O Amtliches Areisbratt Abonnements=Preis pro Quartal 1 Mk. 50 Pfg. Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“ für ven Kreis Gorde. Insertionsgebühr für die sechsspaltige Zeile oder deren Raum 10 Pfgaußerhalb des Leserkeeises 15 Pfg.; Reklamen 30 Pfg. Redaktion, Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Nr. 125. Schwerte, Dienstag, 24. Oktober 1893. 26. Jahrgang. Deutsches Reich. Der Kaiser und die Kaiserin empfingen am Freitag nachmittag im Neuen Palais den Besuch des Herzogs Ernst Günther von Schleswig=Holstein. Zuvor hatte der Kaiser den neuernannten Kriegsminister Bronsart von Schellendorf empfangen. In den späteren Abendstunden arbeitete der Monarch noch längere Zeit allein. Am Samstag vormittag kamen die Kaiserlichen Majestäten von Potsdam aus nach Berlin und wohnten der Einweihung der Immanuelkirche bei, worauf sie sich nach dem Königlichen Schlosse begaben. Hierselbst hörte der Kaiser sodann die Vorträge des Chefs des Zivilkabinetts und des Chefs des Generalstabs der Armee. Gegen abend erfolgte die Rückkehr nach Potsdam. Die Kaiserlichen Majestäten wohnten am Sonntag vormittag dem Gottesdienst in der Hauskapelle bei. Bald darauf brachte die Kapelle des Garde=Jägerbataillons den Majestäten im Neuen Palais eine Morgenmusik dar, anschließend daran brachten die Mitglieder der Königlichen Familie und die Herren des Kaiserlichen Hauptquartiers der Kaiserin ihre Glückwünsche dar. Zur Feier des Tages fand mittags größere Tafel statt, nach deren Aufhebung reiste der Kaiser mit dem Kronprinzen 2c. nach Dresden zur Teilnahme an den Jubiläumsfeierlichkeiten. Der Kaiserin waren von nah und fern überaus zahlreiche Glückwunschschreiben, Telegramme und Blumenspenden zugegangen. Die Fürstin Josephine von Hohenzollern, das älteste Mitglied des Hohenzollernschen Gesamthauses, vollendete am Samstag in Sigmaringen ihr 80. Lebensjahr. Aus Berlin wird gemeldet, es solle dort Anfangs nächster Woche eine neue Finanzminister=Konferenz stattfinden, die sich in erster Linie mit dem Weinsteuer=Projekt zu beschäftigen haben werde, da über dieses eine Einigung bisher nicht zu stande gekommen sei. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt offiziös: „Trotz sehr bestimmter Dementis taucht die Behauptung ungewöhnlich großer Marineforderungen immer von Neuem in der Presse auf. Wir glauben demgegenüber auf Grund zuverlässiger Nachrichten versichern zu dürfen, daß der Kaiser aus eigenster Entschließung im Hinblick auf die Lage der Reichsfinanzen den nächsten Marineetat in dem von uns bereits berichteten Umfange beschränkt hat. Auch die Befürchtung der Uebernahme besonders hoher Verpflichtungen für die Zukunft ist unbegründet.“ Der preußische Unterrichtsminister hat aus den von sämtlichen Königlichen Provinzialschulkollegien erstatteten Berichten die Ueberzeugung gewonnen, daß die Einrichtung der öffentlichen Prüfungen an höheren Schulen zum Schluß des Schuljahres in den Augen des Publikums fast überall das Interesse verloren hat, das ihr in früheren Zeiten entgegengebracht wurde. Da somit der Hauptzweck der Einrichtung, die Vermittelung des Zusammenhanges zwischen Schule und Familie, nicht mehr erreicht wird und die Prüfung vielfach zu einer leeren Schaustellung zu werden droht, so sind die Kgl. Provinzialschulkollegien ermächtigt worden, die Prüfungen mit Schluß dieses Schuljahres an allen höheren Schulen aufzuheben, an denen nicht, wie dies an manchen nichtamtlichen Anstalten nach den vorliegenden Berichten der Fall ist, die Beibehaltung der alten Einrichtung ausdrücklich gewünscht wird. Die Direktoren und Lehrkollegien aller der Anstalten, an denen die öffentlichen Prüfungen beseitigt werden, haben um so eifriger dafür Sorge zu tragen, daß die öffentlichen Feierlichkeiten an den hergebrachten Festtagen der Schule ein möglichst lebhaftes Interesse für das Publikum gewinnen und der Förderung engerer Beziehüngen zwischen Schule und Elternhaus in noch werhzen Maße, als bisher, dienstbar gemacht Anläßlich des 50jährigen Militärjubiläums des Königs von Sachsen fand für die Truppen evangelischer und katholischer Militärgottesdienst statt, nach dessen Beendigung Prinz Georg eine Ansprache an die Truppen hielt, in welcher er die Verdienste des Königs hervorhob. Um 11¼ Uhr nahm der König die Beglückwunschung der bereits eingetroffenen Fürstlichkeiten entgegen. Hieran schloß sich der Snpfang, von Beglückwünschungs=Deputationen. Fer Kuiser traf wegen des Geburtstages der Kaiserin erst nachmittags ein. König Albert von Sachsen hat, wie das amiche„Dresd. Journ.“ erfährt, aus Anlaß seines 50jährigen Militärjubiläums einer Anzahl Militärgefangenen des Dresdener Festungsgefängnisses den Rest der Strafe entweder ganz erlassen oder die Strafe erheblich herabgesetzt, ferner ließ er zahlreiche Gefangene der Landesstrafanstalt Zwickau, die als Personen des Soldatenstandes zu langen Freiheitsstrafen und zur Entfernung aus dem Heere verurteilt waren, in Freiheit setzen. Weiter ist denjenigen Militärpersonen, die gerichtlich wegen nichtehrender Vergehen mit Freiheitsstrafen bis zu 6 Wochen belegt waren, und endlich allen im Disziplinarwege bestraften Militärpersonen die Strafe erlassen. Personen, die wegen Mißhandlung Untergebener verurteilt waren, sind von einem Strafnachlaß oder einer Strafminderung ausgeschlossen. Für die neu errichteten Halbbataillone werden neue Fahnen im Kriegsministerium angefertigt. Dieselben sollen nach den bisherigen Dispositionen in feierlicher Weise durch den Kaiser im Stadtschloß zu Potsdam den Truppen übergeben werden. Der Nagelung werden auch die Kaiserin und der Kronprinz beiwohnen. In Jerusalem wird eine deutsche evangelische Kirche gebaut werden; das ist das erste selbständige Auftreten Deutschlands in kirchlichen Angelegenheiten auf dem Boden Palästinas; neben den dort bestehenden kirchlichen Bauten anderer Konfessionen und Nationen wird in Zukunft auch die evangelische Kirche Deutschlands vertreten sein. Der Grundstein der Kirche soll am 31. Oktober gelegt werden. Der Kaiser läßt sich vertreten durch den Präsidenten des evaugelischen Oberkirchenrats, Dr. Barkhausen, der sich Anfang dieser Woche auf die Reise gegeben hat, bei der Grundsteinlegung im Namen des Kaisers reden und dann die evangelischen Gemeinden im Orient aufsuchen wird. Italien. Der erste Teil des britischen Geschwaderbesuches an der italienischen Küste hat seinen Abschluß gefunden, die englischen Panzerschiffe haben Tarent verlassen, um sich nach dem ersten Kriegshafen Italiens, La Spezia, zu begeben. Der Abschied in Tarent gestaltete sich zu einer lebhaften Freundschaftskundgebung. Aus Anlaß desselben herrschte schon in den ersten Morgenstunden auf dem Schifffahrts kanal eine lebhafte Bewegung. Die Truppen hatten am Kanal Aufstellung genommen, die Musikkorps derselben spielten während der Vorüberfahrt des englischen Geschwaders. Als sich letzteres in Bewegung setzte, wurden Salutschüsse mit den englischen Kriegsschiffen gewechselt. Eine zahlreiche Menschenmenge Booten auf dem Kanal und auf den Terrassen der Häuser begrüßte durch Zurufe und Hüteschwenken die Abfahrenden aufs Lebhafteste, während die englischen Offiziere sich an Bord jedes Schiffes aufgestellt hatten und die Grüße in militärischer Weise erwiderten, bis das Ge schwader außer Sicht gelangte. Frankreich. Die Russenfeste haben durch die Beisetzungsfeierlichkeiten für den Marschall Mac Mahon eine kleine Unterbrechung erfahren. Die programmmäßig für den Sonntag angesetzten Galavorstellung in der Großen Oper, Illumination und Reitfest haben verschoben werden müssen. Aus Monteresson wurde der Sarg nach Paris überführt, wo er am Samstag nacht eintraf und in die Madeleine=Kirche überführt wurde. Von dort wurde er Sonntag mittag unter imposantem Trauergeleite nach dem Invalidendome überführt. In Vertretung des Kaisers wohnte der Botschafter Graf Münster dem Begräbnisse bei, der dem Sarge von der Madeleine=Kirche bis zum Invalidendome folgte, Der auf dem Sarge niederzulegende prachtvolle Kranz des deutschen Kaisers trägt auf weißer Schleife ein„W“ mit der Kaiserkrone. Als die russischen Offiziere nach einem glänzend verlaufenen Ball im Hotel de Ville, auf dem sie sich wegen des Todes des Marschalls Mac Mahon am Tanzen nicht beteiligt hatten, verließen, wurden sie von der Menge lebhaft begrüßt. Ein Individuum gab jedoch in dem Augenblick, als die Russen nach dem Cerole militaire zurückkehrten, auf die Menge einen Revolverschuß ab. Niemand wurde verletzt. Der Thäter, den man in Haft nahm, heißt Wilis und bezeichnet sich als revolutionären Sozialisten; man glaubt, daß derselbe geistesgestört sei. Rumänien. Die Geburt eines Prinzen in der Königlichen Familie ist in ganz Rumänien mit großem Enthusiasmus ausgenommen worden. Sämtliche Städte hatten Flaggenschmuck angelegt. Der neugeborene Prinz wurde unter dem Namen Carol in das Zivilstandsregister eingetragen. Das Befinden der Prinzessin Ferdinand sowie des Kindes ist ein sehr friedigendes. Cleveland wird Washington nicht verlassen, ehe die Frage über die Schermanbill und die Wahlreformangelegenheit erledigt ist. Das Repräsentantenhaus faßte eine Resolution, nach welcher die Zölle für Güter, die auf der Weltausstellung in Chicago ausgestellt waren, bis zu einem Betrage von 50 pCt. ermäßigt werden sollen. in Westfalen und Rheinland. Schwerte, 23. Oktober. Eine auffallende Erscheinung läßt sich an dem eingeernteten Obste, vornehmlich an den Aepfeln, wahrnehmen. Selbst olche Obstsorten, die sich sonst bis nach Weihnaten zu halten pflegen, fangen schon nach einigen Tagen, obgleich sie gut gepflückt worden sind, an zu faulen. Es wird deshalb das Beste sein, das Bewahrobst gut zu beaufsichtigen, denn:„Ein fauler Apfel wirket schnell, das auch faul wird ein Gesell.“ Schwerte, 22. Oktbr. In Hinsicht auf die bevorstehenden Herbst=Kontrollversammlungen sei an folgendes erinnert: Die Heerordnung bestimmt, daß bei Ermangelung besonderer militärischer Bedenken, Gesuche um Befreiungen von Kontrollversammlungen nach Billigkeit zu berücksichtigen seien. Gehörig begründete Gesuche sind aber frühzeitig dem Königlichen Bezirks=Kommando in Dortmund einzureichen, welches zu entscheiden hat und diese Entscheidungen andern Falles nicht mehr rechtzeitig in die Hände des Gesuchstellers gelangen, so daß derselbe dann persönlich kommen muß. Wer durch Krankheit oder dringende Geschäfte, welche so unvorhergesehen eintreten, daß ein Befreiungsgesuch nicht mehr eingereicht werden kann, von der Teilnahme an der Kontrollversammlung abgehalten wird, muß vorher oder spätestens bei Beginn des Dienstes durch eine Bescheinigung der Orts=Polizeibehörde entschuldigt werden. Befreiungen von Kontrollversammlungen zweimal unmittelbar hintereinander sind grundsätzlich unzulässig.— Uebrigens dürften Mannschaften der Fußtruppen, deren Füße noch nicht gemessen sind, diesmal der Fußmessung halber kaum berücksichtigt werden können. Schwerte, 19. Oktober. Die heutige Stadtverordnetensitzung war von 10 Stadtverordneten besucht. Erschienen waren die Herren Östermann, Hohenschwert, Dinkloh, Hüssecke, Schuhmacher, Stricker, Hagemann, Möhling, Dr. Göcke und Landsberg. Seitens des Magistrats war Herr Bürgermeister Mönnich anwesend. Den Vorsitz führte Herr Plentz. Als erster Gegenstand der Tagesordnung lag dem Kollegium ein Antrag des Magistrats um Errichtung von zwei neuen Lehrräumen für die evang. Schulgemeinde vor. Es wurde beschlossen, ein Schulhaus zu bauen und zwar nach dem vorliegenden Plane und Kostenanschlage. Das neue Gebäude erfordert die Summe von 20700 Mark, welche von den bei der Sparkasse hinterlegten Holzverkaufsgeldern gedeckt wird. Mit dem Antrage auf Bewilligung der skalamäßigen Gehaltszulage in Höhe von 75 Mark für die Lehrerin Schneider und Salinus hierselbst war die Versammlung einverstanden. Desgleichen erteilt das Kollegium seine Zustimmung zu dem Verkaufe der alten Ruhrbrücke zum Preise von 700 Mark an den Unternehmer Hohmann. Gegen Punkt 4: Erwerbung einer Grundfläche an der Ruhrbrücke in Größe von 35 Ruten von dem Landwirt Wilhelm Schröder fand sich gleichfalls nichts zu erinnern. Sodann wurde dem Kämmereikassenrendanten Uffelmann für außergewöhnliche Schreibhülfe 100 Mark bewilligt. Herr Stadtrat von Eberstein ist bekanntlich als kommissarischer Verwalter nach dem Amte Braubauerschaft bei Gelsenkirchen berufen worden. Er hatte deshalb um einen Urlaub von 6 Monaten gebeten, der ihm das Kollegium heute bereitwilligst erteilte. Gleichzeitig beschloß die Versammlung, dem Herrn von Eberstein für seine langjährigen treuen Dienste die Summe von 200 Mark zu überweisen und ferner den Magistrat zu ersuchen, sich nach einer geeigneten Vertretung für[Herrn von Eberstein umzusehen. Der städtische Zuschuß zur Armenkasse pro 1892/93 wird um 2835,75 Mark erhöht. Gegen die definitive Anstellung des Polizeisergeanten Hagemann hatte Kollegium nichts einzuwenden. Der Beamte hat auch Flurschutzdienste zu verrichten. Der folgende Punkt handelte von der Regelung der Gehaltsverhältnisse der Polizeisergeanten. Die Gehälter sollen wie folgt geregelt werden: Bis zur definitiven Anstellung eines jeden Beamten beträgt das Gehalt 900 Mark jährlich. Nach erfolgter fester Anstellung erhält der Beamte eine Zulage von 100 Mark. Von zwei zu zwei Jahren steigt das Gehalt um je 50 Mark bis das Maximalgehalt von 1400 Mark erreicht ist. Außerdem wird die Mietsentschädigung von 150 auf 200 Mark erhöht. In Kraft tritt diese Vergünstigung für alle Beamten am 1. April 1894. Punkt 11 der Tagesordnung lautete:„Wahl einer SchlachthausKommission.“ In diese neue Kommission, welche über Anordnungen betr. des Reglements und die inneren Angelegenheiten beraten soll, wurden aus der Mitte der Versammlung die Herren Plentz, Ostermann, Hagemann und v. Heill, und von den hiesigen Metzgern die Herren Waldmann sund Wieken gewählt. Als Beitrag für die Arbeiterkolonie Wilhelmsdorf wurden 40 Mark bewilligt. Sodann genehmigte die Versammlung, daß einer Anzahl in ärmeren Verhältnissen lebenden Personen fü das Steuerjahr 1893 die rückständigen Kommunal= steuern niedergeschlagen werden. Da der jetzige Förster erkrankt ist, wurde der Magistrat beauftragt, die Regierung um die Ueberweisung eines Forsteleven für die Beaussichtigung des Stadtwaldes zu ersuchen. Aus der Mitte der Bürgerschaft ist der Wunsch laut geworden, die Stadt solle doch die Reinigung der Straßen u. s. sw. übernehmen, da dieses den Hausbesitzern viel Arbeit und Verdruß mache. Heute lag dem Kollegium ein diesbezüglicher Antrag vor. Beschlossen wurde, dem Magistrat den Antrag zur weiteren Veranlassung zu überweisen, um demnächst in dieser Angelegenheit geeignete Vorschläge zu machen. Damit war die Tagesordnung erledigt. * Schwerte, 23. Okt. In die Kollektion eines hiesigen Lotteriegeschäftes auf der Hüsing= straße siel auf das Los Nr. 5683 der Detmolder Pferdelotterie ein Pferd als Gewinn. Dortmund, 18. Okt. Das Schwurgericht verurteilte den früheren Lokomotivführer Friedrich Bohnert von hier wegen Falschmünzerei zu 18 Monaten Gefängnis. Dortmund, 23. Oktober. Eine Kindesmörderin, eine 24 Jahre alte Dienstmagd, wurde vom Schwurgericht hierselbst wegen vorsäälicher Tötung unter Zubilligung mildernder Umstände zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Boele, 20. Okt. Auf gräßliche Art kam hierselbst ein Schaffner zu Tode. Derselbe befand sich auf dem Trittbrett, als der Zug eine Brücke passierte. Der Beamte schlug gegen einen Pfeiler und zerschmetterte sich den Kopf. Iserlohn, 19. Okt. Auch die hiesige Industrie ist auf der Weltausstellung zu Chicago ausgezeichnet worden, indem einem Mustersortiment Nadeln, Angeln, Haken u. s. w., ausgestellt von der Fabrik=Firma Karl Schwanemeyer, die broncene Medaille zuerkannt wurde. Es ist dies der einzige Preis, der für diese Artikel nach Deutschland fiel. Fröndenberg, 20. Okt. Die allgemeine Einführung der mitteleuropäischen Zeit hat hier einen eigenartigen Streit hervorgerufen. Die katholische und evangelische Gemeinde benutzen eine gemeinsame Kirche, und nun ist die katholische Gemeinde der Ansicht, die Kirche des morgens eine halbe Stunde länger benutzen zu können, weil das den früheren Zeitverhältnissen entspräche. Um nun Klarheit in diese Angelegenheit zu bringen, hat sich das Presbyterium der evangelischen Gemeinde an die Kgl. Regierung gewandt, deren Entscheidung nun noch aussteht. Auf den Ausgang kann man gespannt sein. Bommern, 19. Oktober. Einen überaus reichen Fischzug machte gestern der Landwirt W. in der Ruhr hierselbst. Es gelang ihm, mehrere vorzügliche Salme ins Netz zu bekommen, darunter solche im Gewichte von 15— 20 Pfd. In der Fischhütte des Herrn Lohmann am großen Wehr sind ebenfalls Salme gefangen worden, worunter sich ein Riesenexemplar befand, das über einen Meter lang war. Gevelsberg, 21. Oktober. Mit einem großen„Knalleffekt“ wurde der erste Teil eines Konzert=Programms hierselbst eröffnet, wobei glücklicherweise niemand verletzt wurde. In das in der Schänke stehende Bierfaß sollte Kohlensäure gelassen werden. Durch den Druck wurde das Faß umgeworfen, ein Teil des Fußbodens platzte, das Stück Daube wurde gegen die Zimmerdecke geschleudert und schlug ein Loch in dieselbe. In großen Bogen strömte zischend der edle Gerstensaft aus dem Fasse. Die Konzertbesucher räumten zumteil schleunigst das Feld. Barmen, 20. Okt. Ein schon vielfach bestrafter Bursche von hier sprang bei seiner Arretierung auf den Beamten los und riß ihm den Bart teilweise aus, worauf der Beamte seinen Säbel zog und durch einen wuchtigen Hieb den Kopf des Widerspenstigen spaltete. Witten, 17. Oktober. Unter der Spitzmarke„Auch ein Kuriosum der Bahnhofssperre genannt Bahnsteigsperre“ schreibt man dem„Tagebl.“: In Folgendem will ich zeigen, wie man unter der „neuen Einrichtung“ der Bahnhofssperre sich billige Eisenbahnfahrten verschaffen kann, wenn man anders zu einem solchem Vorgehen geneigt ist. An4 1 genommen es hat jemand ein Interesse daran, zwischen zwei von der Bahnhofssperre betroffenen Plätzen möglichst viele Fahrten zu machen, so kann er das auf billigstem Wege folgendermaßen anstellen. Nehmen wir die Plätze Hagen und Elberfeld, Ausgangspunkt der Reise ist Hagen. Man löst sich hier eine Rückfahrtkarte nach Elberfeld, verläßt mit derselben in Elberfeld den Bahnhof und kauft für die Rückreise nach Hagen eine Rückfahrtkarte nach Hagen, auf welche hin mon den Bahnhof in Hagen wieder verläßt. Nunmehr kann man nach Elberfeld mit der Rückfahrtkarte Elberfeld=Hagen und nach Hagen mit der Rückfahrtkarte Hagen=Elberfeld innerhalb der Gültig keitsdauer, so häufig hin= und herfahren, als es einem beliebt, man ist stets im Besitz einer gültigen Fahrkarte und da die Wartesäle vom Bahnsteig aus ohne Abgabe der Karte zu betreten sind, so kann man in den Wartesälen die Geschäfte mit den Personen abwickeln, welche sich für 10 Pfg. Eintritt verschaffen. Wäre hingegen der Wartesaal am Ausgang zum Bahnsteig und nicht am Eingang von der Stadt abgesperrt, so würde ein solches Hintergehen der Bahnverwaltung unmöglich sein. Es ist das auch ein Grund, welcher für die Abänderung der jetzigen unpraktischen Einrichtung der Bahnhofssperre angeführt werden kann. Witten, 20. Oktober. Ein selten flotter Betrieb herrscht gegenwärtig in den großen Steinbrüchen des Ruhrthales. Die Steinbrüche liefern das Material für die großartigen Bauten am Kanal Dortmund=Emshäfen und sind für lange Zeit mit Aufträgen gut versehen. Es haben auch viele Arbeiter neu eingestellt werden können. Lechenich, 17. Okt. Im nahegelegenen Friesheim verbrannte dieser Tage ein achtjähriges Mädchen auf freiem Felde. Die Eltern waren mit dem Kinde zur Kartoffelernte gegangen, woselbst das Laub angezündet wurde. Das Kind muß wohl dem Feuer zu nahe gekommen sein, denn plötzlich standen die Kleidchen in Flammen. Am ganzen Körper war das Kind über und über mit Wunden bedeckt. Die Eltern, welche die Flammen löschen wollten, zogen sich selbst Brandwunden zu. Nun ist das Mädchen nach fürchterlichen Schmerzen gestorben. Möge dieses Unglück zur Warnung dienen. Bünde bei Hersord, 23. Oktober. Behufs Stellungnahme zur Tabaksteuer=Frage fand hierselst eine von etwa 3000 Personen verschiedener Parteistellung besuchte Volksversammlung statt. Nach Vortrag zweier aus jener Gegend und des Reichstags=Abgeordneten v. Hammerstein(Redakteur der konservativen Kreuzzeitung in Berlin), sprach sich die Versammlung einstimmig gegen die geplante Tabakfabrikat=Steuer aus, da hierdurch die TabakIndustrie Westfalens und Norddeutschlands überhaupt schwer geschädigt werde. Münster, 23. Oktober. Lieber ins Zuchthaus, als zum Militär— diese frivole Aeußerung that vor dem hiesigen Schwurgericht der 20 jährige Weber Herting aus Ibbenbüren, als der Richter ihn fragte, weshalb er das von seiner eigenen Mutter bewohnte Haus in Brand gesteckt hätte. Dem Manne wurde geholfen, indem er zu 5 Jahren Zuchthaus verurte lt wurde. Bochum, 17. Okt. Bei der gestern an der hiesigen Bergschule unter dem Vorsitze des Berghauptmanns Täglichsbeck aus Dortmund vorgenommenen Abgangsprüfung erhielten sämtliche 41 Prüflinge das Zeugnis der Reife und damit die Befähigung zur Anstellung als„Betriebsführer". Die Prüfung erstreckte sich auf Bergbaukunde, Mathematik und Maschinenlehre, Naturlehre und Markscheiden. Hervorragend war die Ausstellung der Zeichnungen und der markscheiderischen Arbeiten im Zeichensaale der und irrtämlicher Weise nicht zurückgegeben morden. Die beiden Leute langten ohne Fahrkarte in Köln an und wurden nach den neueren Bestimmungen in Haft genommen. Um 10 Uhr konnte die Verhandlung beginnen. Köln, 20. Okt. Der Doppelmörder Amwinkel hierselbst wurde neuerdings wieder vernommen, stellte sich aber ganz irrsinnig und erklärte, er wisse nichts von dem Doppelmorde. Derselbe nimmt freiwillig keine Nahrung mehr zu sich, weshalb er künstlich ernährt wird. Bonn, 10. Oktober. Daß eine Kartoffel Finderin eines goldenen Siegelringes ist, wird bis jetzt noch nicht dagewesen sein. Dieser seltene Fall hat sich im nahen Alfter ereignet. Der Ackerer Mathias Langen war, laut bonner„Gen.= Anz., auf seinem bei Alfter gelegenen Felde mit dem Ausmachen der Kartoffeln beschäftigt, als ihm eine der Knollen durch einen glänzenden Schein auffiel. Beim genaueren Besehen zeigte sich, daß die Kartoffel vollständig durch einen goldenen Siegelring gewachsen war. Die Knolle hatte sich dann in der Breite weiter ausgedehnt, odaß der Ring nach allen Seiten in dem Fleische der Kartoffel sitzt. Wollte man den Ring enternen, dann müßte die Kartoffel zuerst zerschnitten werden. Der Besitzer des Feldes Herr Langen kann sich selbst nicht erklären, wie der Ring auf sein Ackerland gekommen ist. Diese Kartoffel ist in der That eine goldene Ernte. * Obernburg(Waldeck), 18. Okt. Eine Feuersbrunst hat hier in wenigen Stunden 30 Gebäude, darunter 8 Wohnhäuser, eingeäschert. Viele der Betroffenen haben nichts versichert. Zur Landtagswahl. In Hagen fand eine sehr zahlreich besuchte Vertrauensmänner=Versammlung des nationalliberalen Kreiswahlkomitees statt, in welcher die beiden Kandidaten Rechtsanwalt Dr. Lohmann und Gene ralsekretär Dr. Beumer Ansprachen hielten. Der Verlauf der Versanmlung bewies, daß Richters Wahl in der That gefährdet ist. Eugen Richter trifft in den nächsten Tagen in Hagen ein, um in den größeren Orten des Wahlkreises Vorträge zu Patten... a..J 9(12n; wollen Frei Im Wahlreise Iserlogn=altene u. e. sinnige und Ultramontane ein Kompromiß schließen, und zum erstenmal eines der nationalliberalen Mandate für sich gewinnen. Den Anlaß zu diesem Bruderbund hat ihnen die Haltung des Bundes der Landwirte gegeben, der ein Zusammengehen mit den Nationalliberalen abgelehnt hat. Das nationalliberale Wahlkomitee Hamm=Soest erläßt an die Wähler einen Aufruf, dessen Schluß lautet: Wir beabsichtigen— unter Festhaltung an den Wünschen des Kreises Soest— keiner weiteren Uneinigkeit in der Partei Vorschub zu leisten und bitten deshalb, außer dem Herrn Landrat von Bockum=Dolffs einen der beiden bisherigen Abgeordneten aus dem Kreise Hamm, nämlich entweder: Herrn Gymnasialdirektor Schmelzer zu Hamm oder Herrn Gutsbesitzer Schulze=Steinen zu Hemmerde als Abgeordneten zu wählen. In einer in Essen abgehaltenen Vertrauensmänner=Versammlung der Zentrumspartei des dortigen Wahlkreises wurde für die bevorstehende Landtagswahl Wahlenthaltung beschlossen. In einer Wählerversammlung des 2. Berliner Landtagswahlkreises sollte bereits über die Kandidatur des Rektor Patzke abgestimmt werden, als von dem Vorstandsmitgliede Loeser die Mitteilung gemacht wurde, daß der Wahlkreis des Abgeordneten Richter in Hagen durch di. Haltung des Zentrums gefährdet und ein anderer Wahlkreis für ihn nicht in Aussicht genommen sei. Demgemäß soll noch eine Versammlung abgehalten werden, zu welcher Richter eingeladen werden soll. Aus Straßburg wird zu der bevorstehenben Landtagswahl geschrieben: In einem Aufsehen erregenden Leitartikel fordert„Elsasser“, Sprachrohr der unterelsassischen Klerikalen, zum Eintritt in das deutsche Zentrum auf. Das Blatt bezeichnet diesen Eintritt als den einzigen Weg, um den Verdacht des Protestlertumes los zu werden und im Reichstage einen den Interessenten Elsaß=Lothringens entsprechenden Einfluß zu gewinnen. Anstalt. Essen, 18. Oktbr. Eine ungemein rohe That ist hier verübt worden. Man hat einem Hunde beide Hinterbeine abgeschnitten und dann das so verstümmelte Tier in den Hausflur eines an der Akazienallee stehenden Hauses geworfen. Leider ist der Urheber dieser Frevelthat noch nicht bekannt. Werden, 19. Okt. Ein seltenes Brautpaar, dessen Lebenszeit zusammen die stattliche Zahl von 140 Jahren ergiebt, entschloß hier vor einigen Tagen in den Ehestand zu treten. Beide Eheleute sind in gleichem Alter, siebzig Jahre, und daß sie noch recht rüstig sind, geht daraus hervor, daß sie beabsichtigen, in nächster Zeit wieder nach Amerika, von wo sie in diesem Sommer zugezogen sind, zurückzukehren. Gute Reise! Düsseldorf, 19. Okt. Eine große Anzahl Bergleute aus dem westfälischen Industriebezirke mit Frauen und Kindern, ferner etwa dreißig Weber aus verschiedenen Gegenden trafen, wie die„D. Ztg.“ meldet, heute morgen auf dem hiesigen Bahnhofe ein und fuhren nach längerem Aufenthalt nach Gladbach resp. Antwerpen, um am Samstag mit dem Dampfer „Westerland“ die Reise nach der neuen Welt anzutreten. Köln, 10. Oktober. Daß die neue Form der Fahrkarten=Ausgabe für das Publikum unangenehm werden kann, beweist folgender Vorfall. Ein Maan, der am Schwurgericht erscheinen sollte, war um 9 Uhr nicht zur Stelle, weil er— am hiesigen Hauptbahnhofe dingfest gemacht worden war. Dem jungen Manne und einer Zeugin, die gestern morgen in Norf den Zug bestiegen hatten, waren dort die Billette abgenommen Cholera=Nachrichten. Das Reichsgesundheitsamt macht folgende Cholerafälle bekannt: In Rixdorf, Kreis Teltow, erkrankte eine Frau. nachdem sie die Wäsche ihres von Havelberg zurückgekehrten, an der Diarrhöe leidenden Ehemannes gewaschen hatte, an Cholera. In Lerpenschleuse, Kreis Niederbarnim, eine Erkrankung mit tötlihem Ausgange. In Havelberg 3 Erkrankungen. Stettin wurde bei 6 zwischen dem 15. und 19.Okt. Erkrankten(davon 5 bereits gestorben) Cholera nachgewiesen; von den früher gemeldeten Krankheitsfällen sind 2 tötlick verloufen In Warsow,KKreis Randow, 3 Neuerfrankungen, davon 2 mit tötlichem Ausgauge. In Hadersleben, Reg.=Bez. Schleswig, wurde bei 2 Matrosen des schwedischen Dampfers„Hjalmar“ Cholera festgestellt. In Jönnig, Kreis Eiderstadt, eine tötlich verlaufene Erkrankung. Kopenhagen wird telegraphisch gemeldet: Ein Erlaß des Just zministers hebi die Maßregel wieder auf, welche zur Verhürung einer Einschleppung der Cholera über die Landesgrenze sowie aus Hamburg, den Elbhäfen, Kiel, Lübeck und Warnemünde getrofsen waren.— Von Steitin ist in der Verfügung allerdings nichts gesagt. Vermischtes * Ein beträchtlicher Erdrutsch hat, wie aus Christiania gemeldet wird, am Sonntag im Värthal abermals stattgefunden, infolgedessen die bisher noch übrig gebliebenen Reste des Follofeldes abgerutscht und in Verbindung mit der im Thal befindlichen flüssigen Lehmmasse durch den westlichen Thallauf in die das Bärthal durchströmende Värdalselv gegangen ist, ohne daß diese indessen dadurch aufgestout worden ist; dagegen nahm der Rutsch ein Stück Wald mit sich. Seit dem großen Erdrutsch kurz vor Pfingsten d. J., wobei an 40 Gehöfte mit in das Thal hinabgerissen und über 100 Menschen getötet wurden, bildet dieses einst durch seine außerordentliche Naturschönheit berühmte Thal, in der Nähe des Lewangerfjord belegen, fort dauernd eine Gegend des Schreckens für die Bewohner der noch von diesen Naturereignissen unberührten Stellen. Denn in neuerer Zeit haben mehrere kleinere Erdrutsche stattgefunden, die weite ren Schaden anrichteten und jetzt wieder den neu hergestellten Landweg zerstört haben, sowie auch nach dem Erdrutsch vom 2. d. M. ein Riesenloch von etwa 30 Metern Tiefe von der oberen Kante bis zur Wasserfläche und in einem Umfange von von ca. 200 Metern gebildet. Wie tief das Wasser in diesem Loche ist weiß man nicht, da hier keine Messungen vorgenommen worden sind. Von Zeit zu Zeit stürzen hier kleinere Erdmassen mit großem Getöse in die Tiefe, wo sie verschwin den. Ab und zu stürzt aus einer höher liegenden Erdmauer ein reißender Strom Lehmwasser, eine unheimliche Erscheinung, die die Bewohner in Furcht versetzt. Das Getöse, das durch alle diese Vorgänge entsteht und besonders zur Nachtzeit einen unheimlichen Eindruck macht, erhöht das Düstere der Lage im Bärthal. Es wird eine ungeheure Arbeit sein, in diesem durch die wiederholten Unglücksfälle entstandenen Chaos einigermaßen Or nung zu schaffen. * Ein seltenes Familienereignis st es, wenn, wie das bei einer Familie in Berlin der Fall ist, von einer Familie fünf Generationen am Leben vorhanden sind. Die Ururgroßmutter, eine noch verhältnismäßig rüstige Frau, zählt 89 Jahre, ihre Tochter, die Urgroßmutter, ist 66 Jahre alt. Die Großmutter steht im 48. Lebensjahre., deren Tochter, die Mutter nur 18 Jahre jünger ist. Die Tochter der letzteren ist ein niedliches Baby von sieben Monaten, welches Urur= und Urgroßmutter täglich nach dem Kreuzberg Park fahren. Erfurt. Zur Frage der Perronsperre wird von hier berichtet:„Dem Vernehmen nach sind im hiesigen Eisenbahndirektionsbezirk infolge des Wegfallens der Fahrkartenkontrolle in den Eisen bahnzügen siebzig Schaffner aus ihrem Dienste entlassen worden.“ Wir geben diese Nachricht in der Hoffnung wieder, daß sie sich nicht bestätigen möge. * Plauen(Vogtland). Eine große Feuersbrunst zerstörte neben der Hauptkirche acht Gebäude. * Bei Schlüsselburg(Rußland) explodierte der Dampfkessel des Bugsierdampfers„Anna“. Der Dampfer ging mit samt seiner Besatzung zu Grunde. * Ein reuiger Sünder. Dem Finanzmi nister der Vereinigten Staaten gingen letzter Tage, wie die„New=Yorker Handelszeitg. berichtet, aus New=York zwei Briefe zu, deren Adressen dieselbe Handschrift trugen. In dem einen Briefe befanden sich acht 100 DollarBillets und in dem andern sieben, sowie ein Schreiben ohne Unterschrift, in welchem der Absender erklärt, es sei dies der Rest von 20000 Dollar, die er der Regierung in den letzten dreißig Jahren wiedererstattet habe. Während des Krieges habe er die Regierung um 10000 Dollar betrogen und jetzt habe er den doppelten Betrag wiedererstattet. Während General=Postmeister Manamakers Amtszeit habe er an denselben zweimal Geld geschickt, einmal 2000 Dollar, aber nie gehört, was damit geschehen sei. Die inneren Qualen, die er während der ganzen Jahre ausgestanden, wären unbeschreiblich. * Die Yacht des Newyorker Millionärs Vanderbilt, in der derselbe in den nächsten Wochen mit seiner Gemahlin nach Europa kommen wird, ist wohl das schönste Schiff, welches irgend ein Privatmann für den eigenen Gebrauch besitzt. Es ist 300 Fuß lang und besitzt 2400 Tons Wasserverdrängung; die Maschinen geben 4500 Pferdekräfte. Der Empfangssalon dehnt sich über die ganze Breite des Schiffes aus. Er ist in Weiß und Gold gehalten im Stil Louis XIV. Die Möbel ind mit rotem Sammt gepolstert. Die reiche Bibliothek befindet sich in Schränken von Wallnußhalz. Das Schlafgemach der Frau Banderbilt hat eingelegte Arbeit von Gold und Elfenbein. Die Vorhänge und Ueberzüge bestehen aus alter rosensarbener Seide Louis XIV. Das Wohnzimmer ist mit Mahagoniöbeln ausgestattet und hat grüue Sammetvorhänge. Zwei weitere Gemächer sind im Empire=Stil gehalten in blauer Nuance. In dem eleganten Badezimmer besteht die gesamte Badeeinrichtung aus plattiertem Silber; selbst die Thürdrücker sind versilbert. In den Zimmern spielen elektrische Vorrichtungen eine Hauptrolle, damit unverzüglich die Befehle befolgt werden können. Die Yacht ist in Birkenhead bei Liverpool gebaut worden und hat bedeutend mehr als 2 Millionen Mark gekostet. * Jack der Aufschlitzer ist wieder einmal— noch nicht entdeckt. Englische und amerikanische Blätter hatten bekanntlich gefabelt, der Amsterdamer Frauenmörder de Jong sei identisch mit dem vielgesuchten Jack. Aber der Zusammenhang, in welchem de Jong mit dem englischen Aufschlitzer gebracht wird, ist nur der Phantasie eines Reporters zu verdanken, und die von demselben aufgestellte und vielleicht arglos hingeworfene Vermutung nahm dann in der zweiten und dritten Hand den Charakter einer feststehenden Thatsache an. Ebenso unrichtig ist die Mitteilung über das Schicksal der ersten Frau de Jongs, einer Rotterdammerin; denn diese lebt heute noch und zwar dank der Thatkraft ihrer Mutter, welche ihren Schwiegersohn, der sie um 5000 Gulden betrogen hatte, beim Gericht anzeigte, von welchem er denn auch zu einigen Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Die Summe, um welche er seine Schwiegermutter geprellt hatte, fand man in seinem Cylinderhut versteckt. Die im Au. genblick gegen ihn schwebende Untersuchung hat noch nichts von irgendwelcher Bedeutung zu Tage gefördert; de Jong leugnet alles und behauptet, daß die beiden vermißten Frauen sich in England befanden; der Vater von Sarah Juett ist selbst hier gewesen und vom Gericht vernommen worden: aber selbst die Gegenüberstellung de Jongs mit dem bedauernswerten Manne brachte Ersteren nicht aus der Faffung. Alle Gerüchte über die Auffindung der Leichen haben sich bis jetzt als grundlos herausgestellt, eine in voriger Woche aus der Amstel gezogene Frauenleiche wurde einen Tag lang irrtümlich für die von Sybille Schmitz gehalten, und seit einigen Tagen läuft durch die Blätter die Meldung, daß drei Arbeiter an demselben Tage, an welchem de Jong allein und ohne seine Frau Jueit nach Arnheim zurückkehrte, de Jang an einer bestimmten Stelle auf der Heide wiederholt gesehen hätten, und daß er sich auch während der zwei darauffolgenden Tage in jener Gegend umhergetrieben habe. Man hat dort Nachforschungen angestellt, aber bis jetzt ohne Erfolg. Englische und amerikanische Zeitungen haben, wie man der Köln. Ztg. mitteilt, besondere Berichterstatter nach Amsterdam geschickt, welche alle Einzelheiten, wahre und falsche, ihren Blättern gewissenhaft übermitteln. Schließlich mag noch bemerkt werden, daß de Jong dem Untersuchungsrichter bei seinem Verhör die erdenklichsten Schwierigkeiten in den Weg legt; häufig beantwortet er die an ihn gestellten Fragen gar nicht, und wenn ihm das Protokoll des Verhörs zur Unterzeichnung vorgelegt wird, verleugnet er die von ihm gemachten Aeußerungen oder behauptet daß man ihn falsch verstanden habe. * Ein Weltausstellungsbrand. In Chicago wird am 31. Okt. die Ausstellung geschlossen und nach abermals drei Monaten muß der Jackson=Park von den Gebäuden geräumt, den Parkkommissarien Chicagos wieder in dem früheren Zustande übergeben werden. Die Zahl der Baulichkeiten beträgt 150. Davon sind gegen 20 jene Riesenbauten, in die man ganze Städte bequem hineinpacken kann. Nur wenige von diesen Bauwerken sind so beschaffen, daß sie entweder stehen bleiben oder an anderer Stelle wieder errichtet werden kön nen. Der Kunstpalast, der als einziges der offiziellen Bauwerke massiv hergestellt wurde, wird zur dauernden Erinnerung an die Ausstellung stehen bleiben und für die Erhaltung des Deutschen„Hauses" werden große Anstregungen gemacht. In Chicago hofft man, daß die Reichsregierung es den Deutschen dort zum Geschenk machen wird. Was aber mit den andern Häusern und Palästen anfangen die während des Winters vermutlich der Witte Stand halten würden? Sie auf Abbruch verkaufen? Der Erlös würde kaum 200 000 Doll. sein gegenüber den 20 Millionen, die der Aufbau gekostet, denn nur die Eisengerippe würden irgend welchen Wert repräsentieren, die Verschalungen und der Erd=Kalkbewurf würde kolossale Kosten zum Abfahren verursachen, abgesehen davon, daß man noch nicht weiß, wohin damit. Vor längerer Zeit tauchte der Gedanke auf, aus den abgebrochenen Bauwerken eine Insel mitten im Michigan=See zu schaffen und auf ihr zur Er innerung an die Ausstellung eines der Bauwerke zu setzen. Aber man hat sich doch rechtzeitig erinnert, daß der oft sehr mürrische Michigan=See wenig Respekt vor dem Kal! haben würde, den man in ihm versenken will und ist davon abgekommen. Zur Behebung aller dieser Schwierigkeiten hat nur der Architekt Burnham einen, wie eine amerikanische Zeitung sagt,„wahrhaft königlichen Gedanken“ ausgesprochen, dem um so mehr Beachtung geschenkt wird, als Herr Burnham der Erbauer der Ausstellung ist. Er will nichts Geringeres, als die von ihrem Inhalt geräumten Paläste an einem und demselben Tage durch Feuer vernichten, die ganze„Marmorstadt" niederzubrennen. Was die Amerikaner an dem Plane reizt, das ist das Neue, Eigenartige, noch nicht Dagewesene. Und dann das imposante Feuerwerk, das ihnen da geboten werden soll. Natürlich hängen sie ihrer Zustimmung ein poetisches Märchen um:„Wie die Ausstellung über Nacht aus dem Nichts hervorging, das größte und schönste Wunder der Welt, leuchtend wie der strahlende Sonnenball, so verschwinde sie auch plötzlich in einem einzigen großen, letz ten, hinreißenden Aufleuchten. Nur ein solches Ende ist eines solchen Lebens und Entstehung würdig. Wie hübsch das klingt. Und wie furchtbar gedankenlos und leichtsinnig einer Stadt ist, die schon einmal vollständig und ein anderes Mal nahezu durch Feuer zer## stört wurde die fast Tag für Tag sich mi dem Feuerdämon“ herumzuschlagen hat und die nicht allein weiß, daß in Chicago die do fast ständigen heftigen Winde die gebore Bundesgenossen der Feuersbrünste sind, s. daß mächtig auflodernde Flammenmeere: fahrungsmäßig die Heftigkeit der Sturme steigern. Aber alles das wird kaum nutzen. Ein Feuerwerk, zu dessen eine Stadt von Marmorpalästen verwendet wir, das läßt sich der schaulustige Amerikaner so nicht entgehen. n Gericht anvigen Jahren Summe, um Ut hatte, fand Die im Auhung hat noch zu Tage gend behaupter, in England uett ist selbst imen worden; e Jongs mit Ersteren nicht ser die Auffinals grundlos us der Amstel 1g lang irrtüm. gehalten, und ätter die Melben Tage, an ne Frau Jueit an einer beserholt gesehen rend der zwei gend umhergeorschungen anEnglische und man der Köln. tter nach Amlheiten, wahre ft übermitteln. , daß de Jong Verhör die erZeg legt; häufig u Fragen gar des Verhörs verleugnet er oder behauptet. rand. Ausstellung rei Monaten Gebäuden geicagos wieder eben werden. gt 150. Dauten, in die npacken kann. erken sind so bleiben oder werden köneinziges der estellt wurde, an die Aussie Erhaltung große Anhofft man, Deutschen dort as aber mit ten anfangen lich der Witte ? 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Is., statt, und beginnt die Wahl in den Urwahlbezirken des Amts Westhofen vormittags 9 Uhr. Die Urwahlbezirke sind folgende: Wahllokal 4 daselbst links Schule in Garenfeld Schule in Holzen Ev. Schule Die Urwähler werden zur Wahl hiermit eingeladen. Westhofen, den 19. Oktober 1893. Der Amtmann Rebber. Bekanntmachung.] Verreise in Lampenschirmen, Lampenvorhängen, Lampenschleiern, letztere in Seidentüll und gewöhnlichem Tüll, fein verziert, schon von 40 Pfg. an. Lampenschirme auf Papiercanevas zum Besticken von 30 Pfg. an, in großer Auswahl empfiehlt Schwerte. Carl Braus. Bünder Zigarren-Versand, Gustav Meyer. Gegen Nachnahme oder Vorhereinsendung des Betrages. Sendungen von 500 Stück ab einer Versandstelle postfrei: Die Kgl. Steuerkasse befindet sich vom 1. d. Mts. ab im Hause des Herrn Uffelmann, große Marktstr. 6, worauf hiermit wiederholt aufmerksam gemacht wird. Schwerte, 17. Okt. 1893. Kgl. Steuerkasse. Schrader, Kgl. Rentmeister. Bekanntmachung. Die diesseitige Bekanntmachung vom 18. d. Mts. wird dahin vervollständigt, daß die Ahteilungsliste des Urwahlbezirks Bürenbruch(4) und Hennen(5) nicht in der Wohder betr. Herrn Gemeindevorsteher, sondern erstere in der Schule zu Bürenbruch, letztere in der Schule zu Hennen offen liegt. Ergste, den 20. Okt. 1893. Der Ehrenamtmann Bormann. vom 20. bis 28. Oktober. Dr. Morsbach, Frauenarzt, Dortmund. Enpsecse uich zun Waschen u. Glanzbügeln. □ Achtungsvoll Clara Kurtzke, Wilhelm= u.Bismarckstr.=Ecke 22. 500 feinste Zigarren 10 M., 12, 15, 18 u. 20 M.(von überseeischen Tabaken) offeriert franco Hs. Dümlein, Hüningen, Elsass. Versand ab Bünde: 28 703 Veilchen M. 4.—8 8 740 Buen aroma„ 4.8035 716 Maiglöckchen„ 5.50 Versand ab Gießen: Nr. 761 Hacienda" M. 2.70# „762 Elsa„ 3.203 „ 764 Vergißmeinnicht, 3.60 „ 766 Buen Vuelta„ 4.—“ „ 767 Deliciosa„ 4.40 „ 724 Reklamo„ 6.—4s „.727 Flor de Fabia, 7.—8s Auswahlkistchen zu 100 Stück,5 F. 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Der Ehrenamtmann Bormann. Hoffmeister, Schwerte. Garautiert reine Naturbutter! Bibeln und Testamente. ampgiehs. n9 Gebet= und Andachtsbücher Carl Braus. Hochseine Süßrahmbutter versende täglich frisch in Bostkollis von ca: 10 Bfd. zu 10 Mt. 50 Pfe, franko gegen Nachnahme. L. Rosenberg in Ahlen, Reg.=Bez. Münster. Danksagung. Ich litt an Flechten. Dieselben hatten die Hände so stark befallen, daß ich meine Arbeit nicht mehr verrichten konnte. Ich wandte mich daher an den homöopathischen Arzt Herrn Dr. med. Hope in Hannover, der mich in kurzer Zeit heilte, so daß ich meiner Beschäftigung wieder nachtommen kann. Ich sage Herrn Dr. Hope meinen besten Dank. (gez.) P. Fries, Koblenz. Stschischer Gesang=Verein. Der Vereinsabend fällt für Dienstag, den 24. Okt., aus. Der Vorstand. Lehrer=Verein Schwerte. Mittwoch, den 1. Nov., nachmittags 4 1. Besoldungsverhältnisse der preuß. Volksschul lehrer einst und jetzt. 2. Verschiedenes. Corterie zum Bau einer Turnhalle des Hasper Turnvereins in Haspe. (Genehmigt durch den Herrn Oberpräsidenten von Westfalen für den Regierungsbezirk Arnsberg.) Ziehung am 23. Okt. 1893. LoseiIMk. sind zu haben in der Buchhandlung von C. Braus. Hammelfleisch, Pfund 50 Pfg. bei H. Wiecken, Brückstr. 8 Spitzen in verschiedenen Farben und Breiten empfiehlt billigst Carl Braus. Wiederverkäufer erhalten Rabatt. Eine noch gut erhaltene Wunnemühle steht billig zu verkaufen. Wo, sagt die Expedition. Konditorei u. Café zur Nieden empfiehlt zur Kirmes. Aachener Printen, Honigtuchen, Verlinerbrel gebr. Mandeln, verschiedene feine Backwaren, Würstchen im Verborgenen. Wein, Bier, Liqueur 2c. Schwerker-Kirmes. Gustav Breune. Stadtkeller. Mittwoch, den 25. Oktober, Großes Couplet, Komikerund SpezialitätenVorstelung der beliebten aus 4 Damen und Herren bestehenden Variété-Truppe Walter aus Elberfeld. 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Ritterschauspiel mit Gesang in 7 Bildern von Willi Kaiser. Anfang 7 Uhr. Kassaerösfnung 6 Uhr. Preise der Plätze: I. Platz Mk. 1.—. II. Platz 60 Pfg, Im Vorverkauf: I. Platz 75 Pfg. II. Platz 50 Pfg. Karten im Vorverkauf sind zu haben bei Herrn A. Wacke, C. Feit, E. Henrich und den Mitgliedern. Um zahlreiches Erscheinen hittet Der Vorstand. 89 1 Tortenpapier empfiehlt Carl Braus. * * * * 6 * * * * zit dem heutigen Tage übernehme ich die Wirtschaft des Herrn C. Rösener hierselbst. Zu jeder Tageszeit werden kalte u. warme Speisen verabreicht. Auch finden anständige Herren Kost u. Logis. Schwerte, den 17. Oktober 1893. Mit Hochachtung Anton Menke. Rote Ziehung am 1.—22. Nov. 1893. Mehr wie jedes 2. Los gewinnt. Hauptgewinne: 500000, 300000, 200000„100000 63 offeriert Glücks-Kollekte Richard Kulicke, Berlin C, Prenzlauerstrasse 17. Fernsprecher-Amt 7, Nr. 712. 75000, 50000, 40000. 5 h 20000, 20 à 10000, 50 4 5000, 100 K 3000 Gasthof„zur Helle“ Am Kirmestage Ball. C. Rafflin. Schmiede= u. 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Herr Ehrenamtmann Gutsbesitzer Westermann=Lütgendortmund führte den Vorsitz. Derselbe machte zunächst die Mitteilung, 1*.6 de### daß der Vorsitzende der Provinzialabteilung Wen D Ceenschrennare#m jalen, Herr Freiherr von Ketteler=Harkotten, infolge der zur Zeit in Berlin stattfindenden Sitzung des Bundesausschusses am Erscheinen verhindert sei, das er sonst in sichere Aussicht gestellt habe. An Stelle des Herrn Direktors Schultz, der plötzlich telegraphisch abberufen worden, werde Herr Direktor Geibel=Dortmund einen Vortrag halten über die „Zwecke und Ziele des Bundes der Landwirte." Die Kreisabteilung Dortmund=Bochum habe trotz der kurzen Zeit ihres Bestehens bereits eine Mitgliederzahl von über 600 aufzuweisen. Dies, sowie auch die große Zahl der heute Erschienenen zeigte klar, daß die Erkenntnis von der Notwendigkeit des shach und 31m.— Bundes auch in hiesiger Gegend vorhanden sei. bea und uwgegen' Jeder Landwirt, wenn er auch vielleicht nicht mit allen Punkten des Programms einverstanden wäre, „Agentur# müisse doch zugeben, daß eine Einigung unter den ### Landwirten, eine Zusammenfassung aller landwirtesten Feuerver Khaflichen Bestrebungen, eine solche in der Absicht ter„#ergete des Bundes liege, zur unbedingten Notwendigkeit = Gesellschafren geworden sei. Gerade die gegenwärtige Zeit dränge itigen und sal-dazu meil anscheinend die missiagbund. 4 9 I aus der Cognacbrennerei Scherer& Co. Langen, Hessen. ch empfohlen. che Mk. 2.—. 2.50, 3.50, 4.—, 5.—. Niederlage: ppe. Schwerte. goazu, weil anscheineno die maßgevenden Kreise der # L a n d w i r t s c h a f t n i c h t d a s d e r s e l b e n g e b ü h r e n d e I n ##teresse entgegenbrächten. Die Landwirte wollten keine Bevorzugung gegenüber anderen Ständen, sie #beanspruchten, nachdem sie an der Grenze ihres Teigenen Könnens angekommen wären, vornehmlich Inur einen wirksamen Schutz gegen die sie vernichtende hauswärtige Konkurrenz und erfolgreiche Maßnahmen gegen die Einschleppung der Viehseuche aus dem Auslande. Alle Bestrebungen des Bundes seien durchweht von echt vaterländischer Gesinnung, von der Liebe zu Kaiser und Reich. Den Landwirten wohne, solange ihre Scholle sie noch eben zu ernähren vermöge, eine innige Liebe zu ihrer Heimat inne, und aus diesem Heimatsgefühle wachse die Argen und folrru zu vergeOff. mit RefeH. D. 1 an Vogler, ), erbeten. züglichen selwein, in und glanzhell, fg. per Liter, einsten lweinsekt, feste und unzerstörbare Liebe zum Vaterlande und MKarß 1.50, em zzum angestammten Herrscherhause. Redner schloß #c. Amit einem Hoch auf Seine Majestät den Kaiser. britvurger Aepfa## Aus dem dann folgenden Vortrage des Herrn si, Weilburg(Lahn Direktor Geibel stizieren wir nur kurz das Hauptächlichste. Die Bewegung, die zur Gründung des Wahnung undes der Landwirte geführt habe, sei keine tünstWohnungliche gewesen, sondern aus einem zwingenden Bejumen, am liebsten dürfnisse hervorgegangen. Darum auch die raschen er Stadt, pr. 1. ugd sicheren Erfolge, darum die allgemeine Beteigesucht zeunstau allen Schichten der, landwirtschaftlichen sten gesucht. Hevölkerung Redner läßt es sich namentlich ansagt die Expedi gelegen sein, eine ganze Reihe von Bedenken, die man gegen die Gründung des Bundes erhoben hat, drucktes Pu widerlegen. Man habe u. a. behauptet, es sei überhaupt die Bildung eines derartigen Interessenreises nicht statthaft Demgegenüber müsse auf die hohe staatserhaltende Bedeutung der Landwirtschaft hingewiesen werden. Die Geschichte lehre doch, daß der Verfall eines bis dahin blühenden Staatswelens stets zusammenfalle mit dem Niedergange der Landwirtschaft. Uebrigens gingen zablreiche andere Interessenkreise ind erselben Weise vor; man brauche für an das Handwerk und die Industrie zu denken, bei denen zudem noch der Zusammenschluß vielfach ihne Rücksicht auf die Interessen anderer Kreise ge. Der„Bund der Landwirte“ wolle diese Kasischt Pabren und anderen Interessenkreisen Frenaus Schutz zubinigen. Die industriellen Verinigungen hätten große Ersolge zu verzeichnen; varum solle da die Landwirschaft nicht auch nach leschen ringen? Ferner suche man geltend zu madaß die Klagen über die Notlage der Land##irtschaft immer nur von den Großgrundbesitzern oentlichan de dem kleineren Besitzer, dem uut gesen Bauern, müsse es also wohl noch recht Auch sage man, daß der Bauer in Pestfalen kein Interesse an der Höhe des Zolles be; denn er produziere nur seinen eigenen BeCarl Praus. e, Schwerte und morgen: gel, Gänsebraten, beef, geräucherter " Leberwurst, Gerichs, Caviar, Sülze. rühstück 40 Pfg. platte 40 Pfg. Carl Raffin. (snachrichten. 1. Okt. 1893. Mol er 100 Kilo 500 er 100„ 4950 in 100 Zentner] 49/0 Kilo faßw. 51 per 100 Kilo als Rüböl. er 1000 Kilos 118 uß 00 per 100 Kllo Kilo Okt. Weizen hiesiger fremder 16,50—17,50. 14,50—15.00, fremde Hafer hies. 17,0 mder 16.75—17,504 1. Okt. Weizen Oll. K. Nov.=Dez. 142.25 Okt.=Nov. 124,50 4,50 M, Haser, 44.25 2a Nov.=Dez, 15z-, F. mit Faß 4/g6; ohne Faß 47,% 7.50 a April gug iritus 70er vorr. 5 M. Nov.=Dez. 31.2 ätig K 52.40. darf. Eine derartige Annahme sei grundfalsch, da es keine Verschiedenheit in den Interessen gebe Was dem Osten und dem Großgrundbesitzer fromme, das nütze auch dem Westen und dem kleineren Landwirte. Alle seien einig in der Forderung des notwendigen Schutzes. Es sei nicht zu verkennen, daß der hiesigen Landwirtschaft durch das Aufblühen der Industrie viele Vorteile zugeführt seien, aber diese würden doch auch wieder durch mancherlei von der Industrie bedingte Nachteile eingeschränkt(Schwierigkeit, gutes Gesinde zu bekommen, die höheren Arbeitslöhne, Steigerung der Steuern und Abgaben). Ueber die einzelnen besonders Begünstigten dürfte man die vielen anderen nicht vergessen. Zur Ausübung des landwirtschaftlich n Berufes gehöre viel Fleiß und ein Mühen vom Morgen bis zum Abend Dazu komme, daß die Rentabilität eine verhältnismäßig geringe sei. Aber der Landwirt sei mit dieser bescheidenen Rente zufrieden, nur wolle er sich dieselbe nicht auch noch nehmen lassen. Redner ist der Ansicht, daß, wenn die deutsche Landwirtschaft durch Gewährung des ihr gebührenden Schutzes auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit angekommen sein würde, Deutschland dann auch sein ganzes Brot, ohne Zufuhr von außen, selbst produzieren könne. Bezüglich der vielen schon bestehenden landw. Vereine sei zu erwägen, daß dieselben alle nur die technischen Aufgaben der Landwirschaft zu fördern suchten. Der Bund dagegen verfolge lediglich wirtschaftspolitische Ziele. Zum Schlusse seiner mit vielem Beifall aufgenommenen Ausführungen betont Herr Direktor Geibel nochmals ausdrücklich, daß der„Bund der Landwirte" durch sein Vorgehen keinen Gegensatz zwischen Landwirtschaft und Industrie herbeiführen wolle; denn er erkenne sehr wohl den gemeinsamen Boden an, der für beide bestehe, eine Erkenntnis, die auch von hervorragenden Vertretern der Industrie geteilt werde. So hätten sich bereits mehrere Handelskammern sympathisch über den „Bund der Landwirte“ geäußert. Der Vorsitzende spricht dem Referenten den dank der Versammlung aus und macht noch darauf aufmerksam, daß„der Bund der Landwirte" trotz seines wirtschafts=politischen Programms doch in allen übrigen Stücken ein Fernhalten von jedem politischen Parteistandpunkte verlange. Herr Schulte=Steinberg in Langendreer bemerkt dazu, daß der Bund eine gewisse politische Reife bei seinen Mitgliedern voraussetzt. Auch lönne eine allgemeine Kenntnis der Gründe seiner Entstehung und der von ihm verfolgten Ziele bei den Landwirten zur Zeit noch nicht vorausgesetzt worden. Es wäre daher dankbar zu begrüßen, daß sich Herr Direktor Geibel darüber in einem so lichtvollen Vortrage ausgesprochen habe. Redner meint, daß heute der Landwirtschaft ungleich weniger Aufmerksamkeit zugewendet werde als früher zu Zeiten des Fürsten Bismarck, bei dem überhaupt die Landwirtschaft in guten Händen gewesen sei. 10 „Der Vorstand der Kreisabteilung besteht aus Mitgliedern, von denen 5 im Kreise Dortmund und 5 im alten Kreise Bochum wohnen. Die letzteren 5 sind von der heutigen Versammlung zu wählen, und entscheidet man sich für die Herren: Amtmann Mauve=Winz und die Gutsbesitzer SchulteSteinberg=Langendreer, Höhne=Grumme, BehmeHüllen und Siens=Höntrop. Hierauf wird noch der Anschluß an eine an den Reichstag zu sendende Petition einstimmig beschlossen. In derselben wird die Erklärung abgegeben, daß eine Herabsetzung der Zölle auf kandwirtschaftliche Erzeugnisse Rußlands von der deutschen Landwirtschaft nicht ertragen werden könne. Das Erbe. Preisgekrönte Erzählung von R Blankenburg (Fortsetzung) Hertha war im Begriff dem Befehl der Mutter zu folgen, aber sie hatte die Thür noch nicht erreicht, als sie zögernd stehen blieb und den bittenden Blick zu ihrem Gesicht erhob.„Mutter,“ sagte sie leise,„es sollte jemand von Erich zu ihm sprechen.“ „Von Erich?“ rief jene heftig zusammenfahrend; „wie kannst Du daran denken, Kiud? Ich hab' es nicht gewagt, seinen Namen in den Mund zu nehmen, so lange Vater gesund war, und jetzt in seinen letzten Stunden—“ „Das ist's ja eben,“ unterbrach Hertha ihre Worte,„er muß erfahren, daß er noch unter den Lebenden ist. Wie können wir's verantworten, daß er dahingeht, ohne ein Wort der Verzeihung für ihn zu hinterlassen! Mutter, wenn Du's nicht willst, laß mich ihn um seinen Segen für meinen Bruder bitten.“ Die Mutter zuckte ungeduldig mit den Schultern, eine unruhige Angst klang aus ihrer Stimme, als sie antwortete:„Willst Du's auf Dich nehmen, daß er Dir unter den Händen stirbt, so mußt Du die Verantwortung tragen für alle Zeit, ich habe Dich gewarnt.“ Einen Augenblick schwiegen beide, dann sagte Hertha wieder:„Es ist noch eins, Mutter; mir ist so bange, er könnte mir Grashagen verschreiben, und das wäre kein Segen, nicht für mich und nicht für mein Kind, denn es kommt dem Sohne zu“ „Kein Segen?“ rief die Mutter lebhaft,„kein Segen bei dem schönsten Gute auf ganz Rügen, wo der Reichtum aus der Erde hervorschießt, wie das Gras im Frühling? Hertha, es kann Deine Meinung nicht sein, daß Du es Erich, der aus freiem Willen die See gewählt hat, zuschieben, und selbst mit Deinem Kinde in die Ferne ziehen wolltest?“ Hertha antwortete nicht, aber es schien, als ob die Worte der Mutter den gewünschten Eindruck verfehlt hätten, denn ein ungewohnter Zug, als ob sie sich mit ihr im Widerspruch befinde, verschwand nicht aus dem bleichen Gesicht. Er flößte der Mutter Besorgnis ein, deshalb trat sie dicht zu ihr und legte die Hand auf ihren Arm.„Hertha,“ sagte sie eindringlich,„wenn der Vater Erich des Besitzes nicht wert hält, ist es dann Deine Sache, daß Du ihn aufmerksam machen solltest, Dich und Dein eigenes Kind zurückzusetzen? Bist Du nicht ebenso sein Fleisch und Blut wie der Sohn, der sich an seinem Eigentum vergriff?“ Stockend kamen die letzten Worte über ihre Lippen, obgleich sie sonst schnell und in großer Erregung gesprochen hatte. War es denn möglich, daß ihr jetzt ein Gegner entstanden war, wo sie am wenigsten vermutet hatte, in der sanften Tochter, die sich sonst ihrem Willen unbedingt unterworfen hatte? In weiter, weiter Ferne hatte sich ihren begehrlichen Blicken zuerst das Ziel gezeigt, freilich unsicher und unbestimmt, aber sie hatte die ersten Schritte darauf zu gethan. Dann war plötzlich die Sachlage eine andere geworden, und sie hatte auf dem betretenen Wege weitergehen müssen, wie weit mit eigenem, wie weit mit fremdem Willen, zu fragen? Jedenfalls stand sie heute dem Ziele ganz nah, sie mußte es erreichen, und sie wollte es auch, deshalb beunruhigte sie der noch immer unveränderte Ausdruck in Herthas Gesicht, und sie suchte schnell und gewandt eringan t dungsmittel zur Geltung weiß ja kein Mensch, was des Vaters Entschließungen sein werden, Hertha, es kann ja sein, daß er gar nicht daran denkt, Dir das Erbe zu übergeben, und wie würde er es dann aufschusmennz anfingest? Aber „wenn er es thäte, so bist Du doch die einzige, Dich noch immer besinen, was Du taula Psis selbst glaubte, was sie sagte? Jeden5 suy sie„mit Befriedigung, wie Hertha dieser Reoe zugänglich war. Sie verstand, daß es ihrem zurückhaltenden Wesen eine Erleichterueg war, wenn sie nicht selbsthandelnd einzugreifen brauchte, deshalb fügte sie nur hinzu:„Und nun geh', Hertha, und bleibe oben bei ihm, ich weiß, daß Du thust, und ich habe jetzt keine Zeit mancherlei anzuordnen in einem Hause, wo der Sche gefäl jung von es g Graf und spen mild finste Läde wahr der der! der haber Vater Blick die ve er die zu en legten ob si. 26. und ine 50000 000 M. 3000 M. M., 5mal ohne Abvinne von mit 10% M 1 Tod seinen Einzug halten soll. Du kannst die Kathrine bei Dir behalten, ich brauch' sie nicht.“ Als Hertha mit leisem Schritt das Zimmer verlassen hatte, biß sie di Lippen zusammen. Ihre Stirn legte sich in finstere Falten, als sie murmelte:„Die Thörin, sie wäre im stande gewesen, die ganze Sache noch in der letzten Stunde zu verderben, und doch, ich will nitt sagen, daß ich aber sie blickte sich sch u um und verschluckte den Schluß der geflüsterten Rede. Langsam schlichen die Stunden in Grasharn dahin. Das Gewitter, welches die ganze Gegend überzog, hatte sich auf dem Lande weniger stark entladen als auf der See, aber doch waren die Blitze leuchtend und die Donnerschläge heftig genug gewesen, um die Herzen der im Sterbehause Wei lenden mit bangem Schauer zu füllen. Der Knabe zwar, der im Wohnzimmer am Fenster stand, schien kein Gefühl der Furcht zu kennen denn er schaute mit hellen, klaren Augen in die zuckenden Flammen hinein, und auch die Frau, welche eifrig umher wirtschaftete, um die nötig gehaltenen Vorbereitungen zu treffen, war nur mittelbar berührt, denn wenn sie einmal einen Augenblick still stand, so las man in ihren gespannten Zügen nur das unruhige Lauschen, mit dem sie auf ein erwartetes Geräusch horchte. Oben in dem Zimmer, welches durch den vorausgeworfenen Schatten des Todes wie geheiligt erschien, lag der Kranke auf seinem Lager. Der Atem ging matt, und die Augen waren geschlossen, als ob apathi cher Schlummer oder Bewußtl osigkeit seine Sinne gefangen hatte, und doch fuhr er bei jedem lauteren Donner zusammen, und ein Ausdruck der Angst erschien in seinen sonst stillen Zügen. Mit gewaltiger Anstrengung überwand dann die junge Frau den Schauer, der durch ihre Glieder zuckte, indem si die matt auf der Bettdecke ruhende Hand faßte und liebevoll beruhigend darüberhinstrich. Am Fenster hatte die Kathrine ihren Platz gefunden. Sie blickte lieber hinaus in das Wetter als hinein in die Stube, wo ihre junge Herrin am Bette des Sterbenden saß. Wenn es ihr vorher schon unheimlich in seiner Nähe gewesen war, wie hatte sich jetzt dies Gefühl vermehrt, wo es schien, als ob der Ruf des Todes unter Donner Seele vor den Richterstuhl Gottes fordern„bue: Wie sehnte sie sich nach unten aus der Lrangstigenden Stille fort, die nur durch 5 Rauschen des Windes und das dumpfe Rollen über ihren Häuptern unterbrochen wurde. Plötzlich sprang sie empor. Sie hatte auf dem Hofe ein anderes Geräusch vernommen und schnellen Schrittes, die Gelegenheit freudig ergreifend, eilte sie die Treppe hinab. Auch der Sterbende mußte es bemerkt haben, denn er machte eine unruhige Bewegung und öffnete zum ersten Male die Augen. Hertha beugte sich liebevoll über ihn.„Du hast geschlafen, Vater,“ sagte sie leise„der Donner des abziehenden Gewitters hat Dich geweckt“ Er achtete nicht auf ihre Worte. Mit den geschärften Sinnen, die dem Menschen oft kurz vor seinem Abscheiden verliehen werden, hatte er gehört, was ihr entgangen war. „Der Wagen,“ murmelte der Kranke abgebrochen,„sie kommen. Hertha, Du bist mir ein treues Kind gewesen, mein Segen wird auf Dir ruhen. Geh' jetzt, ich will mein Haus bestellen, aber schicke zu Pastor Helfer, ich will versöhnt zu meinem Gott und Herrn gehen.“ Sie war im Begriff seinen Auftrag auszurichte“, als die Thür sich öffnete und die Mutter eintrat. Ihr folgte der Notar mit Malte, aber dann mußten sie alle das Zimmer verlassen, doch blieb die Mutter in der Nähe für den Fall, daß ihre Hülfe gebraucht wurde, und Kathrine mit dem Knecht wurden nach oben gerufen, um dort auf dem Flur zu warten, bis sie als Zeugen der Unterschrift ihres Herrn gebraucht wurden. In einer Aufregung, wie er sie kaum beherrschen konnte, wanderte Malte im Hause hin und her, während Hertha sich ihres Knaben annahm und ihn in das Schlafzimmer führte. Sie entkleidete das müde Kind und dann an seinem Bettchen niederknieend betete sie sein einfaches Abendgebet mit ihm. Aber als der Kleine längst in süßen Schlummer gesunken war, da stieg noch immer ein heißes Flehen aus dem geängstigten Herzen der Mutter zum Himmel empor. Erst als sie Schritte die Treppe herabkommen hörte und nun wußte, daß die Entscheidung oben gefallen war, erhob sie sich. Eine eigentümliche Scheu verhinderte sie in das Wohnzimmer zu gehen, wohin sich der Notar begeben hatte, es war ihr, als möge sie jetzt nichts von irdischen Angelegenheiten hören oder sehen, und sie blieb still neben dem Bette des Kin des stehen, bis die Mutter sie abrief und wiederum zum Vater schickte. Die Abendschatten erfüllten das Sterbezimmer, als sie es betrat. Sie entließ die Kathrine, die bei dem Kranken saß, und räumte dann das Papier und Schreibgerät beiseite, das auf dem Tifche lag, als ob sie sein Herz von allen Gedanken an die Erde lösen und zur seligen Heimfahrt bereiten möchte. Dann nahm sie den Platz am Bett des Vaters ein. Er schien sehr erschöpft zu sein, denn er sprach nicht mit ihr, und nur die Hand, welche sie in die seine geschoben hatte, drückte er bisweilen sehr matt. So saßen sie zusammen, eine lange Zeit, wie es ihr schien, denn es war dunkel geworden, und nur der Mond sandte, wie er durch die Zweige der Bäume blickt, einen freundlichen Licht strahl in das Fenster. Der Atem des Kranken war schwächer geworden, bisweilen hörte sie ihn seufzen, dann kam ein leise gemurmeltes Wort von seinen Lippen. War es der Name des Sohnes, dessen er in seiner letzten Stunde gedachte, oder hatte sie ihn nur zu hören gemeint, weil ihre ganze Seele nach ihm verlangte? O wenn sie wagen dürfte, von ihm zu sprechen, zu flehen, zu bitten, daß er nicht im Groll gegen ihn vor Gottes Stuhl treten möchte! Sie beugte sich tief über den Vater in der Hoffnung etwas deutlicheres zu vernehmen, aber es blieb still, und dann schien es ihr plötzlich, und die Empfindung durchschauerte sie, daß die ihre Hand umschließenden Finger kühler und schwerer geworden waren. War das Ende nahe, näher als sie geglaubt hatte, und hatte man dort unten sie und ihn vergessen, weil de ganze Sinn nur auf das Hab und Gut gerichtet war, das die scheidende Seele auf Erden zurückließ? Und der Pastor— vor Stunden schon hatte sie den Boten geschickt, der um seine Hülfe bitten sollte— warum kam er nicht? Vielleicht that er, was sie nicht vermochte, und, sie richtete sich schnell aus der zusammen gesunkenen Stellung empor, die sie eingenommen hatte, und lauschte aufmerksam. Sie hatte sich nicht getäuscht, als sie das Leffnen der Hausthür zu vernehmen meinte, denn gleich darauf hörte sie zemand die Treppe heraufkommen, und die Mutter erschien auf der Schwelle. Ein Laut der Ueberraschung entfuhr ihr, als sie die herrschende Dunkelheit gewahrte, aber noch ehe sie die Lampe angezündet hatte, war Pastor Helfer an das Bett getreten und hatte die Hand des Sterbenden gefaßt. Ihre feuchte Kühle, wie das totbleiche, eingesunkene Gesicht, auf welches das Licht fiel, zeigten ihm, daß keine Zeit zu verlieren war. Er mußte seinen Wunsch sogleich erfüllen, es mochte vielleicht zu spät werden, wenn er sich auf Erklärungen über Erichs Schuld ader Unschuld einließ, aber den Segen des Vaters für ihn wollte er erwerben, das war er ihm wie dem Sterbenden schuldig. Die Mutter verließ wieder das Zimmer, indem er sich zu dem Kranken beugte und Sündenbekenntnis wie Vaterunser spra, in das Hertha leise einstimmte, während die Bewegung seiner Lippen seine innere Teilnahme zeigte.„Vergieb uns unsere Schuld, wie wir vergeben unsern Schuldigern: Der Pastor blickte voll in die zu ihm aufgeschlagenen, trüben Augen.„Sie vergeben aus vollem Herzen allen denen, die sich an Ihnen vergangen haben?“ fragte er in tiefer Bewegung,„und wenn Erich zu Ihnen treten könnte und die Arme nach Ihnen streckte, so würden Sie ihn an Ihr väterliches Herz ziehen?“ Ein Beben ging durch den Körper des Liegenden, seine Brust hob und senkte sich stürmisch, die Hand zuckte auf der Decke Da lag Hertha auf den Knieen vor seinem Lager, faßte sie und bedeckte sie mit heißen Thränen und Küssen.„Vater, vergieb Erich, schluchzte sie,„laß Deinen Segen auf seinem Haupte auch ruhen. Es schien, als ob der Groll noch nicht ganz in dem Herzen des Vaters erloschen sei, denn er preßte die Lippen auf einander, als ob das erflehte Wort ihnen nimmermehr entlchlüpfen solle, und wendete langsam den Kopf zur Seite. Aber nur wenige Augenblicke verharrte er so, dann öffnete er die Augen und seine Hand legte sich auf den blonden Scheitel der Tochter.„Ich bedarf meines Gottes Gnade,“ sagte er leise,„und, Herkha, wenn er zurückkehrt in Reue und Schmerz, so sollst Du Erich sagen, daß ich ihm meine Liebe bewahrt habe.“ Ein leises„Gott sei Dank“ kam aus dem Munde des Pastors, und dann reichte er Vater und Tochter das Mahl des Herrn. Als die heilige Handlung vorüber war, setzte er sich an das Lager des jetzt erschöpft Ruhenden. Leise und vorsichtig, um ihn nicht zu tief zu erschüttern, sing er an den Zweifel an Erichs Schuld in ihm zu erregen. Er sprach davon, daß er mit ihm in Verbindung getreten sei, und daß seine Ueberzeugung ihn von dem Vergehen freispreche. Mit geschlossenn Augen lauschte der Sterbende seinen Reden, während sich ein Ausdruck stiller, seliger Befriedigung über sein Gesicht verbreitete. Er war zu schwach, um die Entdeckung zu machen, die der Pastor gefürchtet hatte, daß er schmählich hintergangen worden war, und daß er selbst seinem Sohne ein bitteres Un recht zugefügt hatte, er fühlte nur, daß er ihm wiedergegeben war. In Herthas Augen dagegen, die unverwandt auf den Pastor gerichtet waren, trat ein Blick grübelnder Unruhe, als ob sie Fra gen und Sorge nicht zurückdrängen könne. Plötzlich aber fuhr sie zusammen, und in jähem Schreck eilte sie zu der Thür. Lautes Sprechen erscholl in dem stillen Hause, ungestüme Schritte kamen die Treppe herauf, an ihr vorbei stürzte Malte in das Zimmer, auf das Lager zu, und mit lauter Stimme rief er dem Sterbenden entgegen:„Vater, Erich ist da, er will zu Dir dringen und bedroht die Mutter.“ Der Sterbende fuhr von seinem Lager in die Höhe. Eine heftige Erregung malte sich in seinen Zügen, abwehrend streckte er die Hände vor sich. Galt diese Bewegung Malte oder Erich, der auf der Schwelle stand? Niemand hat es je erfahren, denn er fiel mit einem Schrei zurück auf das Bett. Todesschweiß bedeckte das zuckende Gesicht, und die Lider sanken über die gebrochenen Augen. Ob er es noch bemerkte, daß Erich am Lager niedersank, ob er die flehende Stimme hörte:„Vater, ich bin unschuldig, segne mich!“ Es war, als ob die Finger, welche Erich gefaßt hatte, sich leise um die seinen schlössen, aber kein Wort fand mehr den Weg zu dem Herzen des Sohnes. Laute Atemzüge tönten schnell und gepreßt durch die Stille des Zimmers. Dann wurden sie langsamer und leis r, Erich fühlte ein leichtes, mehrmaliges Zucken der schweren Hand, gegen die er seine Lippen gepreßt hatte.„Er hat vollendet,“ sagte der Pastor, indem er das Zeichen des Kreuzes über der bleichen Stirn machte. Erich erhob sich langsam, das Antlitz des Vaters lag vor ihm in den Kissen, von der Ruhe des Todes übergossen und mit dem Frieden der Ewigkeit in den Zügen. (Fortsetzung folgt.) Vermischtes. * Ein Knabe als Wolfsjäger. Der 13 Jahre alte Gjuro Gjokowic aus Borci weidete, wie die„Bosnische Post“ berichtet, mit seinem 11jährigen Bruder Javo vor einiger Zeit in einem von ihrem Gehöft nicht allzuweit entfernten Buchenwalde eine Zuchtsau mit zahlreichen Ferkln, als plötzlich aus dem Dickicht ein alter Wolf ausbricht und sich auf die kleine Schweineheerde wirft, um sich eine leckere Mahlzeit zu verschaffen. Die alte Zuchtsau verteidigt doch wütend ihre Jungen und drückt den Wolf mit dem Rüssel am Hinterteile nieder. Diesen Moment benutzt der kleine Hirte Gjuro, schwingt seine kleine Axt und spaltet mit einem ziemlich wuchtigen Hieb den Kopf des Wolfes, während der kleine Javo her zueilt und auch mit seiner Axt dem Wolfe noch mehrere, wohl aber nicht mehr nötige Hiebe versetzt. Den mutigen Kindern wurde für das beim Bezirksamte vorgewiesene Fell des Wolses das auf die Erlegung von Wölfen ausgesetzte Jagdgeld ausbezahlt. Es übertrifft der in Geschmack u. Geruch angen. Holländ. Rauchtabak v. R. Becker in Seesen a. H. alle ähnlichen Fabrikate 10 Pfd. fre 8 A 2 ner 10 10 49/00 49/50 51/— 118 en hiesiger 0—17,50. , fremder ef. 17,0 17.50 izen Okt. 3. 142.25 iser z. 154.25 47.75 dez. 31.25