Amtliches Kreisblatt Abonnements=Preis pro Quartal 1 Mk. 50 Pfg. Erscheint Montags, Mittwochs, Freitags und Samstags. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“ Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Hoerster, Schwerte. für den Kreis Görde. Insertionsgebühr für die 6spaltige Zeile oder deren Raum 10 Pfg., außerhalb des Leserkreises 15 Pfg. Reklame 30 Pfg Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Nr. 170. 1. Blatt. Samstag, 29. Oktober 1898. 31. Jahrgang. B.tanntmachnna Nach Artikel 38 Nr. 6 der Anweisung vom 5. August 1891 zur Ausführung des Einkommensteuer=Gesetzes dürfen nur diejenigen Lasten, Schuldenzinsen usw. bei der Einkommensteuer=Veranlagung berücksichtigt werden, deren Bestehen keinem Zweifel unterliegt. Diejenigen Eingesessenen des diesseitigen Amtes, welche bei der bevorstehenden Einkommensteuer=Veranlagung für das Jahr 1899/1900 Schulden und andere Lasten, Zinsen und Lebensversicherungsprämien berücksichtigt haben wollen, werden hiermit ersucht, solche unter Vorlegung der Dokumente und Quittungen bis spätestens zum 10. November d. J. auf dem hiesigen Amtsbüreau(Zimmer Nr. 7) anzumelden und glaubhaft nachzuweisen. Aplerbeck. den 22. Oktober 1898. Der Amtmann: Gutjahr. * Gegen die Beibehaltung der zweijährigen Dienstzeit polemisiert ein aus militärischen Kreisen stammender Leitartikel der„B. N. N.“, in welchem bemerkt wird, daß schon in der bevorstehenden Tagung des Reichstags die Frage geprüft werden wird, ob die abgekürzte Dienstzeit auf die Dauer oder zunächst noch einmal auf eine unbestimmte Zeit zur Einführung gelangen soll Das Blatt meint, da die Ansichten in den militärischen Kreisen sehr geschulte seien, so würde man wohl auf die gesetzmäßige Festlegung der zweijährigen Dienstzeit für die Dauer abzusehen haben, und nur auf gewisse, absehbare Zeit eine solche in Aussicht nehmen dürfen. Für den gewöhnlichen Friedensdienst, so heißt es weiter, mag die zweijährige Dienstzeit im Notfalle ausreichen, denn im Exerzieren, Schießen und Felddienst sei ein Rückgang in der Ausbildung nicht wahrzunehmen gewesen. Dieses erfreuliche Resultat ist aber zum größten Teil auf die aufopfernde Hingabe der Offiziere und Unteroffiziere zu setzen. An ersteren wird für absehbare Zeit kein Mangel sein, dagegen wird es gerade unter der Voraussetzung der zweijährigen Dienstzeit schwer fallen, über das genügende Material an Unteroffizieren zu verfügen, besonders da mit der Verkürzung die Neigung zum kapitulieren mehr und mehr schwindet. Auch für die Heranbildung der Unteroffiziere selber ist die Dienstzeit zu kurz. Es fehlt aus diesem Grunde das Wichtigste für die militärische Ausbildung, nämlich die Erziehung der Soldaten. Die dreijährige Dienstzeit, so schließt der bemerkenswerte, sehr eingehende Artikel, sei eins der wertvollsten Vermächtnisse Kaiser Wilhelms I. Unser Volk sei verwöhnt durch die Erfolge einer langen und glücklichen Regierung seines ersten Kaisers, der nach Außen Sieg über Sieg gewann, nach Innen vollkommene Sicherheit zu gewährleisten vermochte. Das war aber nur möglich mit dem Heere, wie Kaiser Wilhelm es geschaffen. Es ist daher nicht ausgeschlossen, daß die zweijährige Dienstzeit total wieder vollständig beseitigt werden soll. Die Reform wurde aber eingeführt als Aequivalent für nicht unerhebliche Mehrforderungen auf militärischem Gebiete, nachdem diese Forderungen bewilligt find, sollte also die Voraussetzung für die Bewilligung, die zweijährige Dienstzeit wieder fallen. Vorläufig vermögen wir das nicht zu glauben; jedenfalls würde die Majorität des Reichstags sich einem derartigen Plane aufs entschiedenste widersetzen. Tages=Ereignisse. Deutsches Der König von Württemberg verlieh dem Staatssekretär des Reichsmarineamts Tirpitz das Großkreuz des Friedrichsordens.— Zur bevorstehenden Hochzeitsfeier der Prinzessin Pauline sind die Königin von Holland und ihre Mutter in Stuttgart eingetroffen. Fulda, 28. Okt. Heute vormittag fand die Konsekration des Bischofs Adalbert Endert durch den Kardinal=Fürstbischof D. Kopp, die Bischöfe Haffner=Mainz und Willi=Limburg in Gegenwart des Oberpräsidenten Magdeburg in feierlicher Weise statt. Oesterreich Ungarn. Aus Wien verlautet, daß der Ministerpräsident Graf Thun den Tschechen weitgehende Zugeständnisse einzuräumen geneigt ist. Die Errichtung einer tschechichen Technik in Mähren gilt schon als beschlossene Thatsache; eine Universität in Mähren, an der nur tschechisch unterrichtet würde, einzurichten, sträubt sich der Minister zwar noch, er verlangt den doppelsprachigen Unterricht; aber er thut so viel für seine Tschechen, daß ihm zu thun fast nichts mehr übrig bleibt. Aus Wien wird von kaum glaublichen Angriffen einiger antisemitischer Abgeordneten gegen die Aerztewelt berichtet, welche in dem Reichsrate erhoben wurden und einen Sturm der Entrüstung hervorriefen. Der ganze medizinische Stand wurde als verjudet dargestellt, jüdische Aerzte dürften weder an den Leichen von Christen ihre Studien machen, noch Christen behandeln 2c. Der Regierungsvertreter befriedigte die Mehrheit des Hauses mit seinen selbstverständlichen Ausführungen schnell, indem er die Wiener medizinische Facultät kräftig in Schutz nahm. Frankreich. Paris, 27. Okt. Der„Siécle" erzählt, Brisson habe seiner Zeit Chanoine das Kriegsportefeuille übertragen, weil derselbe nach der Demission Boisdeffres einen Minister brieflich dazu beglückwünschte, daß der Generalstab nunmehr Boisdeffres entledigt sei; der Brief werde wahrscheinlich veröffentlicht werden.(Eine solche Aeußerung eines Offiziers wäre nach unseren Begriffen höchst ungehörig gewesen. Sie hätte eher gegen als für seine Qualifikation für die oberste Leitung des Heeres gesprochen. D. R.) Paris, 28. Okt. Charles Dupuy sicherte sich heute vormittag die Unterstützung von Ribot, Delcassé und Leygues. Ribot soll Justiz oder Finanzen, Delcassé das Auswärtige, Leyques den Unterricht übernehmen. Dupuy setzt seine Bemühungen fort, man nimmt sicher an, daß er heute nachmittag offiziell den Auftrag zur Kabinettsbildung annehmen wird. Paris, 28. Oktober. In politischen Kreisen glaubt man, der Kassationshof werde sich wegen der daraus entstehenden Folgen weder für die Revision mit einer Enquête, noch für die Nichtigkeitserklärung aussprechen, sondern sich nur dahin entscheiden, daß unter den vorliegenden Umständen ein Verbrechen des Verrats nicht vorhanden sei und die Verurteilung Dreyfus' daher nicht weiter bestehen dürfe. Nach einer Mitteilung aus Brüssel hatte der Prinz Victor Napoleon, einer der beiden Thronprätendenten, mit zahlreichen bonapartistischen Notabilitäten Unterredungen, und man erzählt sich, der Thronbewerber plane einen kühnen Handschlag, um sich zum Herrscher Frankreichs zu machen. Günstiger als gegenwärtig kann die Zeit für Thronprätendenten nun freilich nicht sein; trotzdem ist die Brüsseler Mitteilung nur unter Vorbehalt aufzunehmen. England. Eine großartige Bismarck=Gedächtnisfeier fand am Mittwoch abend in der Londoner Queens=Hall statt. Sie wurde veranstaltet von den deutschen Vereinen Londons. Unter den Anwesenden befanden sich Mitglieder der deutschen Botschaft und des Generalkonsulats, sowie zahlreiche nichtdeutsche Verehrer Bismarcks. Zur Orientfahrt des Kaisers. Im Zusammenhange mit dem Kaiserbesuche fand in Jaffa und in Jerusalem die Verhaftung einiger angeblicher Anarchisten statt. Die Behörden legen der Festnahme eines Deutschen in Jaffa Wichtigleit bei. Auch in Haifa soll eine wichtige Verhaftung vorgenommen worden sein. Der dortige türkische Beamte erklärte, er hoffe die Idendität des Verhafteten demnächst festzustellen. Die schärfsten Vorsichtsmaßregeln werden getroffen. So werden keine verschleierten Frauen auf den Straßen zugelassen, da man fürchtet, Anarchisten könnten sich als Frauen verkleiden. Die Polizei hält auch über die kontinentalen Touristen in ägyptischen Häfen die schärfste Kontrolle aufrecht.— Bezüglich des in Altona verhafteten angeblichen Anarchisten Oldenburg vermag die dortige Kriminalpolizei keinerlei Mitteilungen zu machen. Man gewinnt immer mehr den Eindruck, daß es sich um eine aufgebauschte Aeußerung eines verkommenen, wahrscheinlich sogar geisteskranken Menschen handelt. Ueber den Besuch der Kaiserin im Harem des Sultans wird aus Konstantinopel gesarieben: Besonders interessierte sich die Kaiserin für die daselbst aufgestellte Bibliothek, die nicht nur orientalische, sondern auch griechische, deutsche und französische Werke enthält. Die Eunuchen waren für diesen Abend vom Innern des Harems ausgeschlossen, doch versahen sie draußen den Ehrendienst. Sie trugen herrliche, von Gold strotzende Uniformen. Die Haremsdamen(es heißt, daß nicht alle sichtbar waren) überreichten der Kaiserin einen selbstverfertigten kostbarenTeppich. Als Gegengeschenk erhielten sie Uhren, Broschen, Haarnadeln. Die erste Gemahlin und die Mutter des Sultans erhielten die Bilder der Kaiserin und ihrer Tochter. Die Tänze, welche die Odalisken aufführten, waren durch wegs orientalische, hingegen die Musikstücke deutsche und italienische. Die Kaiserin konversierte auch mit einigen Töchtern des Sultans französisch Ueber die Ankunft des Kaiserpaares in Haifa werden interessante Einzelheiten übermittelt. Das Ufer war von einem nach Tausenden zählenden Publikum dicht besetzt: Christen, Araber, Türken, Juden. Beim Betreten des Bodens von Palästina wurde das Kaiserpaar von den Zivil= und Militärbehörden empfangen. Das Musikkorps des Ertogoul Regiments intonierte:„Heil dir im Siegerkranz". Der Kaiser trug Tropenuniform mit dem Johanniterorden und führte einen festen Spazierstock in der Hand; die Kaiserin hatte ein sandfarbenes Reisekostüm angelegt. Knaben und Mädchen der deutschen Kolonie überreichten einen Tisch aus Olivenholz mit eingelegter Widmung für den Kronprinzen bezw. eine Wiege mit einer arabisch gekleideten Puppe für die kleine Kaisertochter. Ganz reizend war es, wie die Kaiserin den kleinen Ueberbringern Mut machte, die dann, ohne zu stocken, ihren Spruch hersagten. Glückselig traten die Kleinen in die Reihe zurück. Das Kaiserpaar bedankte sich in huldvollster Weise und wechselte mit den Herren und Damen der Kolonie freundliche Worte. Eine der Hofdamen nahm photographische Skizzen auf. Sodann wurden sofort die Wagen zu einem Ausflug nach dem Berg Karmel bestiegen, und unter enthusiastischen Hoch= und Hurrahrufen fuhr das Kaiserpaar, eskortiert von türkischer Gardekavallerie, in in einem dreispännigen Wagen, den Se. Majestät selbst lenkte, ab. Erst bei einbrechender Dunkelheit erfolgte die Rückkehr von dem Ausfluge. Unterdessen hatten die deutschen Kolonisten ihre Häuser illuminiert. Um 8 Uhr abends fand ein Diner auf der „Hohenzollern“ statt. Das Kaiserpaar war ungemein gnädig, die Paschas sprachen sich später ganz entzückt darüber aus. Lokales. * Schwerte, 29. Okt. Ein hiesiger Herr Ritter hatte sich bei Gelegenheit der vorgestrigen Kirmes das Vergnügen geleistet, einen KirmesLuftballon mit einer Postkarte in Gottes weite Welt zu schicken. Soeben erhalten wir die Nachricht, daß der Ballon nicht gradeam— Nordpol niedergegangen ist, aber in Neheim a. d. Ruhr von einem Herrn Caspar Reiter auf dem Felde gefunden wurde, und zwar nach Verlauf von nicht ganz zwei Stunden. Im vorigen Jahre hatte der Herr sich dasselbe Vergnügen bereitet Der Ballon flog nach Iserlohn und landete gerade auf der Schützenwiese, wo er von der Schützenliese aufgefangen und die ihm anhaftende Postkarte mit der sehr verlockenden Bitte beantwortet wurde, daß Herr Ritter doch schleunigst kommen und mit ihr einen Tanz riskieren möge. Es wird uns versichert, daß der Glückliche sogleich dort hingeeilt und sich der Liese zwar schweißtriefend, aber glühenden Herzens als der Absender der Karte vorgestellt habe. * Schwerte, 29. Okt. Personalien. Der Regierungsrat Nolda zu Düsseldorf ist der Königlichen Regierung zu Arnsberg zur weiteren dienstlichen Verwendung überwiesen worden. Der Regierungsassessor Dr. Erbslöh zu Arnsberg ist der Königlichen Regierung zu Dusseldorf zur weiteren dienstlichen Verwendung überwiesen worden. Privatsache. „Privatsache nur sei die Gottseligkeit,“ So künden Propheten in unserer Zeit; „Es halte ein jeder damit, wie er will, Nur bleib' er für sich und schweige fein still.“ Doch wenn ich gefunden den richtigen Steg, Darf ich nicht dem Bruder auch zeigen den Weg, Der fernab irrt vom gesteckten Ziel, Mit welchem die Finsterniß treibet ihr Spiel? Wenn selige Freude erfüllet die Brust, Darf ich nicht mit Traurigen teilen die Lust? Wenn der Heiland gebietet: Zeuget von mir, Wie kann ich ertöten die edle Begier? Schwarze Schatten. Roman von H. Rosenthal=Bonin. Nachdruck verboten. 17)(Fortsetzung.) „Ja, ich habe etwas Wichtiges,“ antwortete der Irländer, John Braughlam. „Ich weiß schon,“ lächelte Coruna. Ihr wißt?“ fragte der Irländer etwas verwundert.„ „Ja, Ihr meint die große Ladung am Samstag. „Hat's der Aufseher am Turm Euch gesteckt? „Das ist gleich, wer, John— ich bin gut benachrichtigt und habe ein wichtiges Geschäft für Euch in dieser Sache. Ihr sollt der Manager davon sein!“ „Was Teufel, ist die Polizei Euch so au den Fersen?“ rief der Irländer heftig. Nichts von Polizei mein Junge,“ fuhr rung munter fort.„Es ist nur die Vorbereitung dazu— ich ziehe mich vom Geschäft zurück— und Ihr sollt an meine Stelle; das soll mein letzter Coup sein— und Ihr könnt nun probiren und zeigen, ob ihr das Zeug zu diesem Posten habt.“ „Da steckt etwas dahinter, Mann!“ sprach, den Spanier durchdringend ansehend, der Irländer. Ihr wollt den Kopf aus der Schlinge ziehen und mich dafür hineinschieben.“ „Nichts steckt dahinter, was Ihr meint!“ unterbrach der Spuier.„Nichts steckt dahinter, als eine reiche Heirat, die ich machen will. Ich muß aus dem Geschäft heraus, brauche aber vorher noch Geld. Mit der Gedé habe ich mich gezankt, und jetzt handelt es sich darum, daß wir ihr Depot haben. Mir giebt sie das nicht mehr— und deßhalb sollt Ihr die Sache übernehmen, soweit sie die Gedé betrifft.“ „Ja, wenn's so steht, ist mir klar, daß Ihr das Depot nicht mehr habt,“ lachte der Irländer.„Hat sie Euch gutwillig ziehen lassen? fragte John Braughlam. „Wir sind nicht gerade im Frieden geschieden, gab der Spanier, mit wenig heiterm Ausdruck über die Frage weggehend, zurück,—„doch kommt zur Sache, John— wollt Ihr mich vertreten? Ich übernehme die Affäre im Hafen und Ihr sorgt für die Hülfe der Gedé, dann mache ich durch Euch den Verkauf.“ „Alles recht,“ sprach der Irländer bedächtig.„Was kommt dabei für mich heraus?“ „Ein Fünftel, John.“ „Setzen wir die Hälfte John darauf vernehmen. „Was, die Hälfte?“ fuhr der Spanier auf. „Dann bleibt für mich nichts.— Mann, bedenkt, ich trete Euch ja das Geschäft ab.“ „Wie hoch schätzt Ihr den ganzen Brocken?“ erkundigte sich der Irländer. „Auf Zehntausend!“ „Nun gut, dann Dreitausend für mich,“ entschied der Irländer,„so habt Ihr immer noch Siebentausend.“ „Zweitausend bekommt ja die Compagnie,“ warf der Spanier zornig ein.„Ich brauche Geld, um austreten zu können, sagte ich Euch ja,“ fügte der Spanier finster hinzu. „Mann, ich kenne Euch!“ erwiederte darauf der Irländer,„wenn Ihr sagt, es sind Zehntausend, sind es Zwanzig.“ „Nicht ein Cent mehr als Zehn werden herauskommen die Gedé erhält auch zehn Prozent— so bleibt für mich nichts,“ hielt ingrimmig der Spanier entgegen.„Ich war gegen die Compagnie immer ehrlich.“ „Wie der Teufel gegen die arme Seele,“ versetzte der Irländer mit breitem Lächeln. „Wollt Ihr— ist es gut— wo nicht, so mache ich das Geschäft ohne Euch,“ fügte John Braughlam gemütlich hinzu. Ein giftiger Blitz aus den Augen des Spaniers traf den Irländer. „Ohne mich— Ihr würdet weit kommen,“ entgegnete der falsche Zahnarzt.„Ich möchte nicht, daß Ihr's versuchtet! Wir kämen Alle nach Sing=Sing, noch habe ich alle Fäden in Händen, und bevor ich Euch den Abnehmern nicht vorgestellt und empfohlen, könnt Ihr mit der ganzen Partie sitzen bleiben für ewige Zeiten. Das wißt Ihr so gut wie ich.“ Der Irländer schien dieß ein zusehen. „Also ich zahle noch die Prozente für das Depot— dabei muß es bleiben, oder die Geschichte ist aus,“ schloß John Braughlam. „Es ist wenig!“ seufzte der Spanier.„Ich habe aber nicht viel Zeit zu verlieren.— Haltet Euch nur gut, seid vorsichtig, denn die Weiber sind schlau, John— und ich will mich zufrieden geben!“ meinte Coruna resignirt. „Das könnt Ihr auch,“ war John's erwiderung.„Uebrigens ist die Geschichte kitzlich, ein ganzes Boot voll haben wir noch nie gekapert,“ setzte er etwas nachdenklich hinzu. „Es kommen zu dreißig Boote an.— Wir haben auch Hülfe im Hafen— und die Nacht wird nebelig sein.— Seid nur bereit, wenn die Depesche von mir kommt. So viel tausend Schafe ich schreibe, das Tausend bedeutet Stunde.— Ihr wißt— und wenn was vorfällt, gebt Nachricht hierher.“ So schloß diese Unterhaltung. John Braughlam ging mit unverbundenem Kopf aus dem Zimmer und der Zahnarzt begab sich in ein Badeetablissement, wo er nach einiger Zeit ohne blonden Bart und Haar, die Kabine verließ. Es war Freitag und Flora Atkinson hatte heut ihren Empfangstag. Die Gäste des Spekulanten waren völlig andere, als die des Velhout'schen Hauses. (Fortsetzung folgt.) * Schwerte, 28. Okt. Das Wort liebet euch unter einander, scheinen die Gebrüder H. nicht zu kennen, denn dieselben prügelten sich in der Kirmeßnacht gegenseitig durch. Ein hinzukommender Polizeibeamter machte der widerlichen Scene ein Ende und stellte die Namen der beiden 'seSchwerte, 28. Okt. In der Kirmesnacht haben auch mal wieder die Revolverhelden in den Rosen bezw. am Holzenerweg ihr Unwesen getrieben Diese gemeinen Kunden wohnen nicht in den Rosen, sondern stammen anscheinend aus Höchsten, denn dieselben zogen mit ihren Mädels den Holzenerweg herauf und schossen dann aus purer Schießwut in der Nähe des Schulte=Lennings'schen Kuhkamp mehrere Mal aus einem Revolver. * Schwerte, 29. Okt. Am Kirmeßtage sind auf dem Marktplatze eine zweiläufige Pistole mit gelbem Holzgriff und ein sechsläufiger Revolver gefunden worden. Die betr. Eigentümer können diese Sachen, falls sie sich gehörig legitimieren, auf dem Polizeibureau wieder in Empfang nehmen. * Schwerte, 29. Okt. Der Bezirksphysikus Sanitätsrat Dr. Granier in Berlin hat im Auftrage des Polizeipräsidenten ein„Lehrbuch für Heilgehülsen und Masseure“ verfaßt, welches bei Richard Schoetz in Berlin erschienen und bestimmt ist, den Personen, welche sich auf die Heilgehülfenprüfung vorbereiten wollen, als Wegweiser zu dienen. Das Buch ist klar und verständlich abgefaßt, enthält alles Wissenswerte in knapper Form und ist mit vorzüglichen Abbildungen ausgestattet. * Schwerte, 29. Okt. Erst Freund, dann Feind. Die Arbeiter B., S. und der Bäcker F. hatten nämlich bei Raffin getanzt und getrunken und waren allgemach in eine Stimmung geraten, wo es ihnen, wie sie sagten, in den Fingerspitzen kribbelte. Da sie kein passendes Objekt finden konnten, so prügelten sie sich, was jedenfalls auch am vernünftigsten war, gegenseitig. Leider sollte dieses Vergnügen nicht lange dauern; denn plötzlich erschienen zwei behelmte Häupter und führten die Radaubrüder zum Hotel Witte. * Schwerte, 29. Okt. Der Postraub in Münster. Die Kaiserliche Ober=Postdirektion Münster sendet uns folgende Zuschrift: Die Belohnung, welche für die Wiederherbeischaffung des in der Nacht vom 7. zum 8. September während der Beförderung vom hiesigen Bahnhof zum Postamt abhanden gekommenen Geldkurssackes und für die Ermittelung des Thäters ausgesetzt ist, wird hiermit von 3000 Mk. auf 5000 Mk. erhöht. * Schwerte, 25. Okt. Der Verein der Aerzte des Regierungsbezirks Arnsberg hielt Dienstag nachmittag unter zahlreicher Beteiligung in Dortmund seine 40. General=Versammlung ab. Den Vorsitz führte Geh. Sanitätsrat Dr. Morsbach. Unter Vereinsnachrichten wurde mitgeteilt, daß der Verein nunmehr 283 Mitglieder zählt. Es erfolgte sodann die Besprechung eines Entwurfes über eine für die Provinz Westfalen bestimmte Standes=Ordnung, deren Paragrahhen lebhaft erörtert wurden. Der Entwurf wird noch der Aerzte=Kammer und dem Ausschuß zur Prüfung vorgelegt werden und dann zur allgemeinen Einführung gelangen. a Schwerte, 29. Okt. In unrechte Gesellschafth geriet der Fabrikarbeiter Louis Wöste von Villigst. Derselbe hatte sich einmal die Schwerter Kirmeß besehen und war es schon 3 Uhr morgens gewesen, als er den Heimweg antreten wollte. Vor dem Metzger Stommel'schen Hause traf er mit seinem Bruder zusammen, welcher sich mit mehreren anderen Personen in einem Gespräch befand. Da er seinen Bruder mit nach Hause nehmen wollte, so setzte er sich vor dem fraglichen Hause in ein Schaufenster und wartete. Als er hier eine Weile gesessen hatte, bewarf ihn einer von der Gesellschaft mit Kies; als er sich dieses verbat und aufstand, um nach Hause zu gehen, riß ihm einer von den jungen Leuten den Stock aus der Hand und schlug ihn damit über den Kopf. Der Verletzte mußte sich in ärztliche Behandlung begeben und die Wunde zunähen lassen. Der Thäter ist erkannt und wird für diese Rohheit wohl einen exemplarischen Denkzettel erhalten. Westfalen=Rheinland. * Westhofen, 29. Okt. In der Bekanntmachung bezüglich der Gemeindeverordnetenwahl muß bei Gemeinde Geisecke betr. Herrn Landwirt Heinrich Schulte das Wort verstorbenen wegfallen. Dieringhausen, 25. Oktbr. Im Streit erschlagen. Gestern abend gegen 10 Uhr wurde auf der Chaussee vom Bahnhofe bis zur Brücke ein junger Bursche namens Peter Hundeborn aus Aggersiefen im Streite erschlagen. Ein Beteiligter B. aus Hömel ist als mutmaßlicher Thäter verhaftet und in das Amtsgefängnis in Gummersbach abgeführt worden. Bielefeld, 24. Okt. Selbstmord. Der Arbeiter W. in der Detmolderstraße, der seine Tochter am Samstag zur Trauung zum Standesamte begleitet hatte, brachte sich kurz darauf zwei schwere Schnittwunden am Halse bei in selbstmörderischer Absicht. Der Mann muß im Zustande der Geistesverwirrung gehandelt haben, da er dem Vernehmen nach in guten Vermögensverhältnissen lebt. Essen, 27. Okt. Urgemütliche Zustände herrschten im Essener Gefängnisse. Aus dem hiesigen Gefängnisse sind seiner Zeit mehrfach Gefangene entwichen, auch sind Durchstechereien vorgekommen, die schließlich entdeckt wurden, worauf drei Gefängniswärter verhaftet wurden. Diese hatten sich vor der Strafkammer zu verantworten. Vom April bis Juni saß der Viehhändler und Metzgermeister Max Gottschalk von hier als des Meineides verdächtig im hiesigen Gerichtsgefängnis in Untersuchungshaft. Bald verlautete, Gottschalk wäre in der Stadt gesehen worden und empfange auch im Gefängnis fortwährend Besuche. Wie die eingeleitete Untersuchung ergab, hatte Frau Gottschalk unter Hinweis auf eine Entschädigung die Aufseher zu bewegen gewußt, ihre Dienstmagd Henseleit zu Gottschalk ins Gefängnis zu lassen, um mit ihm geschäftliche Sachen zu besprechen. Gottschalk wurde auf die Wachtstube geführt, wo er mit Aufsehern Bier und Kognak, die von seiner Frau gespendet waren, trank. Ein anderes Mal brachte das Dienstmädchen Butterbrod und gehacktes Fleisch mit. Die Aufseher erhielten Kognak und Fleisch. Da die Aufseher immer Geschenke in Waren oder Geld erhielten, ließen sie auch bei anderen Gefangenen Besuche zu und forderten sogar die Angehörigen derselben dazu auf. Sie fühlten sich schließlich so sicher, daß sie nachts mit Gefangenen nicht bloß auf der Wachtstube Trinkgelage veranstalteten, sondern auch mit ihnen in die Stadt gingen und die Wirtshäuser besuchten. In der Nacht vom 1. zum 2. Mai gingen die Aufseher Mertes und Fischer mit Gottschalk zu dessen Wohnung. von wo sie Kognak, Bier und Schnaps mitnahmen. Dieses alles tranken sie auf der Wachtstube, sehnten sich jedoch nach mehr. Da die Aufseher aber bereits in einem solchen Zustande waren, daß sie es nicht mehr wagten, auszugehen, ließen sie Gottschalk und einen andern Gefangenen, Namens Heltenkamp, allein ohne jede Begleitung ausgehen; sie gaben ihnen sogar die Gefängnisschlüssel mit. Die beiden brachten eine neue Ladung Eßwaren und Getränke mit, die auf der Wachtstube verzehrt wurden. Gegen Morgen wurden die Gefangenen wieder in die Zellen eingesperrt. So trieben es die Aufseher geraume Zeit, bis sie von ihrem Schicksal ereilt wurden. Frau Gottschalk hatte sich wegen Bestechung zu verantworten, außerdem waren alle vier Angeklagten und Frau Mertes der Verleitung der(inzwischen vom Schwurgericht verurteilten) Henseleit zum Meineide beschuldigt. Das Gericht verurteilte den Aufseher Mertens zu 4 Jahren, den Aufseher Jäger zu zwei Monaten Zuchthaus, den Aufseher Fischer zu zwei Jahren Gefängnis, Frau Mertes zu einem Jahre sechs Monaten Zuchthaus und Frau Gottschalk zu vier Monaten Zuchthaus, außerdem wurden allen Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrichte auf fünf Jahre aberkannt. Düren, 27. Okt. Gestern abend sprang ein Mann in selbstmörderischer Absicht in den hochgehenden Mühlenteich. Nach vieler Mühe gelang es, den Lebensmüden dem nassen Element zu entreißen; ins Krankenhaus gebracht, starb er nach kurzer Zeit. Köln, 27. Okt. Ueber den scharderhaften Brudermord wird aus Rath bei Bedburg noch gemel et. Zwei Brüder gerieten bei der Verrichtung gemeinschaftlicher Feldarbeiten in Streit, wobei der ältere einen Wegestein ergriff und den Bruder zu Boden schlug. Alsdann brachte der Unmensch seinem Opfer mittels eines Rübenmessers mehrere tiefe Stiche in den Kopf bei. Noch nicht genug hiermit, holte er, als der sterbende Bruder noch Lebenszeichen von sich gab, eine Heugabel herbei und stach dieselbe dem jungen, kaum 25 Jahre alten Mann durch die Rippen und Lunge ins Herz hinein. Nach einer überaus qualvollen Stunde hauchte der Mensch sein Leben aus. Der Brudermörder wurde alsbald verhaftet, er zeigte keine Spur von Reue, als man ihn an die Leiche führte; auch bei der späteren Obduktion derselben mußte er zugegen sein, er verzog auch diesmal keine Miene, blieb kaltblütig und cestand die gräßliche That in vollem Umfange ein. Vermischtes. * London, 28. Okt. Drei Mann des deutschen Segelschiffes„Meta“, welche das Schiff bei einem Sturm in der Nordsee verließen, da es zu sinken begann, wurden außer dem Kapitän, welcher ertrank, von einem Schnelldampfer nach Grinsly gebracht. * Ein Prozeß wegen Kuppelei und Wuchers ist dieser Tage in Berlin verhandelt worden. Angeklagt war die Heiratsvermittlerin Wilhelmine Hartert. Die Angeklagte, die aus kleinen Verhältnissen stammt und die geschiedene Frau eines Ingenieurs ist, führte in Berlin ein großes Haus, lockte Lebemänner und Offiziere an und führte diesen unschuldige oder schon verdorbene Mädchen zu. Daneben machte sie Wechselgeschäfte, wobei sie ihre Kunden gehörig hochnahm, auch vermittelte sie Heiraten mit reichen Erbinnen. Bei der Verhandlung war die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Die sämtlichen Wucherfälle wurden ausgesondert, weil ein Offizier, Hauptzeuge in einem derartigen Falle, am Erscheinen durch Krankheit verhindert war. Der Gerichtshof hatte infolge dessen beschlossen, die auf Wucher bezüglichen Punkte der Anklage einer besonderen Verhandlung vorzubehalten und nur über den Teil der Anklage verhandelt, der sich auf die Kuppelei und den Betrug gegen einen Hauptmann a. D. M. bezieht. Das Urteil lautete wegen Kuppelei und Betrugs in einem Falle auf ein Jahr ein Monat Gefängnis und 1000 Geldstrafe event. noch 100 Tage Gefängnis und zwei Jahre Ehrverlust. * Harburg, 28. Okt. Der Gegner des im Duell gefallenen Regierungsbaumeisters Wrede war Regierungsbaumeister Voßt. Das Duell ist aus einem Streite wegen Arbeiten am Elbbrückenbau entstanden. (Nachdruck verboten.) Welke Blätter! Im Herbst, wenn alle Herrlichkeit Versinkt in Sturm und Wetter, Dann herrscht die stimmungsvollste Zeit, Die Zeit der welken Blätter; Es welkt, was hoffnungsvoll gegrünt, Der alte Schmuck hat ausgedient Und löst sich von den Zweigen, Das stimmt uns, ach, so eigen. Vernehmlich singt ein Schlummerlied Des Herbstes Sturmgetose, Zu Staube sinkt, was einst geblüht Verblaßt ist selbst die Rose, Nun ist es draußen öd und leer, Das Waldorchester singt nicht mehr In fröhlichem Geschmetter; Es wirbeln welke Blätter. Ein Stimmungsbild!-— das Leben gleicht Führwahr den Jahreszeiten Und ist des Lebens Herbst erreicht, Dann giebts viel Schattenseiten. Erst blühen Rosen auf dem Pfad, Dann aber, wenn der Herbststurm naht, Verwandeln Sturm und Wetter Sie schnell in welke Blätter. Wie mancher Mann im Silberhaar Tritt sinnend an die Scheiben, Ihm wirds ums Herz so sonderbar, Wenn welke Blätter treiben, Und welken Blättern sinnt er nach, Sie ruhen im geheimen Fach In seines Schreibtischs Tiefe, Es sind vergilbte Briefe! Die Blätter wirbeln welk durchs Land, Der Hoffnung Aktien sanken. Drum hat auch mancher Spekulant So seine Herbstgedanken, Dieweil er sich verrechnet hat, Gleicht sein Papier dem welken Blatt, Er kann mit den Papieren Die Zimmer tapezieren. Verrechnet hat sich nicht allein Der Mensch, der schlecht beraten, Mit welken Blättern fielen rein Sogar schon ganze Staaten, Wie schnell, vom Ungemach erfaßt, Ist Spaniens Lorbeerkranz verblaßt, Im letzten Kriegsgeschmetter Gabs nur noch welke Blätter. Auch Frankreich hört um diese Zeit Des Herbstes Stürme brausen, Ministerkrise— Kleinigkeit, Ein Zustand ists zum Grausen, Sein Unstern streut, wie rücksichtslos, Ihm welke Nlätter in den Schooß Und sein dereinst so forscher, Generalstab wird stets morscher! Im Herbst, wenn alle Herrlichkeit Versinkt in Sturm und Wetter, Dann herrscht die stimmungsvollste Zeit, Die Zeit der welken Blätter. Es welkt, was einst so frisch gegrünt, Der alte Schmuck hat ausgedient, Nun treibt der Herbstwind weiter Sein Spiel damit. Ernst Heiter. Arbeiterbewegung. Düsseldorf, 27. Okt. Die Gefahr gänzlicher nächtlicher Finsternis hat für unsere Stadt wenigstens mehrere Tage hindurch bestanden, ist aber glücklicherweise abgewandt worden. Die Laternenanzünder waren in eine Lohnbewegung eingetreten und verlangten eine Erhöhung ihres auf 45 Mt bemessenen Monatslohnes. Sie erhalten in Zukunft 55 Mark. Landwirtschaftliches. Für den Stand der Herbstsaaten in Deutschland Mitte Oktober sind nach der Zusammenstellung des kaiserlichen statistischen Amts die Noten folgend:(1 entspricht einer sehr guten, 2 einer guten, 3 einer mittleren, 4 einer geringen, 5 einer sehr geringen Ernte): junger Klee(auch Luzerne) 2,6. Die Schätzung des Ernteertrages hat für das Reich im ganzen ergeben als Ertrag vom Hektar: Sommerroggen 11,2, Winterweizen 18,5, Sommerweizen 16,0, Winterspelz 15,7, Sommerspelz 6,8, Sommergerste 17,3 Doppelzentner. Neueste Nachrichten und Depeschen. Wien, 29. Okt. Die Wärterin Pecha liegt in fortwährendem Delirium und zeigt Blausucht. Die starken Injektionen mit Serum aus Pasteur's Institut zu Paris blieben erfolglos. Das Herannahen des Todes ist an dem langsamen Sinken der Körpertemperatur zu erkennen. Die Aerzte erklären, daß der Fall Pecha die Tötlichkeit der Pestinfektin am deutlichsten erkennen lasse.— Wegen Diebstahls und Verkaufs von Pestbazillen aus den Laboratorien des Wiener Allgemeinen Krankenhauses an Studenten und Aerzte, wovon im österreichischen Abgeordnetenhause die Rede war, wird die gerichtliche Untersuchung eingeleitet, da thatsächlich solche Fälle vorgekommen sind. Leipzig, 29. Okt. Wegen Verrats militärischer Geheimnisse wird am 19. November gegen den angeblichen Gärtner Isidor Franz de Lock aus Paris vor dem Strafsenat des Reichsgerichts in Leipzig verhandelt werden.— Ein gefährlicher Anarchist, der Schlosser Alfonso Nebustella, wurde von din italienischen Behörden verhaftet. Ein spitzer 25 cm langer Nagel wurde bei ihm vorgefunden. Haifa, 28. Okt. Das Kaiserpaar begab sich am Mittwoch 6½ Uhr abends von der „Hohenzollern" nach dem deutschen Konsulate. Hier begrüßte der Vorsteher der deutschen Kolonie, Lange, das Kaiserpaar. Lange sprach die Hoffnung aus, die deutsche Schule in Haifa möge die kaiserliche Unterstützung weiter genießen, wodurch die Kolonie die Möglichkeit behalte, in Verbindung mit dem Vaterlande zu bleiben. Der Kaiser antwortete, er werde der Kolonie sein Interesse erhalten. Da ein großer Teil der in der Umgebung Haisas lebenden Deutschen Württemberger sind, fügte der Kaiser hinzu, er werde dem Könige von Wurttemberg mitteilen, welchen vorzüglichen Eindruck seine braven Schwaben auch in Palästia gemacht haben. Hierauf entbot der evangelische Geistliche den Willkommensgruß namens der Kirchengemeinde. Sodann hielt der Direktor der deutschen katholischen Niederlassung in Tabgha, Pater Biever, folgende Ansprache: Im Namen des deutschen Vereins vom heiligen Lande, sowie der in Palästina wohnenden deutschen Katholiken habe ich die Ehre, Ew. Majestät beim Eintritt in das heilige Land unsere unterthänigsten Willkommensgrüße darzubringen und unseren tiefgefühlten Dank auszusprechen für den majestätischen wirksamen, Schutz, welchen unsere Anstalten in Palästina und die daselbst wohnenden Katholiken unter dem glorreichen Szepter Ew. Majestät genießen. Wir wagen die zuversichtliche Hoffnung auszusprechen daß es uns auch fürderhin gegönnt ist, unter den mächtigen Schwingen des deutschen Aares in Palästina zu wirken, um der deutschen Sitte und dem deutschen Fleiße immer mehr Eingang zu verschaffen. Der Kaiser entgegnete:„Ihre patriotische Ansprache hat Mich mit hoher Freude erfüllt. Ich danke Ihnen sehr dafür. In Erwiderung derelben ergreife Ich gern die Gelegenheit, ein für allemal auszusprechen, daß die katholischen Unterthanen, wo und wann sie desselben bedürfen sollten, Meines kaiserlichen Schutzes. stets sicher sein werden.“ Hierauf reichte Se. Majestät dem Pater Biever die Hand. Nachdr. verboten 80. Oktober: Mild, zeitweise heiter, meist wolkig. windig, Regenschauer, abends kühler. 31. Okt. Kühler, abwechselnd heiter und wolkig, windig, im Osten etwas Regen, sonst meist trocken. * Jerusalem. Von Georg Paulsen. In reichen Scharen bewegen sich jetzt die Schaulustigen, die Reisefreudigen und die wirklich Andächtigen zur heiligen Stadt, der einzigen, die gemeinsam dem Christentum, dem Islam und dem Judentum teuer ist. Und von diesen Konfessionen hoffen die ersten und die letzten mehr oder minder zuversichtlich, noch einmal Herren der Stadt zu werden, die Moslem's befürchten es; ein Zeichen hierfür ist das zugemauerte sogenannte goldene Thor in Jerusalem, durch welches einmal der Einzug der Christen oder des von den Juden noch erwarteten Messias erfolgen soll. Sind die heiligen Stätten in Jerusalem nun wirklich alle diejenigen, von welchen uns das neue Testament erzählt? Jerusalem ist bekanntlich durch Titus, den späteren römischen Kaiser, zerstört, es ist kein Stein auf dem anderen geblieben, und die Stätte des Jerusalems der Schrift liegt weit tiefer, als der Boden des heutigen Jerusalem. Günstigsten Falls bleibt es also eine offene Frage, die zu lösen, d. h. mit vollster Wahrheit zu beantworten, unmöglich ist. Nicht einmal von dem machtvollsten Gebäude des alten Jerusalem, dem großartigem Tempel, kann heute mit voller Bestimmtheit sein Standplatz angegeben werden. Man nimmt einen sehr wahrscheinlichen Platz an, aber Sicherheit dafür ist nicht zu finden. Erst recht gilt das von Golgatha und dem heiligen Grab! Der Schaulustige und der Reisefreudige werden in Jerusalem ihre Rechnung für gewöhnlich nicht finden, nur der Andächtige, der über dem Jerusalem von einstmals, über der hohen Lehre, die von hier ihren Weg nahm, das Unerfreuliche von heute vergißt. Wer heute in Jerusalem verweilt, wird überhaupt die Stadt nicht kennen lernen, wie sie ist, er wird nur eine aufgeputzte Anlage sehen, der aller Wirrwarr und alle Hast eines großen Fremdentrubels anhaftet. Das aber ist nicht mehr Jerusalem, das ist eine Fremdenstadt, die Jerusalem zufällig genannt wird. Und der in frommen Empfindungen Genahte sehnt sich in herber Enttäuschung nach stiller Andacht und Einsamkeit. Die heiligen Orte sind an und für sich ja schon äußerlich wenig geeignet, zu einer tiefen Herzensandacht zu zwingen. Der theatralische Putz von Edelsteinen, Gold und Silber überwiegt, und die tiefe, glockenklare Lehre des Erlösers, seine ganze milde Friedensgestalt will wenig zu dem Brimborium passen, mit denen die Stätten geschmückt sind, die uns teuer. Nichts ist da von der gewaltiger Erhabenheit der Peterskirche in Rom, den Orient ist keine Pflegestätte derjenigen Kunst, die eine weihevolle Ergriffenheit mit stummen Worten predigt. Noch mehr, wie in ruhigen Tagen wird heute das Zanken, Lästern und Streiten, das in Jerusalem mehr, wie nur sonstwo zu Hause ist, an des Fremden Ohr tönen, und wenn der Kantschuh oder Stock hier Stille geschaffen, wird es an der nächsten Ecke von neuem beginnen. Und wer dann hinauseilt in die Umgegend, auf den Oelberg, in den Garten von Gethsemane, weiterhin nach Nazareth, dem wird der gleiche Jubel der drängenden Touristen nicht minder die innere Bewegung stören. Die heilige Stadt hat alle Zeit ihren Tribut von den drci Konfessionen, die oben genannt find, bezogen: so traurig ihre äußeren Verhältnisse in gewöhnlichen Zeiten, so sind doch mancherlei beträchtliche Reichtümer in den Häusern der Bewohner verborgen. Die türkischen Paschah's früheren Jahre waren nicht träge im Steuerausschreiben mit recht verzwickten Bestimmungen, heuteist er weniger bös, die Paschah's sind nicht überall mehr die Mächtigsten. Jerusalem wird in diesen Tagen äußerlich ein glänzendes, wenn auch kein eigenes Bild, darstellen, aber es wird auch nicht entfernt mit jenem gewaltigen Leben verglichen werden können, welches zur Zeit herrschte, wo Hunderttausende und Aber=Hunderttausende dem Heiligtum des Tempels zueilten. Von ungezählten Lippen klang damals der Ruf:„Hosiannah! Gelobt sei der da kommt im Namen des Herrn", und wieder folgte das düstere:„Kreuzige ihn!“ Seitdem ward die Welt aufgerüttelt in ihren tiefsten Tiefen, Staaten und Städte, Völkerherrschaften und Völker versanken, aber es blieb die Lehre von Jesus von Nazareth. Ihm gilt auch die Ehre bei diesem Zug nach Palästina! O Ein grosser Posten Jacketts, elegante Neuheiten, aus besten Stoffen in allen Farben neu eingetroffen. Preis 10,00 bis 18,00 Mark. früher viel teurer. Cäpes u. Kragen in Krimmer, Federplüsch, Matlassé, Seide, Seidenplüsch, Tuch u. Pelz verkaufe ich zu staunend billigen Preis Radmäntel, Abendmäntel, Wintermäntel, Kindermäntel und Kinderjäckchen sehr billig. rosse Auswahl in fortigen Kleidern. Spezial-Abteilung für fertige Trauerkleider. Blousen und Blousenhemden in Wolle, Seide und Sammet, Muffen, Barrets, Pelzhüte, Colliers und Federboas. 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Wortmann, gew. v. d. 1. Abteilung „ F. Hohenschwert,„„„ 1.„ b. in der Gemeinde Geisecke. Landwirt H. Wilke gewählt von der 3. Abteilung, außerdem ist eine Neuwahl vorzunehmen für den verstorbenen Landwirt Heinrich Schulte gewählt von der 2. Abteilung. c. in der Gemeinde Wandhofen. Landwirt Hr. Klempt, gewählt v. d. 3. Abteilung Wirt Fr. Breucker„„„ 3.„ d. in der Gemeinde Holzen. Wirt W. Hüsemann, gewählt v. d. 3. Abteilung Berginval. F. Sauerländer gew. v. d. 3.„ c. in der Gemeinde Garenfeld. Landwirt H. Hölken gen. Rademacher, gewählt von der 1. Abteilung, Landwirt C. Lobbe, gewählt 2. f. in der Gemeinde Syburg. Bergmann Fr. Sichtermann, gew. v. d. 1. Abteilung Landwirt W. Brembt gnt. Brechtefeld, gewählt von der 3. Abteilung. g. in der Gemeinde Villigst. Landwirt H. Overbeck, gewählt v. d. 1. Abteilung „ Fr. Cordes,„„„ 2. h. in der Gemeinde Westhofen. Bäckermeister W. Herlinghaus, gew. v. d. 2. Abteilung „ H. Brögelmann,„„„ 2.„ Ferner ist eine Ersatzwahl vorzunehmen in Garenfeld von der 3. Abteilung für 1895/1900 für den zum Gemeindevorsteher gewählten Landwirt Friedrich Schulte. Zu den erforderlichen Neuwahlen habe ich Termin anberaumt: a. für die Gemeinde Lichtendorf am 23. November d. J., nachmittags 4 Uhr in der Schule zu Geisecke. b. für die Gemeinde Geisecke am 23. November d. J., nachmittags 4½ Uhr in der Schule daselbst. c. für die Gemeinde Wandhosen am 24. November d. J., vormittags 10 Uhr in der Schule daselbst. d. für die Gemeinde Holzen am 24. November d. J., nachmittags 4 Uhr in der Schule zu Holzen. e. für die Gemeinde Garenfeld am 28. November d. J., vormittags 10 Uhr im Lokale des Wirts Soeding zu Garenfeld. f. für die Gemeinde Syburg am 28. November d. J., nachmittags 4 Uhr in der Schule zu Syburg. g. für die Gemeinde Villigst am 29. November d. J., vormittags 10 Uhr im Lokale der Frau Herberholz an der Ruhrbrücke. h. für die Gemeinde West hofen am 29. November d. J., nachmittags 4 Uhr in der Schule hierselbst. Indem ich zu den Wahlen hiermit einladen bemerke ich, daß die Wahllisten in den Wohnungen der betreffenden Herren Gemeindevorsteher vom 23. d. M. ab 4 Wochen lang zur Einsicht offen liegen. Westhofen, 18. Oktober 1898. Der Amtmann: Graf von Haslingen. Der deutsche Kaiser und seine hohe Gemahlin haben nach glanzvollem Verlauf der Tage ihres Aufenthaltes in Konstantinopel den Boden von Palästina betreten. In Haifa sind die Majestäten gelandet und von der Bevölkerung aller Konfessionen auf das enthusiastischste begrüßt worden. Zu Wagen und zu Pferde erfolgt die Weiterreise nach Jerusalem, wo am letzten Tage dieser Woche der feierliche Einzug stattfindet, dem dann die Weihe der neuerbauten Erlöserkirche folgt. Nach verschiedenen Ausflügen in Palästina und den benachbarten Gebieten erfolgt, wie nunmehr zweifellos feststeht, ohne längeren Aufenthalts unterwegs die Rückreise nach Deutschland zur Eröffnung des Reichstages. Wie ein Besuch von Aegypten wird auch eine Begegnung mit dem russischen Zaren in der Krim unterbleiben, damit also Alles, was Anlaß geben könnte, dieser Kaisersahrt einen besonderen politischen Stempel aufzudrücken. Mag der weitere Verlauf und der Schluß des Ausfluges ebenso ungestört und freudvoll verlaufen, wie dies seither der Fall gewesen ist. Allgemein bemerkt worden sind die außerordentlichen Ehrungen und die Herzlichkeit, welche Sultan Abdul Hamid seinen hohen Gästen in seltener Weise entgegengebracht. Und ihrem Padischah haben sich in der Art der Begrüßung die Muhammedaner insgesamt angeschlossen. Es kann naturgemäß nicht fehlen, wenn von ihnen an diese glanz volle Reise allerlei Wünsche und Hoffnungen für spätere kritische Tage geknüpft werden, die sich dahin bewegen, der deutsche Kaiser werde dem Sultan in späteren Anfechtungen wenigstens mit seiner moralischen Hulf ezur Seite stehen. Ob die rauhe Wirklichkeit einmal eine Erfüllung dieser Hoffnungen zeitigen wird, das bleibt denn doch recht sehr abzuwarten, die Poesie solcher Festtage und die Poesie der Arbeitswochen stimmen Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Hoerster, Schwerte. Schwerte, Samstag, 29. Oktober 1898. für den Kreis Gorde. Insertionsgebühr für die 6spaltige Zeile oder deren Raum 10 Pfg., außerhalb des Leserkreises 15 Pfg. Reklame 30 Pfg. Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. selten zu einander. Fest steht nur, daß für die Türkei neue Krisen in absehbarer Zeit sicher nicht fehlen werden. Im Orient ist noch weit mehr Zündstoff vorhanden, wie das Bischen Kreta. Allerlei Attentatsgerüchte, die in letzter Zeit von nervösen Leuten gern verbreitet wurden, haben sich erfreulicher Weise nicht bewahrheitet. Außer der Verhastung der anarchistischen Verschwörer in Aegypten liegt nichts Thatsächliches vor. Bemerkt sei, daß dieser letztere Zwischenfall doch die Wirkung gehabt hat, den Zusammentritt der in Rom stattfindenden Anarchistenkonferenz zu beschleunigen; schon in einigen Wochen denkt man an die Arbeit zu gehen; dagegen liegt die Friedenskonferenz des Zaren noch im weiten Felde. Der russische Minister des Auswärtigen, Graf Murawiw hat in Paris vorgesprochen und in Wien, aber an dem Eigensinn und der Lauenhaftigkeit der Völker— siehe weiter unten nach Frankreich— scheitert alle Kunst und alle Friedenslieben der Diplomaten, selbst wenn die letztere über allen und jeden Zweifel erhabener wäre, was aber keineswegs der Fall ist. In Preußen haben die allgemeinen Neuwahlen zum Abgeordnetenhause stattgefunden; von einer Bewegung, wie zu den Reichstagswahlen, war trotz der Bedeutung gerade dieser Volksabstimmung keine Rede, auch die Teilnahme an dem Wahlakt ließ vielfach recht sehr zu wünschen übrig. Die Resultate sind erst, da sich die Parteizugehörigkeit der Wahlmänner nicht überall so schnell ermitteln läßt, in einigen Tagen vollzählig zu erwarten, aber nach dem, was schon bekannt geworden, ist kaum zu erwarten, daß eine wesentliche Aenderung in der Zusammensetzung der zweiten preußischen Kammer Platz greifen wird. Der Beginn der preußischen Landtagssession, die in der 400 Millionen beanspruchenden großen Kanalvorlage und in anderen für ganz Deutschland wichtige Gesetzentwürfe bringen wird, erfolgt erst Mitte Januar 1899. In Sacheu der Lippeschen Thronfolge sind wieder einmal umfangreiche Erörterungen geflogen, aber das letzte Wort ist noch immer nicht gesprochen worden. Desgleichen dauern die Erörterungen über die Fleischpreise und Anderes in unver änderter Weise fort. In Frankreich hat die Repnblik im Frack vor dem militärischen Ansehen kapituliert. Alle Ausreden und alle Beschönigungen können darüber nicht forthelfen, daß die Republik dem Willen der Generale, der Armee und deren Freunde preisgegeben ist: Die Deputiertenkammer hat das Ministerium Brisson gleich in der ersten Sitzung nach ihrem Wiederzusammentritt gestürzt, damit hat sie den Gegnern der Revision des Dreyfus=Prozesses gezeigt, was diese wagen können. Das Ministerium hatte den festen Willen, den Prozeß zu revidieren, es ist deshalb gefallen; es ist zu bezweifeln, ob es einem andern Kabinett gelingt, die Steine aus dem Weg zu räumen, welche von den Gegnern der Revision immer wieder hervorgeholt werden. Einen militärischen Kriegsminister, der die Revision befürworten wird, wird man niemals finden, nachdem nun auch der Kriegsminister General Chanoine, auf den der bisherige Premierminister Brisson Häuser baute, sich rundweg dagegen erklärte. Beschließen kann eine Regierung zehnmal die Revision, ob aber an dem für die Revision festgesetzten Tage es dann noch eine Republik Frankreich giebt, das ist etwas anderes. Generale und Armee haben die Republik im Frack satt, die Pariser ebenfalls, und jedenfalls werden bei einem neuen Staatsstreich an der Seine keine Barrikaden gebaut werden. Man ist selbst nicht ohne Sorge wegen eines Handstreiches des Prinzen Viktor Napoleon, des ältesten Sohnes der Exkaiserin Eugenie. Würde dieser ehrgeizige Faselhans Kaiser von Frankreich, so wäre das bös für den Frieden in Europa. In Frankreich muß man heute nicht blos mit allem rechnen, was möglich erscheint, sondern auch mit dem scheinbar Unmöglichen. Die Zeiten sind darnach. Was die Bildung eines neuen Ministeriums betrifft, so ist das eine schwere Arbeit. Und wer auch Premierminister wird, es hilft ihm nichts, wohl oder übel wird er doch den Nacken vor der Armee beugen müssen. Die Friedens=Verhandlungen zwischen den Ver einigten Staaten von Nordamerika und Spanien sind für das letztere sehr traurig verlaufen. Die Yankees pressen die Spanier bis aufs Blut aus, und die letzteren vermögen dagegen nichts auszurichten. Nordamerika hat sich endgültig geweigert, die hohe Schuldsumme der Insel Kuba zu übernehmen. Spanien soll allerdings die reiche Insel herausgeben, aber die Schulden behalten. Zu ihrem Vorteil wissen die Amerikaner zu operieren, aber großmütig sind sie nicht. Auf einen neuen Krieg kann das total heruntergekommene Spanien es nicht ankommen lassen, es muß in den sauren Apfel beißen und ist damit finanziell ruiniert. Den Verlust von Kuba mögen die Spanier verzeihen, ob sie aber die nun zu erwartenden schweren Geldausfälle ertragen werden, steht auf einem andern Brett. Der Thronprätendent Don Karlos soll gerade so hoffnungslustig sein, wie sein französischer Kollege Victor Napoleon. Es können noch nette Dinge bis zum Schluß des Jahres und des Jahrhunderts passieren, wenn es sein soll. Der Streit zwischen England und Frankreich wegen des von einer französischen Expedition besetzten Faschoda am Nil ist immer noch nicht beendet. Die Briten haben nach ihrer Gewohnheit fürchterlich mit dem Säbel gerasselt, und die Londoner Zeitungen in üblicher Weise mit Krieg gedroht, aber darauf ist ja, wie allgemein bekannt, wenig zu geben. Die Franzosen haben sich auch durch diese Kriegsspektakelei keineswegs einschüchtern lassen, man behandelt in Paris die Sache anerkennenswert sachlich. In ihrer kritischen Lage würde die französische Regierung heute einen Krieg vielleicht gar nicht einmal so ungern sehen, wenn sie nicht befürchten müßte, daß dann erst recht ein erfolgreicher General oder sonst wer kurzen Prozeß aus der ganzen Republik machen möchte. Vorerst also: Faschoda bedeutet noch keinen Krieg. Eher kann es wegen Ostasien zu einer Schlägerei trotz des zarischen Friedens=Manifestes oder vielmehr vielleicht gerade wegen dieses Dokumentes kommen. In Wien sind die politischen Wirren ungelöst, die Gegensätze sind dieselben wie bisher, und so eine Art von papiernen Staatsstreich wird wohl das letzte sein, wozu Ministerpräsident Graf Thun greifen wird, worauf ihm dann allerdings dasselbe Schicksal treffen kann, wie den Grafen Badeni wenig geehrten Andenkens. Aber die Wiener haben in der letzten Woche wenig rechten Sinn für ernste Tagespolitik gezeigt, die in der lebenslustigen Kaiserstadt an der Donau vorgekommenen Pestfälle hatten ihren Bewohnern einen heillosen Schrecken eingejagt, trotzdem alle nur erdenklichen Vorsichtsmaßregeln ergriffen wurden. Es ist freilich eine alte Sache: Je lebensfreudiger, um so größer die Furcht vor dem Knochenmann. Die Wiener haben das wieder bewiesen. Im Orient vermied man im Hinblick auf die Reise des deutschen Kaiserpaares alle Störungen. Es war so still, als sei alles in schönster Ordnung und kein Mensch mehr unzufrieden mit seinem Schicksal. In Wahrheit raucht's an allen Ecken und Enden, auch in den Balkanstaaten sieht es gar nicht recht ersprießlich aus. Als erster wird wohl Fürst Ferdinand von Bulgarien seinen Premierminister Stoilow fortschicken, der seiner Zeit Stambulow fortbringen mußte. Nun hat der Mohr seine Schuldigkeit gethan.... Westfalen=Rheinland. Dortmund, 27. Oktbr. Wie hiesige Blätter melden, legt der frühere sozialdemekratische Reichstagsabgeordnete Dr. Franz Lütgenau seine Stellung als Chefredakteur der „Rheinisch=Westfälischea, Arbeiter=Zeitung" in nächster Zeit nieder, da ihm diese Stellung von der sozialdemokratischen Parteileitung, unter deren Regie genannte Zeitung steht, gekündigt worden ist. Hattingen, 27. Okt. Ein Händler aus Elberseld, welcher auf dem hiesigen Wohenmarkte verdorbene Fische feilgehilten hatte, ist wegen Vergehens gegen das Nahru rgsmittelgesetz mit 14 Tagen Gefängnis bestraft worden. Die Fische wurden s. Z. beschlagnahmt. Weitmar, 21. Okt. Ein heiteres Vorkommnis von der elektrischen Straßenbihn. Während der Fahrt von Bochum hierher be31. Jahrgang. findet sich ein gebücktes Mütterchen auf den Bahnkörper. Trotz vieler Signale wich es aber nicht aus, sodaß sich der Führer veranlaßt sah, zu halten. Auf die Zurechtweisung des Schaffners, erwiderte es im lakonischen Plattdeutsch:„Do hest jau Platz genaug, do führ git doch hiär!“ indem es den Schaffner auf die Provinzialstraße hinwies. 10 Prozent extra Rabatt auf alle schon reduzierten Preise während der InventurLiquidation. Muster auf Verlangen franko. Modebilder gratis. Todesfall eines Teilbabers und Neu-Uebernahme veranlassen uns zu einem #Wirklichen Ausverkauf sämtlicher Bestände in Damenkleiderstoffen für Winter, Herbst. 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Beide Gesellschaften haben es allmählich so weit gebracht, daß sich deren Zweigvereine über ganz Deutschland erstrecken und ist jeder Unbescholtene als Mitglied willkommen. Durch die von den genannten Gesellschaften veranstaltete und für ganz Deutschland genehmigte Wohlfahrts=Lotterie zu Zwecken der deutschen Schutzgebiete sollen teilweise die Mittel aufgebracht werden, welche zu solch' großen nationalen und humanitären Unternehmen nötig sind. Hier bietet sich nun auch für die breiteren Schichten der deutschen Bevölkerung Gelegenheit, ihr Interesse für die kolonialen Bestrebungen durch Abnahme von Losen à 3 Mk. 30 Pfg. zu bekunden, werden doch dabei auch recht ansehnliche Gewinne wie: 100,000 M., 50,000 M., 25,000 Mk., 15,000 M., 10,000 M., 2c. geboten. Die Lose sind allerorts in ganz Deutschland zu haben und durch das General=Debit Lud. Müller u. Co., Bankgeschäft in Berlin, Breitestraße 5 zu beziehen. Zur Hebung der Häuslichkeit. 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