Amtiches Rresbicht r - fur den kreis Borde. Braus, Schwerte=Ruhr. endberech, brschn, Hraus, Schpertehobr. No. 1. Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung verbindliche Kraft. Abonnementspreis pro Quartal 1 Mark 65 Pfg. exel. 42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Kamilienfreuns. Freitag, 2. Januar 1903 Der„heilige Krieg“ in Marokto. 36 Jahrgan Kartogt List. Beseke. Ber##n. K. 30. (00 A M (allan K K OR G A Wrn SRC äeder bel ##6e 0 c Fes sDeba Derr Ap be Fu C Saf odoon 1 c% Pad „ b.Sa -esturrh Reschid ∆Säsee ahocco Werndarbe Tahue 7 Talla I.Machsen r MMetioan (ebugr bu Fats Iser G 0 Tintazert Marrogco S 204 9. Die neuesten Nachrichten aus Marokko lauten für den Sultan und seine Armee so ungünstig, daß man an die ernstesten internationalen Folgen denken muß, wie das Verhalten Spaniens, welches sofort militärische Maßnahmen in seinen südspanischen bezw. nordafrikanischen Gebieten(Ceuta) eingeleitet hat, erkennen läßt. Bekanntlich steht der Sultan mit einem Prätendenten, der sich Ahmed Ben Mohammed Hassan nennt, im Kampfe. Letzterer hatte sein Hauptquartier in Tazza, wo er sich als Souverän des Reiches ausgab. Er hatte sich des dortigen Staatsschatzes, der Geschütze und des Waffendepots bemächtigt, er erhob Steuern und ließ Stempel= und Postwertzeichen drucken. Die von dem Sultan vor einiger Zeit zur Bekämpfung des Aufstandes im Semmur=Gebiete, das südwestlich von Rabat liegt, abgeschickten Regierungstruppen wurden von den Insurgenten nicht nur geschlagen, sondern auch umzingelt. Der Prätendent gewann damit freie Hand, um von Tazza nach Fez vorzudringen. Die Lage des Sultans Muley Abdul Asis wurde dadurch recht kritisch, denn seine Truppen wurden im Westen bei Rabat festgehalten, während der Prätendent von Osten heranzog. Er eilte dem Prätendenten entgegen, und es kam zwischen Fez und Tazza zum Kampfe. Bei diesem erlitten die Truppen des Sultans eine vollständige Niederlage. Die Verlustliste soll 2000 Tote und Verwundete zählen. Die Trümmer der kaiserlichen Armee ließen alles im Stich und flohen in wilder Unordnung nach Fez. In ein paar Tagen kann die Stadt ausgehungert werden. Der S tan hat sich in seinen Palast zu Fez zurückgezogen, alle zu Hand befindliche Artillerie und Munition mit hineingenommen und den Palast stark verschanzt, da er fürchtet, daß die siegreichen Rebellen die Stadt angreifen werden. Die in diesen Darlegungen sich aussprechende Wendung der Dinge ist das für die europäischen Staaten Bedrohliche an den Ereignissen. Die spanische Regierung beschloß daher auch bereits, Truppen in Malaga, Cadiz und Algesiras aufzustellen, die bereit sind, auf die erste Benachrichtigung hin die Garnison von Ceuta und Melilla zu verstärken und den Kreuzer„Infanta Isabella" zum Schutze der spanischen Untertanen abzusenden. Ein Telegramm aus Tanger besagt denn auch: Infolge der unsicheren Lage sind die Missionsfrauen von Fez und Tetuan nach Tanger abgereist. Unseren Lesern wird die beistehende Karte von Marokko, auf der alle vorstehend genannte Orte verzeichnet sind, zur Orientierung gewiß willkommen sein. starken aber veralteten Ringmauern mit 3 Thigergag ver, nachts geschlossen werden, umgeben und hat eine—# der ! Wie die meisten orientalischen Städte hat enge, krumme, schlecht gepflasterte Straßen. 6 Moscheen, ein Franziskanerkloster mit Kapelle, mehrere Synagogen, zwei europäische Gasthäuser und den sich hier. Seit 1892 ist sogar ein Teil der Straßen elektrisch beleuchtet. Tanger, übrigens der bedeutendste Seehandelsplatz Marokkos, zählt 30 000 Einwohner, darunter 7000 Juden, 1500 Europäer(meist Spanier) und. eine Anzahl Regerstlaven. Die Einfuhr(Baumroltpogen, Rohseide, Tuch, Zucker, Wein und Spirktugggz, 1780860 Mark, die Ausfuhr(Ochsen, Wolwaren, Ziegersenleg teln, Wachs, Geflügel und Grox vent zromtersi Lings ge9 pg de zin, 3. Jahrhundert von den Westgothen erobert, ging aber schon nach 306 Jahren an die Araber verloren. Die Portugiesen brachten es 1471 in ihre es wurde aber 1662 an England abgetreten, welchés diesen Besitz aber nach 22 Jahren der Kostspieligkeiten wegen wieder aufgab, worauf es die Mauren sich neten. Bekanntlich wurde es auch einmal, am 6. August 1844, von einer französischen Flotte mit Erfolg diert, um den Sultan von Marokko zum Abschluß eines Friedensvertrages zu zwingen. Auf unserem Bilde sind rechts im Vordergrund die Gebäude der deutschen Gesandschaft mit dem von einer Mauer umgebenen Garten, sowie links davon, durch einen kleinen Hein getrennt, die Wohnhäuser mehrerer Europäer. Auch die hohen, düsteren Stadtmauern und die, diese noch überragende Zitadelle sind links auf unserem Bilde deutlich zu erkennen, während rechts über dem Dach des Deutschen Gesandschaftshotels das blaue Meer des atlantischen Ozeans sichtbar wird. Sultan Abdul Asis von Marokko. Wir geben unseren Lesern beistehend ein nach photographischer Aufnahme gefertigtes Porträt des Sultans Der Sultan Muley Abdul Asis, der seinem Vater Muley el Hassan am 6. Juni 1894 in der Regierung folgte und noch in dem jugendlichen Alter von 24 Jahren steht (er wurde am 24. Februar 1878 zu Marrakesch geboren), hat noch im vorigen Jahre zwei Gesandtschaften nach EuTANGEN Tanger, das Eingangstor von Marokko. Anläßlich der Krisis in Marokko rüsten sich die an den dortigen Verhältnissen interessierten Staaten zum Schutze ihrer Staatsinteressen; Spanien scheint den Auftrag zur Vertretung aller europäischen Angelegenheiten dem Sultanat gegenüber zu erhalten, und verstärkt bereits seine militärische Positionen in Südspanien sowohl wie an der nordafrikanischen Küste in seinen Presidios. Das natürliche Eingangstor nach Marokko ist der westlich der Straße von Gibraltar gelegene Hafenort Tanger, woselbst die Kriegsschiffe der fremden Nationen zu ankern pflegen und das auch von deutschen Schiffen häufig angelaufen wird. Wir geben daher unseren Lesern beistehend eine Abbildung der Stadt, die binnen kurzem wieder eine internationale Flotte auf ihrer Rhede versammelt finden dürfte. Die Stadt ist der Sitz der europäischen Gesandtschaften und eines vom Sultan eingesetzten Kalifen, der als Mittelsperson für die diplomatischen Verhandlungen mit dem Sultan unentbehrlich ist. Tanger ist amphiteatralisch am Abhang eines kahlen Kalkgebirges an der Straße von Gibraltar erbaut, von ropa geschickt, und zwar die unter dem Minister des Auswärtigen Abd el Kerim ben Sliman nach Par.., die andere unter dem Großvezier Sid el Mehedy ben e###rvi el Menebhi nach London und Berlin. Am der marokkanische Botschafter dem. Staatssekretär des Auswärtigen Amts seinen offiziellen Besuch ab, der vom Freiherrn von Richthofen im Laufe desselben Tages erwidert wurde. Am 7. hatte die marokkanische Botschaft im Bronzesaal des Stadtschlosses zu Potsdam beim Kaiser Wilhelm in Gegenwart des Staatssekretärs des Auswärtigen Audienz;: später empfing auch die Kaiserin die Botschaft. Dem Deutschen Reich wird es bei der weiteren Entwicklung der jetzt äußerst tritisch gewordenen marokkanischen Frage einzig und allein darauf ankommen, seine ansehnlichen Handelsbeziehungen in diesem Teil Nordwestafrikas von keiner Seite beeinträchtigen zu lassen. Die Thronfolgefrage in Braunschweig. Die„Braunschw. N. N.“ hatten ein Interview mit einem aktiven deutschen Minister, der die Berliner Meld ung bestätigte, daß Herr von Hammerstein=Loxten in Berlin für den Herzog von Cumberland sondiert habe. Die Sondierungen über die am Berliner Hofe herrschenden Ansichten seien aber durch das Handschreihen, des Herzogs jäh unterbrochen worden. Der Karser...., sich g genüber der Regelung der braunschweigischen Tyronfolgefrage vollkommen neutral; am preußischen Hofe existierte aber zwei Strömungen, die eine für, on undere gegen Cumberländer. Von preußischen Ministern habe sich sonders Miquel für die Sache interessiert. Eine Throubesteigung seitens des Herzogs dürfe— das habe der nister auch schon Windthorst s. Zt. erklärt— nicht erfolgen, ohne ausdrücklichen Verzicht auf Hannover. Der Minister schloß die Unterredung mit einer schmeichelhaften. Karakteristik des jungen Erbprinzen von Cumberland. Das Vorgehen gegen Venezuela. Aus London wird telegraphiert: Deutschland und England haben dem Staatsdepartement die Bedingungen mitgeteilt, unter denen sie die Venezuelakrisis einer schiedsrichterlichen Schlichtung überlassen wollen. Deutschland verlange von Venezuela vorgängig eine unfassende offizielle Entschuldigung und Zahlung von 300000 Dollars. England verzichte auf eine Entschuldigung und beanspruche nunr 40000 Tollars. Politische Uebersicht. Deutschland. Vom Kaiserhofe. Beide Majestäten und drei ältesten Prinzen nahmen am Sylvester=Morgen das heilige Abendmahl. Zur Abendtafel gab es Karpfen in Bier mit Pfefferkuchen und starken Gewürzen, Pfannkuchen und Punsch aus Rheinwein. Um 12 Uhr gegrüßte der Kaiser das neue Jahr, worauf die gegenseitige Begluc wünschung folgte. Die Christbäume erstrahlten noch einmal im vollen Glanze, und der Monarch machte bei dem ruhien, trockenen Wetter einen kurzen Spaziergang. Am Neujahrstage kommt die kaiserliche Familie von Potsnach Berlin, wo inzwischen das große militärische Wecken" stattgefunden hat. Um 10 Uhr geht der Festgottesdienst in der Schloßkapelle vor sich, an den sich die Gratulationskour im Weißen Saale reiht. der Kaiser im Zeughause die Parole„Berlin=Königs— König Georg von Sachsen hat trotz seiner schweren verflossenen Jahres eine Verordnung eines besonderen Schiffsboden ist auf beiden Seiten zwischen#### und 87 eingebeult, die Spanten sind an dieser Eien der Der vordere Teil des Ruderblattes ist abgebrochen, der hintere untere Teil schräg hochgebogen, während Hin tersteven und Ruderstamm völlig intakt sind. Die Schif schrauben haben geringe Beschädigungen erhalten. De Schiffskörper blieb vollkommen dichter, das Schiff konnte die Fahrt von der Strandungsstelle nach Kiel mit eigener Maschinenkraft machen. Oesterreich. = Wir schreiben 1903, und die österreich=ungarische Ausgleichsfrage hat gleichwohl nicht ihre Erledigung funden. Auf Betreiben des Kaisers wurden die Beratungen der beiderseitigen Ministerpräsidenten während der letzten Tage des verflossenen Jahres fast ohne Unterbrechung fortgesetzt. Aber alles vergeblich. v. Szell mußte Wien verlassen, um seine übliche Neujahrs ansprache an die zur Neujahrsgratulation erschienenen Vertreter der liberalen Partei Ungarns zu halten, und als er Wien verließ, war die Lage gerade so ungewiß, wie sie seit dem Beginn der Ausgleichsverhandlungen stets schien. Frankreich. = Nach einem Pariser Telegramm beläuft sich der Sinnsprüche, sät der Mensch in die Tiefe der Seele Wissend, unwissend, täglich, allstündlich Der Gedanken vielfältige Saat. Sie gären, sie keimen, es rollen die Jahre, Und die Gedanken, böse wie gute, Gehen dem Menschen als Thaten auf. Fehlbetrag im französischen Staatshaushalt bis Anfang Dezember auf 220 Millionen. Türkei. = Wie verlautet, werden Oesterreich und Rußland in Konstantinopel außer den Reformen auch für die Vilajets Salonichi, Konsowo und Monartis, christliche Gouver neure unter direkter Kontrolle der Großmächte verlangen. Amerika. = Aus Newyork wird gemeldet: Die Zahl der Einwanderer belief sich nach einer soeben veröffentlichten Statistik in diesem Jahre auf 545 740 Personen; das 138000 mehr als im Vorjahr. Das größte Kontingent stellten Oesterreich=Ungarn und Italien. China. = Die Unruhen in China haben auch vor dem neuen Jahre nicht haltgemacht. Von dem Vorgehen des Generals Tungfuhsiang ist bereits vor einigen Wochen die Red gewesen. Jetzt ist die Lage für die Fremden im Gebiete von Hsianfu eine so kritische geworden, daß der englische Generalkonsul in Hankau die Missionare und deren Anghörige amtlich aufforderte, Anstalten zu treffen, um sich im gegebenen Augenblick schleunigst in Sicherheit unge zu können. Frauen und Kinder sollen schon jetzt in die nächsten Hafenstädte befördert werden. Der anglo=amerikanische Tabacktrust beabsichtigt mit dem Beginn des neuen Jahres den lange geplanten Kampf um das deutsche Tabakgeschäft zu beginnen. Der Kampf wird in derselben Weise geführt werden, wie vor Jahresfrist in England zwischen dem amerikanischen Trust und den englischen Tabakhändlern, der schließlich zu einer Vereinigung der beiden Parteien führte. De Trust wird in den nächsten Wochen Hunderttausende von Zirkularen aussenden, in denen das System, das der Trust zu inaugurieren gedenkt, und die Prämien, die der Trust geben will, um die deutschen Raucher zu veranlassen, seine Waren zu kaufen, eingehend b schrieben werden. Die Prämien werden aus allen möglichen Gegenständen bestehen, für deren Verträge mit deutschen Fabrikanten abgeschlossen werden Der Trust hat bis jetzt eine Ziaarettenfabrik in Dresde erworben. Die Versuche, eines der größten deutschen Tabaksgeschäfte zu kaufen, sind gescheitert 30 Menschen von Kannibalen aufgefressen. Wie das„Verl. Tagebl.“ meldet, ist in Melbourne in Australien die Nachricht eingetroffen, daß 27 aus Merauhe in holländisch Neu=Guinea ausgebrochene Gefangene, die sich in den Busch geflüchtet hatten, von dem blutdürstigen Tulgeri=Stamm gefangen, geschlachtet und aufgefressen wurden. Kurz vorher erlitten drei europäische Offiziere, die sich ebenfalls in den Busch gewagt hatten, ein gleiches chicksal. Kleine Chronik. Berlin, 31. Dez. Die Nationalbank für Deutschland hat auf die Ergreifung des Defraudenten Heyde eine Belohnung von 3000 Mark ausgesetzt. Berlin, 30. Dez. Die 5 Touristen, die vom Glarus aus den Todi bestiegen hatten und für verschollen galten, sind von einer Hilfskolonne wohl und munter einer Hütte aufgefunden worden. au S.ium m5 Koblenz, 30. Dez. Der Mevizmler Walter Goetze aus München wurde im Zillerthal bei einer Glet schertour am Schwarzenstein von einer Lawinc erdrückt. Die Leiche ist unauffindbar. Sein Begleiter konnte ge* Plauen i. V., 30. Dez. Im Mädler'schen Steinbruch ereignete sich heute vormittag eine DynamitExplosion, wobei zwei Arbeiter schwer verletzt wurden; an ihrem Aufkommen wird gezweifelt. Bautzen, 30. Dez. Der frühere Gemeindevorsteher von Gr. Schönau, Weichelt, der vor einigen Monaten nach Unterschlagung in Höhe von 51000 Mk. flüchtete u. in dem Hafen Tatra verhaftet wurde, ist heute vom hiesigen Landgericht wegen Betruges, Unterschlagung im Amte und Diebstahl zu 6 Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt worden. + Genf, 30. Dez. Die Kronprinzessin von Sachsen hat die Scheidungsklage gegen ihren Gemahl eingeleitet. 4 Paris, 31. Dez. Die franz. Regierung stiftete 15 000 Francs als Sonderprämie den spanischen Polizisten für ihre Tätigkeit in der Humbert=Affäre. + London, 30. Dez. Nach einer Newyorker Meldung wurden in der Nähe von Greenwood(Seiskaroline) ein Neger und dessen Braut, die einen weißen Farmer ermordet hatten, von der Volksmenge gelyncht. Lokales. Schwerte, 2. Januar 1903. **(Die Sylvesternacht) ist diesmal sehr unruhig verlaufen. Es war ein fortwährendes Schreien und Lärmen in den Straßen, ganz abgesehen von dem entsetzlichen Geschieße, welches auch den ganzen Neujahrstag hindurch anhielt; in dem letzteren Fache leistete die„liebe“ Jugend ganz hervorragendes. Es schien, als ob sie die Spargroschen des ganzen Jahres in„Siebenknällern“ angelegt hätte, denn ununterbrochen und an allen Ecken und Enden der Stadt tönten die Schüsse. In der Sylvesternacht selbst ist von unreifen Burschen, die wie immer bei derartigen Gelegenheiten, so auch diesmal die Hauptmatadoren waren, allerlei und zum großen Teil recht grober Unfug verübt worden. In der Sedanstraße entspann sich zwischen mehreren, selbstverständlich angetrunkenen Bur schen eine Schlägerei, bei der das Messer leider eine traurige Berühmtheit spielte, denn einer der jungen„Helden wurde jämmerlich zerstochen. Auch an anderen Stellen haben noch Messerstechereien stattgefunden, doch scheinen die darüber umlaufenden Gerüchte arg übertrieben zu sein. In der Hörderstraße soll auch ein junger Mann angeschossen worden sein, Tatsache ist jedenfalls, daß Polizeiorgane in der gen. Nacht eifrig nach Aerzten suchten. In der Wilhelmstraße wurde der zu dem Sieberg'schen Hause Nr. 12 gehörige Stakettenzann von einigen Lümmeln mutwillig umgerissen und aufs Trottoir geworfen. Doch diese„Tapferen“ wurden bei ihrer Arbeit von einem im Hause wohnenden jungen Manne recht genau beobachtet und— teilweise erkannt. Sie werden also gut tun, sich auf friedlichem Wege mit der Inhaberin des Hauses auseinanderzusetzen, da die Sache sonst vor Gericht ein für sie recht unangenehmes Nachspiel haben möchte. (Vom Sylvesterblei.) Wenn unter heftigem Brodeln und Zischen das Sylvesterblei zu mitternächtiger Stunde in das kühle Wasser rinnt, um allerhand phantastische Formen anzunehmen, hat sicher niemand Lust, einen physikalischen Vortrag über den Schmelzpunkt des Bleies und seiner, Legierungen anzuhören. Man beugt sich neugierig über das wirre, glitzernde Gebilde und betrachtet sinnend und deutend das rätselhafte Werk des Zufalls. Da giebt es Urweltleiber und gespenstische Riesentiere, geblähte Segel, spitze Lanzen, Eheringe, Pantoffel und vor allem jenes kleine, dichte moosartige Gestrüpp— Geld, viel Geld. Wir behaupten, daß am Ende beim Bleigießen garnicht so viel blinder Zufall herrscht wie man annehmen mag. Die Form der Gebilde hängt wesentlich von der Reinheit des Bleies, sowie von der Höhe ab, aus der der Guß erfolgt. Hat sich das Metall im Löffel mit einer Orydschicht bedeckt und erfolgt der Fall über einen beträchtlichen Luftraum, so lockert sich das Gefüge durch eindringendes und verdampfendes Wasser schaumartig, und man kann mit großer Sicherheit auf Geld rechnen. Hält man jedoch den Löffel dicht über den Wasserspiegel und zieht ihn mit einem resoluten Ruck gleichsam unter dem Blei fort, so fällt das Metall als geschlossene Masse herab, und es müßte schon arg kommen, wenn dann nicht eines jener festgefügten Gebilde entstünde, wie man sie nach Belieben als Kriegsschiff, wenn es sich um den Sekundaner mit Seemannsgelüsten, oder als Pantoffel deuten kann, wenn es sich um den guten Junggesellenonkel mit chronischer Eheabneigung handelt. Ein strahlförmiger Guß aus gleicher Höhe bildet meist Säbel und lanzenförmige Gebilde, kurz, soldatische Enbleme, selten aber mit Moos Vrieftragers Hannchen Von Georg Paulsen. (Nachdruck verboten.) (4. Fortsetzung.) Da war Lebrecht Hölder gegangen mit dem festen Vorsatz, sein Lebtag nimmer wieder in die Wirtschaft der Posthalterei zu gehen. Und er hat's gehalten; es waren stets Dienstsachen, wegen derer seine trockene Gestal den hallenartigen, gewölbten Hauslur eintrat. Keine E ladung konnte ihn verleiten, die Hand nach einem darge botenen schäumenden Glase auszustrecken. Auf die Kinder übte das Zerwürfnis der Eltern gar keinen Einfluß; ein Verbot, mit einander zu verkehren, war nicht ergangen, wohl deshalb nicht, weil man hüben, wie drüben von vornherein wußte, daß es nicht das ringste helfen würde: Hannchen Hölder und Hermann Grau blieben„unentwegt“ die alten. Ja, die Freund schaft nahm noch zu, als der Junge eines Tages gestand, er könne nun wirklich das Posthorn blasen, wie ein großer Und das war richtig: Er hatte früher zum Geburtstag ein vorzügliches, mäßig großes Posthorn erhalten und mit eisernem Fleiß unter der Leitung des blasekundigsten Postillons das nicht leichte Instrument so lange studiert, bis er eine ganze Anzahl schöner Melodien und alle Postsignale beherrschte. An Lobsprüchen fehlte es ihm nicht, aber am stolzesten war er doch, als Hannchen Hölder ihm versicherte:„Du Hermann, Du kannst wirklich etwas. Und als dann bei einem Schulfest das Mädel ein frisches Waldlied sang, und der Junge sie dazu entsprechend begleitete, da war der Jubel groß, und bei den Sonnnenfeldern stand es nun erst recht fest:„Die zwei bleiben z sammen, wenn nicht aus Liebe zu einander, dann doch aus Zlos die Frau Posthalter rümpfte die Rase, und Leb recht Hölder verzog höhnisch die Lippen. So waren die beiden auch an diesen Sonntag lustig zusammen gewesen. Und zwar waren sie, wie Hölder von vornherein angekündigt, darauf bedacht ge wesen, jede Wildheit zu vermeiden. Demn, erstens nar es Feiertag, und dann trug das Mädchen das neue rosa Kleid, dis ihr zum Geburistag auf den Tisch gelegt war.# sah allerliehst drin aus, und die Leute hatten ihr nachgeschaut, als sie am Morgen die Straße hinunterspazierte. Sehr schmuck, den blonden Kopf ordentlich in den Nacken geworfen:„Eine kleine Dame, wenn auch blos’nem Briefträger Hölder sein Frau Hölder sah ihrer Tochter mit gerechtem Stolz nach, und sie empfand Hannchens Entrüstung mit, als der Metzgersohn von drüben die Zunge herausstreckte und rief:„Seht mal, Briefträgers Hannchen macht'nen Hals, wie'ne Gans. Das Wort saß und hätte die ahnungsvolle Mutter nicht im allerstrengsten Tone hinterhergernfen,„Daß Du sofort weitergehst, Hannchen!“ das Mädel wäre spornstreichs, ohne Rücksicht auf Sonntag und neues Kleid, auf den Beleidiger losgesprungen und hätte ihn bei den Ohren genommen. P.511636 M 6 Dafür war der altgewohnte Spilgejählle zu Pannchen's höchster Genugtuung die Bewunderung selbst. Das Dämchen drehte sich auf dem Posthaltereihofe zwischen Düngerhaufen und Pferdestall rechts und links, da mit der kleine Kavalier alles gehörig bewundern sollte. Und zum Schluß sagte sie von dem groben Metzger=Buben. „Den schmeiß ich morgen ins Wasser,“ rief Hermann. „Du, das ist'n bischen gefährlich!“ meinte Hannchen besorgt.„Wenn er nun nicht wieder hochkommt, sperren sie uns ein.“ 9 „Dann prügele ich ihn burch und stoß ihn in die Dornhecke. Da piekt's!“ Der Junge machte ein Gesicht, als hätte er den Gegner schon zwischen den Fäusten, und bereiteten ihm dessen Qualen einen Hochgenuß. as kannst Du," bestätigte Hannchen zufrieden. Und laß ihn nur se###ien, oromtlich. Aber nun konnn wir wollen rüber nach der Pust, Vater hat Dienst jenst is keiner da. Da setzen wir uns in den neuen Post oagen. Kein in der, ei, fein! Sonst sollt' ich nich rein, aber heut? Vater steht uns nicht, und wenn er uns sieht, sagt er nir! „Bei uns inn Garten ist's auch schön!“ Ach komm! Teine Mutter machte schon wieder solch' Gesicht und brummte: Nun wird Hölders Hannchen wohl bald vierspännig fahren. Die reine Prinzessin! So was hör' ich nicht gern.. „Ich hab' noch keine Prinzessin gesehn, aber fein bist Du, Hannchen. am Kann ich auch mar: Mutter haut feste, wenn ich nen Kleid mal zu schnell kaput reiße. Aber Deine Mutter meint, ich brauchte so was nicht.". Das hat sie ja nicht so gemeint, Hannchen. u, Hermann, ich bin schlau. Aber laß sie nur! Dadrum laufe ich noch lange nicht in'n Unterrock rum. Und nu komm!“ Sie machten, daß sie fortkamen, denn even erschien in der Hofthür die Frau Posthalterin. Und das konnte leicht ein Zitieren des Sohnes ins Haus bedeuten, womit dann die gemeinsame Sonntagsfreude beendet gewesen wäre. Es war leer auf dem Posthofe, im Gebäude waren vermischt. Ist das Blei mit Zinn versetzt, so werden die Figuren fast immer ausgeprägter und bieten der Phantasie noch mehr Angriffspunkte..4 W.) vial 9. **(Für den Januar prophezeit Fald) viel Regen und Schnee und gegen Ende des Monats starke Kälte. Den 13. Januar bezeichnet er als einen kritischen Termin erster, den 28. als einen solchen zweiter Ordnung. Auch dem hundertjährigen Kalender zufolge gestaltet sich die Witterung im Januar ziemlich kalt und feucht. Am 6. soll Schnee und Regen, vom 7.—13. trübes und windiges Wetter herrschen. Vom 14.—20. soll es„mäßig", am 21. jedoch „grimmig“ kalt werden. Am 22. und 23. wäre wieder Wind und Schnee, am 24. bis zum Schluß des Monats aber große Kälte zu erwarten. **(Kirchliche Statistik.) Folgende kirchliche Statistik der großen evangelischen Gemeinde wurde gestern im Hauptgottesdienst bekannt gegeben: Es wurden im verflossenen Jahre getauft 190 Knaben und 146 Mädchen; gestorben sind 66 männliche und 56 weibliche Personen, also 214 mehr geboren als gestorben. Getraut wurden 82 Paare. Konfirmiert sind 140 Knaben und 104 Mädchen und Abendmahlsgäste waren 1339 männliche und 1641 weibliche Personen vorhanden, darunter 51 PrivatKommunionen. **(Eine Besserung in der hiesigen Industrie) ist, nachdem im ersten Geschäftshalbjahr noch regelmäßig Feierschichten eingelegt werden mußten, jetzt eingetreten. Die Eisenindustrie hat für das nächste Vierteljahr genügend Aufträge bekommen, um ihre 1400 Arbeiter vollauf beschäftigen zu können. Bei der Nietenfabrik Möhling sollen ebenfalls recht umfangreiche Aufträge eingegangen sein. Hiernach scheint sich die Lage doch allmählich zu bessern. **(Eine General=Versammtung des lanowirtschaftlichen Kreisvereins Hörde, findet am Mittwoch, den 7. Januar 1903, nachmittags 3½ Uhr, im Hotel MüllerHörde statt. Die Tagesordnung derselben lautet: 1. Vortrag des Herrn Gerichtsassessors Östermann zu Hörde über Familien= u. Erbrecht unter besonderer Berücksichtig ung der ländlichen Verhältnisse. 2. Bericht des Herrn Gutsbesitzers Meinberg=Schüren über das Ergebnis der Bullenkörordnung. 3. Bericht der einzelnen Stationshal ter über die Tauglichkeit der von der Ankaufskommission überwiesenen Eber. 4. Vortrag des Herrn Hauptlehrer Jöster=Brücherhof über die Art und das Wesen der Blutlaus. 5. Antrag des Direktors Herrn Doktor MüllerDortmund auf Einführung einer Körordnung für Ziegenböcke. 6. Antrag des Direktors der landwirtschaftlichen Winterschule Herrn Dr. Müller auf Ueberweisung der durch Erlaß des Herrn Ministers für Landwirtschaft und durch Beschluß des Provinzialausschusses dem Landwirtschaftlichen Kreisverein zur Einführung von Ziegenböcken bewilligte Beihilfe von 90 Mark an die Ziegenzuchtvereine. 7. Verschiedenes. **(Die neugegründete Pferdeversicherungs=Kasse wählte in einer dieser Tage in der„Helle" stattgehabten Versammlung den Vorstand wie folgt: Herr Bauunternehmer Scherff 1. Vorsitzender, Kohlenhändler Becker 2. Vorsitzender, Holzhändler Niermann Schriftführer und die Fuhrunternehmer Möller und Sohlenkamp als Beisitzer. Der Kasse gehören bis heute 20 Interessenten mit etwa 50 Pferden an, doch hofft man, daß die Kasse durch ferneren Beitritt rege Unterstützung finden werde. **(Herr Friedr. Esser, Barbier und Friseur, hierselbst,) ist laut einer Bekanntmachung der Königl. Regierung zu Arnsberg auf die Dauer von 3 Jahren zum stell vertretenden Beisitzer der auf Grund der Gewerbe=Ordnung für die Kreise Hörde und Dortmund mit dem Sitz in Dortmund errichteten Prüfungskommission für Hand werksmeister des Barbier=, Friseur= und PerrückenmacherHandwerkes ernannt. **(Ein Einbruchsdiebstahl) wurde hierselbst im Hause der Witwe Feit ausgeführt. Von der Straße her drückten die Diebe, die mit den Räumlichkeiten genau vertraut gewesen sein müssen, eine Fensterscheibe ein und entwendeten eine Kassette mit 10 Mark Inhalt. (Zigenner=Konzert.) Am Montag, den 5. Januar findet im Saale des Herrn Hagemann„Im Reiche des Wassers“ ein großes Zigeuner=Konzert des Orchesters „Rakoczi“ statt. Dem„Braunfchw. Tagebl.“ entnehmen wir darüber: Zigeunermusik, Solo= und Chorgesang, Feuer= und Flammentanz, das sind drei Dinge, daß man sich nicht zu wundern brauchte, wenn der große Saalbau ausverkauft war. Die Töchter und Söhne der Pußta mit ihrer nationalen Musik, Gesängen und Tänzen haben eben etwas Anziehendes an sich und das mit Recht. Es wurde uns hier ein Stück Pußtaleben vorgeführt, durch eine Reihe feuriger österreichisch=ungarischer Orchestervorträge, unter mischt mit Solo= und Ensemblestücken. Das Auge kann sich an den verschiedenen buntschillernden Nationaltrachten ergötzen. Die dritte Abteilung bildete die Fantasictanz= an allen Fenstern die Vorhänge herabgelassen. Die Stunden waren dienstfrei, nur der alte Hölder bewachte die Amtsräume. Und der machte in den stillen, heißen Nachmittagsstunden in einem Eckchen der Packkammer ein Nikkerchen. Er konnte sich nicht entsinnen, daß in langen Jahren der Sonntagsfriede auch nur ein einziges Mal gestört worden wäre. Das schmetternde Blasen des Postillons der Extrapost schreckte ihn aus dem süßen Schlummer. Er fuhr mit solcher Hast empor, daß sein Schemel zur Seite flog. Ein Posthorn=Signal in dieser Stunde? Er hatte wohl nur geträumt. Die lange, dürre Gestalt schwankte hin und her; Lebrecht Hölder war, trotzdem er sich kräftig die Augen rieb, immer noch nicht recht wach. Aber da vernahm er Hannchen's helle Stimme. Und das wußte er, wenn sein Töchterchen sich so vernehmen ließ, dann war der Grund dazu. Und so schwankte er dann gähnend zum Fenster. Uebrigens: Was mochten das für Leute sein, die den heiligen Sonntag nachmittag mit der Extrapost auf der Landstraße herumkutschierten, statt ruhig und still zu Hause zu sitzen, wenn sie nicht einen Spaziergang oder eine vergnügte Spazierfahrt in Wald und Feld unternehmen wollten? Eine Extrapostfahrt war in Hölders Augen eben keine Spazierfahrt. (Fortsetzung folgt.) Aufführung der Mlle. Bierut. Im prächtigen Farbenschimmer wurden uns die mannigfachsten Gebilde gezeigt; o konnten wir den feenhaften Schmetterlingstanz la reine du bal 2c. bewundern. Reichen Beifall erntete Frl. Eugenie Sadonie für ihre gesanglichen Darbietungen. Welchen nklang diese Vortrage fanden, bezeugte der nicht endenwollende Beifall, der den Leiter zu mehreren Zugaben veranlaßte. ** Auf Grund der Vorschriften des Gesetzes über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ist der Betrag der für die Naturalverpflegung marschierender Truppen zu gewährenden Vergütung für das Jahr 1903 dahin festgestellt worden, daß an Vergütung für Mann und Tag zu gewähren ist: a) für die volle Tageskost mit Brot 80§, ohne Brot 65 Z, b) für die Mittagskost mit Brot 40 J, ohne Brot 35§, c) für die Abendkost mit Brot 25+, ohne Brot 20§, d) für die Morgenkost mit Brot 15 J, ohne Brot 10 c. ** Vom 1. Januar 1903 ab sind Postanweisungen nach den französischen Kolonien Dahomey, Elfenbeinküste, Guinea, Kongogebiet, Ober=Senegal und Senegal bis zu 500 Franken zulässig. Das vom Absender zu entrichtende Franko ist das gleiche wie für Postanweisungen nach Frankreich selbst, doch erstreckt sich die Frankierung nur bis Paris, während für die weitere Uebermittelung eine Gebühr von ¼ Prozent für die ersten hundert Franken und von ¼ Prozent für die überschießenden Beträge von dem Einzahlungsbetrage in Abzug gebracht wird. Zu schriftlichen Mitteilungen dürfen die Abschnitte der Postanweisungen nicht benutzt werden. Ueber die sonstigen Bedingungen erteilen die Postanstalten auf Erfordern Auskunft. (Ueber die Aerzte Deutschlands) im Jahre 1902 veröffentlicht der Midizinal=Statistiker Dr. G. HeimannBerlin eine Uebersicht, aus der erhellt, daß die Zahl der Aerzte im Deutschen Reiche im Jahre 1902 wiederum etwas mehr zugenommen hat als in den beiden vorhergehenden Jahren. Sie betrug Ende 1902 29 133 oder 3,4 Prozent mehr als im Vorjahre; 1901 war die Zunahme 800, 1900: 685 gewesen. Seit 1876 hat sich die Zahl der Aerzte im Deutschen Reiche mehr als verdoppelt. Auf 10000 Einwohner kamen im Jahre 1902 im Deutschen Reiche 5,17, in Preußen 5,11, in Bayern 5,15, in Sachsen 5,11, in Württemberg 4,37, in Baden 6,43, in Hessen 6,48, in Elsaß=Lothringen 4,76 Aerzte. Für die Gebiete der Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck waren die Verhältniszahlen 8, 6,49, 7,54. Win in früheren Jahren war es unter den preußischen Landesteilen der an Kurorten reiche Regierungsbezirk Wiesbaden, in welchem die geringste Einwohnerzahl 1140(der Staatsdurchschnitt war 1957 gegen 2024 im Vorjahre), auf einen Arzt entfiel. Was die Großstädte betrifft, so kam, nur um einige Beispiele anzuführen, ein Arzt in Kiel auf 476, in München auf 608, in Straßburg auf 621, in Breslau auf 731, in Berlin auf 766 Einwohner, dagegen in Altona auf 1755, in Elberfeld auf 1764 und in Bremen gar erst auf 1868 Einwohner. In Berlin und seinen Vororten wohnt fast der achte Teil aller deutschen und der fünfte aller preußischen Aerzte. Von den deutschen Aerzten war Ende 1900 etwa der achte Teil spezialistisch thätig. Diese Zahl hat seitdem noch zugenommen. Zur Zeit ist in Berlin fast der vierte Arzt, in den übrigen Städten jeder dritte Arzt Spezialist. Die Nachrichten von deutschen Universitäten lassen keine erhebliche Abnahme des Andranges zum Studium der Heilkunde erkennen. ** Lichtendorf, 2. Jan. Von einem traurigen Unglücksfalle wurde am Sylvester die Familie des hiesigen Lehrers S. heimgesucht. Das kleine, ungefähr anderthalbjährige Kind desselben verletzte sich mit einer Schere derart am Auge, daß es in die Augenklinik nach Hagen überführt werden mußte und, wie wir hören, große Gefahr bestehen soll, daß die Sehkraft des einen Auges verloren ist. Möge der traurige Vorfall allen Eltern eine Mahnung sein zur Beherzigung des alten Wortes:„Messer, Gabel, Schere, Licht sind für kleine Kinder nicht!“ ** Bickefeld, 31. Dez. Herr Bergassessor Müller, welcher seit einigen Jahren die Leitung der Zeche Bickefeld übernommen hatte, legte dieselbe nieder, um in den Staatsdienst zurückzutreten. Sein Nachfolger wird Assessor Kleine, Sohn des Herrn Stadtrat Kleine in Dortmund. Hörde 31. Dez. Die nationalliberale„Hörder Kreiszeitung" teilt ihren Lesern mit, daß sie mit der vorliegenden Nummer ihr Erscheinen einstelle, sie habe keine Lust, die Zahl der„parteilosen" Blätter um eins zu vermehren. ** Hörde, 31. Dez. Auf dem hiesigen Hüttenwerke ereignete sich gestern ein bedauerlicher Unglücksfall. Ein Chemiker stürzte bei einem Dienstgange in einen Wasserbehälter, welcher zum Abkühlen der glühenden Coquillen dient. Derselbe erlitt so schwere Brandwunden, daß er mittels Tragbahre dem Hüttenhospital zugeführt werden mußte. Aus Westfalen und Rheinland. Wülfrath, 30. Dez. Von einem Eisenbahnzug überfahren wurden heute früh auf dem hiesigen Bahnhofe die Metzger Birkenbeil und Jüngstmann. Birkenbeil war sofort tot, während Jüngstmann lebensgefährliche Verletzungen erlitt. * Barmen, 30. Dez. Der Fabrikant Karl Otto hier hatte sich mit dem Kaufmann Heinrich Heimann in Goslar zwecks bergbaulicher Gewinnung von Kalisalzen im Hildeheimer Kreise vereinigt und Kuxe verausgebt. Otto hatte nun vier Personen, den Zahntechniker Ph. Michel hier um 24000 Mk., den Dr. Herm. Ganswindt jr. um 11000 Mk., Wilh. Hollekott in Schwelm um 5000 Mk. und Ernst Profitlich in Unkel um 24000 Mk. dadurch geschädigt, daß die von ihm verkauften Kuxe wertlos waren. Otto ist später in Konkurs geraten und die Untersuchung hat ergeben, daß er mangelhaft Buch geführt hat. Otto wurde heute von der Strafkammer zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt und sofort verhaftet. * Münster, 31. Dez. Das soeben erschienene Personal=Verzeichnis der Königlichen Universität zu Münster i. M. für das Winterhalbjahr 1902/1903 zeigte die westfälische Hochschule zum ersten Mal in ihrer neuen erweiterten Gestalt. Der Lehrkörper hat folgende Zusammensetzung: Theologische Fakultät: 7 ordentliche Professoren, 4 außerordentliche Professoren, 2 Privatdozenten. Rechts= und Staatswissenschaftliche Fakultät: 8 ordentliche Professoren, 3 außerordentliche Professoren, 2 beauftragte Dozenten(1 Oberlandesgerichtsrat und 1 Regierungsrat), 1 Privatdozent. Philosophische und Naturwissenschaftliche Fakultät: 20 ordentliche Professoren, 1 ordentlicher Honorarprofessor, 10 außerordentliche Professoren, 1 außerordentlicher Honorarprofessor, 6 Privatdozenten. Dazu kommen noch 6 Lektoren und 2 technische Lehrer. Die Gesamtzahl der immatrikulierten Studierenden ist auf 1153 gewachsen. Dazu kommen noch 53 nicht immatrikulierte Hörer, sodaß die Gesamtzahl der zum Hören von Vorlesungen Berechtigten 1206 beträgt. Von den 1153 immatrikulierten Studierenden kommen auf die Theologische Fakultät: 348, Rechts= und Staatswissenschaftliche Fakultät: 229, Philosoph. und Naturwiss. Fakultät: 576. Ihren Heimatsverhältnissen nach stammen von den immatrikulierten Studierenden aus der Provinz Westfalen 515, Rheinprovinz 312, Provinz Hannover 117, Provinz Hessen=Nastau 49, den 7 anderen preußischen Provinzen zusammen 74, dem Großherzogtum Oldenburg 36, anderen norddeutschen Staaten zusammen 20, Süddeutschland 17, anderen Ländern 12. Humoristisches. (Unbegreiflich.)„Sie haben gar keine Idee, wie meine Tochter ihr Klavier liebt!“—„Dann möcht' ich wissen, warum sie so drauf rumhaut?“ §(Feiner Unterschied.) Frau A.:„Sie wohnen ja wohl der Familie Werner gegenüber?"— Frau B.: „Pardon; die Familie Werner wohnt uns gegenüber.“ Neueste Nachrichten. § Brüssel, 1. Jan. In Courtrai zerstörte nachts eine Feuersbrunst das große Warenlager der Firma Berson. Der Schaden beträgt über 250000 Franks. 50 Arbeiter sind brotlos. § Antwerpen, 1. Jan. An Bord des englischen Dampfers„Lovaine“ wurden 11 000 Kilogramm Getreide gestohlen. Gegen mehrere Verlader, welche des Diebstahls verdächtig sind, ist eine Untersuchung eingeleitet worden. Eigener Depeschendienst Hd Berlin, 2. Jan. Ein ehemaliger Dragonerleutnant M. ist unter der Beschuldigung der Urkundenfälschung und Unterschlagung dem Untersuchungsgefängnis in Moabit eingeliefert worden. Der Beschuldigte gehört, nach der„Morgenpost“, einer sehr angesehenen und begüterten Familie an und war noch bis vor einem Jahre aktiver Offizier. Schulden zwangen ihn, den Abschied zu nehmen. Er übernahm die Vertretung einer rheinischen Metallwarenfabrik und vergriff sich in dieser Stellung an ihm anvertrauten Geldern, worauf seine Verhaftung erfolgte. IIA Mecheln, 2. Januar. Gestern wurde in ihrer Wohnung die sehr vermogende 80jährige Witwe Bogaerti ermordet aufgefunden. Von dem Raubmörder fehlt jede Spur. IIA Wien, 2. Jan. Die gesamte Presse spricht ihre Befriedigung über die Verständigung aus, die in der Ausgleichsfrage gestern spät abends erfolgte. v. Szell, welcher um 11 Uhr nach Budapest abreiste, wird in den nächsten Tagen nach hier zurückkehren, um die endgiltigen Formalitäten zu erledigen. Die getroffenen Vereinbarungen beziehen sich nicht nur auf die Hauptfragen des Ausgleichs, sondern auch auf die Nebenfragen, insbesondere auf die Transportsteuer, die Aufnahme der Barzahlungen, die Rentenkonversion usw. Ha Wien, 2. Jan. Graf Lambsdorff, welcher bis spät nachts mit dem Grafen Goluchowski konferierte, reiste gestern abend 9 Uhr mit dem Expreßzuge ab und begiebt sich direkt nach Petersburg. Auf dem Bahnhofe hatte er noch wieder eine 20minutige Unterredung mit Goluchowski. IId Konstantinopel, 2. Jan. Nach Meldungen aus Salonichi fand bei der Ortschaft Bressowo in der Nähe von Monakir ein Zusammenstoß türkischer Truppen mit einer bulgarischen Bande statt, die unter dem Kommando Pepenho's stand, wobei ein türkischer Offizier und 15 Soldaten getötet wurden. Zwei Mitglieder der Bande fielen. Die Einwohner von Bressowo beteiligten sich an dem Kampfe, weshalb mehrere Häuser niedergebrannt wurden. IId Toulon, 2. Jan. Hier verlautet, daß bereits zwei Panzerschiffe nach den marokkanischen Gewässern abgegangen seien. 3. Januar: Kälter, wolkig, Niederschläge, windig. 4. Januar: Naßkalt, Niederschläge, vielfach Nebel, windig. 5. Januar: Um Null herum, wolkig, teils heiter, strichweise Niederschlag, stark windig. Für den redaktionellen Teil verantwortlich: Wilh. Schade. Veranntmachung. Das Verzeichnis der im Kreise Hörde— ausgenommen die Stadtbezirke Hörde und Schwerte— zu den Wahlen zur Handwerkskammer wahlberechtigten Körperschaften liegt während der Zeit vom 1. biseinschließlich 8. Januar 1903 im Kreishause hierselbst— Zimmerstraße Nr. 18— zur Einsicht der Beteiligten offen. Etwaige Beschwerden gegen das vorbezeichnete Verzeichnis sind bis zum 22. Januar 1903 bei mir anzubringen. Hörde, den 20. Dezember 1902. Der Landrat. I. V. Mathis, Regierungs=Assessor. Das erhaltene Garde= und Landwehrverein Schweite. Sonntag, den 4. Jan. abends 8½ Uhr im Vereinslokale General-Versammlung. Tagesordnung 1. Ergänzungswahl d. Vorstandes. 2. Lokalfrage.(Punkt 1 und 2 ist beschlußfähig, wenn auch nicht ¼ der Mitglieder erschienen sind). 3. Zahlung der Beiträge. 4. Aufnahme neuer Mitglieder. 5. Abänderung der Satzungen. 6. Verschiedenes. Um vollzähliges Erscheinen bittet dringend Der Vorstand. ung und Dehle, als auch geräumige Keller. in der Mitte der hiesigen Stadt, welches sich zum Geschäftsgebäude, besonders aber zu landwirtschaftlichen Zwecken eignet, soll meistbietend verkauft werden. Bei demselben ist außer dem geräumigen Hofraum noch ein ca. ½ Morgen großer Garten belegen. Besichtigung des Anwesens kann jeden Vormittag erfolgen. Angebote, welche verschlossen und mit Aufschrift „Amtshaus Westhofen" versehen sein müssen, sind an die Adresse des Unterzeichneten bis zum 1. Februar n. Is. einzusenden. Westhofen, den 30. Dezember 1902. Der Amtmann: Graf Haslingen. Eine abgeschlossene Fra 0 im Ganzen oder geteilt auf den 1. April zu vermieten. Näheres in der Geschäftsstelle d. Zig. sohnung! Die I. Etage(5 Zimmer) mit Zubehör Markt 6 ist verziehungshalber pr. 1. April zu vermieten. Carl Böhmer. Wöhnung von 2 Zimmern von ruh. Leuten sofort gesucht. Von wem, sagt die Geschäftsstelle d. Bl. Eine Wohnung von 4 Zimmern nebst Zubehör(1. Etage) zum 1. April zu vermieten. Moltkestraße 38. Wöhnung von 4—5 Zimmern versetzungsalber zum 1. April zu vermieten. Wo, sagt die Geschäftestelle d. Blattes. Verannrmachung. von dem Unterzeichneten#wohnte, noch gut Gebände, dem Amte Westhofen gehörig, enthaltend 16 bewohnbare Räume nebst Stallung und Dehle, als auch geräumige Keller, belegen E 0 Sonnabend, den 3. Januar 1903, vormittags 10 Ahr ansangend, verkaufe ich in der Albeck, an Dieckerhoff's Wiese entlang 40 Neu. Eichen, zu Geschirr= und Nutzholz. 30 Nru. Buchen, zu Nutz= und (worunter mehrere schöne Heimbuchen), Brennholz geeignet, sodann 10 Haufen Brennholz öffentlic mitennne un Ott und Stelle. tlich meistbietend an Ort und St Zusammenkunft Wirtschaft Eichmann in Geisecke event. an Ort und Stelle. Eine Wohnung on 3 Bodenzimmern ist zum Februar zu vermieten. Beckestraße 92. Bekanntmachung. Militär=Ersatz=Aushebung für 1903. Unter Bezugnahme auf§ 25 der deutschen Wehrordnung vom 22. Juli 1901 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß alle Militärpflichtigen, welche sich im hiesigen Verwaltungsbezirke aufhalten, in der Zeit vom 15. Jannar bis 1 Februar 1903 im Bureau des Meldeamts,(altes Rathaus Zimmer Nr. 2), sich zur Aufnahme in die Rekrutierungsstammrolle zu melden haben und zwar vormittags. a. männliche Personen, welche im Jahre 1883 im hiesigen Bezirke geboren sind, 1689 b. militärpflichtige Personen, welche im Jahre 1883 in anderen Bezirken geboren sind, hier aber ihren Aufenthalt haben., Gethreänag namentich c. Militärpflichtige der älteren Jahrgange, namentlich der Jahrgänge 1880, 81 und 82, welche noch keine endgültige Entsch idung über ihre Dienstverpflichtung durch die Ersatz=Behörden erhalten haben. Die unter b gedachten Personen müssen bei der Anmeldung ein burtszeugnis(vom Standesamt ausgestellt) vorBei Wiederholung der Anmeldung zur Stammrolle ist der im ersten Militärpflichtjahre erhaltene Losungsschein vorzalegen.., 93.3 Herungen in h. Außerdem sind etwa eingetretene Veranverungen in betreff des Wohnsitzes, des Gewerbes, des Standes u. s. w. Sind die Militärpflichtigen vom Orte ihres Aufenthalts(Wohnsitzes) vorübergehend abwesend, so haben ihre Eltern, Vormünder, Lehr=, Brot= oder Fabrikherren die Verpflichtung, sie bis zum obigen Termin zur Stammrolle Wer die vorgeschriebene Meldung zur Stammrolle oder zur Berichtigung derselben unterläßt, wird gemäß § 2511 W.=O. mit Geldstrafe bis zu 30 Mark oder mit Haft bis zu 3 Tagen bestraft. Schwerte, den 20. Dezember 1902. Der Bürgermeister: Kohrmann. Lichtendorf, im Dezember 1902. Fr. Hohenschwert. Me Anfertigung von Quittungen Mittellungen Tabellen etc. Anfertigung von Brlefköpfen SS 1 emppenit und fertigt PP### stenr gerseanchten Circularen Plakaten etc. Carl Braus, 1 S Buchdruckerei, Schwerte, grosse Marktstrasse. Grösse N Empfehle mich zur Anfertigung von sämtlichen Drucksachen für den Geschattonlantt „- f ö„„ u„„„ h•111 in sauberster Ausführung zu billigen Preisen Man verlange Proben und Preise. Carl Braus, Buch- und Kunstdruckerei R Meine anerkannt feine Eine Wohnung von 2 Zim2 mern nebst Keller und Stall auf sofort oder später zu vernieten. Hagenerstraße 83. Amt Westhosen. Anmeldung zur Rekrutierungs-Stammt Auf Grund des§ 25 der Deutschen Weyroronung werden alle Personen männlichen Geschlechts, welche Jahre 1883, sowie alle diejenigen Personen, welche zwar früher geboren, aber über ihr Militärverhältn kostet heute Mk. 1.25. Carl Trog, Schwerte. Wohnung Zahre 1883, sowie alle diesenigen. bex 3 Zimmern 2# an frühet, gebigeng, aber abet iht Agnutrrnaltnis noch bige vanzite pr. 1. Aprik zu sendaultige entscheidung, erhalten haben, sich im di Seuteten. 34ageres....(Amtsbezirk aufhalten, hierdurch aufgefordert, sich in der Zeu Ah. das ist Naheres Wallstraße 7. Wohnung, und 2 Zimmer, Februar oder pril zu vermieten. Hagenerstraße 106. Wohn endgültige Entscheidung erhalten haben, sich im diesseitigen rolle auf dem hiesigen Amtsbureau zu melden.— Diejenigen, welche nicht im hiesigen Amtsbezirk geboren sind, müssen den Geburtsschein, und falls sie sich schon einmal zur Musterung gestellt haben, den Losungsschein vorlegen. oder Fabrikherren Pebg., Wer, raitegeirs GHeldstrafe bis zu 30 Mark od. Keine Ausstattung.) Bils ai Tem gesetslich geschora: Genuss! Nur Qualität! eine ruhige unterläßt, wird mir einer Gelostruft bis zu 30 Mark oder #e, e verhägteähggen######c#mber 1000 amilie zum 1. April zu vermieter Zu erfragen i. d. Geschaftssteue. Eine Wohnung von 3 oder 4 2 Zimmern auf den 1. Februar der später zu vermieten. Hörderstraße 79. sältnismäßiger Haft bestraft., 1000 Westhosen, den 20. Dezember 1902. Der Amtmann: Graf Haslingen. Herm. Neuber’s anbewählte diätetisches = Mittel gegen SALEN ALEIRON: CIGARETTEN Zuheben in den Cigarren-Geschäften! Sämtliche Geschäftsbücher Eine Parterre=Wohnung n 3—4 Zimmern mit oder e Püit 9 Nusten u. für Bureau und Laden(ertra Anfertigungen ete.) Brusibenvensjnzeiserkeit sämtliche Schreibutensllien für Geschäft und Mei Fyir Walf’ Anis. Cachou. Pla M— vix mit oder hue Garten sofort oder später vermieten. Hörderstraße 57. Bestandth.: mei. Extr. Maiti, Ams, Cachou, Plantaginis. Preis pro Packet 40 Pfg. Zu haben in Schwerte in der Apotheke von Julius Wigginghaus. Eine Wohnung Iun. Banglsch, Gensiere, Seiesz, Vage, Jaunr 19.3 end Simmern u der ersten!“ Vormitags 1410 u, aberngstedienft: Vosior Wiskenasz.“ bun b e.. g, dr. S2.) 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