Insertionsgebühr für lokale Anzeigen die sechsgespaltene Zeile oder deren Raum 10 3, außerhalb 15, Reklame=Zeile 40 J. Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte, FernsprechAnschluß Nr. 62. Amt Schwerte Telger.=Adr. Braus, Schwerte=Ruhr. Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche Kraft. No. 243. Schwerte, Dienstag, 22. Oktober 1901. Abonnementspreis pro Quartal 1 Mark 65 Pfg., en###. 42 Pfg. Bestellgeld wenn durch die Post bezogen. Erscheint jedem Wochentag. Wöchentliche Gratisbeilage:„IllustrierteFamilienfreund.“ 34. Jahrgung. Die Kriegslage in Südafrika. IV. Im Ganzen mögen es vier= bis fünftausend Mann gewesen sein, die nun, zwar von einander getrennt, im einheitlichen Zuge nach Süden begriffen waren. Die ganze Bewegung überraschte die Engländer vollständig. Nur mit großer Mühe vermochte Kitchener, einige Verfolgungstruppen zusammenzuraffen. Sie kamen, zum Teil aus Transvaal herbeigerufen, überall zu spät. Von Süden her sollten die in der Kapkolonie vorhandenen, zum Teil recht minderwertigen Etappentruppen den einbrechenden Burenscharen entgegen treten. Diese letzteren fanden fast überall bereitwillige Unterstützung jeder Art. Jeder Schritt südwärts bedeutete einen Zuwachs an Kraft. Schon am 18. Dezember nahm Kruitzinger Philipstown und ließ von hier aus am 24. das große Magazin von de Aar zerstören, während Hertzog mit dem stärksten aller Kommandos nach Sprengung der Eisenbahnbrücke über den Rietspruit(Strecke de Aar=Hopetown) weiter auf Carnavon vordrang und Britstown besetzte. Unterdessen hatte Philipp Botha mit seinem Kommando zunächst die schwache Besatzung von Venterstad aufgehoben und war dann unter Umgehung des stark besetzten Steinsburg in der Richtung auf Maraisburg vorgedrungen. Die Kolonne Haasbrocks hatte zunächst bei Burghersdorp ein erfolgreiches Gefecht gegen englische Kolonialtruppen und ging dann an der Bahn nach East=London bis zu den Stormbergen vor. Den heraneilenden englischen Verfolgungstruppet gelang es ebenso wenig wie den zunächst zur Stelle befindlichen engilschen Elitetruppen, dieser energievollen Bewegung der Buren im Kaplande Herr zu werden. Der Erfolg derselben war die Sperrung aller die Kapkolonie durchziehenden Bahnen, die Zerstörung einzelner Strecken derselben, die Unterbrechung der Telegraphenlinien u. vor allem die ständige Nährung des Afrikanderaufstandes, der langsam, aber sicher in Gang kam. Für den beobachenden Soldaten ist dies Vorgehen der Buren von hohem Interesse. Es zeigt deutlich den bedeutsamen Fortschritt ihrer Kriegskunst. Der Krieg selbst hat die tapferen Männer zu zielbewußten Kämpfern erzogen und ihnen den erforderlichen Gehorsam und Zusammenschluß gelehrt, den eine mangelnde Friedensschulung im ersten Teil des Krieges nur allzu sehr vermissen ließ. Nicht mehr in willkürlicher Zersplitterung ihrer Kräfte gehen die Buren diesem und jenem TeilErfolge nach, sondern, obgleich räumlich weit getrennt, stehen alle Kräfte im Dienste eines einheitlichen, klaren Operationsgedankens. Es ist der Gedanke der Offensive über den Oranje in das Kapland hinein zur nachhaltigen Entfesselung des Afrikander=Aufstandes. etzt, um die Mitte Oktober 1901, ist es klar geworden, wie vollkommen den Buren das im Dezember 1900 begon neue und unentwegt weitergeführte Werk gelungen ist, denn in den letzten Tagen hat uns der Telegraph verkündet, daß von Lord Kitchener der Kriegszustand im ganzen Kaplande erklärt werden mußte, nachdem bislang nur die nördlichen Gebiete desselben diesem unterworfen waren. Wenn wir weiter erfahren, daß Lord Kitchener in Verfolg des erklärten Kriegszustandes nun auf Grund des Kriegsrechtes die gefangen genommenen Führer Lotter und Schoemann erschießen ließ, ihre Kampfgenossen teils zu lebenslänglichem Gefängnis, teils in Anbetracht ihres jugendlichen Alters zu Stockhieben verurteilte, so ist ihm nach Kriegsgebrauch das formale Recht hierzu nicht zu bestreiten(?) Die Thatsache aber, daß er von diesem formalen Recht einen so rohen Gebrauch machte zeigt deutlich, daß dem Sieger von Omdurman auch in rein realer Hinsicht die Lehren verschlossen geblieben sind, welche er auf Grund des bisherigen Verlaufs des Krieges bezüglich der Anwendung dieses empörenden Gewaltmittels ziehen mußte. Es ist in Ansehung der bereits entwickelten Darlegungen ohne Weiteres ersichtlich, daß Kitchener hiermit einen erneuten schweren Fehler begangen hat, welcher der Sache der Buren zu Gute kommen wird. Das ohne jede weitere tiefe Einsicht von roher Gewalt geübte Kriegsrecht ist der beste Förderer der im Gange befindlichen Empörung im Kaplande. Wie Napoleon 1798 in Egypten, 1809 in Tirol und 1813 in Ostpreußen wird es Kitchener immer mehr und mehr mit dem ganzen Volke zu thun bekommen. So wenig die Schreckensherrschaft Herzog Alba's die freiheitsdurstigen Niederländer bezwungen hat, genau so wenig wird die Grausamkeit Kitcheners ihre tapferen Nachkommen vom Kampfe um die Freiheit ihrer Brüder zurückschrecken. Bereits heute handelt es sich für England nicht mehr allein um die Bezwingung der beiden Burenstaaten Transvaal und Oranje, sondern um die Aufrechterhaltung der englischen Herrschaft im Kaplande selbst. Wenn man das bedeutsame Resultat betrachtet, so wird man sich erneut fragen müssen: hatte Dewet auf seinem kühnen Zuge vom Vaal zum Oranje die Erreichbarkeit desselben vorgeschwebt? Hatte er vielleicht frühzeitig erkannt, daß, wenn es gelang, einige Tausend Burenstreiter in das Kapland zu bringen, möglichst weit verteilt über das Gebiet, der Aufstand der Afrikander entflammen mußte? War es der Fall, dann war ihm der Einbruch der Kampfgenossen unter Wessels, Pretorius, Kruitzinger, Hertzog, Philipp Botha und Haasbrock, der zeitlich und raumlich wohl geordnet, zweifellos in einem einheitlichen Operationsgedanken erfolgte, die Hauptsache, und um die Engländer von dieser abzuziehen, drehte er selbst am Oranje um, die Feinde hinter sich herziehend, den Kampfgenossen Freiheit der Bewegung schaffend! Bei der völligen Unzuverlässigkeit aller Nachrichten läßt sich die Frage nicht mit positiver Sicherheit entscheiden, ob Dewet thatsächlich so zielbewußt gehandelt hat, aber fast muß man es glauben. War es nicht der Fall, dann hat der Kriegsgott hier wunderbar die Sache der Tapferen selbst geführt. Denksprüche, Sprichwörter 2c. Der Mensch bedarf des Menschen sehr Zu seinem großen Ziele; Nur in dem Ganzen wirket er, Viel Tropfen geben erst das Meer, Viel Wasser treibt die Mühle. Lasse dir den Mut nicht rauben; Sei im Unglück stolz und fest! Werden doch die besten Trauben Stets am härtesten gepreßt! Des Schicksals Macht. Novelle von Hildegard v. Gabain., 5:(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten). Der Graf hatte anfangs mit trauriger Gelassenheit gesprochen, zum Schluß hob sich seine Stimme und bekam einen tiefen verbitterten Klang. Die Augen der Gräfin vergrößerten sich und betroffen, dunkelrot im Gesicht rief sie: „Wer sagt Ihnen das?“ Ich war Ohrenzeuge, Sophie, als Sie den Gatten zu meinem Nachteil beschwatzten und ihm das Versprechen abschmeichelten, den Passus zu ändern. Wie ein Kätzchen schlichen Sie um ihn herum und bei Egon's Herzensgüte erhielten Sie erst seine Zustimmung, als Ihre weichen Sammetpfötchen die Krallen zeigten. Tags darauf rei sten Sie mit ihm nach B., um das auf dem dortigen Gericht deponierte Testament zu ändern. Ihnen wäre wahrscheinlich mit der kleinen Summe von 10000 Thalern kein Abbruch geschehen, mir jedoch könnten sie momentan von großem Nutzen sein, denn ich habe Schulden. „Immer dieselbe alte bekannte Sprache, rief die Gräfin, indem sie erregt aufsprang und sich der Thür näherte, die zu ihrem Boudoir führte. Bruno wußte genau, daß zu dem Kabinett für ihn keine Thür offen stand, daher sprang er auf, eilte ihr nach und hinderte Sophie dadurch am Entrinnen, daß er die Hand auf den Drücker legte.„ „Bleiben Sie noch einen Augenblick, Sophie, bat er mit sanfter Stimme. Doch diese äußerliche Weichheit hinderte ihn nicht, as er ihres Bleibens sicher war, heftig auszurufen:. „Sie mussen mich anyoren:— wie einen Schulbuben haben Sie mich abgekanzelt, ich weiß nun, daß Sie mich hassen, daß Sie meinen Untergang wünschen, aber ich sage Ihnen, Sie sollen nicht triumphieren, es gäbe keine Gerechtigkeit, wenn—“ „Schweigen Sie endlich und befreien Sie mich von Ihrer Gesellschaft, Bruno, sonst könnte ich mich so weit vergessen, dem Diener zu klingeln, um Ihnen den Weg aus meinem Hause zeigen zu lassen,“ entgegnete die Gräfin wegwerfenden Tones.„Sie haben diese Szene provoziert, nicht ich. Die Debatte würde jedoch zu weit führen, da unsere Ansichten und Wünsche niemals zusammentreffen werden, ich verlange, daß Sie mich nicht länger inkommodieren und mir den Weg freigeben! Gleich will ich Ihrem Wunsche nachkommen, nur noch fünf Minuten schenken Sie mir Gehör. Seine Augen funkelten im verhaltenen Zorn und doch bezwang der aufgeregte Mann seine Stimme, als er fortfuhr:„Ich bin in der allergrößten Geldverlegenheit, Sophie, helfen Sie mir nur noch einmal!“ „Nein!“ Kalt und bestimmt kam das eine Wort über ihre Lippen. 665 „Sie wollen nicht: auch wenn ich Iynen mein Ehrenwort gebe, mich von allen Extravaganzen zurückzu ziehen und ein solides Leben zu beginnen? Ihnen ist es Politische Uebersicht. Deutschland. — Vom Kaiserhofe. Der Kaiser hörte am Montag die Vorträge des Chefs des Zivilkabinetts und des Staatssekretärs des Reichspostamts. Vorher hatte Se. Majestät den üblichen Ausritt gemacht. — Die Kaiserin vollendet heute ihr 43. Lebensjahr. Wir machen uns ganz die Worte zu eigen, welche die „Nordd. Allg. Ztg. der hohen Frau anläßlich des Geburtstages widmet: Für das deutsche Volk bedeutet die Wiederkehr des Geburtstages seiner Kaiserin alljährlich die Erneuerung des freudigen Bewußtseins, daß an des Kaisers Seite eine Frau steht und wirkt, die als Gattin, Mutter und Fürstin durch Tugenden ausgezeichnet ist, welche ihr die aufrichtigste und höchste Wertschätzung der ganzen Mitwelt sichern. Daß ihr diese gezollt wird, hat das nunmehr abgeschlossene Lebensjahr der hohen Frau in reichem Maße bewiesen. Aus dieser Verehrung heraus erhebt sich auch heute wieder der innigste Wunsch für die Kaiserin, daß ihr beschieden sein möge, noch viele, viele Jahre als Vorbild aller weiblichen Tugend den deutschen Kaiserthron zu zieren. — Prinz Adalbert von Preußen, der künftige Seemann, ist am Montag früh in Konstantinopel angekommen. Als das Schulschiff„Charlotte“ in den Hafen einfuhr, salutierten die türkischen Stationsschiffe. Nachmittags empfing der Sultan den Prinzen, zu dessen Ehren im Sternenpalast ein Festmahl und eine Theatervorstellung stattfanden. Hofprediger Rogge in Potsdam feiert heute, Dienstag, seinen 70. Geburtstag. Das Kieler Kriegesgericht setzte die Verhandlung gegen die Obermatrosen Genz und Schult vom Kreuzer „Gazelle“, welche wegen eines an dem Artilleristenmaat Fiencke begangenen thätlichen Angriffs resp. wegen miltärischen Aufruhrs in Untersuchungshaft sitzen, aus. Es sollen die kommissarisch vernommenen Zeugen zu einer erneuten Verhandlung geladen und am Thatorte weitere Erhebungen gemacht werden. — Das Oktober=Avancement im preußischen Heere ist nicht so umfangreich, als die in den vorhergehenden Monaten erfolgten Personalveränderungen im Offizierskorps gewesen. In der Hauptsache sind Versetzungen und Kommandierungen erfolgt. Die Zahl der Beförderungen ja eine Kleinigkeit, die Summe ist nicht allzu groß und Sie hätten das Bewußtsein, einen Nebenmenschen gerettet zu haben. „Und doch will ich nicht! rief die Grafin zornspruhenden Blicks. Bruno maß die Frau mit einem traurigen Blick, dann stieß er die Worte mit unterdrückter Heftigkeit hervor: „Haben Sie die Tragweite Ihres Entschlusses auch überlegt? Bedenken Sie, daß meine Ehre auf dem Spiele steht, wenn ich das Geld nicht schaffe, Sophie, antworten Sie mir, lassen Sie sich erweichen. „Nein! und tausendmal nein!" „Und das ist wirklich Ihr letztes Wort?“ „Ja!“ „Gut denn,“ flüsterte er erbleichend,„so muß es auch ohne Ihre Hilfe gehen, aber die Vergeltung bleibt sicher nicht aus, dann heißt es: Auge um Auge, Zahn um Zahn! Doch noch eins muß erörtert werden," sprach er mit erhobener Stimme.„Ist es wahr, was die Welt spricht, was man dermaßen belächelt, daß ich Sie warnen muß, sich nicht zum Gelächter der Lästerzungen zu machen?"„Nun, was sagt man, Herr Schwager? Wohl kaum etwas, das mich vor der Welt lächerlich erscheinen ließe und das Licht des Tages zu scheuen hätte?“ Stolz warf sie, so sprechend, den Kopf in den Nacken.„Außerdem kümmert mich das Geschrei von ein paar Dutzend Alltagsmenschen, die Sie unter den„man" verstehen, wenig!“ „Lächerlich ist das rechte Wort nicht,“ fügte der Graf begütigend hinzu,„aber immerhin die Idee, ein armes Kind adoptieren zu wollen, ist so horrible, so,— so, nun wie soll ich gleich sagen— ich kann es Ihnen nicht ersparen, Sophie, so noch ans Lächerliche streifend, daß ich Sie bitten muß, durch irgend eine direkte Erklärung dem Gerede die Spitze zu brechen. Ein Kind aus dem Volk unsern Namen! Sie können sich so weit nicht vergessen, Sie dürfen es nimmermehr!“ ist sehr gering(eine zum Generalobersten, fünf zum Major, fünf zum Hauptmann usw.); dagegen sind mehrere Obersten mit Führung von Brigaden beauftragt worden. Aus dem aktiven Offizierkorps ausgeschieden sind u. a. sieben Generalmajors, drei Obersten, ein Oberstleutnant, sechs Majors, elf Hauptleute, sieben Oberleutnants und 18 Leutnants. — Die Expedition=Dominik. Oberleutnant Dominik ist im September von Berlin nach Westafrika mit dem Auftrage abgereist, eine Expedition auszurüsten, mit der er durch Adamana bis zum Benué vorrücken und dort bei Garua eine Station errichten soll. Dominik hat zunächst die Aufgabe, einige hundert Leute in Liberia für seine Expedition anzuwerben. Darüber vergehen im besten Falle einige Wochen. Dann muß diese ganze Mannschaft nach Süd=Kamerunbis zum Sannaga übergeführt werden. Schon aus diesen Vorbereitungen ist ersichtlich, welche Zeit dazu gehört, eine solche Expedition zusammenzustellen und in Gang zu bringen. Ehe Oberleutnant Dominik mit seiner Karawane durch Adamaua gelangt und den Benué erreicht, wird wohl Ostern herankommen. Der Durchzug einer so großen Expedition durch Adamaua wird schon an sich unser Ansehen und unsere Herrschaft in dem Gebiete befestigen. Bei der Festsetzung der Franzosen im Ulangi=Scharigebiet ließ sich deutlich erkennen, wie die Aufeinanderfolge von Expeditionen im Laufe des Jahre der Bevölkerung Achtung und Furcht einflößt und sie daran gewöhnte, die Herrschaft der Franzosen ohne Widerstand anzuerkennen. Dieselbe Methode einzuschlagen empfiechlt sich auch für uns. Bismarck im Dunkeln. In den„Berl. Neuest. Nachr." lesen wir: „Besucher Berlins aus dem Reich sind in neuerer Zeit mehrfach unangenehm dadurch enttäuscht worden, daß das Bismarck=Denkmal nach Sonnenuntergang nicht mehr sichtbar ist. Vor dem Denkmal des Schöpfers des Deutschen Reiches stehen zwei veraltete Gaslaternen bescheidensten Formats, wie aus der Oelzeit anmutend, die anscheinend nur den Raum zu begrenzen haben, auf welchem man sich bei Tage zur Besichtigung des Denkmals aufstellen kann. Wir wollen auf die schlechten Witze, die dieser unwürdige Zustand hervorgerufen, nicht weiter eingehen, weder den„Schatten der Ungnade“ erörtern, noch den Ausspruch,„es sei für das Denkmal das beste, wenn es so wenig als möglich gesehen werde.“ Graf Bülow hat am 16. Juni das Denkmal namens des Reiches feierlich übernommen; wir hoffen, er wird, nachdem nunmehr vier Monate verflossen sind, für eine richtige und würdige„Beleuchtung“ seines großen Vorgängers, nachdem dieser endlich seinen Platz an der Sonne zwischen allerlei Ungetüm erhalten, auch bei Nachttzeit Sorge tragen. Der Herr Reichskanzler darf sich zu diesem Zweck nur an den Magistrat von Berlin wenden, der für jedes der Standbilder in der Siegesallee, selbst für Otto den Faulen, eine glänzende elekrtrische Beleuchtung hergerichtet hat, und wohl umso weniger Bedenken tragen wird, diese auch Otto dem Fleißigen zuteil werden zu lassen, als dieser neben anderen Vorzugen bei Lebzeiten auch den hatte, Ehrenbürger Berlins zu sein, was man freilich der Finsternis in der Umgebung des Denkmals nicht anmerkt. Vielleicht wäre das ein geeignetes Thema für eine der nächsten Stadtverordneten=Sitzungen. Der„Absolutismus“ wird ja wohl hier nicht im Spiele sein. England und +* Schon seit geraumer Zeit machen sich innerhalb der niederländischen Bevölkerung ernstliche Bestrebungen geltend, England für sein barbarisches Vorgehen in Südafrika durch irgend eine starke Schädigung seiner wirtschaftlichen Interessen zu treffen. Darin liegt nicht bloß der sehr begreifliche Wunsch nach Rache für die ungerechte Bekriegung des tapferen Burenvolkes und für die grausame Behandlung der kriegsgefangenen Bürger der beiden Burenrepubliken, der Greise, Frauen und Kinder in den berüchtigten Konzentrationslagern, sondern auch „Und wenn ich es dennoch thäte?“ entgegnete die Gräfin, jedes Wort scharf betonend und ihren Schwager, dem sie die innig brüderliche Liebe ihres Gatten selbst nach dessen Tode nicht verzeihen konnte, herausfordernd anblickend. „So weiß ich bestimmt in des verst. Bruders Sinne zu handeln, wenn ich das Testament anfechte. Himmel und Hölle will ich in Bewegung setzen, um Ihnen die Erklärung abzuzwingen, oder Sie unter Kuratel stellen zu lassen!“ „Mein Gatte hätte die Probe damit bei Ihnen machen sollen, jedenfalls wäre es nun recht ersprießlich für Ihr Leben, Sie durften eine Frau nicht um Almosen angehen. „Sophie!“ Grollend kam der Name von seinen Lippen. Er haftete einen durchbohrenden Blick auf die Frau, die es wagte, ihn so zu beleidigen. „Ereifern Sie sich nicht weiter, Graf Bruno, unsere gegenseitige Zuneigung stand immer auf unsicherer Grundlage und heute—“ „Sie irren,“ fiel der Graf ihr ins Wort,„von meiner Seite hat es nicht an Achtung und verwandtschaftlicher Liebe gefehlt; mein ehrliches Entgegenkommen wiesen Sie stets voll eiserner Kälte zurück, weil Sie mir in Ihrer unbegrenzten Eifersucht nicht das Fünkchen brü derlicher Liebe gönnten.“ „Mag sein, ich will dagegen nicht streiten, weil Ihre Worte Wahrheit enthalten. Der Tod hat die Bande gelockert, ich löse sie mit dem heutigen Tage vollständig. Ihr Lebensschiff wird bald gestrandet sein, Sie selbst im Strudel versunken. „Sie sagen das mit einem eigenen Lächeln. Sophie, kennt Ihr Herz denn kein Mitgefühl? Ist kein Glaube, kein Erbarmen in Ihrer Seele?“ (Fortsetzung folgt). ein wirksames Mittel, um England zur Beendigung des Krieges zu zwingen. Wenigstens glaubt man hier vielfach, daß die englische Geschaftswelt, in ihren materiellen Interessen erheblich beeintrachtigt, die Salisbury, Chamberlain, Brodrick und Genossen zwingen wird, ein Einverständnis mit den Buren zu suchen. Ursprünglich war die Boykottbewegung gegen England nur so gedacht, daß die Holländer sich des Ankaufs aller aus England stammenden Erzeugnisse enthalten sollen. Da die Niederlande nach dem Ausweise der Handelsstatistik zu den besten Abnehmern englischer Waren gehören und den Briten mehr abkaufen, als sie ihnen verkaufen, so wäre eine solche Achterklärung für die englische Geschäftswelt jedenfall mit einem erheblichen Verluste verbunden. Aber die Kaufkraft Hollands ist doch nicht so groß, daß Großbritannien durch die Boykottierung seiner Erzeugnisse veranlaßt werden könnte, die südafrikanische Beute fahren zu lassen. Deshalb ist ein neuer Boykottplan aufgetaucht, welcher dahin geht, daß vom 1. Januar 1902 ab die Hafenarbeiter in den bedeutendsten Häfen Europas sich verpflichten, kein unter englischer Flagge fahrendes Schiff mehr zu löschen. Die Docker in Anisterdam und Rotterdam haben sich hierzu sofort bereit erklärt und einen Ausschuß eingesetzt, welcher sich derzeit mit der Prüfung dieses neuesten Boykottplanes beschäftigt. Er hat bereits eine Rundfrage an die Hafenarbeiter von Antwerpen, Dünkirchen, Le Havre, Bordeaux, Marseille, Genua, Bremen und Hamburg gerichtet, ob sie geneigt sind sich der Boykottbewegung gegen die englische Handelsmarine anzuschließen. Von der Beantwortung dieser Frage wird natürlich die Ausführung des Planes abhängen. Es ist selbstverständlich, daß ein derartiger Boykott nur dann wirksam wäre, wennsich die Docker in allen genannten Hafenstädten zur Teilnahme bereit erklären, woran jedoch sehr gezweifelt werden muß. Die von Lord Kitchener gegenwärtig geübte Schrekkensherrschaft, die sich in der Erschießung kriegsgefangener Burenoffiziere kundgiebt, hat die englandfeidliche Stimmung in den Niederlanden selbstverstandlich noch erheblich gesteigert. Von allen Seiten drängt man den alten Präsidenten Krüger und die Vertreter der beiden Burenstaaten, Stellung zu den von Lord Kitchener verübten Greuelthaten zu nehmen und den Vizepräsidenten Schalk Burgher, der zur Zeit die Regierungsgeschäfte des Transvaalstaates führt, zur endlichen Ausführung der schon so oft angedrohten Vergeltungsmaßregeln zu bewegen. Es ist klar, daß es nur eines Befehles vom Haag aus bedarf, um die Erschießung der kriegsgefangenen Engländer durch die Buren zu veranlassen. Aber Präsident Krüger weigert sich bisher, trotz der Erschießung Broekma's, Lotter's, Schoemann's, Wolfaardt's und anderer Burenofiziere einen solchen bar barischen Befehl zu erteilen, welcher dem südafrikanischen Kriege ganz und gar den Charakter eines zwischen Wilden geführten Krieges verleihen würde. Noch zieht der greise Präsident die Gebote der Menschlichkeit dem berechtigten Rachegefühle vor. Sollte aber Lord Kitchener auf dem betretenen Wege fortfahren, so wird wohl schließlich auch Präsident Kruger seinen Widerstand gegen die Repressalien aufgeben müssen. + Das Mitglied des Gesetzgebenden Rates Vandenheever wurde am 5. September unter der Anschuldigung, Waffen verborgen zu haben, verhafet, Vanderheever wurde seiner Funktionen als Friedensrichter und Feldkornet für verlustig erklärt. + Infolge der Proklamierung des Kriegsrechts haben die fremden Konsuln die Angehörigen der von ihnen vertretenen Staaten aufgefordert, sich in die Konsulats=Matrikel einschreiben zu lassen. - Ueber die gegenwärtige Kriegführung wird unterm 17. Oktober aus Pretoria berichtet: Die Buren pflegen jetzt, da einige britische Detachements hauptsächlich des Nachts operieren, demgemäß, um Ueberfällen vorzubengen, ihre Lager bei Nacht beständig zu verlegen. Verschiedene Male hätten die britischen Truppen kürzlich nach langem Marsche beim Eintreffen an ihrem Ziele gefunden, daß die Buren gerade fortgezogen waren. Auf dem Hoogen Veldt lebten die Buren von Vieh und Maismehl; letzteres werde an abgelegenen Plätzen bewahrt, gewöhnlich in verlassenen Farmhäusern. An vielen Stellen hätten die Buren angefangen zu pflügen, und die Briten hätten Felder mit jungem Mais oder neugepflegte Aecker angetroffen. Die mit solchen landwirtschaftlichen Arbeiten beschäftigten Buren verschwänden, wenn ein Detachement sich nähere, um die Arbeit wieder aufzunehmen, wenn die Truppen weiterzögen. Lokales. ** Schwerte, 22. Okt. ** Der Regierungsassessor Dr. Mathis aus Berlin im Kgl. Landratsamt zu Hörde als Hilfsarbeiter über** Als Geschworene für die am 21. November unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Rademacher beende siebente und letzte Schwurgerichtstagung im e 1901 wurden aus unserm Kreise ausgelost die en: Bauunternehmer Chr. Pötter=Hörde, Ingenieur Liesen=Hörde, Fabrikant Walter Mathesius=Hörde Oberingenieur Heinrich Marnach=Aplerbeck. ** Am Sonntag fand im Specht'schen Saale eine ammlung des hiesigen Katholischen Volksvereins Der große Saal war gedrängt voll; die Mahnung Liebers:„Der Volksverein ist der Verein aller Verwer nicht ihm angehört, erfüllt seine Pflicht als Kak nicht“ ist in Schwerte offenbar auf gutem Boden len. Ansprachen hielten Herr Kaplan Braus=M. bach und der Verleger der„Tremonia“ Herr Leng. Herr Kaplan Braus verbreitete sich eingehend Zweck und Ziel des Volksvereins, als welche er hinKampf gegen die Sozialdemokratie und für die e. Für die Landwirte wird die Mitteilung von In se sein, daß der„Volksverein für das katholische schland“ für Erhöhung der landwirtschaftlichen Zölle etreten ist und auch Herr Kaplan Braus die Notwendigkeit anerkannte, daß man der Landwirtschaft einen größeren Schutz angedeihen lassen müsse. ** Die Allgemeine Kranken= und Sterbekasse Hamburg=Schwerte, an deren Spitze die Herren Cl. Gebekus, Joh. Schreier, Franz Kreidt, Heinr. Werth und K. Heimann stehen, feierte am Sonntag nachmittag ihr 13jähriges Stiftungsfest. Es war das Bild eines Familienfestes, welches der große Hagemann'sche Saal darbot, denn auch die Frauen und besonders die fröhliche Kinderschar nahmen den lebhaftesten Anteil an dem Konzert und den hübschen theatralischen Aufführungen, welche das Festprogramm bot. Die beiden Lustspiele, welche zur Aufführung gelangten—„Wirrwarr" oder„Das verlorene Testament“, das sich später im Schlafrock des Hauptmanns fand, und„Die Militärpflichtigen“— waren von dem Regisseur Kassierer Kreidt sorgfältig einstudiert, und die einzelnen Rollen von den Herren Kasp. Filthaut, H. Leihdorf, F. Weber, W. Gördes, K. Gutheil, Alb. Berkenkopf, Fr. Schneider, Fr. Salinus, Joh. Meinholz und W. Kramer durchweg befriedigend, zum teil sogar ausgezeichnet gespielt wurden, so konnte es nicht fehlen, daß bei jedem Abschluß rauschender Beifall erfolgte. An die Aufführungen schloß sich abends der Festball. Die Pausen wurden angenehm ausgefüllt durch die flott gespielten Weisen der Stadtkapelle und die treffliche Bewirtung trug das ihrige zum Gelingen des Festes bei, das Zeugnis ablegte von dem Geist der Kameradschaftlichkeit und Freundschaft unter den Mitgliedern der Kasse. Ueber die gegenwärtige Lage sowie über Zweck und Bedeutung der Kasse gab die Ansprache Aufschluß, welche der rastlos und energisch im Interesse derselben thätige 2. Bevollmächtigte, Herr Joh. Schreier hielt. Er sagte: „Wir haben uns heute hier versammelt, gemäß dem Beschluß in der letzten Monatsversammlung, unser Stiftungsfest zu feiern. Ich heiße Sie alle im Namen der A. St. und Kr. Kasse willkommen und hoffe, daß jeder einzelne beitragen wird, das Fest schön und würdig zu gestalten. Wir nennen uns alle Mitglieder der Allg. Kasse. Was dieselbe für Zwecke verfolgt, brauche ich kaum zu erörtern; das ist jedem wohlbekannt. Unsere Kasse zählte am Schluß des Jahres über 81·000 Mitglieder, sie hat sich ausgebreitet über das ganze Deutsche Reich. Als „Eingeschriebene Hilfskasse“ hat sie nach dem Gesetz einen Reservefonds aufzubringen. Dieser Fonds ist vorhanden in der stattlichen Höhe von 1 142 500 Mark. Als einen Vorzug der Kasse, in der das Klassensystem eingeführt ist, hebe ich hervor, daß jeder sich versichern lassen kann, wie er wünscht, wie ihm genehm ist. Auch über unsere FilialeSchwerte erlauben Sie mir noch einige Worte zu sagen. Die Filiale ist am 4. August 1888 gegründet worden. Bei der ersten Abrechnung im September 1888 zählte sie— 10 Mitglieder! Aus so kleinen Anfängen hat sie sich in der kurzen Zeit so herrlich entwickelt, daß die Mitgliederzahl am Schlusse des vorigen Jahres auf 400 gestiegen war. Und dies, obgleich in den ersten Jahren ihres Bestehens der Wind ziemlich rauh und scharf über diese Neuschöpfung hingefahren war! Aber alles Widrige ist glücklich überwunden worden. Lassen Sie uns auch heute geloben, treue Mitglieder der Kasse zu sein und allezeit zu bleiben und die Pflichten, welche sie uns auferlegt, gern, bereitwilligst und pünktlichst zu erfüllen. Wenn wir in diesem Sinne wirken, dann wird unsere Filiale hier in Schwerte immer mehr gewinnen und auch in Zukunft blühen und gedeihen. Die Früchte der A. St. und Kr.=Kasse der Metallarbeiter zu Schwerte— hoch!“ ** Der Zugführer Schröder aus Fröndenberg fiel am 20. d. M. gegen 9 Uhr abends auf der Fahrt von Schwerte nach Geisecke so unglücklich aus seinem Wagen daß er schwere Verletzungen erlitt. Er wurde mit dem nächsten Personenzug nach seinem Wohnort transportiert. **(Vom„großen Los"). Die königliche LotterieDirektion teilt auf Anfrage mit, daß sich der Inhaber des angeblich verlorenen großen Loses der vorigen Klasse thatsächlich zu spät(d. h. nach dem 9Osten Tage) gemeldet habe, und daß sie deshalb nicht befugt gewesen sei, ihm die halbe Million auszuzahlen. Das„Berl. Tgb.“ hatte also doch Recht. ** Wie die silbernen, werden auch die Nickel=Zwanzigpfennigstücke eingezogen. Von dieser Münzsorte waren insgesamt für 5 Mill. Mk. geprägt worden, wovon Ende September für 2,9 Mill. Mk. eingezogen wurden. ** In der Nacht vom Samstag zum Sonntag statteten Diebe dem Althändler R. von hier einen Besuch ab. Dieselben drangen durch eine Hinterthür, welche sie gewaltsamerweise erbrachen, in das Haus ein und durchsuchten fast sämtliche Schränke und Koffer. Da sie jedoch nichts vorfanden, so begnügten sie sich mit den in dem Küchenschrank vorhandenen Eßvorräten. Die Diebe entkamen, ohne erkannt zu werden. In derselben Nacht wurde bei dem Bäckermeister v. d. H. hierselbst eingebrochen. Die Diebe entwendeten mehrere gebratene Tauben und sonstige Eßwaren. Dieselben müssen auch noch anderwarts Diebe sind auch hier unerkannt entkommen. ** Der Uhrmacher Sch., welcher im Verdacht stand, dem Schneidermeister G. von hier eine silberne Taschenuhr entwendet zu haben, wurde am Sonntag abend auf der„Herberge“ festgenommen und gestern dem Kgl. Amtsgericht zugeführt. onstige Eßwaren. Dieselben müssen auch noch anderwarts eingebrochen sein, denn man fand des Morgens auf dem Bäckerwagen ein großes Glas mit Gurken. Die ** Von der K. Oberpostdirektion geht uns folgendes Schreiben zu: Die Stadtfernsprechanschlüsse können für die Uebermittelung von Telegrammen an die Teilnehmer der Stadt„Fernsprecheinrichtung und für die Aufnahme von solchen benutzt werden. Die Gebühr für das Zusprechen eines angekommenen Telegrammes an den Teilnehmer beträgt ohne Rücksicht auf die Wortzahl 10 Pfg. Die Uebermittelung durch den Fernsprecher erfolgt nur auf Antrag des Teilnehmers. Bei abzusendenden Telegrammen beträgt die Aufnahmegebühr 1 Pfg.für das Wort, mindestens 20 Pfg., überschießende Beträge werden auf die nächst höhere durch 10 teilbare Summe abgerundet. Außerdem werden die tarifmäßigen Telegrammgebühren erhoben. Da diese Einrichtung zur Beschleunigung in der Bestellung bezw. Beförderung der betreffenden Telegramme beiträgt, wird auf die betreffenden Bestimmungen erneut aufmrksam gemacht. * ** Lichtendorf, 19. Okt. Ein Schüler des Progymnasiums zu Schwerte, der auf dem Rade hierher fuhr, ist als er sein Fahrzeug den Hohlweg entlang stieß von einem betrunkenen Mann angefallen worden, der mit einer Mistgabel in die Speichen stieß und den Knaben zu erstechen drohte. Zum Glück kam gerade ein Fuhrwerk des Weges, dessen Besitzer, Herr Hosang=Lichtendorf, den schwer Geängstigten aus seiner gefährlichen Lage befreite. Der Thäter ist der im Duffel'schen Einliegerhaus wohnende Fabrikarbeiter Joh. St. Das Benehmen dieses Mannes ist um so verdammenswerter, als derselbe schon bejahrt ist und über solche Dummen Jungenstreiche hinaus sein sollte. Die Anzeige ist seitens der Gendarmerie erstattet worden. ** Westhofen, 21. Okt. Unter dem Vorsitze des Herrn Grafen von Haslingen fand hiers. eine Sitzung des Schulvorstandes statt. In dieser wurde der Lehrer Carl Achenbach aus Gelsenkirchen zum Hauptlehrer an der hiesigen evangel. Volksschule gewählt und der Königlichen Regierung zur Bestätigung in Vorschlag gebracht. ** Sölde, 22. Okt. Eine„Wilddiebsgeschichte" mit leider sehr traurigem Ausgang mußten wir am Samstag hier erleben. Der Verwalter des Schulze=Delwig'schen Gutes, Herr Kieper, stieß gegen abends im Walde des Gutes mit einem Manne zusammen, der im Begriffe war, Forstdiebstahl zu begehen. Als Herr Kieper den Mann zur Rede setzte, griff derselbe zur Flinte und schoß seinem Gegner in den Oberschenkel, sodaß Herr Kieper in das Krankenhaus gebracht werden mußte. Forstdieb und zugleich Wilddieb, der von dem Verletzten erkannt worden ist, sieht einer schweren Bestrafung entgegen. ** Hohensyburg, 21. Okt. Der zum Schulvorsteher an Stelle des verstorbenen Steinhauermeister Weißmann erwählte Gastwirt Richard Wulf hiers. hat seitens der Aufsichtsbehörde die Bestätigung gefunden. ** Hohensyburg, 22. Okt. Das Dach des vom Bismarckbunde im vorigen Jahre errichteten Kaiserzeltes, welches durch den Sturm teilweise abgedeckt wurde, ist jetzt vollständig entfernt. Nur die 2 Meter hohe Bretterbekleidung ist stehen geblieben. Der Bismarckbund beabsichtigt, zu der Kaiserfeier im nächsten Jahre noch ein größeres Zelt zu bauen. ** Holzen, 19. Okt. Zu dem Schulneubau in den Rosen ist der hiesigen Gemeinde durch Allerhöchsten Erlaß ein Zuschuß von achttausend Mark bewilligt worden. Westsalen und Rheinland. * Dortmund, 19. Okt. Der langjährige Leiter des Fredenbaumes, Herr Hengstenberg, der erst im Laufe dieses Jahres von der Leitung zurückgetreten war, wurde vorgestern nachmittag von einem Schlagfluß getroffen. Man fand ihn tot im Bette vor. Er war schon l ängero Zeit nierenleidend. * Iserlohn, 19. Okt. Ein günstiges Ergebnis hatten hiesige Jäger bei einer vorgestern abgehaltenen Jagd in der Levringhauser=Schwerter Gegend zu verzeichnen. Die Nimrode erlegten vier Rehe, darunter drei kapitale Böcke, einen Auerhahn, einen Birkhahn, einen Fuchs und einen Hasen. * Bielefeld, 21. Okt. Das hiesige Organ der freisinnigen Volkspartei, der„Wächter, Bielefelder Zeitung,“ ist plötzlich, ohne daß vorher eine Ankündigung oder eine Erklärung an die Leser erfolgte, mitten im Monat eingegangen. * Herford, 19. Okt. Unweit des hiesigen Bahnhofs war ein Rangierzug gegen einen Prellbock gefahren, wobei die Lokomotive die Böschung hinabstürzte und sich metertief einbohrte. Außerdem sind 2 Wagen erheblich beschädigt. Leider fand bei dem Eisenbahn=Unglück auch der Heizer Ude durch Ueberfahren seinen Tod. Der Lokomotivführer wurde leicht verletzt. * Brambauer, 19. Okt. Heute morgen 6 Uhr hat ein italienischer Arbeiter seinem Arbeitskollegen, einem Landsmann, auf dem Wege nach der Arbeit die Halsader durchschnitten, woran dieser verstorben ist. Die näheren Gründe der That sind noch nicht bekannt. Wahrscheinlich ist ein Wortwechsel der That vorausgegangen. Der Thäter wurde nachher in seiner Wohnung verhaftet. Die Namen sind noch unbekannt. Beide wohnten auf der Kolonie, arbeiteten und schliefen zusammen. * Lennep, 21. Okt. Beim hiesigen Bezirkskommando gestellten sich zur Ableistung ihrer Militärpflicht in den letzten Tagen eine auffallend große Zahl ältere Leute im Alter von 28 bis 30 Jahren aus dem bergischen Lande. Es waren in die Militärbefreiungsprozesse verwickelt gewesene Dienstpflichtige, die fast ohne Ausnahme Garnisonen der östlichen Provinzen zugeteilt wurden. * Gelsenkirchen, 19. Okt. Im Stadt= und Landkreise sind bis, heute im Ganzen 1257 Typhusfälle angemeldet. In der letzten Woche wurden 132 Erkrankte als genesen entlassen. 30 Todesfälle waren zu verzeichnen. Heute Vormittag besuchte Professor Dr. Koch in Begleitung des Herrn Regierungs=Medizinalrats Dr. Springfeld und der anderen Mitglieder der GesundheitsKommission die Gelsenkirchener Krankenhäuser und das Aloysianum, sowie das Amtshaus in Schalke, wo die getroffenen Maßnahmen und Desinfektionen vorgeführt wurden. Weiter wurden die Barackenhäuser auf der Lüchte besichtigt. Heute mittag ist Professor Koch wieder nach Berlin zurückgereist. * Köln, 19. Okt. Sie werden nicht alle! Heute vormittag schloß sich eine in einem hies. Hotel logierender Herr einem Ortskundigen an und machte mit ihm einen Rundgang durch die Stadt. Der Fremde äußerte die Absich:, einen Tausendmarkschein wechseln zu lassen; der andere bemerkte, das kann man hier besorgen und führte den Fremden in die Martinstraße. Vor dem Gürzenich angekommen, sagte der Führer:„Geben Sie mir den Schein her; ich bin mit dem Herrn der Bank bekannt und bekomme ihn sofort gewechselt.“ Der Fremde beging die Thorheit, den Tausendmarkschein aus den Händen zu geben, der andere schritt damit die Treppe hinauf und kam nicht wieder. Schließlich stieg auch der Fremde hinauf in die vermeintliche Bank und erfuhr im Restaurant, daß der Gauner mit dem Tausendmarkschein durch den Ausgang am Quartermarkt das Weite gesucht hatte. Der Betrogene setzte sich sofort mit der Polizei in Verbindung und diese nahm die Verfolgung des Bauernfängers auf, allerdings bis jetzt ohne Erfolg. Eigener Depeschendienst der„Schwerter Zeitung.“ Hd. Grimma, 21. Okt. Der Brunnenbauer Thiele hat durch seinen langen unfreiwilligen Aufenthalt unter der Erde keinen Schaden gelitten. Er befindet sich zwar noch im Krankenhause zu Grimma, aber der Aufenthalt dort soll mehr seiner Erholung, als der Genesung von irgend einer Krankheit dienen. Morgen wird der zul. so eigenartiger Berühmtheit Gelangte aus dem Krankenhause entlassen. Hd. Hamburg, 22. Okt. In einem Sternbergprozeß ist der Schuhmachermstr. Wiedermann zu 2 Jahren, der Schneidermeister Bähr zu 1½ Jahren Zuchthaus verurteilt worden. IId. Straßburg, 22. Okt. Ein neues System der drahtlosen Telegraphie hat Pros. Dr. Braun erfunden. Dadurch ist es gelungen, eine sichere telegraphische Verständigung zwischen Kuxhaven und Helgoland herzustellen. Die Entfernung beträgt 65 Kilometer. IId. Rom, 22. Okt. In Ganzo und Africo sind 208 Personen, darunter der Bürgermeister von Africo, wegen Begünstigung von Räubern verhaftet worden. Hd. Newyork, Die Filipinos, unter Führung von Junta und Lopez, haben sich wieder erhoben. In samar ist ein Komplott, die amerikanische Garnison niederzumetzeln, entdeckt und 80 Verschwörer verhaftet worden. Eine Verstärkung der Truppenmacht auf den Philippinen=Inseln ist dringend geboten. IId. Petersburg, 22. Okt. In Saratow (Südrußland) herrschen 6 Grad Kälte. Die Schiffahrt ist eingestellt. Hd. London, 22. Okt. Lord Kitchener meldet unterm 21. Oktober: Die Kommandos, die mit Botha in den Distrikten von Vryheid operierten, sind auf Ermelo zurückgeworfen(?) worden. Das Wetter ist noch immer ungünstig und erschwert die Bewegungen. Die Linien der kleinen Posten(Blockhäuser) sind bis Wilgeriver und Greylandstad im Distrikt des nördlichen Transvaal ausgedehnt worden. Das Kommando Beyers ist völlig zersprengt. Lord Methuen und Kitchener(Bruder) operieren im Thal von Marico, Featherstone ist in Klerksdorp. Hd. London, 22. Okt. Die amtliche Verlustliste für die letzte Woche verzeichnet: 41 Mann tot, 36 an Krankheit gestorben, 61 verwundet, 4 vermißt, 6 desertiert. — Die Verluste der Buren in derselben Zeit(14. bis 21. d. M.) giebt Lord Kitchener wie folgt an: 25 Mann tot, 18 verwundet, 190 gefangen, 50 Surrenders(die sich ergeben haben); 171 Gewehre, 6126 Patronen, 106 Wagen und 6500 Stück Vieh erbeutet. Hd. Pretoria, 22. Okt. Die englischen Behörden veröffentlichen eine Liste der Burenführer, welche seit der Proklamation Kitcheners in Gefangenschaft geraten und zu ewiger Verbannung verurteilt worden sind. Die Liste enthält 12 Namen, darunter auch den Scheepers. 23. Okt. Wärmer, wolkig, bedeckt, meist trocken. 24. Okt. Wolkig, teils heiter, tags milde, nachts kalt, strichweise Regen. 25. Okt. Wolkig, vielfach sonnig, strichweise Regen, windig, Nachtfröste. 26. Okt. Herbstlich kühl, wolkig, Regenfälle, stark windig, Sturmwarnung, nachts kalt. Für den redaktionellen Teil verantwortlich Franz Miller. Verannrmachung. Das Verzeichnis der zum Wahlverbande der größeren Grundbesitzer gehörigen Wahlberechtigten wird nach Vorschrift des 54 Abs. 1 der Kreisordnung nachstehend bekannt gemacht. Anträge auf Berichtigungen dieses Verzeichnisses sind binnen einer Frist von 4 Wochen nach Ausgabe dieses Blattes bei dem Kreis=Ausschusse anzubringen. Hoerde, den 21. Oktober 1901. Der V. Searek. Verzeichnis der zum Wahlverbande der größeren Grundbesitzer gehörenden Grundbesitzer, Gewerbetreibenden und Bergwerksbesitzer im Kreise Hoerde. A. Grundbesitzer. Zwangs= Versteigerung. Mittwoch, den 23. er., vormittags 10 Uhr versteigere ich beim Wirt Böhmer: 1 Tisch mit Decke, 3 Kommoden, zwei Schränke, 1 Uhr, 1 Vertikow, 1 Sopha. Um 12 Uhr mittags auf dem Neubau des Tischlermeisters Tillmann, Wilhelmstr.: Parlie Gerüstbretter, zwei Speispfannen, Fässer, 2 Schiebkarren etc. Müller, Ger.=Vollz. kr. A. in Schwerte. Geschw. Becker Sämtliche Neuheiten in Golf=Capes, Kragen, Jacketts, Kinder=Jäckchen, Kinder=Manteln, Blousen, Kleiderstoffen, Seidenstoffen und Gesatzen für die herbst= und Winter=Saison sind in großer Auswahl eingetroffen. 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Wo, sagt die Exped. d. Ztg. Bekanntmachung. Die Liste über die Verteilung der Quartier= und Servisgelder für die während der diesjährigen Herbstmanöver stattgehabte Einquartierung liegt vom 21. d. Mis. ab 14 Tage lang zur Einsicht der Beteiligten im Meldeamte im Stadthause hierselbst offen. Einsprüche können nur während der Offenlegungsfrist erhoben werden. Die Auszahlung der Quartier= u. Servisgelder, sowie des städtischen Zuschusses erfolgt vom 4. bis zum 20. November er. an der hiesigen Stadtkasse gegen Vorzeigung der Quartierbillets. Schwerte, den 16. Oktober 1901. Der Magistrat: Rohrmann. Bekanntmachung. Auf Grund des§ 10 des Vorflutgesetzes vom 15. November 1811 und des§ 7 des Gesetzes vom 28. Februar 1843 über die Benutzung der Privatflüsse wird hiermit die Reinigung der Bäche und Abzugsgräben angeordnet. Die Reinigung ist bis zum 1. November er. auszuführen. Nach Ablauf dieser Frist wird eine Schau stattfinden. Bei unterlassener oder nicht ordnungsmäßig ausgeführter Räumung wird diese zwangsweise auf Kosten der Verpflichteten veranlaßt werden. Schwerte, den 16. Oktober 1901. Die Polizei=Verwaltung. Rohrmann. Bekanntmachung. Die Wahlen zur regelmäßigen Ergänzung der Gemeindeverordneten der Gemeinde Berchum finden am Donnerstag, den 28. November d. Is., nachmittags 3½ Uhr im Lokale des Wirts L. Borgmann zu Berchum statt Es scheiden mit Ablauf dieses Jahres aus aus der l. Abteilung der Landwirt Friedrich Gälger zu Tiefendorf, aus der III. Abteilung der Kettenschmied Gustav Mann zu Berchum. Die Wahlen werden von denselben Abteilungen vorgenommen, von denen die Ausscheidenden gewählt waren. Es hat mithin in diesem Jahre die I. Abteilung einen und die III. Abteilung einen Gemeinde=Verordneten zu wählen. Das Verzeichnis der stimmberechtigten Gemeindeglieder ist vom 22. d. M. ab auf 4 Wochen bei dem Gemeindevorsteher zu Berchum zur Einsicht der Beteiligten ausgelegt. Reklamationen gegen dasselbe, welche während der Dauer der Auslegung bei dem Gemeindevorstande anzubringen sind, machen die spätere Wahlverhandlung nur dann ungultig, wenn erst nachher eine solche Abänderung des Verzeichnisses verfügt wird, durch welche der Gewählte die absolute Stimmenmehrheit verliert. Zur Teilnahme an der Wahl sind nur diejenigen Mitglieder der Gemeinde berechtigt, welche I. preußische Unterthanen und selbständig sind, II. seit einem Jahre... 118 zKantlichen Mültel. 1. keine Armenunterstützungen aus offentlichen Mitteln empfangen, 2. die sie betreffenden Gemeindeabgaben gezahlt haben und 3. ihren Wohnsitz im Gemeindebezirk haben und von ihrem Grundbesitz in der Gemeinde mindestens 6 M. Haupt=Grundsteuer entrichten oder mit einem Einkommen von mehr als 660 Mark veranlagt sind. Rheinen, den 18. Oktober 1901. Der Ehren=Amtmann: Hiddemann gt. Schulte=Rheinen. * Niederlage Drogerie Carl Trog. 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Eier per Schock(60 Stück) 5,10 Weizen neuer I. 15,90,2-##I. 15.40,—III. 00,00 Mk., Roggen, neuer I 13,30, II. 12,80, III. 00,00 M.— Hafer 1. Qual. 18,80, II. 00,00 Mt.— Raps I. Qual. 26,75, II. Qual. M. 25,75, alles die 100 Klgr. Köln, 21. Oktbr. Weizen 00,00, Roggen 00,00, Hafer alter 00,00, neuer 00,00—00,00, Heu 9,00 bis 10,40, Maschinenstroh(Roggen) 5,00, Richtstroh(Flegeldrusch) 5,80, Kiummstroh 4,50 M die 100 kg. Verantwortlich für den redaktionellen Tel Kranz Miller, für den Anzeigenteil: Julius Humme in Schwerte Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte,