* Amtliches Areisbratt Abonnements=Preis pro Quartal 1 Mk. 50 Pfg. Erscheint Montags, Mittwochs, Freitags und Samstags. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“ Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Hoerster, Schwerte. Schwerte, Freitag, 9. September 1898. für den Areis Gorde. Insertionsgebühr für die 6spaltige Zeile oder deren Raum 10 Pfg. außerhalb des Leserkreises 15 Pfg. Reklame 30 Pfg. Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. 1. Blatt. 31. Jahrgang. Amtliche Betanntmachungen. Betanntmachung. Unter Hinweis auf die Bestimmungen der§§ 53, 54 und 55 der Hinterlegungsordnung vom 14. März 1879(Gesetz=Sammlung Seite 249) machen wir die Beteiligten darauf aufmerksam, daß in dem öffentlichen Anzeiger zum Stücke 36 unseres Amtsblattes das durch§ 57 a. a. O. vorgeschriebene Verzeichnis derjenigen bei uns hinterlegten Massen veröffentlicht worden ist, bei welchem im Laufe des Vierteljahres, vom 1. Oktbr. bis Ende Dezbr. 1898, die Einstellung der Verzinsung bevorsteht. Arnsberg, den 25. August 1898. Königl. Regierung, Hinterlegungsstelle. Karnewi9. Die Kaisermanöver. Den Kaisermanövern liegt folgende Generalidee zu Grunde:„Eine im eigenen Lande befindliche Ostarmee ist im Vormarsch von Stendal=Magdeburg gegen eine schwächere Westarmee, welche auf die mittlere Weser ausweicht.“ Bückeburg, 6. Sept. Der Kaisertag ist vorüber, dafür hat nun der Krieg im Frieden begonnen. Das siebente, durch eine Division verstärkte Armeekorps hat den Vormarsch angetreten, um den Gegner, der einen Tag Vorsprung hatte, nicht weiter vordringen zu lassen. Ein Wust von Namen ist gewiß nicht angenehm für den, der kaum in der Lage ist, sich ein Bild aus solchen Mosaiksteinchen zusammenzusetzen. Manöverberichte lassen sich ohne solche Zuthaten aber unmöglich zusammenstellen, wenn man den Wirrwarr nicht noch größer machen will; so bleibt also nichts übrig, als auf die guten und billigen Manöverkarten zu verweisen, die auch dem Laien so gute Dienste leisten. Das 7. Korps hatte nach dem angenommenen Vormarsch gestern die Stellung um Minden und Bückefeld erreicht. Da die linke Flanke des Westkorps gefährdet schien, befahl das Armeeoberkommando weiteren Marsch auf Bückeburg und zwar für die 27. Infanterie=Division von Lerbeck über Kleinbremen und Buchholz, mit der 13. Infanterie=Division von Nottorn nördlich (südöstlich Minden) auf Bückeburg=Müsingen und mit der 14. Infanterie=Division von Papinghausen auf Meinsen, während die 7. Infanterie=Division am Harre(bei Bückeburg) hinter ihren Vorposten bereit zu stehen hatte. Das 10. Korps hatte de Befehl erhalten, nördlich des Bückeberges auf Rinteln vorzugen, um den beabsichtigten Angriff der Ostarmee durch Umfassen der linken Flanke der feindlichen Westarmee zu unterstützen. Die Bewegungen begannen heute zum Teil früher als gestern angenommen wurde. Vielleicht hat die neue Einrichtung der strategischen Patrouillen, die den Führern dieser größeren Abteilung volle Selbständigkeit beläßt, mit dazu beigetragen, die Fühlung mit dem Gegner so frühzeitig herbeizuführen. Der Kaiser hat jedenfalls gestern abend noch keine Ahnung gehabt, daß die Sache heute so früh losgehen werden. Er erschien schon lange vor der Entwickelung des Gefechts. Das 10. Armeekorps sollte am 6. September auf Bückeburg vorgehen. Die Kavallerie des 10. Armeekorps griff westlich Müsingen die Vortruppen des Gegners an, wurde aber zurückgewiesen und zog sich zurück; sie stand dann lange bei Estorf. Die 33. Division geriet mit ihrer Tete mit der 14. Division in Kampf. Die 19. Division war auf Wehlen vorgegangen, die 20. in der Richtung auf Oberkirchen. Im Ganzen befand sich die Ostarmee dadurch im Vorteil, daß sie ausgezeichnete Positionen für die Artillerie hatte, so u. a. eine vortreffliche Stellung bei Geldorf. Die 7. Infanterie=Division ließ sich dadurch von energischem Angriff auf Wehlen nicht abhalten, auch das zur 13. Division gehörige 15. Regiment beteiligte sich bei diesem Angriff. Die zum Angriff vorgehenden Truppen mußten fast vollständig der Deckung entbehren, während der Gegner zum großen Teil geschützt stand; es wurde jedochentschieden, daß der Angriff geglückt sei. Offiziere der Luftschiffer=Abteilung beobachteten auf beiden Seiten die Aufstellungen. Die heute gebräuchlichen Modelle der Luftschiffe kann man ohne jede Uebertreibung häßlich nennen. Die unförmliche Masse hat die Form einer Wurst, am hinteren Ende hängen verschiedene Lappen herab, die wohl als Steuer dienen sollen. Die in der Luftschiffer=Abteilung benutzten Luftschiffe sind übrigens einem Offizier der Luftschiffer=Abteilung, Leutnant Barthch von Diegsfeld patentiert. Das aus gummiertem Stoff hergestellte Ungetüm faßt 600 Kubikmeter Wasserstoffgas; dieses wird in krompimiertem Zustande in eisernen Flaschen aufbewahrt und auf den Wagen mitgeführt. Der Korb nimmt einen Offizier auf, der kleine Pläne oder Skizzen anfertigt, auch telephonisch mit der Erde verbunden ist. Merkwürdigerweise trägt das Luftschiff nur eine Person; der Fesselungsdraht ist aufgespuhlt und wickelt sich beim Hochgehen des Ballons von selbst ab. Die Ballons blieben heute recht lange in den Lüften; ob da oben ein angenehmer Aufenthalt für die Insassen ist, mag bezweifelt werden. Ueber den großen Ballons waren einige kleinere sichtbar; in der Form zierlicher, sind sie natürlich viel weniger tragfähig als ihr großer Bruder; sie dienen auch nicht dem Beobachtungs=, sondern dem Signaldienst und sollen sich hierin sehr praktisch erwiesen haben. Oeynhausen, 6. Sept. Der Kaiser hatte die Absicht gehabt, um 6½ Uhr mit seinem Sonderzuge ins Manöverterrain zu fahren, in letzter Stunde änderte er seine Dispositionen und um 5½ Uhr bereits, noch in der Dämmerung, sauste der Zug nach Bückeburg zu. Das hatte in Oeynhausen einen Alarm im Kleinen gegeben, und mancher, der in der Nacht eine Stunde früher, als er gedacht, aus dem Bett geholt wurde, mochte sich wirklich in Krieg= und Friedensnot glauben. Die Kaiserin begab sich um 8½ Uhr nach dem Gefechtsfeld. Das Wetter war am Morgen bedeckt, gegen Mittag klärte es sich zu einem wunderschonen Herbsttage auf. In Oeynhausen war's heute schon wieder etwas ruhiger wie gestern, nur um den Bahnhof herum sammeln sich größere Gruppen, um der Rückkehr der Fürstlichkeiten zu harren oder dem militärischen Treiben der ab= und zufahrenden Truppenteile zuzuschauen. In den Straßen war es stiller, die Oeynhausener konnten sich von ihrem Staunen erholen, daß ein solcher Trubel in ihrem Plätzchen überhaupt möglich gewesen war, die Kranken, von denen allerdings nicht mehr allzuviel hier sind, konnten wieder die Stille und die staubfreie Luft genießen. Gestern freilich hatten auch viele von diesen ihr Leiden vergessen, in ihren Rollstühlen hatten sie sich auf den Bahnhofsplatz fahren lassen, mancher mit den Kriegsdenkmünzen und anderen Ehrenzeichen geschmuckt, und hatten auch dem Herrscherpaar ihre Huldigung gebracht. Um 1¼ Uhr Mittags lief der Kaiserliche Sonderzug hier wieder ein; der Kaiser, der Königsulanen=Uniform trug, und die Kaiserin, die über dem Reitkleid einen Staubmantel umgelegt hatte, fuhren nach der Farnevilla. Das Frühstuck hatten die Majestäten heute im Zuge eingenommen. Nachmittags empfing die Kaiserin eine Abordnung des hiesigen Zweigvereins des Vaterländischen Frauenvereins und besuchte das Johanniter=Asyl, das sie eingehend besichtigte. Der Kaiser empfing um 6½ in der Villa eine Deputation des Westfälischen Bauernvereins unter Führung des Vorsitzenden Dr. Ma und Frhr. von LandsbergVelen. Dieser hob in seiner Ansprache hervor, daß er im Namen von 27000 Bauern spreche, die dem Verein angehören, und dankte namens derselben dem Kaiser insbesondere auch für das Z standekommen des Gesetzes betreffend das Anerbenrecht der Landgüter in Westfalen. Der Kaiser äußerte sich hierauf in huldvollster Weise. Um 7 Uhr begann das Zivildiner für die Provinz bei ihren Majestäten, das wiederum im Kurhaus gehalten wurde. Bei demselben saßen die hier anwesenden Fürstlichkeiten zu Seiten der Majestäten ebenso wie gestern. Gegenüber dem Kaiserpaar saß Wirkl. Geh. Rat Oberpräsident Studt, nach Fürst zu Bentheim=Tecklemburg, Frhr. von Landsberg, Generalsuperintendent Dr. Nebe, Wirkl. Geh. Oberreg. Rat Hintspeter; nach links der Fürst Salm=Horstmar, Wirkl. Geh. Rat v. Oheimb, Bischof Dr. Simar v. Paderborn, Reg.=Prof. a. D. von Pilgrim und Bischof Dr. Dingelstadt von Münster sowie weitere hervorragende Persönlichkeiten aus der Provinz. Im Verlauf des Mahles erhob sich der Kaiser zu folgendem Trinkspruch: „Umgeben von Erinnerungen Meiner Jugend, noch unter dem Eindruck des Jubels des schönen Festes an der Porta, freue Ich Mich, Meine treuen Westfalen an Meiner Tafel zu begrüßen. Bei den nahen Beziehungen der Provinz zu Meinem Hause ist es stets für Mich eine Freude, wenn Ich mit den Westfalen zusammenkommen kann, und doppelt freudig begrüße Ich Sie am heutigen Tage, der in das 200. Jahr fällt, da dieses schöne Land an das Haus Brandenburg und Hohenzollern fiel. Die Geschichte hat gezeigt, daß eine hervorragende Tugend der Westfalen die eiserne, unentwegt festhaltende Treue ist, die sie bewiesen haben in ihren Regimentern auf dem Schlachtfelde, die sie bewiesen haben in guten und in bösen Tagen zu Meinem Hause. Ich begrüße Sie daher von ganzem Herzen. Von den Arbeiten, denen Ich als König und Landesherr in Meinem schweren Berufe obliegen muß, ist derjenige Teil, der die Provinz Westfalen betrifft, immer für Mich eine Freude, denn in ihren Grenzen sind in gleicher Weise gleich mächtig, gleich wertig und gleich arbeitsam vertreten eine blühende Landwirtschaft und eine aufwärts strebende Industrie. Und wie Ich eben schon dankerfüllt die Vertreter Ihrer Bauern habe empfangen können und von neuem Grüße und Versprechungen und Treue um Treue habe austauschen können, so begrüße ich auch die Gelegenheit von Neuem, der westfälischen Industrie Meine vollste Teilnahme und Anerkennung aussprechen zu können. Wie alle, die industriellen Betrieben obliegen, so haben auch Sie ein wachsames Auge auf die Entwickelung unserer sozialen Verhältnisse, und Ich habe Schritte gethan, soweit es in Meiner Macht steht, Ihnen zu helfen, um sie vor wirtschaftlich schweren Stunden zu bewahren. Der Schutz der deutschen Arbeit, der Schutz demjenigen, der arbeiten will, ist von Mir im vorigen Jahre in der Stadt Bielefeld feierlich versprochen worden. Das Gesetz naht sich seiner Vollendung und wird den Volksvertretern in diesem Jahre zugehen, worin jeder, er möge sein, wer er will, und heißen wie er will, der einen deutschen Arbeiter, der willig wäre, seine Arbeit zu vollführen, daran zu hindern versucht, oder gar zu einem Strike anregt, mit Zuchthaus bestraft werden soll. Die Strafe habe Ich damals versprochen, und Ich hoffe, daß das Volk in seinen Vertretern zu Mir stehen wird, um unsere nationale Arbeit in dieser Weise, soweit es möglich ist, zu schützen. Recht und Gesetz müssen und sollen geschützt werden, und soweit der Monarch kann, soweit ist er auch verantwortlich dafür, und soweit werde Ich dafür sorgen, daß sie aufrecht erhalten bleiben. Sie aber, Meine Herren, fordere ich auf, mit Mir auf das Wohl dieser blühenden und herrlichen Provinz zu trinken, die ausgebreitet liegt in ihrer landwirtschaftlichen Schönheit, mit ihrem treuen Volke unter der segnenden Hand des großen Kaisers. Ich wünsche Ihnen von Herzen, daß Sie Ihre hohen Eigenschaften bewahren mögen; vor allen Dingen wünsche Ich dem westfälischen Bauer, daß er sich seine Arbeitsamkeit, seine alte Tracht und seinen alten westfälischen Bauernstolz bewahren möge. Die Provinz Westfalen Hurah: — Hurah!— Hurah! Kurz darauf nahm Oberpräsident Studt das Wort und sagte hierauf: „Allerdurchlauchtigster Kaiser und König! Allergnädigste Kaiserin und Königin! Eure Kaiserliche und Königliche Majestät bitte ich allerunterthänigst Namens der Westfalen, welche Allerhöchdero landesväterliche Huld heut hierher berufen hat, den ehrfurchtvollsten Dank zu Füßen legen zu dürfen für die gnädigen Worte, die Euere Majestät soeben auszusprechen geruht haben. Unter dem weisen und gerechten Scepter des Hohenzollernhauses hat die Provinz Westfalen sich aus verschiedenartigen Gebietsteilen zu einem bedeutungs= und kraftvollen Bestandteile der Preußischen Monarchie entwickelt. Vom Weserstrande bis zur Ruhr und Sieg und den grünen Auen des Münsterlandes durchglüht ein Gefühl tiefster Dankbarkeit und unbegrenzten Vertrauens zu ihrem Kaiserlichen Herrn die Söhne der Roten Erde. Sie blicken empor zu Eurer Majestät als dem erhabenen Schirmherrn des deutschen Reiches, in dessen starker Hand neben dem ruhmreichen Erbe der erlauchten Vorfahren das kostbare Gut des Friedens wohl verwahrt ist. In dieser festen Zuversicht führt der fleißige Landmann seinen Pflug, schreitet die hochentwickelte Industrie des Landes zu immer neuen Unternehmungen und sendet der Handel die mustergultigen Erzeugnisse westfälischen Gewerbefleißes unter dem mächtigen Schutze der deutschen Flagge in die entferntesten Weltteile. Und ebenso bringen die treuen Westfalen Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin eine begeisterte Verehrung entgegen, der hohen Frau, deren leuchtendes Vorbild für die opferwilligen Bewohner der Provinz und ihre zahlreichen Wohlthätigkeitsanstalten eine unerschöpfliche Quelle des Ansporns zur eifrigen Förderung des Wohles der Leidenden und Besitzlosen bildet. So scharen sich denn die Söhne der Roten Erde in jubelnder Huldigung um Eure Majestät, indem sie das Gelöbnis unverbrüchlicher Treue in dem Rufe darbringen: Se. Majestät der Kaiser, unser König und Herzog, unser Allergnädigster Herr, ebe begz,;„.,. 4. k.2 Tstmahl“ und Um 2½/3 Uhr halte das Festmähl sein Ende erreicht. 8 Gm Oeynhausen, 7. Sept. Die Geschenle, welche die Vertreter des Westfäfichen Bauernvereins gestern abend dem Kaiser überreichten, bestanden aus zwei westfälichen Schinken auf zwei mit Eichenlaub reichgeschmückten Zinntellern, zwei Laib Pumpernickel und einem Fäßchen alten Korn. Das Fäßchen hatte einen sielbernen Krahnen mit der Kaiserkrone. Gestern nachmittag wurden vom Kaiser seine ehemalige Amme und Milchbruder aus Rahden, Kreis Lubecke, empfangen. Die jetzt etwa 60 Jahr: alte Frau und ihr Sohn hielten sich beinahe zwe Stunden in der Villa Farne auf. Die Kaiserin folgte dem Kaiser gegen 8 Uhr ins Manövergelände Oeynhausen, 8. Sept. Der Kaiser übernahm das Kommando des X. Armeekorps und führt dieses bei der morgigen Uebung. Oeynhausen, 8. Sept. Heute morgen in aller Fühe, gegen 2 Uhr, begab sich der Kaise: ins Manövergelände, die Kaiserin folgte vo Oeynhausen aus kurz nach 8 Uhr. Die Kaiserin wird nicht mehr nach Oeynhausen zurückkehren. Minden, 7. Septbr. Die Korps hatten sich gestern stark konzentriert, so daß es nicht ganz leicht gewesen sein mag, allMannschaften unter Dach zu bringen. Ueber den Verlauf des gestrigen Manövers ist noch folgendes nachzutragen: Beim 7. Korps wurden nach 6 Uhr vormittags die Vorposten der 7. Infanterie=Divisic bei Achum von Pückerer feindlicher Kavallerie vo. Deinsen her angegriffen, nach längerer Zeit zurür.gedrängt und bei Bergdorf von der 7. Infanterie# Division ausgenommen. Die feindliche Kavaller.e verblieb später bei Achum. Inzwischen hatten die 37., 13. und 14. Jufanterie=Division zu den befohlenen Zeiten de. Vormarsch über die Weser bei Porta, Minden un. Wintersheim angetreten und erreichten etwa 10 Uhr die Linie Sellimdorf=Bückeburg=Meinsen. B zu diesem Zeitpunkt waren Meldungen über den Herbstblatt. Noch einmal will der Herbst den Sommer spielen Und zeiget uns im Sonnenglanz die Welt, wir noch einmal uns begeistert fühlen, Eh' alles Laub zur Erde niederfällt. Noch einmal kann ich unter meiner Linde Mich setzen auf die grünumwachs'ne Bank, Noch einen Namen schreiben in die Rinde Und pflücken von dem zierlichen Gerank. Noch einmal— und ade will ich dann sagen Dem Blumenflore dieser Sommerzeit, Mit einem Epheuzweiglein in den Haaren. Will um Dahingegangenes nicht klagen, Ein seliges Erinnern nur bewahren Für jene Tage, wo es stürmt und schneit. Thekla Schneider. Das Elinerkins. Von G. Struder. (Nachdrück verboten.) (Fortsetzung.) „Also nur wenn Sie in Person zu den Herren kommen, erhalten Sie das Geld, das heißt Sie müssen von hier abreisen, um in den Besitz jener Summe zu gelangen.„Das sind meine Bedingungen, von denen ich nicht abgehe, und nun entscheiden Sie sich,“ sagte Neubert. Thomas hatte diese stellenweise sehr derbe Rede schweigend aber mit vor Zorn und Aerger funkelnden Augen angehört. Jetzt, als Neubert geendet, sprang er auf und stellte sich dicht vor ihn hin. „Und wenn ich mich nun weigere, auf Ihre Bedingungen einzugehen", frug er heftig, „wenn ich auf dem Kontrakte bestehen bleibe?“ „Dann“, versetzte Neubert ruhig,„dann werde ich Sie zunächst vrsuchen, die Thür von außen hinter sich zuzumachen, und wenn Sie alsdann später versuchen sollten, mir irgendwie lästig zu werden, so werde ich mir die Freiheit nehmen, die Polizei ein wenig auf Sie aufmerksam zu machen. Der Straßenraub ist noch nicht verjährt, mein Bester.“ Mit einer heftigen Bewegung schleuderte Thomas ein Päckchen Papiere auf den Tisch und dann sagte er: „Hier ist alles, was Sie wünschen. Schreiben Sie mir der Brief, ich füge mich.“ „Nun ja, ich wußte ja doch, daß Sie ein verständiger junger Mensch sind," erwiderte Neubert in bester Laune, worauf er die Papiere sorgfältig durchsah und sie hierauf in seinem Kassenschrank verschloß. Alsdann setzte er den Kreditbrief für Thomas auf und übergab ihm denselben mit dem freundlichen Wunsch, daß es ihm drüben recht wohl ergehen und daß er sein junges Leben dort nicht am Galgen beschließen möchte. Seitdem Graf Lindenberg Irma mit ihrem Großvater begegnet war, hatten die Gedanken an das karakterlose Mädchen, wie er sie bei sich nannte, nicht aufgehört, ihn zu quälen. Er glaubte sie jetzt verabscheuen und sich schämen zu müssen, daß er ein solches Geschöpf jemals hatte heiraten wollen, aber wenn er es sich genügend eingeredet zu haben vermeinte, daß diese Gefühle an Stelle der früheren Zuneigung getreten seien, dann stellte sich mit einem Male ihr Bild vor seinem geistigen Auge ein, wie sie so schön und so unbeschreiblich reizend, und anmutig in dem Wagen gesessen hatte und dann gestand er sich zuletzt mit Schmerz und Ingrimm, daß er jenes Mädchen noch immer tief und leidenschaftlich liebe. Wäre er ein stärkerer Karakter gewesen, so hätte er es wenigstens versucht, gewaltsam jede Erinnerung an die„Unwürdige“ aus seinem Herzen zu reißen, aber hierzu war er eben nicht im stande. Widerstandslos überlies er sich den sich ihm unaufhörlich aufdrängenden Erinnerungen an das schöne Mädchen, und je mehr er an sie dachte, desto stärker wurde seine Sehnsucht, dasselbe wenigstens noch einmal wiederzusehen, sich in den Blick ihrer Augen zu versenken und ihr dann das Verächtliche ihres Benehmens in energischen, sie wie mit Keulenschlägen treffenden Vorwürfen vorzuhalten. Und noch waren keine 24 Stunden seit der letzten Begegnung verflossen, da war jenes Verlangen so stark in ihm geworden, daß er ihm nicht länger zu wiederstehen vermochte. Auf der Villa war es ohnehin unerträglich langweilig geworden, da der Baron und seine Gemalin seit dem Besuche in Rübenheim äußerst niedergeschlagen waren und sich eigentlich zu nichts mehr aufgelegt zeigten, und auch dieser Umstand trug nicht wenig dazu bei, da der Graf den Entschluß faßte, der Villa den Rücken zu kehren und sich in Rübenheim um zusehen, ob ihn dort nicht vielleicht der Zufall mit Irma zusammenführen, würde. So trat er denn am Tage nach der letzten Begegnung des Nachmittags den Marsch nach dem Dorfe an. In der Hand trug er ein: schweren Stock, den er sich für den Fall m: genommen hatte, daß es mit seiner Rückkehr etwas spät werde, und so wanderte er, gntz in seine Gedanken versunken und ohne ar den Weg weiter zu achten, langsam dahin.— Dabei geschah es denn, daß er auf eine#n verkehrten Weg geriet, und als er schließl'ch seinen Irrtum einsah, gebrauchte er beinche eine ganze Stunde, ehe er auf den richtigen Weg zurückgekehrt war. Es war hierbei allmählich so spät geworden, daß er sich überlegte, ob es nicht besser sei, den beabsichtigten Gang auf einen andern Tag zu verschieben, aber schließlich siegte doch die Sehnsucht über alle Bedenken und entschlossen setzte er seinen Weg weiter fort. Als er am Ende des Waldes angelangt und also nun mehr 10 Minuten von dem Dorfe entfernt war, setzte er sich auf einen Chausseestein, um sich nochmals in aller Ruhe zu überlegen, was er nunmehr zunächst thun sollte. Während er hierbei vor sich auf die Erde starrte, fiel sein Blick zufällig auf einen neben dem Chauseesteine liegenden Brief und gleichgiltig hob er denselben auf und betrachtete sich das Kouvert. Aber sein Interesse wurde sofort geweckt, als er auf demselben die Aufschrift Herrn R. Thomas in Rübenheim las, und ohne daran zu denken, daß er eine arge Indiskretion beging, entfaltete er den Brief. (Fortsetzung folgt). Anmarsch von 3 bis 4 feindlichen Divisionen nördlich des Bückeberges in Richtung auf die Aue eingegangen; Vehlen zeigte sich besetzt. Der kommandierende General beschloß den Angriff. Die 37. Infanterie=Division sollte über Buchholz auf Neuehütte=Obernkirchen, die 13. und 7. InfanterieDivisionen gegen Ohnsen=Vehlen vorgehen, während die 14. Infanterie=Division sich gegen den von Rusbend vorgehenden Feind wendete. Die letztere Division hatte bei Puginghausen das Regiment 89 zum Schutze der linken Flanke belassen, welches später feindliche Kavallerie abwies. Der 7. Infanterie=Division gelang es, unterstützt durch Teile der 13. Infanterie=Division, den bei Vehlen über die Aue vorgedrungenen Feind zurückzuwerfen; sie nahm jedoch davon Abstand, den Angriff über die Aue gegen den sich dort ansammelnden starken Feind fortzusetzen. Da auch die 37. Infanterie=Division auf dem rechten Flügel noch zurück war, und die Truppen bereits größere Marschleistungen hinter sich hatten, so wurde von der Fortführung des Angriffs Abstand genommen. Die Kavallerie=Division des 10. Korps(ohne 13. Brigade) ging am 6. September 6 Uhr vormittags über Deinsen auf Achum vor, drängte die Vorposten des Feindes, welche ihr eine Zeit lang Aufenthalt bereiteten, zurück, stieß aber südlich von Müsingen auf stärkere feindliche Kräfte und zog daher wieder auf Achum ab. Inzwischen hatten die halbe 38., die 17., 19. und 20. Infanterie=Division den Vormarsch in der beabsichtigten Weise südlich des Schaumburger Waldes auf Bückeburg angetreten. Die 19. und 20. Infanterie=Division erreichten etwa 10 Uhr vormittag den Aue=Abschnitt bei Achum und Vehlen und entwickelten sich zum Angriff gegen die Höhe westlich desselben, als sie ein von dort her gegen Vehlen unternommener feindliche Vorstoß traf. Der Feind warf die über die Aue vorgedrungenen Abteilungen zurück, begnügte sich aber mit diesem Erfolge. Die halbe 38. InfanterieDivision(40. Infanterie=Brigade) war unterdessen gegen Meinsen vorgegangen, hatte sich aber nicht in den Besitz dieses Ortes zu setzen vermocht. Die nördlich des Schaumburger Waldes vorgehende 81. Infanterie=Brigade war, der 13. Kavallerie=Brigade folgend, über Wiedensahl vormarschiert, dann aber auf Rusbend herangezogen worden.... g. de ftia6 P— M5 Die 13. Kavallerie=Brigabe stieß vor Paging= hausen auf feindliche Infanterie. Gegen 12 Uhr mittags wurde das Gefecht auf der ganzen Linie abgebrochen und das ArmeeKorps bezog Unterkunft. Für heute nun hatten beide Korps die Fortsetzung der Offensive beschlossen. Die 37. InfanterieDivision ging zu diesem Zweck um 7 Uhr morgens von Buchholz und Bad Filsen auf Neuehütte, die 7. Infanterie=Division uber Velsen und südlich vor, während die 13. Infanterie=Division um 7 Uhr nördlich Müsingen, die 14. Infanterie=Division südlich Meinsen bereit stand. Von der Korpsartillerie verblieb eine Abteilung bei der 14. Infanterie=Division südlich Meinsen, drei Abteilungen standen westlich der Linie Widdensen=Jetenburg bereit. Das 10. Armeekorps legte bei seiner Offensive den Hauptdruck auf den linken Flügel bei Meinsen. Von der Korpsartillerie standen zwei Abteilungen bei Bergkrig, zwei waren der 20. InfanterieDivision zugeteilt. Die Kavallerie=Division erhielt den Befehl, westlich des Schaumburger Waldes vorzugehen. Die 37. und 7. Infanterie=Division hatten mit ihrem Angriff auf Oberkirchen Erfolg; die 20. Division wurde durch sie aus dem Ort hinausgeworfen. Dagegen gelang der 38. und 17. Division der Angriff auf die 14. und Teile der 13. Division, ganz Meinsen ging dabei verloren und die Division wurde zum excentrischen Rückzug auf Minden gezwungen. Die Kavallerie=Division war ihrem Auftrage gemäß nördlich des Schaumburger Waldes herumgegangen ung griff in die linke Flanke des Gegners. Das 7. Korps zog sich hierauf hinter die Linie Todtenhausen=Minden bis Papenbrink=Todenmann zurück, das Korps blieb also im Allgemeinen mit der Front fest nach Süden auf dem rechten Weserufer stehen. Das heutige Gefecht bot das Schauspiel, daß beide Korps auf den linken feindlichen Flügel drückten. Bei der Verpflegung spielen heute die Konserven eine große Rolle. Die Truppen erhalten schmackhafte Gemüse= und Fleisch=Konserven, die von den staatlichen Fabriken in Mainz und Spandau hergestellt werden. Daß nur beste Rohmaterialien zur Verwendung gelangen, ist bei der eingehenden Fürforge, welche die betreffenden Organe der Truppenkost widmen, und bei der strengen und dauernden Kontrolle seitens der hygienisch=chemischen Unterstützungsämter der einzelnen Armeekorps selbstverständlich. Die Vorzüge der Verpflegung großer Massen mit Konserven haben sich bereits im deutsch=frauzösischen Kriege gezeigt; man braucht nur an die vielgelobte, berühmt gewordene Erbswurst zu erinnern, die allerdings damals fast die einzige Konserve war. Heute ist man infolge der großen Fortschritte auf dem Gebiete der Konservierung in der Lage, dem Soldaten auch im Kriege und im Manöver eine willkommene Abwechselung zu bieten. Man wird dadurch im Frieden unabhängiger von dem materiellen Zustand der betreffenden, zum Manöver auszuwählenden Gegend und ist auch im Felde gesichert gegen Ernährungssorgen. Der Viehstand ist ja gar zu schnell aufgebraucht; wie ein Heuschreckenschwarm fallen die Erstankommenden darüber her und die anderen haben dann das Nachsehen. Wie bequem lassen sich dagegen Konserven nachführen und immer wieder ergänzen. Wie sehr aber die Leistungsfähigkeit der Truppen in Krieg und Frieden von der Verpflegung abhängig ist, bedarf kaum weiterer Ausführung; der wohlgenährte Mann ist nicht nur physisch, sondern ebenso moralisch in ganz anderem Maße leistungsfähig; der gut genährte Mann geht mit ganz anderem Mute ins Gefecht und erträgt die Strapazen leichter als der schlecht genährte. Sehr weise ist es, daß man heute dem Soldaten das zum Kochen nötige Holz mitgiebt, denn es giebt ein Maß von Ermüdung, das sich gegen die leichteste Anstrengung sträubt. Man konnte es oft genug beobachten, daß der Soldat im Bivak die gelieferten Lebensmittel unbenutzt ließ, weil ihm die Mühe, sie zuzubereiten, zuviel wurden. Das fallt heute vollständig fort, da die Zubereitung, oder richtiger das Aufwärmen, überaus einfach und bequem gemacht ist Da es der chemischen Technik schon geglückt ist, den Spiritus für Kochzwecke in seste Form zu bringen, wird der Soldat voraussichtlich in kommender Zeit auch Brennstoff=Tabletten, die nur der Auflösung mit wenig Wasser bedürfen, mit sich führen; eine Steigerung der Leichtigkeit in der Verpflegung wird dann kaum noch eintreten können. Schnell ist ein für uns neues Produkt, die verschiedenen Kola=Präparate, zur Beliebtheit gelangt. Man kann es leicht an sich selbst erproben, daß die aus Kola bereiteten Hunger= und Durststiller ihren Zweck in hohem Maße erfüllen und daß auch der Kolazusatz in flüssiger Form dem Körper wohlthut und ihn neu belebt. Vielleicht werden sich, wenn die Vorzüge der Kolanuß erst bekannter geworden sind, die Kolonialfreunde es angelegen sein lassen, den Kolabaum, der unserer Roßkastanie ähneln soll, in Massen anzupflanzen. In den deutschen Kolonien in Togo soll bereits ein Anfang gemacht sein. Tages=Ereignisse. Deutsches Reich. Der Großherzog Friedrich von Baden begeht heute seinen 72. Geburtstag. Der in der letzten Zeit sich nicht der besten Gesundheit erfreuende Fürst ist nicht nur der Liebling seiner Badenser, sondern jeder Deutsche ehrt in ihm den treuen Förderer des großen nationalen Gedankens, der am 18. Januar 1871 in Versailles lebendige Gestalt annahm. Möchte es dem ehrwürdigen deutschen Fürsten beschieden sein, bis an die Grenzen menschlicher Lebensdauer seine treuen Augen über das Wohl seines blühenden Landes und über die Geschicke des jungen deutschen Reiches wachen zu lassen! Leutnant v. Brüsewitz, der vor zwei Jahren in einem Karlsruher Café den Mechaniker Siepmann mit dem Säbel niederstach, ist jetzt dem„Bad. Beob.“ zufolge begnadigt worden. Er war s. Z. zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren verurteilt worden, die er zur Hälfte verbüßt hat. Bromberg, 5. Sept. Das Berliner Auswärtige Amt hat, wie der„V. Z.“ geschrieben wird, der in Fordon(einem in nächster Nähe von Bromberg liegenden Weichselstädtchen) wohnenden Mutter Karl Neufelds, Frau Sanitätsrat Neufeld, offizielle Nachricht von der Befreiung ihres Sohnes aus der Gefangenschaft des Kalifen gegeben; Karl Neufeld befindet sich wohlbehalten im englischen Lager. Die Familie Neufeld ist seit langen Jahren in Fordon ansässig. Der Vater Neufelds ist Anfang vorigen Jahres gestorben; es ist Sohn und Vater also nicht mehr vergönnt gewesen, sich einander in die Arme zu fallen, worauf der Vater immer gehofft hatte. Holland. Amsterdam, 6. Sept. Die Ansprache der Königin Wilhelmina an die Generalstaaten hatte folgenden Wortlaut:„Meine Herren Mitglieder der Generalstaaten! Nach dem Tode Meines unvergeßlichen Vaters und nach der gesegneten Regierungszeit Meiner Mutter, bis Meine 18 Jahre vollendet waren, habe Ich nunmehr die Regierung angetreten, wie Ich es in einer Proklamation zur Kenntnis Meines vielgeliebten Volkes gebracht habe. Jetzt ist die Stunde gekommen, wo Ich inmitten Meiner getreuen Generalstaaten und unter Anrufung des heiligen Namen Gottes Mich dem niederländischen Volke verpflichten werde, seine Rechte und Freiheiten aufrecht zu erhalten. Fester knüpfe Ich heute das feierliche Band, das zwischen Mir und Meinem Volke besteht. Die sehr alte Verbindung zwischen Niederland und Oranien ist aufs neue gekräftigt. Schön ist Mein Beruf, schön Meine Aufgabe. Ich bin glücklich und dankbar, das niederländische Volk regieren zu dürfen. Ein Volk, klein an Zahl, aber groß durch Kraft und Charakter. Ich halte es für ein Vorrecht und eine willkommene Pflicht, alle Meine Kräfte dem Gedeihen und dem Wohlergehen unseres Vaterlandes zu weihen. Oranien kann nie, ja nie genug thun für Niederland. Ich bedarf Ihrer Unterstützung und Ihrer Mitarbeit; Ich bin überzeugt, daß Sie Mir dieselbe leihen werden, damit wir zusammen für die Ehre und die Wohlfahrt unsercs niederländischen Volkes arbeiten mögen. Das sei das Ziel unseres Lebens. Gott segne Ihre und Meine Arbeit zum Heile des Vaterlandes.“ Hierauf leistete die Königin den Eid auf die Verfassung. Frankreich. Paris, 7. Sept. Aus Besorgnis, Kaiser Wilhelm könnte seine Reise nach Palästina dazu benutzen, um sich das Recht des Protektorats über die deutschen katholischen Missionare und die Niederlassungen im Orient zu sichern, unterbreitete der Kardinal Langenieux dem Papst die Idee, ein nationales Komité zu gründen zur Wahrung der Verteidigung des französischen Protektorats, dessen Untergang nach seiner Ansicht ein Unglück für Frankreich sein würde. Der Papst richtete hieraufhin am 20. v. M. ein Schreiben an Langenieux, das zur Veröffentlichung bestimmt war. Der Papst überließ dem Kardinal, den Zeitpunkt der Veröffentlichung zu wählen. Der Brief des Papstes besagt, Frankreich habe im Orient eine Mission, welche ihm die Vorsehung anvertraute, welche durch internationale Verträge bestätigt und von der Congregatio de Propaganda fide durch die Erklärung am 22. Mai 1888, anerkannt sei. Leo XIII. bestätigt besagtes Zirkular feierlich, welches die Missionare ausdrücklich anweist, im Falle der Not sich an den französischen Konsul resp. Agenten zu wenden. Hiermit erkennt der Papst zum ersten Male persönlich in einem öffentlichen Akt das ausschließliche Recht Frankreichs an, die Missionare in den Niederlassungen des lateinischen Katholizismus im Orient zu schützen. Rußland. Kiew, 7. Sept. In der Stadtverordneten=Versammlung wurde beschlossen, zur Verherrlichung des im Interesse des Weltfriedens an die auswärtigen Mächte ergangenen Vorschlages des Kaisers eine Huldigungsadresse an den Kaiser zu richten und zwei Schulen zum Andenken an das Ereignis zu errichten. Spanien. Madrid, 7. Sept.(Kammer.) Salmeron bringt einen Antrag ein, die Verantwortlichkeit der Regierung hinsichtlich des Krieges, des Friedens und der Verfassungsverletzung festzustellen. Sagasta beantragt Erörterung in geschlossener Sitzung. Der Antrag wird angenommen. Die Republikaner und die dissentierenden Konservativen protestieren heftig. Es herrscht ein unbeschreiblicher Tumult. Die Tribünen werden geräumt. —(Senat.) Weyler erklärt, die auf Kuba begangenen Fehler und Irrtümer seien nicht der Armee aufzubürden, sondern der Regierung, die die Armee ohne Unterstützung und Hilfsmittel ließ. Das Geschwader Cerveras mußte bei den kanarischen Inseln bleiben. Die Verantwortlichkeit für Santiago treffe die Regierung, nicht Toräl. Weyler wirft Almenas seine Kritik der Generale vor. Almenas entgegnet, er tadele die Generale, weil sie die Soldaten nicht in den Kampf zu führen verstanden, weil sie nicht zu zeigen verstanden, würdig zu fallen. Weyler, Primo und andere Generale protestieren. Almenas erklärt, sich an Primo wendend, er fürchte das Schreien nicht und fügt hinzu, man müßte einigen Generalen die Schärpe herunterreißen und ihnen dieselbe um den Hals legen. Es entsteht großer Lärm. Die Sitzung dauert fort. Omdurman, 6. Sept. Major Stuart Waertley mit eingeborenen Truppen fand vor der letzten Schlacht die Dörfer und Forts am rechten Nilufer von etwa 1000 Derwischen besetzt. Die Truppen verhielten sich tüchtig, jagten die Derwische von Dorf zu Dorf und töteten 350 Mann. Außerdem wurden 3 Geschütze erbeutet.— Fünf britische Kanonenboote fuhren den Weißen Nil hinauf. Die Boote beabsichtigen mit Macdonald, welcher von Uganda nordwärts marschiert, Fühlung zu erreichen. Omdurman, 8. Sept. Sirda telegraphiert, er habe 500 Araber auf Kamelen zur Verfolgung des Kalifen abgeschickt. Dieser hat 100 Kamele in Sirda's Hände gelassen. In der Schlacht sind 10800 Derwische gefallen und 16000 verwundet. Außerdem hat Sirda 4000 Gefangene gemacht. Ostasien. Peking, 8. Sept. LiChang wurde abgesetzt. Die Revision des Dreyfus=Prozeß. Paris, 7. Sept. Dem„Matin" zufolge teilte General Zurlinden dem gestrigen Ministerrate mit, die seit der Entdeckung der Fälschung Henrys eingeleitete Unsersuchung habe Anhaltspunkte dafür ergeben, daß mehrere Generalstabsoffiziere sich einer gewissen strafwürdigen Handlung schuldig gemacht hätten. Zurlinden legte ferner den Entwurf einer Reorganisation des Informationsbureaus vor, wonach fernerhin für die von diesem Bureau verrichteten Polizeidienste Generalstabsoffiziere nicht mehr verwendet werden sollen.— Die„Aurore“ will wissen, daß seit gestern nachmittag die Verhaftung Paty de Clams entschieden sei.— Mehrere Blätter verzeichnen das Gerücht von der Flucht Esterhazys. Paris, 7. Sept. Von Zola traf hier ein Brief ein, der ankündigte, daß er in den ersten Oktobertagen nach Paris zurückkehre. Paris, 7. Sept. Der Sekretär des Advokaten Labori begab sich gestern früh in das Justizministerium, um dem Direktor Lombard ein von Labori und Démangé zur Unterstützung des Revisionsgesuches der Frau Dreyfus verfaßtes Gutachten zu überreichen. Paris, 8. Sept. Die französische Regierung beabsichtigt, offiziös in Berlin anzufragen, ob Deutschlund eine Ungehörigkeit darin erblicke, wenn, die Dokumente des sogen. allergeheimsten Dossiers im Falle der Revision des Dreyfusprozesses an die Oeffentlichkeit gelangten. Die französische Regierung versichert, daß es ihr fernliege, an der Echtheit dieser Papiere zu glauben. Aeber den Bustand Dreyfus' berichtet ein eben heimgekehrter Marine=Offizier: „Als ich mich zum ersten Male dem Gefangenen gegenüber befand, empfand ich einen höchst peinlichen Eindruck. Dreyfus ist schrecklich abgemagert, ein wahres lebendiges Skelett. Sein von der furchtbaren Sonne abgebranntes Gesicht ist fleischlos, und nur die Augen sind noch lebendig Augen, die den Stempel unsäglicher Schmerzen tragen, die einem bis in die innersten Tiefen der Seele blicken, die einen verzweifelt fragen, denn er weiß, daß man ihm nicht antworten wird. Es ist verboten, mit ihm zu sprechen. Die Gesundheit Dreyfus' ist durch das Klima und dann auch durch die Nahrung sehr erschüttert. Auf dieser von der Sonne verbrannten Insel giebt es nichts als die Erde und verkohlte Felsen. Seit vier Jahren nährt sich Dreysus nur mit Konserven. eine Energie ist aber nicht gesunken; er ist ruhig und bereitet seinen Aufsehern keine Sorgen. Er ist ergeben, diszipliniert, er beklagt sich nicht, er protestiert nicht, er wartet. Er verbringt Stunden aufrecht vor seiner Hütte, die Arme gekreuzt, den Blick auf den unendlichen Horizont des Meeres gerichtet. Er wartet. Er hofft unausgesetzt.“ Dreyfus hat jetzt die Gefahren des Klimas überstanden. Es fragt sich jetzt, ob er stark genug sein wird, die tiefe Erschütterung auszuhalten, die die Nachricht von seiner Heimkehr in ihm hervorrufen muß. Ein neuer Zwischenfall auf Während man sich bereits an den Gedanken gewöhnt hatte, daß vor Kreta alles in leidlicher Ordnung sei, zum mindesten, daß das Blutvergießen aufgehört habe, kommt plötzlich die Meldung von einem blutigen Zusammenstoß zwischen Engländern und den Bewohnern der Stadt Candia, der mit dem Bombardement der Stadt endete. Die Meldung lautet: Kanea, 6. Sept. Die Bevölkerung der Stadt Candia befindet sich mit den Engländern im Kampf. Der Militärgouverneur und der Civilgouverneur von Canea boten die Unterstützung der türkischen Truppen für die Engländer an. Abends 6 Uhr wurde Candia bombardiert. Weitere Meldungen besagen: Kandia, 1. Sept. Die englischen Militärbehörden setzten gemäß dem Beschlusse der Admirale im Zehntenbureau christliche Beamte ein und stellten vor dem Hauslhor eine Soldatenabteilung zur Bewachung auf. Ein Haufe unbewaffneter Muselmanen wollte den Durchgang erzwingen, die Soldaten feuerten, worauf die Mohamedaner Waffen holten und die englische Soldatenabteilung angriffen. Sodann zog der Trupp in das Christenviertel, schossen gegen die Fenster und zündeten Häuser und Magazine an. Es verlautet, mehrere Christen seien ermordet. Einige englische Soldaten und der englische Konsul sind tot. Ein Kriegsschiff bombardierte die Stadt. Man befürchtet Plünderung und Zerstörung der Stadt während der Nacht. Kandia, 7. Sept. Als die Engländer von dem Zehntenbureau Besitz ergriffen, sammelten sich Muselmänner an. Edhem Pascha ließ sie auseinandertreiben. Darauf wurden die Christen und Mohamedaner handgemein. Aus christlichen Häusern fielen Schüsse. Die Engländer scho en und verwundeten zwei Muselmänner. Die ganze muselmanische Bevölkerung ergriff die Waffen. Edhem schiffte englische Soldaten und Christen unter türkischer Eskorte ein. Ein englisches Schiff feuerte mehrere Schreckschüsse. Drei Engländer sind tot, vier verwundet. Sechs Muselmänner sind tot. Djewad Pascha stellte ein Bataillon in Kanea zur Verfügung der Admirale und schlug den letzteren vor, sich nach Kandia zu begeben, was diese ablehnten. Es wurden Vorsichtsmaßregeln für Kanea und Reihymo getroffen. Truppen sind bereit, die Patrouillen werden verdoppelt. Vier Kriegsschiffe gingen von Suda nach Kandia ab, wo der Kampf beendet ist. Der Brand dauert fort. Wien, 7. Sept. Das„Wien. Korr. Bur.“ meldet aus Candia: Infolge der Unruhen in Candia sandte der österreichische Konsul Pintes den Torpedokreuzer Leopard nachts nach Candia, um die deutschen und österreichischen Untertanen zu beschützen und im Notfalle, an Bord zu nehmen. Der„Leopard" traf heute morgen hier ein. Das deutsche Konsulat ist abgebrannt; der deutsche Vizekonsul Schwend war abwesend. Die muselmanischen Einwohner nahmen das Stadtthor im Sturme. Bei dem Zusammenstoße mit den Engländern wurden viele Türken getötet; einige Engländer erlitten Verwundungen. Der Straßenkampf dauerte bis in die Nacht hinein. Der englische Konsul in Canea reiste noch während der Nacht nach Candia ab. London, 7. Sept. Im Auswärtigen Amte ging die Nachricht von der Beschießung Candias ein. Der Kampf ist bereits beendet. Athen, 8. Septbr. Mehrere christliche Familien in Kandia verließen zu Schiff die Stadt. Die Kriegsschiffe landen Verstärkungen und Feuerspritzen. Das Fort wurde durch das Bombardement beschädigt, das italienische Konsulat soll ebenfalls niedergebrannt sein; der getötete englische Konsul Kalokairinos ist griechischer Abstammung. Die Feuersbrunst dauert fort. Das russische Panzerschiff„Erotoenski“ ist von Piräus nach Kreta abgegangen. Lokales. (Nachdruck nur mit Quellenangabe gestattet.) * Schwerte, 9. Septbr. Der Kaiser verlieh dem Herrn Landrat Spring in Hörde den roten Adlerorden 4. Klasse, dem Fabrikanten Herrn Schmitz in Hörde und dem Stationsvorsteher Herrn Leipner in Westhofen den Kronenorden 4. Klasse. Dem Herrn Lehrer Drücke hierselbst, früher zu Syburg, der am 1. Juli in den Ruhestand getreten, ist der Adler der Inhaber des Käniglichen Hausordens von Hohenzollern verliehen.— Ferner wurden noch Auszeichnungen u. a. folgenden Herren zu teil: Berghauptmann Täglichsbeck=Dortmund der rote Adlerorden 2. Klasse, 1. Staatsanwalt Haarmann=Dortmund und Bürgermeister Dr. Haarmann=Witten der rote Adlerorden 4. Klasse; Oberpräsident Studt die Brillanten des Kgl. Kronendrdens 1. Klasse; Landeshauptmann Overweg der Kgl. Kronenorden 1. Klasse; Regierungspräsident Winzer der Kgl. Kronenorden 2. Klasse mit dem Stern; Frhr. v. Bodelschwingh=Plettenberg=Heeren und Oberbürgermeister Schmieding=Dortmund der Kgl. Kronenorden 2. Klasse; Weihbischof Dr. Gockel=Paderborn und Dr. Morsbach=Dortmund der Kgl. Kronenorden 3. Klasse und GeneralDirektor Baare=Bochum der Kgl. Kronenorden 4. Klasse. Herr Landgerichtsdirektor DulheuerDortmund wurde zum Geheimen Justizrat und Herr Brauereibesitzer Wenker=Dortmund zum Kommerzienrat ernannt. * Schwerte, 8. Sept. Die Monats=Versammlung des hiesigen Kriegervereins am vergangenen Sonntage war in Fo ge schwacher Beteiligung leider nicht beschlußfähig. Freilich war die Tagesordnung eine recht„magere“; es dürfte aber bis zur nächsten Versammlung der eine oder andere Punkt hinzutreten, und wäre für den ersten Sonntag den kommenden Monais denn doch eine entschieden jegere Beteiligung dringend erwünscht. § Schwerte" 9. Sept.(Feuer.) Gestern Mittag brannte auf der Schwerterheide eine Strohdieme, dem Beramann Karl Kramer gehörig, total nieder. Dem Besitzer ist hierdurch ein empfindlicher Schaden erwachsen. [1 Schwerte, 9. Sept. Gefunden ist in den Anlagen ein Hemd. Der Eigentümer kann dasselbe auf dem Polize bureau in Empfang nehmen. * Schwerte, 9. Septbr. Der hiesige Gardeund Landwehrverein begeht am Sonntag, abends 7 Uhr beginnend, seine Sedanfeier durch Konzert und Ball. Man darf erwarten, daß die Beteiligung eine rege werden wird, da die Feier eine gemütliche zu werden verspricht. * Schwerte, 9. Septbr. Im Reiche des Wassers(L. Hagemann) veranstaltet am nächsten Sonntag Nachmittag der Schwerter Turnverein ein Schülerwettturnen, verbunden mit Rekruten=Abschiedskränzchen. Die turnerischen Darbietungen der kleinen Jahnjünger werden durch ein Konzert recht unterhaltend gestaltet. Die Rekruten, deren Abschied der Verein alljährlich festlich begeht, dürften sich auf dieser Feier dem Publikum zum letzten Male in Zivildrillich zeigen, denn die Stunde ist schon sehr nahe, wo den heimatlichen Gefilden valet gesagt werden muß und der biedere Jüngling auf zwei Jahre die viel schönere Kommisgarnitur anzieht, um, wie's im Märchen vom Fuchs und Wolf heißt, zum Mensch gemacht zu werden. * Schwerte, 9. Septbr. Die Erneuerung der Lose zur 3. Klasse der Kgl. Preußischen Klassenlotterie muß unter Vorlegung oder Einsendung des Vorklassenloses bis spätestens zum 12. September, 6 Uhr, bei Verlust des Anrechts erfolgt sein. Die Ziehung ist am 16., 17., 19. und 20. September. * Schwerte, 9. September. Die Normalsatzungen für preußische Kriegervereine haben insofern eine Abänderung erfahren, als § 18 folgende Fassung erhalten hat:„Gästen darf der Zutritt zu Festlichkeiten und sonstigen Veranstaltungen des Vereins gestattet werden. Gäste können zu Vereinssitzungen nur dann eingeführt werden, wenn sie den Anforderungen des § 2 genügen. An den Verhandlungen dürfen sie nicht teilnehmen. Auch darf die Zulassung desselben Gastes zu Vereinssitzungen höchstens dreimal erfolgen.“ In diesem§ 2 aber heißt es, daß Mitglieder von Kriegervereinen nur solche Personen werden können, die Soldat gewesen, im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte sind, ein achtbares Leben führen und treu zu Kaiser und Reich halten. Diese Bedingungen werden also von jetzt ab auch auf solche Gäste ausgedehnt, die an den Vereinssitzungen teilnehmen wollen. * Schwerte, 9 Septbr.[Vom zerstreuten Landmann erzählt das„Süd. Wchbl.“ folgendes ergötzliche Geschichtchen:„Ein braver Landwirt bebaute das Feld, Pflug und Egge hatten ihre Arbeit verrichtet, auch sonst war alles mögliche gethan, was die Hoffnung auf eine gute Roggenernte bestärken mußte. Der Frühling kam und ging, ohne daß unser Landwirt wieder nach seinem sorgfältig bebauten Acker kam. Jetzt im Spätsommer, wo allenthalben die Sichel erklingt und die Garben aufgestellt werden, wollte auch er seinen Erntesegen einheimten. Frohgemut, im Geiste schon die blanken Thaler zählend, die ihm das Roggenstück einbringen mußte, begab er sich mit der Sense aufs Feld. Kaum hatte er das Ziel erreicht, als er vor Schreck schier in die Knie sank. Was er dort sah, konnte nur ein Traum sein, doch nein, er war völlig wach. Mit unheimlicher Deutlichkeit sah er, daß der Acker wohl manch bekanntes und unbekanntes Kräutlein hervorgebracht hatte, aber kein Hälmlein Roggen. Die Situation wurde ihm bald klar. Er hatte zwar seinen Acker gut bearbeitet und auch gut gedüngt, aber er hatte die Hauptsache vergessen, nämlich das— Streuen des Saatkorns. Die Geschichte ist nicht etwa gut erfunden, sondern buchstäblich wahr!“ Westfalen=Rheinland. Höchsten, 7. Sept. Ein neuer Brandschaden ist von hier zu brichten, welcher den Bergmann Gustav Heubel betroffen hat. Das Feuer griff mit enormer Schnelligkeit um sich, doch vermochten die Leute wenigstens den größten Teil ihrer Möbel zu retten. Der Hausschaden ist zum Glück durch Versicherung gedeckt. Dortmund, 2. Sept. Sein Kind hat der Händler Max Knopf zu Tode geprügelt. Mit einem Schüreisen schlug der Mensch auf das 3 Monate alte Würmchen in der brutalsten Weise ein, und verletzte Kopf und Rücken derartig, daß das Kind bald darauf verstarb. Der grausame Vater wurde von Polizeibeamten festgenommen und ins Gefängnis abgeführt. Er will die That im Rausche begangen haben. Lütgendortmund, 5. Sept. Auch hier sind Personen an der Ruhr erkrankt. Die Seuche scheint von Marten nach hier verschleppt zu sein. Man trifft Vorkehrungen, um eine Weiterverbreitung der Seuche zu verhindern. Hohenlimburg, 5. Sept. Ertrunken Die Lenne hat hier schon wieder ein Opfer gefordert. Am Samstag Abend fiel das 11 Jahre alte Söhnchen des Schreiners M. hierselbst in der Nähe der evang. Kirche in die Lenne und konnte erst nach längerem Suchen als Leiche aus dem Wasser gezogen werden. Iserlohn, 5. Sept. Eine solenne Prügelei, bei der einen der Beteiligten, der übrigens öfters in ähnliche Affairen verwickelt ist, übel mitgespielt wurde, fand in letzter Nacht auf der Unnaerstraße statt. Die Prügelausteiler, ein Metzgergeselle und zwei raufllustige Schn iderlein, sind ermittelt. Iserlohn, 5. Sept. Taschendiebstähle und kein Ende. Heute mittag um halb 1 Uhr wurde einer auswärtigen Marktoesucherin ein Portmonnaie mit etwa 30 Mark Inhalt auf dem Marktplatze gestohlen. Gönnern b. Gladenbach, 5. Sept. Hier sind 30 G.bäude, mit den gesamten Erntevorräten abgebrannt. Zahlreiche Familien sind, da fast nichts gerettet wurde, ruiniert und obdachlos. Aachen, 2. Sept. Großes Aufsehen erregt in der Stadt der Selbstmord des Boten der Polizeidirektion, Gunst. Er wurde im Polizeidirektionsgebäude erhängt und mit einer Schußwunde vorgefunden. Dem Gunst war die Stelle zum 15. Oktober gekündigt. Es dürfte das Motiv dieses Selbstmordes indeß tiefer liegen. Eine Untersuchung des Falles Gunst ist denn auch schon eingeleitet. Kleine Chronik. Die Hamburger Viermastbaik„Hebe“ ist vermutlich mit Mann und Maus untergegangen. Dieselbe ging am 23. März von Card ff nach Iquique in See, erreichte jedoch bis heute ihren Bestimmungsort nicht— In Ulm hat vorg stern nachmittag zwischen 1 und 2 Uhr sich der Untereffizier Kneule der 8. Kompagnie des hiesigen InfamerieRegiments Nr. 127 in einer Kisematte der Gaisbergkaserne aus Furcht vor Strafe erschessen.— In Prag wurden zwei Tagelöhner, welche einen Feldhüter in eine Feldhötte einsperrten und dieselbe anzündeten, so daß der Feldhüter verbrannte, vom Schwurgerichte zum Tode verurteist.— Eingestürzt ist ein Theil der Eisenbahnbrücke über den Lorenzstrom bei Carnevall. 13 Arbeiter wurden getötet, 12 verletzt. Neueste Nachrichten. Rom, 9. Sept. Die„Tribuna“ meldet: Graf Münster, Botschafter in Paris, bat den Minister Deloupe, die Erklärung abzugeben, daß die angeblich im geheimen Dossier existierenden, auf Dreyfus bezüglichen Dokumente, insonderheit Briefwechsel zwischen dem Kaiser und Dreyfus gefälscht sind. die französische Regierung sie in dem bevorstehenden Prozesse benutzen und ihnen einen Charakter beilegen würde, den sie nicht haben, habe Graf Münster seine Pässe zu fordern und Paris zu verlassen.(??) London, 8. Sept. Die„Times“ melden aus Kandia von gestern: Unter den Gefallenen befindet sich Leutnant Haldane, ein anderer Leutnant wurde verwundet. Für die Mehrheit der Christen wird das Schlimmste befürchtet; es wird berichtet, von 1000 derselben seien nur 250 gerettet. Sieben Kriegsschiffe befinden sich auf der Rehde bei Kandia, denen das Ausschiffen von Marinetruppen bei der stürmischen See sehr erschwert wird. Die türkischen Truppen weigerten sich, den britischen Truppen beizustehen; da die letzteren nur gering an Zahl sind, werden sie bald überwältigt sein. Die Mohamedaner plündern Kandia, die christlichen Aufständischen sammelten sich um dem Militärkordon. Eine spätere Depesche besagt, Flüchtlinge, von denen viele verwundet waren, seien an Bord des britischen Kriegsschiffes„Camperdown“ gekommen, wo sie das Gerücht von dem durch die Mohamedaner verursachten Massacre wiedererzählten.— Der„Standard“ meldet unter dem 7. September aus Kandia: Eine Abteilung von 350 Mann italienischer und französischer Truppen ist an einem Platze außerhalb des Bereichs der türkischen Außenposten gelandet und beabsichtigt, nach Kandia zu marschieren. Der englische Panzer„Camperdown“ landet ebenfalls Marinesoldaten. Hamburg, 8. Septbr. Das Erkenntnis des Hamburger Landgerichts im Prozeß Bismarck gegen die Photographen Wilke und Priester bestätigt die am 5. August erlassene Verfügung der Ferienzivilkammer des Landgerichts, jedoch werden die Worte: 20000 Mark Geldbuße für jeden Uebertretungsfall dahin abgeändert: bei Haftstrafe von 6 Monaten für jeden einzelnen Fall des Zuwiderhandelns. Das Urtheil wurde ohne Begründung verkündet. Die Photographen legen Berufung bei dem Oberlandesgericht ein. Münster i. W., 8. Sept. Heute nacht ist hier ein schwerer Postraub verübt worden. Aus einem ordnungsmäßig verschlossenen Pestwagen sind auf dem Wege zwischen dem Bahnhof und dem Hauptpostamt Wertbriefbeutel mit 22 Wertbriefen und 19 Einschreibbriefen gestohlen. Darunter befindet sich ein Brief aus Arneberg mit Hunderttausend Mark. Der Gesamtwert der gestohlenen Postsendungen beträgt 150000 Mark. Der beraubte Wigen war am Bahrhof in Gegenwart eires Beamten verschlossen worden, er traf am Postamt mit offener Thür ein.„ 8744, Paris, 8. Septbr. Dem„Marin“ zufolge sprachen sich die Minister einstimmig dafür aus, daß die Kammer nicht vor der gesetzlich vorgeschriebenen Frist einberufen werde.— Der Monarchist Ramel regte die Abhaltung einer Versammlung der Rechlen an, behufs Beschlußfassung über die Dreysusangelegenheit.— Untersuchungsrichter Martin ließ Esterhazy anläßlich der von dessen Vetter Christian erstatteten Betrugsanzeige vorladen. Esterhazy erschien nicht.(Das Nichterscheinen Esterhazys darf ncht weiter Wunder nehmen. Der brave Mojor ist allem Anscheine nach verduftet.) Petersburg, 8. Sept. Den Blättern zufolge reiste der Chef der Abteilung für Getreidehandel im Handels epartetement Kasperon auf Anoednung des Finanzministers nach Berlin. Paris, 8. Sept. Mehrere französische Blätter stellen den Obersten Henry als eiren Märtyien des französischen Patriotismus dar. Paris, 8. Sept. Ungeheure Sensation erregt hier ein Artikel der„Novosti“, in welchem behauptet. wird, daß der Zar Elsaß=Lothringen als neutrales Gebiet zu erklären gewillt ist.(??) Briefkasten der Redaktion. Alter Abonnent, Hier. Wenn wir Ihren Brief recht verstehen, fragen Sie, ob der Vermieter, bei dem Sie in Arbeit stehen, trotz der im Kontrakt vorgesehenen monatlichen Kündigung bei einer eventuellen Arbeitsniederlegung Ihrerseits, das Recht habe, jeden Tag Ihnen die Wohnung aufzukündigen. Keineswegs; der Vermieter kann Ihnen nur am 1. die Wohnung aufkündigen. Anders läge der Foll, wenn es im Kontrakt hieße, daß mit dem Tage der Arbeitsniederlegung nach einer einmonatigen Frist Sie die Wohnung zu verlassen hätten. Der eiste Teil der Frage bezugl. der dreimonatlichen Kündigung wird durch Ihre Arbeitsniederlegung betrachtlos. Gottesdienste Schwerie. ische Sonntag, den 11. September 1898. Vorm. 8 Uhr: Frühgottesdienst. Postor Terberg r. Vorm. ½10 Uhr: Hauptgottesdienst Pastor Graeve. Nachm. 2 Uhr: Kindergottesdienst Pastor Grocv: Amtswoche: Pastor G aeve. Reformierte Kirche. Sonntag, den 11. September 1898. Vorm. ½10 Uhr: Gottesdienst. Pastor Terbeig r. Versammlung der Konfirmierten. Westhofen. Sonntag, den 11. September 1898. Vorm. 9½ Uhr: Predigtgottesdienst. Nachm. 2 Uhr: Kindergottesdienst. Pastor Falkenberg. Thomasmehl, Superphosphat, Ammontal=Superphosphar, Poudrette, sowie alle andern Düngemittel zu außerordentlich billigen Preisen und unter Garantie empfiehlt Schwerte. L. Weinberg. 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Abends 6 Uhr: Fest=Essen zum Preise von Mk. 2,00 pro Couvert. Nachher: D Ball. Nichtmitglieder zahlen für Konzert 50 Pfg., für Konzert und Ball 1,25 Mk., und für Ball allein 1,00 Mk. Karten zum Festessen gelangen durch Boten zum Verkauf und sind außerdem bis zum 13. dss. Mts. bei dem Wirt Herrn L. Hagemann hierselbst zu haben. Die auszustellenden Gegenstände müssen am Festtage bis spätestens 1 Uhr mittags an Ort und Stelle sein. Schwerte, den 1. September 1898. 10 Nur noch kurze Zeit dauert unser Ausbrrnauf wrgen Amran Wir machen ganz besonders auf einen großen Posten Buckskin=Hosen, pr. Stück 3.50, früher 5—6 M., 6 aufmerksam, ferner offerieren einen Posten prima Bettkattune, pr. Meter 35 Pfg., 6 Meter Kleiderdruck, Kleid M. 1.75, keine fehlerhafte Ware, garantiert waschecht. Auf sämtliche Arbeiter=Garderobe gewähre bis auf weiteres De 10% Nabatt. Alle nicht aufgeführten Waren zu bekannt billigen Preisen. Schwerte, Markt 1. Ruhr& CO. Schwerte, Marht 1. Der Schwerter K Turn-Verein X n I CD XXh,(Mitglied der deutschen X4 Turnerschaft) # seien am Sonntag, den 1I. September, ½ nachmittags 3 Uhr anfangend, im Lokale des Herrn### L. Hagemann sein diesjähriges„4 Schülerwettturnen 8 verbunden mit„ 5 Rekruten=Abschiedskränzchen 8 nach folgenden Programm: 24 1. Aufmarsch und Freiübungen der Turnschüler. X 2. Wettturnen der Turnschüler.(Reck, Barren, Pferd, X Stemmen und Springen.). X8 7660 0 E. RIosbach, 5 00 Brückstrasse. SCIIVVERTE. Brückstrasse. un W Das Lager muss bis November geräumt sein. □ Sämtliche Artikel werden zu staunend billigen Preisen abgegeben. 8 3. Turnen der beiden Musterriegen vom Gaufest. 4. Kürturnen, Turnspiele u. s. w. 5) 5. Preisverteilung. Während des Turnens findet statt.— Abends 8 Uhr: Beginn des Festballes.§ Entree zum Konzert und Turnen 30 Pfg. K „„„ Turnen und BALL L — Mark 1.25.— □ Nichtmitglieder können durch Mitglieder einge# führt werden.„„ 6 0 Die Eltern der Turrschüler, sowie Freunde und#### Gönner des Vereins werden hierdurch freundlichst#### eingeladen.„ 58 Der Vorstand. C Empfehle als besonders billig: Einen Posten Kleidersiamosen 0 (0 100 cm breit, früher 6 Meter 6 Mk., Jetzt 6 Meter 3,60 Mark. 0 Einen Posten Satin„Augusta“ 6 für Bettbezüge, früher p. Meter 60 Pfg., Jetzt 38 Pfg. OHlerren- und Knaben-Anzüge 9 werden zu noch nie dagewesenen Preisen abgegeben. Geschslise-esoung, Den geehrten Bewohnern von Schwerte und Umgegend zeige ich hierdurch ergebenst an, daß ich mit dem heutigen Tage Kötterbachstr. Nr. 11 ein Fisch=, Obst= und Gemüsegeschäft eröffnet habe. Ich werde meine werten Kunden durch gute Waren zu den billigsten Preisen stets reell bedienen. Hochachtend Margarinc, prima Ware, à Pfd. 42, 50 u. 60 Pfg., hochfeine Sußrahm=Tafel=Margarine, à Pfd. 70 u. 75 Pfg., bei Teise Hüsingstraße 17. E. 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Eines der fesselndsten Bilder, welche die gegenwärtigen Kaisertage in Westfalen boten, war die Vorstellung der Bauern aus 17 Gemeinden der Kreise Minden und Lübbecke in ihrer seltsamen, pittoresken Nationaltracht. Bei Einholung der Genehmigung für diese Vorstellung war dem Urheber des Gedankens Superintendenten Volkening seitens der Behörde angedeutet worden, daß dieser Aki sich voraussichtlich mit größter Schnelligkeit vollziehen würde. Thatsächlich dauerte die Unterhaltung der biederen Landleute mit ihrem Herrscherpaar jedoch nahezu eine halbe Stunde. Drei Mädchen überraschten das Kaiserpaar mit folgendem sinnreichen, von Volkening verfaßten Willkommensgruß: Wir sind gekommen, wir Mädchen und Frauen, Um unsere Majestäten zu schauen, Auch Ihnen zu zeigen in alter Tracht, Was unsere Hände zu Wege gebracht. Es sind nur Sachen gering und klein: Die Löffel, das Rad und was sonst mag sein. Sie können des Königs Vermögen nicht mehren, Doch weiß er, so denk ich, auch Kleines zu ehren. Denn Kleines ist groß, wenn nur wird bedacht, Daß eigener Fleiß es fertig gebracht. Das mag statt aller die Leinwand sagen Wenn wir ihre Geschichte zu sagen wagen: Sülvst hevt wie et saiet, Sülvst hevt wie et wehet, Wie hevet et luket, Wie hevet et repet, Sülvst hevt wie et rötet, Sülvst heut wie et sprüet, Wie hevet et boket. Wie hevet et racket, Und hevet et heikelt. Wie hevet et spunnen, un hevet et haspelt, Un hevet et bleket Uv'n Feild inner Sunnen Un hevet et spulet Toleß hevt wilt würket To Hus up'n Stelle— Un do ligt nu de Welle. Wat fliedige Lüe sülvest künnt maken: Rode Holsken, de Beeden, Lierpel un Laken, Wie bringet et ferrig met userer Hand Im Huse, im Gaden un up dem Land. Sau es et tau Lanne hie jümmer haulen, Un wie willt bliven bi'm goden Aulen, Den aulen Glauben, de goden Sitten, Laut't wi u's nich niemen ut usrer Mitten. De aule Trüe to Kaiser un Riek Schall jümmer bi us sik blieven gliek, Hev Godes Wort us jo dringlich lehret: Gott fürchtet, ihr Leute, den König ehret. Dat schallen auck seggen de lütken Geschenke, Den Majestäten tom Angedenke, Met Leve is olles hie upgestellt, Wie lustert nu, ov et auk god gefällt. verte, Freitag, 9. September 1898. erkundigte sich angelegentlichst nach ihrem früheren Militärverhältnis. Aus einer der Gemeinden war seiner Zeit eine Kinderfrau im kaiserlichen Hause angestellt gewesen. Das Kaiserpaar erkundigte sich lebhaft nach der Lage der noch lebenden Frau. Das ganze Bild war so recht dazu angethan, zu zeigen, mit welcher Treue das westfälische Volk an einem Hohenzollernhause hängt. Gott segne den Kaiser, die Kaiserin, Das wollen wir beten mit Christensinn, Er segne ihnen die Lebenszeit, Und schenke zum Schluß die Seligkeit. Die Kaiserin war sichtlich gerührt von dieser schlichten, aufrichtigen Huldigung und ging die ganze lange Reihe der Bäuerinnen, es waren deren 60 aus der Gemeinde Lübbeke und 20 aus der Gemeinde Minden, entlang, jeder einzelnen herzlich die Hand drückend und freundliche Worte wechselnd. Die Geschenke, bestehend aus einem Spinnrad mit Haspel, eine Rolle Hausmacherleinen, eine Kiepe mit Löffeln, ferner Bernsteinperlen, Puppen, westfälischen Schinken u. s. w., nahm sie dankend eigenhändig in Empfang und übergab sie lächelnd dem Gefolge. Selbst der Kaiser trug schließlich eines dieser originellen Geschenke in Händen. Der Kaiser unterhielt sich lebhaft mit den Männern, welche mit zur Vorstellung zugelassen worden waren und Lokales. (Nachdruck nur mit Quellenangabe gestattet.) * Schwerte, 9. Sept. Es giebt zwei an sich herzensgute Kategorien von Menschen, die doch dem beständigen Spötteln und Kritisieren aller Witzblätter und solcher, die es sein oder werden wollen, unterliegen. Die einen sind die Schwiegermütter, die anderen die Sonntagsjäger. Und von beiden gilt es, daß ihrer trotz aller Witzeleien immer mehr werden, ein Beweis, daß sie also gar nicht so sein können, wie sie immer hingestellt werden. Der Sonntagsjäger beginnt mit dem September nicht bloß im Jagdgefilde, sondern eben auch in den Spalten der Witzblätter in großen Scharen zu erscheinen und waidgerechte Jäger delektieren sich dann an den Kritiken über ihre Rivalen. Aber nun denke man einmal nach: Wie wenig würde die Ruhmessonne der Waidmänner von St. Hubertus Gnaden doch leuchten, wenn nicht auch das sanfte Sterngeflimmer, welches vom Korps der Sonntagsjäger ausgeht, zu schauen wäre? Ueber sie wird gespöttelt, und ihre Thaten, oder vielmehr das Ausbleiben ihrer Thaten ist es doch, was den echten Nimrod so hoch stellt. Und wer will genau sagen, wo eine gerechte Grenze ist zwischen Waidmann und Jagd=Dilettanten? Wer hat auch nicht schon einmal seine Rettung beim Wildhändler suchen müssen? Freilich giebt es ja Sonntagsjäger, welche die Durchlöcherung der Luft etwas engros treiben, aber auch sie werden schließlich ihren Wert haben, wenn die allgemeine Abrüstung einmal ganz und gar vollzogen sein wird, muß doch noch jemand da sein, der die Pulverfabrikanten in Nahrung setzt. Trotz aller derben und sanften Spötteleien, trotz allen Hineinfallens auf das bekannte Latein der geschichten, trotz allen Wildschonens und Strafgelder für angeschossene Kühe und. Schmerzensgelder für verletzte Treiberwaden werden die Sonntagsjäger nicht aussterben, sie werden am ersten Jagdtage ihre Waffe siegesbewußt von der Wand nehmen und am letzten doch mit stolzem Triumpf sagen: Auch ich bin ein Jäger! Und so mögen es denn die waidgerechten Herren nicht für ungut nehmen, wenn auch diesen, die gern Nimrode sein wollen, ein„Waidmannsheil“ erklingt. * Schwerte, 9. Sept. Ein für die kleineren Kolonialwarengeschäfte sehr wichtiges Thema behandelte auf der Hauptversammlung des Verbandes selbständiger öffentlicher Chemiker Deutschlands Dr. Forster, indem er auf Grund eingehender Versuche darlegte, daß gemahlene Gewürze beim Lagern ziemlich bedeutende Gewichtsverluste erleiden. Er hat Teilproben eines und desselben von ihm selbst gemahlenen Gewürzes in einem geheizten Raume, im Schaufenster und in einem ungeheizten Raume gelagert und nach gewissen Zeitabschnitten das Gewicht der einzelnen Teil proben bestimmt. Das Lagern der Proben erfolgte in besonders konstruierten staubsicheren Kästen mit Wattefenstern. Die Untersuchung der Proben ergab, daß einzelne Gewürze bis 13 Proz. am Gewicht abgenommen hatten. Mit dem Gewicht der Proben änderte sich aber naturgemäß auch deren Prozentgehalt an Asche. Dr. Forster forderte daher, daß in Zukunft die zulässigen Maximalgehalte gemahlener Gewürze auf die Trockensubstanz bezogen. Gleichzeitig machte er darauf aufmerksam, daß die nicht zu entfernenden Sandpartikelchen der Gewürze sich leicht am Boden des Aufbewahrungsgefäßes ansammeln und daher Gewürzproben, die aus verschiedenen Höhenlagen ein und desselben Vorratskastens entnommen werden, sich durch die Höhe ihrer Aschengehalte unterscheiden, und dies umsomehr, je öfter der Kasten aufgefüllt worden ist. * Schwerte, 9. Sept. Für den Ausbau der Eisenbahnstrecke Langendreer=Witten=Löttring= hausen bis Westhofen bezw. Schwerte, für welchen schon vor einer Reihe von Jahren der Abg. Louis Berger und nach ihm viele Orte und Städte des Industriebezirks eingetreten sind, spricht sich unter der Darlegung folgender Gründe die Handelskammer Bochum aus:„Neben der Entlastung der vorhandenen Bahnen würde die beantragte Bahnlinie für zahlreiche und wichtige Stationen eine erhebliche Abkürzung nach der oberen Ruhrthalbahn herbeiführen. Die Ueberleitung von gegenwärtig auf den Strecken Langendreer=Dortmund, Langendreer=Hörde=Schwerte, DortmundWitten und Witten=Hagen laufenden Güterzügen würde der verlängerten Bahn einen bedeutenden Güterverkehr sichern, die eine reichliche Verzinsung des in dieser Bahn angelegten Kapitals ermöglichen dürfte. Mehrere an der Bahn liegende industrielle Etablissements, Sandsteinbrüche und vor allem einige Zechen, sind an dem Ausbau der Strecke in hohem Grade interessiert. Das von uns befürwortete Bahnbauprojekt würde drittens noch den Vorteil in sich schließen, daß auf diese Weise eine von dem Uebergange über die Ruhr bei Westhofen völlig unabhängige, durch Hochwasser nie gefährdete Bahnlinie zwischen dem westlichen Industriebezirk und den Stationen der oberen Ruhrthalbahn geschaffen würde. Endlich muß auch noch darauf hingewiesen werden, daß den Anliegern der rheinischen Bahn bei dem Bau derselben und bei der Enteignung des Grund und Bodens ziemlich bestimmte Versprechungen in Bezug auf Fortführung der Bahn nach Schwerte gemacht worden sind; dieselben einzulösen, dürfte der Rechtsnachfolgerin der rheinischen Eisenbahngesellschaft, dem preußischen Eisenbahnfiskus, als Verpflichtung wohl obliegen. Westfalen=Rheinland. Remscheid, 4. Sept. Die„Remsch Zig.“ veröffentlicht heute durch Ausgabe eines Extrablattes folgenden Aerzte=Streik. Remscheid, 4. Sept. 1898. Die Ortskrankenkasse Remscheid hat von ihren Kassenärzten nachstehenden Brief erhalten: Remscheid, 4. Sept. 1898. An den Vorstand der Allgemeinen Ortskrankenkasse Remscheid. In Erwiderung Ihrer Zuschriften an einzelne Herren Kollegen teilen wir Ihnen mit, daß wir vom heutigen Tage ab unsere Funktionen als Kassenärzte niedergelegt haben. Zu allen weiteren Ver handlungen steht Ihnen die von uns gewählte Kommission zur Verfügung. Im Auftrage der bisherigen Kassenärzte der Allgemeinen Ortskrankenkasse. Die Kommission: Dr. Fischer, Dr. Lüdecke, Dr. Boehncke. Sämtliche hiesigen Aerzte stehen auf dem Standpunkt der Kassenärzie und ist somit die Allgemeine Ortskrankenkasse ohne Aerzte Gerresheim bei Düsseldorf, 5. Sept Zurückgenommene Ausweisungsbefehle. Vor einigen Tagen erhielten hie acht Familien, zusan men 33 Köpfe, russische Unterthanen, von der Polizei die Aufforderung, innerhalb vier Wochen das Preußische Staats. gebiet zu verlassen. Die armen Leute, die schon seit Jahren in hiesigen Fabriken arbeiten, gerieten dadurch in große Bedrängnis. Jetzt sind, wie der„D. G=A.“ mitzuteilen in der Lage ist, diese Ausweisungsbefehle zurückgezogen worden.(Auch in Elberfeld erhielten mehrere russische Saatsangehörige, u. a. ein 18 jähr. Dienstmädchen(!) Ausweisungsbefehle. Es ist hiernach zu etwarten, daß auch diese zurück gezogen werden) 31. Jahrgang. erzählt über die dabei verspürten Empfindungen folgende Thatsachen:„Ich fühlte plötzlich einen Schlag im Rücken, der weder hart noch schmerzvoll war. Es war mir, als ob mir einer einen leichten Stoß gegeben hätte. Ich stürzte nieder und war zu meiner Ueberraschung unfähig aufzustehen. Ich hatte eine Mauserkugel in der Fortsetzung ihres Fluges verhindert. Die ersten Leute, die sich um mich bekümmerten, waren das Personal vom Roten Kreuz, welches mich verband. Kurze Zeit darauf untersuchte mich der Arzt und machte mir die wenig tröstliche Mitteilung, daß ich nur noch wenige Minuten zu leben hätte, da meine Wunde tötlich sei. Ich glaubte ihm, fiel pflichtschuldig in Ohnmacht und fand mich mit mehreren anderen verwundeten Leuten später unter Bäumen liegend wieder. In diesem Stadium fühlte ich absolut keinen Schmerz und lag in dem langen Grase ohneirgend welche unangenehme Empfindungen. Die Erinnerung an des Arztes Behauptung, daß meine Wunde tötlich sei, machte auf mich geistlich ebenso wenig Eindruck, wie es meine Wunde physisch that. Diese geistige und physische Gleichgültigkeit kann nur der furchtbaren Erschütterung zugeschrieben werden, die das Mausergeschoß hervorgerufen hatte. Als ich später dann mehr zu mir kam, hatte ich die Empfindung, als wenn glühende Nadeln vom Ende des Rückens bis zu meinem Gehirn in die Wirbelsäule getrieben würden. Ich entdeckte später, daß diese Empfindung von Knochensplitter herrührte, die in dem Rückenmark steckten. Meine Beobachtungen im Felde und auf dem Hospitalschiff„Odivette“, auf dem sich 274 Verwundete befanden, haben in mir den Glauben erweckt, daß das Mausergeschoß eines der barmherzigsten Kriegswerkzeuge ist, wenn man übhaupt von diesen Werkzeugen als barmherzig reden kann. Eine besondere Eigentümlichkeit des Mausergewehres scheint die zu sein, daß der davon Getroffene sofort zusammenbricht. Der Korrespondent schildert dann den zischenden Laut, den ein Mausergewehr macht, auf dessen Beschreibung wir aber angesichts der Bekanntschaft unserer oldaten damit verzichten können. Vermischtes. * Die Empfindung eines Erschossenen. Aus London wird dem „Berl. Tgbl.“ geschrieben: Ein amerikanischer Korrespondent, welcher jüngst bei Santiago von einem Mausergeschoß verwundet wurde, Arbeiterbewegung. Praa, 7. Sept. Zur Streikbewegung im böhmischen Kohlenrevier schreibt man folgendes: Die Bergarbeitr im söhmischen Kohlenrevier hab n ihre Forderungen— 20 pCt. Lohnerhöhung, Achtstundenschicht 2c— bereits sormuliert und den Genossenschaften übernicht. Als Frist wurde der 3°. Septem' er festgesetzt. Das Einigungsomt wird nun mit den Werk.n in Unterhandlungen über die Folderungen der Bergarbeiter treten. Die Einführung einer achtstündigen Schicht erscheint aus dem Grunde für ausgeschlossen, weil die böhmischen Werke ihr: Konkurrenzfähigkeit gegenüber der deutschen Kohlenindustrie, die eine achtstündige Schicht nicht kennt, gännzlich einbüßen müßten. Am 29. v. M. wurden auf auf allen Schächten Nordwestböhmens die bekannten Fordrungen von den Belegschaften in ihrer Gesammtheit gutgeheiße; und durch die Delegierten d.r Brgbaugenessenschaften den Werksleitungen überreicht. Ein solidarisches Vorgehen der in= und ausländischen B rgarbeiter soll bereits gesich ri sein. Foulard-Seide 95 Pf. sapanefische, Ginesische 2e. in den neuesten Dessins und Farben, sowie schwarze, weiße und farbige Henneberg=Seide von 75 Pf. bis Mk. 18.65 per Meter— in den modernsten Geweben, Farben und An Private porto- und steuerfrei in's Haus. Muster vngebens.„(E. u. k. Hofl.) 6. Henneberg's Seidenfabriken, Zürich. /2 Die Kaiserfahrt nach dem heiligen Lande. (Nachdruck verboten.) 4. Konstantinopel III. Die Aja Sofia mit ihrer gewaltigen Kuppel ist und bleibt die Hauptsehenswürdigkeit der Stadt. Ist sie doch auch der einzige Schmuck aus jener glänzenden Epoche der Stadt, welche mit dem Jahre 1453 ihrer Einnahme und Ausscheidung aus der Zahl der christlichen Städte endigt. Als die Kreuzfahrer im Jahre 1204 Konstantinopel eroberten, standen dort 500 Kirchen; sie sind alle durch Moscheen verdrängt worden. Die Aja Sofia, ein Werk Justinians, der alte byzantinische Dom wurde in eine Moschee umgewandelt durch bloße Ausräumung. Die hohe Kuppel wölbt sich heute über dem mit Teppichen belegten leeren Dome. Das Mosaikbild Christi in der Kuppel und die Porträts Justinians und Theodoras wurden mit Farbe übertüncht. Im übrigen ist das Innere der Kirche unverändert geblieben. Lautlos gleitet der Fuß über das bunte Teppichmeer, lautlos und eingeschüchtert durch die hehre Größe des Doms erhebt sich der Blick zum übertünchten Christusbilde. Droben an der Mauer sieht man einen Fleck, von dem der Volksmund erzählt, es sei der Abdruck einer blutigen Menschenhand und beweise, wie hoch zur Zeit der türkischen Eroberung die Leichen der niedergemetzelten Christen aufeinander gelegen hätten. Die andern Moscheen, die wir demnächst noch besuchten, waren die Moscheen Achmeds und Solimans; ihnen hat die Aja Sofia als Vorbild gedient. Die Soliman=Moschee ist jedenfalls die gelungenste Nachbildung und würde von unvergleichlicher Wirkung sein, wenn sie nicht zu hell wäre und zu bunt dekoriert, wodurch der einheitliche architektonische Eindruck verloren geht. Die Achmed=Moschee befindet sich in der Admeidun, dem einstigen Hippodrom, das die byzantinischen Kaiser so herrlich geschmückt hatten. Von all der Pracht findet man jetzt nur noch einen Obelisken von egyptischem Granit, einen andern aus Mauersteinen, der früher mit Erz bekleidet gewesen sein soll, und die gewundene Säule, aus drei ehernen, umeinander geschlungenen Schlangen bestehend, deren Kopf einst der Sitz der Pythia zu Delphi gewesen sein soll. Die Köpfe sind übrigens abgeschlagen, und gleicht das ganze mehr einem dicken, grüngefärbten Schiffstau, welches in die Erde eingeschlagen ist. Der Besuch des großen Bazars in Stambul gehört nicht nur zu dem beliebtesten, sondern auch zu dem sich häufig wiede holenden Aufenthalt eines jeden Touristen, der Einkäufe machen will; denn beinahe jeder Handel gestaltet sich zu einer wortreichen Verhandlung, welche öfter abgebrochen und nach einiger Zeit wieder ausgenommen wird. Ueber das türkische Staatsleben, welches bekanntlich seit dem Berliner Kongreß den Weg der Reform beschritten hat, hat der englische Botschafter, Lord Stratford de Redeliffe, schon vor 30 Jahren in einer Weise sich geäußert, die jeden Kenner der heutigen Verhältnisse zu dem Zugeständnis nötigt, daß sich seitdem nicht viel geändert hat. Er sagte bei seinem Abschieds=Bankette: „Während der ganzen Dauer meiner Mission in Konstantinopel verfolgte ich das Ziel, den englischen Handel kräftig zu schützen und gleichzeitig die ottomanische Regierung in die Erfüllung der schwierigen Aufgabe, die sie seit Jahren verfolgt, zu leiten und zu unterstützen. Zu Zeiten habe ich vorübergehend an Erfolg geglaubt, doch heute sehe ich, daß trotz der guten Absicht des Herrschers, trotz einer kleinen Anzahl ihrem Lande ergebener Männer ein Erfolg unmöglich ist. Die Masse des Volkes ist durch und durch korrupt. Verschwendung, Diebstahl, Käuflichkeit herrschen überall. Der Niedergang ist auf allen Gebieten wahrnehmbar, und in meinen Augen ist das Uebel nicht mehr zu heben.“ Seither haben sich weder der Patriotismus der ottomanischen Beamten noch die Moralität der Bevölkerung gehoben. Nach wie vor beutet ein Teil der Nation die Gesamtheit derselben schamlos aus. Wer sich Armee, Marine, Schule, Spitäler ansieht, kann sich nicht verhehlen, daß sie mehr für die Günstlinge, als für das Reich geschaffen sind. Daß diese Armee sich tapfer schlägt, hat sie auch im letzten griechischen Kriege wieder bewiesen, im Frieden aber verwildern diese schlecht oder gar nicht bezahlten Soldaten leicht und werden dann, wenn es sich um Steuer=Executionen oder sonst um Herstellung der Ruhe handelt, zur Räuberbande, wie es die in den letzten Jahren von angeblich Steuer eintreibenden Truppen verübten Greuelthaten gezeigt haben. Im Arsenal wird das ganze Jahr hindurch laut gehämmert. Hier werden unter anderem die Einkünfte der Schiffbrücke zwischen Galata und Stambul verbraucht, aber trotzdem hat die keine kriegstüchtigen Schiffe. Und doch besteht das türkische Reich durch das Gesetz der Schwere, durch das Gesetz der Trägheit unsern europäischen Anschauungen zum Trotz. Der Moslem scheint nach dem Satze zu leben:„Es geht auch so!“ Die Großmächte hüten sich, ihm ein Haar zu krümmen, denn der Kalif,„Beherrscher aller Gläubigen,“ könnte sich bewogen fühlen, die grüne ein Christengemetzel entstehen, dem nur Erschöpfung Einhalt gebieten könnte. Konstantinopel ist das Dornröschen Europas; es schläft und schläft. Sein Haushofmeister schläft, und sein Gesinde schläft. Sein Palast ist baufällig geworden; tief überwuchern ihn schon Gärten, und die ganze Welt bedauert, daß SchönDornröschen nicht zu neuem Leben erwacht. Auch der Besuch des Deutschen Kaisers wird wohl Kundgebungen prachtvoller Art in den Palästen des Sultans und in der Bevölkerung hervorrufen, aber der Fürst, dem es gelingt, Schön=Dornröschen ins Leben zu küssen und mit ihm in seinem schönen Palaste in Herrlichkeit und Freuden zu leben, wird nicht kommen, schon wegen der mächtigen Pathinnen fern im Abendlande nicht, denen daran liegt, daß Dornröschen weiter schläft. Die Regulierung des Weges auf der Heide, welcher von der Hörder Chaussee am Walde entlang nach der Ostbergerstraße führt, wird unter Verlängerung der Frist nochmals ausgeschrieben. Angebotsformulare und Bedingungen sind auf dem Stadtbauamt einzusehen und können gegen portofreie Einsendung von 1,50 Mark dort bezogen werden. Offerten sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum Montag, den 12. d. M., vormittags 11 Uhr, ebendaselbst einzureichen. Schwerte, den 3. Sept. 1898. Das Stadtbauamt. Dreimal täglich erscheint und kostet 4 Mark 75 Pfg, vierteljährlich die Kheinisch=Westsärich: Frilung Essen(Ruhr) auptorgan des Niederrheins und Westfalens. Die Morgenausgabe enthalt auf telegraplischem Wege ausführliche Berichte über die Parlamentssitzungen und sonstige Ereignisse, die Produktenmärkte aller wichtigen Branchen vom vorhergehenden Tage, ferner ein interessantes Roman=Feuilleton, politische, provinzielle, landwirtschaftliche und industrielle Nachrichten 2c. Ber- Die Mittagsausgabe bringt bei besonders wichtigen Anlässen einen sehr umfassenden Nachtragsbericht über die parlamentarischen Verhandlungen (Reichstag und Landtag) vom vorhergehenden Tage, einen interessanten Parlamentsbrief über die letzte parlamentarische Sitzung, den telegraphischen Bericht über den New=Yorker Preduktenmarkt, die wichtigsten während der Nacht und des Morgens eingelaufenen Nachrichten u. s. w., sowie ein Die Abendausgabe enthält telegraphische Berichte über die bedeutendsten politischen, wirtschaftlichen und lokalen Ereignisse des Tages, die Berliner Börsenkurse desselben Tages, die Kurse der Warenbörsen Rheinland= Westfalens, vermischte, feuilletonistische und FamilienNachrichten aller Art, und den Anfang der Berichte über die Parlamentsverhandlungen desselben Tages. Diejenigen Gemeindeglieder, welche sich für Gründung eines evang. Männer= u. Arbeitervereins in Westhofen interessieren und demselben beizutreten beabsichtigen, werden ersucht, Sonntag, den 11. 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Nr. 6173 der offiziellen Zeitungs=Preisliste. Bekanntmachung. Wir machen wiederholt darauf aufmerksam, daß die Arbeitgeber gemäß den Vorschriften der§§ 49,50—52,52 b und 53 des Reichsgesetzes vom 15 Juni 1883 bezw. 10. April 1892 jede von ihnen beschäftigte versicherungspflichtige Person spätestens am dritten Tage nach Beginn der Beschäftigung bei der Ortskrankenkasse für den Stadtbezirk Schwerte anzumelden und spätestens am dritten Tage nach Lösung des Arbeitsverhältnisses wieder abzumelden haben. Arbeitgeber, welche ihrer Meldepflicht nicht genügen, sind gesetzlich verpflichtet, alle Aufwendungen zu erstatten, welche die Ortskrankenkasse auf Grund gesetzlicher oder statutarischer Vorschrift zur Unterstützung einer vor der Anmeldung erkrankten Person gemacht hat. Außerdem werden Zuwiderhandlungen gegen vorgedachte Vorschriften gemäß§ 81 des cit. Gesetzes mit Geldstrafe bis zu 20 Maik unnachsichtlich geahndet weiden. Schwerte, den 1. September 1898. Die Polizei-Verwaltung. 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Die Verladung des Sandes auf die Fuhren erfolgt jetzt nach Fertigstellung der Vorratsräume mit selbstthätiger Verladeeinrichtung in kürzester Zeit, selbst dann, wenn mehrere Fuhrwerke gleichzeitig eintreffen sollten. Tanz=u. AnstandsLenterricht. Dienstag, den 13. Septör., abends 8 Uhr, eröffne ich im Saale des„Stadtkellers“ einen neuen Tanz=Unterricht. Achtungsvoll Theodor Rüberg, Tanzlehrer, Schwerte. Zimmerthüren, in 120 verschied. Sorten s# u. Grössen vorrätig, empfehlen billigst u. senden 31e Zeichnung. u. Preise grat. Zippmann& Furthmann, Düsseldorf. Handelsnachrichten. Hagen, 7. Sephr. Wochen marktbericht. Die Durchschniits preise der Nahrungs= und Genußmittel stellten sich auf dem gestrigen Wochenmarkte wie folgt: Kartof seln, frische, Pfd. 3 bis 4 Pfo. reter u. weißer Kappus Kopf 30 Rüben Pfd. 8 Pfg., Felderbsen Pfd. 15 Pfg., Zuckr= und Döpperbsen Pid. 18—20 Pfg., Großebohnen zum Kochen 3 Pfd. 20 Pfg. Kopfsalat Kopf 5 Pfg., Wurzeln. rische, Bündchen 5 4, Blumenkohl Kopf 30—35 Pfg., Gurken Ssück 20 4, Rübstiel Bund 10 4, Porree Bündch. 5 4, Schnippelbonen Pf. 10—154, Waa sbohnen P'.30 4 Prinzeßbohnen Psd. 18—20 Pfg., Kirschen Pfd. 25 J. Stach lbeeren Pfd.— bie— 4, Johannisbeeren Psd.—4,Waldbeeren Liter 25—304 Trauben(weiße) Pfd. 80—90 4, Trauben(rot=) Pf. 80—90 Zwiebeln Psd. 10 Pfg., Apfeisiten Stick 15—20 Pfg., franz. Aepfel Pfr. 40 Peg., Radieschen Bund 5 Pfg. Süßrahmbutter Pfd. 1,10—115 K. Bauernbutter 1,05—1 10 M Eier Schock 3, Enteneier Stück 7 4. junge Hühner und Hahnen Stück 1,00—1,50 Jm. Legehühner Stück 2—2,50 u, Enten Stück 1,50—2,00 J, Perlhühner Stück 4 K. Tauben Stück 50—60) 4, Schrüfisch Pfd. 20 bis 30 4, Heringe Sick. 6 4, Schweinefleisch Pid. 70—80 2, Rindfleisch Ped. 60 bis 70 4, Kalbfleisch Pfd. 60—70 4, Hammelfleisch Pfd. 60—70 4, geräucherten Speck 80 4. Schinken Pfd. 0.90 1.00 M. Schmalz Pfd. 70—80 4, Schwarz= brot 9 Pfd. 1 K, Pumpernickel 4 Pid. 50 4, Graubrot 3 Pfd. 50 4, Semmel 3 Pfd. 50 4, feingemahlenes Brot 3 Pfd. 50 4, Siegenerbrot 9 Prd. 1 c, Lipperbrot 10½ Pfd. 1 M, Schlachigänse Stück 5—6 M, junge Gänse 2 bis 2,50 J, Schruten Stück 6—9 K, Citronen St. 10 4, rote Rüben 3 St. 10 4, Rettig Stück 10 Pfg., Meeirettig Stange 20—25 Pfo., Wirsing Stück 25 bis 10 Pfg., Knurthahn Pfund 25 Pfg., Scheibenhonig Pfd. 0.80 bis 1# Schleuderbonig Pfd. 0,80—1.00 M4. getrockn. Pflaumen Pfd. 40 4. Feigen Pfd.— bis— J. Wellnüsse Psd. 35 Pfg., Haselnüsse Psd. 35 Pf. amerik. Nsse Pfd. 50 4, Erdbeeren Pfd. 00—10 J., Aprikosen Stück 10 Pig. Himbeeren Pfd. 60 4, P eißelbeeren Psd. 25—30 4, franz. Tomaten 40 4, Bohnenkram Bündchen 5 Pfg., Sellerie Stück 0; Pfa., Enmachgurken 100 Stück 1—1 50 M, E siggurken 100 Stück 70—80 4, Pflaumen Pfd. 40 4, ital. Birnen Pfd. 40 Pfg., Eier=Pflaumen Pfd. 40 Pfg., Melonen Stück 75 Pfg., Kohlrabi 3 Sück 20 Pfg. Neuß, 7. Sept. Neuer Weizen kleiner M. 17.—, do. engl. I. Qual. M. 16.50, 11. Qual. M. 15 50, neuer Roggen 1 Qual. M. 12.50, II. Qual. M. 11.50 per 100 Kilo, Hafer I. Qual. M. 15 60, II Qual. 14.60, neuer Hafer M.—.— per 100 Kio, Karloffeln per 50 Kilo M. 0,00—0,00 M., Heu per 50 Kilo M. 20—3,10, Luzerneiheu per 50 Kilo M. 3,70, Maschinen= stroh per 500 Kilo M. 20.00, Flegeldrusch per 500 Kilo M. 22,—, Butter per Kilo M. 2,60, Eier pr. Schock(60 St.) M. 4,20, Raps pe 100 Kilo 1 Qual. M 23.—, 2. Quol. M. 20.— AvesI(Rübsen) 1. Qual. M. 21,50, 2 Qual. M. 19.— pr Kilo, Ruvol per 100 Kilo in Partien von 100 Zir.(ohne Faß) M. 51,50, Rüdöl per 100 Kilo satzweise(ogne Faß) M. 53,—, gereinig es Oel per 100 Kilo M. 3.— höher als Rüböl. Preßtuchen per 1000 Kilo M. 97,—. Weizenvorschuß(0 per 100 Klo M.—.— Kleien per 50 Klo M. 4,80. 1 Erinnern Sie sich beim Einkauf v. Farben, Lacken, Pinseln, — Tapeten— und aller einschlägigen Artikel der — Firma— Ernst Klein, Lüsing= straße 15.