* Amtlicher Kreisblalt Abonnements=Preis pro Quartal 1 Mk. 50 Pfg. Erscheint Montags, Mittwochs, Freitags und Samstags. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“ 8 Nr. 143. Amtliche Bekanntmachungen. Bekanntmachung. Im Anschlusse an meine Bekanntmachung vom 7. Juni d. Is. Nr. 7761 betreffend Festsetzung der Ferien für die Volksschulen des Kreises Hörde, bestimme ich, daß die Herbstferien a in den Amtsbezirken Annen, Aplerbeck, Barop, Kirchhörde und Wellinghofen am 3. Oktober dss. Is. beginnen und mit dem 16. Oktober endigen. b in dem Amtsvezirle Westhofen, sowie in Schwerterheide am 26. September beginnen und am 16. Oktober endigen. Hörde, den 1. Septbr. 1898. — Der Königliche Landrat: Spring. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Hoerster, Schwerte. Schwerte, Montag, 12. September 1898. für den Frreis Görde. Insertio isgebühr für die 6spaltige Zeile oder deren Raum 10 Pfg. außerhalb des Leserkreises 15 Pfg. Reklame 30 Pfg. Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. 31. Jahrgang. 10 Jahren ist dies der schwerste Schlag, welcher ihn und seine Familie getroffen hat. Die Ermordung der Kaiserin von Oesterreich. Wieder wird die Welt durch die Nachricht von einem fluchwürdigen Verbrechen in Schrecken versetzt. Das Opfer ist diesmal eine Frau, die Kaiserin von Desterreich, die Erholung suchend in der Schweiz sich aufhielt. Wir erhalten folgende Meldung: Genf, 10. Sept. Die Kaiserin von Oeste:reich, welche gegen ¼1 Uhr das Hotel Beaurivage verlassen hatte, um sich zur Landungsstelle zu begeben, wurde in roher Weise von einem Menschen angefallen und gestoßen, sodaß sie niederfiel. Die Kaiserin erhob sich schnell wieder und ging bis zum Schiff, wo sie das Bewuß sein verlor. „Der Kapitän des Schiffes entschloß sich auf das Drängen von Personen des Gefolges der Kaiserin das Abfahrtszeichen zu geben. Kurz darauf aber stoppte das Schiff und kehrte zur Landungsbrücke zurück. Da die Kaiserin immer noch ohne Bewußt: sein war, brachte man sie auf einer improvisierten Tragbahre ins Hotel zurück, wo sie einige Augenblicke später verschied. Es wurde festgestellt, daß die Kaiserin durch einen Stiletstich in der Gegend des Herzens ermordet ist. Der Mörder, welcher verhaftet ist, ist ein in Paris geborener italienischer Anarchist Namens Luccheni Doppelt fluchwürdig ist das Verbrechen, weil es an einer schwachen und seit längerer Zeit leidenden Frau verübt worden ist. Es ist also nur rohe Mordlust gewesen, welche den Verbrecher getrieben hat, denn die Kaiserin Elisabeth hat dem politischen Leben stets fern gestanden. Kaiserin Elisabeth war eine geborene Herzogin von Bayern. Sie ist am 24. Dezember 1837 geboren, hat also ein Alter von nahezu 61 Jahren erreicht. Seit dem 24. April 1854 war sie mit Kaiser Franz Josef von Oesterreich vermählt. Das deutsche Volk bringt dem betagten Gemahl der auf so grauenhafte Weise Verstorbenen sein aufrichtigstes Mitgefühl entgegen, denn wie kaum ein zweiter Monarch hat der österreichische Kaiser die schwere Hand des Schicksals empfinden müssen. Seit dem Tode des Kronprinzen Rudolf vor * Politischer Wochenbericht. Die bisherigen Kaisertage in den Provinzen Hannover und Westfalen haben einen wahrhaft glänzenden Verlauf gehabt. Dem freudigen Eindrucke hiervon hat unser Kaiser denn auch in mehrfachen Reden treffenden Ausdruck geliehen. Diese Reden gestalten sich teilweise zu bedeutsamen Kundsebungen des kaiserlichen Willens. Besonders hervorgehoben zu werden verdient die nachdrückliche Bekräftigung des seinerzeit auf dem Sparenberge bei Bielefeld ausgesprochenen Entschlusses, jedem Arbeitswilligen kräftigen Schutz und demjenigen, der einen andern an der Akbeit zu hindern unternimmt, strengste Strafe angedeihen zu lassen. Auch nach außen hin liegen neue kaiserliche Kundgebungen vor. Sie bestehen in Aeußerungen herzlicher Freude über den entscheidenden Sieg der Englander bei Omdurman. Was wir letzthin bereits voraussagten, ist eingetroffen. Das Mahdistenreich ist zusammengebrochen. Auf der Kaaba des Mahdi weht die britische Flagge. Der Tod Gordons erscheint gerächt. Die sympathievollen Kundgebungen unseres Kaisers für den englischen WaffenErfolg werden von verschiedener Seite benutzt, um damit das Gerücht von einem Frontwechsel unserer auswärtigen Politik zu stützen. Dieser Frontwechsel soll angeblich sogar in einem allgemeinen Schutzund Trutzbündnisse zwischen Deutschland und England seinen Ausdruck gefunden haben. Derartige Vermutungen schießen jedoch weit über das Ziel hinaus. Ein deutsch=englisches Abkommen kann sich nur auf Fragen beziehen, die deutsche und englische Interessen gemeinsam berühren und deren Regelung ohne irgend welchen Frontwechsel in der allgemeinen Politik des deutschen Reiches möglich erscheint. Gänzlich verkehrt ist es, irgend welchen deutsch=englischen Vereinbarungen eine antirussische Spitze geben zu wollen. Nichts liegt Deutschland jedenfalls ferner als eine Trübung seiner guten Beziehungen zu Rußland um fremder Interessen willen. Mögen die Interessen Rußlands und Englands in Ostasien noch so sehr kollidieren, Deutschland steht diesen Streitfragen nach wie vor fern. Die Politik des deutschen Reiches ist in Ostasien wie überall eine ausgesprochene Friedenspolitik. Als Maßnahme solcher Politik stellt sich auch die jüngst stattgehabte Erklärung Kiautschous zum Freihafen dar. Diese Maßnahme beweist aufs neue, daß Deutschland, als es im fernen Asien Fuß faßte, nicht auf Eroberungen ausging, sondern einzig und allein eine sichere Grundlage für seine Verkehrs= und Handelsbeziehungen zu gewinnen trachtete. Die nämliche Friedensliebe bekundet sich auf deutscher Seite wie auf Seiten des Dreibundes überhaupt auch in der Aufnahme des bekannten Zaren=Manifestes. Man kann nachgerade wohl ein Fazit aus den Eindrücken ziehen, die der russische Vorschlag hinterlassen hat, und du darf man getrost sagen, daß dem edlen Empfinden des Zaren und seinem hohen Verständnis für die kulturellen Aufgaben der Völker nirgends mehr Anerkennung zu teil geworden ist, als in den Dreibunds=Staaten. Man braucht nur auf Frankreich zu blicken, um dies bestätigt zu finden. Hier sind die Mühlen des Chauvinismus gerade gegenwärtig flotter denn je im Gange. Das ist im Grunde genommen auch keineswegs verwunderlich. Eine alte Erfahrung bestätigt, daß, wenn es innen am heftigsten gährt und brodelt, die gährende Flut am stärksten nach außen drängt. Und wie in einem Hexenkessel gährt und brodelt es gegenwärtig in Frankreich. Der Oberst Henry, einer der auf verantwortungsvollstem Posten stehenden Offiziere des Generalstabs, ist als Fälscher entlarvt worden. Der Verbrecher beging alsdann im Gefängnis Selbstmord, sein Vorgesetzter, der Chef des Generalstabes, trat vom Schauplatze seiner Thätigkeit zurück, der Kriegsminister endlich nahm seinen Abschied, weil er die Konsequenzen der neu geschaffenen Lage nicht ziehen wollte. Was wird nun noch kommen? Eine Revision des Dreyfus=Prozesses erscheint fast unabweisbar. Ob und welche Ueberraschungen der neue Prozeß bringen wird, mag dahingestellt bleiben. Deutschland aber kann der weiteren Entwickelung mit Ruhe entgegensehen und wird auf jeden Fall auch fernerhin in der Rolle des objektiven Zuschauers verharren. artige Vertragsverlängerungen sind stets durch Verlängerungsscheine zu bekunden. Es sind Zweifel darüber entstanden, ob die Versicherung der bei Brandund Explosionsschäden entstehenAufräumungskosten für zulässig zu erachten sei. Zur Behebung dieser Zweifel hat der Minister des Innern bestimmt, daß diese Versicherungsart von den Polizeibehörden insoweit zugelassen werden darf, als die Kosten nicht bei Bewertung der Restwerte durch Anrechnung bei der Schadenfeststellung vergütet sind. Die Abfuhrkosten dürfen jedoch nur bis zur nächsten geeigneten oder gestatteten Ablagerungsstelle vergütet werden. Der Minister der geistlichen 2c. Angelegenheiten hat die Königlichen Regierungen und Provinzialschulkollegien unter dem 25. August ermächtigt, in den Fällen, in welchen die Ortsschulbehörden in Städten mit höheren Lehranstalten für die männliche Jugend die Gleichlegung der Sommerferien bei allen Schulen der betreffenden Stadt nachsuchen, den bezüblichen Anträgen Folge zu geben. Auf den deutschen Münzstätten sind im Monat August 1898 geprägt worden: 9792900 Mk. in Doppelkronen, 9270900 Mk. in Kronen, 236 711,00 Mk. in Zehnpfennigstücken, 58097,60 Mk. in Fünfund 53682,56 Mk. in Einpfennigstücken. Die Gesamtausprägung an Reichsmünzen, nach Abzug der wieder eingezogenen Stücke, bezifferte sich Ende August d. Is. auf 3319 301 840 Mark in Goldmünzen, Deutsches Reich. Die Minister der geistlichen 2c. Angelegenheiten und des Innern haben unter dem 20. August d. Is. bestimmt, daß zu den Medizinalpersonen, welche bei Wiederbelebungsversuchen Anspruch auf die höhere Prämie von 30 bezw. 15 Mk. haben, je nachdem die Versuche erfolgreich waren oder nicht, fortau auch die Hebammen hinzuzurechnen sind. Es behält indessen bei dem Erlasse des Ministers der geistlichen 2c. Angelegenheiten vom 31. März 1863, wonach Belebungsversuche an scheintot geborenen Kindern einen Anspruch auf eine Rettungsprämie nicht begründen, sein Bewenden. Der Minister des Innern hat der von einer Feuerversicherungs=Gesellschaft beschlossenen Statutenänderung, wonach bei Nichtkündigung mehrjähriger Feuerversicherungen die Versicherungsverträge stillschweigend als auf die gleiche Anzahl von Jahren verlängert gelten sollen, die Genehmigung versagt, da bei Nichtkündigung mehrjähriger Feuerversicherungsverträge eine stillschweigende Verlängerung höchstens auf ein Jahr für zulässig anzusehen ist. DerSinnsprüche, Denksprüche, Sprüchwörter 2c. Was du bist, wird offenbar An der Art, wie du vergilst, Was dir and're angethan: Ob du segnest, ob du schilst! ** Ehe du audere arzeneist, Hilf nur, daß selber gesund du seist. „ zeigt kein Blinder dem Blinden den Steig, Es macht kein Bettler den Bettler reich; Auch macht kein Thor den Thoren klug,— Hat jeder für sich der Not genug! Enkelnino. Von G. Struder. (Nachdruck verboten.) „Und wen halten Sie für den Uhrheber dieses Telegramms?“ „Wen anders als jenen Lump, den feinen Herrn Thomas, der Sie so häufig mit seinem Besuche beehrt hat!“ entgegnete Neubert höhnisch.„Ich habe gehört, daß er dem Baron eine reiche Goldmine und Ihnen eine Anstellung mit 100 000 Mark Gehalt pro Jahr versprochen hat, aber ich versichere Ihnen, es ist Alles Schwindel. Der Kerl hat Ihnen dies Alles vorgelogen, um eben mii dem Baron näher bekannt zu werden. Er hat selbst gar kein Geld und kann daher auch Ihnen keines geben.“ „Wir wußten dies bereits, Herr Neubert, und deshalb war es mir auch beim Lesen jenes Briefes sofort klar, daß es sich nur um einen infamen Schurkenstreich handeln könne. Aber was mag dieser Thomas nach Ihrer Ansicht eigentlich gegen Fräulein Winter im Schilde geführt haben?“ „Nun, das liegt doch auf der Hand,“ erwiderte Neubert finster.„Er wollte sie gewaltsam entführen, vielleicht um mir einen Schlag zu versetzen, vielleicht aber auch weil er sich einbildete, daß Irma dann seine Frau werden müßte. Und der höllische Plan wäre auch vielleicht geglückt, wenn nicht eben Sie, mein lieber Herr Graf, uns noch rechtzeitig gewarnt hätten. Sie haben mir das Liebste, was ich besitze, aus einer schweren Gefahr errettet, und das wird Ihnen der alte Neubert niemals vergessen. Darauf verlassen Sie sich, Herr Graf: Nochmals druckte er Robert warm die Hand, ohne daß jedoch der junge Mann diesen Druck ebenso herzlich erwidert hätte. Die zärtliche Art und Weise, in der dieser alte Mann von Irma sprach, empörte und schmerzte ihn, und in diesem Augenblicke glaubte er denselben zu hassen, ebenso wie er das Gefühl hatte, als müßte er das junge Mädchen von ganzem Herzen verabschenen. 4., g.6. M 5 Als Robert nichts erwiderte, fuhr Neuvert nach einer kurzen Pause mit einem eigentümlichen Lächeln fort: „Ich nehme an, Herr Graf, daß Sie uns bereitwillig beistehen werden, den oder die Schurken vollständig zu entlarven und daß Sie daher gern so lange hier bleiben werden, bis ich zurückkomme. Wie ich nämlich überzeugt bin, warten die Kerle nur darauf, bis ich abgereist bin, um dann sofort mit ihren weiteren Operationen zu beginnen. Ich werde daher jetzt im offenen Wagen fortfahren, damit mich die sicher ausgestellten Späher auch gut sehen können, sowie ich indessen vor dem Dorfe angelangt bin, steige ich aus und kehre auf einem Umwege und zuletzt durch den Garten heimlich in das Haus zurück. Alsdann wollen wir geduldig abwarten, wie sich die Sache weiter entwickelt. Damit Sie sich während meiner Abwesenheit nicht langweilen, werde ich Irma beauftragen, Ihnen inzwischen Gesellschaft zu leisten, aber sagen Sie ihr nur nichts von dem Vorgefallenen. Das Kind könnte sich sonst unnötiger Weise ängstigen. Und nun leben Sie wohl. In spätestens einer halben Stunde bin ich wieder bei Ihnen.“ „Eifersüchtig scheint er wenigstens nicht zu sein,“ murmelte Robert in bitterem Tone vor sich hin,„denn sonst würde er mich nicht mit seiner Auserwählten allein lassen. Jedenfalls bin ich neugierig, wie das spröde und hochsinnige Fräulein mir seine Verlobung mit dem alten häßlichen Geldprotzen erklären wird.“ In diesem Momente hörte er draußen im Hausgange zwei ihm bekannte Stimmen sich leise miteinander unterhalten, er glaubte sogar das Geräusch eines zärtlichen Kusses zu vernehmen, und gleich darauf öffnete sich die Thüre und Irma trat mit unbefangener Miene vor den bei der letzten Wahrnehmung sehr bleich gewordenen Grafen. „Es freut mich aufrichtig, Sie in unserem Hause begrüßen zu können,“ sagte sie, indem sie ihm freundlich die Hand darreichte, die er 502216 171,90 Mark in Silbermünzen, 57450 780,15 Mark in Nickel= und 13978742,41 Mk. in Kupfermünzen. Wildpark, 10. Septbr. Der Kaiser traf mittels Sonderzuges hier ein und begab sich nach kurzem Aufenthalte im Neuen Palais nach dem Marmorpalais. Spanien. Madrid, 10. Sept. In der gestrigen Sitzung der Kammer wandte sich Canalejas gegen Sagasta und wies auf das traurige Schicksal der aus Kuba zurückgekehrten Soldaten hin. Das Heer sei für das Unheil nicht verantwortlich, es habe vielmehr heldenmütig sein Blut vergossen. Unbegreiflich sei es, daß man Cervera ohne Kohlen und schwere Artillerie nach Kuba gesandt habe. Als Cervera bei Capwerde lag, telegraphierte der Marineminister an denselben: Die Regierung ist planlos, handeln Sie den Umständen gemäß. Blanco benachrichtigte die Regierung, das vor Santiago liegende Geschwader müsse mit neuen Vorräten versehen werden, die Regierung habe aber nichts gethan. Redner greift lebhaft den Marineminister an, dessen Unfähigkeit Schuld trage, daß das Geschwader nicht vor der Kriegserklärung Havanna erreichte. Die Republikaner, Karlisten und dissentierenden Konservativen sind nicht ananwesend; sie haben beschlossen, sich mit indessen nur eben und beinahe wiederwillig mit den Fingern berührte.„Leid thut es mir nur, daß ich Sie in so schlechter Stimmung wiedersehe, Sie blicken so ernst und finster vor sich hin, als wäre Ihnen in diesem Augenblicke, also mit meinem Eintreten, etwas sehr Unangenehmes zugestoßen.“ „Vielleicht haben Sie nicht ganz unrecht mit Ihrer Mutmaßung mein Fraulein,“ entgegnete er rauh.„Auf jeden Fall war ich bei unserer letzten Begegnung nicht darauf gefaßt gewesen, daß ich Sie schon nach einer verhältnißmäßig kurzen Zeit in dieser Stelle und rade in diesem Hause, in dem Ihrigen, wie Sie sich soeben offenherzig ausdrückten wiederfinden würde.“. 9i5 richt „Aber jetzt verstehe ich Sie wirklich nicht, Herr Graf," versetzte sie lachend.„Beinahe sollte ich glauben, es thäte Ihnen leid, daß mein Schicksal eine Wandlung erfahren hat und daß ich nicht für immer die arme Gouvernante geblieben bin.“ „Und nun erlauben Sie mir, Ihnen mit aller Ehrerbietung zu erklären, daß ich nicht verstehe, wie Sie bei dem Gedanken an Ihre jetzige Stellung so zufrieden lächeln können. Nie und nimmer hätte ich es für möglich gehalten, daß Sie, Fräulein Winter, die Sie für mich stets das Ideal eines Weibes in bezug auf edle und hochherzige Gesinnung gewesen sind, sich durch das elende Geld verleiten lassen könnten, einen so alten und häßlichen Menschen wie diesen Neubert...“ (Fortsetzung folgt.) * einer Kundgebung an das Volk zu wenden. Im Senat begann die geheime Beratung des Friedensprotokolls. Amerika. Washington, 10. Sept. Präsident Mc. Kinley beschloß, eine Kommission zu ernennen und die Beschuldigungen wegen schlechter Verwaltung während des Krieges, die dem Kriegsdepartement zur Last gelegt sind, zu untersuchen. Türkei. Konstantinopel, 10. Sept. Hiesige Finanzkreise sehen die Amtsführung des Finanzministers als Uebergangsstadium an und erwarten baldige Ersetzung. Der gegenwärtige Ackerbauminister Selim Melhame Effendi, ein katholischer Syrier, gilt als sein Nachfolger. Er steht seit einiger Zeit in hoher Gunst des Sultans, leitet den Ausstellungsbazar und die Neubauten in Yildiz und Vorbereitungen für den Besuch des Deutschen Kaisers und dürfte denselben nach Palästina begleiten. Asien. London, 10. Sept. Die„Times“ berichten aus Peking vom 9. d. M.: LiHung=Chang sei noch in seiner Stellung, werde aber wahrscheinlich, um seiner Entlassung zuvorzukommen, seine Demission einreichen. Afrika. Omdurman(Aegypten), 8. Sept. Nach Aussagen von Eingeborenen besetzte eine weiße Streitmacht, vermutlich Franzosen, Foshoda.— Das zur Verfolgung des Khalisen entsandte Kamelreiterkorps nahm die bevorzugte Gattin des Khalifen gefangen. Die Unruhen auf Kreta. Konstantinopel, 9. Septbr. Der Brand in Kandia dauerte gestern noch an. Der englische Befehlshaber beschoß die Stadt neuerdings. Die aus Malta eingetroffenen 250 Mann englischer Truppen konnten nicht in die Stadt gelangen. Athen, 10. Septbr. 126 kretische Flüchtlinge kamen im Piräus von Candia an, unter ihnen zahlreiche Verwundete. Die Flüchtlinge erzählen, daß bei dem Gemetzel in Candia 204 Personen umkamen. Canea, 10. Septbr. Der englische Admiral forderte Entwaffnung der muselmanischen Bevölkerung. Die griechische Regierung wandte sich telegraphisch an das Exekutivkomitee und ersuchte dasselbe, seinen ganzen Einfluß geltend zu machen, um Streitigkeiten zwischen den beiden Parteien zu vermeiden. Canea, 10. Septbr. Infolge der Ermordung eines Muselmans in der Nähe Caneas entstand eine Panik, doch ohne Unordnung hervorzurufen.— Unter den Trümmern wurden 21 weitere Leichen von Christen hervorgezogen. Athen, 10. Septbr. Admiral Bettolo kündigte die Einsetzung eines Exekutivkomitees für Kreta an. Die Untersuchung hat ergeben, daß die türkischen Soldaten auf die Engländer geschossen haben. Rom, 10. Septbr. Der„Messagero“ meldet: Der Kreuzer„Lombardia“, der gegenwärtig mit einer Besatzung von 320 Mann vor Aosta liegt, erhielt Befehl, nach Candia abzugehen. Kanea, 10. Septbr. Der Chef des italienischen Geschwades veranlaßte ein Zeugenverhör, welches die Bestätigung dafür ergab, daß das türkische Militär auf die Engländer geschossen hat. Die Erlaubnis zur Abhaltung einer National=Versamntlung wurde von den Admiralen verweigert, welche die Aufständischen ermahnten, sich ruhig zu verhalten. Die Admirale erbaten von ihren Regierungen Verstärkungen. Athen, 10. Septbr. Aus Kanea wird von gestern abend gemeldet: Die Admirale erwiderten auf die Erklärung des Exekutivkomitees der Aufständischen, daß sie die Rechtmäßigkeit ihrer Bemerkungen anerkennen und sich mit dem Anfhören der provisorischen Regierung einverstanden erklären; richteten jedoch an das Komitee das Ersuchen, die Funktionen weiter zu führen. Kanea, 10. Septbr. Die Truppen der Mächte hißten auf den Stadtwällen von Kandia die Fahnen. Nach Rethymo ist ein Kriegsschiff ausgelaufen, weil verlautet, daß dort gleichfalls Unruhen ausgebrochen sind. Kanea, 10. Septbr. Die Admirale richteten an alle Kommandanten und den Untergouverneur von Kandia ein Ultimatum, wonach bis 5 Uhr nachmittags die Waff.n gestreckt sein müssen. Die Schiffe liegen zu einer erneuten Beschießung bereit. London, 10. Septbr. Einer Depesche aus Kandia zufolge verkündigte Edhem Pascha das Standrecht; eine besondere Polizeitruppe wird angeworben. Der Dreyfushandel. Paris, 10. Septbr.„Siécle" veröffentlicht eine Note, worin erklärt wird, Hanotaux habe niemals die falschen Papiere des sogenannten allergeheimsten Dossiers für echt gehalten. Im Gegenteil, wenn es nur auf Hanotaux angekommen wäre, wären die Fälscher bereits entdeckt und bestraft. Die französische Regierung sei in keiner Hinsicht in alle diese Fälscheraffären verwickelt. Kein Ministerium habe Fälschungen gekauft. Die falschen Papiere seien aus dem Informationsbureau des Generalstabes, wo sie gekauft oder fabriziert seien, niemals hinausgekommen. Paris, 10. Septbr. Eine Note der „Agence Havas“ besagt: Um allen angeblich auswärtigen Blättern entlehnten Behauptungen ein für allemal ein Ende zu machen, sind wir zu der Erklärung ermächtigt, daß von keiner fremden Regierung irgend welche Mitteilung oder irgend welcher Schritt hinsichtlich der Dreyfusangelegenheit bei der französischen Regierung gemacht worden ist. Paris, 10. Septbr. Die Regierungsblätter dementieren aufs energischste die Behauptung der„Tribuna“, wonach Graf von Münster seine Pässe fordern würde, wenn die französische Regierung bei dem Revisionsverfahren den den deutschen Kaiser betreffenden Schriftstücken Glauben beimessen sollte. Paris, 10. Septhr. Esterhazy ist thatsächlich geflüchtet; nachdem er einige Tage lang sich den Genüssen Ostendes hingegeben hatte, begab er sich nach London, wo er gestern eintraf. Lokales. (Nachdruck nur mit Quellenangabe gestattet.) * Schwerte, 12. Septbr. Das gestrige Fest des Schwerter Turnvereins nahm einen schönen Verlauf. Das Wettturnen war sehr interessant, die Schüler sowohl wie auch die ältern Turner boten anerkennenswerte, turnerische Leistungen. In der ersten Abteilung wurden folgende Schüler mit einem Kranz geschmückt: W. Gerold 48½ Punkte, W. Kaiser 42½ Punkte, Fr. Heierhoff 41 Punkte, G. Schmalz 40½ Punkte, Fr. Tillmann 38½ Punkte, Otto Wagner 38 Punkte, C. Richter 34½ Punkte, C. Herberg 34½ Punkte. In die zweite Abtheilung, in welcher die Sieger Gegenstände erhielten, gingen folgende Schüler als Sieger hervor: H. Mailänder 49 Punkte, G. Jasper 46 Punkte, F. Kuhlmann 44 Punkte, H. Färber 43 Punkte, K. Goos 43 Punkte, K. Röhrscheidt 42½ Punkte, F. Nolte 41½ Punkte, Otto Müller 39 Punkte. Von den älteren Turnschülern erhielten K. Schulte mit 38⅝ und W. Böttger mit 38½ Punkte je einen Preis. Es fand sodann das Turnen der Musterriegen statt. Ein fideler Ball beschloß die Feier. * Schwerte, 12. Septbr. Vor dem Hause des Herrn Rentmeisters Niederstadt ist die Glashülle einer Gaslaterne allem Anscheine nach mutwillig zerstört worden. Das ist wieder auf der Schützenstraße passiert, von der kürzlich verschiedene Rohheiten berichtet wurden. Sollte es nicht gelingen, den Urhebern, die sich ohne Sinn und Verstand an unschuldigen, dem allgemeinen Wohle dienenden Gegenständen vergreifen und vielleicht noch einen Witz in den dortigen Heldenthaten erblicken, auf die Spur zu kommen, um ihnen gründlich das Handwerk zu legen? Zweifelsohne sind es immer dieselben. * Schwerte, 12. Septbr. Der hiesige Gardeund Landwehrverein feierte gestern in den Räumen des Herrn Ostermann sein Sedanfest, das einen erhebenden Verlauf nahm. Wir kommen in nächster Nummer näher auf das Fest zurück. * Schwerte, 12. Septbr. Nachtübung der Feuerwehr. Samstag nacht fand die vor kurzem angekündigte Uebung der Feuerwehr statt, die ganz planmäßig verlaufen ist und als gelungen bezeichnet werden kann. Der Uebung lag folgender Plan des 1. Chefs Herrn Quadbeck zu Grunde. Um 1 Uhr nachts wird beim 1. Chef Feuer gemeldet, auf dem Markt beim Wirt Hohlsiepe ist durch Blitzschlag Großfeuer ausgebrochen, das mehrere neben einander liegende Gebäude in Gefahr bringt, eingeäschert zu werden. Der Chef läßt alarmieren und mit einer bewunderungswürdigen Schnelligkeit war, ehe man sich's versah, alle Mannschaft am Spritzenhause, um die in voller Ordnung bereitstehenden Geräte zur Brandstelle zu fahren, wo alsbald kommandomäßig die Löscharbeiten begannen. Bei den Rettungsarbeiten machte sich der Mangel einer mechanischen Leiter fühlbar und wir möchten hier raten, es nicht erst auf den Ernstfall ankommen zu lassen, sondern sich so schnell wie möglich in den Besitz einer solchen für eine Wehr unentbehrlichen Leiter zu setzen; es braucht doch nicht immer der Brunnen erst zugedeckt zu werden, nachdem das Kind hineingefallen ist. Durch das energische Eingreifen der Wehrleute war dem„Brand“ der Gebäude bald der Todesstoß gegeben. Dafür„brannte“ es aber jetzt an andern Stellen, glücklicherweise nicht gefährlich: denn Herr Hohlsiepe hatte sich verpflichtet, ohne jeden Schlauch und Wasser diese„Brände“ löschen zu können, welche Aufgabe er glänzend LOste. Westfalen=Rheinland. Westhofen, 11. Septbr. Heute nachmittag fand zwecks Gründung eines evangelischen Arbeiter= vereins im Saale des Herrn Schulte eine Versammlung statt, zu der auch die Gesangabteilung des evangelischen Arbeiter= und BürgervereinsSchwerte recht zahlreich erschienen war. Nachdem dieselbe durch die Lieder:„Laßt Jehovah hoch erheben und„Und hörst du das mächtige Klingen“ eingeleitet hatte, begrüßte Herr Pastor Falkenberg die Versammlung und wies dann auf die verschiedenen Arbeitervereine in der Umgegend hin, namentlich auf den sehr starken Verein in Schwerte. Auch in Westhofen würde ein solcher Verein in staatlicher und sozialer Hinsicht von der größten Bedeutung sein. Er erteilt dann Herrn Verbandsagenten Fischer aus Schalke das Wort. Dieser spricht zunächst seine Freude darüber aus, daß sich wieder ein Verein gründen will, der den Umsturzparteien auf dem Boden der Vaterlandsliebe und des Evangeliums entgegen arbeiten soll. Er sei auch ein Arbeiter und kenne aus eigener Anschauung die schädlichen Einflüsse, deshalb möchte er gern an dem Wohle der Arbeiter mitarbeiten. 286 Vereine mit ungefähr 80000 Mitgliedern befänden sich augenblicklich in Deutschland, die ein mächtiges Bollwerk gegen den Unglauben und den Umsturz seien. Der Name Arbeiterverein sei ein Ehrenname. Jeder Mensch sei ein Arbeiter, ganz gleich, ob er Geistes= oder Handarbeit zu leisten habe. Ein evangelischer Arbeiterverein halte aber auch vor allen Dingen die Güter der Reformation hoch und mache entschieden Front, wenn uns diese edlen Güter angegrissen werden. Er stehe ferner treu zu Kaiser und Reich und suche ferner ein gutes Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer anzubahnen. Der Redner spricht die Hoffnung aus, daß auch ein kleiner Verein in Westhofen Eefolge erzielen werde, um die Not seiner Mitglieder zu lindern und die soziale Frage auf dem Bodeo des Eangeliums zu lösen. Er schloß mit dem Wunsche, daß sich der neue Verein recht kräftig entwickeln möge. Nach den warmen Ausführungen des Herrn Fischer sang die Schwerter Gesangabteilung:„Das ist der Tag des Herrn“, worauf Herr Werkmeister Hüsecken aus Schwerte das Wort ergriff und noch einmal kurz Zweck und Ziele der Arbeitervereine angab, betonend, daß die Parole vor allen Dingen Gottesfurcht, Brüderlichkeit und Königstreue heißen müsse. Er schloß mit einem Huch auf den Kaiser. Herr Pastor Falkenberg dankt den beiden Rednern und bittet, die Grundung eines evangelischen Arbeitervereins für Westhofen zu beschließen, was geschieht. Eine in Umlauf gesetzte Liste wurde mit vielen Namen bedeckt. Demnächst wird nun eine neue Versammlung stattfinden, in der das Statut beraten und ein Vorstand desinitiv gewählt werden soll. Menden, 9. Sept. Spurlos verschwunden ist seit dem 31. August d. I. der 16 jährige Sohn des Landwirts Nebe aus der Brenke. Derselbe brachte wie gewöhnlich die Milch nach Neheim, doch kam an dem genannten Tage das Pferd allein zu Hause an. aspe, 9. Sept. Nach einem fidel verlebten Sonntag geriet hier ein Liebespärchen, das schon„im Kasten hängt", in derartige Differenzen, daß„er“„ihr“ nicht nur mit den Fäusten, sondern gar mit seinem derben Knotenstock zu Leibe rückte und den hübschen Sommerhut zu einer unmöglichen Form verarbeitete. Da das aber auf offener Straße geschah, so hatte sich alsbald„viel Volk“ angesammelt, das nicht übel Lüst verspürte, dem Bräutigam in derselben liebenswürdigen Weise heimzuleuchten, wenn nicht die Braut mit den Worten:„Wänn Du mie een niggen Haut köpest, es alles. wier guott“, dem Zwischenfalle eine andere Wendung gegeben hätte.„Er“ bejahte die Forderung, und dann trollten unter allgemeiner Heiterkeit der Umstehenden die beiden Arm in Arm von dannen. Hoffentlich war das der letzte Streit— vor der Heirat! Hattingen, 9. Sept. Ein Sittlichkeitsverbrechen, welches von mehreren inzwischen verhafteten Männern begangen worden ist, hat eine traurige Folge gehabt. Das Mädchen, welches bald nach der schändlichen That, deren Opfer es geworden, spurlos verschwunden war, wurde als Leiche aus der Ruhr gezogen. Das arme Kind hat offenbar selbst seinem Leben ein Ende gemacht. Elberfeld, 10. Septbr. Der Prozeß Ziethen, der bekanntlich mit der Verurteilung des Barbiers Ziethen wegen Ermordung seiner Ehefrau zum Tode endete— eine Strafe, die im Gnadenwege zu lebenslänglichem Zuchthaus umgewandelt wurde— ist durch die Veröffentlichung des Redakteurs Landauer im„Sozialist“ in ein neues Stadium getreten. Herr Landauer hatte, wie berichtet (bekanntlich) behauptet, daß die Beweisstücke im Prozesse Ziethen durch den damaligen Polizeikommissar Gottschalk, jetzt Distriktskommissar in Posen gefälscht worden seien. Nachdem die Staatsanwaltschaft keine Veranlassung gefunden hat, Herrn Landauer innerhalb der gesetzlichen Verjährungsfrist durch eine Beleidigungsklage zum Beweise seiner Behauptungen zu veranlassen, hat letzterer seine Beschuldigungen öffentlich wiederholt. Diese Passivität der Staatsanwaltschaft ist geeignet, den unbefangenen Beobachter zu Schlußfolgerungen zu veranlassen, die den Schlußfolgerungen der Geschworenen im Prozesse Ziethen diametral gegenüberstehen und die um so eher zutreffend erscheinen, weil schon im Jahre 1890 die gleiche Behauptung durch eine amtliche Persönlichkeit, welche eine Untersuchung des verhafteten Ziethen gleich nach der That vorgenommen hatte, aufgestellt worden ist. Diese amtliche Persönlichkeit ist der Königl. Kreisphysikus Dr. Berger hierselbst. Derselbe schrieb im Jahre 1896 an den Staatsanwalt Pinoff einen Brief, dem wir Folgendes entnehmen: „Als ich mich am 25. Oktober nachts in meiner Eigenschaft als Kreiswundarzt auf Requisition der Polizei zu der ermordeten Frau Ziethen begeben hatte, ordnete ich deren Die Kaiserfahrt nach dem heiligen Lande. (Nachdruck verboten.) 6. Haifa. Zum Empfange des Deutschen Kaisers auf seiner Palästinafahrt hat der Sultan in Haifa eine besondere Landungsbrücke bauen lassen, welche von dem Mufti von Haifa durch eine religiöse Handlung eingeweiht, und für welche ein Opferschaf, am Rande des Grundsteins geschlachtet, den jöttlichen Segen verbürgen soll. Die Landungsdrücke ist aus Stein gebaut, in einer Gesamtlänge von 75 Metern, bei einer Breite von 6 Metern. An der 10 Meter breiten Landungstreppe beträgt die Meerestiefe 2,5 Meter, also ein stattliches Bauwerk, welches der Sultan hat aufführen lassen, um seine Freundschaft für den Deutschen Kaiser zu zeigen. Von Bord der„Hohenzollern“ wird der Blick des Kaisers zur Linken auf Akka(Ptolemais) fallen, das heutige St. Jean d'Acre, wo das Königreich Jerusalem sein Ende erreichte. Diese alte Phönizierstadt, die unter der Herrschaft des Königreiches Jerusalem eine fränkische Festung geworden war, hat drei weltberühmte Belagerungen ausgehalten, am Ende des 12., des 13. und des 18. Jahrhunderts. Als Zeugen der ersten Belagerung sind nur noch die umliegenden Hügel vorhanden, auf welchen einst Königszelte gestanden und Banner geweht, welche die beruhmtesten heraldischen Embleme des Abendlandes zur Schau trugen: fränkische Lilien, englische Leoparden, deutsche Reichsadler und Löwen von Sankt Markus. Bei Akka ging 1291 der Traum eines Erdteils, das Königreich Jerusalem, zu Grunde; dort hat der Islam endgültig triumphiert. 500 Jahre später wurde wieder ein Zeltlager vor St. Jean d'Acre aufgeschlagen, welches Franken beherbergte. Ihre Gesänge hatten aber nicht den weichen Tonfall der Troubadours, deren Lieder hier einst in den Zelten von Philipp August und Richard Löwenherz zur Laute gesungen wurden. Die Marseillaise und das ga ira klangen drohend in die Stadt hinein, in welcher der grausame Türke Tschesar(der Schlächter) Pascha den Befehl führte, unterstützt von dem englischen Admirale, Sir Sydney Smith, und dem französischen Emigrierten, Phelipeaux. Der junge General Bonaparte war, um Syrien zu erobern, mit 10000 Mann von Egypten aus vor die Stadt gerückt, seine Begleiter hießen Kleber, Junot, Murat, Caffarelli. Vierzehn wütende, mörderische Stürme blieben erfolglos. Die Kräfte der Belagerer, namentlich ihrer Artillerie, waren ungenügend, und die aus Egypten mitgebrachte Pest decimierte sie. Am Berge Tabor pflückte der der junge General einige Lorbeeren im Kampfe gegen den von Damaskus zum Entsatze heranrückenden Feind, und dann mußte er die Belagerung im Mai 1799 aufheben und zog über Egypten nach Frankreich zurück. Die Geschichte erzählt nicht, daß Bonaparte und seine Begleiter auch nur den Versuch gemacht haben, Jerusalem einzunehmen oder zu besuchen. Die Stadt Davids berührte weder geistig noch strategisch die damaligen Linien der europäischen Politik. Heute landet die„Hohenzollern“ in demselben Meerbusen, das Ziel der Hohenzollernfürsten ist Jerusalem, nicht um staatlicher Politik willen, sondern um der wahrhaft christlichen Ueberzeugung willen. Der Name Haifa, die erste Stadt in Palästina, wo der Kaiser mit der Kaiserin das heilige Land betritt, ist in der Bibel nichts zu finden. Haifa ist ein Fleckchen neueren Ursprunges, ein aufstrebender Ort, der aus einer Altstadt besteht, an die sich eine deutsche Kolonie in Form eines Villenviertels angeschlossen. Hier tritt der Kaiser, so zu sagen, auf deutschen Boden. Die Kolonie wurde durch die von Pfarrer Hoffmann hergeführte schwäbische Tempelgemeinde gegründet, welche letztere sich jedoch nicht in der ursprünglichen Form und Zahl erhalten hat, aber die Tempelfreunde, bestehend aus Landwirten und Handwerkern, haben sich gut durchgebracht und nicht wenig zur Entwicklung Haifa's beigetragen. Die deutsche Kolonie ist ein Stück nach Palästina getragenes Schwaben. Die Häuser tragen deutsche Bauart zur Schau; zwischen den Häuserreihen laufen remnliche, ebene Straßen, die mit Schattenbäumen beflanzt sind, in den Gärtchen und Gärten aber herrscht morgenländische Blumenpracht. Dort stehen meterhohe, rotleuchtende Geranienhecken, und gelbblühende Mimosen mit roten Staubfäden blühen in verschwenderischer Fülle. Auch das Stück Ackerland zwischen Haifa, dem Karmel und dem Meere, auf dem einst Sykamium gestanden, verrät deutschen Fleiß. Rechteckige, steinfreie Aecker, deren Getreide mit der Sense gemäht und —0 Wunder— auf Leiterwagen eingeführt wird. Ueberragt wird Haifa von dem Kloster auf dem Berge Karmel, welches im Jahre 1799 Bonaparte als Lazarett gedient hat. Wie in Jaffe, so mußte er auch hier seine Verwundeten und Kranken zurücklassen, die dann von den Türken ermordet wurden. Im Klostergarten bezeichnet eine Pyramide das Grab der republikanischen Franken. Auf dem Berge Karmel, in einer der vielen Höhlen, hatten einst nach dem alten Testament die Propheten Gottes in schwerer Zeit sich verborgen gehalten; ein Elias und Elisa flohen hierhin vor dem Zorn der Könige von Israel. Hier wurde auch der Gebetskampf des Elias mit den Baalspriestern ausgefochten; diese Vertreter eines blutigen Gottesdienstes wurden vom Volke hinweggethan im eigenen Blute. In den engen und unreinen Gassen von Haifa, das etwa 12000 Einwohner zählt, wohnen alle Religionsgemeinschaften bei einander. An finsterm und schmutzigem Aussehen der Wohnungen thun sie es, einer dem andern, gleich, ebenso an niedrigem, schmutzigem Sinne und glühendem Glaubenshasse. Auch die 700jährige Wirksamkeit der Karmelitermönche an diesem Orte, welche vom Ordenssitz in Europa aus hin und wieder wegbeordert werden und sich aus allen katholischen Ländern ergänzen, hat hier keine merkliche Besserung hervorgebracht, weil durch die reichliche Verteilung von Almosen von Seiten derselben der natürliche Hang zur Trägheit und Heuchelei unter den Eingeborenen nur genährt worden ist. Der Jerusalemsverein in Berlin unterhält in dem aufstrebenden Hafenort Haifa am Fuße des Karmel einen Pastor und Lehrer und hat die am 2. Juli 1893 eingeweihte Kirche gebaut. Nicht nur das Geläut des Eliasklosters auf dem 600 Fuß über dem Meer sich erhebenden Vorsprunge des altberühmten Berges, sondern auch das vom Turme der deutschen evangelischen Kirche klingt hier über den Meeresstrand und die von der Tempelgemeinde an der Königsstraße bebauten schmucken Häuser und wohlgepflegten Felder hin. Hier hält sich von der Tempelkolonie der größte Teil zur Landeskirche, und mit den Angehörigen hat sie vom 6. bis 13. September 1897 auch in Haifa das erste evangelische Missionsfest im heiligen Lande gefeiert. Haifa ist die Seestadt für Galiläa und Samarien, die auch durch die englische Kirchenmission etliche Kirchen und Schulen, Krankenhäuser und ärztliche Stationen erhalten haben. In Nazareth ragt auch ein evangelisches Kirchlein als Mittelpunkt einer Gemeinde von etwa 500 Protestanten empor. 2 Missionare, ein deutscher und ein arabischer, versorgen sie, und 9 Lehrer sind an zwei Schulen mit über 300 Kindern beschäftigt, und überdies hat eine reiche Engländerin ein Mädchenwaisenhaus errichtet, welches den höchsten Punkt des Ortes bildet. Auch Nablus, das System mit seinem Jacobsbrunnen, hat solche evangelische Gemeinde mitten unter den 13000, meist muhammedanischen Einwohnern. Mehr als ein Dutzend eingeborne Gemeinden und noch einmal soviele Schulen haben die Engländer in vier Jahrzehnten gegründet. In Hebron haben sie einen Missionsarzt, auch in Gaza seit den letzten Jahren Schule, Kirche und Missionshaus, Apotheke, Arzt und Klinik, und selbstverständlich fehlen diese in Jaffa nicht. Ueberführung in das städtische Krankenhaus an und begab mich dann sofort in die Polizeiwachstube, um sofort die erforderlichen amtlichen Bescheinigungen auszustellen. Da ich dort den verhafteten Ziethen antraf, forderte ich denselben auf, sich von mir wegen Blutspuren untersuchen zu lassen. Mehrere Polizeibeamte standen dabei und nahmen an der Besichtigung teil.... Mein Augenmerk war zunächst auf Aermel und Manschetg, gerichtet; ich fand aber an den juntlichen Kleidungsstücken keine Blutflecken. Hätte sich an einer Manschette irgend etwas Verduchtiges gezeigt, so würde dieselbe sofort von den Polizeibeamten beschlagnahmt und zu den übrigen, Ziethen abgenommenen.gelegt worden sein. Spater kommissar Gottschalk eine Untersuchung des Ziethen vorgenommen und darauf eine der Manschetten Ziethens konfisciert, auf der sich diverse rote, wie man annahm, Blutflecken, befanden. Dieselben waren nicht vorhanden, ich in Gegenwart der Polizeibeamten die Untersuchung vornahm. Uebersehen konnte ich sie nicht, weil ich nach Blutspuren suchte. Dazu sehe ich in der Nähe zu scharf, mein bloßes Auge ist einer Lupe gleich. Von diesem Befund des Polizeikommissars Gottschalk hatte ich übrigens nichts gesehen noch erfahren, auch von den anderen Beweisstücken an dem Messer Ziethens, welch' letzteres ich übrigens auf der Wachtstube nur oberflächlich betrachtet hatte, nichts, bis erst am Schluß der Zeugenvernehmung. Den Zeugenvernehmungen, oweit I,.4, nicht beigewohnt, wei bezogen, hatte ich auch nich. beigtie##„, Weit ich selbst als Zeuge vernommen werden sollte. Als ich dann als Sachverständiger über die Ueberführungsstücke befragt wurde, war ich vollständig unvorbereitet, worüber ich mich auch beim Vörsitzenden beschwerte. Zu meinem größten Erstaunen sah ich nun die hellroten Flecke auf der leinenn Manschette, welche zwar nur die Größe eines Stecknadelkopfes und darunter hatten, sich aber grell von der weißen Fläche abhoben. Ich mußte diese roten Punkte, Flecken oder Spritzen für solche von roter Tinte halten. Im Weiteren geht Dr. Berger in seinem Briefe auf das Holzpartikelchen ein, das an dem Messer des Ziethen gefunden wurde. Dieses Holzpartikelchen stammte bekanntlich von dem Stiele des Hammers, mit dem die That begangen wurde. Ziethen sollte den Stiel abgeschabt haben, um die Blutspuren davon zu entsernen. Herr Dr. Berger sucht nachzuweisen, daß es Ziethen gar nicht möglich gewesen sei, in der kurzen Zeit den Hammerstiel mit dem Messer zu reinigen. Der Brief schließt mit den Worten:„Wenn Zieten nun unschuldig ist an dem gewaltsamen Tode seiner Frau dann müssen nach meinem Dafürhalten die Ueberführungsstücke gefälscht worden sein“, Unter Würdigung dieses Briefes hat, wie gesagt, jeder unbefangene Beobachter vielerlei Ursache, zu glauben, daß in dem Prozesse Ziethen nicht alles so zweifelsohne gewesen ist, wie es sein mußte, um zu einer Verutteilung zu gelangen. Man bedenke Folgendes: Eine zweite Versoy, Zhoßese, den Mord Lehrling, hat gestanden, Were begangen habe(die Beyorde nimmt an, er sei gewiß bestochen worden); der Verurteilte kann nach Lage der Zeitverhältnisse(Ankunft aus Köln am hiesigen legung des Weges zu seiner Wohnung 2c.) den Mord kaum ausgeführt haben, endlich die Beweisstücke gegen den Verurteilten, die nach Vorstehendem mindestens sehr zweifelhaft erscheinen müssen. Sollten deun diese Merkmale nicht ausreichen, um ein Wiederaufnahmeverfahren zu rechtfertigen? Remscheid, 10. Sept. Der Aerztestreik ist beendet und hat mit der völligen Niederlage der Aerzte geendet. Die Kasse hat sieben Aerzte von auswärts herangezogen, die mit einem festen Jahresgehalt von 6000 Mk. angestellt sind und keine Privatpraxis ausüben dürfen. Da die Krankenkasse die halbe hiesige Bevölkerung umfaßt, ist den hiesigen Aerzten ein schwerer Nachteil zugefügt worden, dessen wirtschaftliche Bedeutung noch nicht abzusehen ist. Zur Rechtfertigung des Vorstandes der Ortskrankenkasse gegenüber den Mitgliedern sind für Samstag und Sonntag Versammlungen anberaumt worden.— Sämtliche ieben Aerzte für die Krankenkassen sind hier angekommen und haben die Praxis für die Kassen übernommen; es sind die Herren Dr. Loer, Witter, Müller, Stammreich, Steding, Streppel, Wollmann. Frl. Dr. Kuhn behandelt die weiblichen Kassenkranken umsonst. Cleve, 7. Sept. Aus dem Gelände des Kaisermanövers traf gestern abend ein Transport mit 8 kranken Soldaten hier ein, welche infolge der anstrengenden Kriegsmärsche marode o ven vor Hepe. Einen wahren Stier nacken muß der Landwirt Schoppmann haben. Er kam, als er ein schweres Fuder Korn einfuhr, zu Fall und ein Rad des Wagens ging ihm genau über den Hals, ohne daß besonderen Schaden nahm. Der Hals zeigt einige Schrammen, aber der Mann geht nach wie vor seiner Arbeit nach. Bruch, 7. Sept. Ein blutiger Messerampf wurde hier zwischen Deutschen und Polen ausgefochten. Ein Bäckergeselle erhielt einen Stich durch den Rücken in die Lunge, einem zweiten wurde die Pulsader durchschnitten und ein Stich in die Brust beigebracht. Beide liegen auf den Tod darnieder. Vier Polen wurden verhaftet. Münster 9. Sept. Die Oberpostdirektion hat hinsichtlich des Postraubes eine Belohnung von 1500 Mk. auf die Ergreifung des Thäters und die Wiederherbeischaffung der geraubten Wertsendungen ausgesetzt. Wesel, 9. Sept. Am Sonntag kehren die hier in Garnison liegenden Regimenter sämtlich aus dem Manöver zurück. In den darauf folgenden Tagen findet dann die Entlassung der Reservisten statt. Die Kaisermanöver. Dorf Haddenhausen b. Minden, 9. Sept. Der Dorfwirt steckte ein frisches Faß an, natürlich mit Kohlensäureapparat, auf der Höhe der Zeit. Das Manöver hat Bewegung in die westfälischen Dörfer gebracht, die mit ihren weißen Häuschen mit dem dunklen Fachwerk und dem großen Dielenthor so schmuck daliegen. Gewinn und Verlust hat's gegeben, aber im Ganzen doch mehr Gewinn. Denn wie schon im„Wallenstein“ gesagt wird: „Weit herum in der ganzen Aue Keine Feder mehr, keine Klaue.“ Die Einquartierung, ob sie nun mit oder ohne Verpflegung zugeteilt wird, kommt verschmachtet und matt ins Quartier: und wer gäbe da nicht, was Küche und Keller bieten? Aber kaum sind die einen mit Dank davon gezogen, so kommen neue, und wenn zwei verstärkte Armeekorps sich auf einen Fleck näher und näher zusammenziehen, so muß die Freigebigkeit sich einschränken, denn schließlich will der Bauer seine Schinken zum Winter überbehalten. Da ist hier ein Offiziersbursche von Haus zu Haus gelaufen und hat ein Königreich für ein balbes Pfund Butter und ein Pfund Mettwurst ausgeboten. Niemand wollte das Königreich.„Noch ein Glas! Herr Wirt! Wie stehts mit einer Fahrgelegenheit nach Minden?“ Ja“, sagte der Wirt bedächtig,„wat soll man dazu sagen!“ Nach einer Pause banger Erwartung thaute er auf. Fahrgelegenheit hätten die Bauern selbst nieht. Alle Pferde seien für die Bagage, für die Manöverbedürfnisse von der Militärverwaltung mit Beschlag belegt, vor allem für die Bivuaks. Morgens schon müßten die Wagen mit den Bivuaksbedürfnissen marschfertig beladen dastehen, und oft erst um 6 Uhr abends käme Ordre, wohin sie zu fahren hätten. Eine kleine Gemeinde in der Nähe hätte 35 Pferde stellen sollen. Da habe sich der Ortsvorsteher geweigert: 6 Pferde müsse er im Dorf behalten, wenn, was Gott verhüte, Feuer ausbräche, müßten sie doch den Löschzug bespannen können. Vielleicht kann man mit der Postkutsche nach Minden, da komnt sie gerade: o weh, innen gesteckt voll, drei Mann auf dem Kutschbock, und auf dem Verdeck vier Kollis, zwei Fahrräder und zwei Personen in lebensgefährlicher Attitude. Ade! Jetzt wirds lebendig. Den ganzen Vormittag Kanonendonner, nun schweigt er. Die kaiserlichen Pferde werden durch das Dorf geführt. Der Kaiser, der schon um ½6 zu seinen Truppen gefahren war, hat auf der Höhe der Weserberge, bei Bergkirchen, nach Abbruch der Bewegungen, das Frühstück eingenommen, und ist mit dem Wagen nach Oeynhausen zurückgefahren..„(# Einzelne hohere Offiziere sprengen durch die Dorfstraße, die Leibgensdarmerie des Kaisers rüstet ab, voran der Träger der kaiserlichen Standarte. Auch zur Feldgensdarmerie kommandierte Unterofsiziere von Reiterregimentern, an ihrem blanken Halsschild erkenntlich, reiten nach beendetem Dienst heran und halten vor der Schänke. Die schmucke flachsköpfige Wirtstochter des Hauses reicht ihnen das Bier zum Pferd hinauf. Auch das Zivil naht sich, heut zahlreicher als gestern, und nach der selbst auferlegten Anstrengung des vormittags natürlich ausnahmsweise durstig. Ueber den berufsmäßigen Schlachtenbummler uns des Näheren auszulassen, der zu Roß oder Rad seine PrivatFlankenmärsche ausgeführt hat, in brennender Sonne, um dem lesedurstigen Publikum ein klares Bild der Schlachten zu liefern, das verbietet die Bescheidenheit. Aber da kommen die Schlauen mit einem riesiegen Kriemstecher und einer Landkarte; sie sind mit wichtiger Miene den Truppenbewegungen gefolgt, haben ihr Urteil über Sieg und Niederlage abgegeben, haben wie die Habitue's der Rennbahn, der Partei, die ihre Sympatie hat, durch Wink und Zuruf geholfen, und debattieren nun ernsthaft und leidenschaftlich, wie nach einer beendeten Skatpartie, darüber, wie es hätte kommen können, wenn die feindliche Kavallerie halbrechts vorgegangen wäre, vorausgesetzt, daß die diesseitige Infanterie nicht hinter dem Graben gestanden hätte. Da hier endlich die Naiven, bei denen, wie natürlich, das weibliche Element stark vertreten ist, ein überaus dankbares Publikum, das sich freut über jeden Bagagewagen jede Kavalleriepatrouille, jede heimrückende Kompagnie. Allerdings, wer freute sich nicht, wenn er unsere Truppen sähe, voll Staub und Schweiß bis zur Unkenntlichkeit, und doch noch guten Mutes, den Helm mit einem Eichenzweig geschmückt, singend und Schnurren erzählend, wenn auch die Füße kaum noch wollen. Und die Offiziere im besten Einvernehmen mit der Mannschaft, mit gutem Beispiel vorangehend in feldmäßiger Bedürfnislosigkeit Und der Herr Premier mit der kurzen Meerschaumpfeife im Munde, erzählt die lustigsten Geschichten. Da kann man es schon aushalten bis zum Bivuakplatz. Am ehesten waren heut die fremdherrlichen Offiziere mit dem, was sie gesehen, zufrieden— schon lange vor 12 Uhr kehrten sie der Schlacht den Rücken und ritten allesamt einträchtig nach Minden zurück. Lehnhausen, v. Sept. Der Kaiser und die hier anwesenden Fürstlichkeiten mit ihrer Umgebung und ihrem Gefolge, ebenso die hier einquartierte hohe Generalität dinierten in der gleichen Weise wie gestern teils in der Farne=Villa teils im Kurhause. Heute handelte es sich für das 10. Armeekorps darum, den gestern geschlagenen Feind über das Wiehengebirge zu verfolgen; es beschloß daher, in drei Kolonnen, mit der östlichsten bei Bergkirchen, das Wiehengebirge zu überschreiten. Das Corps hatte indeß kaum die Bewegung begonnen, als ihm gemeldet wurde, daß zwei feindliche Divisionen auf Hartun und Holthausen II vorrückten; die 17. Division machte energisch Front, um dem Angriff zu begnegnen. Die Division hatte dabei einen schweren Stand; sie wurden so kräftig von der gegenerischen Artillerie bearbeitet, daß ihre Verluste in Wirklichkeit ihre weitere Thätigkeit für diesen Tag kaum gestattet haben würden; sie wurde auf Hille zurückgeworfen. Ihre Niederlage sollte auch der 19. und 20. Division verhängnisvoll werden; sie wandten sich gegen die dort vorgehende 13. Division, konnten aber keine Erfolge erringen, weil sie nach dem Rückzug der 17. Division auch die übrigen Divisionen des feindlichen Corps gegen sich gerichtet sah. Hart war der Kampf um den Kamm des Wiehengebirges namentlich bei Bergkirchen. Bei der eigenartigen, schwer zu übersehenden Gestaltung des dortigen Terrains standen sich oft ganz plötzlich und überraschend feindliche Truppenteile gegenüber; den Schiedsrichtern mag dort ihr Amt schwer genug geworden sein. Auch die Fronten wechselten in diesem Kampfe so häufig, daß Freund und Feind nicht ganz leicht auseinander zu halten war. Uebrigens war gerade dort oben ein prächtiger Rückblick nach beiden Seiten des Gebirges zu gewinnen dort hatte sich neben dem Kaiser, dem Generalstab und den fremdländischen Offizieren das Gros der Zuschauer zusammengefunden, die heute besonders zahlreich erschienen waren. Die Gefechtspause wurde von ihnen benutzt, um unter den beim Kaiser versammelten Fürsten und den militärischen Witzen Umschau zu halten; selbstverständlich fehlten auch die Momentphotographen nicht, vor deren Hinterlist ja niemand sicher ist — am wenigsten, wenn man auf engem Raum zusammengedrängt steht. Es verdient übrigens erwähnt zu werden, daß die Feldgensdarmen bei Beaussichtigung der Zufchauer und Freihalten des nötigen Raumes mit großer Rücksicht vorgehen sie thun nicht mehr als durchaus nötig ist, um eine Belästigung des Kaisers und seiner Umgebung zu verhindern und eine Bewegung der militärischen Leiter hintanzuhalten. Der Kaiser, der an Unermüdlichkeit seinen Soldaten das beste Beispiel giebt, war schon kurz nach 5 Uhr nach Minden gefahren und von dort ins Manöverterrain geritten; er ist rücksichtsvoll genug, seinen Gästen nicht die gleichen Anstrengungen zuzumuten, denen er sich persönlich aussetzt; ein Extrazug führt die Gäste täglich zu geeigneter Zeit in die Nähe des Manöverterrains. Dort ist für die nötigen Pferde bestens gesorgt und es herrscht in allen diesen Dingen eine absolte Pünktlichkeit. Die Schwester des Kaisers, die sich anscheinend lebhaft für die Manöver interessiert, hat es bisher noch an keinem Tage versäumt, denselben beizuwohnen. Es ist eine gute Einrichtung, daß Besprechungen der Manöver und die Befehlausgaben am Schlusse der Uebungen liegen; die Pause giebt den bei der Hitze ermüdeten Trupen Zeit zum Ausruhen. Der Tag endete mit einem Sieg des 7. Corps. Es gelang diesem den Gegner in südwestlicher Richtung über das Wiehengebirge zurückzuwerfen. Ein Vorstoß der Kavallerie=Division und der 19. Infanterie=Division, die beide das Gebirge schon überschritten hatten, wurde bei Tongern und Schmalhorst auf Bergkirchen zur Deckung des Rückzuges übernommen. Salzschlirf, 10. Sept. Bei der am Samstag gemeldeten Feuersbrunst wurden 23 Wohnhäuser und 25 Nebengebäude eingeäschert. Durch die Feuersbrunst ist besonders der ärmere Teil der Ortsbevölkerung hart betroffen; die meisten Gebäude find indeß gegen Feuersgefahr versichert. Das Feuer entstand in der Nähe des Gemeindewirtshauses und oll durch mit Feuer spielende Kinder heivorgerufen sein. Sosnowice, 10. Septbr. Der Zigeuner Popa wurde als zweiter an dem Morde zweier Mädchen in einem Walde bei Gleiwitz beteiligter Verbrecher verhaftet. Seine Auslieferung steht bevor. Lechingen bei Osnabrück, 10. Sept. Hier wurde an zwei kleinen Mädchen ein bestialischer Lustmord verübt. Die Körper wurden aufs gräßlichste zerstückelt aufgefunden. Der Thäter ist ent885783. Weltreise für Ansichtskartensammler. Das unter diesem Titel dem Leserkreise bekannt gegebene Unternehmen der„Compagnie Comet“ (Franz Thiemer& Comp.) in Dresden=A., Rosenstraße 30, ist nun so weit gediehen, daß uns die Reihenfolge der Orte, welche im ersten Monat von dem Weltreisenden besucht werden, in geordneter Uebersicht vor uns liegt. Die erste Ansichtskarte erhalten die Abonnenten dieser Weltreise aus Salzburg zugeschickt, welche das Panorama dieser Stadt zeigt. Dann folgen: Innsbruck,— die Bildnisse des österreichischen Kaiserpaares,— Ein Tyroler und Tyrolerin,— Goldenes Dachl von Innsbruck— Bozen(SüdTyrol)— Meran— Riva am Gardasee— Verona — Italiener und Italienerin— König und Königin von Italien— Venedig— Venedig(Teilbild)— Triest— Triest(Teilbild)— Pola— Arena(Pola) — Ancona— Rom— Rom(Teilbild)— die Peterskirche— die Engelsburg(Rom)— Neapel — Neapel(Teilbild)— Eine Vesuv=Partie— Messina(Sizilien)— Palermo— Palermo(Teilbild)— Catania— Sizilianerin und Mann.— Im zweiten Monat folgen Griechenland, Türkei, Palästina, Aegypten und Arabien. Am 18. Oktober ist der Reifende in Konstantinopel, an welchem Tag das deutsche Kaiserpaar zum Besuche des Sultans eintreffen wird. Die Ansichtskarten, welche von dort und Palästina an die Abonnenten dieser Weltreise gelangen, haben Bezug auf die Anwesenheit der hohen Gäste. Der Beginn der Reise ist mit Bezug auf das spätere Datum der Kaiser=Reise nach Palästina endgültig auf den 16. September festgesetzt worden. Prospekte und Probe=Ansichtskarte versendet die Gesellschaft gegen 20 Pfg. in Marken. Abo inements nimmt dieselbe nur bis zum 14. September entgegen. Ebung. Kltchrachbt Schwerte. abends 8½ Uhr: Uebung. Der Vorstand. Arends'scher Stenographen=Errein Schwerte. Dienstag, 13 Septör. 1898, abends 8½ Uhr, i. Vereinslokale Gasth. Duisberg General. Versammlung. Der Vorstand Höherer angestellter Beamter sucht Mk. 6000 gegen entsprechende Zinsen bei monatlicher größerer Abzahlung zu leihen. Sicherheit wird gestellt. Offerten unter K. K. 4951 an Rudolf Mosse, Köln Sehr schöne 10 Wochen alte Ferkel hat abzugeben Schwarzelühr, Die nachweislich durch tausende von Nachbestellungen anerkannten, garantiert vorzüglich guten 969s Statt jeder besonderen Anzeige. Die Verlobung meiner Tochter Julie mit dem Königl. Steuersekretär Herrn Carl Korten aus Elberfeld beehre ich mich ergebenst anzuzeigen. Schwerte, 11. September 1898. Theodor Greve. Julie Greve Carl Korten Verlobte. Schwerte. Elberfeld. versendet nur die Welt=Firma C. F. Kennroth, Hamburg gegen Nachnahme, jedes Ouantum:Neue Bettfedern 60 Pfg. das Pfd, sehr gute Sorte 1.25 Mk das Pfd, feine Halbdaunen 1.60 u 2 Mk. das Pfd., Halbdaunen, hochsein 2.35 Mk das Pfd, Ganzdannen(Flaum) 2.50, 2 75 und 3 Mk. Bei Abnahme von 50 Pfd. 5% Rab. Umtausch gestattet. Statt besonderer Anzeige. Emma Varney Emil Mellingnaus Verlobte. Ergste und Hagen, im Septbr. 1898 Genn.„ schützt sicher vor dem Verderben mein alichl-Krauteressig. Alle anderen Einmachartikel bekannt gut und preiswürdig bei Ernst Klein, Hüsingstraße 15.„ nach eigenen Fntwürfen nach eigenen kntwürfen, Zeichnungen, taurmuster etc. gedenbgrdon Khübehment. ccg euchdruckere CARL BRAUS Schwerte 4. * Karlossele“ uu Freitag, den 16. September, nachmittags 5 Uhr, für Herrn Jacobs auf Steinhausen 7 Morgen auf dem hohen Felde gleich hinter dem Nickelwalzwerk nummerweise meistbietend an Ort und Stelle. Hohenschwert. Horimander Krnn= Preri. Kurkessereerlauf. 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Die Wangen begannen sich zu röten, Kopfweh und Schwindel verloren sich, sodaß der Knabe jetzt nach 14tägiger Kur wieder im Besitz seiner Körperkraft, geistig frisch und schaffensfreudig seinen Schulpflichten nachkommt. Hiernach fühle ich mich gedrungen, alle Eltern von blutarmen und bleichsüchtigen Kindern auf dieses herrliche Stahlwasser, einer wahren Gottesgabe, aufmerksam zu machen. Fulda, 12. Juli 1898. Fr. Hartung, Ingenieur. S Gelenk=Entzündung. Seit drei Jahren war ich mit rheumatischer Gelen entzündung, chronischem Gelenkrheumatismus mit Anschwellungen behaftei, in einer Weise, daß ich velfach arbeitsunfähig war. Bei Bewegungen empfand ich ein lebhaftes Stechen; als Folgeerscheinung trat eine außerordentliche Schwäche und Kraftlosigkeit im ganzen Körper, besonders aber in den Beinen ein, so daß ich kaum gehen konnte. Da ich trotz aller Kuren, die ich gemacht habe, keine Heilung finden konnte, habe ich mich, durch Geheilte veranlaßt, an die Privatpoliklinik in Glarus gewandt. Diese Anstalt hat mich dann brieflich behandelt und wie ich heute zu meiner Freude bezeugen kann, von meinem hartnäckigen Uebel vollkommen befreit. Die Schmerzen und Anschwellungen sind verschwunden; die Käfte sind zurückgekehrt; ich kann jetzt meine Arbeiten ohne Mühe verrichten und meinem Verdienste ohne Beschwerde alle Tage nachgehen. Ich spreche für diese Heilung öff ntlich meinen Dank aus, bin auch gerne bereit, allen, die sich für den Fall interessieren, Auskunft zu erteilen. Haagen b Lörrach i Baden, den 14. April 1898. Georg Säger, Fabrikarbeiter. Die Echtheit der Unterschrift des Georg Säger hier beurkundet, Haagen, Baden, den 14. April 1898. Müller, Bürgermeister. Adresse:„Privatpoliklinik, Kirchstraße 405, Glarus:(Schweit). usssass G5 Nach Aiaotbelladf richten sich jetzt die Blicke aller Deutschen und erhoffen dort eine passende Kolonie für die Auswanderung, oder doch ein geeignetes Absatzgebiet für deutsche industrielle Erzeugnisse. Payne’s Illustrirter Familien- Kalender für 1899 enthält eine exakt ausgeführte, zweifarbig gedruckte Karte dieses uns neu erschlossenen Gebietes, über dessen Grösse man sich, im Verhältniss zu dem beigedruckten Königreich Sachsen, sowie überhaupt über die geographische Lage genau informiren kann. Payne’s Illustrirter Familien-Kalender, der alljählich in sehr grosser Auflage erscheint, bietet bei seiner allseits anerkannten Beliebtheit hinsichtlich seines Inhalts in Wort und Bild seinen Käufern zum Preise von ber 50 Pfg. ausserdem noch 13 Gratis-Beilagen. Man kaufe deshalb keinen minderwerthigen, anscheinend bilIigeren Kalender, sondern versichere sich vorerst Payne’s Illustrirten Familien-Kalender zu erhalten, der durch die Expedition dieses Blattes und deren Boten zu beziehen ist. Landwirtschaft und Gewerbebetrieb der Stadt Schwerte und der9 Der Verein * der Stur.## Aud 6.s Amtes Westhofen feiert am Samstag, den 17. September dss. Is., im Lokale„In Reichesdes Wassers" hierselbst ein verbunden mit Ausstellung von landwirtschaftl. Geräten und Produkten, sowie Erzeugnissen des Gewerbefleißes. Das Fest beginnt um 1 Uhr nachm. mit Ausstellung der Tiere auf der„grünen Wiese“. Die Prämüierung der Tiere erfolgt um 3 Uhr. Die Ausstellung der übrigen Gegenstände erfolgt in dem Hagemann'schen Lokale bezw. Garten, woselbst während des Nachmittags stattfindet.— An Prämien kommen im ganzen 500 Mark zur Verteilung. Abends 6 Uhr: Fest=Essen zum Preise von Mk. 2,00 pro Couvert. Nachher: Ball. Nichtmitglieder zahlen für Konzert 50 Pfg., für Konzert und Ball 1,25 Mk., und für Ball allein 1,00 Mk. Karten zum Festessen gelangen durch Boten zum Verkauf und sind außerdem bis zum 13. dss. Mts. bei dem Wirt Herrn L. Hagemann hierselbst zu haben. Die auszustellenden Gegenstände müssen am Festtage bis spätestens 1 Uhr mittags an Ort und Stelle sein. Deckscheine für Stuten sind mitzubringen. Schwerte, den 1. September 1898. Fest=Komitee. 9 5 5 Dreimal täglich erscheint und kostet 4 Mark 75 Pfg, vierteljährlich die Theilisch=Westsärisch? Hrilung Hauptorgan des Niederrheins und Westfalens. Die Morgenausgabe enthalt auf telegraphischem Wege ausführliche Berichte über die Parlamentssitzungen und sonstige Ereignisse, die Produktenmärkte aller wichtigen Branchen vom vorhergehenden Tage, ferner ein interessantes Roman=Feuilleton, politische, provinzielle, landwirtschaftliche und industrielle Nachrichten 2c. Die Mittagsausgabe bringt bei besonders wichtigen Anlässen einen sehr umfassenden Nachtragsbericht über die parlamentarischen Verhandlungen (Reichstag und Landtag) vom vorhergehenden Tage, einen interessanten Parlamentsbrief über die letzte parlamentarische Sitzung, den telegrapbischen Bericht über den New=Yoiker Produktenmarkt, die wichtigsten während der Nacht und des Morgens eingelaufenen Nachrichten u. s. w., sowie ein Die Abendausgabe enthält telegraphische Berichte über die bedeutendsten politischen, wirtschaftlichen und lokalen Ereignisse des Tages, die Berliner Börsenkurse desselben Tages, die Kurse der Warenbörsen Rheinland= Westfalens, vermischte, feuilletonistische und FamilienNachrichten aller Art, und den Anfang der Berichte über die Parlamentsverhandlungen desselben Tages. reichhaltiges Feuilleton. Vaterländische Gesinnung, volle Unabhängigkeit in jeder Richtung, Freimütigkeit nach oben und unten und Vermeidung jedes Partei= oder Klassen=Fanatismus haben im Verein mit den Leistungen der Zeitung— anregenden Leitartikeln,„Spezialkorrespondenzen, umfangreichem Nachrichtendienst auf wirtschaftlichem Gebiete, und aufmerksamer Verfolgung des rheinisch=westfälischen Lebens auf allen Gebieten, der Politik, der Kunst, der Gemeindeangelegenheiten und Lokalereignisse— die Rheinisch=Westfälische Zeitung zum beliebtesten Tagesorgan am Niederrhein und in Westfalen gemacht, welches durch seinen reichen Inhalt das Halten irgend einer anderen größeren Zeitung entbehrlich macht. Neu eintretende Abonnenten erhalten nach Einsendung ihres quittierten Abonnementsscheines von jetzt ab bis Ende September 1898 die Zeitung unentgeltlich zugeschickt. Wir versenden auf Wunsch 14 Tage Probenummern. 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