Amtlicher Areisbratt Abonnements=Preis pro Quartal 1 Mt. 50 Pfg. Erscheint Montags, Mittwochs, Freitags und Samstags. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“ Verantwortlicher Redakteur: Insertionsgebühr für die 6spaltige Zeile oder deren Raum 10 Piz: Wilhelm Hoerster, Schwerte. außerhalb des Lesertreises 15 Pfg. Reklame 30 Pfg Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Nr. 142 Samstag, 10 September 1898. 31 Jahrgang. Kaisermanöver. Porta Westfalica, 7. Septbr. Hoch auf dem Wittekindsberge stand ich auf der gewaltigen Kuppel des Kiser Wilhelm=Denkmals und schaute in das herrliche Thal und hinüber zu den Felsen klippen des Jacobsberges und auf der Weser blitzende Welle. Eine heiße Herbstsonne brannte herab, aber die Luft war klar und von Minden bis Oeynhausen lag das schöne Thal hell vor dem Auge. Unten tief zu unsern Füßen der„Kaiserhof", und die übrigen Gebäude, deren Fahnen lustig flatterten, drüben der guirlandengeschmückte Bahnhof. Mit dem Glase konnte man in die Straßen und Chausseen hineinsehen, und auf denen wimmelte es, wie in einem Ameisenhaufen, hinzuströmende Schaulustige und staubbedeckte Truppenabteilungen, Kutschen und Radler. Wir stiegen hinab. Die Manöver lassen sich in diesem Jahre ernst an, auch heut war der Keiser schon früh von Oeynhausen hinausgefahren, um erst nach 2 Uhr mittags zu kurzer Pause dorthin zurückzukehren, viele Abteilungen aber von den manöverierenden Truppen hatten am späten Nachmittag ihre Unterkunft noch nicht erreicht und marschierten im Sonnenbrand und mehligen Staub ihre Straße. Und mitten im Volsgewühl um das Hotel Kaiserhof stand an einem der Wege kriegsmäßig ein Doppelposten, das Gewehr im Arm, und schaute nach dem Feind aus, unbekümmert um all' den Trubel. Und der war gewaltig. Von allen Seiten kamen sie herbei, man hatte auch die neu aufgefahrene Pontonbrücke dem Publikum freigegeben, und standen dichte Haufen am Wege entlang, den das Kaiserpaar kommen mußte, und lagerten sich an den Abhängen der Höhen hinauf. Im Kaiserhof selbst wurde es auch schon lebendig, die Anfahrt der Geladenen begann, und die Minden=Ravensberger Posaunenchöre probten noch einmal ihre schwersten Nummern durch; sie waren auf der Wiese gegenüber dem Pavillon aufgestellt, der für die Allerhöchsten Herrschaften an das Hotel angebaut war. Um 5¼ Uhr zeigte von fern her immer wachsendes brausendes Hochrusen das Nahen des Kaiserpaares auf der Chaussee nach Oeynhausen an. Die Majestäten saßen im offenen Vierspänner, eskortiert von einer Schwadron Husaren; der Kaiser trug Generals=Uniform, die Kaiserin eine gelbe Robe mit einem lichtgrünen Cape. Die Posaunenchöre stimmten die Nationalhymne an. Das Herrscherpaar wurde von den Spitzen der Behörden Westfalens begrüßt und in den großen Festsaal des Hotels Kaiserhof geführt, wo sie von einer Fanfare, geblasen von einem Musikkorps in historischer Tracht, empfangen wurden. Das Innere des Kaiserhofes war auf das Prächtigste hergerichtet: Guirlanden, wehende und gereffte seidene Fahnen, reicher Blumenschmuck und köstliche Blattpflanzen, endlich eigene hierfür modellierte Statuen, deren größte die Westfalia darstellt, Handel und Industrie segnend, geben dem Ganzen einen vornehm warmen Ton. Auf der Tafel prangten die Silberschätze des westfälischen Adels. Um 5 ½ Uhr begann das Mahl, das die Provinz dem Herrscherpaare gab. Außer den hervorragenden Personen der Provinz nahmen natürlich auch die zu den Manövern geladenen Fürstlichkeiten am Mahle teil; es waren über 400 Gedecke. Die Kapelle des 15. Inf.=Regiments concertierte. Wirkl. Geh. Rat voi Oheimb, Vorsitzender des Westfälischen provinziellen Tages, brachte das Hoch auf die Majestäten mit folgenden Worten aus: „Allerdurch auchtigster Kaiser und König Allerduschlauchtinste Kaiserin und Königin! Eueren Majestäten gestatte ich mir im Namen der Provinzialvertretung unseren ehrsurchtsvollen Dank für die uns bocherfreuende und ehrende Teilnahme an dem heutigen Festmahle auszusprechen. Wie vor 9 Jahren, als der Provinz zum ersten Male das Glück des Besuches ihres geliebten Herrscherpaares zu Teil wurde, in der Provinzialhauptstadt, so bringen Euren Majestäten wir heute im Angesictzt des z m dankba en Anvenken an den großen Kaiser Wilhelm I. erri bieten Provinzialdenkmals in demjenigen Teile der Provinz uniere freudigen ehrerbietigenden Huldigungen dar welcher in diesem Jahe in dankbarem Gedenken der schönen Entwick lung, welche er unter dem hohen Sputze und der Fürsorge der erhabenen Hohenzollernfürsten erlan#t bat, das 250jährige Jubiläum seiner Anghörigk it zur preußischen Monerchie begeht. Wahrend Euerrr Majestät 10jihrigen Regierung sind uns richt nu; die Segnungen d's Friedens erhalten geblieben, sondern Dank Euecer Majestät Umsicht und Thatkraft auch aff friedlichem Wege Deutschlands Machtsphäre erweitert und neue Verkehrszebiete in fernen Landen eröffnet wirden. In Folge dessen haben Hand I und Indust ie in uns rer Provinz einen außerordentlichen Aufschwung genommen woduch aub die Lage der arbeitenden Massen siy günstig gestaltet hat. Die Lundwirtschaft hat leider unter ihe ungünstigen Verhältnissen kein n Aufschwung erlangt, wir wissen aber, diß Euer Majestät auch für diesen so wichtigen Zweig un serer Ewrbethäli keit ein warmes Heiz ein iff nes Auge haben, und nach Möglichkeit für dessen H bung sorgen wie dieses die noch jüngst für unsere Provinz erlassene Verordnung über die Lindwirtschaftskammern und das Gesetz über das Anerberrech; zeizn. Wir dürfen deshalb zuversichtlich hoffen, daß auch der Betrieb dr Landwirtschaft weiter loh ender wer en wird. und daß dann durch einttächtiges said= in Haldgehen von Handel, Industrie und Landwirtschaft das Stantswohl eekörde t werden wird. Ia Ihrer Majestät, unserer' geliebten Landesmattr, verehren wir dankbar die unermidliche, siets hulfsbere te Förderin aller Bestribungen, welche je Beseitigung von Mißständen auf sozialem unn kirchlichem Gebiet, und damit die Erhaliunz der Religiosität in unserem Volke sich zur Aufgabe machen. Dm herzlichen Wunsche, daß Gottes Segen aun ferner auf Eueren Mijestäten und Allerhöchst ihren hohen Familien rohen möge, welchen alle treuen Wstfalen teilen, geben wir Ausdruck, indem wir die Gläser auf das Wohl unseres geliebten Kaiser= und Königs praresIrren Ihre Maj stäten, Kaiser und König Wiihelm II. und Kaiserin Augusta Vikioria leben hoch! Bald darauf erhob sich der Kaiser zu folgendem Trinrspruch: „Von Herzen danke Ich im Namen Majestät der Kaiserin und in Meinem Namen für den freundlichen Willkomm und für das heutige Fest. Sie wissen, wie Ich Mich freue, jedesmal, wenn Ich unter Ihre Reihen treten kann. Ich bin dankbar, daß seitens der Provinz anerkannt wird, daß die Mühen Meiner Regierung nicht ganz umsonst gewesen sind, und Ich hoffe, daß es Mir gelingen wird, den Ausblick namentlich auch für die Landwirtschaft so zu gestalten, daß sie mit Ruhe einer guten Zukunft entgegen sehen können und daß alle großen Gebiete des Erwerbslebens unseres Vaterlandes zu gleichen Teilen sich mit einander verbinden und so die fortdauernde Größe und Entwickelung desselben gewährleistet werden. Wir können es aber nur, wenn wir in gesichertem, ruhigem und ungestörtem Fortarbeiten unter dem Schutz des Friedens uns entwickeln, wie gleichsam angedeutet ist durch die ausgestreckte Hand des großen Kaisers, der hier über uns steht. Der Friede wird aber nie besser gewährleistet sein, als durch ein schlagfertiges, kampfbereites deutschen Heer, wie wir es jetzt in einzelnen Teilen zu bewundern und uns darüber zu freuen die Gelegenheit haben. Gebe uus Gott, daß es uns immer möglich sei, mit dieser stets schneidigen und gut erhaltenen Waffe für den Frieden der Welt zu sorgen! Dann möge sich auch der westfälische Bauer ruhig schlafen legen. Ich erhebe das Glas und trinke auf das Wohl der Provinz Westfalen! Sie lebe hoch! und noch einmal hoch! und zum drittenmale hoch! Nach der Tafel fand die Vorstellung der von der Provinz Westfalen geladenen Gäste bei dem Kaiserpaar statt, dann trat man hinaus in den geschmackvoll hergerichteten Garten und auf die Terrassen, das Kaiserpaar in den Pavillon. Die Posaunenchöre begannen die Vorträge ihrer Choräle und Lieder. Das Programm, in drei Teilen, brachte u. A. das Westsalenlied von Ernst Rittershaus, Schleswig=Holstein meerumschlungen, Ich hab' mich ergeben. Die Mitglieder, mit über tausend Mann, sind gut eingeübt und erzielen schöne Wirkungen. Wunderbar hallte so das unsterbliche„Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“ zu den Bergen empor. Es dunkelte allmählich. Vereine mit ihren Fahnen, Lampions tragend, marschierten auf. Die Pontonbrücke der Pioniere wurde mit Pechfackeln und rotem Magnesium erleuchtet, der steilfelsige Jakobsberg erschien plötzlich in glühend rotes Licht getaucht, und da erstrahlten auch die riesigen Konturen des Kaiserdenkmals im Licht buntfarbiger Lampen, die sich wie Reihen leuchtender Perlenschnüre am Mauerwerk des Denkmals entlang zogen. Der Kaiser fuhr mit dem Wagen über die Pontonbrücke nach Bückeburg zu, ins Manöverterrain, ohne nach Oeynhausen zurückzukehren, er hatte den Befehl über das 10. Armee=Korps übernommen. Die Kaiserin fuhr nach Oeynhausen zurück, das Haus für Haus illuminiert hatte; an allen Fenstern Lichter und farbige Lämpchen, auf den Rasenflächen der Vorgärten und in den Sträuchern derselben Lichterglanz, im Kurgarten unter den alten Bäumen Pechflambeaux und bengalisches Licht. Auf dem Bahnhofe Porta ereigneten sich bedenkliche Szenen. Der Menschenandrang war zeitweise so groß, daß lebensgefährliches Gedränge entstand. Als aber endlich alles auf dem Bahnsteig gelangt und in den Koupees untergebracht war, machte sich die Feststimmung wieder geltend und noch während die Züge sich in Bewegung setzten, stimmten die von den Bläserchören, wo ihrer mehrere zusammengekommen waren, auf ihren Instrumenten eine lustige Weise an. Oeynhausen, 8. Septbr. Heute morgen um 8 Uhr 10 Minuten verließ die Kaiserin mit ihrem Hofstaat Bad Oeynhausen und begab sich direkt nach dem Neuen Palais. Die Bedenken, die im Frühjahr gegen einen Aufenthalt der Majestäten in diesem so herrlich liegenden Schlosse aus der wachsenden Sumpfigkeit der Havelniederung yergeleitet wurden, sind nun woht durch die anhaltend trockene Witterung behoben. — Die Festlichkeiten sind vorüber, und„Mars regiert die Stunde.“ Der Kaiser, der, wie schon gemeldet, in der Nacht um ½2 Uhr von Bückeburg aufgebrochen war, kehrte mittags um 12½ Uhr nach hierher zurück. Auch morgen gedenkt Se. Majestät wieder sehr zeitig aufzubrechen, und so ist denn aus Oeynhausen heute wenig zu melden. Der Kaiser dinierte mit den Herren seines Gefolges, sowie mit dem Chef des Militärkabinets General von Hahnke und den Chef des großen Generalstabes General Graf von Schliefen, in der Villa Stmbe, die hier anwesenden Fürstlichkeiten mit ihrem Gefolge, der Oberhofmarschall Graf zu Eulenburg, Generaloberst Graf Waldersee und andere Herren speisten im Kurhause. Hier hatte Prinz Albrecht von Preußen den Mittelplatz an der Tafel inne. Der Fürst zu Schaumburg=Lippe und der Herzog Johann Albrecht fehlten, letzterer war Gast des Fürsten in Bückeburg. Minden, 8. Septbr. Kaleidoskopisch wechseln hier die Soldatenbilder; täglich neue Einquartierung. Die Stadt gleicht einem Feldlager! Hotels, Gast= und Privathäuser— Alles ist überfüllt mit zweierlei Tuch. Und das kommt und geht so plötzlich, daß für die Kriegsmänner kaum Zeit bleibt, nach Soldatenart zarte Verhältnisse anzuspinnen, die schnell geknüpft, über das Provisorium nicht hinauskommen. Die Schaulust scheint ebenfalls hier weit weniger entwickelt, als anderwärts, wenigstens fanden sich heute eine viel geringere Zahl von Schlachtenbummlern ein, als z. B. bei Bückeburg. Und doch gab's heute mehr zu sehen, als an manchem anderen Manövertage. Wem es auf eine Nachtreise nicht ankommt, der hätte den Uebergang der KavallerieDivision über die Weser, den Brückenschlag und den Marsch des 7. Armeekorps über die beiden von den Pionieren errichteten Weser=Brücken bei Petershagen beobachten können. Mit dem Schlaf war es ohnehin heute nicht weit her, denn um 5 Uhr wurde die Trommel gerührt, um die aktiven Angehörigen des 7. Armeekorps zu den Waffen zu rufen; es galt, sich des Angriffes d.s 10. Armeekorps zu erwehren, der mit unheimlicher Plötzlichkeit hereingebrochen war— so plötzlich, daß feindliche Abteilungen noch in der Stadt zusammentrafen. Man hatte wohl nicht den Angriff so früh erwartet, der von der Initiative des Kaisers auch auf dem Gebiet der Kriegsleitung ein trefflich bezeichnendes Bild gab. In Bückeburg hatte der Kriegsherr des deutschen Heeres übernachtet— wenn man so eine kurze Ruhe bezeichnen kann— und war dann in sein Stabsquartier geeilt, um von dort aus die Befehle zu geben und dann, noch in der ersten Morgenfrühe, den Angriff auf das 7. Armeekorps auszuführen. Das vortrefflich entwickelte Meldewesen hat bei den Dispositionen gewiß gute Dienste geleistet. Feldtelegraph, Telephon, Meldereiter, Lufballon und Radfahrer trugen dazu, jedes an seinem Teile, bei. Ein noch wenig benutztes Mittel, um Nachrichten auf weitere Entfernungen zu geben, ist ebenfalls in Thätigkeit: es nennt sich optischer Spiegel=Apparat. Seine Einrichtung ist mir noch nicht näher bekannt; für heute darum nur soviel, daß die Einrichtung, die sehr einfach zu handhaben sein soll, hier schon bis auf 10 Kilometer hin ganz sicher funktioniert hat. Freilich muß dazu die Sonne die Freundlichkeii haben, bei dieser Art von Meldewesen mitzuwirken; macht sie ein grämliches Gesicht, so ist der Apparat selbstverständlich nicht verwendbar. Ich hoffe, nächstens noch Näheres über die Einrichtung kennen zu lernen. Die Kriegshunde sieht man zur Seite der Jäger, ihre Intelligenz haben sie aber den Zuschauern gegenüber noch nicht zu bewähren gehabt. Die Pferde der Kavallerie=Division waren um das kühle Bad zu beneiden, das ihnen beim Durchschwimmen der Weser zu Teil wurde, während ihre Leiter im Boot den Uebergang bewerkstelligten. Pferde sollen ja alle schwimmen können, wenn man ihnen die freie Bewegung gönnt, sie werden darum einfuch an der L#n zahalten; eine der bemerkenswertesten derartigen Uebuugen, die ja fast alljährlich stattfinden, ist wohl in viesem Sommer bei Mainz unternommen worden; man ist noch jetzt voll des Lobes über die Ausführung. Das Passieren der Pontonbrücken mag eine ziemliche Zeit in Anspruch genommen haben; umsomehr ist die frühzeitige Ausführung des Angriffs zu bewundern. Am gestrigen Nachmittag(7. Septbr.) hatte das Armee=Oberkommando mitgeteilt, daß es gelungen sei, die Weserlinie zu behaupten, und daß erwartet werde, daß das 7. Armeekorps durch Wiederaufnahme der Offensive am 8. September den ihm gegenüber stehenden Feind in nördlicher Richtung zurückwerfen werde. Das Generalkommando(Se. Majestät) befahl am 8. Septbr. vorzugehen mit der 37. Infanterie=Division über Kleinenbremen, 7. Infanterie=D.vision über NammeRöcke, die 13. Infanterie=Division über LerbeckKlus, während die 14. Infanterie=Division bei Minden östlich der Weser bereitgehalten wurde. Dem 7. Armeekorps teilte das Armeekommando inder Donnerstag Nacht mit, das unter Umfassung des rechten Flügels der feindlichen Armee über die Weser gehen werde, und mit Bestimmtheit auf einen Erfolg rechne; das 10. Armeekorps solle unter Aufgabe seines bisherigen Auftrages die Weser überschreiten und gegen die linke Flanke des Feindes wirken. Infolge dieser Nachricht ging das 10. Armeekorps in der Nacht unterhalb Minden über die Weser. Die Kavallerie=Division durchschwamm die Sinnsprüche, Denksprüche, Sprüchwörter 2c Mußt du Unangenehmes vollbringen, Säume nicht, thu' es in eiligem Lauf! Kleiner Hügel, erst leicht zu bezwingen, Bläht sonst zum mächtigen Berge sich auf. Wer alles macht, wie es die Leute wollen, Dem wird die Welt erst jauchzend Beifall zollen. Doch will er wieder eigne Wege wandeln, Flugs wird sie ihn wie ihren Knecht behandeln. Enlielkind. Von G. Struder. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Der Inhalt des Briefes war folgender: Herr Thomas! Nachdem Sie von uns weggegangen waren, habe ich mir Ihren Vorschlag mit meiner Frau nochmals überlegt und nehme denselben an. Werde also morgen abend von 7 Uhr an der bezeichneten Stelle halten und einen starken Mann mitbringen, der das Fränlein schon bändigen soll. Verlange aber, daß mir die 500 Mark vorher ausbezahlt werden, wogegen meine Frau bereit ist, das Frauenzimmer bei sich unterzubringen und es schon zahm zu machen. Werde also morgen da sein mit einem guten zweispännigen Wagen. Es grüßt Sie Sie wissen schon wer. Der Poststempel zeigte, daß der Brief gestern abend um 11 Uhr in der nahen Stadt aufgegeben und also das Unternehmen für heute geplant war, aber wer mochte wohl das Frauenzimmer sein, gegen welches hier etwas im Svilde geführt wurde? „Mein Gott,“ rief Robert plötzlich aus, indem er erregt aufsprang,„wen kann der Schreiber dieses Briefes sonst wohl meinen als Irma, welche von Thomas ja ohnehin stets verfolgt werden ist? Zweifellos ist sie gemeint, es ist ein Schurkenstreich im Werk, und dem muß unbedingt vorgebengt werden.“ Alle seine Erbitterung gegen Irua war in diesem Augenblicke vergessen, er dachte nur an seine Pflicht, die ihm gebot, dem gefährdeten Mädchen zur Hilfe zu eilen und zu warnen, und ohne Verzug setzte er daher in schnellem Schritte seinen Weg nach dem nahen Dorfe weiter fort. Ungeduldig riß er an der Schelle der Neubert'schen Wohnung, die er sich von einem Jungen hatte zeigen lassen, und frug aufgeregt die ihm öffnende Frau Reiz, ob er den Hausherrn sprechen könnte. „Das wird schwerlich angehen,“ erwiderte dieselbe,„denn Herr Neubert hat soeben eine Depesche bekommen und steht im Begriffe zu verreisen.“ „Aber ich muß ihn unbedingt sofort sprechen,“ wiederholte Robert stürmisch.„Sagen Sie dem Herrn, es hinge außerordentlich viel für ihn und für— das Fräulein von der Unterredung ab, und ich sei eigens zu dem Zwecke hierher gekommen, um ihm eine sehr dringende Mitteilung zu machen.“ „Ich will es dem Herrn sagen,“ entgegnete Frau Reiz phlegmatisch, und einige Augenblicke später kam sie mit der Meldung zurück, daß Herr Neubert ihn erwarte. Dieser empfing den Grafen ziemlich unwirsch. „Wenn Sie mir etwas mitzuteilen haben, so beeilen Sie sich,“ sprach er ungeduldig. „Ich erwarte jeden Augenblick meinen Wagen und dann muß ich sofort abreisen.“ „Bitte, lesen Sie einmal diesen Brief,“ versetzte der Graf, indem er das an Thomas gerichtete Schreiben hervorzog. Neubert hatte kaum einen Blick auf dasselbe geworfen, als sich die größte Erregung auf seinen ehernen Gesichtszügen ausprägte und ein lauter Fluch seinem Munde entfuhr. „Der Schurke,“ rief er aus,„also darauf lief seine letzte Drohung hinaus und deshalb erhielt ich auch vorhin die Depesche, die jedenfalls gefälscht ist. Aber ich werde Dir Deinen sauberen Plan versalzen, Halunke, es soll die letzte Schandthat sein, die Du begehen wolltest. Ihnen, Herr Graf, danke ich herzlichst, Sie haben uns vor einem vielleicht entsetzlichen Unglücke bewahrt.“ Damit drückte er dem Grafen so kräftig die Hand, daß diesem beinahe ein Ausruf des Schmerzes entschlüpft wäre und er unwillkürlich mit scheuer Ehrfurcht zu dem trotz seines Alters noch immer so ungemein starken Manne emporblickte. „Darf ich mir vielleicht mit Rücksicht auf mein großes Interesse für die Angelegenheit die Frage erlauben, was für ein: Bewandtnis es mit jener Depesche hat?“ frug er zögernd, worauf Neubert ihm die Depesche überreichte und erwiderte: „Da, lesen Sie nur selbst und dann sagen Sie mir, ob Ihnen jemals eine größere Niederträchtigkeit vorgekommen ist?“ Die an Neubert gerichtete Depesche lautete folgendermaßen: Kommen Sie sofort zu uns. Holt aus New=York ist bei uns und will Sie unbedingt sprechen. Er reist heute Nacht um 12 Uhr wieder ab. Henrichs u. Cie. „Was sind diese Henrichs u. Cie.?" frug Robert, indem er Neubert die Depesche zurückreichte. „Es sind meine Bankiers, und dieser Herr Holt ist ebenfalls mein Bankier und dabei ein sehr guter Bekannter von mir. Aber sehen Sie nur, mit welchem Raffinement die Depesche abgefaßt ist? Ich wäre natürlich mit der Kleinen nach der Stadt gefahren und damit dies unter allen Umständen verhindert würde, deshalb wurde der Schlußsatz beigefügt. Denn der Kerl konnte sich natürlich denken, daß ich mich mit dem jungen Mädchen nicht bis Mitternacht in der Stadt aufhalte.“(F. folgt.) SCHWERHORIGKEIT.— Eine reiche Dame' welche durch Dr. Nicholson's Künstliche Ohrtrommeln von Schwerhörigkeit und Ohrensausen geheilt worden ist, hat seinem Institute ein Geschenk von 20,000 Mark übermacht, damit solche taube und schwerhörige Personen, welche nicht die Mittel besitzen, sich die Ohrtrommeln zu verschaffen, dieselben umsonet erhalten können Briefe wolle man adressieren: A. T. Hale, Sekretär, 22, St. Bride Street London, C. E. Weser bereits gegen Abend. Der 19. und 31. Infanterie=Division folgte beim Passieren der Brücken die 17. Division, die auf Minden losging. Sie geriet bei Forst Klus in der Morgenfrühe mit der 14. Division aneinander und warf sie zurück bis nach Minden hinein. Die 14. Division ging dann erneut vor gegen das vom 75. Regiment besetzte Rutenhäuser, wo sich ein sehr heftiger Kampf entspann. Das 10. Armeekorps verlängerte seine Linie nach rechts über Stemmar und Friedewalde. Die feindliche 13. Division ging zur selben Zeit über Winterhaide und dem Maulbeerkamp vor; auch dort entspann sich ein lebhaftes Gefecht. Es tral dann eine Pause ein. Die 19. über Nord= und Süd=Hammer gegen den feindlichen linten Fliggvonrgedeurgepz, chge de 13. und 14. Tivision warden abgeschlagtn, der Versuch der 13. Division, das Feld durch den Bruch bei Hartum zu gewiund 1g. Pipzsig, be, Artilleriefeuer. Ein Angriff der stellte sich heute nachmittag um 5½ Uhr mit ihrem Gemahl als neuer Chef der 56er in Regimentsuniform beim Kaiser vor. Tages=Ereignisse. Deutsches Reich. Prinz August Wilhelm ist an einer Halsentzündung erkrankt. Die Entzündung verläuft normal, auch ist der Prinz gänzlich fieberfrei.(Prinz August Wilhelm ist der vierte Sohn des Kaisers.) Prinz Heinrich von Preußen hat am Donnerstag das vorläufige Ziel seiner Reise, den russischen Kriegshafen Wladiwostok im Amurgebiet, erreicht. Er befand sich an Bord des Kreuzers„Deutschland“; gleichzeitig traf der Kreuzer„Gefion“ dort ein. Der 2. Verbandstag deutscher Milchhändlervereine ist in Hamburg zusammengetreten. Er beschloß eine Petition an den Reichstag zu richten, daß der Milchverkauf an Sonntagen ununterbrochen bis 2 Uhr nachmittags gestattet werde. Unsere Herbstübungsflottemanoverierte am Donnerstag unweit von Helgoland. In der vorhergehenden Nacht war der Marsch durch starken Nebel verhindert worden. Die für die Palästinareise des Kaiserpaares bestimmten 8 Mann von der Leibgendarmerie des Kaisers und 4 Mann von der Leibgarde der Kaiserin werden bereits Mitte dieses Monats von Potsdam nach dem gelobten Lande abgehen, um sich dort, bevor das Kaiserpaar eintrifft, mit den Sitten des Landes vertraut zu machen. Der bedingte Strafaußschuß. München tagt gegenwärtig der Vervano deutscher Schutzvereine für entlassene Gefangene. Derselbe nahm auch Stellung gegenüber der Einrichtung eines bedingten Strafaufschubs zu Gunsten der erstmals Betroffenen. Der Verband begrüßte die Einrichtung als ein wirksames Mittel zur Bekämpfung der Ueberhandnahme des jugendlichen Verbrechertums und wird dieselbe nach Kräften unterstützen. Ein Ehrendenkmal läßt der Kaiser dem Fürsten Bismarck im Berliner Dom setzen. Mit der Herstellung ist Prof. Begas beauftragt. Die Entwürfe sind soweit gefördert, daß sie dem Kaiser bei seiner Rückkehr nach Berlin vorgelegt werden können. Bismarck wird in Kürassier=Uniform auf einem Sarkophag ruhen, von symbolisierenden Figuren umgeben. Kandelaber sollen das Marmormonument flankieren. Die Ausdehnung der Maul= und Klauenseuche in der Schweiz hat einen solchen Umfang auch in den Schweizer Landesteilen angenommen, welche an Deutschland grenzen, daß die zunächst in Betracht kommenden deutschen Bundesstaaten sich in die Notwennigkeit versetzt sehen dürften, verschärfte Absperrungsmaßregeln gegen den Viehverkehr mit der Schweiz zu ergreifen. Den„Dresdener Nachrichten“ hat ein Amateur=Photograph, den ein Ausflug an die Gestade des Züricher Sees führte, vier Ansichten des„Bebel'schen Schlosses“ übersandt, die das Blatt nunmehr reproduziert. Die Ansichten lassen erkennen, daß Bebels „Villa Julie“ in der That ein Besitz ist, dessen sich kein„Schlotbaron“ zu schämen haben würde. Das Grundstück liegt dicht am See, besitzt ein sportmäßig eingerichtetes Bootshaus, reiche Weinbauanlagen und ist mit einer„feudalen", in massiger Steinarbeit aufgeführten Mauer umgeben. Vermutlich wird der nächstjährige preußische Etat insofern einen Abschluß der im Anfange der neunziger Jahre begonnenen Reorganisation der Fabrikaufsich bringen, als die letzten der bei der Aufsicht beschäftigten Gewerbeinspektoren danach ihre etatsmäßige Anstellung erhalten werden. gesemt waren in dem Organisationsplane 100 Gewerbeinspektoren vorgesehen. Von diesen waren bisher 94 fest angestellt sodaß es sich im nächstjährigen preußischen Etat um die Schaffung von 6 neuen etatsmäßigen Stellen handeln würde. Der Zentralverband deutscher Industrieller hält am 1. Oktober zu Berlin eine Ausschußsitzung ab. Auf der Tagesordnung stehen: Festsetzung des Etats für das Jahr 1899, Kooptation eines Mitgliedes in den Ausschuß und Bericht des Geschäftsführers über die Thätigkeit des Zentralverbandes und die Vorkommnisse auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet seit der letzten Sitzung des Ausschusses. Ein allgemeines deutsches Baugesetz ist, wie bestätigt wird, im Reichsamt des Innern ausgearbeitet und liegt bereits den maßgebenden Ressorts vor. Die Frlf. Ztg. berichtet aus Karlsruhe: „Bei der letzten Reichstagswahl ist im Orte Sand(Reichstagswahlbezirk Offenburg=Kehl) vom Orts=Wahlkommissär, dem Bürgermeister, zu Gunsten des nationalliberalen Kandidaten ganz erheblich bemogelt worden. Es ist jetzt amtlich festgestellt, daß nur 9 Stimmzettel abgegeben worden sind, während sich in der Urne 81 vorfanden; es sind also 72 Zettel vom Büfgermeister eigenmächtig in die Urne gelegt worden. Der Bürgermeister giebt zu seiner Entschuldigung an,„er habe sich geschämt, daß die Gemeinde sich so schlecht an der Wahl beteiligte.“ Dieses eigenartige „Schamgefühl“ wird ihm teuer zu stehen kommen.“ Holland. Amsterdam, 9. Sept. Die Königinnen reisten heute vormittag mittels Sonderzuges nach dem Haag ab. In den Straßen wurden die Majestäten von einer großen Menschenmenge begeistert begrüßt. Vor der Abreise wurden der Bürgermeister und der Polizeichef in besonderer Audienz empfangen, welchen die Königinnen ihren Dank für die ausgezeichneten Ordnungsmaßnahmen der vergangenen Tage aussprachen. England. London, 9. Sept. Die„Times“ melden aus New=York vom 8. d. M.: Der gegenwärtig dort weilende Minister Chamberlain bestätigte den Vertretern des„NewYork Herald“, daß es sich um ein von England und Deutschland unterzeichnetes Abkommen handelte, nicht aber um ein Offensivoder Defensivbündnis. Was die Kundgebung des russischen Kaisers betreffe, meinte Chamberlain, so sei der Kaiser wohl eine durchaus aufrichtige Natur, aber ein Träumer. Die Heere Europas könnten allerdings aufgelöst werden, aber nicht vor der endgültigen Lösung der Orientfrage. Von einer angeblich englisch=russischen Verständigung wisse er nichts. Spanien. * Madrid, 9. Septbr. Der„Liberal“ glaubt, daß nach der voraussichtlich in der nächsten Woche erfolgenden Annahme des Gesetzes über die Veröffentlichung der Sitzungsprotokolle durch die Kammer das Ministerium Sagasta zurücktrete. Der Sturz der Regierung werde die Auflösung der Partei Sagastas und eine Neubildung der Parteien herbeiführen. Wenn sich die Reutersche Meldung bestätigt, daß der Vizekönig Li=Hung=Chang abgesetzt worden ist, so hätten die Engländer einen unzweifelhaften Erfolg in ihrer ostasiatischen Politik davongetrag n. Li=HungChang gilt mit Recht als der namhafteste Vertreter der russenfreundlichen Politik in Peking und sein herausforderndes Wesen gegen den englischen Gesandten Macdonald hat diesen zu energischen Beschwerden und Maßnahmen bei der chinesischen Regierung veranlaßt. Dem Einflusse des geriebenen Vizekönigs, den man als vom russischen Golde bestochen bezeichnet, war es noch zuzuschreiben, daß Rußland in der Angelegenheit der Niutschwang=Eisenbahn über England den Sieg davongetragen hatte, und seit dieser Zeit begann das Kesseltreiben gegen den greisen Staatsmann, das nun schließlich zu seiner Absetzung geführt hat. Es ist nun freilich sehr zweifelhaft, ob die Absetzung Li=Hung=Changs eine endgültige Entfernung aus seiner einflußreichen Stellung bedeutet; schon einmal war ihm während des Krieges mit Japan vor zwei Jahren die gelbe Reitjacke entzogen worden, es hat aber nicht lange gedauert, bis er wieder im Sattel saß. Sollte sein Schicksal jetzt entschieden sein, so dürften die Russen bei ihren weiteren ostasiatischen Bewegungen kaum mit derselben Leichtigkeit Erfolge erringen, wie bisher. Der Dreyfushandel. * Paris, 9. Septbr. Im Kriegsministerium sind alle Gerüchte über die Entscheidung des Kriegsministers Zurlinden bezüglich der Revision als verfrüht bezeichnet. Zurlinden setzt die Prüfung der Aktenstücke fort und giebt seine Entscheidung erst nach der Rückkehr von den großen Manövern bekannt, bei welchen der Kriegsminister den Präsidenten begleiten wird. * Paris, 9. Septbr. Der Umstand, daß Kriegsminister Zurlinden weitere drei Tage zur Prüfung der Dreyfusakten verlangte und es bisher unterließ, sein Bureau zu bilden, giebt den dem Generalstab nahestehenden Blättern Anlaß zu dem Gerücht seiner unmittelbar bevorstehenden Demission. Das Gerücht wird jedoch von anderer Seite in Abrede gestellt. * London, 9. Septbr. Es verlautet, Esterhazy sei gestern von Dover nach Ostende abgereist. Der Zwischenfall auf Kreta. Kaneo, 9. Sept. Sämtliche 1°0 Christen in Kandia sind auf Besehl Djevad Paschas den türkischen Truppen in Schutz genommen und im fürkischen Gouverneurshause untergebracht. Die türkischen Truppen gehen mit den englischen gemeirsam gegen die muselmanischen Ruheftörer vor. Atben, 9. Sepibr. Die Baschibozuks sind sehr zu Gewalithaten geneigt. Die Zihl der getöteten Christen beträgt 3 0. 67 Eogländer sind to“, der englische Konsul erwürgt, die Konsulate Deutschlands, Englands, Griechenlands und Spaniens sind geplündert und angezündet. Die Plünd rungen und Brände dauern fort. Acht Kriegsschiffe liegen im Hasen; ene abermalige Beschießung ist mögl ch. Die Ueberlebe den fliehen an Bord der Schiffe.. g„, n in Sisri. Athen, 9. Sep. Die Christ n in Distrikten Kanea und Sphaki: bewaffnen sich, im ihren Glaubens genossen in Kandia zu Hüsse zu kommen. Die Admirale beschlossen, die Entwaff ung der Baschiboz ks und die Auslieferung der Heuptanstister der Unruhen zu vrlangen. Kanea, 9. Sept. Nach den letzten amtlichen hier bekanrten Fesist llungen sind in Kandia getötet 1 englischer Offizier, 7 englische Soldaten, 16 Mohamedoner, 30 Christen, 4 türkische Soldaten; verwundet wurd n 3 englische Offiziere, 10 englische Soldaten, 17 Christen und Mohamedaner urd 2 türkisch: Soldaten. Gestern schifften die Türken 236 Christen ein. Am eisten Tage der Unruhen gaben die Engländer 21 Kanonenscküsse ab, einer zerstörte die Moscher, ein zweiter ein Haus, wobei 2 Kinter getötet wurden. Die erstn von Kan in geflüchteten Tru pen sind hier angekimmen. Die Zahl der Leichen unter den Trümmern ist unbekannt. London, 9. Sept. Die„Tim s“ melden aus Kandia vom 8. dss.: Die Zahl der getöteten Christen wird cuf 800 geschätzt. Die Stadt ist durch Baschitozu's geplündert. 6 0 Mann in ernationaler Truppen befänden sich jetzt in den britischen Stellungen auf den Festungswerken. Alle Berichte stimmen darin überein, daß das Verhalten der türkischen Truppen ein scheu pfliches gewesen sei. Man sah, daß auf den Obersten Rid geschossen wurde. Ein Til der Statt steht noch in Flammen. Im„Stardard“ berichtet der Korrespondent dieses Blattes in Kondia, die Christen behaupteten, das Gemetz I sei zumeist ein Werk der türkichen Soldaten, welche ihre Opfer sogar beroubten. Kanea, 9. Sept. Dem Vernehmen nach erklärten die Admirale auf Vorstellungen des Exekutionskomitees der Aufständischen, sie würden den Regierungen eine definitive Lösung der Frage durch Entfernung der türkischen Truppen und Ernennung eines Gouverneurs anempfehlen. Rom, 9. Septbr. Das in Neapel stehende zweie Bataillon des 49, Infanterieregiments erhielt Befehl, sofort noch Kreia ab ugehen. Malta, 9 Sept. Weitere 250 Mann Infanterie gingen gestern nach Kreia ab. Lokales. (Nachdruck nur mit Quellenangabe gestattet.) * Schwerte, 10. Septbr. Ernennung. Herr Gerichtsassessor Fuhlhage hier ist zum Amtsrichter ernannt. * Schwerte, 10. Septbr. 50 Mark Belohnung hat Herr Fritz Henter auf die Ergreifung des oder der ruchlosen Buben gesetzt, die in dem eingefriedigten Lagerraum des Herrn Naust ein wertvolles Granitdenkmal umwarfen. Es ist zu wünschen, daß die Polizei mit Emsigkeit den Frevlern nachspürt, damit denselben mittelst der geeigneten Strafmittel gelehrt werde, wie sie sich zu betragen haben. „ Schwerte, 10. Septbr. Gestern abend gegen 10½ Uhr hatte man Gelegenheit, eine in Deutschland überaus selten vorkommende Naturerscheinung zu beobachten. Am nördlichen Himmel erstrahlte ein prachtvolles Nordlicht in Form eines Diadems und in einer, den fünften Teil des ganzen Horizonts einnehmenden Weite. Die Erscheinung währte ca. 20 Minuten. * Schwerte, 10. Septbr. EinjährigFreiwillige. Die diesjährige Herbstprüfung zum Nachweise der wissenschaftlichen Befähigung für den einjährig=freiwilligen Militärdienst wird in der Zeit vom 19. bis 23., nötigenfalls bis zum 24. September d. J. in Minden statt. Westfalen=Rheinland. * Berghofen, 10. Septbr. Vor Kurzem sprachen wir in unserer Zeitung dem Scheibenstand der Ludwigslust das Dasein ab, während dieselben doch wirklich existieren. Dieser Tage überzeugten wir uns persönlich davon. Leider war es uns nicht möglich, den Stand auf seine Sicherheit näher zu prüfen, glauben aber doch die uns zugegangene Notiz, nach welchem den Passanten die Kugeln nur so um den Kopf geflogen sein sollen, anzweifeln zu müssen, zumal der Schütze der Chaussee den Rücken kehrt. Im Uebrigen ist der Stand nach dem Muster der Scheibenstände unseres Militärs angelegt, hat Schutzblenden, Traversen und lange Anlegekästen, so daß es schon eine Kunst ist, daneben zu schießen. Gleichwohl müssen wir der starken Frequenz der Straße wegen die größte Vorsicht anempfehlen. Berghofen, 7. Sept. Uebertragen ist der Lehrerin Brogolte endgültig eine Schulstelle in der katholischen Schulgemeinde hier. * Hennen, 9. Sept. Großfeuer. Gestern abend zwischen 7 und 8 Uhr entstand in dem Wirtschaftsgebäude des Gutsbesitzers Franz Wrede zu Bertigloh Feuer. Das Gebäude brannte bis auf den Grund nieder; das Vieh konnte gerettet werden, jedoch ist viel Korn verbrannt— Ein ferneres Schaden feuer wird von Dellwig aus gemeldet. Dortselbst ist gestern morgen gegen 8 Uhr der sogen. Viehhoff'sche Hof niedergebrannt. Kirchhörde, 7. Sept. Die Amtskassenrechnung des Amtes Kirchhörde schließt für das Rechnungsjahr 1897/98 ab in Einnahme mit 40423,57 Mk., in Ausgabe mit 28 359,53 Mark, mithin mit einem Bestande von 12064,04 Mk.— Die Gemeindekasse Kirchhörde schließt pro 1896/98 ab in Einnahme mit 175685,25 Mk., in Ausgabe mit 160754,93 Mk., mithin mit einem Bestande von 14930,32 Mt. Iserlohn, 4. Sept. Kinderhort. Der ev. Diakonieverein in hiesiger Stadt, der seit dreivirtel Jahren besteht und in aller Stille zwar, doch mit sichtlichem Erfolge seine Thätigkeit entfaltet, eröffnet mit dem 15. September in der sogen. Burgschule einen„Kinderhort“ Damit wird einem lange empfundenen Bedürfnisse entsprochen, indem Kinder evangelischer Konfession im Alter von 2 bis 8 Jahren, deren Mütter durch Fabrikarbeit oder andere Beschäftigung von Hause fern sind und eine ordentliche Erziehung nicht wahrnehmen können, dort Aufnahme finden, und zwar mit Ausnahme des Sonnabends täglich von 4—7, am Mittwoch von 2—7 nachmittags. Die Kinder werden während dieser Zeit beaussichtigt. mit Spiel und mancherlei nützlichen Dingen beschäftigt und haben Gelegenheit, soweit sie schulpflichtig sind, ihre häuslichen Schularbeiten unter Aufsicht anzufertigen. Auf diese Weise dürfte manches Kind der Verwahrlosung entrissen werden. Die Kosten hierfür sind vorläufig für 1 Kind auf 30 Pfg., für zwei Geschwister auf 50 Pfg. monatlich festgesetzt. Freiwillige Gaben von Freunden dieser Sache werden gerne entgegengenommen. Iserlohn, 8. Sept. Generalversammlung des Westfälischen Vereins für Bienenzucht. Am 4. und 5. ds. Mis. tagte zu Driburg die 12. Generalversammlung des Hauptvereins des Westfälischen Vereins für Bienenzucht, verbunden mit Ausstellung. Der Bürgermeister von Horst=Driburg brachte ein begeistert aufgenommenes Hoch auf Se. Majestät unsern Kaiser aus. Wenngleich das Jahr 1898 der Bienenzucht ungünstig war, so zeigten die hier ausgestellten Honigerträge umsomehr, was bei richtiger Behandlung der Bienen auch in schlechteren Jahren erzielt werden kann; boten doch einzelne Imker 5—600 Pfund garantiert reinen Honig zum Verkauf aus; leider war derselbe, wie dieses in diesem Jahre auch in Iserlohn der Fall, schwarz, sehr schwarz. Auch bez. lebender Völker und Imkergeräte war die Ausstellung reich beschickt worden. In der Delegiertenversammlung ergab der Jahresbericht, daß dem Hauptvereine heute 63 Einzelvereine mit fast 2000 Mitglieder angehören; die Festsetzung des Haushaltungsplanes ergab, daß die Einnahmen jährlich 2500 Mk. betragen, und daß der Herr Minister für Landwirtschaft einen jährlichen Zuschuß von 600 Mk., die Provinz Westfalen einen solchen von 75 Mt gewährt.. Der Verein hat zur Errichtung praktisch angelegter Bienenstände an landwirtschaftlichen Schulen seither jährlich 100 Mk. verausgabt (Dortmund=Soest), damit die jungen Landwirte praktisch in die Pflege und Wertung der Bienen eingeführt werden. Der Vorstand wurde beauftragt, nunmehr dahin zu wirken, daß ein eigener Lehrkursus für Bienenzucht in Westfalen eingerichtet werde, wie dieses bez. des O. stbaues in letzter Zeit geschehen ist, man wolle hierzu die ersparten Gelder hergeben. Im nächsten Jahre feiert der Verein das Jubelfest seines 50 jährigen Bestehens und dieses soll besonders glänzend begangen werden. Mehrere Einzelvereine hatten sich bereit erklärt, das Fest zu überrehmen. Iserlohn wurde gewählt. In der Hauptversammlung, während welcher die Schulen durch die Ausstellung geführt wurden, begrüßte Herr Waldeyer, Direktor des Paderborner Hauptvereins für Landwirtschaft, die zahlreich erschienenen Gäste und Mitglieder im Namen der Landwirtschaft und sprach hierbei sein Bedauern darüber aus, daß nicht auf jedem Bauernhofe ein den Forschungen und Erfahrungen der Neuzeit entsprechender Bienenstand eingerichtet sei Während des Festessens, bei welchem Direktor Waldcyer den Kaisertoast ausbrachte, fand die Verteilung der Prämien statt. Dieselben bestanden in mehreren sehr schönen Ehrenpreisen, gestiftet von der Stadt Driburg, dem Landwirtschaftlichen Verein usw. und in 450 Mk. in barem Gelde, welch letztere der Verein ausgesetzt hatte. Hagen, 9. Sept. Vorsicht bei Annahme von Zwanzigmarkstücken. Großer Schwindel wird gegenwärtig mit holländischen Zehnguldenstücken getrieben. Die Stücke, die den deutschen Doppelkronen täuschend ähnlich sehen, aber nur einen Wert von etwa 17 Mk. haben, scheinen von einer und derselben Person geschäftsmäßig untergebracht zu zu werden. Ein Reisender, der kürzlich größere Summen in der Hertener Gegend einzukassieren hatte, fand beim Nachzählen nicht weniger als drei holländische ZehnguldenStücke. Er erleidet damit eine Einbuße von 9 Mk. Vorsicht ist also dringend geboten. Heven, 5. Sept. Wer seine Frau lieb hat— läßt sie zu Hause, so dachte und machte es am Samstag ein Arbeiter von hier und zog mit seiner Mutter, einige Sachen mitnehmend, um sie im Pfandhause zu versetzen und klingende Münze zu erhalten. nach der Wittener Kirmes. Frau und Kinder lehen zu Hause in den bedürftigsten Verhältnissen. Drs sind wirklich traurige Zustände unserer Zeit. Wie viele giebt es, die daheim mit ihrer Familie kaum satt zu essen haben, aber lieber das letzte versetzen, um nur ja nicht etwa ein Fest zu versäumen. Siegburg, 5. Sept. Flüchtig nach Unterschlagung von 5000 Mk. ist ein Landbriefträger seit einigen Tagen. Bisher hat man über dessen Verbleib noch keine Anhaltspunkte. Siegen, 2. Sept. Gegen den Schuh. macher Zeitz, der seiner Zeit des Mordes an dem Invaliden Schepp in der Poststraße verdächtig und in Untersuchungshaft genommen war, haben sich die Verdachtsmomente wieder etwas verstärkt. Zur Fortführung der Untersuchung ist Herr Staatsanwalt Savels aus Arnsberg hier anwesend. Es hat sich angeblich ein neuer Zeuge gemeldet, der bestimmt bekundet, daß Zeitz um die fragliche Zeit am Mordtage den Laden in der Poststraße betreten habe. Natürlich wird die Zuverlässigkeit dieses Zeugen vorerst zu prüfen sein. Siegen, 5. Sept. Mit der in den Tagen vom 15. bis 19. September hierselbst stattfindenden großen landwirtschaftlichen Ausstellung, die der Kultur= und Gewerbeverein für den Kreis Siegen veranstaltet, wird auch eine Kolonialausstellung verbunden sein, deren Hercichtung die Handelskammer für den Siegen übernommen hat. In derselben sollen alle Produkte unserer Kolonien in anschaulicher Weise den Besuchern vorgeführt werden. Die gesamte Ausstellung, deren Eröffnung Oderprä dent Studt aus Münster und Regierungspräsident Winzer aus Arnsberg persönlich beiwohnen werden, verspricht in jeder Beziehung eine imposante zu werden; dieselbe wird ein vollständiges Bild der Landwirtschaft des Siegerlandes geben. Düsseldorf, 9. Sept. Heute morgen wurde der Arbeiter Hugo aus der Birken nebst Frau und Tochter mit durchschossenen Schläfen im Tannenwäldchen am neuen Kirchhof tot aufgefunden. Die Motive, die diese schreckliche That veranlaßt haben, sind bis jetzt nicht zu ermitteln gewesen. Bochum, 5. Sept. Von einem ärger lichen Mißgeschick wurde am Freitag eine hiesige Musikkapelle betroffen, die in Gelsen kirchen zur Sedanfeier aufgespielt hatt. Der Omnibus, der das Künstlervölkchen nach gethaner Arbeit heimführen sollte, bekam an der Wattenscheider Gasanstalt den Einfall, sich in den Chausseegraben zu legen. Er that dies so plötzlich und unerwartet, daß die Musen jünger nicht zuvor aussteigen konnten; mit Pauken und Trompeten flogen auch sie in den Graben. Die verschiedenen Instrumente lagen in holdverwirrtem Kranze umher. Besonders die Tuba, der Stolz der Kapelle, wurde arg mitgenommen; sie soll als ein plattes Blech zurückgebracht worden sein. Nachdem man die verborgenen Sachen zusammengelesen hatte, wurde die Weiterfahrt in gedrückter Stimmung angetreten. Münster, 5. Sept. Eine förmliche Schlacht wurde gestern abend 7¼ Uhr auf dem Spiekerhof in der Nähe der Ueberwasser kirche zwischen Ziv! und Militär geliefert. Einige Arbeiter waren mit zwei Artillerieunteroffiziereen in Wortwechsel gekommen, in deren Verlaufe die Soldaten blank zogen und mit der Waffe loshieben. Die Arbeiter— sechs an der Zahl— wehrten sich mit den Fäusten und überwältigten die Beiden. Darnach setzten sie ihren Weg fort. Die Unteroffiziere, denen man aber die Waffen gelassen, stürzten nun in blinder Wut zwischen das Publikum, welches siv um den Schauplatz gesammelt hatte, und schlugen blindlings um sich. Dabei wurden 10—12 Personen, darunter schulpflichtige Knaben, mehr oder minder schwer verletzt. Ein des Weges kommender Infanterieoffizier nahm die Helden mit und dann erschien auch die Polizei, um die mit Recht erbitterte Menge zu zerstreuen. Postbeamter von Kassel plötzlich festgenommen, er steht, im Verdacht längere Zeit Wertpakete beraubt zu haben.— Ein Metzgermeister von hier stieg gestern abend bei Ankunft aus dem Zuge undüberschritt ein Geleise gegen das Verbot, er wurde von einer Rangiermaschine überfahren und schwer verletzt. * Fulda, 9. Sept. Bad Salzschlirf wurde durch eine Feuersbrunst heimgesucht. Das Feuer zerstörte das Postamt und bedroht die Kirche. Nach einer späteren Meldung soll die halbe Ortschaft brennen. Salzschlirf zählt ca. 1042. Einwohner. Vermischtes. * Warschau, 9. Septbr. Warschau, 9. Septbr. Die Stadt Makow ist vollständig eingeäschert. 7 Personen sind verbrannt. 3000 Familien sind obdachlos. * Kassel, 8. Sept. Auf einer Station der Bahnstrecke hinter Frankfurt wurde ein Zeitgemäße Betrachtungen. (Nachdruck verboten.) „Das Blättchen wendet sich.“ Wie wandelbar die Zeiten si d! Das ist ein ewig Auf und Nieder. Der Sommer fleht, der Herbst beginnt, Nun wendet sich das Blätichen wieder; Die Kühle folgt dem Sonnenbrand. Was u längst noch in Blüte stand, Das welkt; es färben sich die Wälder, Der Wind weht über Stoppelfelder. Was heut gesund, ist morgen kran'. Ganz merklich wendet sich das Blatt, Sehr zeitig sinkt die Nacht hernieder. Der letzte Gast verläßt des Land U d kehrt zur teuren Heimat wi der. Er hat, wie er zufrieden merkt, Den alten Nervenstrang gestärkt, Die Börse schwächte er dagegen, Vielleicht des lieben Ausgleichs wegen Was heute krank, ist bald gesund. Einst— als er fortging, an dem Tag, Da war es umgekehrt zu lesen, Da war der Nervenst#ang rur schwach, Die Börse nur ist stark gewesen. In diesen Zwiespalt der Natur Griff helsend ein die Badekur, Der Sommer hat sein Weik vollendet, Nun hat das Blätichen sich gewendet: Wechsel er Genesung fand. Ein ste'er Wechsel immerdar Ist dieser Erdenwelt best ieden, Die Zeit ist eben wandelbar Heut' bringt sie Krieg und morgen Frieden. Jetzt klingt wie himmlische Musik Das Wort der Friedenspolitik, KartoffelVerkäufe Montag, den 19. September, und zwar nachmittags 5 Uhr für Herrn Brennereibesitzer Potthoff hier 3 Morgen auf Dommermühlskamp (am Schützenplatz), sodann nachwittags 6 Uhr für Herrn Mühlenbes. Möller 2 Morgen a. d. Linde(an der Schützenstraße) nummerweise meistbietend an Oct und Stelle. Hohenschwert. Kurkosselverrauf. Montag, den 12. d. nachmittags 4 Uhr, werde ich im Auftrage der Frau Wwe. Boerstinghaus hier circa 1½ Morgen Kartoffeln am Kirschbaumswege, und am selben Tage um 4½ Uhr ca. 1 Morg. Kartoffeln am Klusenwege nummerweise öffentlich meistbietend verkaufen. Schulte, Aukt.=Kommissar. Kartoffel Verkäufe Dienstag, den 20. September, und zwar nachmittags 5 Uhr für Herrn Fuhrunternehmer Christ. Rehring 4 Morgen am Stemmelsberg(oberhalb Speckebruch), sodann nachmittags 6 Uhr für Herrn 2 Morgen am Heethof nummerweise meistbietend an Ort und Stelle. Hohenschwert. Kurkosserdrrkauf. Montag, den 19. d. M., nachmittags 5 Uhr, verkaufe ich circa 7 Morgen (Magnum bonum) Kartoffeln nummerweise, am Overbergerwege gelegen. Zusammenkunft daselbst oder beim Wirt Eichmann. Fr. Hohenschwert, Lichtendorf. Verkauf in Schwerte. Herr Carl Stamm hier läßt seine an der Kampstraße belegene Besitzung(Wohnhaus mit Anbau) am Donnerstag, den 15. Septbr. cr., nachmittags 5 Uhr, im Lokale des Herrn Leineweber(Kampstraße) öffentlich meistbietend zum Verkaufe aussetzen. In dem Hause ist seit langen Jahren Bäckerei und Spezereihandel mit gutem Erfolg betrieben und können beide mit übernommen werden. Schwerte, im August 1898. Hlohenschwert. Es sagt: Wenn Frieden herrscht auf Erden, Dann könnte abgerüstet werden! Gern giebt mon dem Gedanken Raum An jenen großen Völkerfrieden Und doch ist's nur ein schöner Traum, Ein Traum, wie er uns oft beschieden. Und wenn man aus dim Traum erwacht, Dann sieht und fühlt man, wie mit Macht Der Nachbar seinen Pfeil entsendet Und wie das Blatt so schnell sich wendet! Schnell wenket sich das Blätichen um, Auch Frankr ich fühlts zu dieser Stunde, Sein ganzes Ministerium Steht jetzt auf einem seichten Grunde. Gigantisch in der Zeiten Lauf Steigt sort und fort ein Dreysus auf. Schon wühlt's und fährt's an allen Enden Nun kann sich doch das Blätichen wenden! Gar wandelbar ist uns'te Z it Und sonderbar der Mensch heit Treiben, Doch Wahrh it und Gerechtigkeit, Die müssen immer oben bleiben! Wesein auch die Intrique spinnt Urd Anderen Verderben sinnt, Einst hißt's: Bis hi rher und nicht weiter, Das Blätichen wendet sich!— Ernst Heiter. Vereins=Kalender. * Schwerte, 10. Septbr. Der Turnverein „Eintracht“ hat heute Abend nach dem Turnen Generalversammlung. * Schwerte, 10. Septbr. Der Schwerter Turnverein hat morgen Nachmittag, 3 Uhr anfangend, Schülerwettturnen und Rekruten=Abschiedskränzchen im Lokale des Herrn L. Hagemann. * Schwerte, 10. Septbr. Der Gardeund Landwehrverein feiert morgen Abend 7 Uhr sein Sedanfest im Lokale des Herrn Östermann. * Schwerte, 10. Septbr. Der Kavallerieverein hat morgen im Lokale der Ww. Brenne Versammlung. * Westhofen, 10. Septbr. Der Bienenzuchtverein für Westhofen und Umgegend macht morgen Nachmittag 3,19 einen Ausflug nach Dahl. Wetterbericht. Nachdr. verboten. Voraussichtliches Wetter am: 11. September: Vielfach Morgennebel, dann heiter, trocken, warm; 12. September: Fortdauernd he'ter und trocken, bei Tage warm, strichweiser Morgennebel. 0 K K K K K Kurte sseirerran Freitag, den 16. September, nachmittags 5 Uhr, für Herrn Jacobs auf Steinhausen 7 Morgen auf dem hohen Felde gleich hinter dem Nickelwalzwerk nummerweise meistbietend an Ort und Stelle. Hohenschwert. Grnmmetverkanf Verkaufe Donnerstag, den 15. ds. Mts, nachmittags 5 Uhr, in der großen Wiese 8 Morgen nummerweise gegen Kredit. Zusammenkunft an Ort und Stelle und beim Wirt Eichmann. Hohenschwert, Lichtendorf. Kurke sserrerkauf. Die Erben des verstorbenen Landwirts J. Gockel zu Overberge lassen am nächsten Freitag, den 16. ds. nachmittags 5 Uhr, in unmittelbarer Nähe des Gockel'schen Hofes 2 Morgen Kartoffeln nummerweise versteigern. Schulte, Aukt.=Kommissar. Grasverkauf in den Wiesen Langewiese und Melkenkamp des Ritterguts Altendorf am Donnerstag, den 15. September, nachmittags 4 Uhr. Haus Altendorf b. Langschede. Gräflich von Fürstenberg'sche Rentei=Verwaltung. Denfache Bahnmeisterschule An##r# Wegebau- u. Tielbau-Schule. Lehrg.: 3 Sem.: Staatl. Reffeprüf. Staatscom. Sem.-Anf.: Nov. u. Mai i 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 Vortmunder Kenn=Berein. Ferrst=Keutte.. am 18. September, nachm. 3 Uhr, auf der Vereins=Rennbahn an der Buschmühle. Gesamtpreis ca. 10000 Mk. ber Totalisator für Mitglieder. Näheres durch die Plakate. 8 0 □ 0 0 0 0 0 0 0 0 0 K K K K K K N K Nachdem ich den an der Hagenerstraße gelegenen Teil meines Hauses in der Neuzeit entsprechende Wirtschaftsräumlichkeitea umgebaut habe, verlegte ich— den Eingang zu meiner Wirtschaft von Bismarckstraße nach Hagenerstraße 38, woselbst ich auch eine sogenannte Stehtrinthalle eingerichtet habe und werde Getränke zu den denkbar billigsten Preisen verabreichen. Heinr. Walter. K N N Zwangsversteigerung Am Dienstag, den 13. d. Mis., vormittags 10 Uhr, werde ich zu Wanne b. Westhofen an der Behausung des Berginvaliden Wilhelm Flasche 1 Partie Roggen öffentlich meistbietend gegen Bar versteigern. Schwerte, d. 10. Sept. 1898. Morgenroth, Gerichtsvollzieher. Sehr schöne 10 Wochen alte Pomn. hat abzugeben Schwarzelühr, Holzen. Bei Zahnweh sowie zum Ausfüllen hohler Zähne verwendet man am besten den gesetzt. gesch. flüssigen Zahnkitt von Walthers Nachf., Halle a. S., à Flac. 35 Zu haben nur bei L. Weinberg. 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M. 15 60, II Qual. 14.60, neuer Hafer M.—.— per 100 Kilo, Kartoffeln per 50 Kilo M. 0,00—0,00 M., Heu per 50 Kilo M. 201—3,(0, Luzernerheu per 50 Kilo M. 3,70, Maschinen= stroh per 500 Kilo M. 20.00, Flegeldrusch per 500 Kilo M. 22,—, Butter per Kilo M. 2.60, Eier pr. Schock(60 St.) M. 4,20, Raps pe 100 Kilo 1. Qual. M 23—, 2. Qual. M. 20.—. Aveel(Rübsen) 1. Qual. M. 21,50, 2 Qtal. M. 19.— pr Kilo, Ruvöl per 100 Kilo in Partien von 100 Zer.(ohne Faß) M. 51,50, Rüdöl per 100 Kilo saßweise(ohne Faß) M. 53.,—, gereiniges Oel per 100 Kilo M. 3.— höher als Rüböl. Preßkuchen per 1000 Kilo M. 97,—. Weizenvorschuß 00 per 100 K lo M.—.— Kleien per 50 K lo M. 4,8). Hierzu eine Beilage. C Tmriiches Kreibbratt für den Fereis Horde. Gellage zu Kr.eterer.., Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte, NR- cudue Rechur Auuu Audt, Gut aa. Die Kaiserfahrt nach dem heiligen Lande. (Nachdruck verboten.) 5. Von Konstantinopel nach dem heiligen Lande. An einem Freitag Nachmittag schifften wir uns auf einem egyptischen Schiffez mit griechischer Bemannung ein und genossen noch einmar die Pracht des Sonnenuntergangs in Konstantinopel, das in schillernder, wechselnder Farbenzracht einem edlen orientalischen Teppich war. Aus den leuchtend=blauen Wassern, auf denen die Sonnenstrahlen spielten, stiegen die Häusermassen empor und ragten mit schimmernden Kuppeln und Türmen in den vergoldeten Aether, tausendstimmig murmelte es von der Brücke, langsam sank Stambul zurück in grau Schatten, das Meer färbte sich dunkler, dann Eski=Serai umschifften, verdüsterte sich! es war tiefe Nacht, als wir in den Hellespont einfuhren und die Dardauellen passierten. Am folgenden Morgen schien die Sonne freundlich auf unser Schiff, das sich südlich gewendet hatte und am asiatischen Ufer entlang fuhr. Dasselbe zieht sich gebirgig und kahl hin, natürlich baumlos wie alles, was zum ottomanischen Reiche gehört. Die Ufer sind sehr spärlich bewohnt, wenige ärmliche Dörfer und hier und da ein kleines türkisches Fort unterbrechen Einförmigkeit der rauhen Landschaft. Bald zeigten sich jedoch die ersten Inseln des griechischen Archipels und verließen uns lange nicht mehr, so daß wir wie in einem bald breiter bald enger werdenden Kanal dahinfuhren. Nachmittags erreichten wir Mytilene, das alte Lesbos, heute ein griechisches Städtchen ohne hervorragende Gebäude, und am Nachmittag den Meerbusen von Smyrna mit seiner modern aussehenden Handelsstadt, aus welche der Berg Paphos mit einer Burgmine und dem von Cypressen überschatteten Grabe des heiligen Polykarp herunterschaut. Bewundernswert sind die Lage und Hafenbucht. In Smy.na befindet sich ein deutsches Waisenhaus, eine deutsche Schule und ein Erziehungshaus der Kaisers Schwestern und, unweit der Stadt in Karatasch, ein Schwestern=Erholungsort. Stadt und Bazar bieten nicht viel Eigentümliches. In der Stadt dominiert das griechische Element, doch sind alle Nationen vertreten, auch Juden, die von den aus Spanien vertriebenen abstammen und noch ein verdorbenes Spanisch sprechen. Auf einem österreich= ungarischen Lloydschiff steuerten wir weiter nach dem Süden, dem ge lobten Lande, zu. Linker Hand ließen wir die große Insel Samos, auf der einst Polykrates die Langmut des Glückes erschöpfte; im nahen Magnesia wurde dei zu Glückliche vom Satrapen Orötes ans Kreuz geschlagen. Bei Kos, Sow,(Seburtsorte des Arztes Hippokrates und des Malers Apelles, verengt sich das Inselmeer. Felsige Kegel mit immergrünen Gesträuchen, Domänen einsamer Hirten drängen sich bis ans Schiff, bewohnte Inseln tauchen auf und verschwinden wieder und lassen uns kaum Zeit, auf der Karte ihre Namen zu erforschen. Wir befanden uns mitten unter jenen Inseln des deren Städte einst durch den Schmuck ihrer Tempel und Plätze, durch den Geist und die Beredsamkeit ihrer Philosophen und Lehrer, durch die Pinsel und Meißel ihrer Künstler die Anziehungspunkte des gebildeten Altertums waren, und die jetzt noch, obschon öde und zerstört, durch unsterbliche Bildwerke ihre Namen jedem kommenden Geschlecht aufs neue in bewundernde ErinneWir können uns denken, welche hohe Freude diese Fahrt durch den griechischen Archipel bei schönem Wetter unserm kunstsinnigen Kaiser gesiche Sprache roden,„ Iins gsiter tauchende Türme ung ezirst Julius Gäsar und Tiberius Rhetgrik wo einst Julius Cäsar und Tiberius Rhetorik ashos scs e die Stadt Rhodus 1310 unter seinem tapferen Großmeister Foulques de er seit seiner Vertreibung aus Palästina in C. zzu der Geschichte der Stadt und Insel nimmt trotz aller klassischen Erinnerungen die Zeit der Herrschaft des Ritterordens die hervorragendste Rolle ein, denn sie spricht in beredter Sprache nicht nur zum Geschichtsfreunde, sondern auch zum Auge des Touristen. Hier fand der von in Zeindesland, der mit dem Mute der Verzwgistugg Christenheit auch dieses Srenposte, Fgapitug Nach Rhodos verließen wir die kleinasiatische Küste, fuhren ins offene Meer und gelangten nach Cypern. Diese Insel, an welcher der Apostel Paulus vorbeifuhr, als er als Gefangener nach Rom gebracht w.gx biz. durch die Kreuzüge dem Abenblande voider Heinfahrt nach dem driten pfändet hatte. Sie wurde mit ihrer Hauptstadt Famagusta das Land der Troubadours, der Dichter und Gesänge. Wer Cypern nannte, erAnfänglich vermochten sie ihre wenigen nur dem Dienste zum Schutze der christlichen Kirche zu weihen, doch bald gingen sie zur Sirche d, der zuhammedanischen Korsaren und das Bild von schlanken Palzuen, stolzen Palästen, duftenden Gärten, plätschernoen Wassern, feurigem Wein und schönen Frauen in märchenhaft fremden Gewändern. Shakespeare ließ seinen mona zu bezaubern vermochte, und noch heute schönen Ort ihre von Tizian der Nachwelt überlieferte majestätische und schöne Gestalt tauchte vor unserm geistigen Auge empor. Limisso, der kleine Ort, an dem die Schiffe anlegen, sah Richard Löwenherz im dritten und udwig den Heiligen, im siebenten„Kreuzuge landen und war 1291 der Zufluchtsort verschieGanitel aus und faßten den Entschluß, an. dem Kapitel aus und faßten den Entschluß, an dem Gedanken der Wiedereroberung des gelobten Landes festzuhalten. Kirche zu weihen, doch bald gingen sie zur Bekämpfung der Muhet orarenund der Flotte des egyptischen Sultans über. Statt zu Pferde kämpften die Ritter fortan zu Schiff, und in Limisso wurde die Eroberung von Rhodos Heute sind es abermals die Johanniteritter, welche den Kaiser auf seiner Fahrt nach dem heiligen Lande begleiten, nicht zur kriegerischen, sondern zur geistigen Eroberung des Landes, um dort das evangelische Banner vor aller Welt Vorfahren getränkt und die den Krankendienst so vieler frommer Ritter gesehen. Auf dem Muristan, wo das alte Johanniterhospiz in Jerusalem gestanden, erhebt sich heute die Erlöserkirche zu einem Wahrzeichen für das Deutschtum im Orient und für die Glieder der evangelischen Kirche in allen s e) Dampfer wandte sich nach Osten, bald sahen wir Land. Das Schiff lggger,„ezerog Es lag vor Anker in dem großen Beuen, das der weit ins Meer vorspringende Berg Karmel gegen den Anprall der Wogen schützt. Nur ein paar Lichter funkelten aus der Finsternis heraus, die der beiden Leuchttürme auf der Landungs stelle und auf der Karmelspitze, doch bald entschleierten sich unserm Blick die Berge und Thäler, auf denen das Auge Christi während der ersten 30 Jahre seines Lebens so oft geruht hatte. Palästina sandte seinen freundlichen Gruß zu uns herüber. Drüben am Strande zog sich der Häuserstreifen einer weißen, orientalischen Stadt lerisch hin. Die ganze Mitte der halbkreisförmigen Bucht aber nahmen wundervolle grüne Gärten ein, von prächtigen Palmen überdacht, über die hinweg die sonnenverbrannte Ebene zum Vorschein kam. Zur Linken schlossen die Landschaft die kahlen Kuppeln niederer Berge ein, die mehr und mehr zum Meere hinabsteigen bis dort hin, wo ein heller Trupp Häuser, von blauen Wogen umgürtet, matt überschimmert zges. ist, Afka, das frühere Ptolemais, heute St. Jean oucre genannt, die so oft kampfumtobte Kreuzfahrerstadt. Westfalen=Rheinland. Hagen, 7. September.(MusterjungenScherze.) Ziemlich sicher und stolz betrat der Bahnarbeiter J. Schulz aus Altenhagen die Anklagebank, aber recht klein verließ er sie, um direk ins Gefängnis zu wandeln. Was nämlich zuerst als grober Unfug erschien, entpuppte sich im Laufe der Verhandlung als Aufruhr, und jene rüden Elemente, welche am Musterungstage ihre Kraftproben auf den Straßen abzulegen belieben, mögen sich die Sache zur Warnung dienen lassen. Im März d. J. machte eine ganze Rotte dieser junger Helden die Altenhagenerstraße unsicher, und der einschreitende Polizeibeamte wurde verhöhnt und mit Messern bedroht. Die Sache schien für ihn bedenklich, als der Ruf erscholl:„Mit dem Messer los auf ihn!“ Schließlich kamen ihm vernünftigere Bürger zu Hilfe. Einer, der genannte Angeklagte, der auf ein paar Wochen gerechnet hatte, bekam 9. Herdecke, 7. Septbr.(6 Monate Gefängnis) kostete dem Fuhrknecht H. Kobs, der seiner Zeit hier bedienstet war, folg ende urgermanische Kraftprobe. Im schönen Monat Juli bekam er eines Abends mit einem Mitknecht Streit, der aber außer einer kleinen Keilerei nichts bemerkenswertes aufzuweisen hatt.e. Einige Zeit später, als der andere Knecht schvon alles vergessen hatte und im Bette lag, betrat K. stillschweigend seine Kammer, ergriff ihn und roarf ihn, ohne ein Wort zu sagen, im Hemd duwch das Fenster auf die Straße. Der Hinausgewurfene stürzte zwar zwar 4 Meter tief, kam aberc ohne erheblichen Schaden davon, während dem kühnen Schleuderer 2 WL Frankfurterstraße 105—107 am alten Markt gegenüber der großen evangl. Kirche. D- Es wird gebeten, auf Firma und Wohnung zu achten. und Aaulauut T.1is14rs(en C heute von der Hagener Strafkammer die oben erwähnte Strafe zudiktiert wurde. y. Schwelm, 7. September.(Streng bestraft) wurde von der Hagener Strafkammer der Färber H. Plate aus Barmen, dem die letzte Reichstagswahl arg zu Kopfe gestiegen zu sein scheint. Der gute Mann hatte sich am Sonntag vor der Stichwahl in Schnaps gehörig Mut gekauft und war dann in die katholische Kirche zu Langerfeld gegangen. Hier schrie er dem amtierenden Vikar entgegen:„Es ist ja alles Quatsch!“ und dann ließ er die sozialdemokratischen Kandidaten Timm und Wolkenbuhr hochleben. Um so schlimmer, als dieser Ruhestörer selbst katholisch. Der rohe Patron wurde wegen beschimpfenden Unfugs zu 3 Monaten verurteilt. Hostedie, 3. Sept. Wie die Wilden hausten gestern abend hier die Bergleute K. und B. aus Altenderne(Krämerskamp). Dieselben zogen mit geladenen Revolvern durchs Dorf und drohten, alles, was ihnen in den Weg käme, niederzuschießen. Als die Burschen schon zirka 20 Schüsse blindlings abgegeben hatten, zum Glück ohne jemand zu verletzen, wurden ihnen in der Nähe der Schmiemann'schen Wirtschaft von einigen beherzten Männern die Revolver abgenommen und heute morgen von der Polizei beschlagnahmt. B. war erst vor einigen Tagen verhaftet worden, weil er aus dem Personenzug Dortmund=Derne geschossen hatte. Rüthen(Kr. Lippstadt), 5. Sept. den wenigen glücklichen Städten, in denen es keine Kommunalsteuern giebt, gehört auch unsere Stadt, in welcher in früheren Jahren über 100 Proz. Kommunalabgaben erhoben wurden. Düren, 5. Sept. Vom Unglück heimgesucht wurde eine Familie im benachbarten Drove. Am 21. Aug. wurde der Sohn, ein braver Jüngling, bei einer Turnerlustbarkeit in Niederau erstochen, und vorgestern stürzte der Vater bei Aufrichtung eines Dachstuhles für eine Scheune herab und ist Tags darauf an den erlittenen Verletzungen gestorben. Er hinterläßt sieben, zum Teil noch unerwachsene Kinder. Vermischtes. * Die Affaire Grünenthal ist, wie aus Berlin berichtet wird, in ein neues Stadium getreten. Es ist die Verhaftung einer früheren Geliebten des ehemaligen Oberfaktors der Reichsdruckerei, einer gewissen I., erfolgt. Gr. macht jetzt den Eindruck eines an Leib und Seele gänzlich gebrochenen Menschen, so daß er nach der Lazarettstation übergeführt werden mußte. Man muß angeblich mit der Möglichkeit rechnen, daß der geistige Zustand des Angeklagten sich derart verschlimmert, daß vielleicht überhaupt nicht gegen ihn wird verhandelt werden können. * Da werden Weider zu Hyänen. Aus Enfield(Südaustralien) kommt die Nachricht von einem wahrhaft teuflischen Racheakt, den eine eifersüchtige Farmersfrau an ihrer Nebenbuhlerin(ihrem Dienstmädchen) vollzog. Sie trat nahe an ihr ahnungsloses Opfer heran, goß ihr blitzschnell einen großen Topf voll Petroleum über Kopf und Kleider, entzündete eine Papierrolle und fuhr mit dem Brand über die Unglückliche hin, die im Nu in Flammen stand. Nachbarn, welche auf das entsetzliche Geschrei herbeieilten, fanden einen halbverkohlten, leblosen Körper. Die Frau wurde sofort verhaftet und konnte nur mit Mühe vor der Volkswut geschützt werden. * Eigenartige Vorkommnissein den Kriegervereinen werden aus der Rheinpfalz berichtet. Bei einer Fahnenweihe bei Kröningen bei Edenkoben haben mehrere Vereine, als der Festredner, ein Vikar, auf die letzte Reichstagsstichwahl anspielte, den Festplatz demonstrativ verlassen. Auch haben verschiedene Krieger, nachdem vorher ein Hoch auf den Prinzregenten Luitpold von Bayern ausgebracht worden war, die Sozialdemokratie hoch leben lassen und den Festredner derartig bedroht, daß dieser den Festplatz nur unter polizeilicher Begleitung verlassen konnte. Auf einem in den jüngsten Tagen zu Landau abgehaltenen Kriegertag für den Bezirk Landau Edenkoben wurde nach lebhaften Erörterungen eine ernergische Untersuchung gegen die Schuldigen in Aussicht genommen. Eine Zuschrift, die einem pfälzischen Blatte zugeht, fordert die Umwandlung der Militär= und Kriegervereine in politische Vereine.(Nat. Ztg.) * Stade, 9. Sept. Der 48 jährige Raubmörder, Schuhmacher Herm. Granz aus Klint(zuletzt in Westersode) ist dieser Tage früh 6 Uhr auf dem Gesängnishose des hiesigen Landgerichts mittels Fallbeiles hingerichtet worden. Granz hatte, wie noch erinnerlich sein dürfte, am 3. Janaur d. J. den Schlächter und Haussohn Heinr. Rofff aus Lamstedt auf der Chaussee von Lamstedt nach Bremervörde in der Nähe der Hollener Mühle erschlagen und 125 Mk. bares Geld und die Uhr des Ermordeten geraubt. Das hiesige Schwurgericht veurteilte ihn am 17. März d. J. wegen Rorbmordes zum Tode und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Granz, der Tag und Nacht in starken Fesseln, bisher im hiesigen Amtsgerichtsgefängnis untergebracht war, wurde früh 5 Uhr vom Amtsgerichts- nach dem Landgerichtsgefängnis übergeführt, wo ihm mitgeteilt wurde, daß das Todesurteil am Donnerstag, früh 6 Uhr vollzogen werden würde. Granz nahm diese Eröffnung ohne ein erkennbares Zeichen der Erregungentgegen. Der Aufforderung des Staatsanwalts gegenüber, sein Gewissen zu entlasten und ein reumütiges Geständnis abzulegen, verharrte der Verurteille in hartnäckigem Leugnen. Nachdem ihm die Fesseln abgenommen waren, durfte er nach Belieben essen und trinken; er machte indes von dieser Erlaubnis keinen Gebrauch, sondern saß ganz niedergeschlagen in seiner Zelle, fortwährend vor sich hinmurmelnd, daß er nicht der Mörder gewesen sei. An Genußmitteln forderteer während der ganzen Zeit nichts als nachmittags und des folgenden morgens eine Tasse Kaffee, welch letztere er unberührt ließ. Der Verurteilte zeigte sich den Tröstungen der Religion unzugänglich. Heute morgen 6 Uhr gab der Staatsanwalt den Auftrag zur Vorführung des Verurteilten. Das Armen=Sünderglöckchen ertönte und bald darauf trat Granz, gefolgt von seinem Seelsorger, Senior Woltmann, zur Thör hinaus und schritt festen Schrittes auf den Staatsanwalt zu. Dieser verlas das Urteil und gab dem Deliquenten noch folgende Trostworte auf den letzten Gang:„Granz, das schwere Verbrechen, das Sie mit blutiger Grausamkeit an Rolff begangen haben, konnte nach menschlicher Gerechtigkeit nicht anders als durch Ihren Tod gesühnt werden. Ich bitte zu Gott, dem Allmächtigen, daß er Ihnen auf Ihrem letzten Gange ein gnädiger Richter sein möge. Granz, haben Sie sonst noch etwas zu sagen oder Anträge zu stellen?“ Granz erwiderte darauf: „Nein, ich habe die Sache nicht gemacht.“ Darauf übernahm der Scharfrichter Reindel aus Magdeburg den Delinquenten und vollstreckte mittels Fallbeiles das Urteil. Die ganze Exekution von dem Heraustreten des Delinquenten aus der Thür dauerte ungeföhr 3½ Minuten. Arbeiterbewegung. Breslau, 8. Sept. Der Delegiert ntag des Innungsverbandes deutscher Baugewerksmeister beschloß die Gründung eines deutschen Arbeiterverbandes zur wirk amen Bekämpfung der Ausstände. In Lübeck endigte der Ausstand der Bauarbeiter, der neun Wochen dauerte, mit einer Niederlage der Ausständigen. Die Arbeit wird zu den alten Bedingungen wieder ausgenommen; Moßregelung n soll u umerbleiben. Todesfall 10 Prozentl eines Teilbabers und Neu-Uebernahme, veranlassen uns zu einem # Wirklichen Ausverkaufs sämil. Damenkleiderstoffe für Sommer, Frühjahr, Herbst und Winter u.ollcriren beispielsweise: 6 Meter soliden Sommerstoff z. Kleid f. M. 1.50 Pf. 6 Meter soliden Cubanostoff z. Kleid f. M. 1.80 Pf. 6 Meter soliden Epinglestoff z. Kleid f. M. 2.10 Pf. 6 Meter soliden Crèpe-Carcaux z. Kleid f. M. 3.30 Pf. sowie modernste Kleider- u. Blusenstoffe versenden In einzelnen Mtru., bei Aufträgen von 20 Mk. an franko Oettinger& Co., Frankfurt a.M. Versandhaus. Stoff z. ganzen Herrenanzugs: f. M. 3.35. 6ss Stoff z. ganzen Cheviotanzug s g f. M. 5.85 s4 extra Rabatt auf alle schon reduzierte Preise während der InventurLiquidation. Muster auf Verlangen franko. Modebilder gratis. 2 Hute Ratschläge für die praktischen deutschen Landwirte. Man findet heute wohl kaum mehr eine landwirschaftliche Zeitung, welche nicht Artikel enthält, in welchen den Landwirten geraten wird, von dem Ankauf und dem Verbrauch der Thomasschlacke in desem Hertst abzusehen und an deren Stelle andere Phosphorsäuredünger zu benutzen, mit der Begründung, daß Thomasmehl wesentlich teurer geworden sei. Den praktischen Landwirten muß es deshalb willkommen sein, eine genaue Darlegung der wirklichen Verhältnisse zu erhalten, um sich so selbst ein Urteil darüber bilden zu können, wie es sich denn mit der angeblichen P eissteigerung beim Thomasmehl wirklich verhält. — Zahlen geben hier die beste Antwort. In Westfalen, Lippe und Waldeck kosteten im Durchschnitt für die Konsumenten: Cuperphos16 Pf. per Pfund=% wasserl. Phosphors. dagegen zur Zeit: 19½ Pf. per Pfd.= % wasserl. Phosphors., jetzt mithin teurer und 126. 9 Mi. 119.— per Waggon zu 201 Zir. und 11%. Thomasmehl im Herbst 97: 20 Pf. Kilo=% Phosphors. ab Oberhausen, im Herbst 98: teils 19¼ Pf. ab Oberhausen, teils 19 Pf. ab Rote Erde. Die Fracht von Oberhausen beträgt im Durchschnitt Mk. 31.—, die Fracht von Rote Erde be rägt im Durchschnitt Mk. 45.—, es rechnet sich mithin der Waggen zu 200 Zir. im ungünstigsten Falle wie folg: Herbst 97: 17% Phosphorf. à 20 P. Fracht Oberhausen..— Mt. 371.— perbst 98: 17% Phosphorf. à 19 Pf. + Fracht Roie Erde....=„ 368.— mithin dieses Jahr billiger Sebeger Mk 3. Das gerade Gegenteil von dem Behaupieten ist also der Fall: Superphosphat ist per Waggon Mk. 119.— teurer, Thomasmehl ist per Waggon Mk. 3.— billiger geworden. Da muß es aber als eine schwere Schadigung der Landwirte, und besonders auch der kleineren Landwirie, bezeichnet werden, wenn man ihnen rät, an Stelle des billigen Thomatmehls das sehr teure Superphosphat zu kaufen. Dem praktischen Landwirte geben wir nun den guten Rat: Er erkundige sich bei dem nächstgelegenen Händler nach dem Preise der Thomasschlacke und des Superphosphats, und findet er dann, daß thatsächlich das Superphosphat teurer, dagegen das Thomasmehl billiger geworden ist, so wird er als praktischer Landwirt auch wpissen, was er zu chem da. 4vint aug