Zuertionsge uür für lokale Anzeigen die sechsgespaltene Zeile Alle Kreis= und Lokalpolizelichen Verordnungen ete. für den, Abonnementspreis pro Quartal 1 Mark 65 Pfe, 8#. der beten Nanm 10, 3, außerhalb 15, Reklame=Zeile 40 Z. Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regie, 1. Wbe,öchtertgae, geschentiche egratebeifage:„Illustrierten Schwerte, Fernsprech= rung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechts= jedem Wochenrag. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustriertverbindliche Kraft. 1. Samilienfreund.“ Druck und Verlag von Carl Braus in Ansatut, ur. 83. Uutchärtde, Telegr=Adr Braus. Schwerteskodtr. 0 95 Schwerte, Mittwoch, 12. Juni 1901. 34. Jahrgang Die Frauen und dir„Hanuenbricfe.“ Die Eingabe der Frauen an den Kriegsminister wegen der „Hunnenthaten“ unserer Truppen in Ostasien hat außer bei den sozialdemokratischen Zeitungen überall starke Zurechtweisung gefunden. Selbst sehr frauenreformfreundliche Blätter verurteilen die anmaßende, erregte und unsachliche Form der Eingabe. So schreibt die stockdemokratische und außerordentlich weit links stehende„Volkszeitung": „In welchem Umfang deutsche Soldaten an den hier erwähnten Vergewaltigungen teilgenommen haben, steht zur Zeit dahin. Wo solche Vergehen stattgefunden haben und zur Kenntnis der Vorgesetzten gelangt, sind sie sicherlich schon Gegenstand des Strafverfahrens gewesen; denn es ist wiederholt berichtet worden, daß Chinakrieger nach Deutschland zurückgebracht worden sind, die langwierige Freiheitsstrafen zu überstehen haben.“ Wenn ein solches scharf an die Sozialdemokraten anklingendes Blatt so schreibt, so ist wahrlich über die Eingabe der Stab gebrochen.— Ein die Führerinnen der Frauenbewegung kennender Leser der„Münch. Allg. Ztg.“ schreibt über die an der Eingabe schuldigen Uebelthäterinnen folgende Charakteristik: „Einige übereifrige, jede gebotene Schranke mißachtende Führerinnen der Bewegung für Frauenemanzipation, an ihrer Spitze das enfant terridle Frl. Dr. jur. Anita=Augsburg, und leider— Frau Minna Cauer, sowie das bis dahin in weitesten Kreisen unbekannte Frl. Lida Gustave Heimann haben sich veranlaßt gesehen, an den preußischen Kriegsminister eine Eingabe zu richten, in der die angeblichen Schandthaten der deutschen Soldaten in China und die massenhafte Vergewaltigung chinesischer Frauen mit den schwärzesten Farben gemalt werden. Der Stil der Eingabe ist erregt und heftig, ohne korrekt und sachlich zu sein, Ausdrücke, wie„Brutalität der Ehrlosigkeit," die den Beklagten angehängt werden, finden sich darin in Fülle. Die vorlauten Damen müssen gar nicht bedacht haben, welch starkes Stück es ist, auf solge Art die heimkehrenden Chinakrieger bei den deutschen Frauen zu verdächtigen und zu proskribieren. Sie mußten sich doch uner allen Umständen sagen, daß, so sehr man es bedauern mag, Lohheiten nun einmal mit jedem Kriege untrennbar verbunden ind, vor allem aber, daß sie unserer ganzen Kriegsverwaltung di denkbar größte Pflichtwidrigkeit insinuiert, wenn sie ihr zutraue, daß sie erst auf diese fulminante Mahnung des Frl. Anita und benossinnen wartet, um die Schuldigen entsprechend zu strafen. Wie es der klugen und geistreichen Frau Minna Cauer möglh war, das traurige Aktenstück mit ihrer Unterschrift zu deckei ist mir unfaßlich. Frau Cauer hat trotz allen Uebereifers einso bedeutsames Verdienst um den bisherigen Verlauf der Frauenewegung, daß sie gerade sich hüten müßte, solchen Kundgebungs öffentlich ihr Siegel aufzudrücken. Bei Frl. Augsburg komn es auf einen Mißgriff mehr oder weniger nicht an; bei Frau Euer aber„thut's mir in der Seele weh, daß ich sie in der Gesellhaft seh“". Frl. Lida aber ist eine so unbekannte Größe, daß eine Kritik überflüssig ist, und der Schreiber nichts über sie sagt. Sehr treffend meint die„Deutsche Tagesztg.“ auch noch:„Wenn ein solches Damenschreiben an den alten Fritz ergangen wäre, so würde er vermutlich geantwortet haben, die Damen möchten gefälligst ihre respektiven Nasen in den Kochtopf stecken und nicht in die Kriegs=Angelegenheiten, dieweil sie das nichts angeht.“ Gewiß wird der Herr Kriegsminister nicht so unfreundlich, sondern etwas höflich sein; im Grunde genommen wird er aber die keckdreiste Anzapfung wohl mit Recht ebenso energisch abblitzen lassen. Ze dever Zache Phäter. Rnan von L. Haidheim 51(Nachdruck verboten.) Burkard von Frohberg nickte dazu und fuhr dann fort: „Großvater hat uch vor zwei Jahren zu sich beschieden; er mochte sich wohl zietzt einsam fühlen und dann habe ich immer öfter kommen müfn. Auch meine Mutter hat er ein einziges Mal besucht, sie ger nie hierher eingeladen, überhaupt nie von ihr und meiner Swester Notiz genommen. Sie sehen, Vetter Ebern, daß ich ebisowenig Chance habe zu erben wie Sie—.“ „Aber darungerade, um Sie zu seinem Universalerben einzusetzen, wollte eja heute testieren, Herr von Frohberg!“ rief kummervoll der Bt. „Leider zu sit! Ich bin keineswegs unempfindlich gegen ein so schweres Aßgeschick, wie mich heute in Großvaters Tode betroffen!“ sagte rohberg sehr ernst und es schien, er war blaß geworden. „Einstweilerhat der Herr Graf Herrn von Frohberg schon seit sechs Monat zu seinem Mandatar und für den Fall seines Todes zum Teimentsexekutor eingesetzt——“, erklärte der Notar Graf Josh des weiteren die Situation. Beide jung Männer gaben sich niedergeschlagen die Hand; welche Lage, ansichts eines solchen Reichtums. Welche Gegensätze in ihrer(scheinung! Graf Joseph mochte nicht fragen: Können wir eveuell das Testament umstoßen? Es überkam ihn wie eine haßerfite Schadenfreude gegen den Toten. Er hatte ihn nun doch ürlistet. Keine Mie verriet was er dachte und empfand, aber er setzte sich plötzlicauf den nächsten Stuhl und starrte wie verloren vor sich bin. g.. E. Ain naer Sans#A. Ueberlistet Was waren ein paar Tausender gegen den Verlust eines schen Erbes?„ 6464 Burkard in Frohberg legte seiner plötzlichen Ermattung einfachere Grüse unter. Er trat an das Büffet, schenkte Wein in ein Glas w bot es dem Vetter:„Trinken Sie, Ebern, Sie fuhren von Wn hierher, haben sicher nichts Rechtes genossen!“ Graf Jooh stürzte den Wein hinab und bestätigte damit Frohbergs Amhme, der klingelte und dem Diener befahl Fleisch und was sonsda sei zu bringen. Jetzt ersen der ältliche Diener und rief Herrn von Frohberg mit einegewissen Unruhe in den Mienen heraus. „Graf Isph biß die Zähne zusammen. Sein Herz klopfte plötzlich wied( zum Zerspringen. Mit unendlicher Mühe zwang neversicht. Deutschland. Vom Kaiserhofe. Unser Kaiser, der Montag nachmittag den russischen Korvettenkapitän Paulis in Audienz empfing traf am Dienstag in aller Frühe von Potsdam auf dem Tempelhofer Felde bei Berlin ein und besichtigte die beiden Garde=Dragonerregimenter. Es folgte ein größeres Gefechtsexerzieren, zu dem das Königin Augusta Garde=Regiment Nr. 4 und Batterien des 1. Garde=Feldartillerieregiments hinzugezogen waren. Das 1. Garde=Dragoner=Regiment und 1 Bataillon besetzten die Hasenheide, um von hier aus den Angriff eines von Westen über den westlichen Teil des Tempelhofer Feldes anrückenden Feindes abzuschlagen, was auch gelang. Der Kaiserführte hierauf das 1. Dragonerregiment in die festlich beflaggte Kaserne zurück und nahm bei dem Offizierkorps das Frühstück ein. Abends speiste Se. Majestät im Kreise der Offiziere des 2. Garde=Dragonerregiments und reiste gegen 12 Uhr nach Kiel ab. —(Internationaler Feuerwehrkongreß). In der Schlußsitzung referierte Branddirektor Weigand=Chemnitz über die Unterstützungskasse der deutschen Feuerwehrverbände.“ Er hob hervor, daß die bestehenden 26.000 Kassen mit über 1½ Millionen Mitgliedern nicht einem Reichsgesetze, sondern der Unterstützung der einzelnen Regierungen ihr Bestehen zu verdanken hätten. Die im Vortrage aufgestellten Forderungen faßte der Referent in folgende Resolution zusammen, die einstimmig angenommen wurde: 1. Die einzelnen Staaten haben die Verpflichtung, für eine ausreichende Unterstützung aller derjenigen Personen Sorge zu tragen, welche im freiwillig übernommenen, aber gesetzlich verpflichteten Feuerwehrdienst verunglücken oder erkranken. Die Unterstützung hat sich gegebenenfalls auf die Hinterbliebenen zu erstrecken. 2. Die gleiche Unterstützung ist zu gewähren, sofern die Feuerwehr durch die Behörde zu anderweitigen Dienstleistungen im öffentlichen Interesse(Hochwassergefahr, Gebäudeeinsturz, Eisenbahnunfälle etc.) herangezogen wird und hierbei Feuerwehrmänner verunglücken oder erkranken. Ehrenpräsident, Minister Freiherr von zu etwa folgender Schlußansprache: Rednerliste ist erschöpft! Es bleibt mir nunmehr die schmerzliche Pflicht, Ihnen den Dank für Ihr Erscheinen auszusprechen. Ich sage die schmerzliche, denn Scheiden thut weh. Ich hoffe aber, daß ütaer diche dun al ihn, ihre Abreise morgen in der Frühe verabredend. Er trat an das Feuster und war froh sein Gesicht zu verstecken, indem er es an die Scheiben drückte. Es währte eine ganze Weile, in Todesangst lauschend von Graf Ebern verbracht, bis Frohberg zurückkam. Er sah nachdenklich aus, zeigte sich aber ganz unverändert. „Wie? Sie haben nichts angerührt?“ rief er, auf den Speisetisch zeigend, der inzwischen neu gedeckt und mit allerlei Speisen besetzt worden war. B. S,#. „Ich bitte die Herren meinem Vetter die Honneurs zu machen“, fuhr er dann fort:„Mich rufen jetzt Geschäfte; die Bestattung des Großvaters geht den ganzen Adel des Landes an. Und für die unglückliche Frau von Wazlaw, die heute hier angekommen ist", wandte er sich an den Doktor Freimann,„habe ich noch garnichts thun können, sie nicht einmal begrüßt.“ Damit lief er hinaus. Die beiden Herren luden Graf Joseph ein, sich jetzt alle verstimmenden Gedanken aus dem Sinn zu schlagen und zuzulangen.„.. scrcte, sm aN.a galles Er versuchte es auch, aber es schmeckte ihm alles gallen„Wer ist Frau von Wazlaw' Mir schwebt vor, als hätte ich heute den Namen schon einmal gehört?“ sagte er, um nur irgend etwas zu sprechen. Sie erzählten ihm, die Dame sei auch eine geborene Ebern, eine Bruderstochter des verstorbenen alten Herrn, über die er einst Vormund gewesen und die er gezwungen habe, den reichen Baron von Wazlaw zu heiraten, der kaiserlicher Forstmeister war.„Er zwang sie, obwohl sie mit einem Offizier verlobt war, der freilich nicht viel hatte, jetzt aber ein berühmter General ist. Wazlaw war ein Verschwender, brachte ihr Vermögen und sein eigenes, viel größeres durch und als der Bankerott ausbrach, erschoß er sich.— Graf Ebern bot ihr eine geringe Pension, sie schlug dieselbe aber in ihrer Verzweiflung aus und zog nach Prag mit den Kindern. Dort ist es ihr aber so schlecht ergangen, daß sie zuletzt den Alten um ein Unterschlupf bitten mußte. Dort drüben im sogenannten Kavalierhaus gab er ihr eine recht erbärmliche Freistatt; sie nahm aber in ihrer Not auch dieses verfallene Nest an und heute ist sie eingezogen“, schloß der Doktor. „Und was„wird nun aus ihr?“ fragte Graf Joseph sehr viel lebhafter. Die Leidensgenossin in der Armut weckte seine Spmtgthig udte bi. Achteln Der Notar zuckte die Achseln. es siste ee e ee e zuschließen und das Gefühl der Solidarität zu stärken. Ich hoffe, daß Ihre Arbeiten einen ersprießlichen Erfolg haben werden. Ich hoffe ferner, daß Sie die Berliner nicht so ungemütlich gefunden haben, als sie in der Welt gelten. Ich schließe in der Hoffnung auf Wiedersehen in der alten, vortrefflichen Stimmung, die uns alle beherrscht hat.“ Branddirektor Westfalen faßte den Dank des Kongresses in die Aufforderung zu einem dreifachen Hurrah auf Exzellenz von Rheinbaben und Exzellenz von Hammerstein zusammen. Es folgten einige kürzere Ansprachen; sodann schloß Branddirektor Westfalen den Kongreß. Auf Befehl des Generalleutnants v. Alten ist Unteroffizier Hickel trotz seiner Freisprechung wieder in Haft genommen worden. Herr v. Alten soll geäußert haben,„er sei starr über die Entscheidung des Gumbinner Kriegsgerichts.“ Gegen die Verhaftung wird jedenfalls Berufung eingelegt werden, da nach der neuen Militärstrafgerichtsordnung eine Wiederverhaftung nur auf grund neuer Verdachtsgründe und Beweismittel zulässig ist. — Die Behandlung bezw. Mißhandlung, welche Rittmeister v. Krosigk seinen Leuten angedeihen ließ, scheint doch bedeutend strafbarer gewesen zu sein, als in der„Berichtigung“ angegeben ist. So veröffentlicht die V.=Z. folgenden Brief eines alten Soldaten:„Im Jahre 1886 diente beim Magdeburgischen Husarenregiment Nr. 10 bei Eskadron I der Sekondeleutnant v. Krosigk I, 26 Jahre alt, Sohn des Generals v. Krosigk, ein Soldatenschinder, der mit wahrer Wollust seine Untergebenen quälte. Beim Voltigieren ließ er Pferdedünger auf den Bock werfen oder einen Eimer Wasser darauf stellen, damit die Springenden mit dem Gesicht darauf fielen. Er ließ Schwingen voll Sand aus der Reitbahn holen und die Rekruten bei strenger Kälte am Brunnen damit abreiben. Mit Sandsetzen warf er in der Reitbahn nach seinen Leuten. Er machte die Sporen los und schlug sie den Leuten auf die steifgefrorenen Kniee. Einen gewissen Weisel hat er derartig thätlich gemißandelt, daß sich dieser in der Mannschaftsstube erhängte. Auf diesen Fall hin erhielt v. Krosigk acht Wochen Festung (es werden wohl jene vier Monate gewesen sein. Anm. d. Red.), die er in Magdeburg verbüßte. Er kam nicht mehr zum Regiment zurück, sondern wurde versetzt.“ Aus Schlesien kommt eine traurige Botschaft. In schreckenerregender Weise nehmen die Verwüstungen der Aecker durch die Zwergcikade zu. Die immense Trockenheit— seit dem 8. Mai ist nur einmal ein mäßiger Regen gefallen— verbunden mit einer tropischen Hitze, hat der Verbreitung dieses Insektes in einer Weise Vorschub geleistet, die jeder Beschreibung spottet. Nachdem der Winter die Weizen= und Kleefelder vernichtet, die trockene Hitze die Roggenfelder zum größten Teil ausgebrannt hat und der Entwickelung der Sommersaaten und Futtergewächse hinderlich gewesen, zerstört nun dieses Insekt noch alles, was sich einigermaßen grün erhalten konnte. Trostlos steht man da vor solchen Erfolgen seiner Arbeit und seiner Geldaufwendungen: kein Stroh, kein Futter! Aitr ant der dan Site ich daster dich den alte Herr sein eigenes Geschlecht, so verbittert er dagegen war, berauben und dem Untergang preisgeben sollte und dann würden die Verwandten doch für die Frau Baronin einstehen: andererseits käme das Geld in die tote Hand, an die Regierung, die Kirche oder sonstige Stiftungen, so wäre das ein unabsehbares Unglück für die arme Frau.„ 6.61, Ste—— „Und der Vetter Frohberg? Er sollte Erbe werden? Warum eilte er dann nicht, Sie das Testament machen zu lassen?, Warum heute erst speisen und die Zeit vertrödeln?“ „Der alte Mann schlief. Wir mußten ihn erst Kräfte dadurch gewinnen lassen. Herr Graf sonst würde allerdings Ihr Vorwurf Berechtigung haben—“ erklärte ruhig der Doktor. Nein, diese Männer trugen keine Schuld, daß der Alte starb, ohne sein Testament geändert zu haben, sagte sich Graf Aber selbst die wenigen Bissen, die er gegessen, thaten ihm wohl, er stürzte noch ein paar Gläser Wein hinab und fühlte mit Befriedigung, daß sein Kopf klar wurde, seine Nerven sich en Sie hörten draußen Frohbergs Stimme. Er ging hin und her. sprach bald mit dem einen, bald mit dem anderen, gab Befehle nach allen Seiten, Pferde wurden gesattelt, Wagen fuhren vom Hofe. Endlich kam er. nun sei das Wichtigste in Ordnung. Depeschen mit allen Bestellungen für die Beerdigung abgesandt, Wagen, die Leichenbestatter mit all den Dekorationen u. s. w. zu holen, an den Adelsmarschall geschrieben und per Expreß den Brief abgesandt. Alles nach den vorgeschriebenen Formen, wie die Stellung des Verstorbenen sie vorschrieb. erstordenen sie vorschriep. Unterdes schritt Burkard von Frohberg über den Hof, nach dem Gebäude, in dessen Fenstern Graf Joseph vorhin schon Licht 9%sch Aug zu daufelhan zämelich fohlten zuud auscheir Da Vorhänge an denselben gänzlich fehlten und anscheinend niemand daran gedacht hatte die Läden zu schließen, konnte man von außen schon den weiten Raum übersehen, in welchem die schwarzgekleideten Frauengestalten ihm auch jetzt zunächst auffielen. Die ältere lehnte mit einer unbeschreiblich finsteren Miene an dem Tische in der Mitte des Zimmers und sah aus wie eine Statue der Trauer, schön, anmutsvoll und würdig in Haltung und Gebärde. Eine ganz jugendliche, blonde Tochter saß lang hingestreckt in einem mit Packleinen verhüllten Lehnstuhl und redete auf die Mutter ein, während kleinere Kinder mit Aepfeln auf dem Fußboden herumkugelten. China. + Generalleutnant v. Lessel meldet aus Tientsin:„Palatia“ mit Marine=Infanterie am 2.,„Alesia“ mit Batterie und allen Tieren am 6. Juni nach Tsingtau in See gegangen. + Auf eine Anfrage wegen des Vorfalles in der Takustraße in Tientsin erwiderte der englische Staatssekretär Lord Hamilton, nach telegraphischen Berichten des Generals Gaselee seien die englischen Polizeisoldaten mit lobenswerter Mäßigung vorgegangen und hätten von der Schußwaffe erst Gebrauch gemacht, als sie zu ihrer eigenen Verteidigung dazu gezwungen gewesen seien. Die deutsche Polizei habe die englisa, ad für EntferKrüger in Verkehr zu treten. Die Führer der Buren seien jetzt in Standerton und warteten auf die Antwort Krügers auf ihre Mitteilungen. Lotales. Stadt und Kreis. ** Schwerte, 12. Juni.(Feuerwehr). Gestern abend hielt unsere Freiw. Feuerwehr unter Leitung des Brandmeisters Herrn Quadbeck eine Uebung ab Die Aufmarsch=Exerzitien, besonders aber die Uebungen am Steigerturm wurden schneidig Die deutsche Polizei habe die englische unterstützt und für Entser= ausgeführt. Als die Wehr vom Uebungsplatz der Ostenstraße abnung der am Thatorte anwesenden deutschen Soldaten gesorgt, zog, ertönte plötzlich das Signal: Feuer! Der Steigerturm brennt! Auch von den Japanern sei der englischen Polizei thatkraftige Es war ein Vergnügen zu sehen, mit welcher Schnelligkeit und Mariammn: schr Unterstützung zu teil geworden. England und Transvaal. + Wie aus dem Haag gemeldet wird, ist Präsident Krüger in Begleitung des Dr. Leyds aus Hilversum dort eingetroffen und hat sich nach der Wohnung Korrektheit das Manöver vor sich ging. In überraschend kurzer Zeit ergoß sich vom Turm herab„hoch im Bogen“ der Wasserstrahl, der das imaginäre Feuer schnell dämpfte und daneben noch der zuschauenden Kinderschar zum Jubel derselben ein Brausebad bereitete. Nach Beendigung dieser Hauptübung fand und dat sich noch de, opuuy, inig. Peufeleg eingen zu im Rafinschen Saale eine Generalversammlung ab, in welcher begeben. Krüger beabsichtigr, einige Lage v. die Statuten der Sterbekasse, die in der Delegiertensitzung in Hörde vorgelegt werden sollen, durchberaten wurden. Zugleich + Eine Depesche Lord Kitcheners besagt, die Zahl der Buren, welche im letzten Monat getötet und gefangen genommen wurden oder sich ergeben hatten, beträgt 2640(?). Vom 1. bis 9. Juni wurden 26 Buren getötet, 4 verwundet und 409 gefangen genommen. Es ergaben sich ferner 33 Buren, und außerdem wurden 651 Gewehre, 115000 Patronen, 120 Wagen und 4000 Pferde erbeitet. entlicht in der + Die englische Militär=Verwaltung veroffentlicht in der südafrikanischen Presse folgende Bekanntmachung:„Jeder Offizier oder Soldat, welcher vor dem Feinde die weiße Flagge oder sonst ein Zeichen der Uebergabe zieht, soll kriegrechtlich abgeurteilt werden. Die Aburteilung erfolgt nach Paragraph 40 der HeeresAkte."— Dieser Erlaß erfolgte im Hinblick auf die Erfahrung, daß die englischen Soldaten mit Vorliebe die Waffen streckten, wenn die Chancen des Kamfpes gegen sie waren. Wußten sie doch, daß die Buren keine Gefangenen machen konnten, sondern dieselben stets wieder freigaben. + Im englischen Unterhause hatte sich der Kriegsminister auf Befragen über eine sehr peinliche Sache zu äußern und mußte erklären, daß, soweit seine Informationen reichten, 32 englische Soldaten zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe im Felde verurteilt worden seien, weil sie auf Posten geschlafen u. dadurch zahlreiches „Malheur" und böse Verluste verursacht hätten. Lord Kitchener habe nur zwei derartige militärische Verbrecher zum Tode verurteilt, aber auch diese nachher zu Zuchthaus auf Lebenszeir be(Friede in Sicht?), Wie die englische Presse behauptet, soll Frau Botha die Trägerin einer Mission ihres Gatten an den Präsidenten Krüger sein. Es soll sich hierbei um nichts Geringeres handeln, als um die Absicht Bothas, die Waffen zu strecken. Eine neue Zusammenkunft zwischen Lord Kitchener und General Botha sei verabredet worden und werde jetzt stattgefunden haben. Endgiltig solle nichts bestimmt werden, ehe Frau Botha Mr. Krüger nicht gesprochen, da sie diesem die Pläne ihres Gatten bezüglich allgemeiner Niederlegung der Waffen zu überbringen habe. Das Kolonialamt werde von dem Resultat des Besuches der Frau Botha bei Mr. Krüger informiert werden, und alles sei zwischen Lord Kitchener und General Botha so weit geordnet, daß auf Empfang telegraphischer Nachrichten von England und Holland hin die förmliche Streckung der Waffen vollzogen werden könne. Frau Botha werde in Holland möglicherweise von der Königin Wilhelmina empfangen werden. Wie die gleiche Zeitung hört, soll Kommandant Botha die Waffenstreckung auf die Garantie der Gleichberechtigung in Sprache und Religion, einer Lokalregierung und des Stimmrechts für alle Weitzen hin empfohlen haben. Der„Daily Mail“ wird aus Johannesburg gemeldet, der Konsul der Niederlande in Pretoria sei vor einigen Tagen abgere um mit General Botha zusammenzutreffen,„welcher wünsche, an Mr. Krüger zu telegraphieren.“ Auch der„Standard“ meldet aus Durban, es seien zur Zeit wichtige Verhandlungen zwischen den Führern der Buren und Lord Kitchener im Gange. Dem dortigen niederländischen Konsul sei von Kitchener die Möglichkeit gewährt worden, sich mit dem General Smuts und dem Privatsekretär Bothas Dewet zu besprechen. Auch sei ihnen der Telegraph zur Verfügung gestellt worden, um sie in den Stand zu setzen, offen mit dem Präsidenten forderte der Brandmeister die Mitglieder auf, sich am Verbandsfest möglichst zahlreich zu beteiligen. Zum Schluß teilte Herr Brandmeister Quadbeck noch mit, daß es seine Absicht sei, den Vorschlag zu machen, bei der Einweihungsfeierlichkeit auf der Hohensyburg seitens der Feuerwehr eine Ehrenwache für S. M. den Kaiser zu stellen. Die lebhafte Zustimmung, welcher dieser Vorschlag fand, bewies, wie sehr die gesamte Wehr von dem Geiste des Heine'schen Grenadiers beseelt ist, dessen höchste Ehre war, „den Kaiser, den Kaiser zu schützen.“ ** Schwerte, 12. Juni. Gestern passierten Ulanen vom 5. Regiment unsere Stadt, von Garenfeld bezw. Ergste kommend, wo sie am Montag Quartier genommen hatten. Ueber Zweck und Ziel des Marsches giebt folgende Meldung Aufschluß: Vom künftigen Montag ab bis zum 12. Juli werden sechs Kavallerie=Regimenter in der Senne zu einer großen Uebung zusammengezogen sein, und gegen Ende dieses Monats wird Artillerie hinzukommen. Für die Verpflegung der Pferde dieser Truppenkörper muß in der Eile neuer Vorrat beschafft werden, da das große Militärproviantmagazin in Neuhaus i. W., in welchem die Fourage zum größten Teile lagerte, kürzlich durch einen Blitzstrahl vollständig eingeäschert ist. „Die Kultur, die alle Welt beleckt, hat auch auf Hohensyburg sich erstreckt“— wie längst schon auf den Rigi, den Vesuv und den Blocksberg, so wird der Reisende in Zukunft auch zur Burg Widukinds bequem und gemächlich in der„Elektrischen" bez. Drahtseilbahn hinaufbefördert werden. Eine Berliner Gesellschaft die Allgemeine Lokal= und Straßenbahngesellschaft, hat nämlich die Genehmigung zum Bau einer elektrischen Straßenbahn vom Bahnhof Westhofen bis zur Wirtschaft Wulf erhalten ** Seit einiger Zeit sind Ansichtskarten käuflich, an deren Rückseite kleine Täschchen angebracht sind, die zur Aufnahme von Bildchen, Mitteilungen oder dergl. dienen. Nach einer Entscheidung des Reichs=Postamts sollen zur Vermeidung von Unzuträglichkeiten für den Dienstbetrieb künftig weder Briefe noch Ansichts= oder sonstige Postkarten, an deren Vorder= oder Rückseite derartige Täschchen oder Miniaturkouverts befestigt sind, zur Beförderung mit der Post zugelassen werden. dem vollendeten 14. Lebensjahre erlischt in Preußen die Schulpflicht. Eine Bestrafung wegen Schulversäumnis kann von diesem Zeitpunkt nur dann eintreten, wenn die Schulpflicht im Einzelfall durch eine besondere Anordnung des Ortsschulinspektors verlängert worden ist Der Entlassungstermin ist stets dann hinauszusetzen, wenn die Kinder mit dem vollendeten 14. Lebensjahre die Oberstufe nicht erreicht haben. Eltern oder Pfleger sind von einer derartigen Maßnahme rechtzeitig in Kenntnis zu setzen. ** Nach so vielen Enttäuschungen kommt jetzt die anscheinend sichere frohe Kunde, daß der Berliner Chirurg Prof. Max Schüller in Berlin den Erreger der furchtbaren, weder Hütte noch Palast verschonenden Krankheit, den Krebsbacillus entdeckt hat. Er soll zwei Formen haben. Zuerst eigentümlich glänzende gelbliche Kapseln, die in ihrem Innern kleine Organismen bergen; die Kapseln platzen und die kleinen Lebewesen gewinnen die Freiheit. Diese jungen Organismen kann man als die eigentlichen Krankheitserreger betrachten. Aus ihrer schleimigen Hülle strecken sie kleine Fädchen aus, die sich in zitternder Bewegung befinden. Sie nähren sich von den feinsten Teilchen zerfallenden Gewebes des menschlichen Körpers, welches von den Fädchen festgehalten werden; ihre Ausscheidungen beeinflussen jedenfalls das Blut des Menschen. Die Bacillen sind sehr empfindlich: Abkühlung, ferner Erhitzung auf 50 Grad C. sowie ein Tröpfchen reinen Alkohols tötet sie. Prof. Schüller eröffnet die Aussicht durch Einspritzung geeigneter Medikamente die Krankheit heilen zu können. *• Hörde, 12. Juni. Für die am 1. Juli beginnende 5. Schwurgerichtstagung sind aus unserem Bezirk als Geschworene ausgelost die Herren: Rechnungsführer Karl Sassenberg, Schüren. Kaufmann Heinrich Papenheim, Hörde. Rechnungsführer Brand, Holzwickede. Fabrikant F anz Schmitz, Hörde. Prokurist August Kuhn, Hörde Kalkulator Hr. Liedschulte, Hörde. Ingenieur Jakob Brandenbug, Hörde. Westfalen und Rheinland. * Iserlohn, 10. Juni. Herr Pastor Groscurth soll, wie verlautet, dem Presbyterium mitgeteilt haben, daß er aus Gesundheitsrücksichten am 1. November d. Is. sein Amt niederlege. Pastor Groscurth wirkte an der Gemeinde 36 Jahre. * Schwelm, 11 Juni. Nach dem„Schw. Tgbl.“ haben auf dem hiesigen Emaillierwerk„Silesia“ seit einigen Wochen erhebliche Arbeiterentlassungen stattgefunden. Ende dieser Woche sollen noch beträchtliche Kündigungen vorgenommen werden, sodaß dann etwa 150 Mann, darunter 14 Meister und etwa 80 Familienväter brotlos gemacht sind. Wie schlecht es jetzt mit der Arbeit steht, ist daraus zu ersehen, daß sogar Arbeiter, die schon 15 Jahre in der Fabrik thätig sind, entlassen werden mußten. * Schwelm, 10. Juni. In dem Vergnügungslokal Schwelmer Brunnen" entstand in vergangener Nacht eine Prügelei. Eine Patrouille der hier in Quartier liegenden 5. Schwadron der Düsseldorfer Ulanen griff ein, worauf dieselbe bedroht und beschimpft wurde. Die Soldaten zogen hierauf die Waffe, wobei mehrere Personen verletzt wurden. Als zwei Soldaten später in ihr Quartier gehen wollten, wurden sie abermals angegriffen, worauf einer der Ulanen einen Schuß abfeuerte. * Elberfeld, 12. Juni. Ein Fall unlauteren Wettbewerbs und Betrugs gelangte kürzlich vor der hiesigen Strafkammer zur Verhandlung. Angeklagt war der Uhrmacher und Goldwarenhändler Gastreich, der in den Tagesblättern Remscheids spaltenlange Annoncen veröffentlichte, in denen er sein Kaufhaus größten Stils empfahl. Die Verhandlung enthüllte aber seine Geschäftsweise; vor allen Dingen wurde eine Behauptung, er kaufe billiger, aufs klarste durch seine— eigene Behauptung widerlegt, denn er warf ein, als die Sachverständigen den Einkaufspreis eines Ringes auf 6 Mark schätzten, ihn koste derselbe 7,25 Mark! Auch seine„billigen Preise schienen in ganz anderem Lichte, da er Uhren, Ringe und sonstige Schmuchsachen zu solch hohen Preisen verkaufte, daß man oft 5, ja 7 bis 8 Mk. hätte sparen können, wäre man zu anderen Juwelieren gegangen.„Echtes Gold“ ist nach sachverständigem Gutachten nicht Skarätig, sondern 14karätig und auch nicht nach der Behauptung G.'s Dukatengold. Letzteres werde in Deutschland nicht benutzt. Da G. nur für echtes Gold Skarätiges gegeben haben soll, soll er sich des Betrugs schuldig gemacht haben. Dieserhalb wurde er freigesprochen, da nicht festzustellen war, was die Leute gefordert haben; wegen unlauteren Wettbewerbs hingegen wurde er zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt. * Remscheid, 12. Juni. In diesen Tagen wird die Probebelastung der Müngstener Kaiser Wilhelm=Brücke auf beiden Gleisen erfolgen, indem alsbald das zweite Gleise aus Bahnhof Schaberg mit dem zweiten Brückengleise anseschlossen wird, da nunmehr seit Dienstag Tag und Nacht an der Fertigstellung und Legung der Schwellen gearbeitet wird. Die Probebelastung erfolgt zum ersten Mal durch die Staatsbahnerwaltung. * Münster, 12. Juni. Der Provinzalausschuß der Provinz Westfalen wird in dieser Woche der Proinz Hannover einen Besuch abstatten zur Besichtigung der Povinzialforsten und Moore, insbesondere der Moorkulturen. Di Besichtigung wird sich ferner auf die neue Provinzial=Irrenansalt in Lüneburg, sowie auf die Anstalt in Ilten usw. erstrecken.]— Eine im Ruhrbezirk domizilierte Bohrgesellschaft wird im Laufe dieses Jahres im westlichen Teile des Regierungsbezirks Dinster mehrere Tiefbohrungen vornehmen. Wie verlautet, erfohen diese Bohrungen im Auftrage des preußischen Fiskus. Aufr Steinkohlen hofft man auch Steinsalz und Kalilager atzutreffen, wie denn eigener Sache Richter. 6 Roman von L. Haidheim. (Nachdruck verboten.) Das Bild hatte jedenfalls, in dieser Beleuchtung von einer Lampe ohne Kuppel, etwas sehr Anziehendes; aber Burkard von Frohberg fühlte diesen Reiz nicht. Man verliert auch bei vornehmster Gesinnung nicht ohne Bedauern eine Erbschaftsaussicht, wie er sie heute mit ziemlicher Sicherheit gehabt; wenn er auch zu stolz dachte, sich seinen Kummer selbst nur einzugestehen, geschweige ihn nach außen zu verraten, so trug er doch schwer daran, denn sein ganzes Leben war bis heute Entbehrung und anstrengende Arbeit gewesen. gm. 25 Tacht, Ganz ungehört kam er nicht zu Miitter und Tochter. Sie blickten plötzlich auf und nach dem Fenster, er öffnete schon die Thür des Hauses und stand in der nächste. Minute vor ihnen. „Gnädige Frau, ich bedauere unendlich, daß ich Sie nicht selbst empfangen, Sie nicht willkommen heißen konnte. Sie werden wohl schon wissen, daß mein Großvater—“ „Er ist tot?“ rief Frau von Wazlaw, ihn mit dem Ausdruck jähen Schreckens unterbrechend. Er sah jetzt, sie war eine früh gealterte, völlig verblüte Frau, die kaum noch die Reste ihrer einstigen Schönheit behalten. „Er ist um sieben Uhr gestorben, gnädige Frau, nun doch unerwartet, trotz seiner schweren Krankheit.“ „Darum also mußten wir hier einziehen wie bettelnde Zigeuner?“ rief sie unsäglich bitter; und ohne darauf zu achten, daß er eine neue Entschuldigung aussprechen wollte, fuhr sie in demselben Tone fort:„Von einem Knecht, der eben aus den Ställen kam, bin ich in dieses Zimmer geführt und daß der gute Mann nicht im Irrtum war, bewiesen mir meine hier hereingestellten Möbel, bewies mir das im Ofen zurechtgelegte Feuerungsmaterigl, nhsschreihlich verächtlicher 9w. 2.4 Sie zeigte mir unbeschreiblich verachtlicher Miene um sich her.„Nicht im Irrtum!“ wie das klang! In den drei Worten lag eine Kritik der Mildthätigkeit des Verstorbenen gegen sie, daß Burkard, nach einem raschen, scheuen Blick über das Zimmer hin, für diesen sich schämte. „Sie werden einem kranken, schwachen Greis, der fast schon ein Sterbender war, Nachsicht zollen, gnädige Frau“, sagte er beklommen. Auch seinem Gefühl nach glich es einer Verhöhnung des Unglücks, wie hier diese einst so reiche, herrschgewohnte nahe Verwandte, eine geborene Gräfin Ebern untergebracht worden. Natürlich hatte der alte Mann dies selbst befohlen, man konnte zu seiner Rechtfertigung nur annehmen, daß er die Räume seit Jahrzehnten nicht, oder wohl gar nie betreten.“ „Natürlich können wir hier nicht bleiben", unterbrach sie abermals seinen Versuch sie zu begütigen. „Wohin wird man uns nun treiben, mein Herr?“ „Burkard von Frohberg, gnädigste Frau!“ stellte er sich vor.„Erinnern Sie sich auch meiner nicht, der ich Sie in meinen Schülerjahren nur einmal flüchtig sah, so kennen Sie doch meine Mutter—“. Jherhaupt nicht sudehärt Offenbar hatte sie bis jetzt überhaupt nicht zugeyort, ganz mit eigener Sache beschäftigt, als er sich ihr als Enkel des Verstorbenen genannt—„ gx Mutterss Si. „Cäcilic? Cäcilie von Frohberg Ihre mutrer?“ Sie sah ihn mit kritischem Blick vom Kopf bis zu den Füßen an.— In Reitstiefein und einem derben Winterrock stand er vor ihr, wie er durch Wind und Wetter geritten gekommen und wie man ihn durch einen Expreßboten von seinen Feldern nach Krapolno geholt, nichts winiger als elegant.... „Ist meine Consine Cacilie hier? Dann sind ja alle Schwierigkeiten gelöst! Aber nein, unmöglich hätte sie mich so hier einziehen lassen! Haben Sie denn von Ihrer Mutter nie gehört, daß wir Freundinnen waren? O, es ist eine Schmach uns sol sol zu behandeln. Mich seines Bruders älteste Tochter! Mich. die er trennte von meinem Verlobten und verheiralete mit—. Aber das Geld, der Mammon! Es war steis senn Gott und der andere Gott, der dort oben, er strafte den herz#osen Tyrannen in seinen Kindern, in den einzigen Wesen für die er überhaupt Empfindung hatte—.“ „Gnädigste Frau! Er ist tot! Von den Toten nichts Böses. Sein trostloses Alter war wohl Strafe.“ sie hörte garnicht.„Wer ist der Universalerbe? Wohl Sie? Cäcilie war seine älteste Tochter.. u Mmandater des Er gab Auskunft, so weit er konnte; nur Mandatar des Verstorbenen war er und zum Testamentsvollzieher von demselben bestimmt. ,ai,. i.h4 iin: Snur nan Mmich. Es verletzte ihn, daß sie nicht eine Spur von Milde in ihrem Herzen hatte. Ihre Augen funkelten und flammten so düster und haßerfüllt und für nichts hatte sie Anteilnahme, außer für ihre eigenen Angelegenheiten.„ „Wie muß sie in Not sein, die Aermste:„oachte er mitleidig. Er hatte sonst wenig Verständnis und Blick für Toilette, aber wie abgenutzt ihr Kleid war, das fiel ihm doch auf. Sie weinte nicht; aber er mußte denken:„In ihren Augen sind die Thränen vertrocknet an der Glut ihres Hasses, oder ihrer Erbitterung.“ Inzwischen kam ihr die Beleidigung, dieman ihr angethan, von neuem in den Sinn.„ 1„ 8, u 5, „Nicht einmal einen Wagen hat man ins an die Bahnstation geschickt. Auf einem elenden Rumpelksten hat man uns hierher geschleift, ein Gefährt zu lächerlich, um Mitleid mit uns zu erwecken! Nun, Alexandra, Gräfin Eben, bleibt auch auf einer solchen Karrete was sie ist! Aber sann! Seit zwei Stunden sind wir hier, der Ackerknecht hatte o viel Gefühl, daß er uns das Licht dort anzündete, unser Gepäck is Haus trug. Ich befahl ihm mir die Haushälterin, irgend eine dienstbaren Geist zu schicken, er wußte wer ich war, es ist kei Zweifel, denn er geleitete uns ja doch in diese„Scheune"; er Uird meinen Befehl in der Küche gemeldet haben, es ist aber nanand gekommen; man hat uns weder einen Trunk, noch einen Bissen angeboten.“ Sie hatte gar kein Gefühl dafür, daß i der Todesstunde les Herrn des Schlosses alle Gedanken alle nur diesem Ereignis galten. Nur sich selbst bedachte sie. War das Not? Verzweiflung? oder etwa jeser rücksichtslose Egoismus, den man an dem Verstorbenen so oft ud bitter getadelt? Sie sagte auch nicht ein freundliches Wortzu dem jüngeren Dennoch ließ er gegen sie kein Wort des Mßfallens in sich aufkommen. Seine Mutter hatte ihm gelegatlich öfter von Die, Leiesenschaftig in seinem Herzen zugestano, daß sie als, nahe Verwandte des Hauses nicht in dies Quartier hinein gehörte. wag man at Helfen Sie mir, gnädiges wporigl henter ,5 Toter ssegt— thun könnte. In das Haus, worin heze en ge#rzgiegt.—. „Alles eher, als hier bleioen#.#an woo druven doch Räume genug haben?“ rief die blonde kochter, die ihm sehr reizend erschien, aus der gleichgültigen Ruhe die sie bis jetzt eeo Maria hat Recht. Schicken Sie mir die Hausälterin oder den Haushofmeister!" stimmte die Mutter zu,„ich werd mit ihm reden". „Der Großvater hielt nur eine einfache bihmische Köchin, die Zustände im Hause sind keineswegs mustergiltig.“ „Das glaube ich schon, aber für uns gut gema; wir sind nicht verwöhnt. Und jedenfalls sind sie besser als dieshier. Fürchten Sie nicht, daß wir die Ruhe Ihres Großvaters stören werden.“ „O. bitte, Gnädigste, ich denke nicht daran! „Warum, wenn Sie Cäcilies Sohn sind, nunen Sie mich so feierlich„Gngdigste? Wie ich die Cousine Ihrer Mutter bin, so dürfen Sie mich Tante begrüßen und meine Tochter Cousine.“ überhaupt die geologischen Verhältnisse in dieser Gegend durch diese Bohrungen genauer untersucht werden sollen. Man bringt diese Untersuchungen mit der Absicht des Fiskus, sich am Bergbau in Westfalen zu beteiligen, in Verbindung. Ein Triumph der Chirurgie. sprechen, sind auf Verlangen der Ortspolizeibehörde sofort zu entlassen. 8. Am 26. Februar ds. Is. erschien in der chirurgischen Klinik der Universität Breslau eine 25 Jahre alte Russin aus dem Gouvernement Minsk, welche seit sechs Monaten durch ein Gebiß belästigt wurde, das sie beim Essen von Griesbrei verschluckt hatte. Assistenzarzt Dr. Georg Gottstein berichtet über den Fall: Das Gebiß hatte in der letzten Zeit nicht mehr festgesessen, weil ein Teil des Nachbarzahnes abgebröckelt war. Der von der Patientin genossene Griesbrei war sehr klebrig; er klebte an der Gaumenplatte fest, und bei dem Versuch, ihn mit der Zunge loszulösen, löste sich die Gebißplatte ab und rutschte mit der Speise in den Rachen. Bei dem Versuch, das Gebiß herauszuwürgen, verschluckte es die Patientin, und sie hatte bald das Gefühl, als ob es in der Gegend der Magengrube liegen geblieben sei. Dort hatte Patientin deutliches Druckgefühl; sie trank sofort Wasser nach, das Druckgefühl blieb aber bestehen. Patientin ging sofort zum Arzt, der ihr sagte, daß sie sich nicht zu ängstigen brauche; das Gebiß sei schon im Magen und werde auf natürlichem Wege abgehen. Patientin aß noch an demselben Abend Semmel, die ihr aber an der Stelle, wo sie ein Druckgefühl in der Magengrube spürte, stecken blieb und erst nach einigen Minuten herunterging. Erbrochen hat Patientin nicht. Sie konnte in den nächsten 14 Tagen ohne Beschwerde alles essen. Nach einiger Zeit traten aber Beschwerden, welche mit Unterbrechungen anhielten und schließlich, nachdem in Warschau durch Röntgenphotographie festgestellt worden war, daß das Gebiß weder abgegangen noch verdaut, sondern hinten im oder am Magen festsitze, kam die Patientin nach Breslau, wo von Geheimrat v. Mikulicz die operative Entfernung des Fremdkörpers für nötig erachtet und in Aethertropfnarkose ohne Störung ausgeführt wurde. Zu diesem Zwecke wurde ein etwa 10 Zentimeter langer Bauchschnitt gemacht und mit der ganzen Hand behufs Orientierung eingegangen. Der Magen wurde nach oben und vorn vorgezogen und mit der Hand wurde dort, wo vermutet, an der links von der Wirbelsäule, unmittelbar an der stark pulsierenden Aorta ein harter Körper gefühlt von der Gestalt des Gebisses, durch eine relativ dünne Gewebeschicht gegen die Bauchhöhle abgetrennt. Nachdem mit Sicherheit das Vorhandensein des Gebisses, und zwar in einem mit dem Magen kommunizierenden Sack festgestellt war, wurde der Hautschnitt nach unten erweitert, um besser an den Magen herankommen zu können. Rings um den Magen wurde die Bauchhöhle durch Perltücher abgeschlossen und in horizontaler Richtung durch einen etwa 10 Zentimeter langen Schnitt der Magen eröffnet. Hierauf wurde mit der ganzen linken Hand in den Magen eingegangen. Inmitten einer von dicken, wulstigen Rändern umgebenen etwa zehnpfennigstückgroßen Lücke der hinteren Magenwand fühlte man das Gebiß, das zu zwei Drittel im äußeren Gewebe eingebettet ist, während etwa ein Drittel desselben in der Geschwürsöffnung eingebettet liegt, ohne aber frei in das Magenlumen zu ragen. Jetzt wurde mit der rechten Hand eine lange gekrümmte Kornzange eingeführt. So gelang es, das hervorragende Ende des Gebisses mit der Zange zu fassen; es saß fest; erst nach mehrfachen vergeblichen Versuchen gelang es, dasselbe unter vorsichtigen, drehenden Bewegungen in seinem Lager zu lockern und herauszuziehen. Der Magen wurde hierauf, wie auch die Bauchdecke, zugenäht. Die Wundheilung verlief ohne jede Störung und schon nach zwei Tagen könnte die Patientin wieder flüssige, nach zehn Tagen auch feste Nahrung aufnehmen, sodaß sie als geheilt entlassen wurde. Hd. Berlin, 12 Juni. Graf Waldersee wird aus verlässig, sowie mindestens 21 Jahre alt sind. Sie müssen ferner direktestem Wege ohne jeden Aufenthalt unterwegs, heimkehren sich durch ein Zeugnis darüber ausweisen können, daß sie die und nach der Landung in Hamburg sich nach Hannover— nicht erforderliche technische Befähigung und Zuverlässigkeit besitzen, nach Homburg— begeben. Der Gesundheitszustand des Grafen Lokomotivführer, welche diesen Anforderungen nicht mehr entist gut. Hd. Kapstadt, 12. Juni. Nach einer Meldung aus Pietermaritzburg werden die Buren noch vor dem 15. d. Mts. die Waffen niederlegen. Ein zweites aus Kapstadt eingelaufenes Telegramm meldet: Die Unterwerfung Botha's und seiner Anhänger wird stündlich erwartet. Man ist der Ansicht, daß diese Unterwerfung das Ende des Krieges bedeutet. Die Lage in der Kapkolonie giebt keinen Anlaß mehr zu Besorgnis; die Eisenbahnzüge verkehren täglich und ungehindert.(Die Unterwerfung Louis Bothas ist ohne Zweifel nur die Folge der Unterwerfung Lord Kitcheners unter die Bedingungen, welche Botha gestellt hat; von einer Waffenstreckung auf Gnade und Ungnade, wie Chamberlain erhoffte, ist schlechterdings keine Rede. Soweit bis jetzt ersichtlich, bleiben die beiden südafrikanischen Republiken selbstständig unter britischem Protektorat. Eine gestrige Depesche meldete übrigens, daß die Buren beschlossen hätten, den Krieg energisch fortzusetzen— Red.) 13. 14. 15. Juni. Juni. Juni. Wetterbericht. (Nachdruck verboten.) 12. Juni. Wolkig, teils heiter, wärmer, strichweise Regen und Gewitter bei lebhaften Winden. Meist sonnig bei Wolkenzug, warm, morgens kühl. Vorwiegend heiter, wärmer. Erst sonnig, schwül, warm, später vielfach Gewitterregen und Abkühlung. Für den redaktionellen Teil verantwortlich: Franz Miller Bekanntmachung. Am 26. vor. Mts. ist in Holzwickede in der Nähe der Südschule ein Geldbetrag gefunden. Aplerbeck, den 6. Juni 1901. Die Poltzei=Verwaltung. I. V.: Der Amtsbeigeordnete: Vieseler. Bunte Chronik. Die Meldung, daß das Warenhaus Tietz von der Firma Hermann Gerson käuflich erworben sei, wird von Gerson dementiert. Von anderer Seite wird versichert, daß der Verkauf des Warenhauses Tietz doch erfolgen werde, an wen, wird nicht gesagt. Als Kaufpreis werden 5 400000 Mark genannt. Dem Vernehmen nach hat der Verlag August Scherl(„Lokalanzeiger",„Morgenpost",„Woche",„Tag" u. s. w.) die von der stuttgarter Verlagsanstalt Union als Konkurrenzunternehmen der „Woche" begründete„Weite Welt“ angekauft. Auch die Zeitschrift „Vom Fels zum Meer“ ist in den Besitz des Scherl'schen Verlages übergegangen. * Durch eine Mehlstaubexplosion wurden in einer Bäckerei in der Stendalerstraße in Berlin 4 Personen verletzt. Ein Bäckergeselle wurde so schwer verbrannt, daß sein Zustand Besorgnis erregt, die übrigen Gehülfen sind leicht verletzt, auch der Meister hat leichte Wunden erlitten. Das ausgebrochene Feuer konnte schnell gelöscht werden. Bekanntmachung. Der Herr Regierungspräsident in Arnsberg hat die Offenlegung der Pläne betreffend Verlegung der Weichenanlage der elektrischen Straßenbahn zwischen Hörde und Wellinghofen gemäß§ 17 des Gesetzes über Kleinbahnen und Privatanschlußbahnen vom 28. Juli 1892 angeordnet Die Pläne liegen demgemäß im Rathhause zu Hörde während der Zeit vom 15 bis 29. d. zu jedermanns Einsicht während der üblichen Geschäftsstunden offen. Einwendungen gegen die Pläne sind während der Dauer der Offenlegung schriftlich bei mir einzureichen oder mündlich zu Protokoll zu geben. Hörde, den 10. Juni 1901. Der Kommissar des Regierungs=Präsidenten. Das Verbot der offenen Versendung von Ansichtskarten mit Verzierungen 2c. aus Mineralstaub, Glassplitterchen, Glaskügelchen, Sand, Metallteilchen und dergl. tritt erst vom 1. Oktober ab und zwar außer im inneren deutschen und deutsch=schweizerischen Verkehr auch im Wechselverkehre mit Oesterreich und Ungarn in Kraft. Berlin W. 66, den 10. Juni 1901. Der Staatssekretär des Reichspostamts: Kraetke. Polizei=Verordnung betreffend den Betrieb der Transportbahn von Schwerte nach Westhofen durch die Allgemeine Lokal= und Straßenbahn=Gesellschaft zu Berlin. Im Interesse der Verkehrssicherheit und zur Verhütung von Unglücksfällen wird auf Grund der§§ 5 und 6 des Gesetzes über die Polizei=Verwaltung vom 11. März 1850(G. S. S. 265) und der§§ 143 und 144 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 im Einverständnisse mit dem Herrn Regierungs=Präsidenten zu Arnsberg und mit Zustimmung des Gemeinde=Vorstandes folgende Polizei=Verordnung erlassen: S 1. Der Betrieb der Transportbahn ist, soweit die gegenwärtige Polizei=Verordnung nicht eine Ausnahme begründet, den allgemeinen Straßen und sicherheitspolizeilichen Bestimmungen unterworfen. S 2. Eigener Hd. Peking, 12. Juni. Prinz Tschung reist morgen nach Berlin ab, um Kaiser Wilhelm das Bedauern der chinesischen Regierung über die Ermordung des deutschen Gefandten ausgdrücken. Hd. London, 12. Juni. Die Meldung, daß im Kriegsamt ein Telegramm eingelaufen ist, nach welchem in voriger Woche eine Unterredung zwischen Lord Kitchener und Louis Botha In Standerton stattgefunden habe, wird dementiert Hd. Rom, 12. Juni. Die Taufe des Königskindes findet am Sonntag im Quirinal statt. Das Befinden der Königin ist gut, doch wird die hohe Frau dem Taufakt nicht beiwohnen. Hd. London, 12. Juni.„Daily Mail“ bespricht in einem gehässigen Artikel die Entschließung der deutschen Regierung, in Schanghai eine Garnison zu halten. Das Blatt meint, daß eingland dadurch seinen Einfluß in Schanghai verlieren werde, und erklärt zugleich, daß diese Thatsache als Beginn der Aufteilung Chinas betrachtet werden müsse. Hd. Berlin, 12. Juni. Die Denkmünze für die Chinakrieger wird nach dem Entwurf des Kaisers von Prof. Schott modelliert und wahrscheinlich in der Kgl. Münze geprägt werden. Hd. Berlin, 12. Juni. Zu den anfang September bei Danzig stattfindenden Manövern wird die Ankunft des Zaren erwartet, der sich von hier aus zu vierwöchentlichem Aufenthalt nach dem Jagdschloß Wolfgarten bei Darmstadt begeben wird. Jede Beschädigung der Bahn und der dazu gehörigen Anlagen sowie der Betriebsmittel, die Nachahmung von Signalen, die Verstellung oder Versperrung der Weichenvorrichtungen, überhaupt jede Vornahme einer den Bahnbetrieb störenden oder gefährenden Handlung ist verboten. § 3. Fuhrwerke, Reiter, Viehtransporte und Fußgänger haben sich beim Ertönen der Glocke oder der Dampfpfeife der Lokomotive rechtzeitig vom Gleis zu entfernen. An Straßenkreuzungen und Straßenabzweigungen haben Fuhrwerke, Reiter, Viehtransporte und Fußgänger, welche das Gleis überschreiten wollen, so rechtzeitig zu halten, daß der Transportzug in seiner Fahrt nicht gehindert wird. § 4. Es ist verboten, Kinder ohne Aufsicht innerhalb oder in unmittelbarer Nähe der Gleise spielen zu lassen. s 5. Das Auf= und Abladen, das Lagern und Aufstellen von Gütern und sonstigen den Verkehr behindernden Gegenstände, z. B. Schutt auf den Bahnkörper oder in einer Entfernung von weniger als ¼. Meter von der nächstgelegenen Fahrschiene ist verboten. § 6. Fuhrwerk oder Vieh ohne Aufsicht auf dem Gleise oder in einer geringeren Entfernung als 8 Meter von der nächsten Fahrschiene neben dem Gleise stehen zu lassen, ist verboten. Aufsichtslos dastehende Fuhrwerke, Tiere oder sonstige Gegenstände, welche das Gleis sperren, ist das Bahnpersonal zu entfernen berechtigt, unbeschadet der Straffälligkeit der Verantwortlichen. s 7. Die Führung der Lokomotive darf nur solchen Personen übertragen werden, die nüchtern, auch sonst unbescholten und zuDie Lokomotive muß eine helltönende Glocke u. Dampfpfeife haben, ebenso wie jeder 4. Wagen, mit starken Bremsen versehen sein. Vor Ablassen eines Zuges sind die Bremsen auf ihre Wirksamkeit zu prüfen und Lokomotive, sowie Wagen mit mangelhaft wirkender Bremsvorrichtung von der Fahrt auszuschließen. 9. Es dürfen nicht mehr als 20 Wagen mit einem Zuge befördert werden. Jedem Bremswagen muß zur Bedienung der Bremse ein nüchterner, zuverlässiger und körperlich rüstiger Mann beigegeben werden. Die Lokomotive hat stets an der Spitze des Zuges zu fahren. § 10. Die Geschwindigkeit der Fahrt darf 10 Kilom. in der Stunde an keiner Stelle der Bahn übersteigen und ist bei der Einmündung öffentlicher, dem Fuhrwerksverkehr dienender Wege auf 7 Kilom. in der Stunde zu vermindern. Der Ortspolizeibehörde bleibt vorbehalten, geringere Fahrgeschwindigkeiten für bestimmte Strecken, bestimmte Zeiten oder unter bestimmten Verhältnissen und besonderen Vorkehrungen zur Verhütung von Unfällen vorzuschreiben. S 11. Warnungszeichen mit der Glocke oder der Dampfpfeife sind zu geben: a) bei der An= und Abfahrt; b) vor Wegekreuzungen und Wegeeinmündungen und allen Uebergängen zu Grundstücken; c) wenn Menschen, Tiere oder andere Verkehrshindernisse sich auf dem Gleis oder in gefährlicher Nähe desselben befinden; d) bei der Annäherung an auf der Straße befindliche Zugtiere. s 12. Der Zug hat zu halten: a) wenn auf den Schienen Hindernisse bemerkt werden oder in einer anderen Weise dem Zuge Gefahren entgegentreten; b) wenn Leichenzüge oder Feuerlöschzüge die Strecke kreuzen; c) wenn durch den Zug Personen, Tiere, Sachen, die auf die Bahnstrecke gelangt sind, gefährdet werden. s 13. Wenn Zugtiere, insbesondere Pferde, oder getriebenes Vieh auf der Straße in die Nähe des Zuges kommen, darf kein Dampf aus den Zylindern der Lokomotive abgelassen werden. Scheuen Tiere vor dem Zuge, so hat der Lokomotivführer zunächst langsam zu fahren und erforderlichenfalls so lange zu halten, bis die Tiere über das Gleis gegangen oder an dem Zuge vorbei sind. 14. Stillstehende fahrfertige Maschinen müssen stets unter Aufsicht sein. Die ohne ausreichende Aufsicht sowie die über Nacht auf den Gleisen verbleibenden Wagen sind durch geeignete Vorrichtungen festzustellen. Lokomotiven und Wagen dürfen während der Nachtzeit nur an den Endpunkten der Bahn abseits der Straße aufgestellt werden. s 15. Der Betrieb zur Nachtzeit ist untersagt. Als solche gilt Zeit von einer halben Stunde nach Sonnenuntergang bis eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang. 9 16. Das Begleitpersonal eines Zuges ist während der Fahrt dem Führer der Lokomotive untergeordnet und verpflichtet, die vom Lokomotivführer ausgehenden Signale: Achtung, Bremsen, Anziehen, Bremsen=Loslassen, zu beachten. Die mit der Führung der Lokomotive betrauten Personen sind der Ortspolizeibehörde sofort namhaft zu machen, auch sind derselben alle eintretenden Aenderungen sofort anzuzeigen. 17. Ueber jeden Betriebsunfall hat die Unternehmerin, unbeschadet eines etwaigen Eingreifens der Ortspolizeibehörde, eine Untersuchung zu führen, den Thatbestand, wenn nötig durch Vernehmung der Beteiligten festzustellen, und die daraus sich ergebenden Maßnahmen nach eigenem, pflichtmäßigem ermessen zu treffen. Meldungen seitens der Unternehmerin sind zu erstatten: a) an die Staatsanwaltschaft und an die Ortspolizeibehörde, an die letztere behufs sofortiger Anzeige an den Herrn Regierungspräsidenten auf dem kürzesten Wege über alle Unfälle, bei welchen Menschen getötet oder verletzt sind, oder der Verdacht eines strafbaren Verschuldens an dem Unfall gegen einen Bahnbediensteten oder eine andere Person vorliegt; d) an die Ortsbehörde innerhalb 12 Stunden, wenn eine erhebliche Zerstörung von Betriebsmaterial oder der Bahnanlagen stattgefunden hat. S 18. Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung werden, soweit nicht auf Grund anderweitiger Straf=Bestimmungen eine höhere Strafe verwirkt ist, mit einer Geldstrafe bis zu 30 Mark bestraft, an deren Stelle im Unvermögensfalle eine entsprechende Haftstrafe tritt. s 19. Der im§ 18 genannten Strafe unterliegen die Unternehmerin, deren Betriebsleiter und das gesamte Dienstpersonal der Transportbahn bei Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen der vom Herrn Regierungs=Präsidenten in Arnsberg erlassenen Betriebsvorschiften, sofern nicht auf Grund anderweitiger Strafbestimmungen eine höhere Strafe verwirkt ist. 20. Diese Polizei=Verordnung tritt bei der Eröffnung des Betriebes auf der Transportbahn sofort in Kraft. Schwerte, den 10. Juni 1901. Die Ortspolizei=Behörde. Rohrmann. Ueberzieher, sowie jedeSeparatur, auch von nicht bei mir gekauften“ Schir hreishirin Jold und bülg. W. Hellermann, bertannd, Ostenhellwen 16. — Empienlenswertes Kaufkaus fertige Herren- und Koaben-Bekleidung Hagen i. W., Frankfurter-Strasse 99—101 Hermam Korkbtun. Grasverkauf am Sametag. 15. Juni 9. J., nachm. 6 Uhr auf der Bruchhardt und nachm. 7 Uhr für Herrn H. Koch auf der Hovestadt Westhofen. 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