Wren er e esce en außerhalb 15, Reklame=Zeile Carl Braus in Schwerte, verbiadliche straft. Amtliches Kreisblatt für den Rieis Nerm. Insertionsgebühr zeile oder deren Raum 10 Hernsprech=Anschlutz Nr. 62 Ewpert. Fichperte. Rensäb bu nd e onnementspreis pro Quartal 1 Mark 65 Pfg., exel. Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“ Nr. 1300. 1. Blatt. Schwerte, Samstag den 6. Juni 1903. 36. Jahrgang. Kaisersingen in Frankfurt. Zweiter Tag des Wettstreits. Frankfurt, den 5. Juni. Wettsingen der dritten Gruppe, darunter M.=Gladbach, Köln, Bonn, Mülheim=Ruhr. Heute vormittag sang wiederum in Gegenwart des Kaiserpaares und der übrigen Fürstlichkeiten die dritte Gruppe. Zuerst trat der M.=G.=V. Liedertafel, M.=Gladbach auf, der einen befriedigenden Erfolg erzielte. Der Kölner Männergesangverein übertraf wieder an dynamischer Wucht und Lebhaftigkeit im Vortrage alle übrigen. Er sang aber zum Schluß 1/2 Ton höher und befriedigte nicht recht. Die Berliner Liedertafel war ebenfalls im Preischor um ½ Ton gestiegen, übertraf aber stellenweise den Kölner Männergesangverein um ein bedeutendes. Während die Berliner Liedertafel sang, wurde ein Mitglied des Vereins, Namens Schöppe, vom Schlag getroffen. Es folgte der Erfurter Männergesangverein. Bei dem Vortrage des Preischors durch diesen Verein vermißte man sehr den nötigen Schneid. Er sang den Chor zu weichlich. Der Bonner Männergesangverein stellte sich in seinen Leistungen unmittelbar an die Seite des Kölner Männergesangvereins. Auch bei dem Vortrage des selbstgewählten Chors hielt er sich sehr tapfer. Dagegen fiel der M.=G.=V. Frohsinn, Mülheim=Ruhr, der sehr schön eingesetzt hatte, zum Schluß stark ab. Hierauf sang als letzter der Bremer Lehrer=Gesangverein, der als erster vollständig den Ton hielt und stürmischen Beifall auf Seiten des Kaiserpaares erntete. Er sang als selbstgewähltes Lied„Der alte Soldat“ von Peter Carnelius, einen äußerst schwierigen Chor, der ihm aber#r gur gelang. Es standen demnach heute an der Spitze Köln, Bonn, Bremen, Berlin. Es war sehr schwer, einen von ihnen die Siegespalme zuzusprechen. Man hatte den Eindruck, daß mit diesem Vortrage der Kulminationspunkt des Sängerfestes erreicht sei. Auf alle Fälle standen die heutigen Vorträge turmhoch über den gestrigen. Frankfurt, den 5. Juni. Wettsingen der vierten Gruppe, darunter der Barmer „Sängerchor“, die Solinger„Liedertafel“ und der Oberbarmer„Sängerhain". Bei den heutigen Nachmittagsgesängen schoß, um es gleich vorweg zu nehmen, der„Berliner Lehrer=Gesangverein“, sowohl mit dem Vortrage des Preischors, als auch mit der Wiedergabe des Liedes:„Kaiser Karl in der Johannisnacht“ von Friedrich Hegar den Vogel ab. Allgemein ist man der Meinung, daß er der ernsthafteste Konkurrent der Kölner werden wird, wenn es zur Entscheidung um den Kaiserpreis kommen wird. In der Reihenfolge sang am Nachmittage zuerst der„Barmer Sängerchor". Er hatte beim Vortrage des Preischors einzelne gute Momente, umschiffte selbst Klippen, an denen bedeutende Vereine vor ihm gescheitert waren, doch fiel er bei der Wiedergabe des selbstgewählten Chors „Rolands Horn“, komponiert von Josef Rheinberger, ab, was auch zum Teil auf die undankbare Komposition zurückzuführen war. Die„Solinger Liedertafel", als zweiter Verein, überraschte durch den hellen, freudigen Einsatz beim Preischor und sang auch bis zur Mitte tadellos, dann aber hatte er sich ausgegeben und der Schluß war daher matt und kraftlos. Ebenso ungleich behandelte die „Würzburger Liedertafel“, den Preischor. Im Anfang und am Schluß musterhaft, ließ sie es in der Mitte an Reinheit und Akuratesse fehlen. Dagegen gelang ihr selbstgewählter Chor„Volkers Schwanenlied“ von MeyerOlbersleben so gut, daß der Beifall schon einsetzte, ehe noch die letzten Töne verklungen waren. Sehr brav hielt sich der Kasseler„Liederverein". Da er aber den„Siegessang" zu lieblich und zart anfaßte, hatte er keine rechte Wirkung damit. Nach diesen Enttäuschungen bedeutete der„Wiesbadener Männer=Gesangverein“ einen Aufschwung. Er sang neben dem Preischor Schuberts„Ruhe schönstes Glück der Erde“ und erzielte mit diesem wirkungsvollen, verhältnismäßig einfachen Volksliede, gegenüber manchen verschrobenen und gekünstelten Kompositionen, die man zu hören bekam, einen vollen Erfolg. Ebenso glückte dem ihm folgenden„Oberbarmer Sängerhain“ der Preischor und der selbstgewählte Chor„Kaiser Karl in der Johannisnacht". Alles, was bis dahin der Nachmittag gebracht hatte, wurde durch den folgenden „Berliner Lehrer=Gesangverein" übertroffen. Da auch er den„Kaiser Karl“ sang, so konnte man noch unmittelbare Vergleiche anstellen, die doch zugunsten der Berliner ausfielen. Den Preischor dirigierte Professor Felix Schmidt und die 224 Köpfe zählende Sängerschar brachte an manchen Stellen Wirkungen dynamischer und melodischer Art hervor, die geradezu überwältigend waren. Nachdem die Zum Untergang der Tempelruinen auf Philae am Nil. Der Untergang der Tempelruinen auf Philae, der heiligen Insel der alten Egypter, schreitet schnell fort. Die berühmten Ruinen sind bekanntlich durch den großen Nildamm in Assuan in die Gefahr gebracht, zerstört zu werden. Der Damm ist gebaut worden, um die Nilwasser zu stauen und das Niveau des Wassers zu erhöhen. Die Folge davon ist, daß die Insel Philae, die eine halbe englische Meile oberhalb des Dammes liegt, unter Wasser gesetzt ist, sodaß, wenn der Nil hoch steht, sich nur noch der obere Teil der Tempel über dem Wasser befindet. Schon zu der Zeit, als der Damm gebaut wurde, wurden Befürchtungen laut, daß dieses Unglück eintreten würde; aber die Ingeniuere erklärten damals, sie würden den Nil niedrig genug halten, um die Tempel zu retten. Die erste Hochflut des Nils seit der Vollendung des Dammes ist vorüber und nun kann man deutlich sehen, daß die schöne Insel mit ihren Tempeln von Isis und Nektanebo dem Untergang geweiht ist. Das schlammige Wasser hat die Tempelfundamente durchdrungen und an den Säulen bis zu einer beträchtlichen Höhe seine Spuren hinterlassen. Dieser Vorgang muß unabänderlich innerlich einiger Jahre alle Gebäude zerstören. Die Zerstörung wird beschleunigt, wenn die Regierung beschließt, von der ganzen Fähigkeit des Dammes im Zurückstenten des Wassers Gebrauch zu machen. Es scheint höchst wahrscheinlich, daß die Gräber und Tempel der alten Helden und Götter Egyptens für immer von dem großen modernen Ingenieurwerk beseitigt werden, das dem Lande seinen früheren Wohlstand geben soll. Der Nil steigt jetzt in Philae 24 Fuß über seinen früheren Spiegel. Dadurch ist er sechs Fuß über der Schwelle des Isistempels, und der Boden des Tempels ist ganz unter Wasser gesetzt. Die schöne Färbung der Wände des Isistempels, die 2000 Jahre überdauert hat, verschwindet nunmehr unter der Wirkung des Wassers. Philae, von dem wir unseren Lesern beisteheno eine Abbildung geben, wird die„Heilige Insel“ genannt, weil sie mit Abydos den Anspruch erhebt, der Begräbnisplatz für Osiris zu sein. Der größte Tempel stammt aus der ptolemäischen Zeit und ist Isis, der Gattin des Osiris und Mutter des Horus, geweiht. Die Insel wurde in alten Zeiten als heiliger Boden betrachtet, und niemand durfte ohne Erlaubnis an ihren Küsten landen. Die heiligste Pilgerfahrt der Egypter führte zu diesem Grabe ihres Gottes, und ihr heiligster Schwur lautete:„Bei dem, der in Philae schläft.“ Der kleine Nektanebotempel am Südende der Insel, der bis jetzt durch die vorzügliche Erhaltung seiner Wandmalereien ausgezeichnet war, hat mehr als die anderen Gebäude von der Ueberschwemmung gelitten. Der keine viereckige Tempel, der Pharaos Bett heißt und von dem römischen Kaiser Trajan zu Ehren der Göttin Isis erbaut sein soll, ist sehr malerisch. Philae war die letzte Heimat der alten egyptischen Religion. Die an der Grenze von Unteregypten und dem unerforschten Afrika gelegene Insel war besonders geeignet, eine Zufluchtsstätte für den aussterbenden Glauben zu sein. Lange nachdem das Christentum die Religion der römischen und zivilisierten Welt wurde, dauerte in Philae noch der Osiris= und Isiskultus fort. Er hörte erst im fünften Jahrhundert auf. Unter dem Schatten des Isistempels steht eine christliche Kirche, die das Vergehen des alten Glaubens bezeichnet. Auch sie wird mit den anderen Ruinen zerstört werden. Berliner geendet hatten, erhob sich der Kaiser und klatschte stürmisch Beifall, in den die ganze Versammlung lebhaft einstimmte. Damit hatten die heutigen Wettgesänge ihr Ende erreicht. Politische Uebersicht. Deutschland. — Der Jesuitenorden. Die„Gesellschaft Jesu" zählte nach der letzten Ordensstatistik(Ende 1902) im ganzen 15 231 Mitglieder, und zwar 6743 Patres(Priester), 4542 Scholastiker(Studierende der Philosophie oder Theologie) und 3946 Laienbrüder. Die deutsche Ordensprovinz hatte zu Anfang 1903 insgesamt 1430 Mitglieder: 594 Patres, 401 Scholastiker und 434 Laienbrüder. Davon lebten in den auswärtigen Missionen 669, nämlich in Nordamerika 296, in Brasilien(Rio Grande do Sul) 152 in Indien 110, in den nordischen Missionen 66, in Chile 29, am Zambesi 14. Von den übrigen kommen auf Holland 511, auf Vorarlberg 153, auf Luxemburg 42. Der Rest ist hauptsächlich mit der Seelsorge der Deutschen im Auslande beschäftigt, in Rom, Paris, London, Antwerpen, Mailand, Genua, Marseille usw. — Stöckers Schwenkung in der Jesuitenfrage. Dr. Fretzer, der Sekretär der nationalliberalen Partei des Wahlkreises Siegen, erläßt eine öffentliche Erklärung über Stöckers Schwenkung in der Jesuitenfrage:„Der Unterseichnete teilte in einem Flugblatt mit:„Stöcker hat noch die Verpflichtung übernommen, gegen die Aufhebung von§ 2 des Jesuitengesetzes zu stimmen. Dieses Wort hat Stöcker gebrochen. Wie unten bezeugt ist, hat Stöcker tatsächlich 1898 ohne jede Einschränkung erklärt, er sei gegen die Aufhebung des Jesuitengesetzes, also auch gegen eine teilweise Aufhebung dieses Gesetzes. Trotzdem hat Stöcker die Mitteilung des Unterzeichneten als eine: „Lüge" bezeichnet. Wegen dieser Beleidigung wird sich Stöcker vor Gericht zu verantworten haben, sofern er nicht unverzüglich in befriedigender Weise öffentlich Abbitte leistet. Dr. Fetzer.“ Eine Reihe angesehener Wähler bekunden mit Unterschrift:„Im Jahre 1898 erkärte Herr Hofprediger a. D. Stöcker in einer Wahlversammlung zu Müsen(Gasthof zum Stahlberg) auf Befragen, wie er sich zur Aufhebung des Jesuitengesetzes stelle:„Ich bin dagegen!“ was die Unterzeichneten hierdurch öffentlich bezeugen.“ — Gegen prunkhafte Kirchenbauten und Pfarrhäuser hat der Kölner Erzbischof Dr. Fischer einen bemerkenswerten Erlaß veröffentlicht. Solche Bauten widerstreiten dem Geiste der Armut, den die Priester allenthalben üben sollen und seien deshalb zu vermeiden. — Wegen Soldatenmißhandlungen in 166 Fällen. wurde der Sergeant Warneck von der 5. Kompagme des Infanterie=Regiments Nr. 92 vom Kriegsgericht in Braunschweig zu 2½ Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Ehrverlust und Entfernung aus dem Heere verurteilt. Der Verur 6 A 5 teilte hatte sich ganz besonders brutale Mißhandlungen zu schulden kommen lassen. Man ist aber erstaunt darüber, daß der frühere Sergeant nicht weniger als 166 Mißhandlungen hätte begehen können, ehe einer der Gemißhandelten seiner Beschwerdepflicht entsprach. — Welfische Wühlereien. In einigen Wählerversammlungen des 6. hannoverschen Wahlkreises(Verden) gab der dortige nationalliberale Kandidat, Rentier Held, wie die„Osnabrücker Zeitung" berichtet, interessante Mitteilungen über Ausführungen, die der welfische Abgeordnete v. Arnswald in einer Versammlung zu Dörverden auf wiederholte Anfragen gemacht hat. Herr v. Arnswald sagte: er habe seit 20 Jahren keine direkte Fühlung mit Gmunden, könne also nicht angeben, wie man sich dort die Modalitäten eines Friedensschlusses mit Preußen denke. Er hoffe aber, es noch zu erleben, daß die beiden hohen Herren, der Kaiser und der Herzog von Cumberland, einen Ausweg finden würden. Man könne sich einen solchen vielleicht in der Richtung denken, daß nach dem über kurz oder lang unbedingt notwendigen Regierungsantritt des Herzogs von Cumberland in Braunschweig(?) ein Teil der jetzigen Provinz Hannover mit Braunschweig vereinigt werde, während der Rest definitiv bei Preußen verbliebe!— Welfische Kreise versuchen in der Tat, derartige Hoffnungen bei ihren Wählern zu nähren. Rußland. Aus Kischenew. Die Verhandlungen vor den Friedensrichtern in Sachen der antisemitischen Ausschreitungen, die von schlecht informierten Blättern noch immer als„Judenhetze" bezeichnet werden, zeigen recht deutlich, wie wenig Leute tatsächlich sich bei den Räubereien aktiv beteiligt haben. Wie leichtsinnig von den Juden denunziert wird, das beweist die Praxis. Bespielsweise wurden am 18.(31.) Mai 15 Klagen mit zusammen 18 Angeklagten abgeurteilt. Von diesen wurden 13 freigesprochen und 5 zur geringen Strafe der Gefängnishaft von 1½ Monaten verurteilt. Die Sammlungen für die Familien der Verhafteten nehmen indes einen recht regen Fortgang und finden selbst in dem gewiß liberalen Finland kräftige Förderung. Großes Aufsehen erregte in Petersburger Kreisen die Nachricht, daß die von der jüdischen Presse verbreitete Meldung, Graf Leo Tolstoi habe 15000 Rubel den Kischenewer Juden gespendet, nichts als ein geschicktes Reklamemanöver war. In dem Briefe, den Tolstoi seinem Sohne in Jaßnaja Poljana diktiert hat, heißt es u. a.:„Meinem Vater war diese falsche Nachricht sehr unangenehm; sie nicht widerlegen, hieße die Billigung der Menschen für etwas in Anspruch nehmen, was er nicht getan hat. Eine Widerlegung könnte aber als Mißbilligung einer solchen Handlungsweise erscheinen und wäre durchaus ungerecht. Mein Vater ist tief empört und betrübt über die in Kischenew verübten Greueltaten. England. = Ein Kabinettswechsel in England, nichts weniger, soll die Folge der Chamberlain'schen Schutzzollpläne sein. Im Unter= wie im Oberhause haben sich die der Tarifreform des Kolonialministers abgeneigten Parteien zu einem Entscheidungskampf gerüstet. Im Oberhause werden sogar mehrere Kabinettsmitglieder an dem Feldzuge gegen Chamberlain teilnehmen. Man nimmt ziemlich allgemein an, daß der allmächtige Minister dem vereinten Ansturm unterliegen werde. Man vergißt dabei aber eins: Chamberlain hat sich ja bereits eine Rückzugslinie geöffnet. Er hat vor wenigen Tagen erst in einem offenen Briefe erklärt, daß er auf seine Tarifreform verzichten werde, falls ihm nicht die lebhafte Unterstützung aller britischen Kolonien zuteil würde. Sieht der gewandte Staatsmann, daß er mit seinem Plane nicht durchdringt, ja daß dieser seine Position gefährdet, dann wird er einfach revozieren und vielleicht die selbstbewußte Entschuldigung vorbringen, daß das englische Volk für die neuen Ideen noch nicht reif sei. Lokales. Schwerte, 6. Juni 1903. wandten, Freunden und Bekannten die Eheleute Bäcker und Wirt G. Winkelmann. Wir sprechen unseren herzlichsten Glückwunsch aus und geben der Hoffnung Ausdruck, daß das im Glanze des Silberkranzes strahlende Jubelpaar dereinst in Rüstigkeit und Frische das Fest der goldenen Hochzeit feiern moge. **(Geflügelzuchtverein„Fauna“.) Einen schönen Erfog hat der Geflügelzuchtverein„Fauna“ auf der in Annen stattgehabten Geflügel= und Kaninchenausstellung zu verzeichnen. So bekam Herr Fr. Fitz unter großer Konkurrenz auf einen prächtigen Stamm Minorka den ersten Preis und Herr Schulte=Geisecke den vierten. Für schwarze Italiener erhielt Herr Jos. Eiser=Schwerte den 4. Preis. Ferner erhielten die Herren W. Ortmann, Karl Leineweber und Fr. Fitz auf Kaninchen den 3. Preis. Hohenzollernstraße.) Mit den Arbeiten zur Offenlegung der Hohenzollernstraße geht es flott voran. Seit einigen Tagen ist eine Dampfwalze mit der Herstellung des Fahrdammes beschäftigt. **(Der Schnaps als Urheber aller Uebel.) Der Arbeiter B. erhielt Mahnzettel wegen Zahlung von Steuern. statt zu bezahlen, quittierte die Ehefrau die Zettel selbst und setzte den Betrag in Spirituosen um, die sie zeitweise mit besonderem Behagen zu sich nimmt. Als der Vollziehungsbeamte die Pfändung vornehmen wollte, wurde die Fälschung entdeckt und die Liebhaberin geistiger Getränke in Untersuchung gezogen. Vermischtes. **(Unmaßgebliche Gedanken.) Der Lenz geht zur Rüste, nur zwei Wochen trennen uns noch von dem Anfang des Sommers. Gemeinhin wird der ganze Juni zum Sommer gerechnet, kalendergemäß aber beginnt dieser erst im letzten Drittel des laufenden Monats. Einen Vorgeschmack von dem, was der Sommer uns zu bringen vermag, haben wir bereits gehabt— große Hitze. Der Flieder ist verblüht, jetzt gehen wir der schonen Rosenzeit entgegen. Die Sonne, die binnen kurzem ihren höchsten Stand erreicht, fördert das Wachstum der Saaten, Bäume, Pfanzen ungemein, die Natur zeigt sich in einer wahren Ueberfülle ihrer Reize und Kräfte. Mit den herrlich duftenden Rosen, die wohl auch die Königinnen unter den Blumen genannt werden, erscheinen die leckeren Erdbeeren und Kirschen, die Hausfrau heißt die neuen Kartoffeln, Rübchen, Kohlrabi, frischen Gurken usw. willkommen. Allerdings ist das junge Gemüse vorerst noch etwas teuer. Im Juni beginnt auch die Reisezeit. Tausende Personen des Mittelstandes, die bereits Urlaub haben und über die erforderlichen Geldmittel verfügen, begeben sich an die See oder ins Gebirge, wo die Preise während der Vorsaison billiger sind als während der Reisehochflut im Juli und August. Jetzt ist ferner das Wetter von größerer Beständigkeit. Doch nicht jeder ist so glücklich, schon im Rosenmonat die Arbeitsfessel auf einige Zeit ablegen zu können, er muß sich in Geduld fassen, bis der„gestrenge“ Herr Chef ihm den„Reisepaß“ einhändigt. **(Die Vereinigte Gesellenauflage) feiert am Sonntag, den 14. d. Mts., geschlossen in den Räumen des Schützenhofes ihr diesjähriges Stiftungsfest durch Festzug mit nachfolgendem großen Konzert und Volksbelustigung. Abends während des Balles findet eine großartige Beleuchtung des Schützenhofes und Brillant=Feuerwerk statt; während des Konzertes wird nachmittags ein Riesenluftballon aufgelassen. Hoffentlich fehlt dem Feste auch der schönste Programmpunkt, das gute Wetter, nicht. **(Silberne Hochzeit.) Das Fest ihrer silbernen Hochzeit begehen heute im Kreise ihrer Kinder, Veraa* Lichtendorf, 6. Juni. In den nächsten Tagen wird in unserer Gemeinde ein Jubiläum gefeiert werden, für welches wohl jeder einiges Interesse übrig hat, wenn es sich auch um kein Amts=, sondern„nur" um ein Ehejubiläum handelt. Sind doch die hierbei Beteiligten zwei so charakteristische Erscheinungen und wegen ihrer ungewöhnlichen Originalität auch über unsere Gemeinde hinaus bekannte Menschenkinder, daß, wie gesagt, wohl mit Interesse ein jeder von dem besagten Ehejubiläum hören wird. Die Eheleute Stellmachermeister Fritz Claas und Frau Lisette, geb. Jansen, feiern nämlich am 11. Juni das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Treu und brav haben sie alles, was ihnen das Schicksal in dem halben Jahrhundert brachte, mit einander getragen und zusammen gesorgt und gestrebt in Freud und Leid. Und sollten wir uns damit, daß wir ihren bevorstehenden Ehrentag in die große Oeffentlichkeit hinausposaunt haben, die beiden Alten erzürnt haben, so hoffen wir sie dadurch wieder zu versöhnen, daß wir heute die ersten sein wollen, die dem im Glanze des goldenen Kranzes strahlenden Jubelpaare unseren herzlichen Glückwunsch zu seinem Ehrentage zurufen. Möge ihnen nach einem Leben voll Arbeit und redlichen Schaffens ein ruhiger, stiller Lebensabend beschieden sein. ** Westhofen, 6. Juni. Der Gesang=Verein„Eintracht" hierselbst nimmt an dem von dem Gesang=Verein „Sängerbund“ zu Mühlenrahmede am 14. und 15. d. M. zu veranstaltenden großen Gesang=Wettstreit teil. Der Verein verfügt über ein vorzügliches Stimmenmaterial und singt mit noch 6 tüchtigen Vereinen in der ersten Klasse. Am morgigen Tage, vormittags 11 Uhr, findet im Fritzenkötter'schen Saale Generalprobe statt. Jeder= mann ist zu dieser Probe willkommen. ** Westhofen, 6. Juni.(Schützenfest.) Zu dem am 18. und 19. Juli d. Is. stattfindenden Bürgerschützenfeste soll der Bau des Festzeltes und die Restauration im Wege des Meistgebots vergeben werden. Termin hierfür ist auf Mittwoch, den 10. Juni in der Wirtschaft chulte angesetzt. Näheres s. Inserat. ** Aplerbeck, 5. Juni. Als ein Zeichen der Zeit kann es betrachtet werden, daß schon seit Monaten der Gasthof zum Bahnhof außer Betrieb gesetzt ist. Die bisherigen Pächter sind in demselben auf keinen grünen Zweig gekommen und haben es bei der großen Anzahl von Wirtschaften innerhalb unseres Ortes nicht ermöglichen können, den Betrieb rentabel zu gestalten. Unter diesen Umständen hat es daher bis jetzt nicht gelingen wollen, einen neuen Unternehmer zur Führung des renovierten Lokals zu finden. *** Hörde, 5. Juni. Eine Erzschwindlerin ist die Dienstmagd Elisabeth Stange, aus Ostpreußen gebürtig. Dieselbe befand sich bei dem Wirt Ising in Stellung, hat dieselbe aber ohne Grund verlassen und sich auf den Namen der Frau mehrere Paar Schuhe in dem Schuhgeschäft Böhmer erschwindelt. Heute morgen gelang es, die Person festzunehmen und dem Amtsgericht zuzuführen. Die Schwindlerin ist, trotz ihrer Jugend, bereits vielfacher Betrügereien mit längeren Freiheitsstrafen belegt und wird auch von der Staatsanwaltschaft Bochum wegen derselben Vergehen gesucht.„ *8 Barop, 5. Juni. Die Kreisschunnspettion Barop, umfassend die Aemter Barop, Kirchhörde und Wellinghofen, sowie die Stadt Hörde, ist, nachdem der bisherige königliche Kreisschulinspektor, Herr Pfarrer Rottmann, gestorben, von der königlichen Regierung dem Herrn Pfarrer Niemeyer zu Eichlinghofen übertragen. Es waren außer dem Herrn Pastor Niemeyer auch noch der Herr Pfarrer Dr. Morgenstern und Herr Pfarrer Mans zu Rüdinghausen in Vorschlag gebracht. Ueber eine Teilung des Bezirks, wonach evtl. die Stadt Hörde abgetrennt werden soll, ist bisher noch nichts bekannt geworden. f(Frohe Kakerlatschenjagd im Reichstage.) Einen Igel für den Reichstag anzuschaffen, erscheint als ein dringendes Bedürfnis. Seit einigen Jahren haben sich nämlich nach Berliner Blättermeldungen im Reichstagsgebäude in den Räumen oberhalb des Lesesaales der Bibliothek eine Unmenge einer Art von„Schwaben“ eingefunden. Es sind das jene großen Käfer, die sich im Dunkeln dadurch bemerkbar machen, daß sie einen lauten Knall von sich geben, wenn man auf sie tritt. Am Tage halten sie sich versteckt an warmen Stellen auf. Im Reichstage sind sie geradezu eine zoologische Merkwürdigkeit, da es durchaus rätselhaft ist, wovon sie sich dort eigentlich nähren. Wenn sie auch den Menschen nicht angreifen, sind sie doch sehr unangenehm. Im Reichstagsgebäude hat man bereits mehrere Male versucht, sie durch einen Kammerjäger auszurotten, aber der Erfolg war immer nur ein vorübergehender. Es kann da nur ein Igel helfen. Der Igel führt gleichfalls nur ein Nachtleben, er läuft flink und gewandt herum, fängt Mäuse und frißt namentlich auch gern Schwaben in sehr großen Mengen. Er würde zweifellos in kurzer Zeit den Reichstag von den gräulichen schwarzen Käfern säubern. Die Anschaffungskosten für einen solchen Reichsigel können nicht hoch sein. Außerdem handelt es sich nur um eine einmalige Ausgabe, da Unterhaltungskosten nicht entstehen, weil sich eben der Igel von den Schwaben nähren soll. Nebenbei könnte er aber auch am Tage noch nützliche Verwendung finden. Man könnte mit ihm die Abgeordneten frottieren, die in den bekanntlich im Reichstagsgebäude eingerichteten Badezimmern ein Bad nehmen. Da er rauher ist, als das rauheste Frottiertuch, würde er als Frottiermittel jedenfalls von bedeutender Wirkung sein. Wenn auch der Igel Zum Iserlohner Streik * Iserlohn, 5. Juni.(Die Beilegung des Streiks steht bevor!) Die Streikleitung in Iserlohn versuchte, dem Fabrikantenverein Vorschläge zur Beilegung des Streiks zu unterbreiten, der jedoch erklärte, nicht eher zu verhandeln, bis die Sperre über die Firma Schäfersmeyer& Hens, bei der der Streik ausgebrochen, aufgehoben sei. Darauf beschlossen die christlichen, HirschDunker'schen und freien Gewerkschaften, die Sperre aufzuheben. Der Fabrikantenverein wird nunmehr über die weiteren Folgen beraten. Darnach ist zu erwarten, daß der Streik bald beigelegt sein wird. nicht Herr der Kakerlatschen wird, könnte man dem Herrn Reichstagspräsidenten Ballestrem raten, jeden Abend einige Abgeordnete zur frisch=frohen Kakerlatschenjagd einzuladen. Da diese oft 2—3 Zentimeter großen Käfer nur nachts hervorkommen und dabei außerordentlich wenig scheu sind, so kann man ruhig sie jagen und einen nach dem andern tot treten. Die„Reichstagsjäger“ haben dann an jeder zertretenen Kakerlatsche noch die Freude des lauten Knalls, der die Illusion der Jagd erhöht. Sowie allerdings diese Treibjagden bei Nacht eingestellt werden, nehmen die Käfer wieder reißend zu. Nach den Reichstagsferien z. B. würden die Käfer Legion sein und aus der Jagd der Abgeordneten müßte schon ein Polkatanzen werden, um alle tot zu knaxen.— Vielleicht empfiehlt es sich, während der Abwesenheit der Reichstagsboten die neu erfundenen automatischen Kakerlatschenfallen aufzustellen, damit es nicht„zu doll“ wird. Herr Graf Ballestrem kann diese bei Wertheim für 43 Pfg. das Stück(Abteilung Toilettengegenstände) kaufen..... Eigener Depeschendienst der„Schwerter Hd Frankfurt a. M., 6. Juni. Heute früh beginnt das Wettsingen um 9½ Uhr. Von 12—2 Uhr haben die Preisrichter eine Beratun##d von 2—3 Uhr wird dann der Stundenchor eingeübt. Um 3½ Uhr beginnt das letzte Konzert, der sogenannte engere Wettstreit. Heute früh empfängt der Kaiser die Dirigenten der 34 an dem Gesangswettstreit beteiligten Vereine, um mit ihnen eine Besprechung abzuhalten. Hd Frankfurt a. M., 6. Juni. In den letzten Tagen wurden nahezu 50 Personen verhaftet, unter denen sich Leute befinden, die in der Trunkenheit Majestätsbeleidigungen ausgestoßen hatten. Der größere Teil der Verhafteten hat Taschendiebstähle ausgeführt. Hd Berlin, 6. Juni. Der Direktor der Berliner Hypothekenbank, Kommerzienrat Sanden, der bekanntlich zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt worden war, ist im Gefängnis gestorben. Hd Antwerpen, 6. Juni. Der hiesige Hafen ist seit einigen Tagen von so zahlreichen Schiffen besucht, daß es bereits an Landungsplätzen mangelt. So mußten gestern 16 Fahrzeuge in der Schelde vor Anker gehen. Die nach hier unterwegs befindlichen Fahrzeuge müssen in Vlissingen zurückgehalten werden. Hd Budapest, 6. Juni. Bei einem Brande im Dorfe Hollint ist eine Frau mit 6 Kindern in den Flammen umgekommen. Hd Halifax, 6. Juni. Zu den Waldbränden wird noch berichtet, daß bereits viele Landhäuser an den Ufern des Samsonflusses ein Raub der Flammen geworden sind. Zahlreiche Ortschaften sind infolge des dichten Rauches völlig in Dunkelheit gehüllt. Hd Paris, 6. Juni. Der Besuch des Königs Viktor Emanuel in Paris wird kurz vor dem Nationalfesttage (14. Juli) stattfinden. Wie es heißt, ist es noch unbestimmt, ob die Königin ihren Gemahl auf seiner Reise begleitet, da ihr Gesundheitszustand augenblicklich zu wünschen übrig lasse. Hd Paris, 6. Juni. Die Militärverwaltung hat eine Anzahl Brieftauben aus Toulon nach Marokko gesandt. Dieselben sollen den Expeditionen zugeteilt werden, um eine möglichst schnelle Uebermittelung von Nachrichten nach Toulon zu ermöglichen. Hd Paris, 6. Juni. Wie nunmehr mitgeteilt wird, erfolgte die Anzeige des Aufenthalts der Familie Humbert seitens des spanischen Anwalts Catarelo, weil der Sohn desselben sich in Fräulein Eva Humbert verliebt hatte und dieselbe absolut heiraten wollte. Leidenstoffe#s. Marter portchel. 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Juni 1903. Der Amtmann: Graf Haslingen. den 7. Juni kr., 3 Uhr anfangend, feiert das ier Erziehangshaus Lwickede in gewohnter #in Jahresfest. #uer: Past. Prein=Meth#Last. Böckmann=Apler= Pröbsting=Camen. #et herzlich ein Kuratorium. ce S 8 Gereinige eingeschriebene Hülfskasse, feiert am Sonntag, den 14. Juni ds. Js. Räumen des Schützenhofes ihr diesG V Mash baf“! hh. W. Quadbeck.) #tag, den 7. Juni: kungenragont.: prika=Ragout. geschlossen in den Raumen des Schahrahe fP chr ones. jähriges —„ Prisrn Dest nach folgendem E Programm: Ss Nachmittags 2 Uhr: Antreten der im Vereinslokale. E punkt 3 uhr: Festzug durch die Stadt. 8 Herast: S Grosses Konzert S und Volksbelustigung. S Auflassen eines Riesenluftballons. Abends 8 Uhr: s Beginn des Festballes. s — K Lämtliche Meister u. Arbeitgeber der Stadt Se sind hierdurch freundlichst eingeladen. E Richtmitglieder, welche Handwerker sind, durch MitS glieder eingeführt werden. S Der Vorstand. Das Fest-Komitee. H K28 Bahnnofstrasse 27. X * Dem geehrten Publikum von Schwerte und# K Umgegend zur gefl. Nachricht, daß ich neben meinem#8 K Kolonialwaren= u. Drogengeschäft ein 2 Der I. und II. Grasschnitt auf den Wiesen und Weiden des städtischen Wasserwerks Donnerstag, den 11. a. auf den Wiesen unterhalb des Forsthauses Schwerte an der Röhrenstraße: Zusammenkunft am Schwerter Forsthause. b. auf der Liethe: Vormittags 11 Uhr. Zusammenkunft auf der Pumpstation c. auf den Weiden unterhalb der Pumpstation Nachmittags 3 Uhr. Zusammenkunft daselbst. Dortmund, den 4. Juni 1903. Die Verwaltung des städtischen Wasserwerks. Gras Verkauft. den 13. Juni cr. und zwar: nachmittags 5 Uhr den ersten hofe, sodann in der Pastoratwiese am Mühlengraben, nachmittags 6 Uhr in der Oelkamps= u. mann's Wiese am Ostenthor. Montag, den 15. Juni, in den städtischen Wiesen und zwar nachmittags 5 uggzezg, Tao gre zeich (beide Schnitte), nummerweise meistbietend an Ort und Stelle. Hohenschwert. Paula Purscher, Schwerte Hagenerstr. 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Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“ 36. Jahrgang. Die Arbeiter=Versicherung hatte bisher immer noch eine Lücke. Die Krankenkassen waren, obschon ihnen die Gewährung einer längeren Erst langere Zeit nachher sagte auch sie sich: Wie sonderbar, daß Du ihn nicht fragtest! Wie seltsam, daß er Dir nichts von sich und Anita sagte! Nach und nach wurde sie ruhiger, aber eine tiefe #eligkeit blieb in ihrem Herzen zurück.—— Als sie zu Anna kam, fand sie diese die Todesanzeige Hildes lesend. Aber auch jetzt zeigte Anna die Ulla so unWoche war eine Lücke, deren Vorhandensein von manchem Arbeiter schmerzlich empfunden worden war. Man war schon lange bemüht gewesen, die Lücke auszufüllen. ist dies Ziel erreicht. Die Novelle zum Krankenversicherungsgesetze, die die Lücke beseitigt, ist Gesetz den. Die zu ihrer Ausführung notwendigen ußnahmen haben schon Geltung erlangt, ihre materiellen Bestimmungen werden mit dem 1. Januar 1904 in Kraft treten. Vom letzteren Zeitpunkte ab wird also die Arbeiterversicherung in Deutschland lückenlos sein. Wenn man auch über die Zweckmäßigkeit der Einbringung einer Novelle zum Krankenversicherungsgesetze in der verabschiedeten Form verschiedener Meinung sein kann, so wird man doch überall in Deutschland die Erreichung dieses Zieles mit über den Rotälen, Ze. „Leontine sagte es „Was erfuhrst Du sonst noch, Ulla?“ Alles, was diese von Fritz erfahren, erzählte sie. Es schien ihr richtiger, Anna jetzt gleich alles zu sagen. Der Begegnung tat sie mit keinem Worte Erwähnung. Die war ihr wie ein heiliges Geheimnis. Anna hörte still zu und ging schweigend auf und ab. Endlich blieb sie vor Ulla still stehen und sagte: „Ulla! Es klingt vielleicht abscheulich— aber— ich bin wie befreit, daß Hilde mir nicht mehr begegnen kann, niemals! Hans ist mir wie ein geliebter Gestorbener, ich trauere um ihn, wie man um Tote trauert, die lange schon begraben sind. Hilde stand aber immer lebendig vor meinem Geiste. Ich sah sie so oft vor mir mit ihren mich! nun ruht mit dem schen dauschan““ dech Stela dachend. Es war ihr natürlich nicht ernst damit— aber sie warteten lange ziemlich erregt auf Ullas Rückkehr. Ulla kam aber noch immer nicht——— Als sie in den Salon trat, wußte sie schon, wen sie Ader pie tam Fris dazu, sie hier aufzuischenz.. befremdlich erschien, wenn sicher, verlegen trat sie ein. Vor seinem Bliak verst ostvol bertonten Mohnung) ober,„IJch mußte Dich piedersechen, ullal Ich habe die Die große Hauptsache? Sie sah ihn beklommen an. „Man hat mir nämlich erzählt, Du wollest Wolzin heiraten, Ulla. Ich habe kein Recht, Deine Absichten zu durchkreuzen— aber sieh, Ulla, wie ich Dich kenne, könntest Du jetzt denken, es sei Deine Pflicht, dem Manne os zue haten.(tootickzung solcht) die Zeit zu sein, in der er aus der Krankenkassenfürsorge etwa herausgekommen und in die der Invalidenversicherungsanstalten noch nicht hineingekommen wäre. solche Zeit wird es vom Beginn des nächsten Jahres ab nicht geben. Das stolze Gebäude der deutschen Arbeiterversicherung weist jetzt keinen Fehler mehr auf. Wei dem aber so ist, so dankt die deutsche Arbeiterschaft ihre Sicherstellung in den Notfällen des Lebens in erster Reihe den Hohenzollern und den königstreuen Parteien. Kinder verlassen müssen!“ Die geschiedene Frau starrte sie mit großen Augen an. Die Kinder! An die hatte sie noch gar nicht gedacht. O, die Kinder! Wie selig wäre sie gewesen, ein Kind zu haben! Nun kam ihr doch Mitleid mit Hilde. Und er— was fing er mit den Kindern an? Ach, er mußte sie in Mietlingshänden lassen. Die Kinder! Die armen Kleinen! Die mutterlosen Waisen! Ulla wurde gerufen. Ihr Vater war gekommen, sie Anna wollte sie nicht fortlassen. Ich Taktik eingeschlagen hat, so hat sie es doch nur getau, weil)““) Solsaßen sie stundenlang im Wohnzimmer Wolzins, sie sich dem Zwange der Tatsachen fügen mußte. In der meist bewußtlos vor sich hindämmerte. Ullas VerWirklichkeit haben die Parteien, welche die Sozialdemo= ehrer, Doktor von Reuter, kam um neun Uhr noch einmal kratie bekämpfen, dem deutschen Arbeiter zu den Annehm= sind erschreckte sie durch sein Benehmen heute geradezu. lichkeiten ,verholfen, die ihm die deutsche Arbeiterversicher= atte sie achtlos seine Liebe wachsen lassen bis zu dem ung gewagrt, Taran sollten die deutschen Arbeter auchl Hate sie achzloß, bei den bevorstehenden Reichstagswahlen denken. Eine Geldheirat. Roman von L. Haidheim. (60. Fortsetzung.) Fritz sah sie ebenso überrascht an, wie sie ihn, verlegen lächelnd und doch in den Augen etwas wie ein Aufleuchten der einstigen Schelmerei.„Wie schön war das!“ luisterte er.., S. muß nach Hausel“ rief usla Ich muß fort: Ich muß nach Hausen cies Ulla In einiger Entfernung fuhr eine leere Droschke vorüber. Fritz pfiff sie heran und der Kutscher hielt sofort. „Ulla! Liebe, teure Ulla! Wir sind also doch noch gute Freunde? Wir sind einander nicht entfremdet! O, ich wußte es ja!“ sagte er dann ganz mit der alten Zärtlichkeit zu ihr. Sie nickte nur; er sah, sie hätte beim ersten Wort weinen müssen. Sie war sehr bleich geworden. So küßte er ihre Hände und sah ihr tief in die Augen. O Gott! Diese seine Augen, die ihr einst das ganze Erdenglück ausstrahlten und die sie so lieb hatte. „Liebe, liebe Ulla!“ stammelte er immer wieder, während er sie in den Wagen hob. Dann sah er demselben nach und schlug sich plötzlich mit der Hand vor die Stirn. „Wir haben ja kein Wiedersehen verabredet!“ Und dann fiel ihm noch eine Menge anderes ein, was er sie hätte fragen sollen. v M Ueber Ulla kam es, sobald sie allei war, wie eine unbeschreibliche Erschütterung. Freude und Schmerz putte sie achtlos seine Liebe, wachser. Lest g#. Punkt, wo ein Gestandnis oie nächste Foige ist: Anna sagte keine Silbe darüber, als er fort war; merkte sie es nicht, wollte sie Ulla unbeeinflußt gewähren lassen? Anna war sehr still und schweigsam, aber sie ließ Ullas Hand kaum los und Ulla dachte nur zu gern an ihr schönes Am anderen Morgen erklärten die Aerzte beim ersten, sehr frühen Besuch, Wolzins Krankheit nehme eine güntige Wendung.. zsts uf Mur Nuns fastDas ganze Haus atmere auf. Nur Anna sagre entschieden:„Ich wußte, daß er am Leben bleibt!“ Nun weinte sie aber doch vor Freude und lag lange auf den Knieen vor dem Bett des Vaters, horchte auf die tiefen Atmezüge und offenbarte in ihrem ganzen Wesen erst jetzt ihre Liebe zu ihm. Stella und Leontine kamen mittags zu Besuch. Sie wußten schon wieder schlimme Neuigkeiten. Die Frau Oberstleutnant hatte depeschiert, Therese Kantrupp, die zweite der ältesten Schwestern, möchte doch kommen, sie abzulösen, sie könne ihren kranken Mann nicht länger allein lassen. Therese war aber krank, die Braut weilte bei den Schwiegereltern, die„Kleinen“ waren zu jung. Ganz erregt redeten sie von der Hilflosigkeit des Witwers und auch Anna sprach mit, wie sie früher nie getan. Ulla saß nachdenklich daneben. Sie wußte wohl, wie hier geholfen hätte werden können. Da trat der Diener ein und brachte ihr eine Karte. Er habe den Herrn Offizier in den Salon geführt, sagte flammend rot sprang Ulla auf und lief hinaus. Die Zeitgemaße Betrachtungen. „Wellen!“ Der Mensch mit seiner Strebsamkeit Treibt rastlos fort im Strom der Zeit, Doch ist trotz aller schönen Ziele Abhängig er vom Wellenspiele. Wir werden auf der Lebensfahrt Umspült von Wellen aller Art, So kennt man schon aus alten Fällen Des Meeres und der Liebe Wellen! Doch gibt's auch Wellen andrer Art, Die neuerdings man oft gewahrt. Luftwellen, die das Luftschiff schaukeln, Schallwellen, die das Ohr umgankeln, Auch andre Wellen sind noch da, Hitzwellen von Amerika, Die man in neurer Zeit entdeckte, Wodurch man wenig Freude weckte! Seit sie„entdeckt“, wie sonderbar, Erkennen wir in jedem Jahr, Was wir Amerika verdanken! Die Hitze kennt nicht Maß und Schranken, Sie stürmt ins Land herein wie toll Und zahlt nicht einmal Eingangszoll, Der Zolltarif kann sie nicht fassen, Wir müssen sie passieren lassen! Die heiße Welle tut nicht gut, Sie schafft natürlich heißes Blut, Nun gibt's auch bei der Wahlbewegung Hitzwellenartige Erregung, Die Gegner schlagen auf sich ein, Es steht der Hader der Partei'n So„schön“ wie nur zur Wahl in Blüte Und Frieden weicht aus dem Gemüte! Doch unten beim Bulgarenstaat Erreicht die Hitz' den höchsten Grad, Es herrscht an dieser krit'schen Stelle ’ne ganz besonders heiße Welle, Notwendig wäre dort einmal Ein starker, kalter Wasserstrahl, Man dämpft derart'ge Siedehitze Am besten mit der Feuerspritze! Hitzwellen lieb ich gar nicht sehr, Tonwellen aber desto mehr. Tonwellen, die uns Lieder bringen Und die harmonisch weiter klingen. Vielstimmig braust im Wettgesang Des deutschen Liedes heller Klang, Tonwellen rauschen an dem Maine Und Frankfurt glänzt im Frühlingsscheine! Doch wenn der Sänger wacker sang, Hat er verdient auch guten Trank, Das hat uns Goethe schon bewiesen, Drum wird sein„Sänger“ stets gepriesen. Wenn leis verhallt der Wettgesang, Dann winkt von fern der Festestrank, Des Bierstroms Wellen rauschen weiter, Sie hassen Trockenheit! Ernst Heiter. Er war sicher mit ihr)., Zie sprachen sehr lebhaft darüber und die 6962 Woort 99ccn, J0 waren heimlich erstaunt, aus Annas Ruhe zu erkennen, st fühlei zu durfen., v#,##.# doch wohl das Gerucht, Wolzin und Ulla wurden sich verloren: Aber in seinen, heirgten, damals nicht wahr gewesen. „Ich renne Reuter— könnte ich nicht einmal ein bisrano nicht das, was er gehofft., o; 4 bären al versprochen, denn ach, sie hätte jedes Wotr horen, aues sehen connen, ohne sich beleidigt fühley, au dürfen, In, daß dach wohl das Geruch er war verlobt— er war Ulla verloren: Aber in seinem####gten, damals nicht wahr gewesen. Herzen war sie unvergessen, sie war ihm noch heute die ge“# aung Rauter liebte, teure Ulla! Sprechsaal. (Wir bemerken ausdrücklich, daß die Redaktion für Artikel unter dieser Rubrik dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung übernimmt. Der„Sprechsaal“ steht jeder sachlichen und anständigen Meinungsäußerung offen.) An den„Ratlosen". Wen sollen wir denn wählen? Den Kandidaten der Partei, die die Interessen der Allgemein heitund damit die Interessen aller Gruppen und Berufsstände des ganzen Volkes vertritt. Das ist die christlich=soziale Partei. Was will die christlich=soziale Partei? Die christlich=soziale Partei steht fest auf dem oden des Christentums, weil nur von diesem die sittlichen und religiösen Kräfte ausgehen können, welche ein Staatswesen zusammenhalten. Christliche Grundsätze sollen nicht nur maßgebend sein für das Leben des einzelnen, sondern auch für das Zusammenleben des ganzen Volkes. Ganz besonders ist für die Herstellung des schwer gestörten inneren sozialen Friedens die hingebende Betätigung christlicher Brüderlichkeit und Nächstenliebe unentbehrlich. Die christlich=soziale Partei erachtet die kraftvolle, zielbewußte Fortführung der Sozialreform als die dringendste Aufgabe der Gegenwart für Regierung und Volksvertretung. Die christlich=soziale Partei stehttreuzu Kaiser und Reich und wird alle Maßnahmen der Regierung, den Bestand des Vaterlandes und die friedliche Entwickelung auf allen Gebieten der Kultur zu sichern, sowie die Ehre und das Ansehen des deutschen Namens unter den Völkern zu wahren, freudig unterstützen. Sie verlangt aber, daß die nötigen Geldmittel vorwiegend von dem leistungsfähigsten Teile des Volkes aufgebracht werden. Die christlich=soziale Partei tritt ein für den Schutz und die Förderung aller ehrlichen deutschen Arbeit in Stadt und Land, besonders für die Hebung der arbeitenden Klassen und für die Kräftigung des Mittelstandes. Sie will auch allen schaffenden Ständen: der Landwirtschaft, der Industrie und dem Handwerk dienen. Die christlich=soziale Partei bekämpft deshalb alleunchristlichen und undeutschen Einrichtungen, welche den inneren Zusammenbruch und den äußeren Umsturz herbeiführen. Insbesondere richtet sie ihre Waffen gegen den falschen Liberalismus und die drückende Kapitalsherrschaft, gegen das übergreifende Judentum und die revolutionäre Sozialdemokratie. Die christlich=soziale Partei ist gegen jede Einschränkung des allgemeinen gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts u. des Koalitionsrechtes der Arbeiter. Die christlich=soziale Partei vertritt mit Entschiedenheit die Interessen des Arbeiterstandes, aber auf königstreuer und christlicher Grundlage mit Gerechtigkeit und mit erreichbaren Mitteln. Das will die christlich=soziale Partei. Ein Christlich=sozialer. Aus Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 5. Juni. Das Vergnügungsetablissement Walhalla in der Rheinischen Straße wurde in ein Aktienunternehmen verwandelt, der notarielle Akt wurde gestern vollzogen. Das Grundkapital beträgt 1 Million Mark, davon hat die Aktienbrauerei 300000 Mark an erster Stelle gegeben. Dem Aufsichtsrate gehören an der Kaufmann Marcus, der frühere Hotelier Birkenfeld und der Kaufmann Birkner. Die Direktion behält Max Benkhoff. * Hagen, 5. Juni.(Ein Bubenstreich.) Der hiesige Metzgermeister P. B. hatte sich seinerzeit in einer Wirtschaft über den Iserlohner Streik unterhalten und seine Aeußerungen waren entstellt in der Elberfelder „Freien Presse“ wiedergegeben worden. Er reagierte nicht weiter darauf, allein nach wenigen Tagen brachte das genannte Blatt einen Brief des Genannten, der von orthographischen Fehlern wimmelte, klobig abgefaßt war und den Verfasser des Schreibens öffentlich lächerlich machen mußte. Dieser Brief ist, wie P. B. bis zur Evidenz nachgewiesen hat, eine raffinierte Fälschung, wie das auch von dem Elberfelder Blatte erklärt worden ist. Die Sache ist der kgl. Staatsanwaltschaft übergeben worden und sind die Recherchen nach dem Fälscher eifrig im Gange. Die Schrift ist die eines Schulkindes, dem der Brief wahrscheinlich diktiert wurde. Herr B. hat 200 Mark für Entdeckung des Täters ausgesetzt. * Haspe, 5. Juni. Bei dem gestrigen Gewitter schlug der Blitz auch in den auf der benachbarten Hesterthöhe errichteten Kaiser Friedrich=Aussichtsturm ein. Die Treppe des Turmes wurde zerstört, außerdem wurde an dem Turm soviel Schaden angerichtet, daß an ein Besteigen desselben vorläufig nicht mehr zu denken ist. * Essen, 5. Juni. Die Firma W. Giradet macht bekannt, daß jedem männlichen Angestellten, der 3 Jahre bei der Firma tätig war, in jedem Jahre ein Urlaub von 8 Tagen bewilligt wird. In diesen 8 Tagen erhalten die Beurlaubten ihren vollen Lohn. Es wird jedoch zur Bedingung gemacht, daß der Betreffende nicht in diesen 8 Tagen arbeiten darf und diese Zeit auswärts und in gesunder Luft verbringen muß. * Siegen, 5. Juni. Auf Grube Eisernhaardter Tiefbau bei Eisern kam heute vormittag der Bergmann Schneider aus Osthelden ums Leben, indem sich plötzlich bei seiner Arbeitsstelle ein Schuß entlud und ihn auf der Stelle tötete. Ein neben dem Verunglückten arbeitender anderer Bergmann wurde am Kopfe schwer verletzt. Wie der Schuß zur Entladung gekommen ist, konnte noch nicht festgestellt werden, doch wird angenommen, daß Sch. beim Bohren auf ein altes Bohrloch geraten ist, worin noch ein Schuß gesessen hat. * Löhne, 5. Juni.(Ertrunken.) Hier ertrank beim Baden in der Werre der 15jährige Schneiderlehrling v. Oepen, gebürtig aus Herne, im Dienst beim Schneidermeister Bringewatt zu Overnbeck. Laut der „W. Ztg.“ fand man erst nach vierstündigem Suchen seine Leiche. * Ruhrort, 5. Juni. Auf den hiesigen Hafengeleisen verunglückte gestern nachmittag der Arbeiter Spielske tötlich, indem er beim Zusammenkuppeln zweier Eisenbahnwagen zwischen die Puffer geriet. ** M. Gladbach, 5. Juni. Ueber die Familientragödie, die wir gestern kurz meldeten, brachten wir noch folgendes in Erfahrung: Der Gattenmörder und Selbstmörder Matthias Hohnen war früher Maurer, arbeitete jedoch schon seit längeren Jahren nicht mehr, weil er angeblich kurzatmig und lungenkrank war und deshalb auch Invalidenrente bezog. Er hatte früher einmal bessere Tage gesehen, da er eine Erbschaft von amerikanischen Verwandten erhielt, die er aber bald durchbrachte. Er heiratete dann eine Witwe Peters, deren Mann bei einem Bau verunglückt war und die fünf Kinder hatte. Diese eingerechnet, hatte das Ehepaar jetzt 12 Kinder, wovon das jüngste 3 Jahre und das älteste 18 Jahre alt ist. Das Geld, das die älteren Kinder verdienten, nahm der Vater stets an sich und brauchte es, um Schnaps für sich zu kaufen. Schon seit vierzehn Tagen war in der Familie nichts Warmes mehr gekocht worden, offenbar, weil die Frau kein Geld erhielt. Es scheint, daß der Mann sich schon länger mit Gedanken an die grausige Tat getragen hat. Am Pfingstmontag muß er sich eine Pistole gekauft haben, womit er aus dem Fenster schoß. Am Dienstag drohte der Mann, ein großer, starker Mensch, vor dem sich alle Hausgenossen— in dem Hause wohnen noch vier andere Familien— fürchteten, er werde seine Frau mit dem Brotmesser totstechen. In der ganzen vergangenen Nacht und heute vormittag hörten die Zänkereien zwischen den Eheleuten nicht auf. Plötzlich hörten die Hausbewohner heute nachmittag um ½2 Uhr im Schlafzimmer der Eheleute einen Schuß fallen und gleich darauf ein fürchterliches Geschrei der schwächlichen Frau. Keiner wagte jedoch, das Zimmer zu betreten. Sodann fielen kurz hintereinander noch zwei Schüsse. Als man dann in das Zimmer drang, fand man bereits beide tot. Die Frau muß nach dem ersten Schuß hinter das Bett geflüchtet sein, wo sie noch als Leiche in zusammengekauerter Stellung hockte. Der Mann hat sich offenbar nach dem Mord auf das Bett gelegt und sich dort erschossen. Er lag mit blau aufgedunsenem Kopf im Bett. Die Kugeln waren bei beiden in die Brust gedrungen. Vor dem Hause standen den ganzen Nachmittag über viele Hundert Menschen. * Oberhausen, 5. Juni. Ein interessanter Rechtsstreit steht unserer Stadt bevor. Am 2. Osterfeiertag fiel der hier auf Urlaub befindliche Soldat Lanius aus einem Wagen der elektrischen Straßenbahn und erlitt derartige Verletzungen, daß er für dienstuntauglich erklärt wurde. Er befindet sich noch im Lazarett zu Wesel. Der Vater des Verunglückten will nun die Stadt, die Eigentümerin der Straßenbahn, auf Schadenersatz verklagen. * Köln, 5. Juni. Das Feuer, das vor einigen Tagen in Ehrenfeld vier Häuser, sowie ein Holzlager vernichtet, ist, wie sich jetzt herausgestellt hat, von zwei Schulknaben angelegt worden. * Hennef a. d. Sieg, 5. Juni. In Striefen wurde ein Ziegelarbeiter erstochen aufgefunden. Als der Tat dringend verdächtig ist der Bruder des Ermordeten in Haft genommen. Der Verhaftet soll mit der Frau des Erstochenen ein unerlaubtes Verhältnis unterhalten haben. * Trier, 5. Juni. Während eines Streites wurde im benachbarten Oberemmel der Unteroffizier Reinert durch Messerstiche schwer verletzt. Reinert, der in Oberemmel bei einem längeren Marsche einquartiert war, hatte einem beurlaubten Infanteristen den Urlaubspaß abverlangt, worauf er von den Bauernburschen des Dorfes überfallen und tötlich verletzt wurde. und Sport. X(Schonzeit) haben im Juni folgende Wild=, Geflügel= und Fischarten: Elchwild, männliches und weibliches Rot= und Damwild, Wildkälber, weibliches Rehwild und Rehkälber, Dachs, Enten, Trappen, Schnepfen, wilde Schweine und alles andere Sumpf= und Wassergeflügel mit Ausnahme der wilden Gänse und Fischreiher, Rebhühner, Auer=, Birk= und Fasanenhennen, Haselwild, Wasteln, Hasen. Bis zum 14. Juni dauert die Schonzeit für Fische in nicht geschlossenen Gewässern. Vom 1. Juni bis Ende August dauert die Schonzeit für Auer=, Birkund Fasanenhähne. Vermischtes. *(Ueber ein neues Gewürz) wird dem in Hannover erscheinenden Fachblatt für den Handel in Material= und Kolonialwaren„Der Materialist" aus Elberfeld folgendes artige Geschichtchen mitgeteilt:„Führen Sie Idol?“— Mit diesen Worten tritt eine junge Dame in den Laden eines Elberfelder Kolonialwarenhändlers. —„Bedaure, nein, Sie meinen wohl Odol, mein Fräulein.—„O nein. ich meine Idol, das neue Gewürz.— „Kenn' ich nicht, damit kann ich nicht dienen.— Mit einem etwas mitleidigen„Sooo" verläßt das Fräulein den Laden. Am folgenden Tage erscheint eine vornehm gekleidete ältere Dame. Sie trägt ein kleines Papierbeutelchen in der Hand.—„Haben Sie dieses Gewürz?“— Damit überreicht sie dem Geschäftsinhaber die bedruckte Düte. Er liest: Idol.—„Meine Gnädige, ich habe gestern zum erstenmale von Idol gehört, aber ich führe es nicht.—„Das begreife ich nicht,“ sagte die Dame.„Ich habe es doch schon in Hagen, Dortmund, Witten usw. gekauft. Wir sind hierher versetzt worden und haben uns so sehr an das neue Gewürz gewöhnt. Adieu.— Am nächsten Tage liest man in den Tagesblättern:„Was ist Idol? Idol ist ein neues, naturreines Edelgewürzpräparat.“... Es folgt ein Loblied auf seine vorzüglichen Eigenschaften. Der Kolonialwarenhändler denkt schon darüber nach, ob er nicht gut daran täte, sich den Artikel zuzulegen. Einglückliches Geschick kommt ihm dabei zu Hilfe.—„Mein Name ist X. aus Frankfurt a. M.,“ sagt ein eintretender eleganter Herr, indem er höflich seinen Zylinder senkt und auf den Geschäftsherrn an der Kasse zutritt.„Ich bin der Fabrikant eines neuen, sehr beliebten Gewürzes, Idol genannt. Es wird schon überall geführt und nachbestellt. Idol vereinigt die guten Eigenschaften vieler anderer Gewürze. Hier sind Gutachten darüber und hier die Urteile der Presse... Mit Anzeigen haben Sie nichts zu tun, das besorge ich alles; ich mache die Namen der Geschäfte, die meinen Artikel führen, regelmäßig in den Zeitungen bekannt. Der Artikel wird riesig gefragt....“ Der feine Herr mit dem Zylinder zieht nach wenigen Minuten mit einem Auftrage in der Tasche von dannen. Noch am selben Tage kommt ein Dienstmann mit einer quittierten Rechnung und überbringt das Paket mit Idol. Er steckt das Geld befriedigt ein und bemerkt mit Würde, daß Herr X. ihm die Vertretung und eine Hauptniederlage für Idol versprochen habe. Das macht die Sache bedenklich, aber da die Ware nun einmal bezahlt ist, so wandert Idol neben dem Reklameplakat dazu ins Schaufenster. Nachdem es dort mehrere Wochen gelegen, ohne daß jemals eine Nachfrage danach eingetreten ist, und nachdem auch die Zeitungen kein Wort mehr über Idol gebracht, schreibt unser Gewährsmann kurzerhand an Herrn X. nach Frankfurt:„Wenn ich nicht binnen acht Tagen wieder im Besitze meines Geldes bin, werde ich Ihr Idol nebst den gedruckten Attesten usw. der Staatsanwaltschaft übergeben, denn die Untersuchung hat ergeben, daß Idol nichts weiter ist, als ein Gemisch von Salz und Pfeffer. Nach wenigen Tagen trifft wirklich das Geld ein und Herr X. bittet höflichst, um„postlagernde“ Rücksendung der Ware nach Dresden. Damit endet die Geschichte vom Idol. *(Besteuerung des Körpergewichts.) Man schreibt den„M. N. N.“ aus Stockholm: Ein Setuerobjekt, welches unfraglich den Vorzug hat, einem tiefempsundenen sozialen Bedürfnisse abzuhelfen, ist von der Kommunalbehörde eines südwestlichen Städtchens ernsthaft in Erwägung gezogen worden. Der Vorschlag bezweckt nämlich nichts mehr oder minder, als eine steuermäßige Belastung solcher Gemeindeinsassen beiderlei Geschlechts, welche durch allzu ausgiebig entwickeltes Embonpoint den greifbaren Beweis zur Schau stellen, daß ihre günstige Lebenslage einen besonderen Aderlaß im steuerfiskalischen Interesse gerechtfertigt erscheinen läßt. Der Entwurf der neuen Steuervorlage ist so menschenfreundlich angelegt, daß jeder einzelne Bürger, der sich der Gabe eines wohlgerundeten Schmerbäuchleins erfreut, genau nach der ziffernmäßigen Gewichtsmenge des letzteren seine„Selbstdeklaration“ vollziehen kann. Als steuerfreies Normalgewicht gilt solchergestalt ein„Volumen“ von 60 Kilogramm. Auf der Staffel zwischen 60 und 90 Kilogramm erfolgt alsdann der niedrigste Steuerumsatz im Betrage von 10 Kronen(= 12 Reichsmark). Ueber 90 Kilogramm hinaus bis zu 120 Kilogramm wird das Doppelte des Einheitspreises berechnet, und sollte sich gar jemand erdreisten, seine körperliche Gewichtsmenge über das letztgenannte Maximum zu vermehren, so verfällt er unweigerlich der dritten und höchsten Steuerstufe, welches für jedes zehnte Kilogramm einen Extrazuschlag von 20 Kronen festlegt. In der offiziellen Begründung des Steuerantrags wird hervorgehoben, daß es zweifellos als„Anzeichen einer mit den sittlichen Anforderungen unserer Zeit unvereinbaren Ueppigkeit in der allgemeinen Lebensführung“ angesehen werden müsse, wenn sich jemand mit einem das normale Maß so erheblich überschreitenden Körpergewichts herumschleppe. Durch statistische Erhebungen sei festgestellt, daß das Durchschnittsgewicht eines schwedischen Arbeiters sich auf etwa 60 Kilogramm stelle. Wer dieses natürliche Maximum überschreite, gebe damit zu erkennen, daß sein wirtschaftliches Los den Existenzverhältnissen der arbeitenden Klassen um ein Erhebliches überlegen sei und deshalb auch eine angemessene Mehrbelastung vom steuermäßigen Standpunkte aus vertrage. (Spinngewebe als Kleiderstoff.) Vor mehreren Jahren konnten die Warschauer Blätter mitteilen, daß der Ingenieur Demange die merkwürdige Idee gehabt habe, Spinnen zu züchten. Er verließ bald darauf Warschau, um Direktor einer Fabrik in Barcelona zu werden. Dieser Tage nun erhielten seine Verwandten in Warschau zwei Stücke prachtvollen Stoffes aus Spinngeweben. Es erweist sich, daß die Züchterversuche des Herrn Demange zu guten Resultaten geführt haben. Der hellbraune resp. schwarzgefärbte Stoff zeichnet sich durch Leichtigkeit und Glanz aus. *( A u c h e i n e R e k l a m e.) E i n H a u s e i n s t u r z i n B o m bay, bei dem vier Männer, darunter ein Korporal der Artillerie und ein Matrose ihren Tod fanden, hat recht sensationelle Folgen gehabt. Wie sich nämlich jetzt herausstellt, war das Gebäude erst kurze Zeit vordem von der „Gesellschaft für verbesserten Häuserbau" fertiggestellt worden, einer Gesellschaft, die durch ihre Propaganda den Bau leichter und lebensgefährlicher Häuser in Bombay bekämpft. Sie wird sich nun selbst vor Gericht zu verantworten haben. 7. Juni: Wolkig, mit Sonnenschein, normal temperiert. Für den redaktionellen Teil verantwortlich Wilh. Schade. Veranntmachung. Die Revision der Quittungskarten für die Altersund Invalidenversicherung beginnt in dem diesseitigen Bezirk voraussichtlich am 8. Juni er. Ich mache dieses mit der Aufforderung bekannt, Quittungskarten, Aufrechnungsbescheinigungen, GesiindeDienstbücher usw. zu dieser Revision bereit zu halten, um sie dem revidierenden Beamten auf Erfordern vorzeigen zu können. Arbeitgeber wie auch Versicherte werden in gegebenen Fällen in Gemäßheit des§ 161 des Reichsgesetzes vom 13. Juli 1899 durch Ordnungsstrafen bis zu 300 Mark zur Aushändigung der Karte angehalten. Wellinghofen, den 3. Juni 1903. Der Amtmann: I. V. Der II. Amtsbeigeordnete Lueg.