Insertionsgebühr für lokale Anzeigen, die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., außerhalb 15. Reklavte=Zeile 40 Pfg., Druck und Verlag von Carl Braus in Schwern, Fernsprech=Anschluß Nr. 62. Amt Schwerte. Telegr.=Adresse Braus, Schwerte=Nuhr. Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche Kraft. Abonnementspreis pro Quartal 1 Mark 65 Pfg., excl. 42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund. 36. Jahrgang Der bekannte Leipziger Historiker Professor Karl Lamprecht schreibt in der eben bei H. Heyfelder in Freiburg i. Br. zur Ausgabe gelangenden zweiten Hälfte des zweiten Erganzungsbandes seines hochbedeutsamen Werkes„Zur jüngsten deutschen Vergangenheit“ über Kaiser Wilhelm II. u. a.:. 6.. 4m Maß Darüber, daß der Kaiser in besonverem Maße begabt ist, ist alle Welt einig, nicht minder darüber, daß er in hohem Maße die Neigung besitzt, seiner besonderen Auffassung Geltung zu verschaffen. Aber auch darüber, daß er in vielen Dingen tatsächlich leitet, besteht Uebereinstimmung... Wer heute Minister hört, wird immer erstaunt sein, bis zu welchem Grade sie nichts wiedergeben, als Auffassungen des Kaisers Bismarck und Kaiser Wilhelm sind absolute Gegensätze; jener war Realist, der Kaiser ist Idealist. Der Kaiser ist nicht der Mann von Maßregeln, die den Tag dem Tage verknüpfen. Damit hängt zusammen eine außerordentliche Zähigkeit im Festhalten allgemeinster, politischer Ziele (Schulpolitik, Vergrößerung der Marine, Verhältnis zu England). Dabei zeigt er aber einen weit weniger starken Sinn für die Durchbildung der konstanten Mittel, die zur Verwirklichung seiner Ideale zu entwickeln und einzustellen wären. Vielmehr das Ziel fest im Auge, wechselt er rasch in der Wahl der Wege, auf denen seine Erreichung möglich erscheint Die außerordentlich entwickelte Assoziationsfähigkeit der kaiserlichen Natur, ein echtes Zeichen reizsamer Veranlagung, fördert immer neue Kombinationen zutage. Dabei sollen sie rasch verwirklicht werden; und so verbindet sich mit ihnen jene böige(!) Form der Willensmeinung, jene Impulsivität, die den Zeitgenossen ebenfalls als ein Charakterzug des Kaisers gilt zu Einzelzügen aus und gestattet, dem Herrscher jenen haufigen Ortswechsel, der ihn in großen Teilen des Reichs gleichsam ständig heimisch macht. Aus dem außerordentlichen Reichtum an Assoziationen entfließt dann dem Kaiser die schicksalsreiche Gabe des begeisterten Redners, wie der Zauber und die Anmut der Unterhaltung. Der Kaiser kann geradezu als erster großer Vertreter des kurzen künstlerisch geredeten Telegramms gelten, wie als einer unserer besten Rhetoriker des repräsentativen Stils. In ihren historischen Fundamenten ist die Persönlichkeit des Kaisers vor allem hohenzollerisch. Nichts geht ihm über die Traditionen seines Hauses und seines Geschlechts. Man weiß, wie er die Großen unter seinen Ahnen verehrt. Für die jüngsten Vorfahren gar, und vornehmlich wieder für Kaiser Wilhelm den Alten, erheben sich seine Empfindungen geradezu in den Bereich des Ahnenkultus. Alle Geschichte erscheint bei ihm zurückgeführt auf das Walten einiger weniger großen Personen, vor allem auf die Fürsten und ihre Gehülfen. Das ist die epische Anschauung des alten Germanentums Archaisch in ihren Formen, ungeteilt christlich ohne grundsätzliche Anerkennung des Unterschiedes der Konfessionen neuerer Zeiten, noch in den letzten Momenten des Ahnenkultus wurzelnd, erscheint die Frömmigkeit Wilhelms II. Das Reich des Christengottes, des Herrn der Heerschiren auszudehnen über die Reiche dieser Wel bis zu den fernen Küsten der gelben Rasse stehen ihm doppelt Heere zur Verfügung: ein Heer der Streiter draußen mit Kanonen und Bajonett und ein Heer der Beter, die christliche Gemeinde daheim, und keines kann siegen ohne die kraftvolle Hülfe des andern. Auch die staatsrechtlichen Anschauungen des Kaisers gehen im Grunde zurück auf die Idee der altgermanischen Gefolgschaft, der Treue und des Gehorsams des Volkes.... Nun versteht sich, daß eine so archaische Anschauung, die nur den Herrn kennt, der führt und den in blinder Treue helfenden Gefolgsmann nicht ohne weiteres aufzugehen vermag in moderne Verhältnisse und in Zustande einer beschworenen konstitutionellen Verfassung. Aber das verknüpfende Band ist hier die Idee des christlichen Staates: das Volk soll dem Herrscher folgen, aber der Herrscher ist gebunden an den staatsrechtlichen Gehalt der christlichen Offenbarung. Es sind die Gedanken vor allen Luthers, die hier auf tauchen; es ist die Lehre von dem patriarchalischen Absolutismus, dessen genialster Vertreter auf deutschem Boden vielleicht der Große Kurfürst gewesen ist, den der Kaiser darum zärtlich verehrt. Da es interessant ist, zu erfahren, wie ein lebender Historiker über unsern Kaiser urteilt, geben wir die vorstehenden Ausführungen hier wieder. Sinnsprüche. Ach, daß wir doch dem reinen stillen Wink Des Herzens nachzugeh'n so sehr verlernen! Ganz leise spricht der Herr in uns'rer Brust, Ganz leise, ganz vernehmlich, zeigt uns an, Was zu ergreifen ist und was zu flieh'n. Goethe. * Du gibst dem Zorne nach; doch ist der Zorn Verraucht, bereust du. Solcherlei Naturen sind Sich selbst mit Recht zur allergrößten Qual und Pein. Sophokles. Im Sturm. Novelle von E. Fahrow. (18. Fortsetzung.) Um so niedergeschlagener ward er, als Frau von Sichten erzählte, Erna habe heftige Kopfschmerzen und werde den ganzen Tag nicht mehr zum Vorschein kommen. Man täte daher vielleicht gut, heute eine kleine Partie zu unternehmen; vielleicht mit der Eisenbahn bis Kardaun und von da in's Eggental bis hinter den Wasserfall. Da sei ein gemütliches, kleines Wirtshaus mit einem breitrückigen Wirt in einer schwarzen Sammetweste, und frische Forellen gäb's da auch. Die Sammetweste und den breiten Rücken würde ich Dir schenken,“ meinte der Professor,„allein die frischen Forellen munden dort wirklich vortrefflich nach dem vorangegangenen Marsch. Ich kenne sie von früheren Jahren her. Ehemals kosteten sie einige Kreuzer, jetzt kosten sie einen Gulden das Stück. Das macht die Kultur. „Tirol ist überhaupt jetzt ein teures Pflaster geworden,“ ereiferte sich Therese,„wirklich teurer als die Schweiz. Aber in's Eggental gehen wir doch; man kann an diesem warmen Tage die Kühle dort gebrauchen. = Die Franzosen und der deutsche Kaiser. Der Temps“ schreibt in einem Artikel über die Erkrankung des Kaisers:„Neben den Wünschen Deutschlands für eine völlige Genesung seines Kaisers gibt es keine aufrichtigeren und keine sehnlicheren Wünsche als diejenigen, die aus Frankreich ergehen, für die Erhaltung eines Monarchen, der vor allem als seltenes Beispiel eines lebenswarmen Menschen und als ungewöhnlicher Typus eines Königs erscheint, sehr modern und sehr von Gottes B8ch6n. Politische Uebersicht. Der Ueberfall auf Warmbad. Der Gouverneur meldet aus Windhoek: Vom Kriegsschauplatze liegen noch immer keine wichtigen Nachrichten vor. Es ist dort jetzt der Bezirkshauptmann von Burgsdorff mit 150 Reitern Die Partie ward unternommen, denn lieber noch wollte Bill eine Fußwanderung machen als ohne Erna einen Tag in Bozen zubringen. Er war sonst mehr für die Beförderung zu Pferd oder Wagen. Erna aber erlebte zu Haus noch einen neuen Schreck. Sie fand die Mutter in Tränen aufgelöst. Wolf hatte geschrieben, daß er„leicht erkrankt" im Lazaret liege, und die Mama möge sich nur ja nicht ängstigen, denn er würde in einigen Wochen wieder völlig hergestellt sein. Nur ein kleiner Extracheck würde ihm unter den obwaltenden Umständen sehr lieb sein, denn er brauche allerhand schwere Weine und dergleichen zur „Und dabei schreibt er nicht einmal, was ihm fehlt! rief die Majorin händeringend.„Der Junge ist sicher viel kränker, als er zugeben will. Und ich Rabenmutter kutschire hier hunderte von Meilen weit weg von ihm der Welt umher und amüsire mich!" Die nervöse Spannung in Erna machte sich in einem Zornausbruch Lust. Der infame Bengel,“ rief sie.„Die Rucksichtslosigkeit sieht ihm wieder einmal ähnlich! Wenn er einen Funken wirklicher Liebe für Dich besäße, so hätte er entweder den Mund gehalten oder Dir klipp und klar geschrieben, das und das fehlt mir! Ich will Dir sagen, was ihm fehlt: wahrscheinlich Geld und weiter nichts. Erna, Erna!“ jammerte die Majorin..„Wie kannst Du so gefühllos und ungerecht gegen Wolf sein! siehst doch, daß er sogar das Geld ins Lazareth geschickt haben wil.... M.uu „Na, dann hat er sich vielleicht den Magen bei einer seiner Kneipereien verdorben und liegt deshalb krank. Entrüstet sah die Mama sie an. So war es ja schon immer gewesen, für den Bruder hatte Erna stets die herbste Kritik bei der Hand gehabt! „Ich werde jedenfalls sofort telegraphiren— mit eingetroffen, während Hauptmann von Fiedler mit 180 Reitern und 4 Geschützen im Anmarsch ist. Die Bethanier sind neutral. Ueber die Haltung der Faldschuhträger ist hier nichts bekannt. — Der„Segen“, der Konsumvereine. Stettin, 10. November. Aus einer Bekanntmachung in der„Pomm. Reichspost“ ist zu ersehen, daß der unter sozialdemokratischer Leitung stehende Stettiner Konsum= und Sparverein für das Brot, das bei den Bäckern und Materialwarenhändlern 45 Pfg. kostet, einen Preis von 50 Pfg. festgesetzt hat. Das sind dieselben Herren, die mit dem sogenannten„Brotwucher“ krebsen gehen. Ueber sozialdemokratischen Boykott schreibt die „Frankfurter Zeitung":„Wir haben kürzlich einen Fall von Terrorismus erwähnt, den die Sozialdemokraten in Hildesheim auszuüben versucht haben, und verknüpften daran die Ausführung, daß gerade die Partei, die sonst für die Freiheit der Ueberzeugung eintreten will und sich gegen die von anderer Seite gemachten Beeinflussungsversuche mit starken Ausdrücken wendet, am allerwenigsten ein so unlauteres Mittel anwenden darf. Bebel aber hat sich über solche Bedenken in einer Rede, die er dieser Tage in Breslau hielt, kühn hinweggesetzt. Er führte da aus:„Man spricht auch wieder von sozialdemokratischem Terrorismus gegenüber Geschäftsleuten, die von Arbeitern abhängig sind. Ich kann mir wohl denken daß Proletarier, die sehen, wie ihr Lieferant, der täglich mit ihnen zu tun hat, den Gegner des Proletariats wählt, schließlich sagen, dann brauchst du auch unsere Kundschaft nicht. Das ist geradezu eine offizielle Billigung dieses Terrorismus, der darauf hinausläuft, die von Sozialdemokraten wirtschaftlich Abhängigen zur politischen Gefolgschaft zu zwingen. Was ist das anders, als eine Erkaufung der politischen Ueberzeugung? Sieht denn die Sozialdemokratie nicht ein, daß sie mit der Uebernahme solcher Geflogenheiten nichts anderes tut, als was sie selbst den Junkern als höchst unmoralisch vorwirft? Zu solchen Mitteln des Zwanges, die zur politischen Korruption führen müssen, darf am wenigsten eine Partei greifen, welche eine Partei der Freiheit sein will. Serbien. = Am Vorabend der Revolution. Daß Serbien von neuem am Vorabend einer Revolution steht, ist schon verschiedentlich berichtet worden. Ein neues Zeichen dafür ist folgendes Belgrader Stimmungsbild der Post: Wenn man in den Straßen von Belgrad wandelt, begegnet man auf Schritt und Tritt noch verhältnismäßig jungen Leuten, die, hohläugig, mit schmerzlich verzerrten Gesichtszügen, in äußerst defekter Bekleidung, auf den ersten Blick das geistige Proletariertum verraten. Wer und was sind sie? Einfach— gewesene Staatsbeamte, die vor den neuen, demagogsch gefärbten Rückantwort,“ sagte sie entschlossen.„Wenn er ernstlich krank ist, so hält mich keine Macht der Welt hier zurück, dann reise ich nach Hause,— noch heut.“ Wie ein befreiender Lichtblick erschien Erna diese Verwirrt und unglücklich, wie sie augenblicklich war, noch dazu gepeinigt von ihrer übergroßen Gewissenhaftigkeit und Selbststrenge scheute sie vor allem zurück vor einem Zusammenbleiben mit Bill. Sie mußte sich erst selbst wiederfinden, mußte fertig werden mit sich selbst, ehe sie Bill eine Antwort auf seine Frage gab; die bedeutsame Frage, welche er durch das Gedicht ausgedrückt, und die auch gestern abend noch so deutlich in seinen Augen gelegen hatte. Sie ging selbst nach dem Telegraphenamt und gab die Depesche als„dringend“ auf, um möglichst schnell eine Antwort zu erlangen.. 6 6än Nach drei Stunden schon war dieselve in ihren Wan den; sie lautete:„Leichtes, gastrisches Fieber. Keine augenblickliche Gefahr. Nun war für die Mutter kein Halten mehr. Sie wollte zurück, auf der Stelle zu ihrem Sohne, der die Depesche selbst unterzeichnet hatte. Erna hielt sie nicht mehr. Zwar war sie nach wie vor überzeugt, daß nicht die mindeste Gefahr vorlag, aber es war ihr ja recht, wenn man Bozen verließ, dieses Bozen, wo Bi#l Deisen war, dem sie jetzt nicht Ja sagen mochte, und dem sie ein Nein erst recht nicht erwiedern konnte. Sie selbst zwar wollte nur bis München mitfahren und dort bleiben, um in dieser Malerstadt schnell mög lichst viel zu sehen und dabei zu lernen. Einmal vor die Notwendigkeit zu handeln gestellt, faßte sie auch sogleich mit gewohnter Ruhe und Ueberlegung alles an.— Der Mutter hatte sie ihren Plan gleich annehmbar zu machen gewußt. Wenn die Majorin in München noch von Erna mit ihrer Platzkarte versehen in den Schnellzug nach keine Gnade gefunden haben und über Nacht aus ihren Stellungen verjagt und des kärglichen Stückchens Brotes beraubt wurden. Nun irren sie herum, Hilfe und Beistand erflehend, aber nicht findend. Und dabei hört das Amtsblatt„Erbske Noüne“ noch immer nicht auf, tagtäglich lange Spalten von Pensionierungen und einfachen Entlassungen aus dem Staatsdienste zu veröffentlichen. Das Heer der Elenden wächst derart immer mehr, ja— man darf sagen— ins Ungeheuerliche hinein. Daß in diesen Reihen die Revolution die besten Rekruten finden wird, ist selbstverständlich. Bulgarien. Gärung. Ein Laffan=Telegramm aus Wien behauptet, die Meldung von Verhaftung bulgarischer Offiziere wegen Beteiligung an einer Verschwörung gegen den Fursten Ferdinand sei trotz der Ableugnungen von bulgarischer Seite richtig. Unter den Unteroffizieren des bul garischen Heeres wurde ein geheimer Aufruf verbreitet, welcher lautet:„Während unsere Brüder unter Mörderhänden bluten, nötigt man uns zu einer feigen, unwürdigen Rolle. Wer ein bulgarisches Herz im Leibe hat, muß fühlen, daß die Rolle, die Fürst Ferdinand uns aufnötigt, uns vor ganz Europa schändet. Nur ein Fürst, der kein Bulgare ist, kann nicht begreifen, daß hierdurch nicht nur die Ehre, sondern auch die Zukunft Bulgariens in den Staub getreten wird.“ Asien. Die Expedition gegen Tibet. Vor etwa acht Tagen wurde dem„Bureau Reuter“ aus Simla berichtet, daß eine englische Kolonne aus etwa drei Regimentern eine englische Kommission begleiten werde, deren Zweck es sei, den Verhandlungen Englands mit den Chinesen und Tibetanern größeren Nachdruck zu verleihen. Diesen Nachrichten folgte sehr bald das Gerücht auf dem Fuße, daß im Lande des Großen Lama eine englische Truppenabteilung unter dem Hauptmann Hammand eine Niederlage erlitten habe, und daß dies der Grund sei, weshalb die Regierung sich zur Entsendung einer stärkeren Expedition entschlossen habe. Diese Gerüchte blieben unwidersprochen, und man gibt sogar zu, daß General Leach, weil die englische Handelskommission von den Tibetanern„belästigt worden“ sei, den Auftrag erhielt, die Tibetaner zur Vernunft zu bringen. Er wird dies an der Spitze von 3000 Mann versuchen, für die gewaltige Vorräte nach der Brenze unterwegs sind. Es scheint, als beabsichtige man gegen Lhassa selbst vorzustoßen Amerika. = Bei der Einweihung des Germanischen Museums an der Newyorker Havvard=Universität überreichte Frhr. v. Haddenhausen die Schenkung Kaiser Wilhelms mit einer Ansprache, in der er die Hoffnung aussprach, daß das Museum ein neues Glied in der Kette bilden werde, welche die amerikanische und die deutsche Gedankenwelt verbinde. Präsident Eliot dankte für die hochher zige, einzig dastehende Handlungsweise des Kaisers. Eine Sammlung von 10000 deutschen historischen Werken wurde„Hohenzollernsammlung“ genannt.— Das ist die Politik der schönen Worte, zu denen die Taten fehlen. + In der üblichen Revolution auf San Domingo haben diesmal die Aufständischen den Sieg davon getragen, ihr Führer Jimency ist zum Präsidenten ausgerufen worden. Der abgesetzte Präsident, der im Frühjahr nach Abschluß der damaligen Revolution sich zum Machthaber emporgeschwungen hatte, hat sich angeblich zu seiner SiBerlin gebracht wurde, so wollte sie ganz gern allein weiterfahren; das war doch gleich ein neues, großes Erlebnis, neben der Angst um den vergötterten Sohn fand diese Erwägung noch Platz in dem grauhaarigen, fahrigen Köpfchen. Erna bangte nur vor Einem, daß die Freunde noch vor Abgang des Zuges zurückkehren und sie dann gezwungen sein möchten, persönlichen Abschied zu nehmen. Das wollte sie gar zu gern vermeiden. Ein paar Zeilen an Therese aber warf sie noch auf das Papier. Sie berichtete von der Krankheitsnachricht, von dem stattgefundenen Depeschenwechsel und von ihrer Absicht, eventuell ohne die Mutter noch ein paar Wochen in München zu bleiben. Auch die Adresse einer dortigen Pension gab sie an, wo sie zu wohnen gedachte; falls Frau von Sichten etwa auf der Heimreise in München Halt machen wolle, so würde sie, Erna, sich recht sehr, recht herzlich freuen. Und übrigens bäte sie die liebe Frau Therese, doch den beiliegenden Band Gedichte Walters von der Vogelweide mit einem freundlichen Gruß an Herrn von Deisen abgeben zu wollen; es bliebe ja leider keine Zeit mehr, das selbst zu tun. Ganz und gar sollte indessen Erna nicht der Kelch eines Abschiedsblickes erspart werden.— Als der Schnellzug, in dem sie mit ihrer Mutter saß, durch die kleine Station Kardaun fuhr, sah sie auf dem Bahnsteig die Geschwister Steineisen und Bill stehen. Es waren nur wenige Sekunden. Fast wider Willen drängte sich noch Erna zum Fenster hinaus und ließ ihr Tuch grüßend flattern. Und dabei wars, daß sie den großen, erschrockenen und vorwurfsvollen Augen Bills begegnete. Mit einem schmerzlichen Aufschluchzen sank sie in die Kissen zurück. Die Mutter achtete nicht auf sie; sie konnte sich ungehindert ihrem Weh hingeben. Und das erfaßte sie mit plötzlicher Gewalt. Wie von jähem Blitz erhellt sah sie Bills Bild in sich stehen, groß, glänzend, auf einem Thron, den sie ihm er richtet hatte, gleich einem König. Und, sie fühlte es, er verdiente diesen Platz. Er war den ungeheuren Schatz an Liebe wert, den sie ihm zu geben bereit war und ihm vorenthalten hatte, um eines zertrümmerten Götzenbildes halber, das sie früher auf demselben Thron gehoben und das sich ihr dann als Fratze enthüllt hatte! Das Herz zog sich ihr zusammen in einer körperlichen, qualvollen Weise, sodaß sie heftig mit der Hand nach der linken Seite fuhr, als könne sie so diese beängstigende Empfindung dämpfen. (Fortsetzung folgt.) cherheit in das deutsche Konsulat geflüchtet. Deutsche Kriegsschiffe sind zur Stelle und bieten uns die Gewähr, daß beutsche Interessen nicht verletzt werden. Die neue Republik Panama wird von den Vereinigten Staaten von Nordamerika in mütterlichen Schutz genommen. Die Republik Kolumbien, von der Panama abgefallen ist, hatte einige englische Schiffe gechartert, um Truppen von Buenaventura nach dem Isthmus zu befördern. Von Washington aus erhielt ein amerikanischer Kreuzer Befehl, in Buenaventura zu melden, daß eine Landung kolumbischer Truppen auf dem Isthmus nicht erlaubt werden würde. Kolumbien wird, wie es in einer anderen Meldung heißt, keine Truppen entsenden, um Panama anzugreifen, da die amerikanischen Kriegsschiffe die Einfahrt hindern würden. Der russische Rubel hat man ches Wunder bewirkt, der amerikanische. Dollar versteht die Sache aber augenscheinlich ebenso gut. Kline Chronit. - Berlin, 6. Nov. Am 11. Dezember vollendet Geheimer Rat Robert Koch, der geniale Schöpfer der moder nen Bakteriologie, sein 60. Lebensjahr. Diesen Anlaß wollen seine zahlreichen Schüler und Freunde benutzen, um ihm an seinem Geburtstage seine von Künstlerhand ausgeführte Marmorbüste, sowie ein durch freiwillige Sammlung aufgebrachtes Kipital zu einer„Robert KochStiftung" zu überreichen. Berlin, 12. Nov. Die Schnellmotoren der Studiengesellschaft in Marienfelde besichtigten heute die Minister der öffentlichen Arbeiten, der Kriegsminister, Staatssekretär Kraetke und der württembergische Verkehrsminister v. Soden. Sodann wurde eine Schuellfahrt von 200 Kilometer in der Stunde beovachtet. Das Wiedersehen. Vor 25 Jahren wurde in Ortelsburg(Ostpreußen) eine Arbeiterfrau von ihrem Manne verlassen. Dieser Tage tauchte er im verkommenen Zustande wieder auf, worüber die Frau so erschrak, daß ein Herzschlag ihrem Leben ein Ziel setzte. Der Alte wurde von seiner verheirateten Tochter aus dem Hause gewiesen. * Die Magdeburger Strafkammer verurteilte einen Kurpfuscher, der sich selbst über die Dummheit der Kranken lustig hatte, zu 3 Jahren Gefangnis und 3000 Mr. Geldstrafe. Genosse“ Mehring eist! Im Jahre 1880 schrieb der Genosse Franz Mehring in der„Gartenlaube“ Seite 536 folgendes: „Anders die große Masse der Arbeiter, die in den wirren Strudel der Bewegung gerissen wurde. Sie wurde entmannt und enterbt wie durch einen Opiumrausch; sie lernte aus der Lehre des neuen Propheten nichts als Unlust zur Arbeit, Unzufriedenheit mit ihrem Lose und der ganzen Welt nichts als eine unpassende Selbstüberhebung, die auch eigene Verschuldung nur im Lichte der ungerechten Einrichtungen von Gesellschaft und Staat sah. Die Fabrikinspektoren schildern übereinstimmend die Arbeiter in allen Gegenden, welche ergiebige Werbeplätze der Sozialdemokratie waren, als ein dumpfes, träges, jeder tatkräftigen Selbsthilfe unfähiges Geschlecht. Ihre Berichte entwerfen beispielsweise das dunkelste und trübste Bild von den Arbeiterzuständen im Regierungsbezirk Düsseldorf, der ältesten Heimstätte der kommunistischen Lehren im preußischen Staate; grauenerregend sind ihre Schilderungen von der geistigen Dummheit und Stumpfheit der dortigen Massen, von der gänzlichen Verwahrlosung der Jugend, von dem Ueberhandnehmen des Schnapstrinkens, von dem Kost= und Quartiergängerwesen, das scheußlicher Unzucht einen bequemen Platz am Herde der Familie bietet Endlich aber in faulen und schlechten Naturen weckte die sozialdemokratische Agitation herostratische Gelüste... Die einen ergaben sich den brotlosen Künsten des Agitierens und Kolportierens, die anderen wurden„Schriftsteller", zeichneten als Strohmänner verantwortlich die Zeitungen der Partei und büßten mit harten Geld= und Gefängnisstrafen für die Verleumdungen der Demagogen; die dritten„vermöbelten", um in ihrer zarten Sprache zu reden, die„wissenschaftlichen Größen“ der Bourgeoisie; die vierten suchten sich bemerkbar zu machen durch pöbelhafte Beschimpfungen des Reichsoberhauptes; die fünften schritten vom giftigen Worte zur giftigen Tat, wie Hödel und, ihn nachahmend Nobiling..... Wir würden die damaligen Leistungen des vielgewandelten Herrn nicht wieder aufgetischt haben, wenn wir sie nicht in einem Artikel der sozialdemokratischen Wochenschrift:„Die Neue Zeit“ gefunden hätten, dessen ausgesprochener Zweck ist, den Genossen klar zu machen, daß Franz Mehring unbedingt rehabilitiert werden müsse. Die Kraft des Verzeihens muß in der Sozialdemokratie sehr stark entwickelt sein, wenn derartige Entgleisungen vollkommen verziehen werden können. Schwerte, 13 November 1903. (Die Landtagswahl) ist gestern in unserer Stadt und in unserem Wahlkreise sowie im ganzen Staate äußerst ruhig verlaufen. Hier in Schwerte sind die sämtlichen 48 Wahlmänner der nationalliberalen Partei glatt im ersten Wahlgange einstimmig oder doch mit großer Majorität gewählt. Die Beteiligung, besonders in der dritten Klasse, war eine sehr geringe, in einzelnen Bezirken waren nur 7, 8 oder 10 Urwähler der 3. Klasse erschienen. Die Beteiligung der Sozialdemokraten war eine schwache, in Schweite sind fast keine soziademokratische Stimmen abgegeben worden. Aus unserem Wahlkreise liegen weiter noch folgende Meldungen vor: In Hattingen Stadt sind alle(35) natl. Wahlmänner gewählt, in Hattingen Land 52 Nationalliberale, 8 Sozialdemokraten. In Witten sind sämtliche 126 natl. Wahlmänner gewählt, desgleichen in Stadt Bochum, Altenbochum, Herbede, Höntrop und Weitmar ebenfalls, in Wattenscheid 70 Nationalliberale und 2 Sozialdemokraten, in Langendreer 90 Nationalliberale und 2 Sozialdemokraten, in Stiepel, Winz, Baak, Stüter sind 2 bezw. 3 Sozialdemokraten gewählt, alle übrigen natl.— In Dortmund ist eine Beteiligung von vielleicht 5 Prozent zu verzeichnen. Sehr rege beteiligte sich die Sozialdemokratie an der Wahl. Es wurden mehrfach sozialdemokratische Wahlmänner gewählt, sogar in der 2. Klasse. Die Zahlen sind 413 natl. 9 sozialdem. 20 Stadtbezirke stehen noch aus. Die nationalliberalen Kandidaten sind Landgerichtsrat a. D. Schmieding, Geh. Bergrat Dr. Schultz, Ehrenamtmann Westermann. Im Wahlkreise Hagen sind 388 Wahlmänner der freis. Volksp., 178 nationallib. und 12 sozialdem, gewählt. Die Wahl Eugen Richters ist gesichert.— In Hamm=Soest sind gewählt 170 Nationalliberale, 74 Zentrum, 32 Landrat v. Bockum=Dolffs und 92 Kartellkandidaten, keine Sozialdemokraten. längerer Zeit Bamberg ist, Anstelle des seit Vollksschullehrers (Personalie.) erkrankten katholischen wie die„Trem., meldet, von der Kgl. Regierung Fraulein Müller aus Hesborn mit der Ausübung der Lehrtätigkeit betraut worden. Desgleichen wurde die Lehrerin Fräulein Boschmann mit der Vertretung des neugewählten Lehrers Herrn Grosche aus Meinerzhagen bis zum 1. April 1904 beauftragt. **(Ein schneidiger Forstmann) logierte sich vergangene Woche in einem hiesigen Gasthofe ein. Er ließ sich Speise und Trank gut schmecken, machte aber auf den Wirt bald den Eindruck, daß seine Geldbörse mehr Ebbe als Flut habe. Im übrigen ließ er es nicht an dem nötigen Schneid fehlen, besuchte den hier weilenden Zirkus und schloß sich sogar hiesigen Nimroden an, die er eines Nachmittags ins Jagdrevier begleitete. Das Leben schien dem jungen Manne hier in Schwerte gut zugefallen, denn er machte dem Wirte bald die Mitteilung, daß er entschlossen sei, bis zum 15. ds. Mts. seine Gastfreundschaft zu genießen, da er zu dieser Zeit erst eine neue Stelle antrete. Als ihm aber der Wirt die Logisrechnung für zwei Tage als Prüfschein seines Geldbeutels präsentierte, änderte unser Förster, der als solcher auch ein neues Gewehr und Rucksack mit sich führte, seinen Entschluß; er pumpte einen Herrn, den er vor kurzem flüchtig kennen gelernt, an, und bezahlte seine Logisrechnung und fuhr ins Sauerland. Er hatte aber Schwerte kaum verlassen, so kamen von auswärts Personen, die ihn in dringender Angelegenheit sprechen wollten. Ein Wirt, namens Schröder in Wichlinghofen, wollte sich von dem Forstmann 120 Mk. für Logisschulden holen, da er sich, von ihm auf französisch, verabschiedet hatte. Aehnlich hatte er sich anderwärts aufgeführt, beispielsweise in Dortmund 3 Monate bei einem Manne gewohnt und eine Siegener Firma wünscht noch Bezahlung von 2 neuen Gewehren, die sie ihm kürz lich sandte. Die Folge war, daß sich die Polizei an seine Fersen heftete und der Förster in Hüsten festgenommen ist. Es ist der in Andreasberg bei Olsberg geborene Ferdinand Gardau, der seit vorigen Herbst sein Dasein auf diese Weise gefristet haben soll.— (Technischer Feuerwehrtag.) Das Programm des am 15. d. Mts. in Dortmund stattfindenden technischen Feuerwehrtages umfaßt: Vormittags 11 Uhr Besichtigung der städtischen Feuerwache(Berufsfeuerwehr); Alar mierung der Feuerwache; 12 Uhr Eröffnung der Verhandlungen im großen Saale des Gewerbevereins. Da rauf Vortrag des Branddirektors Schänker=Dortmund „Das Zusammenarbeiten der freiwilligen Feuerwehr mit der Berufsfeuerwehr"; Vortrag des Brandinspektors Koch=Ueckendorf über Rauchapparate; nachmittags 3½ Uhr Uebung der Berufsfeuerwehr. 4½ Uhr Fortsetzung der Verhandlungen im Festsaale des alten Rathauses; Besprechung verschiedener noch nicht ausreichend beachteter Punkte in der Ausrüstung und in der Schulung der Wehren durch den Verbandsvorsitzenden(Hydranten, Beleuchtung, Verringerung der Wasserschäden usw.) **(Arbeitern) wird abgeraten, auf Angebote für die Arbeiten des Durchbruches des„Arber“ in Chile einzugehen, da die versprochenen Löhne unzureichend sind und sich nach Vollendung des Durchbruches keine Gelegenheit zu weiterer Beschäftigung bietet. Ferner wird davor gewarnt, daß sich Arbeiter nach Zanzibar oder nach der Ostküste von Afrika begeben, weil die dort in Aussicht genommenen Eisenbahnbauten nicht vor vier Monaten beginnen. Außerdem wird darauf aufmerksam gemacht, daß in Gibuti zahlreiche Ausländer, die keine Arbeit finden, Unbequemlichkeiten aller Art ausgesetzt sind. Es wurde bemerkt, daß die Zahl der Minderjährigen zunimmt, die versuchen, nach den Vereinigten Staaten von Amerika auszuwandern, wo sie zurückgewiesen werden und gezwungen sind, in ihre Heimat ohne Hilfsmittel zurückzukehren. Schließlich muß den Arbeitern davon abgeraten werden, Verpflichtungen für den Bau der Eisenbahn von Lavkay Juma=Sen in China einzugehen, wenn sie nicht einen regelrechten Vertrag abgeschlossen haben. ** Lichtendorf, 13. Nov. Die auf Sonnabend den 21. d. Mts. in Aussicht genommene Jubiläumsfeier des Herrn Gemeindevorstehers Dieckerhoff zu Lichtendorf, in dem Lokale des Gastwirtes Hauske zu Eichholz ist auf Mittwoch den 25. d. Mts. verlegt worden, da an dem zuerst in Aussicht genommenen Vortrage bezw. an dem Vorabende des Totenfestes weder öffentliche noch private Feierlichkeiten stattfinden dürfen. ** Aplerbeck, 12. Nov. Seinen schweren Verletzun gen erlegen ist der kürzlich auf der Zeche Margarethe verunglückte Bergmann Hehmann aus Aplerbeckermark. Dem Unglücklichen waren infolge zu frühen Losgehens eines Sprengschusses beide Augen vollständig ausgebrannt; auch trug er sonstige unheilbare Wunden davon, sodaß ihm der Tod ein willkommener Erlöser gewesen sein mag. Im St. Josefshospital in Hörde, dem er als Opfer des Bergwerks zur Pflege überwiesen war, ist er vorgestern gestorben, eine trauernde Witwe hinterlassend. ** Hörde, 12. Nov.(Diebstahl.) In vergangener Nacht ist dem Fabrikarbeiter Bauer Weingartenstraße wohnhaft, aus der Stube worin er schlief ein Holzkoffer, in welchem sich 3 Hemden, 4 Paar Strümpfe, ein Paar Schnürschuh, verschiedene Schnittmuster, 1 Trauund 1 Siegelring, 2 Dutzend Taschentücher befanden, ge stohlen worden. Heute vormittag fand sich der Koffer erbrochen auf einem in der Nähe des Tatortes befindlichen Ackerstück vor, die Wäsche lag verstreut umher, nur ein Zehnmarkstück und die Goldsachen fehlten. Der Tat dringend verdächtig ist ein Arbeiter, welcher einige Tage vorher das Zimmer, aus welchem die Sachen gestohlen wur den, sich angesehen hatte, um eventl. dasselbe mielen wollen.—(Ein diebisches Dienstmädchen.) Seit längerer Zeit sind der Ehefrau Restaurateur Schneider verschiedne Haushaltungsgegenstände, Wäsche, Kleider. Schuhe usw. abhanden gekommen, ohne daß man sich erklären konnte, wer der Dieb sei. Jetzt beim Dienstmädchenwechsel ist es gelungen, den Tater zu ermitteln und zwar in der Person des abziehenden Dienstmädchens. Samtliche gestohlenen Sachen sind bei der Diebin vorgefunden und konnten der Eigentümerin wieder zugestellt werden. us Westfalen und Rheisland. * Bochum, 12. Nov. Auf der Zeche„Prinz von Preußen“ wurden gestern, wie die„Westf. Volkoztg. meldet, zwei Bergleute verschüttet. Der eine der Verunglückten war sofort tot, während der andere so schwer verletzt wurde, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Sundwig, 12. Nov. Sundwig, 12. Nov. Die Dechenhöhle bekommt Konkurenz! Hinter dem Gasthofe Meise hierselbst, oberhalb des Meise'schen Gartens, befindet sich eine Höhle, welche, wie die alten Leute unseres Ortes zu erzählen wissen, in den 50er Jahren einem Iserlohner Wirt oder Brauer namens Jäger als Bierniederlage gedient haben soll. Herr Gastwirt Meise, auf dessen Grundstück sich diese Höhle befindet, ist nun auf den glücklichen Gedanken gekommen, dieselbe von dem sich mit der Zeit daselbst angesammelten Schutt und Schlamm zu säubern und sie noch weiter ausgraben zu lassen. Bei dieser Arbeit ist Herr Meise plötzlich auf mächtige Felsspalten und Hallen gestoßen, die nach ihrer Bloßlegung und Säuberung mindestens die Größe resp. den Umfang der Dechenhöhle haben sollen. Auch die Schönheiten der Dechenhöhle, die Tropfsteingebilde usw. sollen in der neu entdeckten Höhle handen sein. Bei den Aufräumungsarbeiten, mit denen man schön seit Wochen fleißig beschäftigt ist(die Felsenhallen liegen nämlich voll meterhohen Schlammes), hat man auch eine Unmenge Knochen und Zähne vorsintflutTiere, speziell des Höhlenbären, gesunden. So zeigte Herr Meise z. B. eine ganze Anzahl überaus gut erhaltener Zähne(sogenannter Hauer), die eine Länge von 10—12 Zentimeter haben und vermutlich von Höhlenbären stammten. Herr Meise läßt die Aufräumungsarbeiten in der Höhle, deren genauer Umfang jetzt noch gar nicht abzusehen ist, den ganzen Winter hindurch fortsetzen, um die Höhle im kommenden Sommer dem Publikum zugänglich zu machen.— Man wird abzuwarten haben, inwieweit sich diese Erwartungen bestätigen. * Velbert, 12. Nov. Ein tötlicher Unglücksfall ereignete sich gestern nachmittag in der Nähe des Kirchhofes auf der Chaussee Velbert=Werden. Ein 13jähriger Knabe stieg auf den Leitungsmast der über diese Straße führenden elektrischen Straßenbahn. Oben angekommen, versuchte er sich auf den Leitungsdraht zu schwingen. Mit einem Bein gelang ihm dies, aber sofort nach der Berührung wurde er von dem Starkstrom erfaßt. Der zuckende Körper blieb eine Zeitlang an dem Drahte hängen, dann stürzte der Knabe ab und war sofort tot. * Düsseldorf, 12. Nov.(Kriegsgericht.) In seiner vorgestrigen Sitzung hatte sich das hiesige Kriegsgericht in zwei Verhandlungen mit einer der unangenehmsten Begleiterscheinungen des Soldatenstandes, mit der Mißhandlung junger Soldaten durch sogenannte„ältere Leute", zu befassen. Im ersten Falle hatten die aus der Untersuchungshaft vorgeführten Ulanen Emil zur Löwen, Adolf Kamper und Johannes Lentze vom hiesigen UlanenRegiment Nr. 5 am Morgen des 13. Oktober im Pferdestalle 6 Rekruten brutal misthandelt und einen derselben derartig vor den Unterleib getreten, daß der Verletzte acht Tage im Lazarett zubringen mußte. Im zweiten Falle waren am Abend des 10. Oktober zwei Rekruten in den Stall gelockt und— ebenfalls ohne jede Veranlassung— von den Ulanen Klemens Wahmann, Karl Pfeil, Joh. Zimmermann und Johann Strerath vom gleichen Regimente wie oben in ähnlicher Weise mißhandelt worden, trotzdem noch kurz zuvor mehrere Offiziere des Regiments eindringlich vor solchen Exzessen gewarnt hatten. Der Vertreter der öffentlichen Anklage betonte, daß hier eine eremplarische Bestrafung eintreten müsse. Das Urteil des Gerichtshofes lautete gegen die sämtlichen Angeklagten auf Gefängnisstrafen von 2 bis 4 Monaten. (Eigener Depeschendienst.) Köln Stadt und Land. Bisher 224 Bezirke bekannt.) 956 Zentrum, 295 Liberale, 14 Sozialdemokraten. Zentrum gesichert. Magdeburg Stadt. 658 Kompromiß(Natl. und Frs.) 160 Soz. Wahl der beiden nationalliberalen Kandidaten Schiffer und Zockschwerdt gesichert. alle. Die Wahl der beiden liberalen Kandidaten st gesichert.... M.,## meme Osnabrua. Die Wahl des nalionalliberalen Kandidaten gilt als gesichert. Wetzlar. Bisher wurden gewählt 89 konservative, 80 nationalliberale, 2 sozialdemokratische und 4 antisemitische Wahlmänner. Die Wahl des konservativen Kandidaten gilt als wahrscheinlich. Nordhausen. Die Wahl des bisherigen Abgeordneten Dr. Wiemer(frs. Vp.) gilt als gesichert, mit 153 gegen 116 Stimmen. Hadersleben. Wahl des Dänen Wilsen gesichert. Apenrade. Wahl des Dänen Hanssen gesichert. Schleswig. Wahl des freikoservativen Abgeordneten Paulsen gesichert. Norder dithmarschen. Die Wahl des nationalliberalen Kandidaten Görik gesichert. Sagsberg. Wahl des Freikonservativen Stockvam geicher..... Thonsen(wet Kiel. Bisher wurden gezahlt für Thomsen(nall.“ 201, Wolgast(frs.) 211, Molkenbuhr(Soz.) 127 Wahlmänner. Es fehlen noch 20 ländliche Bezirke. Münster. Gewählt wurden 250 Wahlmänner (Ztr.) und 22 der übrigen Parteien. Barmen. DieWahl des Kandidaten der vereinigten Nationalliberalen und Freisinnigen gesichert. Gewählt wurden 162 Ztr. 110 Soz. und 10 Anhänger verschiedener Parteien. Homburg v. d. H. Die Wahl des Amtsgerichtsrats v. Bülow(natl.) ist gesichert. Bonn. Im Kreise Bonn=Rheinbach erhielten die Wahlmänner des Zentrums mehr als dreiviertel der abgegebenen Stimmen. Krefeld. 271 Stimmen fielen auf die Wahlmänner Bachems,(Ztr.) 138 auf diejenigen Westenbergers(natl.) Die Wahl des Zentrumskandidaten ist gesichert.„„ Erfurt. Die Wahl des Konservativen Jalobs= kötter ist gesichert. Calber=Aschersleben. Die Wiederwahl des Grafen Douglas(frk.) und diejenigen Stengels(frk.) ist gesichert.„ atum 9 Mansferd. Die Wahl des konservativen Kandidaten und diejenigen des freikonservativen ist gesichert. Paderborn=Bueren. Die Wahl des Zentrumskandidaten ist zweifellos. Stettin. In Demmin=Anklam=Ueaermunde ist die Wiederwahl der bisherigen 3 konservativen Abgeordneten geisches.„ 6 Stettin Stadt. Im Ganzen waren 705 Wahlmänner zu wählen. Von diesen wurden 600 freisinnige, 160 sozialdemokratische gewählt; fünf waren unbestimmt. Die Wiederwahl des bisherigen freisinnigen Abgeordneten Brömel ist gesichert. Liegnitz. Die Wahl des Kandidaten der freisinnigen Volkspartei Fischbeck ist gesichert. Lennep. Sämtliche Wahlmänner wurden für die freisinnig=nationalliberalen Kompromiß=Kandidaten Eickhoff(frs. Vp.), von Eynern und Friedberg(natl.) gewählt. Halle. Von den beiden liberalen Mandaten, deren Wahl gesichert ist, fällt das eine dem nationalliberalen Kandidaten Dr. Keil, das andere dem Kandidaten der freisinnigen Volkspartei zu. vativen 4 Sitze verloren, die Nationalliberalen 6 gewonnen, freis. Vereinigung die Hälfte verloren. Eigener der„Schwerter IId Berlin, 13. Nov. Wie aus Tübingen gemeldet wird, wurden daselbst heute früh die beiden Raubmörder Georg Hespeler und Wilhelm Repple hingerichtet, die seinerzeit den Tübinger Privatier Krauß beraubt und ermordet hatten. IId Berlin, 13. Nov. Der langjährige Redakteur des„Ulk“, Richard Schmidt=Cabanis ist, wie das„B. T.“ mitteilt, gestern vormittag 10½ Uhr an den Folgen einer Darmverschlingung im Alter von 65 Jahren in Berlin gestorben. Hd Paris, 13. Nov. Ueber einen kürzlich entdeckten bedeutenden Munitionsdiebstahl wurde die gerichtliche Untersuchung eingeleitet. Einer der Schuldigen ist bereits verhaftet, während seine Komplizen bisher noch unbekannt sind. Hd Brüssel, 13. Nov. Gestern abend wurde in einem Expreßzuge ein 20jähriges Mädchen von einem Reisenden eingeschläfert und vergewaltigt. Der Attentäter ist flüchtig. Id Braunschweig, 13. Nov. Wie die„Braunschw. N. N.“ erfahren, hat Leutnant Bilse gegen das gestrige Urteil des Metzer Kriegsgerichts Revision eingelegt. 15. Nov. Meist bedeckt, milde, Regenfälle. 16. Nov. Wenig verändert, kühler. 17. Nov. Meist bedeckt, teils heiter, Niederschläge, ziemlich kalt. 18. Nov. Wolkig mit Sonnenschein, nahe Null, Reif, Strichweise Niederschläge. K Verantwortlich für den redaktionellen Teil Wilh. Schade. IId Berlin, 13. Nov. Die Landtagswahlen werden nur geringe Verschiebungen in den Fraktionsstärken brinden. Vor fünf Jahren, Ende Oktober 1898, wurden gewählt: 147 Konservative, 57 Freikonservative, 99 Zentrumsmitglieder, 74 Nationalliberale, 24 Deutschfreisinnige, 10 von der Freisinnigen Vereinigung, 14 Polen und 8 Wilde. Bis jetzt sind als gewählt zu betrachten: 87 Konservative, 26 Freikonservative, 77 Zentrum, 51 Nationalliberale, 20 Freisinnige Volkspartei, 4 freis. Vereinigung, 2 Dänen, 6 Polen. Bisher haben die freikonser„wungsrerrauf. Am Samstag, de 1. Nov mber css. vormittags 10 Uhr, werde ich in meinem Pfandlokale beim Wirt Höhmer bierselbst 4 149 1 Vertikow, 1 u. s w. gegen bar versteigern. Morgenroth Gerichtsvollzieher. ztecbtenne Schwerte. Größere evang. Gemeinde. Sonntag, 15. Novbr. 1903. Vormittags ½10 Uhr: Hauptgottesdienst. Pastor Graeve. (Abendmahl) Nachmittags 2 Uhr: Kindergottesdienst. Pastor Heinenberg. Nachmittags 5 Uhr: Abendgottesdienst. Pastor Wischnath. Reformierte Kirche. Sonntag, den 15. Novbr. 1903. Vormittags ½10 Uhr: Predigtgottesdienst. Pastor Terberger. Ev. Stadtmission, Schwerte, Kuhstr. 7. Sonntag, 15. Novbr. 1903. Vormittags 7¾ Uhr: Blaukreuzgebetstunde. Nachmitttags 5 Uhr: Bibelstunde. Abends 8 Uhr: Jünglingsverein. Wendofen. Sonntag, den 15. Novbr 1903. Vorm. 9½ Uhr: Predigtgottesdienst. Nachm. 2 Uhr: Kindergottesdienst. Pastor Fallenberg. Kehrung! (en geehrten Bewohnern von * Schwerte und Umgegend hierdurch die Mitteilung, daß ich mit dem heutigen Tage einen Kursus in Handarbeit und Weißstickerei eröffne Schülerinnen werden täglich angenommen. Für gründliche Ausbildung wird garantiert. Mich dem Wohlwollen eines gesch. 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Durch die glückliche Geburt eines prächtigen * Knaben puden hoherfent willr Heufer und Frau,(6 Clara geb. Beckhaus. Westhofen, den 12. November 1905. WA 28„ k KriegervereinK K Schwerte. K.—* * Sonntag, den 15. November 1903, 14 nachmittags 5 Uhr: Feier eines Zamiliensesits.8 * Kinematographische Bilber:K A 1. Der deutsch=französische Krieg mit erläu X X terndem Vortrag. 24 K, 2. Humoristische Bilder. 24 , 3. Kinematographische Vorführungen. ** Die Pausen werden ausgefüllt durch u künstlerische Klaviervorträge# # des Herrn Musikdirektors Kuffrath in Kalk. . Daran anschließende K Gelegenheits-Tanz. X X Kinder unter 14 Jahren werden streng zurück X gemichen. X Für Kinder jeden Alters— auch Erwachsene—# findet am Montag den 16. d. Mts., nachm. 5 Uhr, “ eine besondere Vorstellung statt. Zu zahlreichem Besuch ladet ein K Der Vorstand. WEE EE Tosscee S 8 Der Dilettantenverein„Humor e (Mitglied des Deutschen Dilettantenbundes) veranstaltet am Sonntag, den 15. d. Mts., im KaiserS saale des Herrn W. Quadbeck einen 8 Theater-Abend. Karten im Vorverkauf à 30 Pfg. sind zu haben bei Herrn W. Quadbeck und bei den Mitgliedern. S An der Kasse 40 Pfg. S Kassenöffnung 6 Uhr, Anfang 6½ Uhr. Zu zahlreichem Besuch ladet ergebenst ein S Der Vorstand. NB. Den Theaterbesuchern ist noch Gelegenheit zu einem Tanz geboten. Marke: ggliet „Milchmädchen“ stets frisch empfiehlt Fabrikmarke Drogerie Carl Trog. otstmacke Kost und Logis erhalten anständige junge Leute. Hagenerstraße 14. Achtwochen. Ferkel hat preiswürdig abzugeben Schwarzelühr, Holzen. Zu haben bei: Ernt Klein, Schurte. 4 Erfahrenes properes Morgenmädchen esucht. Von wem, zu erfragen in der Geschäftsstelle d. Bk. Eir guet Ein möbliertes mit voller Pension billig zu vermieten. Hagenerstraße 14. Makulaturpapier zu haben bei Cark Praus.