* Amriiches Kreisbicht ∆ für den kreis börde. rr Aufertionsgebühr für lokale Anzeigen die sechsgespaltene Zeile oter deren Raum 10 g, außerhalb 15, Reklame=Zeile 40 z: Deuck und Verlag von Carl Braus in Schwerte, FernsprechAuschluß Nr. 65. Amt Hörde. Telegr.=Adr. Braus, Schwerte=Ruhr. No. 61. Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen etc. für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche Kraft. Schwerte, Mintwoch, 13. März 1901. esteseststciäite ie Shansc öüis cäre 30 Pfg. Bestellgeld wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jeden Wochentag. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“ 34. Politische Uebersicht. Deutschland. — Vom Kaiserhofe. Der Kaiser hörte am Dienstag die Vorträge des Reichskanzlers Grafen Bülow, sowie des Kabinettschefs v. Hahnke und v. Lucanus. Im Verlaufe der Wundheilung ist keine Störung eingetreten, und die Schwellung nimmt weiter ab.— Der Kronprinz reist am 30. d. Dets. nach Stettin, um dem Stapellauf des nach ihm benannten Schnelldampfers auf der Werft des„Vulkan" beizuwohnen. —(Reichstag). Im Reichstage, der am Montag den Kolonialetat erledigte, nahm am Dienstag zunächst Präsident Graf Ballestrem das Wort, um mitzuteilen, daß er dem Prinzregenten Luitpold von Bayern zu seinem 80. Geburtstage die Glückwünsche des Hauses dargebracht habe. Der Reichstag habe alle Veranlassung, an dieser seltenen Feier lebhaften Anteil zu nehmen. Die Mitglieder begleiteten die Worte des Präsidenten mit Bravorufen und hörten die Reden stehend an. Auch die sozialdemokratischen Abgeordneten v. Vollmar und Stolle, die von ihrer Partei allein anwesend waren, hatten sich von ihren Plätzen erhoben. Sodann trat das Haus in die Beratung des Reichseisenbahnetats ein, die durchaus nichts neues ergab. Man sprach abermals über die Frage einer Eisenbahntarifreform und über das Offenbacher Eisenbahnunglück, sowie über die Lehren, die daraus zu ziehen seien, respektive schon gezogen worden sind. Der sächsische Gesandte Graf Hohenthal bestritt entchieden das Bestehen eines preußisch=sächsischen Bahnkrieges. Der Etat wurde angenommen. Nächste Sitzung: Donnerstag.(Etatsreste.) Schluß 7 Uhr. —(Abgeordnetenhaus). Das Haus, das tags vorher bei der fortgesetzten Beratung des Kultusetats das Kapitel„Volksschulwesen“ erörterte, beendete am Dienstag die Debatte hierüber. Von größerem Interesse war dieselbe nicht. Es folgte das Kapitel„Kunst und Wissenschaft". Hier bemängelten die Abg. Schmitz(Zentr.) die Bevorzugung der Berliner Künstler bei ausgeschriebenen Wettbewerben, die ganz unverkennbar zu Tage trete, und sie sprachen den Wunsch aus, die Künstler in der Provinz mehr als bisher zu berücksichtigen. Nach längerer, nicht erheblicher Erörterung vertagte sich das Haus auf Mittwoch. — Von der sog. Kohlenkommission des preußischen Abgeordnetenhauses wurden zwei Anträge angenommen, von denen der eine betont, daß während des Jahres 1900 in weiten Landesteilen eine Kohlennot bestanden habe, und daß man Kohlen nur teilweise, beziehentlich in verminderter Güte und zu außerordentlich erhöhten, hier und da sogar wucherischen Preisen erhalten konnte, woraus schwere wirtchaftliche Mißstände sich ergeben haben. In dem zweiten Antrage heißt es, die Ursachen dieser Erscheinung seien, abgesehen von mehr lokalen Mißständen, nicht nur in vorübergehenden Momenten(Ausständen in Böhmen und Sachsen, Transvaalkrisis, plötzlich gesteigerter Bedarf des Auslandes, der Industrie und Marine), sondern im Zusammenhang damit auch in einer nicht überall gesunden Entwickelung des Kohlen=Großhandels zu suchen. — Weshalb plötzlich jede persönliche Verbindung des Kaisers mit Frhrn. v. Stumm vor etwa 1½ Jahren und infolgedessen auch der große Einfluß dieses Mannes aufhörte, ist in weiteren Kreisen unbekannt geblieben. Man sagt, daß sich der Kaiser durch eine allzu wenig höfische Aeußerung des Herrn v. Stumm verletzt gefühlt und dann, wie auch in anderen Fällen, den jahrelangen Verkehr plötzlich abgebrochen habe.— Frhr. v. Stumm sprach, wenn er im Reichstage anwesend war, außerordentlich oft und fast immer sehr lebhaft, wobei er, wenn er in Erregung geriet, heftig gestikulierte. Seine hohe, kräftige, militärisch stramme Gestalt überragte seine ganze Umgebung. Den 1870er Krieg hat er als Eskadronchef der Kavallerie mitgemacht. Er imponierte auch dann, wenn er im Reichstag auf seinem Platz zurückgebeugt saß und kaum von den Worten seines Gegners Notiz zu nehmen schien. Kam aber eine Wendung, die ihn reizte, dann richtete er sich hoch auf und konnte seine innere Aufregung kaum bemeistern. Liebe wurde ihm wenig entgegengebracht, Achtung aber allgemein, selbst von seinen heftigsten Gegnern. —(Neudotierung der Provinzen). Wie zu erwarten, wird von der in Aussicht genommenen Neudotierung der Provinzen den Löwenanteil der Osten erhalten. Nach offiziöser Verlautbarung soll eine Summe von 10 Millionen flüssig gemacht werden und davon 1/3 den östlichen Provinzen zugewendet werden. Den Rest erhält der Westen. — Aus den Kreisen der Handel= und Gewerbetreibenden ist beim Reichstage eine Revision des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerb auf folgender Grundlage angeregt worden; Anstelle der jetzigen zivilrechtlichen Verfolgung der als unlauterer Wettbewerb zu betrachtenden Vergehen soll fortan die strafrechtliche Verfolgung treten. Ferner sollen die Geschäftsinhaber auch für den Schaden ersatzpflichtig sein, der durch Verstöße ihrer Angestellten gegen das erwähnte Gesetz anderen entsteht. In solchen Fällen sollen sie selbst wieder die betreffenden Angestellten regreßpflichtig machen können. — In diesem Jahre findet der Verbandstag der selbständigen deutschen Konditoren, vom 8. bis 17. Juni, in Mannheim statt und zwar verbunden mit Fachausstellung für Konditorei, Honigkuchen, Konfitüren, Bonbon, Marzipan, Rohmaterialien, Gebrauchsartikel etc., Maschinen und Fachlitteratur. — Die polnische Hetze ist im oberschlesischen Bezirk wieder einmal so offen hervorgetreten, daß ein deutscher Katholik und Patriot äußerte: Wir haben jetzt eine zweifache Not: die Kohlennot und die Polennot. Die Schlagworte, mit denen die Menge aufgereizt wird, heißen 1. Germanisieren heißt Protestantisieren" und 2.„Mit unserer Sprache verlieren wir unseren Glauben." Daß in diesen Worten eine Beleidigung für alle gläubigen deutschen Katholiken enthalten ist, scheint den Hetzrednern entgangen zu sein. Es wäre Zeit, daß das polnische Volk darüber aufgeklärt würde, daß man deutsch sein und deutsch sprechen und dabei ein guter Katholik sein kann. Hat doch Dr. Lieber sogar gesagt, er könne als Katholik nicht wünschen, in einem anderen Lande als in Deutschland zu leben. Freilich wird die Germanisierung der polnischen Bezirke solange keine Fortschritte machen, ehe nicht die rechten Missionare, deutsche Lehrer, in genügender Zahl dahin ausgesandt werden. — Schwere Ausschreitungen polnischer Arbeiter werden aus Haus Nienburg(Anhalt) gemeldet: Polnische Arbeiter demolierten hier am Sonntag ihre Wohn=Kaserne vollständig, zogen dann mit Piken, Messern u. s. w. bewaffnet auf den Gutshof, bedrohten Jeden, der ihnen begegnete, mit Totschlag suchten die Inspektorwohnung zu stürmen, mißhandelten den Hofmeister und die Pferdeknechte, sowie den Amtsdiener Helmholz und schlugen auch sonstige gegen sie aufgebotene Hilfsmannschaften ßurück. Erst als der Gendarm dazu kam, gelang die Bewältigung der Ruhestörer. Als Rädelsführer wurden die Arbeiter Bilinsky und Kubiak festgenommen und geschlossen nach Eilenstedt ins Gefängnis gebracht. —(Aus den Kolonien). Aus Schantung, dem Hinterlande von Kiautschau, wird gemeldet, daß die Bergbauarbeiten bereits im November v. J. wieder ausgenommen und seither ohne irgend welche Störungen fortgeführt worden sind. Bei der Rückkehr des Personals der Schantung=Bergbau=Gesellschaft haben sich die Anlagen, Maschinen, Geräte, die beim Ausbruch der Unruhen zurückgelassen werden mußten, im Wesentlichen unversehrt vorgefunden. Um Weihnachten ist in mäßiger Tiefe ein Kohlenflöz von 4 Meter Mächtigkeit erbohrt worden. England. — England wird gemeinsam mit König Menelik von Abessynien einen Feldzug gegen den Mahdi Mullah im nördlichen Somaliland unternehmen. Menelik wird 20000 Krieger aufbieten, während die Engländer nür mit einer kleinen, meist aus angeworbenen afrikanischen Eingeborenen bestehenden Truppe von der Küste her den Angriff unterstützen werden. Ob sie Menelik hindern können, das nördliche Somaliland seinem Reiche einzuverleiben, erscheint sehr fraglich. Rußland. = Die Untersuchung gegen den Attentäter Karpowisch wird geheim, aber sehr energisch geführt; obwohl Karpowitsch behauptet, die That völlig aus eigener Initiative begangen zu haben, zweifelt man nicht an dem Bestehen einer weit verzweigten Verschwörung gegen das Leben des Ministers Bogolepow und wohl auch anderer hoher Würdenträger. Das unerbittliche Vergehen der russischen Regierung dreihundert Studenten der Kiewer Hochschule gegenüber, die, weil sie Unruhen hervorgerufen hatten, auf des Ministers Bogolepows Rat ins Militär gesteckt wurden, gab wohl den letzten Anstoß zur Verschwörung. Von den als Soldaten eingereihten Studenten weigerten achtzehn die Leistung des Treueides. Sie wurden vor ein Kriegsgericht gestellt und zum Tode verurteilt, auf Befehl des Kaisers jedoch begnadigt. Ueber das Schicksal der achtzehn jungen Leute herrscht jedoch Unklarheit, und nicht zum wenigsten wächst dadurch die Erregung unter der studierenden Jugend. Vor etwa zwei Wochen kam ein Studierender der Petersburger Universität zu seinem Vater, einem hochgestellten Beamten, und teilte ihm mit, daß auf ihn das Los gefallen sei, wonach er einen hohen Staatswürdenträger zu ermorden habe. Er könne es nicht fertig bringen, fürchte aber die Rache seiner Gefährten. Der verzweifelte Vater beschloß sofort, mit dem Sohne ins Ausland zu reisen und von dort aus die russischen Behörden zu warnen. Er begab sich in die Stadt. Als er zurückkam, fand er den Sohn als Leiche. Dieser hatte sich das Leben genommen. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß die lange schlummernde Propaganda der That in den russischen revolutionären Kreisen wieder in Aufnahme zu kommen beginnt, und daß diese Kreise ihr Hauptquartier, wenn man vom geheimen Denksprüce, Sprichwörter 2c. Eine böse Zunge tötet mehr als Henkerhand; der Henker tötet einen Menschen, eine böse Zunge viele. Spanisch. * Ein jeder giebt den Wert sich selbst. Wie hoch ich Mich selbst anschlagen will, das steht bei mir. So hoch gestellt ist keiner auf der Erde, Daß ich mich selber neben ihm verachte. Den Menschen macht sein Wille groß und klein. Schiller. gelegenheit in Ordnung bringen wird, sobald er Gelegenheit dda= Wort geben zu wollen, wie Sie es zu nennen belieben, plagt Sie zu findet." denn rein der Satan?“ „Na, wenn er will, wird er's bald können, denn wir wissen!„Ich brauchte früher niemals Befehle abzuwarten, um die ganz gut, daß Madeira und die Kanarischen Inseln nicht weit Mannschaft anspornen.“ ab von unserem Wege liegen. Legt er aber auch dort nicht an,„Hören Sie, Sir, ich rate Ihnen, nehmen Sie sich in acht,“ rief er jetzt mit vor Wut zitternder Stimme,„ich durschaue Ihr Spiel, werde demselben aber bald ein Ende machen, wie es Das Wrack des Grosvenor. Von Clark Russell. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Von der Mannschaft lagen einige frauchend auf ihren Pritschen, andere in ihren Hängematten, meist das eine Bein oder beide Beine über den Rand hängen lassend; einer flickte seine Jacke, ein anderer schmierte seine Stiefel, mehrere spielten Karten an einer Kiste. Während ich so dastand, rief auf einmal eine Stimme: „Maats, da ist Mr. Royle, wir wollen ihn bitten, uns den Namen des Hafens zu sagen, den der Kapitän der Lebensmittel wegen anzulaufen beabsichtigt. An Spanien sind wir schon vorbei, ich denke, wir haben jetzt lange genug gewartet.“ „Laßt mich mit solchen Fragen ungeschoren, Kinder," beugte ich gleich vor, als ich eine allgemeine Bewegung unter den Leuten sah:„Ihr wißt, ich würde Euch ja herzlich gern bessere Verpflegung geben, aber ich kann's doch nicht; was ich für Euch thun konnte, habe ich gethan, und ich bin überzeugt, daß der Kapitän die Anso soll uns der Teufel kielholen, wenn wir uns ohne besseres Futter noch einmal so schinden lassen, wie die letzte Nacht. Das hält kein Mensch aus. Wir würden ja lieber auf einer Kohlenbarke von Gravesend bis Whitstable ersoffene Ratten fressen, als hier auf diesem verdammten Hucker noch länger das wurmige Brot und Aas verschlingen, was jeder Wilde wieder ausspeien müßte." Das war der Lohn für meine Neugierde und die wohlIhnen nicht gefallen wird, darauf können Sie sich verlassen.“ „Welchem Spiel, Sir? Was meinen Sie eigentlich?“ „Welchem Spiel fragen Sie noch? Nun, Ihrem höllischen, meuterischen Spiel!" brüllte er.„Und nun kein Wort weiter, Sir, das bitt' ich mir aus. Ich kenne Sie jetzt, ich habe Sie beobachtet, Das wvar der Lomn vyr weine g, gägit, ukar ihr gutes Sie spielen falsch und versuchen Ihr verdammtes, rebelisches gemeinte Absicht, den Kerlen freundlige worte uue. o, Vov., haben unter feinen Manieren zu verbergen; aber kommen, Verhalten während der vergangenen Nacht sagen zu woben, Eie mitr nur, ich werde Ihnen heimleuchten. Aus meinen Augen, Got bewahrel“ dachte ich, anur schnell fort, honsf, girsighpge gir; tobte er, mit dem Fuß stampfend,„scheren Sie sich nach Böse, der Kaopitän hört etwas, und ich gelte wieder(Hrex Zavon. hinten; Sie sind eine Schlafmütze, ein ganz unnützer Brotfresser rer und Rädelsführer drin.“ 3ch machte wich„ Ggren Eig gwr. Sie solen noch merken, wie ich mit Ihnen umspringen werde, bei börte aber noch noch wie mir einer nachschrie:, gug, Sve, Ve, mir sind Sie an den Unrechten gekommen; ich sage Ihnen noch Royle, Sie können dem Kapitän einen schönen Gruß ausrichten mir ine......„ und ihm sagen, wir würden die fetten Schweine, die da im einmal: nehmen Sie sich in acht vor mir!" Langboot grunzen, schlachten, wenn wir nicht bald was Ordent= Diese letzten Worte unterstützte er zum Ueberfluß noch mit liches zu essen bekämen. Wir thun's passen Sie auf.“= einer drohenden Bewegung des Zeigefingers, indem er, schon im Als ich das Hüttendeck erreichte, erwartete mich schon mein Fortgehen begriffen, sich mir noch einmal zuwandte. Der Mann Unglück. Natürlich hatte Coxon, der dort noch stand, mich beobachtet. Er fragte sofort, was ich mit den Leuten gehabt hätte. „Ach,“ antwortete ich,„ich blickte nur einen Augenblick zu ihnen hinein, um ihnen ein paar freundliche Worte in Bezug auf die Nachtarbeit zu sagen.“ „Welcher gute Geist hat Ihnen das wieder eingegeben?“ fuhr er mich an;„wie kommen Sie dazu, den Leuten freundliche schäumte komplett vor Wut, er wußte offenbar gar nicht mehr, was er that, denn er schritt gerade in der Richtung weg, in welche er mich soeben verwiesen hatte, d. h. er begab sich nach hinten, blieb hier in der Nähe des Rades stehen, und starrte mit dem Ausdruck unbeschreiblicher Feindseligkeit in seinem kreidebleichen Gesicht nach mir hin. (Fortsetzung folgt.) Zentralkomitee in Zürich absieht, in Südrußland, in Kiew und Odessa, aufgeschlagen haben. Türkei. = Der Prozeß gegen die in Saloniki verhafteten Bulgaren soll in dieser Woche beginnen. Die Anklage lautet auf Hochverrat. Da Rußland und die Pforte einig darin sind, die großbulgarische Bewegung niederzuhalten, wird die Strafe wohl sehr streng ausfallen. England und Transvaal. + Ueber die Verhandlungen, welche zwischen Lord Kitchener und Sir Milner einerseits und Botha andererseits gepflogen werden, schreibt die„Deutsche Tageszeitung":„Schon das Anknüpfen von Verhandlungen mit den Buren ist ein Beweis, daß das britische Programm der südafrikanischen Politik bruch erlitten hat. Bisher bildete völlige Unterwerfung und Vernichtung der Buren und ihrer Republiken den obersten Grundsatz der Engländer. Sie machten sogar eine Zeitlang der Versuch, die Buren als Rebellen hinzustellen. Jetzt sieht man sich gezwungen, Frieden mit ihnen zu schließen, also ihre Existenz und gewissermaßen ihre Gleichberechtigung anzuerkennen, und zwar in demselben Augenblick, wo der neue Gouverneur Sir A. Milner in Prätoria eingetroffen ist, um angeblich die Zivilverwaltung dort einzurichten und die Fiktion von der Eroberung der Republiken augenscheinlicher zu machen. Hat man sich erst auf Verhandlungen eingelassen, so muß man den Buren auch eine gewisse Selbständigkeit zugestehen. Sonach ist die britische Politik, die nicht nur Südafrika, sondern ganz Afrika für sich beanspruchte, zusammengebrochen. Geht man in seinen Schlüssen ans Ende, so kann man sagen, England hat durch den frivolen Krieg Südafrika verloren, denn der vor kurzem noch unglaubliche Erfolg der Buren wird auf die Afrikander einwirken. Die antienglische Strömung auch im Kaplande wird bald zunehmen und ihre Wirkung deutlich zeigen. Der Zusammenschluß der Buren und der übrigen Afrikaner wird sich rasch vollziehen. England kann den empfangenen Stoß niemals wieder verwinden.“ + Auf englischer Seite scheint man die Kapitulation Bothas als gesichert zu betrachten und erwartet dieselbe noch vor Ende dieser Woche. Die Buren auf europäischem Boden sind von dieser Aussicht wenig erbaut und verhalten sich ihr gegenüber etwas skeptisch. So äußerte in einer Versammlung zu Münfter der bekannte Burenkommandant Jooste:„Die Kunde von den Friedensverhandlungen ist eine alte Geschichte, sie liegt im Bereiche der Möglichkeit, aber ich glaube nicht daran, am wenigsten glaube ich, daß Botha sich ergeben wird. Wenn er Frieden schließt, so thut er das, wonach wir alle uns sehnen, wir und alle unsere Freunde in Deutschland, nach Frieden und Freiheit für unser Land. Daß er sich bedingungslos ergiebt, daß er den edlen Präsidenten Steijn und den tapferen General Dewet ihrem Schicksal überläßt, das ist eine Lüge, die niemals wahr werden kann.“ Und an anderer Stelle:„Botha hat nicht das Recht, Frieden zu schließen, Botha ist nicht der Gott von Transvaal; unser Volk macht bei uns alles.“ In Bezug auf die gegenwärtige Stimmung der Buren führte Jooste aus:„Wir sind jetzt so weit, daß wir nichts mehr zu verlieren haben, das Blut ist uns warm geworden, und Jeder schreit nach Rache." Jooste sprach in dem mit dem Münsterländer Platt viel Uebereinstimmung zeigenden südafrikanischen Holländisch, und seine Rede, die von der Mehrzahl der Anwesenden verstanden wurde, wurde an den markantesten Stellen mit lebhaften Beifallsbezeigungen begleitet. + Nach einer Meldung des„Reuterschen Bureaus" aus Lourenzo Marques ist General Botha vollständig bereit, sich zu ergeben, und verlangte einen Waffenstillstand, um mit Dewet in Verbindung zu treten. Man glaubt, daß Botha auch in dem Falle sich ergeben werde, wenn Dewet dies nicht thun würde. Die Eisenbahn zwischen Lourenzo Marques und Pretoria ist frei von Buren. Da letztere keine Munition für ihre Artillerie haben, vergraben sie nicht nur ihr schweres Geschütz, sondern auch die Pompom=und Maxim=Geschütze. Dewet=Anekdoten. + In der„Kriegskorrespondenz" erzählen Augenzeugen folgende Episoden aus dem Leben de Wet's: Es war anfang Mai 1900, als de Wet zuerst unter uns sich einen Namen machte. Die große Armee Lord Robert's war auf ihrem Pilgerzug nordwärts. Auf der Bahnlinie selbst fanden wir wenig Opposition, aber östlich derselben hing de Wet, der hartköpfige und entschlossene Burenführer, an der Nachhut der Division Hamilton, diese fast zu täglichen Gefechten zwingend und den Transport hindernd. Zwischen Natalspruit und Standerton traf de Wet, während er nordwärts vorzudringen versuchte, plötzlich eine starke britische Streitmacht dicht vor seinem Train. Was thut er? Statt zurückzugehen, ging er nach Einbruch der Dunkelheit direkt auf unser Lager zu und zog mit seinem ganz endlosen Wagenzuge mitten durch dasselbe auf der Heeresstraße hindurch. Er wurde angehalten, aber ohne in Verlegenheit zu geraten, fragte er einfach nach einem anderen britischen Korps, das weiter vorne lag und zu dem er den Transport zu bringen hätte, und man ließ ihn passieren. Nur eine Gruppe Offiziere protestierte gegen sein Vorbeiziehen, aber nicht etwa aus taktischen Gründen oder weil man ihm mißtraute, sondern lediglich — weil seine Wagen zuviel Staub aufwirbelten. hieß, sie hätten ihren Weg verloren und könnten jeden Augenblick unseren Vorposten in die Hände fallen. Die vordersten britischen Reihen standen fertig zum Gefecht, alles war für einen mitternächtlichen Angriff vorbereitet, und wir nahmen mindestens an, daß der große Kampf bei Tagesgrauen beginnen werde. Als aber die Sonne aufging, fanden wir was? Etwa 40 leere Karren, gezogen von einigen abgetriebnen Ochsen, die de Wet die ganze Nacht hindurch vor unserer Nase um unser Lager hatte hin= und herfahren lassen und die nun im weiten Kreise um uns her standen. Alles, was wir erbeuteten, waren einige Schwarze und ein halbes Dutzend Weiße, alles Invalide, die die„Operationen“ zu leiten beauftragt gewesen. de Wet selbst mit seinem ganzen Kommando, seinem langen Wagenzug, allen Vorräten u. s. w. war in aller Ruhe und unbelästigt uns vor der Nase weggezogen, hatte den uns flankierenden Höhenzug ungestört passiert, unseren linken Flügel umgangen und befand sich bereits einige zwanzig Meilen weit weg. Selbst das aber erfuhren wir erst viel später. An jenem Morgen hatten wir nicht die geringste Ahnung, wohin er sich gewendet. Kurz, er hatte einen 24stündigen Vorsprung gewonnen. 4 Zwei Nächte später wurde ein Posten an dem Eisenbahnübergange etwa 12 englische Meilen westlich von Johannesburg auf der Krügersdorp=Linie durch das Erscheinen eines Kavaleristen in Helm und Uniform der berittenen Infanterie überrascht, welcher nach dem Wege zu Florida=Station fragte. Der Posten drehte sich um, um jenem die Richtung zu zeigen, als er plötzlich einen Revolverlauf an der Schläfe fühlte und der angebliche englische Reiter ihm zuraunte:„Kein Ton und kein Haar soll Dir gekrümmt werren." Damit nahm er dem überraschten Posten das Gewehr ab und ließ ganz nach Art der Kinderstuben=Räubergeschichten einen dreimaligen Pfiff ertönen. Gleich darauf kam eine Anzahl Männer hinter einem naheliegenden Schuppen hervor, denen wenige Minuten später die Spitze einer langen Kolonne berittener Männer und ein langer Zug von Kapkarren und Handpferde folgte, die ruhig die Straße herab und über die Bahn hinwegzogen. Der Posten taxierte die Boeren auf wenigstens 2000 Mann mit über 80 Karren. Als alle vorüber waren, sagte der „englische Reitersmann,“ welcher den Posten überrascht hatte, freundlich lächelnd:„Deine Ablösung wird in etwa einer Stunde kommen. Wenn Du Deinen Platz vorher verläßt, bist Du eine Leiche, ich lasse einen sicheren Schützen hier hinter jenem Schuppen mit dem Auftrage, Dich niederzuschießen, sobald Du Dich rührst. Wenn Deine Ablösung kommt, kannst Du dem kommandierenden Offizier sagen, daß Christian de Wet und sein Kommando hier zwanzig Minuten vor Eins durchgerückt ist. Denselben Abend kam die Meldung, daß eine andere Boerenabteilung den Hauptbahnkörper gekreuzt habe und nordwärts gezogen sei, daß der Posten bei Natalspruit bei Tagesanbruch gefangen genommen und die dortige Brücke von den Buren in die Luft ge,sprengt sei. Bei welcher von den beiden Abteilungen sich General de Wet befand, war schwer zu sagen. Ich selbst glaube, er war mit derjenigen im Osten, aus dem einfachen Grunde, weil er uns glauben machte, daß er bei dem westlichen Kommando sich befinde. * + Als De Wet alle Vorräte und die riesigen Quantitäten von Munition, Uniformen u. Unterzeug bei Vredeweg weggenommen hatte, sagte er zu den Gefangenen:„Jetzt haben wir mehr, als wir brauchen. Faßt zu und nehmt für Euch, was Euch gefällt" Und bald plünderten Boeren und Briten um die Wette und ohne Ansehen der Person unsere Vorräte, von denen jeder nahm, was er erschleppen konnte. Ein Burgher und ein„Tommiy“ schlugen sich fast um den Besitz einer Kamera, welche für einen Offizier bestimmt war. Die Postsäcke waren alle aufgerissen, und die ganze Veldt war mit Briefen und Zeitungen bedeckt. Einige von diesen wurden später aufgesucht und gelangten doch an ihre Bestimmung. Wunderlicher Weise befand sich unter ihnen auch ein Brief an mich selbst, welcher sorgfältig zusammengebunden, mir mehrere Wochen später mit der Aufschrift zuging:„Auf dem Veldt gefunden und weiter expediert.“ Als die Boeren abrückten, war es schwer, Sieger und Gefangene von einander zu unterscheiden, denn alle trugen ganz neue Winteranzüge von Khaki und eine Art von kurzen Jaquettes, bekannt unter dem Namen„Britenwärmer.“ Während dessen zitterten 12000 Engländer bei Prätoria in der Kälte, denn das, was für sie bestimmt war, hatten de Wet und seine Gefangene genommen und die Reste waren verbrannt worden. Mandschurei durch die Russen mehr thun, als platonisch protestieren. Die Proteste bürften aber, nachdem die Politik Rußlands seit der Besetzung Port Arthurs darauf gerichtet war, sich in den Besitz der Mandschurei zu setzen, keinen Erfolg haben. Man scheint denn auch aus guten Gründen geneigt zu sein, sich mit der vollendeten Thatsache abzufinden. Die amerikanische Regierung hat daher mit ihrem letzten Schritt nicht viel erreicht. Unter diesen Umständen dürfte die Mandschurei— und sicherlich noch manches andere— für China verloren sein. + Wie verlautet, sind deutsche Kapitalisten mit einem hohen chinesischen Beamten über die Errichtung von Arsenalen in Nanking, Wuschang, Tschengtu und Schantung in Unterhandlung getreten. + Von einer Heldenthat deutscher Pioniere berichtet ein deutscher Offizier in Schanheikwan:„Von unseren Truppen verdienen die Beamten des Proviantamts und unsere Pioniere besondere Anerkennung. Was ich von letzteren gesehen habe— Hut ab! In den letzten zwei Tagen haben sie wohl 150 Mann das Leben gerettet. Es handelte sich darum, österreichische, japanische und russische Boote, im ganzen sieben Stück mit je 20—25 Mann Besatzung, zu retten. Die Boote hatten versucht, von ihren Kriegsschiffen zu landen. Die großen Schiffe müssen ungefähr 1000 Mter vom Lande entfernt Anker werfen, weil das Meer zu seicht für ihren Tiefgang ist. In den letzten Tagen war es nun sehr kalt gewesen und der Hafen war bis zu den Schiffen voll Packeis, eine dicke breiige Masse. Die Boote saßen nun plötzlich zwischen 50—100 Meter vom Lande im Eise fest; es war früh 11 Uhr, eine Rettung war ausgeschlossen, und wir standen noch nachmittags um 4 Uhr alle ratlos am Strande; in einer Stunde ging die Sonne unter, und am anderen Morgen wäre alles erfroren gewesen. Die Kriegsschiffe konnten auch nur zusehen, es gab kein Vorwärts und Rückwärts; über die Eisschicht zu gehen war nicht möglich, ein Stein in der Größe einer Faust sank sofort unter. Da binden sich drei beherzte Pioniere Bretter unter die Füße, so groß wie Dielen, nehmen riesige Schiffstaue und bringen tollkühn, langsam rutschend, die Taue zu den Booten. Abends 8 Uhr war alles an Land. Ich hoffe, die Leute und der betreffende Offizier werden dafür entsprechend ausgezeichnet werden. Hätten es die Deutschen nicht gethan, hätte nicmand geholfen, obwohl die eigenen Landsleute, Russen und Japaner, ohne zuzugreifen am Strande standen. Hundert Meter vom Strande sank übrigens ein russisches Boot, da es bis oben voll Wasser war, und die Leute, die durch das stundenlange Sitzen im Eiswasser völlig erstarrt waren, wurden an Stricken durch das Wasser ans Land gezogen und dann fortgetragen, wie kandierte Salzsäulen. + de Wet hatte seinen berühmten Marsch quer durch den Oranjefreistaat gemacht und westlich von Prätoria bei Rustenburg unsere Linien durchbrochen, als er 18 englische Meilen nördlich von Warmbaad auf ein überlegenes englisches Korps stieß. Am Abend vorher war die englische Armee voll Jubel, denn man nahm an, daß man den geriebenen Buren in der Hand habe. Man hatte ihn erfolgreich abgehalten, seine Streitkräfte mit denen Botha's zu vereinigen; sein Rückzug seitwäts war angeblich ebenso abgeschnitten, und es war ihm nichts übrig gelassen als sich zu stellen und auf Leben und Tod zu kämpfen, oder sein Kommando in kleine Abteilungen zu zersplittern und sie im Veldte verschwinden zu lassen. Es war Mitternacht. Wir hatten uns schlafen gelegt in der Ueberzeugung, am Morgen de Wet nach kurzem Kampfe zur Uebergabe zu zwingen. Da plötzlich wurden sämtliche Truppen alarmiert, und bis zum Tagesgrauen standen wir unter Waffen, ohne zu wissen, weshalb, und harrend dessen, was kommen sollte. Aus der Richtung von de Wet's Lager hörte man Geräusch und viel Hin und Her, das Knarren von Rädern und die Zurufe der Kaffer=Wagenführer. Irgend etwas war los, aber niemand wußte, was. Die Buren schienen verwirrt, und es + Hauptmann Corballis, der jenen riesigen Transporteisenbahnzug kommandierte, welcher der Hochlandbrigade unter General Hamilton Hilfe bringen sollte, aber von de Wet weggenommen wurde, erzählte mir einiges über de Wets Persönlichkeit. Nach dem Hauptmann ist de Wet überaus freundlich und gerecht. Er hatte seine Leute gut in der Hand und diese achteten und fürchteten ihn. Die Offiziere jenes Transportes hatten, wie das bei der englischen Armee üblich ist, gemeinsam einen Offiziersmesse wagen, ein leichtes, zweirädriges Gefährt, das etwa 600—700 Pfund zu tragen vermochte und gewöhnlich mit Delikatessen beladen war, die nicht auf der Rationsliste standen. Als die Buren ihre Beute musterten, welche aus 50—60 Wagen bestand, entdeckten dieselben auch diese wertvolle Prise. Als aber de Wet hörte, daß dieselbe den gefangenen Offizieren gehörte und deren Privateigentum sei, stellte er einen Posten daneben und nicht das geringste wurde angerührt. An demselben Tage saßen die Offiziere beim Frühstück, das aus Straßburger Gänseleberpastete, Pickles und Eingemachtem bestand, als sie 2 Männer bemerkten, welche an einem Feuer liegend, etwas Konservenfleisch in einer Pfanne braten ließen. Es war General de Wet mit einem seiner Offiziere, und einer der Engländer ging sofort hinüber und fragte den General, ob er nicht mit ihnen frühstücken wolle. Zuerst lehnte er ab, aber als sein ganzer Stab gleichfalls eingeladen wurde, nahm er die Einladung an und kam mit demselben zu uns. Wunderlicherweise drehte sich die Unterhaltung keineswegs um den Krieg, sondern um Bewirtschaftung von Gütern und deren Bewässerung. Später äußerte sich de Wet zu einem seiner Gefangenen über den Krieg. Er erklärte, er wisse sehr wohl, daß die Buren keine Aussicht hätten, zu siegen, aber er wäre entschlossen, sein Bestes zu thun, damit der Krieg der teuerste würde, den die Engländer jemals unternommen hätten. Er hat diese Drohung bis heute thatsächlich wahr gemacht. Wirren in China. + Wie zu erwarten, wird in der Mandschureifrage bereits zum Rückzug geblasen. Nach den letzten Meldungen wird keine der interessierenden Regierungen gegen die Annektierung der + Wie amtlich bekannt gemacht wird, traf der Dampfer Kiautschau“ mit den aus Ostasien heimkehrenden Dienstunbrauchbaren(6 Offiziere und 215 Mannschaften) am 10. März in Singapore ein und setzte am 12. März seine Reise .+#. Dem Chef der chinesischen Zollverwaltung, Sir Robert Hart, ist nunmehr durch den deutschen Gesandten in Peking, Mumm von Schwarzenstein, der Kronenorden l. Klasse überreicht worden, welcher ihm vom Kaiser im Frühjahr vorigen Jahres verliehen worden ist. + Der nmerikanische Gesandte Conger hat Peking mit sechsmonatigem Urlaub verlassen. Alle Gesandten waren zum Abschiede am Bahnhofe erschienen. + Aus China kommen böse Nachrichten: Li Hung. Tschang ist wieder einmal„erkrankt". Das ist er jedesmal, wenn er sich politisch wieder gekräftigt fühlt. Wahrscheinlich hat ihn die amerikanische Note gestärkt. Er muß sich sogar übermütig fühlen, denu das Bulletin lautet:„Li Hung Tschang's Leben hängt an einem Faden". Kein Wunder, daß die Verhandlungen auf den„toten“ Punkt angelangt sind. Hoffentlich wird Graf Waldersee dem alten Fuchs bald wieder etwas„Eisen" verschreiben; das hat ihn bis jetzt immer sofort gesund gemacht. Lokales. und Kreis. ** Schwerte, 13. März. Wie der„Gemischte Chor“, der zur Verschönerung des geselligen Lebens so viel beiträgt, so ist auch der Verein, der sich die Verschönerung der Straßen und Plätze der Stadt zum Zweck gesetzt hat, nach mehrjährigem Schlummer wieder ins Leben gerufen worden: der„Verschönerungsverein“, hat gestern abend im Ostermann'schen Saale seine erste Generalversammlung abgehalten, die gegen 9 Uhr vom Vorsitzenden, Herrn Rechtsanwalt Backhausen eröffnet wurde. Die Rechnungslegung ergab einen Kassenbestand von 1630 Mk., mit den von der Stadt bewilligten 300 Mk. zusammen 1930 Mk. Als jährlicher Beitrag wurde auf Antrag des Herrn Rendant Uffelmann 2 Mk. jährlich festgesetzt. Die Verwendung der Mittel soll in einer Fünfmänner=Kommission, bestehend aus den Herren Bürgermeister Rohrmann, Rechtsanwalt Backhausen, Rendant Uffelmann, Auktionskommissar Hohenschwert und Holzhändler Homel vorberaten werden. Punkt 4 der Tagesordnung: Verwendung von 300 Mk. zur Verschönerung dei Anlagen des Bürger=Schützenhauses, führte zu einer längeren Debatte. Der Vorsitzende bat, den Antrag abzulehnen und ev. auf andere Weise, Verzicht auf Zinsen u. s. w. zu dem gewünschten Ziele zu kommen. Die Annahme des Antrages verbiete sich aus 3 Gründen: 1. die Stadt habe die 300 Mk. nur unter der ausdrücklichen Bedingung gewährt, daß dieselben zu kommnnalen, nicht zu privaten Zwecken verwendet werden; 2. die Stiftung von 2000 Mk. seitens des Nickelwalzwerks sei unter derselben Bedingung erfolgt und es sei unklug, das Wohlwollen dieser Seite zu verscherzen; 3. die Begünstigung einer privaten Gesellschaft würde dem Verein die Sympathie weiterer Kreise der Bürgerschaft entziehen und viele abhalten, dem Verein beizutreten. Herr Rendant Uffelmann befürwortet den Antrag, indem er darauf hinweist, daß die Verschönerung des Schützenplatzes im öffentlichen Interesse liege, da jeder die Anlagen besuchen könne. Herr Fabrikbesitzer Fleitmann führt dagegen an, daß der Schützenverein das Recht habe, den Besuch zu verbieten, wie es in anderen Städten thatsächlich geschehen sei, ein kommunates Interesse sei also nicht vorhanden. Außerdem sei es sehr bedenklich, wegen der 300 Mark, an welchen dem kapitalkräfligen Schützenverein doch nur wenig gelegen sein könne, sowohl das Wohlwollen des Nickelwalzwerks als auch die Sympathie der Bürgerschaft zu verscherzen; er sei überzeugt, daß der Schützenverein das Opfer unter diesen Umständen nicht einmal annehmen werde. Unter dem Gewicht dieser Gründe— nachdem noch klar gelegt war, daß die Stadt durchaus keine rechtliche Verpflichtung zur Zahlung der 300 Mk. hatte, also wohl berechtigt war, Bedingungen daran zu knüpfen— wurde der Antrag zurückgezogen und war damit obgelehnt. Es erfolgte nunmehr die Verlesung der Vereinssatzungen und zum Schluß die Neuwahl des Vorstandes, der in Erwartung, daß die Mitgliederzahl auf mehrere Huudert anwachsen wird, aus 15 Mitgliedern bestehen soll. Es wurden gewählt die Herren: Backhausen, Bädeker, H Duhme, Fleitmann, Greve, Aug. Heppe, Hohenschwert, Homel, Maag, E. Müller, Niederstadt, Rohrmann, Schuhmacher sen., Stricker und Uffelmann. Mit dem Wunsch, daß der Verein eine Stricker und Uffelmann. Mit dem Wunsch, daß der Verein ersprießliche Thätigreit zum Wohle der Vaterstadt Schwerte entfalten möge, schloß der Vorsitzende die Sitzung. Schwerte, 12. März.(Haupt=Jahresversammlung der Pensionskasse für die Beamten der Kreise, Städte und9 4; anderer Korporationen, sowie die Vorschriften über die Ausführung der Fürsorgeerziehung Minderjähriger werden dem nächst zur ministeriellen Genehmigung unterbreitet werden. Die heutige Sitzung des Westfälischen Provinziallandtages wird voraussichtlich die letzte sein, die derselbe in diesem altehrwürdigen Saale abhält. So kann ich denn nur wünschen und hoffen, daß der Geist der Eintracht und Vaterlandsliebe, der hier allezeit bei den Verhandlungen der Provinzial=Vertretung gewaltet hat, unverändert auch auf deren Fortsetzung in den glänzenderen Räumen des neuen Landhauses übergehen möge. Hochgeehrte Herren! Gottes Gnade hat in der Stunde verhängnisvoller Gefahr unseren vielgeliebten Kaiser und König vor ernster Schädigung behütet. Daß dieser tieftraurige Vorgang keine weiteren nachteiligen Folgen für die Gesundheit unseres erhabenen Monarchen nach sich ziehen möge, ist unser aller Gebet. Im Allerhöchsten Auftrage erkläre ich den 42. Provinzial=Landtag von Westfalen für geschlossen.“ des Gesangverein„Sängerbund.“) In der gestern Avend im Vereinslokal stattgefundenen Haupt=Jahresversammlung gab vor Eintritt in die Tagesordnung der Vorsitzende Herr Mendel eine Uebersicht über das abgelaufene Vereinsjahr, wobei er besonders hervor hob, daß das mit dem 31. März abgeschlossene Jahr für die aktiven Mitglieder ein sehr kritisches gewesen sei. Die Krisis sei jedoch glücklich überwunden worden. Das Interesse für den Gesang, das in der ersten Hälfte des Jahres fast erloschen schien, sei im Herbst durch die Wahl des Herrn Musikdirektors Steinkühler=Hagen zum Vereinsdirigenten wieder auf das kräftigste angeregt worden und der Verein habe sich so günstig entwickelt, daß er gegenwärtig 60 aktive Mitglieder zählt, welche regelmäßig an den gesanglichen Uebungen teilnehmen. Der Vorsitzende gab zum Schluß der Hoffnung Ausdruck, daß noch mancher, der über eine gute Stimme verfügt, aber dem Verein bisher noch fernsteht, sich zur Aufnahme melden werde. Punkt 1 der Tagesordnung betraf Vorstandswahl; der seitherige Vorstand, welcher sich aus den Herren Mendel als 1. Vorsitzender, Mötting als 2. Vorsitzender, Schnettler als Kassierer, Holsiepe als 1. Schriftführer, Kuhlen als 1. Bücherwart, Schaffstein als 2. Bücherwart, Wedekind und Tillmann als Beisitzer, Uffer und Haarmann als Fahnenoffiziere, Fietz als Fähnrich, Krieger und Kemper als Kassenrevisoren zusammensetzte, wurde einstimmig wiedergewählt. Punkt 2 betraf Festangelegenheiten. Bei dem diesjährigen Konzerte des Vereins, welches am Sonntag den 21. April im Hagemann'schen Saale stattfindet, wird die gesamte städtische Kapelle aus Hagen sowie eine auswärtige Sängerin mitwirken. Das Programm wird in allernächster Zeit endgiltig festgesetzt und in der Zeitung bekannt gemacht werden; schon jetzt sind Karten zu 75 Pfg.— der Kassenpreis ist auf 1 Mk. festgesetzt— zu haben. Ferner wurde einstimmig beschlossen, sich in diesem Jahre an einem größeren Gesangwettstreit zu beteiligen. Am Sonntag, den 18. März, veranstaltet der„Sängerbund“ in Gemeinschaft mit zwei Gesang=Vereinen, und einem gemischten Chor, welche gleichfalls unter der Leitung des Herrn Steinkühler stehen, im Viktoria=Hotel in Hagen ein größeres Aus Westfalen und Rheinland. * Essen, 12. März.(Ein guter Steuerzahler). Fabrikbesitzer Krupp hat in diesem Jahre für seine Steuereinschätzung das Einkommen von 21 Millionen Mark angegeben, gegen 16 Millionen Mark im vorhergehenden Jahre. * Saarbrücken, 11. März. Frhr. v. Stumms Werke sollen nach seinen letzwilligen Anordnungen in einer Aktiengesellschaft unter Leitung der bisherigen erprobten Werksdirektoren vereinigt bleiben. Bunte Chronik. Seit Sonnabend nacht bedeckt eine rötliche Wolke den Himmel über der Stadt Palermo. Der ganze Himmel erscheint tief gerötet, ein heftiger Südwind weht. Die gefallenen Regentropfen haben das Aussehen geronnenen Blutes. Die Naturerscheinung, welche unter dem Namen Blutregen bekannt ist, wird auf den afrikanischen Wüstensand zurückgeführt, der vom Winde herüber getrieben worden ist. Dieselbe Erscheinung wird auf Eigener der„Schwerter Hd. Lüttich, 13. März. Der wegen Ermordung des belgischen Försters Michel angeklagte Paulsen ist zu lebenslänglichem Zuchthaus, der Belgier Francois, welcher dem Toten die Uhr entwendet hatte, zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Hd. London, 13. März. In Kreisen, welche dem Kriegsamt nahestehen, verlautet, daß die Regierung stündlich die Kapitulation Botha's erwartet. Botha soll von den Bedingungen, welche Lord Kitchener ihm gestellt hat, angenehm überrascht worden sein. Er hatte befürchtet, daß die Buren unter dem Militärgesetz zu leben gezwungen sein würden, während nach Kitchener's Vorschlag nur englische Polizeiverwaltung eingeführt werden soll, die bekanntlich nicht zu fürchten ist. Die Mehrzahl der Unterkommandanten Botha's soll zur Kapitulation geneigt sein. Englischerseits werden bereits Vorräte für die Buren herangeschafft. Hd. London, 13. März. Aus Pemberton wird gemeldet: Botha erwartet nur das Eintreffen Dewets, um sich endgiltig über die Kapitulationsbedingungen zu entscheiden. Die Konferenz der Burengenerale, einschließlich Dewets, wird voraussichtlich am Freitag stattfinden. Der Abschluß eines Waffenstillstandes gilt als sicher; er wird jedoch den Fortgung der Operationen des Burenkommandos im Osten nicht hindern. Hd. London, 13. März. Einem Telegramme aus Rocksville zufolge hat gestern bei Gresfontein ein Scharmützel zwischen Buren und einer englischen Patrouille stattgefunden. Die Burenfrauen erklären, der Krieg werde kein Ende nehmen. Hd. Kapstadt, 13. März. 11 neue Pestfälle sind hier sestgestellt worden. Unter den Erkrankten sind 2 Europäer. Hd. Tanger(Nordafrika), 13. März. In der Provinz Sus ist ein Aufstand ausgebrochen. Der Sultan wird an der Spitze eines Heeres nach Sus abgehen, um die Empörung zu unterdrücken. Steinkühler stehen, im Viktoria=Hotel in Hagen ein größeres herüber getrieben worden ist. Dieselbe Erscheinung wird auf Konzert, wozu die passiven Mitglieder sowie die Damen sämtlicher der ganzen Insel Sizilien beobachtet und auch in Süditalien wahrMitglieder freien Zutritt haben. Möge der Verein„Sängerbund“ sich in dieser erfreulichen Weise weiter entwickeln! ** Rindviehzuchtverein im Kreise Hörde zu Schwerte. In der letzten Generalversammlung des Lokalvereins für Landwirtschaft und Gewerbe der Stadt Schwerte und des Amtes Westhofen hat sich unter dem Namen„Rindv ehzuchtverein im Kreise Hörde zu Schwerte eingetr. Veren.“ ein Zuchtverein gebildet, welcher den Zweck hat, den züchterischen Bestrebungen der hiesigen Umgegend unter Zugrundelegung des bereits vorhandenen Zuchtmaterials ein gemeinsames Ziel zu setzen, welches durch Beschaffung guten Zuchtmaterials, zunächst guter Zuchtbullen erreicht werden soll. Die Eintrittsgelder sowie die jährlichen Beiträge sind so mäßig bemessen, daß es auch den kleineren Landwirten und Köttern ist, dem Verein beitreten zu können. Ein großer Teil von Landwirten aus dem Amtsbezirk Westhofen sowie dem Stadtbezirk Schwerte und den angrenzenden Gemeinden Hengsen und Opherdicke ist dem Verein beigetreten und findet bereits am nächsten Samstag, den 16. er. nachmittags halb 4 Uhr im Li kale des Wirts Herrn Carl Raffin(zur Helle) in Schwerte die erste Generalversammlung statt, an welcher auch der Zucht=Inspektor Herr Manitius aus Münster teilnehmen wird. Wir bringen dieses mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis, daß solche Interessenten, welche an diesen gemeinsamen Bestrebungen teilnehmen und dem Verein beitreten wollen, zu der genannten Generalversammlung h erdurch ergebenst eingeladen werden und zu derfelben freien Zutritt haben, auch dann, wenn dieselben nicht besonders durch Karten eingeladen sind. ** Wie verlautet, wird ein Ferienkursus zur Weiterbildung der Elementarlehrer an der Königlichen Akademie zu Münster im Laufe dieses Sommers abgehalten werden. Derselbe beginnt mit dem 12. August und währt zwei Wochen. Fächer, in denen eine Fortbildung erfolgen soll, sind in Aussicht genommen: Religion, Pädagogik(Psychologie), Litteratur, Geographie, Physik und Landwirtschaftslehre mit besonderer Berücksichtigung der ländlichen Fortbildungs=Schule. **(Zur Schulreform). Der Unterrichtsminister hat beiden Häusern des Landtages eine Denkschrift über eine Revision der allgemeinen Lehrpläne der höheren Schulen, sowie die dadurch herbeigeführte Erhöhung der Gesamtstundenzahl und die entstehenden Mehrbedürfnisse zugehen lassen. Die Denkschrift stellt kest, daß die im Jahre 1892 eingeführten Lehrpläne für die höheren Schulen sich im allgemeinen bewährt haben. Nur in einigen Punkten hat sich bei der Fortführung der Schulreform eine Revision als angezeigt erwiesen. Das Ergebnis dieser Revision liegt in den neuen Lehrplänen vor, deren Einführung für den 1. April 1901 in Aussicht genommen ist. Die Lateinstunden auf dem Gymnasium haben eine Vermehrung erfahren, indem für Quarta und die beiden Tertien je eine Stunde zugelegt worden ist, im Ganzen also— mit der siebenten Stunde für die drei obersten Klassen— 6 Stunden. Die in der Denkschrift ausgedrückle Hoffnung, daß„diese Verstärkung dem Lateinischen die ihm im Organismus des Gymnasiums gebührende Stellung zurückgeben wird," dürfte sich jedoch nicht ganz erfüllen; von den gestrichenen 05 Stunden empfängt das Gymnasium nur 6 zurück. Auch auf den Realgymnasien, auf denen gegen den Rat der DirektorenKonferenz der Rheinprovinz der Lateinunterricht mehr und mehr vermindert war„offenbar aus Abneigung gegen weitere den Realgymnasien zu verleihende Berechtigungen,“ soll die Zahl der Lateinstunden wieder vermehrt werden; die beiden Tertien erhalten je 5 statt 4, die höheren Klassen je 4 statt 8 Stunden. *(42. Westfälischer Provinziallandtag). In seiner letzten Sitzung beschloß der Landtag:„Der Provinzial=Landtag erachtet die Erweiterung der Akademie zu Münster durch richtung einer juristischen Fakultät für ein dringendes Bedürfnis der Provinz Westfalen und ist bereit, für die Errichtung derselben materielle Mittel zur Verfügung zu stellen.“ Der Königliche Landtags=Komissar Oberpräsident Frhr. v. d. Recke hielt folgende Schlußrede:„Hochgeehrte Herren! Dank Ihrer pflichtgewohnten Arbeit und der von Ihrem verehrten Herrn Vorsitzenden wiederum in hervorragender Weise bewährten Gabe der Geschäftsleitung ist es gelungen, das umfangreiche Programm dieser Tagung schon heute zur Erledigung zu bringen. Durch die Genehmigung der Anträge des Provinzial=Ausschusses betreffs der Erhöhung des sog. Westfonds, der Fördernng von Wasserleitungsanlagen, des Erlasses einer neuen Hengstekörordnung und der Haidekultuxen in der Brechte, nicht minder aber durch Ihren Beschlaß,utper die erhöhte unterstützung der landwirtschaftlichen# schulen, haben Sie Ihre Fürsorge für die Landwirtschaft der Provinz von Neuem bestätigt. Die Landesbank der Provinz wird durch die von Ihnen in Antrag gebrachte Verstärkung ihrer Betriebsmittel zur weiteren Ausdehnung ihrer gemeinnützigen Thätigkeit in den Stand gesetzt werden. Auf dem Gebiete des Verkehrswesens läßt die Ihren Beschlüssen entsprechende Errichtung einer dem Landeshauptmann unterstellten Kleinbahn=Abteilung besten Erfolg hoffen. Das Statut genommen. In Rom ist der Himmel gelb gefärbt, es herrscht starker Sirocco; in Neapel fiel Sandregen, um 5 Uhr nachmittags gewahrte man bei tiefrotem Himmel des Schauspiels einer„Fata Morgana".— Dieselbe Erscheinung ist in Berlin und gestern sogar in Hamburg, wenn auch in großer Abschwächung, beobachtet worden. Ueber das seltsame Naturereignis, das von den Passagieren des Dampfers„Teutonic,“ wie seinerzeit im Depeschenteil berichtet, beobachtet wurde, werden jetzt folgende Einzelheiten bekannt: Der Dampfer wurde auf dem Atlandischen Ozean in einer Breite von 45,96 und einer Länge von 40,02 Grad von einer ungeheuren Welle getroffen. Bei ruhiger See und schönem Wetter dampfte das Schiff mit seiner gewöhnlichen Schnelligkeit dahin, als sich plötzlich eine riesenhafte Welle erhob, über den Bug stürzte, das Deck der ganzen Länge nach überschwemmte und wie ein Wasserfall in das Achterzwischendeck stürzte. Es waren glücklicherweise nur wenige Passagiere oben. Der gerade auf Deck befindliche Salonpassagier Mr. Stanley C. Wilson wurde gegen die Reling geworfen und erlitt einen Kinnladenbruch und auch der Zwischendeckpassagier Johann Michaelsohn erhielt schwere Verletzungen, sodaß ihm ein Bein amputiert werden mußte. Das Schiff schien in das Wellenthal zu sinken, und bevor es sich erheben konnte, war die ungeheuere grüne See über den Steuerbordbug gebrochen und donnerte auf die Luken und Verdeckhäuser nieder. Dann bekam die„Teutonic“ noch mehr Sturzseen. Die Welle ging so hoch, daß sie die Männer im Mastkorb niederwarf, sie tüchtig schüttelte und ihnen Quetschungen beibrachte. Die starken Eisenrelings wurden gebrochen. Kurz darauf war die See wieder ruhig und das Wetter schön, und nur die Verwüstungen an Bord zeigten noch an, was geschehen war. Man weiß nicht, wie man die Entstehung der Riesenwelle erklären soll; der Kapitän meint, daß sie vielleicht vulkanischen Ursprungs war. * Die Zeit verschlafen hat ein Einbrecher, der sich in das Haus Sophienstraße 28(Berlin) zu einem Bodendiebstahl eingeschlichen hatte. Nachdem er alle Verschläge geplündert hatte, legte er sich, um zu warten, bis das verschlossene Haus am Morgen geöffnet wurde, in zahlreiche übereinandergezogene Kleidungsstücke eingehüllt, hinter einem großen Reisekorb nieder. Am nächsten Vormittag um 10 Uhr kam eine Frau auf den Boden und schlug, als sie sah, daß alle Verschläge erbrochen waren, Lärm. Jetzt erst erwachte der Einbrecher und versuchte zu entkommen. Hausbewohner waren jedoch zur Stelle, verabfolgten ihm eine Tracht Prügel und überlieferten ihn dann der Polizei. Büchertisch. Wie der Feldmarschall Graf Moltke sich als Kinderfrau 70 Pfennige verdiente, diese artige Episode erzählt uns Dr. Franz Hagen in dem sechsten Bande der„Illustrierten Haus=Bibliothek“ aus dem Verlage von W. Vobach u. Co. in Berlin und Leipzig. Obwohl das prächtig gebundene Bändchen nur 75 Pfennig kostet, können wir doch sagen, daß eine reichhaltigere Bibliothek in Deutschland nicht existiert. 2 große Romane, 1 Novelle und verschiedene hübsch illustrierte Artikel über allgemein interessierende Fragen, dazu Gedichte und Rätsel, machen die Bibliothek zu einem Hausbuch allerersten Ranges. Einer Mutter Vermächtnis und letztes Mahnwort an ihre Tochter von Marie Fischer. 4. Aufl. Verl. von Hans Friedrich, Carlshorst=Verlin. Preis 25 Bfe. Wetterbericht. 14. März: Tags mild, nachts kalt, wolkig, später heiter, Niederschläge. 15. März: Normale Temperatur, Nachtfrost, meist bedeckt, Niederschläge, windig, Sturmwarnung. 16. März: Kälter, Nachtfröste, wolkig, später heiter, Niederschläge, windig, Sturmwarnung. Für den redaktionellen Teil verantwortlich: Franz Millen. (Ein geriebener Gauner). Ein Pariser Schuhmachermeister erschien vor dem Polizeikommissar und erstattete folgende Anzeige:„Vor einigen bestellte bei mir ein junger Mann, der sich Nespoulot nannte, ein Paar elegante Stiefel. Als ich die Schuhe verfertigt hatte, überbrachte ich sie ihm und er probierte sie. Der Siefel für den linken Fuß drücke ihn ein wenig, weshalb ich diesen Schuh wieder mitnahm, um ihn auszudehnen. Als ich in das kleine Hotel, wo der Herr wohnte, wiederkam, sagte mir der Portier, daß er abgereist sei. Den Stiefel für den rechten Fuß hat er mitgenommen. Was kann denn der Mann mit dem einen Stiefel anfangen?" Der Polizeikommissar klärte den vertrauensseligen Schuhmacher sofort auf, indem er ihm mitteilte, daß der fragliche Nespoulot denselben Streich einem anderen Schuster gespielt hat, nur mit dem Unterschiede, daß er diesem mit einem Stiefel für den linken Fuß verschwunden war. So ist der Gauner kostenlos zu einem Paar Stiefel gekommen. * Die französische Sprache verliert in Rußland an Boden, und zwar zu gunsten der deutschen Sprache— das ist das Ergebnis eines Aufsatzes, der im„Figaro" veröffentlicht wird. Danach ist das Französische in den russischen Gymnasien niemals obligatorisch gewesen, sondern der Schüler kann wählen zwischen dem Französischen und dem Deutschen, und im Durchschnitt wählen 70 pEt. das Deutsche! Ebenso steht es in den erst seit wenigen Jahren begründeten Handelsschulen. Während des Schuljahres 1898/1899 betrug die Zahl der Personen, die in einer der Schulen der Gesellschaft zugelassen waren, 1866. Von diesen nahmen Französisch mit 166, Deutsch 658, Englisch 35. Bei den Prüfungen, die die Schüler am Schluß des Schuljahres ablegen können, bestanden 95 das Examen im Deutsch, nur 17 das Französische und 4 das englische Examen. Eine erhebliche Verbesseruug und Verbilligung des Gasglühlichts kann mit Hilfe des von der Gesellschaft„Regenerator“ m. b. H., Berlin S. W. in den Verkehr gebrachten RegenerativGasglühlichtbrenners erzielt werden. Das Prinzip des Apparates ist das Gleiche, wie es s. Zt. mit so großem Erfolge von Fr. Siemens bei seiner allerdings im Zeitalter des Gasglühlichtes veralteten Regenerativlampe zur Anwendung gebracht worden war, nämlich die Vorwärmung der Verbrennungsluft, ehe sie zum Brenner hinzutritt, wodurch bei gleicher Lichterzeugung erheblich an Gas gespart wird. Ohne die geringste Einbuße an Helligkeit wird also durch Anwendung des„Regenerators“ die Gasrechnung um 23—32 Prozent reduziert. Da ein geringeres Quantum Gas stündlich zur Verbrennung gelangt, so sind naturgemäß auch die Verschlechterung der Luft und die Belästigung durch die heißen Verbrennungsgase erheblich vermindert. Außerdem wird durch die doppelte Glaswand die Wärmestrahlung zurückgehalten. In Comptoirs, Werkstätten 2c. werden besonders diese Eigenschaften den Regenerativbrenner beliebt machen, während jeder Gaskonsument durch die Gasersparnis Nutzen von der Anwendung dieses Apparates ziehen kann. Die Uebertragung des Regenerativ=Prinzipes auf den Gasglühlichtbrenner war allerdings nicht ganz einfach; um so anerkennenswerter ist es deshalb, daß bei dem RegenerativGasglühlichtbrenner der Gesellschaft„Regenerator“ die Lösung des Problems in so überraschend einfacher Weise gelungen ist. Der ganze Apparat unterscheidet sich von einem gewöhnlichen Gasglühlichtbrenner nur durch die Anordnung eines unten luftdicht abgeschlossenen Außenzylinders, der den Glühkörper und den inneren Zylinder umgiebt. An Stelle dieses Außenzylinders kann unter Umständen auch eine der jetzt modernen zylindrischen Gasglühlichtglocken treten. Mit diesem so überaus einfachen Apparate wird aber doch, wie wir einem Gutachten von Dr. H. Lux, dem bekannten Beleuchtungsfachmanne, entnehmen, eine ganz überraschende Wirkung erzielt. Während ein gewöhnlicher Gasglühlichtapparat 110—120 Liter Gas in der Stunde konsumiert und dabei 75—82 Hefner=Einheiten Lichtstärke erzeugt, sind bei dem Regenerativ=Glühlichtbrenner zur Erzeugung derselben Lichtstärke nur ca. 80—85 Liter Gas erforderlich. gut und stark wie Leder, jedoch billiger wie dieses und unempfindlich gegen Nässe und Regen. Einbände! Billiger Preis! Buthz= und Kunsthandlung, Schwerte. Ortskrankenkasse für den Stadtbezirk Schwerte. General versammlung am 24. März er., nachmittags 5 Uhr, im Lokale des Wirts C. Böhmer hierselbst. Tagesordnung: 1. Rechnungslage pro 1900. 2. Verschiedenes. Der Vorstand: B. Staat. 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Preßkuchen per 1000 kg 108# Kleien per 50 kg 5,40 M Köln, 11. März. Roggen 00,00, Hafer 13,50-00,00, Heu 8,40-10,80, Maschinenstroh(Roggen) 3,50 Mk., Richtstroh(Flegeldrusch) 4,30 Mk., Krummstroh 3,00 M die 100 Klgr. Viehmärkte. Dortmund, 11. März.(Städt. Viehhof.) Zum heutigen Schlachtviehmarkte waren aufgetrieben: 728 Stück Großvieh, 1347 Schweine, 343 Kälber und 72 Schafe. Preise für 100 Pfd. Schlachtgewicht Ochsen 60—65, Stiere 50,00—58 00. Kühe 1. Qual. 60,00—62,00 K 2. Qual. 56.00—59.00 M, 3. Qual. 50—55 ∆ Schweine 1. Qualität 54,00—60 00 M Kälber das Pfund Schlachtgewicht 1. Qual. 60—70 4, 2. Qualität 55—65 4. Schafe desgl. 55—62 4 Handel mittelmäßig. WPorommmonlich dur den eedoltiomson Sall: Franz Miller, für den Anzeigenteil: Julius Humme in Schwerte. Drus und Verlag von Karl Braus is Schwerte