Abonnements=Preis pro Quartal 1 Mk. 50 Pfg. Verantwortlicher Redakteur: Insertionsgebühr für die 6spaltige Zeile oder deren Raum 10 Pfa., Erscheint Montags, Mittwochs, Freitags und Samstags. Johannes Braus, Schwerte. außerhalb des Leserkreises 15 Pfg. Reklame 30 Pfg. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund." Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Nr. 80. Schwerte, Montag, 23. Mai 1898. Amtliche Bekanntmachungen. Bekanntmachung. Wir machen darauf aufmerksam, daß wir auch in diesem Jahre bereit sind, bei den der Invaliditäts= und Alters=Versicherungs=Anstalt Westfalen angehörenden Versicherten in den geeigneten Fällen das Heilverfahren einzuleiten. Die Uebernahme des letzteren kann aber nur dann erfolgen, wenn als Folge der Krankheit und der Unterlassung des Heilverfahrens Erwerbsunfähigkeit zu besorgen ist. Wir sind nicht berechtigt, das Heilverfahren einzuleiten, nur um dem Erkrankten eine Erleichterung, eine Linderung oder Verlängerung des Lebens zu verschaffen, ohne daß die Wiederlangung der Erwerbsfähigkeit für absehbare Zeit mit einiger Bestimmtheit zu erhoffen ist. derartigen Fällen würden wir jedesmal nur ablehnende Bescheide erteilen können. Liegt aber obige Voraussetzung vor, dann wird dieseits in Bezug auf die Art der Krankheit kein Unterschied gemacht, es wird sich die Fürsorge vielmehr auf alle Erkrankte gleichmäßig erstrecken. Anträge auf Einleitung des Heilverfahrens sind zweckmäßig bei der Polizeibehörde des Wohnsitzes geltend zu machen, wobei die letzte Quittungskarte und ein ärztliches Attest, dessen Kosten der Antragsteller selbst zu übernehmen hat, zu überreichen sind. Münster i. W., den 6. Mai 1898. Der Vorstand der Invaliditäts= und AltersVersicherungs=Anstalt Westfalen. Overbeg. Tages=Ereignisse. Deutsches Reich. Unser Kaiser, der Freitag nachmittag allein arbeitete und später im Grunewald spazieren ritt, hörte Samstag morgen die Vorträge des Generalstabschefs Grafen Schlieffen und des Chefs des Militärkabinetts v. Hahnke. Um 10 Uhr fand vor dem Kaiserpaare die Prüfung des Kronprinzen und seines Bruders statt. Später nahm der Monarch die Vorträge des Vertreters des Staatssekretärs des Reichsmarineamts Kontreadmirals Büchsel und des Chefs des Marinekabinets von Senden entgegen. Am Sonntag vormittag wohnten beide Majestäten in der Friedenskirche zu Potsdam der Einsegnung ihrer ältesten Söhne bei, worauf im Stadtschloß eine Frühstückstafel folgte.— Das griechische Kronprinzenpaar hat, obwohl es in Deutschland weilt, der Konfirmation nicht angewohnt. Vielmehr begab sich dasselbe nach der Abreise der Kaiserin Friedrich von Homburg zum Besuche des Prinzen und der Prinzessin Adolph von Schaumburg=Lippe nach Bonn. Die Konfirmation des deutschen Kronprinzen Friedrich Wilhelm und seines Bruders, des Prinzen Eitel Fritz, ist am Sonntagvormittag in der Friedenskirche zu Potsdam im Beisein des Elternpaares, der Kaiserin Friedrich und zahlreicher hoher Fürstlichkeiten von dem Generalsuperindendenten Dr. Dryander in feierlicher Weise vollzogen worden. Die jugendlichen Prinzen, welche sich während des Plöner Aufenthaltes zu frischen kräftigen Jünglingen entwickelt haben, waren von dem Ernst der Feier sichtlich ebenso tief ergriffen, wie die kaiserlichen Eltern und die hohen Anverwandten, die an der Feier in der Friedenskirche teilnahmen. Nach der ergreifenden Rede des Geistlichen, der den beiden Prinzen während der letzten Zeit in Plön den Religionsunterricht erteilt, nachdem vorher der vor etwa Jahresfrist verstorbene Hofprediger Frommel die Vorbereitung zur Konfirmation geleitet hatte, verlasen der Kronprinz sowie Prinz Eitel Fritz ihr selbstverfaßtes Glaubensbekenntnis. Besonders ernst war das Bekenntnis unseres Kronprinzen, der schon Bezug nahm auf den verantwortungsvollen und hohen Beruf, für den er bestimmt sei, und der das Gelübde ablegte, allzeit festzuhalten an dem Glauben der Väter und aus ihm Licht und Kraft, Ausdauer und Mut zu schöpfen für die Erfüllung der Aufgaben und Pflichten, die das Leben von ihm fordern werde. Alsdann knieten die beiden Prinzen an den Stufen des Altars nieder, um den Konfirmationssegen zu empfangen, des Altars, unter dessen Stufen sich das Grabmal des„Kronprinzen Friedrich Wilhelm" wölbt, der als„Unser Fritz“ dem deutschen Volk ewig unvergessen bleißt, Die Reise unseres Kaisers nach dem Oberelsaß erfährt in Paris die phantastischsten Deutungen. Man will hinter ihr durchaus militärische Zwecke entdecken und bringt sie mit einer angeblichen Absicht der Heeresleitung in Zusammenhang, die südliche Schwarzwaldbahn die Schweizer Grenze entlang bis Ferrette und Niedersept zu verlängern, in Massevaux und Altkirch eine Besatzung von je einem Infanteriebataillon zu legen, Schloß Kurzel zum künftigen Hauptquartier eines Einfallheeres zu machen und von der französischen Regierung die Zustimmung zur Verlängerung einer Straße aus dem Dollerthal über die elsässischen Belchen bis zur französischen Straße von St. Maurice nach Giromagny zu erlangen. Treffend bemerkt hierzu die„Voss. Ztg.“: In den Franzosen zittert noch immer die Angst von Sedan nach und deshalb sehen sie Gespenster am hellen Tage. Zur Frage der Besteuerung der großen Warenhäuser und des Schutzes der kleinen und mitleren Gewerbebetreibenden erklärte der Finanzminister v. Miquel angeblich in der zur Regelung dieser Angelegenheit in der vorigen Woche einberufenen Konferenz, daß der Handelsminister seine Ansicht vollkommen teile, die er in einem Vorschlage zu einem neuen Regulativ zur Gewerbesteuer zusammenfasse, die 1. die Kopfzahl der Angestellten, 2. den Raum zu Geschäftszwecken und 3. das Anlagekapital besteuern solle. Gegen diese Vorschläge machten sich allerdings aus der Versammlung heraus selbst solche Stimmen bemerkbar, welche sonst zu den überzeugtesten Anhängern der Besteuerung der Warenhäuser gehören. Von allen ferner gemachten Vorschlägen schienen diejenigen, welche eine stärkere Heranziehurg der Großbetriebe im Allgemeinen zur Gewerbesteuer wünschen, die meiste Unterstützung zu finden. Einige Mitglieder der Konferenz erwärmten sich für Vorschläge, die die großen Warenhäuser mit außerordentlich hohen Summen treffen würden. Frankreich. Der neue Zolaprozeß dürfte eine überraschende Wendung nehmen. Bisher hat kein einziger der von Zola zitierten Zeugen eine Vorladung erhalten. Zola und seine Verteidiger sind daher entschlossen, die Gesetzlichkeit der Klage zu bestreiten und sofort den Gerichtssaal zu verlassen. England. Gladstones Leiche ist nach ihrer Einbalsamierung eingesargt und der Sarg in seinem Bibliothekzimmer, das er„Friedenstempel“ zu nennen pflegte, aufgestellt worden, wo er bis zur Ueberführung nach London bleibt. Wegen der zu treffenden großartigen Vorbereitungen kann die Beisetzungsfeier in der Westminsterabtei nicht schon in dieser Woche, sondern erst etwa 14 Tage später erfolgen. Außer dem Kaiser Wilhelm und dem Präsidenten Faure übersandten auch die Kaiserin Friedrich, der Zar, der König von Belgien, das dänische Königspaar und verschiedene andere Monarchen der Familie Gladstones Beileidsdrahtungen. Spanisch=amerikanischer Krieg. Ein Rückblick auf die Kriegs=Ereignisse der abgelaufenen Woche ist für die Amerikaner offenbar ein ungünstiger. Sie haben in der ganzen Zeit nicht nur nichts erreicht, sondern kleine Mißerfolge und Widerwärtigkeiten die Hülle und die Fülle zu ertragen gehabt. [Kann man im Gegensatze dazu nun auch gerade nicht behaupten, daß die Spanier irgend welche entscheidungsvolle Wendung der Lage herbeizuführen vermocht hätten, so darf man doch sagen, daß sie von Mißerfolgen so gut wie ganz verschont geblieben sind und die Feinde erfolgreich von ihren Besitzungen fern zu halten vermochten. Ein erhebliches Unglück ist den Spaniern allerdings zugestoßen, das aber für den Verlauf des Krieges einflußlos ist. Im Kastell San Julian bei Cartagena flog das Pulvermagazin in die Luft. Durch die Explosion wurden 69 Personen verwundet, 10 getötet. Cartagena ist das alte Carthago in der jetzigen spanischen Provinz Marcia. Von Keywest aus wird gemeldet, in wenigen Stunden seien wichtige Ereignisse zu erwarten. Die Zensur verhindert aber die Ausgabe von allen darauf bezüglichen Depeschen. Die Amerikaner haben erneute Landungsversuche auf Cuba unternommen. Dieselben mißlangen aber ohne Ausnahme.— Es wird bestätigt, daß das spanische Geschwader Santiago wieder verließ; wohin es gegangen, wird jedoch nicht gesagt. Von den an der nordamerikanischen Küste vermuteten spanischen Geschwaders ist nichts weiter bekannt geworden. Die kubanischen Aufständischen wenden sich nach 31. spanischen Meldungen mehr und mehr in ihren Sympathien von Amerika ab und vereinigen sich sogar mit den Spaniern gegen die Amerikaner. Bezeichnend ist es in diesem Sinne jedenfalls, daß von größeren Kämpfen mit den Aufständischen keine Rede mehr ist, ebenso daß die Amerikaner bei ihren Landungsversuchen keine ernstliche Unterstützung gefunden haben.— In dem Madrider Cortes erklärten Sagasta und Gamaza, man werde keinen Frieden schließen, der den Spaniern eine Gebietsabtretung auferlege, sondern bis zum äußersten kämpfen. Die Mittel zum Kriege müsse und werde man finden. Das neue Kabinett sei keine Parteiregierung, sondern lediglich national spanisch. Auf Anfragen, woher die Mittel für die weitere Kriegsführung genommen werden sollten, konnte noch keine bestimmte Antwort erteilt werden. Ueber die Berichterstattung betreffs des spanisch=amerikanischen Krieges wird die Unzufriedenheit immer allgemeiner. Es werden nicht nur absichtlich gefälschte Mitteilungen sowohl von Washington wie von Madrid aus verbreitet, sondern es wird auch die Erlangung direkter Nachrichten durch die Störung der Kabelverbindungen immer schwieriger. Den vorliegenden Privatnachrichten zufolge soll einmal in Spanien und sogar auch in dem neuen Kabinett eine starke Neigung vorherrschen, schnell zum Frieden zu kommen, andererseits sollen die Vorbereitungen auf dem Kriegsschauplatze so weit gediehen sein, daß nun wirklich und wahrhaftig stündlich ein feindlicher Zusammenstoß zu erwarten sei. Amerikanischerseits sollen prompte Maßregeln getroffen worden sein, um die beiden Geschwader, sowohl das unter Jampson wie das unter Schley stehende, mit Kohlen zu versehen und in den Stand zu setzen, gegen die spanische Flotte zu kreuzen. An der Südküste Cubas wird die Entscheidungsschlacht erwartet. Eine gewisse Wahrscheinlichkeit hat diese Meldung insofern für sich, als das spanische Geschwader thatsächlich im Süden Cubas weilt und das amerikanische die Verfolgung desselben aufgenommen hat. Freilich wird den Amerikanern ein Angriff auf die feindliche Flotte wenig nützen, wenn es dieser gelingt, und das Gelingen ist kaum zweifelhaft, sich in den Schutz der Batterien eines cubanischen Hafens, etwa Cienfuegos, zu begeben. Ganz zerschlagen würden sich aber die amerikanischen Siegeshoffnungen, wenn sich die Meldung bestätigte, daß die Insurgentenführer auf Cuba zur Unterwerfung unter Spanien bereit wären, worauf gewisse Anzeichen mit großer Bestimmtheit hindeuten. Westfalen=Rheinland. Schwerte, 21. Mai. Auf Grund einer Kaiserlichen Verordnung sind die Bestimmungen über die Innungen am 1. April d. J. in Kraft getreten. Nunmehr besteht für die vorhandenen Innungen die Verpflichtung, bis zum 31. März 1899 die BeEntsagung. Das ist Entsagung nicht, wenn grimmerfüllt Du deine heißen Wünsche fahren läßt, Weil in der tollen Jagd nach Sinnenglück Du hast verzehrt der Kräfte letzten Rest. Entsagen muß, wer noch genießen kann, Wem ungebrochen noch das Flügelpaar, Daß er sich über falsches Glück der Welt Kann schwingen wie zum Licht der Nar. Das Haus mit den zwei Eingängen. Von H. Rosenthal=Bonin. (Nachdruck verboten). (Fortsetzung.) Einige Stallmeister, die Aufwärter und das Publikum liefen dem fliehenden Liberio nach, und eine wilde Jagd begann auf der Straße, an welcher sich auch Polizisten, die am Eingang des Zirkus postiert waren, beteiligten. Diese beiden aufregenden Ereignisse hatten kaum den Zeitverfluß einer Minute gedauert. Das Publikum war wie gebannt, saß regungslos da, gefesselt von dem Unerwarteten starrte es in die Arena, wo eben die erschreckenden Vorgänge so blitzschnell sich abgespielt. Dann trat der Direktor vor. „Meine Herrschaften!" begann er zu sprechen, „ich bin aufs tiefste erschüttert. Der Künstler ist nicht tot, die Aerzte sind schon bei ihm. Es ist uns jedoch unmöglich, die Vorstellung ganz zu Ende zu führen, ich bitte, daß das verehrliche Publikum uns die noch fehlenden drei Nummern heute erlassen möchte.“ Allgemeine Zustimmung und tröstende Zurufe. Dann begann sich der Zirkus zu leeren. Niemand hatte wahrgenommen, daß in dem Moment, wo der junge Kunstreiter stürzte, aus einer Loge ein herzzerreißender Schrei ertönte; nur Herr Bernhard und Herr Hase waren zusammengefahren, weil er neben ihnen von Ernestine ausgestoßen wurde, und ehe die beiden Herren nur zum Bewußtsein dessen, was geschah, gekommen waren, hatte Ernestine die Logenthür aufgerissen, war hinabgeeilt in die Arena und stand bei den Stallmeistern neben dem Verunglückten; sie ging mit ihnen hinaus in das Versammlungszimmer und hatte gar nicht bemerkt, was zu gleicher Zeit in der Arena vorging, bleich, mit weit aufgerissenen, thränenlosen Augen stand sie jetzt neben Paul, den? man auf einer Matratze gebettet hatte, indem die drei Aerzte, die im Zirkus anwesend und zur Hülfe herbeigeeilt waren, sich mit dem Verunglückten zu beschäftigen begannen. Nun kam auch Miß Cluny, ein Tuch um die Schulter, die langen roten Haare herabfallend; sie blutete im Gesicht und atmete heftig, ihre Augen waren seltsam geöffnet und grünleuchtend wie die eines Tigers. Sie erblickte Ernestine bei dem leblosen Paul und ihr Gesicht war bleich und fahl. „Wer sind Sie, mein Fräulein?“ sprach sie. „Was haben Sie hier zu thun?“ Ernestine sah in ihrem gräßlichen Kummer und Schmerz die Schottin gar nicht und hörte auch nicht, was diese sprach. Jetzt waren auch der Vater Ernestinens und Herr Hase in der Garderobe erschienen; beide sahen gleichfalls sehr bleich und erschreckt aus, jedoch aus verschiedenen Gründen. Bernhard ergriff seine Tochter bei der Hand und suchte sie von hier zu entfernen. Ernestine wich nicht. „Was thust Du, Kind?" flüsterte Herr Bernhardt,„Komm! Bist Du denn von Sinnen, was hast Du mit dem Manne? Du hast Dich schon schrecklich kompromittiert. Komm!“ sprach er hastig in sie hinein. Ernestine hörte nichts. Herr Bernhardt zog sie bei der Hand und auch Herr Hase ging jetzt auf sie zu und suchte sie zu entfernen. „Laßt mich!“ rief Ernestine„Hier ist mein Platz. Ich gehe nicht. Wir wollen Paul in unsere Wohnung bringen lassen!“ „Paul!“ staunte immer entsetzter Herr Bernhardt. „Mann soll einen Wagen holen, wir haben Platz genug und ich kann mich an seiner Pflege beteiligen!“ fuhr Ernestine, halb wie geistesabwesend fort. „Nein, das wird nicht geschehen!“ fiel jetzt Miß Cluny ein.„Ich werde den Mann verpflegen, mir, als seiner Kollegin, steht das näher. Ich habe ein still gelegenes Haus außerhalb der Stadt, das ist ein besserer Platz.“ Nun sah Ernestine erst das Mädchen in seinem wilden Aufzuge.„Wer sind Sie?“ sprach auch sie.„Welche Rechte haben Sie auf Paul Roda?“ „Welche Sie, das möchte ich fragen?“ entgegnete die Schottin. So unterdrückt diese Unterhaltung geführt wurde, sie störte den Arzt, der das Ohr auf des Verunglückten Brust gelegt hatte, bei der Untersuchung. „Still!“ winkte er, und nun betrachteten sich die beiden Gegnerinnen schweigsam. „Sie ist schön, sehr schön, geistig aristokratisch fein,“ sagte sich die Schottin. „Sie ist interessant und originell,“ urteilte Ernestine. Diese aber hatte weniger Sinn, die Gegnerin zu prüfen, angstvoll lauschte sie auf das Resultat der Untersuchung, sie hielt jetzt beide Hände vor das Gesicht, Thränen quollen zwischen den Fingern durch. Das geleitete auch die Gedanken der Schottin mehr auf den Verunglückten und bang blickte sie dem Arzt in das ernste Gesicht. „Der Mann ist schwer verletzt; es scheint eine Gehirnerschütterung stattgefunden zu haben, außerdem sind ein Arm und zwei Rippen gebrochen, ob die Lunge beschädigt, läßt sich noch nicht feststellen; sie ist jedoch, das darf ich nicht verhehlen, nur eine schwache,“ gab er das Resultat seiner Untersuchung kund. Ernestine weinte laut und die Schottin schluckte heftig und schluchzte krampfhaft. Da trat ein Mann in Beamtenkleidung hervor. stimmungen ihrer Statuten und Nebenstatuten den Vorschriften des neuen Gesetzes ent sprechend umzugestalten. Von der nach Ablauf dieser Frist der höheren Verwaltungsbehörde zustehenden Befugnis, die Aenderungen selbständig vorzunehmen, soll nur ausnahmsweise dann Gebrauch gemacht werden, wenn ein öffentliches Interesse an dem Fortbestand der Innung besteht oder das Nichtzustandekommen der Abänderungen nicht auf ein Verschulden der Innung zurückzuführen ist. Die bestehenden Innungen werden daher die erforderlichen Schritte zur Abänderung ihrer Statuten rechtzeitig zu thun haben. Dabei wird zu beachten sein, daß den auf Erlaß der Anordnung zur Errichtung einer Zwangsinnung hinzielenden Anträgen derjenigen Innungen, welche sich im Besitz der am 1. Oktober d. I. erlöschenden Vorrechte aus den bisherigen§§ 100 e und 100 r der Gewerbeordnung befinden, stattgegeben werden kann, ohne daß die Voraussetzungen des§ 100 Abs. 1 Ziffer 1 und 2 des neuen Innungsgesetzes zutreffen(Abstimmung von sämtlichen an der Frage interessierten Handwerksmeistern und Zustimmung der Mehrheit derselben), falls nur diese Anträge bis Ende September d. J. bei der höheren Verwaltungsbehörde gestellt werden. Schwerte, 21. Mai. Nachdem der Eisenbahnminister s. Z. die ihm unterstellten Eisenbahn=Direktionen aufgefordert hatte, Einrichtungen zu treffen bezw. zu versuchen, die es den Reisenden ermöglichen, die Wagenthüren von innen heraus selbst zu öffnen, hat nunmehr die Eisenbahn=Direktion Essen die ihr unterstellten Wagen=Werkstätten angewiesen, die Wagenzüge der Zugbildungsstationen Bochum=Süd und=Nord, Gelsenkirchen und Wanne mit inneren Thürdrückern auszurüsten. Es soll jedoch dabei Fürsorge getroffen werden, daß die Thüren von den Reisenden erst nach erfolgtem Stillstande der Züge geöffnet werden können. Falls diese neue Einrichtung sich bewährt, wird sie wohl bald allgemein eingeführt werden. Schwerte, 15. Mai. Ueber die Schädlichkeit des Eichelhähers(Markolf) teilt ein Landwirt folgendes mit: In den Bäumen meines Hofes hatten sich einige Buchfinkenpärchen häuslich eingerichtet. Anfangs Mai sah ich mit Entrüstung, daß das weiche Federpolster aus einem dieser Nester am Boden lag. Der Baum stand nur 10 Schritte vom Hause, und so schrieb ich das Zerstörungswerk der Katze zu. Doch bald wurde ich eines Besseren belehrt. Ich sah nämlich zufällig, vaß ein Eichelhäher auf das Nest zuflog, und sich auch daran machte, dasselbe grundlich auszuplündern, bevor ich's hindern konnte. Wenn nun dieser Nichtsnutz in unmittelbarer Nähe einer menschlichen Wohnung schon so frech zu Werke geht, wie manche junge Brut wird dann erst in Hecken und Wäldern durch den Räuber vernichtet werden. Es liegt also im allgemeinen Interesse, wenn dem Raubgesindel im Federrock scharf auf die Finger gesehen und ihm der Krieg erklärt wird. Schwerte 19. Mai. Eine Geschichte, die thatsächlich der Wahrheit entsprechen soll, läßt sich der„Iserl. Kreisanz.“ von hier mitteilen. In den Schnellzug nach Hagen steigt hier— die Sache ist vor acht Tagen passiert — ein alter, wetterfester Mann, der im Koupee schleunigst sein Pfeifchen in Brand steckt: Knaster Wohlgemut, schmeckt und— riecht auch gut. Namentlich einem Herrn steigt der Tabak des einfachen Arbeiters stark in die Nase. Flugs reicht er dem guten Manne eine Zigarre:„Da, lieber Mann, rauchen Sie die mal, die ist besser als der Tabak.“„Ik dank ok schön, die will ik morgen am Sunntag schmoiken", ist die Antwort und die Zigarre verschwindet im Arbeiterkittel. Allgemeines Grinsen, dann Gelächter, in das der mildthätige Herr mit einstimmt.„ 6. bolage gab's gestern abend auf der Chaussee eimwege beDortmund, mit Ausflüglern schwer beladen, in schärfstem Trabe eine einspännige Kutsche überholen. Das schwere vierspännige Gefahr: erfaßte diese am Hinterrad und schob sie in den Graben, während das Pferd in kühnem Sprung in die jenseitige Hecke sprang. Die drei Insassen kamen glücklicherweise mit den Schrecken davon, während die Kutsche argen Schaden erltt. Der Kutscher des Dortmunder Gefährts flog hoch im Bogen von seinem luftigen Sitz auf dem Dache des Wagens auf die andere Seite der Chaussee in den Garten. Das dicke Ende dürfte für diesen e, 23. Mai. Am Samstag mittag wurde die sterbliche Hülle des Herrn Lehrers em. Friedrich Schmidt unter großer Beteiligung von nah und fern zu Grabe getragen. Von allen Seiten waren Trauernde herbeigeeilt, um dem geliebten Toten die letzte Ehre zu erweisen. Im Hause des Verstorbenen, an dem von Blumen und Kränzen umgebenen Sarge, widmete —— Stümen und Kranzen Ange,... zunächst Herr Pastor Schmidt aus Bochum dem lieben und fürsorglichen Vater warme, aus tiefbewegtem Herzen kommende Worte, wobei er die schöne Bibelstelle Offenb. Johannis 21, 1—7 zu Grunde legte und besonders im Hinblicke auf die Worte:„Wer überwindet, der wiro alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein“ sich mit herzlichen Trostesworten an seine umstehenden Geschwister wandte. Als der von Lehrern getragene Sarg hinausgebracht wurde, sangen die Kinder der Oberklassen: Christus, der ist mein Leben“, und dann setzte sich der lange Trauerzug zum alten Friedhofe in Bewegung. Dem Leichenwagen vorauf schritten die Schulkinder, Palmenwedel und Hinter dem Sarge folgten die sechs Kinder Entschlasenen, drei Söhne und drei Töchter. Auf dem Kirchhofe legte Herr Pastor Heienherg seiner Grabrede die zu dem Leben des########benen passenden Worte zu Grunde:„Ich bin viel zu gering aller Barmherzigkeit und Treue, die du an deinem Knechte gethan hast“. Er zeichnete in kurzen Zügen ein getreues Bild des seltenen, mit hohen Eigenschaften des Herzens und Geistes ausgerüsteten Mannes, des treuliebenden, frommen Hausvaters und des unermüdlichen und wahren Lehrers und Organisten, dessen edles Beispiel in treuer Pflichterfullung, in einem gottesfürchtigen Wandel und in gemeinnützigem Streben Nachahmung finden möge. Die Lehrer sangen dann noch:„Jesus, meine Zuversicht" und nun schloß sich das Grab über einem der besten Söhne unserer Gemeinde. Möge er nun sanft ruhen neben seiner im Jahre 1893 gestorbenen treuen Gattin, an deren Seite er am 18. Oktober 1890 umgeben von Kindern und Kindeskindern das Fest der goldenen Hochzeit feiern durfte. Wir dürfen der festen Ueberzeugung sein, daß sich an ihm des Propheten Wort erfüllen wird, Daniel 12, 3:„Die Lehrer werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die, so viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich". * Schwerte, 25. Mai. Wohl selten kommt es vor, daß sich in der Nähe unserer Stadt Hochwild zeigt. Im benachbarten Lichtendorf war indessen dieser Tage ein feister Rehbock in den Obsthof eines Gutsbesitzers geraten, entkam aber unbehelligt. In jener Gegend zeigen sich gegenwärtig 3 Rehe. * Lichtendorf, 23. Mai. Der Bergmann Fr. Voß ist gestern im Schwerter Krankenhause seinen entsetzlichen Verletzungen erlegen. Der Verstorbene hinterläßt eine Frau mit 4 kleinen Kindern. Die Familie, bei der auch die betagten Eltern wohnen, wird allgemein bedauert. Sölde, 21. Mai. Der Bergmann Grundhoff setzte sich am Himmelfahrtsabend, als seine Familie sich zur Ruhe begab, an den Tisch, um ein Pfeifchen zu rauchen. Diese war seine letzte. Ein Schlag traf denselben und tötete ihn. Die Familie fand am andern Morgen ihren Ernährer tot am Boden liegen., 90 gn.; Ein M. Holzwickede, 20. Mal. Ein kleiner Eisenbahnunfall ereignete sich am Spätabend des 19. Juni v. J. im Bahnhof Holzwickede dadurch, daß eine von Schwerte kommende Lokomotive auf den hinteren Teil eines vor dem Bahnhof haltenden Güterzuges stieß. Der Anprall war kein besonders starker, der Materialschaden betrug etwa 700 Mk. Der Güterzug, auf den die Maschine auffuhr, mußte vor dem Abschlußmast halten, weil kein Geleise für die Einfahrt frei war. Der Unfall ist auf einen Irrtum zurückzuführen, den der Telegraphist Wilhelm Schlüter dadurch begangen haben soll, daß er den Güterzug nach der Blockstation Osterfeld als eingefahren zurückmeldete, worauf die Blockstation die Maschine nach Holzwickede abfahren ließ. Schlüter, wie auch der Führer der Lokomotive, der Heizer Peter Meier aus Altenhagen, dem zur Last gelegt wird, auf die Schlußlaterne des Güterzuges nicht genügend Obacht gegeben zu haben, hatten sich heute wegen Gefährdung eines Eisenbahntransportes zu verantworten. Die gerichtliche Untersuchung zu Dortmund ergab, daß der Dienst der Angestellten auf Bahnhof Holzwickede, besonders in den Nachtstunden, ein angestrengter ist, namentlich für die Telegraphisten. So hatte Schlüter z. B. allein 10 Apparate zu bedienen, dazu kommt noch, daß der Telegraphist nicht ungestört arbeiten kann, weil zu dem Raume, in welchem sich auch der Stationsassistent befindet, Zug= und Lokomotivführer, Wagenmeister, Packmeister, Rangierer usw. Zutritt haben, die mit dem Stationsassistenten verhandeln müssen. Jetzt hat man eingesehen, daß der Dienst für einen Beamten zu anstrengend ist, es ist deshalb ein Hülfstelegraphist eingestellt worden. Der Gerichtshof betrachtete Schlüter wie auch Meier für schuldig und verhängte über ersteren 1 Tag, über letzteren 5 Tage Gefängnis.. 90 gp.: Gurch Aplerbea, 20. Mai. Turch Sturz in einen Abbau eines Flötzes zog sich der Hauer Brauckmann schwere innere Verletzungen zu, so daß unverzüglich seine Ueberführung in das Schwerter Krankenhaus erfolgen mußte.„, gm. Sn 6. Altenbochum, 2I. Mai. In betrunkenem Zustande passierte der Bergmann G. die Schienenstränge der Eisenbahn, nur um sich den Weg abzukürzen. Die Maschine eines heranbrausenden Zuges erfaßte ihn und schleppte ihn ca. 50 Meter mit fort. Der Körper ist schrecklich zugerichtet. Hersfeld, 21. Mai. Ein trauriger Unglücksfall hat sich auf der Landstraße zwischen hier und Niederaula zugetragen. Mehrere Radfahrer von hier, die im eiligsten Tempo nach Hause fuhren, überholten unterwegs einen Lastwagen. Dabei stürzte einer der Radfahrer, welcher in einem ausgefahrenen Wagengeleise hängen blieb, dicht vor dem Wagen so unglücklich, daß der Lastwagen über ihn hinwegging und er solche Verletzungen erlitt, daß er bald nachher verstarb. Duisburg, 21. Mai. Der schauervolle Gatten= und Meuchelmord, der am 26. August 1896 an dem Bergmann Schula in Meiderich verübt wurde, hat heute nach nahezu 21 Monaten seine blutige Sühne gefunden. Durch den Scharfrichter Reindel wurden heute früh ½6 Uhr der 24jährige Fabrikarbeiter Anton Schmitz aus Hamborn, der 21jährige Fabrikarbeiter Franz Sauter aus Schmidthorst, der Ordnungs=Parteien hat in Königsberg bisher den Sozialdemokraten das Mandat gesichert. Bei geschlossenem Zusammengehen gleich im ersten Wahlgange ist dagegen gegründete Hoffnung auf Sieg vorhanden. Dringend zu wünschen wäre, daß das Königsberger Beispiel recht zahlreiche Nachfolge im Lande finde. Um den Arbeitern Angst einzujagen und sie desto sicherer zu machen, tischt die Sozialdemokratie in zahlreichen ihrer Flugblätter das Märchen auf, die bürgerlichen Parteien, vor allen andern natürlich die bösen„Junker", wollten zur Verdrängung der heimischen Arbeiter Chinesen einführen. Diese dreiste Erfindung geht doch selbst der„Freisinnigen Zeitung" zu weit. Sie schreibt daher:„Uns ist es nicht bekannt, daß überhaupt irgend eine politische Partei es befürwortet hat, chinesische Arbeiter nach Deutschland zu ziehen. Aber das Papier der sozialdemokratischen Flugblätter ist geduldiger noch als anderes Papier.“ Mit der Eintracht und dem Frieden innerhalb der sozialdemokratischen Partei ist es bekanntlich lange nicht soweit her, als es die Herren Parteiführer glauben machen wollen. So stehen sich zum Beispiel jetzt im Reichstagswahlkreise Solingen zwei sozialdemokratische Kandidaten gegenüber. Schumacher und Scheidemann. Der„Vorwärts“, das sozialdemokratische Zentralorgan, wirft nun dem Genossen Schumacher vor, daß er sich entgegen seinem dem Parteivorstande und dem Hamburger Parteitage gegebenen Versprechen dennoch wieder aufstellen ließ. Schumacher ist deshalb obgleich er bereits 30 Jahre zur Partei gehört und 14 Jahre lang deren Abgeordneter ist, aus der Partei entfernt worden.— Weniger will es besagen, daß run auch der sozialdemokratische Reichstags=Abgeordnete Vogtherr, der bisher im Unterschiede zu seinen Genossen weniger mit dem Gefängnisse zu thun hatte, wegen Majestäts= und Ministerbeleidigung in zwei Magdeburger Wahlversammlungen in Untersuchungshaft genommen worden ist. Ein Kautionsangebot, das seitens der Partei gemacht wurde, wurde abgelehnt. In dem Orte Oberschönweide bei Koepeniek, Kreis Kiederbarnim, das erst vor zwei Monaten eine selbstständige Gemeinde geworden ist, hat man vergessen die Wählerliste auszu legen. Der Ort ist wegen dieses Versehens nun voraussichtlich dazu verurteilt, auf seine Teilnahme an den Reichstagswahlen zu verzichten. „Wie ist das Unglück geschehen? Es soll ein Verbrechen vorliegen, habe ich gehört," nahm dieser das Wort. „Nur diese Dame kann darüber Auskunft geben!“ mischte sich jetzt der Direktor ein. „Bitte Fräulein, sich zu fassen!“ sprach der Beamte.„Was können Sie mir mitteilen?“ Die Schottin wischte sich die Augen und zwang sich, ihr Schluchzen zu unterdrücken. „Ich sah, daß der Chinese ein kleines Rohr an den Mund setzte und gerade, als das Pferd dicht an ihm vorüber kam, blies; darauf bäumte sich das Pferd hoch auf und Roda stürzte," berichtete sie. „Wer ist der Chinese?“ erkundigte sich der Beamte. „Einer unserer Künstler!“ antwortete jetzt der Direktor.„Ein Mexikaner, der als Jongleur gastierte.“ „Wo ist der Mann?“ forschte der Beamte. „Das Fräulein wollte ihn halten, er riß sich los und entfloh aus dem Zirkus; man ist ihm nachgeeilt und wird ihn wohl bald zurückbringen,“ gab Herr Zerrini Auskunft. „Vermuten Sie, welche Gründe dieser Mann zu dem Attentat haben kann?" fragte der Beante. Der Direktor verneinte.„Die Verhältnisse zwischen den beiden Männern sind uns vollständig unbekannt. Ich bin sogar sicher, daß der Verunglückte den Mann gar nicht kannte.“ „Hatten Sie Verdacht, daß Sie den Mann beobachteten?“ wandte sich nun der Beamte an Miß Cluny. a!“ antwortete diese.„Er erkundigte sich sehr eingehend nach den Verhältnissen und dem Auftreten des Roda, suchte sich heimlich und verstohlen an ihn zu drängen; das siel mir auf, erweckte mein Mißtrauen und ich beobachtete ihn.“ In diesem Augenblicke erschienen zwei Pferdewärter und sagten, daß sie eine Meldung zu machen hätten; der eine trug das kleine eiserne Rohr, der andere übergab dem Beamten einen kleinen, spitzen Nagel, an dessen Knopf ein nasser Flock Baumwolle fest angedreht „Das stak im Maule, an den Nüstern des Arabers, als ich ihn fing nach dem Aufbäumen. Die kleine Wunde blutet noch,“ berichtete er. „Haben Sie dies Rohr bei jenem Manne bemerkt?“ richtete der Beamte wieder seine Frage an die Schottin. Ja, er ließ es aus seinem Aermel in die Hand gleiten und führte es zum Munde, das sah ich; dann entriß ich es ihm, als er am Boden lag,“ gab Miß Cluny Auskunft. Der Beamte nahm Rohr und Nagel an sich und ging, nach dem Pferde zu sehen. „Der Kranke ist am besten im Stadtkrankenhause aufgehoben,“ erklärte nun der Arzt, welcher sein nochmaliges Untersuchen jetzt beendet.„Ich werde das Nötige sofort anordnen. Inzwischen sorge man für das Eis, das auf den Kopf gelegt werden muß; der Transportwagen wird in wenigen Minuten hier sern.“ 4. 741 (Follsetzung folgt.) 26jährige Fabrikarbeiter Theodor Graat aus Hamborn und die 28jährige Ehefrau des ermordeten Schula in der angegebenen Reihenfolge durch das Beil enthauptet. Die Männer gingen gefaßt den letzten Gang, während die Frau unaufhörlich jammerte und die Heiligen anrief. Die ganze Exekution, die durch den Ersten Staatsanwalt Dr. Gordan geleitet wurde, nahm 34 Minuten in Anspruch. Eine derartige Massenhinrichtung dürfte in den Jahrbüchern der preußischen Justiz einzig dastehen. Hoffentlich wird sie auf die rohen Elemente im Industriebezirk abschreckend wirken. Der 74jährige Scharfrichter Reindel nahm heute seine 198. Enthauptung vor. Koblenz, 21. Mai. Die Landbriefträger im Bezirk der hiesigen Oberpostdirektion sollen jetzt auch mit Fahrrädern ausgerüstet werden. Es sind dies gelbgestrichene Dreiräder, welche vorn den Reichsadler als Kennzeichen tragen. Schwerte, 20. Mai. Die Sozialdemokratie ist jetzt auch mit ihren Kandidaten für die Reichstagswahl aufgetreten und zwar ist der bisherige Vertreter unseres Wahlkreises Dr. Lütgenau aufgestellt. Am Himmelfahrtstage waren die„Genossen“ dabei, den von der sozialdemokratischen Fraktion herausgegebenen Wahl=Aufruf unter die Leute zu Ein höchst nachahmenswertes Beispiel bieten neueren Nachrichten zufolge die Wahlvorgänge im Wahlkreise Königsberg in Ostpreußen dar. Es verlautet, daß sich dort alle bürgerlichen Parteien auf einen Kandidaten, Dr. Krieger, vereinigt haben. Nur die Uneinigkeit der Schwerte, 23. Mai. Das heftige Gewitter, welches am vergangenen Freitag niederkam, brachte über unsere Stadt große Wassermassen, welche schnell ganze Straßen überfluteten und teilweise recht erhebliches Unheil anrichteten. Das Gewitter hat an vielen Stellen in der nächsten Umgebung Schaden angerichtet. Allein 5 Häuser wurden von dem Blitzstrahl getroffen, der indessen nicht zündete und keinen größeren Schaden brachte. So traf der Blitz die Stallungen des Herrn Brennereibesitzer Druffel zu Geisecke, ferner die Wohnhäuser des Berginvaliden Wichard und des Schreiners Wolff zu Geisecke, des Schuhmachers Lecking zu Lichtendorf und des Rottenführers Hosang zu Eichholz. An einer Stelle wurde ein Kind von dem Schlage betäubt, im übrigen hat der Blitz nur Material= schaden angerichtet. Hennen, 21. Mai. Während des Gewitters wurde gestern nachmittag in Rheinen eine Kuh auf dem Felde erschlagen. Die Wasserläufe sind überschwemmt und haben ebenso wie der teilweise mit Hagel verbundene ununterbrochene Regen auf den Fluren großen Schaden angerichtet. * Iserlohn, 23. Mai. Der am Freitag niedergegangene Wolkenbruch zauberte in unserer Siadt in kurzer Zeit großartige Ueberschwemmungen. und umfangreiche Seen hirvor, welche manchen Schaden anrichteten. Am schlimmsten mitgenommen wurde das von vielen Mietern bewohnte tiefgelegene Düsing'sche Haus, sowie die hinter demselben befindliche städtische untere Mühle. Der Schlamm liegt heute noch, nachdem sich die Wasser verlaufen, fußhoch in den Räumlichkeiten, der Hausrat ist teilweise verdorben und die Einwohner sind auf das Schlimmste geschädigt. Ein Wunder ist es zu nennen, daß die alten Gebäulichkeiten dem Ansturme überhaupt standgehalten. Die Ueberflutung trat so schnell ein, daß ein Einwohner des Düsingschen Hauses seine kranke Frau auf dem Rücken herausbefördern mußte. In der Grüne sieht es recht traurig aus. Das Wasser kam mit einer solchen Schnelligkeit heran, daß es den Arbeitern in den, im Vereich des Grüner Baches gelegenen Fabriken kaum möglich war, die Arbeitsstätten zu verlassen; alles war sofort in einen großen See verwandelt. An verschiedenen Stellen mußten die Wände an den Ställen eingeschlagen werden, um das Vieh retten zu können. Dem Lehrer Voß sind sämtliche Hühner ertrunken und ist es bis jetzt noch nicht zu übersehen, welchen Schaden das Wasser angerichtet hat. Am schlimmsten sieht es in der Untergrüne aus, dort gleichen die Gärten einem Schlammteich, die Straßen sind von den Fluten aufgerissen. Viele Familien flüchteten in die zweiten Stockwerke, da unten alles unter Wasser stand.— Gleiche Nachrichten kommen aus Oestrich, Westich, Hemer, Altena u. s. w. Ueberall ist großet Schaden auf den Ländereien, au Gebäuden und Vieh verursacht. Landwirtschaftliches. Zum Streit der Bezugs=Vereinigung deutscher Landwirte mit dem Verein deutsch=österreichischer Thomasphosphatfabriken. Die„Bezugsvereinigung der deutschen Landwirte“ teilt in einer Reihe politischer Zeitungen mit:„Ein Streitfall, der zwischen der Bezugsvereinigung deutscher Landwirte und dem Verein deutsch=österreichischer Thomasphosphatfabriken heute zum Ausbruch gekommen int, wird seitens der Bezugsvereinigung deutscher Landwirte zum gerichtlichen Austrag gebracht werden müssen. Die Streitfrage besteht darin, daß die deutschösterreichischen Thomasphosphatfgbriken den mit der Bezugsvereinigung deutscher ranowirte am 6. April 1898 vereinbarten Vertrag als rechtsbeständig nicht anerkennen und die Preise erhöhen. Die vertragsmäßige Lieferung von Thomasmehl ist bereits eingestellt. Als Motiv wird der spanisch= amerikanische Krieg und das Steigen der Getreidepreise angegeben. Die in der Bezugsvereinigung geeinte deutsche Landwirtschaft betrachtet dieses Vorgehen als Vertragsbruch.“ Hierzu giebt der Verein deutsch=österreichischer Thomasphosphatfabriken folgende Berichtigung: 1. Es ist unrichtig, daß zwischen uns und der Bezugsvereinigung am 6. April 1898 ein Vertrag geschlossen worden ist, vielmehr sind damals lediglich Verhandlungen über einen für die Zeit vom Mai bis Dezember d. J. zu schließenden Vertrag geführt und an dem folgenden Tage fortgesetzt worden. Dieselben haben aber zu einem Abschluß bis jetzt nicht geführt, nachdem der von uns in Gemeinschaft mit dem erwählten Delegierten der Bezugsvereinigung aufgestellte Vertragsentwurf die Billigung des Vorsitzenden derselben nicht gefunden bot. Sachverhalt ist am. d m 2. Der vorstehende Sachverhall ist am 5. o. M. im Palast=Hotel hierselbst durch Auswechselung mündlicher und schriftlicher Erklärungen zwischen uns und der Bezugsvereinigung erörtert worden. Die Bezeichnung unseres Verhaltens als Vertragsbruch widerspricht der Thatsache, daß ein Vertrag zwischen uns nicht zustande gekommen ist. Unser Vorschlag eines Schiedsgerichts oder Fortsetzung der Verhandlungen über die offenen Punkte ist von der Vezugsvereinigung abgelehnt worden. Wir fügen zum Verständnis des Streitfalles noch folgendes hinzu: Am 6. April d. J. ist zwischen uns und der Bezugs=Vereinigung im Savoy=Hotel in Berlin über die Feststellung eines Vertrags=Verhältnisses verhandelt worden. Die Verhandlungen gediehen an diesem Tage nicht zum Schlusse. Am folgenden Tage sind die Verhandlungen in Abwesenheit des Vorsitzenden der Bezugs=Vereinigung, jedoch mit den von derselben erwählten Delegierten fortgesetzt worden. Den hierbei redigierten Vertragsentwurf haben wir am 10. April dem Vorsitzenden der Bezugs=Vereinigung eingesandt und hierbei einige Punkte der weiteren schriftlichen Festsetzung vorbehalten. Am 18. April erhielten wir seitens des Vorsitzenden der Bezugs=Vereinigung eine Bemängelung des mit dem Delegierten vereinbarten Entwurfes und am 27. April einen vollständig neuen Gegenentwurf, welcher von dem mit den Delegierten vereinbarten Entwurf in neun wesentlichen Punkten abwich. Inzwischen hatten wir auch unsererseits durch Schreiben vom 26. April den übersandten und von dem Vorsitzenden der Bezugs=Vereinigung mißbilligten Entwurf vorläufig zurückgezogen, worauf wir ein Telegramm erhielten, in welchem uns mit umfangreicher Veröffentlichung in der Presse gedroht wurde. Wir erklärten uns trotz dieser Drohung in einer eingehend motivierten Darlegung unseres Standpunktes am 4. Mai d. J. bereit, den Streitfall entweder durch ein Schiedsgericht entscheiden zu lassen oder über die offenen Punkte weiter zu verhandeln... Mer In der hierauf folgenden Verhandlung vom 5. Mai im Palast=Hotel lehnte der Vorsitzende der Bezugsvereinigung das Schiedsgericht ab und trat jetzt mit der Erklärung hervor, daß bereits am 6. April mündlich ein gültiger Vertrag zwischen uns geschlossen sei.„. k.; Legensestig unse Wir präzisierten hierbei gegenseitig unseren Standpunkt durch Austausch schriftlicher Erklärungen. Anstatt nun, bei der obwaltenden Verschiedenheit der Rechtsauffassung, eine gerichtliche Entscheidung anzurufen, hat es die Bezugsvereinigung für gut befunden, die in der Depesche ihres Vorsitzenden angekündigte Drohung mit der Presse auszuführen, obwohl wir bereits in unserer Erklärung vom 4. Mai zum Ausdruck gebracht hatten, daß wir uns durch Drohungrn nicht zu Konzessionen bestimmen lassen werden. Unsere Rechtsauffassung ist von zwei Rechtsverständigen als richtig anerkannt worden. Berlin, den 12. Mai 1898. Verein deutsch österreichischer Thomasphosphatfabriken. Kartoffeln vom Keimen abzuhalten, lasse man gelesen. Mit seinem Vorrat Glimmstengel kann sie alle Woche einmal umschaufeln oder viel- der Abgeordnete gar manchen Wähler vertrösten, mehr behutsam umlegen, und zwar so, daß der dem er eine Stelle oder ein Aemichen verArbeiter mit der Schaufel immer den Boden sprochen hat, aber nicht gewähren konnte. Woy# sucht. Man hat dann niemals nötig, Kartoffeln 125 bis 150 der bisherigen Abgeordneten abkeimen zu lassen. kehren nicht zurück, haben freiwillig verzichtet oder sind von ihren Wählern im Stiche gelassen— hier sagt man grobweg verraten— worden. Um so größere Freude haben ihre Nachfolger. Diese Neu= oder Grünlinge müssen auf eigene Kosten nach Paris reisen. Erst nach Gutheißung seiner Wahl erhält der Abgeordnete eine Ausweiskarte, die ihm freie Fahrt ue, W fug hnen sichert.„Dazu Vermischtes. Wegen Landesverrat ist am Freitag abend vom Reichsgericht in Leipzig der Schriftsteller G. Minster zu fünf Jahren 1 Monat Zuchthaus, zehn Jahren Ehrverlust und Stellung anter Polizeiaussicht ver= auf allen französischen Bahnen urteilt worden. Es waren acht Zeugen und noch eine Ausweismünze, auf deren Rückseite Mojor Geyer vom Berliner Kriegsministerium sein Name eingestochen und die ihm überall in als Sachverständiger geladen. Die Verhandlung:„....:.:: Eestem Schause war öffentlich. Der Angeklagte bestritt seine Schuld. Er erzählte auf Befragen des Präsidenten, er sei, nachdem er aus dem Gefängnisse zu Landau geflüchtet sei, nach Paris gegangen; er habe vom bairischen Landtagsabgeordneten Holb eine Empfehlung an Rochefort gehabt. In Paris sei er von einem Manne Namens Alt aufgefordert worden, ihm geheime militärische Nachrichten aus Deutschland zu besorgen und zu diesem Zwecke nach Straßburg und Metz zu gehen. Er sei scheinbar auf diesen Vorschlag eingegangen und habe Intendanturbeamte in Metz zu gewinnen gesucht, ihm militärische Fahrtverzeichnisse und Mobilifirungspläne zu geben. Die Beamten hätten ihm auch Versprechungen gemacht, diese aber nicht gehalten. Er würde, wenn er die Dinge bekommen, dieselben gefälscht und die Fälschungen an Alt gesandt haben. Na, na! * Folgendes und modernes Heiratsgesuch findet sich in einem Berliner Blatt:„Junge Deme, in gesicherter Lebensstellung, pensionsberechtigt, sucht gemütvollen Lebensgefährten aus guter Familie. Hauptder Oeffentlichkeit, bei Festen, Schaugeprängen freien Durchgang durch alle Absperrungen gewährt. Weiter eine dreifarbige Schärpe und eine kleine Schaumünze in Schmelz, welche im Knopfloch getragen wird. Jeder Abgeordnete erscheint dadurch als Ordensinhaber, stellt auch wegen der über die Schulter getragenen goldbefranzten Schärpe einen Großwürdenträger der Republik dar. * Bei den Wirbelstürmen, welche jüngst in Jowa, Illinois und Wisconsin (Nordamerika) herrschten, sollen 70 Personen umgekommen sein. * Ein erschütterndes Unglück wird aus Hannover gemeldet. Dort geriet ein Kinderleichenwagen zwischen zwei elektrische Straßenbahnwagen und wurde vollständig zertrümmert. Der Sarg wurde herausgeschleudert und die ebenfalls im Wagen sitzende 11jährige Schwester des verstorbenen Kindes derartig gequetscht, daß sie alsbald starb. Der Vater wurde schwer verletzt. * Prinz Heinrich beim Kaiser von China und der Kaiserin=Mutter. Hier erschien dann der Kaiser von China, gefolgt von einer Anzahl von Mandarinen. Prinz Heinrich empfing ihn und geleitete ihn nach einem kleinen offenen Nebenraum, wo er auf einem roten Sessel Platz nahm. Nachdem der Kaiser dem Prinzen persönlich den Drachenorden überreicht hatte, verweilte er noch zehn Minuten, worauf er sich verabschiedete. * Kasernenhofblüte. Unteroffizier „Einjähriger, eingebildeter wie Sie konnte das Huhn nicht sein, welches das Ei des Columbus gelegt hat!“ Ein weiteres Steigen der Weizenpreise wird angekündigt. Ein erfahrener englischer Kornhändler schreibt der„North Western Daly Mail“, daß die Weizenspekulanten in Chicago wahrscheinlich die Brotpreise in Europa noch weiter in die Höhe treiben werden. Der Chicagoer Millionär Armour, der große Gegner Leiters, hat sich jetzt mit Leiter verbunden. Beide edlen Menschenfreunde wollen nunmehr einen Weizen=Corner gründen, dergleichen die Welt noch nicht sich hat träumen lassen. Leiter und Armour sollen 15 Millionen Bushel Weizen zusammen besitzen oder vielleicht kontrollieren. Das bildet einen großen Teil des Weizenkonsums. Lebensgefährten aus guter Familie. Haupt=svon China und der Kaiserinbedingung: wirtschaftliche und hausliche Erziehung.! Der Empfang des Prinzen Heinrich im SommerVermögen Nebensache, Photographie erwünscht. palast des Kaisers in Peking fand unter Diskretion Ehrensache.— Falsche Trauringe.( größter Prachtentfaltung statt. Der Kaiser seit dem Sommer vorigen Jahres ist in überreichte ihm den höchsten Orden, den er Berlin, besonders bei den Pfandleihern im für nicht regierende Fürsten zu vergeben hat. Norden, eine größere Anzahl unechter neuer Nach einem Gegenbesuch des Kaisers begab sich Trauringe zum Versatz gekommen, die von Prinz Heinrich in das Palais der Exregentin, den Pfandleihern trotz genauer Prüfung für die ungeschminkt und unverschleiert hinter einem echte gehalten und dementsprechend mit 20 bis 25 Mk. pro Stück beliehen worden, obgleich der Wert eines solchen Ringes nur 4—5 Mk. beträgt. Die Ringe, welche im Innern mit Buchstaben bezw. auch mit den Daten versehen sind, sind ohne Zweifel eigens zu dem Zweck angefertigt, um die Pfandleiher zu betrügen. * Die Launen der Glücksgöttin. In dürftigen Verhältnissen ist der 61 Jahre alte Pantoffelmacher Robert W. welcher in der Lortzringstraße als Junggeselle hauste, gestorven. Am Dienstag voriger Woche ist der altarartigen Tisch saß. Rechts und links standen Pyramiden Apfelsinen und blühende Päonien in herrlichen Vasen. der Prinz stellte nun seine Begleiter vor. Während des Gesprächs gab ihm die Exregentin von ihr selbst gemalte Fächer für die Kaiserin Auguste Viktoria, die Kaiserin Friedrich und die Prinzessin Irene, Gemahlin des Prinzen Heinrich, nebst ihrem eigenen Orden. Prinz Heinrich kündigte Geschenke des Kaisers Wilhelm an und flocht ein, daß es der heiße Wunsch der europäischen Damen Pekings sei, von der Exregentin storben. Am Dienstag voriger Woche ist der Damen Pelings sei,. egenti Alte sang= und klanglos auf dem Friedhofe der empfangen zu werden. Die Regentin erwir###e, Friedensgemeinde in Weißensee zur letzten es solle diesem Wunsche bei dem nächsten Ruhe bestattet worden; nur seine alte Auf= Staatsempfang gewillfahrt werden. Es wird wartefrau und der Hausverwalter hatten dem damit eine noch nie dagewesene Neuerung Dahingeschiedenen das letzte Geleit gegeben, geschaffen. Zwei Tage nach dem Begräbnis erschien nun! Ueber Einzelheiten des Besuchs im Hause, in dem W. so lange gewohnt hatte, des Prinzen beim Kaiser von China wird dem der Beauftragte eines Lotteriegeschäfts in der„L. Anz.“ noch berichtet: Als Prinz Heinrich Hauswirtschaftliches. Eßkartoffel im Frühsommer aufzubewahren. Um das Schwarz= und Welkwerden der Kartoffeln zu vermeiden, giebt es eine ganz einfache Methode. Man bringe die Kartoffeln, die man aufheben will, sehr vorsichtig in den Keller und vermeide jedes Anstoßen mit der Schaufel. Gut verlesene Kartoffeln thue man in Säcke und lasse diese in einen geräumigen Keller tragen und vorsichtig ausschütten, und zwar so, daß die Kartoffeln nicht höher als 20 Zentimeter hoch zu liegen kommen. Auf diese Weise werden Kartoffeln nicht gestoßen, wodurch das Blau= resp. Schwarzwerden bekanntlich erzeugt wird. Um nun die Friedrichstadt, um dem Pantoffelmacher sein Glück zu verkünden. Auf sein Anteillos war ein Gewinn von ganzen 5000 Mk. gefallen. Das launische Glück hatte sich leider verspätet, der arme ruhte bereits in kühler Erde. Das gewonnene Geld erben nun zwei in Reinickendorf lebende entfernte Verwandte des Verstorbenen, die sich um den alten Junggesellen bei dessen Lebzeiten nie gekümmert hatten. Französische Volksvertreter. Man schreibt aus Paris: Wenn der Schluß einer Tagung, besonders der letzten, herannah:,(guzg;: Heraut bat in dernt umlagern die Abgeordneten den Tabakverschleiß(Wilhelm. Duruuf vot er dem im Vorsaal des Palais Bourbon. Sie rechts stehenden roten Sessel an. kaufen Kisten Zigarren und abermals Kisten Zigarren, nicht zum eigenen Bedarf, sondern als billigtes, gangbarstes, dabei untastbares Mittel der Wahlbestechung. Wer kann etwas darin finden, Freunden und Bekannten Zigarren anzubieten, wie es unter Rauchern Brauch ist? Die Glimmel aus dem Palais Bourbon sind dabei besser als die, welche zu denselben Preisen in allen Tabakverschleißen verkauft werden. Für die Abgeordneten— und die Journalisten— werden sie besonders ausmit seinem Gefolge den Thronsaal betrat, saß der Kaiser von China in einem dunkelblauen, mit Drachen bestickten Gewande auf einem erhöhten, thronartigen gelben Sessel. Er erwiderte aufstehend die Verbeugung des Prinzen und reichte ihm die Hand. Der Kaiser ist von jugendlichem Aussehen und blasser Gesichtsfarbe. Er lächelte freundlich und seine Finger waren fortwährend in Bewegung. Nachdem der Prinz die Grüße Kaiser Wilhelms aus. gerichtet hatte, dankte der Kaiser von China und fragte nach dem Befinden des Kaisers *— Prinzen den senden roten Sessel an. Prinz Heinrich stellte den deutschen Gesandten Baron von Heyking als eine besondere Vertrauensperson des Kaisers Wilhelm vor. Es folgten dann eine Menge konventioneller Fragen. Erst hatte der Kaiser von China leise seine Fragen an den Prinzen Tsching gerichtet, später sprach er direkt zu dem deutschen Dolmetscher Freiherrn v. d. Goltz. Die Audienz währte eine halbe Stunde. Nach ihrer Beendigung kehrte Prinz Heinrich nach dem Pavillon zurück, wo ein chinesisches Frühstück eingenommen wurde. Neueste Nachrichten. Die Konfirmation der beiden ältesten kaiserlichen Prinzen verlief bei prächtigem Wetter sehr weihevoll. Die Prinzen wurden von den nächsten Angehörigen herzlich beglückwünscht und umarmt. Der österreichische Botschafter überbrachte den Kronprinzen das Großkreuz des Stephansordens. Die beiden amerikanischen Geschwader in den kubanischen Gewässern haben Donnerstag und Freitag in Key Westkohlen eingenommen und sind dann eiligst wieder abgefahren. Auch Truppentransporte sollen unterwegs sein. Man befürchtet einen kühnen Handstreich des spanischen Admirals Cerrera, zu dessen Unterstützung heute ein Ersatzgeschwader von 10 Schiffen unter Admiral Camara von Cadiz abgeht. Großen Unwillen erregt es in Madrid, daß die amerikanischen Schiffe, welche Guantanams auf Kuba angriffen, spanische Flaggen gehißt hatten. Die wenig heldenhafte List wurde aber sofort entdeckt. Die Kriegsgegner in Nordamerika erheben angesichts der Mißerfolge vor Kuba und der schweren Handelsstockungen ihre Stimme lauter. Finanzminister Miquel, der in Posen erkrankt war, ist Sonntag abend wieder in Berlin eingetroffen. Dortmund, 23. Mai. In die Stille des gestrigen Sonntags die Schreckenskunde von einem neuen oßen Grubenunglücke, das unsern in dieser Beziehung so schwer heimgesuchten Oberamtsbezirk heimgesucht hat. Gegen 3 Uhr morgens brach auf Zeche„Zollern“ in der Maschinenkammer eines von der 274 Metersohle nach der tiefsten Sohle (351 Meter) gehenden sogenannten blinden Schachtes ein Brand aus, der sich dem erwähnten Schachte mitteilte. Durch die in den Schacht einströmenden frischen Wetter wurden die Brandgase in die Baue geführt, so daß für alle dort arbeitenden Leute schwere Gefahr eintrat. Gegen 170 Mann konnten sich retten und noch rechtzeitig zu Tage gefördert werden, bei 45 Mann ist dies aber nicht gelungen, sie werden elendiglich erstickt sein.— Der Zeche„Zollern“ ist soweit gelöscht, daß man in die fraglichen Baue vordringen und einen Teil der Leichen bergen konnte. Bis heute Morgen waren deren gegen 30 zu Tage gefördert.(Ausführlicher Bericht erfolgt in nächster Nummer.) Wetterbericht. Nachdr. Voraussichtliches Wetter am: 24. Mai: Meist wolkiges bis trübes, etwas kühleres Wetter mit Regen. 25. Mai: Wechselnd bewöltres, in der Temperatur wenig verändertes Wetter mit etwas Regen. Ich empfehle mich den geehrten Bewohnern von Schwerte und Umgegend als Wasch- und Glanz-Büglerin in und außer dem Hause. Elisabeth Bucken, Hellpothstraße 28. Properes Nüchmittagsmadchen valdigst gesacht. Zu erfragen i. d. Exp. d. Bl. Hammte, Plüsche und Pelvetliefern direkt an Private. Bilder- EinrahmungsGeschäft. Zum 1. August ein junges Mädchen von 15—16 Jahren als 2. Mädchen gesucht. Zu erfragen i. d. Expedition. Frerae # A" Hauptgewinne Wert M OSoLO 50, 80 Ziehung am 8. Juni 1898. 3233 Gewinne+ 66666 Lose zu Berlin. Heintze, Ein properes Tienstmädchen wird von kleiner Familie bei hohem Lohn gesucht. Gust. Koepper,[VIsiten-Karten Hohenkimburg, Kaiserstraße. 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Aehnlich dem amerikanischen Markte zeigte auch der hiesige dieswöchentliche, größere Preisabwechselung und schloß für Weizen u. Roggen bei flauer Stimmung, mit erheblich billigeren Notierungen. Hafer, Gerste und Mais ebenfalls matter. Die Käufer von Weizenmehl sind bei enmäßigten Forderungen, trotz ihrer kleinen Vorräte sehr zurückhaltend. Weizenkleie ist im Preise viebriger e-ggegen eh Tagespreise: Roggen bis 180 M., Hafer 180 M. die 1000 Klo. Weizenmehl Nr. 000 ohne Sack 35,00 M. die 100 Klg., Weizenkleie ohne Sack bis 5,20 M. die 50 Kilo. 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