Armtliches Aereisbrart Abonnements=Preis pro Quartal 1 Mk. 50 Pfg. Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfresund.“ für den Aereis Horde. Insertionsgebühr für die sechsspaltige Zeile oder deren Raum 10 Pfg. außerhalb des Leserkreises 15 Pfg.; Reklamen 30 Pfg. Redaktion, Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Nr. 152. Schwerte, Konmentag, Ach. Veganden 1900. 26. Jahrgang. Amtliche Bekanntmachungen. Bekanntmachung. Zulassung von Eins breibsendungen mit Nachnahme im Verkehr mit dem Deutschen Postamt in Konsiantinopel Im Verkehr mit dem Deutspen Pestamt in Konstantivop1 sind vom 1. Januar 1894 ab Nochrahm n auf Euschreibsendungen bis zum Mestbetrage von 400 M zugelassen. Der einmziehende Betrag ist in der deutschen Markwährung anzugeben; die Umwandlung in die türkische Goldwährung erfolgt erst in Konstantinopel nach dem dort für Postonwetsungen nach Deutschland festgesetzten Umwandlungs verhältnis. Ueber das Nähere erteilen die Postanstalten auf Verlangen Auskunft. Berlin W., 16. Dezember 1893. Reichs=Postam:, I. Abteilung. Sachse. Bekanntmachung. Postanweisungen im Verkehr mit Griechenland. Vom 1. Januar 1894 ab können nach Griechenland Zihlungen bis zum Betrage von 500 Franken im Wege der Postanweisung durch die Deutschen Postanstalten vermittelt werden. Auf den Postanwesungen, zu deren Ausstellung Formulare der für den internationalen Postanweisungsverkehr vorgeschriebenen Art zu verwenden sind, ist der dem Empfänger zu zahlende Betrag in Franken und Centimen anzugeben. Die Postanweisungsgebühr beträgt 2 für je 20 J oder einen Teil dieser Summe. Der Abschnit kann zu schriftlichen Mitteilungen jeder Art benutzt werden.„„. J44r# 125, An dem Verkehr nehmen in Griechenland zunächst nur die Postanstalten in Ahen, Prräus, Syea, Vol, Patras und Corfu teil. Ueber die sonstigen Versendungsbedingungen erteilen die Postonstalten auf Erso dern Auskunft. Berlin W., 16 Dezember 1893. Der Staatssekretär des Reichs=Postamts v. Stephan, Bekanntmachung Das Verzeichnis gekündigter Schuldverschreibungen der Staatsanleihen von 1868 A., 1850, 1852, 1853 und 1862, sowie der noch nicht zum Umtausch gegen 4prozentige Konsols eingereichten Schuldverschreibungen der konsol. 4½ prozentigen Staats anleihe liegt während 4 Wochen im Kreisbureau, den Bureaus der Herren Bürgermeister und Amtmänner und den Königlichen Steuerkassen des Kreises zur Einsichtnahme offen. Hörde, den 21. Dezember 1893. Der Königliche Landrat Spring. Deutsches Die Kaiserfamilie hat das Weihnachtsfest im Neuen Palais bei Potsdam in gewohnter Weise begangen und während der Feiertage sich in der Hauptsache ihren Kindern gewidmet. Die Majestäten wohnten am Sonntag dem Gottesdienst in der Friedenskirche zu Potsdam bei. Gleich darauf begab sich der Kaiser nach Charlottenburg und verweilte längere Zeit in der Gruft des dortigen Mausoleums aus Anlaß der hundertjährigen Wiederkehr des Hochzeitstages des Königs Friedrich Wilhelm III. und der unvergeßlichen Königin Luise von Preußen, der Urgroßeltern Kaiser Wilhelms II. Nachmittags um 4 Uhr fand im Neuen Palais in Potsdam, wohin der Kaiser kurz vorher zurückgekehrt war, Festtafel für die gesamten Hofstaaten statt, der alsdann die Bescherung derselben, sowie der Mitglieder der Kaiserlichen Familie folgte. Den Rest des Abends verbrachten der Kaiser und die Kaiserin bei ihren Kindern. Am ersten Weihnachtsfeiertage besuchte das Kaiserpaar wiederum den Gottesdienst; nachmittags waren die in Potsdam anwesenden Fürstlichkeiten im Neuen Palais vereint. Am zweiten Feiertage empfing Es bestätigt sich, daß die preußische Regierung im Bundesrate ihre Stimme gegen die Wiederkehr der Jesuiten abgibt. Das Jesuitengesetz wird daher trotz der jesuitenfreundlichen Mehrheit des Reichstags nicht aufgehoben werden. In Wirklichkeit sind die meisten der durch das Gesetz aus Deutschland verbannten Jesuiten seitdem wieder zurückgekehrt und man läßt sie unbeachtet; verboten aber bleibt ihnen die Ordensniederlassung und der öffentliche Unterricht. Von den Abgeordneten Dr. König, Liebermann von Sonnenberg und Leuß ist der Antrag eingebracht:„Der Reichstag wolle beschließen, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem Reichstag einen Gesetzentwurf vorzulegen, wonach die Bestellung von Postsendungen aller Art, mit Ausnahme von Telegrammen, Eil- und Einschreibesendungen, an Sonn= und Festtagen nach 10 Uhr vormittags untersagt wird.“ Es ist erfreulich, daß im Reichstage Stimmen für eine größere Sonntagsruhe der Postbeamten laut werden, und es ist nicht daran zu zweifeln, daß die Mehrheit sich dafür aussprechen wird. Wün schenswert aber und wirksamer wäre vielleicht eine Untersagung aller Bestellungen, welche nach Mitternacht einlaufen, mit Ausnahme der Eilder 3. Kl. zu grunde gelegt, nahezu 14000 Mkbeträgt. Wir glauben jetzt schon aussprechen zu dürfen, daß unsere Generaldirettion es wohl nie bereuen wird, diesen Schritt als die eiste deutsche Eisenbahnverwaltung gethon zu haben. Italien. Mit der Ordnung der Dinge auf Sizilien wird selbst ein so erfahrener Staatsmann, wie der heutige italienische Ministerpräsident Crispi, seine liebe Not haben. In den Weihnachtsfeiertagen hat es wiederum mehrere Steuerkrawalle, wenn auch nicht von so bedeutendem Umfange, wie die früheren gegeben. Man zündete die Zollwachthäuser an und erging sich in stürmischen Protesten gegen die Höhe der Steuer. Es kam auch zu Zusammenstößen mit der bewaffneten Macht, in welchen verschiedene Personen verwundet wurden. Einen Sieg haben die Italiener im Gebiete ihrer Kolonie Massauah errungen, und zwar über die wilden und räuberischen Derwische des Sudan, die eifrigsten Mehdisten, welche etwa 10000 Mann stark unter dem Emir Hamed Oli in das italienische Gebiet einfielen. Der Oberst Arimondi ging seinen wilden Gegnern mit schneller Entschlossenheit entgegen und schlug sie in einem zweistündigen Gefecht bei Agordat gänzlich. Der Emir Hamed Ali, derselbe Araber, unter dessen Säbel der König von Abessynien im Jahre 1889 fiel, wurde selbst getötet. Die Derwische hatten 1000 Tote, sowie eine große Zahl von Verder Kaiser mehrere hochgestellte Persönlichkeiten, sendungen. Zunächst würde das von manchen welche ihren Dank für die ihnen gewidmeten unangenehm empfunden werden, sehr bald aber Weihnachtsgeschenke darbrachten. Am Abend mürde man sich mit den Sendungen einrichten sollte Familientafel bei dem Prinzen und der llernen und unerträglich ist es doch, daß der Prinzessin Leopold sein. Staat, der die Sonntagsruhe vorschreibt, die Der Bruder des Kaisers, Prinz Heinrich eigenen Angestellten davon ausnimmt. Das von Preußen, war im Kieler Schloß verblieben schristliche Gewissen wird sich so lange dagegen wundeten und Versprengten. Die Italiener und beging dort die Weihnachtsfeier mit dem erheben, bis den Angestellten die gleiche Wohl= hatten bei ihren heimischen Offizieren 4 Tot. jungen Großherzog Ernst Ludwig von Hessen that zuteil wird. und zwei Verwundete, bei den eingeborenen und dem Erbprinzen und der Erbprinzessin! Ueber die neuen fünfzehntägigen Zeitkarten, Truppen, aus welchen das Korps hauptsächlich von Meiningen. die zur beliebigen Benutzung der württembergischen bestand 98 Tote und 123 Verwundete. In Baron Seefried, der Gemahl der Prin=lEisenbahnberechtigen, sagt der„Stutig. Beob.“: Rom hat die Kunde von dem Siege lebhaften zessin Elisabeth von Bayern, tritt, wie aus„Die neuen Zeitkarten, welche mit dem 15. Dez. Jubel erweckt; immerhin wird er eine VerMünchen gemeldet wird, demnächst in Erfüllung zum ersten male in Anwendung kamen, haben sofort stärkung der italienischen Truppen am Roten der Bedingung, von der die Genehmigung zus eine alle Erwartungen übertreffende Aufnahme im Meere erforderlich machen, denn die Mehdisten seiner Verheiratung abhängig gemacht worden! Publikum gefunden. Obgleich wir uns im Winter werden für ihre gegenwärtige Niederlage nawar, zur katholischen Kirche über. Die bezgl. befinden, sind am 16. Dezember schon nahezu türlich Revanche suchen. Verhandlungen sind vom Münchener Erzbischof 700 solcher Karten gelöst worden, so daß die Oesterreich. eingeleitet worden.[Einnahme der Eisenbahnkasse, den niedrigsten Preis] Die böhmische Hauptstadt befindet sich in Die Sünden der Väter. Novelle von Reinhold Gehlhar. (Nachdruck verboten) (Fortsetzung.) Aus Katharinens Gesicht war alles Blut gewichen, sie war aufgestanden und preßte die Hand auf das Herz. Angst und Mitleid erfüllten sie. Minna beobachtete sie verstohlen. In fliegender Haft überlegte Katharina. Sie mußte helfen— gerade sie, das stand ihr fest. Sie hatte Macht über ihn, sie konnte es am ehesten. Er durfte so nicht verkommen, und so durfte es mit ihm nicht weitergehen— schnelle, gründliche Hülfe! Aber wie?— Zuerst, das war das Nötigste, zuerst zu ihm, ihn sehen— und sehen, was mit ihm zu machen war. Aber ihr Mann durfte es nicht wissen— wenigstens heute, jetzt noch nicht— später, wenn es geschehen, dann— heute traf es sich gut— Fritz war in Geschäften verreist und kam wohl erst spät abends..„, 5.6:, her □am. tall „Minna,“ sagte sie hastig,„der Franz soll schnell den Einspänner zurecht machen— nach Scharnau. Warme Decken soll er rauflegen, und hier diese Flasche dazu. Aber schnell, schnell!“ Minna ging kopfschüttelnd und verwundert hinaus.— Was hatte die Frau nur mit dem Karl? — Sollte es wirklich—? Unglaublich! Aber Liebe ist ja blind— wer weiß! Erregt ging Katharina im Zimmer auf und ab, während sie sich selbst zur Fahrt rüstete. Was thun? Was thun, um zu helfen? Der Gedanke zermarterte ihren Kopf. Sie dachte an dies und jenes, aber alles verwarf sie. Könnte er in eine andere ferne Gegend gebracht werden, wo er in neuem Boden als ordentlicher Mensch festwurzeln könnte! Er war im Grunde ein guter Mensch, nur die Leidenschaft der Liebe hatte ihn so zerrüttet.— Ja, das wäre das Beste— aber, aber Geld! Woher Geld! Das braucht er, damit müßte sie ihn ausrüsten. Auf der Sparkasse hatte sie 200 Thaler. Gern wollte sie die hergeben. Es dauerte aber vier Wochen, bis sie es herausbekam— und schnelle Hülfe ist doppelte Hülfe, hier besonders, bevor neues, größeres Unglück geschieht— woher, woher Geld? Fritz Dort steht der Schreibtisch, sie selbst hat einen] Da mußte es sich so fügen, daß er in Streit„Katharina!“ stöhnte er leise. Sie beugte sich Schlüssel dazu. Mit zitternden Händen schloß sie geriet! Nun lag er da gelähmt, unfähig, sich zu über ihn, er fühlte ihren warmen Atem an seiner auf. Dies ist der Geldkasten. Sie zog ihn heraus, rühren, etwas zu seiner Rettung zu thun. Mag Wange. Sie richtete ihn sorgsam auf, da stöhnte und warf ihn gleich wieder zu. nun kommen, was will!— Wieder sank er in er laut auf. Der Schmerz seiner zerschlagenen Nein, es war Unrecht. Aber es galt einen dumpfe Betäubung, die einem Starrkrampf glich Glieder brachte ihn vollends zu sich. Er dachte an Menschen zu retten Dort lag das Geld, unge=1— er wußte selbst nicht, wie lange er schon so lag. alles, was geschehen, an alles, was noch bevorstand. „Katharina,“ stöhnte er,„kommst Du, um—? braucht, totes Kapital— und es konnte doch einem] Er hatte das Gefühl, als ob er im Grabe läge, Menschen zum Leben helfen!... girs allenz Leid und Streit entrückt. Nein, nein, so siebt kein Rachegott aus. Nicht Sollte sie sich einige Vorwürfe machen: wiro] Da börte er, wie das Schloß geklinkt, wurkg wahr, als ein Engel kommst Du, mich zu retten?Thüre ging, ein scharfer Windstoß fuh.„Ja, Karl,“ flüsterte sie mit bebender Stimme, man nicht einst richten: Du hast um Geldes willen und die konnte er auch nicht hinaus der zu Kräften kommen Aber wohin mit ihm? das Innere.,„ Wie eine durth, un g, perrz, Höhle Betäubten Mund, ste, viehgiegender Angst lauschte Dort ließ sie Karl von Franz und Minna schnigden Eintretenden das schmanz veräucherte, tene mit Sche— Lihzen sezs sdegens“. Sollel on. De is Ke. Korl.von., Frarz.. fast uichztlose Loch entgegen, eine Moder= und Pest= Katharina auf jede luft einen Menschen untergehen lassen, daß er zeitlich die Höhle Er war unfähig, darauf zu achten. retten will ich Dich, so Gott will!und ewiglich verdorben?— Mit Hast, zitternd, Es war ihm, als geschehe es in weiter Ferne und“ Was aber nun thun zu seiner Rettung? So 9riI aams Haste, Gelde.„„Hlossen du e# zinge ihn nichts an. Sein Gehirmn arbeiete müde. schrecklich hatte sie es sich nicht gedacht, wie sie ih sie den Tisch geschlossen, da fuyr Undeutlich bemerkte er, wie jemand, eine Frauen= hier fand. Hier durfte er nicht bleiben, allein der Schlitten vor. Eine Minute später war sie gestaltz in die Höhle, trat. Nur unklar kam es ibmitauntg er a.Hrscazt tinaus Zi unterwegs nach Scharnau zum Bewußtsein, teilnahmlos lag er da, was ging *„„ es ihn noch an? In Scharnau liegt abseits vom Wege eine er=] Nun wurde es Licht, der Schein einer Laterne bärmliche Lehmhütte, nicht viel größer als einel fiel grell auf sein Gesicht, eine Frau beugte sich bequeme Hundebude. Bis vor einem Jahre hatte über ihn— wer hatte nach ihm noch zu fragen?! darin ein verkommenes und verlumptes Ehepaar] Er lag doch im Grabe! gehaust, nun waren sie verschollen. Die Hütte aber] Er fühlte, wie eine Hand nach ihm faßte und ihn rüttelte— wer sörte seine Ruhe?— Er lag hüllte ihn mit Hülfe des Kutschers in warme Decken en vuu Wand war bereits seit langem halb0 sa“ z„ bekannter, einst— einst— so und beide trugen ihn behutsam in den Schlitten. Eine Wand war vereits seit, langen, halb ein=]„Kalt;— ein beranntet, Etng— einst—„Nach Hause,“ sagte sie zu Franz. gesunken, mit morschen Brettern hatten die früheren innig geliebter Laut schlug an sein Ohr— da, da) Während sie abfuhren, bemerkten sie Bewohner die Lücke zwischen der halben Wand und lfühlte er wieder, wie noch Leben in ihm zuckte. dem Dach ausgefüllt. Der Wind mußte die Hütte Er behutsam Die gestopft. Eine miehrige Kapprige Thür führie in Hüse des Kuchis den beiebenden Trauk in des Sesiases, und keiner haite Hden ktmds satsochen. dunte unbeimliche Höhle Bezäubten Mund, sie rieben die Schläfen, die Ge., Dar, sieß sie Karl von Franz und Minna hinaufbringen Beiden war eindringlich Schweigen wozu Minna wieder den Kopf schütteltZimmel Gefallene Tiere psiegte man dortin zu schleppen, mit Herzsichkeit zugelban war— solle er so ver- Winder unterluch, gewaschen und verbunden sum bis sie verscharrt wurden. Wohl diente dieser dorben und gestorben sein?— Verdorben, gestorben Glück waren sie nur leichter Art. Dann wurde Raum auch einem verkommenen Landstreicher ge= durch unglückliche Liebe zu ihr? zum 1 Karl in das warme Bett gebracht und seinem tiefen legentlich als Unterkommen wöhren alter„Zlätter machere in, Mit ernester Hoffnung bel., zhre Schlaf überlassen. Katharina schloß sorgfältig das In der einen Ecke lag ein Haufen alter Viatrer wachen. Mit erneuter Hoffnung veillev sie 19.c/gzmmerchen, und alten Strohes— freilich, schon eher ein Dung= Belebungsherrieß ez, ion wieder an. Nach mehreren Stunden eilte sie hinauf, und baufen zu nennen. Das war seit gestern Nacht;„Karl!“ rief sie igg, wieder an.„ galb 26, nachdem sie die Fensterladen sorgfältig verschlossen, Karls Lagerstätte....] Da öffnete er die Augen, ein weher, gulo, ge'1 machhent, sie, die Fensterladen sorgfältig verschlossen, Gegen Morgen war er aus seiner Ohnmacht brochener Blick traf sie. Noch rührte er aber kein machte sie Licht. Ex gähltg sich munderber erwacht Halbbetäubi, in dumpfem, Brüten lag er Glied. Sie legte sanft den wunden Kopf auf ihren„Da erwachte Karl. Er fuhue sia, wunderbar hatte Geld. Hundertsiebenzig Thaler lagen im nun da. Jedes Glied schmerzte ion, er war un= Schoß und netzte wieder seinen Mund mit dem Schreibtisch. Im März wollte er das Haus um=fähig, sich zu bewegen. Frost hatte ihn gelähmt. stärkenden Wein. bauen, bis dahin lag es ungebraucht im Schreib= Ein Gefühl starrer oder Gleichgiltigkeit hatte ihn Da fühlte Karl wieder warmes Leben durch bagen, bis bungen. uug er u.peo. äharkamman Sein Jehan mar warnichtet, num wollte tüche. Wie— wenn Fritz?— Nein, das that er nicht. Er zürnte Karl und wenn auch nicht— jedes Opfer für ihn wäre weggeworfen, hatte er einmal gesagt. Er müsse sich selbst wieder heraufbringen. Aber wenn sie selbst?— Nein, das hieß den Mann hintergehen. Aber— zu einem guten Zweck — ist das Sünde? Bis März hatte sie das Geld von der Sparkasse. Keiner merkte es. Und hinterher, wenn ihr Wagnis geglückt, Karl ein ordentlicher Mensch geworden— nachher konnte sie's ja erzählen. Gewiß, ihr Mann würde sie wegen ihres Opfermutes nur loben. Morgen fuhr Franz zur Stadt, da könnte er gleich das Geld kündigen. überkommen. Sein Leben war vernichtet, nun wollte seine Adern gehen, er fühlte, wie der Bann der er, daß es aus wäre— schnell und ganz zu Ende. Betäubung sich von ihm löste, er erkannte KathaDas war ein harter Schlag. Er war zum rina, und in seinem Auge leuchtete es wieder auf Rechtsanwalt gegangen, endlich wollte er sein Ihm war, wie in wonnig süßem Traum. Daß mütterliches Erbteil, sich ankaufen, ein ordentlicher dies Traumbild nie entschwände! Er fühlte sich in Mensch werden— da wurde er entmündigt und der Geliebten Schoß, ihr Auge leuchtete in Liebe als Trinker erklärt! Wie sollte er nun, da er keine auf ihn hernieder, und ihre weiche Hand glitt sanft Aussicht hatte, sich zurzeit irgend welche Mittel zu über seine Stirn. Ihm war so wohl, so wonnig verschaffen, den Wechsel einlösen, dessen Unterschrift wohl. War's kein Traum? Und wenn es einer er gefälscht hatte? Er hatte sich seinem Feinde in wäre— daß er doch nie entschwände!— Nein, es die Hand gegeben, er ging dem Zuchthaus entgegen, war kein Traum. Sollte er die Schande erleben? Lieber legte er„Karl!“ Er hörte deutlich ihre bebende Stimme. Hand an sich selbst. Oder— oder— er hatte Es war kein Traum, es war süße Wirklichkeit, aber seines Feindes Blut gesehen!— Mit dem Selbst= mit diesem Bewußtsein kam die ganze schreckliche mord blieb es noch immer Zeit. Wirklichkeit zugleich ihm zur Erinnerung. wohl und gestärkt. Erstaunt blickte er um sich. Wo bin ich?“ fragte er. „Auf der Deichmühle." Karls Auge glitt von ihr ab, der Wand zu, es schimmerte feucht. Die Deichmühle, die er in vielen Nächten umschlichen, rasenden Haß im Herzen, beherbergte ihn, jetzt, wo alle Welt ihn von sich gestoßen! Dann griff er nach ihrer Hand, sie setzte sich zu ihm. „Ich bin ein schlechter Mensch!“ sagte er gepreßt. „Du wirst wieder ein guter Mensch werden." tröstete sie. „Meinst Du, daß ich es noch kann?“ „Gewiß, so Du nur willst!“ „Ich will!“ Sie drückte seine Hand. „Gebe Gott seinen Segen zu Deinem Vorsatz.“ großer Erregung. Ein politischer Mord, begangen an einem Mitgliede des Geheimbundes „Omladina“, zeugt von förmlich russischen Verhältnissen. Gegen zahlreiche Mitglieder der „Omladina“ die trotz ihrer anarchistischen Richtung ei# Hauptstütze des Jungtschentums in Prag#bar, schwebt die Untersuchung wegen des Hochverrats und der Majestätsimn T#igung, und ein 21jähriger Handschuher, Mrva, der sich früher durch besondere igitation ausgezeichnet hatte, war selbst im vsterreichischen Reichsrat von tschechischen Abgeordneten als Lockspitzel und Verräter bezeichnet worden. Aus Rache wurde er von Genossen erdolcht. Frankreich. Infolge der Abwehrgesetze gegen die Anarchisten haben einige anarchistische Blätter in Frankreich bereits zu erscheinen aufgehört Andere Blätter dieser Richtung zeigen ihren Lesern mit Bedauern an, daß sie in ihren Artikeln künftighin gemäßigter sein werden. Die Untersuchung gegen die jüngst in St. Etienne verhafteten Bergleute hat ergeben, daß die Polizei es mit einem weitverzweigten Anarchistenklub zu thun hat. Die Bergleute von St. Etienne sollen den Pariser, Lyoner und Marseiller Anarchisten in den letzten Monaten große Mengen Sprengstoffe zugewendet haben. In Marseille wurde eine junge, gebildete Dame, Frau von Saint=Remy, wegen Anarchismus zu einem Monat Gefängnis verurteilt Beim Verhör erklärte die schöne Frau mit einem Lächeln, sie predige zwar den BombenMassenmord, dich würde sie selbst keine werfen. Rußland. In Rußland wird das Gesetz zur Sicherung des bäuerlichen Grundbesitzes gegen wucherische Aufkäufe erst Mitte Januar 1894 veröffentlicht werden. Das Gesetz erstreckt sich auf 47 Goupernements des europäischen Rußlands, während die baltischen Gouvernements und Polen davon nicht betroffen werden. Für den russischen Thronfolger wird bei den europäischen Fürstenhöfen nach einer Gemahlin gesucht; eine französische, katholische Prinzessin, Helene von Orleans, soll dazu ausersehen sein. Da aber der Zar von Rußland den Uebertritt zur russischen Kirche fordert, so wird der Plan wahrscheinlich scheitern; für diesen Fall soll an eine evangelische deutsche Prinzessin, Alice von Hessen, gedacht werden. Es ist schmachvoll genug, daß man annimmt, eine evangelische Prinzessin werde ohne weiteres übertreten, hoffentlich bleibt aber diese Schmach gerade gegenwärtig unserer Kirche erspart. Kaiser Alexander war in Pariser Zeitungen lrank gesagt. In Petersburg scheint diese Notiz verdrossen zu haben, denn ihrer Verkündigung folgt auf dem Fuße die Angabe, daß der Zar sich vorzüglich befinde. Die Odessaer Firma Dreisis u. Co wurde wegen Unterschleife bei der Lieferung von Getreide für die notleidende Bevölkerung des Bezirks Ssamara vor Gericht gestellt. Der Stand der Wintersaaten in Rußland soll ein außerordentlich trauriger sein und zu den schlimmsten Befürchtungen Anlaß geben. Sranien. Eine neue Dynamitexplosion hat in Sada vor dem Hause eines Apothekers stattgefunden Der Schaden ist recht bedeutend. In Barcelona machte die Polizei infolge von Geständnissen der verhafteten Anarchisten eine äußerst interessante Entdeckung: Sie fand nämlich in der Nähe des Vorortes Gracia am Abhang eines Berges eine geräumige Höhle, zu der ein schmaler, 500 Meter langer Gang führte. In derselben sahen die mit Fackeln versehenen Polizisten ein vollständiges anarchistisches Laboratorium. In einer Ecke waren vierzig leere Bomben aufgestapelt, in einer anderen befanden sich ein Schmelzofen, Zangen und allerlei Geräte. In Fächern längs den Wänden waren untergebracht Lunten, große Flaschen mit Glyzerin und Salpetersäure, vielfältige chemische Substanzen, Gießformen zur Herstellung von Bomben, zehn Kisten Dynamit, Glastrichter und Gewehrläufe. In einer kleineren Nebenhöhle entdeckte man eine Fachbibliothek, Abhandlungen über Chemie, Formeln zur Verfertigung von Sprengstoffen 2c. Alles wurde nach Barcelona geschafft. Die Untersuchung gegen die verhafteten Anarchisten ist so weit vorgeschritten, daß die Gerichtsverhandlungen Mitte Januar beginnen können. Griechenland. Der griechische Staatsbankerott ist nun gesetzlich sanktioniert. Das griechische Amtsblatt veröffentlicht die skandalösen Beschlüsse der Athener Deputiertenkammer, wonach die griechische Regierung die Zinszahlungen, wie sie bei Aufnahme der Anleihen versprochen waren, einstellt und den Gläubigern eine lumpige Abfindungssumme anbietet. Die griechische Regierung erhält das Recht, mit den Staatsgläubigern wegen definitiver Regelung der Finanzverhältnisse zu unterhandeln. Was dabei herauskommen wird, kann man sich bei der bisherigen betrügerischen Handelsweise der griechischen Regierung unschwer denken.— Uebrigens fangen nun auch in Serbien die Finanzverhältnisse hochbedenklich zu werden an. Es wird bereits zur Zusammensetzung eines Komitees aufgefordert, welches die serbische Finanzwirtschaft übernehmen soll. Ob es heute noch, wo die Karre bereits tief im Sumpfe steckt, viel helfen wird, muß man abwarten. Dann redete sie freundlich auf ihn ein, und er hörte zu, still wie ein Kind. Es war ihm, als hörte er ganz neue unbekannte Wahrheit aus ihrem Munde, er fühlte es, daß es Wahrheit war. „Sieb, Karl,“ schloß sie,„Gott legt jedem ein Muß auf die Seele, den Willen zu prüfen und zu proben. Du bist ein harter Stein, Du brauchst ein hartes Muß, ein hartes Kreuz. Lehnst Du Dich auf dagegen, so gehst Du an dem Widerstreit zu Grunde Du warst schon auf dem Wege, noch ist es aber Zeit Sage freudig und getrost: Ich will!— dann wirst Du es können, und glaube mir, ich habe es erfahren: des Menschen guter Wille ist sein Glück. Du wirst noch glücklich sein wie ich!“ Dann berieten sie, was zu thun sei Karl sollte weggehen, möglichst weit von hier, wo man ihn nicht kannte, und in treuer Arbeit und Pflichterfüllung sollte und würde er Ruhe, Frieden und Glück finden. Katharina wollte alles Uebrige schon machen, daß er ins Gleiche wieder komme. Sie werde bei dem Vater sein Fürsprecher sein, auch * Fritz werde sie umstimmen, daß es ein Wiedersehen voll Freude werden soll. Er solle nur getrost ihr #schreiben, sie sei seine Schwester— die Schwester eines kranken Bruders. Dann gab sie ihm aus der anstoßenden Kammer einen guten Anzug und endlich legte sie still das Geld vor ihn hin. Erschrocken sah er die große Summe.„Woher hast Du das Geld?“ fragte er.„Von Fritz?“ Sie schüttelte den Kopf. Fritz darf nichts wissen.“ „So hast Du es genommen? So wurdest Du um meinetwegen zur—“ „Zur Diebin,“ vollendete sie, sich abwendend. „Laß gut sein. Ich hoffe damit zu bestehen vor Fritz und vor Gott.“ Da griff er nach ihrer Hand und bedeckte sie mit leidenschaftlichen Küssen. Ein heftiges Schluchzen erschütterte seinen Körper, heiße Thränen rannen über seine Wangen.„Dessen bin ich nimmer wert, daß Du um meinetwillen das gethan," flüsterte er.„Du Reine, Edle, und ich habe Dir so weh gethan!“ Westfalen und Rheinland. Schwerte, 27. Dez. Das Generalkommando des westfälischen Armeekorps sendet mehreren westfälischen Blättern eine Berichtigung auf Grund des Preßgesetzes, deren Inhalt für weitere Kreise Interesse hat. Es war berichtet worden, daß im Interesse der militärischen Ausbildung bei der nunmehrigen zweijährigen Dienstzeit sowohl der sogen. Ernte=Urlaub als auch der Urlaub zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten bei den Fußtruppen bedeutend werde eingeschränkt werden. Gegen diese Darstellung wendet sich der kommandierende General zu Münster, indem er erklärt, daß bisher weder von seiten des Kriegsministeriums noch von ihm selbst eine Bestimmmung getroffen worden sei, durch die den Truppenbefehlshabern irgendwelche Einschränkungen nach der angegebenen Richtung hin nahegelegt worden wären. Unsere Soldaten werden also erfreulicherweise auf reichliche Beurlaubungen wie früher rechnen dürfen. Schwerte, 21. Dez. Beim hiesigen Amtsgericht sind für das Jahr 1894 als Schöffen ausgelost: Zu den Sitzungstagen am 11. Januar, 1. März, 12. April, 5. Juli, 4. Oktober und 22. November der Auktionskommissar Karl Hohenschwert zu Schwerte und der Gutsbesitzer Friedr. Schulte=Lennings in Holzen, am 18. Januar, 15. März, 19. April, 12. Juli, 11. Oktober und 29. November der Kaufmann Ernst Müller zu Schwerte und Wirt Heinr Externbrink zu Geisecke, am 1. Februar, 29. März, 26. April, 2. August, 18. Oktober und 6. Dezember der Mühlenbesitzer Heinr. Möller und der Werkmeister Eduard Hüseken zu Schwerte, am 8. Februar, 10. Mai, 7 Juni, 25. August, Sie machte ihre Hand los, die Hunde schlugen an. Sie löschte das Licht aus. „Fritz kommt, er darf noch nichts wissen. Schließe Dich ein, hier ist der Schlüssel. Du bist sicher. Sollte einer nach oben wollen, so habe ich den Schlüssel verloren. Essen ist hier, so viel Du willst Morgen um die Abendzeit, wenn Du an dem Schein siehst, daß ich unten im Giebel Licht gemacht, mache Dich auf. Das soll das Zeichen sein, das Dir ins Dunkel leuchtet. Lebe wohl!“ „Ich schwöre Dir—“ „Schwöre mir nichts, Du hast Dich zu viel verschworen. Schwöre Dich von neuem Deinem Gott an.“ Sie war hinaus. Sie hatte nicht bemerkt, daß Minna an der Thür gelauert. Die Magd schüttelte wieder den Kopf. Es schien doch gewiß nicht richtig zu sein zwischen Karl und der jungen Frau.— Mit Herzlichkeit begrüßte Katharina ihren heimkehrenden Mann. Ihr war im Bewußtsein, ein gutes Werk gethan zu haben, offroh und leicht zu Mut, wie selten in der letztene Zit. Nun mußte ja alles gut werden!— Alles?— V. Am Nachmittage des nächsten Tages war der Bauer Fränkel bei Fritz; sie hatten geschäftlich zu thun, nun wollte Fränkel gehen. „Verzeiht, daß ich Euch aufhalte,“ sagte Fritz, „aber ich möchte Euch etwas sagen und hoffe, Ihr werdet es mir nicht übel deuten. Als ich gestern spät abends heimkehrte, sah ich Eure Jette mit dem langen Peter Arm in Arm. Ich wollt's Euch nur sagen, daß Ihr gewarnt seid und die Augen offen haltet.“ Dem Bauern schwollen die Adern auf der Stirne. „Das wollt Ihr mir sagen, junger Mann? Verzeiht, das ist mir spaßig. In Eurem Haus geschehen Dinge, daß man's bis auf die Straße riecht, und Ihr kehrt vor anderen Thüren! Nichts für ungut. Gehabt Euch wohl!“ Der Bauer schlug die Thür zu, während Fritz wie gelähmt dastand. Was war das? Was bedeutete das? Stand sein Haus nicht mehr in Ehren?— Da fiel ihm 26. Oktober und 20. Dezember der Betriebschef Adolf Müller zu Schwerte und der Maurer= meister Wilhelm Dommermühl zu Westhofen, am 15. Februar, 17. Mai, 14. Juni, 13. September und 8. November der Prokurist Ludwig Emmerich in Holzen und der Obermaschinist Friedrich Oeser in Villigst, am 22. Februar, 31. Mai, 28. Juni, 27. September und 15. November der Bäcker und Wirt Karl Söding in Garenfeld und der Kommunal=Rendant Heinrich Uffelmann zu Schwerte. Als Hülfsschöffen werden an die Stelle wegfallender Hauptschöffen in nachstehender Reihenfolge eintreten: 1. der Kaufmann Ewald Falkenroth zu Schwerte, 2. der Wirt und Kaufmann Gustav Brenne daselbst, 3. der Uhrmacher Wilhelm Steinberg daselbst, 4. der Holzhändler Ernst Homel daselbst, 5. der Möbelhändler Wilhelm Stricker daselbst, 6. der Konditor August zur Nieden daselbst. * Schwerte, 27. Dezember. In Hörde ist eine Haupt=Kollektur der Kgl. Preußischen Klassen=Lotterie mit vorläufig 100 Losen errichtet und dieselbe Herrn Kaufmann Eugen Grügelsiepe daselbst übertragen worden. Die Lose sind größtenteils in ¼ Abschnitte à 10 Mk. 50 Pfg. eingeteilt. Die Ziehung der ersten Klasse 190: Kgl. Preußischen Klassen=Lotterie wird nach planmäßiger Bestimmung am 3. Januar 1894, früh 8 Uhr, ihren Anfang nehmen. Schwerte, 27. Dez. Von dem poesievollen Reiz der weihnachtlichen Winterlandschaft war in diesem Jahre recht wenig zu merken, vielmehr erinnerte die Witterung der verflossenen Tage mehr an Ostern, als an Weihnachten. Die Sonne brach mehrmals am Tage durch, deren wärmende Strahlen manchen Käfer und Schmetterling irre führten und aus den Fugen und Winkeln hervorlockte. Mehrere dieser Verführten wurden uns in diesen Tagen und heute noch vorgezeigt. Bekanntermaßen sagt der Volksmund: Grüne Weihnachten— weiße Ostern! und es ist wohl möglich, daß für 1894 die Prophezeiung eintrifft, zumal das hohe Osterfest uns im kommenden Jahre schon in der vierten Märzwoche geboten wird. Doch bis dahin ist es noch geraume Zeit, und der Winter mag, wenn nur erst die Schwelle zum neuen Jahre überschritten ist, schon bald genug sein Recht und seine Macht zeigen. Ueberhaupt hat bisher der Winter noch so wenig Frost gebracht, daß die Vegetation in den Gärten nochtwenig unterbrochen ist; es grünt und blüht noch überall, ja man findet blühende Pflanzen im Freien. Das Wetter an den Weihnachtstagen war regnerisch. Schwerte, 27. Dez. Auf der Zeche„Margaretha“ erlitt durch Fall der Bergmann Friedrich Köster zu Keller eine schwere Verletzung des linken Kniegelenks. Daselbst erlitt der Maschinist Wilh. Bote aus der Schwerterheide beim Einwechseln einer Axe eine Verletzung der rechten Hand.— Bei der Kohlengewinnung fiel dem Hauer Friedrich Bitter aus Holzwickede ein Stein vom Nachfall auf den rechten Unterschenkel, Knie und linke Hand und verletzte ihn schwer. Eine Quetschung des rechten Unterschenkels erlitt auf der Zeche„Glückauf Tiefbau“ der Hauer Wilhelm Röhr aus Syburg durch Hereinbrechen des Nachfalls. Der Bergmann Körbe von Brücherhof wollte auf der Zeche„Krone“ einen zu dicht an den Schacht herangelaufenen Wagen zurücksetzen, glitt aus und kam mit dem linken Bein unter die Barriere des Schachtes, wo im selben Augenblick der Förderkorb ankam und das Bein schwer verletzte. Berghofen, 22. Dez. Ueber den großen Diebstahl von Wertsachen wird noch berichtet: In der stürmischen Nacht vom 20. auf den 21. d. M. statteten verwegene Einbrecher dem Pfarrhause zu Berghofen einen unliebsamen Besuch ab. Auf einer an dem Stall anbau entnommenen Leiter drangen dieselben Hinterbau in das Haus ein, nachdem man eine Glasscheibe der verschlossenen Flurthüre eingedrückt und die Thür aufgeschlossen hatte. Die unteren Räume wurden gründlich revidiert und alles, was Geldwert für die Einbrecher hatte, hieß man mitgehen. Sämtliche Schmucksachen der Hausfrau und das Silbergerät fast ohne Ausnahme, wertvolle Erinnerungszeichen an die verstorbenen Eltern, an Verwandte und Bekannte, dazu 101,20 Mk. bar Geld des FrauenVereins fielen den Spitzbuben in die Hände. Dazu entwendeten dieselben alle Kleidungsstücke, deren sie habhaft werden konnten. Auch der Keller ist gründlich gemustert; doch scheinen die Diebe nicht imstande gewesen zu sein, größere Vorräte zu transportieren. Nur das Allerbeste haben sie mitgenommen, nachdem sie sich an Ort und Stelle gütlich gethan hatten. Die Amtskleidung des Pfarrers ist nicht ohne Verunehrung geblieben, und was die niederträchtige Gesinnung dieser Banditen besonders kennzeichnet, ist der Umstand, daß man eine Statue des ehrwürdigen Heldenkaisers Wilhelm I. schändlich zertrümmerte. Der Schaden des Pfarrers Baake beläuft sich auf ca. 1000 M. Man vermutet, daß ein geriebener auswärtiger Einbrecher unter Mitwirkung einheimischer und ortskundiger Leute die That vollführt hat. Hörde, 22. Dez. An der Zeche Schwaben im Dortmunder Revier wurden heute mittag zwei Kinder im Alter von 8 und 12 Jahren tot aufgefunden. Das Mädchen lag an einer Schiebkarre und der Junge einige Schritte davon. Der mit der Gerichtskommission erschienene Arzt konstatierte Tod durch Erfrieren. Die Kinder sind in der Nacht vom 20. zum 21. d. M. vom Wege nach Dortmund abgegangen und haben sich im Felde verirrt. Dortmund, 22. Dez. Der Kellner=Frack, so lautet der Beschluß der Versammlung des rheinisch=westfälischen Kellner=Verbandes, welche kürzlich hier stattgefunden, soll abgeschafft werden und an seine Stelle das viel bequemere und dabei billigere Jacket treten. Der Wirteverein hat sich mit dem Beschluß einverstanden erklärt, und so sieht man schon heute in verschiedenen Restaurationen die Kellner mit dem kleidsamen Jacket ihren Dienst verrichten. Damit der Gast auch in der Lage ist, beurteilen zu können, welche Charge der einzelne Kellner in seinem Amte bekleidet, werden an den Achselklappen des Jackets entsprechende Abzeichen angebracht. Camen, 26. Dez. In dem benachtbarten Altenmethler war die hiesige Feuerwehr mit der Niederlegung der Mauern eines abgebrannten Hauses beschäftigt. Ein Feuerwehrmann wurde von einer stürzenden Mauer erschlagen. Der Verunglückte, ein Schuhmachermeister, hinterläßt Frau und Kinder. Lünen, 23. Dez. Die Knaben Otto Vaerst und Otto Flume von hier haben am 4. Juli 1892 die Ehefrau des Bergmanns Wilhelm Schmidt, Bertha geb. Plath, zu Lünen aus der Gefahr des Ertrinkens in dem Sesekefluß errettet. Für den rühmenswerten Mut und die Entschlossenheit, welche beide Knaben bei dieser Gelegenheit an den Tag gelegt haben, spricht der Herr Regierungspräsiedent Winzer seine vollste Anerkennung öffentlich aus. Annen, 21. Dez. Kürzlich war von dem zum Bahnhofe Rauxel fahrenden Omnibus ein Goldwaren enthaltender Koffer im Werte von 8000 Mark verschwunden. Derselbe ist jetzt hier miedergefunden und ist man gespannt darauf, wie die eingeleitete Untersuchung die Angelegenheit aufklären wird. Paderborn, 20. Dez. Eine ernste Mahmit einem Male ein, was der Bauer Märtens ihm schon vor Wochen gesagt. „Nehmt Euch in acht vor Karl Huber. Er spricht wundersame Dinge, auch Eure Frau ist nicht sicher vor ihm. Die alte Minna hat so manches im Dorfe geklatscht!“ Er hatte damals nicht darauf geachtet, jetzt fiel es ihm ein, als hätte eine heimliche Macht es ihm plötzlich in die Erinnerung geschoben. Der Karl also! Das mußte gemeint sein. Er grübelte nach.— Sein reines, tiefes Herz war einem gemeinen Verdacht schwer zugänglich. Wird aber ein tiefer See einmal aufgeregt, so giebt es hohe Wellen und auch das klarste Wasser trübt sich!— Er grübelte nach, und unwillkürlich reihte sich Szene an Szene.—„Unmöglich!“ rief er immer wieder sich selbst zu,„unmöglich, gerade der—!“ Aber die Erinnerung zeichnete Strich um Strich, mit dämonischer Freude, unwillkürlich ein Bild zurecht, vor dem er erschreckt, gelähmt, erstarrt dastand. Sie hatte gleich nicht gewollt. Er erinerte sich noch, wie einmal die Erwähnung Karls ihr augenscheinlich wehe that— gewiß, sie hatte ein Liebesverhältnis mit ihm gehabt und hatte es verschwiegen, hatte ihn belogen Voll erheuchelter Liebe hatte sie ihm ins Auge gesehen. Und dann— Karls wundersames Wesen, er hatte ohne Grund sein Haus gemieden, war ihm ohne seine Schuld mit offener Feindschaft begegnet. Nun fiel es ihm ein, mit welcher eigentümlichen Angst und Aufregung Katharina ihm zugehört hatte, wenn er von Karl sprach. Sollte sie auch jetzt noch— noch als Frau—? Die Minna sollte ja wunderbare Dinge wissen! Wo ist die Minna? In heller Aufregung nef er hinaus. Er traf sie in der Geschirrkammer, wo sie Kleider zum Lüften und Reinigen aufgehängt hatte. „Minna!“ herrschte er sie an.„Erzähle, sage mir auf der Stelle, was Du von Karl und meiner Frau weißt. Die reine Wahrheit will ich hören!“ Minna war, als sie in das bleiche Gesicht des Herrn sah, zum Tode erschrocken. „Ich wollt's Euch immer schon sagen, aber—“ Ihm war, als wozu die lange „Mach's kurz,“ rief Fritz sollte er sein Todesurteil hören Qual! Und Minna erzählte, was sie gesehen, und wie sie sich's in ihrem einfältigen Sinn zurechtgelegt, der Reihe nach von Anfang an. Sie war eine gute treue Seele, wenn auch ein wenig neugierig und klatschsüchtig. Schon lange Jahre hatte sie auf der Deichmühle gedient, und die Ehre des Müllerhauses galt ihr als die eigene. Wenn darum etwas geschehe, was wider die Ehre ging, so mußte es hinaus. Das war ihre Meinung Freilich, von der Schuld der jungen guten Frau war sie selbst nicht recht überzeugt— aber, wer kann es wissen? Sie ist doch einmal ein halbes Zigeunerkind, und die haben lose Herzen. Eben erzählte sie, wie sie an jenem Abend gesehen, daß Karl aus dem Fenster der Wohnstube gesprungen sei. Dabei schüttelte sie einen Rock tüchtig aus. Da fiel ein Blatt Papier aus dem Rock zur Erde. Mechanisch bückte lsich Fritz darnach und hob es auf, ebenso mechanisch las er, was darauf stand. „Halt Dich bereit, Katharina. Alles ist in Ordnung. Aus einer Müllersmagd mach ich Dich zur Bauersfrau. Noch brennen Deine Küsse auf meinem Mund. Dein Karl Huber.“ Fritz las es wieder und wieder mit starren Augen und zuckenden Lippen. Erst allmählich schien ihm das Verständnis der Worte aufzugehen. Dann schrie er auf und laut stöhnend sank er gegen die Wand. Erschreckt sprang die Magd herzu. Sie glaubte, ihre Erzählung habe diese Aufregung veranlaßt. „Beruhigt Euch,“ sagte sie,„daß der Karl Huber der Frau nachgestellt hat, das weiß ich gewiß, doch an ihre Schuld mag ich nicht glauben.“ Er winkte ihr wegzugehen. Noch eine Weile stand er wie betäubt, dann raffte er sich mit einem gewaltsamen Ruck auf und ging über den Hof zum Weichseldamm. Ruhelos wanderte er auf und ab. Ein gewaltiger Kampf wühlte seine Seele bis ins tiefste auf. Er hätte aufschreien mögen vor unsagbarer Herzenspein. Doch er kämpfte sich zur Ruhe.(Fortsetzung folgt.) nung für Mütter enthält folgender Vorfall, der sich dieser Tage hier ereignete. Die Frau eines Bahnarbeiters ging auf den Markt, um einzukaufen, und ließ ihr wenige Monate altes Kind allein zu Hause, nachdem sie ihm ie Milchflasche ins Bettchen und den Schlauch desselben in den Mund gegeben hatte. Bei ihrer Rückkehr fand sie das Kind tot vor. Der Schlauch war bis in die Luftröhre gerutscht und hatte den Erstickungstod des armen Wesens herbeigeführt. Paderborn, 21. Dez. In der vergangenen Nacht ist eine Diebesbande in dem in der Bahnhofstraße gelegenen Unionhotel eingestieg.n, hat einen vier Zentner schweren Geldschrank gestohlen, ihn aufs Feld geschleppt und dort seines Barinhalts beraubt. Elberfeld, 21. Dez. Das Schwurgericht hat nach dreitägiger Verhandlung den Bläsing zum Tode verurteilt. Bläsing hat am Morgen des 8. August die acht Jahre alte Schülerin Klara Schlürmann, als dieselbe mit anderen Kindern aus der Schule kam, auf dem Heimweg in ein Gebüsch gerissen und ihr den Hals durchschnitten und den Bauch aufgeschlitzt. Das Kind stürzte darauf aus dem Gebüsch hervor, war nach wenigen Augenblicke eine Leiche. Das Scheusal, das die That in Abrede stellt, folgte mit Ruhe der Verhandlung, die mehrere Tage in Anspruch nahm. Kronenberg, 27. Dez. Vier Jahre unschuldig im Zuchthause gesessen hat der Tagelöhner Heischeidt von hier, welcher im Jahre 1887 wegen augeblichen Notzuchtsversuchs zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt war; im Wiederaufnahmeverfahren vom Schwurgericht ist der Mann jetzt freigesprochen worden. Neviges, 21. Dez. An einem Tage im Monat Januar d. J. wurde zu später Abendstunde Herrn Pfarrer Köster in Velbert von einer unbekannten Person ein Brief übergeben, welcher unter Nachahmung lateinischer Druckschrift geschrieben und mittels dessen angeblich „die Anarchisten Gelsenkirchens“ den Herrn Pfarrer aufforderten, innerhalb weniger Minuten eine erhebliche Geldsumme dem Ueberbringer an der Hausthüre zu überreichen, andernfalls das Pfarrhaus unter Anwendung von Dynamit in die Luft gesprengt werden würde. Dem Vernehmen der„Nev.=Hardenb.=Volksztg. nach ist nunmehr von der Polizeibehörde der Schreiber des Briefes in der Person des Schleifers H. B. in Großehöhe ermittelt und wegen Erpressungsversuch der Gerichtsbehörde überliefert worden. Lennep, 20. Dez. Heute morgen mit Tagesgrauen wurde in hiesiger Nähe wiederum ein Wilddieb auf frischer That abgefaßt und der zuständigen Behörde vorgeführt. Essen, 24. Dezbr. Sehr scharf verfuhr die Strafkammer hierselbst in ihrer letzten Sitzung mit den wegen Vergehen gegen das Leben unter Anklage stehenden Personen. Alle diejenigen, die sich in dem betr. Falle eines Messers bedient hatten, kamen mit Gefängnis nicht unter einem Jahre und sofortiger Verhaftung davon. Hoffentlich werden diese exemplarischen Strafen ihre Wirkung thun. Oberhausen, 22. Dez. Im benachbarten Osterfeld lagen in der Familie eines Berg= manns die Frau und fünf Kinder an der Diphtheritis darnieder. Kurz hinter einander starben die Frau und drei Kinder, während an dem Aufkommen der beiden noch im Krankenhause liegenden Kinder gezweifelt wird. So hat der arme Mann binnen einigen Tagen fast seine ganze Familie verloren. Xanten, 18. Dez. In Sachen des hiesigen Knabenmordes wurden laut„Xantener Boten“ heute abermals einige Zeugen vom Herrn Amtsrichter Weiling hierselbst vernommen. Hilden, 19. Dez. Ein solider und allseitig beliebter Junggeselle begab sich um 9 Uhr zu Bette. Gegen halb 11 Uhr stand derselbe auf, wahrscheinlich im Traum, und stürzte so unglücklich die Treppe hinunter, daß er das Genick brach. Der Tod des Aermsten trat sofort ein. Köln, 20. Dez. Folgenden netten Scherz leistete sich einer Kölner Kegelgesellschaft. Einem verdienten Mitgliede, dem Inhaber eines großen Herrenkonfestionsgeschäftes, wurde anläßlich seines Geburtstages ein prachtvoller Schlafrock überreicht. Gerne entsprach das Geburtstagskind dem Wunsche seiner Kegelbrüder, das neue Gewand anzuziehen. Als der Beschenkte sich in seiner neuen Bekleidung so recht wohlig fühlte, fand er plötzlich ein Papier in einer Tasche; es war die unquittierte Rechnung über den Schlafrock, ausgestellt von seinem eigenen Buchhalter.„Watt,“ sagte er,„dä Rock äs us mingem eigene Geschäff!“—„Jo, geweß!“ war die Antwort,„meins do dann, mer wollten dir jett schenke, mer wollten dir blos en Freud maache!“ Eine mächtige Bowle folgte dem gelungenen Scherz. Köln, 27. Dezbr. 40000 Mark als Weihnachtsgabe hat Herr Oelbermann von hier zur Verteilung an folgende Anstalten bezw. Vereine bestimmt: Wöchnerinnen=Asyl 5000 M., evang. Krankenhaus 24000 M., das evang. Kinderheim 5000 M., für den ev. Frauenverein, die Augenheilanstalt für Arme und die Kinderhorte im südlichen Stadtteil je 2000 M. Andernach, 23. Dez. An der Schwelle der Kirche angekommen, stürzte eine 70jährige Matrone hierselbst plötzlich nieder, wurde in ein benachbartes Haus gebracht und starb alsbald Als die Tranung mit ihrem Enkel in der Kirche beendigt war, kehrte der nunmehrige Trauerzug mit der Leiche der Großmutter nach Hause zurück. * Wieder sind sechs Kreisschulinspektor=Stellen in der vergangenen Woche mit geeigneten Männein aus dem Volksschullehrerstande besetzt worden. * Die Berliner Geschäftswelt klagt ganz außerordentlich über das diesjährige Weihnachtsgeschäft; sie behauptet, daß der Umsatz kaum mehr als die Hälfte früherer Jahre betrug. Schwer geschädigt sind auch zahlreiche Christbaumhändler, die anfänglich auf stramme Preise gehalten hatten. In den letzten Stunden mußte man stattliche Bäume für 20—50 Pfennig losschlagen und erhielt auch dafür kaum Abnehmer. * Mit 8 Tagen Gefängnis hat die Gattin Fabrikanten S. einen recht unüberlegten Streich gebüßt, den die in guten Verhältnissen lebende Frau als Badegast in Eberswalde verübt hat. Sie hatte dort mit ihrer Tochter beim Eigentümer Ehling eine Sommerwohnung inne und entwendete aus den Betten der Wirtsleute etwa 1¼ Pfd. Federn, um damit die mitgebrachten eigenen Betten aufzufüllen. * Ein in der kommunalen Verwaltung äußerst seltener Fall hat sich in der Stadtverordneten Versammlung zu Berlin ereignet. Es wurde beschlossen, einen Kaufmann Langenscheidt, weil er sich behartlich geweigert hatte, ein kommunales Am zu übernahmen, auf 3 Jahre um 1/8 stärker zu den kommunalen Steuern heranzuziehen. * Auf das Lesen von Schauerromanen ist ein Selbstmord zurückzuführen, der vor kurzem in einer Berliner Vorstadt verübt wurde. Es handelt sich um ein fünfzehnjähriges Mädchen, das dem Vater, einem Lederarbeiter, den Haushalt führte und die freie Zeit mit Lesen von allerhand Schauergeschich ten ausfüllte. Als der Vater sie energisch verwies, nahm sie sich gleich den unglücklichen Heldinnen ihrer Romone das Leben. * Die Erzieherin in der Familie des Bankiers Friedländer in Berlin, die, wie gemeldet, bei der Oeffnung des an Friedländer gelangten Packetes mit Explosivstoff verwundet worden war, hat einen Brief erhalten, worin eine weitere ähnliche Sendung an Friedländer in Aussicht gestellt wird. Die Erzieherin wird vor Oeffnung der Packete gewarnt. * Nach den neuesten Mitteilungen beabsichtigt die preußische Staatsregierung die Einverleibung der Vororte in Berlin im größten Maßstab. Es sollen Charlottenburg, Rixdors, Tempelhof, Treptow und Stralau einverleibt werden; Berlin würde dann nahezu 2 Millionen Einwohner zählen. * Falsch geklebt hat, wie der„StaatsbürgerZig.“ zufolge sich bei der vom Revisor der Invaliditäts= und Altersversicherungs=Anstalt der Provinz Brandenburg angestellten Revision herausgestellt hat, ganz Prenzlan. Durch irrtümliche Auffassung der behördlichen Bekannimachungen ist hier für sämtliche männliche Arbeiter, ohne Rücksicht auf die Krankenkassenbeiträge, der ortsübliche Arbeitslohn von 1 Mt. 40 Pfg. als Norm angenommen worden nud sind demnach nur 20=Pfennig-Marken zum Einkleben verwandt worden. Die falsch verwendeten Marken wurden vom Revisor als ungültig verwandt vernichtet und müssen als Ersatz 24 Pfg.Marken auss neue verklebt werden. Es sind an einzelnrn Stellen 100 bis 800 Marken vernichtet worden. * Der Bankier Jean Halberstadt in Altona ist unter Hinterlassung einer Schuldenlast von 300000 Mk. nach Amerika geflüchtet. * Bei Horb in Württemberg sind am Dienstag 3 Männer, die mit dem Brechen von Tannenzapfen beschäftigt waren, von einem Baum gefallen. Einer derselben war sofort tot, die beiden anderen haben lebensgefährliche Verletzungen erlitten. Kiel, 22. Dez. Ein Marineposten der kaiserlichen Werst erschoß heute nacht einen TotpedoMatrosen, der über Urlaub ausgeblieben war, und welcher auf seinen Anruf davonlief. * Ein Marineposten der kaiserlichen Werft in Kiel erschoß zur Nachtzeit einen Torpedomatrosen. Letzterer war längere Zeit über seinen Urlaub hinaus ausgeblieben und nach Anruf des Postens davon gelaufen. * Sprottau, 20. Dez. Die Grippe nimmt in hiesiger Gegend einen schnellen, besorgniserregenden Verlauf. In den Ortschaften Milkau. Metschlau, Giesmannsdorf sind nach 14stündiger Krankheitsdauer zahlreiche Todesfälle vorgekommen. * Die Enthüllung des Kyffhäuser=Denkmals wird nach den jetzt getroffenen Dispositionen am 10. Mai 1896, dem fünfundzwanzigjährigen Gedenktag des Frankfurter Friedens, stattfinden. * Hamburg, 18. Dez. Im Fahrkartenprozeß beantragte der Staatsanwalt für die am schwersten belasteten Schaffner unter Ausschluß mildernder Umstände 15 Monate bis 5 Jahre Zuchthaus, gegen die anderen 6 Wochen bis 5 Monate Gefängnis, gegen die beteiligten Viehhändler 4 Monate bis 1 Jahr Gefängnis und außerdem Geldstrafen in Höhe von 400 bis 2500 Mk. * Der in der Sportwelt bekannte Kaffeemakler Eggers in Hamburg hat sich am Montag erschossen; der Grund ist in verfehlten Börsenspekulationen zu suchen. * Die landwirtschaftliche Sparkasse in Chotusic bei Czaslau hat am Dienstag Konkurs angesagt. Der Gemeindevorsteher und Kassier Spinka ist verhaftet worden. Die Bevölkerung will die Kasse demolieren. Die Gendarmerie hält jedoch die Ruhe aufrecht. Das Defizit wird vorläusig auf 80000 fl. angegeben. * In der Nacht vom Freitag zum Sonnabend ist auf der Sraße Schwetzingen=Mingolsheim ein Metzger, der einen Fremden auf seinem Wagen mitgenommen hatte, von diesem überfallen, schwer verletzt und seiner Barschaft im Betrag von 100 Mk. beraubt worden. Die Staatsanwaltschaft fahndet nach dem unbekannten Thäter. * Das Erlöschen der Cholera in Ungarn ist nunmehr amtlich konstatiert worden, da sich eit mehreren Tagen kein neuer Fall ereignet hat. In Budapest sind im Ganzen während der fünf Monate 150 Erkrankungen und 70 Todesfälle vorgekommen. * Auf dem Güterbahnhof in Szabadka in Ungarn sind am Samstag drei Packete mit je 150, alle zusammen 450 Dynamitpatronen gestohlen worden. Der Thäter ist verhaftet. * In Budapest ist ein hervorragender und bekannter Maler, dessen Bilder auf der Kunstausstellung daselbst ausgestellt sind, unter dem Verdacht, an der Spitze einer Banknotenfälscherbande zu stehen, verhaftet worden. * St. Etienne, 19. Dez. Bei drei Bergleuten wurde Haussuchung abgehalten, da sie verdächtig waren, Explosivstoffe bei sich zu haben. Die Bergleute wurden verhaftet. * In ganz Frankreich sind die Telegraphen= linien durch den Schnee und die Eisschicht, welche sich auf den Drähten gelagert hatten, mehr oder weniger beschädigt worden. Die Telegramme erlitten bedeutende Verspätungen, in verschiedenen Gegenden stockte der Telegraphen=Verkehr vollständig. * Paris, 23. Dez. Großes Aufsehen erregt der Selbstmord der 16jährigen Tochter des in der Pariser Gesellschaft sehr angesehenen Großgrundbesitzers de Dorlodot. Das Mädchen, bei dem kein erkennbarer Grund zu Lebensüberdruß oder Geistesgestörtheit vorlag, erhängte sich vorgestern abend in ihrem Zimmer, nachdem sie ihrer Mutter ruhig„gute Nacht“ gewünscht hatte. Paris, 20. Dez. Fünf Beamte des hiesigen Postamts versehen längere Zeit durch eingeschriebene Briefe mit bereits benutzten Freimarken. Der Schaden, den der Staat erleidet, soll sich auf 200000 Franken belaufen. * In Paris herrscht seit einiger Zeit eine Blattern=Epidemie, die ziemlichen Umfang angenommen hat. Die Aerzte raten dem Publikum bereits dringend die Wiederimpfung als Schutzmaßregel an. * Charleroi, 21. Dez. Die Mutter des Abbé Dubois wurde gestern in der Kirche von Ransart nach der Messe, welche ihr Sohn gelesen hatte, ermordet. Die Frau befand sich, da die übrigen Anwesenden sich in der einige Schritte entfernten Totengruft befanden, allein in der Kirche. Der Beweggrund zu dem Verbrechen, das in so kurzer Zeit nach der Ermordung des Abbé Lieneau in St. Heribert verübt wurde und große Erregung hervorruft, ist noch unbekannt. * Die Spielbank in Monte Carlo wird, wie Genfer Blätter melden, seit dem jüngsten Pariser Bombenattentat scharf bewacht, da es heißt, die Anarchisten wollen dieselbe schon nächster Tage in die Luft sprengen. * In Palermo hat sich am Dienstag der Fürst von Formosa, einer der angesehensten Adelsfamilien Siziliens entstammend, im Alter von 52 Jahren erschossen. Als Ursache des Selbstmords wird finauzieller Ruin bezeichnet. Neueste Nachrichten. Die Warschauer Proviant= und Fouragemagazine sind von einem Feuer zerstört worden. Es soll sich um vorsätzliche Brandstiftung handeln. Die Polizei nahm zahlreiche Verhaftungen vor. In Paris ist auf dem Ostbahnhof ein Sack mit 80000 Frcs. Wertstücken, welche von einem Wechselagenten an die elsaß=lothringische Bank aufgegeben worden waren, abhanden gekommen. Vom Diebe fehlt jede Spur. Beim Einsturz der Gallerie in der Kohlengrube„Piquette", bei Lüttich sind zahlreiche Bergleute verunglückt. In Abilene(Nordamerika) kam man einem Komplott auf die Spur, die älteste Tochter des Präsidenten Cleveland zu entführen. Natürlich war es auf das Lösegeld abgesehen. Bei Griasi(Rußland) sind bei einem Eisenbahnunfall 20 Waggons zertrümmert und 3 Fahrbeamte getötet bezw. verletzt worden. Aus der Postkasse zu Hattersheim(Maingau) wurden 1200Mk. in Bar, für 100 Mk. Postwertzeichen und für 500 Mk. Versicherungsmarken geraubt. e D i e j e t z t n e u e i n t r e t e n d e n Abonnenten auf unsere Zeitung erhalten dieselbe bis Neujahr gratis zugeschickt; auch liegt für dieselben noch eine bereit, welche von den Boten nach der Bestellung verabfolgt wird. Die Exped. der„Schwerter Zeitung. Ca. 6000 Stück Seidenstoffe— ab eigener Fabrik— schwarze, weiße und fardige— v. 75 Pfg. bis Ml. 18.65 p. 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Greve. trt Herzlichen sr Glückwunsch zum Jahreswechsel sendet Carl Braus. * F Kk K*****+***# „Dierdurch beehre mich anzuzeigen, daß ich die diesjährige Ausstellung in Gratulationskarten. Neujahrskarten u. verzierten Briefbogen, in einfachster Ausführung, sowie feinstem Kunst= und Buntdruck eröffnet habe und lade zur gefl. Besichtigung derselben ergebenst ein. Um die Aufträge gut und rechtzeitig erledigen zu können, bitte Bisiten= und Glückwunschkarten# frühzeitig zu bestellen.(6au Muster=Kollektion liegt zu gest. Ansicht bereit. 0) Eelrt Graus. □ Aufforderung. Der Rekrut Theodor Franz Betten, geboren am 8. November 1871 zu Berghofen Kreis Hörde, Regierungsbezirk Arnsberg, von Gewerbe Bergmann, Schlepper, ist beim diesjährigen Ober=Ersatz=Geschäft im Kreise Hörde für das Infanterie=Regiment Nr. 98 ausgehoben und nach Berghofen beurlaubt worden. Letzteren Ort hat p. Betten heimlich verlassen und soll, wie die angestellten Ermittelungen ergeben haben, nach Amerika ausgewandert sein, weshalb ihm ein Gestellungsbefehl zwecks Einstellung in das IufanterieRegiment Nr. 98 zum 13. Oktober er. nicht behändigt werden konnte. Der p. Betten wird hiermit aufgefordert, sich unverzüglich beim unterzeichneten Kommando zu melden, andernfalls nach Ablauf von 4 Wochen vom Tage der Veröffentlichung dieser Aufforderung an, das kriegsgerichtliche Verfahren wegen Fahnen flucht gegen ihn eingeleitet werden wird. Dortmund, 19. Dez. 1893 Königl. Bezirks=Kommando. Gerlach, 2. Stabsoffizier. Aufforderung. Der Rekrut Ednard Ludwig Kleinofen, geboren am 9. Dezember 1872 zu Nette, Landkreis Dortmund, Regierungsbezirk Arnsberg, von Gewerbe Bergmann, Lehrhauer, ist beim diesjährigen Ober=Ersatz=Geschäft im Landkreise Dortmund für das Infanterie-Regiment Nr. 98 ausgehoben und nach Huckarde, Landkreis Dortmund, beurlaubt worden. Seinen Wohnort Huckarde hat p. Kleinofen heimlich verlassen und soll, wie die angestellten Ermittelungen ergeben haben, nach Amerika ausgewandert sein, weshalb ihm ein Gestellungsbefehl, zwecks Einstellung in das Infanterie=Regiment Nr. 98 zum 13. Oktober cr., nicht behändigt werden konnte. Der p. Kleinofen wird hiermit aufgefordert, sich unverzüglich beim unterzeichneten Kommando zu melden, andernfalls nach Ablauf von 4 Wochen, vom Tage der Veröffentlichung dieser Aufforderung an, das kriegsgerichtliche Verfahren wegen Fahnenflucht gegen ihn eingeleitet werden wird. Dortmund, 19. Dez. 1893. Königl. Bezirks=Kommando. Gerlach, 2. Stabsoffizier. Freundliche Einladung zu der Familichteier des Christlichen Männer- u. Jünglingsvereins am Neujahrstage, den 1. Januar 1394, nachmittags von 4 Uhr ab im Saale des Herrn C. Rassin zur Helle, Schwerte. Ansprachen haben die Herren Inspektor Pastor Haarbeck vom Johanneum in Barmen und Stadtmissionar Landgren= Schwerte freundlichst übernommen. Ferner werden Chorgesänge mit Deklamationen abwechseln. Eintritt frei für jedermann. Programme, à 10 Pfg, sind im Vorverkauf bei den Mitgliedern des Vereins und in der C. Braus'schen Buchhandlung zu haben. Königl. Preuss. LotterieKollekte. Bis zum 2. Januar sind noch Lose zu haben. Eugen Grügelsicpe, Hörde, Königl. Lotterie-Einnehmer. Verlag von J. F. Schreiber Gestsun uic t sece in Esslingen bei Stuttgart. 0 25 2000 6. Abteilung: Das Tierreich. 91 Tafeln mit 850 farbigen Abbildungen. K II. Abtellung: Das Pflanzenreich. 54 Tafeln mit 650 farbigen Abbildungen. Abbildungen auf 205 Farbdrucktateln und 37•5 Folio-Seiten Text. III. Ahteilung: Das Mineralreich. mit 42 Tafeln 683 farbigen Abbildungen. IV. Abtellung: Der Bau des menschlichen Körpers. 10 Talein mit 100 Abbildungen. Unübertroffenes naturgeschichtliches Werk für Schule und Familie. Besondere Vorsüge dieser Naturgeschichte sind die naturgetreuen farbigen Illustrationen. Bilder und Terte stehen auf der Höhe der Zeit. 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