ents=Preis pro Quartal Dienstags, Donnerstags und Samstags. ienfr Nr. 62. Schwerte, Dienstag, 30. Mai 1893. SARSAEE Sensen en werte, * SAROTEC und Königs, sellweg 18. 9 Uhr N. rie. 1893. bzug zahlbar. D Mark. nal-Lose à 3 MA. versendet auf e ral-Debit, Unter den Linden 3. eingarn, angen * 0 e 0 Preisen. g werte.„ M0 Juni Ziehung unwiderruflich nühler Pferde. Ose winne i. W. v. 6000, 3000, 1500 I, 11 Lose 10 M id Liste 25 4 garn, Uebervorteilun enstehender Bab## er, grösste So aller Fabrik reguliert, kos# — franko mit## buch über Uhr tis und franko. kweizer Manufaktur erleraahe. Ueber die waidmännische Lebensweise des Kaisers in Pröckelwitz wird berichtet: Der Kaiser steht um 2 Uhr morgens auf, nimmt s. w. auf die angebliche Abneigung weiter Volkskreise gegen die Militärvorlage, namentlich auch darauf, daß in zahlreichen VolksAmtliche Bekanntmachungen. Bekanntmachung. seitens der Gemeinde=Vertretung zu Holzwick=de unterm 16. d. Mis. gethätigte Wahl des Oekonomen Ludwig Bü#demann zu Ho'zwickede zum Gemeinde Vorsteher auf eine gesetzmäßige Amtsdauer von 6 Jahren ist von mir in Gemäßheit des§ 38 der Landgemeinde=Ordnung vom 19. März 1856 und des § 25 der Kreis=Ordnung vom 31. Juli 1886 am heutigen Tage bestätigt worden. Hörde, den 27. Mai 1893. er Königliche Landrat Spring. Bekanntmachung, Der Handelsmann oder Pferdehändler oder Koppelund Treiber Johann Arendt, geboren am 25. Lader seit Crde Jel 182 in Külsehebdüfrscger Lag, Neußerung der Auvnutnzen migertert, mir er s Sitet eu, bic schäbgenden verlosser, und mußten dieselben auf Kosten der hiesigen Regen immer heftiger wurde und Graf Arnim=[Mac=Kiniey=Viu zu beschließen. Armenkasse in Pfl ge gegeben werden.... Muskau seinem Bedauern hierüber Ausdruck Rußland. Der Genannte sollsich in der Gegend von Vormunc, gab, antwortete Se. Majestät:„Wenn ich Wegen Zugehörigkeit zu dem kürzlich in nach der langen! Proletaria Märkte, namentlich Pferde märkte in diesen Gegenden ich mich über den Regen freuen nuch der lungen#Proierariat“ sind bereits 200 Personen, in der oben angeführten Eigenschaft besuchen. Dürre, denn die Landwirtschaft hat ihn dringend Studenten, Arbeiter und Frauen, verhaftet. Wiederhoft ist er auf derarigen Märkten, nament nötig. Unter diesen Umständen ist dies das Die Citadelle ist überfüllt. lich auch in wiensten jüdischer Händler, gesehen worden.]“ Wir erschen, nah v. Arendt zu recerchieren und richtige wraierwetter!“ 8. Westkalen und Rheinland. uns seinen Aufenthaltsort unter Ulb 9652/92 umgehend] Der Jahresbericht der deutschen Koroniat„ v.... 10#.: 1.990 l gesellschaft, der in der Hauptversammlung in] Schwerte, 29. Mai. Frankfurt a. M. am 27. Mai zur Verteilung fügung des preußischen ein Beafsteak, Kotelette oder dergleichen zu versammlungen Petitionen gegen die Militärsich und fährt dann zur Morgenpürsche in den vorlage beschlossen worden seien. Diese Wald, von wo er gegen 11 Uhr zurückzukehren Behauptungen stehen mit den Thatsachen in pflegt. Das Frühstück wird im Walde verzehrt.] Widerspruch. Nach den Erklärungen des Dann legt sich der Monarch zur Ruhe nieder, Berichterstatters, Abgeordneten Gröber, in der hört nach kurzem Schlaf die Vorträge, erledigt Reichstagssitzung vom 6 Mai d. J. sind dem die inzwischen eingelaufenen Briefschaften und Reichstage zugegangen im Ganzen 1003 Petinimmt dann um 4 Uhr das Mittagsessen ein. tionen für die Annahme der Militärvorlage Gleich darauf fährt er zur Abendpürsche in und nur 247 Petitionen dagegen. den Wald. New=Yorker Meldungen zufolge soll im Ueber den neulichen Besuch des Kaisers Juli nach London ein Kongreß einberufen werden, in Muskau wird noch nachträglich folgende lum über die Abschaffung der den europäischen des Monarchen mitgeteilt: Als der Handel so sehr schädigenden amerikanischen Dortmund, den 19. Mai 1893. Armenverwaltung Dortmund. Nach einer VerKultusministeriums Miteilungen über die Arbeiten der Gesellschaft Tage, der allgemeinen Wahlen, semtliche 3= Der Vorstand hat im Berichtssahre drei Sitzun=]Stuuten der Hagzeßer gz(zezurerHie Frige der Berliner Garnison abhalten, nach deren Ben=] Offiziös meldet die„Nord. Alz., 8 191;] Schwerte, 29. Mai. Laut Bekanntmachung digung der Monarch nach dem Neuen Palais Die Gegner der Militärvorlage berusen. s#chsim Inseratenteil der heutigen Nimmer können Gebei Potsdam sich begeben wird. neuerdings in Wahlaufrufen, Flugblättern u. suche um Entlassung von So'daten nach zweijähriger Dienstzei' am Donnerstag in acht Tagen auf dem esigen Magistratsbureau eingerecht werden Aplerbeck, 26. Mai. Seit längerer sind auf dem Friedhofe der jüdischen Gemeinde hierselbst an den Grabsteinen absichtlich Beschädigungen durch nichtswürdige Hände vorgekommen, und ist dieses abscheuliche Treiben bis in die jüngste Zeit bemerkt. Die Besitzer der Gräber befandeu sich anfangs in dem Glauben, daß die Grabsteine durch die Witterungseinflüsse einer teilweisen Vernichtung anheimgefallen wären, doch endlich hat sich die Sache anders aufgeklärt, und ist bereits die spur der Thäter gefunden. Unsere sonst so rührige und findige Polizei wird es gewiß an Mühe nicht fehlen lassen, um die Frevler zu ermitteln und selbige der verdienten Bestrafung entgegenzuführen. Aplerbeck, 27. Mai Heute fand hierselbst die Grundsteinlegung zu der im Bau begriffenen 4 Provinzial-Irren=Anstalt statt Zu derselben sind die Spitzen der Zivilbehörden, und zwar der Herr Ober=Präsident von Westfalen Studt, der Herr Regierungspräsident Winzer, der Herr Landeshauptmann Overweg und der Herr Landrat Spring erschienen. Den Schluß bildete ein Mahl im engsten Kreise beim Hotelier Herbrecht. Die Ortschaft hat zu dieser Feier reichen Flaggenschmuck angelegt. Opherdicke, 26. Mai. Ein hiesiger Wirt erntete kürzlich für die gute Bewirtung mehrerer Kostgänger dadurch besonderen Dank, daß er von diesen um mehrere Mettwürste und Kisten Zigarren bestohlen wurde. Garenfeld, 29. Mai. Das Fest ihrer Die feierliche Grundsteinlegung des Kaiser Wilhelm=Denkmals auf Hohensyburg. § Hohensyburg, 28. Mai 1893. Ein schönes Fest ist euch bereitet, In Frühlingspracht steht die Natur; So kommt herbei von Bergen, Thälern, Vom Lennestrand, vom Strom der Ruhr, Von nah und fern, von ganz Westfalen, Den Zoll des Dankes ihm zu zahlen. Selbst zwar bedarf er nicht des Dankes, Der Bilder nicht in Stein und Erz; Was er gethan, ist eingeschrieben Für ewig in das deutsche Herz: So lebt er fort, obgleich gestorben, Hat er Unsterblichkeit erworben. Wir aber wollen ihn bekennen, Und heute thut dies doppelt not; Denn durch die deutschen Gaue schreitet Jetzt ein Gespenst, wie Blut so rot; Schon droht es frech mit Schwert und Feuer Und will zerstören, was uns teuer. Das gilt's zu zeigen, daß noch Herzen In Liebe schlagen für das Land, Wo von der Mutter treuen Augen Behütet uns're Wiege stand; Und wo die heil'gen Toten schlafen, Die schon erreicht den stillen Hafen. So zieht denn heute froh und festlich Zur Hohensyburg ohne Zahl; Und aus des Herzens Tiefen töne Hinunter über Strom und Thal, ino weit und weiter mächt'gen Schalles: Das Deutschland, Deutschland über alles. Zu dem Kaiser Wilhelm=Denkmal der alten Unwissenbeit, dem Unverstand, dem Fanatismus Grafschaft Mark und ihrer Nachbargebiete wollen gewisser Parteiführer irre machen ließe. Nichtswir heute hier auf der durch der Altvorderen würdig ist die Nation, die nicht ihr Alles freudig Tapferkeit geadelten, von der Lage duftigem Schleier setzt in ihre Ehre. So werde dieses aus totem Erz umwobenen Hohensyburg, der höchsten, geräumig= und Stein errichtete Kaiserdenkmal des Volkes für sten und reizvollsten Ausblick gewährenden Berg= das Bolk eine lebensvolle Erinnerung an die glorkuppe des mittleren Ruhrgebietes, in feierlicher reiche Zeit deutscher Eintracht, deutscher Kraft, deutWeise den Grundstein legen. Wir stehen also un=lscher Größe und bleibe in unseren Tagen und in mittelbar vor der Ausführung unseres patriotischen der fernsten Zukunft ein leuchtender Mahn= und Planes. Ja, das Gehölz ist schon zum Weiten ge= Weckruf zu hingebender Königstreue, zu schlagfertilichtet, die ersten Spatenstiche sind schon gethan und ger Wehrhaftigkeit, zu volksbeglückender Friedensheute gilts, den Anfang der Arbeit mit feierlichemlarbeit.“,.. n 7.52 der ui.heude burh e. Glanze zu umgeben. Der Beginn der Ausführung] Es folgte die Verlesung der Urkunde durch Hrn. eines Werkes nach vielfachen Beratungen, nach Professor Stier=Hannover, dem Erbauer des mühevollen Vorbereitungen übt auf alle Beteiligten Denkmals. Nach der Verlesung desselben begaben einen ungemein erhebenden Eindruck aus. Nicht sich die anwesenden Komitee=Mitglieder mit ihren der Staat, nicht sein erhabenes Oberhaupt oder eins Damen zu dem Platz der Grundsteinlegung. Hier seiner Organe ist der Erbauer dieses Wahrzeichens sprach Herr Oberpräsident Studt=Münster etwa der Vaterlandsliebe; auch nicht eine bürgerliche folgendes: Gemeinde in Stadt oder Land, noch ein weiterer]„Verehrte Festversammlung! Das heutige Fest oder engerer Verband von Gemeinwesen, sondern ist ein erhebendes für jedes vaterländische Gemüt. freiwillig zusammengetretene Männer aus dem Das Herz geht einem auf, wenn man sieht, wie südwestlichen Westfalen, aus den Gegenden vom aus allen Gegenden der roten Erde die Söhne Ursprung der Sieg, Lahn und Eder, die Lenne der Mark herbeigeeilt sind, um ihre Freude zu beund Volme entlang über die obere und mittlere zeugen an dem Zustandekommen dieses vaterländialchisen Sobhe, hausger Geznd uach den Mase, Kiternaeinen uil einen gedsehichen Lechlase u. seiner Kräfte beigesteuert hat, nicht genötigt durch bringen. Es gereicht mir zur besonderen Ehre, irgend welchen Zwang, sondern lediglich getrieben die ersten Hammerschläge thun zu dürfen. Mir ist von der gebietenden Macht der eigensten, freien, die hohe Ehre zuteil geworden, von höchster Stelle begeisterten Liebe zu Kaiser und Reich.“ hiezu ermächtigt zu werden, und Sr. Majestät Nachdem Redner das Denkmal in seiner Aus=Interesse und Freude zu dem Werke Ausdruck geben führung geschildert, wie wir es bereits in Nr. 60 zu dürfen. Ich füge den Dank hinzu von der unseres Blattes gethan, sprach derselbe weiter: Staatsregierung, daß die Mark ein Denkmal geessen gehaltenen Reden und Ansprachen wiederzugeben, gestattet uns leider der Raum nicht, nur hervorheben wollen wir, daß auch der Paladine Kaiser Wilhelms l. in zündenden Worten gedacht wurde. Nachstehend bringen wir noch das erwähnte, in der„Rheinisch=Westfälischen Zeitung“ gebrachte Gedicht der Dichterin Johanna Baltz: „Wenn Menschen schweigen, würden Steine sprechen!" So klingt aus alter Zeit ein heilig Wort; Kein Wettersturm kann ihre Mahnung brechen, Sie bleiben des Gedenkens treuer Hort.— Ist's darum, daß wir auf der Felsenwarte, Wo hoch im Winde flattert die Standarte, Ein Denkmal bau'n? Ist's darum? Sollen diese Steine sagen Den Enkeln noch bis zu den fernsten Tagen, Daß sie empor in Ehrfurcht schau'n? O nein! Um Ihn, des Bild wir hier erheben, Bedarf's der eh'rnen Mahnung nimmermehr! Er ist nicht tot, er lebt ein ewig Leben, Der große Kaiser, herrlich, stolz und hehr! Wie könnten seine Kinder ihn vergessen, Sie, die in ihm ihr höchstes Glück besessen, Die er erhob! Die er beschützt mit seinem Schild und Speere, Bis ihres Landes Ruhm vom Fels zum Mee Um sie den Glorienschimmer wob! Hohensoburg.,„ Wer ihn je gehört, den Namen, der aus der Vergangenheit sind es, die hier puant, weiches hoffentlich eine Zierde der ganzen und nicht ganz verstanden, wie er sich herleitet von errichtet werden, nicht allein für die Gegenwart Gegeno sein wird. Lassen Sie mich zu dieser von längst versunkenen Jahrbunderten, der verste“ errichtet werden, sondern, auch für die Zukunft, Zegfusgheg, den Winsch binzzieggtugens, wenn wir aus Und wenn wir hoffen, daß der Augenblick der Vol= hergbjeben mägen, auf ei. zug des Kaisers s Denkmals nicht mehr fern sein wird, herabseyen mogen auf eine Generation, die sich sunz, wenn wix hoffen, daß der Augenblick der Vol=soies Ventmal vouenden, die augen, des Kaisers ung des Denkmals nicht mehr fern sein wird, heraosehen Neere es heute sicher nach einer anderen Richtung hin, sendung des Denkmals nicht mehr fern sein wird, heraoseyrn motzen aufgeine Generanon, die sog als eine überaus große Menge aus Nah und Fern so hoffen wir andererseits, daß noch in fernster ihrer übernommenen Pflichten bewußt ist. So zu der heute nachmittag stattgefundenen Feier der Zukunft das Volk aus der Grafschaft Mark d. h. möge denn alle Zeit die Mark eine Bevölkerung Grundsteinlegung des Kaiser Wilhelm=Denkmals, Vereine und Schulen wandern werden in vater= beherbergen, die treu ist zu: zu dem auch Dr. Faber aus Bochum durch obiges ländisch begeisterter Stimmung hierher zu den Gedicht in beredten Worten eingeladen hatte, her= Füßen des greisen Heldenkaisers Wilhelm. Hier beigeeilt war. Ein schönes Bild! Köstlich malte vor dem Bilde des gewaltigen Kriegeshelden sollen geänenden Gotesgarten, umzäumk von den waldi= sch Kinder und Kindeskinder immer und immer wieder ins Gedächtnis rufen, daß Deutschlands 51 Wie hob sich Weltstellung in der Neuzeit undenkbar wäre ohne das Bild Lurch bas“hesztige Eistgepräge durch die festgefügte Grundlage des preußischen Staates änze und Fahnen, durch die Menge und daß Preußens Größe gegründet worden ie be chchs s se ene de sese c ae eice Seie Alsc e plaz Spalier bildeten, setztere waer Denkmals= Has Heuschland, welches vergäße, daß König huldvoller Weise von dem Obersth:...(Wilhelm von den blutgetränkten Schlachtfeldern begrüßt.ernentenant v. Auer von Gravelote und. Sedan Deuschlapes, giuhelt zu von der Kapelle d.s#.— und die deutsche Kaiserkrone nicht hätte heimpgingen Regiments N. 7 aus Münster.“ können, wenn nicht seiner hohenzollerschen Ahnen Regimenis Nr. 7 aus Munster vorgerragenen Musik= scharfgeschliffenes Preußenschwert in Nord und Süd, stück leitete der Landeshauptmann Herr Overwegin Ost und West des Vaterlandes feste und treue die. Feieg, git. kurzen, Worten ein, in denen er Wacht gehalten hätte, das Deutschland würde auch auf die Bebeutung des wentmais, auf seine bevor= vergessen, daß gleich große Gefahren für seine derselbe darauf auf= Selbständigkeit und Freiheit, wie der Hohenzollern isrlarb anab ga#.dell des Denkmals, in dem Tapferkeit bei Warschau und Fehrbellin, bei RoßWarterhauschen zur Besichtigung ausgesteut sei. bach und Zorndorf, bei Leipzig und Belle alliance, Hierauf ergriff Herr Gymnasiallehrer Broi=(bei Gravelotte und Sedan siegreich abgewehrt, jeden cher=Bochum das Wort zur eigentlichen Festrede, Tag wiederkehren können. Und wehe dem deutschen die etwa folgendermaßen lautete: Volke, wenn es sich an dieser Wahrheit von der beherbeigen, die kleu ist zu Kaiser und Reich, treu zu König und Vaterland, treu in der Familie und treu in dem Beruf steht.“ Unter kurzen Worten von denen, welche noch Hammerschläge ausführten, wurde die Urkunde mit folgenden Schriftstücken: dem Aufruf des Kommitees vom 15. Mai 1890, Abdruck der Briefe aus dem Zivilkabinett Sr. Majestät des Kaisers vom 15. Oktober 1890, Abdruck der Briefe des Fürsten Bismarck vom 18. Oktober 1890, sodann Bericht des Kommitees über die bisher gemachten Schritte einer Einladung zur heutigen Feier, datiert vom 15. Mai 1893, und einer Nummer der Rheinisch=Westf. Zeitung mit einem Gedichte von Fräulein Jahanna Baltz in die dafür bestimmte Kapsel hineingelegt und letztere verlötet, womit die eigentliche Grundsteinlegung beschlossen wurde. Hierauf folgte im großen Saale des Herrn Wulf das Festessen, an welchem 250 Personen teilnahmen. Oberpräsident Studt brachte mit begeisterten Worten den ersten Toast auf Se. Majestät den Kaiser Wilhelm II. aus. Das Hoch fand brausenden Wiederhall. Noch eine Anzahl Toaste und launiger Reden liefen vom Stapel, und erst spät erreichte die Feier ihr Ende, die vom schönsteu Wetter begünstigt, einen großartigen und erhebenden Verlauf genommen. Die einzelnen, beim FestWißt ihr's noch, wie er einst im Silberhaare Das Heer geführt zu stolzen Siegeszug? Wißt ihr's, wie er voran dem Preußenaare Die Oriflamme der Begeist'rung trug?— Wißt ihr's, wie seine blauen Augen schauten, Wenn sie der Gnadenfülle niederthauten, So weich und mild? Wißt Ihr's, wie seine Lippen lächeln konnten, Wenn wir in seiner Gegenwart uns sonnten?— O unvergeßlich Heldenbild! Ihr wißt's, ihr Kinder seiner roten Erde, Auf der die Eiche wächst der starken Treu! Der Treue, die in Kummer und Beschwerde Sich erst verjüngt noch, jeden Tag aufs neu. Ihr wißt's, ihr gabt die Herzen ihm zu eigen, Und wenn sich eure stolzen Nacken neigen Zum heil'gen Eid, Dem hangt ihr ewig an in zähem Lieben, Dem habt mit eurem Blut ihr euch verschrieben, Zu dem steht ihr in Freud und Leid! Und darum soll das Denkmal sich erheben Auf grüner Vergeshöhe hoch und frei, So soll es allen Landen Zeugnis geben, Wie stark und fest Westfalentreue sei! Er braucht kein Denkmal, seinen Ruhm zu mehren, Wir aber wollen drin die Heimat ehren Für alle Zeit! Und immer soll uns der Gedanke laben, Daß wir den Unvergess'nen bei uns haben, Ein Bild der Unvergänglichkeit! So legt denn unter jauchzendem Frohlocken Zum hehren Werke heut' den ersten Stein! Horcht! von den Türmen tönen Sonntagsglocken In unsern Jubel feierlich hinein. Als grüßte uns ein Hauch der Sphärenlieder, Klingt es geheimnisvoll vom Himmel nieder: — Könnt Ihr's verstehn?—. Heil Dir, dem treue Menschenherzen schlagen! „Es kann die Spur von deinen Erdentagen Nicht in Aeonen untergehn!“ goldenen Hochzeit feierten gestern die Eheleute Schuhmacher Fritz Brenne auf dem Steinberg. Die beiden hochbetagten Gatten, die in Ehren grau geworden sind, haben während ihres langen Ehelebens viel Leid aber auch viel Freude erfahren und sich einen fröhlichen Mut bewahrt. Iserlohn, 27. Mai. Gelegentlich des hier am 11. Juni stattfindenden Westfälischen Feuerwehr=Verbandsfestes will der Fabrikant W. Martin in Marten zwei seiner neuen eisernen Steigerthüren zur Ausstellung bringen Die Zahl derjenigen Feuerwehrmänner, die in diesem Jahre die Auszeichnung für 25jährige Dienstzeit empfangen sollen, beläuft sich auf 25; eine recht stattliche Zahl. Iserlohn, 26. Mai. So jemand eine Reise thut, so kann er was erzählen. Bei Gelegenheit eines Ausfluges nach der Dechenhöhle am Psingstmorgen überholten die Mitglieder eines Elberfelder Radfahrerklubs kurz vor Hagen ein Gefähr, welches außer einem funkelnagelneuen Klavier auch ein Dutzend angetrunkener Hochzeitsgäste trug. Erbost über die schnelle Vorbeifahrt der Radfahrer, trieben die Klavierführer das Pferd zur größten Eile an, ohne in ihrem trunkenem Uebermute an den Unterschied zwischen Zweirad und Lastwagen zu denken. Das gepeitschte Tier rannte nach Möglichkeit, doch— das Unglück schreitet schnell. Beim Fahren um die nächste Strafenecke verlor der Wagen das Gleichgewicht, das Klavier viel an der einen Seite und die Hochzeitsgäste an der anderen vom Wagen her unter— zu scheußlichen Klumpen geballt.— Die Menschen kamen mit dem Schrecken davon, doch, oh weh, das arme Instrument zertrüm mert, nur noch eine zusammenhanglose Masse von Holzteilen, gesprungene Drahtsaiten und Tasten lag am Boden. Vergebens war das Bemühen der Uebelthäter, ihm einen Ton zu entlocken, nicht einen Schmerzenslaut gab es mehr von sich. Und dahin war die Pfingstfreude. Dortmund, 28. Mai. Das Verbandsfest der evangelischen Arbeitervereine, welches am 11. Juni d. J. hierselbst stattfindet, soll ein besonders großartiges werden. Mehr als 50 Vereine mit über 5000 Mitgliedern haben ihr Erscheinen bereits zugesagt und viele Vereine werden ihre Teilnahme noch erst in diesen Wochen ankündigen. In dem Festzuge werden ca. 12—15 Musikkapellen ihre Weisen erschallen lassen. Die Festakte finden am Freden baum und der Hobertsburg statt. Dortmund, 27. Mai. In der sozialdemokratischen„Arbeiter=Zeitung" wird offen zum Austritt aus der Landeskirche aufgefordert. Weil die Kirchensteuer auf 25% festgesetzt ist, so wird den Arbeitern zugerufen: „Tragt Sorge, daß die Steuer nur von den Kirchengängern getragen wird. Vom„Tragen“ kann füglich keine Rede sein, denn solche Last sind die 1,50—2 Mark nicht, die der Arbeiter an Kirchensteuer zu zahlen hat. Als zum Schreiber dieses einst ein Mann kam, um sich über 68 Pfennig Kirchensteuer jährlich zu beklagen, besann dieser sich sofort eines besseren, als er hörte, daß er für 68 Pfennig 3mal sonntäglich daß Gotteshaus besuchen, seine Kinder unentgeltlich das ganze Jahr in Gotteswort unterweisen, Taufen, Trauungen und Beerdigungen unentgeltlich vornehmen lassen könne und dabei noch an den Pastor einen Freund habe, der zu jeder Tag= und Nachtzeit mit Rat und That ihm zu Gebot stehe. Es ist ein wahrer Jammer, daß unser Volk so durch und durch unterwühlt und verhetzt wird! Dortmund, 27. Mai. Infolge der Verhaftung einer großen Anzahl von Viehhändlern aus der Essener und Duisburger Gegend wegen des Hamburger Fahrkartenschwindels scheint es in den genannten Gegenden bereits an Schlachtvieh zu mangeln. Auf dem letzten Viehmarkte waren mehrere Metzger aus dem Essener Revier, die man sonst nicht bemerkt, anwesend, um hier Schlachtvieh einzukaufen. Dortmund, 25. Mai. Der hiesige Kohlenverkaufsverein hat beschlossen, die Förderung um 35 Prozent einzuschränken. Der Absatz ist überall schwach, die Schiffahrt liegt infolge des niederen Wasserstandes danieder, so daß die Befrachtung von Kohle rheinauf= und abwärts sehr zurückgegangen ist. Eine Produktionseinschränkung von mehr als einem Drittel ist eine harte Maßregel, die unsere ganze Gegend in Mitleidenschaft zieht. Die Produktionseinschränkung gilt vorläufig für einen Monat. Die Zecher wollen während der Zeit möglichst viel Aus- und Vorrichtungsarbeiten vornehmen lassen, um die gänzlichen Feierschichte thunlichst zu vermeiden. Dortmund, 27. Mai. Einem hiesigen Gartenbesitzer wurden kürzlich des Nachts die Gartenfrüchte, wie Großebohnen, Erbsen, Kartoffeln u. s. w. vollständig abgemäht. Den eifrigen Bemühungen des Flurhüters ist es gelungen, den Thäter in der Person eines Arbeiters zu ermitteln. Der Mann hat, wie er selbst eingesanden, die That aus Rache begangen. Dortmund, 27. Mai. Eine hiesige Kaufmannswitwe, die sich nicht entblödet hatte, ihre eigenen Töchter zu verkuppeln, wurde wegen dieses schweren Verbrechens auf fünfzehn Monate ins Zuchthaus Dortmund, 26. Mai. Die bei dem Postbeamten Zimmermann in Düsseldorf bedienstete, 19 Jahre alte Dienstmagd Pauline Heseler von hier war zu den Pfingstfeiertagen mit dem 11 Jahre alten Töchterchen Gretchen ihrer Herrschaft nach hier gereist zu ihrem hier wohnenden Vater. Am letzten Feiertage haben die beiden die Rückreise nach Düsseldorf angetreten, sind jedoch, wie ein Telegramm darthut, dort bisher nicht eingetroffen, so daß die Angehörigen in großer Bekümmernis sind und nichts anderes als ein Unglück oder ein Verbrechen vermuten. Die Pauline Heseler ist in obenerwähntem Alter, mittelgroß und schlank gebaut, hat blondes Haar, trug schwarzen Strohhut mit dunkler Blume, rosageblümtes Kattunkleid, schwarze Lederknöpfschuhe und graue Strümpfe. Gretchen Zimmermann hat blondes Haar, trug weißen Strohhut mit rotem Band, rotkarriertes Wollkleid, neue Knöpfschuhe und schwarze Strümpfe. Im Interesse der tiefbetrübten Eltern wird um Weiterabdruck gebeten. Hattingen, 25. Mai. In der nahe gelegenen Bauernschaft N.=Bonsfeld wies am ersten Pfingsttage der dort stationierte Gendarm Helbig in der König'schen Wirtschaft den Arbeiter Kehrmann zur Ruhe. Hierüber wurde K. so aufgebracht, daß er den Beamten thätlich angriff. Nachdem der Gendarm den Angriff zurückgewiesen, indem er dem K. einige Hiebe mit dem Säbel versetzt hatte, stürzte sich dieser wieder auf Helbig und packte ihn an der Kehle. Hierauf zog der Angegriffene den Revolver und schoß dem Arbeiter eine Kugel durch das Herz. Der Tod trat auf der Stelle ein. Kehrmann war etwa 40 Jahre alt, verheiratet und Familienvater. Essen, 25. Mai. Eine furchtbare Roheit beging ein in schlechtem Rufe stehender Mann dadurch, daß er seine Frau und sein kleines Knd während eines Wortwechsels mit kochendem Kaffee vollständig verbrüthe. Oberhausen, 27. Mai. Vor kurzem ist hier ein österreichischer Bergmann— Blasius Grasser aus Scheifling in Steiermark— mit sieben Genossen wegen Verbreitung anarchistischer Flugblätter verhaftet worden. Diese Flugblätter, welche anscheinend von England eingeschmuggelt waren und die unerhörtesten Majestätsbeleidigungen enthielten, sind ganz besonders in der Umgegend massenhaft verbreitet worden. Die Untersuchung ist nunmehr beendet und gegen die Verhafteten die Anklage auf Hochverrat u. s. w erhoben worden. Die Verhandlung findet am Mittwoch, 7. Juni, vor dem vereinigten 2. und 3. Strafsenate des Reichsgerichts in Leipzig statt. Die Dauer dürfte 2 bis 3 Tage in Anspruch nehmen, da über 40 Zeugen geladen sind. Quernheim, 20. Mai. Was eine Feuerwehr alles leisten kann, das hatte man kürzlich hier zu beobachten Gelegenheit. Lagerte sich da in der Nähe des Ortes eine Zigeunerbande, die trotz wiederholter Aufforderung nicht wegzubringen war. Da verfiel man auf einen rettenden Gedanken und holte die in der Nähe übende Feuerwehr heran, welche alsbald die Feuerspritze in Thätigkeit setzte. Die Zigeuner vermochten den auf sie gerichteten Wasserstrahlen nicht Stand zu halten und rückten schleunigst aus. Schanze, 26. Mai. Umfangreiche Haussuchungen wurden gestern und heute hier und in der Gemeinde Ende von seiten mehrerer Gensdarmen vorgenommen. Es handelte sich um einen großen Einbruchsdiebstahl, der in den letzten Tagen auf Hohensyburg ausgeführt worden ist. Da mehrere hier wohnende Personen stark verdächtig waren, sich an dem Einbruche beteiligt zu haben, so erfolgte bei ihnen Haussuchung, die aber das gestohlene Gut nicht ans Tageslicht förderte. Uerdingen, 26. Mai. Ein gewaltiges Feuer hat gestern abend die Zuckerraffinerie der Firma P. Schwengers Söhne, welche 230 Arbeiter beschäftigt, in Asche gelegt. Echternach, 24. Mai. Die gestrige Spring=Prozession, die bei heißem Wetter stattfand, hatte eine so starke Beteiligung, daß die Prozession, namentlich gegen die Mittagszeit, nur ganz langsam und öfter sich stauend, sich fortbewegen konnte. Köln, 27. Mai. Eine Belohnung von 1000 Franks hat der Kriegsminister der Republik Chile, Frederigo Eraguriz, ausgesetzt auf die Herbeischaffung des Inhalts seines Portefeuilles, das ihm am 21. d. Mts. früh zwischen 6 und 8 Uhr auf der Strecke zwischen Verviers und Köln aus der Rocktasche abhanden gekommen ist und außer Post= und Gepäckschein 100 Pfund Sterling in Zehnpfundnoten, drei Tausendfranksscheine und einen Kreditbrief über 2000 Pfund Sterling enthielt. Der Minister nimmt an, daß er entweder das Portefeuille im Schlafwagen verloren hat, oder daß er auf dem Bahnhofe hierselbst einem Taschendiebe in die Hände gefallen ist. Köln, 19. Mai. Ein altes, in der Follerstraße wohnendes Mütterchen erhielt zu ihrem vorgestrigen Namenstage, wie alljährlich, von ihrem auswärts wohnenden verheirateten Sohne ein Paketchen. Mit Spannung öffnete die Frau das Kistchen und besah erfreut die schönen Sachen. Unter anderem holte die Mutter auch eine Blutwurst aus dem Paket hervor, als es an ihre Zimmerthür klopfte und auf ihr„Herein“ ein alter Mann eintrat, der um eine milde Gabe bat. Die gutgelaunte Alte schnitt die Blutwurst in zwei Hälften und überreichte dem Bettler die eine Hälfte mit den Worten:„Ihr sollt su och jett vun mingem Namensdag han!“ Dankend ging der Mann ein Haus weiter, während die Frau im Auspacken fortfuhr und schließlich auf dem Boden der Kiste den Glückwunschbrief ihres Sohnes fand. Letzterer erwähnte die einzelnen Geschenke, was speziell von der Schwiegertochter und von den einzelnen Enkelchen herrührte.„Und das Zehnmarkstück, welches Du in der Blutwurst finden wirst, habe ich Dir beigefügt, damit kannst Du Dir vergnügte Pfingsttage machen, so schloß der Sohn seinen Brief. Erschreckt ließ die Frau das Schreiben fallen, griff nach der noch übrig gebliebenen Wursthälfte und zerschnitt dieselbe in dünne Scheiben, aber von einem Zehnmarkstück war nichts zu sehen. Dir alte Frau eilte so schnell, als ihre Beine es eben erlaubten, auf die Straße und spähte nach dem Bettler. In der Weberstraße sah sie den Alten in ein Haus eintreten. Als er wieder zum Vorschein kam, bat ihn die Frau, doch lieber die Wurst wieder zurückzugeben, dafür solle er etwas Geld haben. Der Bettler holte die Wurst aus der Hosentasche und sagte:„Leev Frau, ich hann ävver ald dorenn gebisse.—„Dat deiht nix, wann Ihr nor nitt jett in der Hals krägen hatt", antwortete die Frau und nahm die Wurst an sich, überzeugte sich von dem Vorhandensein des Gold stückes und gab dem Bettler einen Groschen. Bonn, 27. Mai. Das Beethovenfest hierselbst hat einen ungefähren Reinertrag von 20000 Mark ergeben. Königswinter, 25. Mai. Einen Beweis für den massenhaften Besuch des Drachenfels während der Pfingsttage lieferte die Thatsache, daß an diesen Tagen gegen 7000 Postkarten dort oben eingeliefert wurden. Bingen, 27. Mai. Ein Hotelbesitzer aus Köln war hier als Zeuge vor dem Schöffengericht vernommen worden. Bei der Kostenliquidation legte er dem Gerichte eine Rechnung über 35 Mk. vor, welche er hier für Uebernachten und Beköstigung ausgegeben habe. Es wurde ihm die geforderte Summe ausbezahlt. Das Gericht forschte nach und es stellte sich heraus, daß der Hotelbesitzer— überhaupt nicht hier übennachtet hatte. Wegen Betrugs erhielt er vom Landgericht 8 Tage Gefängnis. Vermischtes. * Von der Firma Wilh. Scheidt in Hemer i. W. wird ein wassersaugender Blumendraht, welcher in Deutschland, England, Frankreich und in der Schweiz patentiert, sowie in allen anderen Kulturstaaten zum Patent angemeldet ist, in den Handel gebracht. Dieser neu konstruierte Draht, über dessen großen Wert für die Blumenbinderei sich die Berliner Gartenbörse in Nr. 20 lobend ausspricht, ist, wie uns mitgeteilt wird, mit einer chemisch präparierten wassersaugenden dünnen Umhüllung versehen, wodurch den im Bouquet angedrahteten Blumen, deren Stiele zu kurz sind, um das in der Blumenvase enthaltene Wasser zu erreichen, solches fortwährend zugeführt wird. Die mit diesem patentierten Draht gebundenen Bouquets erhalten sich wochenlang frisch, sogar die Knospen entfalten sich und blühen weiter wie auf dem Stamm. Durch diese neue Erfindung wird ein großer Uebelstand in der Blumenbinderei beseitigt, da es den Gärtnern unmöglich ist, für die Bouquets stets genügend langstielige Blumen zu verwenden. Bei der bisherigen Bindeweise mit gewöhnlichem Draht welken die Blumen meist in wenigen Stunden dahin, hingegen erhält der neue wassersaugende Blumendraht die Bouquets eben so lange frisch, als ob Blumenstiele ins Wasser reichten. Der Preisunterschied dieses neu erfundenen gegen den bisherigen gewöhnlichen Draht beträgt für das Bouquet nur einige Pfennige. In Folge ihrer Zweckmäßigkeit wird sich diese Neuheit bald allgemein eingeführt haben. * München, 20. Mai. Im Starnberger See ist nach einer Depesche aus München eine „höhere Persönlichkeit" ertrunken, und ist ein Hamburger Taucher berufen worden, die Leiche aufzusuchen. Der Name des Verunglückten ist in dem Telegramm nicht angegeben. * Petersburg, 20. Mai. Im Dorfe Maruten, Gouvernement Kaluga, wurde jüngst ein Bauer lebendig begraben. Entdeckt wurde die Sache von andern Bauern, welche die aus dem Grabe hervordringenden Angstschreie des Unglücklichen vernahmen und sofort bei der Behörde Anzeige erstatteten. Als mann dann die Leiche wieder ausgrub, bot sich den Umstehenden ein grauenhafter Anblick dar. Das Leichentuch war in Fetzen zerrissen, das Gesicht des Toten war vollständig zerkratzt, ein Auge war ausgerissen und mehrere Finger abgebissen. * Im Lesesaal des Kasinos zu Monte Carlo tötete sich eine russische Dame namens Kasiliew durch Gift, nachdem sie 40000 Rubel an der Spielbank verloren hatte. * Von einem entsetzlichen Leichtsinn berichtet ein Münchene Blatt aus Abenberg: Vorige Woche fand hier ein junger, erst einige Monate verheirateter Mann seinen Tod auf eigentümliche Weise. Er wettete nämlich mit anderen anwesenden Gästen, daß er 10 Flaschen Bier nach einander austrinke, wng auch geschah. Nach Entleeren einiger Flaschen fiel er aber vom Stuhl herab und war ein Leiche. * In der Augenheilanstalt zu Liegniz suchte kürzlich eine Frau mit ihren 5 Kindern### Hülfe gegen ihr Augenleiden, die sog. Nacht, blindheit, die darin besteht, daß nach Sonnen. untergang das Sehvermögen fast völlig aufge, hoben ist und bei künstlicher Beleuchtung vi, Erkrankten nur in unmittelbarer Nähe der Lichtquelle sehen, während sie in einiger Ent# fernung davon blind sind. Die Ursache dieser# eben so seltenen wie merkwürdigen Erkrankung liegt in den schlechten Ernährungsverhältnissen: die Familie hat sich den ganzen Winter über fast ausschließlich durch Kartoffeln und Kaffee ernährt, während gerade Fleischkost das einzige Mittel ist, die Erkrankung zu beseitigen. * Seefahrer kündigen das bevorstehende Verschwinden der Sandinsel im Süden von Schottland, die unter demselben Breitengraß liegt, wie die große Sandbank von Neufund land, an. Die Sandinsel ist eine sehr gefürch. tete Klippe; noch vor kurzer Zeit hatte sie eine Ausdehnung von 64 Kilometern, jetzt beträgt die Insel kaum noch 30 Kilometer. Seit dem Jahre 1880 wurden auf der Insel nach einander drei Leuchttürme errichtet; zwei davon sind bereits spurlos verschwunden; sie wurden, nachdem sie zusammengebrochen, von den Meereswogen verschlungen. Es dürfte kaum noch zwei Jahre dauern, und das Meer wird das ganze Inselchen, dessen Boden zusehends zusammenschrumpft, fortgerissen haben. Die Sandinsel wird dann eine unterseeische Klippe bilden und in diesem Zustande für die Schiffer noch weit gefährlicher sein, als sie jetzt ist. * Die teuerste Nähmaschine der Welt dürfte jedenfalls diejenige sein, welche eine steinreiche Amerikanerin als Hochzeitsgeschenk erhielt. Der Tisch der Maschine besteht aus einer wundervollen Marmorplatte, in welcher das Mono gramm der Neuvermählten mit Edelsteinen eingelegt ist, umgeben von einem Kranze in herrlichem Mosaik. Schrank und Schubladen sind aus Ebenholz, reich durch Einlagen von Gold, Silber, Perlmutter und Elfenbein geschmückt. Die Nähmaschine hat die Kleinigkeit von 11000 Mark gekostet. * Wie den Londoner Blättern gemeldet wird, hat das kanadische Parlament, um dem nächtlichen Herumschwärmen des jungen Volkes in den Straßen ein Ende zu machen, ein Gesetz angenommen, nach welchem in jeder Stadt und in jedem Dorfe um 9 Uhr abends die Glocke geläutet werden soll, und allen Peronen unter 17 Jahren, die hernach ohne Erlaubnis ihrer Eltern oder Vormünder auf den Straßen betroffen werden, eine Geld= oder Gefängnisstrafe auferlegt wird. Diese Maßregel, versichern die Berichte, werde in Kanada mit allgemeiner Befriedigung ausgenommen, obwohl nicht bekannt geworden ist, daß die kanadische Jugend besonders unmoralisch sei. * Helsa, 28. Mai. Ein außergewöhnliches Exemplar von einer Kuh wurde dieser Tage hier geschlachtet. Das Tier, welches einem hiesigen Bäckermeister gehörte, wog 6½ Zentner. Ehe die Kuh dem Messer des Metzgers anheim fiel, wurde dieselbe bekränzt durch das Dorf geführt. * Pleß, 23. Mai. Vor 11 Jahren verchwand im Dorfe Miedzug bei Pleß ein fünfjähriges Mädchen, die Tochter des Viertelbauers Johann Lukassek'schen Ehepaares daselbst. Alle Nachforschungen nach dem Kinde blieben erfolglos. Jetzt, nachdem die trostlosen Eltern seit langem verschieden sind, hat sich, wie der „Oberschl. Anz.“ berichtet, die Verschollene in der Heimat wieder aufgefunden. Das Mädchen hat harte Zeiten verlebt. Sie war damals von einer Landstreicherin geraubt worden, welche das arme Kind auf ihren Bettelfahrten durch Galizien mitschleppte, um so bei den Leuten das Mitleid zu erregen, und welche dasselbe oft hart mißhandelte. Endlich kam die Erlösungsstunde. Als nämlich im Februar d. Is. die Landstreicherin das Mädchen auf dem Markte in Tornow wiederum in unbarmherziger Weise schlug, schritt die Polizei ein. Die Landstreicherin wurde nach Feststellung des Thatbestandes verhaftet, das Mädchen aber nach der Heimat geschickt, in welcher es unter mancherlei Entbehrungen eintraf. Hier fand es das elterliche Haus sofort wieder auf und ist nun bei Verwandten untergebracht. * Es dürfte wohl selten vorkommen, daß ein Soldat die Wache samt dem Gewehr verläßt, sich ins Wirtshaus begibt, dort Stunden lang mit Kameraden im Wirtshaus kneipt, sich sogar betrinkt, ganz seine Pflichten vergißt und, hieran von einem Vorgesetzten erinnert, diesen mit Schlägen bedroht und Stöße mit dem Gewehr gegen die Brust versetzt. Daß alles das aber doch möglich ist, bewies ein heutiger Fall. Angeklagt war der Gemeine des 18. Inf.=Regiments(in Landau) Daniel Wadle von Münchweiler. Obwohl der Angeklagte von allen Vorkommnissen heute nichts mehr wissen will, wurde er denn doch für schuldig erkannt und zu 5 Jahren und 14 Tagen Gefängnis verurteilt. * In Kiew starb dieser Tage der ehemalige Millionär Ch., dessen Prozeßsucht die Ursache seines vollständigen Ruins wurde. Vor etwe austrinke, iniger Flaschen und war eine t zu Liegniz ren 5 Kindern sie sog. 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Wie mancher denkt so,„Prozeßiert muß alles kostet, kein rechtschaffner Bauer ohne Mülers Kater mit bisen Blick sehen, und Müllers Hahn bef einen vogennu gramndsches und Entgegenkommen würde viel Streit, viel Ein magerer Verdev, alseneit beser als ein seter Prozeh. * Eine ergötzliche Szene spielte sich dieser Berlin auf einer der größeren Wachstuben ab. Das„Intelligenz=Bl.“ erzählt Ein höherer Offizier betrat Stube, in welcher mehrere Toge in des Militärs darüber folgendes Soldaten, müde des anstrengenden Dienstes, etwas eingenickt waren. Als der Offizier eintrat, fuhren die Schläfer auf das Kommando„Achtung" erschreckt in die Höhe und griffen nach ihren Helmen. Dakei passierte es dem einen in der Schlaftrunkenheit, statt des Helmes eine Kaffeekanne zu ergreifen, die er unter erschwerenden Umständen auf dem Kopfe zu balancieren suchte, was die unbändigste Heiterkeit unter den Umstehenden und bei dem Offizier hervorrief. * Ein seltener Fall hat sich dieser Tage in Genua zugetragen. Dort wurden kürzlich zwei Herren mit Namen Curro, Vater und ——.— nuchdem Sohn, von ihrem Bedienten Orsini erschossen, nachdem sie denselben durch eine wohl allzu scharfe, aber nicht unverdiente Zurechtweisung erbittert hatten. Inzwischen ist das Testament des Vaters Curro eröffnet worden, und darin fand sich— ein Vermächtnis von 2000 Lire an„meinen treuen Diener" Michele Orsini. * New=York, 26. Mai. Eine Räuberbande hielt den Schnellzug der Missouri=Pacific= Bahn unweit St. Louis an, sprengte den Gepäckwagen mittels Dynamit und entwendete 4000 Dollars. * Chikago, 26. Mai. Die deutsche landwirtschaftliche Abteilung der Ausstellung ist gestern eröffnet worden. Besonderes Interesse erregt das von Gebr. Stollwerk in Köln ausgestellte Chokoladenmodell des Niederwald=Denkmals. * Von den Preisen, die auf der Weltausstellung in Chikago gefordert werden, berichten englische Blätter: Ein mit Schinken belegtes Butterbrötchen kostete 2 M.; für den Gebrauch eines Tellers, um dasselbe darauf zu legen, bezahlt man 65 Pfg. Ein Glas Lagerbier kostet 2 M. Ein Diner, das aus einem Gericht Fleisch mit Gemüse, Kaffee und etwas Dessert besteht, kann für die Summe von 12 M. erstanden werden. Es würde jedoch, wie noch bemerkt wird, nur Enttäuschung hervorrufen, falls man sich der Erwartung hingeben sollte, zu den genannten Preisen Erfrischungen in guter Qualität zu erhalten. * Ein Mitarbeiter des Pariser„Figaro“ hat auf dem Wege nach Chicago einen Besuch bei Edison, in dessen großen Werkstätten von Orange Park bei Neupark in New=Yerscy gemacht. Der berühmte Erfinder eröffnete ihm, daß er gegenwärtig an einem Instru: ment arbeite, welches für das Auge das sein solle, was sein Phonograph für das Ohr ist. Binnen spätestens 2 Jahren hoffe er, dasselbe der Welt vorzeigen zu können. Er giebt ihm den Namen„Kinetograph", was besagen soll, daß es für die Aufzeichnung der Bewegung bestimmt ist. Nan dürfe es nicht mit dem sog.„Telephote" verwechseln, der nur in der Einbildungskraft der Journalisten existiere.„Der Kinetograph“, sagte Edison, ist ebenso unentbehrlich wie der Phonograph; ich beschäftige mich nur mit nützlichen Dingen. Ich habe bereits lange gearbeitet, um das Mittel zur Wiedergabe des Lebens unter dem Blick zu finden. Um seine Erfindung klar zu machen, legte Edison dem Berichterstatter zunächst mehrere kleine graduierte Photographien vor, welche, 42 an der Zahl, binnen einer Sekunde aufgenommen worden. Er zeigte Akrobaten, deren kleinste Bewegungen sich so der Reihe nach darstellten, sowie die Photographie eines Mannes, dessen Silhouette in voller Bewegung mittels aufeinanderfolgender Aufnahmen von vier Seiten zugleich in 2760 Stellungen per Minute wiedergegeben wird.„Diese Photographien werden auf einen merkwürdig gegliederten Zylinder befestigt, der sich ungefähr wie der des Phonographen in Bewegung setzen läßt, sie bringen die menschliche Geberde mit dem ganzen Ausdruck des Lebens und der ganzen Lebendigkeit der Bewegung zur Anschauung.“ Man wird also künftig z. B. die Geberden und das Mienenspiel eines Schauspielers festhalten können. Edison ließ sodann seinen Apparat in Thätigkeit von einem Arbeiter vorzeigen. Er ist in einem Kasten eingeschlossen; durch eine Linse auf dem Deckel lict a us Innere.„Ichsehe hinein; der Zylinder Bewegung und vor meinem erstaunten Auge erscheint ein Tyroler Bauer, der vor seiner Hütte eiwa eine halbe Wien Tanz beginnt. Derselbe dauert E.###mute. Nichts fehlt an dieser über2 Weinbe, der a; die Baumgipfel bewegen sich Seien; man folgtu dreht und wendet sich nach allen suie ur Hütte und Sieng g. ener Kuler, seiner Gaste und urme. am Schlusse des Tanzes grüßt der kleine Tyroler lächelnd und zieht sich in seine Hütte zurück. Der Zylinder stellt seine Bebegung ein. Auf eine Bitte wird das Experiment mit it wiederholt; ich war außer mir kreisen ist meist erst in der litzt verlaufenen Woche die definitive Aufstellung der Kandidaten aller Partien bewirkt worden; allen Kandidaten ist es aber eine dringende Herzenssache, zu ihren Wählern enge Füllung zu gewinnen, wie sie nur allein den Sieg herbeiführen kann. In der Prophezeiung von Wahlergebnissen herrscht in diesem Jahre eine ganz außerordentliche Vorsicht, und diese erscheint nach dem bisherigen Wahlverlauf ganz gerechtferngt. Ein sehr starkes Gros der Wähler verhält sich immer noch recht reserviert, unter solchen Umständen ist es in der Tha: recht gewagt, die Haut des Bären zu verteilen, bevor der Bär selbst erlegt worden ist. * Schwerte, 29. Mai. Am Sonntag, den Juni, nachmittags 3½ Uhr, findet in Dortwund, Kühn'scher Saal, Wißstraße Nr. 17, ein nationalliberaler Parteitag für die Provinz Westfalen statt, worauf wir hiermit besonders aufm iksam machen. All m Anscheine nach wird der Besuch der Versammlung ein reger werden, da die große Bedeutung der bevorstehenWahl aller Interesse in Anspruch rimmt. Wir hegen die feste Hoffnung, daß auch von unserer Stadt und Umgegend der Parteitag recht zahlreich besucht werden wied. Um Störungen zu vermeiden, hat das WahlKomitee beschlessen, nur Parteigenossen zu dem Parteitag zu laden und daher Eintrittskarten zur Ver fügung gest Ut, die bei Herrn Rechtsanwalt Backhause. und Herrn W. Rath jr. hierselbst in Empfang genommen werden können. In Meschede=Olpe konkurrieren jetzt zwei klerikale Kandidaten, der Redakteur Fusangel in Bochum und ein Rechtsanwalt Scheele aus Arnsberg, beide als Gegner der Militärvorlage. Münster, 25. Mai. Die Landwirte, welche gestern die Versammlung der Z ntrums= Wahlmänner unter Protest verließen, veröff mlichten heute bereits ihr Programm, in welchem verlangt wird, daß die z1 wählenden Abgeordneten: 1. festhalten in allen reliatös=politi'chen und sozialen Fragen an dem altbewährten Programm des Zentrums; 2. eintreten für der Sckutz der produktiven Stände— des Bauernstandes, Handwerkerstandes und der kleinen Gewerbe— durch Ablehnung jeder Zoll rmäßigung unserer Produkte eintreten für Sperrung unserer Grenzen gegen Einfuhr von Vieh aus verseuchten Ländern, für Beschränkung des Börsenspiels mit den weatigstn Nahrungsmitteln, für internationale Regelung der Währungsfrage, fi Einführung des Befähigungsnachweises und obligasorischer Handwerker=Innungen, Besch änkung des Hausiererhandels, Einschränkung der Militär=Handwek= stellen und der Zuchthausarbeit; 3. eint#e##en für Vrminderung der drückenden Militärlasten durch Einführung zweijähriger Mikitärzeit. Schonung der älteren Landwehrmänner im Kriegsfall, Heranzehung dr Wohlhabenden, vom aktiven Dienst Befreiten zu einer ensprechenden Wehrsteuer; 4. eintreten für die Sicherstellung des Friedens durch die Erhaltung einer für die Verteidigung unserer Grenzen und den Schutz unseres Vaterlandes hinreichend starken Armee. Deshalb erwarten wir von unseren Abgeordneten, daß sie als freie Männer, entsprechend den alten bewährten Grundsätzen der Zentrumspartei, sich nicht durch Versp echen vor der Wahl binden und binden lessen, sondern si die freie Entscheidung darüber vorhehalten, was sie im Interesse des wahren Wohles des Vaterlandes für gut und zutreffend erachten. Eine zahlreich besuchte Vertrauensmänner=Versammlung der nationalen Parteien des Kreises Essen stellte Krupp als Kandidaten für den Reichétag auf. Wie in Neisse, so hat auch in Glatz der bekannte Frhr. v. Hüne, von konservativer Sette ausgestellt, die Antwort erteilt, er kandidiere nicht, werde aber, wenn gewählt, ein Mandat annehmen. In Aschaffenburg drangen bei einer Wahlversammlung der Zentrumspartet die Sozialdemokeater in den Saal des katholischen Gesellenhauses und wurden schließlich mit Gewalt daraus entfernt, wobei der Reichstagsabgeordnetc Pfarrer Haus einen Stockhieb über den Kopf erh'elt. Die Sozialdemokraten haben bereits in 316 Wahlkreisen Kandidaten aufgestellt.— Nach Zusammenstellung im Parteizentralbureau sind bisher 117 nationalliberale Reichstagskandidaturen aufgestellt ohne die Zählkandidaturen. Von den Kandidaten gehörten 27 dem aufgelösten Reichstage an. Todes-Anzeige.) Hofes=Verkauf. Es hat Gott dem Allmächtigen gefallen, am a Samstag morgen 6½ Uhr unser inniggeliebtes Töchterchen " Martha nach schwerem Leiden im 7. Lebensjahr zu sich in die Ewigkeit abzurufen. ∆ Verwandten und Bekann## t e n d i e s e T r a u e r n a c h r i c h t mit der Bitte um stille ( Teilnahme. 4 Schwerte, 29. Mai 1893. Aug. Graumann und Frau. Die Beerdiguug findet am Dienstag nachmittag g 3 Uhr statt. In der Nähe einer Industrie stadt ist ein Hof zur Größe von ca. 150 Morgen mit ausgezeichneten Ländereien und guten Gebäuden bei dem Unterzeichneten unter der Hand anzukaufen. Bedingungen sehr günstig. Lünen, den 27. Mai 1893. Ferd. Greve. Große Auswahl in empfiehlt Emil Aktfeld. Hagenerstraße 4. Toler Bekanntmachung. Zur Aufnahme der Gesuche um Entlassung von Soldaten nach zweijähriger Dienstzeit ist Termin auf Donnerstag, 8 Juni d. nachmittags, auf dem hiesigen Magistratsbureau anberaumt. Schwerte, 29 Mai 1893. Der Bürgermeister. Zur Wahlbewegung. Die Wahlbewegung für den Reichstag tritt nunmehr in ihr letztes Stadium, es sind nur noch zwei Wochen bis zum Vollzug der Neuwahlen. Diese zwei Wochen werden vor allen Dingen ausgefüllt werden die: Beder,ggige iseraus zahlreichen Wahlkandtihren Wahlkreisen. In großen Städten und engbegrenzten Wahlkreisen paven sich die Herren wohl schon ihren Wählern präsentiert, aber in den LandBekanntmachung. Folgende Grundstücke der Gemeinde Wandhofen a. Hütung am Kreimberge Flur 1 Nr 36, groß 56 Ar 67 □Meter; b. Grasnutzung an den Böschungen des Kommunal= Weges bei der Eisenbahn sollen am Mittwoch, 31. Mai d. nachmittags 5 Uhr, bei dem Wirt Deitert zu Wandhofen meistbietend auf 6 Jahre verpachtet werden. Westhofen, 26. Mai 1893. Der Amtmann: Rebber. In Aplerbeck, Königstraße 27, sind 1 Pferd, 1 Kuh, 1 Ackerwagen, 1 Karre, 1 Jauchekarre, 2 Pflüge, 1 Egge und andere Ackergerätschaften unter der Hand zu kaufen. Vorbereitungsanstalt für die Postgehülfen-Prüfung. Kiel, Ringstraße 55. Staatlich geprüst u. beaussichtigt. Sicherste und beste Vorbereitung. Bisher#•)04) meiner bestanden 1000 Schüler die Prüfung. 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Besonders in Süddeutschland und am Rhein haben die Saaten durch die Trockenheit gelitten; die Futterernte ist dort vielfach so gut wie verloren. Die ganze Küste und Ostdeutschland haben verhältnismäßig noch die günstigsten Ernteaussichten neben dem Königreich Sachsen, wo das Getreide Mitte dieses Monats noch sehr gut stand; in einzelnen Teilen Bayerns dürfte aach dem jetzigen Saatenstand auch noch eine gute Ernte zu erwarten sein. Der diesjährige Honig wird von Sachkennern als ein sehr edles Produkt bezeichnet. Viele Bienenzüchter haben bereits bei dem blütenreichen Lenz größere Mengen Honig geschleudert und durchweg ist derselbe sehr zähflüssig, hat wenig Wassergehalt und hat eine nie dagewesene Süßigkeit und hochseines Aroma und kandiert sehr leicht, schon nach wenigen Tagen. Die vorzügliche Qualität des Honigs ist wohl gerade eine Folge der Trockenheit. Der Preis beträgt+1,20 per Pfund. Schüttet das Seifenwasser nicht weg Wenige Leute wissen, daß gewöhnliches Seifenwasser, als Düngemittel benutzt, von großem Wert ist. Weinstöcke, Obstbäume 2c. zeigen eine überraschend schnelle und kräftige Entwickelung. Wer einen Garten besitzt, sollte Seifenwasser niemals nutzlos weggießen lassen. Neue Blumentöpfe muß man, ehe man sie gebraucht, ein paar Tage in Wasser legen. Gleich gebraucht, ziehen sie alles Wasser an sich, wodurch trockene Erdballen entsteheu, und wenn es Pflanzen sind, die leicht Wurzeln fassen, verbrennen die zarten Wurzeln. Die Folge davon ist eine kranke Pflanze. Westenhellweg Nr. 2: Westenhellweg Nr. 2: Doert Boschmann. Empfehle mein großes Lager in Juwelen, Gold, Silber, Türkis, Granat, Korall= schmuck 2c., Silber= und Alfenidewaren. herren- und Damenuhren. Neuarbeiten und Reparaturen besorge gut und billigst. Wohne jetzt be nicht mehr Brückstraße 1, sondern in meinem neuerbauten Hause### Westenhellweg 2, meiner früheren Wohnung gegenüber. 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Bergmann Friedrich Hagedorn zu Lamberg. Landwirt Carl Buse zu Garenfeld. Fabrikarbeiter Wilhelm Baeßel zu Sommerberg. Maurermeister Wilhelm Thiemann zu Lamberg. Bergmann Julius Rosenberg zu Lichtendorf. Fabrikarbeiter Heinrich Roth zu Villigst. 1 Tochter: Kaufmann Otto Davidis zu Westhofen. Dienstmagd Karoline Knapp zu Geiseck:. Fabrikarbeiter Augun Brandies zu Wanne. Hülfs=Rangiermeister Friedr. Hövelmann zu Wandhofen. Bergmann Wilhelm Röhr zu Syburg. Steinhauer Heinrich Degener zu Wanne. Schneidermeister Louis Goedecke zu Westhosen. Fabrikarbeiter Ernst Rothstein zu Holzen. Fabrikarbeiter Wilhelm Pütter zu Wandhofen. Sterbefälle: August Wilhelm Fahle zu Holzen 1 J. 4 M. 4 Tg. alt. Friedrich Dreier zu Lamberg 1 J. 7 M. 7 Tage alt. Friedrich Withelm Rademacher zu Lamberg 7 M. 15 T. alt. Friedrich Neveligg zu Westhofen 2 J. 1 M. 18 Tage alt. Tagelöhner Heinrich Tönnies gt. Schmidt zu Garenseld 38 J. 1 M. 29 T. alt. Stellmaher Curl Schweizer zu Westhofen 54 J. 8 M. 25 T. alt. Witwe Anna Maria Clemens geb. Brein at. Falkenberg zu Syburg 83 J. 5 M. 6 T. alt. Dienstmädchen Amalie Adele Schramm zu Garenfeld 18 J. 5 M. 28 T. alt. Friedrich Wilhelm Dickhut zu Kahlenberg 2 M. 19 T. alt. Schuhmachermeister Diedrich Schulte zu Westhofen 45 J. 7 M. 5 T. alt. Schenkwir: Friedrich Carl Christian Eichmann zu Geisecke 51 J. 7 N. 4 T. at." a Lp aix. ea Eheschließungen: Ackerknecht Jochim Lüth zu Villigst mit Tagelöhnerin Caroline Börsting zu Westheide. Landwirt Heinrich Crämer zu Ergste mit Witwe Landwirt Friedr. Borgmann, Wilhelmine geb. Heyder zu Westhofen. Bergmann August Fiene zu Sommerberg mit Dienstmädchen Caroline Luthe aus Altenderne=Niederbecker. Bergmann Heinrich Korfmann gt. Kramberg zu Syburg mit Dienstmädchen Wilhelmine Thiemann aus Ende. Steinbrecher Heinrich Fingerhuth zu Westhofen mit Näherin Maria Fingerbut daselbst. Weimar=Tose, zwei Ziehungen, nächste#### 15—17. Juni, Lose zu beiden Ziehungen 1 Mark. Pomm. Silber-Cotterie, Ziehung unwiderruflich d## 6. und 7. Juli, Lose à 1 Mark empfehlen Geschw. Ibert. Dritte Freiburger Geld-Lotterie. Ziehung am 8. und 9. Juni 1893. 3234 Gewinne- Mark 215000 ohne Abzug zahlbar. 1* Hauptgew. 50000 Mark. Mit deutschem Reichsstemgel versehene Original-Lose à 3 M. Porto und Gewinnliste 30 4, empfiehlt und versendet auf Wunsch auch unter Nachnahme. Carl Heintze, General-Debit, Berlin W. Unter den Linden 3. Lose sind zu haben bei Gustav Kleingarn, Hüsingstraße Nr. 4. Wonnen Bobhnenstangen bei Hassenpflug, Aplerbeck. Dausagung, Seit langer Zeit litt ich an Brustund Rückenschmerzen. Des Morgens, wenn ich aufwachte war ich ganz beklommen auf der Brust und mußte auswerfen und husten. Die Rückenschmerzen spürte ich hauptsächlich zwischen den Schulterblättern. Als ich nirgends Hülfe finden konnte, wandte ich mich endlich an den homöopathischen Arzt Herrn Dr. med. Hope in Hannover, der mich in wenigen Wochen völlig heilte. wofür ich meinen Dank hierdurch öffentlich ausspreche. (gez.) E,. Sturm, Alsdorf, Kr. Nachen. Kirschen. weiße K 35 Pf., schwarze# 25 Pf. Schellsisch, groß, a 20 Pf. empfiehlt F. A. Haape. Resandmahgang. Die Neuwahl der Abgeordneten für den Reichstag ist auf Donnerstag, den 15. Juni dieses Jahres, anberaumt. Die Wahlhandlung beginnt vormittags um 10 Uhr und wird um 6 Uhr nachmittags geFür den Stadt= und Landkreis Dortmund und den Kreis Hörde ist ein Abgeordneter zu wählen., J1.V. Trhadteu— Etimmeates Das Wahlrecht wird in Person mittels verdeckter Stimmzettel ausgeübt. Letztere müssen von weißem Papier sein und dürfen keine äußeren Kennzeichen haben. Die Stimmzettel sind außerhalb des Wahllokals mit dem Namen des Kandidaten, welchem der Wähler seine Stimme geben will, auszufüllen. Indem ich das Verzeichnis der Wahlbezirke hiesigen Amts nachstehend veröffentliche, werden die Wähler zum Wahltermine hiermit eingeladen. Westhofen, den 27. Mai 1893.. Der Amtmann Rebber. Verzeichnis der Wahlbezirte: Namen und Stand der Wahlvorsteher. Stellvertreter Wahllokal. Rebber, Amtmann Kötter, Gemeindevorsteher. Weißmann, Friedr., Steinbruchbesitzer. Dieckerhoff, Gemeindevorsteher. Spaemann, Gemeindevorsteher. Mettegang, Eugen, Kaufmann Schulte=Lennings, Fr., Gutsbesitzer. Drücke, Lehrer. Rasche, Friedrich, Oekonom. Gockel, Christian, Oekonom. Neue Schule in Westhofen. Schule zu Holzen. Schule in Syburg. Schule zu Eichholz. Schule in Gelsicke. ce Seche Neuheiten, in besonders feiner, großartiger Ausführung und zu Gelegenheitsgeschenken CCHHHHCHHHHHHHHHHHGG 5 Tapeten=Reste 0 5 zu bedeutend herabgesetzten Preisen. □ 9 Hoffmeister, Schwerte. Medizinischen Tokayer, sowie andere ungarische Medizinal=Weine, vorzügliche Stärkungsmittel für Kranke, empfiehlt zu den billigsten Preisen Julius Boecker, Bahnhofstraße. 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Redaktion, Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Brandkäthe. (Fortsetzung.) Die Gläser wurden von Neuem vollgeschenkt, und ich sann nach, wie ich mich der unangenehmen Aufforderung entziehen könne; es war mir wahrlich nicht darnach zu Mute, jetzt in einer lustigen Rede die Veranlassung dieses Festes zu feiern. Meiner Verlegenheit wurde ich entrissen durch den Eintritt einiger junger Butschen, die sich verkleidet hatten und ein lustiges, derbes Stückchen aufführten. Das schien denn auch der Toni so große Freude zu machen, daß ihre trübe Stimmung bald wieder verflog und sie in kurzem am lautesten lachte und kreischte bei den Scherzen der jungen Leute. Auch Hermann war munterer geworden, er stieß lachend mit mir an, doch schien es mir, als ob seine Heiterkeit eine erzwungene sei und er besonders mir gegenüber sich Mühe gäbe, fröhlich zu erscheinen Der Müller schlug ein übers andere Mal in lautem Freudenausbruch auf den Tisch, auch die Augen der dicken Müllerin glänzten vor Vergnügen. Lachend trat der Müllerbursch ins Zimmer, der vorhin mit seinem Herrn hinausgegangen war. „Die Eul' hab ich geseh'n, Meister, aber fangen konnt' ich sie nicht, sie war fort wie der Wind, wenn sie auch nicht fliegen thät, sondern laufen.“ „Laufen?" fragte der Müller erstaunt,„war's denn so'nen dummen Fratz aus dem Dorf, der sein Pläsir d'ran hat, daß er uns hier'nen Schabernack anthät?“ „Nein, von den Jungens aus dem Dorf war's keiner, aber die Brandkäth' war's! Die hat wohl schon lang hier draußen vor dem Fenster gestanden und hineingeguckt. Die alte Annelies hat sie auch geseh'n, die hat das Fenster aufgemacht, weil es drinnen so heiß gewesen ist, da hat die Käth' am Baum gestanden; ich bin ihr schnell nachgelaufen und hab mir gemerkt, wie sie ins Dorf ging nach dem Reinbergshof zu, sie muß mich wohl gehört haben, denn auf einmal hat sie sich umgedreht und dann war sie weg und ich sah nichts mehr von ihr.“ „Was hat die hier zu stehen und ums Haus herum zu lungern!“ rief der Müller erbost. Gutes hat sie sicher nicht im Sinn gehabt, na, laßt sie nur laufen!" Nun, Herr Lehrer, laßt Eure Red' mal los, ich hab' es wohl gemerkt, daß Ihr darüber studiertet; aber was Lustiges muß es sein, nicht so was Nachdenkliches, daß die Toni mir wieder verdrießlich wird.“ Ich wußte im Augenblick nicht, was ich entgegnen sollte, da plötzlich ward die Thür aufgerissen, ein Knecht von Reinbergshof erschien auf der Schwelle, mit zerstörtem Gesicht schrie er ins Zimmer hinein: „Es brennt! Auf dem Reinbergshof brennt's!" Wie ein Donnerschlag fiel die Kunde in den lauten, lustigen Kreis der Gäste. Wir sprangen auf, allen voran Hermann. Der Knecht wurde mit Frageu bestürmt, wo und wann das Feuer ausgebrochen sei. „Hinter dem Haus, in den Scheunen. Alles steht schon in Flammen, und Herrn Sallerts Haus fängt auch bald an zu brennen!“ In Eile brachen alle auf nach der Brandstätte. Hermann sah ich nicht mehr, er mußte schon weit den anderen vorausgeeilt sein. Geschrei und Läimen im Dorfe kündigten schon von ferne an, daß man auch dort das Feuer bemerkt. Auch die Brandglocke läutete, und die Spritzen rasselten auf der Straße dahin. Roter Feuerschein erhellte den nächtlichen Himmel und der Rauch wallte in glühenden Wogen hoch über die Dächer des Dorfes. Viele Hände waren schon in eifriger Thätigkeit beim Löschen, als wir ankamen. Das Dach des Wohnhauses, das schon Funken gefangen hatte, wurde abgedeckt, auf der First saß, den Oberkörper nur mit dem Hemde bekleidet, eine kräftige Männergestalt. Mit dem Beil in der Hand arbeitete er, von Flammen und Funken umsprüht, an der Wegräumung des Daches. „Wer ist das dort oben?" fragte ich ein junges Mädchen, die mit totblassem Gesicht und gefaltenen Händen unverwandt in die Höhe starrte nach dem Kühnen, der dort so todesverachtend auf seinem gefährlichen Posten aushielt. „Kennen Sie ihn denn nicht?“ sagte sie, sich mir zuwendend; ich erkannte Marie.„Das ist ja der Bernhard! Ach wenn er nur nicht herunterfällt und ihn das Feuer nicht ergreift! Er wagt alles!“ Krachend stürzten Gebälk und Sparren hernieder; Staub und Rauch wirbelten auf. Als sich derselbe etwas verzogen, war der junge Mann droben verschwunden. „Er ist nicht mehr da, er hat ein Unglück gehabt, schrie Marie verzweiflungsvoll. Ich suchte sie zu beruhigen, der Bernhard werde wohl hinunter gestiegen sein, ehe das Dach zusammengebrochen sei. Sie aber hörte nicht auf mich, sondern eilte fort. „O. Herr Lehrer, mein Sohn, mein Bernhard: er ist noch oben gewesen, als das Dach herunterstürzte, und nun ist er nicht mehr da und hier unten findet ihn keiner, er liegt dort begraben!" sagte Peter Bordmann jammernd, indes ihm die hellen Thränen über seine gefurchten Wangen liefen. „Verzagen Sie noch nicht, Herr Bordmann. Er mag sich doch noch gerettet haben,“ entgegnete ich erschüttert, indes ich einigen Männern half, mit dem Feuerhaken das glimmende Gebälk aus. einander zu ziehen. Wo aber war Hermann? Ich hatte ihn noch nicht gesehen an der Brandstätte. Da, da kam er gerade aus der Thür, mit Klärchens Hülfe seine Mutter stützend und führend, die wie geistesverwirrt bishei nicht zu bewegen gewesen war, die Lagerräume zu verlassen, zu denen sie geeilt war, als in den Hintergebäuden der Brand ausbrach. „Sie hatte sich zuerst eingeschlossen und ist hin= und hergelaufen wie toll, kein Mensch hat gewußt, was sie drin gethan hat", berichtete der Knecht;„und jetzt, wie der Hermann gekommen ist, hat er die Thür mit der Axt aufgeschlagen und seine Mutter herausgeholt.“ Hermann geleitete seine Mutter in das Haus, während Klärchen lauschend stehen blieb und plötzlich erschrocken ausrief: „Hört Ihr's nicht? Der Herr Sallert ruft um Hülfe.“ Und wirklich, durch all' das Getöse hindurch hallten aus dem still und dunkel doliegenden Hause Sallerts gellende Hülferufe. Konrad, der bei den Spritzen thätig gewesen, trat hastig herzu. „Ich will hin! Sei ruhig, Klärchen“, sagte er. „Aber Konrad,— es wird Dir doch wohl nichts geschehen, wer weiß, was es ist! Geh' doch nicht allein!“ bat das Mädchen. „Sei nicht bang um mich, Lieb!“ entgegnete er leise, indem er ihr zunickte und warm in die Augen schaute. Dann eilte er fort, der fest verschlossenen Hausthür Sallerts zu. Ich folgte ihm, um ihm nötigenfalls Beistand zu leisten. Die Hülferufe kamen aus dem Schlafzimmer Sallerts. Es war nicht möglich, mit einer Leiter in das Haus zu gelangen, da die Fenster sämtlich durch schwere Eisenstäbe gegen jedes Eindringen von außen verwahrt waren. Endlich wich die Thür unseren vereinten Anstrengungen. Wir betraten den Flur. „Bleiben Sie unten, Herr Lehrer, Sie wissen kein Bescheid in dem Hause!" rief mir Konrad zu und war in ein paar Sätzen die schmale, dunkle Treppe hinaufgeeilt. Ein Stampfen, Poltern und Scharren entstand dort oben, ein unterdrückter Schrei, dann stürzte ein Mann, den ich im ersten Augenblick für Herrn Sallert hielt, die Treppe herab und eilte, sich schnell aufraffend, durch die Hinterthür ins Freie. Doch Herr Sallert konnte es nicht gewesen sein, denn nun hörte ich droben dessen Stimme. Unterdrückt und schluchzend klang's, was er sprach, und als ich hinaufging, sah ich im Flammenschein, der von drüben hereinfallend das Gemach mit roter Dämmerung hüllte, wie er sich bebend und zitternd an Konrad klammerte. „Konrad, Du hast mir das Leben gerettet! ohne Dich hätte der schändliche Mörder mich getötet!“ sagte er mit schwacher Stimme. „Was ist's mit ihm?" fragte ich den jungen Mann,„ist Herr Sallert überfallen worden?" „Ja, ein Mensch, den ich in der Dunkelheit nicht erkannte, rang mit ihm und versuchte ihn zu würgen, er muß sich durch die Hinterthür, welche die Magd, als sie bei dem Feuerlärm hinauseilte, offen gelassen hat, hier eingeschlichen haben; jedenfalls hat er stehlen wollen,“ entgegnete Konrad. „Aber nun müssen wir eilen, Herr Sallert, Sie müssen das Haus verlassen, es ist vom Feuer gefährdet.“ Willenlos ließ sich Sallert fortführen, die Angst, der plötzliche Schreck hatten die Kraft des Mannes gebrochen. Da drangen auch schon die Leute ein, um das Hausgerät aus der gefährdeten Wohnung zu räumen. Sallert ließ sie gleichgültig gewähren, was er unter anderen Umständen gewiß nicht gethan haben würde. Als ich über den Hof ging, war mir's, als vernähme ich wieder einen Hülferuf, diesmal von einer weiblichen Stimme; aus dem Sallert'schen Garten her kam's. Ich ging der Stelle zu. Da hörte ich's deutlicher: „Hülfe! Hülfe! Helft dem Bernhard!" tönte es angstvoll herauf von dem Ufer des nicht sehr großen, aber tiefen Teiches, der an den Garten stieß. Und als ich näher eilte und den Uferabhang hinabspähte, sah ich eine weibliche Gestalt, die, halb im Wasser stehend, mit dem einen Arm einen Weidenstumpf umklammerte, während die andere krampfhaft den Oberkörper eines anscheinend leblosen Mannes hielt und ihn dadurch vor dem gänzlichen Untersinken bewahrte. „Sind Sie es, Marie und Bernhard? Beim Himmel, wie kommen Sie hierher?“ rief ich erstaunt, indes ich so schnell als möglich Hülfe leistete. „O, Herr Lehrer, es ist ein Glück, daß Sie kommen, ich kann ihn nicht mehr halten!“ „Er ist doch nicht tot?“ „Ich weiß es nicht, helfen Sie nur ihn heraufbringen.“ Unseren vereinten Anstrengungen gelang es, den Leblosen über die gemauerten Treppenstufen in den Garten zu bringen. „Bernhard ist nicht tot, er ist nur ohnmächtig, sagte ich, indes wir ihn auf den Rasen niederließen. Unterdessen waren auch andere herzugeeilt, die gleich mir den Hülferuf vernommen haben mochten. Bernhard kam wieder zu sich, war jedoch zu erschöpft, um reden zu können. An seinem Hinterkopfe zeigte sich einr tiefe, blutende Wunde. „Aber wie ist's gekommen?" fragte ich. Marie erzählte:„Grade vorher, als das Dach zusammenbrach, war er herabgestiegen, und weil er sich arg verbrannt hatte, wollte er hier ans Wasser gehen und sich's ein wenig kühlen. Ich traf ihn hinter dem Hause und ging mit ihm, weil ich ihm helfen wollte. Wie wir hier in den Garten kamen, begegnete uns ein Mensch, der kam so schnell gelaufen, daß wir sein Gesicht nicht recht erkennen konnten, er sah aber aus wie einer, der was Böses gethan hat, so verdächtig und scheu. Bernhard wollte ihn genauer ansehen, da stieß der Mensch ihn mit der Faust vor die Brust, so sehr, daß Bernhard rücklings hinunter fiel und mit dem Kopfe auf die harten, gemauerten Stufen schlug. Ehe ich hinunter kam, war er schon in's Wasser geglitten, ich wollte ihn herausholen, war aber nicht stark genug und konnte nur seinen Kopf und seine Brust in die Höhe halten. Mit dem einen Arm hielt ich mich an der Weide fest, weil der Boden so schlüpfrig war.“ Bordmann, der zuerst in seiner Verzweiflung nicht hatte glauben wollen, daß sein Sohn wirklich gerettet sei, eilte herzu und umarmte Bernhard und uns nach der Reihe, sogar Marie, als ich ihm sagte, daß er nur dieser das Leben seines Sohnes zu danken habe, der aber hatte sich in der frischen Luft bald wieder erholt. Die Verletzungen, die er davon getragen, erwiesen sich als ungefährlich. Er dankte uns und drückte innig Mariens beide Hände. Das Mädchen sah ihn glückselich an, nickte ihm lächelnd zu und wandte sich dann errötend ab. Sie wollte sich entfernen, als sie des alten Bordmanns Blick mit seltsamen Ausdruck auf sich gerichtet sah. „Geh' nicht fort, Marie, brauchst Dich nicht zu schämen!“ sagte der Bauer.„Was Du dem Bernhard gethan hast, vergess' ich Dir nicht, Du gehörst jetzt zu uns!“ Es gelang inzwischen, des Feuers Herr zu werden. Das Sallertsche Wohnhaus, die Hintergebäude und Lagerräume Reinbergs waren niedergebrannt, das schöne Wohnhaus dagegen fast ganz verschont geblieben. Mit aller Gewalt, in höchster Aufregung wie unsinnig verlangte Frau Reinberg immer wieder, daß man sie an die Brandstätte lasse, sie habe dort etwas verloren, was sie suchen müsse, beteuerte sie stets von Neuem. „Die Frau ist übergeschnappt, der Schrecken hat ihr die Sinne benommen,“ sagte Frau Bell kopfschüttelnd. Und es schien wirklich so. Als man endlich ihrem Verlangen nachgab, umkreiste Frau Reinberg wie irr die von glimmendem Schutt bedeckte Stätte, sie hätte sich hinein gestürzt, wären nicht die Umstehenden herzugesprungen, um sie abzuhalten, endlich brach sie ohnmächtig zusammen und mußte hinweggetragen werden. „Wie ist das Feuer entstanden?" fragte ich. „Wissen Sie's denn noch nicht, die Brandkäthe hat's angelegt, eben ist sie gehohlt worden.“ „Geholt worden, wohin?" fragte ich tötlich erschrocken. „Ei nun, ins Gefängnis," antwortete einer aus der Menge,„haben Sie denn nicht eben den Auflauf gesehen und gehört?“ Wohl hatte ich ein plötzliches Gemurmel, ein Rufen und Schreien vernommen, doch war meine Aufmerksamkeit von den Vorgängen während des Brandes zu sehr in Anspruch genommen, als daß sich weiter darauf geachtet hätte. „Ja sie hat's gethan. Der Jörg vom Buchenhof hat's gesehen, wie sie einen Feuerbrand in der Hand gehabt. Sie hat ihn schnell austreten wollen, aber es ist doch zu spät gewesen!“ Ich konnt' es nicht fassen und glauben, Käthe eine Brandstifterin! Und doch, konnte es nicht eine That der Rache sein? Wieder erhob sich lärmendes Geschrei zorniger Stimmen und ein Hause von Weibern, Männern und Kindern drängte herzu, in ihrer Mitte Käthe. Des Mädchens Gesicht war weiß und kalt, die Augen leuchteten und glühten, doch sie blieb stumm auf all die Anklagen und Verwünschungen, die gegen sie geschleudert wurden. Eine seltsame, starre Ruhe schien über sie gekommen zu sein; war’s Verzweiflung? Hatte sie vielleicht in überquellendem Schmerze, einem wild leidenschaftlichen Zuge folgend, die That verübt und, da sie jetzt keinen Ausweg mehr sah, in stumpfer Ergebung ihr Los auf sich genommen? Ich eilte hinzu. „Käthe, um Gottes willen, reden Sie, sagen Sie doch nur ein einzig Wort, haben Sie's gethan?“ Sie schaute zu mir auf, und eine heiße, tiefe Angst lag in dem brennenden Blick ihrer großen, dunklen Augen. Es war, als ob sie erbebe in innerem Kampfe, sie schien sprechen zu wollen, ihre Lippen öffneten sich und ein erlösendes Wort wollte sich über dieselben drängen, doch sie zwang es zurück, preßte die Lippen zusammen und wandte sich schnell ab. In diesem Augenblick trat auch Hermann herzu. Befremdetruhten seine Blicke auf der lärmenden Gruppe. „Hier, Herr Reinberg, hier ist das Frauenzimmer, welches das Feuer bei Ihnen angelegt hat!“ sagte der Polizeidiener Hörning mit wichtiger Amtsmiene, augenscheinlich nicht wenig stolz darauf, als Vertreter des Gesetzes die Thäterin schon so bald gefaßt zu haben.(Forts. folgt.) * Der größte Drachen, welcher jemals aufgestiegen ist, wurde nach einem Berichte des Berliner Patentbureaus Gerson& Sachse in Dudley Hill in den Vereinigten Staaten erbaut und war, da der bei mäßigem Winde ausgeübte Zug zwischen 80 und 120 Kilo schwankte, ausreichend, um eine Person für Beobachtungszwecke nach oben zu tragen. Selbstredend konnte man diesen nahezu 7 Meter hohen Drachen nicht wie sonst übl aus der Hand steigen lassen, sondern muf sich einer mit dem Erdboden verbunden Winde bedienen, um die 6 Millimeter sta Schnur nachzulassen und anzuziehen. 2 Gestalt war die eines Sechsecks. Das samte Gewicht betrug 25 Kilo. Der a Baumwollkugeln gebildete Schwanz von Meter Länge wog allein 5 Kilogramm. * Eine seltsame Wette ist ein Pariser nalist Lardeur eingegangen. Er will näm von Paris nach Chicago zu Fuß wande Lardeur beabsichtigt am 1. Juli Paris zu r lassen, über Wien, Moskau, den Ural n Sibirien zu gehen, die Meerenge von Behr auf dem Eise zu durchqueren und über Al ka und Canada nach Chicago zu gelangen. Arbeit, edle Himmelsgabe. Arbeit, edle Himmelsgabe, Zu der Menschen Heil erkoren, Nie bleibt ohne Trost und Labe, Wer sich deinem Dienst geschworen; Dir entspringt der Weisen Habe, Und dich meiden nur die Thoren; Ungestützt von deinem Stabe, Ach, wie oft war ich verloren! Laß mich, edle Himmelsgabe, Treu dir bleiben bis zum Grabe! Das eigentliche Kindesalter hat sein eigenes A von Entwickelung; wird hierin etwas versäumt, so es schwerer nachzuholen, als es zu rechter Zeit zu werben gewesen wäre und leicht geht das Gleichgen für das ganze Leben verloren. Nichts ist des wichtiger, als wenn wir von frühester Jugend an Gesundheit unserer Kinder pflegen und namentlich so wichtigen Kapitel der Hautpflege unsere Aufm somkeit zuwenden. Insbesondere im Kindesalter den eine große Anzahl von Leiden ihren Einzug den Körper. Den wirksamsten Schutz gegen das( dringen der solche Leiden verursachenden Bakte bildet das natürliche Hautfett, das mit Lanolin it tisch ist, und es folgt daraus, daß nichts in der derstube mehr anzuraten ist, als die Anwendung Lanolins. Man verwendet zu solchem Zwecke besten das in fast allen Apotheken und Droge käufliche Lanolin, Toilette=Cream=Lanol das von den Aerzten auch allgemein für kleit Hauterkrankungen der Erwachsenen empfohlen wirk Durch nichts werden ansteckende Krankheiten u gefördert, die Gesundheit des Menschen in größe Maße gefährdet, als durch Unsauberkeit am Kör Unreinlichkeit in den Wohnungen. Auf das er wird von Aerzten großes Gewicht gelegt, währ man die andere Haupterfordernis für das mensch Wohl oft außer Acht läßt. Der Ort, in dem sich Mensch den größten Teil des Tages aufhält, de Luft er stundenlang einatmet, muß peinlich, sa und staubfrei sein. Nie wird einem dies bei ur strichenen Länden und Decken, bei rohen Dielen n lich sein, weshalb jeder das Bestreben haben u für einen Anstrich derselben Sorge zu tragen. besonderen sind es die Fußböden, die man oft mangel gestrichen oder völlig abgetreten vorfindet. Man! nicht genug darauf hinweisen, daß, abgesehen von ansprechenden und freundlichen Eindruck, den ein gestrichener und lackierter Fußboden einer Wohn verleiht, dieser auch für die Gesundheit des Mens im höchsten Grade förderlich ist. Als unübertre in dieser Beziehung hat sich stets Müller& Man Bernsteinfussbodenlackfarbe erwiesen, deshalb in keinem Haushalt fehlen sollte. Dieselbe soviel wir wissen, auch in hiesigen Handlungen und 1/ kg Büchsen käuflich. 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