Insertionsgebühr für lokale Anzeigen, die sechsgespaltene Petitgeile oder deren Raum 10 Pfg., außerhalb 15, Reklame=Zeile 40 Pfg., Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte, Fernsprech= Anschluß Nr. 62. Amt Schwerte. Telegr.=Adresse Braus, Schwerte=Ruhr. Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche Kraft. No. 2. Politischer Wochenruckblia Ueberall meint man zum neuen Jahres=Beginn, daß es besser werden müsse, aber ein vorsichtiger Mann wird doch gut tun, seinen Wagemut zu zügeln und zu warten, bis die Dinge sich noch weiter geklärt haben. Im Februar wird das Deutsche Reich mit einer neuen nicht unbeträchtlichen Anleihe, die bei den gesunkenen Einnahmen nun einmal nicht zu vermeiden ist, hervortreten, aber die braucht uns nicht zu beängstigen, darüber kommen wir schon fort; etwas anderes ist es mit den wirtschaftlichen Ueberraschungen, die noch immer drohen, z. B. von seiten der Vereinigten Staaten von Nordamerika, wo die großen Spekulanten noch lange nicht wieder taktfest hinsichtlich des Geldschrankschlüssels sind, und in einer verschärften Geldnot zu einem Schleudergeschäft greifen können, das für den europäischen Markt nicht angenehm wäre. Die Verbindungen sind heute zwischen Geldmarkt und Geschäftsmarkt so eng, daß eine Krisis auf der einen Seite sich sofort auch auf der anderen äußert. Und man weiß ferner, daß bei unserm deutschen Publikum das Vertrauen noch immer auf recht schwachen Füßen steht, an die Gewinnung beträchtlicher flüssiger Geldmittel von dieser Seite her nicht recht in der nächsten Zeit zu denken ist. Der mittlere und kleinere Gewerbetreibende wird sich im neuen Jahre noch eher in erträglicher Weise durchschlagen, wie im alten, aber bei der Großindustrie und ihren Arbeiterscharen wird der Wunsch nach allgemeiner Besserung noch ein recht berechtigter bleiben. Und wir werden sehen So lange Kaufkraft, Vertrauen fehlen, machen es auch die besten neuen Handelsverträge nicht. Die sind Mittel zum Zweck, aber Vorausbedingung wird immer die Erneuerung von Kaufkraft und Vertrauen sein. Und das letztere kommt wieder nicht von allein, nachdem es so sehr geschädigt worden ist, es muß heiß umrungen und erworben werden. Die neuesten Vertrauensbrüche weisen darau hin, daß diese Notwendigkeit noch immer nicht ganz so erkannt worden ist, wie es die Verhältnisse tatsächlich erfordern. Seit anderthalb Jahren ist auf eine neue Hochkonjunktur gehofft, aber das Hoffen hat garnichts gebracht. Die Thaten müssen kommen. Den Familienzwist im sächsischen Königshause hätte wohl jeder Deutsche an der Jahreswende vermißt; daß der Dresdner Hof sich nun so schnell wie möglich bemüht, die traurige Sache aus der Welt zu schaffen durch einen Spruch des Gerichts, ist das einzige Rechte. Nicht so tragisch fassen wir die venezolanische Geschichte auf; das neue Jahr wird sich nicht allzu lange mehr mit ihr zu befassen haben. Etwas Erkenntnis ist dem Präsidenten Castro längst aufgedämmert, das, was bisher zur vollen Erkenntnis noch fehlt, wird sich auch schon einstellen. Nur nicht nervös dabei werden! Für Ruhe und Ordnung auf der Balkanhalbinsel mit ihren sengrigen Verhältnissen dürfte die Zusammenkunft des russischen u. des österreichischen Ministers des Auswärtigen in Wien im neuen Jahre hinlänglich sorgen; die Schwadro= neuere in Bulgarien und Serbien haben aus dem Munde des Leiters der auswärtigen Politik des Zaren zweifellos gehört, wenn auch mit verbindlich=liebenswürdiger Verbrämung, daß es unrecht ist, des Nächsten Land zu begehren, selbst wenn dieser Nächste der türkische Sultan ist. Der greise Kaiser Franz Josef hat seine lieben Sorgen mit seinen Anverwandten; der alte Herr konnte in der Tat s. Zt. mit Recht sagen, daß ihm nichts erspart bleibe. Die Franzosen beschäftigen sich mit den Schwindel=Humberts, die glücklich im Pariser Gefängnis sitzen, aber in Zukunft, bei dem Prozeß wider sie wohl genug von sich reden machen werden. Die edlen Briten hoffen, daß Herr Chamberlain in Südafrika alles zum besten wenden wird. Zeit wird's, denn die Aktionäre der Goldminen sind längst unruhig. Ein neuer Krawall hat sich im schönen Lande Marokko aufgethan, der Sultan ist mit Entthronung bedroht. Das geht uns wenigstens nichts an. Sonnabend, 3. Januar 1903. mer für gefahrlich. Die Stadt Fez ist voll Unzufriedener die nur darauf warten, daß der Thronforderer Bu Hamara kommt, um sich ihm anzuschließen. Als schreckliches Anzeichen seiner Annäherung hat dieser eine Anzahl eingesalzener Köpfe von gefallenen Soldaten des Sultans nach Fez gesandt!— In einer anderen Meldung heißt es, der regierende Sultan habe Boten zu seinem älteren, von ihm eingekerkerten Bruder Mulai Mohamed nach Mekinez geschickt, um diesen nach Fez kommen zu lassen und dem Volke zu beweisen, daß der verdrängte Thronfolger nicht an der Spitze der Bewegung stehe. Flucht der Kronprinzessin von Sachsen. Der Chefredakteur der„Chemnitzer Allg. Ztg. besuchte den in Freiburg i. Schweiz als Priester und Universitätsprofessor amtierenden Prinzen Max von Sachsen, der infolge der Aufregung über die Katastrophe im sächsischen Königshause krank darniederliegt. Trotzdem bat der Prinz seinen Besucher um Mitteilung seiner Erfahrungen in Genf, die er mit Ausrufen bittersten Schmerzes entgegennahm. Prinz Max schiebt die Hauptschuld an dem ehelichen Zerwürfnis des kronprinzlichen Paares dem Erzherzog Leopold Ferdinand zu, der, obwohl freiester Anschauungen huldigend, es doch verstanden habe, sich am sächsischen Hofe beliebt zu machen, sodaß ihm der Kronprinz vertrauensvollste Freundschaft entgegengebracht habe. Sorgen äußerte der Prinz um seinen Vater, den König Georg und die Königin Carola. Von seinem Bruder, dem Kronprinzen, sagte er:„Kann er nun wohl noch König werden? Sachsen verlangt doch eine Königin. Die Kronprinzessin schien dazu angethan, das Band zwischen dem Volk und dem Königshause noch inniger zu knüpfen. Politische Uebersicht. Deutschland. — Vom Kaiserhofe. Der Kaiser empfing Freitag vormittag die Abordnung der Halloren, machte später mit seiner Gemahlin einen Spaziergang im Berliner Tiergarten und hatte dann eine Besprechung mit dem Reichskanzler. Nachmittags waren Generalfeldmarschall Graf Waldersee, der Minister Dr. Studt und der Maler Rocholl beim Kaiser. — Besuch des deutschen Kronprinzen am Zarenhofe. Wie die„Nordd. Allg. Ztg.“ an der Spitze ihrer jüngsten Ausgabe amtlich mitteilt, wird sich der deutsche Kronprinz, einer vor mehreren Wochen erfolgten Einladung des Zaren folgend, Mitte dieses Monats zu einem Besuche am russischen Hofe nach St. Petersburg begeben. Das Verlangen des Kaisers von Rußland, den deutschen Kronprinzen, dem Kaiser Franz Josef mit so großer Liebe zugethan ist, kennen zu lernen, darf jedenfalls als ein erneuter Beweis für die Dauer guter und freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Höfen von Berlin und Petersburg angesehen und willkommen geheißen werden. — Am Neujahrstage ist auch der Armee und der Marine mitgeteilt worden, daß sie sich künftig der neuen Rechtschreibung zu bedienen haben. Es soll aber mit der Einführung nicht zu streng verfahren werden. In Berichten an den Kaiser und in den Entwürfen zu kaiserlichen Kundgebungen ist die bisherige Schreibweise beizubehalten. Abonnementspreis pro Quartal 1 Mark 65 Pfg. excl. 42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“ fen wird jedenfalls gedacht haben, etwas blutig Ernstes gesagt zu haben; auf normale Menschen dürfte aber seine Dichtung nur den entgegengesetzten Eindruck machen. Der „hungernd brüllende Löwe“, der„bebende Zwinger", die satte Welt, die„lungernd ihre Taschen füllt", das Volk, das„mit Eisenklammern sich zusammenschließen" und „mit Donnermund der Wahrheit Sakramente künden“ soll,— das sind alles Phrasen, die selbst in einem Neujahrsgedichte nur erheiternd wirken können. Lokales. Schwerte, 3. Januar 1903. ** Wir sind im neuen Jahr, und vorwärts in die Zukunft haben wir nun zu schauen, nicht mit dem zu rechnen, was uns vielleicht ein Zufall in den Schoß wirft, sondern mit dem, was wir durch unsere Tatkraft erwerben wollen Die Revolution in Marokko. Die Haltung der Großmächte in der marokkanischen Frage bleibt noch immer vorwiegend abwartend und beschränkt sich auf die notwendigen Vorbereitungsmaßregeln. Aufgeregt zeigt sich nur Spanien, dessen neue Regierung offenbar ein unbezwingliches Verlangen nach kriegerischen Lorbern trägt. Allem Anscheine nach werden die marokkanischen Wirren jedoch eine Intervention der Mächte, also auch Spaniens, garnicht erst nötig machen. Sultan Abdul Asis hat beruhigende Versicherungen abgegeben und den Notabelen seines Landes erklärt, die Beziehungen zu den Christen abbrechen und seine Irrtümer abschwören zu wollen. Sein alleiniger Zweck sei die Aufrechterhaltung des Islam. Als sofortige Folge dieser Ansprache erwartet man die Entlassung aller europäischen Beamten und die Rückkehr zu einer scharf reaktionären Politik. Für den Augenblick gilt die Lage des Sultans allerdings noch im Sozialdemokratitche„Poesie“. Der„Vorwärts“ bringt an der Spitze seiner Neujahrsnummer ein blutrünstiges Gedicht, dem wir folgend Strofen entnehmen: Der Leu im Zaume hungernd brüllt, Der Zwinger bebend dröhnt; Die Welt, die satte, lungernd füllt Die Taschen sich und höhnt: „Ist dem Geschlecht der Katzen Auch selbst im Zaum zu trau'n? Sie brüllen fort und kratzen, Drum muß man schau'n, die Tatzen Der Bestie abzuhau'n!“ Drum, Volk, mit Eisenklammern schließ' Zusammen Dich im Bund! Die Wuch'rer aus den Kammern schließ' Und künd' mit Donnermund Der Wahrheit Sakramente, Daß mit dem Recht zugleich Des Elends Elemente Zieh'n in die Parlamente Von Stadt und Land und Reich! Die dichtende Demokratie hat von jeher einen starken Stich ins Lächerliche gehabt. Wenn aber die Sozialdemokratie zu dichten anfängt, so gerät sie gar zu leicht in das Grobkomische hinein. Der Dichter der mitgeteilten Stround erwerben können. Das Vertrauen in der Welt ist leider gering geworden, das Zutrauen zu sich selbst darf nicht schwinden. Vom Glück reden und Luftschlösser bauen, das bringt nicht viel ein in unserer Zeit nüchternen Rechnens und unermüdlichen Schaffens, die rechte Leistung befriedigt andere und uns selbst am meisten. Großes und Tüchtiges wird nur hervorbringen, wer an sich selbst hohe Anforderungen stellt. Glück ist uns genug gewünscht, wir meinen der launischen Dame Fortuna geschmeichelt zu haben, indem wir einen klingenden Obolus in die Hand des Teilnahmsvollen gleiten ließen, aber was in Sylvester= und Neujahrsstimmung noch rosig und licht ercheinen mochte, das stellt sich schon anders dar am Tage der Arbeit, der nun wieder die Festzeit ablöste. Gern erhalten wir uns auch für später einen Schimmer dieser Stimmung, nur, daß sie nicht mehr Einfluß ausüben darf auf das praktische Tun; sie bleibe uns bewahrt für die Erholungsstunden nach der Arbeit. Ja, es ist wohl eine gründliche Sylvesterfeier gewesen, das Wetter war mild und zu allerlei Ausbrüchen des Jubels über das beendete Regenjahr geeignet. Die Influenza, die etwa hinterher kommen sollte, wird hoffentlich ebenso schnell überwunden, wie der Punsch=Kater, der sich leider mehr als gut zu regen pflegt. Warum, das ist einfach! Das ältere Geschlecht, so das, welches 1870 das Neujahrsfest auf französischem Boden feierte, kann in den vorgerückteren Jahren nicht mehr so viel vertragen, und das jüngere Geschlecht ist nervöser, ihm ist die Widerstandsfähigkeit gegen die„innig gesellten vier Elemente“ in der Terrine oder Bowle— was macht das Aeußere, wenn das Innere nur gut ist— nie so gegeben gewesen. Man sehnt sich am Neujahrstage gern nach Ruhe, aber oft wird die Rechnung ohne den Wirt, will sagen: die Gratulanten, gemacht; Punsch Sylvester=Orakel und Gratulanten, sie bilden Glieder einer Kette, die wir nicht los werden. Wir wünschen auch, daß niemand von einem jener liebevollen Mitmenschen bedacht sein möge, die etwas darin suchen, unfeine Neujahrskarten unter dem Schirme der Anonymität einem zuzuweisen. Das ist unter Umständen eine viel größere Roheit, wie ein Hieb mit einem Knüppel. Sonst freut man sich ja doch, wenn eine hübsche Zahl von Glückwünschen mit der Post einging und erwiderte dieselben herzlich. Die Teilnahme erfreut, und wenn gleich manche Mark für diesen Zweck aufgewendet wird, die auch anderswo angelegt sein könnte, es bleibt auch für diese anderen Zwecke noch genügend übrig. Jetzt ist nun wieder Arbeitstag, Kopf und Hand müssen wieder heran, des Dienstes ewig gleichgestellte Uhr hat ihren Ruf erschallen lassen. Wehmütig blicken wir dem auf den Hof gewanderten, am Sylvesterabend„geplünderten“ Christbaum nach, und dann heißt es kurz entschlossen: Es war einmal! Lang ausgedehnt liegen die Tage von 1903 vor uns; und wie kurz wird das Jahr wieder gewesen sein, wenn es vorüber? Mag Friede und Zufriedenheit seine Monate ausfüllen! **(Gustav Adolf=Verein.) In Altena fand unter Vorsitz des Pastors Heinenberg=Schwerte eine Sitzung des Vorstandes des Kreisvereins der GustavAdolf=Stiftung der Diözese Iserlohn statt, in welcher die Einnahmen für dieses Jahr zur Verteilung kamen. Herr Fabrikbesitzer Eduard Quincke=Altena, der mit dem abgelaufenen Jahre 30 Jahre Rendant des Vereins gewesen ist, legte die Rechnung. Eingegangen sind von der Kollekte Westhofen 34,05 Mk., von der Synode in Hohenlimburg 34,55 Mk., von Letmathe 75,35 Mk., von Oestrich 100 Mk., von Hennen 105 Mk., von Hemer 144,35 Mk., von Hohenlimburg 611,42 Mk., von Schwerte 414,30 Mk., von Nachrodt 42,80 Mk., von Deilinghofen 34,20 Mk., von Evingsen 33 Mk., von Altena 609,85 Mk., von Iserlohn 900 Mk. und von den Erben Theodor Schmidt, früher in Iserlohn und jetzt in Nürnberg, 500 Mk., in Summa 3850,48 Mark. **(Der hiesige Lokomotivführer=Verein„Lokomotive“) feierte am Neujahrstage im Kaisersaale des Westfälischen Hofes sein diesjähriges Winter= bezw. Weih nachtsfest. Es fand unter dem in Lichterglanz strahlenden Weihnachtsbaum eine Bescherung der Kinder statt; die Theaterstücke, die von den Mitgliedern gespielt wurden, gingen recht flott voran und riefen oft lebhaften Beifall und große Heiterkeit hervor. Nach dem Konzert fand Ball statt, welcher die Herren des anstrengenden Dienstes auf dem dampfbeflügelten Stahlroß und ihre Damen noch einige Stunden in fröhlicher Stimmung beisammenhielt. Im Laufe des Abends nahm Herr Lokomotivführer Saamann das Wort und brachte in zündenden Worten das Kaiserhoch aus, welches begeisterten Widerhall fand; anschließend hieran wurde stehend die Nationalhymne gesungen. Das Fest ist in jeder Beziehung schön und ungetrübt t1(Ueber die Blindenkapelle des Herrn Rodenbusch aus Köln,) welche von heute ab einige Tage im 9 rant„Zum alten Rathaus“(C. Böhmer) konzertieren wird, schreibt die„Broicher Zeitung": Im Restaurant „Zum Schloß Broich“ erfreut sich die Blindenkapelle des Herrn Rodenbusch aus Köln wegen ihrer trefflichen Leist ungen allabendlich des lebhaftesten Beifalls, verdient diesen aber auch im höchsten Maße. Jedes einzelne Mitglied ist Herr seines Instrumentes und wirkt es fast unglaublich auf die Zuhörer ein, eine solche kunstgerechte Wiedergabe von erblindeten Herren zu hören. Auch spielen dieselben viele eigene Kompositionen und wollen wir noch erwähnen, daß einer der Herren, ein gut geschulter Sänger, Lieder Laufes herannahte, um den Zug noch zu benutzen. sprang auf das Trittbrett eines Waggons, rutschte ur Er siert— man weiß nur nicht, was. Juni ist der Monat der aber Schiffbrüche. Im Juli ereignet sich ein ernster Vorfall in sofort wieder mit der rechten Hand Holland. Im September macht ein Vertrag von sich reden, am Wagen, während er mit der linken Hand das Mädchen der ganz besonders England interessiert, und dem wichtige festhielt. Im Augenblick der höchsten Gefahr— Killings Ereignisse in Gioraltar voran Beine befanden sich bereits unter dem Trittvrett in nächster Nähe der Räder— eilte der Bahnsteigschaffner Möller hinzu und riß Vater und Kind mit voller Wucht an sich, wobei alle drei auf den Perron stürzten. Der wackere Beamte wurde wegen seiner entschlossenen Tat allseitig bece, Witten, 1. Jan. In einer Wirtschaft in der Crengeldanzstraße kam es heute morgen zwischen deutschen und polnischen Arbeitern zu einem Zusammenstoß. Der polnische Arbeiter Stanislaus Kosmer zog im Verlaufe des Streits sein Messer und brachte durch einen Stich, der einem Deutschen gegolten hatte, einem Landsmann eine gefährliche Kopfwunde bei. Der Täter wurde heute nachwittag verhaftet.„ Hüsizen Arsenie * Bochum, 2. Jan. Einem hiesigen Ingenieur sind Vor emig.: Jen 1300 Mark gestohlen worden. Nachvon Brahms, Schubert usw. singt. Den Höhepunkt erreicht das Programm in der Piece„Parademarsch“, welche! von Herrn Rodenbusch selbst arrangiert ist. Elektrisierend wirkt diese Piece auf die Zuhörer und erzielt einen nicht enden wollenden Beifall. Herr Rodenbusch selbst ist ein vielseitiger Künstler, der die verschiedensten Instrumente zu beherrschen versteht. Da nur noch einige Konzerte gegeben werden, so wollen wir nicht verfehlen, ganz besonders darauf hinzuweisen. Eitunz nam 9; Deib **(Strafkammer Hagen.) Sitzung vom 31. In heutiger Sitzung wurde der Dachdecker Robert Groll aus Schwerte, der den Gerichten schon ein alter Bekannter ist und erst kürzlich, wie wir meldeten, zu mehreren Monaten Gefängnis verurteilt wurde, wiederum zu einer Gefängnisstrafe von 3 Monaten verurteilt, weil er den Kaufmann Adolf in Wetter um Blei im Werte von ungefähr 150 Mark beschwindelt hat.— Der Fabrikarbeiter G. Schm. aus Schwerte hatte sich im Juni auf dem Schützenfeste kräftig amüsiert; herach bekam er Streit und bedrohte die Arbeiter Bartschneider, Hugo Brand und F. Müller mit dem Revolver, er gab auch zwei Schüsse ab, ohne jedoch zu treffen. Zwei Monate erhielt er Zeit, über seine leichtsinnige Handlung hinter festen Mauern 9.(Die Beisetzung von Aschenresten auf Kirchhöfen.) Das Oberlandesgericht zu Hamm in Westfalen hatte die beklagte Kirchengemeinde zur Duldung der Beisetzung von Aschenresten auf dem Hagener Kirchhof verurteilt. Das Reichsgericht hob dieses Urteil auf und wies die Sache zur Ereignisse in Gioraltar vorangehen. Im Oktober giebt es ein neues Eisenbahnunglück; unter den Opfern befindet sich ein englischer Minister. Wirren im Orient werden für November prophezeit, und im Dezember passiert irgend etwas Furchtbares in den Vereinigten Staaten. Es haben also fast alle Völker Grund, dem Jahre 1903 mit Mißtrauen entgegenzublicken! Neueste 8 Berlin, 2. Jan. Der ehemalige Effektenkassierer der Bank für Handel und Industrie, Guttnar, der der Bank 30000 Mark unterschlug und vor ca. fünf Wochen flüchtig wurde, ist in Frankfurt a. Oder verhaftet worden. § Berlin, 2. Jan. Im Köpenicker Armenhaus erstickten in der Sylvesternacht zwei kleine Kinder infolge sind vor einiger Zeit 1300 Mark gestohlen worden. Nach= Einatmens, von Rauch. Neben dem eisernen Ofen aufgeverdächt" Personen verhaftet sind, hatte die schichtetes Holz war in Brand geraten, wahrend die MutStaatsanwaltschaft durch Polizeibeamte Ausgrabungen in ter nicht anwesend war. Letztere wurde verhaftet und geder Nähe von Hamme vornehmen lassen. Es wurden beisgen sie ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eindieser Gelegenheit dem auch 8i5 Mark vorgeuden, deun oot g Bxrega u, 2. Jan. Wie der„Bresl. Ge3.e= meic. 2 Parmen, 2. Jan. Nachdem kürzlich mit Schluß det, ist in Breslau unter dem Verdachte, gestern nachmitder Düsseldorfer Ausstellung der Seifenfabrik Aug. tag seinen 13/4 Jahre alten Sohn erschlagen zu haben, der Reichsgericht hob dieses Urteil auf u. abermaligen Verhandlung an das Overlandesgericht zuLuhn& Co. in Barmen, als einziger der Branche, die höchste Auszeichnung, die goldene Medaille zuerkannt worden ist, verlieh jetzt der Minister für Handel und Gewerbe dieser Firma die Staatsmedaille für gewerbliche Leist* Elberfeld, 2. Jan. Heute früh beging die Ehefrau des Speisewirts Maar Selbstmord, indem sie sich aus einem Fenster der zweiten Etage auf die Straße stürzte. Die Frau war sofort tot. * Düsseldorf, 2. Jan. Gestern nachmittag wurde von der hiesigen Polizei in einer Wirtschaft an der Alleestraße eine geheime Versammlung aufgehoben und ca. 12 Personen verhaftet. Es handelt sich aller Wahrscheinlichkeit nach um eine anarchistische Gesellschaft. Köln, 2. Jan.„Guten Morgen...“ Aus der Untersuchungshaft entsprungen ist hier ein bekannter Einbrecher namens Werminghaus aus Düsseldorf. Er vollführte die Tat am Samstag morgen gegen 9 Uhr durch Ueberlistung von 5 Aufsehern. Beim Hereinlassen von 1 Schiffer Zote verhaftet worden. sollen dem Trunke ergeben sein. Schläge auf den Kopf getötet worden. Zote und Das Kind Frau durch § Hanau, 2. Jan. Der anau, 2. Jan. Der Bankier Leopold Lilienfeld, in Firma Michael Benjamin, ist heute wegen Unterschlagungen verhaftet worden. § Budapest, 2. Jan Aus Anlaß einer Verteilung von milden Gaben kam es gestern abend im Palais der Gräfin Carolyi zu einem großen Gedränge, wobei viele Personen schwer verletzt wurden. Einer Frau wurde der Brustkorb eingedrückt. Sie verstarb auf dem Wege nach dem Krankenhause. § Belgrad, 2. Jan. Die im Sommer beurlaubten Reservisten wurden plötzlich wieder zu den Fahnen einberurcn. G. ke K 84 &§ Sofia, 2. Jan. Bullgarien hat den Handelsvertrag mit Oesterreich gekündigt. § Paris, 2. Jan. In einem Wagenabteil des in lleberlitung von 5 Aufsecher. Vem Hereinlasen von 18), Muzisahrsnacht von hier nach der belgischen Grenze Gefangenen aus dem Gefangnishof in den Gang ves Ge.] ver. Au.u,u, Zuges befanden sich 5 Reisende, welche sich licher Leichen nicht miehr im Wege frehe, Leutschensließ sich dipieren und öffnete dem Burschen, der schon in abe namttz“. Setgeunh Lüsseldorf zweimal aus der Untersuchungshaft ausgebrobeoechöirden und bitrchengeweun, guanglischer, Kitz schen und, noch mit den Tüiseldorfer Anstaltsgend veresite ogr,uter, Oenechuygsthegresten verbrannters sehen, hier ergriffen worden war, das Tor, worauf sich u. hörden, die geisetzug von Altzentzurn gerbraunterlseche, Zistz,ero.3.; Zucs mit einem freundlichen„Guten rück. In der neuen Verhandlung hat dieses sein erstes Urteil aufrechterhalten und ausgeführt, daß die Klägerin eine Erweiterung der hergebrachten Volkssitte in dem Sinne nachgewiesen habe, daß diese einer Benutzung der Friedhöfe auch zur Aufbewahrung von Aschenresten menschlicher Leichen nicht mehr im Wege stehe. Die Klägerin habe nämlch Bescheinig Gemeindebe — teilweise Leichen gestattet hätten. Das Reichsgericht hat nach der Köln. Ztg. nunmehr dieses Urteil bestätigt. ** Lichtendorf, 3. Jan. Zu dem Unglücksfalle in der Familie des Herrn Lehrers S. wollen wir noch nachtragen, daß derselbe lediglich einem unglückseligen Zufalle zuzuschreiben ist. Die Schere, mit der das Kind sich das Auge verletzt hat, war einer Schneiderin aus der Hand gefallen, und ehe sie sie wieder aufheben konnte, hatte das Kind sie ergriffen und sich schon damit verletzt. Wie wir weiter hören, ist die Sehkraft des Auges vollständig verloren. Allseitig wird der so schwer geprüften Familie die regste Anteilnahme entgegengebracht. ** Sölderholz, 2. Jan. Der jugendliche Grubenarbeiter Friedr. Hilsmann erlitt auf Zeche„Margarethe“ in Sölde eine erhebliche Quetschung des rechten Beines dadurch, daß er zwischen zwei Wagen geriet. H. wurde mittels Wagen in seine elterliche Wohnung gebracht, woselbst er längere Zeit ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen muß. fängnisses war W. der letzte in der Reihe. Er benutzte einen momentanen Wärterwechsel, um unter dem Rufe: „Hier! Hier!“ gleichsam als wenn er vom Hofe her gerufen worden ware, aus der Reihe herauszutreten und sich in schnellem Gange zu dem das nächste zum Ausgang führende Thor bewachenden Aufseher zu begeben, der ihm, da W. seine Privatkleidung anhatte und sagte, er warte schon längere Zeit darauf, herausgelassen zu werden, für einen der im Bau s. Z. beschäftigten Arbeiter hielt und durchließ. Dem Aufseher des äußersten, in die Freiheit führenden Tores zeigte W. ein unter dem Ueberzieher verborgen gehaltenes Blechstück, das er vom Fenster seiner Zelle abgeschraubt hatte, mit den Worten:„Ich habe jetzt Maß genommen und bin fertig. Lassen Sie mich heraus!“ Auch dieser, schon 42 Jahre im Dienste stehende Aufseher unter Luftung des Hutes mit einem freundlichen„Guten Morgen!" empfahl.— Erst nach einer langeren Zeit hatte man im Gefängnis die Gewißheit erlangt, daß W. entsprungen sei. Sofort spielten Telegraph und Telephon nach allen Richtungen hin, aber es ist noch nicht gelungen, des gefährlichen Menschen, der hier seit 2 Monaten in Untersuchungshaft gesessen, habhaft zu werden. Kassel, 1. Jan. Der Buchhalter Bartenbourg von der Bauermeister'schen Schuhleistenfabrik in Bodenfelde hat in sehr geschickter, raffinierter Weise Wechsel fälschungen im Betrage von einigen 20000 Mark verübt und ist darauf durchgebrannt. Den Hauptschaden erleiden mehrere auswärtige Bankhäuser. abgegangenen Zuger refangen sich 5 Reisende, welche sich über Politik unterhielten. Plötzlich sprang einer der Mitreisenden auf und gab auf seine Mitreisenden zwei Revolverschüsse ab, welche einen derselben schwer verwundeten. Ein Soldat warf sich dem Angreifer entgegen, es entstand ein Handgemenge, wobei die Streitenden gegen die Wagentür fielen, wodurch letztere sich öffnete, sodaß die an dem Kampfe Beteiligten in dem Augenblick aus dem Wagen stürzten, als der Zug in die Station Noyan einlief. Der durch den Schuß schwer Verletzte, sowie einer der aus-dem Wagen gefallenen Reisenden, wurden in ärztliche Behandlung gegeben, während der Attentäter verhaftet wurde. lgier, 2. Jan. Drei Kompagnien des 1. Schutzbataillons haben Befehl erhalten, nach der marokkanischen Grenze abzugehen. Die hier eintreffenden Karawanen berichten, daß sie mehrere Angriffe von arabischen Stämmen des Buamaragebietes zu bestehen hatten; fünf Personen seien getötet und sieben verwundet worden. Die Militärbehörden treffen an der Grenze alle erforderlichen Maßnahmen, um Plünderungen zu verhüten. Aus Westfalen und Rheinland. * Iserlohn, 2. Jan. (Die Zentrale für Spiritusverwertung) hat nach ihrem Geschäftsbericht für 1902: 332 Millionen Liter Spiritus empfangen und davon 297½ Mill. oder 14 Mill. Liter mehr als im Vorjahre abgesetzt. Die ge dische Erzeugung stieg auf 425,4 Mill. Liter und überflügelte die des Vorjahres, die bis dahin umfangreichste, um 20 Mill. Die Ausfuhr hob sich von 16 auf 29 Mill. eudige Ueberrasch=Liter. Der Absatz im Trinkverbrauch ging von 3,1 Mill. Eine freubunge u. 1e... auf 2.38 Mill. 1(„Old Moores" Prophezeihungen für 1903.) Das englische Volk ist, obwohl es als sehr praktisch gilt, sehr ung wurde an den zurückgelegten Feiertagen den Arbeitern der Nickelfabrik zuteil. Seitens der Direktion der Aktiengesellschaft wurde jedem Arbeiter ein Geldgeschenk über= abergläubisch. Es glaubt an Wahrsagerinnen, Orakel, reicht. Ein Arbeiter, welcher schon längere Zeit an sein Gespenster, besonders aber an„Old Moores“, Kalender Krankenlager gebunden ist, erhielt ein Geschenk von 50 der mit sibullinischer Geheimtuerei die Krankheit Eduards #7T##bnzeit hat8 ar in der Achtung iit sibyllinischer Geheimtuerei VII. prophezeit hat, ist er in der Achtung seiner Landsleute noch ganz bedeutend gestiegen. Man sah deshalb mit großer Spannung und Besorgnis seinen Prophezeihungen für 1903 entgegen, und die Besorgnis war sehr gerechtfertigt, denn es wird ein böses Jahr. Der Januar schon bringt neue Wirren im Orient, eine Panik in Spanien, einen Finanzkrach in Newyork und ein Attentat auf sabrik beschaftigt ou ge gg. den König von Portugal. Das Jahr fängt alsg gut an Heute mittag fahren mehrere Famiten, 3ujam,ger, Ftagt Im Februar herrschen„Fpeuer und Schwert“ in Oesterreich milien, von hier nach ihrer neuen Heimat. In Baloe stey. und 9 gr:“ uchardem gicht as 1 * Iserlohn, 3. Jan. Einen empfindlichen Verlust erleidet die hiesige Bronze=Industrie durch den Fortzug cheer kächtigsten Arbeiter. Eine holantische,Hienendercen neuangelegten Bronzewarenfabrik beschäftigt zu werden. ihrer tüchtigsten Arbeiter. Eine holländische Firma engagierte aus den hiesigen Bronzewaren=Fabriten gegen sehr gute Löhne eine große Anzahl, Leute. Dieselben verziehen nach Tiel in Holland, um daselbst in einer größerer und in ehina, außerdem giebt es Unruhen in Indien. Der März bringt einen ernsten diplomatischen Zwischenfall zwischen England und einem anderen Reiche, außerdem Wirren in Algerien. Sehr verheißungsvoll beginnt der April: es werden es werden Gold= und Diamantbergwerke entdeckt. Dann aber wird es fürchterlich: Revolution in wieder ein Wegzug von etwa 100 Personen bevor. Es ist ein trauriges Zeichen für unsere heimische BronzeIndustrie, daß eine so große Anzahl tüchtiger Arbeiter ihr den Rücken kehrt, um im Auslande, das ihnen mehr Verdienst und mehr Wohlfahrt bietet, eine neue Heimat zu 9 Sr. Ein aufregender Vorfall spielte Konstantinopel, Krach in London, Unruhen in Belgien, eine Wirten, 2. M, S a)Bahnhofe ab. Der große Eisenbahnkatastrophe, bei der ein berühmter Prälat Eigener der„Schwerter Zeitung.“ II4 Berlin, 3. Jan. Der Restaurateur Alisch wurde auf der Weißen Brücke von einem jungen Manne namens Otto Mansky aus Rache überfallen und durch drei Revolverschüsse tötlich verletzt. Der Thäter wurde verhaftet. Hd. Dresden, 3. Jan. Bei eintretender Nacht verschlimmerte sich das Befinden des Königs Georg. Er wurde von heftigen Fiebern befallen, sodaß der Leibarzt zwei Stunden am Bette des Königs bleiben mußte. Durch das Fieber ist eine weitere Abnahme der Kräfte unvermeidlich geworden; auch die Aufnahmefähigkeit von Nahrung hat sich nicht im geringsten gehoben, dazu kommt, daß sich eine Schwächung der Herztätigkeit bedie gesamte inlän= merkbar macht. Die Arterien sind verkalkt und der Puls setzt zuweilen aus. IId Berlin, 3. Jan. Nach einem Telegramm aus Wien wurde Erzherzogin Maria Josefa, die Gemahlin des Erzherzogs Otto, nach Dresden an das Krankenlager ihres Vaters, des Königs Georg, berufen. ILI Wien, 2. Jan. Der Ober=Offizial der DonauDampfschiffahrtsgesellschaft, Niemetz, ein bekannter Hochtourist, der einen Aufstieg auf den Hochfeiler, den höchsten Punkt in den Zillertaler Alpen, unternahm, wird vermißt, ebenso sein Führer. Alle Nachforschungen waren bis jetzt vergeblich. Hd Paris, 3. Jan. Der Untersuchungsrichter Leydet wird heute die Mitglieder der Familie Humbert in Gegenwart ihrer Verteidiger einem Verhör unterziehen. Wie verlautet, betragen die Gesamtschulden der Humberts 110 Millionen Francs. IIA Washington, 3. Jan. Castro hat sich gegen die Unterbreitung der venezolanischen Angelegenheit an das Haager Schiedsgericht ausgesprochen, er schlägt eine der mittel= oder südamerikanischen Republiken als Schiedsrichter vor(und denkt dabei, daß eine Krähe der anderen kein Auge aushackt). IIA Carracas, 3. Jan. Regierungstruppen sind von hier nach Tuythal abgegangen, um den gegen Carracas marschierenden Revolutionären eine Schlacht zu Acfern. Für den redaktionellen Teil verantwortlich: Wilh. Schade. Todes-Anzeige. Mutter, Grossmutter, Schwägerin und Tante, die Ehefrau Karl Kuchhäuser geb. Dreihaus im 59. Lebensjahre infolge Herzschlags in die Ewig. keit abzurufen. Um stilles Beileid bitten Die tieftrauernden Hinterbliebenen. Schwerte, Iserlohn, Honnef und Leuscheid, den 2. Januar 1908. Die Beerdigung findet Montag nachmitag 3 Uhr vom Sterbehause(Ostbergerstrasse 13) aus statt. 9 Hvene. 8VERSCHLEIMUNG. Schwerte: Drogerie Wilhelm Heppe. Hinsbeck, Fischer& Co. Hagen i. W. 200„ Aktien-Kupital M. 282882 Reserve-Kapital M. 4870000 10— 10 9 Eröffnung von laufenden Rechnungen mit und H ohne Creditgewährung unter günstigen BeEröffnung von provisionsfreien Checkrechnungen, Annahme von Depositen, mit kürzerer Guct In längerer Kündigungstrist. 10 Vorschüsse auf Wertpopiere..rag, Acsign altg i ## An- und Verkauf von Staatspapieren, Hotlen Crc. 5 Aufbewahrung u. Verwaltung von Wertpapieren. In In Vermietung von Gefächern(Safes) im Stahl5 panzergewölbe unter eigenem Verschluss des n Mieters 0 # Domicilstelle für Wechsel. 9 DASAGRGAGASEGASESSAGASESAGASPGAGRSEEG „Westfäl, Hof“ (Inh. W. Quadbeck.) Sonntag, 4. 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Schlachtwertes 61 b) junge fleischige, nicht ausgemäst. u. ältere ausgemäst. 54 c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere.] 50 d) gering genährte jeden Alters. 46 a) vollfleischige, ausgemästete bis zu 5 Jahren..] 60 b) vollfleischige jüngere.......„ 53 c) mäßig genährte jüngere und gut genährte altere: 1 48 d) gering genährte....... 43 a) vollfleisch., ausgemäst. Färsen höchst. Schlachtw. 56 b) vollfleisch., ausgemäst. Kühe, höchst. Schlachtw. 52 c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen. 50 d) mäßig genährte Kühe und Färsen.. 44 e) gering genährte Kühe und Färsen..1 42 a) Doppellender1— b) feinste Mast=(Vollmilchmast) und beste Saugtälber] 65 c) mittlere Mastkälber und gute Saugkälber 60 d) geringere Saugkälber........ 54 e) älteres gering genährtes Jungviey(Fresser) 1 44 a) Mastlämmer und jüngere Masthammel....1 50 b) ältere Masthammel 48 e) mäßig genährte Hammel und Schafe(Märzschafe) 42 d) Holsteiner Niederungsschafe und Lämmer— a) vollfleischige der Rassen u. Kreuzungen bis zu 1¼ J.]— b) Käser c) fleischige d) gering entwickelte e) Sauen Kälber= und Schafnotiz vom 23. Dezbr. Vorflehende Preise verstehen sich Me 41—44 33—36 28—29 24—26 38—41 32—33 27—29 30—31 83—84 Mi. Der. 43 41—48 39 85—37 33—34□— 28—29— 38—39 37 31—32 26—27 38 38 38—34 27—28 23—24 20—22 56—57 43—48 80—32 24—26 35—87 31—32 23—26 60—61 58—59 56—57 56—57 29—31 22—25 48—51 43—47 38—42 81—32 34 30—31 28—30 25—26 22—24 62 45—46 41—43 88— 40 82 28—29 62—63 60—61 58—59 58—59 für 100 P 68 60—62 55—58 56—58 55—58 d. Lebendgewicht. Krieger-Verein Schwerte. Hustenleidtender probiere die husten— stillenden und wohlschmeckenden Kaiser's Brust=Caramellen 27/0 not. begl. Zeugn. 40 beweisen wie bewährt und von sicherem Erfolg solche bei Husten, Heiserkeit, Katarrh und Verschleimung sind. Dafür Angebotenes weise zurück! Packet 25 Pfg. Niederlage bei Aug. Hartmann in Bahnhofstr. 22. Mit Windeseile hat sich die feinste Blumenseife mit der Tilie. à Stck. 25 Pfg, von der Drei=Lilien=Parfümerie Berlin, überall Freunde erworben! Eine wirklich milde, vorzügliche Toiletteseife. Echt zu haben bei Heinrich Schröder. Wilhelistraße 15. Generalversammlung Sonntag, den 4. Jan 1903, abends 8 Uhr. Tagesordnung: 1. Zahlung der Beiträge. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Geburtstagsfeier Sr. Majestät. 4. Bericht über das verflossene Vereinsjahr. 5. Wahl der Kassen=Revisoren. 6. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen bittet Der Vorstond StaatseisenbahnVerein, Schwerte E. V. Lonntag, den 4 Januar 1903, nachmittags 5 Uhr im Stadtkeller General-Versammlung. * Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Ev Arbeiter= u. Bürger=Verein, den 4. Januar, nachmittags 4 Uhr bei Herrn hagemann wollen sich die Mitglieder der Jugend=Abteilung pünktlich sowie zahlreich einfinden. Vorstand. Schuhverein für handel u. Gewerbe. Montag, den 5. Januar 1903. abends ½9 Uhr, im kleinen Leineweber’schen Saale: Gemütliche Zusammenkunft. Der Beistand. Oeiin.„ Dr. Bertholal, für Frauenkrankheiten Dortmund, Eisenmarkt 3. Zur Helle, Schwerte Gänsebraten. Hasenbraten. Puterbraten. Junge Hahnen. Wurmes Frshatfrk 14/ PfG. Abendplatte 40 PfoCarl Raifin. 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Dieser Nummer liegt ein Prospekt über den soeben beginnenden neuen Jahrgang der„Gartenlaube" bei, welcher mit dem Roman eines jungen hochbegabten Erzählers Rudolf Herzog, unter dem Titel„Die vom Niederrhein“ und einer größeren Novelle der ersten deutschen Erzählerin, Marie von Ebner=Eschenbach, betitelt „Ihr Beruf“ eröffuet wird. Wir empfehlen denselben unsern geehrten Lesern zu besonderer Beachtung. Abonne ments auf den soeben beginnenden neuen Jahrgang der „Gartenlaube“ nimmt die Buchhandlung von Carl Braus, Schwerte, entgegen. Neu! bereitf Neu! alle nötigen Zusätze zum Matt- und Glanzbügeln, daher von Jedermann nach seinem altgewohnten Verfahren kalt, warm oder kochend mit gleich guter Wirkung verwendbar, auch ohne Vortrocknen der Wäsche. Angenehmes Plätten, leichte Loslichkeit, grösste Ergiebigkeit, vorteilhaftestes, schnellstes und der Wäsche zuträg##..., lichstes Stärkemittel. 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Heidelberg und Basel von Maffei in München mehrere 1500 pferdige Schnellzugslokomotiven erbaut worden, welche vor sehr schweren Zügen(300 bis 310 Tonnen) eine fahrplanmäßige Geschwindigkeit von 100 Kilometer über alle vorkommenden Steigungen innehalten sollen. Es sind im ganzen zwölf solche Maschinen bestellt, deren Kessel= und Arbeitsleistung über das übliche Maß weit hinausgeht. Die Lokomotiven sind vierzylindrig nach dem Verbundsystem. Die Laufachsen sind hohl gebohrt, die Triebachse dagegen ist massiv aus Nickelstahl. Wir führen unseren Lesern eine solche Maschine hierneben im Bilde vor. Der Lauf und die Geschwindigkeit dieser neuen Maschinen sind bisher von keiner anderen auf dem Kontinent erreicht worden. Am hinteren Teil der Maschine ist ein sog. Laufrad angebracht, das den exakten und ruhigen Gang der Lokomotive herbeigeführt; das macht sich besonders beim Passieren von Kurven angenehm bemerkbar. Die höchste Geschwindigkeit, welche die neue Maschine bisher schon zurücklegte, war 117 Kilometer pro Stunde. Um die Luft besser durchschneiden zu können, sind die Vorderwände des Führerstandes schiffsförmig zugespitzt. Die Rauchkammerthür, vorn an der Stirnfläche der Lokomotive, ist nach vorn kegelförmig verlängert, sodaß das Ganze wie ein gewaltiges Geschoß aussieht. Die Triebräder sind 2,10 Meter hoch, der Kessel liegt so hoch, daß der Schornstein nur noch etwa 50 Zentimeter hoch wird. Zeitgemäße Betrachtungen. „1903.“ Die Feiertage sind vorbei! Wir schreiben 1903 Und kommen nun vernünft'gerweise Allmählich in die alten Gleise. Den Christbaum plünderte man schon, Ach Undank ist ein schnöder Lohn, Das mußte nun selbst der erfahren, Für den wir ganz begeistert waren. Die Lust verhallt, der Glanz verblaßt, Und nach der Feste Ruh und Rast Folgt wieder nun des Werktags Plage, Das Jahr bringt neue Arbeitstage. Wir richten unser Augenmerk Erneut auf unser Tagewerk, Und alle Feiertagsint’ressen, Sie sind versunken und vergessen! Zwar ist der Kopf noch etwas schwer Vom Punschen und dergleichen mehr, Vielleicht auch noch von Zahlungssorgen, Die mit sich bringt der Neujahrsmorgen. Jedoch mit etwas inn'rem Halt Verwindet man die Schmerzen bald, Man reckt und streckt die müden Glieder Und seufzt: Die Arbeit hat mich wieder! Wir hoffen viel vom neuen Jahr, Am Ende kommt's, wie's immer war. Hier tönt die Freude, irrt die Klage Der Wasservorrat beträgt 20 Kubikmeter, das Leergewich 67 Tonnen(gleich 1340 Zentner.) Vergleicht man damit die Form der ersten deutschen Lokomotive, die in der kleinen Zeichung oben rechts abge bildet ist, so fällt der außerordentliche Fortschritt im Lo komotivenbau, der sich äußerlich schon durch die riesig Größe der neuesten deutschen Lokomotiven kenntlich macht, auf. Die kleine Zeichung stellt die erste Lokomotive dar welche überhaupt in Deutschland gebaut worden ist. Es war dies im Jahre 1838. Dieselbe erhielt den Namen Saxonia und ist zu Uebigan für die Leipzig=Dresdner Bahn konstruiert worden. Sie trug noch den Stephensonschen Typus, der aber seit dem Jahre 1829 eine nicht unbeträchtliche Wandlung erfahren hatte. Erst später trennten sich die deutschen Konstruktionen von den englischen. Als der eigentliche Begründer des deutschen Lokomotiv= baues ist Borsig in Berlin anzusehen, der seine erste Lokomotive 1841 für die Berlin=Anhalter Bahn lieferte. Zur Zeit besitzt Deutschland 20 Lokomotivfabriken mit einer Leistungsfähigkeit von 1700—1800 Stück im Jahre. Der deutsche Lokomotivbau ist heute dem englischen vollkommen ebenbürtig und sogar überlegen. Die Gesamtzahl der Lokomotiven kann auf rund 110000 geschätzt werden. Davon entfallen auf Europa 64000 Stück, Amerika 40000, Asien 3300, Australien 2000 und Afrika 700. Auf die einzelnen Länder entfallen in Europa ungeführ: Deutschland 15.000, Oesterreich=Ungarn 5000, Italien 4000, Großbritannien und Irland 17.000, Frankreich 11.000, Rußland 3500, Belgien 2000, Niederlande 1000 Spanien 1000 und Schweiz 900 Lokomotiven. Und gute giebt's wie böse Tage. Der alte Haß, der alte Streit Erwachen wieder mit der Zeit, Nur eins ist hoffentlich im Hafen, Der Zolltarif wird endlich schlafen. Im Jahre 1903 Geschieht gewiß noch vielerlei, Von dem wir uns nichts träumen ließen, Wir wissen nicht, wie wir's begrüßen. Eins kommt gewiß aufs neu in Sicht, Das ist das Haager Schiedsgericht, Dieweil Herr Castro drum gebeten, Wird es vielleicht zusammentreten. Es kommt wohl auch zu dem Entschluß, Daß Castro etwas zahlen muß, Sonst könnte man sich leicht entschließen, Dem Helden etwas— vorzuschießen! Erst ging man zu Herrn Roosevelt Und hat es ihm anheimgestellt, Der sprach: Geht ab mit eurem Zanke! Schiedsrichter soll ich sein? Ich danke. Viel Bilder ziehn an uns vorbei, Wir schreiben 1903, Nun laßt uns kräftig darnach streben, Das Jahr recht friedlich zu verleben. Und wer uns unsern Frieden bricht, Der kommt vor's Haager Schiedsgericht, Das sorgt für unsern Frieden weiter Bis zu dem nächsten Streit! Ernst Heiter. Briefträgers Hannchen. Von Georg Päulsen. (Nachdruck verboten.) (5. Fortsetzung.) Hannchen war wieder auf ihren Kutschbock geklettert, Hölder stand am Fenster, nun aber ziemlich stramm, denn der Herr mit dem Jagdhut hatte einen solchen eigenen scharfen und bestimmten Blick, trotz des jovialen Lächelns um den bärtigen Mund, daß Leberecht sich unwillkürlich sagte:„Du, nimm' dich zusammen! Der Herr bedeutet was!“ Und so sagte er denn so höflich, wie es seine knarrende Stimme erlaubte:„Die Herren wollen einen Augenblick warten, ich komme sofort!“ Und da war er auch schon und öffnete die Wagenthür; „Estimieren, estimieren!“ hatte er unterwegs vor sich hingebrummelt. Und als er nun noch einen vollen Blick von dem Jägersmann auffing, da stand er stramm, wie nie zuvor in seinem Leben. Donnerwetter, der Mann sah inen ja durch und durch. „Von den Herren ist niemand anwesend?" lautete die kurze Frage. Nein. Der Dienst beginnt erst wieder in einer tunde.“ „Schon gut. Dann wollen wir einstweilen eintreten!" Aber nun mußte Leberecht Hölder doch opponieren. „Verzeihen Sie, hochgeehrter Herr, der Eintritt in das Amt ist jetzt verboten. Das Wartezimmer für Passagiere ist drüben in der Posthalterei.“ „Na, uns können Sie getrost ins Haus lassen!" lächelte der Herr. „Entschuldigen, aber die Vorschrift ist streng, ich darf nicht!“ Hölder war nun ganz im Dienst; mochte der Herr auch noch solche Augen machen, was nicht sein sollte, as ging nicht! „Was machen wir denn nun?“ fragte der Abgewieene lachend seinen Begleiter, während der Postillon vom utschbock aus hinter dem Rücken der fremden Herren alerlei Zeichen für den Briefträger machte, die zuletzt in ganz gräuliches Gesichterschneiden ausarteten, und die Lebrecht Hölder auch endlich bemerkte. Der alte Briefträger und Postpraktiker fühlte, wie das Blut ihm zu Kopfe stieg, hier lag augenscheinlich ein noch nie dagewesenen Fall vor. Er fuhr unwillkürlich mit den Fingern in den Halskragen seiner Uniform und stotterte:„Hochgeehrter Herr, ich— ich— thäts gern, aber die Dienstvorschriften"... und dann mit einem Male resolut„und alleweil deshalb geht's halt nit!“ Gerade wollte der Herrn von Stephan begleitende Rat die Entscheidung herbeiführen, als Hölder's Hannchen, das auf dem hohen Sitz des nahen Postwagens das Gespräch aufmerksam verfolgt hatte, mit einem Male lebhaft rief:„Vaterle, Vaterle, mach die Augen recht tüchtig auf! S' is ja der Herr, von dem das Bild überm Herrn Postmeister sein' Schreibtisch hängt.“ Um ein Haar wäre Lebrecht Hölder zusammengeknickt! Wessen Bild da hing, das wußt' er schon ganz genau, das seiner Exzellenz des Herrn Generalpostmeisters von Stephan. Und er alter Esel hatte das nicht gemerkt, das mußte ihm sein Mädele sagen.......? Und in seinem Zusammenfahren stotterte er blos: „Exzellenz wollen gnädigst verzeihen, ich, ich...“ Und dabei fing er mit seinem langen Körper an Bücklinge zu machen, als wollte er eine Stecknadel von der Erde aufheben. „Na, zum Kuckuck, hören Sie doch endlich auf. Sie haben Ihre Pflicht gethan, da giebts nichts zu verzeihen!“ lachte Stephan.„Schließen Sie die Thür auf.“ Mit zwei, drei Sätzen war Hölder am Haupt=Eingange, die Thür flog auf, und die Herren traten ein, während der Postillon der Extrapost übers ganze Gesicht lachend, teils wegen des ihm von dem Rat überreichten Trinkgeldes, teils wegen Lebrecht Hölder, nach der gegenüber liegenden Posthalterei fuhr. Exzellenz von Stephan und sein Begleiter schritten in das Amtszimmer des Postvorstehers, und der Chef der Postverwaltung stellte allerlei Fragen an Hölder, die dieser mit wiedererlangter Sicherheit prompt beantwortete. Mitunter schweifte Lebrecht nach seiner Art freilich ein bischen ab, und dann kamen so drollige Geschichten zum Vorschein, daß die beiden hohen Beamten herzlich lachten. „Na, und wie sind Sie denn zufrieden mit Ihrer Stellung?“ hieß es endlich. „Exzellenz, bin nun in die Fünfzig schon ein paar Jahr, aber es fleckt noch so, als wie ich'n junger Kerl war. Und nu is man aus dem Gröbsten raus, da hat man auch seine Freud'. Ja, das war auch mal knapp bei uns, Exzellenz werden's auch mal gemerkt haben, wie das so jungen Leuten geht, aber drüber kommt man weg. Und wenn man sich selbst estimiert, dann stellt man sich nicht an jede Straßeneck' und lamentiert, sondern denkt: Kerl, hast keine Ehr' mehr im Leib? Denk' an Dein'n Dienst, werden schon andere Zeiten kommen! Und man hat seine Freud' bei der Sach'! S giebt ja solche un solche Leut', aber wir von der Post hören und sehen so viel, daß wir schon wissen: S fallen auf keinen Herd jeden Tag lauter Rosinen aus'm Schornstein!“ „Freut mich,“ sagte Stephan, um dessen Mund es wiederholt gezuckt,„Sie sind ein braver Beamter. Aber ich glaube, die Herren kommen zum Dienst. Es sind noch zehn Minuten bis zur Schalteröffnung. Hölder, bitten Sie die Herren hierher. Es war mehr eine freundliche Unterhaltung, als eine gemessene Dienst=Inspektion, die der hohe Herr mit dem Vorsteher des Amtes und den anwesenden Beamten pflog. Dann begann der Schalterdienst, und die Exzellenz beobachtete einige Zeit die Abfertigung des Publikums. Dann folgte eine Besprechung mit dem Amts=Vorsteher, und das letzte Urteil war:„Ich bin recht zufrieden. Sie haben tüchtige Beamte, die den Dienst auffassen, wie ich es wünsche. Die Extrapost zur Weiterfahrt sollte um halb 6 Uhr bereit stehen.„Ob Exzellenz vielleicht einen kleinen Imbiß einnehmen würde?“ fragte der Leiter des Postamtes. „Eigentlich ist die Vesperzeit vorbei,“ lautete die joviale Antwort,„aber ich weiß, die Sonnenfelder Wurst ist berühmt. Wenn es eine Kleinigkeit sein kann!“ Aber Herr von Stephan aß mit recht gutem Appetit und sagte endlich lachend:„Eine neue Bezugsquelle für die Speisekammer. Man muß bei den vielerwähnten schlechten Zeiten alles mitnehmen!“ Und nun hielt die Extrapost, die den hohen Besuch über die nächsten Bergzüge ins eigentliche Herz von Thüringen bringen sollte, vor der Thür. Der Posthalter Grau, dessen Pferde schon mehr als eine fürstliche Persönlichkeit auf den schwierigen Gebirgswegen in den Bergwald hineingefahren hatten— denn das Material der Hofställe hielt bei diesen strapazenreichen felsigen Straßen nicht recht gut aus, hatte den Stolz seines Stalles, den prächtigen Viererzug von Rappen dem Wagen vorlegen lassen. Und auf dies Zeichen hin hatte sich vor der Post alles, was in Sonnenfeld an menschlichen Wesen zu Hause geblieben war, versammelt. Die Exzellenz machte ein etwas überraschtes Gesicht, als der Viererzug im eleganten Bogen auf dem Posthofe vorfuhr, und der Posthalter selbst respektvoll meldete, daß alles zur Abfahrt bereit sei. „Das scheint mir doch etwas reichlich gemessen!“ meinte der Generalpostmeister humorvoll, auf die schnaubenden stolzen Gäule zeigend, denen auch das Prunkgeschirr der Posthalterei angelegt war.„Uebrigens, ich muß gestehen, mit dem Viererzug würden Sie auch unter den Linden in Berlin Aufsehen erregen, Herr Posthalter. Solche Pferde hätte ich hier nicht erwartet.“ Der Posthalter verbeugte sich geschmeichelt, sein Stall war seine Schwäche:„Halten zu Gnaden Exzellenz, es ist eigene Zucht.“ „Um so lobenswerter! Aber müssen wirklich die vier Tiere heran?“ „Die Straße ist sehr steil bis zum Rennweg hinauf, Exzellenz. Die Pferde gehen vorzüglich, sie kennen jeden Fußbreit auf dem Wege!“ „Dann also vorwärts. Leben Sie wohl, meine Herren!“ Aber bevor Herr von Stephan den Wagen besteigen konnte, kam Hölders Hannchen keck bis dicht vor den hohen Herrn heran, machte einen zierlichen Knicks und überreichte der Exzellenz einen schlichten, duftenden Blumenstrauß. Das Mädel hatte während des Aufenthalts der Herren im Posthause nachgedacht, ob bei solcher feierlichen Gelegenheit nicht doch noch ein übriges geschehen müsse. Aber sie war nicht dahintergekommen, und der kleine Spielkamerad erst hatte gemeint:„Ein Boukett müßtest Du pflücken, Hannchen, das müssen immer die Mädchen solchen vornehmen Herren geben. Das hab ich neulich erst auf einem Bild gesehen. (Fortsetzung folgt.) große Verdienste um die Sache des Roten Kreuzes erworben. Er ist bekanntlich seit 1872 in zweiter Ehe mit der Prinzessin Henriette von Schleswig=Holstein, einer Vatersschwester unserer Kaiserin Auguste Viktoria, verheiratet. Im Jahre 1887 wurde Esmarch der Adel verliehen. Sowohl der ersten wie der zweiten Ehe des Geheimrats von Esmarch entsprossen drei Kinder, von denen aber nur noch wei aus erster und eins aus zweiter Ehe am Leben sind. Friedrich von Esmarch. Zu seinem 80. Geburtstage am 9. Januar 1903. K 800 Am 9. Januar feiert der berühmte Professor zellenz Friedrich von Esmarch seinen 80. Geburtstag, aus welchem Anlaß wir beistehend sein Porträt geben. Der Name des großen Gelehrten und hervorragenden Chirurgen ist in der ganzen Welt bekannt und hochgeachtet; besonders die Allgemeinheit umfassende Dienste hat derselbe auf dem Gebiet der Kriegschirurgie sich erworben. Esmarch ist am 9. Januar 1823 in dem holsteinischen Städtchen Tönning an der Eider als Sohn eines dortigen Arztes geboren. Er hat auch einen großen Teil seines Lebens, sein reiches Wissen und Können den mit der Universität Kiel verbundenen chirurgischen Instituten als Professor jener Hochschule gewidmet. Im dänischen Kriege von 1848/49 war er Militärarzt und erwarb sich dadurch zu erst jene hervorragenden Erfahrungen und Kenntnisse au dem Gebiete der Kriegschirurgie und des Lazarettwesens, die er in den Kriegen von 1864, 1866, 1870/71 zum Segen der Verwundeten der preußischen und deutschen Armeen in leitenden Stellen betätigt hat. Esmarch hat sich auch Aus Anlaß des achtzigsten Geburtstages des berühmten von Esmarch geben wir unseren Lesern beistehend eine Abbildung seines Vaterhauses in Tönning und der an denselben am 9. August vorigen Jahres enthüllten Gedenktafel. In dem kleinen Hause lebten s. Zt. die Eltern von Esmarchs, dessen Vater Arzt in Tönning war. Der berühmte Gelehrte hängt mit großer Liebe an seiner Vaterstadt, die ihm als Zeichen der Verehrung die Gedenktafe weihte und neuerdings zur Errichtung eines Standbildes schreiten will. Der Text der Gedenktafel lautet folgendermaßen: 1 „In diesem Hause wurde der ruhmgekrönte Gelehrte und Chirurge Seine Exzellenz Wirkl. Geh. Rat Dr. Johannes Friedrich August von Esmarch Professor 2c. am 9. Januar 1823 geboren. Der Vater Esmarchs, einer Familie des schleswigschen Dorfes Esmark entstammend, war der Physikus für Stadt und Amt Flensburg, Christian Esmarch, welcher mit Friederike Brigitte Homann vermählt war, derselb hatte sich in Tönning niedergelassen. Büchertisch. Zum 51ten Jahrgang der„Gartenlaube“. Es ist eine lange Reihe von Jahren, darauf die Gartenlaube, das verbreitetste deutsche Familienblatt, mit Stolz zurückschauen kann. Von denen, die ihre ersten Anfänge, ihr Kämpfen und Ringen in stürmischer Zeit gesehen, werden nur wenige noch am Leben sein, aber die Zahl derer, denen die Gartenlaube lange Zeit Freund und Berater gewesen, die allwöchentlich in froher Erwartung zu dem vertrauten Blatte greifen, ist groß, und jeder Jahrgaug wirbt zu den alten Freunden neue, erweitert den Wirkungskreis der Zeitschrift, die weit über unser Vaterlano hinaus, bis jenseils der Meeres, deutsche Art. deutsches Wissen, deutsche Poesie und Kunst trägt. Die Gartenlaube hat sich in all den Jahren nicht engherzlg verschlossen gegen das Große, Neue, das die Zeit gebracht, sondern ist Schritt für Schritt mit ihr vorwärts gegangen und hat sich bemüht, das Beste des Guten ihren Lesern in Wort und Bild darzubringen. Auch der neue Jahrgang wird viel des Schönen und Belehrenden umfassen. Er setzt ein mit dem poetisch stimmungsvollen Roman„Die vom Niederrhein“, von Rudolf Herzog, einem noch jungen, hochbegabten Autor, und bringt daneben die reizvolle Novelle„Ihr Beruf“ von Marie von Ebner=Eschenbach, unsrer ersten deutschen Erzählerin. Romane und Erzählungen unserer beliebtesten Autoren werden folgen— wir nennen die Namen: Ludwig Ganghofer, Ida Boy Ed, Anton von Perfall, W. Heimburg, die für gediegenen Inhalt in würdiger Form bürgen. Das Interesse; mit dem die Gartenlaube von zeher alle Entdeckungen und Erfindungen verfolgt, das sie allen Kulturfragen der Zeit entgegengebracht hat, wird sich auch in diesem Jahre in einer Reihe wissenschaftlicher und doch gemeinverständlicher Artikel bekunden, die den Leser über die wichtigsten Vorgänge der Gegenwart aufklären sollen. Daneben wird die Gartenlaube ihre ganz besondere Aufmerksamkeit allen Bestrebungen der Frauenfrage zuwenden und alles, was in das Gebiet des Hauses fällt: häusliche Kunst, Frauenarbeit und Hauswirtschaftliches mit warmem Interesse pflegen. Es bedarf keiner besonderen Empfehlung, das fünfzigjährige Bestehen des Blattes spricht für sich selbst, wir wollen an dieser Stelle der Gartenlaube, die sich so fest eingebürgert hat am deutschen Herd, nur ein fröhliches„Glückauf" zurufen für die Jahre voll Arbeit und segensreichen Wirken, die vor ihr liegen. Vermischtes. 1(Der Konsumverein Leipzig=Plagwitz,) welcher unter sozialdemokratischer Leitung steht, hatte am Ende des Betriebsjahres Juni 1902 über 31000 Mitglieder. Der Reingewinn belief sich auf eine Million Mark. Es wurde auf den Warenbezug eine Dividende von 10 Prozent und auf das Kapital von etwa 1 Million Mark eine Dividende von 9 Prozent gezahlt. Das Personal des Vereins bestand aus ungefähr 700 Personen. Diese erhielten an Löhnen und Gehältern 722000 Mark. Es erhielt somit ein Angestellter durchschnittlich wenig mehr als 1000 das ist, so schreibt die„Köln. Volksztg.“, bei einem Reingewinn von über 1 Million Mark, bei 9 Prozent Kapitalsdividende und 10 Prozent Warendividende außerordentlich wenig. f(Recht hat sie!) Die Meeraner Zeitung erfährt aus Schlanders im Vintschgau eine durch einen Ohrenzeugen verbürgte heitere Historie von einer klugen Bäuerin. Ihr Gewährsmann erzählt: Bei Gelegenheit der vor kurzem vorgenommenen Bahntrazierungsarbeiten in Schlanders bedeutete der führende Ingenieur einer Bäuerin, daß die Bahnlinie gerade durch ihre Scheune durchlaufen werde. Auf diese Mitteilung hin erhielt der Ingenieur die klassische Antwort:„Ja, bauen könnt's die Bahn schon, aber nach 9 Uhr abends darf kein Zug mehr gehen, i steh die Nacht nit alleweil auf, die Stadelthür aufmachen, daß der Zug durchfahren kann!" (40000 eingeschriebene Briefe) sollen nach Beriner Blättern letzter Tage auf den dortigen Postämtern aufgegeben worden sein und zum größten Teil Wohnungskündigungen enthalten haben. In einigen Straßen des Westens wurden angeblich in vielen Häusern fast die sämtichen Wohnungen gekündigt. Im Süden und Osten sind manche Mieten um 15 bis 20 vom Hundert gesteigert. Dagegen soll im Norden und Nordwesten die Zahl der Kündigungen nur klein sein.— Die Reichshauptstadt wird ndlich von einem ihrer nicht würdigen Viertel befreit werden, indem der Kaiser die Niederlegung des„Scheunenviertels“, des dunkelsten Berlins, genehmigt hat. Viele Arbeitslose erhalten dadurch Gelegenheit zum Verdienst. Zu Weihnachten und am Sylvesterabend sind in GroßBerlin nicht weniger als 35000 Zentner Karpfen verspeist worden— welch' respektable Menge! f(Für Lotteriespieler) ist der Ausgang eines Prozesses von Interesse, der das Reichsgericht in letzter Intanz beschäftigte. Ein Kaufmann K. hatte von dem Lotteriekollekteur G. zwei Zehntel der 7. Thüringer Lotterie bezogen, nachdem er schon in der 6. Lotterie diese Lose gespielt hatte. Bei der Zusendung der Lose 4. Klasse machte der Kollekteur darauf aufmerksam, daß er die Lose der 5. Klasse erst nach Einsendung der restierenden Mk. 39,30 liefern könne. K. sandte den Betrag aber nicht ein, worauf G. ihn mahnte. Endlich, am 10. April, zwischen 10 und 11 Uhr vormittags, kam das Geld an. An diesem Tage begann die Ziehung, und der Kollekteur erhielt vor 10 Uhr schon die Meldung, daß die Nummer, die K. spielte, mit 10·000 Mark gezogen worden sei. Als nun K.'s Geldsendung einging, verweigerte G. die Annahme und schrieb an K., daß das Geschäft nicht mehr zustande kommen konnte, indem die Ziehung schon begonnen hatte. Das Landgericht hielt die Klage des Kaufmanns für begründet; der Kollekteur hätte annehmen müssen, daß K. die Lose weiter spielte, und daß durch die Absendung des Geldes der Kaufvertrag stattgefunden habe. Das Oberlandesgericht Jena indes hob das Urteil auf. Es wurde angenommen, daß der Abschluß eines Kaufvertrags nicht zustande gekommen sei. Die Revision des Klägers wurde laut B. T. vom Reichsgericht zurückgewiesen. (Die„Hexe“.) Man schreibt der Frkf. Ztg. aus Bayern: In einem Ort zwischen den Städten Fürth und Erlangen verirrt sich ein Huhn in den Hof des Nachbarn, gerät in den Stall und fliegt einer Kuh auf den Rücken. Die Bäuerin sieht's und erbleicht, denn ihr wird's mit einem Male klar, warum ihr in letzter Zeit dies und jenes zugestoßen ist: Das Tier, das da oben auf dem Kuhrücken sitzt und sie mit starrenden Augen anblinzelt, ist keine Henne, das ist eine Drud(Hexe)! Flugs macht sie, unterstützt von zwei handfesten Mägden, eine Attacke gegen die Druden=Henne, und nach hartnäckigem Widerstand befindet sich schließlich das Huhn auch in den Händen der keuchenden Bäuerin. Um ein für allemal ein Ende mit dem Verhexen zu machen, spricht sie das Todesurteil aus: sofortiger Tod durch Verbrennen bei lebendigem Leib! Die Mägde heizen eigens den Ofen an und schieben das Huhn in die Glut, wo es unter schmerzlichem Gegacker lebendig geröstet wird. Jetzt ist die Geschichte bei Gericht anhängig, weil der Nachbar Schadenersatz für die Henne beansprucht. Fredy ist heute weinend nach Hause gekommen“, sagte der Vater zum Lehrer,„er behauptet, Sie hätten ihm Unrecht gethan.—„Fredy ist nicht fest im Rechnen, klagte der Lehrer,„als ich ihn fragte, wie viel Kaninchen er haben würde, falls ich ihm dreimal zwei schenkte, erwiderte er dreimal: sieben!“—„Er hat ja Recht, Herr Lehrer, denn er hat ja ein Kaninchen schon zu Hause. 4. Januar: Naßkalt, Niederschläge, vielfach Nebel, windig. 5. Januar: Um Null herum, wolkig, teils heiter, strichweise Niederschlag, stark windig. Für den redaktionellen Teil verantwortlich: Wilh. Schade. Bei Einkauf von Knöterich-Thee u.-Bonbons achte man auf den Russen. Siehe heutige Annonce. an Medall. 1 Weloses Porte eidenstoffe an. Muster portofrel. Deutschlande grösstes Speclalgeschäfte MICHELS& Cie BERLIN sw. 19 Leipzigerstrasse 48, Ecke Markgrafenstrasse. Aigene Fohrü Seres I Bekanntmachung. Auf Grund des§ 2 der Prüfungs=Ordnung für Hufschmiede bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß der nächste Prüfungstermin bei der zuNiedermarsberg bestehenden Kommission auf Sonnabend, den 28. Februar 1903 anberaumt worden ist. Die Meldungen zu dieser Prüfung sind mindestens 4 Wochen vorher unter Einreichung eines Geburtsscheines und etwaiger Zeugnisse über die erlangte technische Ausbildung, sowie unter Einsendung der Prüfungsgebühr im Betrage von 10 Mark an den Vorsitzenden der Prüfungs=Kommission, Herrn Kreistierarzt Kleine zu Niedermarsberg zu richten, welcher demnächst die Prüflinge zur Prüfung einberufen wird. Arnsberg, den 18. Dezember 1902. Der Regierungs=Präsident: I. V.: Müller.