Krreisbrat. Abonnements=Preis pro Quartal 1 Mt. 50 Pfg Erscheint Montags, Mittwochs, Freitags und SamstagWöchentliche Gratirbellage:„Ihurierter Kamilientreund. Verantwortlicher Redakteur: für den Kreis außerhalb des Leserkreises 15 Pfg. Reklame 30 Pfg Nr. 194. Die heutige Nummer umsaßt& Seiten. Bekanntmachung. Auf die der vorliegenden Nummer dieses Blattes beigefügte besondere Beilage, die Erhebung einer Gemeindesteuer bei dem Erwerbe von Grundstücken im Bezirke der Gemeinde Annen betr., mache ich hierdurch aufmerksam. Annen, 25. November 1898. Der Amtmann: Frieg. Tages=Ereignisse Deutsches Reich. Das neue Generalkommando, welches am 1. April 1899 für Preußen errichtet werden soll, wird seinen Standort in Frankfurt a. M. haben und sich aus der 21. Division in Frankfurt a. M. und aus der 25. Division, die in Darmstadt steht, zusammensetzen. Apotheken= Revisionen. Eine größere Anzahl preußischer Handelskammern hat dem Kultusminister ein Gesuch unterbreitet, in der um eine Aenderung der Apotheken=Revisionen in der Richtung gebeten wird, daß in Zukunft nur Mitglieder aus dem Apothekerstande zu dem Amte einer Revision berufen werren. Als ein Triumph der deutschen Industrie ist das Ergehnis der amerikanischen Prüfungskommission nach den großen Schießversuchen gegen die besten konkurrierenden Panzerplatten zu betrachten, auf Grund dessen das Marineamt in Washington beschlossen hat, die Kropp=Panzerung für alle Panzerschiffe und Kreuzer anzuwenden, die von dem Kongresse bewilligt werden. Wie Landsoldaten, so braucht Amerika gegenwärtig auch viele neue Kriegsschiffe, so daß die deutsche Industrie auch einen finanziellen Erfolg erwarten darf. Zur Deckung der Kosten der Palästinareise des Kaisers liegen eine ganze Reihe von Nachrichten vor. Während die Angabe der„Frankf. Ztg., daß dem preußischen Landtage eine diesbezügliche Vorlage zugehen würde, von mehreren Seiten mit dem Bemerken bestrittten wird, daß in maßgebenden Regierungskreisen von der Absicht einer solchen Vorlage nichts bekannt sei, heißt es auf der anderen Seite, daß diese Absicht wohl bestehe, aber selbst in konservativen Kreisen auf lebhaften Widerspruch stoße. Ohnedies werde die Reise staatliche Ausgaben in hohem Betrage nach sich ziehen, da die zur Teilnahme hinzugezogenen hohen Beamten, die Geistlichen 2c. nach den bestehenden Tarifen entschädigt werden dürften. Von offizieller Seite liegt zu den verschiedenen Mitteilungen auch heute weder eine Auslassung im bestätigenden noch im verneinenden Sinne vor. Gegen die Chinesen tritt Deutschland jetzt mit anerkennenswerter Ent. schiedenheit auf. Der deutsche Gesandte von Heyking in Pecking richtete an den chinesischen Ministerrat das bündige Verlangen, daß der jüngst in der Provinz Shanting mißhandelte katholische deutsche Missionar unter Teilnahme der Behörden feierlich in seine Station zurückgeführt und der für die Ausschreitung verantwortliche Mandarin degradiert werde. Wenn die chinesischen Aufsichtsbehörden für die Ausschreitungen des fanatischen Pöbels verantwortlich gemacht werden, dann dürfte gegen dieselben allerdings die einzig wirk sam Maßnahme getroffen sein. Der französische Gesandte in China hat es durchgesetzt, daß zum Schutze der Missionare in Tschitschou, wohin die rebellischen Truppen Kangsus zurückgezogen werden, Kavalleriemannschaften entsandt wurden. Eine Uebersicht der Etatsstärke des deutschen Heeres nach den für das Rechnungsjahr 1899 geplanten Organisationsänderungen ist dem Reichstage zugegangen. Die Thronrede des deutschen Kaisers wird von der russischen Presse sehr sympathisch besprochen. Die„Nowoje Wremja" hebt gewandte formvollendete Fassung hervor, durch welche die bisherige, vielfach gespannte politische Lage jedenfalls keine Erhöhung erfahre. Die„Novosti“ rühmen die klare Präzisierung der Stellungnahme Deutschlands zu allen großen politischen Fragen, betonen die stark zum Ausdruck gelangte Friedensliebe Deutschlands und erklären, diese Rede werd= in Europa einen großen und einen beruhigenden Eindruck machen.— Die „Korr. des Bundes der Landwirte beklagt es, daß der Not der Landwirtschaft in der Thronrede nicht gedacht ist. Die Audienz des Reichstagspräsidiums beim Kaiser findet in den allernächsten Tagen statt. Die Wiedereinführung der französischen Sprache in den elsäßischen Volksschulen ist vom Ministerium jetzt endgültig abgelehnt worden. Diese Ablehnung wird jedenfalls den Anlaß zu einer Debatte im Reichstage geben. Holländischer Heindel in Dänemark. In zahlreichen holländischen Blättern sind gegenwärtig Zuschriften aus Dänemark zu finden, in denen die Vertreter des Handels und der Industrie aufgefordert werden, den Augenblick, wo zahlreiche dänischdeutsche Geschäftsverbindungen aufgelöst werden, zu benutzen und das frei gewordene Absatzgebiet zu erobern. Es werden bereits die Geschäftszweige namhaft gemacht, in denen man die deutsche Nachlassenschaft antreten könne. Versuchsweise Gesprächsanmeldungen für telephonische Doppelgespräche, also für 9 Minuten, sollen vom 1. Januar kommenden Jahres zugelassen werden. Oesterreich Ungarn. Je mehr das Deutschtum in Oesterreich unterdrückt wird, um so mutiger erheben natürlich die Tschechen ihr Haupt, die den Ministerpräsidenten Grafen Thun nur noch als ein willenloses Werkzeug in ihrer Hand betrachten. Daß die Lösung der viel erörterten Sprachenfrage bereits in kürzester Zeit ganz im Sinne der Tschechen gelöst werden wird, ist bereits bekannt. Jetzt wird von einem tschechichen Erfolge auf dem Gebiete der Presse gemeldet, dessen Bedeutung nicht zu unterschätzen ist. Graf Thun hat seinen lieben Freunden nämlich soeben die Erlaubnis erteilt, die Stelle eines amtlichen Prager Berichterstatters für das kaiserlich=königliche Telegraphen=Korrespondenz=Bureau in Wien mit einem Tschechen zu besetzen. Das ist nun auch sofort gethan und ein seit vielen Jahren als eingefleischter Deutschenhasser bekannter Journalist als Berichterstatter bestellt worden. Die Wiener Regierung wird hinfort also über die Angelegenheiten in Wien so haßerfüllte Berichte gegen das Deutschtum erhalten, wie sie sie nur wünschen kann. Wie das Wiener„Fremdenblatt“ mitteilt, ist dem österreichischen Reichsrate ein Ausgleichsprovisorium bis Ende Juni 1899 zugegangen, das auch die Verlängerung des Quotengesetzes bis dahin enthält. Im ungarischen Abgeordnetenhause wird Herr Bauffy angeblich eine Erklärung dahingehend abgeben, daß der österreichische Ministerpräsident Graf Thun die Antwort auf die Interpellation betr. die Ausweisung polnischer und tswechischer Oesterreicher aus Preußen nach stattgefundenem Einvernehmen mit dem Minister des Auswärtigen, Grafen Goluchowski, und mit ihm, Banffy, gegeben habe, daß aber niemand in dieser Antwort eine Verletzung des unerschütterlichen Bündnisses mit Deutschland habe erblicken können. Frankreich Der Kassationshof, der bereits Kenntnis von dem Inhalte des geheimen Dossiers genommen hat, wird sich demnächst auch die Akten über Picquart von dem Militärgericht aushändigen lassen. Daß der Kassationshof nicht an das Märchen der gegen Piegart erhobenen Anklage der Fälschung des Rohrpostbriefes glaubt, hat sich bereits in der öffentlichen Sitzung herausgestellt, in der die Aufschiebung des Picquartprozesses vor dem Kriegsgericht beschlossen wurde.— Esterhazy's Geliebte, Madame Pays, hat ihren Hausstand in Paris aufgelöst und sich zu Ester hazy begeben, dem sie kurz vorher noch einige wichtige Schriftstücke nach London überbracht hatte. Auch Frau Pays beabsichtigt, gleich ihrem Geliebten Memoiren zu schreiben. Um das Schicksal der Weltausstellung 1900 macht man sich in Pariser leitenden Kreisen angeblich große Sorgen, da man die Hoffnung, das große Werk bis zur festgesetzten Zeit fertigzustellen, hat aufgeben müssen. Italien. Der französisch=italienische Handelsvertrag gelangte am 9. Dezember in Rom zur Kammerberatung und tritt am 1. Januar k. J. in Krast. Orient. Der neue Gouverneur von Kreta, Prinz Georg von Griechenland, wird an seinem neuen Bestimmungsort mit lebhaftem Jubel empfangen werden. Die Vorbereitungen zu seinem Empfange sind bereits in vollem Gange. Alle Städte der Insel und selbst die Mehrzahl der Dörfer werden zu Ehren des Prinz=Gouverneurs Flaggenschmuck anlegen und an drei auf einanderfolgenden Abenden illuminieren. Da die Bevölkerung der Insel selbst zu arm ist, um dem Prinzen eine Zivilliste zu gewähren, so wird ihm die griechische Kammer eine jährliche Apanage von 150000 Drachmen bewilligen, obgleich man es in Griechenland bekanntlich auch nicht übrig hat. Vom Zaren, dem Könige von Italien, der Königin von Griechenland, sowie von dem Präsidenten Faure sind dem Prinzen Glückwunschtelegramme zugegangen. Spanien und Amerik 1. Die Schattenseiten der jungen Großmachtstellung beginnen sich in den Vereinigten Staaten schon recht empfindlich bemerkbar zu machen; es heißt Geld und immer wieder Geld auf dem Altar des Vaterlandes opfern, was tausenden der edlen Yankees auch nicht im geringsten gefallen will. Aber jede Würde hat ihre Bürde, und es wird dem Bruder Jonathan nichts weiter übrig bleiben, als immer tiefer und tiefer in den Geldbeutel zu greifen, um diejenigen Kosten zu bestreiten, die der Erwerb und die Erhaltung ausgebreiteter Kolonien mit sich bringen. Im Repräsentantenhause zu Washington ist ein bezüglicher Antrag des Vorsitzenden der Militärkommission bereits eingebracht worden, der die Erhöhung des stehenden Heeres auf 100000 Mann fordert. Diese Truppenmassen sollen auf die Inseln Porto Rico, Kuba und die Philippinen verteilt werden. Gegen den Erwerb all dieser Inseln, besonders der in den ostasischen Gewässern liegenden Pyilippinen macht sich gerade dieser Kosten und der ungewissen Renablität wegen eine kräftige Gegenströmung in den Vereinigten Staaten bemerkbar. Pokoles. § Schwerte, 10. Dez. Wie aus dem Anzeigenteil zu ersehen, findet nächsten Sonntag im Lükeschen Saale eine Versammlung des kathol. Volksvereins statt, in welcher mehrere auswärtige Redner erscheinen werden. * Schwerte, 10. Dez. Die Kommission zur Prüfung der Bewerbungsschreiben der sich um die hiesige Bürgermeisterstelle beworbenen Herren wird der Stadtverordnetenversammlung vielleicht drei, an erster Stelle aber den Bürgermeister von Witten und den von Salzufflen zur engeren Wahl in Vorschlag bringen. Der Bürgermeister von Witten soll ein sehr befähigter und leutseliger Kommunalbeamter sein. Zu einer Wahl wird es in diesem Jahre nicht mehr kommen. § Schwerte, 10. Dez. Aufgegriffen wurde gestern ein rumänischer Staatsangehöriger. Derselbe wurde, weil er sich landstreichend umhertrieb, aus dem preußischen Staatsgebiet als lästiger Ausländer ausgewiesen. * Schwerte, 9. Dez. Zum bevorstehenden Erscheinen der 3. Ausgabe des Deutschen ReichsFernsprech=Registers für den niederrhein.=westfäl. Fernsprechbezirk, welches schon heute vom weitaus größten Teil der Fernsprechteilnehmer ausschließlich benutzt wird, machen wir unsere verehrlichen Leser heute darauf aufmerksam, daß der Verlag, Friedr. Moritz in Dortmund, im Interesse sämtlicher Fernsprechteilnehmer des niederrhein.=westfäl. Fernsprechbezirks sich bereit erklärt hat, alle diejenigen, die in letzter Zeit angeschlossen sind sowie diejenigen, welche in den nächsten Monaten dem Fernsprechnetz, im Bezirk= oder Lokalverkehr, sich Sinnsprüche, Denksprüche, Sprüchwörter 2c. Das Nötigste für jeden begabten Menschen ist: die Grenze seiner Begabung zu erkennen. Viele sind schon zu Grunde gegangen, weil sie mit fieberhaftem Ehrgeiz erstrebten, was ihrem Wesen widersprach. ** Man sollte seine Meinungen stets mit dem Vorbehalte vertreten:„Vielleicht habe ich recht.“ Man bliebe dadurch bewahrt, das Recht der Andersdenkenden zu verletzen. Schwarze Schatten. Roman von H. Rosenthal=Bonin. Nachdruck verboten. 40)(Fortsetzung.) „Ja, jemand der nach Amerika geht,“ antwortete Karl. „So müßt Ihr, Mann, auf der Passagier= liste nachsehen lassen, wenn Ihr den Namen wißt,“ unterrichtete der Schiffer. „Den weiß ich wohl,“ gab Karl mit seltsamem Gesichtsausdruck zurück. Er stieg die Schiffstreppe empor und gab sein Begehr kund, man wies ihn an den Steward.„„ Der schlug bereitwillig die Passagierliste auf und sah nach. „Margarethe Meinhardt heißt sie?“ erkundigte er sich nochmals. „Ja. brachte Karl atemlos vor Spannung und Erregung mühsam hervor. „Ist nicht darauf!“ kunft. gab der Stewart Aus„Kann noch ein Passagier jetzt ausgenommen werden?" forschte Karl. „Bis um halb zehn Uhr, ja.“ „Könnte ich zum Beispiel, wenn es nötig wird, noch ein Reisebillet bekommen?" „Bis halb Zehn wohl, Mann, wenn Eure Papiere in Ordnung sind!“ Karl zuckte zusammen— daran hatte er noch nicht gedacht. „Wer verlangt diese?“ fragte er. „Ich nehme sie ab und gebe sie dem Kapitän, dann bekommt Ihr von dem Kassierer das Billet und ich trage Euch in die Liste ein,“ unterwies ihn der Steward. Karl dankte für die Auskunft und stieg die Treppe hinab zu dem Boote, das auf ihn wartete. Er spähte scharf umher auf alle ihm begegnenden Fahrzeuge— ob in einem derselben Grete saß. Es begegnete ihm keines mit einer Frau. „Hört'mal, Mann," begann er nun zu dem Schiffer.„Kommt es vor, daß jemand ohne Paß mitfahren kann?" „Oft genug, erwiderte dieser.„Wenn man im letzten Augenblick kommt, gleich zahlt und es so einrichtet, daß man nachher seine Papiere zeigen will— Ihr versteht mich," zwinkerte der Schiffer.„IIch will Euch schon noch heraufbringen, erklärte er bereitwillig, als Karl ihm fünf Mark in die Hand drückte. „Es ist noch nicht gewiß, ob ich fahre," sprach darauf Karl Blaas, aber ich gebe Euch ein schönes Trinkgeld, wenn Ihr bis Zehn hier auf mich wartet. Ich gehe nämlich nur mit, wenn ein Frauenzimmer mitfährt.“ „Aber Ihr habt ja gar kein Gepäck, das fällt auf, Mann,“ warf der Schiffer ein.„Sie nehmen Euch gar nicht auf.“ „Ja, ich kann hier nicht fortgehen. Ich muß aufpassen, ob das Mädchen kommt,“ warf Karl ein. „Hier gegenüber in dem Laden bekommt Ihr alles, was Ihr braucht, Hemden, Hosen, Röcke, einen Mantel und einen Koffer," belehrte der Schiffer.„Ihr könnt vom Laden aus auf das Wasser sehen, und ich passe auch noch auf,“ erbot er sich. „So wollen wir schnell machen,“ erklärte Karl.„„ Und der Schiffer fuyrte iyn in das Magazin, wo in zehn Minuten Karl Blaas mit einem gewichtigen, gefüllten Koffer heraustrat, den er in der Jolle barg— dort saß er nun, unruhig und erregt umherspähend, ob er die Gesuchte irgendwo entdecken könnte. Es war schon halb Zehn, plötzlich erblickte er eine Gestalt in einem schönen schwarzen, neuen Mantel, eine Kaputze über den Kopf, in ein Boot steigen, eine Figur, die ihm bekannt vorkam. Ihm pochte das Herz so laut, daß er nicht schlucken konnte, und glaubte ersticken zu müssen vor banger Erwartung. Da wendete die Person den Kopf, und er erkannte Grete Meinhardt. „Sie ist es!“ flüsterte er dem Schiffer zu. „Jene da— ich muß mit— Ihr bekommt zehn Thaler, wenn Ihr mich glücklich hinbringt — hier habt Ihr fünf voraus,“ stieß Karl schweratmend hervor, dem Mann mit zittern den Händen das Geld gebend. „Ich bringe Euch lieber gleich hin,“ meinte der Schiffer darauf.„Ich sehe, es gehen noch viele hin— Ihr kommt unauffällig an Bord — hier nehmt meine Legimation, die thut's im Notfall auch. Ich bin ein Landsmann von Euch— noch nicht lange hier, und der Kapitän kennt mich nicht. Die Größe stimmt und die Haare auch, das ist die Hanptsache— in kriege schon wieder eine neue Legimation,“ sprach der Schiffer. Karl gab in seiner Angst und Freude, die schwierigkeit sich lösen zu sehen, dem Manne zehn Thaler. Der Jollenführer brachte ihn zum Schiffe, als es eben abfahren wollte, die kleine Pfeife ertönte schon— Karl's Koffer wurde emporgeholt. Er gab dem Steward die Legitimation. „Das ist kein Paß!“ warf dieser ein. „Der ist im Koffer, ich suche ihn nachher heraus,“ antwortete Karl. Der Steward nickte und lachte, übergab den Schein dem Kapitän. „Ihr seid Schiffer?“ fragte dieser Karl. Karl nickte. „Ostsee!“ erwiderte er. Der Kapitän winkte mit den Augen dem Steward, dieser trug Karl in die Passagierliste ein und führte ihn dann zum Kassenraum. Er zahlte sein Billet und begab sich dann zum Achterdeck, zu dem Kompaßhäuschen, wo er hinter der Wandung sich verbarg. (Fortsetzung folgt.) anschließen lassen wollen, noch in die Januar=Ausgabe des Registers für den niederrhein.=westfäl. Fernsprechbezirk frei mit aufzunehmen und unterlassen wir nicht zu empfehlen, dem Verlag schon jetzt rechtzeitig Namen, Branche und Nummer, oder wo die Nummer noch unbekannt ist, zum Zwecke des Bekanntwerdens unter den Angeschlossenen lediglich Namen und Branche spätestens bis zum 20. Dezember mitzuteilen. Ebenso wollen alle Angeschlossene des Bezirks dem Verlage besondere Wünsche betr. der Anschlüsse angeben, um das Register durchaus nach jeder Richtung hin zuverlässig und vollständig zu machen. Schöffengerichtssitzung * Schwerte, 9. Dez. Zur Verhandlung standen heute 6 Strafsachen. 1. O. Gr aus Garenfeld war angeklagt, den Fabrikarbeiter B. mittelst Stockes körperlich mißhandelt zu haben. Die Gebrüder Gr. waren am 7. August d. J. in die Sönningsche Wirtschaft eingekehrt und hatten ihr Fuhrwerk draußen ohne Bewachung stehen gelassen. Die Abwesenheit der beiden benutzte ein O. dazu, das Pferd zu maltraitieren. Die Gebrüder Gr. wollten das bei der Polizei in Westhofen zur Anzeige bringen. Auf diesem Wege treffen sie mit dem B. zusammen, während O. das Weite gesucht hatte. Es entspann sich nun zwischen dem Bruder des Angeklagten und dem B. ein nicht gerade auf Freundschaft schließendes Zwiegespräch, in dessen Verlaufe B. den Bruder des Angeklagten mit einem Dolche zu erstechen drohte, welche Drohung er aber nur scherzweise gemacht haben will, wofür allerdings der Nichtbesitz eines Dolches, wie sich bei einer Visitation herausstellte, spricht. Durch diese Situation wurde der Angeklagte gereizt und ohne durch die Lage der Sache im eigenen sowohl wie im Interesse seines Bruders dazu gezwungen zu sein, ließ er sich zu mehreren Schlägen auf den B. verleiten, die ihm durch das heutige richterliche Erkenntnis in einer Strafe von 50 Mark oder eventl. 10 Tage Gefängnis und die Bezahlung der Kosten eine empfindliche Sühne zufügen. 2. Daß Kinder untereinander sich nicht immer sehr gut vertragen, ist eine leider sehr häufige Erscheinung, daß aber Mütter, anstatt den Bengels zum Besten zu raten, diese leicht empfänglichen Gemüter zu einer Wiedervergeltung lebensgefährlicher Art aufreizen und ihrer begreiflichen inneren Erregung in der wenig erzieherischen Form„Eck schmit di datste verreckst, du As“ Ausdruck geben, ist Gott sei Dank nicht so häufig zu beobachten, aber um so bemerkenswerter. Möchten doch Mütter in solchen Fällen nicht ihre Zuflucht zur Rache nehmen, es ist ein schlechtes Beispiel, das in dem in Schutz genommenen eigenen Kinde Gefühle weckt, die sich im Laufe seines Lebens zu einer Untugend kondensieren können, deren Auswüchse täglich unsere Gerichte beschäftigen. Das Beste ist und bleibt und hat auch erfahrungsgemäß die günstigste Wirkung, wenn der Bube für seinen Bubenstreich Bubenstrafe von der berechtigten Seite erhält, d. i. wenn der Lehrer oder die Eltern unter vier Augen die Zuchtrute gebrauchen. Man sollte ja vermeiden, der Berechtigungsliebe solch kleiner Bürschchen durch irrationelle Elternliebe Nahrung zuzuführen. Anwohner sollten in einer zeitweiligen Unverträglichkeit der Kinder doch nie einen Anlaß zur Feindschaft finden. Wohin das führt, zeigt der zur Verhandlung stehende Fall. Frau A. von hier, dessen Kind von einem Jungen eines anderen Bewohners geworfen worden sein soll, hob in ihrer Aufregung denselben Stein (Ziegelstein) wieder auf und warf nach dem Jungen mit dem oben erwähnten Ausdruck. Das Gericht verurteilte sie zu 10 Mark Strafe und Tragung der Kosten. 3. Der Fabrikarbeiter V. hatte den Handelsmann R., der bei der Schwester des V., die Witwe ist und bei der V. wohnt, etwas verkaufen wollte und dabei aufdringlich geworden war, in etwas derber Weise an die Luft gesetzt, so daß verschiedene Wunden am Kopfe des Handelsmannes entstanden. V. muß dafür 40 Mark Strafe und die Kosten bezahlen. 4. Bei Vielen scheint die Meinung obzuwalten, daß man beim Verzuge eine Abmeldung innerhalb drei Tagen zu bewirken habe, gerade wie bei der Anmeldung. Das ist ein Irrtum. Man hat sich vor dem Wegzuge laut Regierungsverfügung abzumelden. Diese Versäumnis mußte der Angeklagte K., der gegen eine Polizeistrafe richterliche Entscheidung beantragt hatte, mit 1 Mark Geldstrafe oder 1 Tag Haft büßen. 5. Am 2. April d. I. kehrten der Arbeiter B. aus Aplerbeck, Handelsmann V. aus Berghofen und der Arbeiter L. von hier (die beiden ersteren sind schon vorbestraft) bei Herrn Nehring am Freischütz ein und verzehrten dort eine erkleckliche Anzahl Bier. Als es an's Bezahlen ging, fanden die drei die Rechnung zu hoch; sie wurden grob, besonders der Angeklagte B., und leisteten der Aufforderung des Wirts, das Lokal zu verlassen, keine Folge. Die Angeklagten machten sich hierdurch des Hausfriedensbruches schuldig und wurden dafür wie folgt in Strafe genommen: B. erhielt 4 Wochen Gefängnis, V. und L. je eine Woche und überdies haben die drei gemeinsam die Kosten des Verfahrens zu tragen. 6. Die große Schlägerei in der Nacht des 11. September d. J. auf der Brückstr. fand heute ihre Sühne. Angeklagt waren der Anstreicher Kr. sen. und jr. Der Sache liegt kurz folgender Thatbestand zu Grunde. Die Angeklagten kommen in die Waltersche Wirtschaft, geraten dort mit dem Kolporteur E., der für den Turnerbund Bilder eingerahmt hat, die nicht bezahlt sein sollen, in Wortwechsel, der die Veranlassung zum Aufbruch des E. giebt. Die Angeklagten, die sich nach dem Zeugnis des Wirts Walter nicht aufs Beste benommen haben, wurden von diesem aufgefordert, das Lokal zu verlassen, welche Aufforderung aber nicht direkt befolgt wurde. Nachdem die beiden Angeklagten draußen waren, wurde Kr. jr. eilig in der Verfolgung des E. Auf der Brückstraße kam es zum Zufammenstoß, wobei es zu den schon bekannten Messerstechereien kam, die in der Hauptsache Kr. jr. ausgeführt hat, während Kr. sen. durch seinen Eingriff mehr eine Befreiung seines Sohnes herbeiführen wollte. Die Verhandlung war eine verhältnismäßig sehr lange; viele Zeugen waren geladen und der Zuhörerraum war gefüllt. Die Zeugen bekundeten für die Angeklagten wenig Entlastendes. Die Verteidigung führte Herr Rechtsanwalt Schrob aus Hörde, der in einer glänzenden Verteidigungsrede für Kr. sen. auf Freisprechung plaidierte und für Kr. jr. die vom Amtsanwalt beantragte Gefängnisstrafe von vier Monaten nicht am Platze hielt. Er stützte sich dabei wesentlich auf die durch eine Unsicherheit im Ausdruck die Glaubwürdigkeit herabmindernde Aussage des Hauptbelastungszeugen Schuhmachermeisters Schm., sowie auf die Schwierigkeit bei einer so großen Schlägerei, wo 6 bis 8 Menschen verwickelt seien, mit Sicherheit die wahren Thäter festzustellen. Der Amtsanwalt beantragte, den Angeklagten Kr. jr. in eine Strafe von vier Monaten Gefängnis, Kr. sen. in eine solche von 100 Mark Geldstrafe zu nehmen. Nach stark halbstündiger Beratung verkündete der Herr Amtsrichter das Urteil. Kr. jr. erhielt 6 Monate Gefängnis, Kr. sen. 20 Mark Geldstrafe und Tragung der Kosten. Außerdem wurde Kr.jr. wegen Fluchtverdachts sofort verhaftet. ermordet auf. Als des Mordes verdächtig wurde der Mann der Ermordeten festgenommen. Essen, 6. Dez. Entsprungen. Der Untersuchungsgefangene Kaufmann und Techniker Wilhelm Müller aus Bochum, der sich auch den Namen Kurt Höpfner beigelegt hat, ist auf dem Transport von Metz nach hier bei Mülheim am Rhein ausdem Wagenabteil des Eisenbahnzuges entsprungen und entkommen. Müller ist der Komplize eines hier bereits in Untersuchungshaft befindlichen berüchtigten Diebes Georg Karstedt und haben beide hier in Essen, Düsseldorf, Köln, Brüssel 2c. Diebstähle ausgeführt. Karstedt nannte sich früher fälschlich Georg Solms. Müller ist 21 Jahre alt, von gesetzter Statur, hat ein volles, rundes Gesicht, blondes Kopfhaar und blonden Schnurrbart. Bekleidet ist derselbe mit einem hellen Pelerinenmantel, braunem Anzug und braunem Schlapphut. Wesel, 7. Dez. Die nachträglich bekannt gewordenen Details lassen darauf schließen, daß Heegmann den Mordanschlag gegen den Rektor Pieper mit großem Vorbedacht ausgeführt hat. Den Jievolver hat er während des nachmittäglichen Unterrichts bereits bei sich getragen. Köln 8. Dez. Großes Aussehen erregt die im hiesigen Hohenstaufenbade erfolgte Verhaftung des Grafen Günther von der Schulenburg. Derselbe wurde von einem Aufseher bei einem Vergehen gegen die Sittlichkeit, begangen an einem minderjährigen Knaben, überrascht und, da er sich heftig wehrte, von der Polizeibehörde geschlossen abgeföhrt. Westfalen=Rheinland. Hörde, 7. Dez. Die Stadtverordneten bewilligten einen weiteren Betrag von 2000 Mt. für das Kaiser Wilhelm=Denkmal auf Hohensyburg. Essen, 6. Dez. Ein scheußlicher Mord ist hier verübt worden. Gestern Nachmittag fand man nämlich in ihrer Wohnung die unter sittenpolizeilicher Kontrolle stehende Frau Johanne Menne geb. Küpper durch Beilhiebe Neueste Nachrichten und Depeschen. Berlin, 10. Dez. Vom Kaiserhofe. Unser Kaiser arbeitete Donnerstag nachmittag allein und besichtigte dann die neuen Beleuchtungsanlagen in der neu restaurierten Garnisonkirche. Am Freitag hielt Se. Majestät in der Nähe des Forsthauses Entenfang bei Wildpark eine Fasanenjagd ab. Berlin, 10. Dez. Kaiserin Friedrich, die in den letzten Tagen auf dem Landgut Sandringham ihres Bruders, des britischen Thronfolgers, weilte, wird am Montag zu ihrer Mutter nach Schloß Windsor zurückkehren. Berlin, 10. Dez. Der Staatssekretär des Reichsmarineamts Tirpitz befindet sich z. Z. in Essen, woselbst er die Kanonenund Lafettenwerkstätten besichtigt.— Der Chef des kaiserlichen Zivilkabinets von Lukanus, und Landwirtschaftsminister v. Hammerstein sind als Gäste des Herzogs Ernst Günther, Bruders der Kaiserin, zur Jagd in Prinkenau(Schlesien) eingetroffen. — Zum Regierungspräsidenten von Erfurt ist Oberregierungsrat v. Delvitz in Breslau ernannt. Bekanntmachung. Nachdem gegen den Fluchtlinienplan der Beckestraße von der Moltke= bis zur Bahnhofstraße nebst den Anschlüssen an die Bahnhof= und Gasstraße sowie von einem Teil der Sedanstraße Einwendungen nicht erhoben worden sind, wird derselbe hiermit förmlich festgestellt. Der Plan liegt während 14 Tagen auf dem Stadtbauamt zu jedermanns Einsicht offen. Schwerte, den 7. Dez. 1898. Magistrat. Bekanntmachung. Es wird hiermit zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß die Maul= und Klauenseuche unter dem Rindvieh= und Scheinebestande des Lanwirts Heinrich Lenz zu Kl. Holthausen, sowie die Maul= und Klauenseuche unter dem Rindviehbestande des Landwirts Heinrich Schulte gent. Trux zu Kirchhörde Nr. 93 erloschen ist. Die zur Bekämpfung der Seuche angeordneten Verkehrsbeschränkungen 2c. sind aufgehoben. Kirchhörde, den 5. Dez. 1898. Die Polizeiverwaltung. Kuntze. Bekanntmachung. Die Eintragungen in das Genossenschaftsregister werden für das Jahr 1899 im Deut schen Reichs= und Königlich Preußischen Staatsanzeiger und der Schwerter Zeitung veröffentlicht werden. Schwerte, den 28. Nov. 1898. Königk. Amtsgericht Bekanntmachung. Im Jahre 1899 werden die Bekanntmachungen betreffend die Eintragungen in das Handelsregister veröffentlicht durch 1. den deutschen Reichs= und Königlich Preußischen Staatsanzeiger, 2. die Kölnische Zeitung, 3. die Schwerter Zeitung, 4. den Schwerter Anzeiger. Schwerte, den 28. Nov. 1898. Königl. Amtsgericht. Ein noch fast neuer Herd umzugshalber billig zu verkaufen. Zu erfragen in der Exped. d. Bl. 13 Vereinigte Gesellen=Auftlage, eingeschriebene Hülfskasse, Schwerte. General. Versammlung Montag, den 19. Dezember, abends 8½ Uhr, im Vereinslokal. Tages=Ordnung: 1. Vorstandswahl. 2. Wahl des Kassenarztes. 3. Wahl der Revisoren. 4. Wahl des Vereinslokals. 5. Verschiedenes. Der Vorstand. Kavauerte-Verein Schwerte. Sonntag, den 11. d. M abends 8½ Uhr, findet im Vereinslokal(Witwe Brenne) eine ordentliche GeneralVersammlung. statt. Tages=Ordnung: 1. Zahlung der Beiträge. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Ergänzungswahl des Vorstandes. 4 Wahl des Vereinslokals. 5. Verschiedenes. Der Vorstand. Vienenzucht=Verein Westhofen. Generalversammlung Sonntag, den 18. Dezember nachmittags 3½ Uhr. Tages=Ordnung: 1. Rechnungslage. 2. Vortrag des Herrn Lehrei Schulte 3. Antrag auf Verlegung der Vereinstage. 4. Vortrag des Vorsitzenden über die Stachelbeeren. 5. Verschiedenes. Um recht vollständiges Erscheinen bittet Der Vorstand. 10% Rabatt gebe ich bis zum 31. Dezember cr. bei Einkäufen von Mk. 3.00 an auf sämtliche Artikel meines großen Warenlagers. 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Der durch eine stattliche Anzahl neuer Männer „verjüngte" Reichstag ist zu eifriger legislativer Thätigkeit zusammengetreten, die freilich schon nach kurzer Frist eine längere weihnachtliche Unterbrechung erfahren wird. Die Thronrede, mit der der Kaiser den Reichstag eröffnete, hat überraschende Enthüllungen nicht gebracht, was ja freilich überhaupt nicht der Zweck der Thronreden ist. Betreffs der Vorlagen, deren Erledigung dem Reichstage obliegt, hat die Theggtehe im wesentlichen nur Bekanntes bestatg.: Soweit aber über den Inhalt der Vorlagen noch Zweifel bestanden, so über die Tendenz des viel umstrittenen Gesetzentwurfes zum Schutze der Arbeitswilligen, hat auch die Thronrede diese Zweifel nicht gelöst. Auffallen mußte, daß eine andere streitige und höchst wichtige Frage, die der Gestaltung des obersten Militärgerichtshofes, in der Thronrede überhaupt nicht erwähnt worden ist. Der Schluß liegt nahe, daß die Meldungen, wonach in dieser Frage bereit ein völliges Einvernehmen erzielt worden sei, den Thatsachen doch vorausgeeilt ist, wenn auch kein Zweifel darüber bestehen kann, daß, soweit hier noch Diffcrenzen vorhanden sein mögen, sie nur nebengeordneter Bedeutung sind und der definitiven Lösung der Frage keine Schwierigkeiten bereiten werden.„ Daß die Thronrede auch außeryalo ein Echo hervorrufen würde, war natürlich, um so natürlicher, als sich die kaiserliche Ansprache auch mit derjenigen Frage beschäftigte, die seit längerer Zeit in dem Vordergrund des allgemeinen Interesses steht, wenn auch der praktische Effekt schwerlich diesem Interesse entsprechen wird: wir meinen die internationale„Friedenskonferenz, deren Zusammenteilt„trotz alledem und alledem“ in kurzer Zeit zu erwarten ist. Die Thronrede beschäftigte sich an zwei Stellen mit der Friedenskonferenz und zwar in sehr verschiedenartiger Weise. Einmal direkt, indem sie der Konferenz einige sehr allgemein gehaltene wohlwollende Worte widmete, und zweitens indirekt, indem sie die Militärvorlage ankündigte und warm für dieselbe eintrat. Es ist ein sonderbares Satyrspiel, daß zur selben Zeit, wo Europa sich zur feierlichen Abhaltung der Friedenskonferenz rüstet, die Großmächte sämtlich zu einer starken Vermehrung ihrer Rüstungen schreiten. Der Verlauf der politischen Ereignisse in den letzten Monaten hat den Skeptizismus, den wir der Konferenz von Anbeginn entgegenbrachten, noch ganz beträchtlich verstärkt und wir werden zum Schluß schon zufrieden sein, wenn die Petersburger Konferenz nicht auf den Titel „Rüstungsvermehrungskonferenz berechtigte Ansprüche erheben wird. Mit mißvergnügten Sinnen sieht man begreiflicher Weise besonders in Frankreich der ominösen Konferenz entgegen, und diese innere Unzufriedenheit ist um so stärker, als man aus Höflichkeit gegen den Zaren gezwungen ist, nach außen hin gute Miene zu dem bösen Spiel zu machen, das den revanchedurstigen Franzosen zumutet, sänftlich des Friedens Schalmeien zu handhaben. Wer wollte verkennen, daß der Liebesfrühling des Zweibunds langsam aber sicher einem Winter des Mißvergnügens Platz macht. Nicht nur, daß die Hoffnung der Franzosen auf eine„Grenzberechtigung“ an den Vogesen begraben werden mußte, auch in dem Konflikt mit England hat Frankreich vergeblich auf die Unterstützung des„Alliierten“ gewartet und einen schmählichen Rückzug antreten müssen. Trotz dieses wenig geordneten Rückzuges ist aber der latente Konflikt zwischen den beiden feindlichen Mächten keineswegs aus der Welt geschafft worden, wie der neueste durch die Rede des englischen Botschafters in Frankreich, Sir Edmond Bonson, hervorgerufene Zwischenfall zeigt. Der englische Botschafter hat den Franzosen eine kleine Vorlesung über den guten Ton in allen politischen Lebenslagen gehalten, welche den Ingrimm der Franzosen über die Engländer noch erheblich gesteigert hat, aber Frankreich sieht sich aus mannigfachen Gründen genötigt, diesen Groll fürs erste in des Busens tiefste Tiefen zu verschließen. Nur ein Trost bleibt den Franzosen, daß ihnen wenigstens in China das Anschlagen einer schärferen Tonart vergönnt ist. Den äußeren Anlaß zu dem Vorgehen gegen das zerfallende Riesenreich des Ostens bietet die Gefangen nahme eines Missionars, aber der innere Grund liegt tiefer. Auch Frankreich, das an so vielen Punkten der Welt resigniert hat, beansprucht einen Platz an der Sonne des chinesischen Reiches. Der gefangene Missionar wird vielleicht bald die Metamorphosen in einige Landkonzessionen erfahren. In Ostasien wird sich zweifellos ein Teil der Zukunftspolitik Europas abspielen, und die europäischen Mächte sind darauf bedacht, sich eine günstige Position für die Zeit zu sichern, wo die unvermeidliche Liquidation des zerfallenen chinesischen Riesenreiches beginnen wird. Aber auch die Vereinigten Staaten sind entschlossen, Ansprüche auf diese dereinstige Erbschaft zu machen, denn die Amerikaner sind über den Grundsatz „Amerika den Amerikanern“ längst hinausgekommen und haben ihre Blicke begehrend nach anderen Erdteilen gewandt. Der Krieg mit Spanien bedeutete den Anfang dieser Politik und er wird sicherlich nicht das Ende vom Liede sein. Die Amerikaner sind Geschäftspolitiker, aber sie halten auf äußeren Anstand. Bei der Eröffnung des Kongresses haben sie in feierlichem Gebet den Segen des Himmels auf das spanische Volk, den jungen König und die KöniginRegentin herabgefleht, aber gleichzeitig„befreien“ sie die Spanier von ihren Kolonien, offenbar aus Furcht, daß sie den Spaniern nicht zum„Segen“ gereichen könnten. Die bei der Eröffnung des Kongresses verlesene Botschaft des Präsidenten Mac Kinley hat aber nicht nur in Spanien Trübsal erweckt, sondern auch in England fühlt man sich schmerzlich enttäuscht. Seit Jahren schwärmen die sonst so nüchternen Engländer schmachtend für das„angelsächsische Bündnis“, die Botschaft Mac Kinleys aber bringt den harrenden Engländern nichts als einige leere Redensarten. Der Mißmut der Engländer macht sich denn auch unverhohlen Luft und die Diskussion des viel erörterten Bündnisses, von dem die schlauen Amerikaner aus leicht begreiflichen Gründen nichts wissen wollen, dürfte nun für einige Zeit von der Tagesordnung verschwinden. Die Bündnisse der Nationen beruhen nicht auf Stammverwandtschaften, wie die Engländer dies den amerikanischen„Vettern“ suggerieren wollten, sondern auf der Gemeinsamkeit der materiellen Interessen. Eine solche Interessengemeinschaft bildet die Grundlage des Dreibunds und es gehört die ganze Verbissenheit und Unfähigkeit der Leute und Parteien, die in Oesterreich soeben den maßgebenden Einfluß auf die Leitung der politischen Angelegenheiten ausüben, dazu, um dieses dringende Interesse der österreichisch=ungarischen Monarchie an der Erhaltung des Dreibundes zu verkennen oder hintenanzusetzen. Es war nur zu natürlich, daß der kürzliche Vorstoß des Grafen Thun gegen die deutsche Regierung allenthalben den Eindruck erwecken mußte, als ob der Dreibund, dessen Bestand bisher als die sicherste Garantie des europäischen Friedens betrachtet wurde, sich seiner Liquidation nähere. Eine unzweideutige Klarstellung, daß dem nicht so ist, wurde von österreichischer Seite bisher nicht gegeben, denn eine die Festigkeit des Dreibundes betonende Ansprache des österreichisch=ungarischen Botschafters in Berlin kann als eine solche offizielle Kundgebung doch wohl nicht aufgefaßt werden. Aber die Verhältnisse in Oesterreich geben auch sonst zu ernsten Bedenken genug Veranlassung, denn es ist auf die Dauer nicht zu vermeiden, daß die heftigen Kämpfe, die dort zwischen Deutschen und Slaven ausgefochten werden, ihre Wirkung auch nach außen geltend machen. Tritt zu den Wirren in Oesterreich jetzt noch die kaum zu vermeidende Krisis in Ungarn, so muß der Zustand der politischen Anarchie sich naturgemäß verzwiefachen und der weiteren Entwickelung Oesterreich=Ungarns kann nur mit den ernstesten Besorgnissen entgegengesehen werden. Das Schönste ist zur Stelle, Es flutet durch die Winternacht Des Lichtes goldne Welle, Nun gilt die Meinung weit breit: Es wird ja nachgerade Zeit, Nach hier und dort zu laufen, Um tüchtig einzukaufen. Wie sonderbar! der trübsten Zeit Int so viel Glanz zu eigen Und auch die Fee„Wohlthätigkeit“ Beginni sich schon zu zeigen! Sie kündet, ewig hülfsvereit: Kommt her, die Ihr beladen seid, Für alle, die in Nöten Wird lebhaft eingetreten! Ger lebhaft wirds nach altem Brauch Zum allgemeinen Wohle Und lebhaft wirds vor allem auch In Deutschlands Metropole! Die Reichstagsherren treten an Und sagen nun dem Weihnachtsmann, Was er vor allen Dingen Dem Deutschen Volk soll bringen. Auch auf politischem Gebiet, Wirds lebhaft, wie im Handel, Man merkt der Zeiten Unterschied Und auch der Dinge Wandel. Reformen hier, Reformen da, Das Gute liegt ja immer nah, Nun wünschen wir nichts weiter, Als das es blüht! Ernst Heiter. vom Jagdaufseher Maleri erschossen. Arnold war mit einem Genossen auf die Fasanen= jagd gegangen und wurde auf dem Heimwege mit 12 Fosanen beladen von dem Jgdausseher ertappi. Beide rissen die Gewehre an die Wangen, doch kam der Jagdaufseher zuerst zum Schuß. Der Genosse Arnolds erhielt einen Streisschuß, konnte sich aber noch reiten. * Kiel, 6. Dez. Als das Panzerschiff „Beowuls“ nach seiner Rückkehr vom Torpedoschießen im Innenhafen an seiner Boje sestmahen wollte, kenterte der Kutter. Von der aus 10 Mann bestehenden Besatzung wurden 8 gerettei; ertrunken sind die Matrosen Krüger und Weißmann. * Algier, 5 Dez.(Tel.) Der französische Dampfer„Algerois“ ist in der Nähe von Bone untergegangen. Elf Personen sind ertrunken. Zeitgemäße Betrachtungen. (Nachdruck verboten.) wird lebhaft!—— Fürwahr, auf jeglichem Gebiet Im Wandel wie im Handel Merkt man: Der Zeiten Unterschied Bedingt der Dinge Wandel, Der greift hinein in Lust und Leid Und namentlich um diese Zeit Da ist er nicht geringe, Der Wandel aller Dinge! Wie ward es still, da auf der Au Die letzten Blumen starben Der Himmel zeigte grau in grau Die trübste aller Farben! Erstorben schien die Freude schon, Es war die Welt so monoton, Als sollte es auf Erden Recht trüb und öde werden! Da kam— wie immer sieggewohnt In freundlicherm Gewande Des Jahres allerletzter Mond Dezember in die Lande, Er sprach: Sinkt uns zu früh die Nacht, Dann wird die Nacht zum Tag gemacht, Aus dieser Botschaft klinge Ein Wandel aller Dinge! Der Wandel hat sich eingestellt, Er bringt manch sichtbar Zeichen Und lebhaft wird es auf der Welt Ja, lebhaft sondergleichen. Das sind die Tage des Advents, Die uns in edler Konsequenz Erfreuen und beleben Und Handel, Wandel heben. Man konkurriert in Glanz und Pracht, Westfalen=Rheinland. Düsseldorf, 5. Dez. Vor der Strafkammer standen heute die Polzzeisergeanten Heinrich Jansen und Joh. Leuthen von hier, welche der Mißhandlung zweier Arrestanten, der Arbeiter Gerh. Fick und Ernst Klippmüller, beschuldigt waren. Wie F. und K. behaupten, sind sie in der Sylvesternacht ohne jeden Grund verhaftet worden, sie wurden nach der Polizeiwache in der Stockampstraße gebracht. F. beklagte sich dort darüber, daß ihm auf dem Transportwege die Handkette zu fest angezogen sei. Als Antwort erhielt er einen Schlag ins Gesicht, daß ihm das Blut aus der Nase drang Trotzdem der Angeklagte I. dem F. 20 und K. 30 M. Schmerzensgeld verabfolgte, wollten bei Eintreffen der von den Mißhandelten erstatteten Anzeige weder J. noch L. oder sonst ein Beamter von einer vorgekommenen Mißhandlung etwas wissen und der Kommissar Born meinte in der heatigen Verhandlung, daß er etwas hätte hören müssen, wenn in der fraglichen Nacht auf der Wachtstube etwas Außergewöhnliches passiert wäre. Das Gelicht hielt nach der umfangreichen Beweisaufnahme, die über drei Stunden in Anspruch nahm, nur I. der Mißhandlung für überführt und verurteilte ihn zu 4 Monaten Gefängnis, L. wurde freigesprochen. Essen, 6. Dez. Focke gegen Brust: In einer Bergarbeiterversammlung hatte der Vorsitzende des christlichen Gewerkvereins, Brust, behauptet, der Bergmann Flocke habe für den Streik bestimmt, dann aber an die Zechenverwaltung einen Brief geschrieben, er werde alles thun, damit es nicht zum Streik komme. In der Versammlung spielte sich folgende Szene zwischen den beiden Männern ab: Brust: Focke hat gesagt, er hätte an die Verwaltung kein Schreiben gerichtet. Ich kann nicht immer einen Packen Material in meinen Taschen mitschleppen, weiß ich doch nicht, ob ich dasselbe gebrauchen kann. Ich erkläre nunmehr ausdrücklich und wohl überlegt, Focke ist ein öffent licher Lump!(Focke ruft; Niedertracht!) So, nun erwarte ich, das mich Focke verklagt und dann werde ich beweisen, das Focke einen Brief an die Verwaltung geschrieben hat. Ich stelle Focke anheim, mich zu verklagen, ich sage noch einmal, er ist ein öffentlicher Lump.— Als jetz[Focke erregt aufspringt, erklärt Brust: Ich muß die Versammlung auf einige Minuten vertagen, um ein räudiges Wesen herauszuschaffen! Focke wird nun von Brust aus dem Saal gewiesen)— Nun hat Focke gegen Brust Klage angestrengt. Brust kriecht aber zu Kreuze und erklärt: Icherkläre, den Wahrheitsbeweis nicht antreten zu können, ich bedaure, die Beleidigung in der betreffenden Versammlung ausgesprochen zu haben, da ich seinerzeit falsch inforwirt gewesen, ich nehme mit Bedauern die von mir aufgestellten falschen Behauptungen zurück, und ich erkläre, meine Gegenklage zurückzunehmen, wenn der Kläger seine Klage zurücknimmt!.... Das ist ja ein recht netter Herr, dieser Brust! Büchertisch. Die unter dieser Rub rik angezeigten Werkesind. durch die C. Braus'sche Buchhandlung zu beziehen Alldeutsche Kunstblätter. Wer Gelegenheit gehabt hat, den Einfluß zu beobachten, welch' national erzieherische Wirkung geschichtliche Bilder auf den Beschauer ausüben, wird es mit Freuden begrüßen, daß der Alldeutsche Verband den Versuch macht, dem deutschen Volke zu einem bisher unerhört billigen Preise die Werke seiner ersten Künstler in vorzüglichen Kupferdrucken zu bieten. In diesem Jahre kommen vier Blätter im Verlage von J. F. Lehmann in München zur Ausgabe.„Bismarck“ von Lenbach,„Hermannsdenkmal" von H. Braun,„Bennekes Sieg über die englische Flotte“ von Prof. H. Petersen und „Kaiser Wilhelms Ritt über das Schlachtfeld von Sedan“ von A. Hoffmann. Alle vier Blätter zusammen kosten Mk. 10.—, ein einzelnes Blatt Mk. 3.—, in schönem Rahmen Mk. 7.—. Vice=Admiral a. D. R. Werner hat soeben seine„Deutsche Leekriegsgeschichte“ vollendet. Zum ersten Male wird hier von einem hervorragenden Fachmann eine zusammenhängende Geschichte der Entwickelung der deutschen Flotte von den ältesten Zeiten bis auf den heutigen Tag geboten. Das Buch bietet für Alt und Jung eine Fülle der Belehrung, Anregung und Begeisterung. Werner schildert uns, wie die deutsche Hansa eine Weltmacht wurde und England ihre Gesetze aufzwang, wie die nordischen Könige nur mit Erlaubnis der Hansa ihre Kronen annehmen durften. Was Eintracht stark gemacht, zerfiel durch Zwietracht und mit der Stärke der Flotte ging auch der blühende deutsche Handel zu Grunde. Der große Kurfürst hatte weitblickend die Bedeutung der Flotte wieder erkannt und bot alles auf, sie zu heben und ein Kolonialreich zu schaffen— leider vergeblich Erst 200 Jahre später wurde sein Werk wieder fortgesetzt. Der Flottengründung im Jahre 1848, der Norddeutschen und der Reichsflotte ist ein breiter Raum gewidmet. Wenn die Flotte auch noch keine Gelegenheit hatte, in großen Schlachten ihre Kraft zu erproben, so ist sie, wie wir auch hier erkennen lernen, doch in Dutzenden von Fällen kraftvoll für die Interessen des Reiches eingetreten. Werner's Erzählergabe tritt auch in diesem Buche, das noch rechtzeitig vor Weihnachten erscheinen wird, glänzend zu Tage. Die Frage der nationalen Erziehung der deutschen Jugend ist gerade im Verlaufe der jüngsten Zeit wiederholt angeregt und aus den verschiedensten Gesichtspunkten erörtert worden. Einem praktischen Versuche, zu ihrer Lösung beizutragen, entspringt ein Unternehmen, zu dessen Förderung sich nahezu alle nationalen Vereine Deutschlands und Oesterreichs, sowie eine große Anzahl hervorragender Männer zusammengeschlossen haben. Unter der Leitung des bekannten Jugendschriftstellers Julius Lohmeyer beginnt im Verlage von J. F. Lehmann in München soeben die reich illustrierte Vaterländische Jugendbücherei für Knaben und Mädchen zu erscheinen. Vor Weihnachten gelangen noch 5 Bändchen zur Ausgabe. Die Namen von felix Dahn, Blüthgen, W. Hahn, Wildenradt, Ohorn, H. Hofmann, H. Seidel und vielen anderen unserer Besten, welche hier ihre Feder in den Dienst des deutschen Gedankens stellen, bürgen für deutschen, künstlerischen Wert der Werke. Möge das junge Unternehmen, das an Stelle der phantasieerregenden Indianergeschichten, Werke von vaterländischer Bedeutung in edler Form setzen will, sein hohes Ziel zum Heile unserer Jugend erreichen. Vermischtes. * Christiana, 6. Dez.(Tel.) Durch Erdrutsch wurde der Hof Sandbakken bei Tromsoe zerstört. 8 Personen wurden getötet und mehrere verletzt. * Celle, 6. Dez.(Mord.) Die 15jährige Lina Stolzmann ist gestern abend gegen 10 Uhr in der Schloßanlage durch einen Stich ins Herz ermordet worden. Der Mörder ist leider entkommen. * Stockholm, 5. Dez. Nach hier gelangten Meldungen soll im Uralflusse eine Platte gefunden worden sein, auf welcher vermerkt ist, Andrée habe den Fluß passiert. * Karlsruhe, 5. Dez. Bei Friesenheim. Amt Lahr, wurde Samstag morgen der Dienstknecht Arnold, ein bekannter Wilderer, Todesfall 10 Prozent eines Teilhabers und Neu-Ueberp.# nahme veranlassen uns zu einem extra Rabatt# Wirklichen AusverkaufE auf alle schon reduzierten Preise während der InventurLiquidation Muster auf Verlangen franko. Modebilder gratis. für Weihnachtsgeschenke in Damenkleiderstoffen für Winter, Herbst, Frühjahr und Sommer, und offerieren beispielsweise: 6 Meter soliden Winterstoff z. Kleid f. M. 1.80 Pf. 6 Meter soliden Santiagostoff z. Kleid f. M. 2.10 Pf. 6 Meter solid. Negligé und Velourstoff z. Kleid f. M. 2.70 Pf. 6 Meter solides Halbtuch z. Klefd f. M. 2.85 Pf. sowie neueste Eingänge der modernsten Kleider- u. 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