Amtliches Kreisblatt Abonnements=Preis pro Quartal 1 Mk. 50 Pfg. Erscheint Montags, Mittwochs, Freitags und Samstags. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“ Verantwortlicher Redakteur: Johannes Braus, Schwerte. für den Kreis Hörde. Insertionsgebühr für die 6spaltige Zeile oder deren Raum 10 Pfg, außerhalb des Leserkreises 15 Pfg. Reklame 30 Pfg Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Nr. 97. Freitag, 24. Juni 1898. 31. Jahrgang. Erstes Blatt. Amtliche Bekanntmachungen. Bekanntmachung. Reichstagswahl 1898. Nach der Bestimmung im§ 26 des Wahlreglements vom 28. Mai 1870 ist das Ergebnis der Wahl zum deutschen Reichstage am vierten Tage nach der Wahl zu ermitteln und bekannt zu machen. Diese Ermittelung und Bekanntmachung erfolgt für die am 24. Juni dss. Is. stattfindende engere Wahl am Dienstag, den 28. Juni d. vormittags 10 Uhr, im Kühn'schen Saale, Wißstr. 17, in Dortmund. Der Zutritt zu dem Lokale steht jedem Wähler offen. Dortmund, den 22. Juni 1898. Der Wahlkommissar: Schmieding, Oberbürgermeister. Bekanntmadung. Der kom. Verwaltungs=Sekretär Karl Stümpel zu Barop ist mittels Erlasses des Herrn Oberpräsidenten der Provinz Westfalen vom 24. Mai d. J., I.=Nr. 4730, zum stellvertretenden Standesbeamten des Standesamtsbezirks Barop ernannt worden. Der Genannte ist von mir heute verpflichtet und in sein neues Amt eingeführt worden. Hörde, den 15. Juni 1898. Der Vorsitzende: Spring, Königl. Landrat. Bekanntmachung. Da sich in vielen Gärten des hiesigen Amtsbezirks die Blutlaus bemerkbar gemacht hat, werden hierdurch die Besitzer von Obstgärten auf die Schädlichkeit dieses Insekts aufmerksam gemacht und aufgefordert, überall dort, wo sich dieselbe zeigt, möglichst schnell und energisch Maßregeln zu ihrer Vertilgung zu treffen. Wellinghofen, den 20. Juni 1898. Der Amtmann: Hartung. Kiautschou auszuwandern. Auch der technische Direktor einer größeren Zeche im nördlichen Ruhrkohlenrevier, der wegen Verbindung derselben mit einer benachbarten Bergwerksgesellschaft aus seiner Stellung ausgeschieden ist, geht dorthin und ist an die Spitze eines größeren Bergbauunternehmens getreten, um an Ort und Stelle die Arbeiten zu leiten. Ueber ein deutsches Eisenbahnunternehmen in China wird der Voss. Ztg. aus London gemeldet: Einer Peckinger Depesche zufolge verlangte Baron Heyking(der deutsche Gesandte) vom Tsungliyamen(Auswärtiges Amt) die Gewährung der Konzession an die deutschen für den Bau einer Eisenbahn von Tsientsin nach Tschinkiang.— Tsientsin ist der Hauptplatz auf dem Wege vom Petschiligolf nach Peking. Tschinkiang liegt an der Mündung des Yatsekiang unweit Nanking. Die Bahn wäre zweifellos von großer Bedeutung für den Handel in Ostchina und nicht minder für die Wehrfähigkeit des chinesischen Reiches. Aus dem Patriarchat zu Konstantionpel will die Fikf. Ztg. erfahren haben, daß der Sultan ein 3000 Meter im Geviert umfassendes Landstück außerhalb Jerusalems bei Zion angekauft hat, um es dem Kaiser Wilhelm zu übergeben. Es soll dort ein Kloster für die deutschen Franziskaner erbaut werden. Eine Bestätigung dieser Mitteilung liegt bisher nicht vor. vor Santiago lägen. Gut proviantiert, so behauptet der Gouverneur, seien die Spanier in Stadt und Hafen noch, wenn auch das Weizenbrot ausgegangen sei, so sei doch an Maisvrot noch großer Ueberfluß vorhanden. Die Amerikaner hoffen ihrerseits, da von Daiguiri nach Santiago eine gute Straße führt, im Handumdrehen mit den Spaniern daselbst fertig zu werden. Das wird nun freilich wohl nicht ganz so schnell gehen, da auch von Spanien große Verstärkungen abgegangen sind, die allerdings vielleicht zu spät eintreffen werden.— In Madrid sind die Cortes unter heftigen Lärmszenen seitens der Republikaner, die die Regierung der Unfähigkeit beschuldigten, geschlossen worden. Tages=Ereignisse. Deutsches Reich. Unser Kaiser, welcher Mittwoch nachmittag von Brunsbüttelkoog eintraf, setzte Donnerstag morgen 3 Uhr an Bord der„Hohenzollern“ seine Fahrt durch den Kaiser WilhelmKanal nach Kiel fort. Beim Einlaufen der Yacht daselbst setzten die in Hafen liegenden Kriegsschiffe Toppflaggen und feuerten den Kaisersalut. Auch die Kaiserin kam in Kiel an. Zum Oberbürgermeister von Berlin ist Donnerstag Bürgermeister Kirschner gewählt worden. Der Unternehmungsgeist auf dem Gebiete des Bergbaues hat sich bereits mit allem Eifer auf unsere jüngste Kolonie Kiautschou geworfen. Wie berichtet wird, hat eine stattliche Anzahl Bergarbeiter im Ruhrrevier die Abkehr genommen, um nach Spanisch=amerikanischer Krieg. Die Amerikaner sind nach der Ankunft der Landungstruppen von Tampa schnell zu größeren kriegerischen Aktionen geschritten, die nicht ohne Erfolg geblieben sind und wahrscheinlich das recht baldige Ende des ganzen Krieges zur Folge haben werden. 17 Meilen von Santiago entfernt ist den Amerikanern die Landung auf Kuba gelungen und zwar bei dem Orte Daiguiri, dort wird das Gros der Truppen gelandet und nach einigen Tagen Rast auf Santiago selber losmarschiert. Um die Aufmerksamkeit der Spanier von der Landung abzulenken, bombardierten die Amerikaner gleichzeitig Cabanas, wobei ein amerikanischer Soldat verwundet wurde. Trotzdem weiß man in Madrid bereits, was vorgefallen. Der Gouvernur von Santiago hat nämlich selber schon dahin gemeldet, daß die Landung bei Daiquiri erwartet werde und daß die amerikanischen Transportschiffe dorthin abgedampft seien, während etwa 20 Kriegsschiffe noch Westfalen=Rheinland. Schwerte, 20. Juni. Die Frage, bis zu welchem Grad es gestattet ist, sogenannte Fleischwurst, wie überall in den Metzgerläden und auf den Wochenmärkten zum Verkauf gelangt, mit Mehl zu durchsetzen, um eine bessere Bindung herzustellen, ist von den einzelnen Gerichten bezw. Verwaltung in den verschiedensten Arten entschieden worden. Um dieser Unsicherheit ein Ende zu machen, sind die vereinigten Nahrungsmittel=Chemiker Deutschlands zusammengetreten und sind übereingekommen, daß der Zusatz von stärkemehlhältiger Substanz in Höhe von höchsteus 2 Prozent bei Würsten als zulässig, darüber hinaus aber als Fälschung eines Nahrungsmittels zu erachten sei. Diese Uebereinkunft greift auch für den hiesigen Stadtbezirk Platz. * Schwerte, 24. Juni. Das amtliche Resultat der Reichstags=Stichwahl wird am Dienstag den 28. Juni, vormittags 10 Uhr, im Kühn'schen Saale zu Dortmund, Wißstr. 17, bekannt gegeben. Jedem Wähler steht der Zutritt zu dem Lokale frei. □ Schwerte, 24. Juni. Die Zeit des Kernobstes ist wieder herangerückt und damit auch jene gefährliche Zeit für den friedlichen Spaziergänger auf der Straße, dem Schritt für Schritt tückische Gefahren in Form unschuldiger Obstreste drohen. Die Lieblings=Beschäftigung vieler Leute, im Gehen Obst zu verspeisen, wird genährt durch den in voller Blüte stehenden Straßenhandel mit Obst. Natürlich achtet kein Mensch darauf, daß weggeworfene Kirschen oder nur Kerne eine Unsicherheit der Bürgersteige hervorrufen. Wiederholt sahen wir in diesen Tagen Personen ohne jede Veranlassung auf der Straße ausgleiten und sich in einzelnen Fällen schmerzhafte Verletzungen zuziehen. Bei näherer Untersuchung des Unfalls stellte es sich heraus, daß ein Kirschkern die Schuld trug. Da derartige Unfälle selbst dem Kirschenesser passieren können, sollte man doch wirklich mit dem Wegwerfen der Steine etwas vorsichtiger umgehen oder dies überhaupt unterlassen. ** Schwerte 24. Juni. Am gestrigen Abend fand im Lüke'schen Saale eine von etwa 400 Personen besuchte Wählerversammlung statt. Dieselbe war von der Zentrumspartei einberufen und hatte den Zweck, die Parole des Zentrums gegenüber der heutigen Stichwahl an seine Wähler zu überliefern. Gegen 9 Uhr eröffnete Herr Kaufmann Liese im Auftrage der Zentrums=Partei die Versammlung, hieß die Erschienenen willkommen und brachte sodann ein von den Versammelten begeistert aufgenommenes Hoch auf Se. Heiligkeit Papst Leo XIII. und Se. Majestät Kaiser Wilhelm II. aus. Hierauf erteilte Redner dem Referenten, Herrn Rechtsanwalt WesthofDortmund, das Wort. Derselbe legte in seiner halbstündigen Rede zunächst die Stellung des Zentrums gegenüber der nationalliberalen Partei klar, welche nicht als besonders günstige zu bezeichnen wäre, und that sodann Erwähnung. daß es durch die bewilligten Zentrums=Forderungen seitens der Nationalliveralen gelungen sei, eine Einigung zwischen dem Zentral=Vorstand der Zentrums=Partei und dem der Nationalliberalen=Partei zu erzielen und forderte alle Centrums=Wähler, angesichts der drohenden Gefahr für unseren Wahlkreis seitens der Sozialdemokraten, auf, einmütig für die Kandidatur des nationalliberalen Herrn Alex. Hilbck zu stimmen.— Nach Beendigung dieser Feuerrede erteilte Herr Liese Herrn Kaplan Risse das Wort, welcher nach längerer Ausführung nochmals an die Wähler seiner Partei den Appell für die Wahl Herrn Hilbck's richtete und zu festem, einmütigem Vorgehen gegen die Kirche und Thron gefährdende Sozialdemokratie aufforderte.— Punkt 10 Uhr schloß Herr Liese die Versammlung mit einem Hoch auf die Zentrumspartei. Hörde, 23. Juni. Als ein„recht liebevoller“ Vater zeigte sich heute der Bergmann Heinrich Scheidler zu Klein=Holthausen, der sein erst 5 Monate altes Kindchen so arg mißhandelte, daß es blaue Striemen am Körper bekam, die Zunge des hilflosen Wesens hatte er, um das Schreien zu unterdrücken, so fest an den Gaumen gedrückt, daß dieselbe blutete. Für diese abscheulichen Mißhandlungen, die wiederholt vorgekommen sind, erAeKunderI,. Zur Wenn man Zeuge ist, wie in öffentlichen Versammlungen von Sozialdemokraten Tausende jubeln, wenn ein zungenfertiger Wortheld über Gott und Religion höhnt und witzelt, dann entschlüpft uns leicht der Ausruf:„Was müssen die Kirchen gesündigt haben, daß es bei Tausenden so weit gekommen ist!“ Die Sozialdemokratie will die Religion abschaffen, weil sie Gott abschaffen möchte, um alle Menschen zu bloßen„Studenten des Diesseits" zu machen. Kämen die Herren zur Herrschaft, so wiederholte sich unabweisbar die se, die schon einmal gespielt worden ist: ein neuer„Convent“ setzt das„höchste Wesen“. gnädigst wieder ein, nachdem sich vorher die Bestialität gar herrlich geoffenbaret hätte. Das Haus mit den zwei Eingängen. Von H. Rosenthal=Bonin. (Nachdruck verboten). (Fortsetzung.) Am nächsten Morgen püntrlich zurfestgesetzten Stunde traten Rosa und Frau Verrugnas=Wallroden in das Amtszimmer des Staatsanwalts. Der Beamte begrüßte die Damen mit der ihm eigenen feierlichen Höflichkeit. „Mein Fräulein“, wandte er sich zuerst an Rosa,„ich bin Ihnen dankbar für das Interesse, das Sie dem dunklen Fall schenken, bei dem die Justiz sehr widerwillig ihres schweren Amtes waltet. Glauben Sie mir, mein Fräulein“, fuhr der Beamte fort,„ich persönlich wünsche nichts sehnlicher, als daß Herr Helmer Wallroden so bald als möglich von allem Verdacht gereinigt dasteht. Mein Amt zwingt mich, Schuld zu suchen, es liegt mir aber auch die Pflicht auf, sorgfältig zu erwägen und zu prüfen, ob die Schuld nicht auf einer andern Seite liegen könnte, als die Umstände dies erscheinen lassen und ich fasse mit großem Dank jeden Wink auf, der mich in diesem wichtigsten Teile meiner Thätigkeit unterstützt. Es würde mich sehr freuen, wenn Sie uns nachweisen könnten, daß wir unsere Waffen nach einem unrichtigen Punkte lenken.“ So schloß der Staatsanwalt. „Diese Dame,“ nahm Rosa jetzt das Wort, „es ist die Mutter jenes Paul Roda, hat sich gestern bewegen lassen, einzugestehen, daß der Meuchelmörder nicht Cesarini heißt, sondern Liberio Verrugnas und ihr Bruder ist. Sie spricht französisch,“ fügte sie hinzu. Der Staatsanwalt drückte auf einen Knopf, ein Schreiber erschien und nahm an einem Seitentisch Platz. Jetzt wandte sich der Beamte an die Spanierin und forderte sie auf, ihm vertrauensvoll alles zu erzählen, was sie über den Bruder in Beziehung zu dieser üblen That hier wüßte.„Es handelt sich um Ehre und Existenz eines bisher hochgeachteten Mannes,“ bestärkte der Staatsanwalt seine Ermahnung. Die Witwe Johann Wallroden's bestätigte jetzt, was Rosa gesagt, erzählte, daß sie in der Kenntnis von Liberio's schlechtem Charakter diesem ihre Familienverhältnisse verheimlicht, berichtete dann seine unerklärliche, plötzliche, fluchtartige Reise von Madrid über Paris direkt nach Hamburg, über ihre Angst und Besorgnis, ihren entsetzlichen Schreck, als sie die That hier erfuhr, gestand, daß sie aus Scham über ihren Bruder ihre Beziehungen zu ihm im Dunkeln lassen wollte, da der Bruder ja auch nicht mehr am Leben sei, und sie nur den beweglichen Vorstellungen jenes Fräuleins über das Schicksal einer zweiten Person, das sich an diesen Unglücksfall knüpft, nachgegeben hat. „Stand Ihr Bruder mit irgend jemand besonders im Briefwechsel?“ erkundigte sich der Staatsanwalt. „Er schrieb nie Briefe und empfing keine, das weiß ich bestimmt, erklärte die Witwe. „Ist Ihnen bekannt geworden, ob er in irgend welchen Beziehungen zu Herrn Helmer Wallroden stand?“ forschte der Anwalt. „Mein Bruder wußte, so lange er bei mir war— das ist bis zum Tage der Abreise— sicher nicht, daß ein solcher Herr existierte, denn er suchte mich über den Senator auszuforschen, forschte über etwaige Erben und dergleichen; das that er oft, schon vor Jahren und dann wiederholt bis in die letzte Zeit. Ich sagte ihm nichts, sonst hätte er versucht, Geld von dem Senator zu erpressen, von dessen Tode er ebenso wenig Ahnung hatte wie ich.“ „Das ist seltsam,“ sprach der Staatsanwalt. „In dem Nachlasse jenes Cesarini Liberio fand sich die Adresse Helmer Wallroden's. Besitzen Sie etwas Geschriebenes von der Hand Ihres Bruders?“ wandte sich der Staatsanwalt wieder an die Spanierin. „Ja, hier ist der Brief, den er von Paris aus an mich schrieb,“ und Frau Verrugnas Wallroden überreichte dem Beamten das uns bekannte Schreiben. Der Staatsanwalt ging in ein anderes Zimmer und kam mit dem Zettel Liberios zurück. Er verglich die Schriftstücke. „Das sind die gleichen Schriftzüge,“ meinte er.„Der Zettel ist also von der Hand Liberio's geschrieben. Ihr Bruder verkehrte hier, soviel bekannt geworden, mit keinem Menschen. Wie kam er dazu, sich die Adresse Wallroden's aufzuschreiben und ihm zur Nachtzeit einen Besuch zu machen? Wer machte ihm Mitteilung nach Madrid hin von dem Stande der Dinge hier? Das bleibt unaufgeklärt,“ sprach Herr Bankjus kopfschüttelnd. „Können Sie sich erklären,“ setzte jetzt der Beamte das Verhör fort,„welche Vorteile Ihr Bruder von der That wenn sie geglückt ware, sich etwa versprechen mochte?“ „Er handelte heimlich vor mir, er wollte mich nicht wissen lassen, was er that. Das Vermögen konnte er doch nicht erheben, da er nicht erbt, und so kann ich mir nur denken, daß er, nachdem das gräßliche Verbrechen gelungen, mich als Erbin hergeschickt und mir große Summen davon abgepreßt hätte. Das lag in seiner Art, die ich genugsam tenne,“ schloß Frau Verrugnas mit Thränen in den Augen. „Wer oder was gab ihm so plötzlich Kunde nach Madrid?“ wandte der Staatsanwalt nochmals ein.„Sie haben keine Erklärung hierfür?“ fragte er die Spanierin. „Das ist mir ein Räthsel,“ antwortete diese. # hielt heute der Mann vom Schöffengericht 2 Monate Gefängnis zudiktiert. Hörde, 22. Juni. Ein guter Fang scheint der hiesigen Polizeibehörde gelungen zu sein. Ein Tischlergeseue v. W., beim Schreinermeister Wilh. Schoof hierselbst, ist dringend verdächtig, die in der letzten Zeit hier vorgekommenen Einbruchsdiebstähle begangen zu haben. Namentlich wird ihm der vor kurzem im Gasthause von Lewin ausgeführte Einbruch, bei welchem eine Kollektion Herren=Anzüge gestohlen wurde, auf den Kopf zugesagt, da in seinem Besitze neue derartige Kleidungsstücke, über deren Erwerb er sich nicht ausweisen konnte, gefunden wurden. Die Visitation ergab ferner eine Menge von Waren und Gegenständen, die v. W. anscheinend auch ergaunert hat. Ob die seit mehreren Jahren hier fast periodisch wiederkehrenden Einbruchs= und EinstiegDiebstähle auch von dem v. W. ausgeführt sind, wird die Untersuchung ergeben. Der v. W. wurde in Haft genommen. Dortmund, 21. Juni. Der Landwirtschaftsminister, Herr von HammersteinLoxten, besucht augenblicklich Westfalen. Sonntag=Abend traf er in Münster ein, besuchte weiter die katholische Arbeiter=Kolonie Maria= Velen und die Moorkulturen des Grafen von Landsberg=Velen, den Fürsten Salm in Anholt, die Rentengüter im Kreise Wiedenbrück 2c. Am Mittwoch wird er das Hebewerk bei Henrichenburg besuchen und gegen 9 Uhr abends von Dortmund weiter fahren. Er besichtigt dann auch die Arbeiten der Lippe=Regulierungsgenossenschaft bei Lippstadt und fährt über Soest und Hagen in das Sauer= und Siegerland. Vom Hellweg, 22. Juni. Eine mittelmäßige Obsternte steht nach den Mitteilungen erfahrener Obstzüchter in Aussicht. Nach dieser Schätzung wird das Obst im Allgemeinen ziemlich teuer zu stehen kommen. Die Aussichten für die einzelnen Obsternten stellen sich wie folgt: Süße Kirschen: kaum mittelmäßig, stellenweise ganz schlecht; saure Kirschen: schlecht; frühe Pflaumen: gut; späte Pflaumen: schlecht; Aepfel: mittelmäßig; Aprikosen am Spalier: gut, sonst mittelmäßig; Pfirsiche: sehr gut; Johannisbeeren: rote, sehr gut, weiße, mittelmäßig; Stachelbeeren: ganz schlecht; Himbeeren: gut; Erdberen: sehr gut.„„„ 4„ Soest, 22. Juni. Ju der Gemeinde Volbringen ist unter den Hühnern der Landwirte Junker und Ebel die Gefügelcholera ausgebrochen... 8.8 P.t her 9 Soest, 23. Juni. Dus Neyz der Kleinbahnen im hiesigen Kreise soll noch weiter ausgebaut werden. Vom Kreistage werden zu diesem Behufe für den Bau der neuen Kleinbahnstrecken als Bausumme 300000 Mk. gefordert. Als Eisenbahn=Betriebs=Direktor der Kleinbahnen, deren Anlage, wie der Betrieb bekundet, eine sehr zeitgemäße gewesen ist, wird Regierungsbaumeister Schlünder angestellt. Soest, 23. Juni. In der fruchtbaren Soester Börde sind die Ernteaussichten die denkbar besten; was die Getreidesorten anlangt, so läßt deren Stand nichts zu wünschen übrig, dasselbe gilt von den übrigen Feldfrüchten. Die sommerliche Heuernte brachte ausgezeichnete Erträge, und von den Lippewiesen gehen große Heumengen, in die staatlichen Proviantämter.## isran F Soest, 22. Juni. Die Regierung rewilligte für Renovierung der katholischen St. Patrocli=Kirche in Soest, eine der schönsten Kirchen Westfalens, als erste Rate 12000 M. Die Renovierungs=Arbeiten, welche etwa 60000 Mark erfordern werden, werden aus. geführt unter der Aufsicht eines RegierungsBaumeisßers... 9 44 8. Werl, 22. Juni. Gleich wie in früheren Jahren findet auch diesmal bei dem landwirtschaftlichen Tierschaufeste, welches Samstag, den 16. Juli, hier auf der Gänsevöhde abgehalten wird, ein Verkauf von 25 belgischen Bochnm, 23. Juni. Ein bellagensverter Unglücksfall ereignete sich hierselbst. Ein dreijähriges Kind, welches in einem Sandhaufen spielte, wurde von einem schweren Steine, der von dem Baugerüst fiel, getötet. Kettwig, 23. Juni. Am Dienstag nachmittag suchte eine unbekannte Frau mit ihrem etwa 7 Monate alten Kinde unweit des ehemaligen Stollens auf der Mintarber Seite den Tod in der Ruhr. Die Leichen konnten noch nicht gefunden werden. Mülheim a. d. Ruhr, 22. Juni. In einem Beichtstuhle in der hiesigen katholischen Pfarrkirche wurde heute nachmittag gegen 2 Uhr von dem in der Kirche mit Anstreicher= arbeiten beschäftigten Arbeiter Winter bei Zurückkehr von der Mittagspause ein in Windeln eingewickeltes neugeborenes Kind aufgefunden. Das kleine Wesen wurde, nachdem es die Nottaufe erhalten, im katholischen Waisenhause untergebracht. Broich, 22. Juni. Unter sonderbaren Umständen wurde am Sonntag hierselbst in einem Stalle ein ausgesetztes Kind aufgefunden. Ein unter dem Kinde liegender Zettel besagte, daß dasselbe 5 Wochen alt sei; weitere Angaben fehlten. Als am Montag morgen die Eheleute Sch., bei welchem das Kind ausgesetzt worden war, dasselbe auf kurze Zeit ohne Aufsicht gelassen, stellte es sich, als die Frau wieder zurückgekehrt, heraus, daß das Kind verschwunden war. Ein Zettel, der an dessen Stelle lag, wo sich das kleine Wesen befunden, besagte folgendes:„Ich konnte es nicht über's Herz bringen, ich habe mein Kind wiedergeholt.“ Die Mutter konnte nicht ermittelt werden. Godesberg, 20. Juni. Gestern abend ist der Wagenwärter Nikolaus Fank aus Koblenz mit dem Personen=Vorzug 10 Uhr 10 Min. auf dem Mehlemer Bahnhof tot auf der Wagendecke gefunden worden. Bei Remagen haben sich die Passagiere über das schlechte Licht beschwert, der Wärter war auf die Wagen gestiegen, um Licht zu machen, und ist vermutlich an der Brücke bei Rolandseck verunglückt, da der Schädel zertrümmert war. Abonnements-Einladung auf das 3. Quartal 1898. Beim bevorstehenden Quartalwechsel laden wir zu neuen Bestellungen auf die —„ O 0 Amtliches Kreisblatt des Kreises Hörde. Wochentliche Gratisveilage:„Illustrierter Familienfreund“ hiermit ergebenst ein und bemerken, daß dieselben von allen Kaiserlichen Postanstalten, der Expedition, sowic von unseren Zeitungsträgern angenommen und pünktlich besorgt werden. Abonnements=Preis pro Quartal 1 Mk. 50 Pfg. Redaktion und Expedition der Schwerter Zeitung. Soziale Bewegung. Die Bergarbeiter in Zwickau haben sich besonnen; sie beschlossen in einer stark besuchten Versammlung, die Arbeit wieder aufzunehmen.— Die Bäcker= und Konditorgehilfen Hamburgs, Altonas und Wandsbecks sind am Mittwoch in den Ausstand getreten.— In den großen Fabriken in Slabia bei Petersburg ist ebenfalls ein Streik ausgebrochen. 700 Arbeiter wurden wegen Beteiligung an der sozialdemokratischen Bewegung verhaftet. Wahlbewegung. Dortmund, 22. Juni. Die Freisinnigen haben heute vormittag in einer Versaumlung fast einstimmig beschlossen, für den nationalliberalen Kandidaten Hilbck einzutreten. „Herr Staatsanwalt,“ mischte sich darauf Rosa in die Verhandlung,„ist der Nachlaß, die Kleider, Wäschestücke und dergleichen des Liberio genau untersucht worden?“ „Auf's Sorgfältigste, mein Fräulein. Jedes Kleidungsstück ist zertrennt worden; man fand nicht das Geringste, was irgend welchen Anhalt bieten konnte,“ gab der Staatsanwalt zurück. „Herr Staatsanwalt," nahm jetzt Rosa wieder das Wort,„wäre es mir vielleicht gestattet in Ihrer Gegenwart einmal die Effekten jenes Mannes zu untersuchen? Ich habe scharfe Augen, und Glück im Finden rühmt man mir nach; vielleicht entdecke ich etwas, das den anderen entging; es wäre ja möglich und in kurzer Zeit geschehen“ stellte Rosa dem Staatsanwalt mit bewegten Worten vor. „Dieser Nachlaß gehört bis zum Schlusse der Untersuchung dem Gericht, und ich verspreche mir nicht viel von einer nochmaligen Durchsicht durch Privatpersonen, nachdem unsere erfahrensten Detektivs sich damit beschäftigt,“ wandte der Staatsanwalt ein. „Ist es nicht schon oft vorgekommen, daß ein Kind im Spiel etwas zu Tage brachte, wonach man Tage lang an derfelben Stelle auf's eifrigste gesucht hatte? Der Zufall waltet oft seltsam, Herr Staatsanwalt, er ist heute anders gelaunt als gestern, in dieser Minute ganz anders wie in der eben verflossenen vielleicht,“ hielt Rosa dagegen, und ihre schönen schwarzen Augen, die jetzt so oft einen sanften Thränenschimmer hatten, auf den Anwalt richtend, bat sie inständigst noch einmal die Effekten ihr anzuvertrauen und auf eine glückliche Laune des In Hamburg stellten 1200 Bäckergesellen die Arbeit ein, sie verteilten sich auf 450 Betriebe, während 50 die Forderungen erfüllten. Der Ausstand dürfte kaum von längerer Dauer sein, da die Innung frühzeitig mit dem Verbande„Germania" unterhandelte, infolge dessen bereits zahlreiche Bäcker aus den nächsten Städten als Ersatz eintrafen.— Der Kohlenarbeiterstreik in Süd=Wales dauert fort und es ist bereits zu blutigen Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Jetzt ist Kavallerie an Ort und Stelle angekommen.— Die Lage der Arbeiter in Barcelona(Spanien) verschlimmert sich. In der Provinz sind 17000 Arbeiter ohne Beschäftigung. Es wird befürchtet, daß die Fabriken im Juli schließen werden. Dann wird man sich wohl auf Ausschreitungen gefaßt machen können. Rinuten mein Nachsorschen bendet haben, schloß sie beweglich. „Nun, es sei,“ entschied jetzt Herr Bankjus, „obgleich es ganz ungewöhnlich ist, daß Privatpersonen hier eingreifen dürfen. Da Sie jedoch, verehrtes Fräulein, in dieser Angelegenheit uns schon einen wichtigen Dienst geleistet, will ich Ihrem Eifer kein Hindernis in den Weg legen. Ich bitte die Damen mir zu folgen,“ forderte der Staatsanwalt auf und führte Rosa und die Spanierin in das benachbarte Zimmer mit stark vergitterten Fenstern, dessen Wände durch große Schränke ganz verdeckt waren, wo Tische standen und Fachwerke sich zeigten, welche die sonderbarsten Dinge enthielten; dort lag eine Pistole und daneben ein elfenbeinbleicher Totenkopf, in dem ein Loch auffiel; das herausgeschlagene Stück Knochenmasse befand sich neben der Waffe, und dabei erblickte man eine kleine, zusammengedrückte Bleikugel; dort entdeckte man einige Holzsplitter und ein Büschel Menschenhaare in einem Glaskästchen. Da hing ein Degen und darüber eine Weste mit schwärzlichen Blutflecken, darunter lag eine Ofenfachel, mit ähnlichen Spritzen. Hier standen ein Paar neue Stiefel, an denen gar nichts Besonderes als ein kleiner Einschnitt wahrzunehmen war, dazu schien aber eineblutige Schnurzu gehören. Dort wieder war sorgfältig ein zerbröckeltes StückKalkwand zusammengelegt an dem dunkle Fleckenbemexkbarwaxen, daneben ein Hammer in einem Glastasichen und ein Stückchen, wie graues Pergament mit langen roten Frauenhaaren daran, die sorgsam + In letzter Stund'! Der Tag ist da, den du ersehen, Du treuer, deutscher Mittelstand, Zum Bunde, der dich stärkt und stählt, Dem deutschen Bruder reich die Hand! Es gilt des deutschen Bodens Schutz, Es gilt des Handwerks güld'nen Grund, Es gilt des Kaufmanns ehrlich Thun— Noch ist es Zeit— in letzter Stund'! Noch schwingt die wüste Rotte nicht Des Aufruhrs roten Feuerbrand; Noch wohnt im Schutz des Königsthrons Ein deutsches Volk im Vaterland! Noch preist den Herrn der Herrlichkeit Dankbar des frommen Christen Mund, Noch kannst du beten, deutsches Herz, Noch ist es Zeit— in letzter Stund'! Noch hält das Weib die Ehetreu' Dem deutschen Manne wahr und rein, Noch darf es seiner Kinderschaar Die gute, liebe Mutter sein! Noch sind wir Deutschen stark und frei, Noch sind wir Herrn auf ei'gnem Grund, O haltet, was euch lieb und wert, Noch ist es Zeit— in letzter Stund'! H. S. In letzter Stunde auch richten wir an jeden Wähler die dringende Bitte, unverzüglich seine Stimme für den Kandidaten der Ordnungspartei abzugeben, sollte er bei Empfang dieser Zeitung seiner Pflicht noch nicht genügt haben. Von sozialdemokratischer Seite wird jeder an die Urne gezerrt, deshalb darf keiner säumen; jede Stimme hilft zum Sieg! York beiwohnte, und wobei dessen Gemahlin die Taufe vollzog, wurde durch das schnelle Abgleiten des Schiffes eine Riesenwoge emporgetrieben, die eine Zuschauertribüne vollständig überschwemmte und etwa 300 Personen in die Themse schleuderte. Als die Woge den Holzbau hinwegriß, folgte eine furchtbare Szene. Das Hurrahrufen der Tausende, welche das abfahrende Herzogpaar begrüßten, vermischte sich plötzlich mit den Todesschreien der Ertrinkenden und dem entsetzten Aufschrei der Zuschauer des schrecklichen Vorganges. Die Tribüne war wie weggewaschen, und in den Fluten kämpften Hunderte mit dem Tode, meist Frauen und Kinder der Werftarbeiter des Viertels. Es werden heroische Thaten berichtet. Ein Glück war es, daß die des Festes wegen massenhaft in der Nähebefindlichen Boote sofort Hilfe bringen konnten. Immerhin dürften etwa 60 bis 70 Personen ertrunken sein. Eine Frau hat 5 Kinder verloren. Professor Schweninger hat vor drei Tagen in Helgoland geheiratet, und zwar die geschiedene Gattin des Professors v. Lenbach. Gekentert ist bei Numea, der Hauptstadt der Südseeinsel Neukaledonien, eine Schaluppe des russischen Schiffes„Golf von Neapel“. 14 Mann wurden von Haifischen verschlungen.— Beim Stapellauf des Kriegsschiffes„Albion“ in London wurde eine Tribüne von einer Woge zerschmettert. Etwa 60 Personen ertranken. Wetterbericht. Nachdr. vert oten. Voraussichtliches Wetter am: 25. Juni: Zeitweise heiteres, vorwiegend wolkiges bis trübes, nur mäßig warmes Wetter mit Regen. 26. Juni: Etwas kühleres, abwechselnd heiteres und wolkiges, windiges Wetter mit Regenschauer. 27. Juni: Zuerst kühl, heiter und trocken. Nachher Erwärmung, Trübung und etwas Regen. Seiden-Damaste Nk. 1.35 jowie schwärge, weis. u. farbige Henneberg=Seide von 75 Pfg. bis Mk. 18.65 p. Met.— in den modernsten Geweben, Farben und Dessins. An Private porto- u. steuerfrei ins Haus.— Muster umgehend. G. Henneberg's Seidenfabriken, Pärich. 8 Kleine Chronik. Ein großes Unglück trug sich in London auf der Themse zu. Beim Stapellauf des Panzerkreuzers„Albion“, dem der Herzog über Papier gewickelt worden, und so hunderte der verschiedenartigen Dinge, welche oft gar keine Wahrzeichen aufwiesen davon, daß sie mit schweren Verbrechen in Verbindung gestanden oder gar die Werkzeuge zu denselben gewesen; an all' diesen Sachen waren Papptäfelchen mit Nummern darauf befestigt. „Das ist hier ein Museum etwas unheimlicher Art für Damen“, nahm jetzt der Staatsanwalt das Wort,„jedes dieser unscheinbaren Sachen und Sächelchen kann eine furchtbare Geschichte erzählen von Laster und Leidenschaft, von ererschütternden Dramen menschlicher Bosheit; viele aber von unaufgeklärten Rätseln, über denen noch die Hand des Schicksals schwebt, und noch manch' anderes von dem seltsamen Walten der Vorsehung, die sich eines Holzsplitters bediente, um über alle menschliche Weisheit und allen Scharfsinn der Erfahrungen zu triumphieren. Dort ist der Nachlaß Liberio's," schloß Herr Bankjus, auf einen Tisch deutend, auf dem ein Korb stand, der Liberio's wenige Habseligkeiten enthielt.„Der Nachlaß in Geld, fünfhundert Franken und zweihundert Thaler, befindet sich im Kassendepot“,erklärte der Staatsanwalt der Spanierin. Es war eigentlich nicht viel zu untersuchen. Liberio's drei modische Anzüge zeigten sich in lauter einzelne Teile zerlegt, ebenso sein Chinesen= und Japanesen=Kostüm. Rosa beschäftigte sich nicht mit diesen Sachen. Sie schaute sorgfältig in die Kästchen, die Liberios Kunsthfilsmittel bargen, sie nahm jedes Stück heraus nud prüfte es mit gespannten Augen. Da lag Liberios Notitzbuch, es enthielt nur Die beste und bevorzugteste Schuhwichse ist diejenige, die raschen, dunklen, haltbaren Glanz erzeugt. Diese vorzüglichen Eigenschaften besitzt in hohem Maße Gentner's Wichse in roten Dosen mit dem Kaminseger, denn diese Wichse erzeugt thatsächlich mit wenigen Bürstenstrichen den prachtvollsten Glanz Man verdünnt die Wichse stark mit Wasser und trägt sie leicht auf's Leter auf. Wirtshausrechnungen; dort sein Portemonnaie, man hatte einige kleine spanische Münzen und eine Pferdebahnmarke aus Paris darin gelassen. Rosa nahm Liberio's Zigarettentäschchen zur Hand, sie schaute hinein. „Hier ist etwas Gedrucktes,“ sprach sie zum Staatsanwalt,„es klebt an der inneren Seite des Leders.“ Mit ihren spitzen, feinen Fingern griff sie hinein, zog das Papier hervor und reichte es dem Staatsanwalt. „Das ist von Bedeutung,“ ließ dieser jetzt verlauten,„von sehr großer, wichtiger Bedeutung sogar. Fräulein, Sie haben wirklich Glück. Dies Blättchen ist ein Zeitungsausschnitt eines Madrider Journals vom Dezember des verflossenen Jahres, in welchem der Aufruf nach dem Erben publiciert steht. Das giebt uns den wichtigen Fingerzeig, was jenen Liberio hierher rief.“ Was Rosa fand, das war wirklich jener Aufruf, den Liberioin Madrid im Kaffeehause entdeckte— wie der Leser sich erinnern wird— ausschnitt, in seine Zigarrentasche legte und später gänzlich vergaß. „Kommt Herr Wallroden jetzt frei?“ fiel Rosa mit Worten, die Spannung und Erregung ganz atemlos klangen, ein. „Liebes Fräulein, diese Frage so kurzweg mit ja oder nein zu beantworten, dürfte schwierig sein“, erwiederte der Staatsanwalt mit leisem Lächeln über Rosa's Feuereifer. (Fortsetzung folgt.) * Schwerter Gottesdienste Schwerte. Größere evangelische Gemeinde. Sonntag, den 26. Juni 1898. Vorm. 8 Uhr: Frühgottesdienst. Pastor Graeve. Vorm. ½10 Uhr: Hauptgottesdienst Pastor Heinenberg. Nachm. 2 Uhr: Kindergottesdienst. Pastor Graeve. Amtswoche: Pastor Heinenberg. Reformierte Kirche. Sonntag, den 26 Juni 1898, Vorm. ½10 Uhr: Gottesdienst. Pastor Terberger. Stadtmission in Schwerte. Westenort 12. Sonntag, den 26. Juni 1898. nachmittags 5 Uhr: Bibelstunde. Lutherische(nicht unierte Kirche) Sonntag, den 26. Juni 1898, im Hause des Herrn Heinr. Haver nachm. 5 Uhr: Predigt. Gottesdienst u. heil. Abendmahl. Kirchenrat Dr. Schmidt aus Elberfeld. Westhofen. Sonntag, den 26. Juni 1898. Vorm. 9½ Uhr: Predigtgottesdienst. Pastor Falkenberg. Beurlaubung von Mannschaften der Kavallerie, der reitenden Feldartillerie und der Kaiserlichen Marine nach 2jähriger Dienstzeit. Anträgekönnen am Mittwoch, den 29. d. Mts., vormitttags, im Militärbureau angebracht werden. Diejenigen Antrage, welche unmittelbar an die Militärbehörden eingereicht werden, finden keine Berücksichtigung und werden den Antragstellern zurückgesandt. Schwerte, den 23. Juni 1898. Der Bürgermeister: Mönnich. Zwangsversteigerung Am Samstag, 25. Juni cr., vormittags 9 Uhr, werde ich in meinem Pfandlokale beim Wirt Böhmer: 2 Ladentheken, 1 Ladenregal, 1 Sopha, 1 Schrank, 1 Tisch mit Decke, 6 Rohrstühle, 1 Nühmaschine, 1 Tafelklavier, 1 kompl. Bett, 2 Tische, 1 Regulator, 1 Kommode, 1 Konsole, 1 Schirmständer u. s. w. öffentlich meistbietend gegen Bar versteigern. Schwerte, d. 24. Juni 1898. Morgenroth, Gerichtsvollzieher. Zwangsversteigerung Schwerter Burger-Schutzenverein. * Sonntug, den 26. Juni 1898, nachmittags ½4 Uhr: treten die Schützen und zwar I. Kompagnie im Gasthof Ostermann, II.„ in der Restauration III.„„„ F. Westhoff im Dienstanzug und mit Gewehr an. Bataillons=Kapelle steht um ½4 Uhr zur Verfügung der I. Kompagnie. Die erste Kompagnie holt die Fahnen ab. Präcise 4 Uhr steht das Bataillon auf dem Marktplatz zum Abmarsch nach dem Exerzierplatz bereit. Die Herren Offiziere in Unisorm und Mütze. Moeller, Major und Bataillons=Kommandeur Bürger=Schuhen=Eerein Schwerte. 2. Kompagnie. Am Samstag, den 25. cr., abends 8½ Uhr, gesucht. Schwerte. August Hieppe. Bonner Fahnenfabrik is Bonn a. Rhein. Hoflief. Sr. Maj. des Kalsers und Königs. Königl., Grossherzogl., Herzogl. u. Fürstl. Hoflief.(14 Hoflief.-Titel) Zum Schützenfest 9. und 10. Juli. Wasserechte Fahnen u. Flaggen, vorzügl. Qual., z. B. Wappensahnen, Adlerfahnen. billige Nationalfahren 2c. Wappenschilder, Inschriften, Transparente, Lampions, Fackeln. Pünktliche Lieferung ausdrücklich garantiert.— Reichhaltige Preisverzeichnisse versenden wir gratis und franko. beim Schützenbruder Tiemesmann(Hörderstraße). Böhmer, Hauptmann. Bürger=Schuhen Erkrm Schwerte. Laut Beschluß des Vorstandes dürfen an den beiden letzten Uebungstagen, 26. Juni und 3. Juli nur Schützen teilnehmen, die ihre Beiträge wie vorgeschrieben, bezahlt haben. Es ist ferner unbedingt nötig, daß diejenigen Schützen, die den Festzug mitmachen wollen, auch an den letzten beiden Uebungstagen teilnehmen. Diejenigen Vereinsmitglieder, welche 3 Tage vor dem Feste die Beiträge noch richt bezahlt haben, werden als Mitglieder gestrichen.— An den Festtagen werden die Mitgliedskarten an der Kasse nicht mehr ausgegeben. Der Vorstand. Schutzmarke. Herr Hauptmann war heut beim Appell Besonders unzufrieden, Nur Jakob ob der Stiefel Glanz War großes Lob beschieden; Ein jeder fragt, woher das kommt, Und Jakob sagt bescheiden: Nehmt Gentner’s Wichse, und Ihr braucht Mich nicht mehr zu beneiden. Zu haben in den meisten Geschäften. Fabrikant: Carl Gentner in Göppingen. Schwerter Schnell=Schuh=Sohlerei. S Krieger=Verein Schwerte. Am Sonntag, den 26. Juni er., abends 8 Uhr: General. Versammlung Tagesordnung: 1. Zahlung der Beiträge. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Besprechung über die Fahrt nach Holzwickede. 4. Beschlußfassung über Zahlung eines Festbeitrages der Mitglieder bei ev. stattfindender Festlichkeit. Der Vorstand Neu! Geographische Neu! von Ki sowie Postkarten mit Volksliedern und Ansichtskarten empfiehlt die C.Braus'sche Buchhandlung. Ein junges, anständiges Mädchen v. 15—16 Jahren für kinderloses Ehepaar zum 1. Juli d. J. nach gesucht. Zu erfragen Moltkestraße 9. Eine Wöhnung von 3 bis 4 Zimmern pr. 1. 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Juni: Beginn unseres SOMmerwarUh Kusverkdals Der Ausverkauf umfaßt sämtliche Sommerartikel als: Kragen, Unhänge, Jacketts, Staubmäntel, Sportkleider,(Rock und Jacke), Waschkleider, Mädchen-Confektion, Knaben-Confektion, Garnierte Damenhüte, Hut-Formen, Blumen, Schleier. Als enorm billig empfehlen wir unter Preis gekaufte Posten Kleider= und Schürzen=Siamosen. Schürzen-Siamosen, 120 Cmtr. br., Meter 25 Pfg. Schürzen-Siamosen, 120 Cmtr. br., Meter 40 Schürzen-Siamosen, 140 Cmtr. br., Meter 39 Schürzen-Siamosen, 140 Cmtr. br., Meter 58 Kleider-Siamosen, 90—100 Cntr. br., Meter 23 Kleider-Siamosen, 90—100 Cntr. br., Meter 39 Ein Posten Woll-Mousseline per Meter 39 Pfg. Es liegt im Interesse des Publikums, dieses enorm billige Angebot zu berücksichtigen. 9 * Hlermann Westenhellweg 67. a Heinrmann Westenhellweg 67. Wuntt Kokunder Wiisch! Amtlicher Areisbratt Abonnements=Preis pro Quartal 1 Mk. 50 Pfg. Erscheint Montags, Mittwochs, Freitags und Samstags. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“ Verantwortlicher Redakteur: Johannes Braus, Schwerte. S für den Kreis Hörde. Insertionsgebühr für die 6spaltige Zeile oder deren Raum 10 außerhalb des Leserkreises 15 Pfg. Reklame 30 Pfg. Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Wesselernentherntang. § Schwerte, 21. Juni. Die Jagd ist an Sonn= und Festtagen frei! Unseren Sonntagsjägern teilen wir diese Entscheidung mit, welche am Montag der Strafsenat des Kammergerichts in der Revisionsinstanz gefällt hat. Auf Grund einer Verordnung des Oberpräsidenten von Westfalen, welche die Ausübung der Jagd an Sonn= und Festtagen untersagt, war nämlich ein Rentner M. aus Karthaus angeklagt, aber sowohl vom Schöffengericht, wie von der Strafkammer freigesprochen worden. Letztere nahm zwar als erwiesen an, daß M. gegen die Verordnung gehandelt habe, daß er aber doch freigesprochen werden müsse, weil die Verordnung, welche die Ausübung der Jagd an Festtagen unbedingt untersagt, nicht rechtsgiltig sei. Die Staatsanwaltschaft legte hiergegen Revision ein, deren Zurückweisung aber von der Oberstaatsanwaltschaft selbst beantragt wurde. Weder die Kabinetsordre vom 7. Februar 1837, welche die äußere Heilighaltung der Sonn= und Festtage betreffe, noch§ 366 I d. R.=St.=G.=B., welcher sich auf Störungen der Sonntagsruhe bezöge, und ebensowenig das Gesetz über die Allgemeine Landesverwaltung von 1883 könnten eine geeignete Grundlage für eine allgemeine so weit über den Rahmen der Kabinetsordre von 1837 hinausgehende Verordnung bieten, denn thatsächlich gebe es eine große Zahl von Jagdausübungen, welche die Sonntagsruhe nicht störten Schwerte, 22. Juni. Gestern abend mußte eine Frau mit 2 kleinen Kindern seitens der Polizei untergebracht werden, die mit ihrem Mann am Vormittag zu Fuß von Bochum nach hier gekommen war, wo der letztere Arbeit suchen wollte. Mittags ist der Mann zu diesem Zwecke von der Frau gegangen und war bis abends 9 Uhr nicht zu derselben zurückgekehrt. Die Frau hat sich den Nachmittag über auf der Hagener Chaussee aufgehalten, die Arbeiter an dem Amtsgerichtsbau steuerten ihre Pfennige zusammen, um der Familie das Geld für ein Unterkommen zu verschaffen. Auf der Herberge zur Heimat wurde indes die Aufnahme verweigert, sodaß die Frau mit ihren Kindern auf der Polizeiwachtstube untergebracht werden mußte.. 90 § Schwerte=Freischutz, 25. Juni. Man schreibt uns: Ein hier noch nicht gesehenes Schauspiel wird uns am 26. Juni, nachmittags 6 Uhr, im Freischütz geboten werden. Es ist nämlich gelungen, den weit bekannten Artisten und Luftschiffer H. Th. Thomik mit seinem Riesen=Heißluftballon „Kolumbus“(System Mongolfier) von den Anlagen Freischütz zu einem Aufstieg zu bewegen. Der Aufstieg dürfte sehr interessant sein, da der unerschrockene Aerenaut keine Gondel benutzt, sondern nur ein Trapez und an diesem während des Aufsteigens die schwierigsten Evolutionen ausführt. Da wir versichern können, daß dem waghalsigen Luftkünstler die besten Besprechungen aus den bedeutendsten Orten zur Seite stehen, so brauchen wir wohl kaum noch etwas hinzuzufügen, um für kommenden Sonntag eine Wanderung nach dem Freischütz zu veranlassen. Siehe Inserat in heutiger Nummer. Ergste, 23. Juni. Das schöne Fest ihrer silbernen Hochzeit feiern am 26. d. M. die Eheleute F. Brünger hierselbst. Möge es dem Jubelpaare vergönnt sein, im trauten Bunde auch das goldene Fest zu begehen. Letmathe, 21. Juni. Gute Einfuhr vom Dortmunder Viehmarkte lieferten gestern abend unsere hiesigen Metzger für das Sonntag stattfindende Sauerländische Gebirgsfest. 14 Kühe(darunter 2 nach Oestrich), 23 Kälber und 7 Schweine, das ist Mastvieh, welches in dieser Woche hier zur Schlachtbank geführt wird. X Oelde, 22. Juni. Heute nachmittag zwischen 3 und 4 Uhr, so schreibt man uns von dort, entlud sich über unserer Stadt und Kirchspiel ein furchtbares Gewitter, das unter heftigen Blitzen und Donnern niederging. Innerhalb weniger Minuten wurden die ganzen Hoffnungen unserer Landwirte vernichtet. Nicht ein Halm und kein Strauch in Feldern und Gärten blieb stehen, alles wurde von den Haselnußgroßen Schlossen niedergeschmettert. Das Unwetter war so stark, daß eine 40 min hohe weiße Decke die ganzen Fluren verhüllt und zu Sommeranfang das Bild einer vollständigen Winterlandschaft hervorruft, nur belebt von den zum großen Teil ihres Blätterschmuckes beraubten Bäumen. Eine Hoffnung, daß die Feldfrüchte sich noch wieder erholen könnten, scheint vollständig ausgeschlossen. Münster, 23. Juni. Bei Drensteinfurt, Walsteede, Ascheberg, Lüdinghausen gingen bei dem gestrigen Gewitter große Hagelmassen nieder, die der Ernte sehr schädlich geworden sind. Es wird beispielsweise aus letzterem Ort gemeldet, daß der Hagelschaden 90 pCt. Effen, 23. Juni. Bösen Nechtsmißgriffen verdankt es hier der Fabrikarbeiter Albert Schulz, ein Arbeiter auf den Kruppschen Werken, daß er jüngst ein paar aufregende Tage erleben mußte. Die Staatsanwaltschaft in Elberfeld gab der Polizeibehörde in Mülheim a. d. Ruhr den Auftrag, zu der Strafkammerverhandlung vom 9. Juni den zu einem früheren Termin nicht erschienenen Mechaniker Albert Schulz aus Hermersdorf, der sich in Mülheim aufhalten sollte, polizeilich vorzuführen. Der hiermit beauftragte Polizeibeamte stellte am Morgen des 8. Juni fest, daß ein Albert Schulz von da nach Essen verzogen sei. Flugs fuhr er nach Essen, holte den Mann trotz seines Widerspruchs aus Krupps Werken von der Arbeit weg und führte ihn spornstreichs zur Bahn, obwohl ihm der Fabrikarbeiter erklärte, er könne ihm zu Hause durch den Taufschein sofort beweisen, daß er nicht der Gesuchte sei, auch sei er niemals Mechaniker gewesen. Der Beamte ließ sich aber auf nichts ein, sondern schleppte seinen Schulz unbesehen nach Elberfeld. Ein Vorführungsbefehl ist nun kein Verhaftungsbefehl, der im Gefängnis endet. Was that aber der Mülheimer Polizist? Da doch die Strafkammersitzung erst am anderen Tage war, lieferte er sein Opfer im Königlichen Arresthause ab und fuhr seelenvergnügt hein. Nachdem der unrichtige Albert Schulz beinahe 18 Stunden bei Wasser und Brot sein Geschick beklagt hatte, wu de er aus der Zelle der Strafkammer vorgeführt, und dort klärte sich der böse Irrtum sofort auf, weil die Zeugen diesen Mann als den unrichtigen Schulz bezeichneten. Der Vorsitzende verfügte, daß dem Manne die Mittel zur Heimreise aus der Gerichtskasse gezahlt würden, denn Albert Schulz war ja ohne einen Pfennig in der Tasche und in Arbeitskleidern aus seiner Werkstelle hergeschleppt worden. Aber der Kassenbeamte weigerte die Ausführung dieser Verfügung; er hätte höchstens einen Rüffel von der Oberrechnungskammer erhalten, wenn er der gutgemeinten Verfügung entsprochen hätte, hat doch die Gebührenordnung solche Fälle nicht vorgesehen! Also Schulz saß mittellos auf der Straße! Bis um 4 Uhr am Nachmittage hatte er noch nichts genossen, da erbarmten sich Beamte des Landgerichts seiner und setzten es nach einigen Scherereien durch, daß ihm die Armenverwaltung der Stadt Elberfeld ein Darlehn gab, das zur Heimreise und zu ein paar Mahlzeiten ausreichte. Wer hat nun dem Manne die Unkosten, die Arbeitsversäumnis usw. zu vergüten? Vorläufig hat er den Antrag beim Elberfelder Landgericht gestellt, und die Mülheimer Polizeibehörde wird schließlich für den Schaden aus ihrem Mißgriff aufzukommen haben; aber dazu bedarf es noch eines endlos langen Instanzenwegs, bei dessen Abschreitung wohl ein gutes Fläschlein Tinte vergossen werden Bc5.* Barmen, 23. Juni. Der hiesigen allgemeinen Ortskrankenkasse droht ein schwerer Konflikt dadurch, daß es bisher nicht gelungen ist, die Verhandlungen betr. Abschluß eines neuen Vertrags zwischen Aerzten und Kasse, zum Abschluß zu bringen. Infolgedessen sahen sich fast sämtliche dortigen Kassenärzte (von 25—32 an der Zahl) genötigt, der Krankenkasse mitzuteilen, daß sie, falls keine Vereinbarungen vorher zustande kommen, vom 1. Juli ab keine Funktionen als Kassenärzte mehr ausüben, vor allem also keine Krankenscheine mehr ausstellen können. Etwa den Aerzten zugehende Kranke werden nur wie Privatpatienten nach den Sätzen der Gebührenordnung vom 15. Mai 1896 behandelt werden können. Eingesandt. nissen widerstehen können. Auf diesen Flößen Sees pre Iherrscht nun während der Fahrt, die anEine sozialdemokratische Gründung(gesichts der großen Entfernung oft wochenist bekanntlich die Glashütte in Albi(Frankreich). und monatelang dauert, ein wunderbares Wie wenig diese Institution dem Ideal ent= Leben. Die Landleute errichten darauf vollspricht, ja, wie furchtbar die Zustände dort kommene Farmen, die alles zu einem sind, darüber ist mancherlei schon in die Bauernhof gehörige aufweisen außer natürlich Oeffentlichkeit gedrungen. Jetzt macht ein den Saatfeldern. Da stehen Wohnhäuser für Bericht des Herrn Maurice Talmeyr, welch' Menschen, Ställe für Pferde und Rindvieh, letzterer eigens nach Albi gereist ist, um sich Schweinekoben, Vorratshäuser für Futter persönlich von der dortigen Sachlage zu über= und Nahrungsvorräte für Menschen und zeugen, die Runde durch die nichtsozialistische Vieh. Da die Reise oft 1000 bis 1500 KiloTagespresse Frankreichs. Dieser Bericht ent= meter lang ist, so müssen die Bewohner des hält geradezu haarsträubende Zustände. Es Flusses diese Zeit selbstverständlich möglichst heißt u. a.:„Ich habe in meinem Leben kein ausnutzen. Meist nehmen sie einen Vorrat herzzerreißenderes, kein verzweiflungsvolleres von Weidenruten mit und flechten viele Bild des Elends gesehen. Die unglücklichen Gegenstände zum praktischen Gebrauch und Glasarbeiter hatten geträumt, sie würden zum Luxus daraus. Wenn sie an ihrem Eigentümer ihrer Fabrik sein, auf einer Stätte Bestimmungsorte angelangt sind, so verkaufen arbeiten, die ihnen zugehörte, mit Werkzeugen, sie alles: das Vieh, das Getreide, die übrigen die sie ihr eigen nennen würden, und sie er= Früchte, die auf der Reise gefertigten Korbwachten aus ihrem Traume im Reiche eines waren; dann kommen die Häuser heran und Arbeitgebers, der noch viel hartherziger als alle endlich wird das ganze Floß auseinanderanderen ist. Nicht ein Nagel, nicht ein Ziegel= gerissen und als Bau= oder Brennholz verstein gehört ihnen, sie dürfen sich keine Be= kauft. Ist dies alles an den Mann gebracht, merkung, keine Meinungsäußerung erlauben, so kehren die Landleute in ihre Heimat wohl aber können sie stündlich davongejagt zurück. Die Einnahme muß für einige Zeit werden, ohne auch nur nach dem„Warum?“ reichen, da so langwierige Reisen natürlich fragen zu dürfen. Dabei gewährte man ihnen nicht jedes Jahr gemacht werden können. nur halbe Arbeitstage, man zog ihnen 20]= Zu Fuß um die Welt. Am 13. Prozent vom Arbeitslohn ab, um davon die d. M. traf Alexander Brunnet aus Paris, der Schulden des Etablissen ents zu tilgen, und sich infolge einer Wette auf einer Fußreise um dr so verstümmelte Rest des Tagelohns oder die Erde befindet und bereits drei Jahre des Halbtagelohns wurde den Arbeitern oben unterwegs ist, von Waldenburg kommend, in drein mit sechswöchiger Verspätung ausgezahlt. Striegau ein. Er ü ernachtete in einem GastEin Arbeiter, der mit Anspannung aller Kräftel hofe und trat am 14 früh 9 Uhr die Weitertäglich gegen 25 Sous verdient, muß noch reise nach Breslau an. Der Genannte will sechs Wochen warten, ehe er ihrer habhaft innerhalb sünf Jahren sämtliche Länder der wird.— Die Folge davon waren Not, hoch= Erde zu Fuß besuchen, nur die nötigsten gradigste Not, Hunger und Bettel. Mütter, Meeresfahrten sind ihm gestattet. Da er nicht Frauen und Töchter der Arbeiter fanden sich aus eigenen Mitteln die Reisekosten bestreitet, allmorgendlich mit ihren Näpfen bei den sondern auf die Mildthätigkeit der Menschen Suppenausteilungen in der Kaserne, im Liceum angewiesen ist, so wurde unter den Gästen eine und im Nonnenkloster ein. Man sah sie Sammlung für ihn veranstaltet, von welcher oaherkommen, das Körbchen am Arm, ihren er nur den für einen Tag erforderlichen Betrag Suppenbehälter hinreichen, ihn füllen lassen, an sich nahm, den Ueberschuß aber der Armenund zitternd, voller Scham und Furcht, daß büchse übergab. Die fernere Reise soll durch jemand sie erkennen möchte, von dannen Polen, Rußland, Sibirien, Ost=Asien, Australien huschen. Bei der einfachen Frage:„Gehören und Afrika erfolgen und bis zum Jahre 1900 Sie zu den Glashüttenarbeitern?" brachen beendet sein. Die Wette beträgt 50000 Frank. einige in Thränen aus. Manche versuchten!.* Einen gewaltigen Schreck bees mit dem Hausiertrödel, und durchzogen auf skam letzthin ein Militärposten, der vor der diese Art als verschämte Bettlerinnen die Jägerkaserne in Lübben Dienst that, als Straßen und Häuser.(plötzlich aus hohen Lüften die Worte an sein Vorstehenden Bericht stellen wir vor der Ohr schlugen:„Ist das hier Lübben?“— Stichwahl besonders den Wählern des Herrn Der Soldat, der nun in einer Höhe von Lensing zur Unterlegung anheim. An ihnen etwa 100 Meter über sich ein mächtiges ist es, sowohl in diesem unserm Wahlkreise, Luftschiff dahingleiten sah, beantwortete die als in allen andern, wo es in der Stichwahl Frage mit einem„Jawohl!“—„Ist das einen Sozialdemokraten aus dem Felde zu die Kaserne?“ hörte der Posten nun weiter schlagen gilt, im allereigensten Inter=]fragen. Nachdem er auch diese Frage beesse den Ordnungsparteien beizustehen. Lehr! jahend beantwortet hatte, erwiderte einer der ihnen doch die katholischen Presse Frankreichs, Insassen des Ballons:„Dann grüßen Sie wie es in einer Probe des sozialdemokratischen meinen Bruder, den Lieutnant K., welcher Staates zugeht! Im Interesse ihrer Familie jetzt übt!“ worauf der Koloß, ein Ballon und Religion müssen und sollen sie auf ihre der Berliner Militärschifferabteilung, lautlos, Gesinnungsgenossen wirken, die Kandidaten wie er gekommen, weiterzog und, wie der der Ordnungsparteien zu wählen. Es könnte„Hann. Kour.“ zur feierlichen Eröffnung der sie sonst der Fluch der eigenen That treffen der Sauregurkensaison vermeldet, im Morgenund die Zeit kommen, wo sie bangend stehen grauen verschwand. und rufen wie Göthes Zauberlehrling:I Haus= und Landwirtschaftliches. Herr, die Not ist groß,] Jetzt, wo die Erdbeeren reifen, ist es Zeit, die ich rief, die Geister daran zu erinnern, daß es nötig ist zur besseren Werd' ich nun nicht los!., Ausbildung der Früchte die Erdbeeren zu Zurückgesetzte Sommer9c 16 Meter Waschstoff Stone ich nun nicht los!(Ausbildung der F (Wegen Raummangel mußte dieser Artitet in entranken. Die meisten machen sich zu viel der Zentrumspartei ihre Stimmen nicht dem Sozial- Ranken von oben mit einem kleinen, gut gedemokraten, sondern Herrn Alexander Hilbck geben.) schliffenen Spaten abzustechen— das lästige Bücken und Schneiden wird ganz vermieden! Vermischtes. Auf alle Fälle müssen die Ranken jetzt fort. * Schwimmende Landwirtschaft Ranken zur Weiterzucht wachsen dann immer in China. Wie vieles im Reiche der noch genug nach der Erdbeerernte. gelben Rasse nicht seinesgleichen hat, so dürfte auch die Art, wie die Landleute auf dem Riesenstrome des Yangetse=kiang ihre Produkte von ihrem Ursprungsorte zu den verschiedenen Häfen schaffen, zu den merkwürdigsten Dingen der Welt gehören. Am ehesten ist ihr Verfahren noch dem der Holzhändler im nördlichen Rußland und in Sibirien zu vergleichen, wenn dieselben ihre großen Vorräte nach den Hauptholzmärkten Rußlands, nach Nischnij=Nowgorod, Kasan und Astrachan, bringen. Die Chinesen haben auch keine Transportschiffe, sondern bauen Flöße von geradezu ungeheurem Umfange, die bis zu einem Hektar Oberfläche haben, dieselben müssen ganz besonders zusammengefügt sein, damit sie den oft schwierigen Stromverhältwegen vergerickter Saisen. Muster auf Verlangen franko ins Haus. Modebilder gratts 2 zum Kleid f. M. 1.56 Pf. 6 Meter soliden Sommerstoff zum Kleid f. M. 1.80 Pf. 6 Meter Sommer-Nouveauté zum Kleid f. 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Haublicher* Frer Praktisches Wochenblatt für alle deutschen Hausfrauen. Mit den Gratisbeilagen: Mode und Handarbeit. Setzte für eigene Rechnung eine neue * in Letrieb, deren Faß 1200 Liter aufnehmen kann Halte mich zum Entleeren der Abortgruben zu jeder Zeit bestens empfohlen. Schwerte, Ostenstraße. Vrpecker! Alle vierzehn Tage bringt der „Häusliche Ratgeber“ eine vollständige und reichhaltige Moden=Zeitung in welcher die neuesten Pariser und Wiener Moden veröffentlicht weiden. Der Jeden Monat eine Schnittmuster=Beilage. Dieselbe enthält Or'ginalschnitte zur Selbstanfertigung von Taillen, Kleidern, Kindergarderobe, Wäsche und außerdem reizende und praktische Handarbeiten, zahlreiche Monogramme Für unsere Kleinen. Illustrierte Kinderzeitung für Kinder von 7—13 Jahren. Jede Woche erscheint eine Nummer. Preis pro Nummer 10 Pfg., vierteljährlich Mk. 1.25. Nr. 2925 der Post=Zeitungsliste. Verlag von Robert Schneeweiss in Breslau, Heinrichstraße 18 und Humboldtstraße 2/4, Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten, in Schwerte durch die C. Braus'sche Buchhandlung. Probenummern gratis und franko. Inhalt des Häuslichen Ratgebers: Belehrende Aussätze aus den Gebieten der Hauswirtschaft, Erziehung der Kinder und G.sundheitspflege.— Gedichte.— Sprüche.— Zahlreiche erprobte Rezepte und Ratschläge für Haus u. Hof, Küche u. Keller in den Rubriken: Fürs Haus. — Gemeinnütziges.— Gesundheitsrflege.— Häusliche Kunst. —. Für die Küche.— Backwerke.— Getränke.— Hausund Zimmergarten.— Tiere. — Fragen und Antworten.— Rätselecke.— Briefkasten. g Gewähltes und interessantes Feuilleion. Der Jede Nimmer enthält einen großen, spannenden Roman und interessante Novellen, gute Erzählungen und witzsprühende Humoresken. 1 Dr. Ottos Universal=Haus=Lexikon. Ein praktisches Hand- u. Nachschlagebuch für alle Fälle des Lebens, Ratgeber in Haushalts=, Wohnungs, Küchen=, Gartenund Rechtsangelegenheiten, bei Festlichkeiten und in Krankheitsfällen, Anstands= und Schönheitsregeln— Toilettengegenstände und kosmetische Mittel, Pflege der Haustiere Das Werk ist ein goldener Hausschatz, der geradezu unentbehrlich ist für alle Familien und solche, die sich einen Hausstand gründen wollen, wie auch für jeden einzelnen, der in irgend welchen häuslichen Angelegenheiten praktischen Rat erteilt haben will. Es vereinigt in sich: Kochbuch, Rezeptduch, Hausmittelschatz, Anstandslehre, juristischen und ärztlichen Ratgever, Gärtnereihandbuch u. s. w. und ist unter Mitwirkung bedeutender Fachkräfte von bewährter Feder geschrieben Das Universal=Haus Lexikon erscheint in 30—33 Heften, monatlich 1 Heft, und kostet pro Heft 20 Pfg. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und durch die Expedition dieser Zeitung. Probehefte sendet gegen 23 Pfg. in Briefmarken der Verlag des Universal=haus-Lerikon(G. Hemsler), Berlin C. 22, Große Präsidentenstr. 1—2. * * * * * * * * * * * * * * Münster i. W. Zwei Ausgaben täglich in größlem Format. Auflage 19500 Exemplare. Bezugspreis: vierteljährlich 1 Mk. 25 Inserate 15 Pfe., von außerhalb des Reg.=# Bez. Münster 20 Pfg. für die Das VOlk, im Geiste des Christentums und Deutschtums geleitete Tageszeitung, kämpft offen und rücksichtslos, unabhängig nach oben und unten, in gemeinverständlicher Sprache und volkstümlichem Ton gegen die sozialen Schäden der Gegenwart, tritt ein für alle arbeitenden Stände gegen den Mammonismus, gegen den falschen Liberalismus, gegen das Judentum, gegen die Sozlaldemokratle. Emporgediehen als Organ des kleinen Mannes, der schwer bedrängten Bauern und Handwerker, Beamten und Arbeiter, ist es auch ein Lieblingsblatt weiter Kreise der gebildeten Welt geworden, soweit sie noch christlich ist, deutsch fühlt und sozial denkt. „Das Volk“, das täglich im Umfange von 8 bis 12 Seiten erscheint, kostet vierteljährlich 2.10 NIK. Probenummern versendet kostenfrei die Geschäftsstelle Berlin SW., Wilhelmstrasse 30/31. Den besten Ersatz für Cognac bieten Al Höchste Haszeichnung auf allen beschickten Ausstellungen Versand in Kistchen von 6 Flaschen an, Dampf-Kornbranntwein-Brenner ei und Presshefefabrik von Albert& Gustav Lohmann, Witten. Kugder- Sieberg, Schwerte 1. d. Kuhr en gros Baumateeialien en détall liefert Rohren aus Cementbeton und auch aus Thon in allen Dimensionen zu Kanälen und Durchlässen billigst in prima Ware von den renommiertesten Werken. Am Sonntag, den 26. Juni: Großartige Luftballonfahrt des kühnsten Luftschiffers der Gegenwart, H. Th. Thomik, mit seinem Riesen=Heißluftballon(System Montgolfier). Der Luftschiffer wird während der Auffahrt am fliegenden Trapez die schwierigsten Evolutionen ausführen, bis er in den Wolken den Blicken der Zuschauer entschwunden ist. Der jugendliche Aeronaut hat mit seinen kühnen Auffahrten in den bedeutendsten Städten des In= und Auslandes die größte Sensation hervorgerufen. Der Ballon hat einen Umfang von 30 Meter, eine Höhe von 20 Meter. Seine Füllung, die 20—25 Minuten in Anspruch nimmt, geschieht nicht mit Gas, sondern mit heißer Luft, und es ist jedem gestattet, diesem interessanten Vorgang beizuwohnen. Vor und nach der Auffahrt: Großes Konzert. Kassenöffnung 3 Uhr. Füllung des Ballons 5 Uhr. Auffahrt punkt 6 Uhr. Entree à Person 50 Pfa. Kinder die Hälfte. Zu diesem großartigen, seltenen Schauspiel ladet das verehrliche Publikum von Schwerte und Umgegend ergebenst ein H. Th. Thomik, Lufischiffer. Joseph Kürschners Universal= Konversations: Lerikan. Auf 213600 Zeilen den Letmon. Inhalt Lerika in einem Bande. 2700 Illustr. Geb. Preis nur 3 Mal. Weltsprachen=Terikon. 200960 Zeilen. Vollständig. deutschengl. franz.=ital. und latein. Lexikon nebst Fremdwörterbuch. Eleg. geb. Preis nur 3 zul. Kürschners Jahrbuch 1898. Ein Kalendarium und nur erdenklichen Informationen über alle Vergangenheit und Gegenwart; Handbuch, das jeder haben muß, teil wahrt. In farbigem Umschlag 1 Mk., geb. 1.50 Jl. „Hat seines Gleichen in Deutschland nicht.“(Nordd. Allg. Zig.) für Jedermann, ca. 500 S. 80. Alle bebiete des Wissens und Lebens, aus der seinen VorVorrätig in jeder Zuchhandlung. RRRRRRTRRRRRRARRARAN 5 Kaufm. Lehr-Institut, p Hagen in Westl. a Per 1. Juli beginnen neue Kurse für Damen 50 und Herren. Ausbildung in sämtlichen Kontor# 28 Wissenschaften. Auf Wunsch Einzelunterricht. 28 2* Stellenvermittelung. 28 &am; B. Cahm, Bergstraße 67. 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Die Mittagsausgabe bringt bei besonders wichtigen Anlässen einen sehr umfassenden Nachtragsbericht über die parlamentarischen Verhandlungen (Reichstag und Landtag) vom vorhergehenden Tage, einen interessinten Purlamentsbrief über die letzte parlamentarische Sitzung, den telegraphischen Bericht über den New Yo ker Produktenmarkt, die wichtigsten während der Nacht und des Morgens eingelaufenen Nachrichten u. s. w., sowie ein reichhaltiges Feuilleion. Die Abendausgabe en hält telegraphische Berichte über di bedeutendsten politischen, wirtschaftlichen und lokalen Ereignisse des Tag s, die Berliner Börsenkurse desselben Tages. die Kurse der Warenbörsen Rheinland= Westfalens, vermischte, seuilletonestische und Familien= Nachrichten alle Art, und den Anfang der Beichte über die Parlamentsverhandlungen dessel en Tages. 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