährigen verheirateten Bruder das Messer i den Leib. Der Schwerverletzte dürfte laut„Pfälzische resse“ kaum mit dem Leben davonkommen. Der junge Nesserheld ist verhaftet. Vermischtes. Leipzig, 13. Nov. Der Oberbürgermeister von Eisenach, Dr. v. Fewson, war vom Landgericht Eisenach wezen Amtsverbrechens zu zwei Monaten Gefängnis verirteilt worden. Die von Dr. v. Fewson gegen das Ureil eingelegte Revision beschäftigte heute das Reichsgericht, belches das Urteil aufhob und die Sache zur nochmaligen Verhandlung an das Landgericht Weimar zurückverwies. Petersburg, 13. Nov. In der Nacht vom 10. zum 11. d. M. fand im Postwagen des zwischen Petersburg nd Moskau verkehrenden Postwagens ein Brand statt, pobei nach den umlaufenden Gerüchten Wertgegenstände n Betrage von 7 Millionen Rubel verbrannt seien. Hieru teilt die Oberverwaltung für Post und Telegraphen nit: Das Feuer ist durch Selbstentzündung des Inhalts niger aus dem Auslande stammender Sendungen entanden. Vernichtet wurden 437 internationale Packete, Säcke, darunter 2 mit Zeitungen, drei Ballen mit Par#eten, 13 Posttaschen, deren Inhalt jedoch, Wertpapiere nd Kreditbillets, größtenteils unversehrt blieb. Durch as Feuer beschädigt wurden 50 Posttaschen. Der Inalt derselben hat nicht gelitten. 52 Posttaschen und 28 Säcke wurden durchnäßt. *(Ein empörender Fall) gelangte dieser Tage vor der Strafkammer zu Allenstein in Ostpreußen zur Abureilung. Auf der Anklagebank saß, wie der Frkf. Ztg. iitgeteilt wird, die Realschullehrerfrau Kuhn, die eine Stutze" engagiert hatte. Diese mußte sofort die gröbsten irbeiten verrichten, die Wohnung starrte vor Schmutz. kach anstrengender Tagesarbeit mußte sie beinahe jeden Abend der Frau von 10 bis 1 und 2 Uhr die Haare ämmen, Morgens um 4 oder 5 Uhr aber schon wieder aufstehen. Dabei bekam das Mädchen nicht satt zu essen, o daß es einmal flehentlich um etwas Essen bat, das ihm edoch verweigert wurde. Jeder schriftliche Verkehr mit den Eltern wurde unmöglich gemacht, Kleider und Wäsche des Mädchens hielt die Angeklagte unter Verschluß, ging ie aus, schloß sie alle Türen ab. Als das Mädchen errankte, durfte es sich nicht zu Bett legen, vielmehr mußte es, da es die Füße nicht brauchen konnte, auf den Knieen die schweren Hausarbeiten verrichten. Sogar das Krankenbett wurde ihm fortgenommen. Endlich schritt die Polizei ein. Der Gerichtsvorsitzende geißelte mit scharfen Worten die ungemein rohe Handlungsweise der Angeklagten, von der man sich mit Abscheu abwenden müsse. Das Gericht verurteilte die Furie zu drei Monaten zwei Wochen Gefängnis. Glücklicherweise bildet dieser Fall eine sehr seltene Ausnahme, weitaus die meisten deutschen Hausfrauen lassen ihren Dienstboten eine gerechte und nenschenwürdige Behandlung zu teil werden. Allgemeine Schlüsse aus vereinzelten Fällen zu ziehen, wäre ganz verkehrt und ungerechtfertigt. (Nichts zu machen.) Ein Kreisarzt schrieb, behufs statistischer Tabellen über die Sterblichkeit, an einen Schultheißen und bat um Auskunft:„Wie viel Personen vohl jährlich in ihrem Orte sterben möchten. Der Schulteiß antwortete:„In unserer Gemeinde mag niemand sterben. Der Arzt schrieb nun wieder:„Wie viel denn vohl durchschnittlich im Jahre sterben könnten?" Und erhielt die Antwort:„Hierorts können alle sterben. Noch einmal bat der Doktor, ihm mitzuteilen,„Wie viel Peronen etwa in einem Jahre in jener Gegend sterben dürfen?“ Hierauf erfolgte die Antwort:„Sterben darf hier wer will, denn der unterfertigte Ortsvorstand kann es niemand verbieten. t(„... so ich Dir.“) Dieser abgekürzte Titel des ieuesten Schauspiels von Paul Lindau hat so großen Anklang gefunden, daß die Delegiertenversammlung der deutschen Schauspiele beschlossen hat, eine Reihe älterer Stücke umzutaufen und nach dem neuen Bezeichnungsprinzip zugkräftiger zu machen. Es sollen künftig heißen: hoethes Faust—..„... muß auch Bsagen.“— Des Mecres und der Liebe Wellen—„.. hat keine Balken.— König Lear—.„... besudelt sich.— Egmont—... sind des Hasen Tod.“— Fuhrmann Henschel—.. soll man nicht von Stricken reden.— Turandot—„. als zehn Weise beantworten können.— Richard III.—„... wird er es zuerst im Kopfe.— Die Meistersinger—„... da laß dich ruhig nieder.“— Don Juan—.„... der bleibt ein Narr sem Leben lang.— Wilhelm Tell—„... ist gut vor'n Schuß.“— Die Orestie—„... das füg' auch keinem anderen zu.“— Wallensteins Tod—„... bis er bricht.“ Eigener D der„Schwerter Zeitung". Hd Genf, 14. Nov. Die Maurer und Erdarbeiter sind neuerdings in den Ausstand getreten. Bei den Versuchen der Ausständigen, die noch Arbeitenden zur Niederegung der Arbeit zu zwingen, kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Zwölf Italiener würden verhaftet und über die Grenze gebracht. Hd Wien, 14. Nov. Der Parteitag der österreichichschen Sozigldemokratie beschloß eine Resolution, in welcher allen Parteiorganisationen und Parteigenossen empfohlen wird, die Bestrebungen gegen den Alkoholmißbrauch zu fördern und bei allen Zusammenkünften von Parteigenossen den Trinkzwang abzuschaffen. Hd Budapest, 14. Nov. Wiederholte Erklärungen Tiszas, die Regierung werde den Reichstag auflösen, wenn ihr der Zeitpunkt dazu gekommen zu sein scheine, verbreiteten Schrecken in den Reihen der Opposition. Diese wird zwar die Obstruktion gegen die Rekrutenvorlage fortsetzen, doch erscheint der Sieg der Regierung zweifellos. Hd Budapest, 14. Nov. Großes Aufsehen erregt der Selbstmord des Großgrundbesitzers Ernst Wildner, der sich auf seiner Besitzung erschossen hat. Er soll an ausländischen Börsen gespielt und weit über eine Million Kronen verloren haben. IId Paris, 14. Nov.„Petit Pariser" veröffentlicht ein Interview mit Madame de St. Victor, bei welcher sich die ehemalige Kronprinzessin von Sachsen zum Besuch auf Schloß Ronno aufhält. Madame de St. Victor erklärte, sie werde mit der Prinzessin Luise nächste Woche nach der Insel Wight reisen, wo letztere eine Freundin besuchen wolle. Die Prinzessin sei keineswegs verlassen; sie habe an ihrem Geburtstage nicht weniger als 2500 Briefe und Karten mit Sympatiekundgebungen erhalten. Die Großherzogin von Toskana befinde sich augenblicklich auf Schlost Ronno bei ihrer Tochter, welche den Urheber der bekannten Ereignisse völlig vergessen habe. Ihr einziger Kummer bestehe in der Trennung von ihrem Gatten und ihren Kindern. Madame Victor erklärte weiter, trotz der großen Reserve, welche sie sich auferlegen müsse, könne sie mitteilen, daß sie eine demnächstige Aussöhnung als nicht ausgeschlossen betrachte. IId London, 14. Nov. Ein junges Mädchen fand in einem öffentlichen Park zu Holyhead eine mit Dynamit gefüllte Blechbüchse. Das Kind wurde infolgedessen von zahlreichen Personen umringt; hierbei entfiel demselben die Büchse und explodierte. Zwölf Personen, darunter auch das Mädchen, wurden schrecklich verstümmelt. Hd Newyork, 14. Nov. Wie aus Indianapolis gemeldet wird, erschoß ein Landarbeiter aus Mariot seine zwei Knaben im Alter von 5 und 7 Jahren. Der Mann, welcher von seiner Frau getrennt lebt, hat die Tat aus Eifersucht begangen. Die Einwohner versuchten, ihn bei seiner Verhaftung zu lynchen. Verantwortlich für den redaktionellen Teil Wilh. Schade. Wo gibt es immer eine gute Tasse Kaffee? Dort, wo man regelmäßig verwendet. Sibd. Miedalle g Weltausst. Paris Baadhaaeas eidenstoffe„Masse: poriofrei. Deutschlands grösstes Specla geschaft MICHELS& Cie BERLIN sw. 19 Leipzigerstrasse No. 43, Reke Markgrafers## Eigene Fabrik in Crefeld K„„„„„ X * Geschafts=Eröffnung. K geehrten Bewohnern von Schwerte und Um#4 gegend zur gefl. Nachricht, daß ich am heutigen Tage ** im elterlichen Hause Hörderstrasse 37, neben meiner bisherigen Bäckerei, auch Konditorei und Café * eröffnet habe und bin ich in der Lage, durch das EngaK gieren einer tüchtigen Kraft auch den feinsten Ansprüchen gerecht zu werden. * Hochachtungsvoll. Hermann Spoor. KK in ½ u. 1 Pfund=Stücken per Pfd. 1,20 Mk. Kochsalz bei Abnahme von 5 Pfd. per Pfd. 8 Pfg. Geräuchert. westfäl. fett u. mager, per Pfd. 70 Pfg. Geräuch. Mettwurst p. Pfd. 80u 90„ Süßrahm=Margarine per Pfd. 60„ Holländ. Käse„„ 55„ Apfileinge„„ 35„ Korinten„„ 22„ Rosinen ohne Steine„„ 35„ Weizenmehl 600 garant. weiß= u hochbackend per Pfd. 10½ Pfg. Stampfzucker Wurfelzucker Rübocl Pettolcum Branne Seife Silberseife „„ 20„ „„ 23„ per Liter 48 Pfg. „„ 17„ per Pfd. 13 u. 15„ 17 „„„ bei Julius Boecker, Hagenerstr. 8. Schwerte. Hagenerstr. 8. Fernsprecher 76. Bekanntmachung. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß das Gesetz betr. die Schlachtvieh= und Fleischbeschau vom 8. Juni 1900 mit dem 1. April d. Is. inkraft getreten ist. Von diesem Zeitpunkte ab unterliegen Schlachttiere, deren Fleisch zum Genusse für Menschen verwendet werden soll, vor und nach der Schlachtung der amtlichen Untersuchung. Bei Schlachitieren, deren Fleisch im eigenen Haushalte des Besitzers Verwendung finden soll, darf, sofern sie keine Merkmale einer die Genußtauglichkeit des Fleisches ausschließenden Erkrankung zeigen, die Untersuchung vor der Schlachtung und, sofern sich solche Merkmale auch bei der Schlachtung nicht ergeben, auch die Untersuchung nach der Schlachtung unterbleiben. Bei Notschlachtungen infolge Erkrankung des Schlachttieres muß die Untersuchung nach dem Schlachten stattfinden. Als eigener Haushalt im Sinne vorstehender Bestimmung ist der Haushalt der Krankenhäuser, Speiseanstalten, Gefangenenanstalten, Armenhäuser und ähnlicher Anstalten, sowie der Haushalt der Schlächter, Fleischhändler, Gast=, Schank= und Speisewirte nicht anzusehen. Jede gewerbs mäßige Verwendung nicht untersuchten Fleisches ist verboten. Mit Gefängnis bis zu 6 Monaten und mit Geldstrase bis 1500 Mark oder mit einer dieser Strafen wird bestraft: Wer wissentlich Fleisch, dessen Untauglichkeit sich bei der Untersuchung ergeben hat, als Nahrungs= oder Genußmittel für Menschen im Verkehr bringt oder die von der Polizeibehörde angeordneten Sicherungsmaßregeln, welche zu der polizeilichen Zulassung des Fleisches ersorderlich sind, nicht befolgt; wer Fleisch in lustdicht verschlossenen Büchsen oder ährlichen Gefäßen, Würste und sonstige Gemenge aus zerkleinertem Fleisch in das Zollinland einführt oder solch eingeführtes oder zum Genusse für Menschen unbrauchbar gemachtes Fleisch im Verkehr bringt; wer die angebrachten Kennzeichen des Beschauers verfälscht oder dieselben sälschlich anbringt, oder wer wissentlich Fleisch, an welchem die Kennzeichen fälschlich angebracht, verfälscht oder beseitigt worden sind, feilhält oder verkauft; wer bei der gewerbsmäßigen Zubereitung vom Fleisch die vom Bundesrat bezeichneten Stoffe oder Arten des Verfahrens anwendet, welche der Ware eine gesundheitsschädliche Beschaffenheit zu verleihen vermögen oder derartig zubereitetes Fleisch aus dem Auslande einführt, feilhält, verkauft oder onst in Verkehr bringt oder wer diese Stoffe oder Arten des Verahrens anwendet, um eine gesundheitsschädliche oder minderwertige Beschaffenheit der Ware zu verdecken. Mit Geldstrafe zu 150 Mark oder mit Haft wird bestraft: Wer eine der obengenannten Handlungen aus Fahrlässigkeit begeht; wer eine Schlachtung vornimmt, bevor das Tier der in dem Gesetze vorgeschriebenen oder einer auf Grund des Gesetzes angeordneten Untersuchung unterworfen worden ist; wer Fleisch. in Verkehr bringt, bevor es der in dem Gesetze vorgeschriebenen oder angeordneten Untersuchung unterworfen worden ist oder wer sich sonstiger Uebertretungen des Gesetzes schuldig macht Von jeder beabsichtigten Schlachtung ist der Polizeibehörde rechtzeitig und zwar mindestens 24 Stunden vorher Anzeige zu machen. Schwerte, den 13. November 1903. Die Polizei=Verwaltung. Herr Hrch. Böckelühr am Böckelühr bei Ergste läßt Montag, den 16. November cr., vormittags 10 Uhr anfangend: 120 Nru. tangschaftige Giichen, 20„„ Fichtel(bis zu 2½ Fuß Durchmesser), zu Brettern, Nutz= und Geschierhol; geeignet, sodann 50 Nrn. Brennholz öffentlich meistbielend an Ort und Stelle verkaufen. Zusammenkunft a. d. Hofe. Schwerte, den 30. Oktober 1903. Hobenschwert. 0 in Dröschede bei Iserlohn. Am Montag, den 16. Novbr. cr., morgens 9½ Uhr anfangend, werde ich für die Oberlucke'schen Erben, laut Auftrag des Landwirts Herrn Friedr. Hildebrand zu Dröschede, den sämtlichen Holzbestand, gelegen„Im Liepen“ und in den„Hütten" als: ca. 150 Nummern starke Eichen. Buchen, Weiden, Eschen, Lärchen, Tannen, bis zu 2½“ Durchmesser, zu jedem Zweck geeignet, gegen Kredit versteigern. Zusammenkunft in der Wirtschaft Lueg und im„Siepen“. Ferner sollen am Dienstag, den 17. Novbr. cr., morgens 9½ Uhr anfangend: ca. 120 Nummern Lärchen. Tannen und Kiesern, geeignet zu Bauholz, Zaunpfosten, Gerüststangen, Geschirr= und Grubenholz, in gefällten Haufen sortiert, gegen Kredit versteigert werden. Zusammenkunft in der Wirtschaft Lueg und vor der Hardt. Ferner werde ich am Montag, den 23. Novbr. cr., morgens 9½ Uhr anfangend: 126 Nummern starke Eichen und Buchen, bis zu 2½“ Durchmesser, sowie verschiedene Parzellen Schlaa=Eichengrubenholz und Tannenbauholz. gelegen hinter und vor der Dröschederhardt, gegen Kredit versteigern. Zusammenkunft in der Wirtschaft Lueg und hinter der Hardt. Oestrich. Carl Liesenhoff, Auktionator. Damen-Jacketts u. Kragen! Jacketts mit und ohne Kragen besonders elegant □90 an Golf-Cäpes elegante Neuheiten in jeder Preislage von— an reizende Neuheiten enorme Auswahl 50 von Vems immn e gi Blusen in Baumwolle Wolle und nur letzte Neuheiten PPis. von 9 KinderJacketts kolossale Sortknenis# jeder Präsage. uuu selten grosse Aisvall 1 95 von Asort-Eiomm Hagen Elberfelderstr. 34. Ev. Arbeiter= u. Bürger=Verein, hwerte. Monatsversammlung Sonntag, 15. Novbr. er. nachmittags 5 Uhr, im Saale des Herrn&L Hagemann. Tages=Ordnung: 1. Zahlung der Beiträge sowie zur Sterbekasse. 2. Einführ. neuer Mitglieder. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. 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Der Streik der Berliner Adressenschreiber— soeben bei dem größten Adressenverleger durch eine Erhöhung der Löhne um 25 Prozent beigelegt worden ist, wodurch auch in den übrigen Adressenverlagen eine Aufbesserung der Löhne erwartet wird— erinnert wieder einmal an das Elend des kaufmännischen Proletariats und daran, daß es noch immer zahlreiche Menschen gibt, die selbst bei unmäßig langen Arbeitszeiten nicht so viel verdienen, um die allerbescheidenste Existenz zu fristen. Bei einer Arbeitszeit von 16—18 Stunden betrug der Verdienst für geübte Adressenschreiber vor dem Streik 10—11 Mark pro Woche, weniger geübte kamen nur auf 6—7 Mark und selbst Löhne von 3—4 Mark waren, so unglaublich es klingen mag, nichts Außergewöhnliches. Auch bei einem Aufschlage von 25 Prozent werden also die Adressenschreiber recht bescheidene Löhne verdienen. Wenn man bedenkt, daß von den Schreibern noch eine gewisse Repräsentation in der Kleidung verlangt wird, so braucht man sich nicht darüber zu verwundern, daß vielen der Adressenschreiber neben ihren Ausgaben für ihre qualitativ und quantitativ unzureichende Beköstigung nicht einmal so viel übrig bleibt, daß sie sich auch nur die billigste feste Schlafstelle mieten könnten. Sie logieren sehr oft für wenige Pfennige in irgend einer schmutzigen Massenherberge und noch öfter vielleicht sind sie Gäste in dem Asylen für Obdachlose. Im Asyl für männliche Obdachlose in der Wiesenstraße in Berlin ist es ein gewöhnlicher Anblick, daß Adressenschreiber hier des Abends noch einige Hundert Adressen fertig stellen, um den Tagesverdienst etwas höher zu schrauben. Zi Ende der Woche sind die Suppe und das Stück Schwarz= brot, welches die Gäste im Asyl am Abend erhalten, nicht selten die einzige Nahrung für die weniger geübten Adressenschreiber während des ganzen Tages. Die große Mehrzahl der Adressenschreiber sind Kaufleute, die aus ihrem Beruf verdrängt sind. Manchen gelingt es, nach mehreren Wochen oder Monaten wieder eine besser: dotierte Stellung zu finden, aber den meisten gelingt das nicht mehr, sie werden stumpf und energielos und sinken damit für immer in das kaufmännische Proletariat. Zi diesem aber stellen die Adressenschreiber noch das kleinste Kontingent, zum weitaus größten Teile wird es gebildet aus Kolporteuren, kleinen Agenten, Versicherungsreisenden und in großer Masse von den sogenannten Stadtreisenden, die man besser als Hausirer bezeichnen müßte. Durch verlockende Annoncen werden immer von neuem Stellungslose eingefangen. Es gibt genug gewissenlose Unternehmer, die 30, 40 und noch mehr Stadtreisende zugleich eingestellt haben. In den Verträgen wird ihnen neben einer bestimmten Provision vom Umsatz auch noch ein meist ziemlich ansehnliches monatliches„Fixum" zugesichert. Dieses„Fixum“ aber braucht der Unternehmer nie zu bezahlen, weil der Vertrag in versteckter Form die Klausel enthält, daß dabei eine Höhe des Umsatzes Voraussetzung ist, wie ihn ein Reisender nie erzielen kann. Mag der Umsatz, den der einzelne dieser Stadtreisenden erzielt, noch so gering sein, durch die Masse der Angestellten wird dem Unternehmer doch bei ganz geringen Spesen ein Umsatz gesichert, der ihm ein hohes Einkommen gewährleistet, wahrend die Angestellten ihre letzten Spargroschen zusetzen und in ihrem Aeußeren verwahrlost werden. Noch in anderen Formen wird die Arbeitskraft der stellenlosen Kaufleute ausgenutzt. Man sagt kaum zu viel, wenn man die Lebensverhältnisse des kaufmännischen Proletariats noch schlechter nennt, als das Weberland in Schlesien. Eine statistische Erfassung dieser Verhältnisse würde ebenso großes Elend wie weitverzweigte Ausbeuterei zeigen. Lokales. Sinnspruche. Dunkeln muß der Himmel rings im Runde, Daß sein Sternenglanz zu leuchten wage; Stürmen muß das Meer bis tief zum Grunde, Daß an's Land es seine Perlen trage. Klaffen muß des Berges offne Wunde, Daß sein Goldgehalt ersteh' zu Tage; Dunkle Stunden müssen offenbaren, Was ein Herz des Großen bringt und Klaren. Anastasius Grün. * Das eben ist der Liebe Zaubermacht, Das sie veredelt, was ihr Hauch beruhrt, Der Sonne ähnlich, deren gold'ner Strahl Gewitterwolken selbst in Gold verwandelt. Grillparzer. * Dein Vorsatz gleicht der Blüt', Die leichtlich kann vergehn; für Frücht' in dir Sieh' was sur H.u., in dir Nach Frost und Sturm noch stehn! ersteegen. Sturm. Novelle von E. Fahrow. (19. Fortsetzung.) Der Kampf des Muskels ging bald vorüber, aber c erbarmungslose große Leere in ihrer Brust blieb dann ruck. Es war, als habe sie schon für immer alles ver serzt, was das Leben noch an Glück und Sonne für sie fgehoben hatte. So sehr sehnte sie nach Bill. Sie sah ständig seine schlanke, vornehme Gestalt vor sich und s gebräunte, stolze„Gardegesicht“, das sie so entgeister#, versteinert angeschaut hatte. Schwerte, 14 November 1903. —cke.(Familien=Abend des Kriegervereins.) Wir werden ersucht, auf die am Sonntag nachmittag 5 Uhr im Saale von Hagemann stattfindende Vorführung von Licht= und kinelatographischen Bewegungsbildern die Mitglieder des Kriegervereins nochmals besonders aufmerksam zu machen. Diese Art von Bildern sind in den letzten Jahren sehr beliebt geworden und gelangen in größeren Orten, unter anderem auch in dem neuen Olympia=Theater in Dortmund, häufig zur Darstellung. Es gehört dazu ein guter Apparat, eine sehr starke Lichtquelle— elektrisches Bogenlicht oder Kalklicht— und die nötigen Films, das sind Celluloidbänder von großer Länge, auf denen sich die Bilder befinden. Diese Sachen sind sehr kostspielig und es wird dadurch die Vorführung dieser hochinteressanten Bilder in kleineren Orten oder gar in Vereinen in der Regel unmöglich gemacht. Der Kriegerverein kann seinen Mitgliedern diese lehrreiche Unterhaltung bieten, weil der Kamerad W. Hoffmanns einen Kinematographen besitzt, und diesen samt seiner Geschicklichkeit dem Verein in uneigennütziger Weise zur Berfügung gestellt hat. Zunächst werden etwa 60 Lichtbilder, Szenen aus dem Kriege 1870/71, mit verbindenden Erklärungen und Erläuterungen zur Darstellung kommen, im zweiten Teile werden humoristische Szenen vorgeführt und zuletzt werden kinematographische Bewegungsbilder zumteil ebenfalls humoristischen Inhalts erscheinen. Durch den Kinematographen können Szenen zur bildlichen Darstellung gebracht werden, in denen sich die Figuren bewegen; zum Beispiel können das Ausziehen eines Zahnes, Wie furchtbar weh hatte sie ihm mit dieser fluchtartigen, abschiedslosen Abreise getan! Sie fühlte es jetzt, weil ihr eigenes Herz so nach ihm schlug.— Ja, sie mußte ihn tief verwundet haben. Und hätte doch am liebsten ihre beiden weichen Hände um seinen Kopf, nein, um sein Herz gelegt und ihn behütet vor allem Harten und Bösen. „Kismet, Kismet!“ stöhnte sie in iyr Taschenluch hinein, während sie tat, als schliefe sie, in die Kissen gedrückt.:„Es sollte so kommen! Ich soll nicht glücklich sein. Und vor allem nicht glücklich machen!“ Die Mutter nahm bald wieder ihre Aufmerksamkeit in Anspruch. Wie es schwache Naturen leicht tun, fing sie nun, nachdem alles im Gange war, am zu zögern. Man hatte doch vielleicht nicht so eilig abreisen sollen, noch vielleicht eine Depesche abwarten.— Freilich, Erna sei ein liebes, gutes Kind, daß sie der alten, ängstlichen Mama zu Gefallen ihren herrlichen Aufenthalt so schnell abgebrochen habe. Am Ende hätte sie doch unter Frau von Sichtens Schutz allein dort bleiben können! Daß ihr das zu spät einfiel! Es hätte sich da doch„alles so schön angelassen:„Wer weiß, was nun wieder vereitelt oder hinausgeschoben sei durch diese unzeitige Trennung. Aber, na ja, die Ermslebens wären eben von jeher vom Unglück verfolgt gewesen!" Erna prickelte die Nervosität in allen Gliedern. „Ich bitte Dich, höre auf, Muttchen,“ sagte sie mit einem gewissen, strengen Ton, dem sich die Majorin zu fügen pflegte.„Die Trennung von ein paar angenehmen Rersebekanntschaften ist ja doch wohl kein Weltereignis, das man nicht verschmerzen könnte. „Reisebekanntschaft? Nun, meine liebe Erna, das ist doch ein merkwürdiger Ausdruck! Deisen war ein intimer Freund Deines Vaters und sein Sohn steht uns solglich doch näher, als irgend eine flüchtige Badebekanntschaft. 36. eine Operation, die spukhaften Erlebnisse eines Hexenkünstlers usw. auf die Projektionswand geworfen werden, wobei Patient und Operateur, Hexenkünstler und Gespenst herumhantiren und dadurch einen fast lebenswahren Eindruck hervorrufen. Da der Saal während der Bilder völlig verdunkelt wird, und auch große Ruhe herrschen muß, so können Kinder am Sonntag nachmittag nicht zugelassen werden. Für diese werden die Bilder am Montag nachmittag 5 Uhr wiederholt. In den Pausen zwischen den Bildern wird der Klaviervirtuose Herr Kuffrath aus Kalk, der seine Kunst ebenfalls mit großer Liebenswürdigkeit dem Verein dargeboten hat, einige hervorragende klassische Klaviervortrage zu Gehör bringen, wofür ihm ein Ibach'scher Konzertflügel zu Gebote steht. Beide Darbietungen, Musik und Bilder, werden zweifellos den Mitgliedern des Kriegervereins und deren Angehörigen einen erhebenden und belehrenden Genuß bieten. Da der Unterhaltungsabend lediglich für die Mitglieder des Vereins bestimmt ist, so wird ein Eintrittgeld nicht erhoben. Daß nach dem Konzert und den Bildern ein Tanzkränzchen stattfindet, dürfte den jungen Herren des Vereins und ihren Damen wahrscheinlich nicht unangenehm sein. ***(Im Silberkranze.) Das Fest der silbernen Hochzeit begehen morgen im Kreise der Kinder, von Freunden und Verwandten die Eheleute Lewe in der Kötterbachstraße. Herzlichsten Glückwunsch! **(Der Dilettantenverein„Humor“) veranstaltet am morgigen Abend wieder einen seiner beliebten Theaterabende im Saale des Herrn Quadbeck. Es sind mehrere theatralische Darbietungen einstudiert worden, so daß bei dem schon so oft bewiesenen darstellerischen Geschick der Mitglieder des Vereins allen Besuchern wieder einige genußreiche und humorgewürzte Stunden in Aussicht stehen. Auch das folgende Tanzkranzchen dürfte wie immer, viel Anklang finden, denn es geht alleweil beim„Humor humorvoll und gemütlich her, getreu dem Worte„Ernst ist das Leben, heiter die Kunst!" wenn's auch keine Künstler, sondern nur bescheidene Dilettänter sind. **(Die Wahlmänner) der nationalliberalen Partei machen wir darauf aufmerksam, daß sich am morgigen Sonntag, nachmittags 3 Uhr, in Witten im Saale des Herrn Borgmann die drei zu wählenden Abgeordneten vorstellen und ihre Programmrede halten werden. **(Heilgehilfen.) Staatlich geprüfte Heilgehilfen haben drei ihren Wohnsitz in Schwerte. Es sind dies die Herren Friedr. Esser, Hermann Schlitzer und Aug. Brühmann. * Westhofen, 13. Nov. Der Wunsch vieler Gemeinemitglieder geht morgen in Erfüllung, da dann die Gemeindepflegeschwester für Westhofen, Garenfeld und Holzen, deren Anstellung immer mehr eine zwingende „Meinetwegen,“ sagte Erna müde, mit geschlossenen Augen....„ I5 M as; Marsin ke. „Du wirst ja sehen, wie vald er uns in Berlin besucht,“ schloß die Majorin triumphirend. Diesmal erfolgte gar keine Antwort mehr; offenbar war Erna eingeschlafen.— Sie blieb am nächsten Morgen, wie veravredet, in München, während sie die Mutter weiterfahren ließ. Als sie in der Morgendämmerung im kalten Frühwind auf den Bahnhofsplatz trat, kam sie sich entsetzlich verlassen vor. Ihr war, als habe man sie herausgestoßen aus irgend einem warmen, sicheren Ort und sie stände nun draußen und fröre. Aber sie ließ diese Anwandlung nicht in sich aufkommen. Die Zähne aufeinandergepreßt, das runde energische Kinn ein wenig vorgeschoben, schritt sie auf eine Droschke zu und fuhr nach der inneren Stadt. Die Kette zwischen ihr und den andern war für eine kurze Zeit zerrissen; sie hatte nun Muße, sich selbst wiederzufinderg,„ Die drei Ausflügler in Kardaun standen einige Sekunden sprachlos auf dem Bahnsteig. Therese fand dann zuerst Worte. „Da sie etwas passirt,“ sagte sie.„Heute Vormittag dachen die Ermslebens noch keine Abreise. Der Professor murmelte etwas Undeutliches vor sich hin. Er sah merkwürdig bestürzt und blaß aus.— Bill b Einige Minuten später erschien der Zug, der sie nach Bozen zurückführte, und wieder zehn Minuten später stürzte Deisen auf sein Zimmer, um nach einem Brief von Erna zu suchen. Natürlich mußte doch ein Brief da sein! Es war keiner da.### tm.. 812. Er schellte nach dem Stubenmadchen und fragte, vo die Damen Ermsleben nichts für ihn hinterlassen hätten. „Ja, die Frau Majorin habe einen schönen Gruß Notwendigkeit wurde, in ihr Amt eingeführt wird. Nach der kirchlichen Feier findet in dem geräumigen Saale des Herrn Schulte ein gemeinschaftliches Kaffeetrinken statt. Redaktions=Briefkasten. Veteran in W. Der erste im deutsch=französischen Kriege gefallene Soldat war Leutnant William Herbert Winsloe vom 3. badischen Dragoner=Regiment, welcher am 25. Juli 1870 bei einer Rekognoszierung fiel. Am Schirlanhof bei Niederbronn im Elsaß ist zwanzig Jahre später ein Denkstein errichtet worden.— Der erste Tote auf französischer Seite war(5 Tage zuvor, nämlich am 20. Juli 1870) ein Infanterist, der bei Saarbrücken auf einer Vorpostenpatrouille von dem Gefreiten Kraus der 6. Konipagnie des Hohenzollernschen Infanterie=Regiments Nr. 40 erschossen wurde.— Den ersten französischen Gefangenen machte am 2. August 1870 bei Babelsberg(Rheinpfalz), also auf deutschem Boden ein Unteroffizier im Rheinischen Dragoner=Regiment Nr. 5, dessen Namen wir leider nicht ermitteln konnten. 100. Krätze entsteht nicht durch bloße Anreiklichten, keit, sondern durch Ansteckung, daß heißt durch Uebertragung der kleinen Krätzmilben. Unreinlichkeit befördert nur die Aufnahme und Fortentwickelung der Milben. Ein wirksames Mittel dagegen ist die Kaposische Krätzensalbe. Man bereitet sie aus 100 Teilen Schweinfett, 15 Teilen Naphthol, 50 Teilen grüner Seife und 10 Teilen Kreide. P. in Sch. Ein vorzügliches Mittel gegen Husten bildet Thee von Haferstroh.. Derselbe wird folgendermaßen hergestellt: Man schneidet trockenes, reines Stroh zu Häcksel und kocht dieses in etwas Wasser ab. Es bildet sich ein bräunlicher Thee, etwas heller als schwarzer Kaffee. Setzt man etwas Zucker zu, so wird der fade Geschmack beseitigt. Der lästige Husten wird durch dieses einfache Mittel, wenn man morgens und abends eine Tasse voll trinkt, oft schon in drei bis vier Tagen geheilt. Dieser Thee hat außerdem den Vorzug vor anderen Heilmiteln, daß er in jedem Alter wohltuend wirkt. Selbst gegen Kehlkopf= und Rachenkatarrh wird Haferstrohthee mit Vorteil angewandt. Jeitgemaße Betrachtungen. „Allerlei Kleinigkeiten!“ In dieses Lebens Wechselspiel Gilt eins zu allen Zeiten: Nicht nur das Große führt zum Ziel, Nein auch die Kleinigkeiten. Oft liegt's an einer Kleinigkeit, Wenn dies und Jenes nicht gedeiht; Aus Kleinem kann auf Erden Doch etwas Großes werden! * Manch kleines Blümchen, kleines Blatt Dient oft den größten Kränzen, Manch kleines Mißverständnis hat Oft große Konsequenzen; Ist eine Ursach noch so klein, Kann doch sehr groß die Wirkung sein, für den Herrn Baron bestellt. Es seien Briefe und Depeschen aus Berlin gekommen; der Sohn liege wohl dort krank. Die Damen seien in großer Eile abgereist, aber ein Packet und einen Brief habe sie noch zu Frau von Sichten hinübertragen müssen. Bill athmete auf. Wahrscheinlich hatte Frau von Sichten also eine Botschaft für ihn. Er wollte gleich hingehen und sich erkundigen; da trat aber schon der Professor bei ihm ein. „Therese schickt mich,“ sagte er.„Ich soll Dir dieses Buch zurückbringen, und auch den Brief von Fräulein Erna hat sie mir mitgegeben. Bill riß das Blatt aus den Händen des Professors und las. Aber eine tiefe Enttäuschung malte sich dabei in seinen Zügen. Einen freundlichen Gruß ließ sie ihm sagen, und es sei leider keine Zeit mehr gewesen, die Gedichte persönlich zurückzugeben.— Das war alles.— War das eine Abweisung? Hatte sie keine andere Antwort auf seine zarte Werbung? Mechanisch öffnete er den Band Gedichte. Das grünseidene Schnürchen, das als Merkzeichen darin diente, lag nicht mehr zwischen den beiden Seiten, wo er es hingelegt, weil dort das bewußte Minnelied gestanden. Aber mit feinem Bleistiftstrich war ein anderes Gedicht auf der Seite angemerkt, wo jetzt das Schnürchen lag. In freier Uebersetzung lauteten diese Zeilen etwa: „Wo einst ein Blumengärtlein hat geblüht, „Hat jetzt der Sturm ein wüßtes Land geschaffen: „Du kennst nicht alle Stürme, die mich trafen, „Und weißt nicht, welch' ein Weh mein Herz durchGüht.. us zehnmal. Bill las das Gedicht einmal, zweinar, zehlmal. Er hatte augenscheinlich die Anwesenheit des Freundes ganz vergessen. Am Fenster saß er im letzten verglimmenden Abendschein und starrte auf die traurigen Zeilen. Was bedeuteten sie? Daß dies keine unbedingte Abweisung war, fühlte er nun wohl. Aber es war doch auch keine Ermutigung.. 61.— Als er fünf Minuten so in regungslosem Brüten gesessen, erlaubte sich der Professor, ihn in die Wirklichkeit zurückzuführen. Er hate bis dahin neben dem Kleiderschrank an der Tür gestanden. „Ich bin nähmlich auch noch da,“ sagte er. „Ja, erwiderte Bill gedankenlos. Dann, nach einer Weile, setzte er hinzu:„Entschuldige, ich hatte ganz vergessen— nimm doch Platz!“ „Nein,“ sagte der andere,„das werde ich nicht tun. Ich störe nicht gerne ein tete=a=tete. Also Adieu!“ „Tete=a=tete? Wieso denn?“ „Nun, Du und Herr von der Bogelweide, Ihr zwei und Jemand anders. Auf alle Fälle fühle ich mich überflüssig Ich gehe zur Messe, auf Wiedersehen! Er ging wirklich.... 5.(Fortsetzung solhl.) Wie ja aus unserm Leben Viel Beispiele ergeben! * Wie oft hat mancher Kleine schon Sich kühn emporgeschwungen, Es ist das Lied vom kleinen Cohn In aller Welt erklungen. Das Kleine ist's, was oft gefällt, Drum liebt man auch das kleine Geld, Drum liebt ein jeder Zahler Das Goldstück mehr wie'n Taler! * Brav ist es, sich zur rechten Zeit Ein großes Ziel zu setzen, Doch soll man eine Kleinigkeit Trotzdem nicht unterschätzen. Und hätte eine Kleinigkeit Sich eingestellt zur rechten Zeit, Hätt' Keiner ein Interesse Am Majorats=Prozesse! * Das Große sucht man weit und breit, Stürmt förmlich ihm entgegen, Und doch vermag ne Kleinigkeit Schon Aufseh'n zu erregen. Es ist vor eingen Monden schon „Aus einer kleinen Garnison“ Ein großes Buch geschrieben, Das wird sogar vertrieben! * Zum Händler spricht im Frageton Manch Else und manch Ilse: „Aus unsrer kleinen Garnison Roman von Leutnant Bilse.“ Denn was da schreibt ein Leutenant, Ist selbst dem Backfisch intressant, Auch dann, wenn die Geschichte Beschäftigt die Gerichte. Es heischt, was manchmal klein begann Urplötzlich viel Interesse, Nimmt große Dimensionen an Und läuft dann durch die Presse; Wie dieses kleine Panama, Da drüben in Amerika; Es bildet dieses„Kleine" jetzt einen Staat alleine. * Man sorgt für Arbeit, das ist brau, Hier für die Konsequenzen: Der Geo= und der Kartograph, Entwerfen neue Grenzen! O Panama, O Panama, Du stand'st schon einmal glänzend da, Doch reden wir nicht weiter Von dem Kanal!—— Ernst Heiter. Berlin, 12. Nov. Die Kommission zur Prüfung der Aehnlichkeit zwischen den beiden Knaben, die in dem großen, bereits mehr als zwei Wochen dauernden Kindes=Unterschiebungs=Prozeß gegen die Gräfin Kwilecki und Genossen unbewußt die Hauptrolle spielen, ist heute morgen um 9 Uhr im großen Schwurgerichtssaal in Moabit unter Ausschluß der Offentlichkeit zusammengetreten. Erschienen waren die Gerichtsärzte Dr. Störmer und Professor Vogel als Mitglied der Sachverständigen=Kommission. Die Verteidiger und die Vertreter der öffentlichen Anklagebehörde wohnten den Untersuchungen bei. Die Arbeiten der Kommission nahmen fast drei Stunden in Anspruch. Sie haben zu dem Ergebnis geführt, daß zwischen dem im Jahre 1895 geborenen ersten unehelichen Sohne der jetzigen Bahnwärtersfrau Cäcilie Meyer, geb. Parcza, und dem sechsjährigen Adolf Stanislaus v. Wefierski=Kwilecki irgendwelche Aehnlichkeiten verwandschaftlicher Natur in keiner Weise festzustellen waren. Auf der anderen Seite weisen die Gesichtszüge und Körperformen des kleinen Grafen und der angeklagten Gräfin Kwilecka eine außerordentliche Familienähnlichkeit auf; besonders gleichartige Merkmale fanden sich bei der Bildung der Ohrmuscheln vor. Die Prozeßverhandlung wird morgen fortgesetzt. Zum Vergleich bei den Untersuchungen der Kommission war, wie es heißt, auch Komtesse Maria, die jüngste Tochter des angeklagten gräflichen Ehepaares, hinzugezogen. (Charakteristisch) für den König Georg von Sachsen ist ein kleiner Vorfall, den sächsische Blätter mitteilen. Der König machte im grauen Zivilanzug in Begleitung seiner drei Lieblingshunde einen Spaziergang- durch die Hosterwitzer Felder bei Pillnitz. Als er durch das große Parktor wollte, erklärte ihm der dort stehende Posten:„Mein Herr, mit Hunden dürfen Sie hier auf keinen Fall passieren, auch wenn sie eine Zutrittskarte haben. Der König entfernte sich durch eine Seitenpforte. Später erzählte er seiner Umgebung den Fall, die fragte, was Majestät getan hätten.„Ja, was sollte ich weiter tun, ich bin eben wieder umgekehrt. Der Mann war doch vollkommen in seinem Rechte.“ f(Berechtigte Frage.) Vom Rhein wird der Frankf. Ztg. geschrieben: In einem armen Dorfe in der Eifel feierte der betagte Volksschullehrer sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum., Die Gemeinde brachte dem verdienten Erzieher der Jugend einen Fackelzug, und als das ganze Dorf vor dem Schulhause versammelt war, hielt der Bürgermeister eine Rede, die mit dem Rufe schloß:„Unser verehrter Lehrer soll leben!“„Wovon?“ antwortete promt der Gefeierte. 1(Eine„Spuckgeschichte") trug sich in Kloddram (Pomm.) zu, die sich in ihrem weiteren Verlaufe auf sehr natürliche Weise erklärte. Man hörte in einer Stube tagelang unbestimmte Klagelaute, die aus einem neugesetzten Ofen zu kommen schienen und sich mit Unterbrechungen wiederholten. Als man schließlich durch Herausnahme einiger Kacheln eine größere Oeffnung im Ofen herstellte, wurde eine— Katze zu Tage gefördert, die zwar lebendig. aber zum Skelett abgemagert war. Das Tier war auf unaufgeklärte Weise eingemauert worden und hatte acht Tage lang in diesem Kerker zugebracht. *(Eigentümlicher Geschmack.) Aus Narrawong in der Kolonie Viktoria wird von einer Kuh berichtet, die das Privilegium genoß, auf dem Truppenübungsplatze weiden zu dürfen, wenn er nicht anderweitig benutzt wurde. Das Tier muß einen eigentümlichen Geschmack haben, denn als es geschlachtet wurde, fand man in seinem Magen nicht weniger als 148 Patronenhülsen, die zusammen ein Gewicht von beinahe drei Pfund hatten. (Die Rache der Verführten.) In Wien hat sich ein Mädchen in furchtbarer Weise an ihrem Verführer gerächt, indem sie ihm Vitriol ins Gesicht goß und ihn so schwer verletzte, daß er in Lebensgefahr schwebt. Der beim Gastwirt Hampel in Rudolfsheim bedienstete 28jährige Kellner Josef Seidel war in Beziehungen zu dem dort gleichfalls dienenden 16jährigen Küchenmädchen Berta Kriz getreten, welche nicht ohne Folgen blieben. Als die Kriz sich an Seidel mit dem Verlangen nach Unterstützung wendete, wurde sie abgewiesen. Empört hierüber faßte sie einen verbrecherischen Racheplan. Sie kam zum Gasthaus und ließ den Kellner scheinbar zu einer Unterreduetz auf die Straße rufen. Ahnungslos kam Seidel der Ein ladung nach. Kaum stand er vor der Kriz, als diese ein verborgen gehaltenes, mit Vitriol gefülltes Fläschchen hervorzog und seinen Inhalt dem Unglücklichen ins Gesicht goß. Die Wirkung war furchtbar, von entsetzlichen Schmerzen gequält, total verbrannt und geblendet, schrie Seidel laut um Hülfe. Unmittelbar nach dem Attentat war es der Kriz gelungen, zu flüchten; als Passanten und Gasthauspersonal herbeieilten und Sicherheitswache kam, fanden sie den furchtbar entstellten Mann. Man berief die Aerzte der Unter=St. Veiter Freiwilligen Rettungsgesellschaft und diese stellten fest, daß Seidel Brandwunden dritten Grades im ganzen Gesicht, an den Ohren und an der Brust erlitten hat. Das Schrecklichste ist, daß ihm beide Augen ausgebrannt sind. (Tarwinistisches.) Professor:„Wir können also mit Berechtigung annehmen, daß unsere Vorfahren affenartig auf Bäumen lebten, allmählich jedoch herniederstiegen, den aufrechten Gang annahmen und sich nach und nach zu den höchststehenden Geschöpfen dieser Erde ent ickelten.— Müller! Was sind also die Menschen?" Schüler:„Heruntergekommene Affen!“ Wetterbericht. 15. Nov. Meist bedeckt, milde, Regenfälle. 16. Nov. Wenig verändert, kühler. Verantwortlich für den redaktionellen Teil Wilh. Schade. einers K.. 167 Auf Grund des§ 2 der Prüfungs=Ordnung für Hufschmiede bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß der nächste Prüfungstermin bei der zu Dortmund bestehenden Kommission auf Donnerstag, den 24. Dezember d. Is. anberaumt worden ist. Die Meldungen zu dieser Prüfung sind spätestens bis zum 10. Dezember 1903 unter Einreichung eines Geburtsscheines, eines polizeilichen Führungsattestes und etwaiger Zeugnisse über die erlangte technische Ausbildung, sowie unter Einsendung der Prüfungsgebühr im Betrage von 10 Mark an die landwirtschaftliche Winterschule zu Dortmund zu richten, welche demnächst die Prüflinge zur Prüfung einberufen wird. Arnsberg, den 22. Oktober 1903. Der Regierungs=Präsident. I. V.: Müller. Der Beginn des nächsten Kursus zur Ausbildung von Lehrschmiedemeistern an der Lehrschmiede von Charlottenburg ist auf Montag, den 1. Februar 1904 festgesetzt. Anmeldungen sind an den Direktor des Instituts, Ober=Roßarzt a. D. Brand zu Charlottenburg, Spreestraße 42, zu richten. Arnsberg, den 12. Oktober 1903. Der Regierungs=Präsident. I. V.: Müller. Bekanntmachung. Im Anschluß an meine Bekanntmachung vom 6. August 1903, Amtsblatt Seite 498 und in teilweiser Abänderung derselben, ernenne ich hiermit auf Grund des§ 133 Absatz 2 der Reichs=Gewerbe=Ordnung nach Anhörung der Handwerkskammer in Dortmund den bisherigen stellvertretenden Vorsitzenden Gustav Altegoer zu Bochum zum Vorsitzenden und den Schmiedemeister Witt ebenfalls zu Bochum, zum stellvertretenden Vorsitzenden der für den Stadt= und Landkreis Bochum— mit dem Sitz in Bochum— bestehenden Meisterprüfungs=Kommission für nachfolgende Handwerke: Bäcker, Barbiere, Friseure und Perrückenmacher, Dachdecker, Fleischer, Installateure, Konditoren, Klempner, Kupferschmiede, Maler, Sattler, Schlosser, Schmiede(ausgenommen die Hufschmiede) Schneider, Schuh= und Schaftemacher, Stellmacher, Tischler und Uhrmacher. Arnsberg, den 16. Oktober 1903. Der Regierungs=Präsident. I. V.: Müller. D’Thompsor’s Sehenpafde! öAarke Schwan st sparsa fnen HausFrauen BrautKränze u. 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Deutschland. — Ueber den Verlauf der Operation beim Kaiser erfährt man aus authentischer Quelle noch folgende Einzelheiten: Der Polyp war nicht, wie es hieß, gestielt, sondern fast breitbasig am Rande des linken Stimmbandes. Aus diesem Grunde war die Operation etwas komplizierter als bei gewöhnlichen Stimmbandpolypen, da die Geschwulst erst durch Einschnitt an ihrer Basis zu einer gestielten gemacht werden mußte. Das Cocain wirkte vorzüglich, sodaß Professor Schmidt das Kehlkopfmesser mit Sicherheit führen konnte und mit einem kleinen Schnitt den Polyp und dessen Anhaftungsstelle lostrennte. Dann ging er mit der Kehlkopfzange in den Schlund und holte mit einem Griff die ganze Geschwulst heraus. Während der Operation machte der Kaiser keine Bewegung. Die Blutung war etwas reichlich, doch erforderte dieselbe kein besonderes Blutstillungsmittel. Da beim Kaiser schon vor der Operation das ganze linke Stimmband empfindlich gerötet war, ist anzunehmen, daß die völlige Abblutung und Heilung noch längere Zeit in Anspruch nehmen wird. Eine solche Mitbeteiligung der Stimmbänder ist nichts Ungewöhnliches und kein Zeichen einer tieferen Erkrankung. Das Resultät der mikroskopischen Untersuchung war schon nach sechs Stunden in den Händen des Kaisers und seiner Aerzte. Eine solch schnelle Untersuchung war bis heute unerreicht, da die Härtung und Färbung eines Präparates bis jetzt 24 Stunden, bei größeren Präparaten sogar Tage in Anspruch nahm. Durch die Geschwulst wurde eine ganze Anzahl sogenannter Serienschnitte ausgeführt. Dies ist eine Erfindung des Professors Orths, die noch nicht bekannt ist und beim Kaiser zum ersten Male angewendet wurde. Professor Schmidt nimmt beim Kaiser täglich eine Besichtigung des Stimmbandes mittels Kehlkopfspiegels vor und bestreut dasselbe mit Pulver. Reiten, scharfe Getränke und scharfe Speisen sind dem Kaiser bis auf weiteres verboten. Die Stimmung im Neuen Palais ist trotz dieser Einschränkung durchaus behaglich und nicht gedrückt. Der Kaiser zeigt sich als gehorsamer Patient, der alle Ratschläge des Arztes befolgt. — Die römische Presse verbreitet ein seltsames Telegramm aus San Remo, wonach dort ein deutscher Hofbeamter im Begriff sei, für Kaiser Wilhelm dieselbe Villa Zirio zu mieten, wo 1887 Kaiser Friedrich weilte. Die Stimmung ist durch diese Nachricht hier sehr beunruhigt. —(Der„Hannov. Courier“ giebt diese Meldung seines römischen Mitarbeiters wieder, weil sie den Weg in die deutsche Presse finden wird, betont aber, daß in den Berichten über das Befinden des Kaisers nicht der leiseste Grund vorliegt, Vergleiche mit der Situation vom Jahre 1887 zu ziehen, und hält die ganze Nachricht für eine frivole Erfindung.) — Aus Posen wird gemeldet: Die erzbischofliche Behörde verhängte Karzerstrafen über sämtliche polnische Kleriker des Posener Priesterseminars wegen der Weigerung, die Akademievorlesungen zu besuchen. Bei fortgesetzter Weigerung wurde ihre Relegierung angedroht. Die neu eintretenden Kleriker müssen schriftlich sich verpflichten, die Vorlesungen der Akademie regelrecht zu besuchen, sonst unterbleibt ihre Aufnahme in das Seminar. — Ingolstadt bleibt Festung ersten Ranges. In der bayrischen Abgeordnetenkammer erklärte Kriegsminister von Asch auf eine Anfrage, daß niemand daran gedacht habe oder daran denken könne, Ingolstadt von seinem Range als Festung erster Klasse herabzudrücken. — Ueber die Verteilung der deutschen Burengaben wird berichtet, daß an Witwen, Waisen und Verstümmelte Summen von 100 bis 1000 Mk. gezahlt worden sind. Ein Gesamtrechenschaftsbericht wird seinerzeit veröffentlicht werden, wenn auch das Hilfswerk noch nicht abgeschlossen ist. Die traurigen Zustände im Lande zwingen Botha, von neuem die längst geplante Europareise zu verschieben. Oesterreich. = Im ungarischen Abgeordnetenhause dauert die Obstruktion fort. Die von dem Ministerpräsidenten Grafen Tisza in der Heeresfrage angebotenen Neuerungen werden von der Opposition für unzureichend erklärt und heftig bekämpft. Wie lange sich der leitende Minister den Zustand der Tatenlosigkeit gefallen lassen wird? Hoffentlich schlägt er recht bald mit Keulen darein. Geduld und Unterwürfigkeit führen nicht zum Ziele. Im Uebrigen tut es den wackeren Magyaren auch einmal ganz gehörig not, daß in Ungarn ein Exempel statuiert wird. Italien. = König Viktor Emanuel von Italien, der soeben sein 34. Lebensjahr vollendet hat, tritt nun an diesem Sonnabend die Reise nach England an. Die Königin Helene begleitet ihren hohen Gemahl. Waren die innerpolitischen Zustände Italiens beim Antritt der Pariser Reise unerfreulich, am Tage vor der Abreise die Absage des Zarenbesuches, so ist sie jetzt womöglich noch mißlicher. Der Selbstmord Rosangs und dessen Ursache hat den König aufs tiefste verstimmt, und dem Kabinett Giolitti ernste Ungelegenheiten bereitet. In der höchst unergnicklichen Angelegenheit hatte Giolitti, der der Wunsch, sich ins Privatleben zurückzuziehen geäußert haben soll, eine längere Unterredung mit dem Könige. Vor der englischen Reise ist begreiflicherweise keine Aenderung in der Zusammensetzung des Kabinetts zu erwarten; was nachher geschieht, muß die Zukunft lehren. Für die innerpolitischen Verdrießlichkeiten wird der König, so weit das möglich ist, durch ausgesuchte Artigkeiten Frankreichs und einen ungemein herzlichen Empfang in England entschädigt werden. Das französische Nordgeschwader erhielt Befehl, das italienische Königspaar bei seiner Reise nach England in Cherbourg zu begrüßen. Der kühle John Bull aber hat sich vorgenommen, anläßlich des italienischen Besuches der Welt zu zeigen, was er an stürmischen Begrüßungskundgebungen leisten kann.. England. Die Arbeiter für Chamberlain. Die Annahme Chamberlains, daß die Arbeiter die Abneigung ihrer Führer gegen seine Politik keineswegs teilten, scheint einigermaßen berechtigt gewesen zu sein. Jedenfalls liegt die erste Meldung darüber vor, daß eine große Arbeiterversammlung sich zu Gunsten der Chamberlainschen Pläne aussprach, und das läßt darauf schließen, daß es Chamberlain gelungen ist, für seine Politik bereits in unerwartet großem Maße Propaganda zu machen. Aus Bollshill meldet man, daß sämtliche Bergleute des Distrikts gleichen Namens nach einer lebhaften Versammlung einstimmig für die Chamberlainschen Pläne eintreten zu wollen erklärten. China. = Aus Port Arthur wird gemeldet: Wie„Nowy Kray“ aus Tschemulpo meldet, überfielen dort 300 Hafenarbeiter 26 aus der Stadt zurückkehrende Matrosen des russischen Kanonenbootes„Bohr". Die Angreifer hatten verschiedene Waffen; die Matrosen verteidigten sich mit Fäusten, warfen die Angreifer zurück und erreichten ihren Kutter, ein Steinhagel folgte ihnen. Viele Matrosen wurden verwundet. Da den Japanern schien, daß einige Russen in der Stadt zurückgeblieben seien, dranden zweihundert mit Beilen und Säbeln bewaffnete Japaner in die europäische Niederlassung ein, durchsuchten die russischen Häuser und umlagerten sie die ganze Nacht. Die Konsuln leiteten eine Untersuchung ein. Die Japaner, die darüber erbittert waren, daß zwei von ihnen bei dem Ueberfall tötlich verwundet und andere übel zugerichtet waren, versagten der Obrigkeit den Gehorsam und machten, wie es heißt, stark bewaffnet den Quai unsicher, indem sie jeden Russen zu erschlagen drohten. Die Matrosen nahmen bei dem Ueberfall den Japanern verschiedene Waffen ab. Aufrechterhaltung der Ordnung gingen nach Tschemulpo das Panzerschiff„Poltawa“ und einige Minenboote ab. Kleine + Die Beliebtheit deutscher Schriftsteller soll in England nach der Londoner Wochenschrift„Acadenny" im Zunehmen begriffen sein und zwar in dem Maße, wie die Nachfrage nach französischen Autoren sinkt. Es seien hierfür lediglich Gründe maßgebend, die das Verdienst betreffen. Mit der französischen Schriftstellerei gehe es im mer mehr bergab, während die deutsche im Aufschwung begriffen sei. + Kiel, 13. Nov. Das Linienschiff„Mecklenburg“ überrannte beim Torpedoschießen in der Außenföhrde ein Segelschiff, welches sank und beschädigte einen Dampfer so schwer, daß er sich auf Grund setzte. + Von einem Sonderzug mit 5 Millionen Mark lesen wir in der„Posi“: Der Argondampfer„Condor“ traf dieser Tage mit 50 Kisten englischen Goldes, teils geprägt, teils in Stangen, je Kiste hunderttausend Schilling ent haltend, von England in Geestemünde, unweit Bremen ein. Die Goldbarren sollen nach Rußland, das gemüzte Gold dagegen über Triest nach Alexandrien(Agypten) weitergeschafft werden. Ein Sonderzug brachte die fünf Millionen zunächst nach Dresden. + Posen, 13. Nov. Der bekannte Martin Biedermann, der Besitzer einer großen polnischen Parzellierungsbank und des polnischen Volksblattes„Praca, wurde nach vorangeganger vielstündiger Haussuchung verhaftet. Mehrere politische Anklagen liegen ihn vor, außerdem schwebt gegen ihn ein Verfahren wegen Beamtenbestechung. # Lille, 12. No. Die Fabrikanten von Armentieres lelnten den Vorschlag des Schiedsgerichtes ab und erklärten sich bereit, den Arbeitern am Tage nach Wiederaufnahme der Arbeit die Sume von 300000 Francs zu zahlen, was ungefährdem Lohn einer Woche entspricht, um hierdurch ihren guten Willen zu bezeugen. VonApril nächsten Jahres ab wollen die Fabrikanten eine Verständigung über den 10stündigen Arbeitstag zu erzielen suchen. Die Arbeiter lehnten die Vorschläge bisher ab. Ein dreifacher Kindesmord im Wahnsinn. Ein schrecklicher Vorfall hat sich am Mittwoch Morgen, wie telegraphisch schon kurz gemeldet, in dem Hause Landsbergerstraße 41 im Osten Berlins abgespielt. Dort brachte die 32jährige, aus Berlin gebürtige Schriftsetzersfrau Anna Winterstein geb. Reckink ihre drei Söhne Richard, Martin und Friedrich im Alter von 7,6 und 4 Jahren durch Erhängen um und benachrichtigte dann selbst Polzeibeamte, die sie festnahmen. Die Frau leidet allem Anschein nach an Verfolgungswahnsinn, ihr Mann befindet sich augenblicklich in der Lungenheilstätte Belzig. Das Ehepaar Winterstein bewohnte in einem Dachgeschoß Stube, Kammer und Küche für 22 Mark den Monat. Schon beim Einzug fiel es andern Mietern auf, daß Frau Winterstein sich keinem Menschen näherte. Im Laufe der seit gewannen die Hausgenossen die Ueberzeugung, daß sie nicht ganz zurechnungsfähig sei. Winterstein erkrankte bald, lag zwei Monate im Krankenhaus, war dann acht Tage zu Hause und ist seit vier Monaten in der Lungenheilstätte zu Belzig. Die Frau bekam von der Schriftsetzerkasse eine wöchentliche Unterstützung von 23 Mark, so daß sie mit ihrer Familie keine Not litt. Die drei Kinder waren sehr klein und schwächlich. Das Gebahren der Frau Winterstein wurde zuletzt geradezu unheimlich. Als ein Nachbar, der Arbeiter Holzmann Montag abend nach Hause kam, traf er sie, wie sie mit aufgelöstem Haar auf dem Treppenabsatz stand und sich mit den Händen vor den Kopf schlug. Dinstag behielt sie die Kinder aus der Schule zurück. Schon Montag abend soll sie den Versuch gemacht haben, sie zu töten, aber durch einen Zufall daran verhindert sein. Abends begegnete ihr Holzmann wieder auf der Treppe. Jetzt raufte sie sich die Haare und klapperte mit den Zähnen. Als der Nachbar sie nun fragte, was denn mit ihr los sei, antwortete sie schroff: „Machen Sie, daß Sie in Ihre Wohnung hineinkommen!“ Holzmann ging darauf seiner Wege und kümmere sich nicht mehr um sie. Mittwoch Morgen um 5 Uhr rief Frau Winterstein einige Male„Emma!“ und verließ dann das Haus. In ganz aufgelöstem Zustande ging sie auf die postrouillirenden Schutzmänner Störner und Kirchbach zu und teilte ihnen mit, daß eine Frau ihre drei Kinder erhängt habe. Auf die Frage der Beamten, was für eine Frau das sei, antwortete sie, sie sei es selbst. Die beiden Schutzmänner gingen mit nach ihrer Wohnung und fanden die schreckliche Meldung bestätigt. Alle drei Knaben lagen tot im Bette. Die beiden jüngeren waren bereits erstarrt, der älteste fühlte sich noch warm an. Wiederbelebungsversuche waren vergeblich. Auf dem Tisch der Wohnung hatte man einen Brief gesunden, der einen Einblick in ihre geistige Verfassung tun läßt. Die Frau schrieb von Verfolgungen, die sie und ihre Familie zu erdulden hätten, dann wieder, daß sie ihre Kinder nicht zu Verbrechern werden lassen wolle, und andere verworrene Dinge. Auf der Polizeiwache war sie ganz gleichgiiltig. Von Reue zeigte sie keine Spur, sie sagte vielmehr mit aller Ruhe, es sei nur gut, daß es so gekommen sei. Auch die schreckliche Tat selbst stellte sie ohne jede Erregung dar. Dinstag Abend hatte sie sich vom Boden eine starke Schnur geholt. In früher Morgenstunde nahm sie zuerst ihren jüngsten Sohn, der wie die andern schlief, aus dem Bette, legte ihm eine Schlinge um den Hals und knüpfte ihn an der Türklinke auf, bevor er noch aus dem Schlafe erwachte. Mit der Uhr in der Hand lag sie nun eine halbe Stunde lang im offenen Fenster. Dann nahm sie die Leiche von der Klinke, legte sie ins Bett, erhängte in derselben Schlinge den zweitältesten Knaben und wartete wieder eine halbe Stunde, um nun in derselben Weise das entsetzliche Werk an ihrem ältesten Sohne zu vollziehen. Dieser erwachte und fragte verwundert:„Mutter, was machst Du denn, was willst Du denn?“—„Ach nichts,“ erwiderte sie,„ich will Dich nur in ein anderes Bett legen.“ Beruhigt richtete sich der Knabe auf. Unmittelbar darauf hatte er die Schlinge um den Hals und wurde von der eigenen Mutter erwürgt. Nach dem Gutachten der Polizeiärzte verübte Frau Winterstein den dreifachen Kindesmord zweifelos im Wahnsinn. Verantwortlich für den redaktionellen Teil Wilh. Schade, STUPSSUU PeeeScuT BOrCnrahde Speziul=Geschaft für Bamen= und Kinbermaniet, Tostümer, Blusen= und Pelzwaren. Toustäunriger AnsRrruuttf underer gesamten Winterläger zu staunend billigen Preisen. Ihre Sendung hat meinen ganzen Beifall und werde ich nicht verfehlen, Ihre Fabrikate in meinen Freundeskreisen angelegentlichst zu empfehlen. v. Bredow, Amtsgerichts-Sekretär. Ich habe die 44 Gegenstände von mexikanischem Patent-Silber bekommen undwerde Ihre Ware meinen Bekannten empfehlen. Frau Oberamtsrichter Müblenbruch. Soeben habe ich die gewünschte Sendung in trefflichem Zustande erhalten. Prof. Dr. Eugen Wilhelm. Ich ersuche Sie, mir eine Garnitur zu senden, wie solche mein Schwiegersohn Frhr. v. 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Ihre Sendung habe ich erhalten und bin damit recht zufrieden. Dr. Tornler. Ihre Sendung Silbersachen hat sehr meinen Beifall. Frau Landgerichtsdirektor Weise. Ich war mit der Sendung sehr zufrieden und werdc bei Gelegenheif Ihre Adresse weiter empfehlen. Frau Oberamtsrichter Klingler: Anbei erhalten. Sie den Betrag für gelieferte Silberwaren mit dem Beifügen, dass ich von Ihrer Sendung sehr befriedigt bin und bemüht sein werde, Sie in meinen Bekanntenkreisen bestens zu empfehlen. Spbeslandengstichlerst benit. Bekanntmachung. Infolge des Ausscheidens des Werkmeisters Eduard aus der Stadtverordneten=Versammlung ist für denselben seitens der 1. Abteilung eine Ersatzwahl vorzunehmen für die Zeit bis zum 31. Dezember 1904. Termin zur Wahl wird hierdurch anberaumt auf Montag, den 30. d. M., mittags 12 bis 1 Uhr. Wir laden zur Wahl hierdurch mit dem Bemerken ein, daß dieselbe im Stadtbause. im StadtverordnetenSitzungosaale, hierselbst stattfindet. Die Wähler haben ihre Stimmen dem Wahlvorstande mündlich zu Protokoll zu geben. Schwerte, den 13. November 1903. Der Magistrat: Kohrmann. Da Zur Vorwahl laden wir die Wahlmänner unserer Partei aus dem Wahlkreise Bochom=Dortmund auf Sonntag, den 15. November 1903, nachmittags 3 Uhr, nach Willen in den Saal des Herrn Vorgmann ergebenst ein. Die aufgestellten Kandidaten werden anwesend sein. Dortmund, den 11. November 1903. Der liberale Bezirks-Wahlausschuss von Bochum-Dortmund. Hetzmacher, Vorsitzender. Hoerder Gewerbebank in Hoerde. G. m. b. J. für Handwerker und Geschäftslokal: Giro=Konto Chausseestr. 55. bei der Reichsbank. Geöffnet von 9—12½ Uhr mittags. Spareinlagen werden bis zu 4% verzinst. Konto=Korrent und Check=Verkehr. Gewährung von Bauvorschüssen. Kiedit=Gewährung in lauf. Rechnung. Diskontierung, Domizilierung und Inkasso v. Wechseln. Anmeldung zur Mitgliedschaft werden täglich während der Bureaustunden entgegengenommen. 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