Insertionsgebühr für lokale Anzeigen, die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., außerhalb 15, Reklame=Zeile 40 Pfg., Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte, Fernsprech=Anschluß Nr. 62. Amt Schwerte. Telegr.=Adresse Braus, Schwerte=Ruhr. Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche sratt. Abonnementspreis pro Quartal 1 Mark 65 g., exel, 42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierten Familienfreund.“ Die jugendlichen Arbeiter. Wenn irgend eine Klage Berechtigung hat, so ist er die, daß die Zucht in der jugendlichen Arbeiterschaft im Schwinden begriffen ist. Ist es doch sicher, daß gerade in den Köpfen der jugendlichen Arbeiter die sozialdemokratischen Lehren die größten Verheerungen anrichten, daß die„grüne Jungen“ zu den sozialdemokratischen Versammlungen ein bedeutsames Kontingent stellen. Es ist fraglos, daß zur Verwilderung der Jugend recht viel der Umstand beigetragen hat, daß sie heute weit eher, als vor der modernen gewerblichen Entwickelung, Geld und zwar verhältnismäßig viel Geld verdient. Die Jugend, die aus anderen als den Arbeiterschichten stammt, hat meist bis zum Beginn der zwanziger Jahre keinen Verdienst, vielfach untersteht sie bis dahin noch der Zucht des Elternhauses. Die jugendliche Arbeiterschaft ist nach dem Verlassen der Volksschule„frei“, sie untersteht, weil sie Geld verdient, nicht der elterlichen Zucht, sie kommt, da sie in so jungen Jahren ein Haushalten nicht kennt, wirtschaftlich auch nicht vorwärts. Das sind Erscheinungen, die überall zu beobachten sind. Man hatte, um der Verwilderung und Verschwendung der jugendlichen Arbeiter vorzubeugen, in die Gewerbeordnungsnovelle von 1901 eine Bestimmung eingesetzt, wonach den Eltern der Lohn der jugendlichen Arbeiter ausgezahlt werden durfte. Allerdings war diese Vorschrift schon deshalb unwirksam, weil sie zur Voraussetzung den Erlaß eines Ortsstatuts hatte. Solcher Ortsstatute sind nur wenige erlassen. Es war deshalb die ganze Aktion als verfehlt anzusehen. Neuerdings kommt man bei der Eröterung der Vorschläge wegen Errichtung von Zwangssparkassen für jugendliche Arbeiter auf die Auszahlung des Lohnes an die Eltern zurück und zwar auf eine solche, die durch die Reichsgesetzgebung obligatorisch gemacht werden sollte. Der Gedanke ist an sich gut, jedoch ist seine Ausführung mit so großen Schwierigkeiten verbunden, daß man besser tut, auf ihn zu verzichten. Man braucht doch nur an alle diejenigen jugendlichen Arbeiter zu denken, die nicht an dem Wohnsitze ihrer Eltern arbeiten. Wenn man hier helfen will, so wird es allerdings nur auf dem Wege des Zwanges geschehen können. Die Hilfe wird aber auch bei dem Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeiter einsetzen müssen. Die sozialdemokratische Lehre geht dahin, daß Sparen ein Unsinn sei. Die jugendliche Arbeiterschaft ist für diese Lehre in erster Linie empfänglich. Man wird ihr entgegentreten müssen dadurch, daß diese Arbeiterschaft zum Sparen zwangsweise angehalten wird. Kommt sie in den Besitz eines auch noch so kleinen Vermögens, so ist sie für die sozialdemokratischen Lehren schon lange nicht mehr so zugänglich, außerdem aber dürfte sie auch wirtschaftlicher als heute werden. Ob aber überhaupt bei der heutigen Sachlage solche einschneidenden Maßnahmen getroffen werden, ist leider sehr fraglich. Politische Uebersicht. Deutschland. — Unser Kaiser nimmt jetzt an den Kavallerie=Uebungen im Lager Alten-Grabow teil, während die Kaiserin mit ihren Kindern im Schloß Wilhelmshöhe bei Kasseel zurückgeblieben ist. Es sind zehn Kavallerie=Regimenter vereinigt, ferner zwei Bataillone Infanterie und zwei Artillerie=Abteilungen, außerdem eine Maschinengewehr=Abteilung. Die Parteien, die gegen einander ins Gefecht zogen, waren je drei Kavallerie=Brigaden stark. Zum Schluß setzte sich der Kaiser an die Spitze sämtlicher Regimenter, es gab ein prachtvolles militärisches Bild. Leider war das Wetter stürmisch und regnerisch. Der Kaiser wohnt im Lager selbst und speist unter seinen Offizieren. Heute trifft der Monarch wieder in Kassel ein und begibt sich von dort am Montag nach Mainz zur Parade. Nach derselben besucht der Monarch Homburg und die Saalburg, wo derselbe die Modelle von zwei neuen römischen Kaiserstandbildern(der Kaiser Hadrian und Alexander Severus) in Augenschein nehmen will. —„Solange ich lebe, nicht!“ Bezüglich der Kon ferenz, die der Staatssekretär des auswärtigen Amtes, Freiherrn von Richthofen, mit dem Großherzog von Baden gehabt hat, wird der Germania“ mitgeteilt: Vor einigen Monaten fragte der Fürst eines deutschen Kleinstaates, in dem sich Ordensniederlassungen befinden, den Großherzog unter besonderem Hinweis auf die„Benediktiner“ gesprächsweise, ob die Orden demnächst in Baden zugelassen werden würden. Die Antwort lautete: lange ich lebe, nicht!“— Wenn diese Bemerkung Tatsache sein sollte, so wäre ja vorläufig die Ordensfrage, die in Baden sehr lebhaft erörtert worden ist, ad acta zu legen. — 40 neue Fahnen und Standarten werden am 30 August im Berliner Zeughause neu geweiht und genagelt werden. Die älteste davon ist die Standarte der 7. Kürassiere in Halberstadt, desselben Regiments, dessen Uniform Fürst Bismarck für gewöhnlich trug. Sie stammt noch aus dem Anfang des vorvorigen Jahrhunderts und hat zahllose Schlachten mitgemacht. Die letzte große Attacke der Halberstädter Kürassiere(zusammen mit den Salzwedeler Ulanen) war der vielfach verherrlichte Todesritt vor Metz, in welchem der zweite Mann auf dem Felde der Ehre blieb. — Soldatenmißhandlungen en gros. Der Unteroffizier Breidenbach vom4. Garderegiment zu Fuß, um dessentwillen sich der Füsilier Hill am 21. Juni erschoß, ist wegen 300 Fälle schwerer und 1500 Fälle leichter Soldatenmißhandlungen zu 3½2 Jahren Gefängnis und Degradation verurteilt worden. Der Gerichtsherr und der Verurteilte legten Berufung ein. — Bei den„Genossen“ werden die Knochen zerschlagen. Ein besonders schwerer Fall wegen Vergehens gegen die Gewerbeordnung wurde vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I zu Berlin gegen den Former Emil Meier verhandelt. Der Angeklagte gehörte zu denjenigen Formern, die in der Hartung'schen Fabrik die Arbeit niederlegten, um bessere Lohnbeding= ungen zu erzielen. Zu dienjenigen, die sich an dem Streik nicht beteiligten, gehörte der Arbeiter Eugen Schendel. An diesen wandte der Angeklagte sich mit der Drohung, daß ihm die Knochen im Leibe zerschlagen werden würden, wenn er die Arbeit nicht niederlege. Als er an einem Aprilabende die Fabrik verließ, wurde er in der Prenzlauer Allee von drei Männern aus dem Hinterhalte überfallen und durch Faustschläge und Fußtritte furchtbar zugerichtet. Aus einer rohen Aeußerung, die einer der Angreifer tat, als Schendel am Boden lag, erkannte der letztere die Stimme des Angeklagten, der seine Drohung war gemacht hatte. Der Angeklagte legte sich im Termin aufs Leugnen, wurde aber durch die Beweisaufnahme überführt. Der Staatsanwalt beantragte nur 3 Wochen Gefängnis, der Gerichtshof erkannte aber auf eine Gefängnisstrafe von drei Monaten.— Das ist„sozialdemokratische Freiheit“ in schönster Reinkultur. Serbien. = Serbien macht mobil. Gestern fand ein außerordentlicher Kriegsrat unter dem Vorsitze des Königs Peter statt. Man beschloß die Vorbereitungen zur Mobilisierung der Morawa= und Zaitschardivision. Die projektierte Reise des Königs wird unterbleiben. = Es wird immer schöner. Wir führten schon aus, daß die Stellung König Peters sehr schwankend sei, und wenn auch kein legitimer Erbe der Obrenowitsch mehr bestehe, sich doch leicht ein neuer Prätendent finden könne. Heute wird schon geschrieben: In serbischen Offizierskreisen soll nach einem die Lage in Belgrad in den schwärzesten Farben schildernden Bericht des Wien.„D. Volksblatt“ ganz offen die Absicht ausgesprochen worden sein, den Fürsten Nikolaus von Montenegro ins Land zu berufen und ihm die Krone Serbiens anzubieten. Auch soll bereits eine Deputation dem Fürsten Nikolaus dieses Angebot gemacht und dessen Zusage erhalten haben. Jedenfalls stehe Serbien vor einer neuen Krise, und die nächste Zeit schon könne der Welt ein neues Schauerdrama vorführen. König Peter sei bereit, Serbien zu verlassen, und habe erst vor einigen Tagen sich geäußert, daß er es bedaure, Serbiens Boden betreten zu haben, denn das Intriguenspiel serbischer Verschwörer habe er längst im Ausland zu verstehen verlernt.“ Griechenland. = Mord und Brand. Der Ministerpräsident Ralli teilte den Vertretern der Mächte die Berichte der griechischen Konsuln in Mazedonien mit, worin es heißt, in Kruschiwo sei die Kirche und die griechische Schule durch Dynamit zerstört, 332 russische Häuser in Brand gesteckt und mehrere Griechen getötet worden. Ralli ersuchte die Mächte, den Ausschreitungen, worunter die Griechen mehr wie die Christen und die Türken zu leiden hätten, ein Ende zu machen. England. = Sieg im Somalilande. Das Kolonialamt erhielt ein Telegramm von dem Verwaltungsbeamten von Nordnigeria, westlich von Kamerun, aus Zungurao vom 16. August, wonach eine britische Truppenabteilung von 30 Weißen und 500 Eingeborenen mit sechs Geschützen die Stadt Burmi am Morgen des 27. Juli einnahm und vollständig zerstörte. Der Feind leistete heftigen Widerstand und kämpfte bis zum Einbruch der Dunkelheit. Auf Seiten der Engländer wurde ein Offizier und 10 Eingeborene getötet, 3 Offiziere und 69 Eingeborene wurden verwundet. Der Verlust des Feindes betrage 700 Tote einschließlich des früheren Sultans von Sokotos und einer großen Anzahl von Häuptlingen. Südafrika. = Klagen aus Südafrika. Den Notschrei eines Buren veröffentlicht die Staatsbürgerzeitung nach der Burenzeitschrift Ons Land:„Es ist für uns Buren gänzlich unbegreiflich, weshalb die loyale Bevölkerung die ihr abgenommenen Gewehre nicht wieder erhalten kann oder wenigstens einen Wertersatz dafür; an wem die Schuld iegt, ist schwer zu sagen, aber die Mehrzahl der Gewehre ist in Stücke geschlagen und noch hat niemand dafür Bezahlung erhalten. Aber obendrein verweigern unsere Behörden die Erteilung von Erlaubnisscheinen, um andere Gewehre und Munition zu kaufen. In meinem Bezirk spielen die Paviane jetzt die Herren. Sie dringen in die Gärten und zerstören alles, was ihnen in den Weg kommt. Die Eigentümer müssen tränenden Auges dem zusehen und sind ohnmächtig, etwas dagegen zu tun.“ In Johannesburg gehen die Engländer jetzt mit der Einführung von chinesischen Grubenarbeitern vor. Im Oktober sollen 2000 Kulis eintreffen, denen im kommenden Jahre 5000 folgen sollen. Die Hauptsache ist den Briten dabei, die nichtenglischen Arbeiter zu entfernen. Kleine Chronik. Im mittleren Schweden sind seit acht Tagen unerhörte Regenmengen gefallen, die bereits jetzt einen bedeutenden Schaden angerichtet haben. Zahlreiche Bäche und Flüsse treten über die Ufer und richten Ueberschwemmungen an. Die Ernte ist vielfach total vernichtet. + Aus den Vereinigten Staaten von Nord=Amerika heißt es, daß die Schreckens=Erzählungen von den LynchGerichten immer größeren Umfang annehmen. In gewissen Bezirken hat der Blutdurst der Bevölkerung so überhand genommen, daß die Angeschuldigten schon auf einen Verdacht hin an den nächsten Baum angeknüpft werden. Und dabei wollen die Yankee's dem alten Europa ihre Moral diktieren. Es wird Zeit, daß sich die Herrschaften auf sich selbst besinnen! Seltsame Nachrichten setzen in diesen Sommertagen manche Blätter ihren Lesern vor. Kaum ist die„KaiserInsel" des„Vorwärts" abgetan, kommt die Berliner Zeitung und will wissen, daß für einen am 12. September in der französischen Stadt Rouen stattfindenden Weltfriedenskonferenz die Wahl einer Friedensfahne auf die Tagesordnung gesetzt sei. Der Entwurf dazu stamme aber von niemandem anders her, als vom deutschen Kaiser Wilhelm II. Man meint wirklich, für solche Nachrichten wäre doch eine offizielle Mitteilung abzuwarten. Lokales. ** Schwerte, 22. August 1903. **(Schöffengerichts=Sitzung) vom 21. August. Der Arbeiter Wilhelm N. von hier war von dem Amte Westhofen mit einer Geldstrafe von 10 Mark bedacht worden, weil er am 10. Juli cr. mit einem zu schwer beladenen Lastfuhrwerke gefahren hatte. Die von ihm hiergegen eingelegte Berufung wurde verworfen.— Sodann wurde gegen den Bergmann B. zu Holzen verhandelt. Derselbe war angeklagt, am 24. Juni bei dem Wirt Ueberacker zu Höchsten sich des Hausfriedensbruchs und der Bedrohung mit dem Verbrechen des Totschlags schuldig gemacht zu haben. Außerdem wurde ihm zur Last gelegt, Waffen (einen Dolch) bei sich geführt zu haben. Der Angeklagte wurde des Hausfriedensbruchs und der Bedrohung schuldig befunden. Mit Rücksicht darauf, daß Angeklagter noch unbestraft war, wurden ihm mildernde Umstände zugebilligt und auf eine Haft von nur 3 Wochen erkannt. Bezüglich des Waffentragens konnte ihm nichts nachgewiesen werden und dieserhalb wurde auf Freisprechung erkannt.— Unter der Anklage, in der Nacht vom 15. Juni ruhestörenden Lärm verursacht zu haben, standen die Brüder Bauunternehmer Carl D. und der Kaufmann Julius D. von hier. Außerdem wurde dem Kaufmann Julius D. zur Last gelegt, die Polizeisergeanten Dicke und Kranefeld bedroht und beleidigt und sich des Widerstandes gegen die Staatsgewalt schuldig gemacht zu haben. Der Sache lag folgender Tatbestand zugrunde: In der Nacht vom 15. auf den 16. Juni kamen die Angeklagten in Begleitung ihres Schwagers K. von dem Kriegerverbandsfest zu Ergste. Dieselben waren in etwas animierter Stimmung und vergnügten sich damit, auf dem Heimwege auf Kindertrompeten, welche sie in Ergste für ihre Kleinen gekauft hatten, zu blasen. Leider wurde das Blasen hier für Feuerlärm gehalten und dieserhalb geriet der Angeklagte Julius D. mit den Polizeisergeanten in Konflikt. In dieser Sache, welche eigentlich ganz harmlos war, wurde ein großer Zeugenapparat aufgeboten (14 Mann), doch wurden nur vier Zeugen vernommen. Der Angeklagte Karl D. war geständig, das Blasen verursacht zu haben und wurde wegen ruhestörenden Lärm zu einer Geldstrafe von 10 Mark verurteilt. Der Angeklagte Julius D. wurde der Beleidigung der Polizeisergeanten Dicke und Kranefeld für schuldig befunden und dieserhalb zu einer Geldstrafe von 20 Mark verurteilt, außerdem wurde den Beleidigten das Recht zugesprochen, das Urteil in der„Schwerter Zeitung", im„Schwerter Anzeiger" und im Dortmunder„Generalanzeiger“ veröffentlichen zu lassen. Wegen des Widerstandes wurde er ebenfalls zu einer Geldstrafe von 20 Mark verurteilt. Es wurde dabei berücksichtigt, daß der Angeklagte Julius sich bei der Begehung der Straftaten in einer großen Erregung befunden habe, weil er wegen des Blasens zu Unrecht gestellt worden sei und dann kam ihm auch seine bisherige Unbescholtenheit zugute.— Weil er den jugendlichen Fabrikarbeiter Paul Schm. körperlich vorsätzlich gemißhandelt haben sollte, hatte sich der Fabrikarbeiter Fritz E. von hier zu verantworten. Er wurde dieserhalb für schuldig befunden, jedoch wurde er mit Rücksicht darauf, daß er von dem Verletzten gereizt worden ist, nur zu einer Geldstrafe von 3 Mark verurteilt.— Ein rüder Bursche betrat in der Person des Fabrikarbeiters Johann D. die Anklagebank. Derselbe hatte aus purem Uebermut zwei der Stadt Schwerte gehörende Straßenlaternen zertrümmert. In Anbetracht der großen Roheit, die Angeklagter durch Zerstörung gemeinnütziger Gegenstände zeigte, wurde auf eine Gefängnisstrafe von 2 Wochen erkannt. Beantragt war 1 Monat Gefängnis.— Sodann wurde ein vielversprechendes Bürschchen in der Person des 15jährigen Metzgerlehrlings Georg Sch. aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Sch., welcher schon einmal mit einem Verweis wegen fahrlässiger Körperverletzung und mit 10 Mark wegen Sachbeschädigung vorbestraft war, hatte sich heute wieder wegen verschiedener Straftaten zu verantworten. In erster Sache war er beschuldigt, dem Obermeister Heinr. H. hier eine Uhr und dem Dienstmädchen B. ein Portemonnaie mit 6 Mark Inhalt gestohlen zu haben. Angeklagter gab den Diebstahl der Uhr reumütig zu. Er gab an, er sei zu dem Diebstahl durch einen Kumpanen verleitet worden. Die Uhr hat er seinerzeit dem Herrn H. wieder zugeschickt, den Diebstahl des Portemonnaies will Angeklagter nicht begangen haben, er gibt an, denselben habe sein Kumpan ausgeführt und wurde er dieserhalb auch freigesprochen; wegen des Uhrendiebstahls wurde er zu einer Haftstrafe von 1 Woche verurteilt, welche jedoch durch die Untersuchungshaft für verbüßt erachtet wurde.— In zweiter Sache hatte er sich zu verantworten, den Ernst R. aus Holzen körperlich vorsätzlich mißhandelt zu haben. Im Januar hatte der etwas angetrunkene Angeklagte dem nichts ahnend seines Weges dahergehenden R. ohne jede Veranlassung eine ca. einen halben Zentimeter lange Stichwunde beigebracht. Der Angeklagte wurde als ein ganz brutaler Bursche gekennzeichnet und hat es nur seiner großen Jugend zu verdanken, daß er mit einer Gefängnisstrafe von 12 Wochen davonkam. Da er sich einer ihm drohenden Verhaftung schon einmal durch die Flucht enkzogen hatte, wurde er zur Abbüßung der Strafe gleich wieder abgeführt.— In dem letzteren Falle dürfte wohl Fürsorge=Erziehung am Platze sein.— Mit zwei Wochen Gefängnis bestraft wurde der Arbeiter Johann Pf. hier, weil er seinen Vorgesetzten, Herrn S., der ihm wegen seiner Arbeit Vorwürfe machte, mit dem Verbrechen des Totschlags bedroht und ihn mit einem Stein körperlich mißhandelt hatte.— Zum Schluß stand eine ganz belanglose Privatklagesache auf der Tagesordnung, welche zu kleinlich ist, um sie zu erwähnen. **(Ueber den Erntestand) in Preußen Mitte August berichtet der Reichsanzeiger, daß der Ende Juli eintretende, so lange erwartete Regen leider zur Unzeit kam, da die Erntearbeiten bereits im vollen Gange waren. Vereinzelt beginnt das Getreide am Halme auszuwachsen. Bei dem wiederholten Trocknen verlieren die Aehren auf dem Felde viel von der Füllung. Ueber stärkeres Vorkommen von Mäusen wird vielfach geklagt. Sommerhalmfrüchte sind bis auf Hafer zum größten Teil gemäht, konnten aber des Regens wegen nicht eingebracht werden. Der Stand der Kartoffeln ist sehr verschieden. **(Beleuchtet Treppen und Flure!) Bei dem wieder zeitigeren Eintritt der Dunkelheit mag an die Verpflichtung erinnert sein, Treppen und Hausflure rechtzeitig und ausreichend zu beleuchten. Für Unfälle, welche durch Vernachlässigung dieser Verpflichtung entstehen, ist der Verpflichtete haftbar. (Das Waschfaß.) Die Frau eines Fabrikarbeiters in der Beckestraße war gestern nachmittag mit der Wäsche beschäftigt; zwecks anderer dringender Hausarbeiten entfernte sie sich aber einen Augenblick vom Waschfaß. Das kleine Töchterchen benutzte leider diese unbewachte Zeit dazu, das Waschfaß, welches, wie man es so oft sieht, auf einem Stuhle postiert war, nach Kräften zum Umkippen zu bringen, was auch gelang. Dabei ist die kochend heiße Lauge dem Kinde über Hals und Rücken geflossen, so daß es stark verbrüht wurde. **(Vergiftet.) Dem Kaufmann August Sieberg verendete ein Bernhardiner Hund im Werte von 150 Mark. Nach der vorgenommenen Untersuchung des Magens ist das Tier vergiftet. Jedenfalls liegt hier ein Racheakt vor. **(Beinahe überfahren) von der Elektrischen wurde gestern abend in der Nähe der Färber'schen Wirtschaft ein ungefähr 4 Jahre altes Kind. Obwohl der Führer des Wagens sofort die Bremse anzog, wäre doch ein Unglück unabweisbar gewesen, wenn nicht mit Geistesgegenwart eine junge Frau das nichts ahnende Kind von den Schienen gerissen und so vor Unglück bewahrt hätte. **(Eine Lampe) explodierte gestern in einem Hause an der Hüsingstraße. Das entstandene Feuer konnte sofort gelöscht werden. Ein nennenswerter Schaden ist nicht entstanden. *(Bad Königsborn bei Unna.) Wie aus dem Inseratenteil der vorliegenden Zeitung hervorgeht, findet am. Sonntag, den 23. August cr., nachmittags 4 Uhr, im Kurgarten großes Extra=Konzert statt, welches von der Kapelle des 1. Westf. Infanterie=Regiments Nr. 13 unter persönlicher Leitung des Königl. Musikdirektors, Herrn Grawert, Münster und der Kurkapelle, unter Leitung des Herrn Musikdirektors Guth ausgeführt wird. Wir machen an dieser Stelle noch besonders auf das Konzert aufmerksam. **(Preisschießen.) Am Samstag, den 15. ds. Mts. fand auf den Scheibenständen des Schützenhofes ein Konkurrenzschießen statt. Den 1. Preis erhielt Herr C. Schleef, Holzwickede, den 2. Herr August Müller, hier, den 3. Herr W. Balster, hier, den 4. Herr H. Haselhoff, Berghofen. **(Schützenhof.) Ein sonderbares„Kunstinstitut" ist auf dem Schützenplatze aufgebaut worden, nämlich ein Musikdampfer namens„Klumbumbus.„Hört, seht, staunt!“ ruft Obstfeld und erwartet, daß zahlreiches Publikum sich das Wunderding ansieht. Abends ist großes„Seeschlachten=Potpourri“. Sag' Schwerte, was willst du noch mehr. Im übrigen siehe man die betr. Anzeige in heutiger Nummer. **(EinElektro=Biograph) hat auf dem Wilhelmsplatz sein Domizil aufgeschlagen. Es ist das ein Theater lebender Photographien und präsentiert sich als ein gefälliger Bau mit eigener elektrischer Lichtanlage. Am Sonntag vormittag ist eine Frühvorstellung, nachmittags von 3 Uhr ab finden stündlich Vorstellungen statt. Aus dem reichhaltigen Programm der kinematographischen Bilder wollen wir nur den großartigen Empfang der Burengenerale, das Krönungsfest in Indien und die Märchen aus 1001 Nacht hervorheben. Der Besuch lohnt sich also. **(Die Einführung) des hundertteiligen Thermometers in den Schulen und anderen öffentlichen Anstalten, die vor einigen Jahren angeordnet worden ist, veranlaßte neuerdings die allgemeine Anfrage, wie sich das neue Thermometer bewährt habe. Einer der darauf erstatteten Berichte lautete kurz und treffend:„Das Klima ist hierorts dasselbe geblieben. * Villigst, 21. August. Die hiesigen Gemeindeverordneten haben beschlossen, die Zinsüberschüsse der Sparkasse des Jahres 1902 zu außeretatsmäßigen Wegebauten zu verwenden. ** Holzen, 20. August. Ein nettes Bürschchen scheint der neunjährige Schüler F. hierselbst zu sein. Derselbe hat schon wiederholt Diebstähle ausgeführt, so auch noch vor einigen Tagen, wo er dem Wirt Neuhaus in den Rosen aus dessen Kellerräumen annähernd 100 leere Bierflaschen entwendete und sie anderwärts verkaufte. Tagelang trieb sich der Junge dann, als die Sache ans Licht kam, aus Angst vor Strafe umher und hielt sich in den Baracken am Eisenbahnbau auf, bis sich jetzt die Polizei seiner annahm. ** Westhofen, 21. August. In der hier unter dem Vorsitz des Herrn Stadtvorstehers Westerhoff am 19. d. Mts. in dem Lokale des Gastwirts Heimbeck abgehaltenen Sitzung der hiesigen Stadtvertretung wurde beschlossen, den vorliegenden Protest gegen die beabsichtigte Verlegung der Hauptstraße bei Bahnhof Westhofen durch Herstellung einer Ueberführung bei der gesamten Bürgerschaft zur unterschriftlichen Vollziehung zirkulieren zu lassen und ihn dann dem Herrn Regierungspräsidenten in Arnsberg und der Königl. Eisenbahndirektion Elberfeld, wo man dieserhalb auch noch persönlich vorstellig werden will, zu unterbreiten.— Im ferneren wurde die getätigte Verpachtung der Gemeindegrundstücke genehmigt und die Anbringung von Bordsteinen vor der Stern'schen Besitzung hierselbst beschlossen. ** Hörde, 20. August.(Einerohe Tat) begingen einige Ziegler auf der Hyunpendahl'schen Ziegelei, indem sie ein dem Bahnbeamten Wahl gehöriges Huhn lebendig abrupften und dann totschlugen. Der Fall ist zur Anzeige gebracht.„ W ** Hörde, 21. August. Schon wieder konnen wir, so schreibt das Hörder Volksbl., über eine blutige Affäre aus dem südlichen Stadtteil berichten. Gestern abend zwischen 9 und 10 Uhr wurde der Arbeiter Karl Tolkimit in der Wellinghoferstraße von dem Gelegenheitsarbeiter Richard Pauli ohne Veranlassung mit einem Messer in den Hals gestochen, so daß derselbe zusammenstürzte und ins St. Josefs=Hospital geschafft werden mußte. Nach Aussprache des Arztes ist der Zustand bedenklich, jedoch ist die Wiedergenesung zu erwarten. Der Täter wurde verhaftet und dem Amtsgericht zugeführt. Außerdem soll bei der Messerstecherei noch ein zweiter Teilnehmer an derselben verletzt worden sein. ** Hörde, 21. August.(Als Schwindlererster Güte) zeigte sich der Stuckateur Mich. EmmontsGash zu Hörde gestern vor der Dortmunder Strafkammer. Dieser Gauner hat es im Laufe vorigen Jahres fertig gebracht, alle Leute, mit denen er im Verkehr trat, zu bemogeln und zu bestehlen. Um seinen Zweck zu erreichen, verstieg er sich dazu, die bittersten Tränen zu weinen und den Leuten, mit denen er sich einließ, das Geld abzulocken und alsdann zu verduften. Es würde kaum angehen, die sämtlichen Einzelfälle anzuführen und möge es daher genügen, zu sagen, daß Emmonts als Spezialität Logisschwindel betrieb und gelang ihm solches ausgezeichnet. Zu den meisten Fällen begnügte sich der Freund nicht damit, seine Opfer um das Logisgeld zu bringen, sondern er machte auch Anleihen und führte Diebstähle dabei aus. Dem Helden wurden gestern nicht weniger als 9 Diebstähle, 29 Betrugsfälle und 7 Fälle ver; suchten Betruges vorgeworfen, welche er auch alle eingestand. Aus letzterem Grunde war auch kein Zeugenaufgebot geladen. Der HerrStaatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten 1 Jahr Gefängnis; das Strafmaß des Gerichtes ging aber darüber hinaus und erkannte eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr und 3 Monaten. jahr in ihrer Kammer erkältet haben, in der ein Fenster nicht ordentlich schloß. Sie kränkelt jetzt und verlangt Schadenersatz. Hafte ich? — Ja, wenn die jetzige Krankheit auf den mangelhaften Zustand der Kammer zurückzuführen ist. Denn der Dienstherr hat in Ansehung des Schlafraumes des in die häusliche Gemeinschaft aufgenommenen Dienstboten diejenigen Einrichtungen zu treffen, die mit Rücksicht auf die Gesundheit des Dienstboten erforderlich sind. F. in S. Gefunden hat mein Sohn auf der Straße 50 Pfennig. Ich verwahre das Geld. Es ist Anzeige gegen mich erstattet, weil ich den Fund bei der Polizei nicht gemeldet habe. Kann ich bestraft werden? — Nein. Wenn die gefundene Sache nicht mehr als 3 Mark wert ist, braucht der Fund nicht gemeldet zu werden. M. in B. Ich bin Logiswirt. Einem meiner Logiergäste ist seine Uhr aus seinem Zimmer abhanden gekommen. In meinem Restaurationsraum ist angeschlagen, daß ich für Verluste nicht aufkomme. Hafte ich dennoch„„..„ g.. 9i. Gast — Ja. Der Anschlag ist ohne Wirrung. Die Hastung kann nur durch besonderen Vertrag ausgeschlossen werden. Westfalen und Rheinland. * Iserlohn, 21. August. Einen Akt unerhörter Brutalität begingen die Fabrikarbeiter Ludwig Schmidt und Heinrich Conrad auf dem Hofe des Landwirts Kersting in Wermingsen. In Abwesenheit des Besitzers drangen diese in den Viehstall, wo sie einem 9 Monat alten Rind ein Stück aus der Brust schnitten. Der zur Erholung anwesende Sohn, ein Metzgerlehrling, hörte das Mitleid erregende Stöhnen des Tieres, das infolge des Blutverlustes zusammenbrach, was den jungen Mann veranlaßte, es sofort abzuschlachten. Dem in diesem Augenblick hinzukommenden Besitzer gegenüber nahm der Schmidt noch eine drohende Haltung an, während der andere ausriß. Kersting nahm darauf eine Düngergabel und schlug den Schmidt auf den Kopf, so daß diesem ein erneutes Angreifen verging. Zum Glück weilte ein Gendarm auf dem nebenanliegenden Schützengildefestplatze, der denn auch den Schmidt, der vorher von hinzugekommenen Personen noch eine gründliche Tracht Prügel erhalten hatte, festnahm. Hattingen, 21. August.(Die Meisterschaftsraucher von Rheinland.) In der schönen Stadt Duisburg am Rhein gibt es einen Verein, der den noch viel schöneren Namen„Rauchklub lieblicher Duft“ führt. Wie der Name besagt, hat er das Qualmen auf sein Panier geschrieben, und seine Mitglieder sind redlich bestrebt, an ihrem Teile zur Hebung der Tabakindustrie beizutragen. Um nun einem tiefempfundenen Bedürfnis abzuhelfen, veranstaltete er am Sonntag einen „Rauchwettstreit.“ 120 Kämpfer hatten sich eingefunden. In einem großen Kreise saßen sie da, die nagelneue, 80 Zentimeter lange und mit 8 Gramm feinsten Kanaster geladene Pfeife im Munde, den Fidibus in der Hand und harrten voll Spannung auf das Kommando„Feuer! Um 4 Uhr nachmittags ging das Paffen los, daß die Backen bebten. Unser Spezialberichterstatter machte folgende Aufzeichnungen: 4 Uhr 1 Min.: Man glaubt sich an Bord eines Rheindampfers mit 2 Schloten zu befinden. Eine halbe Minute später: Alles in Rauch gehüllt, die Zuschauer husten, räuspern sich, viele weinen. 4 Uhr 2 Min. 2½ Sek.: Ein schwacher Ruf:„Hier minge Piepe ist leer!“ Gleich darauf treten die Preisrichter ihr schwieriges Amt an: Pfeifenuntersuchung, Ascheausschütten. Wessen Pfeife auch nur noch ein Krümelchen unverbrannten Tabaks oder Frunken beherbergt, scheidet aus bei dem Ringen um den Ehrenpreis, der in einem Ansichtskartenalbum besteht. Gegen 4½ Uhr beginnt das Rauchen um den Ehrenpreis. Die Spannung ist aufs höchste gestiegen. Nach 2 Min. 2 Sek. überreicht Herr Th. Lang aus Hattingen, Mitglied des Rauch= und Dilettantenklubs„Fidele Brüder in Essen", siegesbewußt sein Qualmrohr, die 8 Gramm Tabak sind vorschriftsmäßig verraucht; er hat gesiegt und damit auch die „Meisterschaft von Rheinland“ errungen. Ein donnerndes„Gut Qualm!“ durchbrauste den Saal. Es fehlte nur noch der Lorbeerkranz, in Form einer Riesenrolle Strangtabak. Dank der tabakverqualmenden Ueberleistung des Herrn Lang ist unser liebes, altes Hattingen jetzt wenigstens in die Reihe derjenigen Städte getreten, welche sich rühmen dürfen, einen Meisterschafter in ihren Mauern zu beherbergen und dazu noch einen solchen im Rauchen. Was wollen dagegen alle Meisterschaftsfahrer,=Ringer, =Turner usw. sagen! Und wenn sich nun erst Scherls Woche der Affäre— heutzutage ist bekanntlich alles Affäre— bemächtigt! Uebrigens bezweifeln wir gar nicht, daß der gegenwartige Rekord von 2 Min. 2 Sek. noch geschlagen wird und die 8 Gramm auch in 2 Min. 5%* verqualmt werden Bis dahin:„Gut Briefkasten. K. in S. Erkrankt ist mein Dienstmädchen, das bis 1. Mai bei uns in Stellung war; sie will sich im Früh166/60 Ser. Verhaalmn Werden. dis bahnn..„V Dampf!“ * Langendreer, 20. August. Die Verwechselung von Medizin ist dem Schweine des Bergarbeiters P. hierselbst, einem biederen deutschfreundlichen Polen, schlecht, ihm selbst aber gut bekommen. Das Schwein des wollte vor einigen Tagen nicht recht fressen, weshalb P. einen Tierarzt konsultierte, der eine Medizin verordnete. Am anderen Tage erkrankte P. selbst so bedenklich, daß er einen Arzt— selbstverständlich für Menschen— kommen ließ, der ihm ebenfalls Medizin verordnete. Beide Medizinen wurden nun derart verwechselt, daß P. die für das Schwein bestimmte Medizin trank, während das Schwein diejenige bekam, welche für seinen Herrn und Gebieter bestimmt war. Aber merkwürdig: das Schwein krepierte, während P. gesundete. Das Merkwürdigste aber ist, daß P. sich nun von seiner Ueberzeugung, daß er nur durch die Verwechselung der Medizin sein Leben gerettet habe, nicht mehr abbringen läßt!! * Langendreer, 21. August.(Unhold.) Auf der Strecke Witten=Langendreer versuchte heute abend 8 Uhr ein Passagier der dritten Wagenklasse ein zwölfjähriges Mädchen zu vergewaltigen. Der Zugführer störte den Sohn als Gast bei sich habe. Sofort eilte er nach Hause, ins Freie zu bringen und die Stalltüre des Bestohlenen Wüstling und veranlaßte dessen Verhaftung auf hiesiger aber es war schon zu spät. Die vom Geld geblendete öffnen zu lassen. Dies geschieht, und siehe da: ein Teil Frau hatte inzwischen dem Gast, ihrem eigenen Sohn, mit der Gänseschaar setzt sich sofort in Bewegung und lenkt, (Aus Liebesgram.) einem Rasiermesser den Hals durchgeschnitten. Sie ward gefolgt von der hohen Jury, direkten Marsches seine Station. * Essen, 20. August. Eine im hiesigen Telegraphenamt angestellte junge Dame, verhaftet. Schritte zur Pforte ihres langentbehrten Heims, mit die seit einigen Tagen vermißt wurde, wurde gestern an ib Nach fünf Jahren. Vor fünf Jahren entfloh aus deutlicher Freude die Penaten begrüßend. Jetzt half dem der Saarner Ruhrfähre bei Mülheim als Leiche gebor= Darmstadt ein Deserteur Weygand, der wegen Mordes Diebe kein Leugnen mehr; seine Schuld war glänzend gen. Wie man hört, hat sich das Mädchen die Aufheb= zum Tode verurteilt war. Er hat während dieser Zeit erwiesen. ung seines Verlöbnisses, die ohne seine Schuld erfolgte, so in der französischen Fremdenlegion in Afrika gedient, zoß sehr zu Herzen genommen, daß es in einem Anfall von mit nach China, desertierte aber wieder und kehrte nach Schwermut seinem Leben ein Ende setzte. Deutschland zurück, wo er sich vagabondierend umher* Essen, 21. August. Durch einen herabgefallenen trieb. Ein Gendarm in Mainz, der ihn erkannt hatte, hat Leitungsdraht wurde der Architekt Bernhard Rodemann ihn jetzt verhaftet. Das frühere Urteil hat natürlich sellschaft leise zum anderen):„Sie, wir wollen zu Borbeck erheblich verletzt. Er verlangte von der Süd=[Rechtskraft behalten.. schen, die Tochter des Hauses schleicht schon um ddeutschen Eisenbahngesellschaft in Darmstadt eine jähr= lb Ein schwarzer Prinz als Zechpreller. Aus Ham= vier herum, wie die Katze um den heißen Brei. Humor und Satyre. „S.(Passender Vergleich.) Gast(in der Geaufbredas Kla§(Druckfehlerteufel.) Eduard hatte ein Oberlandesgericht Berufung ein. §(Zwiegespräch.) Tochter: Er betet mich an, nachgesucht hatten, großartig gelebt hatte, wurde wegen#ar ziße Mann]— Mu,“: ich * Sterkrade, 20. August.(Bluttat.) Auf dem bedeutender Zechprellereien und Schwindeleien verhaftet. der süße Mann:— Mutter: Was liegt uns dran, beißt der hiesigen„Gutehoffnungshütte“ gehörigen Schacht! Er war vollständig mittellos.—Wer wird aber auch einenser nicht an! „Hugo“ gerieten heute morgen mehrere mit Ausschacht= schwarzen Patron so hoch in die Kreide steigen lassen. Deine erste Sfag#e#hgn. ungsarbeiten beschäftigte Arbeiter in Streit. Hierbei ib Aus München wird ein kaum glaublicher Fall be= Uebrigens komisch, daß Ihr alle das rr wurde einer der Beteiligten durch Messerstiche getötet, richtet: Die reiche Witwe eines verstorbenen Rentiersts“tcgen######### alle das fragt: Bin ich auch ganz gewiß Ganz gewiß, mein Schatz! wurde einer der Bereinigren durch Messerstiche gelbiel, frichter: Die reiche Witwe eines verstorvenen Rentiers§(Unter Kollegen.) A: Ich habe ein anderer wurde schwer verletzt. Der Täter wurde fest= hatte ihr Vermögen in Monte Carlo und anderen Plätzen tierärztliche Praris aufe. R z0 meine genommen. in lustiger Gesellschaft durchgebracht. Schließlich mußte##g# 3ttlche Praxis aufgegeben.— B.: Na, da könnten soziale len statt. Ein Eintreten in die Landtagsagitation wurde ein sten Gattin ausgehoben und in einem gewöhnlichen Grabe stimmig beschlossen mit dem Hinzufügen, daß ein Zu= beigesetzt. Der Gewinn von 6000 Mark ist inzwischen auch sammengehen mit den Mittelparteien nur auf Grund ge=verspielt. genseitigen Entgegenkommens als möglich bezeichnet ibe die nichts. Eigener IId Berlin, 22. August. Wegen des blödsinnigen Ib Der arme Kerl. In einem Berliner Ballsaal erwurde. Der christlich=soziale Reichstagsabgeordnete Herr schoß sich ein Klempnergeselle, von dem seine Braut nichts grtzese 8as Barmärten uker dig ogsmint. Dr. Burckhardt soll im Oktober eine Agitationsreise im mehr wissen wollte und mit einem anderen tanzte, weil Artikels des„Vorwärts“ über die„Kaiserinsel“ wurde in Wahlkreise unternehmen. Für den christlich=sozialen Par= ihr Bräutigam, der vor einem Jahre verunglückt war, der Redaktion des Blattes wie in der Wohnung des verteitag am 23. und 24. September in Mülheim=Ruhr wur= mit einem von dem Unfall herrührenden lahmen Bein antwortlichen Redakteurs Haussuchung abgehalten. Die den 12 Delegierte gewählt.... sihrem Vergnügungstrieb nicht mehr genügte. Als er sie betreffenden Nummern des„Vorwärts“ wurden beschlag* Düsseldorf, 20. August. Das hiesige Kriegsgericht zur Rede stellte, warf sie ihm den Verlobungsring vor die nahmt und Anklage wegen Maiestätsbeleidigung und erurteite in seiner heutigen Sitzung den Unteroffizier Füße und ließ ihn stehen. Der arme Kerl ging ein paars grcku u.tigs gbarr den Majestätsbeleidigung und skar Schäfer vom Infanterie=Regiment Nr. 16 in Mül= Schritte seitwärts und schoß sich eine Kugel in den Kopf. sroven Unfugs erhoben.(Man sollte die Anklage verurteilte Oskar heim a. Rh. wegen vorschriftswidriger Behandlung und Man glaubt es nicht, aber es ist so! Mißhandlung eines Untergebenen zu drei Wochen Mittel= arrest. In der Urteilsbegründung wurde ausgeführt, daß namentlich in dem genannten Regimente trotz vielfacher Verwarnungen Mißhandlungen von Untergebenen recht häufig seien....0 9 st(S Stgaf=krin männer, beginnt nun bald. Mit gespanntem * Düsseldorf, 20. August.(Totgefayren.) der Jäger dem spürenden Hund, der plötzlich, wie aus nur Jagd und Sport. wegen groben Unfugs erheben, denn die Majestät des Kaisers kann durch ein derartiges Ammenmärchen, wie es der„Vorwärts“ den„politisch reifen Genossen" vorzuHhuhnigad.) das Entzücken aller Peid=bringen wagt, unmöglich„beleidigt“ werden, dazu steht (Die Rebzuyrgagu,) gas entzugen Guagf Weib=(sie zu hoch. D. Red.) gerden, dagu steht männer, beginnt nun bald. Mit gespanntem Blick folgt] ur 9: D. Dägar dam syziranden Hund dar blätzlich wie aus IId Breslau, 90 Hd Breslau, 22. August. Aus Breslau wird beKöln, 20. August. der chemischen Dünger= Flinte an fabrik von Robert Schleicher=Ehrenfeld wurden mittags Huhn aus drei Arbeiter durch die Explosion eines Entfettungsapparates getötet. s Ver: Laige dund wik sichen Bick sester ein. Sie halten entgen der Auachung des Laniernet, us der Kette, das seinem Schrot erliegt. Wir mers die Brunnenwände vorzeitig entfernt. wünschen, daß die Rebhuhnjagd in diesem Jahre eine! Id Wien, 22. August. Die bulgarische Regierung recht ergiebige sein möge, einerseits im Interesse der Nim=shat einer hiesigen Firma 15 Millionen Patronen zu * Wiesbaden, 20. August.(Eisenbahnfahrt rode, andererseits aber auch im Interesse des essenden schleunigster Lieferung bestellt. mit Hinderni „Fertig! Abfahren!“ er=Publikums. Denn über ein gutes, saftiges Rebhuhn, nen und Schnaufen setzte sich der Zug etzte sich der Zug— Pardon, nur tiger Weidmann ist, für den kommt das Essen erst in zwei= ville sind durch anhaltende Regengüsse große Ueberdie Lokomotive in Bewegung in der Richtung nach Dotz= ter Linie, das Hauptvergnügen ist für ihn eben die Jagd schwemmungen hervorgerufen worden; ein Mädchen kam heim. Wie der„Rheinische Kurier“ meldet, war die Zu=selber. in den Fluten um. In Fayet wurde eine Brücke, auf der sammenkuppelung des Zuges mit der Maschine unterblie= gerade ein Arheiter stand vom Strame summenruppelung des Züges mit der Maschine ben und erst nach einer größeren Strecke belehrten Zurufe den Lokomotivführer, daß auch die Passagiere die Fahrt mitmachen wollten. Er kehrte schnell zurück und mit einer Vermischtes. gerade ein Arbeiter stand, vom Strome weggerissen, wobei der Arbeiter ertrank.— In Périqueux sind gestern die drei Söhne eines Rentners im Alter von 18—20 F(Aufsatz einer 13jährigen Volksschülerin.) Das Jahren auf einer Bootsfahrt ertrunken. Verspätung von 6 Minuten ging die Reise von statten. Aufsatzthema, von der Lehrerin wohl vorbereitet, lautete: Hd Paris, 22. August. Wie das Blatt„La Croir“ Ernte. Von Karl Hülter. Nun reift das Korn am Wegesrand Dem nahen Erntetag entgegen, Schon will stch auf das weite Land Des Herbstes Nebelschleier legen. Der Bauer prüft der Sense Schnitt, Sie soll des Jahres Fleiß ihm zahlen; Geh du zum Aehrenfelde mit Zufriedenheit im Land Westfalen. Von drüben grüßt ein andrer Ton, Dort schafft der Schmied am Feuerheerde, Er sucht der Arbeit goldnen Lohn, Ob Frühling oder Herbst es werde. Doch legt er seinen Hammer hin Und prüft das Buch mit schwarzen Zahlen, Dann tritt zu ihm mit heitrem Sinn Zufriedenheit im Land Westfalen.—— So soll sich stets des Hammers Kraft, So soll die Sichel sich bewähren, Beim Schmied, der hier am Feuer schafft, Beim Bauern dort vor reifen Aehren. Und kommt einmal die schlechte Zeit, Sind knapp gefüllt des Segens Schalen, Bleibt stets dem guten Werk bereit Und fest steht in Zufriedenheit, Erprobte Männer in Westfalen! e Mer, stiller und ruhigr. Iosigg,; Ter. Zazjan ein Neubau ein, wobei fünf Arbeiter getötet und zwei welcher in London liegt. Der gatziger wozzat, enundet in tötlich verletzt wurden. stet und an das Mittel ländische Meer. Das Kuralen Tier baut gern sein Nest in das Meer. Es sind immer mehrer und gamiig Felfort, 22. August. In dem Dorfe Bru ist eine wachsen immer höher. Wenn ein Schiff davor bei fährt shalttilie, bestehend aus 4 Personen, nach dem Genusse so kann es pazieren, daß das Schiff ein Loch bekommt ciftiger Pilze gestorben. und es denn untergeht. Das(kann) kleine Kuralen] Hd Moskau, 22: August. Ein Cyklon hat das Tier=chen kann tausent Brelen machen daß so ein schlim= große russische Dorf Antonowska unweit der Stadt Homes Unglück pazieren kann indem es doch so ein kleines mel in furchtbarer Weise heimgesucht. Nahezu hundert winziges Tierchen ist.(Für eine 13jährige Volksschüle= Häuser wurden gänzlich zerstört, etwa 200 andere Gerin allerdings eine respektable Leistung. Arme Leh=bäude stark beschädigt.— Ferner meldet man aus 11 g) M###grgm daß guf der nouoräffngten Bahnstracke rerin!! Red.) *(Druckfehler) sind gewiß oft seh Agram, daß auf der neueröffneten Bahnstrecke Caprag(Drucksehler) sind gewiß oft sehr ärgerlich; sie er= Prccinmost ein orkanartiger Sturm einen ganzen Eiseneignen sich nicht nur in den sorgfältigst durchgesehenen bahnzug umwarf. Zeitungen, sondern auch in den mit größter Aufwendung g.###. Pom, 22. August. Rampolla hat von Mühe und Vorsicht hergestellten Büchern— kurz, sie[Mar seit 16 Jahren einen Urlaub genommen. sind ganz unvermeidlich. Allein etwas weiter vorgeschritzum ersten ganz unvermeidlich. Allein etwas weiter vorgeschrit= Hd Mailand, 22. August. Drei Personen, welche ten sind wird denn doch auch mit der Beseitigung dieser vor drei Wochen von einem tollen Hunde gebissen waren, störenden Versehen, im Vergleich zu früheren Jahrhun=lsind gestern an den Folgen verstorben, trotzdem sie sich derten. Im Jahre 1561 wurde ein nur hundertzweiund= sofort in das Mailänder Pasteur'sche Institut in Besiebzig Seiten starkes Buch gedruckt, das in einem 15 handlung begeben hatten. Seiten langen Anhang die Druckfehler enthielt. Der Herausgeber schrieb zu diesem ansehnlichen Druckfehlerverzeichnis eine kleine Vorrede, in der er behauptete, diese zahlreichen Irrtümer seien auf Machinationen des Satans zurückzuführen. Eine 1653 gedruckte Bibel enthält an sechstausend nachgewiesene Fehler. *(Ein moderner Salomo.) In einem Dorfe unweit Baltimores wurde unlängst aus einem Stalle eine Anzahl von Gansen gestohlen. Der Besitzer erklärte dem Wetterbericht. 24. August: Veränderliche Bewölkung, mäßig warm, windig, meist trocken. Wolkig, teils heiter, Regenfälle, kühl, nachts kalt, windig. 26. August: Wenig verändert, kühl, teils Regen, windig. 25. August: Aus dem Leben.: zahl von Gänsen gestohlen. Der Besitzer erklärte dem id Von der eigenen Mutter ermordet. Von der russi=) Friedensrichter, daß sein Nachbar der Dieb gewesen. Für den redaktionellen Teil verantwortlich Wilh, Schade. Bei der Inspektion des Stalles des mutmaßlichen Täters spen Erenze berichtet der„Graud. Ges.“, daß ein Beid Bauernsohn nach jahrelangem Aufenthalt in Amerika zur fand man die Gänse richtig vor und zwar zusammen mit Heimat zurückkam und unbekannterweise bei seinen Eltern and Auf mehrere Anfragen teilen wir hierdurch mit, daß um Nachtquartier bat. Vorher war er kruge gewesen und hatte sich nach seinen Eltern erkundigt, wohl mit dreister Stirne den Diebstahl, behauptend, daß Berichten ganz vorzüglich wi Zu Hause ließ er durchblicken, daß er viel Geld besitze. Die alle vorgefundenen Tiere sein rechtliches Eigentum seien. überraschende Erfolge erzielt worden bei Blutarmut, Frau(seine Mutter) versuchte nun ihren Mann zu über= Auf diese Behauptung ließ sich nicht viel entgegnen, sämt=Bleichsucht, Blutstockung, Kopfweh, Asthma, es ist ein #eden, den Fremden umzubringen und zu berauben. Der liche Gänse besaßen ein durchaus gleiches Ausfehen und vortreffliches Kräftigungsmittel für Rekonvaleszenten schiel Mann wies das Ansinnen mit Entschiedenheit Ba schickte die Frau den Mann nach dem Krug, um Richter die Stirn.“ Plötzlich dämmert in seinem Hirn ein 4.50 Schnans zu hoben, zus der Bauar hörte, daß er seinen Gedanke, ein rettender, auf. Er befiehlt, sämtliche Gänse fabrikant Berlin, Klopstock Nr. 34. Nur von Montag 24. bis Sonntag 30. August. 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Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund. 36. Jahrgang. Ein Vater hat mit Sorgen Dem Haushalt vorzustehn, Zu ordnen, was vom Morgen Bis Abend soll geschehn. Wenn Gott versagt den Segen Ob sich auch Sorge mehrt, So geht auf allen Wegen Der Haushalt doch verkehrt. Rückert. Schwelgen und Gasten Leert Keller und Kasten. * Arm an Begierden macht reich an Vermögen. Roman von F. Arnefeld. (2. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten) „Was geht denn hier vor?“ fragte nähertretend der Sohn, den Redestrom der Muter unterbrechend,„Marie sagte mir, Herr Ahrweiler sei tot und Ihr wäret bei ihm oben, das klang mir ganz unglaublich, da bin ich heraufgekommen—. 78 „Da sieh nur, was passiert ist: schlüchzle Frau Köhne, der jetzt, wo sie den Beistand des Sohnes hatte, die Tränen kamen,„Herr Ahrweiler—“ „Ist ermordet!“ rief Wilhelm, der sich zu dem Toten niedergebeugt hatte, und hob einen Dolch mit ziseliertem goldenen Griff und einer haarscharf geschliffenen Klinge auf, der neben dem Unglücklichen gelegen hatte. „Das ist ja einer von seinen eigenen Dolchen!“ jammerte Frau Köhne, die Hände zusammenschlagend, und wies dann mit dem Finger nach der Wand, an der auf einem feuerroten Teppich eine Sammmlung blinkender Waffen angehängt war. Sofort war Köhne bei der Hand mit der Erklärung: „Das hat er selbst getan, wer—“ „Ist noch die Frage, Vater,“ unterbrach ihn Wilhelm, der sich inzwischen mit Ahrweiler beschäftigt und bald gefunden hatte, daß das Blut aus einer kleinen Wunde in der Brust geflossen war.„Tot ist er, da ist nicht mehr daran zu tippen, aber ein Arzt muß doch her, und bei der Polizei muß die Geschichte auch gleich gemeldet werden.“ „Bei der Polizei!“ schrieen beide Eltern mit der diesen Leuten eigenen Scheu vor jeder Berührung mit den Sicherheitsbehörden, aber Wilhelm erklärte mit großer Bestimmtheit: „Sie muß augenblicklich benachrichtigt werden, sonst könnten wir in Teufels Küche kommen. Aengstigt Euch nicht, ich telephoniere an den Werkmeister und mache mich für heute Nachmittag frei, dann kann ich alle Gänge besorgen und bei Euch bleiben.“ „Wirst Du aber auch keine Ungelegenheiten davon haben?“ fragte der ängstliche Köhne, der immer gleich Verlust von Arbeit und Verdienst vor sich sah. „Nicht die Probe!“ beschwichtigte ihn der Sohn. „Man wird mir doch'mal einen Nachmittag frei geben, wo ich immer auf dem Platz bin und obenein bei solcher Veranlassung. Laßt alles stehen und liegen, wie Ihr es gefunden habt, es darf nichts angerührt werden, Ihr könntet die größten Ungelegenheiten davon haben,“ fügte er hinzu.„Das beste ist, wir lassen das Gas brennen, schlagen aber die Korridortür zu und Ihr wartet unten in Eurer Wohnung, bis der Doktor und die Polizeileute kommen.“ „Aber Wilhelm, wir können den Toten doch hier nicht so allein liegen lassen!“ entgegnete mitleidig der Portier, aber seine Frau fiel ihm ins Wort: „Warum denn nicht? Hast ja selbst gesagt, der ist mausetot. Komm nur, es ist schon am allerbesten, wie Wilhelm es anordnet. Gott sei Dank, daß der zur rechten Zeit gekommen ist, der versteht sich auf alles!“ Mit einer an Andacht grenzenden Bewunderung schaute Frau Köhne zu ihrem Erstgeborenen empor, der in einer großen Maschinenbauanstalt Vorarbeiter war, Aussicht hatte, demnächst zum Werkmeister aufzurücken und sich, abgesehen von seinen technischen Fertigkeiten durch eifriges Selbststudium eine ganz hübsche allgemeine Bildung angeeignet hatte. Er war der Stolz der Eltern, besonders aber der Mutter; der Vater machte zuweilen recht ungeschickte Versuche, seine Autorität zu wahren, obschon sie von dem wohlgeratenen jungen Menschen niemals angegriffen ward. Auch jetzt erhob er noch einmal Gegenrede, aber die Frau ergriff ihn beim Arm und führte ihn mit den Worten hinaus:„Komm nur, Alter, und setze Dich wieder hinter Deinen Ofen, für Dich ist’s heute gerade genug gewefen; laß Wilhelm machen, der weiß es am besten.“ Die Koridortür fiel ins Schloß; der Tote blieb allein. Köhnes begaben sich in ihre Wohnung, wo sie von der noch immer sehr erregten Tochter unruhig erwartet worden waren; Wilhelm zog seinen Ueberzieher an, nahm die Mütze und machte sich auf den Weg. 3. Kapitel. Im Polizeibureau in der Goethestraße waren eine Zeitlang nur Dinge untergeordneter Natur zur Behandlung gekommen, Wilhelm Köhnes Anzeige von einem im Revier stattgehabten mutmaßlichen Mord erregte deshalb dort ein verhältnismäßig großes Aufsehen. Polizeileutnant Lafrenz telephonierte sofort an den Polizeikommissarius Müseler, er möge sich unverzüglich am Tatort einfinden und begab sich in Begleitung zweier Unterbeamten dorthin. Sie fanden bei ihrer Ankunft Dr. Beutler aus der nahe gelegenen Bleibtreustraße bereits Wilhelm Köhne hatte zunächst den ihm bekannten Arzt aufgesucht und ihn zu Hause angetroffen. Er war sogleich nach der Uhlandstraße gegangen, hatte sich bei den Portiersleuten gemeldet und war von Frau Köhne in die Ahrweilersche Wohnung geführt worden. Ihr Mann hatte sich hustend und fröstelnd wieder auf seinen Lehnstuhl hinter dem Ofen zurückgezogen und Marie erklärte heulend und zitternd, nicht zehn Pferde brächten sie wieder nach der Schreckensstelle hinauf. Einen Blick nur warf der Arzt auf den am Boden liegenden Ahrweiler und erklärte seiner Begleiterin, was diese schon wußte, daß ihr Mieter tot sei. Er fügte nach kurzer Untersuchung hinzu, der Tod sei durch einen Stoß mit einem sehr spitzen Instrument, der in's Herz getroffen, herbeigeführt worden und müsse nach Lage der Dinge augenblicklich und zwar etwa vor zwei bis drei Stunden eingetreten sein. Während er dieses Ergeonis seiner ersten Untersuchung der Frau mitteilte, erschienen die Polizeibeamten. Dr. Beutler wiederholte seine Erklärung und fügte auf Befragen des Polizeileutnants hinzu, daß die Annahme eines Selbstmordes nach Beschaffenheit der Wunde und der Lage des Toten vollig ausgeschlossen sei. War der tötliche Stoß auch durch einen Herrn Ahrweiler gehörenden Dolch ausgeführt worden, so war dies doch durch die Hand eines anderen geschehen. Der Polizeileutnant befahl zunächst, alle Räume zu beleuchten, um eine Lokalbesichtigung vornehmen zu können; und Wilhelm Köhne, der wieder heimgekehrt war, zündete sämtliche Gasflammen und sonst vorhandene Kerzen an. Die fremden Herren vermochten eine Aeußerung der Be= und Verwunderung nicht ganz zu unterdrücken, als sie nun bei der durch das Gas=Glühlicht hervorgebrachten Tageshelle die überaus luxuriöse und dabei höchst geschmackvolle Einrichtung zu Gesicht bekamen. Die Wohnung bestand zunächst aus den beiden Vorderräumen, deren Fenster aber nach dem zu dem Hause gehörenden großen Garten gingen, und die dem Verstorbenen als Wohn= und Schlafzimmer gedient hatten. Im ersteren waren sämtliche Möbel aus kunstvoll geschnitztem, glatt poliertem, weißgelb glänzendem Elfenbein und die zahlreich und in den mannigfachsten Formen vorhandenen Sitzmöbel mit schwerem apfelgrünen und mit Rosenbuketts bestickten Seidenstoff bezogen. Gardinen und Portieren von gleichem Stoff verhüllten in reichen Falten Fenster und Türen; von den mit einer kostbaren Seidentapete üuberspannten Wänden hoben sich von leuchtendem Grün weiße Marmorstatuetten und Oelgemälde in breiten Goldrahmen ab. Ein dunkelgrüner Teppich mit orientalischem Muster bedeckte den Fußboden, auf kleinen Tischen, auf Borden und auf dem Gesims des Kamins standen Vasen, Krüge, Leuchter, Uhren, teils aus Silber und Gold, teils aus Bronze und feinstem Porzellan, standen Statuetten und allerlei reizvolle Kleinigkeiten, Kunstwerke in ihrer Ausführung, wertvoll durch das dafür verwendete Material. (Fortsetzung folgt.) erfolgt ist, die Zwangsvollstreckung einleiten. Es erschien auch am 28. Juli der Gerichtsvollzieher auf der Bürgermeisterei des genannten Ortes und gab zu Protokoll: „Hierauf ergab sich, daß im Geschäftslokale der Gemeinde E. sich nur das notwendige Gerät zur Aufbewahrung der Akten und Schreibzeuge befinden. Die Pfändung fiel fruchtlos aus!“ Man sieht also: es geschehen noch Zeichen und Wunder. Der Bureaukrat ahnte nicht, daß eine Gemeinde auch noch eine Kasse hat und der Repräsentant der Gemeinde, auch ein Bureaukrat, ließ seine Kommune fruchtlos pfänden. Mittlerweile hat er zwar gezahlt, aber das Geschichten ist doch zu kostbar, als daß man es der Mit= und Nachwelt vorenthalten dürfte. Im„Obersteiger“ heißts ja:„Der Bureaukrat tut seine Pflicht— Mehr aber nicht!“.„„ 84 *(Eine eigenartige„Warnung“) richter eine australische Zeitung an Selbstmordkandidaten in wasserarmen Ländern. In Boord, einer Stadt im Staate Viktoria, hatte infolge der Dürre das Wasserreservoir längere Zeit leer gestanden. Sobald, nach Eintritt der Regenzeit, ein größeres Quantum des erquickenden Naß vorhanden war, ertränkte sich ein pensionierter Schulmeister darin. Da der Mann nun einmal tot war, blieb weiter nichts übrig, als die Leiche herauszufischen und zu begraben.„Aber, sagt ein australisches Blatt,„der Fall gibt zu ernsten Bedenken Anlaß. Selbstmordkandidaten sollten daran denken, daß Australien nicht so viel frisches Wasser übrig hat, als daß sich die Leute darin ertränken könnten. Wenn daher der nächste Mann aus einem Reservoir herausgefischt wird, so sollte man ihn sorgfältig wieder zum Leben erwecken und dann sieben Jahre ins Zuchthaus sperren, als eins der schlimmsten Subjekte, die das Land aufzuweisen hat. Leute, die sich das Leben nehmen wollen, sollten entweder an die See gehen oder sich von einem Eisenbahnzug überfahren lassen. Vermischtes. Frankfurt a. M., 18. Aug. Eine Ortsgemeinde fruchtlos gepfändet. In dem nahe gelegenen E. klagte den „Frankf. Neuest. Nachr.“ zufolge ein Bewohner gegen die Kommune auf Zahlung von 83,60 Mk. Im Termin erschien der zur Vertretung der Gemeinde befugte Bürgermeister nicht, und es erging Versäumnisurteil. Der Anwalt des Klägers ließ nun, da Zahlung mittlerweile nicht Humor und Satyre. §(Diegroßen Füße.) Fräulein:„Ich konnte mit sechs Monaten schon allein stehen!"— Freundin: „Glaub's, auf diesen Füßen!“ §(Verschnappt.) Frau(auf dem Krankenbette):„Wirst Du wieder heiraten, falls ich sterbe?"— Mann:„O bewahre, niemals!“ §(Die Hauptsache.) Bedienter:„Herr Doktor, finden Sie nicht, daß der Herr Baron in letzter Zeit sehr mager geworden ist?“— Arzt:„O, das tut nichts, er darf sogar noch ein wenig dünner werden!"— Bedienter:„Ja, das ist schon recht, aber wissen Sie— dann passen mir seine Kleider nicht mehr. §(Boshaft.)„Ich möchte gern in einen hiesigen Verein eintreten. Zu welchem raten Sie mir wohl?“— Herr:„Zum Verschönerungsverein!“ §(Hotel Alpenruhe.)„Können Sie denn bei dem fürchterlichen Getöse, das der Wasserfall da drüben macht, schlafen?"—„Gewiß, nachts bellt'n Hund immer so laut, daß das Geräusch völlig übertönt wird.“ §(Noch nicht.) Patient:„Nun, Herr Doktor, wie steht's heute mit mir?“— Arzt:„Ich finde Ihren Zustand ganz befriedigend. Sie können heute eine Stunde aufstehen.— Patient:„Danke, Herr Doktor, das ist schön. Apropos! Darf ich fragen, was ich Ihnen schuldig bin?“— Arzt:„Davon später! So kräftig sind Sie noch nicht!“ m„„ §(Nach beruymten Mustern.) Richter: „Gestehen Sie es nur ein, Sie waren doch jedenfalls der Anführer dieser Bande?"— Straßenräuber:„Nein, Herr Richter, ich war nur Ehrenvorsitzender!“ §(Unbewußte Selbstkritik.) Herr(zum Diener):„Ein nichtsnutziges Subjekt bist Du, ein Tagedieb, ein versoffener Lump, der stets vergißt, daß er all' das, was er ist, nur durch mich geworden ist.“ §(In der Verlegenheit.) Onkel:„ Aber in jedem Briefe versuchst Du mich anzupumpen!“— Neffe:„Ja, Onkel, man weiß aber auch wirklich manchmal nicht, was man anders schreiben soll.“ §(Mütterlicher Rat.) Tochter:„Mama, ich habe mich heute mit meinem Bräutigam gezankt; wer muß nun zuerst einlenken?“— Mutter:„Vor der Hochzeit Du; nach derselben er. 8Nb. Medatlle Weiet Par A eidenstoffe Muster portofrei. Deutschlands grösstes Speclalgeschäft MICHELS& Cie BERLIN sw. 19 Leipzigerstrasse No. 43, Beke Markg Bigene Fabrik in Oafes watrnn. erhalten Sie bei L. Weinberg, Schwerte. 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Untersuchung des Moster um Iund Säure.— Bereitung von Pasten, Gelee, Marmelade und Herstellen von Konserven, sowie Obstsäften; Dörren des Kern= und Steinobstes und des Gemüses.— Obsternte, Aufbewahrung und er Sas Honorar beirägt 6 M., für kunft für die Frauen besorgt die Direktion, an welche auch die Anmeldungen zu den Kursen zu richten sind. Geisenheim, den 20. Juli 1903. Der Direktor. I. V. Dr. Windisch. Pern=Guano. Herbstbestellung. Neben unserm aufgeschlossenen Peru=Guano— Füllhornmarke— empfehlen wir als besonders geeignet für die Herbstbestellung echten gemählenen Veru-Guano Sese stes ahse Gd. 50 Milbone, Als batrigsi, Eiseheun ud enene and gemahlen,) zu beziehen wünschen, halten wir unsere reichhaltigen Läger bestens empfohlen Die ermanten une Kuage de Bodu gut raidbei, Le= 1 is, euns iche eich, Gss gefl. an uns wenden. Antwerpen, Emmerich. Anglo-Continentale(vorm. Ohlendorff'sche) Guano-Werke. 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