Autiicher Kreiberatt für den Kreis Gorde. Abonnements=Preis pro Quartal 1 Mt. 50 Pfa. Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstaas. Schentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“ Verantwortlicher Redakteur Friedrich Keim, Schwerte. Insertionsgebühr für die sechsspaltige Zeile oder deren Raum 10 Pfg.. außerhalb des Leserkreises 15 Pfg. Reklame 30 Pfg. Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Nr. 28. Samstag, 6. März 1897 30. Jahrgang. Bekanntmachung Die s. Zi. unter den Rindviebbeständen des Kötters Hr. Kalihoff zu Sölderholz und Landwirtin Wwe. Hövelmann zu Schüren ausgebrochene Maul= und Klau nseuche ist seit 14 Tagen erloschen und wird die Sperie über die betr. Gehönte hiermit aufgehoben, welches hierdurch zur allgemeinen Kenninis gebracht wird. Aplerbeck, den 2 Pärz 1897. Die Polizei=Verwaltung: Gutjahr Die Abänderung des Invaliditätsversicherungsgesetzes. Wie sich bei allen in Deutschland erlassenen sozialpolitischen Arbeiterversicherungsgesetzen nach kürzerer oder längerer Dauer ihres Bestehens gewisse Abänderungen nötig gemacht haben, so gilt dies auch vom jüngsten derselben, vom Gesetz über die Invaliditäts= und Altersversicherung, auch bei ihm sind eine Reihe von Abänderungen notwendig geworden. Infolgedessen erfolgte im Reichsamte des Innern eine Umarbeitung desselben, und ist die betreffende Vorlage dem Reichstage in voriger Woche zugegangen, womit dessen Beratungsmaterial ungeachtet der schon ziemlich vorgeschrittenen Session eine nicht unwichtige Vermehrung erfahren hat. Bemerkt muß jedoch werden, daß sich die eingebrachte Novelle fast nur auf die Invalidenversicherung bezieht, die Bestimmungen über die Altersversicherung erfahren durch den neuen Gesetzentwurf nur in wenigen Punkten Berücksichtigung, so z. B. was die Höhe der Altersrente anbelangt, welche nach der Novelle um ein Geringes hinaufgeschoben werden soll. Die wesentlichste Abänderung am Invalidengesetz, welche jetzt vorgeschlagen wird, bezieht sich auf die Verteilung der Lasten. Künftig soll nur die Hälfte der Invalidenrente von der die Renten festsetzenden Versicherungsanstalt getragen werden— unbeschadet der dem Reiche zufallenden Beiträge — während die andere Hälfte auf alle übrigen Versicherungsanstalten nach Maßgabe ihres Vermögensbestandes zu verteilen ist. Ausschlaggebend für diese einschneidende Neuerung ist die Wahrnehmung gewesen, daß sich die finanzielle Lage der einzelnen Versicherungsanstalten ungemein verschiedenartig gestaltet hat, was eine veränderte Verteilung der Rentenlasten bedingte, wollte man nicht zu ganz unleidlichen Verhältnissen gelangen. Eine fernere bemerkenswertere Veränderung stellt die geplante höhere Normierung der während der ersten zwanzig Jahre der Beitragsleistungen festzusetzenden Invalidenrente dar; nach der genannten Beitragszeit fallen dafür infolge der geringeren Steigerungssätze die Invalidenrenten um so niedriger aus. Hervorzuheben ist weiter die Bestimmung der Novelle zum Invaliditätsversicherungsgesetz, wonach der Versicherungspflicht solche Personen nicht mehr unterliegen, welche Lohnarbeit nur in bestimmten Jahren für nicht mehr als 12 Wochen übernehmen, die im Uebrigen jedoch ihren Lebensunterhalt als Betriebsunternehmer oder anderweit selbständig erwerben. Auch faßt die Novelle den Begriff der Invalidität genauer, sie setzt außerdem die Wartezeit für die Invaliden= rente von 220 auf 200 Beitragswochen herab und löst ferner die bisher streitig gewesene Frage, inwieweit Erben einen Rentenanspruch erheben können, dahin, daß dies nur insofern geschehen kann, als der Anspruch noch zu Lebzeiten des Versicherten bei der unteren Verwaltungsbehörde angemeldet worden ist. Sonstige nennenswertere Bestimmungen sprechen die Unbeschränktheit der Gültigkeitsdauer der Quittungskarte, die Vernichtung der abgegebenen Quittungskarten und Uebertragung ihres Inhalts auf Sammelkarten, behufs Beseitigung des kostspieligen Aufbewahrungsverfahrens— die Zulassung der Selbstversicherung für jede Lohnklasse, die schärfere Beaussichtigung der Versicherungsanstalten hinsichtlich ihrer Vermögensverwaltung und noch einige andere Abänderungen aus. Im übrigen enthält die Novelle noch verschiedene Abänderungen vorwiegend technischer Natur, es handelt sich bei denselben um die Beseitigung von Zweifeln und Lücken, die sich bei Handhabung des bisherigen Gesetzes herausgestellt haben. Aber so zahlreich also auch die Abänderungen sind, welche die neue Formulierung des Invaliditätsversicherungsgesetzes gegenüber dem bisherigen Gesetz aufweist, so haben doch wenigstens die Grundlagen dieses wichtigen sozialpolitischen Versicherungsgesetzes keine Erschütterung oder Abschwächung erfahren. Die neuen Bestimmungen, die jetzt dem Reichstage vorgeschlagen werden, berühren demnach das eigentliche Wesen der Invalidenversicherung nicht, und da sich letztere in ihren Kernpunkten bewährt hat, so steht zu erwarten, daß sich Reichstag und Regierung über die Novelle zum Invalidenversicherungsgesetz bald verständigen werden. Tages=Ereignisse. Deutsches Reich. Unser Kaiser und sein Bruder Prinz Heinrich, trafen Dannerstag mittag in Wilhelmshaven ein und fuhren unter brausenden Hoch rufen einer zahlreichen Menschenmenge in offenem Wagen durch die Roonstraße, in der Marinemannschaften Spalier bildeten, nach dem Exerzierschuppen, wo die Vereidigung der Marinerekruten vor sich ging. Die Stadt war reich geflaggt; die im Hafen liegenden Schiffe trugen Paradeflaggen. Bei der Vereidigun; hielt der Kaiser eine Ansprache, in welcher er auf den Untergang des„Iltis“ zurückkam. Die Nachricht von dem heldenmätigen Tode habe seinem Herzen wohlgethan. Er machte diese That gleichwertig mit einer siegreichen Schlacht. Das heldenmütige Verhalten der Besatzung des Schiffes, welches die Bewunderung aller Welt hervorgerufen habe, gereiche der ganzen Marine zur hervorragenden Ehre. Er ermahnte zur Nacheiferung in und außer dem Dienst. Nach der Feier begaben sich der Kaiser und Peinz Heinrich zur Werft, wo der Neubau des Panzers„Ersatz Friedrich der Große“ und die Panzerplatten=Werkstadt besichtigt wurden. Alsdann fuhr der Kaiser nach der Kaserne, wo ein Frühstück stattfand. Die Kaiserrede auf dem brandenburgischen Provinziallandtage hat aufs neue die Frage eines geschlossenen Kampfes aller staatserhaltenden Parteien gegen die Sozialdemokratie in Anregung gebracht. Während auf der einen Seite wiederum ein Umsturzgesetz als die einzige brauchbare Waffe in diesem Kampfe gefordert wird, glaubt man auf der anderen Seite, daß eine dahin zielende Absicht dem Kaiser bei seinen Ausführungen fern gelegen habe. Diese letztere Ansicht vertritt der der Reichsregierung nahestehende„Hamb.Korresp.“. Dies Blatt meint, daß der Kaiser gegen den kranken und bösen Geist, der in unserem Volke bohrt und wühlt, den gesunden und starken Geist der Nation aufgerufen habe. Nicht blos mit Repressalien werde eine Seuche vertrieben— obwohl auch diese nicht zu vermeiden seien—, aber das Schwergewicht liege doch in den positiven Maßnahmen. Der Kampf gegen die Sozialdemokratie könne daher nur Erfolg verheißen, wenn er mit einer weisen Sozialreform Hand in Hand gehe. Der Reichsanzeiger veröffentlicht die Verordnung, betr. die Einführung preußischer Landgesetze in Helgoland vom 1. Febr. 1897. Die Disziplinar=Verhandlung gegen Dr. Peters dürfte im Laufe dieses Monats stattfinden. Die Voruntersuchung gegen den Kriminalkommissar v. Tausch in Berlin ist nunmehr abgeschlossen und das umfangreiche Aktenmaterial der Staatsanwaltschaft zur Stellung ihrer Anträge übersandt worden. Wenn nicht etwa der Angeschuldigte nach Mitteilung der Anklageschrift noch weitläufige Beweiserhebungen beantragt, so würde die Hauptverhandlung gegen Tausch=Lützow in der nach Ostern(18./19.) April beginnenden Schwurgerichtsperiode stattfinden können. In der Beratung der Militärstrafprozeßordnung soll, wie die„Frankf. Ztg. trotz des Dementis der„Nordd. Allg. Ztg.“ aufs neue versichert, doch eine Pause eingetreten sein; äußerlich gehe dies schon daraus hervor, daß die Militärbevollmächtigten Bayerns und Württembergs auf 14 Tage nach Hause gereist seien. Daß die einheitliche Regelung des Militärstrafverfahrens ganz erhebliche Schwierigkeiten zu überwinden haben würde, sagte man sich von vornherein; es kann also wohl möglich sein, daß die Bevollmächtigten der beiden genannten Bundesstaaten sich zu dem Zweck in ihre Heimat begeben haben, um mit ihren Regierungen persönlich über obwaltende Differenzen bezüglich der Gestaltung des Reformentwurfs im Bundesrate Rücksprache zu nehmen. Freilich wird angesichts solcher Notwendigkeiten die Hoffnung immer aussichtsloser, daß ein Gesetzentwurf über die Reform der Militärstrafprozeßordnung dem Reichstage noch während des Restes seiner gegenwärtigen Session wird vorgelegt werden können. Das Lehrerbesoldungsgesetz ist vom Kaiser bereits vollzogen worden; die Verkündigung des Gesetzes steyt sonach unmittelbar bevor. Die Unterrichtskommission des preußischen Abgeordnetenhauses hat in ihrer letzten Sitzung eine Petition von Mittelschullehrern um Gehaltsaufbesserung beraten. Die Kommission war einstimmig der Ansicht, daß eine gesetzliche Regelung der Gehälter dringend nötig sei. Zur Zeit fehle es vielfach an Mitteln, die Kommunen zur Gewährung ausreichender Besoldungen zu veranlassen. Mit Rücksicht auf diese Verhältnisse wurde die Petition der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen. Von der internationalen Pestkonferenz in Venedig wird berichtet, daß die Kommission zur Beratung der außerhalb Europas zu ergreifenden Maßregeln die Vorschläge zum Schutz des Persischen Meerbusens gegen die Pestgefahr annahm. Die Beamtenbesoldungsvorlage ist nun endgültig von der dazu eingesetzten verstärkten Budgetkommission des preußischen Abgeordnetenhauses in zweiter Lesung in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen worden; man zweifelt daher auch nicht an dem Zustandekommen des Entwurfs im Plenum des Abgeordnetenhauses. Die preußischen Staatsbeamten würden demnach alsbald in den Genuß eines höheren Besoldungsbezuges treten. Anders steht es mit den Reichsbeamten, da die Aussichten der analogen Vorlage im deutschen Reichstage nach wie vor als recht zweifelhafte bezeichnet werden müssen. Im Disziplinarverfahren gegen den BürgerSinnsprüche, Denksprüche, Sprüchwörter 2c. Das ist die köstlichste der Gaben, Die Gott dem Menschenherzen giebt: Die eitle Selbstsucht zu begraben, Indem die Seele glüht und liebt. ** * Der Thau kühlt die versengte Haide, So ist ein gutes Wort oft Labe, Die mehr erquickt, als große Gabe, Doch giebt ein edler Mensch sie beide. „ * Die Liebe giebt Freude, Die Tugend giebt Ruh', Drum wähle sie beide Und glücklich bist Du. Der Eine und der Andere. Erzählung von Hans Warring. (Fortsetzung.) Die Tage wurden zu Wochen, die Wochen Monden und Jahren, an den Gefühlen d Mannes änderten sie nichts. Die Kinder wuch entwickelten sich gut und normal, jed Marzin Orenzen seiner eigenartigen Begabur es setzte m“ steis für den älteren gehalten, u zu densen erianne oft in Erstaunen und gab heit er fig, welcher ruhigen Würde und Sich Seigund überall sein Erstgeburtsrechtn liehig'ständliches in Anspruch nah er seinen„kleinen Bruder,“ aber überbeßewissen schonenden Liebe, die von Selt besser wie nicht frei war.„Ich verstehe d Du mus:“— ich bin Dein größerer Brud leichtfüßig Hin eehorchen!“ Und der Kleine quemen, etwas(" der und schleppte dem was er zu“ schwerfälligen Großen alles herb ersten Kinden Spie gebrauchte. In die lehnung gegen da er nie an eine Al Bei aulge“ den Willen des Großen. doch in eineschienheit der Kinder waren Mutter, Aber gleich: In ihrer Liebe verschiedener Wezig diese äußerte sich wieder dieser Hinsicht ein Martin behauptete auch t, ei gewisses Herren= und Eige tumsrecht, es hatte immer den Anschein, als träte er aus Großmut einen Teil dieses Rechtes an Rudolf ab. „Sie ist meine Mutter,“ sagte er, wenn Rudolf, der ein liebebedürftiges, zartgeartetes Kind war, sich an die Mutter schmiegte und von ihr geliebkost wurde. Er versuchte dann den Kleineren wegzuschieben und sich an seine Stelle zu drängen. Dem wehrte Marianne mit aller Entschiedenheit. „Ihr seid beide meine Kinder, keines hat ein größeres Recht als das andere!"— In ihrem Herzen aber war sie nicht ganz so unparteiisch, da wohnte eine grenzenlose Zärtlichkeit für den Kleineren, vielleicht weil er der Zartere, Hülfsbedürftigere war. „Du mußt mein eigen sein,— es ist unmöglich, daß man fremdes Blut so liebt, wie ich Dich liebe!“ flüsterte sie oft vor sich hin, wenn sie das Kind auf ihren Schoß hob und an die Brust drückte.„Du mein Liebstes, mein alles auf der Welt!“ Aber so zärtlich war sie nur, wenn sie allein mit dem Kinde war, sie vermied es, Martins Eifersucht zu wecken. Auch Andreas hatte dergleichen „Gethue" nicht gern, er erklärte es für eine Verzärtelung, und Marianne hatte es scheinen wollen, als halte er Rolf für das verhaßte Kuckucksei im Neste und überwache jede ihm erwiesene Liebkosung mit eifersüchtigen Augen als unerlaubte Anklänge aus früheren Zeiten. Auch das Kind hatte ohne Worte begriffen, daß es seine Gefühlsausbrüche in Gegenwart des Vaters beherrschen und unterdrücken müsse. So bildete sich ein unausgesprochenes, aber tief innerliches Einverständnis zwischen den beiden heraus. Es bedurfte zwischen ihnen keiner Worte, sie verstanden sich durch Blicke. Wenn irgend ein rauhes Wort des Vaters das Kind einmal verschüchtert hatte, dann begegnete es dem Auge der Mutter, zu der es Trost suchend den Blick erhob. Und dieses Auge hüllte den Kleinen förmlich in Liebe und Zärtlichkeit ein und sagte ganz deutlich zu ihm:„Sei nicht traurig, es klingt böser, als es gemeint ist!“ Martin bedurfte eines solchen Blickes nie, er verstand den Vater und ließ sich seine rauhe Art nicht anfechten. Und dadurch rückte er dem ernsten worikargen Manne näher. Er forderte ihn nicht cuf, aber er ließ es doch geschehen, daß der Junge auf seinen Wegen zu Feld neben ihm marschierte, und es machte ihm Freude zu beobachten, wie gut der Bursche seine hellen Augen zu gebrauchen verstand, und mit welcher scharfen Beobachtung er wirtschaftliche Vorgänge verfolgte. „Voada, der Braune lahmt,“ sagte er eines Tages, als die beiden beobachteten, wie die Gespanne über die Brache gingen. Er selbst hatte es noch nicht bemerkt. Es zeigte sich späte;, daß das Lahmen des Tieres durch einen kleinen Stein verursacht worden war, der sich zwischen den Huf geschoben hatte. „Was der für Augen hat, ihm entgeht nichts,“ sagte er später zu Marianne,„der wird einmal ein tüchtiger Landwirt! Darnach könnt er Schreinersches Blut in den Adern haben!"— Gegen diese Annahme schrie etwas in der Brust des jungen Weibes. „Der Andere, der Andere ist's!“ sagte sie sich, und je mehr die Kinder sich entwickelten, um so fester wurde diese Ueberzeugung in ihr. Der Martin nahm alles hin, als gebühre es ihm, er hatte einen unüberwindlichen Zug zum Herrschen.„Das Blut des reichen Niederungsbauern,“ sagte sich Marianne. Aber sie behielt ihre Ansicht für sich, sie dankte Gott, daß das Herz ihres Mannes sich für eins der Kinder zu erwärmen schien.— Martin wurde allgemein für den geweckteren, klügeren der beiden Knaben gehalten. Das änderte sich indes einigermaßen, als sie anfingen, die Schule zu besuchen. Er hielt die Schule und das Lernen für etwas sehr Ueberflüssiges, für etwas, das er durchaus entbehren konnie, und aus dieser Ansicht machte er kein Geheimnis. „Seid artig und lernt fleißig,“ sagte Marianne zu ihnen, als sie sie am Morgen des ersten Schultages fertig gemacht, die weißen Hemdenkragen über die Jacken gelegt und sowohl den blonden wie den braunen Kopf mit der Bürste bearbeitet hatte. Sie war in feierlicher, gerührter Stimmung und zupfte und glättete an ihren beiden Lieblingen immer von neuem herum. „Artig werd ich sein,— aber lernen?— Ich — glaub— ich werd nicht viel lernen, Mutter“, meinte Martin. „Willu Du denn dumm bleiben, Dein Lebelang?“ „Das werd ich nicht,— ich werd schon wissen, was ich brauch!“ Und er steckte die Hände in die Taschen seiner neuen Höschen und sah so selbstzufrieden aus, wie ein richtiger, reicher Niederungsbauer, selbst, wenn er die Erfahrung gemacht hat, daß sein Knecht mit Feder und Tinte besser umzugehen versteht, als er. Und sein Selbstgefühl litt auch nicht, als in der Schule der von ihm so mitleidig geschonte Rudolf ihn weit überflügelte. Jetzt kam die Reihe an ihn, sich von dem Kleineren helfen zu lassen. Die Mutter suchte seinen Ehrgeiz zu wecken und seinen Fleiß durch einen Hinweis auf die Erfolge Rudolfs anzuspornen. Aber auch dies Mittel verfing nicht. „Ja,“ sagte er mit vergnügtem Lächeln und einem spöttischen Blick auf den Kleineren,„der Rolfchen lernt viel besser als ich— aber ich bin doch immer der Stärkere!" „Er ist gar nicht dumm, durchaus nicht,“ tröstete der Lehrer die sorgenvolle Mutter,„aber er kann seine Gedanken nicht zusammenhalten. Die wandern draußen im Feld und Wald herum, während Rudolf, der überhaupt mein bester Schüler ist, kein Wort verliert, das ich spreche.“ Rudolf war der bevorzugte Liebling des Lehrers, eines schon alternden Mannes, der früh seine Frau verloren hatte, und seitdem ein einsames Leben in seinem stillen, kinderlosen Hause führte. Seine Mußestunden füllie er mit allerhand Liebhabereien aus, über welche die Dörfler verwundert und mitleidig die Achseln zuckten. Daß er sich mit Gärtnerei abgab, prächtiges Gemüse und schöne Blumen zog, überhaupt sein Gärtchen schmuck und sorgfältig wie ein Schmuckkästchen hielt, konnten sie noch verstehen, daß er aber stundenlang auf seiner alten Geige herumkratzen konnte, und besonders, daß er eine Vorliebe für alles Getier hatte, im Winter einen guten Teil seines geringen SchulGetreides für die hungernden Vögel ausstreute und alle mager und elend aussehenden Hunde und Katzen um sich versammelte und pflegte, das schien ihnen doch ein Zeichen, daß es mit dem Kopfe des alten Herrn in mancher Beziehung nicht ganz richtig stände.(Fortsetzung folgt.) meister Roll in Gnesen, der bekanntlich einer er Militärkapelle das Spielen der Nationalbymne# unversagt hatte, hat das Oberverwaltungsgericht soeben verhandelt. Dasselbe bat d##s Amtsentsetzung lautende Urteil des Bi: Bezirksausschusses bestättet. Mitdmen St##c ist das Urteil nun echtett#ing n Orient. der atur Aus ihrem Die Klärung der Kom nicht hin Regieruu Flist Er Beimnlungen auch de der miechischen te 6tägige Grtechenland seine ven hat, ob es sich ügen will oder bei gried oliit ist darauf gerichtet, zig. aus Athen gemeldet, II die Ueberzeugung entische Truppen seien im a Ordnung zu schaffen, wobei durch Abneigung der Admirale gegen schwietige Operationen ihrer Landungskorps im Innern der Insel unterstützt werden. Der Ministerpräsident Delyannis erklärte, die RePflicht erfüllen und vor zurückschrecken.— In ähnlich herausfordernder Weise spricht sich auch die gesamte Presse Griechenlands aus, alle empfehlen Politik des Widerstandes. Griechenland verlange, so heißt es in den Preßergüssen, von Europa nur Gerechtigkeit und mache im voraus darauf aufmerksam, daß im Falle einer neuen Ungerechtigkeit gegen den Hellenismus der Friede unmöglich sein würde. Die Autonomie Kretas, so heißt es weiter, schaffe nur ein diplomatisches Flickwerk, welches der Gewalt rmaden nunmehr die Flederi J#el die Hamster, Murmeltiere nn:## kleine Haselmaus, ebenso Frösche und #####erdi Melce, ferner Eidechsen, die Blindund leider auch die Kreuzotter.— us dem fernen Süden finden sich jetz er gefiederten Lieblinge ein, denen die nerdische Heimat nunmehr wieder Atzung und ein stilles Versteck für die Nistzeit gewährt. Eine alte Bauernregel erzählt manch Lehrreiches vom März, so: Nimmt März— den Pflus veim Sterz, Hält Apiil— ihn wieder still.— Zu Anfang und zu End, der März sein Gist entsend Oder: Märzenschnee thut den Saaten weh. * Schwerie, 3. März. Der bisherige Bezirksfeldwebel Heinrich König vom Land wehrbezirkskommando in Hall in Württemberg, ein geborener Schwerter, ist seit dem 1. März dem hiesigen Königlichen Amtsgericht zur Ausbildung als Gerichtsschreiber überwiesen (:) Schwerte, 5. März. Allem Anschein nach verspricht die Bauthätigkeit im Laufe dieses Jahres eine recht rege zu werden. An verschiedenen Stellen hat man mit den erforderlichen Erdarbeiten schon begonnen. Wie verlautet, sollen bis jetzt schon über 50 Neubauten angemeldet worden sein. Hoffentlich hat die zahlreiche Errichtung von Neubauten eine Herabsetzung der augenblicklich hohen Wohnungsmiete im Gefolge. □ Schwerte 5. März. Das in der „Flora“, am Sonntag stattgefundene humori stische karnevalistische Konzert erfreute sich eines sehr guten Besuches, und war das schöne Lokal bis auf den letzten Platz gefüllt. Die zur Aufführung gelangten humoristischen Lieder der Dinge, der Erbitterung und den religiösen Leidenschaften auf Kreta keinen Widerstand leisten könne. Massenkundgebungen und der Krieg an der türkisch=griechischen Grenze werden gleichfalls angelündigt. Die griechische Geistlichkeit ist gleichfalls für den sogenannten Befreiungskrieg in die Schranken getreten. Der Metropolit von Athen telegraphierte an die Metropoliten von St. Petersburg:„Palladius, erflehe die Segenswünsche der russischen Kirche für unsre kretensischen Brüder, die für ihren Glauben kampfen!“ Ein ähnliches Telez25z.: der Bischof von Canterburg. wurden von den Anwesenden mit Begeisterung VerWi ∆ 915 andes dem einnachgeben und men. Dann werde es auch möglich sein, daß die griechische Regierung mit den Mächten in Unterhandlung tritt und gewisse Bedingungen stellt, deren Erfüllung späterer Zeit vorbehalten bleibe.— Der griechische Ministerrat berät über die militärischen Maßnahmen, welche durch die Lage an der Grenze in Thessalien, wohin noch weitere Verstärkungen gesandt werden, erfordert werden. Es wird befürchtet, daß von einem Augenblick zum andern ein Zusammenstoß stattfinden könne. Wie verlautet, ist König Georg entschlossen, sich versönlich nach Thessalien zu begeben, um den Oberbefehl über die dort zusammengezogenen griechischen Truppen zu übernehmen. Die weiteren Verhandlungen der Mächte über etwa zu unternehmende Zwangsmaßregeln gegen Griechenland werden voraussichtlich noch einige Tage dauern. Wegen der technischen Durchführbarkeit einer strengen Blockade gegen Griechenland wird zunächst das Gutachten der Admirale der vor Kreta liegenden Schiffe der Großmächte eingeholt. Auf ausdrückliche Anordnung des Zaren ist dem Sultan seitens des russischen Botschafters in Konstantinopel zu verstehen gegeben, daß bei den ersten Anzeichen von Ruhestörungen, sei es von türkischen oder von armenischen Truppen, Rußland sofort zur Occupation Armeniens schreiten würde.— Den wegen Lohnverweigerung wütenden türkischen Gendarmen auf Kreta ist auf Veranlassung der europäischen Konsule das Sold auf 3 Monate ausgezahlt worden. 72000 Mann türkischer Truppen sind bereits mobilisiert oder an die Grenze befördert worden, ihre Zahl soll auf 120000 erhöht werden, da die Pforte sich nicht nur gegen einen Angriff Griechenlands, sondern auch gegen einen solchen Serbiens, Bulgariens und Montenegros rüsten zu müssen glaubt. Die Türkei setzt ihre umfassenden Rüstungen fort, der Sultan erklärt, daß er nötigenfalls sein ganzes Vermögen, das rund 240 Millionen Franks beträgt, dem Vaterland zur Verfügung stellen werde. Amerika. Mac Kinley, der neue Präsident der Vereinigten Staaten, welcher am 4. März sein Amt antritt, hat sich in feierlichem Aufzuge, von lebhaften Volkskundgebungen begrüßt, von seiner Heimatstadt Canton(Ohio) nach Washing= ton begeben. Die Stadt ist zu seinem Empfange festlich geschmückt. Westfalen=Rheinland. Schwerte, 5. März. Der Monat März ist im eigentlichen Sinne der Auf aufgenommen und versetzten das anwesende Publikum in recht fidele Stimmung, sodaß manchem die Stunden viel zu schnell entflohen. Wünschen wir daher auch ferner dem Besitzer der„Flora“ für seine große Mühen ein recht besuchtes Haus. Wie wir aus der heutigen Annonce ersehen, findet am Sonntag auf Wunsch nochmals ein solches Konzert statt Hörde, 3. März. Großen Aerger hatte ein hiesige Frau über ihre Verurteilung wegen Hausfriedensbruchs. Um diesem ihrem Aerger Luft zu machen, versetzte sie beim Veriassen des Gerichtssaales einem der Zeugen eine kräftige Ohrfeige, welcher nun seinerseits mit einem Stockbieb antwortete. Dem Eingreifen des Mannes der hieblustigen Frau kam jedoch die Polizei zuvor, welche alle drei zur Polizeiwache behufs weiterer Veranlassung brachte. Aplerbeck, 2. März. Durch den Leicht sinn eines Menschen ist die Familie des Berg manns Ortmann zu Aplerbeckermark in tiefe Trauer versetzt. Die Ehefrau des Bergmanns Heinrich Brenne hatte sich zu dem am 28. v. M. im Saale des Wirts Käthner zu Aplerbeckermark abgehaltenen Preismaskenball, auf welchem sie als Jägerin verkleidet war, von dem Bergmann Wilhem Trippe eine Vogelflinte geborgt und gab nach der Demastierung diese ihrem Eigentümer, der auch anwesend war, auf sein Verlangen zurück. Trippe hängte sich die geladene Flinte über die Schulter und stolzierte im Saale zwischen den vielen Menschen umher. Gerade als er im dichtesten Gedränge an der Theke stand und Bier trank, entlud sich plötzlich sein Gewehr und mit dem Rufe:„Ich bin geschossen!“ sank der hinter Trippe stehende 18 Jahre alte Bergmann budwig Ortmann aus Aplerbeckermark bewußtlos zusammen. Das Gestoß war ihm in die Brust gedrungen. Der schnell hinzugerufene Arzt veranlaßte die sofortige Ueberführung des Verletzten in das Krankenhaus zu Hörde, wo der Bedauernswerte aber am andern Vormittage um 11 Uhr seiner Verletzung erlegen ist. Dortmund, 3. März. Recht teuer ist einer Frau von hier ihre Liebhaberei für den Kölner Karneval geworden. Sie war am Montag zu einer Gerichtsverhandlung als Zeugin geladen; anstatt dieser Vorladung Folge zu leisten, fuhr sie nach Köln. Wegen ihres unentschuldigten Ausbleibens nahm sie der Gerichtshof in eine Geldstrafe von 50 Mk. Dortmund, 3. März. Einen traurigen Abschluß fand das am Sonntag in der Turnhalle hierselbst stattgehabte Fastnachtskränzchen des hiesigen dramatischen Vereins„Einigkeit". Es kam zu einer wüsten Rauferei, in deren Verlauf ein Festteilnehmer durch verschiedene Messerstiche schwerverwundet und ein anderer durch einen Revolverschuß derartig schwer verletzt wurde, daß er bald darauf im Krankenhause verstarb. Die Polizei nahm noch in der Nacht verschiedene Verhaftungen vor, doch konnte der Name des Totschlägers nicht ermittelt werden. Dortmund, 2. März. Gestern abend stießen auf dem Bahnhof Langendreer zwei Güterzüge aufeinander, wobei großer Material= schaden entstand. Menschen sind nicht verletzt. Das Geleise nach Bochum war 10 Stunden gesperrt. Dortmund, 3. März. Ein Gefreiter des Bezirkskommandos wurde auf der Wißstraße von mehreren Personen überfallen und durch Messerstiche derartig verletzt, daß seine Auf nahme im Krankenhause erfolgen mußte. Eving, 3. März. Gegen den Gendarm Batschick hierselbst wurde in der Nacht zum Montag auf dem Wege von Lindenhorst nach Eving von einer unbekannten Person ein Revolverattentat versucht. Doch konnte der Gendarm den Unbekannten durch einen Säbelhieb entwaffnen. Dem Gendarm gelang trotz eines Fluchtversuchs die Verhaftung des Mannes, in welchem ein polnischer Bergmann aus Lindenhorst ermittelt wurde. Witten, 3. März. Eine große Roheit wurde Montag vormittag von einem Arbeiter in Scene gesetzt. Letzterer passierte kurz nach Schulschluß auf einem Metzgerwagen die Straße. Wie das bei den Kindern einmal so häufig geschieht, zogen sie nun scharenweise hinter dem Wagen her und chikanierten in ihrer Rosenmontagslaune den Rosselenker. Dieser nahm aber die Neckereien der Kleinen übel auf, ergriff ein großes Schlachtmesser vom Wagen und warf es zwischen die Kinder. Das gefährliche Instrument traf die linke Wade einer 12jährigen Schülerin namens Emma Weilamp so heftig, daß das Messer die Wade ganz durchschnitt und mit seiner Spitze wieder heraussah. Das Mädchen blutete schrecklich und wurde in ein Haus getragen, woselbst ein Arzt die erste Hülfe leistete. Dem rohen Menschen steht eine exemplarische Strafe in icht. Löttringhausen, 3. März. In böswilliger Absicht war in unserer Nähe eine dicke Bohle auf die Eisenbahngeleise geworfen worden. Glücklicherweise erlitt nur die Maschine des kurz darauf die Stelle passierenden Zuges geringe Beschädigungen, so daß die Urheber des Bubenstückes ihre Absicht nicht erreichten. Altena, 4. März. Seinen 99. Geburts. tag beging hierselbst in voller Geistesfrische der Fabrikam Hermann Dietrich Rump. Der nun fast Hunder1jährige geht noch jeden Tag seiner gewohnten Arbeit nach. Schwelm, 2. März. Im Laufe der vergangenen Woche sind am hiesigen Orte und in der benachbarten Pülsöde je drei Fälle von Genickstarre zu verzeichnen gewesen. In beiden Ortschaften verlief die Krankheit in je zwei Fällen tötlich. Die Befallenen sind Kinder im Alter von 4 bis 8 Jahren. Rinkerode 3. März. Trotz seines Alters von 72 Jahren ist der Müller B. von hier ein ganz gefährlicher Wilddieb. Wegen gleicher Vergehen hat er schon verschiedene Strafen erlitten, und trotzdem fällt er immer wieder in seine alte Leidenschaft zurück. Neuerdings wurde er wieder auf frischer That ertappt und deshalb von der Strafkammer zu Münster zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Bochum, 23. Februar. Ein Opfer des Fastnachtstrubels wurde heute nachmittag das 4jährige Söhnchen eines Bergmanns am Neuhammerweg hierselbst. Das Kind wurde von Fastnachtsgecken geängstigt und lief auf den Fahrdamm der elektrischen Straßenbahn. In demselben Augenblicke sauste ein Wagen heran und das Kind wurde überfahren. Es blieb sofort tot, da ihm die Brust eingedrückt und die Glieder vollständig zerschmetiert waren. Herne, 4. März. Reges Leben herrscht jetzt auf der Strecke Herne=Henrichenburg des Dortmund=Emskanals, da die Arbeiten zur Herstellung der Böschungsmauern in ganz umfassender Weise ausgenommen sind. Auch wurde dieser Tage das erste Schiff in die Gewässer des Kanals, welche durchschnittlich einen Meter Höhe aufweisen, gebracht. Das Schiff wird vorläufig zum Transport der nötigen Baumaterialien benutzt. Sodingen bei Herne, 3. März. In trauriger Weise wurde eine Kindtaufe hierselbst gestört, indem eine aus Bruch stammende Frau, deren Mann sich im Irrenhause befindet, plötzlich von einem Herzschlage betroffen wurde. Die Frau war sofort eine Leiche. Arnsberg, 3. März Um eine Hebung des Fremdenverkehrs herbeizuführen, bewilligten die hiesigen Stadtverordneten den Betrag von 2000 Mark für Wege=Anlagen. Brilon, 1. März. In der verflossenen Nacht sind am Bahnhof Brilon zwei Knechte des Restaurateurs Wiepen durch Kohlenoxyd erstickt. Den einen fand man heute morgen im Zimmer liegend tot vor, während der andere, welcher noch im Bette lag, zwar noch Lebenszeichen von sich gab, aber stark betäubt war. Derselbe wurde in das hiesige Krankenhaus geschafft und befindet sich noch in ärzt licher Behandlung. Es wird vermutet, daß das Unglück dadurch entstanden ist, daß die Verunglückten den Ofen zu stark geheizt, um ihre Kleidungsstücke zu trocknen, aber den am Ofenrohr befindlichen Schieber zu weit geschlossen hatten Soest, 3. März. Eine Regen= und Gewitter= Beobachtungs=Station wird vom Meteorologischen Institut von hier in Verbindung mit der landwirtschaftlichen Schule eröffnet. Soest, 3. März. Mit bedeutender Mehr heit beschloß der landwirtschaftliche Kreisverein hierselbst in seiner am Samstag stattgehabten Hauptversammlung die Gründung einer Kornhausgenossenschaft. Bei der sofort vorgenommenen Einzeichnung von Mitgliedern wurden insgesamt 6750 Morgen zum Körnerbau benutzte Felder angemeldet. In den Vorstand wurden u. a. die Herren Landrat v. Bockum=Dolffs Schulze=Henne und Schulte=Drüggelte gewählt Marxloh, 3 März. Ein hiesiger Bergmann kam der bei ihm wohnenden Kostgänger wegen mit seiner Frau in Streit und wollte dieselbe mit einer Dynamitpatrone töten. Die Bedrohte flüchtete, der Bergmann aber setzte sich die Patrone auf die Brust und entzündete sie. Der Unglückliche wurde in schauderhafter Weise zersetzt Münster 2. März. Günstige Erfahrungen hat man voriges Jahr hierselbst mit dem sogenannten Elberfelder System der Armenpflege gemacht. Im Jahre 1895/96 wurden an Geldunterstützung 96462 Mk. gewährt gegen 96615 Mt. im Vorjahre, dem letzten vollen Jahre nach dem alten System. Die Ersparnis beträgt also 27153 Mk. Diese Ersparnis wurde aber nicht erzielt durch Herabsetzung der Unterstützungssätze, sondern durch Wegfall von Unterstützungen in Fällen, wo eine Hülfsbedürftigkeit bei genauer Nachprüfung der Verhälmisse nicht vorlag. Der durchschnittliche Wochenunterstützungssatz stieg vielmehr von 2.07 Mk. auf 2,97 Mk. Minden, 2. März. Ein gräßlicher Unglücksfall passierte heute auf der Vikioriastraße dadurch, daß sich ein Bulle von seinem Führer losriß, einen am Wege bei seinem Wagen stehenden Mann mehreremale anfiel und ihn endlich unter den Wagen stieß. In diesem Augenblick zogen die scheugewordenen Pferde an, und das Rad ging dem Unglücklichen über den Kopf, sodaß der Tod sofort eintrat. Frau, Sohn und Tochter des Landma ns mußten das schreckliche Schauspiel mit ansehen. Der Mann wurde entsetzlich zugerrichtet. Der Bulle wurde durch zwei Leutnants durch einige Schüsse getötet. Radevormwald, 3. März. Wie die B. L.=Zig. mitteilt, ist am Montag abend in der Mark, Gemeinde Neuhückeswagen, wieder eine Katzenmusik ausgeführt worden. Der Radau war so arg, daß schließlich 2 Personen verhaftet und 9 arretiert wurden. Die Sache war vorher schon bekannt, weshalb ein starkes Polizeiaufgebot zur Stelle war. Essen, 3. März. Endgültig beschloß nunmehr der Kaiser Friedrich=Denkmal=Verein hierselbst, zu Ehren des Verstorbenen ein Kinderkrankenhaus zu errichten, in dem Kinder ohne Rücksicht auf Konfessionsangehörigkeit Aufnahme finden sollen. Essen, 3. März. Ganz gewaltig im Wert steigen die Grundstücke und Gebäude hierselbst. Als ein neues Beispiel hierfür ist wohl anzuführen, daß für ein Hotel=Restaurant, welches vor 5 Jahren mit 160000 Mark gekauft wurde, heute 500000 Mark gefordert werden. 350000 Mark wurden dem Besitzer bereits geboten. Derendorf bei Düsseldorf, 3. März. Ein Zwergenpaar wurde in unserer Kirche getraut. Das Brautpaar, beides Artisten, war etwa 90 Zentimeter hoch. Diese seltene Trauung hatte ein zahlreiches Publikum in die Kirche geführt. Düsseldorf, 3. März. Gelegentlich der Eröffnung des rheinischen PropinzialLandtages erfolgt hierselbst die Enthuuung des vor dem Ständehause errichteten Denkmals„Vater Rhein und seine Nebenflüsse. Köln 3. März. Einer der reichsten Einwohner unserer Stadt wurde vor einiger Zeit auf der Zollstation Herbesthal dabei erwischt, als er echte Brüsseler Spitzen einschmuggeln wollte. Dieses Vergehen mußte der Mann mit 600 Mark Strafe büßen. Koblenz, 3. März. Wegen Brandstiftung wurde ein Soldat der hiesigen Arbeitsabteilung in hiesigen Militärgefängnis eingeliefert. Der Mann, welcher im Herbst entlassen worden wäre, hatte nämlich acht Betten auf der Festung Ehrenbreitstein mit Petroleum getränkt und dann angezündet. Vermischtes * In Jena ist, wie die„Münch. N. N.“ melden, am Freitag ein Referendar in einem Pistolenduell von einem Offizier tötlich verwundet worden. * Während einer Stunde ergraut. Aus Lippa(Ungarn) wird geschrieben: Augenzeugen erzählen folgenden Fall, der sich mit dem 25jährigen Bauernsohn Mitru Popa aus Teregowa ereignet hat: Pora war auf dem Wege nach dem nahegelegenen Zigrad begriffen, um dort der Hochzeit seiner einstigen Geliebten, der Tochter des Todor Muntyan, beizuwohnen. Das Dorf ist über den Berg in zwei Stunden zu erreichen, während der Weg durch den Eisenbahntunnel bedeutend kürzer ist. Popa horchte, das Ohr auf die Schienen legend. und da er nicht das geringste Geräusch vernahm, faßte er Mut und nahm durch den Tunnel seinen Weg. Er war etwa 10 Minuten in dem finstern Tunnel gegangen, als er zu seinem, Ent; setzen das Geräusch eines herannahenden Bug, deutlich zu hören glaubte. Dieses Geräusch immer stärker, und es schien dem Unglücklichen, als ob die totbringende Lokomotive schon in seiner Nähe sei. Er lief nun, was er konnte und als er in seiner großen Angst wieder einmal um sich bickte, sah er sich von der Lokomotive des heranbrausenden Zuges bedroht. Mit der äußersten Kraftanstrengung gings nun vorwärts, aber von Sekunde zu Sekunde mußte er wahrnehmen, wie die Entfernung zwischen ihm und dem Zuge immer schneller abnahm. In der entsetzlichen Todesangst erreichte er zu seinem Glück das Ende des Tunnels in dem Momente, als der Zug an ihm vorbeisauste. Erschöpft stürzte Popa nieder und konnte eist nach einstündiger Erbolung seinen Weg nach Zigrad so tsetzen Als er im Munianschen Hochzeitshause anlangte, erkannten ihn die ihm wohlbekann en Gäste nicht Das Haar Popas war grau geworden, wie ds eines siebzigjährigen Greises * Die Hungersnot in den indischen Zentralprovinzen und in Oudh wütet furchtbar. Massenhaft findet man die Leichen der Fliebenden an den Landst aßen; die anderen sind reine Skelette. In Adoni, in der Präsidentschaft Madras sind tausende von Weibern dem Hungertode nahe. * In Verden a. d. A. wurde ein Gistmordprozeß verhandelt, dem folgender Thatbestand zu Grunde liegt: Die Angeklagte, Hebamme Johanna Schmidt ist nicht nur beschuldigt, an ihrem Schwiege vater einen Mordversuch begangen und ihren ersten Mann durch einen Revolverschuß geötet zu haben, sondern man hat sie noch wegen weiterer Verbeechen in Verdacht. Der zweite Mann der An#eklagten, ein Kapellmeister Eckard in Osnabrück, ist nämlich s. Zt. nach kurzer Ehe plötzlich an den Folgen eine: Karbolsäure=Vergiftung gestorben. Die Angeklagte giebt zwar an, daß ihr Mann sich vergriffen und statt Hoffmannstropfen Karbolsäure genommen habe. Es liegt aber der Verdacht nehe, daß auch ihr zweiter Mann eines gewaltsamen Todes gestorben sei. Wegen dieses Falles hat e infolge mangelnder BeAber noch mehrere tätselhaft plötzliche Todesfälle bahn der Angeklaagten. Zunächst ist ihre eigene Mutter im Jahre 1891 unter eigentümlichen umständen plötzlich gestorben, und während ihres Aufenthaltes in Osnab ück— in der zweiten Ehe starb im Wochenbett eine Frau Rogge, welche die Angeklaate als Hebamme behandelte, plötzlich an Quecksilbervergiftung. Beide Todesfälle sind unaufgeklärt geblieben, sind aber ebenfalls in der Verhandlung zur Sprache gelangt, so daß es nicht ausgeschlossen ist, daß auch diese rätselhaften Vorfälle ihre Aufklärung finden Der Prozeß fand ungeheuren Andrang des Publikums. Die ZeugenAussagen fielen zu Ungunsten der Angeklagten. — Im weiteren Verlauf des Prozesses wurde die Hebamme Schmidt des doppelten Mordes schuldig befunden und zum Tode, außerdem zu zwölf Jahren Zuchthaus, dauerndem Ehrverlust und Tragung der Kosten verurteilt. Die Angeklagte hatte an die Staatsanwaltschaft ein Sch eiben gerichtet, worin sie e klärte, ein Geständnis ablegen zu wollen. In der späteren Verhandlung gestand sie beide Mo dthaten ein, leumei jedoch ihre Schuld bezüglich der übrigen, nicht unter Anklage gestellten — Erdbeben. Coblenz, 3. März. Ein Erdbeben wurde beobachtet in Neuwied, Rübenach bei Coblenz, Cobern an der Mosel. In Rübenach wurden zwei Erschütterungen verspürt, die sich gewissermaßen als Stoß und Gegenstoß erklären lassen dü sten. Linz, 3. März. Heute Morgen ½ 7 Uhr wurde hier ein so starkes Erdbeben verspürt, daß Möbel, namentlich Oefen, in den Zimmern wankten. Der Stoß ging von Westen nad Osten. In dem eine halbe Stunde entfernten Dos Ockenfels will man gleichzeitig den einzigen gewaltigen Erdstoß noch stärker verspürt haben wie hie Neuwied, 3. März. Heute morgen kurz vor ½7 Uhr war hier ein etwa 3—4 Sekunden dauerndes Erdbeben. Anscheinend ging der Stoß von Westen nach Osten. Man wurde im Bei wiegenartia hin und her geschaukelt. Rolläden, Fenster, Thüren, Fußböden und Hausmobiliar krachten. Der Stoß war von einem unterirdischen, donnerähnlichen Rollen und etwas Sturm be61ch. Waldorf bei Niederbreisia, 5. Marz. Heute morgen verspürte man hier und in der Umgegend einen kräftigen Erdstoß von augenblicklicher Dauer. Demselben war ein sekundenlanges dumpfes Dröhnen voraufgegangen. Die Witterung ist stürmisch. Höhr, 3. März. Heute morgen kurz vor halb 7 Uhr wurde hierselbst ein heftiger Erdstoß verspürt. Neueste Nachrichten. Athen, 4. März. Der König ist gestern nach Thessalien abgereist, wo ein Zusammenstoß mit den türkischen Truppen befürchtet wird. Athen, 4. März. Es erregt hier große Besorgnis, daß sich gestern plötzlich große türkische Truppenmassen an der Grenze bei Triccala zeigten.— Die gesamte Presse führt eine kriegerische Sprache und fordert die Regierung auf, das Ultimatum der Mächte zurückzuweisen. Athen, 5. März. Der neue Kriegsminister befahl den Truppenbefehlshabern, die äußerste Thätigkeit zu entwickeln, die Armee fähig zu machen, den gegenwärtigen Verhältnissen ins Auge zu sehen. Athen, 5. März. Das Amtsblatt veröffentlicht den Einberufungsbefehl der Reserven von 1891 bis 1888 binnen 3 Tagen. Getreidemarkt=Bericht. Berlin, 4. März 1897. Ueber dem gesamten Getreideverkehr lagert ein allgemeiner Schwächezustand, welcher sich besonders in letzter Zeit recht fühlbar gemacht hat. Wenn sich auch zuweilen etwas Nachfrage nach greifbarer Ware zeigte, so war dieselbe doch nicht bedeutend. Besondere Beachtung fand gutes Brotgetreide. Auf Futtergetreide drücken die billigen Anerbietungen von vordamerikanischem Mais. Den herrschenden Witterungsverhältnissen schenkte der derzeitige Getreide=Verkehr nur insoweit Beachtung, als man bei dem milderen Wetter der letzten Tage, melch s man für die aufgehenden Wintersaaten für günstig hält, ein baldiges Offenwerden der Schiffahrtswege erwartet. Bemerkenewerte Preisveränderungen gegen die Vorwoche sind für Weizen und Roggen kaum zu notieren. Hafer lag still und unverändert. Mais andauernd billig angeboten. Nach privater Ecmittlung notierten(am 2. März cr.) für 20 Zir.: Weizen loco 166,00 bis 167,00 Mk. ab Bahn, für Moi 168,00—168,25 Mk., Roggen loco 121,00—122,00 Mk. ab Bahn, für Mai 122,00-12250 Mk., Gerste nach Qualität 107,00 bis 18000 Mk., Hafer loco 13200—150,00 Mk. ab Bahn, für Mai 129,00 Mk., Mais, amerikanischer, 92.(0—96,00 Mk. ab Bahn, für Mai 82.00 Mk. Neubau des städt. Gaswerks Schwerte. Es sollen vergeben werden für das Fabrik= und Verwaltungsgebäude: Los VII Dachdeckerarbeiten, „ VIII Klempnerarbeiten, „ IX Schmiede= und Schlosserarbeiten. „ X Maler=, Anstreicher= und Glaserarbeiten. Zeichnungen, Bedingungen und Angebotsformulare liegen im Bureau des alten Gaswerks zur Einsicht auf. Letztere beiden können ebendaselbst bezogen werden gegen portofreie Einsendung von je 1,50 Mk. für Los VII und VIII und IX, 2,00 Mk. für Los X. Offerten sind versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum Dienstag. den 9. März, vormittags 11 Uhr, bei dem unterzeichneten Stadtbauamt einzureichen. Die Eröffnung der Offerten geschieht in Gegenwart der etwa erschienenen Bieter. Schwerte, den 3. März 1897. Das Stadtbaumt. Metterbericht. Nachdr. verb. Voraussichtliches Wetter am 6. März: Starker Wind mit zeitweise heiterem, meist aber wolkigem bis trübem, etwas wärmerem Wetter und Regen. An der Nordsee stellenweise Gewiter.... mocksel.: Lamält 7. März: Etwas katter, wechselne bewolll, Niederschläge, starker Wind. 8. März: Ziemlich heiter, ruhig, meist trocken, nachts Frost und Reif. Der Gustav-Adolf-Frauen-Verein zu Schwerte begeht, so Gott will, am Sonntag, den 7. März d. Is., sein Jahresfest mit Festgottesvienst vormittags ½10 Uhr in der gr. ev. Kirche und mit Nlachversammlung nachmittags 3 Uhr in der Kleinkinderschule. Festredner sind die Herren Pastoren Knigge von Gleidorf und Merminod aus Belgien.— Zur Teilnahme ladet freundlichst ein Schwerte, den 4. März 1897. Der Vorstand. Gelanntmachlug. Die Anfuhr mehrerei Schachtrnten Kles auf den Rosen=, Holzener= und Geisecker=Weg soll am Montag, den 8. März 1897, vormittags 11 Uhr, im hiesigen Stadthause an den Mindestfordernden verdungen werden Schwerte, 3 März 1897. Der Magistrat. Handele Register des Königlichen Amtsgerichts Hörde. Bekanntmachung. Laut Beschluß der General= Versammlung vom 23. Jannar 1897 hat die Molkereigenossenschaft Sölde, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht, ihre Firma wie folgt verandert: Molkerei= und BrennereiGenossenschaft Sölde, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht. Eingetragen in das Genossenschaftsregister am 17. Febr. 1897. Hörde, den 17. Febr. 1897. Königliches Amtsgericht. Die Gesundheit zahlreicher Personen geht durch eigenes Verschulden zu Grunde. Es sind die naturwidrigen Gewohnheiten und schädlichen Einflüsse, welchen sich der Mensch berufsmäßig, oft willkürlich aussetzt, die den Keim zu Krankheit und Siechtum säen. Inbesondere sind es die Lungen=, Nerven= und Rückenmarksleiden, die hierdurch erzeugt werden und ist es daher die Pflicht jedes Menschen, durch normales Leben dem Ruin der Konstitution vorzubeugen. Wo jedoch bereits ernstere Krankheitserscheinungen auftreten, da bedarf es einer gründlichen naturgemäßen Behandlung, und diese bietet jedem Kranken die Sanjana=Heilmethode Wirkung dieses erprobten Heilverfahrens wird durch zahlreiche unbedingt zuverlässige Erfolge nachgewiesen, Frau Marie Gill zu Breitensee, Post Trappstadt(Baiern), welche durch die Sanjana=Heilmethode von hochgradiger Neurasthenie wiederhergestellt wurde, erklärt: Durch die Sanjana=Heilmethode bin ich so vollkommen hergestellt, daß ich wiederum meine Arbeiten verrichten kann, wie ein gesunder Mensch, der noch nie krank gewesen ist. Ich bin daher die Bewunderung des ganzen Dorfes, sowie aller, die meine frühere Krankheit kannten— und sage der Direktion des Sanjana=Instituts zu London S. E. meinen tiefsten Dank. Dieses Beispiel steht keineswegs vereinzelt da, vielmehr bietet die SanjanaHeilmethode zahlreiche weitere glückliche Heilungen schwerer Hals=, Lungen=, Nerven= und Rückenmarksleiden. Wer der Hülfe bedarf, verlange kostenfrei die Sanjana=Heilmethode. Man bezieht dieses durch Zeit und Erfahrung bewährte Heilverfahren unentgeltlich durch den Sekretär des Sanjana=Instituts, Herrn R. Görcke, Berlin S.W. 47. Der Verein für Gesundheitspflege und naturgemasse Hellweise, Schwerte, beabsichtigt Ende dieses Monats einen * KA “ in den praktischen Anwendungsformen des Naturheilverfahrens abhalten zu lassen. Lehrgeld für Mitglieder und deren Angehörige 5 Mark, für Nichtmitglieder 7,50 Mark. Anmeldungen bis spätestens 14. März nehmen die Vorstandsmitglieder entgegen. Gottesdienste. Sonntag, den 7. März 1897. Größere evang. Kirche: (Gustav Adolf=Fest). Hauptpr. ½10 Uhr: Pastor Knigge von Gleidorf. Nachm. 2 Uhr: Kindergottesdienst. Pastor Graeve. Nachm. 3 Uhr: Nachversammlung in der Kleinkinderschule. Amtswoche: Pastor Heinenberg. Reformierte Kirche. Vorm. ½10 Uhr: Pastor Terberger. Westhofen. Vorm. 10 Uhr: Predigt. Nachm. 2 Uhr: Kindergottesdienst. Pastor Falkenberg. Stadtmission in Schwerte. Nachm. 5 Uhr: Bibelstunde. Westenort 12. Amtswoche: Pastor Graeve. Guter Cunger zu verkaufen. Finke, Jägerstraße 5. Unserer heutigen Nummer liegt ein Preis=Verzeichnis der Prüfungsstation für Kartoffeln von C. Strangmeier Hiddesen bei DetTodes-Anzeige. Am 5. März, morgens 7 Uhr, entschlief santt nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Bruder und Schwager Wilhelm Edelhoff im 66. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bittet Die trauernde Witwe. Ergste, Camen, Schwerte, Hohensyburg, Bürenbruch, Holzen, Westheide, 5. März 1897. Die Beerdigung findet Montag, den 8. Februar, nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehause aus statt. mold bei. Wir wollen nicht verfehlen, unsere geehrten Leser auf dieses Preis=Verzeichnis aufmerksam zu machen, denn die Anbau=Versuche sind auf das Gewissenhafteste vorgenommen und die bei jeder Kartoffelsorte angegebenen Beobachtungen dienen als sichere Grundlage bei der Auswahl der Sorten. Daß sich genannte Kartoffelprüfungsstation des besten Rufes erfreut, beweisen die verschiedenen Auszeichnungen in den letzten Jahren. Ferner liegt eine Beilage der Firma lein, Tapetenhaus, Hannover, bei. Krleger Erkemn Schwerte. General=Versammlung. Sonntag, 7. März 1897, nachmittags 4 Uhr, im Vereinslokale(L. Hagemann.) Tages=Ordnung: 1. Zahlung der Beiträge 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Besprechung über die hundertjährige Wiederkehr des Geburtstages Sr. Majestät weiland Kaiser Wilhelm I. 4. Verschiedenes. Schwerte, den 5. März 1897, Der Vorstand. Ein braves, fleißiges „ welches alle Hausarbeit versteht und gute Zeugnisse vorlegen kann, gegen hohen Lohn von einer Beamtenfamilie gesucht. Näheres zu erfahren Hörde, Schwarzer Pfad 4. gesucht. Bernh. Helmig, Motkestraße. und Verrauf von Grundstucken. Am Donnerstag, 1I. nachmittags 4 Uhr, werde ich beim Wirt Herrn Aug. Hengstenberg mehrere Parzellen Ackerland, Wiesen u. Waldungen meistbietend zum Verkauf aussetzen. Ergste. Wilh. Liesenhoff. Tapeten!* Naturell=Tapeten von 10 Pfg. an. Gold=Tapeten" 20„„ in den schönsten neuesten Mustern. Musterkarten überallhin franko. Gebr. Ziegler. Minden in Westf. Wer noch nach den Weihnachtsfeste einem jungen Mädchen durch ein sehr nützliches und doch sehr billiges Geschenk eine Freude machen, jedes iunge Mädchen, welches sich selbst bilden will, lasse sich den Katechismus für bessere Hausmädchen aus Berlin senden. Die Thatsache, daß dieses Buch in zwei Jahren bereits in 50000 Exemplaren verbreitet ist und Ihre Majestät die Kaiserin der Verfasserin, Frau Erna Grauenhorst, Vorsteherin der Hausmädchenschule in Berlin, ihre Anerkennung durch ein huldvolles Dankschreiben gezollt hat, ist ein Beweis für die Brauchbarkeit des Buches. Die jungen Mädchen lernen daraus: 1. Anstand und Höflichkeit, 2. Hervieren und Tischdecken, 3. Großreinmachen und tägliches Reinmachen, 4. große Wäsche, 5. Glanzplätten, 6. Wie sich ein Mädchen die Zeit einteilen muß, 7. Etwas vom Kochen, 8. Rat im Stützen der Hausfrau. Bei diesem reichhaltigen Inhalt ist der Preis des Buches nur 65 Pfennig. Gegen Einsendung dieses kleinen Be trages in Briefmarken erfolgt sofort die Zusendung des Buches franko von der Verfasserin Frau Erna Grauen horst, Vorsteherin des FröbelOberlin=Vereins in Berlin, Wilhelmstraße 10. Lauhorz=Tertauf. Das auf dem Bauplatz des Kaiserdenkmals zu HohenSyburg stehende zu einem kleinen Wohnhaus passend eingerichtet, sowie 25 No. schwere Lerchenstämme, bis zu 18 Mtr lang, zu Bauholz passend, oll am 15. März, nachmittags 3 Uhr, an Ort und Stelle, ersteres auf Abbruch, meistbietend verkauft werden. F. Weissmann, Einehochtragende I Ziege zu verkaufen. Näheres in der Exped. Fr. Preuc, prakt. Zahnarzt, Hörde, Penningskamp. Plüß=Staufer=Kitt, zum Kitten zerbrochneer Gegenstände, à 30 u. 50 Pf. empfiehlt Ernst Klein vorm. Herm. Irle. Zur Helle, Schwerte. Caviar, Sillze, Harzkäse. Schweinebraten, Frankfurter Würstchen, Kalbsbraten, Warmes Frühstück 40 Pfg. Abendplatte 40 Pfg. Dunkles Dortmunder Kronenbier. Carl Raffin. Handelsnachrichten. Dortmund, 4. Mär. Der Fruchtmark zu Dortmund giebt vorläufig keine Preisnotizen aus. Neuß, 2. März. Weizen kleiner 16,80, do. do. engl. I 16,30, II 15,30 K. Roggen I. 11,60, II. 11,10 M. Neuer Hafer I. 12,60 K, II. 11,60 M. Buchweizen I. 12,00 K. II.—— K. Kartoffeln 5,00 J, alles per 100 kg. Heu 33,00, Weizenstroh 00,00, Roggenstroh 18,00 M, alles per 500 kg. Weizenvorschuß 00 per 100 kg. —.— K. Kleien per 50 kg. 5,00 M.— Alter Hafer—.—.4.— Raps l. 25,00, II. 24,50 M, Aveel(Rübsen) 1. 24.00, II. 23,50 M. Rüböl per 100kg in Partien von 100 Ztr.(ohne Faß) 56,00 M, Rüböl von 100 kg. faßweise(ohne Faß) 57 50 K., Gereinigtes Oel per 100 kg 3 K höher als Rüböl. Preßkuchen 1000 kg 102.— M. Berlin, 4. März. Ungeachtet der matten Depeschen aus Nordamerika gewann hier festere Stimmung für Gedreide bald die Oberhand und wenngleich wenig Kauflust für Weizen und Roggen zu befriedigen war, haben den zurückhaltenden Angeboten doch etwas höhere Forderungen bewilligt werden müsse Haser loko blieb schwer verkänfl NURZE mit 33 UDSIHEIES SCHGDEUDEICE IEE UDE SCIACS CSCIDGIDS SCSCCHE 65 Vorstellung des 9 „„„„„„ 8 Krieger-Vereins S zu Schwerte zu Gunsten der hülfsbedürftigen Kameraden und deren Hinterbliebenen am Sonntag, d. 7. März 1897, nachmittags 5 Uhr anfangend, im Saale des Herrn L. Hagemann(Im Reiche des Wassers). Es gelangt zur Aufführung: Keis=Keislingen. e Für jede Uhr 3 Jahre schrittieue Garant Kemmmmrererrersc ner V1e. SeT, vorm. II. Winkloh,(5 0% 3. * =∆ Bahnhofstr. 1. Schwerte. empfichlt sein grosses Lager in Gold- u. Silberwaren Bahnhofstr. 1, * Schwank in 5 Akten von Moser. Entree 50 Pfg. 2 Karten sind zu haben bei Herrn L. Hagemann Goldene Herrenringe, mit Steinen gestempelt, von 4 Mk. an. Goldene Damenringe, mit Steinen gestempelt, von 2 Mk. an. Trauringe, massiv Gold gestempelt, von 4 Mk. an. Gold-Doubléringe, mit Steinen, sowie Trauringe von 1 Mk. anGoldene und silberne Kettenringe zu billigen Preisen: Kolliers, Broschen, Ohrringe in Gold, Granat, Korall etc. in grösster Auswal, zu den billigsten Preisen. Doublé-Broschen von 1.50 Mk. an. Silberne Broschen, gestempelt, von 50 Pfg. an. Echt goldene, sowie Doublé-Kreuze und Medaillons in grosser Auswahl. s1 SEESm Eigene Reparatur-Werkstatt. 95 82 65 (Im Reiche des Wassers). 8 Der Vorstand. 15 Die General=Versammlung findet nach### sS mittags 4 Uhr im kleinen Hagemann'schen ale stat. 65 SSLNISIDTCIS DSIDE BIN TOG BEDIAGIACDTOSIOE BGTOG IDG SEN GE Bekanmtmachung. Depositen- und Check-Verkehr betr. Unsere Kasse nimmt Gelder zur Verzinsung franko P’rovision entgegen. Die Zins-Vergütung für solche Einlagen beträgt: 1. Auf Depositen-Konto: 2. Auf Check-Konto: bei 1monatlicher Kündigung„. nach besonderer Vereinbarung bei 2„„ bei 3„„ bei 6„„„„ 3½%„ Die Einlagen werden vom nächstfolgenden Werktage ab verzinst. Checkbücher sind an der Kasse zu haben, wo auch die Bedingungen für den DepositenVerkehr zu erfahren sind Hagen, im Dezember 1896. Berg.-Märk. Bank, Hagen. 9 Die Ileilsarmee! 2% 2½% 3% 3½% SchweineTröge, sowie auch Kuh= u. Pferdetröge aus Zementbeton, in prima tadelloser Ware, offeriert billigst A. Sieberg. Baumaterialien, Hellpothstr. 5 u. Brückenthor, Schwerte. - n L. Rolm, Schwerte, Stein= u. Bildhauerei, Hörderstr. 26. Atelier für Grabmonumente, Lager fertiger Grabdenkmäler, empfiehlt sich zur Anfertigung nach Zeichnungen und eigenen Entwürfen einfachster und reichster Art. Grab=Einfassungen, Renovierung, Schrifthauen u. Vergoldung alter Denkmäler, ferner: Spül= und Schleifsteine, sowie Tröge in jeder Größe. Da ich die Waren selbst anfertige, bin ich in der Lage, zu billigen Preisen liefern zu können. DORTMUN Nicolaistr.s: BBalken str. 38 empfiehlt: Samstag, den 6. März, abends 8 Uhr, im Saale des Heirn Feit, Wilhelmstr.: Pooamsee #.#c en ((.) mittam wir ai. seitdem wir die neue Milchflasche mit Kugelventil gebrauchen. Alleinige Niederlage bei Ernst Klein, Hüsingstr. 15. Tüschen=Ahren, neue und gebrauchte, Taschen=Ahten in großer Auswahl zu den denkbar niedrigsten Preisen. Uhrretten in Gold, Charnier, Doublé, Silber, Talmi und Nickel. Vortrag von Stabskapitän Treite. Thema: Das gebrochene Gelübde oder Die geraubte Locke. Solovorträge mit Musikbegleitung von Hallelujaschwestern. Jedermann(auch Frauen) herzlich willkommen. Eintritt 20 Pfg. St Das Kugelventil kann auch bei Soxhletflaschen angewandt werden. Am 11. u. 12.März Ziehung der Pommerschen Dr. H. Zollmann, prakt. Arzt. Naturheilverfahren! Spezialität: Frauenleiden inkl. Behandlung nach ThureBrandt. Hagen 1. W., gegenüber Photograph Mende. Sprechstunden 8—10 u. 2—4 Uhr. Sonntags nur vorm. 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Korr.“ veröffentlicht von Professor Mitsotakis, dem Lehrer des Neugriechischen am Orientalischen Seminar der Universität Berlin, einem geborenen Kretenser, nachstehende Zuschrift über die vielumstrittene Insel: Unter der Türkenherrschaft, welcher die Insel im Jahre 1689, nach dem letzten langen Kampfe unter der Festung von Kandia, verfiel, konnte die Bevölkerung der schönen, reichen Insel nicht gedeihen. Dezi miert, erschöpft durch die beständigen Kämpfe gegen die Venetianer, und unter dem Drucke der Furcht stehend, welche damals die Türken der ganzen Christenheit einflößten, wagten die Kretenser während eines ganzen Jahrhunderts sich nicht zu rühren. Erst nach 1821 faßten sie wieder Mut und erhoben sich in wiederholten Aufständen, die leider fruchtlos waren. Während der ersten hundert Jahren der Türkenherrschaft waren die Kretenser sogar kleinmütig geworden, so daß viele von ihnen, um den Verfolgungen und Grausamkeiten der Türken zu entgehen, zum Islam übertraten. Dies war das einzige Mittel, Leben, Besitzung und Ehre der Familie zu sichern. Aber dies war, ist und wird vielleicht auch noch das große Unglück der Insel sein, denn diese kretensischen Griechen, welche zum Mohamedanismus übergetreten, sind schlimmer als die Türken selbst; sie besitzen den wahnsinnigen Fanatismus aller Renegaten und sind geschworene Feinde jeder Reform.— Die erste allgemeine Volkszählung auf Kreta, unter türkischer Herrschaft, fand im Jahre 1858 unter dem General=Gouverneur der Insel, Vili Pascha, welcher vorher türkischer Gesandter in Paris gewesen, statt. Das Ergebnis war die Zahl von 278,908 Seelen, darauf fielen 215,863 Christen, 68,138 Mohamedaner und 907 Juden. Die zweite und letzte Volkszählung fand im Jahre 1881 statt, als Photiodis Pascha Gouverneur von Kreta war, und ergab eine Seelenzahl von 279,165 und zwar 205,010 Orthodoze, 253 Katholiken, 13 Protestanten, 8 Armenier, 73,234 Mohamedaner und 647 Juden. Die Volkszählung. welche gewissenhaft ausgeführt wurde und deren Resuliat Stawrakis, der Generalsekretär des Gouverneurs Phitiodis Pascha, veröffent lichte, giebt heute noch beinahe genau die Zahl der Bewohner Kretas an. Alle diese sprechen die griechische Sprache, und auch die Fremden, welche sich in Kreta niedergelassen haben, sprechen neben ihrer Muttersprache das Griechische. Was die Mohamedaner anbetrifft, so ist nur eine sehr geringe Zahl derselben des Türkischen mächtig. Aber die gemeinsame Sprache ist kein Bindemittel zwischen Christen und Mohamedanern in Kreta. Die blutigen Erinnerungen an so mannigfache Feden und der Koran haben eine unübersteigliche Schranke zwischen ihnen aufgerichtet, um so unübersteiglicher, da die Kultur nicht vorhanden ist, um sie aufzuklären und ihnen ihr gemeinsames Interesse verständlich zu machen. Die Mohamedaner werden die Vergangenheit nie vergessen und stets mit Wut sehen, wie die ihnen nicht untergeordneten Christen dieselben Privilegien wie sie genießen und selbst das Uebergewicht über sie haben, weil sie die Mehrzahl bilden. Sie werden alles aufbieten, um der Autonomie entgegen zu arbeiten, mit welcher die Diplomatie die Insel jetzt belegen will. Nur wenn die Mächte jeder Einmischung der Pforte in die Administration der Insel ein energisches Halt! gebieten, nur dann werden die Mohamedaner Kretas angesichts der Thatsache, daß sie von Konstantinopel nichts mehr zu hoffen haben, sich beruhigen und sich dem Kismet(Schicksal) unterwerfen. Vermischtes. * Eine Bittschrift überreichte dem Kaiser am Samstag vormittag gelegentlich des Spazierganges im Berliner Tiergarten ein älterer, gutgekleideter Herr, der mehrere Ordensauszeichnungen trug. Der Kaiser ergriff sofort das Schreiben, während der Bittsteller selbst von einem Schutzmann nach der Wache zwecks Feststellung seiner Personalien gebracht wurde. * Die Stufenbahn aus der Gewerbeausstellung wird den Berlinern erhalten bleiben. Dieselbe ist von einem Unternehmer auf Abriß gekauft worden und wird in Wilhelminenhof an der Oberspree zur Aufstellung gelangen. * Berlin, 27. Febr. Die Belohnung für die Ergreifung des Mörders des Justizrats Levy, welche der Anwaltverein im Betrage von 5000 Mk. ausgesetzt hat, ist in der Weise verteilt, daß der Gendarm in Zellerfeld, welcher den Werner ergriff, 2500 Mk. erhält. Auf den Rest haben der Posthülfsbote Große, sowie der prakt. Arzt Dr. Rubinstein im Betrage von je 1250 Mk. Anspruch. Dr. Rubinstein hat auf seinen Anteil zu gunsten des Komitees der Sanitätswache verzichtet. * Berlin. Die kretischen Wirren üben einen verhängnisvollen Zauber auf die Berliner Straßenjugend aus. Griechen= und Türken prügeleien sind an der Tagesordnung, und besonders der Mariannenpark und der Kölnische Park sind bevorzugte Schlachtfelder. Der mut wildem Kriegsgeschrei verbundene Unfug nimmt einen so bedrohlichen Charakter an, daß die Großmächte, in diesen Fällen Publikum und Schutzleute, Veranlassung nehmen müssen, sich einzumischen, um Ordnung und Ruhe zu stiften. * Die Einwohner zahl Charlotten= burgs hat mit dem 1. Februar 150000 überschritten. Bei der Volkszählung von 1890 zählte Charlottenburg nur 76859 Einwohner. Die Einwohnerzahl hat sich also in 6¼ Jahren fast verdoppelt. 1871 zählte Charlottenburg erst 19518 Bewohner, am 1. Dezember 1895: 132383. * Frankfurt a. M., 2. März. In einem Ehescheidungsprozeß war heute eine Frau zum Sühnetermin geladen. Um 9 Uhr, so erzählt ein Berichterstatter, fuhr eine Droschke vor und hielt am Portal. Es entstieg ihr ein junger Mann, der ins Vestibule des Justizpalastes eilte. Nach einiger Zeit kam eine junge Frau, sie fragte nach dem Amtsgericht II. und erhielt den entsprechenden Bescheid. Während sie die Treppe emporstieg, stürzte jener junge Mann aus dem Hintergrund hervor, eilte die Sufe hinauf, hob die Frau in seine Arme, eilte rasch die Stiegen hinab, trotz des Sträubens der Frau hinaus zur Droschke, deren Thür offen stand, stieg ein, der Schlag schloß sich und fort rollte der Wagen nach seinem bis jetzt unbekannten Ziele. Der Sühnetermin konnte nicht abgehalten werden, statt dessen erfolgte durch den Anwalt der Frau eine Anzeige wegen Menschenraub. * Folgendes heitere Histörchen, welches vor kurzer Zeit auf dem Dorfmarker Bahnhofe sich zugetragen haben soll, zeigt, wie ein Teil unserer ländlichen Bevölkerung über gewisse Einrichtungen der Eisenbahn denkt. Kommt da neulich eine ehrsame Bauersfrau aus einem der nächsten Nachbarörter von Dorfmark mit ihrem Dienstmädchen zur Station gepilgert, um„ok mal mit de Isenbahn to föhren un in de Stadt intoköpen". Kurz vorm Bahnhofe bleibt das Mädchen aus irgend einem Grunde zurück, und die Frau geht voraus, um Fahrkarten zu lösen, da der Zug bald einlaufen muß. Die Karten sind gelöst, der Zug fährt ein; aber wer nicht kommt, ist unser wackeres, vorsichtiges Mädchen. Die Frau denkt, da das Mädchen nicht erscheint, bis zum nächsten Zuge zu warten, weil ohne dasselbe der Reisezweck ganz verfehlt sein würde, und der Zug muß ohne unsere beiden Reisenden abdampfen. Kaum ist derselbe außer Gesichtsweite, so sieht die Frau ihr Mädchen von weitem ganz ärgerlich herankommen. Auf die Frage, wo es so lange gesteckt habe, erwiderte das Mädchen mit finsterm Gesichte:„Do an'n Weg bün ick bläb'n, wo de Pahl mit dat Brett steiht, wo„Halt“ anschrew'n is. As de Isenbahn kööm, da hew' ick ümmer„Halt! Halt!“ ropen; aber se hett gar nich hört und hett mi drießt stahn laten.“ * Der Registrierballon, der am 18. Februar in Straßburg aufstieg, ist am Samstag, wie aus Marburg a. d. Lahn berichtet wird, im Walde an der Straße Rosenthal Frankenberg aufgefunden worden. Die Apparate konstatieren eine Höhe von 14000 Metern und eine Temperatur von minus 60 Grad. * Altona, 2. März. Hier befinden sich drei von einer Hamburger Firma begründete Warengeschäfte mit der Firma:„Hamburger Engros=Lager". Dieselben waren vom Altonaer Manufaktunisten=Verein infolge eines in dessen Hauptversammlung gefaßten Beschlußes auf Grund des Gesetzes über die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs aufgefordett worden, diese Bezeichnung zu entfernen, welcher Aufforderung sie jedoch nicht nachkamen. Daher ging der Verein zunächst gegen eine dieser Firmen mit einer Klage vor, und das Amtsgericht Altona entschied in der That dahin, dem Beklagten sei zu verbieten, die Bezeichnung Hamburger Engros=Lager" zu führen; auch habe er die Kosten des Verfahrens zu tragen. ein rt r * Ein schweres Verbrechen ist in einer Villa bei Meißen verübt worden. Der dort wohnende Lehrer Pfordt wurde ermordet seine Tochter schwer, ein jüngerer Sohn weniger erheblich verletzt. Zur Ermittelung des Mörders ist die Berliner Kriminalpolizei requiriert worden. Außer dem Portemonnaie P's und dem Schlüssel zum Geldschrank hat der Mörder nichts mitgenommen. * Querfurt, 1. März. Ein scheuß licher Mord wurde an einen dreijährigen Knaben verübt. Man fand den Jungen, der vorher nicht krank gewesen war, tot auf und da der Stiefvater des Kindes, ein Arbeiter C., erst im vorigen Jahre wegen Mißhandling desselben mit Gefängnis bestraft war, lenkte sich sofort der Verdacht auf ihn, das Kind vor sätzlich getötet zu haben. Die gerichtliche Sektion bestätigte diesen Verdacht; es stellte sich heraus, daß der Unmensch dem Kinde einen acht Zentimeter langen Nagel in die Brust getrieben und dadurch die Lunge durchbohrt hatte. C. hat den Mord bereits eingestanden. * Schwetz, 25. Februar. Als galanter Mann erwies sich kürzlich hier ein fechtender Handwerksbursche. Er kam zur Mittagszeit in ein Haus in der Jakobstraße. Liebliche Gerüche von Kohl umspielten seine Nase und bescheiden, aber mit nicht mißzuverstehender Innigkeit bittet er um eine kleine Probe seiner „liebsten Speise“. Die Hausfrau vermag in ihrer Herzensgüte seine Bitte nicht abzuschlagen. Er erhält eine hübsche Portion, die er mit gutem Appetit und vor Freude strahlendem Gesicht verzehrt, worauf er sich mit vielen Dankesworten verabschiedet. Wer aber beschreibt das Erstaunen der Hausfrau, als sich ihr Gast am Nachmittag unter vielen Entschuldigungen wegen seines nochmaligen Erscheinens wieder einstellt und ihr mit ritterlicher Verbeugung ein kleines Blumensträußchen überreichte, welches er in einer Gärtnerei erfochten hatte. * Wie Kinderaugen sehen und wie Kindermund spricht, davon giebt das Luzerner „Vaterland“ ein erbaulich„Geschichtli“: Die Mutter steht auf und legt, auf sein Bitten, ihr kleines Schätzchen in ihr Bett. Und die Kleine schaut recht aufmerksam zu, wie Mama sich anzieht. Jede Bewegung verfolgte sie und es entgeht ihr auch nicht, wie Mama einen gewissen Gegenstand aus dem Glas nimmt und in den Mund bringt. Auch in den nächsten Tagen macht das Kind die gleiche Beobachtung und neugierig fragt es schließlich den Vater:„Papa, worum tuet an d’Mama=n alli Morge Stein ins Müli?“ * Eine interessante Mitteilung über Ahlwardt machte dieser Tage der Polizeipräsident von New=York bei der Eröffnung des„Hebrew Technikal Institut". Er sagte u. a.: „Ich sandte Ahlwardt, so oft er sprach, eine Leibgarde von 40 jüdischen Polizisten nach der Versammlung, die Ahlwardt, wo es nötig war, ausreichenden Schutz angedeihen ließen. Und der große Antisemit weiß bis heute nicht, daß die Beschützer, die den Mob von im abwehrten und mehr als einmal seinen Rückzug deckten, ausschließlich Juden waren. * In dem in der Nähe von Kirchberg (Niederösterreich) gelegenen großen Gehöfte des Bauers Kreuzbauer brach ein Brand aus. Fliegende Funken setzten auch den etwa 200 Schritte entfernten Hof des Bauers Hatl in Flammen, und beide Anwesen wurden mit vollem Inhalt ein Raub der Flammen. Der Bauer Hatzl, der noch zwei Mastochsen retten wollte, kam in den Flammen um, ebenso eine Magd und zwei Knechte, die in tiefstem Schlafe lagen, und als sie erwachten, nicht mehr ins Freie gelangen konnten. Im Kreuzbauer'schen Hofe verbrannte ein Knecht. * Giftmorde wurden in Szebely bei Temesvar(Ungarn) entdeckt; achtzehn Frauen haben ihre Ehemänner vergiftet. Sämtliche Leichen wurden ausgegraben. Zwei neue Fälle führten die Entdeckung herbei. * Insterburg, 3. März. Im Georgen burger Forst wurden unter aufgethauten Schneemassen 5 Leichen, 3 männliche und 2 weibliche, aufgefunden. Vermutlich sind es Opfer der heftigen Schneestürme im Februar. * Ein Tyroler Schuster als Gefangener Meneliks. Der in Bozen ansässige italienische Holzarbeiter Zandanell erhielt einen vom 23. Dez. datierten Brief seines Sohnes Mathias aus Adis=Ababa, der, seines Zeichens Schuster, als italienischer Staatsangehöriger den Krieg in Abessynien mitmachen mußte und in der Schlacht von Abba=Garima ebenfalls gefangen wurde. Der Jünger Hans Sachs', schreibt laut Tyroler Volksblatt: „Teuerste Eltern! Mehr als ein Jahr bin ich schon in Afrika und von diesem über acht Monate Kriegsgefangener. Ich arbeite als Schuhmacher für den Kaiser Menelik, habe Geld mehr als ich brauche, besitze ein kleines Haus, habe ein sehr schönes gutes Pferd zum Reiten und täglich Hühner, so viel ich will und alles übrige Gute, was da ist, zum Essen, kurz gesagt, ich bin ein großer Herr. Beim Kaiser bin ich sehr geine gesehen und habe oft mit ihm gesprochen. Mein ganzes Sehnen ist, meine Heimat wieder zu sehen. Gott gebe es, wir thun es wünschen. Von dem, was ich mitgemacht, gesehen, gelitten und probiert habe, werde ich Euch dann mündlich erzählen. * Ein Erfolg der Röntgenstrahlen. In Marseille hatte der Protektor der Anatomie, Basseur, kürzlich einen Knochen verschluckt, der im Halse stecken blieb. Die Aerzte versuchten vergeblich, den Fremdkörper zu entfernen, und beschlossen in Folge beunruhigender Erstickungsanfälle des Patienten die Eröffnung der Speiseröhre. Bevor jedoch zu dieser Operation geschritten wurde, nahmen sie eine Photographie mit Hülfe der Röntgen'schen Strahlen auf. Dieselbe zeigte, daß der Knochen durch die mehrfache Anwendung der Schlundsonden in der Speiseröhre nicht mehr vorhanden und in den Magen hinabgeglitten war. Die Anfälle waren durch die Verletzungen der Speiseröhre hervorgerufen worden, welche der Knochen verursacht hatte. Herrn Basseur blieb, nachdem die Rönigen Photographie dies konstatiert hatte, die gefährliche Operation erspart * Ein Orang=Utangals Klavierspieler. Einem Franzosen ist es nach großen Mühen gelungen, einem jungen OrangUtang, den er aus Indien mitbrachte, einen guten Teil der Marseillaise beizubringen. Das Tier, welches sich jetzt in Lyon befindet, bringt auf einem eigens hierzu gebauten Klavier ziemlich deutlich die erste Hälfte des Revolutionsliedes zu Gehör, und sein Dresseur verspricht sich für die Folge— falls das Tier den klimatischen Verhältnissen widersteht— noch manch' andere musikalische Leistung. Zoologen haben Interesse daran gefunden, und die Meinung eines bekannten Naturforschers geht dahin, daß der Orang=Utang in der That ein merkwürdig gutes Gehör besitze, denn bei einer Produktion, bei der einige Klaviertasten stimmlos gemacht wurden, tippte das verblüffte Tier wiederholt nach den fehlenden Tönen und unterbrach schließlich die Melodie. Ein Lyoner Musikreferent meint:„Wenn das so weiter geht, können wir in einigen Jahrhunderten von den Affen übertrumpft werden, denn bei aller Geschicklichkeit und Kunst werden wir niemals allein vierhändig spielen können, wohl aber die Orang=Utangs.“ * Die Austrocknung des ZuiderSees wird bekanntlich seit längerer Zeit von der holländischen Regierung geplant. Der Ausschuß, welcher zur Vorbereitung dieses Unternehmens eingesetzt war, hat jetzt seinen Bericht abgestattet, dem wir folgendes entnehmen: Die Arbeiten würden 31 Jahre dauern, wenn jedes Jahr 10000 Hektar für die Kultur gewonnen werden würden. Der Deich, welcher dazu aufgeworfen weiden müßte, würde eine Länge von 50 Kilometern erhalten und sich vom äußersten Ende von Nord=Holland bis zur friesischen Küste erstrecken, an seiner Basis würde derselbe 35 Meter breit sein und eine Höhe von 6 Metern besitzen. Zur Errichtung des Deiches allein wäre eine 9jährige Arbeit erforderlich. Die Gesamtkosten des Unternehmens werden auf 650 Millionen Franks(520 Millionen Mark) veranschlagt, in diese Summe sind die Entschädigungen eingerechnet, welche den Fischern an dem ZuiderSee bezahlt werden würden. Auf der andern Seite wird der Wert des gewonnenen Landes auf 675 Millionen Franks(540 Millionen Mark) veranschlagt, so daß das Unternehmen noch mit einem Ueberschuß von 20 Millionen Mark abschließen würde, ganz abgesehen von den gar nicht zu berechnenden wohlthätigen Folgen, welche die Gewinnung eines so großen und sicherlich unermeßlich fruchtbaren Landstriches haben würde. * Versuche mit Pestserum wird Prof. Pfeiffer, der mit der deutschen Kommission zum Studium der Beulenpest nach Bombay abgereist ist, machen, um festzustellen, inwieweit eine Immunisierung gegen die Pest durch Schutzimpfungen möglich ist. 6 Meter Kondrmationsstoff für M. 4.50 Plg. 6 Meter Sommer-Nouveauté sun ganzen Kleid für M. 3.30 Pf. „ Loden„„„„„ 3.90„ sowie allerneueste Etamine, Serpentine, Lenons, Carreaux Beige, Plqué, schwarze und weisse Gesellschafts- und Waschstoffe etc. etc. in grösster Auswahl und zu billigsten 41 Preisen versenden In einzelnen Metern franko in's Haus. 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