Amtlches Rreseicht K* 4,# lun den kreis Norch! e Feil####der deren Raum 10 Pfg., außerhalb 15, Reklame=Zeile Fernsprech=Anschluß Nr. 62. Praus, Schwerte=Ruhr. Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" recht verbindliche Kraft. Abonnementspreis pro Quartal 1 Mark 65 Pfg., exel. 42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“ Nr. 148. 1. Blatt. Schwerte, Samstag den 27. Politische Uebersicht. — Kieler Kaisertage. Der Kaiser, der am Donnerstag bei der Tafel an Bord seiner Jacht„Hohenzollern auf die Gesundheit des Präsidenten Roosevelt trank, nahm am Freitag vormittag auf dem„Melerr“ an der Regatta des Kaiserlichen Jachtklubs teil. Abends war der Kaiser Gast des in Kiel eingetroffenen amerikanischen Botschafters Tower. Zwischen Kaiser Wilhelm und Präsident Roosevelt fand aus Anlaß des Besuchs des amerikanischen Geschwaders in Kiel ein Telegrammaustausch statt. Am heutigen Sonnabend findet die Taufe des Kreuzers„Ersatz Kaiser" statt.— Gelegentlich des Abschlusses der deutsch=schwedischen Vereinbarung betreffend die Stadt Wismar wechselten Kaiser Wilhelm und König Oskar Telegramme, in denen die guten Beziehungen zwischen beiden Ländern zum Ausdruck kommen. — Die deutschen Landwirte, die eine Studienfahrt durch Nordanierika gemacht haben, halten nach einem Newyorker Telegramm des Londoner„Standard“ den amerikanischen Poden für erschöpft und glauben, Amerika werde in nicht serner Zeit Nutzholz und Düngemittel aus Deutschland beziehen. Die amerikanischen Universitäten dagegen hätten durch ihre reichen Stiftungen und ihre vorzügliche Ausstattung den Beifall der Gäste gefunben; den Studenten fehle aber die Begeisterung. — Herr Lenzmann und Herr Stöcker.“ Im Kreise Iserlohn=Altena ist der demokratisch=freisinnige Justizrat Lenzmann durchgekommen. Er verdankt seine Wahl auch dem Eintreten der Christlichsozialen für ihn, die die Wahl des Sozialdemokraten Gewehr verhindern wollten. Herr Lenzmann, der im Witteprozeß ausgerufen hatte: Nur nicht mit Herr Stöcker auf einer Stufe!, der den christlichsozialen Führer Stöcker später im Reichstage mit als unwahr erwiesenen Behauptungen angriff, hat dem christlichsozialen Vorsitzenden im Kreise Hagen gegenüber alles zurückgenommen, was er gegen Stöcker gesagt hatte. Die Christlichsozialen haben dann einen Aufruf für Lenzmann erlassen und ist denn auch Lenzmann gewählt worden. — Stöcker für den Freisinn. Die Stichwahlen haben naturgemäß zu mancher politisch höchst seltsamen Situation geführt, dadurch, daß sich teilweise die bürgerlichen Barteien gegen die Sozialdemokratie verbanden. Ein ganz besonders merkwürdiges Schauspiel konnte man in Königsberg in Preußen erleben. Nach dem Prozesse Stöcker gegen den Sozialdemokraten Noske(der mit der Verurteilung zu drei Monaten Gefängnis endete) sprach Stöcker in einer Versammlung des Evang. Arbeitervereins in Königsberg. Stöcker trat offen für den Freisinnigen ein. Allerdings— sagte er— hätte ich mir dies vor 20 Jahren nicht träumen lassen. Heute aber ist es patriotische Pflicht, denn die Sozialdemokratie darf nicht noch übermütiger werden.— Auch dieser Fau beweist, wie die rechtsstehenden Parteien außerordentliche Selbstverleugnung geübt haben, während der Freisinn bekanntlich mehrfach ganz anders gehandelt hat. — Ueber unerhörte sozialdemokratische Betrügereien, bei den Reichstagswahlen berichtet die freikonservative „Post". Das Blatt stellt fest, daß in Berlin und zum Teil auch in der Provinz auf die Namen zahlreicher in den Wahllisten verzeichneter Wahlberechtigten, die inzwischen verstorben oder verzogen waren, sozialdemokratische Stimmzettel abgegeben worden seien. Nach demselben Blatte ist über diese unerhörten Vorgänge bereits Anzeige erstattet worden, so daß die eingehende Untersuchung dieses Schwindelmanövers nicht auf sich warten lassen wird. Zur Vermeidung ähnlicher Betrügereien in der Zukunft verlangt das Blatt, daß jedem Namen der Wählerliste die Photographie des Betreffenden beizulegen sei.— — Singer für die Rückgabe Elsaß=Lothringens. Die„Kölnische Zeitung" bringt in Nr. 547 folgende Mitteilung: Die Pariser Zeitung„Le Temps“ vom 17. Juni veröffentlicht eine Unterhaltung, in der sich der Abgeordnete Singer einem an ihn geschickten Redakteur gegenüber offen und klar ausgesprochen hat. Auf die Frage, wie sich die Sozialdemokraten zur elsaß=lothringischen Frage verhalten werden, erklärte Singer nach einigen Umschweifen, daß die Sozialdemokraten, wenn sie zur Herrschaft gelangen, die Reichslande wieder an Frankreich zurückgeben würden und daß sie nicht dagegen sein würden, daß die Reichslande über ihre Zukunft selbst bestimmen.— Dazu bemerkt die„Kölnische Volkszeitung":„Dieser offene Ausspruch einem Franzosen gegenüber verdient im ganzen Reiche bekannt zu werden, und eine besondere Schmach ist es für den deutschen Sozialistenführer, daß die französische Zeitung zu seiner Ansicht über Elsaß=Lothringen bemerkt, die Elsässer wünschten die Rückkehr zu Frankreich nicht und würden ganz zufrieden sein, wenn man ihnen, wie den anderen deutschen Provinzen nur Selbstverwaltung gewähren wollte. Oesterreich. = In Budapest hat die Regierungskrise unter Umständen eine Beilegung erfahren, wie sie niederdrückender für den Kaiser Franz Josef und den cisleithanischen Teil der habsburgischen Monarchie gar nicht zu denken sind. Der Monarch hat dem Magyarentum Ungarns die ganze Wehrvorlage zum Opfer bringen müssen, um nur den Gesetzgebungsapparat im Gange zu erhalten und zu verhüten, daß der Rekrutenaushebung in dem gewöhnlichen Umfange Schwierigkeiten erwüchsen. Im Staatsleben hat der greise Herr schon lange keine so bittere Erfahrung mehr machen müssen, als diese Unterwerfung unter dem Eigensinn der Kossuthpartei des ungarischen Abgeordnetenhauses. Der Geist des alten Kossuth, der Ungarn vollständig unabhängig von Oesterreich machen wollte, schien wieder umzugehen. Immerhin war die Lage vor 50 und einigen Jahren schwieriger. Damals wollte der Führer der ungarischen Revolution sein engeres Vaterland auch der Herrschaft der Habsburger entwinden. Daran denkt heute niemand mehr. Die Personalunion, das ungarische Königsrecht des österreichischen Kaisers, wird von der gegenwärtigen Kossuthpartei nicht angetastet. Darüiber hinaus geht es bei ihr allerdings nicht. Balkan. Als„kommender Mann“ in Serbien gilt der ohn des Regenten Ristitsch, Michel mit Vornamen, der in der Mordnacht den Generaladjutanten Petrowitsch niederschoß. Das Pariser Petit Journal erzählt aus Michels Leben eine Episode, bei der er eine wenig rühmliche Rolle spielte, ebensowenig wie jetzt. Michel Ristitsch stand als Leutnant bei den Leuchtenberg=Huaren in Petersburg. Eines Tages bekam er in einem Kaffeehause Streit mit dem polnischen Gutsbesitzer Kobierzycki, der ihn auf Säbel forderte. Beim zweiten Gange nahm Michel Reißaus. Sein Gegner eilte ihm nach und rief:„Erdboden küssen oder der Kopf fliegt vom Halse!“ Gehorsam küßte Ristitsch den Boden. Die Folge war, daß er seinen Abschied nehmen mußte. Später wurde er in der serbischen Armee eingestellt. Afrika. Die letzten Nachrichten über die Lage der Engländer im Somaliland in Ostafrika lauteten etwas günstiger insofern, als aus ihnen hervorging, daß General Manning und Oberst Cobbe mit ihren Kolonnen Damot nahe gekommen sind. Man nimmt an, daß die englischen Truppen in Sicherheit sind, sobald es den genannten Kolonnen gelungen ist, zu den Truppen in Bohotle zu stoßen. Die dortige Garnison hält ihrerseits eine fliegende Kolonne bereit, um General Manning, falls dies notwendig werden sollte, in einem Kampfe gegen die eine Marschstraße bedrohenden Derwische zu unterstützen. Ein Kampf scheint aber höchst wahrscheinlich, denn ein Reutertelegramm meldet, daß der Mullah selbst bei Lasoben, 3 Meilen westlich von Damot stehe und daß ein Teil seiner Schützen eine niedrige Hügelkette besetzt halte, die zwei Meilen südlich Damot den Weg von Galkaju beherrscht, auf dem die zurückgehenden englischen Kolonnen im Marsche begriffen waren.— Der soeben zum Oberkommandeur der Expedition im Somaliland ernannte General Egerton ist ein äußerst schneidiger Führer. Er kommandiert seit vier Jahren die stets kriegsbereite Streitmacht an der indischen Nordwestgrenze und hat sich seit dem Afghanenkriege in jedem indischen Grenz36.Jahrgang. ehe sie sich bewähren konnte, der Krach ein. Heute noch bläst er dieselben Zukunftsschalmeien wie früher. Nur die Wirkung auf die Zuhörerschaft ist eine andere geworden als sie in den Generalversammlungen war. Und man fragt sich: Ist dieser kolossale Optimismus, der noch in der Gefängniszelle von entgangenen Millionen träumt, echt oder ein Schaustück, bestimmt zu blenden und zu verwirren?— Der erste Sachverständige Ingenieur Bergmann, Erfinder des vielgenannten Patents, meinte, Schmidt habe sich im guten Glauben befunden. Der Sachverständige Fabrikant Brüggeberg sprach sich ungünstig über das Bergmannpatent aus. + Rußland will seinen Kalender, der es in der Zeitrechnung den westeuropäischen Mächten gegenüber um 13 Tage zurücksetzt, reformieren. Das ware eine gute und nützliche Reform, mit der nicht gesäumt werden sollte. Die kleinen Balkanstaaten, die gleichsam noch die Daten a. St. führen, würden sich dem russischen Vorgehen natürlich sofort anschließen. Ein demnächst in Petersburg zusammentretendes Konzil soll die Frage regeln. kriege Ehren und Beförderung geholt. Der bisherige Befehlshaber im Somaliland General Manning wird ihm untergeordnet, ohne abberufen zu werden. Kleine Chronik. + Ueber Treber=Schmidt vor Gericht wird der Frkf. Ztg.“ aus Kassel geschrieben: So biedermännisch, so einfach schlicht, so natürlich und objektiv sachlich spricht er, daß man, wüßte man es nicht besser, glauben könnte, dieser Mann vermöchte kein Wässerchen zu trüben. Seinem Ton ist nichts von der inneren Gemütsbewegung anzumerken, die doch sicherlich den Mann erfüllt, der unter so schwerer Anklage vor seinem Richter steht. Nicht er und seine Gesellschaft hat geschwindelt. Nein, es ging alles vortrefflich. Statt des Bergmannpatents sei die rotierende Retorte erfunden erfunden worden, die, „wenn die Gutachten seiner Sachverständigen richtig waren, große Gewinne geliefert hätten.“ Leider trat aber Lokales. ** Schwerte, 27. Juni 1903. **(Das Eintrittsgeld für Volksschulklassen.) Lehrerkreisen wird lebhaft Klage darüber geführt, daß Volksschülern, die in Begleitung ihrer Lehrer Schulwanderungen und Ausflüge in die weitere Umgebung unternehmen, bei Besichtigungen von Sehenswürdigkeiten dadurch häufig Schwierigkeiten in den Weg gelegt würden, daß von unbemittelten Schülern Eintrittsgelder erhoben werden. Gerade in der heutigen Zeit sollte es der Schule leicht gemacht werden, den ihnen anvertrauten Schülern die Vorzüge und Schönheiten des heimatlichen Bodens zu zeigen, um die Liebe zur Heimat zu wecken und zu stärken. Hat beispielsweise ein Lehrer die heimische Geschichte behandelt, und geht er darauf mit seiner Klasse nach Hohensyburg zur Besichtigung des Kaiserdenkmals, so kostet das den Volksschülern Geld. In einem Falle wurde nach dem„Westf. Tagebl.“ pro Kind 10 Pfg. langt, und als sich der Lehrer im Interesse seiner Schüler aufs Handeln verlegte, gelang es ihm, das Eintrittsgeld auf 2 Pfg.(!) herunterzudrücken.— Auch aus benachbarten Städten kommen dieselben Klagen. So war kürzlich ein Lehrer gezwungen, bei einem Schloßbesuch in Burg 15 Pfg. zu zahlen und als er darüber ungehalten war, wurde ihm mitgeteilt, daß die Anordnung ausdrücklich vom Vorstande des Schloßbauvereins getroffen worden sei. Hoffentlich dienen diese Zeilen dazu, das Eintrittsgeld für Volksschulkinder zu beseitigen. **(Zur Stichwahl.) Aus Aplerbeck erhalten wir soeben folgende Nachricht:„Das Wahlresultat von Aplerbeck ist, wie sich nachträglich herausgestellt hat, folgendes: Hilbck 750, Bömelburg 882, nicht wie angegeben war 963. Gestern abend ist hier eine Verzählung vorgekommen.“— Es gehen also an der kleinen Mehrheit für Bömelburg 81 Stimmen herunter. Noch einige solcher Verzählungen— und Hilbck wäre doch noch gewählt. **(Jeder Begründung entbehrt) die von, Dortmunder Blättern in die Welt gesetzte Meldung über die Höhe der Fahrpreise auf der Strecke Westhofen=Hohensyburg; der genannte Preis von 1,50 Mk. für Hin= und Rückfahrt ist viel zu hoch gegriffen. Wir sind von kompetenter Seite aus ermächtigt, mitzuteilen, daß diese Preisangabe einfach aus der Luft gegriffen ist. Um nun aber das Publikum nicht länger in falschem Wahn zu lassen, wollen wir die Preise, welche erst in den allerletzten Tagen definitiv festgestellt wurden, hier veröffentlichen. Die Strecke von Westhofen bis Dickehage wird 10 Pfg. kosten, von Dickehage aufwärts bis Wulff mit der elektrisch angetriebenen Seilbahn 20 Pfg. und die Talfahrt Wulff=Dickehage 10 Pfg.; für diese letztere Strecke werden indes Rückfahrkarten zu 25 Pfg. ausgegeben. Der Fahrpreis für die ganze Strecke Westhofen=Hohensyburg wird sich also auf 45 Pfg. stellen.„ F Mesta i M. (Kirchenbau.) Am Donnerslag ist, wie wir bereits mitgeteilt haben, mit den Ausschachtungsarbeiten für den Bau der neuen katholischen Kirche begonnen worden. Da es noch an dem Gelde fehlt, wird die Kirche einen zweiten Turm vorläufig nicht erhalten. Der Bau ist für 107000 Mark vergeben und wird im Norden der Stadt, ganz in der Nähe des katholischen Krankenhauses errichtet. Die Kirche erhält eine Länge von 41 Metern und eine Breite von 19 Metern. Der Bau soll so beschleunigt werden, daß die Kirche im Herbste nächsten Jahres ihrer Bestimmung übergeben werden kann. **(Eine widerliche Szene) konnten Passanten der Holzener Unterführung gestern abend zwischen 8 und 9 Uhr beobachten. Vor dem noch stehenden alten Bogen auf der Stadtseite trieben mehrere junge Burschen, die vollständig betrunken waren, ihr Unwesen, schrien und tobten wie die Besessenen und trugen durch fortwährendes Gebrüll„Hoch Bömelburg!“ zur Erhöhung der Popularität des sozialistischen„Maurers“, Redakteurs und Reichstagsabgeordneten bei; gemauert hat der Mann nämlich seit langen Jahren überhaupt nicht mehr, sondern als Leiter eines sozialdemokratischen Gewerkschafts=Hetzblattes ein ganz angenehmes Dasein geführt. Doch zurück zu unseren Lärmhelden. Besonders einer der jungen Leute betrug sich schon mehr wie ein wildes Tier, so daß Frauen und Mädchen sich nicht an der Rotte vorbeiwagten, sondern umkehrten. Erst als einige handfeste Männer das Treiben beobachteten, verzogen sich die Burschen. **(Ein Wundertier.) Im Lokale des Herrn Wirt Böhmer hier ist nächsten Samstag, Sonntag und Montag ein Menschfisch ausgestellt.(Siehe Inserat.) Auswärtigen Preßstimmen entnehmen wir über dieses Meerwunder folgendes: Der Menschfisch gilt als wissenschaftliches Phänomen und wurde im Jahre 1888 von Eingeborenen an der ostafrikanischen Küste eingefangen und über Sansibar, Kairo, Port Said und Konstantinopel nach Europa gebracht, wo er Naturforschern zum Studium überliefert wurde. Nach Ansicht der letzteren gehört das Geschöpf der Gattung der Dugongs an, stellt aber eine Art dar, wie sie bisher noch nicht vorgezeigt wurde und kann mit Recht als einzig existierende Sehenswürdigkeit dieser Art bezeichnet werden.— Der Menschfisch wird an der Hand eines wissenschaftlichen Vortrags gezeigt werden. ** Sölde, 26. Juni.(Rote Fahnen.) Von einem hohen Kiefernbaum im Sölderholz weht seit gestern morgen in der Frühe eine weithin sichtbare rote Fahne. Dieselbe konnte bis gestern abend nicht entfernt werden, da der Stamm oben sehr schwach ist und eingesägt sein soll.— ** Aplerbeck, 26. Juni.(Verhaftet. Frau des Buchdruckereibesitzers Str. hier, die das Geschäft einer Hebamme betreibt, ist verhaftet worden. Die Verhaftung soll mit der Affäre der Witwe Quente in Hörde zusammenhängen, die unter dem Verdacht verhaftet worden ist, ihr neugeborenes Kind getötet und in einen Abort geworfen zu haben. Kabel, 26. Juni. Hier ertrank beim Baden in der Lenne die 14jährige Tochter des Maschinenmeisters Url aus Kabel. Da das Mädchen nur zwei kleine 5jähr. Mädchen bei sich hatte, erfuhren die Eltern den Tod ihres Kindes erst, als diese nach Hause kamen und klagten, daß ihre Schwester nicht wieder aus dem Wasser kommen wolle. Die Leiche wurde nach einigem Suchen geborgen. Dem Vater des Mädchens, der selbst schwer darniederliegt, konnte der Tod desselben mit Rücksicht auf den eigenen Zustand noch nicht mitgeteilt werden. *** Hörde, 26. Juni. Die Einführung des dritten Pfarrers der hiesigen evangelischen Gemeinde, Herrn Große=Oetringhaus, findet am Sonntag, den 5. Juli d. I., im Hauptgottesdienste statt. An die kirchliche Feier schließt sich um 2 Uhr im Bergmann'schen Saale ein Festessen(Kuvert 2 Mark.)— Seit einigen Tagen sind die Glocken unserer Lutherkirche stumm. Auch die Uhr schlägt die Stunden nicht. Der Grund hierfür liegt darin, daß die Monteure der Firma A. Klönne, Dortmund, damit beschäftigt sind, das Geläute durch Umbau des Glockenturmes zu verbessern. Zur Feier der Einführung des Herrn Pfarrers Große=Oetringhaus wird das renovierte Geläute aber wieder volltönig in die Lande hinaus ertinger. Westfalen und Rheinland. Stölting erhielt eine schwere Verle## im Gesicht durch einen Steinwurf. Der Polizei=Inspertor Meyer und verschiedene andere Beamte wurden durch Steinwürfe an der Brust und im Rücken verletzt. Nun ordnete der PolizeiInspektor das Vorgehen mit der Waffe an. Eine große Menge Personen wurden durch Säbelhiebe verletzt. Es gelang, den Marktplatz zu räumen und die Menge in die anliegenden Straßen zu zerstreuen. Neun Personen wurden verhaftet. Nach Räumung des Platzes wurde die Mittelstraße durch eine Postenkette für den Verkehr gesperrt. Auf den Straßen zeugte heute morgen eine Unmenge zerrissener Hüte, Kleidungsstücke und Stöcke von den Vorgängen der vergangenen Nacht. * Lüdinghausen, 26. Juni. Der in Diensten der Gutsbesitzerin Cremer=Ueing stehende Knecht Evers von hier hat sich von dem gegen 8,40 Uhr von Dortmund hier ankommenden Eisenbahnzuge gestern abend in der Nähe des Gehölzes seiner Dienstherrin überfahren lassen. Der Kopf wurde vollständig vom Rumpfe abgetrennt. Der Lokomotivführer bemerkte zwar in einiger Entfernung vorher den Lebensüberdrüssigen, konnte aber den Zug nicht frühzeitig genug mehr zum Stehen bringen. Evers litt an epileptischen Krämpfen und war geistig nicht ganz normal. * Soest, 26. Juni.(Ein außergewöhnli cher Fall.) Auf der Tagesordnung der gestrigen Stadtverordnetensitzung stand ein Antrag: Gewährung einer Unterstützung zur Ausbildung eines Blinden auf dem Konservatorium zu Dortmund. Nach Klarlegung der Sachlage erkannte die Versammlung, laut dem A.“ den vorliegenden Fall als außergewöhnlich an, da die betreffende hiesige Familie noch drei weitere blinde Kinder besitzt und die Leistungsfähigkeit und die musikalische Begabung des Auszubildenden nach dem Urteile seiner Lehrer zu den besten Hoffnungen berechtigen. Der zur Ausbildung nötige 3=—4jährige Kursus auf dem Konservatorium kostet jährlich 270 Mark, wozu der Landeshauptmann aus dem Provinzialfonds unter der Bedingung 135 Mark bewilligt, daß die andere Hälfte die Stadt trägt. Der Antrag wurde angenommen. den Schauplatz bilden, auf dem die kleinen, von den deutschen Ausstellungen her bekannten Schiffsmodelle operieren werden. Natürlich sind die Modelle Nachahmungen amerikanischer Kriegsschiffe, und die großen Schauspiele werden eine Wiederholung der Kämpfe von Manila und Santiago sein. Auch Geschwaderübungen werden vorgeführt werden. Die Blockade des Hafens und die Versuche von Handelsschiffen, die Blockade zu brechen, werden sich auf einem Hintergrunde abspielen, welcher am Ufer der Wasserfläche errichtet ist und mit Forts besetzte Berge darstellt. (Armee und Marine) der Vereinigten Staaten von Nordamerika werden in der offiziellen Ausstellung der Regierung der Vereinigten Staaten, die auf der Weltausstellung in St. Louis 1904 in einem besonderen großen Gebäude untergebracht ist, ebenfalls vertreten sein. Das Kriegsministerium stellt eine geschichtliche Sammlung von Hieb= und Schußwaffen sowie von alten Geschützen aus. Das Hauptstück in der Abteilung moderner Waffen wird ein zwölfzölliges Hinterladungsgeschütz sein, das in einer Lafette liegt, die nach dem Schuß mitsamt dem Geschütz verschwindet. Das Geschütz wiegt 115 000 die Ausstellung zum letzten Male in dieseng#### fand, wurde Köln gewählt. Für das Jahr 150# kommt nun in erster Linie Westfalen in Betracht. Die Stadt Dortmund macht große Anstrengungen, zu erreichen, daß die Ausstellung hier veranstaltet wird. Die Bedingung ist, daß die betreffende Stadt 20000 Mark zum Prämienfonds beiträgt und ein 25 Hektar großes Grundstück zur Verfügung stellt. Falls die Wahl auf Dortmund fallen sollte, wird das städtische Gelände östlich vom Hafen zu Ausstellungszwecken hergerichtet werden. Dieses Grundstück hat guten Bahnanschluß, sodaß die schweren Maschinen, die Dampfpflüge und dergleichen ohne Mühe auf den Ausstellungsplatz befördert werden können. Da mit der Ausstellung, die sechs Tage dauert, ein Fremdenverkehr von etwa 120 000 bis 150 000 Menschen verbunden ist, so ist kaum daran zu zweifeln, daß die Stadtverordneten den geforderten Beitrag zum Pramienfonds bewilligen werden. Neben Dortmund bemüht sich in erster Linie Düsseldorf um die Ausstellung. * Hagen, 26. Juni. Zu wüsten Ausschreitungen kam es gestern abend anläßlich der Verkündigung der Stichwahlresultate auf dem Markte und den benachbarten Straßen, wo sich mindestens 900 Menschen eingefunden hatten. Als 10 ½ Uhr eine freisinnige Wählerversammlung ihr Erde gefunden hatte, wurden Teilnehme an dieser Versammlung auf der Straße angegriffen, mißhandelt und ihnen die Kleider vom Körper gerissen. Ebenso wurden Frauen und Mädchen in roher Weise angegriffen. ein Kommando von 30 Schutzleuten nun versuchte, den Platz zu räumen und die Menge in kleine Truppen zu teilen, wurden aus der Menge sieben Revolverschüsse auf die Beamten abgegeben. Die Beamten wurden verhöhnt, zu Boden geworfen und mißhandelt. Zirka 1000 Personen, die auf dem Markte, wo sich das sozialdemokratische Versammlungslokal befand, postiert waren, weigerten sich auf Aufforderung der Polizei, den Platz zu räumen. Plötzlich wurde von allen Seiten auf die Schutzleute mit Ziegel= und Pflastersteinen geworfen. Der Polizeikommissar * Köln, 26. Juni. Zu der bereits gemeldeten Generalaussperrung der Bauhandwerker erfahren wir noch folgendes: Der Streik der Verputzer und Fuger, die zu der Mauer=Organisation gehören, dauert bereits 14 Wochen. In der Hauptsache handelt es sich um Abschaffung der Akkordarbeit und Einführung eines Mindeststundenlohnes von 55 Pfg., worauf die Arbeitgeber nicht eingehen. In die Aussperrung sind jetzt auch die Maurer, Erdarbeiter und Handlanger eingeschlossen. Die Bautätigkeit wird durch die Ausführung des Beschlusses ganz brach gelegt und es ist vorauszusehen, daß auch die Zimmerleute, Tischler usw. in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Lieferanten von Baumaterialien haben sich mit den Arbeitgebern solidarisch erklärt und sich verpflichtet, von heute ab keine Materialien an die Arbeitgeber zu liefern, bis die Aussperrung beendet ist. * Köln, 26. Juni. Die hiesige Kriminalpolizei hat eine eigene Sektion für Münzverbrechen eingerichtet, weil die Verausgabung falschen Geldes in ganz Rheinland und Westfalen einen erschreckenden Umfang angenommen hat. In den letzten Tagen wurden wieder 6 Personen wegen Falschmünzerei festgenommen. Sie hatten große Vorräte von schweren Alfenidelöffeln aufgekauft, die sie eingeschmolzen und zur Herstellung von falschem Gelde verwandt hatten, das hinsichtlich des Glanzes und der Farbe täuschende Aehnlichkeit mit gutem Gelde hat. * Münster, 26. Juni. Eine für Münster recht empfindsame Verfügung hat die Reichshauptbank in Berlin getroffen. Demnach wird die hiesige Reichsbankhauptstelle derart getrennt, daß sämtliche Bezirke südlich der Lippe, Arnsberg, Brilon, Büren, Hamm, Lippstadt, Meschede, Soest, Unna, sowie der Kreis Beckum von Münster abgetrennt werden und für diese eine Reichsbankhauptstelle in Hamm errichtet wird. Das bedeutet, laut „Münst. Anz.“, eine Reduzierung des Bezirks der hiesigen Reichsbankhauptstelle um zwei Drittel und für die Stadt Münster einen ganz erheblichen Ausfall von Kommunalsteuern. * Buke, 26. Juni. Auch hier hatten wir am vorigen onntag ein Königsdrama, allerdings nur anläßlich des schützenfestes. Und das kam laut„Drib. Ztg. so: beste Schütze war unter keinen Umständen dazu zu bewegen, die Königswürde anzunehmen! Als die schönsten Versprechungen und die besten Worte von keinem Erfolge begleitet waren, griff man zu einem Radikalmittel: Man versohlte den widerhaarigen Schützen gründlich. Aber auch diese im allgemeinen sehr wirksame Kur schlug nicht an, trotz aller Mühe und Anstrengung und so sahen sich denn unsere biederen Schützenbrüder gezwungen, den Kampf ums Glück resp. um die Königswürde von neuem zu beginnen. Auf diese Weise hatte Buke auch sein Königsdrama, nur nicht so blutig wie in Belgrad. Briefkasten. K. H. in Lichtendorf. Besten Dank für Ihre Zeilen, leider nicht zu Veröffentlichung geeignet, da zu persönlich. Gruß. Von der Weltausstellung in Louts (Die Marine=Schauspiele,) welche sowohl auf der Gewerbeausstellung in Berlin 1896 als auf der der Düsseldorfer Ausstellung 1901 zu sehen waren, werden auch in neuer Gestalt auf der Weltausstellung in St. Louis 1904 erscheinen. Es werden diese Marineschauspiele neben dem Tiroler Alpendorfe die zweite von Deutschen ausgehende Unternehmung sein. Der Deutsche Paul Schabert ist der Leiter der Gesellschaft, die sich mit einem Kapital von 1200000 Mark gebildet hat, und Kohlsaat ist der amerikanische Repräsentant der Gesellschaft. Eine Wasserfläche von 30000 Quadratfuß wird am Verschlußstück beträgt 45 Zoll. Es schleudert ein schoß von 1000 Pfund, und die 4 Fuß langen Granaten, die aus dem Geschoß gefeuert werden können, haben eine Sprengladung von 40 Pfund Schießbaumwolle. Die Pulverladung beträgt 240 Pfund rauchloses oder 490 Pfund braunes prismatisches Pulver. Die Anfangsgeschwindigkeit des Geschosses beträgt an der Mündung 2300 Fuß in der Sekunde. Das Gewicht des Geschützes und der Lafette beträgt 477 955 Pfund. Die Ausstellung des Kriegsministeriums wird über 15000 Quadratfuß einnehmen. Ebenso groß wird die Ausstellung des Marinedepartemens sein. Die historische Abteilung enthält Ausrüstungen und Einrichtungen der amerikanischen Marine, Uniformen, Abzeichen, Waffen, Bilder und allerlei Reliquien. An diese geschichtliche Sammlung schließen sich die Modelle der neuesten amerikanischen Kriegsschiffe. Eine gewaltige Reliefkarte in den Abmessungen von 20 Fuß Länge und 8 Fuß Breite soll die Haupthäfen der Welt ersichtlich machen, und kleine Schiffsmodelle werden die Verteilung der amerikanischen Kriegsschiffe auf den Stationen der verschiedenen Erdteile zeigen. Vermischtes. („Jwähl net!“) Man schreibt der„Frankfurter Zeitung": Kurz vor dem letzten Wahltermin war in einem kleinen schwäbischen Dorfe ein Reisender mit einem Bäuerlein ins Gespräch gekommen, das sich schließlich um die Wahl drehte. Auf die Frage, wer sein Kandidat sei, antwortete das Bäuerlein:„I wähl net!“ Darüber drückt der Reisende seine Verwunderung aus: indes erfolgt auf seine Frage nach dem Grunde nur die Antwort: wähl net!“ In der sicheren Erwartung, vielleicht bei einem Glase Bier den Wahleifer des Bäuerleins etwas anzuspornen, lädt ihn der Reisende ins Wirtshaus ein, wo er ihm die Pflichten eines jeden Staatsbürgers, zu wählen klar zu machen sucht. Das Bäuerlein trinkt ein Glas Bier nach dem anderen, die Zeche ist bereits eine ganz namhafte und der Reisende agitiert immer noch erfolglos, denn das Bäuerlein antwortet stereotyp: wähl net!“ Endlich reißt dem Reisenden die Geduld. „Zum Henker, warum wählen Sie denn nicht?“ fragt er. han fünf Jahre Ehrverlust,“ antwortet mit breitem Grinsen das Bäuerlein. *(Des Kindes Engel und eine liebevolle Mutter.) Der von Görlitz um 4,10 Min. nachmittags abgehende Schnellzug mußte zwischen Weißwasser und Spremberg auf offener Strecke halten, weil ein Kind, das vor dem dahinbrausenden Zuge auf den Schienen gespielt hatte, unter diesen geraten war. In wenigen Sekunden hatte der Lokomotivführer den Zug zum Stehen gebracht; unter dem dritten Personenwagen zog die Mutter ihr kaum 2jähriges Kind hervor. Wer nun glaubte, daß die Mutter ihr so wunderbar gerettetes Kind herzen und liebkosen würde, der war im Irrtum. Denn die Mutter ließ dem Kleinen eine regelrechte Züchtigung angedeihen. Und wer wohl hätte die Prügel verdient?— Zu loben ist die Geistesgegenwart des braven Lokomotivführers. (Nichts Gewisses weiß man nicht.) Prinzessin Wendelgard, eine große Kinderfreundin und Protektorin von Schulen, Kindergärten usw., verschönt, so erzählt die„Münchener Jugend", das Maifest in einem Kindergarten durch ihre Anwesenheit. Die Kinder sitzen in Gruppen an drei Tischen: an dem ersten die größeren Mädchen, an dem dritten die Buben, und an dem mittleren die ganz Kleinen beiderlei Geschlechts. Prinzessin Wendelgard tritt zuerst an den Tisch der Mädchen und wendet sich an die älteste:„So, da sitzen also die Mäderln, und da drüben die Buben. Und was ist denn mit denen dort in der Mitte?“—„Ja,“ sagt die Kleine,„von dene weiß ma's no net g’wiß.“ Aus dem Kreise der Niederung, 26. Juni. Durch den Uebermut eines Arbeiters sind am Sonnabend abend in Sköpen drei blühende Menschenleben zu Grunde gegangen. Zwei junge Mädchen im Alter von 17 und 18 Jahren badeten, wie die„O. V.“ berichtet, in der Gilge. Plötzlich kam ein Arbeiter M. hinzu und wollte die Mädchen ängstigen. Diese gingen nun weiter in den Fluß hinein, den M. bittend, sie doch in Ruhe zu lassen. M. achtete jedoch nicht darauf, sondern folgte den Mädchen immer weiter. Plötzlich gerieten beide Mädchen in eine tiefe Stelle und versanken. M., der nun sah, was sein Leichtsinn angerichtet hatte, versuchte die Mädchen zu retten, wurde jedoch von ihnen mit in die Tiefe gezogen. Nach etwa ¼ stündigem Suchen wurden M. und ein Mädchen gefunden. Alle Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Das zweite Mädchen wurde erst am Sonntag vormittag gefunden. M. war verheiratet und Familienvh.„„ f(Ein trauriges Schicksal.) auf vem Burgermeisteramt zu Deutsch Oth in Lothringen meldete sich ein Mann, der einen völlig gebrochenen Eindruck machte. Er gab an, aus Waldeck zu sein und früher als Offizier in der deutschen Armee gestanden zu haben. Nach seinm Abschied habe er sick vor langen Jahren für die französische Fremdenlegion anwerben lassen, sei längere Zeit in Madagaskar gewesen und infolge von Krankheit entlassen worden. Die französischen Behörden hätten nächst nach Longvy geschafft und von dort ohne jegliche Barmittel über die Grenze abgeschoben. f(Ein pflichtvergessener Geschworener.) Der Vorsitende des gegenwärtig in Neiße tagenden Schurgeriähts mußte vor Eintritt in eine Verhandlung zu seinen Leidwesen konstatieren, daß ein Geschworener, der Freigutsbesitzer M. aus Kamitz, derart betrunken sei, daß er unfähig wäre, das Amt als Geschworener auszuüben. Der Gerichtshof verurteilte den berauschten Herrn auf Grund der§§ 56 und 96 des Gerichtsverfassungsgesetzes zu Mk. Geldstrafe mit der gleichzeitigen Aufforderung, den Schwurgerichtssaal sofort zu verlassen. 1(Terrorisierte Richter.) Aus Newyork wird berichtet: Ein echt hinterwälderisches Schauspiel bot eine Gerichtsverhandlung in der Stadt Jackson in Kentucky, bei der wegen Mordes gegen zwei Mitglieder der beiden feindlichen FamilienCockwill u.Hargis verhandelt wurde. Zwischen diesen Familien besteht seit einer politischen Fehde im Jahre 1896 eine Vendetta, der schon verschiedene Mitglieder zum Opfer gefallen sind. Lange Zeit war keine Jury mutig genug, Anklage gegen die Mörder zu erheben, da die Familien Drohungen veröffentlichten, jeden Richter zu töten, wenn das Urteil gegen sie ausfiele. So waren zu der Verhandlung 200 Mann von den Truppen aus Kenntucky zum Schutze der Richter entsandt. Jeder der Zeugen wurde von zwölf bewaffneten Soldaten vor die Schranke geführt, und nachdem er zitternd seine Aussage gemacht hatte, wurde er von den Milizen auch in sein Haus zurückgeleitet. Nachdem der Staatsanwalt in seinem Plaidoyer verlangt hatte, daß die Jury die beiden Angeklagten, deren Familien die Stadt schon zu lange mit Blut befleckt hätten, für schuldig erklären sollte, verließ auch er den Saal unter dem Geleit von Soldaten. Die Geschworenen, die schon seit einer Reihe von Tagen in dem mit Kanonen beschützten Gerichtshause schliefen, zogen sich dann zur ratung zurück; aber wie zu erwarten war, wagten sie aus Furcht vor der Rache der beiden feindlichen Familien nicht, ihr Verdikt auf schuldig abzugeben! Selbst die Journalisten, die über den Prozeß berichteten, fürchteten für ihr Leben und verließen schleunigst die Stadt. Man weiß nicht, ob das Ministerium einen neuen Prozeß fordern wird, da es sicher ist, daß keine Jury in Kentucky den Mut haben wird, die Mörder zu verurteilen. Eigener Depeschendienst der„Schwerter Zeitung.“ Hd Berlin, 27. Juni. Nach neueren Meldungen ist bei der Reichstagsstichwahl in Köslin=Kolberg Malkewitz (kons.) gewählt worden. Dr. Barth(freis. Vergg.) ist also unterlegen. In Lüneburg ist doch, wie zuerst gemeldet, Jaenecke(natl.) und nicht der Welfe von Wangenheim gewählt, in Geislingen=Ulm ist Dietrich(Soziald.) nicht Storz(D. Volksp.), in Neu=Strelitz Luech(Soz.), nicht Nauck(Rp.) gewählt. In Pleß=Rybnik ist, Faltin (Ztr.), nicht Kowalcyk(Pole), in Schwerin Proschec (kons.), nicht Groth(Soz.) gewählt. Nach dem„Berl. Lokalanzeiger" setzt sich der neue Reichstag wie folgt, zusammen: Zentrum 101, gegen 106 bisher, Sozialdemokraten 81(58), Konservative 53(52), Nationalliberale 52(53), Freisinnige Volkspartei 21(28), Reichspartei a(e), Bayr. Banternbund 5(5), Dabei st angenonmen, daß morgen in Lippe=Detmold Meier=Zghit, 7556, Volksp.) und in Homburg(Pfalz) Stauferg#g. gewählt werden. Als Wilde sind gerechnet: Fucst bismarck, Dr. Burckhardt, von Dallwig, von Damm, von Gerlach, Dr. Jaunez, Jessen, Baron de Schmid und Stöcker. Außer dem Polen von Czarlinski ist der Bündler Vogt doppelt gewählt. Unter den neuen Abgeordneten befinden sich 130 parlamentarische Neulinge. Hd Berlin, 27. Juni. In der Irrenanstalt Herzberge kam es in der Abteilung, wo die geisteskranken Verbrecher untergebracht sind, dieser Tage zu einem Aufruhr. Zwei zur Beobachtung überwiesene Verbrecher griffen einen Arzt an, als er ihnen Vorhaltungen machte, ebenso zwei zur Hilfe eilende Wärter, denen sie mehrere Verletzungen beibrachten. Im Anschluß hieran entstand ein Aufruhr, wobei 60 Kranke auf 18 Wärter losgingen und gleichfalls mehrere von ihnen verletzten. Erst nach mehreren Stunden konnte die Ruhe wiederhergestellt werden. die Kehle, doch konnte die Schwerverletzte noch flüchten. Darauf versuchte Fritsch sich selbst die Kehle zu durchschneiden, da aber der Tod nicht eintrat, suchte er sich an der Türklinke zu erhängen, wurde jedoch von Hausbewohnern noch lebend abgeschnitten und nach dem Krankenhause gebracht. Hd. Zürich, 27. Juni. Die zweite Klasse des hiesigen Gymnasiums ist auf einer von einer Lawine übt rascht worden. Nur wenige Schüler konnten gerettet werden, die große Mehrzahl erstickte im Schnee. Einzelheiten fehlen noch. Hd Brest, 27. Juni. Die Heizer und Mechaniker des Kreuzers„Marseillaise" haben gestern abend beschlossen, die Arbeit einzustellen, falls das Rundschreiben des Marineministers vom 5. d. Mts. nicht zurückgezogen werden wird. Infolge dieser Drohung ließ der Minister heute nacht mitteilen, daß den Arbeitern Genugtuung gewährt werden würde. Daraufhin ist die Abfahrt des Schiffes heute früh erfolgt. Hd London, 27. Juni. Das englische Kanalgeschwader hat den Befehl erhalten, sich am 7. Juli in Spethead zu konzentrieren, um das amerikanische Geschwader bei seiner Rückkehr von Kiel zu begrüßen. Hd London, 27. Juni.„Daily Mail“ zufolge sind an der Küste des Somalilandes auf dem Kreuzer„Hussar“ 200 Gewehre und 27 Kisten Munition geraubt worden. Hd Belgrad, 27. Juni. Als erste Antwort auf die Notifikation König Peters von Serbien lief die Anerkennungsdepesche Kaiser Wilhelms ein. In derselben gibt er der Erwartung Ausdruck, daß Serbien unter dem neuen König ruhigen und glücklichen Zeiten entgegengehe, und spricht mit freundlichen Worten seinen Glückwunsch zur an die Kapellen der Redemptoristen angelegten Siegel sind gestern gewaltsam entfernt worden. Man öffnete die Türen und in wenigen Augenblicken befanden sich mehr als 30 Personen in der Kapelle, in der sie sich verbarrikadierten. Die Polizei entfernte die Eindringlinge und verhaftete mehrere von ihnen. Darauf wurden neue Siegel angelegt. Juni: Juli: Vielfach schön, sonst wenig verändert. Warm, veränderlich, stellenweise Gewitter. Garde= und Landwehrverein Sonntag, den 28. Juni, abends 8½ Uhr, im Vereinslokal General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Berathung über Sommerfest. (Beschlußfassung über diesen Punkt ohne Rücksicht auf die Zahl der Anwesenden. 2. Zahlung der Beiträge. 8. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes. Der Verstand. Theater in Schwerte. Im Saale des Hotels Ostermann. Montag, den 29 Juni cr., abends 8¼ Uhr: Eudermann=Abend. Johannisfeuer. Schauspiel in 4 Akten von Hermann Sudermann. Vorverkauf im Hotel Ostermann. Preise der Plätze: Sperrsitz 1.25 Mk. I. Platz 1 Mk. II. Platz 0.60 Mk. Das Dortmunder Schauspiel=Ensemble. Eine Grasverkauf. den 30. Juni kr., nachmittags 5 Uhr soll das Gras in der Flößwiese Hairedt am dach nummerweise meistbietend verkauft werden. Haus Ruhr b. Schwerte, den 20. Juni 1903. Freiherrl. von Rheinbaben'sche Rentei. de Ersuche bis zum 5. Juli d. J. um Zahlung der Gartenpacht, da sonst gerichtliche Beitreibung erfolgt. Portemonnaies zu haben bei Carl Praus. Tuiuenatbeilerin per sofort gesucht. Gleichzeitig halte ich mich zur Anfertigung von Damen= und KinderGarderobe bestens empfohlen. Frau Andreas Nolte, Ostenstr. 30. und Bauberein Schirerk, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftung. Bilanz am 31. 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Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der durch Veröffentlichung in der„Schwerter Z verötndtliche Ktricit. Du weißt, ein Leid aus Gottes Hand Durchläutert Dich wie Feuerbrand, ub mindert zwar nicht ihr Verschulden, * Wer in sich den Himmel findet, Kann die Erde leicht Kapitän Hanc Roman von F. Klinck=Lütetsvurg. (10. Fortsetzung.) suchte sich einstweilen noch lewärts zu halten, eiben, Aber obr zie Nuszuhrung einer solchen Abscht zu sinken, das Vorderkastell senkte en Vu. Schiff sinktl“ tönte der Schreckensruf. übereinander geschlagenen Armen stand, geggachtend, eteun een Armen Bogte gebslg. Wohl hatte bemerkt, daß das eine Boot den Versuch Wohl, er bemtenr., I., das eine Vo, aber die Be, nachte, sch den Schife wovde, gepesen, gbwohl zwei entschvunden, und Heinrich Sonsicherert Fode ins Auge Sesier Sercde ai aur asfe se. Ae Gchalte o zswünschen begleitete, hatte ihm die Pflicht konnte der Versuchung., Di, Gele führte, nicht widerGrietze, verlackend vo,. umschwebte seinen bleichen sechen, vm butge g., öcheln, us gedachte, an welchen Mund, als er den uge,Prgz von stolzer Hofnung geer ausgefahren vor, de Abend hatte ihm volkonmene weht— und ibon Er, solte heintehren ohne Schif bon, voghoch bieg Haller gewocden, die ersen gen Tinten durchwobenen Eimrpi,ogsz, Leae Hesseßeg hatte sich auf die Sote vrtgaßer augh über diesen volten vor noch uber dem Mehinpeg.—9 Zhwimmkraft des und on die vo.„Fenbar nicht ganz verloren, und dieses dadurch vor dem vollkommenen Untergang geEine schter endlos scheinengsgez verovno, Beriese den, sich zu sammels und sein gie xognte kaum noch als eschtslos gelten, Oode,r güste entfernt. Früher oder Wäitet merßen e von vorübersegelnden Fahrzeugen beGegen Mittag wurde Kapitän Sander in der Tat eine grobe Andoh), Hhuie Hers hart Bedräingten zu gewahSteuerbord“ scholl es vom Verdeck zurück. Schwerte, Samstag ächtig. Seelische Erregungen in Verbindung mit körVerlicher Schwöche, de Geishgzftung herbei, der sich erst einen Zustand völliger Erschöpfung.., Wer sn, durch geeignete Mittel wieder bessern ließ. Siu voch) Horzhue Fage spiter langte er im seiner sov, otsicd aus dem Wege zu gechen, eine grg. Vegegnungen aus dem Wig.##, eine großeg besen war. Mochte man ihn ungerecht verurteiten— aber den Vorwurf der Feigheit sollte man ihm wenigstens vi9 Schicksal der„Grietjse“ war bereits am vorhergehenden Tage durch Telegramm bekannt geworden. beiden Boote mit der Bemannung waren auf Borkum gelandet. Es hatte sich das Gerücht verbreitet, daß der Kapitän mit dem Schiff untergegangen zahlreiche Stimmen erhoben sich gegen den Rheder, Aber auch noch ein anderes Gerücht wurde auf das eifrigste kolportiert und, so unverbürgt es war, fand es junge Frau und ein Kind gewesen sein. Als man Mynheer van der Straaten danach befragte, ob diese Nachricht wahr sei, wollte er keine Auskunft darüber gebei können, sie hatte ihn aber vollständig verwirrt. Sollte er sich so in Sander getäuscht haben? Heinrich Sanders erster Weg nach seiner dem Rheder. Er gewann nicht den Eindruck, als bereite sein Kommen Mynheer van der Stragteg, große legen, aber in dem Augenblick, als er ihn lebendig vor sich sah, erwachte in seinem Innern auch der Aerge „Wie ist das nur möglich gewesen? Wie kann nur die„Grietje“ ein Leck bekommen haben? Sie ist ja ganz nit Kupfer verschalt. Nehmi, nicht für ungut, kommen haben? Sie ist ja, gan ..., aber— aber„ nicht für ungut, Kapt n mit einem sonderbaren AusSturm hat die„Grietjse“ tapfer genug überstanden. Vorwurf machen würden. Ja, der war auch denen. Nun suchte er sich herauszureißen, so gut er konnte, damit nur alles dem geizigen Rheder in die verschlechterte seine Stimmung den sch aus, o operhenten, Sie haben ein Schon aus Aberglauben sollte man wieder anvertrauen., warnte Heinrich Mynheer van der Straaten, Kure ven O-forten d— eigchif mitsamt der Ladung ist doch Simwe Vv. und korrekt haben Sie nun einmal nicht gestendet. Weiß der Levfein, Weißzbild mit an Bord nehmen würden. Daß Sie Ihrer alten Mutter noch solche „Mhuher van der Straten, ich habe gegen, die verteidigen. Wenn Sie de näheren Unstände erst keneine volständige Auftlärung zu geben. Die Frau und das Kind sollten bis Plymouth mitgenömmen glauben sollte!"(Fortsetzung. Jeitgemaße „Tage der Rosen. Nun wehen die Lüftchen so lind und so lau, Der Sommer hat Einzug gehalten, Es spielen die Falter auf blumiger Au', Sich rosig den Tag zu gestalten, Die Welt ist so schon, grad als wär sie gemacht Zum Träumen, zum Spielen, zum Kosen, Es rauscht durch die Blätter in lauschiger Nacht: Noch sind ja die Tage der Rosen! Wie schwül war es jüngst, als nog, gang Die Wanderapostel gepredigt, 1611— Nun ruhet der Kampf, der so heiß war entbrannt, Die Stichwahl ist auch schon erledigt, Der Bürger, der wacker beteiligt sich hat, Er will sich jetzt nicht mehr erbosen Und spricht zu den Seinen: Wir fahren ins Bad, Es sind ja die Tage der Rosen! Nicht leicht ist der Kampf um das irdische Sein, Man merkt es in jedem Geschäfte, Es müssen gar viele jahraus und jahrei Anspannen die geistigen Kräfte, u., Stuhn Drum nimmt man im Sommer zur Stattung Ozon“ ein in größeren Dosen,„„ Drum geht man auf Urlaub und singt moglichst Jetzt sind ja die Tage der Rosen! Auch Herr Podbielski sehnt jetzt sich, hinaus, Er sprach:„bis zum Wahltage...... Doch länger da halte ichs auch nicht mehr aus Und„nach der Heuernte verduft ik! Wird man ihn auf's neue im Reichstage sehn, Wenn wieder die Stürme dort tosen? Es steht ja zu hoffen, daß er sich recht schön Erholt in den Tagen der Rosen! Die Tage der Rosen sind friedlich und still, Doch anders im Lande der Serben, Wenn dort der Herr König nicht mittun will, Dann geht auch sein Glück bald in Scherben, Das hat auch bereits König Peter gemerkt, Zog er auch von irdischen Losen das höchste, Not tut's, daß die Nerven er stärkt Grad' jetzt in den Tagen der Rosen! Schnell eilen die Tage des Sommers dahin, Man säume nicht, sie zu genießen! Das Hasten und Jagen bringt nimmer Gewinn Das Glück will in Ruhe ersprießen, Drum fort mit dem Hader und fort mit dem Neid, Man handelt ja zehnmal gescheidter, Genießt man in Frieden die goldene Zeit Die Tage der Rosen! Ernst Heiter. Industrie und :(Die amerikanische Industrie.) Es wird viel von der bievberegenb amit für eine Bewandtuis hat, geht aus einem Schreiben hervor, das e daraus, daß kürzlich bei den Neuausschreibungen zu den Entwürfen gewann, sondern daß ihr auch die Ausführ: ung der Turbinen samt Zubehör übertragen ,gaurz. wagte sich keine amerikanische Firma an den fig(zum Beispiel Bau handelt und wo es nicht angeht, die theoretischen ErwägDaher gelingt es den Amerikanern bisher auch nicht, so verhältnismäßig ökonomisch arbeitende und schnel darüber hinausgeht, muß er sehr häufig der europäischen Technik überlassen. Für den redaktionellen Teil verantwortlich Wilh. Schade. Rotiz!!! Wer baut und großen Wert bexags, legetz, Bippmann& Furthmann, G. m. b. A., Düsseldorf, grats und fronto den Paubeschläge ze gusenden. Sef Durchscht Interesse liegt, sich mit dieser Firma in Verbindung zu setzen.— Semmere Schalwaremaus Markt 6. Schwerte. Markt 6. Größtes Lager im Kreise Hörde. Auerkannt beste und billigste Bezugsguelle für Jedermann. 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