Insertionsgebühr für lokale Anzeigen, die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., außerhalb 15, Reklame=Zeile 40 Pfg., Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte, Fernsprech= Anschluß Nr. 62. Amt Schwerte. Telegr.=Adresse Braus, Schwerte=Ruhr. Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche Kraft. Abonnementspreis pro Quartal 1 Mart 65 Pfg. excl. 42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“ Aimrüches Rreseicht 2to, S.(1. Piatt.) Politischer Wochenrucblia. Pessimistische Leute runzeln angesichts des Jahresbeginnes die Stirn; die Sache kommt ihnen verdächtig vor. Und wie der Landmann meint:„Januar warm— daß Gott erbarm!“, so fürchten sie auch, daß 1903 Dinge ergeben könnte, die uns noch weniger gefallen wollen, als die Ereignisse von 1902. Aber wir wollen doch nicht gar zu tristen Gedanken nachhängen, es hat Zeit damit, bis es wirklich soweit ist. Es ist ja erklärlich, daß das InfluenzaWetter, welches die allerletzten Wochen dem größten Teil von Deutschland zu spenden beliebten, eine verdrießliche Laune beschert, aber nachdem nun schon wieder aus einzelnen Gebieten Anzeichen sich einstellen, daß das rechte Winterwetter zur rechtenZeit doch wohl noch kommen wird, können wir auch in besserer Stimmung erwarten, daß uns rechte, wenigstens größere als 1902, Annehmlichkeiten beschert sein werden, wenn nur erst die Wochen und Monate des Jahres in richtigen Fluß kommen werden. Für die anhebende Karnevals=Saison geht es wohl verschiedentlich noch ruhig genug zu; aber das ist kein schlechtes, sondern ein gutes Zeichen, es erzählt von neugewonnener Ueberlegung, die in dem vorjährigen Jahrzehnt gerade zur Zeit, als sie am besten gebraucht wurde, mitunter in die Brüche gegangen war. Daran ist viel zu wenig im deutschen Reichstage während der Wochen vor dem Weihnahtsfeste gedacht, es würde sonst der Trubel von damals wenig angebracht erschienen sein. Auch die idealste Politik kann nicht alles machen. Jeder schläft, wie er sich bettet. Doch keine Nachgedanken, sehen wir lieber der Zukunft vertrauensvoll entgegen! Die Handelsvertragsverhandlungen kommen! Gewiß, in manchem ausländischen Staat schlägt man recht geräuschvoll auf die Tasche, um demonstrativ zu beweisen::„Uns kann keiner!“ Und töricht wäre, wer sofort die Flinte ins Korn würfe! Aber für einen kaltblütigen Mann, der genau hinhört, kann es kaum zweifelhaft sein, daß es bei diesem Schlagen auf die Tasche mehr klappert, als klingt! Das braucht man ja den verehrten Herrschaften draußen nicht gerade ins Gesicht zu sagen, es will am Ende doch jeder sein Vergnügen haben, aber man kann sich sein Teil denken! Dem Deutschen steht es heute gut an, zuversichtlich zu sein, denn wenn wir auf die Tasche schlagen, dann klingt es immer noch. Am Ende nicht ganz so laut, aber es klingt. Und darauf kommt es an. Nächste Woche kommt der Reichstag wieder. Er hat aus der Zeit vor Weihnachten beim deutschen Volke ja nicht gerade einen besonderen Schinken im Salz, aber das kann sich im neuen Jahre ändern. Es ist auch ganz zweifellos, daß genug und übergenug geredet werden wird, wie schlecht es gerade mit dem deutschen Vaterlande heute bestellt ist, aber am Ende kann jeder ehrenwerte Mann nachprüfen, wie er sich in seiner eigenen Haut fühlt, und dann wird keiner von all den schlimmen Reichstags=Propheten es wahr machen und sich jenseits unserer Grenzen ein behagliches Plätzchen suchen. Man weiß ja zudem, daß diejenigen Wohnungsmieter, die am lautesten auf ihr Gelaß schelten, dort am längsten aushalten, und so geht es den betreffenden Reichstagsherren auch. Wenn ihre Wähler ihnen einmal frank und frei heraussagen würden: Schön, wir wollen auswandern, und Sie, geehrter Herr, spielen Sie, bitte, unseren General!“, dann würde die Antwort sein:„So eilig ist es ja gerade noch nicht!“ Also, die Probe auf das böse Exempel, die ist es, welche nicht stimmt, und darauf kommt es an. Der neue Reichshaushalt bringt mancherlei an neuen Ausgaben für die deutsche Wehrkraft, was bei den heimischen Finanzen nicht mit Triumphgeschrei ausgenommen werden wird. Indessen darüber läßt sich reden. Aber man soll dabei nicht gleich das Kind mit dem Bade ausschütten und von unerträglichen Forderungen reden. Auch der schönste Redner im Reichstage hat sich noch nicht den leisesten Zweifel erlaubt, daß auch alle die Ausgaben für die Vaterlandsverteidigung wirklich in bar gemacht werden. Und wer hat davon das meiste? So viele Industriebranchen mit ihren Arbeitern. Unsere großen Kriegsschiffe sind uns doch nicht einfach zu Weihnachten beschert, sondern Tausende von Arbeitern sind dabei tätig, und keiner von diesen allen arbeitet umsonst. Wir wünschen Sparsamkeit, aber würde sie wirklich im strengsten Maße geübt von rechts wegen, dem kleinen Manne erginge es am übelsten. Im übrigen braucht niemand daran zu zweifeln, daß der heutige Reichstag schon so viel wie möglich aufpassen wird. Aber auch der Wähler soll aufmerken, daß jetzt, im letzten Sitzungsabschnitt vor den allgemeinen Neuwahlen, kein Volksvertreter unwidersprochen mit Behauptungen sich breit machen kann, die den tatsächlichen Verhältnissen des praktischen Lebens widersprechen. Große Politik erfordert einen hohen Geist, aber über die Zustände im Wirtschaftsleben kann jeder mitsprechen, der die Arbeit seine Ehre nennt und der sie kennt! Er wird, auch ohne daß an dieSchwerte, Sonnabend 10. Januar 1903. ser Stelle noch lange Erklärungen gegeben zu werden brauchen, wissen, wo uns der Schuh drückt, daß der Reichstag noch viel tun kann, ohne am Ende über die Maßen viel zu reden. Das Befinden des greisen Königs von Sachsen hat sich erfreulicherweise gebessert, erfreulicherweise ist auch über die Handlungsweise seiner Schwiegertochter, der Kronprinzessin, die wünschenswerte Einmütigkeit im Volke gesprochen. Sie hat sich selbst das Urteil gefällt, und wir meinen, der traurige Fall wird bald der Vergangenheit angehören, wofern nicht das Schicksal ein besonders herbes Wort der sühnenden Strafe spricht. Doch dem kann und darf kein Sterblicher vorgreifen. Jedenfalls hat der ernste Fall bewiesen, daß es in unseren Zeiten überall zu bessern giebt, in allen Ständen, in jedem Kreise, daß niemand ein Recht hat, sein Haupt hoch über andere zu erheben, daß nur wahrer Adel der Seele, nicht zufällige Aeußerlichkeit, die allgemeine Wertschätzung verpflichtet. Die Auflehnung gegen die Pflicht, die wir dem geringsten Manne zum Vorwurf machen, müssen wir erst recht als etwas schweres bei jedem annehmen, dem die Pflicht Gesetz sein muß. Vieles muß bei uns noch vertieft werden, auch in der Beziehung muß das Gebot eine allgemeine Beachtung erhalten, daß treue Erfüllung der Pflicht jedem eine Ehre ist. Die vorbildlichen Beispiele müssen ihren Inhalt durch Taten erhalten. Es war das bei uns selbstverständlich, und darum soll auch alles ferngehalten werden, was diese Selbstverständlichkeit durch leeren Phrasenkram ersetzen will. Mit Venezuela geht es noch im ruhigen Tempo voran; es ist keine himmelstürmende Affäre, und wir mögen auch mit diesem Gange zufrieden sein, wenn nur wirklich erreicht wird, was erreicht werden soll. Daß die Reichsregierung im Notfall ein anderes Marsch=Tempo anordnen kann, davon sind wir überzeugt. Das Weihnachtsfest wird jetzt erst in Rußland und im Orient gefeiert, aufgrund des Kalenders der griechischkatholischen Kirche, und auch dort herrscht nach der Reise des russischen Ministers des Auswärtigen, Grafen Lambsdorff,„Friede auf Erden“. Allerdings bleibt dort zu Lande, wo das Geld des Nächsten noch sehr ins Gewicht fällt, die Liebe zum Nächsten aber nur gering ist, immer die Frage offen:„Auf wie lange?“ Es giebt mehr als eine Haupstadt auf der Balkanhalbinsel, wo man von Herzen gern die inneren Schwulitäten durch die Anbändelung eines äußeren Konflikts in den Hintergrund drängen möchte, aber der Zar leidet es nun einmal nicht, und dieser Wille ist heute mehr wert, als die bekannte Bewegung der Friedens=Konferenz im Haag durch Nikolaus II. Wegen der Durchfahrt einiger russsischer Kriegsschiffe durch die neutralen Dardanellen, natürlich mit Erlaubnis der türkischen Regierung, erhoben Londoner Zeitungen viel Spektakel. Das ist aber auch alles, was sie können, und womit die Sache auf sich beruhen bleiben wird, zu weiterem ist man in Alt=England nach dem Burenkriege weder befähigt, noch gewillt. Herr Chamberlain, König Eduards Kolonialminister, redet inzwischen drunten in Süd=Afrika große Dinge von der prächtigen Zukunft der Burenstaaten unter britischer Herrschaft. Dabei hat er auch das schöne Wort gebraucht:„Wer das Geld giebt, kommandiert auch. Wenn's in Europa darnach immer ginge! Vom Edelmut eines allgemeinen Amnestie=Erlasses ist Herr Chamberlain noch immer weit entfernt. Die Politik läßt sonst im neuen Jahre noch ziemlich die sonstige Regsamkeit vermissen; das ist kein Wunder, denn überall liegen harte Nüsse zu knacken vor, und die Neigung, sich von neuem daran zu machen, ist nicht übermäßig groß. Aber mal muß es doch sein. Der deutsche Bürger hat auch 1903 keinen Anlaß, sich in eine neue Haut zu wünschen. Das Vorgehen gegen Venezuela. Berlin, 9. Jan. Nach einem Telegramm aus Carracas wurden gestern die letzten Differenzen beseitigt. Die Regierung hat sich mit allen Forderungen der Mächte einverstanden erklärt. Der amerikanische Gesandte Bowen ist bereit, jeden Augenblick nach Washington abzureisen, sobald er von der venezolanischen Regierung darum ersucht wird, um dort die endgiltigen Arrangements für die Anrufung des Haager Tribunals zu vereinbaren. Zum sächsisch=österreichischen Skandal. Von der Kronprinzessin von Sachsen wird weiter gemeldet, daß diese geneigt sei, gewisse Opfer zu bringen, um die Möglichkeit zu erhalten, hin und wieder ihre Kinder zu sehen. Es verlautet, daß alljährlich etwa zweimal eine Begegnung der Kronprinzessin mit ihren Kindern erlaubt werden würde und daß diese Begegnungen in Tirol oder Vorarlberg stattfinden würden, wohin die Prinzessin von Paris aus in zwölfstündiger Eisenbahnfahrt gelangen könnte. Die Apanage der Prinzessin soll bereits auf 50000 Mark jährlich festgesetzt sein.— Herr Giron hatte geglaubt, der Kronprinzessin von Lausanne aus häufigere Besuche abstatten zu können. Der schweizerische Anwalt der Frau Kronprinzessin drang indessen mit aller Entschiedenheit darauf, daß die Trennung des Paares eine vollständige sei, damit Prinzessin Luise ihre Entschlüsse ohne jeden Zwang fassen könne, den Giron auf sie ausübt. Die Prinzessin soll bedauert haben, daß ihr edler Freund König Albert nicht mehr lebe, dann wäre vieles anders gekommen. Politische Uebersicht. Deutschland. — Der Kaiser, der tags vorher in Hannover eintraf, jagte Freitag vormittag im Saupark zu Springe. An der Jagd, die vom Wetter begünstigt wurde, nahmen auch Feldmarschall Graf Waldersee und Landwirtschaftsminister von Podbielski teil. Nachmittags speiste der narch beim Grafen Waldersee und abends besuchte er wieder das Hofteater. Am heutigen Sonnabend wollte Se. Majestät den Hannoverschen Männergesangverein hören und die Parade über die Garnison abnehmen. Die Schulen waren auf kaiserliche Anordnung geschlossen.— Der Kaiser schoß 69 grobe Sauen. — Die Ankunft des Kronprinzen Wilhelm in Petersburg wurde für den 19. Januar angemeldet. Er wird 5 Tage dort verweilen. — Professor von Esmarch in Kiel erhielt zu seinem 80. Geburtstage am Freitag viele Ehrungen. Der Kaiser gratulierte und verlieh ihm den Kronenorden 1. Klasse. „Möge, so schließt das kaiserliche Telegramm,„durch Gottes Gnade Ihnen noch ein langer und glücklicher Lebensahend beschieden sein, verschönt durch das Bewuß sein, daß die Erfolge Ihres arbeitsreichen Lebens der leidenden Menschheit zum bleibenden Segen gereichen!" Die Stadt Kiel ernannte Herrn von Esmarch zu ihrem Ehrenbürger. — Eine Kügler=Stiftung zur Unterstützung erkrankter Volksschullehrer gedenkt die preußische Lehrerschaft zur bleibenden Ehrung des verstorbenen Ministerialdirektors Kügler ins Leben zu rufen. Die Mittel sollen gewonnen werden durch den Vertrieb eines Kunstblattes, das ein lebenswahres Bild des Verewigten gibt. — Eine neue Art Marinemannschaften soll geschaffen werden als Folge der Einführung der Schnellladekanonen und Maschinenwaffen. Die Bedeutung der leichten Artillerie der heimischen Schlachtflotte läßt es besonders wünschenswert erscheinen, daß eine größere Stetigkeit in diesem Spezialdienst herbeigeführt werde. Zunächst sollen, 100„Geschützspezialisten“, wie sie genannt werden, zugelassen werden. Sie müssen sich verpflichten, sechs Jahre bei der Marine zu dienen, erhalten für jedes Kapitulantenjahr eine Zulage von 200 Mark und 3 Monate Urlaub. — Die Festungsbauten an der unteren Elbe, die Kuxhaven und den westlichen Eingang zum Kaiser WilhelmKanal zu stützen bestimmt sind, haben sich bei der weiteren Entwickelung der Marineartillerie als nicht ausreichend erwiesen. Die Marineverwaltung beabsichtigt daher, diese Hafenbefestigungen in größerem Umfange zu verbessern. Gleichzeitig mit diesen Arbeiten werden die BefestigungsVerstarkungen von Kiel und Wilhelmshaven erfolgen. Ferner wird die Einrichtung einer großen Liegestelle für Kriegsschiffe am Ems=Jadekanal geplant, was mehrere Millionen Mark kosten wird.# Frankreich. = Der Helm soll in der gesamten französischen Armee eingeführt werden. Der neue Infanteriehelm soll entweder aus Pappleder oder aus Filz— man wartet das Ergebnis der Versuche ab— hergestellt werden; er soll tunlichst leicht und zugleich widerstandsfähig sein. Was die Form betrifft, so hat man sich für eine entschieden, die der des englischen Konstablerhutes sehr ähnlich ist. Die Helmspitze hat man fortgelassen, sie hätte die neue Kopfbedeckung der Pickelhaube der„Prussiens“ gar zu ähnlich gemacht! Man sagt, das bisherige rote Käppi sei gefälliger und kleidsamer. England. = In Ostafrika hat der neue Feldzug gegen die Somali begonnen. Die Engländer begegnen aber bereits großen Schwierigkeiten. Die Eingeborenen fordern so hohe Preise, daß der Einkauf von Lebensmitteln an Ort und Stelle fast unmöglich wird. Ungeheure Summen werden von der Expedition verschlungen werden mit geringer Aussicht auf Erfolg. Kleine Chronik. + Ratibor, 8. Jan. Ein erschütternder Vorfall hat sich dem„Oberschles. Anz. zufolge in einer ange sehenen Familie zu Petrikau zugetragen. Die 17jährige Tochter hat sich aus Gram darüber, daß sie sich mit einem Manne, der verheiratet, Familienvater und dreimal so alt als sie ist, nicht verehelichen konnte, mit einem Revolver erschossen. Der Liebhaber hatte dem exzentrischen Mädchen die Ehe versprochen, indem er vorgab, sich von seiner jetzigen Frau scheiden zu lassen. Er hat sein Versprechen nicht gehalten, was das verratene Mädchen in den Tod trieb. In einem hinterlassenen Briefe bittet es die Eltern, dem Geliebten keine Vorwürfe zu machen und über ihren Pres tau, 8. Jan. Die Strafkammer verurteilte den Bankangestellten Paul Polten der schlesischen Bodenkreditaktienbank, welcher 37·000 Mark ihm ung anvertraute Koupons unterschlagen hatte, zu drei Jahren Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust. Der Bankschaden war durch den Defraudanten bis auf verausgabte 4000 Mark ersetzt worden. Zürich, 6. Jan. Bei Hohenkrähen wurde ein Bauer namens Moosbrugger und seine Magd verhaftet, nachdem letztere eingestanden hatte, daß sie sechs Kindern das Leben gegeben habe, welche von dem Bauern sämtlich umgebracht worden seien. Im Gefängnis zu Konstanz hat der Bauer bereits den Mord an zweien der v.N an der s, 8.Jon. Der Dienstucht Hare, Vel. sen wurde unter dem Verdachte, die 18jährige Trchter des Bauern Christensen aus Groß=Yoerup ermordet haben, verhaftet. Man fand das Mädchen mit schnittenem Halse auf einem Feldwege in der Nähe von Oversted. Nielsen hat die Tat bereits eingestanden. + Madrid, 8. Jan. Die Polizei fand in Barcelona infolge vertraulicher Mitteilung auf einem Felde in der Nähe einer Vorstadt zwei Orsinibomben, die mit je 20 Schießröhren geladen waren. Es wird behauptet, daß die Bomben während der Festvorstellung im Liceoteater, der der Vizepräsident Costa vonArgentinien beiwohnen wollte, geworfen werden sollten. Dieser verließ eilends die Stadt. Berliner Brief. k Berlin, 8. Januar 1903. Berlin marschiert unzweifelhaft an der Spitze der aufgeklärten Menschheit. Wer das nicht glaubt, bei den Berlinern schlecht an. Und doch! Wie war es gleich vor einigen Monaten, als eine Kommission von städtischen Beamten im Ehrenamte sich auflöste, als ihre Zahl auf 13 erhöht worden war? Oder haben die Erben der„Eier=Meyern“ vor einigen Jahren die Kundschaft, d. h. das Geschäft ihrer berühmten Verstorbenen nicht für 24000 Mark an die Nachfolgerin losgeschlagen? Wird nicht eine Wahrsagerin im Tiergartenviertel auf ein Jahreseinkommen von 30000 Mark geschätzt? Die Antwort auf diese Fragen dürfte erhebliche Zweifel an der Gottähnlichkeit der Berliner rechtfertigen. Aber nicht nur einige kluge Frauen oder Männer beackern in Berlin das dankbare Feld der Dummheit,— nach Hunderten zählen jene Braven, die ch mehr schlecht als recht, aber durchaus auskömmlich von ihren aufgeklärten Berliner Landsleuten jene Braven, die sich mehr schlecht als recht, aber durchaus nähren. Wahrsager in der Maske von Zigeunern sind immer noch sehr gesucht; daneben giebt es französische, russische, türkische Wahrsagerinnen, die sich in nationalen Kostümen repräsentieren und durch allerlei Hokuspokus naive Gemüter verblüffen. Die älteste Wahrsager=Familie in Berlin, die bis vor einiger Zeit in der Nähe des Alexan##fgeschlagen hatte besaß ein Wenn die Straßenpassanten hier gegebenenfalls die Eltern mit ernster Mahnung vertreten würden, täten sie gutes Werk und beugten mancher Krankhei vor in Berlin, die bis vor einiger Zeit 1. derplatzes ihr Heim aufgeschlagen halte, besat ein gan Lager von Requisiten, um die nötige Stimmung bei den Besuchern zu erzeugen. Großmutter, Mutter und Tochter arbeiteten eintrachtig neben einander und mit einander in phantastischen Kostümen. Das verdunkelte Zimmer, das Abbrennen eines Tannenzweiges bei Kerzenschein, die Verwendung von Siegellack und Räucherpulver bildeten notwendige Handlungen bei allen Kartenkunststücken. In besonders schwierigen Fällen mußte die steinalte Großmutter erscheinen, um der Sache ein Ansehen zu geben. Und wie diese, so machen es die andern auch. Man sollte es nicht glauben, mit welch einfältigen Mätzchen die Zeichendeuter arbeiten und welch eine gläubige Klientel sie haben. Es gehört garnicht zu den Seltenheiten, daß „feine“ Damen mit Equipage und Dienerschaft ihr Abonnement bei der klugen Frau haben und in regelmäßigen Zwischenräumen, sagen wir allmonatlich, die Karten befragen. Obgleich die Polizei neuerdings mehr wie bisher dem gröbsten Unfug steuert, so ist doch an eine Beseitigung der Wahrsagerei oder auch nur an eine Eindämmung nicht zu denken. Der Unfug nimmt sogar von Jahr zu Jahr zu. Dabei marschiert der Berliner, wie gesagt, an der Spitze aller Zivilisation. Lokales. Schwerte, 10. Januar 1903. **(Zur Berufswahl.) An zahlreichen höheren Lehranstalten sehen sich demnächst die Schüler, die zu Ostern ihr Abiturienexamen zu bestehen gedenken, vor die Frag gestellt, welchen Beruf sie wählen sollen. Mit Rüczuct hierauf scheint es an der Zeit zu sein, darauf hinzuweisen, daß innerhalb der deutschen Justizverwaltungen und insbesondere der preußischen es nicht laut genug beklagt werden kann, wie sich fortgesetzt eine ganz außer Verhältnis zu dem vorhandenen Bedarf stehende Zahl von Gymnasial= abiturienten dem juristischen Studium zuwendet. Die Aussichten für eine sichere und feste Anstellung im Staatsdienst sind für Jahre hinaus um so schlechtere, als infolge langer Andauer der wirtschaftlichen Krise auch im Handel und in der Industrie die Nachfrage nach juristischen Kra, ten erheblich nachgelassen hat und gar zu bald nicht wieder lebendig zu werden verspricht. In dieser Beziehung sich keinen Illusionen hinzugeben, ist durchaus geboten. Da auch alle anderen Berufsarten und namentlich die gelehrten, überfüllt sind, ist guter Rat natürlich teuer. Immerhin darf mitgeteilt werden, daß, wie in sachverständigen Kreisen gemeint wird, die Aussichten im Beruf der Lehrer zur Zeit besser sich darstellen als die in jedem anderen akademischen, besonders aber im ju(Im Interesse der Steuerpflichtigen) in Preußen wird darauf hingewiesen, daß mit dem 21. Januar die Frist abläuft, in der die zu Einkommensteuer=Erklärungen Verpflichteten diese bei den Veranlagungskommissionen abgegeben haben müssen. Sonst verliert man die gesetzlichen Rechtsmittel gegen seine Einschätzung. **(Infolge Einatmens giftiger Gase) wäre gestern morgen der Arbeiter K. beinahe erstickt. Erst nach einstündiger Bemühung des Arztes konnte der Mann wieder zum Bewußtsein gebracht werden. **( E i n e a l l g e m e i n e M i l i t ä r= B r i e f t a u b e n= A u s s t e l l ung,) veranstaltet vom hiesigen Brieftauben=LiebhaberVerein„Blitz“, findet am 17., 18. und 19. Januar cr. im Lokale des Herrn Carl Böhmer hierselbst statt. **(Die Einführung eines Krankengeldzuschusses) beabsichtigt der Deutsche Metallarbeiterverband. Die Frage wird die Berliner Generalversammlung zu Ostern beschäftigen. Außerdem wird der Vorstand Einführung eines Sterbegeldes und einer Beihilfe zu den Umzugskosten in Fällen von Arbeitslosigkeit und Kündigung, sowie Regelung der Unterstützung an Gemaßregelte und Streikende beantragen. Zur Durchführung dieser Neueinrichtungen sollen die Wochenbeiträge von 30 auf 50 Pfg. für männliche und von 10 auf 25 Pfg. für weibliche Mitglieder erhöht werden. Deutschlands ** Die Steinkohlengewinnung Deutschlaues im Jahre 1902 wird auf 107 300000 Tonnen gegen 108 417 029 im Vorjahre geschätzt. Schon im Jahre 1901 betrug der Rückgang beim rheinisch=westfälischen KohlenSyudikat 1 668972 Tonnen.. Ms, 5ia 9, *(Begünstigung der deutschen Kohle.) Wie die Neue Hamburger Börsenhalle erfährt, hat das„Deutsche Kohlendepot G. m. b. H.“ in Port Said, welchem die Hamburg=Amerika=Linie, der Norddeutsche Lloyd, die Deutsche Dampfschiffahrtsgesellschaft, Rob. M. Sloman& Co., A. C. de Freitas& Co. und die deutsche Levantelinie angeC. de Freitas& Co. und die deutsche Le. hören, probeweise 50000 Tonnen Kohlen vom RyeinischWestfälischen Syndikat für das Jahr 1903 auf monatlichen Abruf bestellt. Bisher hatte sich das Depot ausschließlich engischer Kohle bedient.. stagtliche Behörden) **(Die neuen Briefmarken für staatliche Behorden) sind seit einigen Tagen in Benutzung. Dieselben unterscheiden sich von denen für Privatverkehr dadurch, daß anstelle der Germania in schraffiertem Feld der Vermerk „Frei durch Ablösung Nr. 21" steht. Die neuen Marken haben den Zweck, den wirklichen Briefverkehr seitens der Behörden feststellen zu können. Der Philatelie ist durch diese neuen Marken ein weiteres Feld eröffnet worden. Fürs Haus. . Kalte Füße werden bald wieder warm, nasse Füße aber bei dem gegenwärtigen Wetter und zu dieser Jahreszeit den ganzen Tag über nicht trocken. Und die nassen Füße sind es vornehmlich, die unseren Schulkindern während der naßkalten Witterung so mannigfache Erkrankungen, vom harmlosen Schnupfen bis zur heimtückischen Influenza und ernsten Entzündungen der Atmungswege bereiten. Kehren die Kinder aus der Schule heim, so versichert sich die fürsorgliche Mutter unter allen Umständen, ob auch die Strümpfe ihrer Lieblinge trocken sind, wenn nicht, so wird schleunigst gewechselt. Anders ist es natürlich, wenn die Kinder bereits mit nassen Strümpfen zur Schule kommen. Der Lehrer oder das„Fräulein" können sich nicht auch noch um das Schuhwerk ihrer Pflegebefohlenen kümmern, dazu reicht die Zeit nicht aus. Es muß daher von der Familie aus unbedingt Vorsorge dafür getroffen werden, daß die Kinder mit trockenen Füßen zur Schule gelangen. Für wasserdichtes Schuhwerk tragen die meisten Eltern schon Sorge, auch an Mahnungen fehlt es nicht, den trockenen Weg zu benutzen. Aber wozu haben unsere Knirpse, wir sprechen hier besonders von den jüngeren, Erkältungen auch leichter zugänglichen Kinder, denn ihre zwei Ohren. Zu dem einen geht die Mahnung hinein, zum andern hinaus. Sie müssen jede Pfütze und jedes Wasserloch probieren, sonst fühlen sie sich nicht wohl. ** Westhofen 8. Jan. Herr Amtmann Graf von Haslingen hielt am 6. d. Mts. in dem Hotel Wittekind eine Sitzung der hiesigen Stadtvertretung ab. Die im vorigen Herbst für die Wahlperiode 1903 bis 1908 wiedergewählten Stadtverordneten, Herr Gutsbesitzer Braß von Kückshausen und Herr Werkmeister Heinrich Schulz von hier wurden in ihr Amt eingeführt. Sodann wurde die Stadtkassen=Rechnung des Jahres 1901 revidiert und hierbei nichts zu erinnern gefunden. Dem Rendanten Fleer wurde Entlastung erteilt; die unvermeidlich gewesenen, vorgekommenen Ueberschreitungen des Etats wurden genehmigt. Der Haushaltsplan der Gemeinde Westhofen pro 1903 wurde in Einnahme und in Ausgabe auf 37 304 Mark festgesetzt. Im kommenden Rechnungsjahre sollen wiederum 200% der staatlich veranlagten Realsteuern (Grund=, Gebäude= und Gewerbesteuer), ferner 200% Zuschläge zur Staatseinkommensteuer und 100% Zuschläge zur Betriebssteuer erhoben werden. Da die Zusammensetzung des jetzigen Bezirks zur Voreinschätzung in die Einkommensteuer sich als unzweckmäßig erwiesen hat, soll die Aufsichtsbehörde gebeten werden, den Amtsbezirk für gedachten Zweck in mehrere Bezirke einzuteilen. Zum Schluß wurden noch einige unwesentliche Sachen zum Beschluß erhoben. Der Umstand, daß Leimann die gesetzlich zulässige höchste Strafe verbüßt, eine höhere Bestrafung also nicht eintreten konnte, veranlaßte ihn zu dem Geständnis mehrerer anderer Einbrüche, die er in Gemeinschaft mit Einbrechern in einer Novembernacht in hiesigen Geschäften ausgeführt hatte. Die Einbrecher, die einige Nächte vorher in Hörde ein Manufakturwarengeschäft ausgeräumt hatten, hatten es auch hier auf das Lager eines Modewarengeschäftes abgesehen. Der Besitzer dieses Geschäftes erwachte und stellte sich einem der Diebe entgegen, wurde aber durch einen Messerstich gezwungen, den Dieb loszulassen. Leimann wurde heute zu zwei Jahren Zuchthaus, der Arbeiter August Schwarz, der bei dem Diebstahl gegen den Besitzer das Messer gebraucht hatte, zu 2 Jahren 3 Monaten Zuchthaus verurteilt. Die anderen Beteiligten kamen mit Gefängnisstrafen davon. * Dortmund, 9. Jan. Dem Bankdirektor Wulff (Gründer und früheren Direktor der Dortmunder Handelsbank) werden, wie wir hören, sämtliche Wertsachen, Pferde und Wagen gepfändet. * Dorsten, 8. Jan. Gestern morgen ereignete sich an der Gahlener Fähre ein Unglücksfall. Ein 23= bis 25jähriges Mädchen hatte eine Tochter ihrer Herrschaft zum Bahnhof Schermbeck geleitet. Auf dem Heimwege stürzte es in die hochgehenden Fluten der Lippe und ertrank. An eine Rettung war nicht zu denken. * Kamen, 8. Jan. Ein infamer Streich ist dem Bergmann Griwatz hierselbst gespielt worden. Als derselbe gestern morgen seinen Stall betrat, fand er sein Schwein vergiftet vor. Dieser Fall trifft Griwatz um so härter, da derselbe viel Krankheit in seiner Familie hat. * Witten, 8. Jan. Vom Oberlandesgericht zurückgewiesen wurde die Klage des pensionierten Lehrers Müse. Derselbe erlitt im vorigen Jahre einen Unfall, indem er in der Schule von Podium fiel. Er verlangte dafür von der Stadt eine Entschädigung von 2000 Mark. Auch das Oberlandesgericht stellte sich auf den Standpunkt, daß Müse den Unfall durch Außerachtlassung der Vorsicht selbst hervorgerufen habe. * Bochum, 9. Jan.(Der Tod als Erloser.) Der Bäckergeselle Bertold Brölemann, der in der Nacht zum 3. Dezember vorigen Jahres bei dem Kösterschen Brande auf der Alleestraße schwere Brandwunden davongetragen hatte, ist laut dem„Boch. Anz. im katholischen Krankenhause seinen Verletzungen erlegen. Brölemann hat also 5 volle Wochen im Krankenhaus gelegen und in dieser Zeit die größten Qualen ausgestanden. Wie noch erinnerlich sein wird, wurde er damals mit großer Mühe aus seiner schrecklichen Lage befreit. Er lag in einem kleinen Fenster, mit dem Oberkörper nach außen, entsetzlich um Hilfe rufend, während das Feuer seine Beine bereits ergriffen hatte. Herr Louis Schniewind begab sich auf einer Leiter zu dem Bedrängten, hob ihn mit starken Armen in die Höhe und trug ihn hinab. Anfangs hoffte man, Brölemann am Leben erhalten zu können, und man glaubte auch, daß die Beine wieder gebrauchsfähig werden würden, doch trat nach etwa acht Tagen eine wesentliche Verschlimmerung ein, sodaß am 13. Dezember das rechte und am 17. Dezember das linke Bein amputiert werden mußte. Brölemann war am 14. Juni 1881 in Dortmund geboren, wo er wahrscheinlich auf Wunsch seiner dort wohnenden Eltern auch beerdigt werden wird. * Steele, 8. Jan. Während der Nacht erstach ein hiesiger Bergmann seine im Bett schlafende Frau. Der Mörder, Vater von mehreren Kindern, ist flüchtig; sein Aufenthalt konnte trotz eifriger Nachforschungen noch nicht ermittelt werden. * Solingen, 9. Jan. In der Eisengießerei Boos legten die Former die Arbeit nieder, weil die Firma über entlassene Arbeiter eine schwarze Liste versandt hatte. * Barmen, 9. Jan. Der Maurer Otto Dillenhöher hat gestern abend nach vorausgegangenem Wortwechsel den Maurer Jos. Deschke durch einen Hieb mit einem Stück Holz vor den Kopf erschlagen. Der Täter ist entwichen.. S Strser * Düssseldorf, 8. Jan. Die Sitaflammer verurteilte heute vormittag in der Berufungsinstanz die Frau des Wirtschaftsverwalters des sozialdemokratischen Gewerkschaftshauses, Genossen Ludwig Schmidt, zu 150 Mk. Geldstrafe wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz. Sie hatte später kommenden Gästen wiederholt Speisen, die übrig geblieben waren und bereits in das Spülfaß geschüttet waren, wieder zum Essen vorgesetzt. * Duisburg, 9. Jan. Eine Arbeiterfamilie von der Schwanenstraße mußte am Samstag abend ins Krankenhaus geschafft werden, da dieselbe dem Hungertode nahe war. Außerdem war die Wohnung voll von Schmutz und Ungeziefer. Ein Kind ist bereits infolge der etzteren Uebelstände gestorben. * Köln, 9. Jan. Als heute mittag gegen 12 Uhr ein Boot der Kölner Dampffähre sich inmitten des Stromes befand, stellte sich ein unbekannter Passagier auf eine Bank und sprang in den hochgehenden Fluß. Die Rettungsversuche blieben infolge der starken Strömung erfolglos. Aus Westfalen und Rheinland. * Dortmund 9. Jan. Laut definitiven Magistratsbeschluß wird die Femlinde demnächst entästet, der oberste Halsring etwa 1 Meter tiefer angebracht und der Baum durch einen zweiten Eichenpfahl gestützt. Von einer Auszementierung des Stammes hat man vorläufig Abstand genommen. Eine gefährliche Einbrecherbande, deren Oberhaup Klemens Leimann von hier gegenwärtig 15 Jahre Zucht haus verbüßt, stand heute vor der hiesigen Strafkammer. Vermischtes. 1 Bunzlau, 8. Jan.(Hundetreue.) Aus unserem Nachbarkreise Löwenberg wird von einem Forstmann folgende rührende Tiergeschichte erzählt:„Tobi" und „Miß“, ein Foxterrier=Pärchen, hatten, da sie wütende Hetzjäger sind, seit längerer Zeit Arrest im Pferdestalle. Plötzlich waren beide verschwunden, und nach zwei Tagen kam Miß vollständig ermattet vor die Kühe und konnte sich nicht mehr rühren. Am linken Vorderlaufe aber saß ein 5 Pfund schweres Fuchseisen fest, nach dessen Entfernung festgestellt wurde, daß der Fuß nicht gebrochen, sondern nur die Haut durchgerieben war, weil der Schnee den schweren Schlag des Fangeisens ganz erheblich geschwächt hatte. Die Hündin hatte das mit Anker vier Kilo schwere Eisen 300 Meter weit geschleppt, dann hatte der Hund, der gleich nach seinem Gespons im Hofe erschien, mit unsäglicher Mühe den Strick durchgenagt, durch den die Kette mit dem Schlageisen verbunden war, und zwar muß das zwei Nächte und einen Tag gedauert haben. Dann hatte Tobi die Hündin noch nicht verlassen, sondern sie auf ihrem 1200 Meter langen Marsche, das Eisen mit durch den Schnee schleppend, nach Hause brin7(Die Hinrichtung eines Elefanten.) Aus NewYork wird berichtet: Topsy, der gefährliche Riesenelefant, der über vier Tons wog, wurde in Coney Island in Gegenwart von 1500 Zuschauern hingerichtet. Der Elefant, der dortigen Menagerie angehorte, hat in den letzten beiden Jahren drei Wärter getötet und wurde täglich gefährlicher. Seine Hinrichtung wurde deshalb angeordnet. Um das Tier sicher zu toten, wurden gleichzeitig drei Tötungsmethoden gebraucht, Elektrizität, Erdrosselung und Gift. Elektroden, die mit dem Dynamo der elektrischen Lichtstation in Verbindung standen, wurden an die Beine des Elefanten befestigt. Dann wurde ein Strick um seinen Hals geknotet und an eine Dampfmaschine befestigt. Schließlich wurde dem Tier noch eine große Dosis Cyankali gegeben. Die Elektrizität erwies sich als ausreichend. Ein Strom von 6000 Volt wurde zehn Sekunden lang durch den Körper getrieben, worauf der schwere Körper Topsys leblos zu Boden fiel. 1(Mir und Mich.) Die Schwierigkeit der Unterscheidung zwischen dem Dativ und Akkusativ des persönlichen Fürworts ist älter als Vater Wrangel und hat nicht nur in seiner pommerschen Heimat, sondern auch am grünen Rhein schon manchem zu schaffen gemacht. Den unverbesserlichen Verwechslern widmete Gg. Harrys in der Sonntagsbeilage der„Kölnischen Zeitung" im Jahre 1825 folgendes hübsche Spottgedicht: Alexis. Der Tod nur kann mir von dich trennen, Sonst trennt mir nichts von dich; Ja, sterbend werd' ich dir noch nennen, Auch dann gehörst du mich. Melina. Bedaure sehr, kann Sie nicht dienen, Für Ihnen fühl' ich Liebe nie; Ich sage Sie: Ich kenne Ihnen Und mag nichts hören mehr von Sie! ](Eine„lebende Mumie".) Der außergewöhnliche Fall eines teilweise„verknöcherten“ Mannes erregt, wie Londoner Blätter berichten, die Aufmerksamkeit der Mediziner am Norfolk und Norwich=Krankenhaus. Der Patient stammt aus Wreningham, wird seit länger als zwei Jahren behandelt und kann gerade noch einen Fuß vor den andern stellen; sonst ist er hilflos. Seine beste Bewegung ist noch, die linke Hand zum Munde zu führen, der Arm ist aber nur vom Ellbogen an brauchbar. Das rechte Handgelenk kann er beugen, im rechten Arm hat , e r k e i n e K r a f t. D i e M u s k e l n d e r S c h e n k e l, A r m e u n d des Gesichts sind, wie die Aerzte sagen, verknöchert, und dieser Vorgang vollzieht sich seit seinem acht Jahre(er ist zwischen dreißig und vierzig). Bis jetzt hat man noch keine Mittel gefunden, ihn aufzuhalten. Alle Muskeln fühlen sich hart wie Marmor an. Eine Zeitlang konnte er den Mund nicht öffnen, aber seit der Entfernung einiger Zähne kann er vermittels einer besonders konstruierten Zange Nahrung in den Mund pressen. Sein Fall ist höchst merkwürdig und selten. Seit zwei Jahren bemüht sich die medizinische Fakultät, eine befriedigende Lösung zu finden. Der Patient war schon in zehn Londoner Krankenhäusern, ohne daß eine Aenderung seines Körperzustandes herbeigeführt werden konnte. Neueste Nachrichten. § Berlin, 9. Jan. Die„Germania" veröffentlicht einen Aufruf an die deutschen Katholiken zur Teilnahme an dem Jubiläumspilgerzug nach Rom im Früh§ Straßburg, 9. Jan. Ein Opfer seines Berufes wurde hier der 24jährige Eisenbahnarbeiter Jaquin. Mit Rangieren von Wagen beschäftigt, hatte er sich auf das Trittbrett der Lokomotive gestellt, bemerkte aber nicht, daß diese dicht an einem Personenwagen vorbeifahren mußte, der auf einem Nebengeleise stand. Jaquin geriet zwischen Maschine und Wagen und wurde derart zerquetscht, daß er nach kurzer Zeit starb. § Würzburg, 9. Jan. Der hier an der Bahnpost angestellte Adjunkt Georg Kapfenberger entwendete während des Dienstes einen Wertbrief mit 120000 Mk. deklariert, und zwar 100000 Mark in Wechseln, 20.000 Mark in Bar. Er wurde, wie bereits gemeldet, in Antwerpen verhaftet.„„. a § Trient, 9. Jan. Aus Chile ist hier die Meldung eingetroffen, daß Johann Orth nahe bei Valparaiso eine große Farm besitze und sich samt seiner Frau wohl befinde. Die Nachbarn kennen ihn nur unter dem Namen Sennor § Belgrad, 9. Jan. Der Zar spendete 10.000 Rubel zu Zwecken der orthodoxen Kirche in Altserbien. § Marseille, 9. Jan. Bei den gestrigen Pferderennen kam es zu tumultuösen Auftritten infolge eines Unfalls bei einem der Rennen. Die Menge zerschlug die Tribüne und brach die Umzäunung ab. Die Polizei mußte verstärkt werden und mit blanker Waffe gegen die Menge vorgehen, welche schließlich auseinander getrieben wurde. Eigener Depeschendienst der„Schwerter Zeitung.“ IId Paris, 10. Jan. Bei der Regierung sind bisher nicht weniger als 13.000 Gesuche von Kongregationen betr. die Erteilung der Aufenthaltserlaubnis eingegangen, von denen bereits 400 in ablehnendem Sinne beantwortet sind. Hd Wien, 10. Jan. Der sächsische Kronprinz wird demnächst zu einem Besuche des Kaisers Franz Josef hier eintreffen. Der Besuch bezweckt in erster Linie, beim Kaiser die Mißstimmung darüber zu zerstreuen, daß er über die Vorgange am sächsischen Königshofe ohne Mitteilung blieb bis zum Ausbruch des öffentlichen Skandals. Hd Salzburg, 10. Jan. Der Familienrat des Hauses Toskana beschloß, dem Erzherzog Franz Ferdinand 3 Millionen Kronen als Abfindung zu überweisen. Hd Wien, 10. Jan. Hier befinden sich 50000 Arbeitslose. Vor dem Vermittelungsamte fanden gestern abend stürmische Szenen statt, da die Menge glaubte, die Unterstützungen seien nicht gerecht verteilt worden. Hd Washington, 10. Jan. Der deutsche Geschäftsträger dementiert die Nachricht, daß Deutschland die Gerechtsame der Panama=Kanal=Gesellschaft erwerben wolle. Hd Tanger, 10. Jan. Der steigende Einfluß Frankreichs beunruhigt hier sehr. Weiter wird gemeldet, daß die Europäer Fez verlassen, da man eine antichristliche Aktion befürchtet. Hd Tanger, 10. Jan. Die Lage in Fez ist bedrohlich. Der Kabylenstamm Ayanja, der Vertreter zum Sultan geschickt hatte, hat sich den Rebellen wieder angeschlossen. Der Sultan setzt die Arbeiten zur Instandsetzung der Stadt zur Verteidigung fort. Hd Carracas, 10. Jan. Der amerikanische sandte Bowen ist nunmehr von Castro zum Schiedsrichter ernannt worden. Bowen will versuchen, in Washington in eine Konferenz von Vertretern der beteiligten Mächte eine Einigung zu erzielen und schifft sich heute auf einem amerikanischen Dampfer nach Washington ein. Rie Pankaut von katterich Pbeen. Ronhons achte man auf den Russen. Siehe heutige Annonce. Bekanntmachung. Die von der Gemeindeversammlung abgenommene Gemeindekassen=Rechnung pro 1901 liegt vom 10. Januar cr. an 14 Tage lang auf meinem Bureau zur Einsicht offen. Aplerbeck, den 9. Januar 1903. Der Gemeindevorsteher: Vieseler. Statt jeder besonderen Anzeige. Heute morgen 7 Uhr eatschlief sanft infolge eines Schlaganfalls mein lieber unvergesslicher Vater, mein lieber Sohn, der Schneidermeister Vietrich Schmiot im Alter von 57 Jahren. Dieses zeigen allen Bekannien und Freunden mit der Bitte um stille Teilnahme tiefbetrübt an Die trauernden Binierbliebenen. Schwerte, Köln, Altenhundem, Münster, Dortmund.Blankenburg, Hörde, Wellinghofen und Westhofen, den 9. Januar 1903. Die Beerdigung findet Montag, den 12. ds. Mts., nachmittags 8 Uhr, vom Sterbehause(Mährstrasse Nr. 6) aus statt. Todes-Anzeige. — 1 Es hat Gott dem Allmächtigen gefallen, gestern nachmittag 4 Uhr unseren geliebten Sohn“ und Bruder Friedrich im Alter von 4 Jahren 6 Monaten nach kurzem, 4 4 schwerem Leiden zu sich) „ in die Ewigkeit zu nehmen. * Dieses zeigen an, um 4 stille Teilnahme bittend, g die tieftrauernden Eltern) * Wilbelm Hageböck ( und Frau nebst Kindern. Schwerte. 9. Jan. 1903. Die Beerdigung findet am Sonntag morgen 11 Uhr vom Sterbehause Kötterbachstrasse 22 aus statt. ons 3 HUSTENHEISERR S· 8VERSCHLEIMUNG. Packer 25,30,50 u.100 P. Schwerte: Drogerie Wilhelm Heppe. Blauen Kreuzes. 96 Sonntag, den 11. und Montag, den 12. Januar,## abends 8 Uhr im Stadtmissionssaale(Kuhstraße 7) 2 Vortrag 8 des Herrn Bundesagenten Lindenhaus. 5 Jedermann ist freundlichst eingeladen. Um zu räumen, gebe ich sämtliche Holzorand ArerkUl, soweit solche vorrätig, bis zum I. März mit L0 Prezene Rabatt ab. CARL BRAUS. SCHWERTE(RUHR). #rRüchums amn 15. Janmar 1900. Badische 3 XI. Pferde-Lotterie 5063 Gewinne. Gesammtwerth Mark Krorn per Liter 60 Pig. L. Weinberg, Schwerte. Arends'scher Stenographen-Verein Schwerte. (Restaurant„Zur Glocke“.) Dienstag, den 13. er., abends 8½ Uhr: General-Versammlung. Der Vorstand Bekanntmachung. Die Verpachtung des zur Schule in Holzen gehörenden Ackerlandes findet am Dienstag, den 13. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, in der Wirtschaft Friedrichsmeier in Holzen statt. Reflektanten werden zum genannten Termine eingeladen. Westhofen, 8. Januar 1903. Der Amtmann: Graf Haslingen. Arocher Milen, durchaus tüchtig und selbständig, sowie Tapeten! Tapeten! Tapeten! in prachtvollen, modernen Mustern zu billigsten Preisen Ein Posten Tapetenreste, soweit Vorrat reicht, enorm billig. L. Weinberg, Schwerte. Eine Wöhnung von 2—3 Zimmern sofort oder später zu vermieten. Näheres in der Geschäftsstelle d. Zig. Ein freundlich möbliertes Zimmer zu vermieten. Zu erfrag. in der Geschäftsstelle d. Zig. ToUDUU darunter 1 à 15,000, 10,000, 5000, 3000, 2000, 5 à 1000, 50 à 600 M. etc. Der Verkauf der Gew. ist mit 70% garantirt. Loose à 1 M., 11=10 M., Porto und Liste 20 Pfg. empfiehlt und versendet gegen Coupons, Briefmarken oder unter Nachnahme Carl Heintze, ner ae, hl 4. Kartossern, Magnum bonum, Kreuz, Pros. Märker, Mühlhauser, Bratmölle empfiehlt billigst F. A. Haape. 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Telegr.=Adresse Braus, Schwerte=Ruhr. Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche Kraft. No. S. Bald wird dein Herz in Blüten stehn. Ist das dein Stolz? Du sagtest ja, Du könntest nie mehr hoffen, bangen, Voll heißem, sehnendem Verlangen, Als ich zum erstenmal dich sah..... Ist das dein Stolz? Du wähntest einst, Kein Zauber könne dich berücken, Kein Liebestraum dich mehr beglücken, Und stehst nun da und träumst und weinst. O weine nur, o träume nur! Es schmilzt des starren Eises Rinde, Wenn linde wehn die Frühlingswinde... Bald gleicht dein Herz der Lenzesflur! War das dein Stolz? Wie Lenzeswehn, So ist es über dich gekommen, Hat allen deinen Trotz genommen— Bald wird dein Herz in Blüten stehn! Ludwig Schröder. Briestragers Hannchen. Von Georg Paulsen. (Nachdruck verboten.) (11. Fortsetzung.) Die schlechten Einnahmen steigerten die Gereiztheit des„Künstlers“ sichtlich. Wenn er mit einer leichten Peitsche das Auftreten seines zwei= und vierbeinigen Personals leitete, dann zischte die Peitsche mehr als einmal schärfer, als gerade notwendig war, und Schmerzensrufe, die nur mühsam unterdrückt werden konnten, wurden laut. Aus dem Publikum schalt man, aber das half nichts. Der Mann wollte die müden Angehörigen seiner Truppe zu ganz besonderen Leistungen zwingen, damit die Zuschauer besser zahlten, und er selbst machte in diesem Sinne unnatürlich erscheinende Anstrengungen; und da war es denn geschehen. Bei einem Kopfsprunge, dessen Aufführung dem in seiner Kraft geschwächten Menschen zweimal mißlungen war, schlug er, als er den dritten Versuch wagte, hart zu Boden, so daß er bewußtlos liegen blieb. In den Schrekkensruf des Zusammenbrechenden stimmten die Frau und die Kinder und die spärlichen, noch vorhandenen Zuschauer ein; man schrie nach einem Arzt, der sich zum Glück bald einfand. Eine Untersuchung ergab, daß eine lebensgeSonnabend das?" fragte Hölder Januar 1905. erstaunt, srenereenitcirnite er chanie eer ece 42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“ und nicht Menfährliche Verletzung nicht vorlag, immerhin waren Ruhe Wort kam mehr und, mehr noch, kräftige Nahrung erforderlich. so flammenden „Wer ist denn vas: stu#e auch seine Frau konnte ein überraschtes„Nanu!“ unterdrücken. 619 „Ja, wer sind Sie denn, ich kenn Sie garnicht?“ antwortete Hannchen, der es er## wie sich die Fremde unter so vielen Hunderten von schen gerade sie aussuchen konnte. „Kenn' mich gutt, serr gutt, blos dran denken, an Sultan, an braunen Bär,“ antwortete die Bittende, während ihr aus den dunklen Augen die heißen Tränen über die braunen Wangen herabrollten. „Ach daher!“ lachte Hannchen unwillkürlich. „Daß Du Dich nicht wieder mit der einläßt!“ rief Hölder mit großer Bestimmtheit, während Frau Elise Hölder es doch etwas auffallend von dem„hergelaufenen" Dinge fand, sich gerade an ihre Tochter zu wenden. bitt’, bitt’, helf' Sie uns!“ bat das arme Ding wieder. Und dann erzählte sie hastig im gebrochenen Deutsch von dem Unglück. Und wie der Hunger so groß und wie fast gar kein Geld da sei. „Und Mademoisell' hat Courasch', hat große Courasch, Mademoisell' weiß, wie Geld verdient wird. Hat Mademoisell' gezeigt bei Sultan. Hunger tut zu weh!“ Es war still geworden; ein dichter Kreis hatte sich um die Gruppe gebildet, zahlreiche Augen schauten auf die Weinende, aber noch mehr auf Hölders. Hannchen hatte der Zigeunerin ihre Rechte, die jene ergriffen, unwillkürlich gelassen, während Vater Hölder mit großen, runden Augen, dem Zeichen seiner totalen Rat= und Sprachlosigkeit, vor sich hinschaute, und seine Frau ihre Einzige energisch„am Bändel“ nahm, das heißt an der rosa breiten ichleife, die des Mädchens weißes Kleid schmückte. „Nach Haus kommst mit!“ sagte Frau Elise in einem Tone, der eigentlich keinen Widerspruch duldete, höchlichst erbittert über die„Gafferei“, wie sie im stillen die neugierige Aufmerksamkeit des vom Ausrufer der nächsten Kasperl=Teater=Bude„verehrungswürdig“, genannten Publikums titulierte. „Nach Haus kommst mit!“ konnte Lebrecht Hölder endlich nachsprechen. Aber es klang heiser, sodaß niemand auf ihn achtete. Die Entscheidung lag bei seinem Mädele. „Uns helfen gar kein Geld, großen Hunger!" bettelte abermals das Zigeunermädchen. „Willste weg, Bagage!“ schalt Frau Hölder da erbittert.„Stöhnen könnt Ihr Gesindel ausgezeichnet, aber das Stehlen versteht Ihr noch besser!“ Das braune Mädchen ließ Hannchens Hand los, kein über die erblaßten Lippen. Aber aus den etwa De de beckanmnelten Zeshandet idte nunt use eb. 100 Reitern entnehmen konnte, die in der Ferne auf einem Hügel seitlich der Straße erschienen, ein für Wagen ungünstiges Terrain zum Versammlungsort gewählt hatten, erst recht unerklärlich war, mußten auch die auf den Karren fahrenden Polizisten sich bequemen, zu Fuß die Verfolgung querfeldein vorzunehmen. Als sie nahe genug an die Versammlung herangekommen waren, stieg diese zu Pferde und verschwand jenseits eines Berges. Die Polizisten erkletterten unverdrossen den Berg, sahen aber ihre Gegner sofort wieder in der Richtung verschwinden, aus der sie eben gekommen waren. Als schließlich die Polizei nach m nach mehrstündigem botenen Orte in aller Ruhe und Gründlichkeit stattgefunden hatte. Was die Polizisten zu dieser Mitteilung sagten, darüber schweigen die Korrespondenten, wahrscheinlich mit Rücksicht auf zartfühlende Leser. 11. Januar: Feuchtkalt, wolkig, Niederschläge. Mit einem bitteren Lachen der Verzweiflung warf die Frau die kleinen Münzen, die sie eingenommen, auf den Teller. Es war kaum der Rede wert für den Fall. Die Kinder hatten sich herangedrängt und machten trübselige Gesichter, Pudel und Affen hatten sich in eine Ecke verkrochen. Es war ein Jammerbild, das einen krassen Gegensatz zu dem lustigen Leben und dem bewegten Treiben des wogenden Vogelschieß=Trubels bildete. Man hatte wenig auf das erwachsene Mädchen der Truppe geachtet, das sich einmal als Drahtseilkünstlerin, dann wieder als Tänzerin mit einem Tambourin produziert hatte. Es war eine geschmeidige Gestalt mit einem angenehmen braunen Gesicht, aber ach, ihre Darbietungen verfehlten den rechten Eindruck, weil ein herber Zug schwermütiger Trauer die jugendlichen Züge überschattete. Das fidele Publikum war freundlichere, zuvorkommendere Mienen gewöhnt, einzelne Worte über die„Stolze“ waren bereits aus dem Kreise der Zuschauer gefallen und riefen ein zorniges Aufblitzen in den dunklen Augen hervor. Regungslos, mit weit vorgebeugtem Körper hatte das Mädchen den Daliegenden beobachtet; dann war sie mit einem Aufschluchzen zur Seite getreten. Und auch sie hatte doch mehr als einen der„Aufmunterungshiebe“ mit der Peitsche erhalten und ertragen, ohne sichtlich zusammenzuzucken. Jetzt starrte sie mit großen Augen auf den Platz hin, auf dem sich die bunte Menge schwatzend und lachend umhertrieb. Auf den Verunglückten achtete man nicht mehr groß, man mußte ja, Lebensgefahr drohte nicht. Plötzlich schoß die Seiltänzerin wie ein Pfeil davon und mitten in das Gewühl hinein. Dort ging Lebrecht Hölder mit Frau und Tochter, vergnügt im Innersten, umher, und als das Mädele mal wieder das Karusselfahren probieren wollte, hatte er zustimmend genickt und Geld herausgegeben, trotzdem seine Frau, nicht ganz ohne jedes Recht, den Einwand erhob, Hannchen sei eigentlich nun doch etwas zu groß dazu. Gerade kam sie mit geröteten Wangen und lachenden Augen von der amüsanten Fahrt, als sie am Arm gefaßt wurde. Vor ihr stand die Seiltänzerin. „O, helfen Sie uns!“ bat das Mädchen, das im bunten Flitterstaat allein unter der neugierigen Menge dastand,„Vater hat sich beinah Hals gebrochen. Und kein Geld und gar so viel Hunger!“ o stammenden dunklen Augen drang ein Blick wie der eines totwunden Rehes. „Bitt', nix mehr schelten,“ sagte nun auch die Zigeunerfrau,„wir armen Leut' können auch sterben.“ Niemand konnte sich dem Eindruck der kleinen dramatischen Szene entziehen; jeder erkannte, daß man um einiger Strolche und Vagabunden willen doch noch nicht jeden aus dieser vaterlandslosen Schar verurteilen dürfe. Es waren vielleicht nur einige wenige, die eine solche größere Teilnahme verdienten, immerhin waren sie doch vorhanden. (Fortsetzung folgt.) Vermischtes. 1(Ein irisches Neujahrsvergnügen.) Aus Dublin berichtet man dem„Daily Chronicle“, daß die Bevölkerung von North Galway sich zu Neujahr das Vergnügen gemacht hat, die Polizei, welche das Abhalten von Versammlungen verboten hatte, zum Narren zu halten. In dem Orte Monivea war eine Versammlung am Neujahrs= lagr##ene ertge, sch eersteh tage untersagt worden. Plötzlich erhielt die Polizei die mäße Nachhilfe vieselve aufrecht zu erhalten. Diese N #ris hilfe ist aber nur moglich dadurch, daß die Tätigkeit Nachricht, daß einige Meilen von dem Ort entfernt bei Fackelschein eine große Versammlung stattfinde. Sie rückte in der Stärke von 120 Mann aus, um die Missetäter abzufassen, kam aber zu spät und erhielt zu ihrem Verdruß die Mitteilung, daß ihre Abwesenheit dazu benutzt worden sei, die in Monivea verbotene Versammlung abzuhalten. Die Polizei hielt einen Stadtrat für den Hauptübeltäter, und um ganz sicher zu gehen, umgab sie sein Haus mit Patrouillen und beschloß, ihn während des Neujahrstages scharf zu bewachen. Als der Stadtrat sich in die Messe begab, folgten ihm Polizisten und während der Messe selbst saß sogar ein Polizist hinter ihm. Trotzdem verlang es dem Verdächtigen, sich beim Verlassen der Kapelle der polizeilichen Bewachung zu entziehen, und die Polizei erhielt bald darauf die Mitteilung, daß an einer anderen Stelle im Distrikt eine Versammlung stattfinde. Eine Anzahl von Polizisten bestiegen sofort ihre Stahlrosse, während 25 Karren beordert wurden, um ein weiteres Polizeiaufgebot gegen die unbotmäßigen Irländer zu führen. Die radfahrenden Polizisten sahen aber bald das Nutzlose der Verfolgung ein, da die Straße, die sie benutzten, außerordentlich fein und gründlich mit Nägeln besäet Für den redaktionellen Teil verantwortlich: Wilh. Schade. Der„Landwirtschafl. Zeitgeist“.(Straßburg i. E.) schreibt: Jüngst las ich in einer Tageszeitung, daß ein Bauer, dessen Kühe plötzlich weniger und schlechtere Milch lieferten, die Hilfe eines„Hexenmeisters“ in Anspruch genommen habe. Darüber hatte ein aufgeklärter Landwirt nun gespöttelt, worauf er von dem aufs äußerste erbosten Nachbar und Hexenmeister schwer mißhandelt wurde. Das Ergebnis der ganzen„Zauberei“ war für den Bauer wenig angenehm; die Kuhe verbesserten ihr Produkt nicht im geringsten; dazu aber wurde der abergläubische Mann noch zu recht empfindlicher Strafe verurteilt.— Ob der „helle“ Kopf nicht ein besseres Resultat erzielt hätte, wenn er zunächst einmal die Fütterungsweise und dann den Gesundheitszustand seiner Milchspenderinnen einer genauen Prüfung unterzogen hätte? Ein denkender Landwirt wäre jedenfalls nach dieser Seite hin vorgegangen und würde auch sicher bei einem der angedeuteten Punkte die Veranlassung festegestellt haben. Ist aber einmal die Ursache des Uebels bekannt, so läßt sich leicht ermessen, ob und welche Mittel zur Behebung anwendbar sind.— Was den Fall anbelangt, wo die Kühe in der quantitativen und qualitativen Milchproduktion minderwertige Leistungen aufweisen, so muß darauf hingewiesen werden, daß in der Regel das schlechte Futter die veranlassende Ursache darzustellen pflegt, da solche Futtermittel Verwendung finden, die vermöge ihres Nährstoffverhältnisses oder der sonstigen Zusammensetzung die normale Produktion unmöglich machen. Unter Umständen sind dabei gesundheitliche Schädigungen der Tiere sehr leicht zu gewartigen. Nun hat man ja nicht immer die Futtermittel so zur Verfügung, wie man dies im Interesse eines rentablen Betriebes wünschen möchte; namentlich im letzten Winter durfte die Auswahl durchaus nicht zu streng vorgenommen werden; vieles minderwertige Material mußte Verwendung finden. Abgesehen von dem an und für sich geringen Nährstoffgehalt solcher Futtermittel ist auch die Verdaulichkeit derselben gegenüber dem Gehalte des normalen Futters als wesentlich geringer zu bezeichnen, und die wenig zusagenden Stoffe werden gerne die Veranlassung zu Krankheiten der Verdauungsorgane. Kein Wunder darum, daß die Produktionskraft der Tiere nachläßt, wenn der Landwirt es nicht versteht, durch sachgeD'ese Nachdes gesamten Verdauungsapparates geregelt und gestärkt wird. Das ist das ganze Geheimnis einer rationellen Viehzucht. Halten wir die Verdauungswerkzeuge kräftig in Tätigkeit, so ergibt sich von selbst eine erschöpfende Ausnutzung der Nährstoffe des Futters; wird die Extraktion der Nährstoffe prompt besorgt und funktioniert der Magen regelrecht, so wird der Ballast ohne Schwierigkeit ausgeschieden, die Freßlust aber in entsprechendem Maße angeregt. Ein großes Kunststück ist es demnach nicht, die Tiere leistungsfähig zu erhalten, wenn man das Mittel zur Erreichung einer guten Verdauung kennt und richtig in Anwendung bringt. In ausgezeichnetster Weise hat sich auf diesem Gebiete allenthalben das rühmlichst bekannte Regensburger Milch= und Mastpulver„Bauernfreude“ aus der chemischen Fabrik des Herrn Th. Lauser in Regensburg bewährt. Dieses Präparat, in der mäßigen Gabe von 2 Eßlöffel voll pro Kopf und Mahlzeit, bewirkt eine prächtig geregelte Verdauung. Wessen Kühe also unter dem„Zauber" zu geringer und zu geringwertiger Milch stehen, der versäume nicht, sich desselben zu bedienen: Der Erfolg wird ein eklatanter sein. PUFZG der W SS Holz=Verkauf. Montag, den 19. Januar d. J., vormittags 10 Uhr, sollen in der Waldung des Guts Berghofen, Forstort Hülberg: ca. 80 Nummern langschaftige Rottannen, zu Balken, Sparren, Gerüststangen Leiterbäumen Frechtungspfosten und Stangen geeignet, öffentlich meistbietend verkauft werden. Zusammenkunft: Wirtschaft Schulte in Apferbeckermark und an Ort und Stelle. Hans Ruhr bei Schwerte, den 5. Januar 1903. Freiherrlich von Rheinbaben'sche Rentei. Holz=Verkauf. Am Samstag, den Januar d. Is., vormittags 10 Uhr, werde ich in der zum Gockel'schen Gute zu Overberge gehörenden Waldung„auf dem Keller": ca. 100 Nrn. geradschaftige D## zu Sparren, Leiterbaumen, Frechtungsstangen, sowie mehrere Nummern Nottannen, zu Baumpfählen geeignet, und 15 Nrn. Brennholz öffentl. meistbietend verkaufen. Zusammenkunft bei dem Wirt Pampus und an Ort und Stelle. Schulte, Auktionator, Schwerte, Ostenstr. 7. vielfach preisgekrönten AIAUUTW UNZL ist deren stets gleichmäßige Qualität; auch ist sie äußerst konzentriert und daher sehr ausgiebig. 6 Man benutze den Würzesparer,## um Ueberwürzung zu vermeiden. K Die höucsten-C. auf der ganzen Welt werden von der„Woche“ in Wort und Bild behandelt. 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