für lokale Anzeigen die sechsgespaltene Zeile oder deren Raum 10 J, außerhalb 15, Reklame=Zeile 40 J. ruck und Verlag von Carl Braus in Schwerte, FernsprechAnschluß Nr. 62. Amt Schwerse. Telegr=Adr. Braus, Schwerte=Ruhr Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche Kraft. Abonnementspreis pro Quartal 1 Mark 65 Pfg., 42 Pfg. Bestellgeld wenn durch die Post bezogen. Erscheint en jedem Wochentag. Wöchentliche Gratisbeilage: Familienfreund.“ No. 278. Schwerte. Mittwoch, 27. November 1901. 34. Jahrgang. über die begründung. Die Begründung, welche die Regierung dem Zolltarifgesetzentwurf mitgegeben hat, hat, wie alle Kompromisse, Enthusiasmus auf keiner Seite, auf Seiten der Freihändler aber große Verstimmung erregt. Mit unumwundener Anerkennung äußert sich nur die„Tägl. Rundschau": das Blatt schreibt nämlich, daß das in der Begründung Gesagte eine Zusammenstellung dessen sei, was schon zu wiederholten Malen auch von ihr als die Aufgabe des Staates bezeichnet worden sei. Kein Wunder, daß man auf der Redaktion in hohem Maße befriedigt und mit dem Inhalt des Schriftstückes einverstanden ist. Der„Berl. Börsen=Courier“ giebt sein Urteil dahin ab, daß aus dem Schriftstück eine besondere Belehrung nicht geschöpft werden könne, und daß es keinem Menschen etwas Neues sage. Die„Nationalztg. bezeichnet einige Abschnitte als hochst unsicher und widerspruchsvoll, und die„Freis. Ztg.“, sagt, die Begründung sei ein selten oberflächliches Machwerk. Das„Berl. Tgb. bezeichnet die Begründung als eine Nachbetung der Behauptungen der Organe des Bundes der Landwirte und— das alte Märchen!— als ein Zugeständnis an die wenigen Großgrundbesitzer auf Kosten des Volkes. Der„Vorwärts“ faßt sein Urteil folgendermaßen zusammen: „Nirgends ein eigener Gedanke! Ueberall ein Wiederholen jener Argumente, die schon zum Ueberdruß die agrarische und die hochschutzzöllnerische Presse des„Zen tral=Verbandes deutscher Industrieller" ausgespielt hat, nur mit dem Unterschied, daß, wenn dort eine gewisse Konsequenz zu finden ist, in der offiziellen Begründung durchweg dem Argument aus dem einen Argumentenfonds ein mehr oder weniger entgegengesetztes Argument aus dem andern Fonds folgt, welches das erstere aufhebt oder korrigiert. So gleicht die Begründung in etwas den beiden Löwen, die sich gegenseitig bis auf die beiden Schwänze auffressen. Wie die„D Tagesztg. sehr richtig bemerkt, sind alle diese Urteile in etwas zutreffend. Jedes Kompromiß enthält in sich einen Widerspruch oder vielmehr die Ineinanderarbeitung zweier Widersprüche nach Art der„beiden Löwen, von denen der gefährliche Teil verschwindet.“ Und wenn ein Schriftstück auf wenigen Seiten duammenfaßt, was in hundert Leitartikeln und Dutzenden von Broschüren anscheinend noch immer nicht erschöpfend dargelegt ist, so kann es selbstverständlich nicht übermäßig gründlich und gelehrt sein. Daß die Begründung„selten oberflächlich“ sei,„findet nur die selten grobe„Freis. Ztg. Die„Berl. Korr.“ begleitet die Begründung mit einigen beachtenswerden Ausführungen, die wir dem folgenden zu grunde legen. Ein Verbrechen? Original=Roman von Arthur Zapp. 15. Fortsetzung. (Nachdruck verboten) Der Rentmeister strich sich über die Stirn, die vor unerträglicher innerer Aufregung feucht geworden war. chch, Den Aufsichtsrat trifft gar keine Schuld," erwiderte er hastig.„Es ist mein selbständiger Entschluß und nur die Rücksicht auf mich selbst leitete mich bei meinem Entschluß.“ Der Prediger zuckte mit den Achseln. „Die Leute glauben das nicht,“ erwiderte er.„Vielmehr sind sie der Ansicht, daß Sie triftigen Grund haben sich zu beklagen. Und da die Vereinsmitglieder befürchten, daß die Kasse zurückgehen wird, wenn Sie die Geschäfte nicht mehr führen, so will man Sie denn mit Gewalt festhalten.“ Und wieder zum Scherzton übergehend, fügte der Prediger hinzu:„Das haben Sie nun davon, Herr Rentmeister, daß Sie sich Ihrem Amte an der Kasse mit soviel Gewissenhaftigkeit gewidmet haben. Die Leute gestatten Ihnen nun die Ruhe nicht und glauben, ein förmliches Recht auf Ihre Dienste zu besitzen.“ Der Rentmeister erzitterte im Stillen. Jedes Wort drang ihm wie ein Stachel in die Seele und er zog sein Taschentuch, um die Röte zu verbergen, die brennend auf seinem Gesicht aufflammte. Schon die nachsten Tage bewiesen Grunow, daß Prediger Bruck nicht zu viel gesagt hatte. Drei Herren — zwei angesehene Geschäftsleute und ein höherer Subalternbeamter— sprachen auf dem Bureau der Spar= und Vorschußkasse vor und erklärten, daß sie von einer Anzahl von Vereins=Mitgliedern als Deputation entsandt worden seien mit der Bitte, Herr Grunow möchte doch seine Kündigung zurücknehmen und seine wertvolle Thätigkeit wie bisher der Kasse widmen. Der Sprecher der In der freihändlerischen Presse liebt man es, den Kampf um die Agrarzölle, welcher sich bei uns abspielt, mit den Kämpfen um Abschaffung der englischen Getreidezölle zu vergleichen. Aber zwischen diesen beiden wirtschaftlichen Kämpfen besteht ein grundlegender Unterschied. Als England die Kornzölle abgeschafft, war es der einzige Industriestaat der Welt. Deshalb konnte es das Experiment wagen, die eigene Landwirtschaft fallen zu lassen u. sein Korn vom Auslande zu beziehen, bezw. sich in Egypten und den Kolonien neue Kornkammern eigenen Besitzes zu schaffen. Deutschland, das mit der industriellen Konkurrenz von England, Amerika und den übrigen Kulturstaaten zu rechnen hat, darf heute ein solches Experiment nicht mehr wagen, wie es England selbst heute schwerlich noch wagen würde. Die Erhaltung der Landwirtschaft ist für das Deutsche Reich eine Notwendigkeit, und erhalten kann die Landwirtschaft nur werden, wenn durch ausreichende Zölle gegen die wilde Konkurrenz des Auslandes geschützt wird. Diese Wahrheit wird von allen Parteien anerkannt. Denn warum werden die Agrarzölle von der Sozialdemokratie bekämpft? weil sie staatszerstörend wirken? Doch offenbar, weil sie staatserhaltend wirken. Die Sozialdemokratie bekämpft diese Zölle wesentlich mit in der Absicht, die Proletarisierung der Landbevölkerung herbeizuführen und so den festen Schutzwall, den die Bauernschaft gegen ihre Bestrebungen bildet, zu untergraben. Von gleichen Gründen wird der radikale großstädtische Liberalismus in seinem Kampf gegen die Kornzölle geleitet. Er ist sich ebenfalls wohl bewußt, daß das konservative Element wesentlich durch den Schutz der Landwirtschaft gestärkt wird; deshalb sucht er mit allen Mitteln dem politischen Gegger die wirtschaftliche Lebensader zu unterbinden, um ihn zu schwächen. Der Streit um die Zölle ist ein Streit um die Macht, und dieser Streit, und die Art, wie er geführt wird, ist der beste Beweis dafür, daß alle Parteien anerkennen, daß die Agrarzölle segensreich d. h. staatserhaltend wirken. Für fast 20 Millionen Menschen— soviel Köpfe zählen die deutschen Bauernfamilien— bedeuten sie eine wirtschaftliche Stärkung. Die Agrarzölle— und deshalb werden sie von den radikalen Parteien bekämpft— stärken die konservative Partei. Das Deutschland des neuen Jahrhunderts aber muß konservativ sein oder es wird, wie Berlin an sich erfährt, sozialdemokratisch sein. Die Wahrheit scheint noch nicht allen aufgedämmert zu sein, daß Bismarck der Schöpfer des konservativen Deutschland ist, d. h. daß er das neu begründete Reich mit dem Maß politischer Freiheit— in Frage kommt vor allem das allgemeine Wahlrecht— ausgestattet hat, daß die Hauptaufgabe der Deputation führte in einer langatmigen Rede aus, wie die Vereinsmitglieder von seinem eventuellen Rücktritt die bedenklichsten Folgen für die Kasse befürchteten. Seit 10 Jahren, von der Gründung des Vorschußvereins an, habe Grunow die Geschäfte in einer Weise geführt, die allseitig die größte Anerkennung und das größte Vertrauen erweckt habe. Unter ihm sei die Kasse aufgeblüht und unter seiner ferneren Leitung werde sie sich kräftig weiterentwickeln.. In der ganzen Stadt wüßte man keine Persönlichkeit von gleicher Vertrauenswurdigkeit und von gleicher Befähigung, die Kasse zu leiten. Es seieben kein Anderer in der Stadt in den Kassengeschäften so erfahren. Man müßte sich, beharre er bei seinem Rücktrittsgedanken, eine geeignete Persönlichkeit von außerhalb holen, der es wieder an der nötigen Platzkenntnis fehle. Der Redner erklärte ferner, daß er Namens eines großen Teiles der Vereinsmitglieder zu dem Versprechen ermächtigt sei, in der nächsten Generalversammlung eine Gehaltserhöhung für Grunow zu beantragen. Zum Schluß appellierte der Redner an das Pflichtgefühl und den Gemeinsinn des Rentmeisters und schloß mit denemphatischen Worten:„Ein Mann, der so durch das Vertrauen und die Verehrung seiner Mitbürger ausgezeichnet wird, wie Sie, verehrter Herr Rentmeister, hat nicht das Recht, so frühzeitig zu feiern, wie irgend ein Anderer, an dem das Gemeinwohl nichts verliert. Ein Mann, wie Sie, hat die Ehrenpflicht, auf seinem Posten auszuhalten und den Interessen seiner Mitbürger seine unersetzliche wertvolle Thätigkeit zu widmen, so lange noch ein Funke von Kraft in ihm lebt.“ Grunow stand wie auf Kohlen und heiße und kalte Schauer durchrieselten ihn. Er wußte nicht, wo er seine Blicke lassen sollte. Er sah, wie im Hintergrunde Küpper höhnische Grimassen schnitt und ihm finstere, ja drohende, Blicke zuwarf und der Gedanke packte ihn wie eine fixe Idee, der Buchhalter werde plötzlich hervortreten und die Nachfahren ist, es zu erhalten. Es ist nicht zufällig, daß die Freisinnige Partei nur noch eine kümmerliche Existenz fristet, noch ist es zufällig, daß der politische Gegensatz zwischen konservativ, nationalliberal und Zentrum abgeschwächt und verblaßt ist. Politisch giebt es nur noch zwei Parteien, die konservative und die demokratische, die über Bismarck hinausgehen und auch noch die feste, heilsame Schranke der Monarchie beseitigen will. Die Agrarzölle wirken staatserhaltend, darum stimmt die gesamte konservative Partei für diese Zölle. Diese Einigkeit wie die feste Haltung der Regierung läßt uns hoffen, daß der Ansturm der Demokratie gegen dieselben siegreich abgeschlagen wird. Zum Ministerwechsel in Minister Die Uebersetzung des Neuen Testamentes aus dem Altgriechischen in das Neugriechische, welche von der Königin von Griechenland veranlaßt war, da sie mit Schmerz gesehen hatte, daß im türkischen Kriege die Soldaten die Bibel nicht lesen konnten, da sie den Text in der klassischen griechischen Sprache nicht verstanden— diese Neuerung hat in Athen einen Aufruhr erregt, dem das Ministerium zum Opfer gefallen ist. Der Ministerpräsident Theotokis, der in der Kammersitzung Thränen vergoß— nach dem berühmten Muster des Perikles— hat seine Demission eingereicht. Sein Nachfolger ist Zaimis. Lobpreisungen des Redners mit höhnischem Gelächter unterbrechen und ausrufen:„Ihr täuscht Euch! Der, den Ihr da als einen ehrenhaften, gewissenhaften Beamten feiert, ist ein Heuchler, ein Dieb, der Euer Vertrauen schnöde gemißbraucht, der sich an Eurem Gelde vergriffen hat!“ Als der Redner geendet hatte, erwiderte Grunow. ohne auch nur mit einer Silbe auf die ehrenden Worte einzugehen u. für die ihm gespendete Anerkennung zu danken, mit einer fast brüsken, rauhen Hast, daß sein Entschluß unabänderlich sei, daß er seine Stellung definitiv aufgebe, weil er sich nicht mehr im Stande fühle, seinen Pllichten in der wünschenswerten Weise zu genügen.„ Betreten und verletzt zog sich die Deputation zurück. Grunow aber atmete auf, wie von einer quälenden Last befreit, als der letzte der Vereinsmitglieder das Bureau verlassen hatte. Am andern Tage ereignete sich ein neuer Vorfall, der den unglücklichen Mann seelisch weit tiefer erregte, als der Besuch der Deputation. Es war mitten im Vormittag, als Küpper plötzlich von seinem Drehschemel herabstieg und die Verbindungsthür zwischen Bureau und dem Komptoir des Schreibers und des Kassenboten klinkte. Als Grunow erstaunt aufblickte, sagte der Buchhalter, während er zu seinem Platz zurückkehrte:„Ich möchte ein paar Worte unter vier Augen mit Ihnen sprechen, Herr Rentmeister. Es handelt sich um Ihre Stellung, die ja immer noch nicht besetzt ist und zu der der Aufsichtsrat, wie man sich erzählt, von außerhalb Jemand verschreiben will. Ihnen muß ja doch selber daran liegen, daß Sie so bald als möglich hier herauskommen und da wollte ich mir denn erlauben, Sie an ein Wort zu erinnern, das Sie mir einmal gesagt haben.“ Die Augen des Spre chenden funkelten boshaft und erlegte auf die folgenden Worte eine besondere höhnische Betonung:„Das war kurz vor der Kassenrevision, Herr Rentmeister, die ja wohl Politische Uebersicht. Deutschland. — Unser Kaiser, der tags vorher bei der Vereidigung der Marinerekruten letztere zur genauen Beachtung des Treueides aufforderte, besichtigte Dienstag vormittag auf der Kieler Reichswerft die Maschinenbau=Anstalt, die Gießereien, sowie die Neubauten der Panzerkreuzer„Prinz Heinrich" und„Prinz Adalbert". Abends fand beim Prinz=Admiral Heinrich an Bord des Panzers „Kaiser Friedrich“ Tafel statt. —(Reichstag). Der Reichstag ist gestern zu neuem Schaffen in Berlin zusammengetreten. Das Haus war gut besetzt, hoffentlich ist es auch beschlußfähig, wenn es darauf ankommt. Der Präsident Graf Ballestrem bedenten Mac Kinley. Nach Eintritt in die Tagesordnung wurde zunächst die Novelle zur Strandungsordnung in zweiter Lesung ohne Erörterung erledigt. Es folgte die zweite Beratung des Entwurfs einer Seemannsordnung. Abg. Semler(natl.) erstattete Bericht über die Verhandlungen in der Kommission. Die 3 ersten Paragraphen wurden sofort angenommen. Eine längere Erörterung entstand bei§ 3 a über einen sozialdemokratischen Abänderungsantrag, der aber schließlich abgelehnt wurde. Auch zu§ 4 lagen Abänderungsanträge vor, die eine lebhafte Auseinandersetzung veranlaßten. Die Debatte hierüber kam noch nicht zu Ende, wird vielmehr heute(Mittwoch) fortgesetzt. Vorher: Duell=Interpellation. — Der Berliner Magistrat ist mit seiner Ansicht, daß eine rechtliche Verpflichtung vorliege, die Wiederwahl fragen. Jedenfalls beschäftigten sich Mönche, Bischof. eingeborene Christen, französische Soldaten und Matrosen eifrig mit dem„Umziehen". Sie luden Silberbarren auf ihre Fuhrwerke, die sofort an einen sicheren Ort gebracht werden. Der Pater Favier hatte Kenntnis von diesem Depot.„Das Interesse des Himmels“ erforderte, daß man sich dieses Schatzes zum Dienste des Evangeliums(!) bemächtigte. Wer wollte da nicht an Goethes Verse denken:„Die Kirche hat einen guten Magen, kann ungerechtes Gut vertragen.“ Der General Voyron schätzt nun, natürlich ohne die Elemente für seine Angaben zu liefern, die auf diese Weise gestohlene Summe auf 3—400000 Francs. Diese Zahl isi augenscheinlich ungenau, denn sie stände in gar keinem Verhältnisse zu dem Trinkgelde der„Umzieher". Man weiß nicht oder stellt sich so, nicht zu wissen, was den eingeborenen Christen davon abgegeben wurde, dagegen gesteht der General Voyron zu, daß unsere Soldaten und Matrosen (deren Ziffer er wohlbemerkt nicht angiebt), jeder einen Check von 2000 Francs auf die Kongregation der frommen Schwestern Saint=Vincent=de=Paul in Paris ausgefolgert erhielten: eine merkwürdige Kundgebung des Gelübdes der Armut! Ein Trinkgeld von 2000 Francs pro Kopf deutet augenscheinlich auf eine Operation von ganz außergewöhnlichem Umfange hin. Das Schweigen des Generals Voyron über die Zahl der Trinkgeldempfänger läßt leider keine Berechnung des Gesamttrinkgeldes zu. Diese Zurückhaltung ist um so auffälliger, als die Ausführung späterer militärischer Befehle sicher gestattet hat sich Rechenschaft darüber abzulegen. Als Haft behalten werden. Frl. Hobhouse hat bekanntlich die Greuel in den Konzentrationslagern aufgedeckt. + Aus London wird gemeldet: Dr. Krause ist aus der Haft entlassen worden, da die radikalen Dissidentengeistlichen Stead und Rylett als Bürgen für ihn eingetreten sind. sicher gestalter hat, sich brechenschaft barader abzulegen. Als man in den Lagerquartieren erfuhr, duß die Soldaten am helllichten Tage unter den Befehlen eines Bischofs geplündert hatten, daß keine Strafe daräuf erfolgt war und daß jeder „Umzieher“ mit einem Trinkgelde von 2000 Francs bedacht worden war, begann eine allgemeine Plünderung, die die Disziplin nicht aufzuhalten vermochte. Bald aber wurden Reklamationen laut. Viele, die Neid gegen ihre Kollegen empfanden, beklagten sich darüber, keinen Anteil an den Checks daß eine rechtliche Verpflichtung vorliege, die Wiederwahll der Mönche erhalten zu haben, und der General Voyron legt Kauffmann's abermals dem Kaiser zur Bestätigung zu dar, daß er sich nunmehr(!) gezwungen sah, den Artiker des unterbreiten, nicht durchgedrungen. Aus Berlin wird ge=Militärstrafgesetzes bezüglich der Plünderung zur Anwendung Der Minister des Innern erwiderte auf die Vor= zu bringen. meldet: Der Minister des Innern erwiderte auf die Vorstellungen des Magistrats betreffend die Entscheidung des Oberpräsidenten von Potsdam in der Angelegenheit der zweiten Bürgermeisterwahl Kauffmann's, daß der Erlaß des Oberpräsidenten die vertretene Auslegung des§ 33 der Städteordnung auch nach der Prüfung der Ausführungen des Magistrats als zutreffend erachte. Sie entsprach dem Wortlaute wie dem Sinne und der bisherigen Handhabung der Gesetzesbestimmung. Eine allerhöchste Entscheidung über das Ergebnis der Wahl ist hiemnach nicht herbeizuführen. Es steht den Stadtverordnetn frei, die vorgeschriebene neue Wahl vorzunehmen. — Ein Vergleich mit dem verhafteten Kommerzienrat Sanden, dem früheren Direktor der Preußischen Hypotheken=Aktien=Bank, ist nach dem„L.=A.“ abgeschlossen worden Sanden hat sein und seiner Frau Vermögen in Höhe von zusammen 1200000 Mk. der Masse zur Verfügung gestellt, wodurch die Regreßansprüche seitens der Gläubiger als erledigt zu betrachten sind. Von dieser Summe entfallen nach den seinerzeit für die Verteilung aller Eingänge festgesetzten Normen 900000 Mk. auf die Neue Boden=Gesellschaft und 300 000 Mark auf die Preußische Hypotheken=Aktien=Bank.— Sollten die Zahlen richtig sein, so dürfte Sanden noch eine Kleinigkeit für seine alten Tage übrig behalten, d. h. einige Millionen. Amerika. = Zwietracht herrscht auf dem panamerikanischen Kongreß. Die Newyork World meldet, acht südamerikanische Delegierte verlangten, wegen der Insolenz der Delegierten der Vereinigten Staaten vom panamerikanischen Kongreß abberufen zu werden, die Delegierten Argentiens, Brasiliens, Bolivias, Perus, Paraguays und Kolumbiens namentlich seien entrüstet über die Art und Weise, in welcher die Delegierten der Vereinigten Staaten sie für ihre Zwecke zu drängen und zu überrumpeln suchten. Es scheint, daß der Kongreß mit einem Fiasko endet, und daß das einzige Resultat die Erbitterung Südamerikas gegen die Vereinigten Staaten sein wird. Plünderungen in China. Französische. Batig, 2. Ju. Aus dem von der Regierung geheim gehaltenen Bericht des Generals Voyron über die Plünderung der französischen Truppen in China unter Leitung der Missionäre giebt Clemenceau im„Bloc“ einige Stellen wieder, die er selbst mit den nötigen Kommentaren versieht, sodaß eine einfache Uebersetzung genügt. „Am 17. August,“ schreibt Clemenceau,„also zwei Tage nach dem Einzuge der Europäer in Peking, wurden die Deiche der Manneszucht plötzlich durch das Beispiel der Kollektiv= plünderung der Mönche durchbrochen. Die Plünderung erfolgte unter Leitung des für diese That von Herrn Delcassee mit absoluter Kenntnis des Thatbestandes dekorierten Pater Favier. Der General Voyron berichtet nämlich, daß man am 17. August vor dem Palaste des Prinzen Li(der kaiserlichen Familie einen langen Zug von Wagen und Karren unter Leitung des Bischofs Favier und seiner Mönche in Begleitung von 3—400 christlichen Eingeborenen, ferner von französischen Soldaten und Matrosen, deren Ziffer abzuschätzen der General sich hütet, halten ließ. Von wem waren diese Soldaten und diese Matrosen dem Bischof Favier zur Verfügung gestellt worden? Der General Voyron vergißt leider, danach zu forschen oder wenigstens es zu sagen. Und der Minister Lanessan hat unglücklicherweise ebenfalls vergessen, danach zu (Forrsetzung folgt). * Anders Celsius zur Feier des 200. Geburtstages am 27. November. Heute vor 200 Jahren wurde in Upsala, Schweden, der Mann geboren, dem wir u. a. den hundertteiligen Thermometer verdanken, welcher nunmehr im Deutschen Reich allein zur Anwendung gelangt. Die offizielle Einführung dieses Thermometers ist der Schlußstein der Einführung des Dezimalsystems in Münze, Maß und Gewicht. der Grund gewesen ist, warum Sie nicht mehr wünschen, die Geschäfte zu führen. Sie sagten mir also, daß Sie immer gedacht hätten, ich würde einmal an Ihre Stelle treten. Ich wollte Sie nun ersuchen, Ihr Wort wahr zu machen. Ich habe bereits meine Bewerbung bei dem Aufsichtsrat eingereicht. Wenn Sie mein Gesuch empfehlen und mich'n bischen herausstreichen, überhaupt sich für mich nach Kräften ins Zeug legen, dann sehe ich nicht ein, warum man mich nicht wählen sollte. Und wenn Sie auch mit den Herren vom Aufsichtsrat nicht mehr auf dem guten Fuß stehen wie früher, Ihr Urteil werden sie nicht verachten. Wenn Sie den Herren erklären, der Küpper ist ein tüchtiger Kerl, der kennt sein Geschäft aus dem ff. ich kann mir keinen besseren Nachfolger denken als ihn, Frriegpumt mittrnen, vuy dir Tumg ernne gg#### dann müßte es ja mit dem Teufel zugehen, wenn ich nicht Gefangene angesehen werde, und daß erst das Gericht zu Vorsteher der Spar= und Vorschußkasse werden sollte.“ entscheiden haben werde, ob ihr die freie Landung gestattet sbee(Santiatzung“““. werden könne. Wahrscheinlich werde das Fräulein in und Der gestern gemeldete Erfolg der Buren bei Villiesdorp ist bedeutender, als die Depesche erkennen ließ, wie englischerseits bestätigt wird. General Kitchener meldet aus Prätoria vom 23. November: Aus einem weiteren Bericht über das Gefecht des Majors Fischer bei Villiersdorp am 20. November geht hervor, daß in der Nacht vom 19. November Patrouillen von dem Posten Fischers bei Reitfontein nach Kaltspruit zu ausgesandt wurden, und einen die Zandsdrift beherrschenden Hügel vom Feinde besetzt fanden. Fischer rückte bei Tagesanbruch nach diesem Hügel vor und wurde von Norden und Süden her gleichzeitig angegriffen, doch gelang es ihm nach und nach, eine gut gedeckte Stellung zu erlangen. Um 9 Uhr morgens flohen seine Pferde plötzlich nahe beim südlichen Ende seiner Stellung in wilder Hast, und in der Verwirrung setzte sich der Feind fest. Major Fischer und Hauptmann Langmore wurden lebensgefährl. verwundet. Die ganze Abteilung Fischer's wurde von den ungefähr 350. Mann zählenden feindlichen Truppen gezwungen, sich um 10 Uhr morgens zu ergeben. Rimington's Kolonne kam um 11 Uhr an, als der Feind mit Ausnahme einer kleinen Nachhut sich bereits zurückgezogen und die Gefangenen zurückgelassen hatte. Der Burenführer Buys, der von Rimington gefangen genommen wurde, war verwundet. + Die Meldung, daß Canada 600 Mann für den Burenkrieg zu stellen bereit sei, wird dementiert. Nach einer Kabelmeldung des„Standard"=Korrespondenten aus Ottawa denkt diese Kolonie garnicht daran, abermals „Truppen zu stellen“ und die großen Kosten der Ausrüstung und der Unterhaltung zu tragen. Kanada beabsichtigt keinesfalls neue Opfer zu bringen, sondern hat der britischen Regierung nur gestattet, unter seinen Söhnen Rekrutierungen vorzunehmen— selbstverständlich aber auf eigene Kosten. Herr Chamberlain solldurch diesen„Mangel an Entgegenkommen“ sehr enttäuscht sein. * Beseitigung einer lästigen Zeugin. Da verschiedene liberale Vereinigungen für die auf einem britischen Dampfer zwangsweise nach England zurückkehrende Miß Hobhouse große Empfangsseierlichkeiten vorbereiten, läßt das Kriegsamt mitteilen, daß die Dame vorläufig noch als Lokales. ** Schwerte, 27. November. Das Totenfest ist allenthalben in würdiger Weise. ernst und still, begangen worden. Aus Berlin wird darüber berichtet: Der Besuch der Friedhöfe am Totensonntag steigt von Jahr zu Jahr. Auch der gestrige überstieg den des Vorjahres wieder bedeutend. Leichte Schneefälle thaten ihm nicht den geringsten Abbruch. Angehörige der bessergestellten Kreise, die auch an Wochentagen über hinreichende Zeit verfügen, waren schon am Sonnabend. vielfach hinausgegangen, um die Gräber der Lieben, die ihnen im Leben nahe gestanden hatten, mit einem frischen Kranze zu schmücken. Der gestrige Sonntag gehörte dem „Volk". Den herrschaftlichen Wagen sah man im Straßenverkehr nach den Vororten nur noch selten. Auch die Blumenbindereien und Kranzhändler merkten den Unterschied. Die teuren Gedenkzeichen waren im wesentlichen schon an den letzten Tagen der vergangenen Woche gekauft worden. Gestern fanden die billigen Kränze zu 50 Pfg. das Stück und Papierblumen, das Dutzend 25 Pfg., einen Massenabsatz. Auf allen Friedhöfen fanden nachmittags um 4 Uhr Andachten statt. Auf dem Garnisonkirchhof I wirkte die Kapelle des 2. Garde=Regiments mit, auf dem Garnisonkirchhof II in der Hasenheide die Kapelle des Garde=Pionirbataillons.„Predigten am Totenfest" von Stöcker wurden überall verteilt, außerdem zum ersten Mal „Zeugnisse eines alten Soldaten an seine Kameraden“ verfaßt von dem Königl. preuß. Generalleutnant z. D. Viebahn.— Wie in der Reichshauptstadt ist der Sonntag auch in der Provinz gefeiert worden, dem Gedächtnis der Toten gewidmet. Ueberall auf den Straßen, zu Fuß, in der Kutsche oder im Straßenbahnwagen, pilgerten die Angehörigen hinaus auf den Alten oder Neuen Friedhof, um einen frischen Kranz auf die Gräber niederzulegen, und die Feier war von Wind und Wetter ungestört, da am Sonntag morgen die Regenwolken der Woche verschwunden waren und vom blauen Himmel die Sonne freundlich in die Friedhöfe hinein schien. Nun ist das Fest vorüber und allmählich geht die ernste Stimmung in die fröhliche Adventsstimmung über, welche diesmal eine ganz besondere Vertiefung erfährt durch die Aufführung des Oratoriums„Johannes der Täufer“ in der evangel. Marktkirche seitens des hiesigen Kirchenchors. Das Oratorium hat zum Inhalt das Wirken des Vorläufers Christi das ja vor allem in der Weckung der Adventsstimmung, der Vorbereitung auf das Erscheinen des Erlösers besteht. Der Komponist hat es, wie wir aus den Proben ersehen, vortrefflich verstanden, diese Stimmung zum Ausdruck zu bringen, sodaß das Kirchenkonzert sicherlich von tiefer erbaulicher Wirkung sein wird. ** Das Knobel'che Hotel ist mit dem heutigen Tage geschlossen und wird voraussichtlich erst am 1. Januar nächsten Jahres wieder eröffnet werden. Das Inventar ist vom Hotel„Kaiserhof" übernommen worden. Es giebt also„an den 13 Ecken" jetzt nur noch das Hotel Ostermann, das bekanntlich im Inneren eine durchgreifende, zeitgemäße Umgestaltung erfahren hat und zur Zeit auch die hiesige Kasinogesellschaft— in dem von den Architekten Friebel und Horn elegant ausgeführten neuen Vereinslokal— in seinen Mauern beheerbergt. **(Berichtigung). Wie uns von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, ist der Ankauf des Schmidt'chen Grundstücks ohne jede Einwirkung seitens der Kgl. Regierung und aus freiem Entschlusse des Magistrats mit Rücksicht auf die künftige Entwickelung des betr. Stadtteils. Wie weiter verlautet, soll der Marktplatz auch fernerhin für die Schüler der alten Schule in den Unterrichtspausen als Spielplatz dienen. Dagegen sollen die Kinder, deren Klassen im neuen Schulgebäude liegen, einen neuen Spielplatz erhalten, um das gefährliche Ueberschreiten des Geleises der Elektrischen zu vermeiden. Dies Geleis wird also in Zukunft als„Mainlinie" zwischen Süd und Nord aufgerichtet und hinsichtlich der Spielplätze ein strikter Partikularismus durchgeführt werden. ** Ergste, 27. Nov.(GemeindeverordnetenWahl). Bei der am 25. ds. Mts. stattgefundenen Gemeindeverordnetenwahl wurde anstelle des verstorbenen Gutsbesitzers Friedrich Brunnenberg in der 1. Abteilung der Gutsbesitzer Herr Heinr. Böckelühr zu Böckelühr einstimmig gewählt. In der 3. Abteilung wurde anstelle des verstorbenen Kettenfabrikanten Wilh. Heimann der Schmiedemeister Herr Heinr. Schroer mit absoluter Stimmenmehrheit gewählt. Aus Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 25. Nov.(Schwurgericht). Am 28. Mai d. J. wurde dem Förster Dirks, welcher mit der Aufsicht über das Jagdrevier Lindenhorst=Holthausen betraut war, mitgeteilt, daß in dem genannten Revier gewildert würde. Dirks begab sich deshalb in den Wald und stieß dort auf den Georg Adler aus Lindenhorst, der in der Umgegend als gefährlicher Wilddieb bekannt war. Er hatte einen Hund bei sich, den er auf den Förster hetzte. Trotzdem gelang es dem Förster an Adler heran zu kommen, und es entstand zwischen den beiden Personen ein Ringen, wobei der Wilderer einen derartigen Hieb mit dem Hirschfänger über den Kopf erhielt, daß er zu Boden stürzte. Nun erschoß Dirks den ihn fortwährend bedrohenden Hund des Adler, während letzterer im selben Augenblick aufsprang und den Förster angriff. Es entstand ein energischer Kampf, bis schließlich Adler zur Erde stürzte und liegen blieb. Der Förster ging fort und bestellte ein Fuhrwerk, fand aber bei seiner Rückkehr den Kampfplatz leer. Erst später gelang die Verhaftung des Adler, der sich nun heute wegen Widerstandes gegen einen Forstbeamten zu verantworten hatte. Er wurde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. * Dortmund, 25. Nov.(Zweite Strafkammer). Wegen Doppelehe hatte sich der Schlosser bezw. Agent Theodor Rother, zu verantworten. Der Angeklagte ist in Ungarn geboren; im Jahre 1887 ging er, damals 21 Jahre alt, in Beuthen(Oberschlesien) eine Ehe ein mit einer Person, die etwa doppelt so alt war wie er. Das Verhältnis zwischen beiden Eheleuten war kein besonders gutes, Rother schnürte eines Tages sein Bündel, ließ seine„bessere Hälfte" im Stich und zog in die Fremde. Im Jahre 1897 war er in Dortmund als Agent religiöser Schriften thätig. Er lernte auf einem Bestellgange die verwitwete Ehefrau Winter kennen und auch lieben. Nach erfolgter Beschaffung der notwendigen Papiere ging er mit der Winter die Ehe ein, obchon die erste Ehe noch zu Recht bestand. Die ihm angetraute zweite Frau bekam erst Kenntnis von dem Geschehenen, als ein Bruder des Rother aus der fernen Heimat zufällig nach hier kam und seinen Bruder aufsuchte. Frau Rother erklärte ihrem Manne, nicht bei ihm bleiben zu können, auch die Behörde erhielt Kenntnis von dem Vorkommnis und Rother wurde verhaftet. Das Gericht billigte ihm mildernde Umstände zu, sodaß der Angeklagte vor dem Zuchthause bewahrt wurde. Das Urteil lautete auf 1 Jahr Gefängnis. * Bochum, 26. Nov. Die Bergpolizei hat bekanntlich für sämtliche Bergleute unter Tage die Kenntnis der deutschen Sprache vorgeschrieben. Zugleich besteht eine Verfügung, daß die Staatsanwaltschaft jeden Bergmann, welcher vor Gericht behauptet, unter Tage zu arbeiten, jedoch der deutschen Sprache nicht mächtig zu sein, zur Anzeige zu bringen. Obwohl diese Bergpolizeibehörde schon längere Zeit besteht, mehren sich in letzter Zeit die Fälle vor Gericht, daß polnische Arbeiter die Kenntnis der deutschen Sprache hartnäckig in Abrede stellen. Eklakant trat dieses in der Sitzung der Berufungskammer zu Tage. Eine ganze Reihe polnischer Bergarbeiter verlangte den Dolmetscher, da sie der deutschen Sprache nicht mächtig seien. Als der Vorsitzende diesen energisch verweigerte und sie nachdrücklichst auf die obige Verfügung hinwies, sprachen sie plötzlich geläufig deutsch! Der Vorsitzende bezeichnete ein derartiges Verhalten vor Gericht als eine Unverfrorenheit sondergleichen. * M.=Gladbach, 25. Nov. Die Stadtverordneten beschlossen den Bau einer mechanischen Kläranlage für M.=Gladbach und bewilligten die Kosten von 210 000 Mark. * Hönningen, 26. Nov. Auf dem hiesigen Gelände der Gesellschaft Rheinische Kohlensäure-Industrie entsprang gestern früh mit brausendem Getöse aus einer Tiefe von 205 Meter ein Kohlensäure=Sprudel. Der Strahl rhob sich noch 40 Meter über die Erde. Vermischtes. ) Aus Anlaß des Virchow=Commerses ist es in der berliner Studentenschaft zu allerlei Streitfällen gekommen. Die Zwiftigkeiten zwischen den einzelnen Vereinen und Pareien haben sich so zugespitzt, daß vom Verein Deutscher Studenten einem Mitgliede der freien wissenschaftlichen Vereinigung drei schwere Säbelforderungen überbracht worden sein sollen. Die Ursache soll sein, daß ein Herr von der W. V.“ einem von einem Mitgliede des„V. D. St.“ gethane abfällige Aeußerung über Virchow scharf zurückgewiesen habe. ) Die Mehrheit der Berliner Sladtverordneten=Versammlung erfreut sich innerhalb der Berliner Bevölkernng keiner Sympathien. Das haben die jüngsten Stadtverordnetenwahlen bewiesen, und das zeigt auch wieder ein kleiner, aber sehr bezeichnender Vorgang Das verstorbene Professor Vierling'sche Ehepaar hat der Stadt Berlin 1690000 Mk. hinterlassen. Die Erblasser haben bestimmt, daß das Geld nach eigenem Ermessen des Magistrats ohne Mitwirkung der Stadtverordneten=Versammlung zum allgemeinem Wohle verwendet wird. )( A u s K o n s t a n t i n o p e l, 2 2. N o v e m b e r, s c h r e i b t m a n: Die hiesige amerikanische Gesandtschaft kommt allmählich zu der Ueberzeugung, daß sich Miß Stone gar nicht in den Bergen befinden kann, sondern im Hause des macedonischen Beys untergebracht sein wird. Die Gegend, wo man sie sucht, ist seit Anfang November schon mit Schnco bedeckt, und es dürfte auch den Berufsräubern kein besonderes Vergnügen bereiten, sich zur jetzigen Jahreszeit in diesen unwirtschaftlichen Gegenden herumhetzen zu lassen, noch dazu mit ihrem kostbaren Schatze. Miß Stone soll eine sehr schöne Dame sein. Ihre eigene Gesandtschaft hatte ihr geraten, nicht mitten im armeligsten Viertel von Saloniki zu wohnen, um nicht die Begierden der männlchen Bewohner zu erregen. Ebenso haben die Türken sie gewarnt, allein in der Provinz herumzureisen. Sie hat nicht gefolgt, und deshalb wird sie auch wenig bedauert. „Was hat eine amerikanische Missionarin in diesen wilden Gegenden zu suchen? fragen hauptsächlich die Frauen. Mehr werden schon die Türken bedauert, die vielleicht die Zeche bezahlen müssen, obwohl sie frühzeitig schon jede Verantwortlichkeit bestritten haben. ( Für die Tapferkeit eines Ochsen ist ein Viehbesitzer in Bosnien prämiiert worden. In dem Dorfe Presieka war nämlich eine Wölfin in den Rinderstall eines Mohammedaners eingedrungen. Die Kühe bildeten ein Karee und durchbohrten die Wölfin an acht Stellen. Ein besonders tapferer Ochse spießte das Raubtier mit seinen Hörnern auf und schleuderte es in den Hof. Die Bezirksbehörde belohnte den Besitzer des tapferen Ochsen mit 50 Kronen. Eigener Depeschendienst der„Schwerter Zeitung.“ Hd. Berlin, 27. Nov. In der Fraktionssitzung der sozialdemokratischen Partei wurde beschlossen, bei der Wahl des 1. Vicepräsidenten den Abgeordneten Singer in Vorschlag zu bringen und Zettelwahl zu fordern. Für Besprechung der Duellinterpellation werden die Abgg. Haase und Bebel als Redner bestimmt. Eine Interpellatiou über die englischen Greuel wird nicht eingebracht, die Augelegenheit jedoch gelegentlich der Spezialdebatte zum Etot erörtert werden. Endlich wurde, wie auch von der freisinnigen Vereinigung, der Beschluß gefaßt, den Reichskanzler über die Maßnahmen zur Abhilfe der Arbeitslosigkeit zu interpellieren. IId. Berlin, 27. Nov. In Zentrumskreisen wird die Aenderung der Geschäftsordnung angeregt, um eine eventuelle Obstruktion bei Beratung des Zolltarifentwurfs zu verhindern. IId. Steele(Westf.), 26. Nov. In der z. Z. hier weilenden Menagerie wurde der Bändiger Nordsieck von seinen Löwen zerrissen. Hd. London, 27. Nov. In einem Briefe an seine Schwester hat Lord Kitchener geäußert, daß er amtsmüde sei. Man nimmt an, daß Hamilton, der nach Südafrika abgegangen ist, in der That Kitchener abzulösen bestimmt ist. Hd. Newyork, 27. Nov. Der Burendelegierte Kommandant Pierson ist nach Washington abgereist, um vom Präsidenten Roosevelt zu erwirken, daß die Absendung von Maultieren aus New=Orleans eingestellt und eine strikte Neutralität seitens der Vereinigtn Staaten gewahrt wird. Hd. Diego=Juarez, 27. Nov. Zahlreiche Buren sind in Madagaskar eingetroffen, um sich auf der Insel als Ansiedler niederzulassen. Hd. Paris, 27. Nov. Wie das„Echo de Paris“ mitteilt, gedenkt König Alexander von Serbien sich von Draga scheiden zu lassen, um ihre jüngere Schwester zu heiraten(?). Dieselbe weilt bereits im Palais und ist die ständige Begleiterin des Königs bei seinen Spaziergängen und Spielen. Der Scheidungsprozeß soll bereits eingeleitet sein. Büchertisch. Gräfin M. L. v. Wengersky, Wieder Dieselbe. Leipzig, Sächsischer Volksschriftenverlag, 1901 brosch. 30 Pf. Eine fesselnde, gefällige Lektüre. Für die Hausbibliothek empfohlen. Besonders Damen werden die aparte, feine Geschichte mit Interesse lesen. Die Abonnenten des Verlags(jährl. Mk. 1.50) hatten das Heftchen im Jahrgang. * Eine überraschende Entdeckung, die nicht nur in der wissenschaftlichen Welt, sondern in allen gebildeten Kreisen lebhaftem Interesse, voraussichtlich auch lebhaften Kontroversen begegnen dürfte, wird dem Publikum in einer soeben erschienenen Schrist von Ingenieur Adolf Wagenmann „Künstliches Gold!“ zugänglich gemacht. Diese auf Grund neuerer wissenschaftlicher Anschauungen gemachte Entdeckung eines methodischen Verfahrens zur Umwandlung der Stoffe bedeutet nichts Geringeres als die Lösung eines uralten Problems. Die Broschüre ist in der Schwabacher'schen Verlagsbuchhandlung in Stuttgart erschienen und durch diese sowie durch jede Buchhandlung zum Preise von Mk. 1.50 zu beziehen. Wetterbericht. 28. Nov. Vielfach heiter, nachts Froft, kälter. 29. Nov. Meist heiter bei Wolkenzug, frostig, strichweise Niederschläge. 30. Nov. Wolkig mit Sonnenschein, kalt, Nebel, Lebhafte Winde. Für den redaktionellen Teil verantwortlich Franz Miller. Polzverrauf. Herr Gutsbesitzer H. Niederschulte zu Overberge läßt am Mittwoch, den 4. zember d. Irs, morgens 10 Uhr in seiner Waldung „auf'm Keller“ ca. 2 Morgen hochstämmige Büchen nummerweise meistbietend gegen Kredit verkaufen. Zusammenkunft beim Wirt Pampus. Schulte, Auktions=Kommissar, Schwerte. Radfahrerklub Hörde, Chausseestr. 46. Hörde, Donnerstag, den 28. cr., abends 8½ Uhr: Generalversammlung im Vereinslokal. Um vollzähliches Erscheinen bittet Der Vorstand. Siliel Büie! 9 Pid. Holländer oder 9 Pfd. Limburger porto= und zollfrei überallhin. Julins Werner, Neumünster 1. g. Ceptnerweise Mk. 20 ab Deumünster. Stangen- und Prechspargel versch. Qualitäten, junge Schnitt-, Prech-, PrinWachs- und große Bohnen, Möhrchen, Tektower Rübchen, Champignons, Steinpilze, Trüffekn, Comaten-Purée, Aprikosen, beeren, Mirabellen, Reineckanden, gemischte Früchte, Ananas in ganzen Früchten u. Scheiben 2c. 2c. anpftehlt Ernst Klein. Hörder Schreib= Handels= u. techn. Lehr=Institut von S. Philipp, Leiter der staatl. konzess., kaufm. und techn. Lehranstalt zu Dortmund,(Prinzenstraße 21). Den vielsachen Wünschen meiner Schüler von Hörde und Umgegend entsprechend habe ich in Hörde ein Filial=Institut eröffnet und beginnen auch in diesem, wie in ehranst*“"*“ 9 7 den Lehrfä Buchführung(einf., dopp. u. amerik.) Korrespondenz, Rechnen,(kaufm., prakt., Flächen= und Körperrechnen), Wechsellehre. Kontorprazis, Handelsgesetz Stenographie(Stolze=Schrey u. Gabelsberger), Maschinenschreiben, Deutsch(Rechtschreib.=, Aufsatz= u. Sprachlehre) Honorar mäßig. Gediegenste Vorbereitung zum kaufm. Weruf(Buchhalter, Korrespondent, Kontorist, Stenograph, Maschinenschreiber 2c.) Auf Wunsch Einzel Unterricht: Für Damen, sowie ältere Herren besondere Kurse. Nachhilfe in allen höheren Schulfächern. 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Nahezu 1800 fausüchtige Kranke unserer Zionsgemeinde hoffen auch zu diesem Weihnachtsfeste auf eine kleine Festgabe, und mit ihnen fast eben soviele elende und meist verwaiste Kindlein, Geisteskranke und Heimatlose aus allen Ländern der Erde! Gerade der Arbeitslosen und Heimatlosen sind in diesem Jahre sehr viel mehr als sonst, und haben wir unser neues Asyl im Wietingsmoor um mehr als das doppelte vergrößern müssen, um diesen Unglücklichen Brot und Obdach gegen Arbeit gewähren zu können, bis bessere Zeiten kommen. Diese Not drückt uns besonders schwer. Es bittet darum alle alten und neuen Freunde ebenso herzlich wie dringend, uns auch zu diesem Weihnachtsfest den Tisch für unsere etwa 4000 lieben Weihnachts=Gäste decken zu helfen; jede kleinste Gabe, auch in natura, wird mit Freuden angenommen. Bethel b. Bielefeld, Weihnachten 1901. F. v. Bodelschwingh senior, Pastor. ..„" 89.„" Rtöner C. Munkerg Schwerte, Bahnhofstr. 6 Erstes und ältestes Atelier am Platze. 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