* *„* Amtiicher Eereisblatt ents=Preis pro Quartal 1 Mark 50 Pfg. Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. dhe Gratisbeilage:„Illustrierter Famlisenfreund.“ 0 für den Kreis Gorde. Insertionsgebühr für die sechsspaltige Zele oder deren Raum 10 Pig. außerhalb des Leserkreises 15 Pfg.; Reklamen 30 Pfg. Redaktion, Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. 25. Jahrgang. Amtliche Bekanntmachungen. Reichstagswahl. m.: der am 15. Juni er. stattgehabten Wahl Abgeordneten für den Deutschen Reichstag im Stadt= und Landkreise Dortmund und Kreis Hörde hat sich folgendes Resultat ergeben: Zohl der Wahlberechtigten Zahl der abgegebenen Stimmen Davon sind gültig Davon sind ungültig absolute Mojorität beträgt haben Stimmen erhalten die Herren: 1. Karl Wilhelm Tölcke in Dortmund 2. Theodor Möller in Kupferhammer bei Brackwede 3. Lambert Lensing in Dortmund Zersplittert auf verschiedene Personen Es hat sich hiernach auf keinen Wahlkandidaten die absolute Stimmenmehrheit vereinigt, und ist nach Maßgabe der Bestimmungen im§ 12 des Wahlgesetzes und in den§§ 29 bis 31 inkl. des Wahlregulativs engere Wahl erforderlich zwischen den Herren 1. Karl Withelm Töscke in Dortmund, 2. Theodor Möller in Kupferhammer bei Brackwede. Der Termin für die engere Wahl findet am 24. Vun bor. De, Wahlkom missar Landrat Geh. Regierungsrat v. Rynsch. 59790 46857 46 757 100 23379 17170 16 284 13188 115 Bekanntmachung. Bei der Wahl am 15 Juni er. zum Dentschen Reichstage hat sich im Wahlkreise Dortmund— umfassend Stadt= und Landkreis Dortmund und Kreis Hörde— die absolute Stimmenmehrheit auf geinen Wohl Kandidaten vereinigt. Für die engere wird hirmtt Termin anberaumt auf den 24. Juni 1893, beginnend morgens früh 10 Uhr und 6 Uhr nachmittags. Die Wahl findet statt zwischen den Herren 1 Kommerzienrat Theodox Möller zu Kupferhammer bi Brackwede und 2. Karl Wilhelm To cle zu Dortmund, welche bei der Wihl am 15 Juni cr. die meisten Stimmen erhalten haben. Alle auf Kandidaten sallende Stimmen sind ungültig,§ 30 des Wahl=Reglements. Bei der engeren Wahl sind dieselben Wählerlisten wie bei der ersten Wahlhandlung anzuwenden. Die Wahlbezirke, die Wahlvorsteher und die Wahllokale bleiben anverändert. Die Herren Bürgermeister und Amtmänner werden ersucht um weitere Bekanntmachung in ortsüblicher Weise. Die Herren Wahlvorst her werden ersucht. die Wahlprotokolle bis spätestens 25 Juni norgens mir einzureichen. Dortmund den 19. Juni 1893. Der Wahl=Kommissar Landrat Geh. Regierungsrat v. Rynsch. Die Vakanzen=Listen bezüglich der für zivilversorgungsberechtigte Militär=Anwärter vorbehaltenen Stellen ziegen auf dem Kreisbureau zu Hörde zur Einsicht offen. Zu den Wahlen. läßt sich nicht absehen, ob eine Mehrheit für die Militärvorlage vorhanden ist oder nicht. Die Zahl der bisher mitgeteilten Wahlergebnisse ist zu gering, die der Stichwahlen zu groß. Aber wie die einzelnen Parteien ungefähr abschneiden werden, darüber kann man sich schon jetzt ein Urteil bilden. Die Konservativen haben ihre alten Sitze fast überall behauptet, in Ostpreußen, Pommern und Westfalen mit großen Mehrheiten. Eine Reihe von Sitzen ist den Gegnern auf den ersten Angriff abgenommen worden, so Zschopau=Marienberg, Stolp= Lauenburg, Hagenau, Wittenberg= Schweinitz, Greifswald, Emden. In einer großen Zahl von Kreisen stehen die Konservativen vor aussichtsvollen Stichwahlen. Einige Wahlkreise haben sie allerdings verloren, besonders im Königreich Sachsen, wo Antisemiten an ihre Stelle getreten sind. In anderen Wahlkreisen hatten sie bekanntlich das Feld freiwillig den Mittelparteien überlassen. Im Ganzen wird die konservative Partei eher gewinnen als verlieren. Manche„parteilose", insbesondere bäuerliche Abgeordnete, werden ihr auch noch zuzurechnen sein. Die Mittelparteien werden etwa in der früheren Stärke wieder im Reichstage einziehen. . Das Zentrum wird um höchstens 10 Sitze geschwächt zurückkehren. Unter den gewählten Zentrumsleuten befinden sich aber verschiedene militärfreundliche, wie der Prinz Arenberg und mehrere Schlesier. Bemerkenswert ist es, daß in Mörs der regierungsfreundliche Katholik Landrat Gescher über den offiziellen Zentrumskandidaten Fritzen gesiegt hat. In Baiern sind die Verluste des Zentrums anscheinend nicht unbedeutend. Ein„Bauernkandidat“, Bach neier, ist durch, mehrere andere stehen mit den Ultramontanen in Stichwahl. Aus den meisten dortigen Wahlkreisen fehlen noch die Nachrichten. Die Schorlemerschen Kandidaturen sind erfolglos geblieben. Es fehlte dieser Bewegung eben an jeder Presse und Organisation. Fusangel bleibt natürlich dem Reichstage erhalten, Sigl wird ihn wohl zum erstenmale„zieren“. Die Freisinnigen sind so zermalmt wie noch bei keiner Wahl bisher. Nicht ein einziger Richterscher Freisinniger, nur drei Rickertsche sind bisher gewählt. Bestimmt verloren hat die freisinnige Volkspartei schon 14, die freisinnige Vereinigung 11 Sitze. Letztere steht außerdem nur dreizehnmal zur Stichwahl, während die Volkspartei allerdings 31, aber, wie in Berlin, größtenteils durchaus aussichtslose Stichwahlen aufzuweisen hat. Von diesem Schlage wird sich diese Partei nicht leicht wieder erheben. Polen, Hannoveraner und süddeutsche Volksparteiler werden voraussichtlich weder verlieren noch gewinnen. Im Elsaß dagegen ist ein erfreulicher Umschwung bemerkbar. Außer dem wiedergewählten Baron Zorn von Bulach ist den Konservativen noch der Erbprinz von Hohenlohe zuzurechnen. Mindestens 5 militärfreundliche Elsässer sind gewählt. Der Protest ist im Absterben, die Sozialdemokratie allerdings dafür im Zunehmen. Die Sozialdemokratie schätzt ihren Stimmenzuwachs auf ½ Million. Das könnte stimmen. An Sitzen wird sie nicht viel gewinnen. Nach dem„Vorwärts“ sind ihr bisher nur 24 sicher. Bei den Stichwahlen macht sie bekanntlich in der Regel schlechte Geschäfte. Wir glauben, daß sie höchstens auf 42(statt 36 wie bisher) Abgeordnete kommen wird. Immerhin ist die Zunahme ihrer Wählerzahl sehr beachtenswert. Die Stimmenzahl der Antisemiten wird sich mindestens verfünffachen. Ihre Erfolge in Sachsen sind geradezu glänzend. Sie werden bei der Stichwahl mehrere Wahlkreise bestimmt erobern. In Leipzig Stadt hat sich die Zahl der deutsch=sozialen Stimmen gegen 1890 verdoppelt, in Leipzig=Land hat Liebermann von Sonnenberg mehr Stimmen bekommen, als der nationalliberale Dr. Blum. In Hamburg hat sich die Zahl der antisemitischen Stimmen von 400 auf 10000 erhöht. Die „Hamb. Nachr.“ nennen dies„die bemerkenswerteste Erscheinung bei der diesmaligen Hamburger Wahl“. Liebermann von Sonnenberg ist glänzend wiedergewählt, auch Böckel und Ahlwardt wieder durchgekommen. In Schmalkalden ist der Freisinnige unterlegen, Leuß in Stichwahl mit einem Freikonservativen. In Nordhausen sind die Deutsch Sozialen zum erstenmale selbständig aufgetreten und haben sofort mehr Stimmen erlangt, als jede der anderen Parteien. sammengestückelten Macht. Frankreich sähe dem Koloß mit den thönernen Füßen furchtlos ins Gesicht. Es brauche die Stunde nicht zu beschleunigen, die Stunde werde kommen, sie nahe bereits. Der Finanzminister Dr. Miquel, sowie andere von Ahlwardt angegriffene hochstehende Personen haben diesen wegen Beleidigung und Verleumdung verklagt. Ein Deutscher aus Chicogo schreibt seinen Landsleuten daheim folgende beherzigenswerte Worte in ihr Wahlstammbuch:„Wenn heute alles das, was deutscher Geist, deutsches Können in der Welt geschoffen hat, herausgenommen und vernichtet werden könnte, so würde die Welt verarmen. Und Lage wird deshalb allgemein für kritisch gehalten. Amerika. In der Weltausstellung zu Chicago fand am 15. Juni das deutsche Fest statt. Das Komitee hat bekanntlich jeder Nation einen Festtag zugebilligt, und die Deutschen haben als ihren Tag den 15. Juni gewählt. Nach den großen Umrissen zerfiel das Fest in drei Teile. Ein Umzug brachte die geistige, geschichtliche und indusirielle Entwickelung zur Darstellung. An diesen sehr großartigen Zug schloß sich der eigentliche Festakt vor dem deutschen Hause an, und den Schluß bildete eine Feier in der Maschinenhalle. Abends verReich. Die Wahlergebnisse in unserm Reichslande Elsaß=Lothringen erfüllen den Vaterlandsfreund zumteil mit wahrer Genugthuung. In Hagenau und Schlettstadt haben zwei Kandidaten der deutschen Partei, die selbstverständlich auch für die Militär vorlage sind, die Partei des Protestes aus dem Sattel geworfen. In Straßburg Land, in Zabern und in Erstein=Molsheim hat die deutsche Partei ihren Sitz behauptet. In Straßburg Stadt, wird bei der Stichwahl der bisherige Vertreter Dr. Petri, Mitglied der nationalliberalen Partei, höchst wahrscheinlich über den Sozialdemokraten Bebel entgültig den Sieg davontragen. Während im letzten Reichstage zehn Elsässer saßen, sind diesmal nur sechs Protestler aus 15 Wahlkreisen gewählt, fünf Abgeortnete sind sogar für die Militärvorlage. Der Sieg des Deutschtums im Reichslande giebt Zeugnis von dem ungehinderten Fortschreiten der Wiedergermanisierung unter unseren wiedergewonnenen Brüdern im Vogesenlande. Die Stichwahlen zum Reichstage werden im Königreiche Bayern doch nicht am 24. Juni stattfinden. Der 24. Juni ist katholischer Festtag, der 25. Sonntag, und der 26. wird deshalb erst Wahltag sein. Infolge dessen wird sich die Einberufung des Reichstages noch um einige Tage hinausrücken. Sehr bezeichnend für die Gesinnungen, die man in Frankreich uns gegenüber hegt, und für die Ansichten über die Zustände im Deutschen Reiche ist ein Artikel der Zeitung„Le Jour", überschrieben:„Der Koloß mit den thönernen Füßen". Das Blatt bespricht dann die deutschen Reichstagswahlen und erklärt, wenn die Anhänger der Militärvorlage täglich wiederholen, Frankreich sei der Erbfeind, die Franzosen wollten nichts vergessen, so sei dies richtig. Gewiß wollten die Franzosen nichts vergessen, aber sie verständen zu warten, bis„das giftige Tier“ an seinem eigenen Gifte verendet. Sie verfolgen aufmerksam die schleichende Zersetzung dieses„Kaiserreichs des Zufalls", dieser zuwerden könnte, so würde die Welt verarmen. Und,###— in ert Aruschrrg, angesichts dieser glänzenden Thaten auf dem Feldes einigten zahlreiche Festtafeln die Deutschen aus friedlicher Kulturentwickelung hören und lesen wir allen Teilen der nordamerikanischen Union. hier in der Ferne, wie man dem deutschen Vater=[Ein bemerkenswertes Zusammentreffen ist es, lande verweigern will, was zur Erhaltung seiner daß zur gleichen Zeit im alten Vaterlande die errungenen Größe notwendig ist. Der Ametikaner Reichstagswahlen abgehalten wurden. wundert sich ob solcher Kleinigleit. Seia prali. Westsalen ziud Pheinland, scher Sinn denkt anders. Ein Deutsch=Amerikaner Testsaten und Rheinlaur. sproch vor kurzem die Ansicht aus, daß die Mi= Schwerte, 19. Juni. Alles wird schließlich litärmacht Deutschlands die Lebensversicherungsan= überwunden, der Wahltag mit seiner Aufregung stalt des deutschen Volkes bedeute, und daß es und Spannung ist vorüber, aber für uns einen kläglichen Eindruck mache, daß das deutsche erblüht noch einmal das Vergnügen der Volk sich jetzt weigere, die Prämie zu bezahlen. Stimmzettelabgabe, am Johannistag(24. Gegen die Einschleppung von Seuchen sind Juni). Der Johannistag steht im VolksBehörden unausgesetzt auf dem Posten. Von Cho= glauben schon seit uralter Zeit als mit lera haben wir wohl kaum sobald etwas zu be besonderen geheimnisvollen Kräften ausgestattet fürchten. Aber es giebt noch andere volksgefähr= da, und wer in der Johannisnacht das eine liche Krankheiten, unter ihnen die Pockenseuche, thut und das andere nicht läßt, der kommt welche jetzt in Rußland und Oesterreich passiert. zu größeren Dingen, als ein gewöhnlicher Mit Rücksicht darauf ist nun eine Verfügung an Mensch. Freilich sieht man nicht viele, die der Ostgrenze erlassen, nach welcher alle zur Zeit aus dem Zauber der Johannisnacht ihr Glück etwa beschäftigten oder neu eintreffenden vussisch herleiteu, und Zweifler werden sagen, daß polnischen oder galizischen Arbeiter in landwirt= der Johanniszauber auch nicht mehr im heuschaftlichen oder gewerblichen Betrieben polizeilich tigen Zeitalter des Dampfes und der Elektrizität zu überwachen sind. Die Landräte sind beauftragt, Stich halte, aber es ist ja doch möglich, daß zu veranlossen, daß diese Arbeiter nicht weiter be=der eine besser mit solchen Dingen bescheid schäftigt oder zur Arbeit neu angenommen werden, weiß, wie der andere. Die aus alter Zeit sofern sie nicht in den letzten Jahren die echten herstammenden Gebräuche haben sich vielfach Pocken durchgemacht haben oder sofern die in der ganz unverändert erhalten. Mag uns nur Heimat oder in Preußen wirksam erfolgte Impfung der Johannistag als Wahltag Ruhe und nicht nachgewiesen wird. Auch ist dafür Sorge Frieden im Deutschen Reiche bescheeren, dann zu tragen, daß event. sofort die Impfung der bis= haben wir schon genug gewonnen. Mit dem her nicht mit Erfolg geimpften Personen vorge- Johannistage sind wir nun aber auch zur nommen wird. So lange nicht die hiernach er=[Sommersonnenwende, zum längsten Tage des forderlich erscheinende Impfung mit Erfolg durch Jahres und zum Sommeranfang gekommen. geführt ist, soll dem Gesundheitszustande der rus= Sommerliche Gluten haben wir in diesem sisch=polnischen und österreichischen Arbeiter eine Jahre allerdings auch schon bisher reichlich besondere Beachtung zugewendet und bei etwaigem genug gespürt, und wir können nur wünschen, Auftreten verdächtiger Krankheitserscheinungen für daß der Sommer mit den Hoffnungen auf eine die unverzügliche Herbeiziehung ärztlicher Hülfe leidliche Ernte nicht gar zu bös umgehen möge. und die vrrläufige Isolierung des Erkrankten Sorge! An bangen Befürchtungen infolge der unendlich getragen werden. langen Trockenheit fehlt es namentlich in SüdOesterreich. ldeutschland und Mitteldeutschland nicht. Des Im Laufe voriger Woche haben wiederuu Jahres längster Tag erweckt in uns wehmütige oße Arbeitseinstellungen von Seiten der Berg, Gedanken, es geht langsam wieder abwärts grob“, urze getgungen von Seueh ve. 8### big zu jenen Tagen, in welchen der Sturmwind leute in eingen Orohzie teizgsesergeich Unzarns über die Stoppeln saust. Dis ist der Welt statgesunden. Ob breze venweigen Arbeitseinstel, Lauf, daß die schönen Tage des Jahres nur lungen im Zusammenhang mit den neulichen Be= zu bald, kaum, daß man sich in ihnen so schlüssen des Bergarbeiterkongresses in Brüssel steher, recht wohl gefühlt, wieder vorüberfliegen. Aber ist noch nicht erwiesen. Der dort geplante Aus. der Sommermonate sind noch manche, und sand, der nichts weniger als einen Welstrik be. in friedlicher harmloser Weise deuten würde, scheint jedoch willig in die Brüche erfreut, geht auch ruhig dem Herbst entgegen. zu gehen, da sich vor allem die Arbeiterscharen)“ V“, Schwerte, 18. Juni Auf gestern Abend Englands weigern, solch einen bedenklichen Schritt 8½ Uhr war in dem Saal des Gastwirts Herrn zu thun. Von einem„Weltstreik" dürfteu wir! Östermann eine Versammlung der Vertrauensmänner also wohl noch geraume Zeit verschont bleiben. der nationalliberalen Partei einberufen, um in ErS## wägung zu ziehen, welche Mittel und Wege einzuHolland. lschlagen seien, damit bei der am nächsten Samstag Aus Amsterdam wird geschrieben: Aus allen Teilen des Landes kommen die traurigsten weise hatte sich auch eine große Anzahl von ZenBerichte über die verderblichen Folgen der trumswählern dazu eingefunden. Herr Rechtsanlangen Trockenheit. In einzelnen Bezirken walt Backhausen eröffnete die Versammlung, indem Nordbrabants, werden die Kühe, die während!“ 160 Personen anwesend) uund hinwies auf die des Sommers in den Weiden bleiben, jetzt durch die Wahl am 15 ds. in unserm Wahlkreise schon in die Roggenfelder getrieben, deren geschaffenen Lage. Wo es sich darum handle zu Ertrag bereits als verloren betrachtet wird. wählen zwischen einem Manne der Ordnung und In Süd= und Nordholland, wofast ausschließlich die Enischeidung dem ruhigen, besonnenen Bürger nur Viehzucht getrieben wird, sieht man dem nicht schwer fallen. Der Kandidat Möller sei ein kommenden Winter mit vollständiger Ratlosigkeit solcher Mann der Ordnung. Er trete ein für die entgegen. Da die meisten Bauern verschuldet Verstärkung des Heeres. Eine tüchtige Kriegssind o ist wenn nicht hald der heißersehnte macht aber bedeute ruhige Entwickelung unserer sind, so ist, Wenn nicht dald der heipersehnte gewerblichen und industriellen Verhältnisse und eine Regen kommt, gar nicht abzusehen, wie sie die Bürgschaft, daß uns der Friede auch ferner erhalhohen Futterpreise für die Ueberwinterung des ten bleibe. Nur im Frieden könne die LandesViehs erschwingen können; die Folge wird wohlfahrt gedeihen.. 1. Men5 sei, daß die Niehyreise jählings fallen aber] Der Sozialdemokrat Tölcke dagegen#### den sein, daß die Giehpreise jahlings sallen, ab? Umsturz der heutigen gesellschaftlichen Ordnung. dadurch wird der Bauer erst recht zu Grunde Er wolle entweder die Güter der Erde einfach gerichtet und der Volkswohlstand aufs Tiefste unter alle Menschen teilen, oder aber jedem seinen geschädigt. stäglichen oder wöchentlichen Anteil an den notwenS„„ digen Lebensbedürfnissen von staatswegen zuteilen Frankreich: slassen. Dadurch glaube die Sozialdemokratie die Die den Präsidenten Carnot behandelnden Gleichheit aller Menschen herbeiführen zu können. Aerzte halten dessen Gesundheitszustand für Das sei aber ein gewaltiger Irrtum. Im ersteren äußerst bedenklich de sie sich der Krankheit Falle würde der unordentliche, faule Mensch das erortie becctttn#####. zuuz sihm Zugewiesene bald durchgehracht haben, während chronisches Leberleiden, verbunden mit bestan= der fleitzige und ordentliche Bürger durch Zusamdiger Kolik, gegenüber machtlos befinden. Die menhalten des Seinigen zu erhöhtem Wohlstand. würde alles wieder zweiten Falle erdi der Nacht dem Wirt 10 Gänse während gelangen würde. Bald also aussehen wie es früher war. Im z1 wäre eine gewisse Gleichheit aullllngs vorhanden, aber die menschliche Gesellschaft dürfte sich dann wenig von einem Zuchthause unterscheiden, in welchem die staatlichen Organe die Aufseher und Zuchtmeister darstellen. Es sei zu verwundern, daß den Leuten die Augen noch nicht aufg gangen und noch so viele Stimmen dem Sozialdemokraten Tölcke zugefallen seien. In treffenden Worten wies Herr Lehrer Honsalek darauf hin, daß es unter gegebenen Verhältnissen keinen Unterschied zwischen katholisch und evangelisch geben dürfe, die Sozialdemokratie wolle alles zerstören. Sie taste an die höch sten Güter des Menschen, Religion, Vaterland und Familie. Alles dieses solle verschwinden. Nichts sei ihr heilig Ein gläubiger Katholik könne nie mals einem Anhänger solcher Lehren seine Stimme geben, oder er schneide damit in sein eigen Fleisch und Blut, indem er diese höchsten Güter des Menschen preisgebe. Warmer Beifall wurde diesem Redner zuteil. Auch Herr Rentmeister Weidemann beteiligte sich in hervorragender Weise an der Diskussion, ebenso noch andere Herren, dereu Namen uns leider entfallen sind. Manch schönes Wort wurde gesprochen. Der Herr Vorsitzende brachte zum Schluß in warmen Worten ein begeistert aufgenommenes Hoch auf unser teures Vaterland aus, worauf die Versammlung stehend„Deutschland, Deutschland über alles“ sang Hoffen wir, daß diese so erhebend verlaufene Versammlung von günstiger Vorbedeutung für die Wahl am nächsten Samstag sein werde Unsere Losung sei: Mit Gott für Kaiser und Reich! Auf zur Wahl für Möller! * Schwerte, 19. Juni. Gestern nachmittag beging der hiesige evang. Arbeiter= und Bürger=Verein das Fest der Fahnenweihe. Nach Verteilung der Vereins=Abzeichen im„Stadtk=ller" trat der Verein daselbst zum stattlichen Zug zusammen und marschierte unter Vorantritt der Ap lerbecker Kapelle zu den Anlagen des Herrn Raffir. Herr Obermeister Hüsecken hielt mit beredten Worten die einleitende Rede, die mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Kaiser schloß. Nach den folgenden Vorträgen des im Verein gebildeten Gesang=Chores ergriff Herr Pastor Graeve das Wort zur eigentlichen Weiherede und sprach erhebend, die historische Vedeutung des 18 Juni berücksichtigend und ermahnte zu festem Zusammen halten zu einander und zur unverbrüchlichen Treue zu Kaiser und Reich. Am Abend wurde dann die neue, prächtige Fahne zum Hause des Herrn Präses gebracht. * Schwerte, 19. Juni. In von Freitag auf Samstag wurden Breucker an der Hörder Chaussee im Werte von 50 Mark gestohlen in veflossener Nacht dem Wirt wahrscheinlich von denselben nichtsnutzigen Menschen das Wasser des Teiches vergiftet wurde, so daß sämtliche Fische krepierten. * Schwerte, 19. Juni. Als gestern abend ein hiesiger Sattler von der Ergster Kirmes zurückkehrte, ging er in den Garten der an der Chaussee gelegenen Wirtschaft Pütter, sich auszuruhen und schlief ein. Inzwischen wurde ihm die Uhr mit Kette im Werte von 32 Mark und das Portemonnaie mit 23 Mark Inhalt aus der Tasche stibizt. * Schwerte, 19. Juni. Am Samstag abend veranstalteten mehrere junge Burschen und weibliche Personen auf dem Südwall eine Katzenmusik. Ein requirierender Polizeibeamter gebot Ruhe, welcher Aufforderung jedoch mit Schimpfwörtern und Drohungen geantwortet wurde. Ein verheirateter Mann griff den Beamten sogar thätlich an und suchte ihn die Mauer hinunter zu werfen, während die unter allerlei Schimpfworten mit der Schnapsflasche zuschlug. Doch wurde der Mann mit großer Mühe dem Polizeigefängnis zugeführt und wird sich derselbe mit seiner Frau demnächst vor Gericht wegen Widerstandsleistung, Beleidigung und groben Unfug zu verantworten haben. * Schwerte 19. Juni. Wie wir von zuverlässiger Seite erfahren, wird am Donnerstag abend ein hervorragender Redner im Saale des Herrn Feit für die Militärvorlage eintreten. Wir machen schon hier mit Rücksicht auf die Bedeutung der bevorstehenden Stichwahl darauf aufmerksam. Näheres wird voraussichtlich in den nächsten Tagen bekannt gegeben werden. f Höchsten, 19. Juni. Der Krieger= und Landwehrverein der Schulgemeinde Höchsten feiert am künftigen Sonntag, den 25. Juui, sein Fest in den Anlagen und in dem großen Saale des Herrn Heinr. Overkamp. Nach dem Festzug durch die Gemeinde findet Konzert und Ball statt. Die Bewohner von Höchsten werden gebeten, durch Beflaggen und Schmücken der Häuser das Fest zu verschönern. § Hohenlimburg, 17. Juni. Wie alljährlich, so hat auch in diesem Jahre die Lenne schon wieder ein Opfer gefordert. Beim Baden ertrank heute nachmittag der 10jährige Schüler der hiesigen Rektoratschule Willi R. Der Knabe geriet in eine Stelle, wie sich solche so viele in unseren schnellfließenden Gebirgsflüssen befinden, und ehe Hülfe zur Stelle war, hatte ihn die Flut schon mit fortgerissen. Seine Leiche wurde eben den ohnungslosen Eltern gebracht. Dieser Fall dient zur Warnung Kindern ohne Aufsicht nicht das Baden zu gestatten. Köln, 15. Juni. Das Bankhaus Oppenheim löste, laut„Cref. Ztg.“, den Vertrag betreffe des Kohlenabbaues in der Eifel, da die Untersuchung ein ungünstiges Ergebnis hatte. Köln, 15. Juni. Einundeinhalb Jahr Gefängnis erhielt ein Arbeiter, der aus den städtischen Anlagen 21 Stück Rosenstämme gestohlen hatte. Vermischtes. * Stettin, 16. Juni. Ein entsetzliches Unglück meldet die„Neue Stettiner Zeitung": Der Forstmeister Genee von Mühlenbeck, der Stadtförster Krohn aus Altdamm und der Eisenbahnbauinspektor Stahl aus Stettin wurden, als sie auf einer Draisine zu einem Waldbrand bei Groß=Christinenberg fuhren, von einem entgegenkommenden Güterzug überrascht und zermalmt. * Lübeck, 16. Juni. In der letzten Nacht sind in Mölln 18 Gebäude abgebrannt. Schaden 70000 Mk. * Thorn, 12. Juni. Das Weichsel wasser ist seit Samstag um drei Meter gestiegen. Der Ort Kämpen und die Wiesen der Nessauer Niederung sind überflutet. Das Hoch wasser hat auch bereits Opfer an Menschen leben gefordert, drei Schiffer sind beim Fest legen der Holztraften ertrunken. * In Monte Carlo stürzte sich ein Mailänder Juwelier, der mit Juwelen im Werte von 80000 Franks aus Mailand geflohen und alles verspielt hatte, ins Meer. * Lüttich, 14. Juni. Gestern abend wurde einem Soldaten auf dem Heimwege zur Kaserne von einer Frauensperson eine Flasche ätzender Flüssigkeit ins Gesicht gegossen. Der soldat ist schwer verletzt. Wie es sich herausgestellt, handelt es sich um eine Rachethat, wobei die Angreiferin statt ihres treulosen Geliebten einen ihr völlig fremden Menschen verwundet hat. * Paris, 15. Juli. Eine Greisenausstellung wird für nächsten Juli in Paris geplant. An derselben sollen nur über neunzig Jahre alte Personen teilnehmen. Die Veranstalter bezahlen den Greisen die Kosten der Reise und des Pariser Aufenthaltes und verteilen drei Ehrenpreise an die ältesten, sten und geistesfrischesten Wettbewerber. * Paris, 16. Juni. Das„Journal de Paris" erzählt, daß Furpin eine Kriegsmaschine erfunden habe, die sehr leicht von 4 Menschen bedient und von 2 Pferden gezogen werden könne. Die Maschine könne in einer Viertelstunde 5 Schüsse mit 25000 Kugeln auf eine Entfernung von 3500 Metern abgeben. Es würde ein viereckiger Raum von 22000 Metern bestrichen. * Paris, 14. Juni. Mac Mahon feierte gestern seinen 86. Geburtstag. Derselbe erfreut sich des rüstigsten Alters. Am 5. d. Mts. waren es 34 Jahre, daß ihm der Marschallstab nach der Schlacht von Magenta überreicht wurde. Marschall Canrobert, welcher ein Jahr jünger ist als Marschall Mac Mahon, ist Marschall seit 1856. Nach dem Aussehen würde man Mac Mahon weitaus für den jüngern der beiden noch lebenden Marschälle von Frankreich halten. * Aus Galizien, das durch furchtbare Ueberschwemmungen heimgesucht ist, kommt die Mitteilung, daß der Regen aufgehört hat und das Wasser wieder zu fallen beginnt. Nunmehr läßt sich aber auch erst übersehen, daß der Schaden an Gebäuden, Brücken, Feldfluren 2c. in die Millionen geht. Ohne Staatshülfe ist nicht auszukommen. * New=York, 13. Juni. Ein größeres Gebäude in der Montgomerystraße, wo 300 Schneider und Schneiderinnnen von fünf Unternehmern beschäftigt wurden, ist niedergebrannt. Eine Frau und zwei Männer, die aus dem vierten Stock durch einen Sprung sich retten wollten, blieben tot. Mehrere andere erlitten infolge des Fenstersprunges schwere Verletzungen. Fünf Leichen wurden aus den Trümmern hervorgezogen. * Washington, 9. Juni. Das Gebäude, in welchem sich früher die Fordsche Oper befand, und in dem jetzt Bureaus der Regierung untergebracht sind, ist heute eingestürzt. Es wird darüber folgendes gemeldet: Der Einsturz des als Regierungsgebäude verwandten Opernhauses erfolgte plötzlich, ohne vorher durch Krachen oder Bersten eine Katastrophe anzudeuten. Im Hause befindet sich das Kriegsdepartement, in dem zur Zeit des Einsturzes sich nicht weniger als 500 Beamte befanden. Kaum einer von ihnen entging dem bösen Geschick. Die Szene, welche dem einbruch der drei obersten Etagen folgte, war unbeschreiblich. Die Zahl der Toten und Verwundeten läßt sich vor der Hand noch gar nicht absehen. Hunderte von Menschen rühren sich, um die Verunglückten aus den Trümmern zu ziehen. Man schreibt die Katastrophe dem Umstande zu, daß jüngst unter einer der Mauern des Gebäudes ein Keller gegraben wurde. Auch waren die Zimmerböden durch Archive überladen. Ein eben eingetroffenes Reuter=Telegramm giebt als Gesamtzahl der Verunglückten 110 an: 25 Tote, 60 Verwundete, etwa 25 sind noch unter dem Schutt begraben.— Ein merkwürdiges Zusammentreffen! Gerade zur Zeit, da das Haus einstürzte, in dem Präsident Lincoln vor 28 Jahren von John Wilkes Booth erschossen wurde, ging das Leichenbegängnis von Edwin Booth, dem Bruder des Mörders, von statten.— Die Verwundeten wurden auf Tragbahren gelegt und nach den Hospitälern oder in ihre Wohnungen geschafft, während die Toten nach der Leichenkammer gebracht wurden. Einige Leichname waren so verstümmelt, daß man sie nicht wiedererkennen konnte. Alsdie im dritten Stockwerk befindlichen Clerks, etwa 80 an der Zahl, das erste Krachen und Knistern vernahmen, stürzten sie an die Fenster und auf das Dach eines kleinen anstoßenden Gebäudes. So retteten sich die meisten dieser Leute. Einer jedoch glitt aus und stürzte in die Straße hinab; er war sofort tot. Eine glänzende Rettungsthat vollführte ein farbiger junger Mann, namens Basil Lockwood. Sobald sich die durch den Einsturz aufgewirbelten Staubmassen verzogen, sah er die Gefahr der an den Hinterfenstern um Hülfe Rufenden, erkletterte eine bis in die Höhe des dritten Stockwerts reichende Telegraphenstange, „og eine Leiter hinter sich empor, befestigte sie an der Spitze der Stange, indem er das andere Ende gegen eines der Fenster stemmte, und rettete so 15 Personen. * Die alten Norweger. Neuerdings wird wieder daran erinnert, daß schon vor der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus das Christen. tum dort eingezogen war. Es geht aus is ländischen Handschriften hervor, daß schon um das Jahr 1000 Männer deutschen Stammes von Norwegen nach Island, von da nach Grönland fuhren und von da aus um das Jahr 1000 Amerika entdeckten. Es wurde Wineland genannt, und man meint darin das heutige Massachusets zu erkennen, denn ein Begleiter des Entdeckers Leif Erikson, namens Tyrker, fand daselbst Weinranken und nahm sie mit nach Grönland. Die letzte Winlansfahrt geschah 1347 und 1381 war das Land ganz verschollen. Zur Zeit der Eroberung Mexikos durch die Spanier verehrten auf der Halbinsel Yucatan die Maja=Völker das Kreuz. Sie hatten eine Art Kindertaufe, womit sie christliche Vorstellungen verbanden. Sie hielten die Taufe für eine Befreiung von der angeborenen Sünde, eine sinnbildliche Reinigung und deshalb machten sie dieselbe zur Pflicht. Niemand durfte über das 12. Jahr hinaus ungetauft bleiben. Sie bezeichneten die Handlung mit einem Namen, der wörtlich übersetzt heißt:„von neuem geboren werden." Der Taufe ging eine Beichte voraus und unter Gebeten wurden die Täuflinge mit Wasser benetzt. Sogar Taufpaten gab es, und sie hatten ähnliche Pflichten wie bei uns. Das alles sind Ueberreste vom Christentum und ein Beweis, daß dieses schon vor Kolumbus in Amerika bekannt war. * Aus der„guten alten Zeit“. Unter den Akten einer Innung in Landsberg a. W. ist ein unterm 24. März 1783 von Friedrich dem Großen ausgefertigtes„Edikt wegen Abstellung einiger Mißbräuche besonders des sog. Blauen Montags bey den Handwerkern“ zum Vorschein gekommen. Das Schriftstück besteht aus sieben Abschnitten. Im ersten wird bestimmt, daß der„freye oder blaue Montag" überall, wo er noch im Gange sein sollte,„gänzlich eingestellet und die Gesellen an allen Montagen ebenso fleißig und lange als in den übrigen Werktagen arbeiten sollten“. Ein Geselle, der den„Mißbrauch“ dennoch fortsetzen will, soll „das erstemahl mit achttägigem, das anderemahl mit viezehntägigem Arrest, bey Wasser und Brodt, bestrafet, das dritte und folgende mahl aber, als ein fürsetzlich boshafter Uebertreter Unserer Gesetze, mit vierwöchentlicher Zuchthausstrafe beleget, alsdann fürs Handwerk unfähig und untüchtig gehalten, und auf sein Handwerk an keinem Orte passiren soll, so lange und bis derselbe, nach vorhergegangenem Obrigkeitlichen Erkenntniß, zu seinem Handwerk wiederum öffentlich admittiret worden.“ Abschnitt 2 verordnet, daß„mit eben dieser Strafe und in gleichmäßiger Progression“ diejenigen Meister belegt werden sollen,„so dergleichen boshafte Uebertreter für tüchtig und handwerksfähig halten". Nach Abschnitt 3 sollen die„Krugwärter“ mit 2 Thaler Strafe belegt werden, die den Gesellen Gelegenheit geben, den Montag„vor beendigter Abendarbeitszeit in Ueppigkeit und Müßigang zuzubringen". * Nürnberg. Ein fatales Mißgeschick wiederfuhr dieser Tage einer fremden Dame während der Reise. Sie streckte ihren Kopf, da es ihr im Coupee zu heiß geworden war, etwas zum Fenster hinaus, als plötzlich ein starker Windstoß ihr das ganze Haupthaar, eine Perücke, davontrug. Die vollständig Kahlköpfige sank, einer Ohnmacht nahe, auf ihren Sitz nieder. Die Fahrgäste, die kurz vorher noch das„wundervolle Haar“ der Dame bewundert hatten, brachen, dem Ernst der Lage angemessen, in ein„stilles" Lachen aus Neueste Nachrichten. Berlin, 19. Juni. 396 Wahlresultate sind bekannt, davon 213 definitiv gewählt und 183 Stichwahlen. Den einzigen noch ausstehenden Wahlkreis vertrat bisher ein Welfe. Gewählt sind 50 Konservative und einer vom „Bund der Landwirte." 9 Reichspartei, 18 Nationalliberale, 81 Zentrum, 24 Sozialdemokraten, 3 Freisinnige Vereinigung, Keiner von der Freisinnigen Volkspartei, 13 Polen, 2 Antisemiten, kein Welfe, 1 Däne, 6 Elsässer, 4 süddeutsche Volkspartei, 1 Wilder, An den Stichwahlen sind beteiligt: 73 Nationalliberale, 32 Zentrum, 84 Sozialdemokraten, 14 freinnige Vereinigung, 37 freisinnige Volkspartei, 11 Polen, 16 Antisemiten, 9 Welfen, kein Däne, 1 Elsässer, 10 süddeutsche Volkspartei, 1 Wilder. Gelanntmachung. Die Grasnutzung im Walketeich soll am Freitag, den 23. Juni cr., nachmittags 5 Uhr, und die Grasnutzung in der Wiese im Kämmereiwalde am Freischütz nachmittags 6 Uhr zum Verkauf ausgesetzt werden. Schwerte, 15. Juni 1893. Magistrat. Bekanntmachung. Im Anschlusse an unsere Bekanntmachung vom 1. April er. bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß durch Ver fügung des Herrn Landrats zu Hörde die darin verzeichneten Termine für die technisch polizeiliche Maß= und Gewichtsrevision auf die Zeit vom 17. bis 24. Juli verlegt sind. Schwerte, 13. Juni 1893 Die Polizei=Verwaltung. Seranntmachung. Am Donnerstag, 22. Juni cr., nachmittags 6 Uhr, ollen verschiedene vor dem Westenthor hierselbst an der Eckesey-SchwerterAktienstrasse stehende Eschen= u. Ulmen=Bäume öffentlich an Ort und Stelle ausgesetzt werden. Schwerte, 15. Juni 1893. Der Vorstand. Westfälischer Schinten (Langschnitt) fein und wohlschmeckend, 1—3, das Pfd. 86 Pfg., mehr das Pfd. 84 Pfg, ranko gegen Nachnahme. Lucas, Lienen, Kr. Tecklend. 3. Compagnie. Donnerstag, den 22. dss. Mts, punkt 9 Uhr abends, Gewehr=Appell beim Schützenbruder C. Leineweber (Kamp). Nach dem Appell: Einölen der Gewehrschäfte. Das neue patentierte Schaftöl dem Compagnie=Capitaine d'armes Stamm gratis Schwerte. Brenne, Hauptmann u. 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Druck u d Verlog von Cu# Braus in Schwer#e. Zufall oder Fügung. (Fortsetzung.) Es war still in dem kleinen Hause; alle schliefen nach vollbrachter Heldenthat— Lare hatte die Lieblingskatze einer alten Dame vom Flammentode gerettet— oder nach der überstandenen Gemütsbewegnng, dem gehabten Schrecken, nur Julie wochte am Bett des Kranken. Dieser betrachtete sie lange, und es war, als sinne er auf etwas Spaßzhaftes. „Wünschen Sie nichts?“ fragte sie. „Ich möchte gern ein wenig mit Ihnen plaudern.— Sehen Sie, meine liebe junge Dame, ich fürchte, diese vielen Ausgaben überschreiten veine—. 4 „O, bitte, denken Sie nicht baran, Sie sino unser Gast, kein Wort davon.— Hier ist Popier und Tinte, wünschen Sie, daß Ihre Lieben von dem traurigen Unfall, der Sie betroffen hat, benachrichtigt werden, dann kann ich vielleicht für Sie schreiben.“ „Ich bin auf Reisen, und man erwartet mich vorläufig nicht, niemand ist meinetwegen in Sorge. Meine Lieben!“ fügte er mit einer gewissen Bitterkeit hinzu,„ich habe keine Lieben.“ Teilnehmend rückte Julie ihm mit zarter Hand die Kissen zurecht, machte ihm darauf kalte Umschläge um den Arm, gab ihm eine beruhigende Arznei und nahm wieder an seinem Lager Plotz. „Sie haben doch meine Sachen verwahrt?“ fragte er plötzlich heftig,„Sie stehen mir dafür ein, daß niemand meinen Ueberzieher anrührt.“ „Ich werde den Schrank öffnen— sehen Sie, dort hängt er, und dort wird er hängen bleiben, bis Sie sich erholt haben; aber ich muß doch wissen, wie ich Sie nennen soll, mein Herr?“ „Nennen Sie mich Stock oder Stein, ganz wie es Ihnen beliebt.“ Das junge Mädchen blickte ihn unruhig an; hatte das Fieber sich bereits eingestellt? Fast glaubte sie es und wurde davon überzeugt, als er sich gegen Morgen emporrichtete und ausrief: „Ich gebe nicht nach, nein, ich gebe nicht nach!“ Sehr matt und von Schmerzen gequält erwachte er am folgenden Vormittag; die blassen Strahlen der Wintersonne blickten durch die halb aufgethauten Fensterscheiben; das Feuer knisterte lustig in dem blanken eisernen Ofen; der Kangrienvogel in dem zierlichen Käfig schmetterte seine Jubeltöne so laut, als wolle er das Schelten des Professors im Nebenzimmer übertäuben. „Lars, Du hast meine Papiere in Unordnung gebracht, Schlingel! So, nicht— nun, dann muß Stine es gewesen sein; ich werde Stine lehren, meine Papiere anzurühren!“ Es deuerte eine Weile, bis der kranke Herr so weit zur Besinvung kam, daß er sich erinnern konnte, wo er war, doch bald wurde ihm alles klar, und die Sachlage erschien ihm recht sonderbar und anziehend. Hatte das junge Mädchen irgend welchen selbst. süchtigen Beweggrund gehabt, seinetwegen den geföhrlichen Gang in der kalten Winternacht zu machen, ihm ihr trauliches Stübchen zu überlassen, bei ihm zu wachen, ihn zu pflegen? Nein, tausendmal nein, er hatte dies nur seinem Unfall, seiner Hülflosigkeit zu danken; ihm wurde ganz weich ums Herz. „Welch unbeschreibliches Glück,“ dachte er weiter,„eine solche Tochter zu haben; ich aber din kinderlos, an den trotzigen Jungen mag ich garnicht denken; er würde sich wohl freuen, wenn er wüßte, wie sehr ich leide.“ Und der alte Herr litt wirklich sehr, so sehr, daß das Fieber im den ganzen Tag das Bewußt sein roubte. Nach und nach wurde es jedoch besser, er lag ruhig und geduldig auf seinem Schmerzenslager da, beobachtete seine Umgebung und ersorschte die Sitten des Hauses und die Eigenart seiner Bewohner. Herr Stein— so wollte der Fremde genannt sein— weidete sich köstlich an der Heftigkeit des Professors; er gestattete bereitwilligst, daß der große Lars sich unter seinem Bett verkroch, um sich einer, allerdings häufig wohlverdienten, Züchtigung zu entziehen. Diese Zufluchtsstätte wurde jedoch bald entdeckt und der Missethäter, ohne Rücksicht aus die Aufregung, in die ein solcher Auftritt den Kranken versetzen könnte, hervorgeholt und mit einem der festen Stöcke gehörig durchgebläut. Der große Junge ließ, wenn es nicht anders sein konnte, die Schläge auf seinen breiten Rücken regnen, ohne eine Miene zu verziehen und in Wirklichkeit ging die Strafe mehr über den Professor her, der ganz entkräftet wurde und außer Atem geriet durch die Anstrengung, die das Schelten und Schlagen zu gleicher Zeit kostete. Die kleine Stine wurde auch häufig gescholten, was ihr bittere Thränen auspreßte, da sie nie, wie die anderen begreifen lernte, daß es gar nicht schlimm gemeint war. Um nun dergleichen Auftritte zu vermeiden, befleißigte sie sich der Augendienerei ihrem Herrn gegenüber, wurde unwahr und bediente sich allerlei lügnerischer Ausreden, die, wenn der Professor dahinter kam, ihn zehnmal mehr reizten. Auch Kamilla ging dem Papa gern aus dem Wege, wogegen Julie ruhig und mutig austrat und es vortrefflich verstand, den Onkel zu beschwichtigen und zu besänftigen. Herr Stein konnte sich an seiner jugendlichen Pflegerin gar nicht satt sehen, und nur ungern ließ er sich von der Hand eines anderen die Medizin reichen oder sich Umschläge machen. Ihre Bewegungen waren auch immer so leise, ihre Hand so leicht; jede Dienstleistung, die sie ihm erwies, kam so ganz von Herzen, sie schien immer zu wissen, wie er es am liebsten wollte. Ihre Stimme, ja ihre bloße Nähe hatte etwas Beruhigendes für ihn. Wenn sie in ihrem einfachen, aber kleidsamen und geschmackvollen Anzug an ihrem Nähtisch saß und fleißig arbeitete, betrach tete er sie genau und glaubte dann immer einen leidenden Ausdruck auf dem lieblichen Gesicht zu bemerken, der aber sogleich wieder verschwand, wenn sie sich beobachtet wußte, und sie erwiderte seinen Blick durch ein freundliches Lächeln. Mitunter disputierten Herr Stein und Julie über Anschauungen und Verhältnisse; durch seine scharfe Menschenkenntnis und seinen beißenden Witz trieb er sie zum öfteren sehr bald in die Enge, und mit geröteten Wangen und feuchten Augen schwieg sie, nachdem sie ihre Ueberzeugung eifrig verteidigt hatte. „ Sie sind besiegt, mein Fräulein?“ „Ich bin besiegt, aber nicht überzeugt; ich wünsche, ein Geschickterer wollte meine Sache führen.“ „Der Sieg ist also doch mein?“ „Gewiß, der Sieg über mich.“ „Nun, dann muß ich schon beichten,“ sagte Herr Stein lachend,„meine kalten, vernünftigen Bemerkungen dringen, obwohl Sie den Gegenbeweis gar nicht zu liefern vermögen, gar nicht in ihre Seele ein, wogegen Ihre Gefühlsausbrüche — wenn ich sie so nennen darf— nach und nach selbst auf einen Stein Eindruck machen.— Oft während meines langen Lebens habe ich die Verhältnisse herzlich satt gehabt, in welche die Zeit, die Gewohnheiten und die Umstände mich gebracht haben; ich habe gewänscht, das Leben von vorne wieder anfangen zu können, andeee Menschen kennen zu lernen, neue Erfahrungen zu sammeln. Dieser Wunsch hat sich jetzt in Wahrheit erfüllt; ich habe einen neuen Lebensabschnitt begonnen, in so seltsamer Weise, daß es mir fast wie ein Traum erscheint.“ Herr Steins Rede wurde hier durch ein unglückverheißendes klirrendes Geräusch in der Küche unterbrochen, dem das Zuwerfen einer Thür, das Poltern des Professors und die angstvolle Widerrede Stines folgte. Es war Lars und nicht ich! Lars und nicht ich!“ Was aber hatte Lars mit der Terrine zu schaffen, dummes Ding; so, auch noch geflennt, das wird schon helfen.“ Derartige kleine häusliche Zwischenfälle brachten häufig Abwechselung in das friedliche Leben. Selten ging eine Woche vorüber, ohne daß nicht Lars beim Steinguthänlder in der Sadt hätte vorsprechen müssen. Die kleine Stine zerbrach niemals selbst etwas, sie war aber sehr langsam zur Arbeit und wäre niemals fertig geworden, wenn Lars ihr nicht geholfen hätte. Er war ein Junge, der'was fertig bringen konnte. Wasser holen, ausfegen, scheuern, Messer putzen, das ging alles wie der Blitz; aufwaschen und Fenster putzen war ihm allerdings verboten, da es aber für Stine kein Ende nehmen wollte, so faßte er doch mit an, und bald erklang es knick, knack! Anfangs erwies der Professor seinem krauken Gast große Freundlichkeit, es dauerte aber nicht lange, bis sie an einander gerieten. Herr Stein ließ sich nicht wie einen Schulbuben behandeln, und der Professor konnte sich in die ruhige, ein wenig überlegende Art und Weise nicht finden, mit der sein Eifer pariert wurde. Im übrigen hatte Herr Stein etwas sehr Anziehendes für ihn. Der Mann war ihm ein lebendiges Rätsel; wer und was war er, daß er fast mit allem Bescheid wußte, fost überall gewesen war und sich hier so ungeniert aufwarten, verpflegen und versorgen ließ? „Warum sind Sie so beschäftigt, Fräulein Julie?“ fragte der Fremde eines Morgens Ende März,„und warum ist Fräulein Kamilla so ausgelassen und fröhlich?“ „Wir sind heute Abend zu einem Ball in der Stadt geladen, sollte ich da nicht fröhlich sein,“ antwortete Kamilla, sich mit dem widerstrebenden Tiras im Kreise drehend. „Ah!“ Herr Stein blickte verstohlen zu Julie hinüber, deren Finger emsig die Nadel durch den duftigen hellblauen Flor fliegen ließen.„Ob sie mitgehen wird?" dachte er, und als die beiden Mädchen gegen Abend das Zimmer verließen, murmelte er fast vorwurfsvoll: Sie geht also doch mit!“ Er war ganz ärgerlich und enttäuscht, besann sich aber doch bald eines Besseren. Selbstsucht, Selbstsucht! so habe ich oft geklagt, sie steckt aber hier in meiner eigenen Biust. Alter nichtswürdiger Mensch, der ich bin; wochenlang opfert sie sich für mich auf, und ich gönne ihr keinen frohen Abend.“ (Forsung folgt.) Westfalen und Rheinland. Schwerte, 19. Juni. Wie bestimmt verlautet, soll die Perronsperre auf den Bahnhöfen der preußischen Staatsbahnen bereits am 1. Juli d. I. eingeführt werden. Von diesem Zeitpunkte ab ist das Betreten des Vahnsteiges nur den mit gültigen Fahrkarten oder„Bahnsteig=Billets" versehenen Personen gestattet. Die mit den Zügen ankommenden Passagiere haben am Ausgange eine„BilletKontrolle" zu passieren. Die beschleunigte Einführung dieser Kontrolle wird auf den bekannten Hamburger Billet=Schwindel zurückgeführt.— Die Maßregel, wenn sie sich bestätigt, würde wieder große Belästigung des Publikums im Gefolge haben. Auf diese Maßregel hin hat, wie berichtet wird, der Verein zur Wahrung geschäftlicher Interessen ein Gesuch an die Postdirektion hierselbst gerichtet, die Bahnbriefkasten, welche 5 Minuten vor Abgang eines jeden Postzuges geleert werden, doch an den Außenseiten der Bahnhöfe anbringen zu lassen, damit nicht jeder, welcher einen eiligen Brief in den Zug resp. Bahnbriefkasten werfen will, erst ein Perronbillet lösen muß. Da dieses im Interesse der ganzen Geschäftswelt liegt, wird die Postdirektion wohl dem Gesuche des genannten Vereins Folge leisten. Aplerbeck, 16. Juni. Einem Scherenschleifer erging es heute nicht gut. Als er mit seinem Gehülfen nach schwerer Tagesarbeit ein wenig ausruhen wollte und in eine Wirtschaft ging, war er so unvorsichtig, sein Handwerkszeug, die Schleiferkarre, fast auf dem Straßendamme stehen zu lassen. Ein vorüberfahrendes Fuhrwerk zermalmte dieselbe buchstäblich. Brackel, 16. Juni. Am Abend kam es gegen 11 Uhr zu einem Krawall, bei welchem auch einige Schüsse fielen. Nachdem mehrere Verhaftungen seitens der Polizei vorgenommen waren, gelang es dieser, die Straße zu säubern. Iserlohn, 17. Juni. Von dem Schwurgericht in Hagen wurde am 13. d. M. der Bergmann Diedr. Berner von hier, der bekanntlich in der Nacht vom 4. zum 5. März den Maurer Borgmann erstach, freigesprochen, da der Angeklagte sich in Notwehr befunden hatte. Haßlinghausen, 15. Juni. Durch Erhängen hat ein hiesiger Wirt seinem Leben ein vorzeitiges Ende gemacht. Die That ist um so schrecklicher, als der Mann sieben unmündige Kinder hinterläßt. Marsberg, 13. Juni. Bei dem letzten Gewitter wurde hier ein merkwürdiger Blitzschlag beobachtet. Ein Ackersmann aus dem benachbarten Obermarsberg war mit seinem Gespann in den Wald gefahren, um Holz zu holen. Auf dem Heimwege wurde er von dem ziemlich heftigen Gewitter überrascht. Plötzlich fährt ein Blitzstrahl hernieder und wirft auf ebenem Wege den mit Holz schwer beladenen Wagen über den Haufen und Zugvieh und Führer zur Erde. Als sich letzterer von seinem Schrecken erholt hatte, blieb ihm nichts anders übrig, als ohne Wagen nach Hause zu ziehen. Erst am andern Tage ist dann das umgestürzte Fuder Holz nach Hause gefahren worden. Ohligs, 16. Juni. Ein unheimlicher Gast hat hier seinen Einzug gehalten. Der Messerreider I. ist an den Pocken erkrankt und auf Anordnung des Arztes gestern nach Solingen ins Krankenhaus gebracht worden. Hoffentlich breitet sich die Seuche nicht weiter aus. Im nahen Hilden sind mehrere Pockenerkrankungen festgestellt. Elberfeld, 15. Juni. Einen traurigen Anblick bot hierselbst die Generalmusterung, zu welcher in zwei großen Gartenlauben unter Begleitung der erforderlichen Polizeibeamten nicht weniger wie 19 Strafgefangene aus dem Arresthaus voirgeführt wurden. Remscheid, 19. Juni. Herrn Thümmel, dem streitbaren evang. Pastor hierselbst, ist von der theologischen Fakultät zu Halle auf Grund einer besonderen Arbeit die Würde eines Licentiaten der Theologie verliehen worden. Dieselbe berechtigt zum Halten von Vorlesungen an den Universitäten. Solingen, 19. Juni. Einen gewagten, gefährlichen Sprung machte ein Mann von hier von einem schnell fahrenden Personenzuge. Der waghalsige Sprung gelang, denn auf der Erde angekommen, erhob sich der Mann und lief schnell davon. Von Glück kann der Mann sagen, das er nicht erkannt ist Trier, 17. Juni. Großer Wassermangel macht sich in hiesiger Gegend fühlbar. Das Wasserwerk der Stadt Trier hat den Betrieb mehrere Tage unterbrechen müssen und kann nur während einigen Stunden des Tages Wasser abgeben. Der Wasserstand der Mosel war seit hundert Jahren nicht mehr so niedrig Zwei Dampfschiffe liegen seit einigen Tagen vollständig auf dem Trockenen. In mehreren Ortschaften um Trier gebeu die Brunnen kein Wasser mehr. Zwei große Bierbrauereien haben wegen Wassermangels den Betrieb einstellen müssen.— Wegen der großen Futternot wird das Vieh allenthalben zu Spottpreisen verkauft. Wesel, 19.=Juni. Ein altes Schiff ist bei Baggerarbeiten nicht weit von hier bloßgelegt worden. Dasselbe liegt etwa 30 Meter vom bisherigen Ufer entfernt in einer Tiefe von etwa 2 Metern unter Null des hiesigen Pegels mitten im Sande. Nach der Bauart des Schiffes zu urteilen, dürfte dasselbe eine See=Fischerbarke und einige hundert Jahre alt sein. Zur Wahlbewegung. Wie ein einfacher Mann aus dem Volke, ein Berginvalide, die gegenwärtige politische Lage nicht nur richtig überschauen kann, sondern auch die Gefahren, welche alt und jung, arm und reich drohen, wenn die Militärvorlage nicht zur Annahme gelangt, beredt zu childern vermag, so daß sie ein jeder, wenn er nur den guten Willen dazu hat, begreifen kann und muß, das zeigt nachstehendes Gedicht, das der„Esenacher Zig.“ entnommen ist. Am Fuß der Wartburg war’s, der alten, grünumwobnen, In Doktor Martin Luthers freundlich lieben Städichem, Da, wo schon oftmals deutsche Männer ernst getager Und manch bedeutsam Wort mit Nachdruck ward gesprochen, Dort hatten jüngst, dem Kaiser treu und treu dem Reiche: Zahlreiche Bürger, wohlgesinnte, sich versammelt, Um den zu hören, den in schwerer Zeit sie dachten In's Parlament zu senden zu des Landes Bestem.— Ein junger Mann noch war es, in der Jahre Blüte, Voll Ernst und Thatkraft schien er allen, die ihn schauten; Schlank war sein Wuchs und blond das Haar und blau das Auge, Ein echter Sohn Germaniens dünkt er mir von Anseon. Als er nun redete, so maßvoll und besonnen, Da ward es mählich allen klar, daß keiner besser, Und zu sich selber sprach im Stillen wohl jedweder: „Der ist es, den wir wählen müssen uns zum Wohle!“ Also, daß lauter Beifall folgte seinen Worten, Die, wahr und offen, allen tief in's Hecz gedrungen.— Doch wähnet nicht, daß diesen Mann ich rühmen wollte; Denn nicht bedarf ein solcher meines schwachen Lobes, Der durch sein Wesen sich am besten selbst empfiehlt. Mein Sang eriönet einem andern, ber bescheiden Nachher das Wort ergriff, als jener längst geendet. Einfach und schlicht, wie sein Gewand, war seine Rede Und ruhig, aber wohlgesetzt, durchdacht und fließend, Das alle staunten, als er anhub so zu sprechen: Ein dreifach Sinnen führt mich zu dem sichern Schlusse, Daß in des Reiches Haupistadt wir nur dürfen senden, Den Mann, der fest gesonnen tapfer einzutreten Für Kraft und Stärke unsres braven deutschen Heeres. Zum ersten scheint's die Pflicht der Dankbarkeit zu heischen, Daß wir erhalten, was mit Bismarck und mit Moltke Uns Kaiser Wilhelm, der hochsel'ge, einst geschaffen, Und was mit ihrem Blut so viele schwer erkaufet. Zum andern ziemt sich's, unserm jugendlichen Herrscher Die Mauer bauen helfen, die lebend'ge, starke, Die er dem Volk zum Heile wünschet zu errichten. Zum dritten schulden wir's uns selbst und unsern Kindern, Daß wir uns zeitig hüten vor dem schlimmen Feinde, Der bald als schlauer Fuchs und bald als Bär sich zeiget. Es schielet Reinecke schon wieder jetzt herüber Zu uns, und lauernd wartet er auf günst'ge Stunde, Um dann als Meister Petz die Tatze zu erheben, Die gier'ge, und an unsre Brust sie frech zu legen. Drum seid auf Eurer Hut, Ihr Männer, wählt verständig!“ So sprach der Mann, und alle waren schier verwundert Ob der so klaren Rede eines Unbekannten. Drum, als das Händeklatschen endlich war verstummet, Gings, anfangs leise, nachher laut und immer lauter Ein Forschen durch der Männer dicht gedrängte Reihen „Wer ist der Brave,“ schallte es von Mund zu Munde, „Der also treu und bieder sprach zu der Versammlung?“ Und abermals erhob der Wackere sich zum reden: „Ein Bergmann bin ich, invalid und nicht vermögend. Nur wen'ge Groschen sind's, die ich vom Staat erhalte Zur Unterstützng; doch verdien' ich mir daneben Durch meiner Hände Arbeit noch so manchen Pfennig, So weit ich eben es vermag als Invalide. Auf solche Weise pfleg' ich so viel zu erwerben, Daß ich noch andern geben kann, ja selbst dem Staate, Wenn er zur Heeresstärkung weit'res hat von Nöten. Zu solchem Zwecke gebe ich mein Schärflein gerne. Und, traun, ein jeder kann es, selbst der ärm're Bürger, Wenn er nur fleißig ist und sparsam und zufrieden!“— So schloß der Mann im schlichten Kleid und heller Jubel Erscholl zu Ehren dessen, der so brav gefochten Für Kaiser und für Reich in echter deutscher Treue. „Das war ein tüchtig Wort!“ so hörte laut man sagen, „Und wert fürwahr, daß man es überall verkünde!“— Mir aber und uns allen, die das Wort vernommen, Wird er, der es gesprochen, im Gedächtnis bleiben. Rätsel. Kaiser Karl hatt' einen Hund, Dem gab er einen Namen aus seinem Mund, Also hieß Kaiser Karl seinn Hund: Wie hieß der Hund? Auflösung des Rätsels in nächster Nummer. Modernste und solideste Ueberzieherstoffe, Coating, Loden, Cheviots und Melton à Mk. 1.75 Pfg. bis Mk. 8.75 Pfg. per Meter versenden jede beliebige einzelne Meterzahl direkt an Private. Buckskin=Fabrik=Depot Oettinger& Ko., Frankfurt a. M. Neueste Musterauswahl franko in's Haus. 3 3 50 40 hie50 bis aser izen Okt. — afer Okt. Faß Okt. ätig A. 1or