* Amtliches Arreisbratt Abonnements=Preis pro Quartal 1 Mk. 50 Pfg. Erscheint Montags, Mittwochs, Freitags und Samstags. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“ Nr. 12. Amtliche Bekanntmachungen. Bekanntmachung wegen Ausreichung der Binsscheine Reihe Xl. zu den Stammaktien der Niederschlesisch=Märkischen Eisenbahn. Die letzten Zinsscheine Reihe XI Nr. 1 bis 14 zu den Stammaktien der Niederschlesisch=Märkischen Eisenbahn über die Zinsen für die Zeit vom 1. Januar 1898 bis 31. Dezember 1904 werden vom 1. Dezember 1897 ab von der Kontrolle der Staatspapiere hierselbst, Oranienstraße 92/94 unten links, vormittags von 9 bis 1 Uhr, mit Ausnahme der Sonn= und Festtage und der letzten drei Geschäftstage jedes Monats, ausgereicht werden. Die Zinsscheine können bei der Kontrolle selbst in Empfang genommen oder durch die RegierungsHauspthssen, sowie in Frankfurt a. M. durch die Veirla## bezogen werden. Wer die Empfangnahme bei der Kontrolle selbst wünscht, hat derselben persönlich oder durch einen Beauftragten die zur Abhebung der neuen Reihe berechtigten Zinsscheinanweisungen mit einem Verzeichnisse zu übergeben, zu welchem Formulare ebenda und in Hamburg bei dem Kaiserlichen Postamte Nr 1 unentgeltlich zu haben sind. Genügt dem Ein: reicher eine nummerierte Marke als Empfangsbescheinigung, so ist das Verzeichnis einfach, wünscht er eine ausdrückliche Bescheinigung, so ist es doppelt vorzulegen. Im letzteren Falle erhalten die Einreicher das eine Exemplar, mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sofort zurück. Die Marke oder Empfangsbescheinigung ist bei der Ausreichung der neuen Zinsscheine zurückzugeben. In Schriftwechsel kann die Kontrolle der Staatspapiere sich mit den Inhabern der Zinsscheinanweisungen nicht einlassen. Wer die Zinsscheine durch eine der obengenannten Provinzialkassen beziehen will, hat derselben die Anweisungen mit einem doppelten Verzeichnisse einzureichen. Das eine Verzeichnis wird, mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sogleich zurückgegeben und ist bei Aushändigung der Zinsscheine wieder abzuliefern. Formulare zu diesen Verzeichnissen sind bei den gedachten Provinzialkassen und den von den Königlichen Regierungen in den Amtsblättern zu bezeichnenden sonstigen Kassen unentgeltlich zu haben. Der Einreichung der Stammaktien bedarf es zur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Zinsscheinanweisungen abhanden gekommen sind; in diesem Falle sind die Stammaktien an die Kontrolle der Staatspapiere oder an eine der genannten Provinzialkassen mittels besonderer Eingabe einzureichen. Berlin, den 16. November 1897. Hauptverwaltung der Staatsschulden. v. Hoffmann. Verantwortlicher Redakteur: Friedrich Keim, Schwerte. Schwerte, Freitag, 21. Januar 1898. für den Kreis Gorde. Insertionsgebühr für die 6spaltige Zeile oder deren Raum 10 Pfg., außerhalb des Leserkreises 15 Pfg. Reklame 30 Pfg. Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Tages=Ereignisse. Deutsches Reich. Preußisches Abgeordnetenhaus. 5. Sitzung vom 19. Januar. Das preußische Abgeordnetenhaus beendete heute die Generaldebatte über den Staatshaushalts etat. Abg. Schneiding(natl.) schlug die Einführung dreijähriger Veranlagungsperioden vor. Die Veranlagung mit ihrem Eindringen in alle Privatverhältnisse entwickele sich zu einer ernsten Gefahr. Weiter trat Redner für den Bau neuer Wasserstraßen und für eine gründliche Beratung des Eisenbahnetats ein. Minister v. Miquel verteidigte seine Finanzpolitik und erklärte im ferneren Verlauf seiner Rede, daß eine Einigung zwischen Industrie und Landwirtschaft dringend nötig sei. Abg. Porsch(Ztr.) kündigte einen Antrag seiner Partei betr. Vorlegung eines Kommunalwahlgesetzes an, da die Mißverhältnisse hier infolge der Steuerreform unerträglich geworden sei. Nach einer Auseinandersetzung zwischen den Abgg. Dr. Friedberg(natl.) und Dr. Dittrich(Ztr.) über die Canisius=Enzyklika des Papstes und nach einer Auslassung des Abg. Gothein(frs.) über die Wirtschaftspolitik schloß die Debatte. Ein Antrag Sattler(natl.), betr. die Ueberweisung des Eisenbahnetats an eine besondere Kommission wurde abgelehnt, worauf die üblichen Etatsteile an die Budgetkommission überwiesen werden. Donnerstag: Ansiedelungsgesetz. 6. Sitzung vom 20. Januar. Im Abgeordnetenhause gab es heute eine Polendebatte anläßlich der 100 Millionen=Forderung für deutsche Ansiedelungen in Polen. Die Begründung der Vorlage hatte der Ministerpräsident Fürst Hohenlohe selbst übernommen. Er führte aus, in wirtschaftlicher Beziehung sei es von großem Vorteil, wenn sich eine Klasse tüchtiger ländlicher Arbeiter entwickele. In politischer Hinsicht sei es Thatsache, daß die polnische Nationalität sich ausbreite auf Kosten der Deutschen. Dieser Entwickelung müsse entgegengetreten werden. Es gebe eine großpolnische Agitation, aber man solle sich nicht täuschen, nie werde eine Trennung Posens von Preußen eintreten können. Der Kanzler schloß mit der Ermahnung an die Polen, ehrliche Preußen zu bleiben, dann werde man stets mit einander friedlich leben. Abg. v. Jagdzewski(Pole) fand in der Vorlage den Ausdruck des Mißtrauens der Regierung gegen die Polen. Seine Freunde würden der weiteren Beratung fernbleiben. Abg. v. Heydebrand(kons.) beantragte Kommissionsberatung und forderte eine Politik der Strenge gegenüber den Polen. Abg. Im Walle(Ztr.) verwarf die Vorlage, die im Widerspruch stehe mit allem, was recht und billig sei, ebenso Abg. Munckel(frs.), wogegen Abg. Gamp(frk.) fur dieselbe eintrat, ferner Abg. Seer(ntl.). Die Minister Miquel und Hammerstein sekundierten ihrem Chef. Schließlich ging die Vorlage an die Budgetkommission. Montag: Komptabilitätsgesetz. Deutscher Reichstag. 20. Sitzung vom 19. Januar. Der Reichstag beriet heute den Zentrumsantrag betr. Aenderung des Strafgesetzbuchs (lex Heinze), dessen Erörterung am vorigen Schwerinstag nicht zu Ende geführt worden war, weiter. Abg. Hoeffel(fr. kons.) bat die Regierung dringend um Annahme des Entwurfs, von dem die Heilung eines wahren Krebsschadens im Volke zu erwarten sei. Sächsischer Geh. Rat Dr. Fischer wies einen Vorwurf Bebels zurück, daß bei dem Keglerbundesfeste in Dresden unsittliche Exzesse verübt und von den Behörden geduldet worden seien. Abg. Beckl(fr. Vp.) billigt die Tendenz des Entwurfes, erwartet aber von dessen Bestimmungen keine wesentliche Einschränkung der obwaltenden Mißstände. Abg. v. Salisch(kons.) und besonders Antisemit Iskraut treten aufs Entschiedenste für den Entwurf ein, letzterer bezeichnet den Widerstand der Regierung gegen den Antrag als ganz unbegreiflich. Abg. Iskraut(Antis.) beleuchtet in drastischer Weise die Unsittlichkeit der gegenwärtigen Zeit und empfiehlt den Entwurf dringend zur Annahme. Auch Roegen(Ztr.) bittet um Annahme, indem er besonders die§§ verteidigt, welche Schamlosigkeiten in der Kunst und Literatur verhüten sollen. Weiter sprechen noch die Abgg. Schall (kons.), Zimmermann(Antis.), Bebel(soz.). Nach kurzer weiterer Debatte wird die Vorlage an eine besondere Kommission von 14 Mitgliedern verwiesen. Donnerstag 2 Uhr: Etat des Reichsamts des Innern. 21. Sitzung vom 20. Januar. Der Reichstag setzte heute die Etatsberatung beim Etat des Reichsamts des Innern fort. Die Diskusion bewegte sich wieder um den Erlaß des Staatssekretärs von Posadowsky, für welchen Frhr. v. Stumm warm eintrat, indem er das bestehende Strafgesetz für unzulänglich erklärte, dem Terrorismus der Streikenden gegenüber arbeitswilligen Kameraden wirksam entgegenzutreten. Fischer(Sozialdem.) polemisierte heftig gegen Freiherrn von Stumm und gegen den Staatssekretär Grafen Posadowsky. Im Laufe seiner Ausführug gebrauchte er wiederholt unparlamentarische Ausdrücke, wegen deren er vom Präsidenten zur Ordnung gerufen wird. Staatssekretär Graf Posadowskywarnt vor dem Glauben, die Sozialdemokratie beginne sich zu einer bürgerlichen Partei zu mausern und teilt mit, daß er eine Statistik einleiten lassen wolle über Streiks und dabei vorgekommene Gewaltthätigkeiten. Zugleich hebt der Staatssekretär hervor, daßtser die Verhandlungen über den Tauschprozeß nicht gelesen habe und dem Vorredner auf seine bezüglichen Bemerkungen nicht antworten könne. Abgeordn. Jores(nat.=lib.) billigt den Erlaß des Staatssekretärs. Auf Anfrage des Abgeordn. Recke(fr. Vg.) teilt Graf Posadowsky mit, daß die Beschlüsse des internationalen Vogelschutzkongreffes demnächst retifiziert werden würden. Freitag 2 Uhr: Fortsetzung. Finanzminister Dr. v. Miquel vollendet am 21. k. M. sein 70. Lebensjahr.— Von den preußischen aktiven Staatsministern ist er dem Alter nach der dritte; der älteste ist der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe, der am 31. März sein 79. Lebensjahr vollendet; ihm folgt dann Frhr. v. Hammerstein=Loxten, der am 2. Oktober v. J. sein 70. Lebensjahr vollendet hat. In der chinesischen Frage hat England durch seinen Schatzsekretär Hicks Beach die Erklärung abgeben lassen, daß man in England auch nicht vor einem Kriege zurückschrecke, wenn die Interessen Englands durch die Vorgänge in Ostasien eine Beeinträchtigung erfahren sollten. Die Blätter haben ausnahmslos diese Erklärung mit Freuden aufgegriffen und fordern die Regierung dringend auf, den einmal gefaßten Entschluß nun auch zur Ausführung zu bringen. Wir möchten dagegen noch bezweifeln, daß Herr Hicks Beach überhaupt offiziell ermächtigt war, die Aufnahme 31. Jahrgang. kriegerischer Veranstaltungen seitens Englands anzukündigen. Wenn man jenseits des Kanals etwas mit dem Säbel rasselt, so stört das Europas Ruhe noch lange nicht. Daß die englische Regierung aber thöricht genug sein sollte, wirklich einen Krieg um China anzufangen, das braucht man ihr doch wohl nicht zuzutrauen.— Nach der„Frankf. Ztg.“ Frankreich gegen gewisse Bestimmungen, die England für die Gewährung der Anleihe an China aufstellt, Einspruch erhoben. Die Aufbringung der von China aufzunehmenden Anleihe spielt augenblicklich in der chinesischen Frage die Hauptrolle. England, das mit großem Eifer danach trachtet, seinen Freunden in China die paar hundert Millionen vorzuschießen, hat mit seinen Bemühungen bisher kein Glück gehabt, trotzdem die englische Regierung bereits in aller Form durch ihren Gesandten in Peking mit der chinesischen Regierung Verhandlungen geführt hatte. Die Beratungen, für die sich auch Rußland und Frankreich in hervorragender Weise interessieren, werden noch fortgesetzt. Es ist bisher nicht ausgeschlossen, daß den Engländern die gewünschte Finanzoperation in China in die Hände fällt; möglich ist es aber auch, daß Rußland Geld zu einem anständigen Zinsfuße hergiebt und sich vorher das erforderliche Kapital von Frankreich, natürlich zu einem geringeren Zinssatze, leiht. Die deutsche Regierung mischt sich offiziell bekanntlich in den ganzen Handel garnicht. Ueber die von China wegen der Ermordung der deutschen Missionare zu entrichtende Entschädigung wird aus dem soeben eingetroffenen„Ostasiat. Lloyd“ noch bekannt, daß für die Familie der Ermordeten eine Entschädigung in Höhe von 200000 Tails zu zahlen ist. Der Gouverneur von Shantung wird abgesetzt. Die Mörder werden mit dem Tode bestraft. Deutschland erhält das ausschließliche Recht, in der ganzen Provinz Shantung Kohlenminen zu eröffnen, auch soll demselben in Bezug auf den Eisenbahnbau in Shantung das Vorrecht eingeräumt werden. Ueber die Bodenbeschaffenheit der deutschen Besitzung Kiaotschau werden jetzt Einzelheiten bekannt, aus denen hervorgeht, daß das neu erworbene Gebiet wohl des Besitzes wert ist. An Wald fehlt es der Landschaft freilich vollständig, dagegen ist das Gebiet reich an Wasser und besitzt eine ertragreiche Getreideund Obstkultur. Die Gefahr der Versandung des Hafens ist vor der Hand ausgeschlossen. Die preußische Regierung ist der P. Ztg. zufolge entschlossen, behufs kultureller und wirtschaftlicher Hebung der Städte der Provinz Posen, insbesondere der Hauptstadt Posen, eine staatliche Aktion im großen Stil eintreten zu lassen. Die zu treffenden Maßregeln werden sich über weite Gebiete des öffentlichen Lebens erstrecken und namentlich für Wer edel und wahrhaft ist, läßt auch keine unreinen Vermutungen zu. *** Wer sich selbst an das Unwahre kettet, wird mit der Zeit ebenso. ** Wo du den Weg nicht weißt, folg' einem Führer du; Doch, ob der Führer auch den Weg weiß, siehe zu! * Das kleine Pfefferkorn sieh' gering nicht an, Versuch es nur, wie scharf es beißen kann. ** Ein Jahr ist lang— ein Schuljahr gar wie lang! Und oft schon anfangs macht der Schluß uns bang. Sind aber all' die Jahre einst vorbei— Wer dächte, daß die Zeit so flüchtig sei! Kriedebert. * Erzählung aus dem Anfang des 9. Jahrhunderts. Von J. Htockhausen. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Aber des Priesters Miene erhellte sich keineswegs ob des tröstlichen Zuspruchs. „Es geht mir hart an“, sprach er niedergeschlagen.„Auch meine ich, die Bauernsprache zieme sich nicht für den heiligen Dienst. Nicht glatt fließt sie von der Lippe wie das gewohnte Latein.“ „So müßt Ihr euch mühen, die ungelenke Zunge wieder in Fluß zu bringen. Braucht allen Fleiß, sonst entsetzt euch der Kaiser gar sinzz, Amts. Auch ich“ fügte er nachdenklich „werde thun, was in meiner Macht stehl. Friedebert, der Lesekundige, muß fort von hier. Heute noch will ich einen Boten mit einem Schreiben an den Abt gen Corbie entsenden, daß er den uns Hinderlichen unter irgend einem Vorwand dorthin bescheiden möge. Im fernen Neustrien, in tiefster Abgeschiedenheit, mag er schreiben und übersetzen, so viel es ihn gelüstet, zum Ruhm des karolingischen Klosters; hier aber möchte seine unleugbare Begabung mehr Schaden als Nutzen stiften.“ Und beruhigten Gemütes schieden die beiden geistlichen Herren von einander. Sechstes Kapitel. Der Lenzsturm brauste durch das Land. Mächtig fuhr er um die Eisburg des Winters und stürzte seine hohen Schneewälle, im Bund mit der immer höher steigenden Sonne. Da ging ein fröhlicherer Herzschlag durch jeden Gau, denn das berstende Gekrach des Eises in den Flüssen klang wie die donnernde Siegesverkündigung des Frühlings. Welch' ein Stürmer er war! In den hohen Lüften stritt er mit Wolken und Winden, mit Hagelschauern und Donnerwettern, bis er eines Abends als Sieger aus der Schlacht hervortrat, hoch über seinem strahlenden Haupt die herrliche Wölbung des dreifach schimmernden Bogens. Von der Stunde aber trat er leisen Schrittes auf, die ersten Knospen= und Blumenkinder aus dem Erdenschoß wie die Menschenkinder aus ihren dunklen Winterkammern hervorlockend. Auch auf den großen und kleinen Gehöften im Engergau regte sich neues Leben. Schon hatte sich der Storch auf dem heimischen Strohdach eingefunden. Man holte die Werkzeuge ans Licht, die man vor dem Winterwetter in schützendem Raum verborgen gehalten hatte, Pflug und Egge erblickten das Feld, und aus den Schmiedestätten, den Flachs= und Webekammern gingen die Leute an die Arbeit in Wiese, Acker und Feld. Die zahlreichen Sauund Schafheerden des Burgherrn wurden in die Verzäunung hinausgetrieben, und draußen an Herrn Wittekinds Vogelherd standen die jungen Burschen, ihres Amtes wartend. Die heranwachsenden Söhne der Edelinge und Freisassen aber begannen sich eifrig im Schwerttanz zu üben. Ueber die grüne Halde erscholl Klang und Gegenklang von zusammengeschlagenen Schwertern und das laute Jauchzen der Kinder, die des Frühlings Einzug mit heiterem Spiel begrüßten. Sie stürmten die Burg des Winters, trieben ihn mit lautem Geschrei aus seiner Verschanzung hinter einem hohen Hünenwall hervor, dann, wenn der Lenz gewonnen hatte, sprangen Knaben und Mädchen in fröhlichem Trarira durch hochgehaltene Reifen; Heribert und Hildrud, das unzertrennliche Paar, stets allen Genossen voran in des Spieles Hitze. Auch Rudibert und Asbrant überholten meist die anderen Jünglinge in dem gefährlichen Wagnis des Schwerttanzes, denn mit keckem Geschick griffen sie in die sausenden Klingen, um sie dann, in blitzschueller Wendung in Form eines Rosenblattes, auseinander zu falten. Auch Irmengart war aus ihrem stillen Turmgelaß, das die ersten Schwalben zwitschernd umflogen, hinab in den Burghof gestiegen und erging sich mit Wonne in der lind wehenden Lenzluft. Auf der sonnenbeschienenen Seite der Burgmauer hatte sie sich dann niedergelassen und ihr zu Füßen, den feinen Kopf in die Falten ihres wallenden Wollkleides geschmiegt, legte sich die zahme weiße Hündin, welche eilig aus der geöffneten Stallthür herangesprungen kam, als sie ihre Herrin in den Hof schreiten sah. Irmengart saß in Gedanken. Ihr großes, seelenvolles Auge schweifte über die grünen Hügel des Engerthals bis zu den fernen Höhen des Eggegebirges. Sie schaute den lichten Frühlingswolken nach, die langsam in anmutigen Gebilden wie segnende Engel über Burg, Stadt, Kirche und Stift von Enger schwebten, und es war ihr, als brauche sie ihr linnen Schürzlein nur auseinander zu breiten, um die holde Gabe aufzufangen, ein erstes Veilchen vom Wiesenrand vielleicht, das eine der lichten Gestalten ihr im Vorübergehen hineinwerfen möchte. Voll heimlich quellender Lenzfreude war ihr Herz. Und doch war ihr so seltsam in diesem Lenz zu Mut, als sähe sie den Winter mit Wehmut scheiden, als müßte sie ihn zurückhalten, um ihm noch einmal die Hand zum Danke zu reichen. Die schönen Sonntage standen ihr vor der Seele mit all dem Segen, den sie ihr bescherten, ihr und den Eltern, wie allen Burginsassen. Ein heimlich Bangen beschlich ihr Gemüt, ob’s auch so bleiben dürfe, und in den blauen Frühlingshimmel stieg ihre Bitte: „O Heiland, fahre doch so fort, in deinem ewigen Wort zu uns zu reden.“ (Fortsetzung folgt). 9 die Stadt Posen von einschneidender Bedeutung sein. Infolge der Erregung der tschechischen Bevölkerung und der wiederholten Angriffe auf deutsche Studenten wurden militärische Maßregeln in Prag getroffen. Jäger, Infanterie und Dragoner wurden auf Plätzen aufgestellt. Patrouillen durchziehen die Stadt und dulden keine Ansammlungen. Auf dem Graben und Wenzelplatze wurden Ansammlungen durch Dragoner zerstreut. Die ßenexzesse dauern fort, viele Geschäftsleute haben deshalb bereits ihre Läden wieder geschlossen, das Straßenbild beginnt verzweifelte Aehnlichkeit mit dem der Dezembertage zu bekommen, die die Proklamation des Standrechts zur Folge hatte. Neuerdings wurde ein deutscher Arzt von Tschechen angefallen. Er feuerte auf dieselben einen Schuß ab. Darauf schlugen ihn die Angreifer mit Stöcken blutig. Der Arzt aber feuerte weitere Schüsse ab und verjagte die Rowdis. Die parlamentarischen Verhandlungen müssen unter diesen Verhältnissen unzweifelhaft ergebnislos verlaufen. Die nächsten Tage werden jedenfalls von schwerwiegender Bedeutung sein. Orient. In Konstantinopel verlautet, die Pforte wolle den Armeniern folgende Zugeständnisse machen: Einmalige Zahlung von 100.000 Pfd. an den Patriarchen für Hülfsbedurftige, Freilassung aller verhafteten Armenier und die Erlaubnis an dieselben, ungehindert zu reisen und überall ihren Wohnsitz aufzuschlagen. Das Verlangen Rußlands, das durch Frankreich und England unterstützt wurde, zum Gouverneur von Kreta den Prinzen Georg von Griechenland zu ernennen, ist vom Sultan zurückgewiesen worden. Die Pforte erklärte dem russischen Votschafter am goldenen Horn, daß es zunächst Sache der Großmächte sei, sich über einen Kandidaten für den Posten auf Kreta zu verständigen, worauf die Mächte dem Sultan den Kandidaten vorzuschlagen hätten; sobald dies geschehen sei, werde der Sultan zu der Kandidatur Stellung nehmen. Deutschland widerstrebt bekanntlich auch dem Vorschlage, einen griechischen Prinzen zum Gouverneur zu ernennen. China. Gegen einen deutschen Missionar hat der chinesische Pöbel sich von neuem Ausschreitungen erlaubt. Bei dem Orte Langthen ist der Missionar Homeyer von der Station Namjung der Berliner Mission beraubt und verwundet worden. Auf Veranlassung des deutschen Konsuls in Kanton hat der General= gouverneur sofort Maßnahmen zur Sühnung des Vorfalls getroffen. O Die Gründung einer berechtigten höheren Schule in Schwerte. (Schluß.) 4. Kostenaufwand für 1. Die höhere Stadtschule. 2. Die sich entwickelnde Schule. 3. Die berechtigte Schule. A. Lehrerbesoldungen. 1. Die Lehrerbesoldungen der höheren Stadtschule einschließlich Wohnungsgeld und Remunerationen betragen zusammen 16 190 Mk. 2. Besoldungen nach dem Normaletat von 1897 im 1. Entwicklungsjahr einschließlich nungsgeld und Remunerationen, vorausgesegzt, daß der wifs. Hülfslehrer definitiv 1898/v# angestellt Leiter 5580 Mi. 1. wissenschaftlicher Lehrer 4080„ : 8190: 4. Mittelschullehrer 3050„ 19070 Mk. Remunerationen 300„ Sa. 19370 Mk. Besoldung der höh. Stadtschule 16190„ Differenz 3180 Mk. Dazu im 2. Entwickelungsjahr t wissenschaftlicher Seseaen eanche ish e Differenz 1700 Mk. Dazu im 3. Entwickelungsjahr dem 2. Hülfslehrer mit 1700„ Sa. 22870 Mk. Nach d. 1. Exam.: Direktor 5900 Mk. 1. Oberlehrer 4080+ 900 Mk. Funktionszulage. 2.„ 3180 Mk. B.„ 3180„ 4.„ 3180„ Hülfslehrer 2100„ Mittelschullehrer 3050„ Remuneration 300„ Sa. 24970 Mk. Funktionszulage 900„ Sa. 25870 Mk. Besold. d. höh. Stadtschule 16190„ Differenz 9680 Mk. Es ist hier hinzuzufügen, daß nach der Besoldungsaufbesserung der Volksschullehrer das Gehalt des Mittelschullehrers um etwa 700 Mk. sich erhöht, doch kommt diese Erhöhung für die Kosten der neuen Schule insofern nicht in Betracht, als diese Erhöhung auch ohne Neugründung der Schule eingetreten sein würde. Außerdem wird sich das Gehalt des 1. und 2. Oberlehrers um eine Stufe erhöhen, wenn nach 3 Jahren die Berechtigung eintritt, doch würde dies ebenfalls bei dem an der höheren Stadtschule jetzt geltenden Besoldungsmodus geschehen, kann also auch nicht in Betracht kommen. Oder es ist in Anrechnung der beiden Punkte statt obiger Differenz 9680+ 700+ 600+= 10980 zu setzen. B. Lehrmitttel. Es müßten jährlich etwa 1000 Mark aufgewandt werden...8 Tc hiees C. Besoldung des Schuldieners bleibt dieselbe. 1). Unterhaltung des Schulgebäudes wie bisher. Die berechtigte Schule erfordert also einen Mehraufwand von rund 12000 Mark. Die weiteren Erhöhungen der Lehrbesoldungen geschieht nach dem Normaletat von 1892 kommt also nur für 2 Lehrer mit 300 Mark von 3 zu 3 Jahren mehr in Betracht. Man darf hoffen, daß diese Erhöhungen durch Zuzug auswärtiger Schüler ausgeglichen wird. Hierzu sei noch bemerkt: Der Normaletat von 1897 ist folgender: A. Direktoren: Anfangsgehalt 4500 Mark, steigend alle 3 Jahre um 300 bis 6000 Mark, dazu ein Wohnungsgeld von 800 Mark. B. Oberlehrer: Anfangsgehalt 2700 Mark, steigend alle 3 Jahre um 300 Mark bis 5100 Mark, dazu Wohnungsgeld von 480 Mark. C. Wissenschaftlicher Hülfslehrer: 1. Jahr 1700 Mark, nach 2 Jahren 1900 Mark, nach 3 Jahren 2100 Mark. Westfalen=Rhienland. Schwerte, 21. Jan. Es giebt diesmal keinen Winter! Für eine richtige Winterperiode soll nach dem letzten Bericht des schweizerischen meteorologischen Zentralbureaus in diesem Winter wenig Aussicht mehr vorhanden sein. In dem Berichte heißt es: Die allgemeinen Druckverhältnisse, so wie sie gegenwärtig über dem europäischen Kontinent zu Tage treten, sprechen noch gar nicht für einen ordentlichen Schneewinter. Im Süden und Osten des Erdteils steht das Barometer fortgesetzt hoch, niedrig dagegen über dem Norden Europas, daher die Zufuhr wärmerer Luftmassen offen steht. Die Wirkung eines warmen südwestlichen Stromes giebt sich namentlich über dem ganzen westlichen Europa auffallend kund; die französischen und englischen Stationen melden bereits seit Wochen so hohe Morgentemperaturen, wie sie selbst nicht an der Riviera in so konsequenter Aufeinanderfolge vorkommen. Ab und zu spüren wir diesen mächtigen, erwärmenden Luftstrom des Atlantic auch weiterhin ostwärts tief im Kontinent, und bis heute sind wir unter seinem Einfluß von einem strengen, dauernden Kältefall verschont geblieben. Dieser bis jetzt, namentlich für das westliche Mitteleuropa, ausnehmend milde Winter hat wahrscheinlich in den Polargegenden nach Nordosten, vermutlich im nördlichen Sibirien oder im Norden des amerikanischen Festlandes sein Gegengewicht. Schwerte, 21. Jan. Am Sonntag, den 6. Februar, nachmittags 3 Uhr, findet im ev. Vereinshause in Essen eine Verbands Vorstands=Sitzung der ev. Arbeitervereine von Rheinland und Westfalen statt. Bekanntlich gehört von jedem ev. Verein ein gewählter Vertreter in den Verbandsvorstand Der Kreisvorstand hat auf je 1000 Mitglieder einen Vertreter zu entsenden. Für den Kreisverband Iserlohn sind in der letzten Kreisverbandssitzung folgende Vorstandsmitglieder gewählt worden: Herr Werkmeister Hüseken=Schwerte, Herr Pastor v. d. Kuhlen=Letmathe und Herr Betriebsführer Prinz=Letmathe. 1 Schwerte, 21. Jan. Der Inhaber des Schreib= und Handels=Lehr=Instituts aus Dortmund, Herr C. Janes, hat nunmehr auf Veranlassung mehrerer Interessenten hierselbst ein Filial=Institut im Hause des Herrn Duisberg errichtet, was wir mit Freuden begrüßen. Der Unterricht umfaßt Schnellschönschreiben, Buchführung, Rundschrift, Stenographie rc. Herr Janes hat seit seiner 6jährigen Thätigkeit als Schreibund Handelslehrer unzählige Personen in den verschiedenen Fächern ausgebildet, welches durch zahlreiche Referenzen vollauf bestätigt wird. Für Personen, welche verhindert sind, an den Unterrichtskursen des Herrn Janes persönlich teilzunehmen, hat derselbe eine Schreibschule zum Selbstunterricht für alle Schriften herausgegeben, welche durch alle Buchhandlungen oder vom Verleger Paul Schimmelwitz, Leipzig, zu beziehen ist. Wir unterlassen nicht, auf den Unterricht empfehlend hinzuweisen. Schwerte, 21. Jan.(Eingesandt.) Laut Beschluß der General=Versammlung wird der theatralische Verein„Gute Laune“ von nun an den Namen Dilettanten=Verein „Deutsche Treue“ führen. Er wird es sich angelegen sein lassen, es in den Leistungen der dramatischen Kunst zur vollen Blüte zu bringen und dem die Festlichkeiten besuchenden Publikum gemütliche und genußreiche Abende zu verschaffen. § Schwerte. 20. Jan. Erhängt als Leiche im städtischen Armenhause aufgefunden wurde heute morgen der Gelegenheitsarbeiter Wiebel, eine allseitig unter dem Spitznamen „Pluto“, bekannte Persönlichkeit. Man nimmt an, daß der Selbstmörder die unselige That aus Furcht vor der beabsichtigten Ueberweisung nach der Arbeitsanstalt Benninghofen begangen hat. X Geisecke, 19. Jan. Am vergangenen Sonntag feierte der Gesangverein„Germania“ Geisecke=Lichtendorf den Geburtstag Sr. Majesiät des Kaisers und Königs Wilhelm lI. im Saale des Wirtes Eichmann durch Konzert, Theater und Ball. Die Musik wurde von der Kugelschen Kapelle aus Sölde ausgeführt. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, so daß viele sich mit Stehplätzen begnügen mußten. Nachdem um 4 Uhr die Feier durch ein Konzertstück und ein Lied eingeleitet worden war, brachte der Herr Vorsitzende ein kerniges Hoch auf den Kaiser aus. Zum guten Gelingen der Feier trugen vor allem die theatralischen Aufführungen bei. Die Stücke: „Die Militärpflichtigen oder der schlaue Feldwebel" und„Der dumme August" wurden flott gegeben und mit großem Beifall belohnt. Auch das Kouplet:„Der Raritätensammler“ und ein Duett:„Verschiedene Liebeserklärungen“ wurden mit Applaus entgegengenommen. Ein gemütlicher Festball hielt zum Schluß die Teilnehmer in der fröhlichsten Stimmung beisammen. Der Verein beabsichtigt im Juni dieses Jahres sein erstes Stiftungsfest, verbunden mit Fahnenweihe, zu feiern, wozu auch mehrere Nachbarvereine geladen werden sollen. Wir rufen an dieser Stelle dem jungen und strebsamen Verein ein„Gut Sang“ zu.— Zum Schluß sei noch bemerkt, daß Herr Eichmann seinen Saal im kommenden Frühjahr bedeutend vergrößern wird. Westhofen, 21. Jan. Auch in den Schulgemeinden Holzen, Höchsten GeiseckeLichtendorf hat nunmehr eine anderweitige Regelung des Lehrergehalts stattgefunden, wodurch eine wesentliche Verbesserung eingetreten ist. Das Grundgehalt ist nämlich auf 1300 Mk. und die Alterszulage auf 180 Mk. festgesetzt. Hagen, 17. Jan. Zur bevorstehenden Reichstagswahl werden hier fünf Kandidaten l aufgestellt werden, und zwar, soweit bisher bekannt, seitens des Freisinns wieder Eugen Richter, von den Sozialdemokraten TimmBerlin, seitens der Antisemiten Ahlwardt, seitens der Nationalliberalen Fabrikant E. Schulz. Zudem geht noch das Zentrum selbständig vor, das auf eine wesentlich größere Stimmenzahl rechnet. Während man früher zuweilen auf Richters Sieg sofort rechnen konnte und dieser in der Stichwahl sicher war, sind diesmal Ueberraschungen nicht ausgeschlossen, und jede der Parteien, mit Ausnahme der Antisemiten, rechnet nicht ohne Grund darauf, in die Stichwahl zu kommen. Düsseldorf, 20. Jan. Auf der Bleierzgrube„Benthausen“ bei Hubbelrath sind 5 Bergarbeiter verschüttet Die Leichen sind noch nicht geborgen. Vom Landratsamte ist eine Abordnung nach der Unglücksstätte abgegangen. Wetterbericht. Nachdr. verl oten. Voraussichtliches Wetter am: 22. Januar: Mild, windig, ziemlich trüb, etwas Regen. OSCCZZerO in Damen- und Kinder-Konf zu Inventur-Preisen. 4 Damen-Jacketts Fdeer Breis be n aa. Regen Abend-Mäntel Mirza-Cäpes Seiden-Plüschjacketts 4 Kurze Krimmer-Kragen "—. Warenhaus jedes Stüa 8 Mk. 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Sonntag, den 23 Januar 1898, vorm. ½10 Uhr: Gottesdienst. Pastor Terberger. Stadtmission in Schwerte. Westenort 12. Sonntag, 23. Januar 1898 Bibelstunde. Westhofen. Sonntag, den 23. Januar 1898. Vorm. 10 Uhr: Predigtgottesdienst. Nachm. 2 Uhr: Kindergottesdienst. Pastor Falkenberg. Alnserer verehrl. Kundschaft teilen wir hierdurch mit, daß wir vom heutigen Tage an Herrn Anton Erdmann zu Hörde (früher Reichsmark) als bevollmächtigten angestellt haben. KornbranntweinBrennerei-Genossenschaft Sölde. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die im Grundbuch von Westhofen Band II, Blatt 131, auf den Namen der Eheleute Bergmann Wilhelm Flasche und, Ding geh. Dröge in der Wanne bei Westhofen eingetragenen Grundstücke Flur III No 163/12, 164/12 und Flur V Nr. 73 am 8. Februar 1898, vormittags 9 Uhr, vor dem unterzeichneten Gericht— an Gerichtsstelle Zimmer Nr. 3— versteigert werden. Die Grundstücke sind mit 43,05 Thlr. Reinertrag und einer Fläche von 2 h 66 ar 24 qm zur Grundsteuer, mit 160 Mk. Nutzungswert zur Gebäudesteuer veranlagt. Auszug aus der Steuerrolle, beglaubigte Abschrift des Grundbuchblatts, etwaige Abschätzungen und andere die Grundstücke betreffende Nachweisungen, sowie besondere Kaufbedingungen können in der Gerichtsschreiberei, Abteilung II, eingesehen Alle Realberechtigten werden aufgefordert, die nicht von selbst auf den Ersteher übergehenden Ansprüche, deren Vorhandensein oder Betrag aus dem Grundbuche zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerks nicht hervorging, insbesondere derartige Forderungen von Kapital, Zinsen, wiederkehrenden Hebungen oder Kosten, spätestens im Versteigerungsteimin vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten anzumelden und, falls der betreibende Gläubiger widerspricht, dem Gerichte glaubhaft zu machen, widrigenfalls dieselben bei Feststellung des geringsten Gebots nicht berücksichtigt werden undbei Verteilung des Kaufgeldes gegen die berücksichtigten Ansprüche im Range zurücktreten. Diejenigen, welche das Eigentum der Grundstücke beanspruchen, werden aufgefordert, vor Schluß des Versteigerungstermins die Einstellung des Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls nach erfolgtem Zuschlag das Kaufgeld in bezug auf den Anspruch an die Stelle des Grundstücks tritt. Das Urteil über die Erteilung des Zuschlags wird am 9. Februar 1893, vormittags 11 Uhr, an Gerichtsstelle verkündet werden. Schwerte, den 30. November 1897. Turnerbund Schwerte feiert am Sonntag, den 23. Januar, per im Vereinslokale bei Herrn Böhmer SE— den Geburtstag Sr. Maj. Kaiser Wilhelm II. bestehend in Konzert, Schauturnen, Aufmarsch mit Freiübungen, Pyramiden und lebenden Nachher geschlossener BALL. Nichtmitglieder können durch Mitglieder eingeführt werden. Entree zum Konzert und Schauturnen an der Kasse 50 Pfg., im Vorverkauf 40 Pfg. Anfang des Konzerts 4 Uhr, Ball 8 Uhr. Die Eltern der aktiven Mitglieder u. Turnschüler werden hierzu freundl. eingeladen. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. NB. Turner müssen mit Abzeichen(Turnerhut) erscheinen. Schwerter Turn=Verein (Mitglied der deutschen Turnerschaft). Samstag, den 22. Jan. 1898, abends 8½ Uhr, im Vereinslokale(L. Hagemann) GeneralVersammlung. Tages=Ordnung: 1. Kaisers Geburtstagsfeier. 2. Rechnungslage. 3. Wahl zweier Delegierten zum Gautag. 4. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen bittet dringend Vorstand. Einige Lehrmädchen für Weißnähen sucht Schwerte, 17. Januar 1898. Nw. M. Grobbel. Eisenbahnverein Schwerte feiert am Sonntag, den 23. d. M., den Geburtstag Sr. Maj. unsers Kaisers u. Königs I durch / Konzert, Theater u. Ball im Reiche des Wassers(L. Hagemann), wozu freundlichst einladet be sen. Das Jest=Zomite. Eintritt zum Konzert und Theater à Person 50 Pfg., zum Theater und Ball 75 Pfg. Kassenöffnung 4 Uhr.— Anfang präzise 5 Uhr. Ball 8½ Uhr. Karten im Vorverkauf sind bei den Vereinsmitgliedern zu haben. Peseomnstmachunch Zur Aufnahme der Gesuche der Mannschaften der Reserve, Marinereserve, Landwehr, Seewehr, Ersatzreserve, sowie der ausgebildeten Landsturmpflichtigen 2. Aufgebots, welche gewäß§ 123,1 u. s. w. der Wehrordnung auf Zurückstellung bei etwaiger Einberufung zu den Fahnen pro 1898 Anspruch machen, habe ich Termin auf Mittwoch, den 2. 1898, vormittags von 9—12 Uhr, im hiesigen Magistratsbureau anberaumt. Militärpapiere, Steuerzettel und sonstige auf das Gesuch Bezug habende Dokumente u. s. w. sind vorzulegen, auch etwaige Schuldenzinsen nachzuweisen. Schwerte, den 14. Januar 1898. Der Bürgermeister: Monnich. Empfehle prima Rindfleisch à Pfund 55 Pfg. L. Seippel, Hagenerstr. 20. Ein Sohn achtbarer Eltern findet Stelle als KonditorLehrling bei L. zur Nieden, Haspe. Näheres zu erfragen bei Aug. zur Nieden, Schwerte, Häsingstr. 9 Täglich schönes junges Hammelsieisch à Pfund 50 Pfg. L. Seippel, Hagenerstr. 20. Zu 1. Mai eine Wohnung von 3 Zimmern und Zubehör im besseren Hause zu vermieten. Wo, sagt die Geschäftsstelle. sheschelen geeignet, nebst Wohnung per 1. Mai zu mieten gesucht. Schriftl. Offerten mit Preisangabe unt. A. 90 a. d. Exped. d. Ztg. empfiehlt Carl Braus, Schwerte. Sön, Wohnung von 4—5 Zimmern mit Wasserleitung an eine ruhige Familie p. 1. Mai zu vermieten. Wo, sagt die Expedition d. B. Sichere Rettung aller Hals=, Brust= und Lungenkranken. Ein seit Jahrhunderten von Generation auf Generation vererbtes Mittel, welches Tausende geheilt. Bis zu seinem Tode hat der Rittergutsbesitzer und Ritter etc. A. Freytag Rat erteilt. Jetzt J. Frentag, früh. Rittergutsbes., Bromberg, Pr. Posen, 5 Töpferstraße 5. Erbitte zur Rückantwort## Briefmarke. Tüchtiges Mädchen (ev.), in Haus= und Gartenarbeit serfahren, für Mai gesucht. Meldung bei Frau Wwe. Beckhaus, Brücstr. 11. Mteitege a Stifte in gewöhnlicher und besserer Qualität empfiehlt Carl Braus. Zur Helle, Schwerte. Sauerbraten, Zungenragont, Caviar, Sülze. Frankfurter Würstchen, Warmes Frühstück 40 Pfc. Abendplatte 40 Pfo. Carl Raffin. — Ostenstr. i Rocht Rachm, Semtertc, Vom 15. bis 31. Januar 1898 gebe ich . Pemter Rabutr. 0 0 Empfehle: PrimaPferde. S Fleisch, ckwürstchen. Frühstück zu jeder ageszeit. ferdemetzgerei, dingstraße. sseler Brot is frisch zu haben bei Frau Henrich, kleine Marktstr. Rochteiner Cognac Gg. Scherer& Co. Langen(Bez. Darmstadt). Aerztlich empfohlen. Frei von Essenz, schädlichen oder auf Täuschung des Publikums berechneten ungehörigen Beimischungen. Laut amtl. Analysen frz. Cognac gleich, wegen Wegfall von Zoll aber viel billiger als letzterer. Fl. Mk. 1.80, 2.—, 2.50, 3.—, 3.50, 4.— 5.— Cognac zuckerfrei Mk. 3.—. Reines Weindestillat. Bevorzugt von Zuckerkranken und Genesonden. Alleinige Verkaufsstelle Wilh. Heppe, Drogerte, Schwerte. Aus Dankbarkeit und zum Wohle Magenleidender gebe ich jedermann gern unent. geltliche Auskunft über meine ehemaligen Magenbeschwerden, Schmerzen, Verdauungsstörung Appetitmangel 2c. und teile mit, wie ich ungeachtet meines hohen Alters hiervon befreit und gesund geworden bin. F. Koch, Königl. Förste: a. D., Pombsen, Post Nieheim(Westf) Nach Bestimnnung Sr. Ersellens des Herrn Mimiater des Innern inder de letrte Zichung der Schlesischen Lotterie am 7., 8 und 9. Februar 1898 in Cörlitz statt. Grösster Gewinn im günstigsten Fall Wert Mark Eine viertel Million. Original„Toge zu Plan- Ganze à 11.— M. Porto und Liste 30 Pfg., enpfiehlt VISIHIar-LOSC preisen Halbe à 5.50 M, und versendet auch unter Nachnahme Carl Heintze, Berlin W., Unter den Linden 3. Adresse für telegraphische Einzahlungen:„Heintze Berlin-Linden“. Satgnt= Auselung u. Sialant, veranstaltet von den landwirtsch. Kreisvereinen Dortmund, Hoerde, Hamm und Bochum. Der 13. Saatmarkt findet am Mittwoch, den 16. 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Bezüglich des jüngsten Jahrganges(1878) sind die Steuerzettel, sowie der Nachweis über etwa vorhandene Schulden, die Geburtsatteste der Eltern und Geschwister des zu Reklamierenden und etwa sonstige auf die Reklamation bezughabende Dokumente u. s. w. mit zur Stelle zu bringen. Schwerte, den 14. Januar 1898. Der Bürgermeister: Mönnich. O — 158"„VW 1 1 R9 a ∆:. Geitage zu Nr.Ps der Schuelt... Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Verantwortlicher Redakteur: Friedrich Kein, Schwerte. Selbst. Erzählung von E. Vely. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Ach, lauter Zuckerblumen!" rief Linchen, welches auf einen Stuhl geklettert war, tippte mit den spitzen Fingerchen an die Fensterscheiben und schrak zurück, als es dor so kalt war.. „Dumme Line, es hat ja doch gefroren!" sagte der kleine Schulmeister,„nun ist der Winter da, und man brennt Holz und Kohlen! Und das ist teuer, Mutter weiß es!“ Die Mutter stand neben dem Herrn Inspektor. Er hatte ihr die Ehre angethan, selber in ihr Witwenstübchen zu kommen und ihr anzukündigen, daß sie bis auf weiteres für ihre Kinder Gnadengeld bekomme— er hatte eine Schrift darüber. Sie hatte sich kein eigentliches Trauerkleid anschaffen können, der dunkelgraue Winterock und eine schwarze Schürze und ein gleicher Wollkragen mußten es thun. Linchen blondes Zöpfchen war mit einem schwarzen Bändchen durchflochten, und der Junge hatte ein schwarzes Halstuch, das knüpfte er unaufhörlich auf und zu, er war stolz darauf, damit den Vater betrauern zu dürfen. „Linchen und die Zwillinge, ach, die sind noch zu dumm“, sagte der kleine Schulmeister. „Ach, Herr Inspektor, wie soll ich Ihnen jemals danken?“ sagte die Frau mit weicher „Lassen Sie nur— wer selber Familien„Ihnen haben wir ja auch zu danken, daß wir nicht gleich hinaus gemußt haben auf die Landstraße.“ Sie nickte eifrig dazu. Sie wußte wohl, er hätte es durchsetzen können, daß statt des ledigen provisorischen Stellvertreters, der hier auf die Wohnung gar keinen Anspruch machte, gleich ein verheirateter Mann gekommen wäre. „Lassen Sie doch.“ Er räusperte sich. „Was man hat thun können, aber Sie wischte mit der Hand über die Tischkante. Es war ihr in diesem Augenblicke peinlich, daß sie vor dem gutmütigen, grauhaarigen Manne ein Geheimnis auf dem Herzen hatte. Sozusagen ein Dienstgeheimnis. Sie hatte nach Fritzens Tode all ihre Schulmeistertochter=Weisheit hervorgeholt und sich hingesetzt, an diesen selben Tisch, um ein Gesuch an die Eisenbahndirektion abzufassen. Sie hatte darin als„ganz ergebenst unterfertige Bahnwärterswitwe Line Matthias“ um die Vergünstigung gebeten, auf den Posten ihres Mannes gesetzt zu werden. „warum sollte eine Frau hier zu Lande nicht können, was die Frauen in Baden und Oesterreich konnten, den Dienst so pflichtgetreu wie ein Mann versehen?“ Und sie traue es sich schon zu, und man möge nur den Versuch machen, sie wolle rechtschaffen auf dem Posten Sie war nach Möglichkeit bereit gegesen, um zu überzeugen; daß sie schon zu Leozeiten ihres Mannes Stellvertreter gewesen, sagte sie nicht, aber sie berief sich auf den Herrn Inspektor, der könne ihr ein Zeugnis geben. „Nun bleibt es nicht mehr beim Alten, Frau Matthias!“ sagte der nach kurzer Pause. Sie sah ihn überrascht an. „Wie meinen Sie das, Herr Inspektor?“ „Die Ernennung für Nr. 18 ist da.“ „Ist da,“ sprach sie nach und sah, wie er nach der Tasche faßte, in der noch ein Papier knisterte. Er zog eshervor.„Das geht Sie an.“ „Mich?“ Sie faßte danach und war wie im Schwindel. Wenn es drin stand, daß Nr. 18. von der Witwe Matthias— „Ach,“ sagen Sie es mir!“ bat sie dann flüsternd,„mir tanzt alles so vor den Augen. Nähmaschinennähen— und dann das Weinen, das ist auch nicht gut gewesen!“ Aber nun wenn ihr Herzenswunsch erfüllt wird, wenn sie das Dach über dem Kopfe behält für ihre Kleinen und sich, dann soll gewiß keine Thräne mehr aus ihren Augen kommen, dann soll alles eine Dankesempfindung sein! „Sie haben sich an die Direktion gewendet,“ sing der Inspektor langsam an,„wenn Sie mich damals um Auskunft gefragt hätten, so hätte ich Ihnen gleich gesagt—“ „Herr Inspektor—“ wie eine, Ahnung überkam es sie, daß diesem Anfang kein hoffnungsfrohes Ende folgen kann. Daß das nicht thunlich wäre; wir haben männliche Arbeitskräfte genug, es müßte ein Gesetz dafür gemacht werden“. Sie schüttelte den blonden Kopf und preßte das energische Kinn auf die Brust. Er hielt ihr die Schrift zum zweiten Male hin, aber jetzt strekte sie nicht wieder die Hand danach aus, sondern ließ es geschehen, daß er das Papier auf den Tisch legte. „Herr Inspektor, Sie wußten es ja doch wohl— es war Ihnen sicher überbracht, daß — ich oft genug mit der Dienstmütze und Fahne dagestanden habe. Ist nur das Kleinste nicht nach der Ordnung gegangen? Damals „Nein, Frau Matthias. Aber es sind Männer da in Ueberzahl, man darf die Konkurrenz nicht schaffen, das giebt ungesunde Verhältnisse; wir haben unsere Gesetze, die keine Ausnahme gestatten.“ „Ich verstehe nichts von solchen Dnigen,“ sagte die blonde Frau mit ihrer hellen klangvollen Stimme,„aber wenn es solche Gesetze giebt, die den Frauen verbieten, rechtschaffen wie ein Mann— ich soll meinen Kindern auch der Vater sein, muß es sein— dann sollten auch welche gemacht werden, die es verbieten, daß sie hungern wie die Spatzen im Winter: „Gute Frau Matthias, die Frau kann auf anderen Gebieten—“. Sein Blick ging nach der Nähmaschine..nn E; Ticht auch boi „Ja“, sagte sie,„wenn oa nicht auch bei uns die Konkurrenz nicht wäre, und dann macht es so elend und wird so schlecht bezahlt —“ Ihr Auge streifte die Wände.„Und hier hatten wir einen Unterschlupf, und die Kartoffeln wuchsen uns draußen zu und die Rüben—“ Sie preßte, um wie mehr zu unterdrücken, die Zähne in die Lippen. (Fortsetzung folgt.) * Schwerte, 21. Jan. Bezüglich der Geltungsdauer der Rückfahrkarten an Ostern, Pfingsten und Weihnachten hat der Eisenbahnminister eine allgemeine Verfügung erlassen, aus we cher wir hervorheben: Die Geltungsdauer dr gewöhnlichen Rückfahrkarten von sonst kürzerer Dauer wird vor dem Oster=, Pfilcs:= und Weihnachtsfest wie folgt festgesetzt: 1. Zu dem Osterfest von einschließlich dem zwölften Tage vor bis einschließlich dem zwölften Tage nach dem ersten Feiertoge, 2. zum Pfingstfest von einschließlich dem dritten Tage vor bis einschließlich dem achten Tage nach dem 1. Feiertage, 3. zum Weihnachtsfest von einschließlich dem siebenten Tage vor bis zum vierzehnten Tage einschließlich nach dem ersten Feiertage. Dortmund, 18. Jan. In der Montags=Verhandlung des Schwurgerichts erregte einer der als Zeugen geladenen Soldaten allgemeine Heiterkeit. Beim Eintritt in den Saal hatte dirselbe anscheinend die Anrede des Präsidenten:„Stellen Sie sich vor den Tisch und erheben Sie die rechte Hand zum Eide“ falsch verstanden; er glaubte, er solle sich auf den Tisch stellen, auf welchen er nämlich mit einer Behendigkeit kletterte, die auf große Gewandtheit im Turnen schließen ließ. Bochum, 19. Jan. Ein„zärtlicher“ Ehemann stand kürzlich vor dem hiesigen Schwurgericht in der Person eines Fabrikarbeiters aus Witten. Derselbe hatte seine Frau so arg mißhandelt, daß sie am nächstfolgenden Tage starb. Der rohe Mensch wurde zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. Velbert, 19. Jan. Seinen eigenen Vater, einen Fabrikarbeiter hierselbst, zeigte ein junges Mädchen bei der Staatsanwaltschaft wegen eines angeblichen Dynamitvergehens an. Ihr Liebhaber, ein junger Bursche, war ihr Eideshelfer. Trotzdem konnte sich die Elberfelder Strafkammer nicht von einer Schuld des Angeklagten überzeugen und sprach ihn frei. Hoffentlich wird nun der„liebenswürdigen" Tochter und ihrem Galan der Prozeß gemacht. Niedermendig, 19. Jan. Gelegentlich des Neujahrsanschießens hatte ein Buchhalter einen Arbeiter erschossen. Der unglückliche Schütze nahm sich seine Unvorsichtigkeit derart zu Herzeu, daß er ganz tiefsinnig wurde, und man schließlich für seinen Verstand fürchtete. Jetzt hat der Tod ihn von seinen seelischen Qualen befreit. Haus= und 1§ Zur Durchführung der BekämpfungsMaßnahmen der Monilia=Krankheit der Kirschbäume für welche der gegenwärtige Zeitpunkt besonders geeignet erscheint, ist es nicht nur erforderlich, daß an den im Frühling erkran't O A RSEM MAIAWT. Ostenstr. AAT gewesenen Sauer= und Süß Kirschbäumen vor Beginn des nagstn Fruhs-hes die toten Zweige nach Möglichten herausgeschnitten und verbrannt werden; sondern es sind auch die an den Bäumen sitzen gebliebenen toten Früchte way rend des Herdstes bezw. Winiers abzulesen und zu verorennen. Letztere Maßnahm#e hat sich zwar in erster Linie auf Kitschen zu erstrecken, ist aber au auf das sitzen gebliebene Obst an den in der Nahe von Kirschoaumen stehenden sonstigen Bäumen pp. auszudehnen. Außerdem sind die erkrankten Kirschbaume, wie bereits früher erwähnt, in entlauolem Zustande mindestens einmal turz vor dem Auforechen der Knospen im Fruhjahr, wo möglich aber auch noch vorher im Herost oder Winter, mit Bordelaiser Brühe(entweder Kupferzuckertalt oder Kupfertlebetalt oder selbstbereilete Kupfervitriolkalk=Brühe mit Zusatz von Melasse oder ähnlichen klebenden Zuckerstoffen) unter Benutzung einer der gebrauglichen Rev= oder Obstspritzen zu bespritzen, bei welchem Verfahren mehr die dunnen Zweige, als die Stämme in Betracht kommen. Zur leichteren Erkennung der Krankheit ist die Herstellung einer entsprechenden Wandiafel in Vorvereitung, welche im Verlage von Paul Sarey in Berlin erscheinen wird. Technisches. Eine neue sehr praktische Luftpumpe für Radfahrer dürfte sich in den betreffenden Kreisen sehr bald Eingang verschaffen, da sie das bisherige lästige Vollpumpen des Pneumatiks mit der Hand überhaupt in Wegfall bringt. Dieselbe wird nämlich durch die Bewegung des Rades bethätigt und kann nach Belieben des Radfahrers in oder außer Thätigkeit gesetzt werden. Sie besteht nach einer Mitteilung des Patentund technischen Bureaus von Richard Lüders in Görlitz aus einem kleinen Pumpencylinder, der durch einen Schlauch mit dem Pneumatik in Verbindung steht und auf der Nabe des Rades befestigt ist, so daß er sich mit dem letzteren dreht. Weiter ist auf dieser Nabe lose ein Excenter aufgesetzt, dessen Excenterstange den Kolben des Pumpencylinders bewegt. Das Excenter dreht sich für gewöhnlich mit der Nabe und die Pumpe funktioniert demgemäß nicht. Am Excenter ist jedoch eine Nase angebracht, welche mit einem Daumen korresspondiert, der an einer längs der einen Gabelstange laufenden Stange angeordnet ist. Durch Verdrehen dieser Stange kann man den Daumen in oder außer Eingriff mit der Nase bringen und demgemäß im ersteren Falle das Excenter arretieren. Die Excenterscheibe steht dann fest, während sich der Excenterring mit dem Rade dreht und die Folge davon ist ein Funktionieren der Pumpe Liebesabenteuer eines Berliner Dienstmädchens. Ida's Liebesabenteuer bildeten den Mittel punkt einer Berliner schöffengerichtlichen Verhandlung. Ida ist ein intelligent aussehendes Dienstmädchen von 22 Jahren. Sie ist von etwa vier Jahren aus Westpreußen nag Berlin verzogen, fand alsbald eine Stelle als des Hauses redliche Hüterin und wäre sicher das glücklichste aller Dienstmädchen geworden, wenn ihr nicht die Liebe zu zweierlei Tuch manche trübe Stunde bereitet hätte. Wenn sie an ihrem Küchenfenster stand und mit Genie ind Grazie das Silberputzzeug putzte, gann erblickte sie drüben in der zur Wohnung ces Herrn Majors gehörigen Küche einen schmucken Vaterlandsverieidiger, der äußerlich mit dem Putzen riesiger Kanonenstiefel beschäftigt war, dabei aber mit seinen Blicken ein Schnellfeuer nach Jda's Fenster eröffnete Es war Johann, der Bursche des Herrn Majors, dem die pommersche Biederkeit von seinem knallroten Gesicht abzulesen war und der sich von Tag zu Tag an seinem Küchensenner zu schaffen machte. Und so ist es denn gekommen. Eines Abends, als der Mond, der silverbleiche, mit seinem milden Lichte in Ida's Fenster grüßte, tönte von dort eine süße Melodei, die ihren Wiederhall im Küchenfester des Herrn Major fand und stets mit der pflaumenweichen Versicherung ausklang:„Denn wer das Rauschen will verstehn, der muß im Wald zu Zweien gehn.“ Der pfiffige Johann verstand aber nicht nur das Rauschen, sondern auch die freundliche Anspielung und es war daher kein Wunder, daß man ihn am nächsten Sonntag mit der glücklichen Jca am durch den Grunewald spazieren sah, um unter leisem Geflüster und Kichern die Stelle zu enidecken, wo die berühmt gewordene Holzauttion abgehalten werden könnte. Sie haben sie nicht gefunden, Johann aber fand an diesem Tage ein sicheres Plätzchen in dem Herzen des blonden Mädchens, und zum Zeichen, daß er oort als fröhlicher Sieger eingezogen sei, zeigte er sich von jetzt ab weniger an seinem, als an Ida'. Küchenfenster. Aber alles Glück hat mal ein Ende und auch die Dienstzeit eines töniglich preußischen Majorsburschen währt nicht ewig. De verliebte Krieger rüstete sich zur Heimkehr und die ausgesuchtesten Leckervissen seiner„Braut“ konnien ihn nicht zu dem Entschluß bringen, auch noch in Zivil das Berliner Pflaster zu treten. Das Mädchen war untröstlich und mit rotgeweinten Augen erzählte sie in dem Bäckerladen, wo sie das Frühstücksbrot für ihre Herrschaft kaufte, von ihrem Herzenskummer. Die kleine Verläuferin, die kaum achtzehn Lenze an sich vorüberziehen gesehen hat, wußte alsbald Trost und Rat: sie schrieb ihr die Adresse einer Frau Buchhol, auf, die ihr aus den Karten schon oftmals die herrlichsten Dinge verkündigt habe und auch ein untrügliches Mittel besitzen solle, um ungetreue Liebhaber zu ihrem Mädchen zurückzuführen. Frau Buchholz ist eine Dame in den vorgeschrittenen Semestern, die vor etwa zehn Jahren, nachdem sie hier verschiedentlich vorbestraft worden, mit ihrem Ehemanne nach Amerika ausgewandert ist, aber vor etwa fün Monaten über's große Wasser wieder hierher zurückgekehrt ist, um sich seibst davon zu überzeugen, ob die Dummen noch immer nicht alle geworden sind. Zu ihr stürmte das liebes bedürftige Mädchen und hörte mit offenem Munde und stieren Augen die Märchen an, die ih. Frau Buchholz aus den Karten erzählte. Ueberglücklich war sie, als ihr die Alte von dem ungetreuen Johann Mitteilung machte und ih. oie Versicherung gab, daß sie eine geheime Kunst verstände, ihn bald in ihre Arme zurückzuführen. Das Mädchen opferte gern die verlangten sechs Mark und freute sich schon im Stillen auf die Gardinenpredigt, die sie dem Vaterlandsverteidiger a. D. machen wollte. Doch:„Ach, wie so trügerisch sind Weiberherzen!" Johann kehrte nicht zurück, das Mädchen aber erschien schon nach 14 Tagen wieder bei Frau Buchholz und erklärte ihr kategorisch, daß sie von dem dummen Kanonier üverhaupt nichts mehr wissen wolle, da sie einen Sergeanten gefunden, der ihr viel besser gefalle und der sie sicher heiraten würde, wenn es Frau Buchholz mit ihrer schwarzen Kunst verstände, ihr seine Treue zu sichern. Natürlich war die Alte auch hierzu bereit und aus Frl. Joa's Portemonnaie wanderten wieder zwei vlanke Thaler in die Tasche der Allerweltskunstlerin. Aber auch der Herr Sergeant ging dem Mäochen durch die Latten und nun wurde sie von Seiten ihrer Herrschaft veranlaßt, Strafanzeige gegen die Betrügerin zu erstatten. Letziere hatte inzwischen eingesehen, daß die Zahl der Dummen in Berlin doch nicht so groß ist, um mit ihrer Hülfe ein auskömmliches bequemes Dasein zu führen; sie löste sich ein Dampferbillet zur Heimkehr nach der neuen Welt und würde heute schon auf den Wellen sich schaukeln, wenn sie nicht vor kurzem, unmittel#ar vor der festgesetzten Abreise, durch die Kriminalpolizei verhaftet worden wäre. Jetzt stand sie unter der Anklage des Betruges vor dem Schöffengericht und mußte ohne Weiteres zugestehen, daß sie dem dummen Mädel ein* für ein U vorgemacht habe. Rechtsanwalt Dr. Werthauer machte als Milderungsgrund geltend, daß sich die Angeklagte in Not befunden habe und sicher in Deutschland keinen Schaden mehr anrichten werde, da sie sofort nach Abbüßung der Strafe auf das schon gelöste Billet hin nach Amerika zurückkehren werde.— Der Gerichtshof verurteilte die Angeklagte zu 4 Wochen Gefängnis unter Anrechnung von einer Woche Untersuchungshaft und bekundete der geprellten Ida seine Verwunderung darüber, daß ein Mädchen nach vierjährigem Aufenthalt in Berlin noch so unglaublich dumm sein konnte.(B. V.=Z.) * Eine furchtbare Explosion entstand in der Gasgrube der Donezaergesellschaft im Tagangenwabezirk in Rußland. 40 Arbeiter waren sofort tot; 18 sind schwer verwundet. Schluss der Wintersaison. Restausverkauf der Winter- und Frühjahrsstoffe zu äusserst reduzierten Preisen — Frübjahrs- und Sommerstoffe.— 6 Meter Sommer Nouveauté zum Kleid für M. 2.40 Pf. 6„ Loden„„„„ 3.60„ versenden in einzolnen Metern franko ins Haus. 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