Hesscte e eisc eche ee zeile oder deren Raum 10 Pfg., außerhalb 15, Reklame=Zeile 40 Pfg., Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte, Fernsprech=Anschluß Nr. 62. Amt Schwerte. Telegr.=Adresse Praus, Schwerte=Ruhr. Telle Kreis= und Lokalholggerlichen Verordnungen zür den drers Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche Kraft. Der Königsmord in Serbien. Ueber den Akt der Ermordung werden jetzt noch einige Einzelheiten bekannt, von denen wir die folgenden mitteilen: In Gegenwart einiger Offiziere, unter denen sich die Verräter befanden, hatte das Königspaar im Garten des Konak bis 11 Uhr soupiert und sich dann in seine Gemächer zurückgezogen. Nach der Verabschiedung vom Königspaare verständigte Oberstleutnant Mischisch, die Offiziere, daß der König in derselben Nacht zul Aobankung gezwungen werden müsse. Die Offiziere zeigten sich, um nicht aufzufallen, zunächst in ihrem Kasino und ließen sich dort immer wieder den Marsch„Königin Draga“ aufspielen. Um die verabredete Zeit erhoben sie sich alsdann und gingen direkt in den Konak. Ein Teil der Wache leistete Widerstand und wurde niedergeschossen. Im Treppenhause des Palais erwartete der Flügeladjutant des Königs, Oberstleutnant Naumowitsch, die Verschwörer. Er wußte alles im voraus und diente den Attentätern als Führer in den inneren Gemächern. tönten Schüsse. König Alexander, der im ersten Schwerte, Mlontag den 15. Juni 1903. bindung der deutschen evangelischen Landeskirchen, Zustimmung der oberbischöflichen Behörden vorausgesetzt. lag, ließ sofort die sperren. Als Hüter Ger der klopfte chen Schlafgemächer. ins lag ließ sofort die Türen seier Znigszimmers hielt macht hat. Es werden in een e= nene, und treuer Anhänger liche Erhebungen veranstaltet werden, wober uch jg. die v: Ohrenowitseh, Häfigkeite an Hie Tür der köniali= fange herausstellen werden. kloprte mit brutcater gsuyter... Frankreich. = Der Kulturkampf. Die Regierung hatte den Pfarrern der Pariser Kirchen untersagt, die alljährlich am Sonntag nach Fronleichnam stattfindenden Prozessionen außerhalb der Kirche abzuhalten wegen Befürchtung feindseliger Kundgebungen.— Die Kommission der Abgeordnetenkammer sprach sich für die Kündigung des Konkordats und die Trennung von Kirche und Staat aus. Italien = Das italienische Ministerium hat seine Demission gegeben. Der betagte Kabinettschef. Zanardelli weigert sich mit Hinweis auf seine angegriffene Gesundheit, die Neubildung des Kabinetts zu übernehmen. Es wird daher nicht geringer Mühe bedürfen, um ein neues Ministerium herzustellen. Der Grund des Rücktritts des Kabinetts Zauardelli liegt in den von uns wiederholt erEs er= wähnten Mißständen bei der Marineverwaltung. Es ist Schlafe erwiesen, daß sich der jetzige und frühere Marineminister Privatgemächer verKonigszilmgre, haeu Admiral Bettolo schlimmer Bestechungen schuldig gemacht hat. Es werden in dieser Angelegenheit noch amtEr zur buch die vettlichene er“ Zimmer hinein:„Majestät, Sie haben augenblicklich Aus den Bleikammern St###ens. Ihre Demission zu geben. Es lebe der neue König von h!“ In heftiger EntrustSerbien Peter Karageorgewitsa.“ Ir ung rief Konig Alexander durch die verschlossene Tür: „Hinaus! Niemals danke ich ab! Fort mich Euch Rebellen!“ Schon vorher hatte General Petrowitsch auf der Schwelle des königlichen Schlafzimmers Schüsse auf die Verschwörer abgegeben. Ein Hauptmann wurde davon auf der Stelle getötet. Mit einem zweiten Schuß wollte der General den Rebellenführer Ristitsch töten. Dieser kam ihm aber zuvor; mit einem Revolver, den er seinerzeit vom Könige Alexander zum Geschenk erhalten hatte, streckte er den General Petrowitsch nieder. Die Tür wurde mit Dynamit gesprengt und die blutige Katastrophe war alsdann das Werk weniger Minuten. Politische Uebersicht. Deutschland. Der Kaiser, der am Freitag in Potsdam neue Truppenbesichtigungen vornahm, exerzierte am Sonnabend in Döberitz die Garde=Kavallerie=Regimenter, acht an der Zahl, nebst zwei reitenden Batterien und der Maschinengewehrabteilung des Gardekorps. — Die Evang. Kirchenkonferenz, die soeven in Eisesagte, bestcstat sie Serstestung dmer ingetentet Ein Leben ohne Liebe Ist wie Reben ohne Triebe; Ein Leben ohne Glauben Ist wie Reben ohne Trauben; Drum, ob Dir sonst nichts bliebe, Laß beides Dir nicht rauben. Ob die ganze Welt Dich kennt, Ob Dich blos Dein Nachbar nennt, Ob Du arm bist oder reich, Ob Du rot bist oder bleich; Jeder Mensch auf Erden Muß zu Staube werden. Eine Geldheirat. Roman von L. Haidheim. (67. Fortsetzung.) Sie war zurückgewichen, so weit sie konnte. Da lachte Fritz von Glaichen hell und froh auf. „Ist's weiter nichts, Ulla? Liebe, teure Ulla, weiter nichts? Anita ist ja die Braut des Marchese, den Du neulich sahest. Ich spielte nur den Strohmann, damit er Zeit hatte, in aller Heimlichkeit den Widerstand seines Vaters zu besiegen. Ach Ulla, so wußtest Du das? Ich dachte, Du ahntest nichts davon. Du hast nie mit einem Ton verraten, daß Du es wußtest und ich— ich hatte dem Freunde mein Wort gegeben, zu schweigen und jeden Bewerber von ihr fernzuhalten. Ich vermittelte die Korrespondenz der beiden, ich— ach, Ulla!“ Und ohne sich bei dem großmütigen Onkel zu bedanken, ohne sich auch nur mit einem Blick um ihn zu kümmern, hielten sie sich umschlungen, weinten und lachten und wußDie Königskatastrophe von Belgrad wird es Europa wieder einmal zum Bewußtsein bringen, daß der Orient mit seinen furchtbaren Taten, mit den Geheimnissen seiner Politik und seiner Justiz im äußersten Falle am Zigeunerberg bei Semlin beginnt. Wenn man hier unter den Trümmern des alten Hbnyady=Schlosses umhergeht und über den mächtigen Strom hinweg zum anderen Donauufer hinüberblickt, sieht man, wie sich die Außenwerke der Belgrader Festung vom Himmel abheben. Man glaubt, man irre sich, wenn man sich erinnert, daß diese Zwingburg bis 1867 in den Händen der Türken geblieben ist. Diese Zitadelle von Belgrad ist eine Stätte, wie es wenige gibt, mit soviel Blut und Tränen ist sie gedüngt. Hier wurde der Großwesir Kawa Mustapha erdrosselt; hier wurden in fast dritthalbhundert Jahren türkischer Herrschaft unzählige Menschen, die den Machthabern verdächtig geworden, gefoltert und hingerichtet und die Obrenowitsch, als sie das Erbe des Paschas antraten, haben zugleich mit der Herrschaft die Praxis der despotischen Gewalttätigkeit übernommen. Die Belgrader Festung beherbergt ienen großen Teil der serbischen Sträflinge. Sie besitzt eine Unmenge großer und luftiger Zellen, Arbeitssäle und dergleichen für die Aufnahme genchar Kachactzet etian sie vtoesitöüchen Stchtngt bt. ten gar nicht, was zuerst sagen, darum blieb es vor der Hand bei dem stillen mündlichen Austausch. inkel Schragert aber schlich sich mit breitem Lachen hinaus und drückte die Tür ins Schloß. Dann wischte er sich mit der dicken, ungepflegten Hand die Augen. „Und wenn's noch mein eigener wäre!" flüsterte er traurig. Aber er war immer ein Mann der Tat. Darum ging er jetzt zu seinem Bruder, dem Oberstleutnant, nahm dessen Arm und zog den Erstaunten zu Burghausen." „Ich wollte Euch beiden nur eben anzeigen, daß Fritz von Glaichen und Ulla Burghausen sich in dieser Minute zum zweitenmal verloben. Für den nervus rerum stehe ich— Schragert und Comp.— und der Fritz tritt auch in allen anderen Dingen in meines verstorbenen Cinzigen Stelle. Ich werde ihn adoptieren, die Jahre habe ich dazu und die anderen Bedingungen sind auch da.“ Ganz der patzige, selbstsichere Schragert von einst! Und doch nicht. Er mußte weinen. Dann fragte er seinen Bruder ganz bange:„Du hast doch nichts dagegen, Oberstleutnant?“„ 8 „Ich für meinen Teil danke Ihnen im Namen meiner Tochter herzlich, Herr von Glaichen,“ sagte Burghausen immer korrekt— aber auch offen erfreut, und der leutnant umarmte den Bruder. An diesem Abend erfuhren Wolzin und Anna Port von dem Ereignis. if, 18 ihuem mitteilten da Und später, als Ulla und Fris es ihnen mitteilren, da nahm Wolzin ihre Hände in seine Rechte und sagte tief ergriffen:„Gott hat es gut gemacht, Kind! Er weiß am besten, wos uns fromm;, waren längst begrabenz und Seine eigenen Wünsche waren langst Legraben, und ie doch sind unterirdische Zellen da, kleine, feuchte Löcher, die tiefer liegen als der Spiegel der vorüberfließenden Donau und zumeist gar keine Fenster besitzen. Ein kleines rundes Loch läßt Luft ein, damit der Gefangene nicht sogleich erstickt. Die Kasematten der Belgrader Festung haben gar manchen serbischen Bürger ausgenommen und erst als Toten wieder herausgegehen, sie eines natürlichen Todes starben, ob sie den Giftvecher tranken oder ob sie erdrosselt wurden— wer weiß es? In der Belgrader Festung gibt es ja eine noch einfachere Methode, um zu sterben. Gegenüber dem Festungskommando führt eine unheimlich tiefe Stiege zu einem unterirdischen, noch aus der Römerzeit stammenden Brunnen, dessen Spiegel tiefer liegt als der Grund der Donau. Mancher politische Sträfling hat den Gang zu diesem Brunnen unternommen und— wurde nicht mehr wiedergesehen. Aber die Belgrader Kasematten und die finsteren, für politische Häftlinge bestimmten Löcher der Poscharewatzer Strafanstalt sind noch nicht die schlimmsten Herbergen für gefallene Größen in Serbien. Ranko Tajsic, der radikale Bauerntribun von Dragutschewo, den König Alexander einstens mit dem roten Adlerorden, der höchsten Auszeichnung Serbiens, geehrt und zu wiederholten Malen zu Hof geladen hatte, wäre froh gewesen, wenn man ihm später ein solches Arrestlokal angewiesen hätte. Als ihm der Prozeß wegen Heidukenhehlerei und Hochverrat gemacht wurde, sperrte man den unglücklichen Mann in einen Abort des Polizeihauses ein. Um die Grausamkeit dieser Handlung recht zu beleuchten, ist es notwendig, daß der Leser die richtige Vorstellung von einem serbischen Anstandsorte empfängt. Diese bestehen aus kleinen Kammern, in denen ein Mann in stehender Haltung Platz findet und haben am Boden eine große kreisrunde Oeffnung, die in den Kanal führt. Der in diesen Ort Eingesperrte kann nun weder sitzen noch liegen, er muß, will er nicht durch besagte Oeffnung in den Kanal stürzen, mit ausgespreizten Beinen in ein und derselben Stellung verharren. Tajsic verbrachte Wochen in diesem Arrest und als man ihn dann herausließ, war der herkulisch gebaute Mann fast gänzlich erblindet und gelähmt. Der dritte westfälische Handwerkskammertag. * Arnberg, 14. Juni. Der dritte westfälische Handwerkskammertag fand heute hierselbst unter zahlreicher Beteiligung von Handwerkern aus allen Teilen der Provinz statt. Mit demselben ist eine Ausstellung von Handwerkszeugnissen, Kraft= und Arbeitsmaschinen für den Handwerksbetrieb verbunden, welche gut beschickt war uud scher sie der Sterzeichishtent von tetftiaten dars Ttroiek. ren Standpunkt wäre, und der nicht aller seiner Kraft bedürfte, sich seine eigene Philosophie als Trösterin auszuDer Geheime Kommerzienrat Rolzin ertrug es schwer, sich plötzlich aller seiner Wichtigreit beraubt zu sehen, und es war ein guter Rat seines Arztes, ihn und Anna für lange Zeit ins Ausland zu schicken.„Dort lerSie beide des Lebens Wert von einer anderen, vielleicht minder realistischen Seite kennen und werden je länger, je mehr Freude daran haben.“ Dasselbe sagte auch Burghausen. so war es denn auch gekommen. Seine eigenen Wünsche waren. nungic hegrabenz un nun Schragert ihnen das Geld gab, wie hatte er seloft in seiner jetzigen Lage besser für Ulla sorgen können? Immerhin steigt niemand herab von einer stolzen Lebenshöhe, dem's nicht doch ab und zu leid um den höher e#.. Ein reiner Freudenquell erschloß sich Anna von Glaichen aus der Vertiefung in die Kunst; Naturfreundin war sie lange schon geworden und das, was früher für sie die höchste Wichtigkeit besessen: der Reichtum, den hatte sie entbehren geAber dann kam plötzlich, wenige Monate vor dem Tode ihres Vaters, eine neue Wendung in ihrem Leben und sie sah es bald genug als eine egnung des Himmels an, der sie vor völliger Vereinsamung bewahren wollte. Hans von Glaichen starb mitten aus seinem ehrenvollen Wirken heraus ganz plötzlich an einer LungenentSeine geschiedene Frau reiste Tag und Nacht, um mit an seinem offenen Grabe stehen zu können, und sie war es, die, unterstützt von den Wünschen der Verwandten die Waisen— Hildes Kinder!— zu sich nahm, um ihnen fortan eine Mutter zu sein— eine treue liebevolle Mutter hatte den Kleinen doch so bitter gefehlt und die Kinderherzen öffneten sich willig und weit der großen fremden Frau, die so gute Augen hatte. Die Freunde sind einander treu geblieben, Glaichen und Wildling sind noch immer feste Stützen des Generalstabs und beide Exzellenzen geworden. 5 torat übernommen hatte. Die Ausstellung eröffnete am Samstag mittag in Verhinderung des Oberpräsidenten und des Regierungspräsidenten der Ober=RegierungsRat Müller=Arnsberg. Der Regierungs=Rat hob hervor, daß die Ausstellung einen guten Fortschritt zeige und daß die Regierung die Bestrebungen der Handwerker zu fördern für eine wichtige Aufgabe halte. An dem Rundgange durch die Ausstellung schloß sich ein Festessen, bei dem mancherlei Reden gehalten wurden.— Der Handwerkskammertag wurde heute mittag kurz nach 3 Uhr durch den Vorsitzenden Aug. Boos mit einem Hoch auf den Kaiser eröffnet und die Absendung eines Ergebenheitstelegrammes an denselben vorgeschlagen, dem begeistert zugestimmt wurde. Sodann begrüßte er den anwesendens Regierungspräsidenten von Coels, sowie den Vertreter groß des Oberprasidenten Reg.=Rat Dr. Tull=Münster, die lauf Gäste usw.— Hierauf sprach der Vorsitzende der Dortmunder Handwerkskammer Röper=Hamm über die Forderungen des Handwerks, insbesondere den Befähigungsnachweis. Derselbe forderte 1. die Schaffung einer Handwerkerbank für Preußen; 2. obligatorische Fortbildungsschulen für das Deutsche Reich; 3. eine wirtschaftliche Förderung(durch Vergebung von Arbeiten des Staates und der Kommunen möglichst an die Innungen, Aufhebung des§ 34 des Gewerbe=Unfall=Versicherungsgesetzes, Errichtung einer Alters=Versicherung für Handwerker) und endlich 4. obligatorische Innungen und den BefähigungsNachweis. Die Korreferenten Möllers=Münster und Rettig=Münster sprechen sich ebenfalls für die Einführung des Befähigungsnachweises aus und zwar wünscht ersterer denselben zunächst für das Baugewerbe, während letzteres sich für die Einführung bei allen Handwerkszweigen ausspricht. Möller=Dortmund hält die Einführung von obligatorischen Gesellenprüfungen zunächst für notwendig und ist gleichfalls für den Befähigungsnachweis.— Die Ausführungen der Redner faßte der Vorsitzende dahin zusammen, daß die Versammlung sich einverstanden erklärt, mit der obligatorischen Gesellen= und Meisterprüfung. Hierauf sprach Möller=Dortmund über die Schädigung des Handwerks durch Warenhäuser, Beamtenvereine, Konsum=Vereine usw., die leider vielfach aus falschen Sparsamkeitsgründen aus den eigenen Reihen, namentlich auch der Handwerkerfrauen unterstützt wurden. Sonnenschein=Iserlohn beleuchtete die Schäden, die der dortige Konsum=Verein fast den gesamten Handwerkern, insbesondere den Bäckern zufüge. Dieser Verein sei im Jahre 1869 lediglich für die Arbeiter gergründet; heute zählte derselbe 5332 Mitglieder, und zwar aus allen Ständen. Am Branntwein=Verkauf verdiene der Verein schweres Geld.— Nachdem Scherer=Iserlohn über das Genossenschaftswesen eingehend referiert, wurden die Verhandlungen geschlossen. Lokales. ** Schwerte, 15. Juni 1903. **(Lehrerkonferenz.) Am 11. ds. Mts. fand hier unter Vorsitz des königl. Kreisschulinspektors Herrn Pfr. Graeve=Schwerte die diesjährige amtliche General=LehrerKonferenz für den Kreisschulinspektionsbezirk Schwerte, umfassend die evangelischen Schulen der Stadt Schwerte sowie der Aemter Westhofen und Annen statt. Dieselbe begann vormittags 9 Uhr mit einer Lehrprobe über: „Die Jugend Kaiser Wilhelms I.“, die von Herrn Kockelke=Schwerte in der Mittelstufe der neuen Schule am Markt gehalten wurde. Im Laufe des letzten Jahres waren folgende Lehrer in den Konferenzbezirk eingetreten und wurden der Versammlung vorgestellt: ReckeHolzen, Müller=Höchsten, Barich=Annen und GrünewaldSchwerte, der Nachfolger des von Schwerte verzogenen Lehrers Katz an der jüdischen Schule. Die Verhandlungen wurden im Hotel Ostermann fortgesetzt. Herr Lehrer Storkebaum=Annen hielt einen längeren Vortrag über das Thema:„Der Geschichtsunterricht in der Volksunter besonderer Berücksichtigung der neueren Bestimmungen, wberichterstatter war Herr Lehrer Althoffden; Bedeutung hatte dieselbe nicht. Das Wahlkomitee der Christlich=Sozialen fordert in der„Dortm. Ztg. auf, für den nationalliberalen Kandidaten A. Hilbck zu stimmen. **(Das Alte stürzt.) Wieder ist ein recht altes Gebäude unserer Stadt dem Zahne der Zeit zum Opfer gefallen. Das alte Haus des Herrn Bäckermeister Ries in der Friedrichstraße muß den Anforderungen der neuen Zeit weichen und einem modernen Gebäude Platz machen. Gegenwärtig ist man dort mit den Abbruchsarbeiten eifrig beschäftigt. **(Handwerkerfest.) Das Stiftungsfest der Gesellenauflage, welches gestern gefeiert wurde, hat unter großer Teilnahme aus der Bürgerschaft einen schönen Verlan, genommen. Nach dem üblichen Festzuge fand im „Schutzenhofe Konzert und Ball statt, und durch Aufsteigen von Luftballons, Feuerwerk, Beleuchtung und Fackelpelonaise trug man wesentlich zur Bereicherung des Programms bei. Alle Festteilnehmer haben sich im „Schützenhof", wie wir hören, recht wohl gefühlt; es war bekanntlich das erste Mal, daß das Handwerkerfest im schützenhof gefeiert ward. ***(Einen Ausflug) ins Hönnetal und das Felsenmeer unternahm gestern unter recht reger Beteiligung der hiesige Arend'sche Stenographenverein. Abends um 10 Uhr kehrten die Jünger der Kurzschrift froh und wohlgemut von ihrer Tageswanderung zurück. **(Schwerter Turnverein.) Die Mitglieder des chwerter Turnvereins Schöttler, Rösener, Kost und chmalz nahmen gestern an einer Gauvorturnerstunde in Dortmund teil.— An dem Deutschen Turnfeste in Nürnberg werden vom Verein die Mitglieder Rösener, Schöttler und Eugen Heimbeck teilnehmen, von denen sich die beiden erstgenannten am Wettturnen beteiligen werden. *(Zirkus.) Ueber Dompteur Charles MenagerieZirkus, welcher am Montag hier eintreffend, am Mittwoch mit seinen Vorstellungen beginnt, schreibt man aus Essen: Der Menagerie=Zirkus auf dem Meßplatz gab am Samstag abend ½9 Uhr seine erste Vorstellung in unserer Stadt. Es ist nicht eitle Reklame, was man in den Anzeigen und auf den Plakaten von den Künsten der wilden Tiere liest, welche die Dompteure Charles und William vorführen, denn geradezu erstaunlich weit ist hier die Dressur vorgeschritten. Zu den besten Leistungen muß unzweifelhaft die Vorführung des Berberlöwen „Nero“, als Kunstreiter zu Pferde gezählt werden. Schwierige Experimente werden von der Bestie mit Eleganz(wenn auch mit grimmigen Gesicht) ausgeführt, so u. a. die Evolutionen auf dem Seile und die Triumphfahrt in einem von prächtigen Doggen gezogenen Karren. Unheimlich kann es einem werden, wenn der Löwe in der Manege vom Dresseur gefüttert wird und mit dem Fleische im Maul noch seine Kunststücke machen muß. Nach der gemütlicheren Vorstellung des indischen Elephanten„Dick“, der sich als Akrobat, Musiker 2c. produziert, findet Fütterung sämtlicher Tiere statt. Der Zirkus verfügt über ein reichhaltiges Tiermaterial; so hat er nicht weniger als 17 Löwen, darunter mehrere Silberlöwen, ferner Tiger, Leoparden, Bären usw. Wir empfehlen jedem den Besuch. ungen;“ Mitberichterstatter war Her.. Schwerte. Den Schluß bildete ein gemeinsames Mitlagessen im genannten Lokale, bei welchem der Herr Vorsitzende das Kaiserhoch ausbrachte, in welches die Versammlung begeistert einstimmte. *8(Die Wahlbewegung.) Gestern abeno sand im Specht'schen Saale noch eine große, sehr gut besuchte Zentrumsversammlung statt, in welcher als Redner die Herren Kaplan Pott und Rechtsanwalt Stöck=Dortmund auftraten. Die Redner wandten sich recht scharf und treffend gegen dik Sozialdemokratie und wurden von den anwesenden„Genossen“ mehrfach durch Zwischenrufe unterbrochen, doch hatte zur Diskussion am Schlusse niemand recht Lust. Jedenfalls tritt das Zentrum durchaus gewappnet in den Wahlkampf und hat namentlich in der sog. Kleinarbeit Intensives geleistet. Auch die„nächtliche Wahlarbeit“ hat seit einigen Tagen energisch begonnen und mancher Hausbesitzer hat gewiß große Freude gehabt, wenn er das Resultat derselben in Gestalt eines schön bedruckten weißen Zettels an seinem frisch gestrichenen Hause prangen sah. Uebereinstimmend wird uns von verschiedenen Seiten mitgeteilt, daß der diesmalige „Wahlkleister“ von so vorzüglicher Qualität ist, daß man schon heißes Wasser nehmen muß, um die Zettel abzuwaschen. Nun, morgen ist der große Tag und dann hat die liebe Seele wieder Ruh— bis zur Stichwahl. **(Doch zurückgezogen.) Die Kandidatur Liebermann von Sonnenberg ist Samstag zurückgezogen wo Im Hochsommer flüchten die beiden Familien mit ihren Kindern oft nach Haselberg, wo in dem Puppenhäuschen zwei sehr alte liebe Menschen wohnen, die höchste Freude an Hans Kindern genießen, denn Anna ist in ihre nächste Nähe gezogen und lebt dort mit ihnen. Kommt dann die Ferienzeit, dann wimmelt es um das Puppenhäuschen herum von Enkeln und Freundeskindern jeden Alters und die Frau Oberstleutnant strickt mit unermüdlichem Fleiß Kinderstrümpfchen, während ihr Alter auf die„wilde Bande“ mit lachenden Augen schilt, indes Burghausen sie verteidigt. — Ende.— Ergste, 15. Juli. Festliche Tage waren der Samstag und Sonntag für unser sonst so stilles Dorf. Rauschende Militärmusik, Flaggen, Laub= und Blumenschmuck, Kriegervereinsmützen, flatternde Banner, festlich gestimmte Menschenkinder, das waren die äußeren Kennzeichen dafür, daß in Ergste etwas besonders vor sich ging. Feierte doch der Krieger= und Landwehrverein Ergste sein 34jähriges Stiftungsfest und hielt doch der 33 Vereine umfassende Kreiskriegerverband Iserlohn seinen Delegiertentag hier ab. Und vorweg wollen wir bemerken, daß es allen auswärtigen Teilnehmern des Festes vortrefflich bei uns gefallen hat und daß sie unserem freundlichen, idyllisch gelegenen und noch dazu so schön herausgeputzten Dorfe ein gutes Andenken bewahren werden. Und noch eins hat uns so vorzüglich gefallen, daß wir glauben, es nicht unerwählt lassen zu können. Das ist die atsache, daß es nicht nur ein Fest des Krieger= und Landwehrvereins, nicht nur ein Fest des Delegierten=Tages war, sondern ein Fest, an dem die ganze Einwohnerschaft und sämtliche hiesige Vereine in schönster Einhelligkeit teilnahmen. Für das leibliche Wohl sorgte Frau KageBeckmann in vortrefflichster Weise, sodaß auch ihr ein Lob gebührt für die vortreffliche umsichtige Art, in der sie an den beiden Tagen den gewaltigen Restaurationsbetrieb führte. Am Samstag abend begann das Fest mit einem Zapfenstreich, dem eine erhebende Gedächtnisfeier am Kriegerdenkmal folgte. Eingeleitet wurde diese Feier mit dem Chore„Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“ von Beethoven, der von den vereinigten Gesangvereinen der Gemeinde in machtvoller Weise mit Orchesterbegleitung vorgetragen wurde. Hierauf hielt Herr Pfarrer Schulze=Nölle die Gedächtnisrede, worauf die Kapelle des 3. Bataillons Inf.=Regts. Nr. 83, Arolsen, welche 20 Mann hoch die Festmusik stellte, das alte, ewig schöne Lied intonierte:„Ich bete an die Macht der Liebe.“ Dann nahm Herr Hauptmann Hidding das Wort zu einer ergreifenden Ansprache, in der er der für's Vaterland gefallenen Kameraden gedachte, und den Schluß bildete das von dem Männerchor mit Orchesterbegleitung vorgetragene altniederländische Dankgebet. Um 9 Uhr abends begann das Konzert in der Festhalle, bei welchem sich die Konzertstücke der Militärkapelle mit Darbietungen der beiden Gesangvereine„Sängerbund" und„Eintracht“ ablösten. Die Kapelle sowohl wie die beiden Vereine hatten den reichlich gespendeten, teilweise begeisterten Beifall vollauf verdient. Am Sonntag vormittag um 11 Uhr bereitete der Dirigent der Arolser uns eine Extra=Freude. Völlig außer Programm ließ er seine Kapelle auf dem Dache der Villa des Herrn Wiesner antreten und bald tönten muntere, flotte militärische Weisen in das zu Füßen liegende Dorf hinab. Um zwei Uhr wurden sodann die eingeladenen Vereine eingeholt und um 3½ Uhr begannen die Verhandlungen des Delegiertentages im oberen Saale des Festlokales, nachdem Herr Hauptmann Hidding den Vereinen und Delegierten vorher auf dem freien Platze vor der Festhalle den Willkommengruß des festgebenden Vereins entboten hatte. Um 4 Uhr begann das Konzert in der Festhalle, welches unter großem Andrange einen vorzüglichen Verlauf nahm und abends durch den Ball als Beschluß des Ganzen abgelöst wurde. Dessen Ende haben wir aber nicht abgewartet, das wäre uns wohl zu spät oder vielmehr zu früh geworden, sondern sind unseres Weges fürbaß nach Schwerte gepilgert. Aber ein Fest war es doch, so großartig und ohne Disharmonie verlaufen, daß die Veranstalter und der ganze Ort stolz darauf sein dürfen, und auch wir wollen gern verraten, daß wir gestern von den auswärtigen Teilnehmern nur Worte des Lobes und der Anerkennung hörten. ** Schüren, 14. Juni. Einen entsetzlichen Tod fand heute nachmittag das drei Jahre alte Kind des Bergmanns Märtmann. Dasselbe geriet in die Jauchegrube und ertrank. Die Eltern sind untröstlich ob des Verlustes ihres Lieblings. Aus Westfalen und Rheinland. * Witten, 14. Juni. Auf Zeche„Bergmann“ geriet gestern der Hauer Rudak aus Gedern so unglücklich unter abstürzende Gesteinsmassen, daß er auf der Stelle starb. Er hinterläßt seiner Frau drei kleine Kinder. * Castrop, 14. Juni. Durch herabfallende Gesteinsmassen wurde auf Zeche„Graf Schwerin“ der jugendliche Arbeiter Karl Zimmermann aus Rauxel tötlich verletzt. Einem Mitarbeiter namens Schebel wurde gleichzeitig der rechte Zeigefinger vollständig abgetrennt. * Von der Haar, 14. Juni. Die fruchtbaren Gefilde des Hellwegs zeigen in diesem Jahre einen Saatenstand, wie man ihn herrlicher selten geschaut hat. Das Winterkorn steht jetzt schon derart fest„im Halme“, daß auf eine gute Ernte gerechnet werden kann; letztere wird wesentlich früher als im vorigen Jahre beginnen können. Die Futterkräuter sind gut in der Entwickelung und die sommerliche Heuernte hat schon begonnen. Die Frühkartoffeln stehen vorzüglich„im Kraut". Die Ernteaussichten sind alse im allgemeinen die denkbar besten. Siegen, 12. Juni. In dem benachbarten Dillnhütten brannten vorgestern zwei Häuser nieder. Der etwa 11 Jahre alte Sohn des Lehrers Jaspert in Geisweid, der sich gestern nachmittag mit anderen Jungen auf der Brandstelle herumtrieb, brach plötzlich laut„Sieg. Ztg. in ein mit glühender Asche gefülltes Loch. Er wurde durch Hinzukommende herausgezogen, war aber schon bis über die Mitte des Körpers so verbrannt, daß seine Ueberführung ins Krankenhaus notwendig war, wo er hoffnungslos darniederliegt. * Neunkirchen, 12. Juni. Bei dem gestern hier herrschenden schweren Gewitter schlug der Blitz in eine Gruppe von Arbeitern, die auf dem Steinbruche auf dem Hohenseelbachskopf mit Abdeckungsarbeiten beschäftigt waren. Der 52jährige Arbeiter Joseph Back aus Oberzeutzheim wurde vom Blitz erschlagen, während der 40jährige Arbeiter Johann Heep, ebenfalls aus Oberzeutzheim, schwere Verletzungen davontrug. * Kassel, 12. Juni. In vergangener Nacht verunglückte der Husar Klingler, der Bursche beim Rittmeister Freiherr v. Berlepsch war, in der Bindaustraße, indem er von dem Balkon in dem zweiten Stockwerk auf die Straße stürzte. Klingler zog sich bei dem Sturze einen schweren Schädelbruch zu, woran er gestern morgen gestorben ist. Wie verlautet, hatte der Verunglückte über Unwohlsein geklagt und sich zur Erholung auf den Balkon begeben. Die neuesten Gaunertrics. London, den 6. Juni. Es stellt der menschlichen Natur gerade kein günstiges Zeugnis aus, daß Anekdoten und Geschichten, die Verbrecher und ihre Taten zum Gegenstande haben, immer weit mehr Interesse finden, als das Leben und Treiben guter Menschen, aber Moralpredigten hilft hiergegen nichts. Tatsächlich ist es aber für manchen friedfertigen und braven Bürger recht nützlich, die einzelnen Kniffe und Pfiffe der langfingerigen Welt kennen zu lernen, nicht um sie nachzuahmen, sondern sich gegen dieselben zu schützen. Auf die Gesellschaft derer, die das Eigentumsrecht nicht zu respektieren pflegen, findet das berühmte Wort Ben Akibas nämlich keine Anwendung,— sie erfinden immer wieder etwas wirklich Neues. So kam vor einiger Zeit ein Mann in Arbeitskleidung, Schürze, Hemdsärmeln etc. in einen Laden im Norden Londons, und bat sehr höflich, man möchte ihm doch für seinen Herrn, einen benachbarten Handelsmann, einige Banknoten oder Goldstücke wechseln. Dies geschah, und es dauerte nicht lange, so kam der Betreffende wieder mit derselben Bitte. Die Banknoten waren gut, das Gold war gut, und niemand hegte den geringsten Verdacht gegen den Menschen, bis er eines Tages wieder kam, und zwar diesmal in großer Eile. Er hatte die Banknote„drüben im Laden“ vergessen und versprach, dieselbe sofort herüberzubringen. Tatsächlich wurde ihm das Geld auch ausgehändigt, aber diesmal kam er eben nicht wieder, und der vertrauensselige Kaufmann mußte zu seinem Schmerze erkennen, daß er der Betrogene war. Noch schlimmer erging es einem Londoner Restaurateur, in dessen Lokal eines Abends ein gutgekleideter junder Mann trat, der später zur Bezahlung seiner Zeche eine Fünfpfundnote darbot. Niemand nahm daran Anstoß, es wurde herausgegeben, nachdem man die Note als echt erkannt hatte, und der junge Mann verließ das Lokal. Nicht lange darauf wurde dem Verwalter in unauffälliger Weise mitgeteilt, daß man ihn an der Tür zu sprechen wünsche. Daslebst warteten zwei Herren auf ihn, die auf den ersten Blick den Eindruck von Beamten machten, und einer derselben sprach ihn auch sofort an: inspektor K. und mein Begleiter ist der Detektiv Y. Hat jemand im Laufe des Abends eine Fünfpfundnote bei Ihnen gewechselt?" Der Restaurateur bejahte, worauf der Inspetor sagte:„Das war ein Falsifikat. Zeigen Sie mal das Papier her.“ Die Note wurde gebracht und die Beamten entdeckten zugleich einige untrügliche Merkmale, die ihnen die Ueberzeugung beibrachten, daß die Fälschung ganz offenbar war. Darauf ließen sie sich den Mann ganz genau beschreiben und nickten beifällig:„das ist unser Mann.“ Der Restaurateur wurde nun aufgefordert, mit zur Polizeistation zu gehen, und als Belastungszeuge zu erscheinen, wobei ihm in Aussicht gestellt wurde, daß er eventuell den Betrag, den er leichtsinniger Weise einem Betrüger gegeben habe, wiederbekommen könne. Froh, einem solchen Schaden entgangen zu sein, schickte sich der Restaurateur an, rasch seinen äußeren Menschen etwas zu verbessern, aber er wunderte sich nicht wenig, als er mit Mantel und Hut bekleidet, wieder indas Schanklokal trat und keinen der beiden„Beamten“ mehr erblicken konnte. Sie hatten sich mitsamt„ihrem Mann“ aus dem Staube gemacht, und der Bierverzapfer war um eine ganz gute und echte Note ärmer. Daß jemand seinen Lebensunterhalt dadurch verdient, daß er so oft als möglich aus dem Eisenbahnzuge fällt, dürfte wohl auch zu den Seltenheiten gehören, und Mehrere Jahre hindurch reisten Australien umher, und schwindelten den dortigen Eisenbahngesellschaften große Summen auf merkwürdige Weise ab. Während die Züge sich in voller Fahrt befanden, fiel“ einer der beiden Männer plötzlich aus dem Wagen, sein Begleiter zog die Notleine, der Schwerverletzte oder vielmehr der Mann, der schwere Verletzungen heuchelte, wurde vorsichtig wieder in sein Koupee gehoben, und in das Hospital des nächsten großen Haltplatzes geschafft. Eine Klage um Schadenersatz war die Folge, und in den meisten Fällen erreichten die Schwindler ihren Zweck. Sie erlangten von der Bahn in Neu=Süd=Wales 35000 Mk., indem das Gericht annahm, daß die Beamten derselben sich eine grobe Fahrlässigkeit zu schulden kommen ließen, indem sie die Türe nicht sorgfältig schlossen. In Westaustralien bekamen sie sogar ohne jeden Prozeß auf dem Wege der„einmaligen Abfindung“ 13000 Mark. Aber der Krug geht bekanntlich so lange zum Wasser, bis er bricht! Als sie gegen die Eisenbahnverwaltung in Queensland eine Schadenersatzforderung von 200000 Mark geltend machten, da der eine vorgab, für immer gelähmt zu sein, erhielten die medizinischen Sachverständigen den Auftrag, ihren Scharfsinn ein wenig anzustrengen. Das Resultat war, daß die beiden für einige Jahre der bürgerlichenGesellschaft und ihrer Tätigkeit auf den Eisenbahnen entzogen wurden. Bi'm Skat. Bi Strotmann in Harpen saten äines Nohmiddags väier olle Knöppe met jähren längen Piepen in de Aechterstuawe un spiällden jähren Skat. Se wören dabi ümmer recht gemütlik. Wann de äine mol'n groutet Spiäll gewunn, denn nöhmen jähm de annern dat nich üawel„un wann de anner eß äin't verlur, denn tärgerde jähm dat nich widder. Blous de olle Krischon sagg, wann he eß äinen rümgebracht hadde oder wann he so'n recht klaterigen Lork, de van rechtswiägen verluren gohn mochte, gewunn:„Dat verdeihnt'n Drunk,“ un he nohm denn so'n recht deipen Schluck ut sinem Deckelpott un sträik sick dobi wuallgefällig öwer den Buk. An düesem Nohmiddag woll i't owermet jähm nich so recht flutschen un he hadde all manket Spottwort to hören gekriägen. moch't anfangen, wu he wull, et gelung jähm ümmer vörbi; hadde he eß guadde Katen un he spiällede, denn gong't rüm, un waß he eß'n biätken driest un wull't Glück twingen, denn foll he eß recht rin. He kriäg den gaußen Nohmiddag miserable Katen un tournierde ok Schlag op Schlag sine Fehlkaten, of he se nu van unnen oder buowen nohm— kort, et wull nich gohn. Do käm do'n Kopmann ut de Nohwerschop rin, Franz Jausepp Meier met Nomen, de met de Spiällers quat bekannt waß. He leit sick'n Glas Bäier brengen, satt sick bi Krischon un käik jähm in de Katen. „Na, wu gäiht“t denn?“ freig he jähm. „Ach, afscheilick,“ sagg Krischon,„eck mag't anfangen wo k well, et bottert nich; ek hewwe vandage kenn Schwien!" „So?“ siät Franz Jausepp,„denn well eck eß de Katen för Di opniämmen; saß sein, et wet glieks anners. Als nu wier gegiäwen worde, nohm he de Katen vam Disch un gaff se Krischon hen— da, väier Buern un twäimol Aß, Tieänne un Künnig, Dunnerschlag, wu kiäk do use Krischon op un wu freiede sick de Kopmann! Nu worde natürlick schwatt angesaggt un as dat Spiäll ut waß, do sagg Krischon: Dunnerlättken, so spiällt me met Studenten; dat verdeihnt'n Drunk.“ Franz Jausepp ower räif sick de Hänne un meinde, nich wennig stolt:„Ja, Krischon, dat wußte eck wuall; so bolle eck komme, eß dat Schwien do!"(Märk. Sprecher.) seien Gewitter käuflich, weiß ein anderer zu sagen. Dieer kluge und einsichtige Mann wird nach Ostpreußen abgeordnet. Er kommt glücklich an und fordert ein Gewit ter zu 500 Mark. Es wird ihm jedoch bedeutet, daß zu diesem Preise augenblicklich kein Gewitter auf Lager sei. Da er 800 Mark mitbekommen hat, so bietet er diesen Preis und erhält, was er wünscht. Jetzt geht's ans Einpacken. Er öffnet seine Kiepe, und sie setzen ihm einen Burrkäfer(Mistkäfer) hinein. Glückselig reist er ab. Unterwegs fängt der Käfer an zu burren. Der Mann hält seine Kiepe ans Ohr und sagt still vergnügt:„Hür, dat grummelt all.“ Neugierig macht er die Kiepe auf, aber sowie er den Deckel hebt, so fliegt der Burrkäfer heraus und gleich aus dem geöffneten Fenster. Geistesgegen wärtig ruft der Mann ihm nach:„Nah Altstadt!“ Und als er heimkommt, regnet es mächtig. Alle Altstädter glauben, daß der Burrkäfer den Regen gebracht hat. Seitdem weiß alle Welt, wie dumm die Altstädter sind. 1 Ueber den Tiger bringt ein ungenannter Mitarbeiter des„Field“ einige bemerkenswerte Mitteilungen, welche auf eigenen Beobachtungen beruhen, die der Verfasser in den Dschungeln Indiens machte. Auffällig ist die Furcht des Tigers vor den wilden Hunden. Um Tiger anzulocken, wurden lebendige Beutetiere, Schafe, Ziegen oder Kälber in der Umgebung des Wohnortes unseres Gewährsmannes an Bäumen festgebunden. Bald war auch ein Tiger in der Nacht gekommen und hatte eins dieser Tiere getötet und zum Teil aufgefressen. Da dem Herrn bekannt war, daß der Tiger jedesmal in der folgenden Nacht wiederkommt und die Mahlzeit vollendet, hatte man sich in der Nähe postiert, um den Räuber dabei zu überraschen. Da erschienen etwa ein Dutzend wilder Hunde, welche sich der Beute näherten. Man verscheuchte diese Tiere durch Steinwürfe, konnte sie jedoch nicht ganz vertreiben, denn sie blieben in gewisser Entfernung stehen und legten sich daselbst ruhig nieder. Darauf erschien ein Tiger auf der Bildfläche, welchem ein anderer, wahrscheinlich das Weibchen, folgte. Die beiden Tiere kamen näher heran, um die Mahlzeit der vergangenen Nacht fortzusetzen. Plötzlich wurden die Hunde ihrer gewahr und stürzten ihnen mit lautem Gebell entgegen. Sofort wandten sich die Tiger brummend zur Flucht und jagten mit großer Schnelligkeit davon. Eine andere Beobachtung bezieht sich auf den Kannibalismus der Tiger. Auf einer Treibjagd war ein Tiger durch einen Schuß verwundet worden. Man gab die Verfolgung für diesen Tag auf und kam erst am zweitnächsten Tage dazu, seiner Spur zu folgen. Da fand man aber nur die Hälfte des Tigers, und die auf dem Boden deutlich wahrzunehmenden Spuren wiesen darauf hin, daß eine starke Tigerin sich dieses Kannibalismus schuldig gemacht habe. Sofort tourde eine Treibjagd auf dieses Tier angestellt, diese verlief jedoch resultatlos. Zu ihrer großen Ueberraschung fanden aber die Jäger, als sie an den Ausgangspunkt der Jagd zurückkamen, daß unterdessen die Tigerin wieder dagewesen war und die Reste vertilgt hatte, nur der Kopf und die Beine waren übrig geblieben. Auf einer sogleich wieder angestellten Treibjagd gelang es, die Tigerin aufzuscheuchen und durch einen glücklichen Schuß zu erlegen. Im Magen der Tigerin fand man dann auch Stücke des Felles und Knochen von dem zuerst erlegten Tiger, wodurch der Kannibalismus der Tigerin klar erwiesen war. Zusammentritt der Skupschtina. Unter den Ministern sollen die Differenzen andauern, einer traue dem anderen nicht, jeder arbeite im geheimen für seine eigenen Pläne. Hd Berlin, 15. Juni. Der Attentäter Jakob Reich wurde, wie das„Verl. Tagebl.“ aus Wien berichtet, in der Wiener Landesirrenanstalt einer Untersuchung unterzogen und wird jetzt in die galizische Landesanstalt zum bleibenden Aufenthalt gebracht werden. Die Untersuchung ergab, daß Reich, der einen Wasserkopf hat von fortschreitender Paralyse und seit dem Jahre 1902 an stetig zunehmender Geistesstörung und Wahnideen, namentlich Verfolgungswahn, leidet. Hd Marburg in Steiermark, 15. Juni. Der Hauptmann Kanz vom 47. Infanterie=Regiment, welcher mit seiner Kompagnie gegen die aufrührerischen Bauern zu operieren hatte, wurde, während er„Feuer“ kommandierte, von rückwärts von seinen eigenen Leuten erschossen. Man glaubt, daß es sich um einen Racheakt eines Soldaten handelt, da der Hauptmann ein sehr strenger Offizier war. IId Belgrad, 15. Juni. Da Prinz Peter Karageorgewitsch dem Ministerium mitteilte, nicht ihn sondern seinen Sohn zum König zu wählen, trat das Ministerium sofort zusammen und beschloß, an der Kandidatur des Prinzen Karageorgewitsch festzuhalten und sich in keine Regentschaft einzulassen. Es ist aber möglich, daß noch in letzter Stunde die Minister dem Vorschlage Peter Karageorgewitsch zustimmen. IId Belgrad, 15. Juni. Hier herrscht eine förmliche Schreckensherrschaft. Alle Leute, welche im Verdacht stehen, mit der Aenderung der Dinge nicht einverstanden zu sein, werden entweder verhaftet oder polizeilich überwacht. Weiter soll das Ministerium beschlossen haben, noch vor Zusammentritt der Skuptschina alle Studenten und deren Führer zu internieren, weil befürchtet wird, daß dieselben vor der Skuptschina demonstrieren werden. 16. Juni: Wolkig, strichweise Regen mit Gewitter, wärmer, windig. 17. Juni: Vielfach heiter, sonst wenig verändert. Für den redaktionellen Teil verantwortlich Wilh. Schade. Bekanntmachung. Nachdem gegen den genehmigten und gemäß§ 7 des Straßen= und Baufluchten=Gesetzes vom 2. Juli 1875 vier Wochen lang öffentlich ausgelegten Plan über die Erbreiterung der projektierten Verbindungsstraße zwischen Wellinghofer= und Benninghoferstraße südlich der katholischen Volksschule von 10 auf 12 Meter Einwendungen nicht geltend gemacht sind, wird der bezeichnete Plan auf Grund des§ 8 des angezogenen Gesetzes mit dem Bemerken hiermit förmlich festgesetzt, daß derselbe im hiesigen Stadtbauamte, Wiesenstraße Nr. 4, nochmals 14 Tage lang zu jedermanns Einsicht auselegt ist. Hörde, den 9. Juni 1903. Der Magistrat: Evers. Büchertisch. Im Verlage von Kober C. F. Spittlers Nachfolger in Basel sind soeben neu erschienen: Gebhardt, Ernst. Frohe Botschaft in Lieder. Meist aus englischen Quellen ins Deutsche übertragen. 62. Aufl. der Ausgabe mit Melodien. geh. Fr. 1,40.— Mk. 1,10.; Lwd. Fr. 2,25.— Mk. 1,80. eleg. Lwd. Goldschn. Fr. 3.— Mk. 2,40.— Evangeliumslieder, 105 meistens aus dem Englischen übersetzte Lieder. Ausgabe ohne Melodien. 5. Auflage. geh. 50 Cts.— 40 Pfg. f(Eine drollige Regengeschichte,) wie sie in Mecklenburg der Volksmund erzählt, teilt Sohnreys Zeitschrift „Das Land“ mit. Sie lautet also: In Altstadt hatte es lange an Regen gefehlt. Die Saaten leiden unter der Dürre. Unter den Ackerbürgern hebt ein lautes Klagen an. Sie kommen zum Magistrat und verlangen den ihnen zustehenden Regen. Die Stadtverordneten werden zusammengerufen. Die schwierige Frage wird ihnen vorgelegt. Daß etwas geschehen müsse, wird allgemein anerkannt. Aber was? Man einigt sich dahin, daß Regen angekauft werden müsse. Einer von den hellsten Stadtvätern bemerkt unter dem Beifall seiner Kollegen, daß es am besten sei, ein Gewitter zu kaufen, da solch ein Naturereignis meist von Regen begleitet sei. In Ostpreußen Neueste Nachrichten. § Berlin, 14. Juni. Gestern abend wurde hier der Gerichtsaktuar Franke, der wegen Amtsvergehens von Düsseldorf aus verfolgt wurde, und kurz nach seiner am 3. d. Mts. erfolgten Festnahme seinem Transporteur dem Wege nach Düsseldorf entsprang, hier neuerdings festgenommen. § Rouen, 14. Juni. Nach Angabe des Oberstabsarztes am Militär=Hospital sind bei der hiesigen Garnison im ganzen 85 Fälle von Typhus vorgekommen, während sich 41 Kranke in der Beobachtungsstation befinden. In der Stadt waren 95 Fälle zu verzeichnen, wovon gegenwärtig noch 50 Kranke in den Hospitälern verpflegt werden. § Belgrad, 14. Juni. Im Archiv des Königs Alexander wurde ein Gesetzentwurf vorgefunden, welcher der nächsten Skupschtina vorgelegt werden sollte, und wodurch der jüngere Bruder der Königin Draga, Nicodem Lunjewitza zum Thronfolger, der ältere Bruder sowie 2 Schwestern und Neffen der Königin zu Mitgliedern des königlichen Hauses ernannt wurden und sämtlicht Apanagen angewiesen erhalten. § Konstantinopel, 14. Juni. Nachdem vor einigen Tagen eine Anzahl Militärschüler wegen unmenschlicher Behandlung gegen ihre Lehrer sich auflehnten, ist es gestern zu bedenklichen Exzessen unter der Garnison von Yildiz gekommen. Mannschaften eines Albanesen=Regimentes überfielen Gardezuaven mit blanker Waffe. Kameraden eilten von beiden Seiten herzu, sodaß eine regelrechte Schlacht entstand. Auf beiden Seiten wurde auch von dem Gewehr Gebrauch gemacht. Es gab mehrere Tote und viele Verwundete. Der Grund ist in der Eifersucht der albanesischen Garden zu suchen, bei denen man Zeichen von Unzufriedenheit und politischer Teilnahme bemerkt hatte, und die deshalb durch Gardezuaven ersetzt wurden. § Salonichi, 14. Juni. Infolge der Aussagen eines Verhafteten wurde das gesamte, aus 12 Personen bestehende mazedonische Komitee in Ueskueb verhaftet. Depeschendienst der„Schwerter Zeitung. Hd Berlin, 15. Juni. Zu den Vorgängen in Belgrad liegen heute noch folgende Meldungen vor: Der Präsident des Senates Marinkowitsch hat seine Entlassung nachgesucht. Es werden alle möglichen Vorkehrungen getroffen, damit die Wahl des Prinzen Karageorgewitsch einstimmig erfolgt. Indessen wird dem letzteren eine demokratische Umänderung der Verfassung zur Bedingung gemacht werden. In der Studentenschaft macht sich eine starke republikanische Strömung bemerkbar, und man befürchtet Demonstrationen von dieser Seite beim Nur 2 Tage. Schwerte, auf der grünen Wiese. Eroffnung Mittwoch, 17. Juni. vorlaufige Anzeige. Dompteur Charles weltberühmter werrage!..„ (größte Raubtierdressur=Schaustellung der Welt) krifft mittels Sonderzuges am Montag nachmittag hier ein. Große Kollektion seltener Tiere aus allen Erdteilen. Spezialität: Moderne Raubtierdressur Novität! in höchster Vollendung. Novität! ne. Der Löwe als Kunstreiter zu Pferd. Dick, der wunderbar dressierte Riesen=Elefant. 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