für den kreis börde. rumrmmrr Scche eserer ee de Pfo, Bestelgeld wenn durch die Post bezagen. grshelst. en Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„uu###rcter Alle Kreis= und lokalpolizeilichen Verordnungen etc. für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche Kraft. Insertionsgebühr für lokale Anzeigen die sechsgespaltene Zeile oder deren Raum 10 J, außerhalb 15, Reklame=Zeile 40 Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte, FernsprechAnschluß Nr. 85, Amt Hörde. Telegr.=Adr. Braus, Schwerte=Ruhr. 34. Jahrgang. P%— Großherzog Karl Alexander von SüchsenWeimar=Eisenach F. Sonnabend nachmittag um 6½ Uhr ist, wie schon gemeldet, der 83jährige Großherzog Carl Alexander von SachsenWeimar=Eisenach nach mehrwöchiger Krankheit zu Weimar als einziger Sohn des Großherzogs Carl Friedrich und der Großfürstin Maria Paulowna, der Tochter des Kaisers Pauls von Rußland, geboren. Seine beiden Schwestern waren mit Hohenzollernprinzen verheiratet, die ältere, Prinzessin Marie, mit dem Prinzen Carl von Preußen, dem Vater des Generalfeldmarschalls Prinzen Friedrich Carl, die andere, Prinzessin Augusta, mit dem Prinzen Wilhelm, nachherigen König und Kaiser Wilhelm I. Der verstorbene Großherzog war also der Großonkel unseres Kaisers und des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen. In den Jahren Jahren 1835 bis 1837 widmete sich der damalige Erbgroßherzog den Studien auf den Hochschulen Jena und Leipzig und bereiste dann, nachdem er schon früher längere Zeit in Italien geweilt hatte, Oesterreich, England, Schottland und Holland. Nach einem mehrjährigen Aufenthalte in Breslau, wo er im Kürassier=Regiment Dienste that, und an dem verwandten Hofe von St. Petersburg, vermählte er sich am 8. Oktober 1842 mit Prinzessin Sophie Luise, der Tochter König Wilhelms II. der Niederlande. Am 8. Juli 1853 folgte Carl Alexander seinem Vater in der Regierung. Ueberzeugt und zielbewußt hat er mitgearbeitet an der Verwirklichung des Gedankens einer Einigung Deutschlands unter Preußens Führung, zuerst auf dem Frankfurter Fürstentage und später im Norddeutschen Bunde. Als endlich 1870 die nationale Frage ihrer Lösung entgegenging, da trat der Großherzog, der den Krieg im Hauptquartier seines königlichen Schwagers mitmachte, mit allem Nachdrucke für die Wiederherstellung des Deutschen Reiches ein. In Tagen des Glanzes wie des Leides hat er seitdem wiederholt seine innige Zusammengehörigkeit mit dem kaiserlichen Oberhaupte des deutschen Volkes bewährt. Wir erinnern in dieser Beziehung an das Schreiben, mit welchem er am 21. Dezember 1899— bei der sechzigsten Wiederkehr des Tages, an dem er im Jahre 1839 in Breslau als Rittmeister in dem Leib=Kürassier=Regiment Nr. 1 aktiv wurde — den herzlichen Glückwunsch des Kaisers erwiderte. In diesem Schreiben versicherte der Großherzog, es werde ihm besondere Freude bereiten,„seine deutschen Gesinnungen durch unablässig warme Teilnahme an der weiteren Entwickelung unserer Kriegsmacht zu Wasser und zu Lande zu bethätigen.“ Die Achtung u. Liebe, welche der in echt konstitutionellem u. nationalem Sinne regierende Fürst genoß, zeigten sich besonders deutlich an den Tagen der Feier des 50jährigen Bestehens der weimarischen Verfassung im Mai 1866 und an seinem 70. Geburtstage im Juni 1888, sowie endlich bei der Feier seiner goldenen Hochzeit im Jahre 1892. Getreu, den Traditionen seiner Vorfahren erwies er sich stets als feinsinniger und weitblickender Förderer der Künste und Wissenschaften. Aus seiner Ehe sind drei Kinder entsprossen: Karl August, der am 20. November 1894 starb und aus seiner Ehe mit der Prinzessin Pauline von Sachsen=Weimar zwei Söhne hinterließ, die Prinzen Wilhelm Ernst und Bernhard Heinrich, von denen der vorangegangen ist; ferner zwei Töchter, Prinzessin Marie, die seit 1876 mit Heinrich VII. Prinzen Reuß vermählt ist, und Prinzessin Elisabeth, die Gemahlin des Herzogs Johann Albrecht, Regenten von Mecklenburg=Schwerin. Leid und Trauer in herbster Gestalt hat der greise Fürst in seinem Familienleben gar oft erfahren. Nicht nur die Schwestern, den einzigen Sohn und einen Enkel hat er sterben sehen; auch die Lebensgefährtin, die über 54 Jahre in glücklichster Ehe an seiner Seite gelebt, wurde ihm durch Tod entrissen. Die Großherzogin Sophie starb im Alter von 73 Jahren am 23. März 1897. — Vom Kaiserhofe. Unser Kaiser, der einen Schnupfenanfall zu überwinden hat, erledigte Montag nachmittag Regierungsgeschäfte. Im Laufe des Dienstags hörte Se. Majestät verschiedene Vorträge.— Die Kaiserin Friedrich wird nach dem„Berl. Tg.“ in der nächsten Zeit in Villefranche sur mer erwartet. Mit ihr werden ihre Töchter, die Kronprinzessin von Griechenland und die Prinzessin Viktoria von Schaumburg, an der Riviera eintreffen. Berlin nach Stettin, die Herstellung einer leistungsfähigen Wasserstraße zwischen Oder und Weichsel, die Weiterregulierung der Warthe von der Mündung der Netze bis Posen, die Verbesserung der Vorflut der unteren Oder sowie der unteren Havel und den Ausbau der Spree. Zum lebhaften Bedauern der Staatsregierung haben die Ermittelungen darüber, ob der masurische Schifffahrtskanal auszuführen sei, noch nicht zum Abschluß gebracht werden können, da über den Wert einer solchen Anlage in Ostpreußen erhebliche Zweifel bestehen und große, bisher nicht beseitigte Bedenken gegen den Bau erhoben worden sind. Um die Verbesserung der Wasserstraße von Oberschlesien nach Berlin weiter zu fordern, werden die Mittel— Staubecken und teilweise Kanalisierung oder Neuregulierung der Oder— zu erproben sein und wird die Bewilligung eines hierfür ausreichenden Betrages gefordert werden. Die Durchführung der aufgeführten Projekte wird ein zusammenhängendes, alle deutschen Flüsse verbindendes Netz von Waiserstraßen schaffen, welche dem Verkehr und den industriellen Interessen dienen. Die Staatsregierung giebt sich der Hoffnung hin, daß die Vorlage Ihre Zustimmung finden wird. Dem Landtag wird ferner der Entwurf eines Gesetzes betreffend Umlegung von Grundstücken in Frankfurt a. M. zugehen. Der Entwurf erfolgt im Anschluß an frühere Verhandlungen beider Häuser und hat den Zweck, der Wohnungsnot durch Schaffung von Baugeländen abzuhelfen. Der Entwurf betrifft zunächst nur die Stadt Frankfurt a. M., doch erhält er dadurch allgemeine Bedeutung, daß sein Geltungsbereich auch auf andere Gemeinden, als darin beantragt wird, auf dem Wege der kgl. Verordnung wird erstreckt werden können, wenn in einzelnen Städten oder Gebieten die Wohnungsnot dringende Abhilfe gebietet und die Gestaltung der Wohnungsverhältnisse erheischt, daß die staatliche Fürsorge weiter ausgedehnt werden uß. Die Staatsregierung ist mit Erörterung der Frage beschäfzt, welche Anordnungen im Verwaltungswege zu treffen, welche der gesetzlichen Regelung zuzuweisen sind, um den Uebelstand zu beseitigen und der Wohnungsnot besonders der minder besitzenden Klassen abzuhelfen. Die Heranziehung der gewerblichen Unternehmungen zu Leistungen für Wegebau soll in der ganzen Monarchie gleichmäßig geregelt werden.. Ein hierauf bezüglicher Gesetzentwurf wird Ihnen voraussichtlich noch in dieser Session unterbreitet werden. Auf dem Gebiete des Medizinalwesens wird dem Landtag eine Vorlage zur Ausführung des Reichsseuchengesetzes beschäftigen. Die besondere Art und der Umfang der Entwickelung Berlins die bereits im vorigen Jahre zur Umgestaltung der lasson eine NeuordThrourede. Wie wir schon gestern durch Extrablatt mitteilten, ist der Landtag der preußischen Monarchie nunmehr eröffnet worden. Verlin, 8. Jan. Ministerpräsident Graf Bülow eröffnete heute mittag 12 Uhr im Weißen Saale des kgl. Schlosses den preupischen Landtag mit der Verlesung der Thronrede, in der es u. bes= Die Finanzlage des Staates ist fortdauerno gunstig. das abgeschlossene Rechnungsjahr 1899 hat, wie die vorausgehenden, trotz der starken Steigerung der Ausgaben auf allen Gebieten stacrlicher Thätigkeit, beträchtliche Ueberschüsse ergeben. Für das laufende Jahr darf ein Gleiches erwartet werden. Der Staatshaushalt für 1901, dessen Entwurf Ihnen alsbald vorgelegt werden wird, hält in Einnahme und Ausgabe das Gleichgewicht. Eine erhebliche Vermehrung der Einnahmen, zu welcher wie in den Vorjahren überwiegend die eigene Betriebsverwaltung des Staates neben den gesteigerten Steuererträgen beitragen, haben uns gestattet, dem Ausgabebedarf aller Verwaltungszweige in vollem Umfange Rechnung zu tragen und insbesondere einmalige und außerordentliche Verwendungen in reichlichem Maße vorzusehen. Die wirtschaftlichen und finanziellen Ergebnisse der####r#n, o Staatseisenbahnen sind zufriedenstellend; auch für das letzte polizeilichen Verwaltung geführt hat, lassen eine r# rr# Jahr ist ein günstiges Resultat zu erhoffen. Zur Erweiterung nung auch auf den übrigen Gebieten der allgemeinen Landess Stenbehungte, un pertzenleibehunnternehnen werden er, verv=Oiex hrgrcder schlg mit den Vorten:„Meine Heren Prinzen Vilhelm Ernst und Vernhard Heinrich, letztere am 1. Oktober 1900 seinem Großvater in den Tod Elbe=Kanal hinzu: tations=Gesetzgebung den Provinzen wietere Staatsrenten zu überweisen. Der Entwurf der neuen Kanalvorlage fügt dem Rheinseitdem das Königreich Preußen entstand. Diese Erinnerung mahnt uns, festzuhalten, was in langer und schwerer Arbeit unter der Führung des ruhmreichen Hohenzollerngeschlechts zu Preußens Größe und Wohlfahrt errungen worden ist. S. Majestät Sinnsprüche, Denksprüche, Sprichwötterrc. Kurz Lachen, langes Weinen, Das ist der Liebe Brauch. Und doch, wiewohl sie Leiden Allzeit zum Lohne giebt, Nie mag von Liebe scheiden, Wer einmal recht geliebt. Er trägt die heißen Schmerzen Viel lieber in der Brust, Als daß er nie im Herzen Von solchem Glück gewußt. Geibel. Endlich gefunden. Roman von Hedda von Schmid. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) In diesem Sinne lauteten seine Briefe an Melitta, und diese ermangelte nicht, die Großmut ihres Vaters in ausgiebiger Weise auszunutzen. Beständig liefen von ihr Klagen über ihre Gesundheit ein: bald war sie genötigt, ein wärmeres Klima aufzusuchen, die Sturzwellen der Nordsee hatten nicht den erhofften Erfolg hervorgebracht— nun hatten die Aerzte der jungen Frau einen längeren Aufenthalt in Nizza verordnet. „Nich alle Naturen verwinden sobald herbe Heimsuchungen des Schicksals,“ schrieb Melitta;„es zehrt an mir, ich kann meine alte Frische noch immer nicht wiedergewinnen.“ Und der Landrat legte seufzend den Brief aus der Hand und dchiche däder Kacdaer zit dächer Jtecht dnr Seldauntiange auf ein Bankhaus in Risga..1„. Zwei und ein viertel Jahr waren seit Ewalds Tode ins, Land gegangen, da endlich teilte Melitta ihren Eltern mit, daß sie Sehnsucht habe nach Treuenhoff; sie stellte daher ihr Kommen für den Junimonat in Aussicht. Die Landrätin begrüßte diese Nachricht mit großer Freude. Sie war wie elektrisiert durch den Gedanken, ihre Lieblingstochter bald in ihre Arme schließen zu können. Sie hatte Melitta, seit diese verwitwet war, noch kein einziges Mal gesehen; das Natürlichste wäre ja gewesen, wenn die Mutter nach dem herben Schlag, welcher die Tochter getroffen, sofort zu ihr geeilt wäre, allein die Landrätin haßte alle seelischen Aufregungen. Seit Dagmars Geburt kränkelte sie, und dieser Umstand bot ihr einen bequemen Vorwand, alles, was ihr nur einigermaßen lästig erschien, von s au vesen. s65 I. schmüterliche EmDoch nun erwachte auch plötzlich das großmullerlihe Empfinden in ihr, sie konnte es kaum erwarten, den kleinen Alfred, den sie bei seiner Taufe auf ihren Armen gehalten hatte, an ihr Herz zu drücken. Wenn nun doch auch Axel auf Urlaub käme, dann wäre sie vollkommen befriedigt gewesen. Ihre beiden Aeltesten, schöne, elegante Menschen, waren ihr Stolz, während Dora und Friedel sich nur zu oft in Derbheit und Nachlässigkeit gehen ließen. Und Dagmar— das Nesthäkchen— diese unbedeutende Tochter mit ihrem stillen, in sich gekehrten Wesen, bildete gar keine Ziffer im Leben der Mutter. Die Landrätin war in Erwartung Melittas gleichsam aus dem Rahmen ihrer eigensten Natur herausgetreten. Die Postkarte aus Riga hatte sie ihre gewohnte Gleichgiltigkeit für den Nasteicich degshten dastane die etantiahte ich ich Lagnanr. 5 Melittas Zimmer bereits in Stand gesetzt seien, wünschte mit dem Koch und der Wirtschafterin persönlich eine Besprechung zu haben, und ihre Absicht, mit dem Verwalter das Senden der Wagen in den Hafen zu besprechen, rief bei Dora eine spöttische Bemerkung Sie wünschten mich zu sprechen, gnädige Frau,“ mit diesen Worten verbeugte sich ein junger, auffallend hübscher Mann, der soeben den Balkon betreten hatte. Die Landrätin machte eine halbe Kopfwendung zu dem Sprechenden hin.„Ach ja— der Pferde wegen— seien Sie so gut Befehl zu geben, daß morgen die Kutsche und der Char=à=banc nach Hapsal gesandt werden, mein Mann und meine Tochter treffen mit dem„Konstantin“ aus Riga ein.Die Landrätin sprach mit Untergebenen stets in sehr huldvoller Weise, durch welche jedoch der Standesdünkel durchsichtig bervorleuchtete. 64 Der junge Gutsverwalter verbeugte sich hierauf schweigend. „Den Char=ä=banc werde ich selbst fahren. Herr Wald," dief Dora nachlässig über den Tisch hinüber,"„lassen die Oesel'schen Falben anspannen, und nehmen Sie das englische Grschirr.„ 4e uer 1. Den Ton, in dem Dora gesprochen vatte, war etwa der, in dem man zu einem Kutscher oder Stallmeister redet, jedenfalls erschien es sehr unstatthaft dem jungen Manne gegenüber, der in zwar bescheidener, aber sicherer und ungezwungener Haltung dastand, und aus dessen dunklen, ausdrucksvollen Augen es jetzt blitzartig zu der Tochter seines Brotherrn hinübersprühte. „Gnädiges Fräulein verzeihen,“ erwiderte er dann ruhig, „aber die Falben dürften doch noch zu wenig eingefahren sein. ist sicher, daß es an der hingebenden und verständnisvollen Mitwirkung des ganzen Volkes und der verfassungsmäßigen Vertretung niemals fehlen wird. S. Majestät hofft, daß es mit Gottes Hilfe gelingen werde, auch die Aufgaben der kommenden Session zur glücklichen Erledigung zu führen. Im Auftrage Majestät erkläre ich den Landtag der Monarchie für eröffnet.“ „„„ Deutscher Reichstag. Der Reichstag nahm am Dienstag seine Arbeiten wieder auf. Präsident Graf Ballestrem begrüßt die Abgeordneten im neuen Jahre, das sowohl für die gemeinsamen Arbeiten im Dienste des Vaterlandes wie für jeden Einzelnen ein recht glückliches und gesegnetes sein möge. Er gedachte sodann des Ablebens des Großherzogs von Weimar und des Abg. Motty(Pole), deren Andenken die Mitglieder des Hauses durch Erheben von den Sitzen ehrten. Hierauf wurde in die erste Lesung der Gesetz=Entwürfe betreffend das Urheber= und Verlags=Recht eingetreten. Abg. Spahn(Zentr.) betonte die Wichtigkeit der Vorlage und beantragte, nachdem er auf einige Mängel hingewiesen, die Vorberatung der Kommission. Abg. Esche(natl.) trat dem Vorredner darin bei, daß der Schutz der Musikverleger in der Vorlage etwas zu weit zu gehen scheine. Abg. Dietz(Soz.) hielt eine Kommissionsberatung für völlig überflüssig, während Abg. Dr. Arendt(frkons.) die im Verlegerrecht vorgesehene Uebertragbarkeit bekämpfte und Abg. Haußmann(Süddd. Volksp.) verschiedene Bestimmungen des Urheberrechts bemängelte. Redner wendete sich entschieden gegen die Uebertragbarkeit des Verlegerrechts. Sodann wurde die weitere Beratung auf heute Mittwoch vertagt. Außerdem steht der Etat des Reichsamts des Innern auf der Tagesordnung. *„* Die preußische Einkommensteuerstatistik giebt ziffermäßig den Beweis für die Hebung der wirtschaftlichen Lage der minder bemittelten Klassen. Es haben nämlich sämtliche Einkommensgruppen im Betrage von 900—3000 Mk. im Verhältnisse zur Bevölkerung eine bedeutende, Vermehrung erfahren. Besonders stark ist die Zunahme der Einkommen in der ersten Gruppe von über 900—1200 Mk., die teilweise durch eine Steigerung der Löhne usw., teilweise aber auch durch die hie und da erfolgte sorgfältigere Einschätzung hochgelohnter Arbeitergruppen bewirkt sein kann, sowie in der letzten Gruppe von 2100—3000 Mark. Zu bemerken ist, daß die Zunahme in den ländlichen Bezirken gleichen Schritt gehalten hat mit der in den städtischen. — Bei der Begrüßung des Korvettenkapitäns Lans, der vorgestern an Bord des„König Albert“ in Neapel eintraf, äußerte der deutsche Konsul: Alle Deutschen, ebenso wie alle übrigen Europäer, erfülle das tapfere Verhalten des Kommandanten und der Mannschaft des„Iltis“ mit Bewunderung. Die deutsche Kolonie sei stelz darauf, zuerst die Helden im Namen der deutschen Landsleute zu begrüßen. Der Konsul überreichte darauf dem Korvettenkapitän Lans eine große Photographie der im Neapler Museum besindlichen Viktoria=Statue von einer Lorberguirlande umgeben. Gerührt küßte Lans das schwarz=weiß=rote Band der Guirlande. Das Aussehen des Kapitäns, der sich übrigens noch zweier Stöcke zum Gehen bedient, ist vortrefflich, nur sind seine Haare und der Bart etwas gebleicht. Zu einem Redakteur äußerte Kapitän Lans, er hoffe, binnen kürzester Frist ganz hergestellt zu sein, um wieder nach China zurückkehren zu können. Er zollte auch und zwar, wie der Redakteur bemerkt, in fließendem Italienisch den italienischen Offizieren und Soldaten in China das höchste Lob. Von den ebenfalls eingetroffenen vier deutschen Soldaten sind zwei schwer verwundet; der eine ist ein Matrose, der an dem Zuge des Admirals Seymour teilgenommen hat; er ist fünfmal durch Schüsse am Hals und im Gesicht verwundet und hat ein Auge eingebüßt; der deutsche Konsul begrüßte ihn mit wärmster Herzlichkeit. Das Schiff„König Albert“ ging am Abend nach Bremen weiter. — Anläßlich des 200jährigen Krönungsjubiläums sollen mehrere hohe Adelsgeschlechlter gefürstet werden. Auch dem westfälischen Geschlecht der Grafen DrosteVischering wird der Fürstentitel verlichn werden. England und Transvaal. Ein Telegramm Lord Kitcheners aus Pretoria vom Sonntag meldet: Oberst Babington hatte ein Gefecht mit den Kommandos Delareys und Steenkamps bei Naauwpoort. Der Feind dessen Verluste auf 29 Tote und Verwundete geschätzt werden, wurde gezwungen, sich nach Nordwesten zurückzuziehen. Kommandant Duprez ist gefangen. Die britischen Verluste sind noch nicht bekannt. In Heilbron angekommene Verwundete berichten, daß eine zu General Knox gehörende Abteilung von 120 Mann bei Lindley in ein Gefecht mit einer stärkeren feindlichen Abteilung verwickelt wurde. Oberstleutnant Laing, 2 Offiziere und 15 Mann sind tot, 2 Offiziere und 20 Mann verwundet. Eine englische Dame, welche soeben aus der Kapkolonie im ständen kann nur böser Wille oder gänzliche Urteilslosigkeit zu Haag eingetroffen ist, überbrachte einer friesischen Familie fol= der Unterstellung gelangen, daß der Zentralverband oder dessen genden Brief ihres Sohnes, der mit de Wet in die Kapkolonie bestrebt sei, einen Minister von seinem Amte zu entfernen, der eingefallen ist. Derselbe äußerte sich über diesen„Einfall“ in folgender Weise: Wir haben damit folgende Absicht: 1) wollen wir uns nicht fangen lassen; 2) werden wir nicht so leicht totgeschossen, und 3) haben wir stets Chance mit dem Feinde in Berührung zu kommen. Auf solche Weise können wir im Felde noch recht alt werden. Daß der Krieg wegen Mangel an Lebensmit vollem Verständnis und seltener Energie und Kraft in der jetzt bedeutungsvollsten Frage der Zollpolitik, besonders aber in der Vorbereitung des Abschlusses künftiger Handelsverträge dieselbe Richtung wie der Zentralverband verfolgt.“ Wie schon Graf Bülow im Reichstage angedeutet, ist die 12000 Mk.=Affäre von einer gewissen Presse zu einem„Panama“ nur deshalb aufmitteln beendet werden wird, ist bei unserer geringen Stärke nicht gebauscht, um einen nicht genehmen Minister zu stürzen. Ueber wohl anzunehmen. Ein paar Hundert Boeren finden überall wirkliche„Panama“, die Bestechung deutscher Zeitungen durch für ein paar Tage Mundkost. Und wenn die Engländer Transvaal und Oranje=Freistaat platt gebrannt haben, dann gehen wir einfach nach dem Süden und leben auf Kosten der englischen Unterthanen. Patronen haben wir in Hülle und Fülle. Ich höre, daß in Transvaal die Mauserpatronen alle sind und daß, zum großen Aerger der Engländer, die Boeren mit MartiniHenry schießen, welche besser töten, als das gnädige Mauser. Viele unserer Leute benützen aus diesem Grunde das Martinidas die de Beers Kompagnie, schweigt dieselbe Presse mit gewohnter Einmütigkeit. Denn, Bauer, das ist ganz was anderes! Lokales. und ** Schwerte, 9. Januar. **(Theater). In der theaterlosen Zeit dieses Winters, Gewehr, obgleich das Mauser leichter ist und weiter schießt; letz= zu der wir infolge ungünstiger Umstände verurteilt sind, erschien teres ist kein Vorteil mehr, da wir unsere Kanonen vergraben gestern die 1. Vorstellung der Weidlich'schen Gesellschaft im Hagehaben. Von den Martini=Patronen sind noch 40 Millionen vor= mann'schen Saale, wie der Wüstenkarawane die Oase erscheint rätig; schade, daß das Pulver nicht rauchlos ist. Auch im Vry=— nach dem ewigen Einerlei der Wanderung vieler Tage und staat ist noch viel Munition; wohl hat jedes Kommando nur einen Wochen endlich wieder eine Erquickung, voll Frische, voll Aboder zwei Maulesel=Trolleys(sämtliche Ochsenwagen sind ab= wechslung, voll Reiz. Das Stück, welches zur Aufführung gegeschafft), die mit Munition beladen sind, aber es sind überall langte, konnte nicht glücklicher gewählt werden; die„FriedensPatronen in Hülle und Fülle vergraben. Und dann bleiben uns stifter“ von Udo Ottersleben ist ein Lustspiel, das nur in wenigen auch noch die erbeuteten Lee=Metfordgewehre mit Patronen übrig. Zügen, einer intensiven komischen Wirkung zu liebe, das Possen1880 hatte bei Ausbruch des Krieges jeder Boer nur 4 Patronen; hafte streift, sich sonst aber durchweg auf der Höhe eines feineren nach einigen Gefechten jedoch gab es solche in Ueberfluß. weit Lustspiels hält und in der Scene, wo der Oberleutnant, im Be(griff nach China zu gehen, in diesem großen Augenblick die kleinen Zwistigkeiten seines privaten ehelichen Lebens in ihrer ganzen Kleinlichkeit tief unter sich erblickt, sich selbst zu einer gewissen Größe erhebt. Die Charaktere— der Oberleutnant, der Leutnant a. D. und Gutsbesitzer und der Pastor sind nach der Natur gezeichnet, frei von aller Karrikatur, und auch den Damen des Stückes, der„Mutter ihres Sohnes,“ der sich vernachlässigt glaubenden Frau, dem Backfisch wie dem Dienstmädchen wird jeder welterfahrene Mann schon einmal im Leben begegnet sein. Und diese Rollen wurden, in harmonischem Zusammenspiel, ganz vorzüglich dargestellt. Der feine, chevalereske, charakterfeste, gesund egoistische Offizier; der verabschiedete Leutnant, der seine Beschränktheit lustig selbst ironisiert und Gutsbesitzer wird, um bescheiden seinen Kohl zu bauen; der würdige Pfarrer; der Backunseren Kleidern allerdings sieht es traurig aus. Wir ziehen den gefangenen Tommys wohl immer ihre Kleider aus, aber das Zeug taugt nicht viel; dafür sorgen die Armeelieferanten. Die Tommys khun uns ja recht leid, wenn sie im Hemd den Marsch nach ihrem Knox antreten müssen, aber wir können doch nicht ohne Hosen zu Pferde sitzen. Es sieht wirklich komisch aus, wenn die ausgekleideten Tommys im Gänsemarsch ihrem Lager zusteuern; sie sehen dann wirklich aus, wie eine Herde Gänse. Merkwürdig, daß keiner von ihnen Strümpfe trägt. Da ich solche schon seit acht Monaten entbehre, suche ich eifrig danach; aber wie viele Tommys ich auch schon die Stiefel habe ausziehen lassen, ich kann keine finden.... General Babington marschierte am Sonntag aus Ventersdorp mit etwa 1500 Mann nordwärts und stieß fünf Meilen südlich von den Magaliesbergen bei Naauwpoort und Randfonteins fisch, der nur eine Vernunftehe schließen will, aber von dieser auf den Feind unter Delarey. Der Feind wurde aus Witwaters= Grille kuriert wird,— eine der hübschesten Szenen des Stücks rand vertrieben, von Babington bei Naauwpoort und von Oberst—; die Schwiegermutter; die Frau, welche den Uebergang von Gordon bei Randfontein und 15 Meilen weit verfolgt; der Feind der angebeteten Braut zur sorgenden, dienenden Gattin nicht schien etwa 800 Mann stark zu sein.(findet und eigensinnig den Zwist bis zur Ehescheidung treibt, bis Noch einmal die 12000 Mark=Affaire. 2 die Gefahr, den geliebten Gatten zu verlieren, ihren Trotz hinschmelzt; und auch das Dienstmädchen, obwohl es vom Dichter nur nebensächlich behandelt ist: alle diese Rollen wurden ganz Dem Zentral=Verbande deutscher Industrieller ist von einem vorzüglich durchgeführt, wenn wir auch den Preis dem„OberTeile der Presse der Vorwurf gemacht, daß der Brief, welcher leutnant“ des Herrn Egon Weidlich, der zugleich eine brillante von der bekannten 12000 Mark=Angelegenheit handelt, von ihm Bühnenerscheinung ist, zuerkennen möchten. Aber, wie schon beselbst, beziehungsweise von seinem Generalsekretär, Herrn H. A.] merkt, das Zusammenspiel war so abgerundet, daß selbst er Bueck, der Sozialdemokratie zum Zwecke der Veröffentlichung in die Hände gespielt sei, um den Grafen von Posadowsky aus seiner Stellung zu entfernen. Herrn H. A. Bueck antwortet auf diese Verdächtigung folgendermaßen:„Der vorerwähnte elende Angriff trat, wenn auch anfangs nur vereinzelt, bereits bald hervor, nachdem die 12000 Mark=Affäre begonnen hatte, die Oeffentlichkeit zu beschäftigen. Ich habe ihn schweigend hingenommen, da solche Verdächtigungen weder an den Zentral=Verband, noch an mich heranreichen können, sondern in den Schmutz zurückfallen, aus dem sie hervorgegangen sind. Da aber diese Angriffe von den Gegnern des Grafen von Posadowsky auf der ganzen Linie freudig verarbeitet werden, um die Hetze gegen ihn fortzuführen, so erachte ich es als meine Pflicht, das Schweigen zu brechen und sie entschieden zurückzuweisen. Zunächst sollte man sich daran erinnern, daß in Preußen, und der König von Preußen ernennt als Deutscher Kaiser auch die Staatssekretäre noch kein Minister durch die Presse gestürzt worden ist. Das ist nicht Brauch und wird es wohl so bald auch nicht werden. Daraus sollte man schließen, daß eine Körperschaft, in der nur einigermaßen gesunder Menschenverstand die Oberhand hat, nicht versuchen wird, mit Zeitungsartikeln einen Staatssekretär aus seinem Amt zu entfernen.“ Herr Bueck weist sodann nach, daß der Zentralverband, der den Schutz der nationalen Arbeit für alle Erwerbsstände, also auch für die Landwirtschaft, auf seine Fahne geschrieben, auf demselben Standpunkt stehe wie Graf Posadowsky. Er schließt mit den Worten:„Unter diesen Umkeineswegs aus dem Rahmen heraustrat. Und so war die Wirkung des Stücks, dem auch das Element des Rührenden nicht ganz fehlt, eine durchaus heilsame und erfreuliche. Die gestrige Aufführung, in einzelnen Zügen und Szenen wie in ihrer Gesamtheit, war ein Kunstgenuß. Leider war das Haus sehr schwach besetzt. Das ist lebhaft zu bedauern. Wir erkennen gern an, daß die Gastspiele reisender Gesellschaften in letzter Zeit etwas in Mißkredit geraten sind, weil dieselben entweder unzulänglich waren, oder sich, was noch schlimmer ist, in den Dienst einer widerwärtigen Tendenz stellten. Die Weidlich'sche Gesellschaft gehört weder zu der einen, noch zu der anderen Klasse; sie bietet uns Stücke, wie wir schon bei der Ankündigung ihres Auftretens hervorgehoben, die für jedermann ein Genuß sind, welcher Parteirichtung er auch angehört. Die Weidlich'sche Gesellschaft verdient daher, in jeder Weise unterstützt zu werden und wir hoffen, daß die ein oder zwei Vorstellungen, welche sie noch giebt, besser besucht werden, als die erste. Wir sagen dies weniger im Interesse der Gesellschaft— so groß dasselbe auch ist—, als im Interesse der Bürgerschaft unserer Stadt. Es darf doch nicht dahin kominen, daß anerkannt gute Theater=Gesellschaften in Schwerte kein Publikum finden und die Stadt meiden. Da wir Grund haben anzunehmen, daß wohl die Furcht vor Erkältung viele vom Theaterbesuch abgehalten hat, so sei ausdrücklich bemerkt, daß der Saal hinreichend geheizt war. Für die Weidlich'sche Gesellschaft würde sich vielleicht eine Wiederholung der Aufführung der„Friedensstifter" empfehlen. uun dan den Sthaden diner Naue gcanst wedien ze ngen: „Das ist meine Sache,“ rief Dora schroff, schob ihren Stuhl zurück und trat, dem Sprecher den Rücken wendend, an die Balkonbrüstung neben Ruth, welche mit leicht gerunzelten Brauen dem kleinen Vorgang gefolgt war. Dagmar errötete heiß über die Ungezogenheit ihrer Schwester, welche der, dem sie gegolten, jedoch vollkommen unbeachtet zu lassen schien. Nach einem höflichen:„Haben gnädige Frau sonst noch Befehle für mich,“ machte er Miene, sich mit einer stummen Verbeugung zurückzuziehen. Da ließ Dagmars freundliche Anrede ihn noch für eine Sekunde stehen bleiben. „Kann ich Ihnen eine Tasse Thee anbieten, Herr Wald?" „Danke, Fräulein von Nordlingen, es ist zu gnädig von Ihnen— aber auf dem Felde ist meine Anwesenheit augenblicklich notwendig.“ Eine nochmalige Verbeugung, und der weiß= und rotgerstreifte Thürvorhang schloß sich hinter der schlanken Männergestalt. „Was fällt Dir ein, Dagmar— dem Menschen Thee anzubieten,“ rief Dora laut genug, um von dem den Balkon Verlassenden gehört zu werden. „Du vergißt, Dora, daß Herr Wald mit uns auf einer Bildungsstufe steht, wenn auch keine Freiherrnkrone über seinem Namen prangt oder kein„von" leteren adelt. Und Papa äußerte neulich die Absicht, Herrn Wald mehr in unsern Familienkreis zu ziehen und ihn auch an unseren Mahlzeiten teilnehmen zu lassen, soweit es angeht der Wirtschaft wegen.“ Papa hascht nach Volkstümlichkeit,“ spottete Dora, ein Weinblatt unbarmherzig zerflückend,„ich stimme ja auch im Grunde für Humanität, doch einem einfachen Verwalter, einem von uns besoldeten Menschen würde ich keine besonderen Rechte einräumen.“ „Fräulein Hilarius, sagten Sie mitr nicht neulich, Herrn Walds Mutter sei eine Baronesse von Olden gewesen?" fragte Ruth dazwischen, um dem Wortgefecht der beiden Schwestern ein Ende zu machen. „Ganz recht," erwiderte, von ihrem Filet aufblickend das alte Fräulein,„sie war meine Freundin. Sie starb nach der Geburt ihres Sohnes. Sie hatte gegen den Willen ihrer Familie einen Bürgerlichen geheiratet.“ „Ach,“ seufzte die Landrätin hinter einer Nummer der „Petersburger Zeitung“ hervor, das geschieht heutzutage leider zu oft.“ „Und—?“ fragte Dora, sich an Fräulein Hillarius wendend; aus ihrer Frage klang eine unbegründete Gereiztheit. „Und die stolzen Verwandten wollten von der Abtrünnigen nichts wissen; man verstieß sie, und das brach ihr das Herz. Sie war reizend, die arme Claudine, ih: Sohn hat ihre schönen braunen Augen geerbt und, wie mir der Doktor neulich erzählte, den braven ehrenfesten Charakter seines Vaters.“ „Und Papa hält große Stücke auf Herrn Wald; alles in allem genommen, ist er also ein Ausbund an Vollkommenheit und Tugend,“ spottete Dora weiter,„ich trage ebenfalls mein Scherflein zur allgemeinen Begeisterung bei, indem ich behaupte, daß Herr Wald ein vorzüglicher Pferdekenner ist. In Anbetracht dessen werde ich ihm gnädigst den Auftrag erteilen, für mich die schwarze Araberstute, die in Ennofer zum Verkauf steht, zu erhandeln. Gut, daß Papa morgen nach Hause kommt, er muß mir gleich die Kaufsumme geben, denn eher habe ich keine Ruhe, als bis die Stute mein ist.“ Wie oft hast Du bereits Dein Reitpferd gewechselt?" fragte Ruth, welche Doras burschikoses Wesen nicht leiden konnte und daber wenig mit ihr harmonierte. „Wer kennt die Völker, zählt die Namen," daklamierte Dora lachend,„ich liebe nun einmal die Abwechselung. Vielleicht verleugne ich einmal noch ganz und gar meine ureigense Ratur und werde Schriftstellerin wie Fräulein Hillarius. Böse Beispiele verderben gute Sitten.“ Wenn das Neck= und Spott=Teufelchen, welches in Dora steckte, es auf Ruths Gesellschafterin abgesehen hatte, dann fand es kein Ende in den tollen Sprüngen seiner Laune. Und das alte Fräulein stand der Uebermütigen stets so hilflos, so gar nicht schlagfertig gegenüber. Dagmar ergriff mit dem ihr eigenen Taktgefühl das Wort:„Sie wollten neulich meine Resedastöcke sehen, Fräulein Hillarius, darf ich sie Ihnen jetzt zeigen. Die alte Dame erhob sich bereitwillig, und Ruth zog ihre kleine emaillierte Uhr aus den Gürtel. „Schon sechs— dürfte ich Dich bitten, Dagmar, meinen Wagen bestellen zu lassen, ich habe vor Reginalds Eintreffen zu Hause noch manches zu ordnen.“ Dagmar drückte auf die Tischglocke, gab dem Diener die von Ruth gewünschte Weisung und geleitete dann die beiden Damen über Treppen und Korridore hinüber in ihr„kleines Reich,“ wie sie ihr bescheidees Mädchenstübchen zu nennen pflegte. Das Wohnhaus in Treuenhoff stammte aus sehr alter Zeit; es war in großen Verhältnissen gebaut. Mit den Jahren hatten die jeweiligen Besitzer Neues zum Alten gefügt, so kam es, daß das Ganze, von außen gesehen, keinen nach den Regeln der Baukunst symmetrischen Eindruck machte. Hier gas es einen vorspringenden Erker, dort ein vermauertes Fenster. Allein trotz aller dieser jedem Schönheitssinn widersprechenden Unregelmäßigkeiten machte das Haus auf den Beschauer einen großartigen Eindruck. Freilich, eine Spötterzunge hatte einmal geäußert,„in Treuenhoff sei das Wohnhaus ebenso unberechenbar gebaut, wie die Charaktere der Nordlingenschen Kinder„unberechenbar“ wären. In letzteren sei auch nichts bestimmt Ausgeprägtes, sondern auch blos eine Mischung von Mißbildungen und Uebertreibungen.“ (Fortsetzung folgt.) *e Alle Geflügelzüchter machen wir an dieser Stelle streckte. Willmann, welcher dem Krankenhause zugeführt wurde, darauf aufmerksam, daß am Donnerstag abend eine General= hat eine Gehirnerschütterung erlitten.— Non einem schrecklichen versammlung des„Geflügelzucht Vereins fir Schwerte“ stattfindet, deren Tagesordnung Gegenstände enthält, die für jeden Züchter von hohem Interesse sind. Besonders wichtig z. B. sind für die Geflügelzucht die Frühbruten; in der und ein Arm abgefahren wurden. Versammlung wird jedem Interessenten eine günstige Ge““ Hörde, 9. Jan. Nach der letzten Volkszählung hat legenheit geboten Frühbruten zu erwerben Auch die Behat eine Gehirnerschütterung erlitten.— Von einem schrecklichen Schicksal wurde auf der Hermannshütte ein Rangierer betroffen. Derselbe glitt beim Ankoppeln der Wagen aus und geriet so unglücklich unter die weiterrollenden Wagen, daß ihm beide Beine Regzenhen, geöbsen, Frührichen„m grwetben. auch die Beratung über eine diesjährige Geflugelausstellung— Punkt 8 der Tagesordnung— sowie die Berichterstattung über die Verbandstage in Hamm und Dortmund— Punkt 4 werden sicherlich nicht verfehlen, der Versammlung eine zahlreiche, allgemeine Beteiligung zu sichern. Im übrigen verweisen wir auf das Inserat in der heutigen Nummer unseres Blattes. * Dem Vaterländischen Frauen=Zweigverein für den Kreis Hörde sind vom Gesangverein„Eintracht" zu Annen aus dem Ergebnis eines Wohlthätigkeits=Konzertes 40 Mark für die Truppen in China überwiesen worden. Die Gesamtsumme der für diese Zwecke bis Ende Dezember 1900 gesammelt u. dem Vorstande des Provinzial=Vereins zu Münster abgeführten Beträge beläuft sich auf 5 197,46 Mark. ** Militäranwärterssellen im Bezirk des Armeekorps: Kaiserl. Oberpostdirektion in Dortmund, Landbriefträger.— Düsseldorf, Polizei=Verwaltung, mehrere Polizeisergeanten.— Horst, Amt, Polizeisergeant.— Milspe, Amt Ennepe, Polizeidiener.— Ratingen bei Düsseldorf, Polizei=Verwaltung, Polizeiwachtmeister.— Recklinghausen, Magistrat, Verwaltungsgehilfe.— Ruhrort, Kreisausschuß, KreisausschußBureau=Assistent.— Styrum(Kreis Mülheim, Ruhr), Bürgermeistereiamt, Assistent auf dem Steuerbureau.— Militäran= wärterstellen im Bezirk des 8. Armeekorps: Godesberg, Bürgermeisteramt, Polizeisergeant.— Lobberich, Polizeiverwaltung, Nachtschutzmann, gleichzeitig Polizeisergeant.— Meisenheim, Kreis=Ausschuß, Kreisausschuß=Sekretär.— Roden, Bürgermeisteramt Fraulauten, Polizeidiener.— Kaiserliche Oberpostdirektion Köln, Postschaffner.— Rengsdorff, Bürgermeisteramt Rengsdorff, Gemeindeförster. ** Zum Schutze gegen die Unfälle, welche der Straßenbahnbetrieb mit sich bringt, hat man in vielen Orten Versuche mit Vorrichtungen vorgenommen, die ein Ueberfahren von Personen etc. unmöglich machen sollen. Wie wir aus einem Bericht über das Ergebnis derartiger Versuche in Hannover ersehen, haben dieselben vollkommen befriedigt. In der Zeit vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 1900 wurden durch diese Schutzvorrichtung 83 Personen gerettet, und zwar 24 Erwachsene, 23 Radfahrer und 36 Kinder; außerdem gelangte dieselbe in 5 Fällen mit Erfolg zur Rettung von Tieren zur Anwendung. Nur in 2 Fällen innerhalb dieser Zeit war es infolge Zusammentreffens unglücklicher Umstände nicht möglich, die Personen zu retten. Wir hoffen, daß dieser Erfolg unsere Straßenbahngesellschaft veranlassen wird, diese Schutzvorrichtung einzuführen. In der engen und gewundenen Brück=Hüsingstraße ist eine Kollision gar zu leicht möglich. ** Die praktisch wichtige Frage, ob die Einwilligung des Vormundes zur Eheschließung des Mündels im Gebiete des Allgemeinen Landrechts der Genehmigung des Vormundschaftsgerichts bedarf, und ob der Standesbeamte im vormals landesrechtlichen Gebiete die Eheschließung eines Mündels wegen mangelnder Genehmigung des Vormundschaftsgerichts ablehnen darf, wird vom Geheimen Oberjustizrat und vortragenden Rat im Justizministerium Dr. Harnier in der„Deutschen Juristenztg.“ verneint. Dr. Harnier schließt seine Erörterung der Frage mit den Worten:„Also:§ 54 des Allgemeinen Landrechts II. 1 ist tot, und der preußische Standesbeamte im vormals landrechtlichen Gebiete darf die Eheschließung eines Mündels wegen mangelnder Genehmigung des Vormundschaftsgerichts ebenso wenig ablehnen wie irgend ein anderer Standesbeamter im Deutschen Reiche Jaseniah.[Direktors anftelle **(Niederjagd). Daß 1900 kein gutes Hasenjahr war, wire statt. Die Wahl jeder Jagdbesitzer am„eigenen Leibe“ bereits erfahren haben, denn die Zeit der Feldjagden ist nunmehr fast vorüber. Selten ist jemals ein so„schlechtes Wetter zu einer so schlechten Ernte“ gekommen wie heuer. Man kann sich mit Recht sagen, daß die Jagd— das ist die Treibjagd— in diesem Jahre den Jägern wenig Vergnügen bereitet hat, und daß während der diesjährigen Jagdsaison wohl nur die Erzeuger von wasserdichten Mänteln, Gewehrölen und Stiefelschmieren freudige Gesichter gemacht haben. Die Hühnersuche war vom schönsten Wetter begünstigt, aber was nützt dem Jäger das schönste Wetter, wenn die Hühner fehlen! Er will dann doch lieber weniger Sonnenschein und mehr— Hühner haben. Auch an Hasen fehlte es überall, und man zerbricht sich vergeblich den Kopf über die Gründe dieses schlechten Besatzes. „Meiner Ansicht nach— so schreibt ein Waidmann in der „Otsch. Jägerztg.“— trägt das„Hasensterben" im vergangenen Frühjahr die Schuld, und letzteres wird wohl die Folge der Inzucht gewesen sein, die sich jetzt immer mehr bemerkbar macht. Trotzdem man kaum noch von strengen Wintern sprechen kann, gehen in jedem Frühjahre massenhaft Hasen ein, und ich kann nicht umhin, die Befürchtung auszusprechen, daß auch die Fruchtbarkeit der Hasenmütter abgenommen hat. Wenn man bedenkt, wie viele Hasen in gut gepflegten Revieren heutzutage nach der Jagdsaison noch übrig sind, so muß man sich darüber wundern, daß dieselben keine zahlreichere Nachkommenschaft in die Höhe bringen. Früher wurde doch viel mehr abgeschossen, die Winter waren streng, das Raubzeug war zahlreicher, und dennoch thaten die paar Häsinnen ihre Schuldigkeit. Die damalige Generation schien bedeutend gesünder zu sein als die jetzige. Seuchenartige Krankheiten waren selten, während man jetzt von denselben in jedem Jahre hört. Ich glaube, daß es jetzt die höchste Zeit ist, in guten Revieren für Blutauffrischung des Hasenwildes zu sorgen, wenn man größeren Nachteilen vorbeugen will. Die großen Wildexporteure in Ungarn, Oesterreich und Deutschland liefern Raumler und Häsinnen genug für den Zweck der Blutauffrisch= ung, und kein Jagdbesitzer, der ein gutes Hasenrevier hat, sollte es daher unterlassen, sich zwecks Blutauffrischung abwechselnd alljährlich an eine dieser Firmen zu wenden und seinen Bedarf an gesunden Hasen beiderlei Geschlechts zu beziehen. Das Ergebnis wird die gehegten Erwartungen später durchaus befriedigen, wenn auch die Erfolge nicht gleich im ersten Jahre schon sichtbar sind. ** Hörde, 7. Jan. Auf Zeche„Freie Vogel“ wurde der Lilfsarbeiter Heinrich Willmann dadurch schwer verletzt, daß ihm ene Kranenkette an den Kopf traf und besinnungslos zu Boden die Stadt Hörde 25 154 Einwohner. Die Zählung im Jahre 1895 ergab die Ziffer 18 638; die Stadt hat also in den letzten 5 Jahren eine Zunahme von 6516 Seelen d. i. 34,9 Proz. zu verzeichnen— ein hoher Satz, wie ihn nicht viele Kommunen aufzuweisen haben.— Der Gesangverein„Eintracht" feierte am Sonntag sein zweijähriges Stiftungsfest im Saale des Bergmann'schen Restaurants. Zur Aufführung gelangte u. a. die Komposition für Chor und Orchester„Der Tod des großen Pan“ und eine„Kaiserhymne", ebenfalls mit Orchesterbegleitung.— Im selben Saale wird am 13. d. M. der„Hörder Sängerbund“ sein 28jähriges Stiftungsfest feiern, und zwar mit einem Konzert, an welchem die Konzertsängerin Fr. Becker vom Kölner Konservatorium mitwirken wird. Aus Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 8. Jan. Am Samstag fand im„Kölnischen Hof“ eine Versammlung" des„Liberalen Bürgervereins" statt, in welchem der anstelle des von Dortmund verzogenen und deshalb aus dem Vorstand ausgeschiedenen Herrn Reichstagsobgeordneten Hilbek der neu erwählte 1. Vorsitzende des Vereins Herr Metzmacher eingeführt wurde. * Mengede, 8. Jan. Ein Unglücksfall seltener Art hat sich heute auf der Zeche Adolf von Hausemann, Schacht II. ereignet. Zum Glück sind aber die Verluste an Menschenleben nchit so groß, wie man anfangs annahm. Wie bekannt, hat die Zeche in letzter Zeit mit Wasserzuflüssen, herbeigeführt durch Undichtigkeiten in der Kurvelage zu kämpfen. Der Schacht war wieder dicht. Es galt nun, nachzusehen, wie hoch die Wasser in der Grube stehen würden. Heute vormittag fuhren mehrere Personen, unter diesen auch Beamte, zu diesem Zweck in den Schacht. In diesem hatten sich aber, weil die Ventilation außer Betrieb war, Schlagwetter angesammelt, diese explodierten plötzlich. Die auf dem Korbe befindlichen Personen erlitten Brandwunden. Man glaubte erst, dieselben seien tötlich verunglückt. Man hat sie aber lebend zu Tage gefördert. Kurz vor 3 Uhr wurde der Steiger Wegerath herausgefördert. Der Schachthauer Wortmann ist durch den Luftdruck von oben in den Schacht geschleudert. Dieser Mann ist womöglich tot. Drei sind verletzt. Unna, 6. Jan. Die hier seit dem 1. Juli 1898 bestehende Reichsbanknebenstelle hat sich auch im vergangenen Jahre derart günstig entwickelt, daß die Stadt Zuschüsse zu den Verwaltungskosten für das Jahr 1900 nicht zu zahlen braucht. Um eine Reichsbanknebenstelle hier zu erhalten, hat die Stadt auf die Dauer von fünf Jahren die unentgeltliche Stellung für eine jährliche Minimaltantieme von 3000 Mk. übernehmen müssen. Der Stadt gegenüber haben sich die bei der Sache interessierten Gewerbetreibenden zur Erstattung der etwaigen Fehlbeträge verflichtet. * Unna, 7. Jan. Der Absatz der Lindenbrauerei in Unna betrug 1899/1900 71248 hl gegen 68 880 hl im Vorjahre. Der Bruttogewinn beläuft sich auf 288 225 Mk. bei 109313 Mk. Abschreibungen; zur Verteilung gelangt eine Dividende von Prozent. * Hagen, 5. Jan. Bei dem gestern abend im Zirkus Lirot zwischen dem Meisterschaftsringer von Rheinland und Westfalen, Herrn Ferd. Dickmann, und dem Kaufmann Fr. Feldscher von hier stattgehabten Ringkampf kam letzterer so unglücklich zu Fall, daß er einen Unterschenkelbruch erlitt. * Iserlohn, 5. Jan. Die Wahl des neuen GaswerksDirektors anstelle des ausfcheidenden Herrn Grob fand gestern statt. Die Wahl fiel unter den 63 Bewerbern auf Herrn August Hotovv, jetzigen Leiter der Gas= und Wasserwerke der „Union“ in Dortmund. Derselbe wird seine neue Stellung am 1. März. d. J. antreten. * Kray, 6. Jan. Am Donnerstag wurde im einem Zechenhause zu Kray dritter Festtag„gefeiert" und bis tief in die Nacht hinein gezecht. Aus einer nahegelegenen Wirtschaft wurden während des Nachmittags und Abends nicht weniger als zwölf Liter Schnaps geholt. Einer der Kostgänger, der besinnungslos betrunken war, wurde in der Nacht zum Freitag von den ebenfalls betrunkenen Zechern in den Hausflur gelegt. Dort lag der Mann während des ganzen Freitags und gegen Abend wurde er von denselben Leuten in den Schweinestall gebracht. Als am Samstag morgen Leute nachsahen, fanden sie den Mann tot. * Hamm, 7. Jan. Der Gefreite Günther, der nach Graf Sodens Urteil der beste Mann der kleinen deutschen Heldenschar in der von den Chinesen eingeschlossenen Pekinger Gesandtschaft war, ist zur großen Freude seiner Angehörigen, die ihn schon als einen Toten beweint hatten, hier eingetroffen. Günther hat in Peking eine Verwundung erlitten, und muß sich schonen. Der Wackere, der selbst nicht gehofft hatte, je die westfälische Heimat wieder zu sehen, wird einige Zeit in Hamm verweilen und dann auf Veranlassung der Militärbehörde in Wiesbaden Stärkung seiner Gesundheit suchen. * Aus dem Sauerlande, 8. Jan. Günstige Resultate werden mit der von den Landwirten des Sauerlandes ausgeführten Wiesen=Melioration erzielt. Im vorigen Jahre sind im Listerthale bei Meinerzhagen 80 Morgen Wiesen melioriert worden. Die Kosten betrugen rund 24000 Mk.; hiervon sind bereits seitens des Staates zwei Drittel als Beihilfe gegeben, während die Landwirte ein Drittel zu tragen hatten. Die letzteren Gelder sind angeliehen und werden mit 4½ Proz. verzinst und amortisiert. Jetzt sollen auch die weiteren unfruchtbaren Flächen des Listerthales melioriert werden. * Essen, 7. Jan. Die Zeche„Adolf v. Hansemann" bei Mengede, seit 1899 Eigentum der Dortmunder Union, wurde in den letzten Tagen infolge Undichtigkeit der Picotagen durch Wasserzuflüsse derart belästigt, daß wiederholt Feierschichten eingelegt werden mußten. In der letzten Nacht ist das Wasser so stark aufgetreten, daß die Pferde in Sicherheit gebracht werden mußten. Nach Auskunft der Dortmunder Union hofft man die Störungen in einigen Tagen zu beseitigen. * Essen, 8. Jan. Der Gesamtversandt des rheinischwestfälischen Kohlensyndikats an Kohlen, Koks und Brikets einschließlich Landabsatz überstieg im verflossenen Jahre den des Jahres 1899 nach vorläufigen Ermittelungen um annähernd 3 400 000 t oder um nahezu 7½ Proz. * R h e i n e, 7. J a n. D a s h i e s i g e A m t s g e r i c h t h a t über das Vermögen des Fürsten Eugen zu Rheina=Wolbeck, Grafen von Lannoy=Clervaus, der auf Schloß Bentlage im Kreise Burgsteinfurt seinen inländischen Wohnsitz hat, sich aber jetzt in Lüttich aufhält, das Konkursverfahren eröffnet. Der Fürst ist erbliches Mitglied des preußischen Herrenhauses, ist aber nunmehr für die Dauer des Konkurses von der Teilnahme an den Verhandlungen ausgeschlossen. Er ist ein jüngerer Sohn des Fürsten Napoleon, 1835 in Lüttig geboren und unvermählt. Da der fideicommissarische Besitz nicht veräußert werden kann, so sind die Gläubiger im wesentlichen auf die Einkünfte aus der Herrschaft angewiesen, wie in dem Konkurse des Fürsten Salm=Kyrburg zu Renneberg im Kreise Neuwied, der schon seit vielen Jahren schwebt. * Heinsberg, Kr. Siegen, 7. Jan. Einen seltenen Grad von Heimatsliebe scheint ein Pferd des Fuhrunternehmers J. hierselbst zu besitzen. Derselbe hatte eines seiner Pferde vor drei Wochen an eine durchziehende Zigeunertruppe verkauft. Nach einigen Tagen in aller Frühe stand das Tier wieder vor dem Hausthor seines früheren Herrn. Zwei Tage nachher erschienen die neuen Besitzer, um ihr Eigentum zu reklamieren. Wie diese erzählten, war das Tier, mit zwei andern aneinander gekoppelt, vom Straetener Busch aus, wo die Zigeunertruppe gelagert hatte, durchgebrannt und bis Alphoven gekommen, wo die Zigeuner es einholten und zurückbrachten. In der folgenden Nacht riß es sich zum zweiten Mal los und gelangte bis zum heimatlichen Stalle, wo es sich durch Wiehern und Poltern bemerkbar machte. * Detmold, 8. Jan. In den lippischen Landtag ziehen nicht nur 8, sondern 4 Sozialdemokraten ein. Bei der Stichwahl im 2. Wahlkreis, die am letzten Tage des alten Jahres vorgenommen wurde, erhielt der sozialdemokratische Kandidat Schmuck 961 Stimmen, der parteilose Gegenkandidat Jecke 713 Stimmen. Es ist also jetzt die größere Hälfte, nämlich 4 von 7 Wahlkreisen der 3. Klasse aus den Händen der Freisinnigen an die Sozialdemokraten gefallen. Humoristisches. Schülerwitz. In der Tertia eines Gymnasiums fragt der Lehrer:„Warum hat Prometheus das Feuer vom Himmel herabgeholt?“— Sofort ertönt von der letzten Bank eine Stimme: weil auf Erden die Kohlenpreise nicht mehr zu erschwingen waren.“ Auf der Sekundärbahn. Passagier(zum Stationsdiener):„Jetzt ist es bereits 4 Uhr, und auf dem Fahrplan steht doch, daß der Zug um 3,14 Uhr kommt.“— Stations= diener:„Na ja, so ernsthaft ist das nicht gemeint.“ Eigener der„Schwerter Zeitung“. Hd Berlin, 9. Jan. Einem NewYorker Telegramm vom 8. Januar zufolge hat der russische Botschafter in Washington in einer Zuschrift an den Staatssekretair Hayes die Versicherung seiner Regierung abgegeben, daß kein Vertrag mit China bestehe, der sich in Widerspruch befinde mit der Erklärung der russischen R gierung, sie beabsichtige nicht, einen Teil der Mandschurei zu behalten.(?) Hd. Berlin, 9. Jan. In Landtagskreisen verlautet, daß Graf Bülow noch heute bei Einbringung des Etats das Wort ergreifen wird. Hd. Berlin, 9. Januar. Gegen den Bankier Sternberg sind im Zusammenhang mit der Verhaftung der Witwe Rüwe zwei neue Sittlichkeitsdelikte festgestelt worden, wegen deren er sich zu verantworten haben wird. Der eine Fall betrisst ein 14jähriges, der andere ein 15jähriges Mädchen, dessen Vater Strafantrag gestellt hat. Hd. Berlin, 8. Jan. Wie Londoner Blättern aus Peking gemeldet wird, waren die chinesischen Unterhändler angewiesen worden, die Note nicht zu unterzeichnen. Dieselben haben jedoch zurückberichtet, daß die Annahme der Friedensbedingungen notwendig sei, da jeder fernere Widerstand seitens Chinas nutzlos und verderblich für das Land sein würde. Hd. Haag, 9. Jan. Das Befinden des Präsidenten Krüger bessert sich täglich. Hd. Paris, 9. Jan. Nach einem Telegramm aus Odessa an das Marineamt ist der Dampfer„Tamatave“, der das 13. russische Inf.=Reg. von China nach Odessa transportierte, ausgeblieben. Man befürchtet einen Unfall. — Infolge von Schneewehen ist die Eisenbahnverbindung nach Odessa unterbrochen. IId. London, 9. Jan. Aus Kapstadt wird gemeldet: Die Zahl der Buren im Westen der Kapkolonie wächst täglich. Die Mehrzahl drängt nach Süden vor, indem sie die Eisenbahn entlang marschiert. Die Buren gebrauchen, wie es heißt, Gewaltmaßregeln gegen die Holländer, welche sich weigern, sich ihnen anzuschließen. Die Zahl der Buren wird auf 18000 geschätzt Sie sollen ein gutes Pferdematerial besitzen sowie mit Munition reichlich versehen sein. Hd. London, 9. Jan. Der„Daily Mail“ wird aus Rom gemeldet: Die Rede des Herzogs Norfolk gelegentlich des Empfangs der englischen Pilger hat in hiesigen Regierungskreisen peinliches Aufsehen erregt. Die Rede betrifft die Beziehungen zwischen dem italienischen Hof und dem Vatikan. Zwei Blätter, welche die Rede veröffentlichten, sind beschlagnahmt worden. Hd New=York 9. Januar. Ein Brand im Hospital zu Rochester hat eine große Zahl von Opfern gefordert. Das Feuer, welches durch einen überheizten Ofen entstand, griff mit solcher Schnelligkeit um sich, daß 26 Kinder nebst 3 Aufseherinnen verbrannten und als verkohlte Leichen aus den Trümmern hervorgezogen wurden. Id Buenos Ayres, 9. Jan. In den Provinzen La Plata und Bahia Blanca ist ein gewaltiger Prairiebrand ausgebrochen, der sich auf 40 Quadratmeilen erstrecken soll. Nähere Nachrichten fehlen noch. Wetterbericht. 10. Januar: Kalt, vielfach Niederschläge und Nebel, windig. 11.„ Feuchtkalt, Niederschläge, meist bedeckt. 12.„ Kalt, strichweise Niederschläge mit Nebel, wolkig, 4. windig. Für den redaktionellen Teil verantwortlich: Franz Miller. Bekanntmachung. Nach der Polizei=Verordnung des Herrn Ober=Präsidenten vom 2. November d. Is. betreffend den Verkehr mit schrift mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis, daß die Radfahrkarten auf dem hiesigen Amtsbureau in Empfang genommen werden können. Wellinghofen, den 31. Dezember 1900. Polizei=Verwaltung. Hartung. Antmann. Bekanntmachung Behufs Erweiterung des von der Baroperheide nach Dortmund führenden Weges ist der Gemeinde Barop das Recht zur Enteignung eines Splißteiles des Grundstücks Flur II Nro. 576/c 72/532 der Steuergemeinde Barop, dem Kaufmann Herrn Wilhelm Keßler gehörig, erteilt. Der vorläufig festgestellte Plan nebst Beilagen liegt gemäß§ 19 des Enteignungsgesetzes vom 11. Juni 1874 vom 10. d. Mts. an 14 Tage lang auf dem hiesigen Amtsbureau, Zimmier Nr. 1 zu Jedermanns Einsicht offen. Während dieser Zeit kann jeder Beteiligte im Umfange seines Interesses Einwendungen gegen den Plan erheben. Die Einwendungen sind bei dem Amte Barop schriftlich einzureichen oder mündlich zu Protokoll zu geben. Barop, den 4. Januar 1901 Der Amtmann: Reintzsch. Verkauf tel. eirz.,„ Herr Gössing zu Dorten mund läßt sein in Holzen bei Schwerte belegenes Gei e ehöft (in Größe von 75 Morgen) mit gut erhaltenen Gebäuden am Dienstag, den 15. Januar, nachmittags 4 Uhr, im Lokale des Herrn W. Quadbeck hier öffentl. meistb. zum Verkauf evt. zur Verpachtung aussetzen. Die Uebergabe kann gleich erfolgen. Schwerte, im Januar 1901. Hohenschwert. 700 Bürger-Schützen-Verein Schwerterheide. Sonntag, den 13 Januar 1901, nachmittags 3 Uhr, findet im Lokale des Wirts W. Emde Ostheide General versammlung statt. Tagesordnung daselbst. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten, da es sich um wichtige Angelegenheiten handelt. Der Vorstand. Eine Wohnung von 3 Zimmern nebst Stallung 2c. ist zu vermieten und pr. 1. April zu beziehen. Näheres in der Expedition d. Ztg. Eupfehle mich zur Anfertigung von sämtlichen Drucksachen für den Eine Wohnung von 4 Zimmern nebst Stallung pr. 1. Februar zu vermieten. Zu erfr. in Wohnung Theater von 2 Zimmern sofort od.] in Schwerte. 1. Februar zu vermieten. 1 Im Saaledes Herrn Hagemann. Mühlenstraße 22. Gastspiel des Mar Weidlich=Ensemble. Direktion 3. u. Letzter Abend. Donnerstag, 10. Januar 1901. Zum 2. 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Verantwortlich für den redaktionellen Tell: Franz Miller, für den Anzeigenteil: Julius Humme in Schwerte. Druck und Verlag von Karl Braus in Scwerie