AU* „ Gh Kreisslart für den Kreis Gorke. ents=Preis pro Quartal 1 Mark 50 Pfg. *b zage, Donnerstags und Samstags. Erschem Denslos=,Ilustrier Familienfre und.“ Bschatiche Gratichattt: gattnet Nr. 61. Insertionsgebühr für die sechsspaltige Zeile oder deren Rarm 10 Lse außerhalb des Leserkreises 15 Pfg.; Reklamen 30 Pig Redaktion, Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Schwerte, Samstag, 27. Mai 1893. 25. Jahrgang. Amtliche Bekanntmachungen. Bekanntmachung, en Ankauf von Remonten für 1893 betreffend. (Regierungsbezirk Arnsberg) Zum Ankauf: von Remonten im Alter von drei uerd ausnahmsweise vier Jahren ist im Bereiche des Regierungsbezirkes Arnsberg für dieses Jahr nachstehender, morgens 9 Uhr beginnender Markt anberaumt worden, und zwar: an 16. August, Unna. Die von der Remonte=Ankaufs=Kommission erkauften Pferde werden zur Stelle abgenommen und sofort gegen Quitung bar bezahlt. Pferde mit solchen Fehlern, welche nach den Bandesgesetzen den Kauf rüggängig machen, sind vom Verkäufer gegen E stattung des Kaufpreises und der Unkosten zurückzun hmen, ebenso Krippensetzer und Klophengste, welche sich in den ersten zehn bezw. achtundzwanzig Tagen nach Einlieferung in den Depots als solche erweisen. Pferde, welche den Verkäufern nicht eigentümlich gehören, ober durch einen nicht legitimierten Bevollmächtigten der Kommission vorgestellt werden, sind vom Kauf ausgeschlossen. Die Verkäufer sind verpflichtet, jedem verkauften Pferde eine neue starke rindlederne Trense mit starkem Gebiß und eine neue Kopfhalfter von Leder oder Hauf mit 2 mindestens zwei Meter langen Stricken ohne besondere Vergütung mitzugeben. Um die Abstammung der vorgeführten Pferde feststellen zu können, sind die Deckscheine resp. Füllenscheine mitzubringen, auch werden die Verkäufer ersucht, die Schweife der Pferde nicht zu koupieren oder Abermäßig zu verkürzen. Ferner ist es dringend erwünscht, baß ein zu massiger oder zu weicher Futterzustand bei den zum Verkauf zu stellenden Remonten nicht stattfindet, weil dadurch die in den Remontedepots vorkommenden Krankheiten sihr viel ichwerer zu überstehen sind, als dies bei ration l und nicht übermäßig gefutterten Remonten der Fall ist Die auf den Märkten vorzustellenden Remonten müssen daher in solcher Verfassung sein. daß si; durch mangethafte Ernährung nicht gelitten haben und bei der Musterung ihrem Alter entsprechend in Knochen und Muskulatur ausgebildet sind. Berlin, den 25. Februar 1893. Kriegsministerium. Remontierungs=Abteilung. Hoffmann=Scholtz. Bekanntmachung. Die Auszüge aus der Beutrarsheberolle der west fälischen landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft für die Gemeinden des Amtsb zirks Aplerb ck für das Betriebsjahr 1892, sowie die Tabellen über den Beitragszuschlag liegen vom 1. Juni d. Is ab 2 Wochen lang bei den Herren Gemeidevorstehern zur Einsicht off n. Gan die Beitragsberechnung kann binnen einer weieren Frist von 2 Wochen bei dem Sektionsvorst inde der Westfälischen landwirtschaftlichen Berufsgenessensch ift zu Hörde Einspruch erhoben werden. Aple beck, den 23. Mai 1893. Die Polizeiverwaltung: Gutjahr. Deutsches Reich. Der vom Kaiser gelegentlich seines Besuches in Rom zu den Frühjahrsparaden eingeladene Prinz Viktor von Italien, Graf von Turin, wird in der nächsten Woche eintreffen und im Neuen Palais bei den Majestäten Wohnung nehmen. Der Graf von Turin, geboren am 24. November 1870, ist der zweite Sohn des am 18. Januar 1890 verstorbenen Prinzen Amadeus, des Bruders des Königs Humbert und der gleichfalls verstorbenen Prinzessin Maria. Die feierliche Beisetzung des Fürsten Georg Viktor zu Waldeck ist am Dienstag unter großartiger Beteiligung der Bevölkerung in Rhoden erfolgt. Der Schwiegersohn des Verstorbenen, der König Wilhelm von Württemberg, der Schwager, Großherzog Adolf von Luxemburg, und viele andere Fürstlichkeiten waren anwesend. Die Wahlbewegung kommt immer mehr in Gang. Die Luft schwirrt von Wahlaufrufen und die Zeitungen haben kaum Platz genug, um über die Wählerversammlungen hin und her zu berichten. Fast jeder Tag zeigt ein neues Fähnlein von irgend einem neuen Parteilein; das Bild wird immer scheckiger. Wie hitzig der Wahlkampf werden wird, kann man sich darnach ausmalen. Am eifrigsten sind wieder die Sozialdemokraten beim Zeug, sie haben bereits gegen 200 Kandidaten aufgestellt. Wir glauben trotzdem nicht, daß sie große Eroberungen machen werden. Die schönen Träume vom Zukunftsstaat erblassen allmählich vor dem nüchternen Blick unserer Arbeiter, die nach Thaten suchen und nicht nach flunkernden Redensarten. Den Börsenleuten aber ist mit einem Male der Schreck in die Glieder gefahren. Sie begeistern sich plötzlich für die Armeevermehrung und bieten mit vollen Händen ihr Geld feil zur Herstellung einer Mehrheit für die Militärvorlage. Das wäre an sich recht gut, wenn der neue Reichstag nichts auderes zu thun hätte, als die Militärvorlage anzunehmen. Aber das ist nicht der Fall, denn er wird für fünf Jahre gewählt, und die Börse will sich nur eine Mehrheit im Reichstage sichern. Inzwischen fängt man allmählich an, sich den Kopf zu zerbrechen über die Mittel zur Deckung der Militärvorlage. Der Landwirtschaft, wie ursprünglich geplant, wieder die Hauptlast aufzubürden, hat man angesichts der energischen Opposition aus den bäuerlichen Kreisen bei der Regierung aufgegeben. Die Inseraten= und Luxussteuer, welche vielfach vorgeschlagen worden, werden schließlich nicht viel einbringen. Auch die Wehrsteuer nicht, denn in Folge der neuen Armeevermehrung werden nicht viele mehr übrig bleiben, welche vom Militärdienste frei bleiben und deshalb zur Wehrsteuer herangezogen werden könnten. Will man Steuern, die viel einbringen, und solche sind nötig, so muß man sie dahin legen, wo das Geld in Masse liegt— auf die Börse, oder muß sie der großen Volksmasse durch Monopole auflegen. Vielleicht würde ein Petroleummonopol am wenigsten wehe thun und die wenigsten Privatexistenzen vernichten. Die Berichte von der Weltausstellung in Chicago stimmen darin überein, daß die Ausdehnungen der Ausstellung alle bisherigen Vorstellungen übertreffen; es ist eine ganze Stadt für die Ausstellung erbaut; enorm, wie die räumlichen Verhältnisse, sind auch die Preise, welche von den Besuchern für ihren Aufenthalt in Chicago gezahlt werden müssen; gleichwohl glaubt man nicht, daß die Amerikaner den größten Vorteil von der Aufstellung haben werden; die amerikanische Industrie steht nach den bisherigen Berichten fast in allen Zweigen hinter der europäischen zurück, und das amerikanische Publikum wird durch die Ausstellung von dem Vorzuge der englischen, französischen und deutschen Industrie einen augenschein lichen Beweis erhalten. Nur in einem Stücke sind die Amerikaner die ersten in der Welt, in der Kühnheit und Großartigkeit, mit der ihre Ingenieure die unglaublichsten Schwierigkeiten zu überwinden verstehen. Den größten Vorteil dürfte Deutschland haben, und zwar wegen der Billigkeit, mit der es produziert, während das früher von der deutschen Ausstellung ausgesagte Wort„billig und schlecht“ in seinem zweiten Teile nicht mehr zutreffend ist. Die Amerikaner müssen der gesamten Lebensverhältnisse wegen ungleich höhere Arbeitslöhne zahlen, besonders die Möbel sind in Deutschland erstaunlich billig im Vergleich zu den amerikanischen; auch englische und französische Artikel sind meist teuer; zudem ist die deutsche Abteilung in Chicago am besten beschickt. Während die deutsche Industrie bei der Ausstellung in Chicago sich der amerikaschen überlegen zeigt, droht uns von Amerika her eine andere wirtschaftliche Gefahr. Durch den natürlichen Reichtum des amerikanischen Bodens sind die unentbehrlichsten Lebensmittel, wie Getreide und Fleisch, in einem Ueberfluß und zu so billigen Preisen vorhanden, daß die Ausfuhr dieser Rohprodukte nach Deutschland von Jahr zu Jahr steigen wird. Ein deutsches Pfund Fleisch kostet in Amerika je nach der Güte 20 bis höchstens 50 Pfg., das Pfund Weizenmehl nach unserem Gelde 10 Pfg. Je weniger glänzend zur Zeit die Industrie geht, desto mehr Arbeiter wenden sich dem Landbau zu. Man hat ausgerechnet, daß innerhalb 10 Jahren die Produktion von Fleisch und Getreide in Nordamerika doppelt so groß sein wird, wie gegenwärtig. Was daraus folgt, ist klar. Die deutsche Landwirtschaft läuft Gefahr, zwischen den beiden Mühlsteinen Amerika und Rußland zerrieben zu werden; Rußland hat sein Absatzgebiet für Roggen in Deutschland, Amerika wird immer größere Massen von Fleisch und Weizen einführen. Westfalen und Rheinland. Schwerte, 26. Mai. Die Unterrichsfreiheit wegen großer Hitze ist vom Herrn Minister dahin geregelt worden, daß an den Tagen, an welchen des morgens um 10 Uhr das 100teilige Thermometer 25 Grad zeigt, der Unterricht am Nachmittage ausfallen muß, und am Morgen nicht über vier Stunden dauern darf. Bei überfüllten Klassen und bei Temperatur eine Aussetzung des Unterrichts erfolgen. Kinder, welche einen weiten, schattenlosen Weg zu machen haben, sollen an heißen Tagen von einem zweiten Gang zur Schule befreit werden. Es kann auch angebracht sein, den Unterricht an solchen Tagen durch Jugendspiele angemessen zu unterbrechen. Die Ausführungen dieses Erlasses sollen angeordnet und überwacht werden entweder von dem Vorsteher der Schule, von dem Ortsschulinspektor oder in Filialen von dem Ortsschulvorstand. Aplerbeck, 22. Mai. Der hienge Turnverein„Gut Heil Germania“ hat sich bei dem gestern in Hörde stattgefundenen Turnfeste wiederum drei der besten Preise geholt. Der Turner Heßmann erhielt den ersten Preis am Barren, während der Turner Gustav Schmidtmann den ersten Preis für seine Leistungen im Stemmen und den Ehrenpreis im Steinstoßen erhielt. Obiger Verein hat auf sämtlichen Turnfesten, die er besuchte, Preise errungen. Demselben rufen wir für seine Leistungen ein kräftiges„Gut Heil" zu. Hörde, 25. Mai. Wegen dringenden Verdachtes der Falschmünzerei wurde gestern hierselbst der Rentner (Agent) Both aus Dortmund verhaftet. Er hatte sich mit einem Graveur vom Hörder Werk wegen Beschaffung von Probestempeln in Verbindung gesetzt, dieser aber lieferte ihn der Polizei aus. Man fand bei ihm falsche holländische Gulden, 2=Mark= und 20 Pfg.=Stücke. Dortmund. 25. Mai. Herr Oberbergrat von Ammon, Mitglied des hiesigen Oberbergamts, ist vom Minister beauftragt worden, die Welt=Ausstellung in Chieago zu besuchen.„„ Dortmund, 23. Mai. auch ein Jubiläum. Genau vor 25 Jahren, schreibt die „D. Z.“, wurde hier die erste Pferdeschlächterei errichtet, jetzt, nach Verlauf eines Vierteljahrhunderts, weist das Adreßbuch drei solcher Metzgereien auf. Die Bevölkerung der Stadt betrug damals 36000, heute haben wir gegen 96000 Einwohner. Die Vermehrung der Pferdeschlächtereien hat demnach mit der Zunahme der Bevölkerung gleichen Schritt gehalten. Iserlohn, 22. Mai. Der Viehhändler L. zu Iserlohn hat oft genug auf bäuerliche Leichtgläubigkeit und Unbeholfenheit spekuliert, ist aber schließlich gründlich dabei hereingefallen. Er hatte auf zwei Wechselchen, die ein Landwirt unterzeichnete, daheim aus 50 Mk. 250 Mk. gemacht und aus 60 Mk. 260 Mk. Der so übervorteilte Bauer brachte aber die Fälschung zur Anzeige, und jener Ehrenmann kam vor die Strafkammer. Noch wäre am Ende der Angeklagte infolge der Schwierigkeit, mit der solche Sachen klar zu stellen sind, seinem Verhängnis entgangen, wenn er sich nicht selbst'reingelegt hätte. Es wurde nämlich festgestellt, daß er bereits früher einmal von demselben Bauern sich ein Blanko=Accept hatte geben lassen, das er mit 190 Mk. ausfüllen sollte und das er mit 510 Mark ausgefüllt hatte, als der Landwirt auffässig wurde, hat St. das Accept mit Mühe und Not wieder erlangt und vernichtet und dem Manne jene 190 Mk. als Schweigegeld angerechnet. Der Halsabschneider wurde zu einem Jahr vier Monaten Zuchthaus verurteilt. Iserlohn, 24. Mai. Ein widerliches Straßenbild spielte sich gestern im Süden unserer Stadt ab. Drei total betrunkene Individuen waren irgendwo aufgelesen und per Fuhrwerk bis kurz vor ihre Wohnungen geschafft worden. Hier wurden sie— nicht etwa wie man Vieh abzuladen pflegt, sondern durch Aufkippen der Karre, ähnlich als wenn Kohlen oder Ziegelsteine abgeladen werden, zur Erde gebracht und dann einzeln in ihre Quartiere— geschleift. Und das passierte am hellen Nachmittag. Iserlohn, 20. Mai. Ein seltenes Naturspiel ist bei dem Bäcker und Wirt Westerhoff hierselbst in Augenschein zu nehmen. Eine seiner Enten legte dieser Tage nach längerer Pause ein Ei von ungewöhnlicher Dicke. Bei Oeffnung desselben fand sich im Innern noch ein zweites Ei von normaler Größe vor, ebenfalls mit harter Schale. Der Zwischenraum zwischen der inneren und äußeren Schale war mit Eiweiß gefüllt. Dechenhöhle b. Letmathe, 25. Mai. Der Besuch an d.r Dechenhöble war an den beiden Pfingsttagen ein außergewöhnlich reger. Am 1. Feiertage wurde die Höhle von 1359, am 2. Festtage von 1368. in Summa also von 2727 Personen besichtigt. Ein stärkerer Verkehr dürfte an Feiertagen wohl noch nicht dagewesen sein, und hat sich also die Ermäßigung des Eintrittsgeldes von 75 auf 40 4 glänzend bewährt. Blankenstein, 21. Mai. Die Ruhr hat heute ihr Opfer gefordert. Ein noch junger Metzger von Bochum hatte mit einigen seiner Freunde einen flug nach hier gemacht und nahm ein kühles Bad in der Ruhr in der Nähe des Turmes. Als er eine kurze Zeit im Wasser war, hörte man Hülferufe. Ehe man dem im Wasser Ringenden jedoch Hülfe bringen konnte, war derselbe in den Wellen versunken. Der junge Mann, Koller mit Namen, hatte erst kurze Zeit sein eigenes Geschäft an der Hernerstraße gegründet und war ein Mustersohn seiner alten Mutter gegenüber. Wieten, 24. Mai. Das Hauptgebäude der Diakonissenanstalt für die Grafschaft Mark und das Siegerland ist baulich soweit fortgeschritten, daß die Einweihung am 1. August wird erfolgen können. Bochum, 19. Mai. Der Betrug mit gefälschten engen Klassenzimmern kann auch bei geringerer und gestohlenen Krankenscheinen bei der Krankenkasse des allgemeinen Knappschaftsvereins ist von verschiedenen Bergleuten auf der Zeche„Friedrich der Große" bei Herne ausgeführt worden und sind den Beirügern Beträge bis zu 160 Mark in die Hände gefallen. Durch weitere Verhaftungen sind drei Bergleute dingfest gemacht. Die Nachforschungen werden seitens des Knappschaftsvorstandes mit Eifer fortgesetzt. Wanne, 23. Mai. Die Zechen Pluto und Königsgrube haben nach der„W. A. Z.“ wegen Mangel an Absatz eine Feierschicht einlegen müssen. Essen, 23. Mai. Der norwegische Marinelieutenant Börresen, der bei der Sprengung einer mit verkehrtem Pulver überladenen Kruppschen Kanone in Carljohanswärns Werfte im Herbste 1891 stark verwundet wurde, hat von Herrn Geh. Kommerzienrat Krupp eine Gabe von 30000 Kronen als Ersatz bekommen. Ebenso hat Herr Krupp der Witwe des bei derselben Gelegenheit ums Leben gekommenen Kanoniers With eine lebenslängliche jährliche Pension von 300 Kronen gewährt. Münster, 25. Mai. Nich weniger als 23 Brände sind bei der hiesigen ProvinzialFeuersocietät infolge des Gewitters vom 16. d. M. angemeldet worden. Wie viele Anträge auf Entscheidung mögen noch bei den anderen Gesellschaften eingelaufen sein? Werse b. Münster, 24. Mai. Seit dem Abend desselben Tages, an dem er sich durch einen Meisterschuß die Würde eines Schützenkönigs erorbert, war der Sohn eines reichen hiesigen Schulzen verschwunden. Jetzt nach 14 Tagen ist sein bereits in Verwesung übergegangener Leichnam in einem kleinen Flüßchen aufgefunden worden. Olsen, 25. Mai. Die Arbeiten an dem DortmundEms=Kanal schreiten rüstig voran. Auf der Strecke sind jetzt über 1200 Arbeiter beschäftigt. Hier sind zwei Trockenbagger Tag und Nacht thätig. Von nah und fern treffen Zuschauer ein, um sich die großartige Arbeit näher anzusehen. Das sonst so stille Münsterland gleicht an der Kanalstrecke einer arbeitsreichen Industriegegend. Die Dörfer und Bauerngehöfte sind mit Kostgänger belegt, in denen es oft belebt zugeht. Man findet dort neben den Inländern durcheinander Russen, Oesterreicher, Italiener, Holländer, Polen. Mülheim a. d. R., 15. Mai. Auf eine tragische Weise fand eine blühende, kräftige, gesunde Frau, welche vor einigen Tagen zu einer Hochzeit ins Bergische reiste, ihren Tod. Die Frau lief nämlich auf einem Spaziergange eiligst einen Berg hinunter und da sie sich nicht mehr zu halten vermochte, fing sie ein Bekannter, um großes Unglück zu verhüten, in seinen Armen auf. Infolge des heftigen Anpralls erhielt die Frau eine innere Verletzung, die ihrem Leben nach kurzen Tagen des schwersten Leidens ein Ende machte. Essen, 25. Mai. Durch Geheimpolizisten wurden am Dienstag acht Viehhändler, darunter zwei von hier, auf dem hiesigen Viehhofe verhaftet und in Wagen abgeführt. Dieselben sind nach der „R. W. Ztg.“ nicht allein dringend verdächtig, sondern auch erwiesenermaßen schuldig, Schaffner bestochen und seit etwa einem Jahre die Fahrt nach Hamburg mitgemacht zu haben, ohne in dem Besitz einer Fahrkarte zu sein. Auch haben sie sich der Bestechung von Beamten dadurch schuldig gemacht, daß sie an Schaffner Geldbeträge, welche die Höhe des Fahrgeldes bei weitem nicht erreichten, bezahlten. Borghorst, 16. Mai. Der Sohn eines hiesigen Gutsbesitzers wurde vom Sonnenstich getroffen und starb schon nach kurzer Zeit an dessen Folgen. Barmen, 24. Mai. Mehrere tausend Mann stark, unter Begleitung von zwei Musikkapellen machten die hiesigen Sozialdemokraten am zweiten Pfingsttage einen Sommerausflug. Polizei begleitete den Zug. Die Ordnung wurde nirgends gestört.— Etwa 60000 M sind seitens eines verstorbenen Fräuleins wohlthätigen Anstalten vermacht worden. — In und an dem Versammlungslokal der Heilsarmee kam es Montag abend zu außerordentlichen Ausschreitungen, wobei der Pöbel das Lokal teilweise stürmte und die Fensterscheiben einwarf. Als mehrere Soldaten der Heilsarmee den Gegnern entgegentraten, wurden sie mit Kot beworfen und einer von ihnen, den man erwischte, in die Straßenrinne geworfen und so jämmerlich durchgehauen, daß er spater einem Arzte zugeführt werden mußte. s Düsseldorf, 23. Mai. Unter dem Namen Amst erdam=Baku Standard=Petroleum=Tank=Compag= nie hat sich eine Gesellschaft, bestehend aus der BakuStandard(russischen Quellenbesitzern und Raffineuren zu Baku und Batum), holländischen, englischen und deutschen Kapitalisten, gebildet, welche hier am Platze und in Frankfurt a. M. Petroleum=Tankanlagen baut, um von diesen beiden Städten aus russisches Peiroleum in den Handel zu bringen. Hier werden vorläufig 2 Tanks, jeder zu 25000 Faß Inhalt, aufgestellt, und wird die Anlage im Oktober d. J. voraussichtlich dem Betrieb übergeben werden können. Der Sitz der Gesellschaft ist Amsterdam. Der Verkauf des Petroleums für Rheinland und Westfalen erfolgt durch den Ver„ und Telhober dr Tant= Geselihest dern Watther Bosch zu Bochum, welcher am hiesigen Plotze eine Zweigniederlassung errichten und auch die Leitung Düsseldorf. Die 17jährige Tochter des Obersten von der Lippe von den 39ern sah in dem Glasdache des Treppenhauses einen Vogel flattern.„Den will ich befreien“, sagte sie. Plötzlich ein markdurchdringender Schrei, und unten lag auf dem steinernen Flur, mit zerschmettertem Kopfe und vierfach zerbrochenen Armen und Beinen das unglückliche Mädchen. Der Schmerz der Eltern, als sie nach der Heimkehr aus einem Konzert die Tochter tot auffanden, ist unbeschreiblich.„. g. 10jährig: TachHochfeld, 24. Mai. Die 19jahrige Tochter eines hiesigen Fabrikbesitzers stürzte sich am Pfingstvorabend von der hohen Rheinbrücke hinab in die Fluten des Rheins. Ihre Leiche ist noch nicht aufgefunden. Die Beweggründe zu dem Selbstmord sind einstweilen noch unbekannt. Neuß, 23. Mai.„Bruder schwer krank“ so lautete der Inhalt einer an einen hiesigen Reuiner gerichteten Depesche. Unverweilt reiste er ab. In der Wohnung seines Bruders, eines(eians## Brübl, der inzwischen gestorden war, angekommen, führte ihn die Haushälterin an die Leiche— ein Stöhnen, und sterbend stürzt der Rentner nieder. So sind die Zwillingsbrüder nun auch im Tode vereint. Krefeld, 24. Mai. Der andauernd gute Geschäftsgang, welcher in der Seiden= und SammetIndustrie hierselbst seit dem vorigen Herbst zu verzeichnen ist, wird nach dem Urteil sachverständiger Beteiligter voraussichtlich auch noch länger währen. Allein die vorhandenen reichen Aufträge dürften für dies Jahr zahlreichen Arbeitern reiche und lohnende Arbeit zusichern. Homberg, 23. Mai. Zur Nachtzeit stürzte hier der Stall eines Mühlenbesitzers zusammen, wodurch drei wertvolle Kutschpferde getötet wurden. Mörs, 23. Mai. Ein verloren gegangener Geldbeutel mit 100 A ist hier nach zwei Tagen plötzlich an derselben Stelle, einem belebten Ort, wieder aufgefunden worden. Vom Rhein. Der Regierungspräsident in Koblenz erläßt eine Verordnung, wonach für die Kreise Koblenz, Stadt und Land, Mayen, St. Goar, Kochem, Zell, Kreuznach und Meisenheim das Auflassen ausländischer Brieftauben verboten wird. Zuwiderhandlungen gegen dieses Verbot werden mit Geldstrafe bis zum Betrage von 60 Mark oder entsprechende Haft bestraft. Kleinenbroich, 12. Mai. Wie rasch der Tod an den Menschen herantritt, beweisen folgende erschütternde Vorfälle: Ein ca. 30jähriger Junggeselle namens Holter in Steinhausen wollte gestern nachmittag auf einen Baum an ein Nest steigen; da die Leiter sich zu kurz erwies, mußte er noch etwas klettern. Als er beinahe das Nest erreicht hatte, setzte er sich auf einen Ast. Da er nicht weiter stieg, auch auf Zurufen der Umstehenden nicht antwortete und sich nicht mehr regte, stieg einer nach und sah zu seinem Schrecken, daß derselbe vom Tode ereilt worden war. Die Leiche wurde herabgenommen und der zugerufene Arzt konstatirte einen Herzschlag.— Aus Schiefbahn wird gemeldet: Einige Mädchen saßen zusammen, um Kränze zu flechten für eine verstorbene Jungfrau. Plötzlich sagte eines zu den andern: diesen von mir gemachten Kranz behalte ich für mich selbst und legte eine Hand aufs Herz, bemerkend:„Hier habe ich Schmerzen, ich muß auch sterben". Sie hatte die Wahrheit gesagt und folgte der verstorbenen Freundin ins bessere Jenseits. Sie fanden ein gemeinsames Grab. Köln, 23. Mai. Der Zoologische Garten beherbergte am Sonntag 8000 und am Montag 11,000 Eintrittsgeld zahlende Besucher; die Flora 2000 bezw. über 2000; Castans Panopiikum war von 2200 bezw. 2500 Personen besucht. Koblenz. In einer Wohnung des Meisters Reinecke im hiesigen Walde wurden nicht weniger als 11 hoffnungsvolle junge Sprößlinge vorgefunden. St. Johann a. d. S., 24. Mai. Die Pulverfabrik von St. Ingbert ist gestern abend in die Lust geflogen. 7 Personen wurden getötet, darunter drei Familienväter und drei verwundet. Die Ursache der Explosion ist unbekannt. Saarbrücken, 24. Mai. Das große Los der preußischen Klassenlotterie ist nach hier gefallen. Den Löwenanteil davon erhielt der Bahnhofsrestaurateur Müller, der eine Hälfte des Loses spielte. Der Mann hat den Betrieb der Bahnhofswirtschaft sofort gekündigt. Die andere Hälfte spielten zwölf Wirte und Geschäftsleute von hier, St. Johann und Umgegend. Detmold, 23. Mai. Am Pfingstmontag fand auf dem Hermannsdenkmal die große antisemitische Versammlung statt, zu welcher Parteimitglieder aus allen Teilen des Deutschen Reiches zusammen gekommen waren. Herr Fabrikant Rickenberg=Barmen, welcher den Gedanken zu dieser Zusammenkunft angeregt hatte, und Liebermann von Sonnenberg sprachen vom Denkmal herunter. Dr. Paul Förster und Dr. KönigWitten, sowie noch mehrere Herren hielten gleichfalls Ansprachen. Im ganzen waren an diesem Tage ca. 4—5000 Personen am Denkmal anwesend. zu erklären, daß von den westfälischen Zentrumskreisen vier an Berufslandwirte übertragen werden, wurde zur Tagesordnung übergegangen. Darauf verließ Herr v. Schorlemer=Alst mit zahlreichen Landwirten die Versammlung. Münster, 25. Mai. Die Landwirte der Provinz Westfalen, an ihrer Spitze der Freiherr Dr. von Schorlemer=Alst, erlassen soeben einen Wahlaufruf, welcher Aufstellung besonderer Kandidaten ankündigt. Im Programm des Aufrufs wird gefordert die Sicherstellung des Friedens durch Erhaltung einer für die Verteidigung unserer Grenzen und den Schutz des Vaterlandes hinreichend starken Armee. Wie die Germania meldet, ist für Neuß=Grevenbroich der Landrat Freiherr von Schorlemer, ältester Sohn des Dr. Frhrn. v. Schorlemer=Alst, als Gegenkandidat des Zentrumskandidaten aufgestellt worden. Die sozialdemokratische Partei entwickelt in Duisburg eine außerordentliche Rührigkeit. Donnerstag abend fand in der Schützenburg eine Versammlung statt, in welcher Frau Rohrlack sprach, nächsten Sonntag spricht dort Herr Singer.(Ob Madame Rohrlack wirklich nichts Besseres zu thun in hat, als in Volksversammlungen Reden zu halten! Was hat ein Weib in politischen Versammlungen zu suchen!) Die Sozialdemokraten verbreiteten während der Pfingstfeiertage in ganz Württemberg 300000 Wahlflugblätter. Im ersten Berliner Wahlkreis hat sich der Verfasser der„ernsten Gedanken“, Oberstlieutnaut a. D. von Egidy, selbst als Kandidat ohne Unterstützung irgend einer Partei aufgestellt. In einer stark besuchten Versammlung trug er seine Ideen vor: Neue Zeiten brauchten neue Männer, nicht um einen Ruck nach rechts oder links, sondern um einen Ruck nach vorwärts müsse es sich handeln und dergleichen. Der Redner, der jedes bestimmte Programm verwarf, gab dementsprechend auch gar kein Programm, lehnte jede Stellung zur Militärvorlage ab und forderte,— eine etwas starke Zumutung unbedingtes Vertrauen.— Irgend welche Bedeutung mißt niemand dieser Kandidatur bei. Zur Wahlbewegung. Erhitzt bekämpfen sich die Reihen Zur rechten und zur linken Hand, ind ob dem Hader der Parteien Denkt keiner mehr an's Vaterland. Dieser Ausspruch eines freisinnigen Dichters könnte wieder auf unsere heutigen Parteizustände passen. Die eine Partei kämpft gegen die andere; zudem entstehen täglich neue mit einer neuen Parole: „Hie Huene— hie Fußangel“,„Mit Gott für Vaterland und Fußangel in dem Wahlkampfe(anstatt „Mit Gott für König und Vaterland") u. s. w. Dortmund, 22. Mai. Die hiesigen Freisinnigen, die sich der Richter'schen Volkspartei angeGlossen haben, wollen nun doch noch einen eigenen Kandidaten(als Zählkandidaten) aufstellen. Es soll dieserhalb bei Herrn Dr. Eickhoff=Duisburg angefragt werden, ob er geneigt sei, als Zählkandidat zu fungieren, andernfalls soll dazu Richter oder ein anderer Vertreter der Volkspartei ausersehen werden. Etwa 350 Vertrauensmänner der westfälischen Zentrumspartei waren am Mittwoch in Münster versammelt. Ein besonderer Zusatz zum Aufruf der Zentrumsfraktion wurde beschlossen. Ein Antrag des Justizrats Schultz=Hamm, inbezug auf die Militärvorlage den Abgeordneten freie Entschließung zu gewähren, erhielt nur 60 Stimmen, unter denen sich diejenige von Freiherrn von Schorlemer=Alst befand. Ueber einen Antrag Schorlemer's, es für notwendig Soziale Bewegung. Barmen, 24. Mai. Der Ausstand der Rie mendreher hat in den letzten Tagen wieder an Ausdehnung zugenommen, sodaß es den Anschein gewinnt, daß es von dem partiellen Streik noch zu einem allgemeinen kommen wird. Seitens der Riemendrehereibesitzer wurde gestern beschlossen, im Hinblick auf die ernsten Folgen für viele Tausend Arbeiter und deren Familien von der Verhängung der Betriebssperre, welche in Aussicht genommen war, abzusehen. Der 10stündige Arbeitstag sei nach der Lage der Verhältnisse ein Unding, die Versammlung hielt bezüglich seiner an den früher gefaßten Beschlüssen fest und man kam dahin überein, ihn auch dann nicht zu bewilligen, falls er von einem der nicht erschienenen Fabrikanten eingeführt werden sollte. Die Anwesenden gründeten dann eine Vereinigung, zwecks Verhütung von Arbeiterausständen in ihren Betrieben.— Die Ausständigen einerseits zeigen sich ebenso unnachgiebig, eine größere Firma hatte sich bereit erklärt, 20 K. bei vorläufig 11stündiger Arbeitszeit zu bewilligen, vom 1. Juli ab aber nur 19 K. bei 10stündiger Arbeitszeit zu zahlen. Dieser Vorschlag wurde von den Ausständigen in einer allgemeinen Versammlung abgelehnt.— Die sozialdemokratische Freie Presse in Elberfeld druckt heute einen Aufruf zur Unterstützung ihrer streikenden Genossen ab. Brüssel, 24. Mai. Der Grubenarbeiter=Kongreßnahm mit 994000 gegen 100000 vertretenen Stimmen die Resolution an, welche für den Grundsatz der gesetzlichen Jeststellung des Arbeitstages in den Gruben auf acht Stunden, Einfahrt und Ausfahrt eingeschlossen, sowie für Anwendung der gesetzlichen Mittel behufs Erlangung des Achtstundentages sich ausspricht. Artikel 3 der Resolution, wonach zu Winter=Anfang in den allgemeinen Ausstand eingetreten werden soll, falls die Staaten den Achtstundentag nicht bewilligen, wurde mit 974000 gegen 120000 Stimmen angenommen. Die französischen, belgischen, deutschen und österreichischen Delegierten stimmten mit der Mehrheit, die englischen Delegierten für Durham und Wales stimmten dagegen. Artikel 4 der Resolution, wonach der Kongreß ausschließlich mit internationalen Fragn sich beschäftigen soll, wurde durch Erheben von den Sitzen angenommen. * Ueber den Eindruck, den die deutschen Matrosen auf der Revue zur Kolumbusfeier in New=York machten, liest man in der N.=Y. Staatsztg.:„Während man den Russen noch nachblickte, ertönten die Klänge des„Heil Dir im Siegerkranz“ im Marschtempo, und herau kamen die Deutschen. Pötzlich ging die Musik in die„Wacht am Rhein“ über, und genau im Parademarsch, Kniee durchgedrück:, Kopf hoch, Augen links, zogen sie vorbei, die Burschen, denen so manches Herz unter den Zuschauern lauter zujubelte, als der Mund und die Kehle ausdrücken konnten.„Die Deutschen kommen!“ hieß es überall, und die vielen Offiziere blickten mit Spannung auf die Vertreter der jungen deutschen Marine. Ach, wie scharf wurden die jungen kräftigen Burschen beobachtet, wie suchte man nach Fehlern zum Tadeln, wie genau wurde jede Bewegung, jede Haltung, jeder Schritt betrachtet. Aber es waren Soldaten ohne Tadel, das Volk in Waffen, keine Söldlinge, das waren Menschen von Intelligenz, Leute, die stolz darauf waren, ihr Vaterland in einer internationalen„Konkurrenz" zu vertreten, und als die besten aus diesem soldatischen und doch so friedlichem Wettkampfe hervorzugehen. Ein Jubelschrei erhob sich, ein Beifallrufen und Klatschen, wie es dem Kontingent keiner anderen Macht zu teil wurde. Das war echter Enthusiasmus! Die Deutschen hatten wieder einmal gesiegt! Sie änderten ihre Marschformation nicht, wie die Russen, als sie aus dem Parke marschierten. In Sektionen schwenkten sie rechts ab, und auch keine haarbreite Schwankung der Linie, kein Biegen oder Brechen war zu bemerken.„Brillant, wirklich brillant!“ war das einstimmige Urteil der militärischen Kritiker. Beim Marsch war auch zu bemerken, daß die Deutschen ganz anders als die Soldaten anderer Mächte marschierten. Ihr Schritt ist fester, länger und schneller. Auch das Schwenken der Arme der Dentschen beim Marsch fiel allgemein auf, fand aber so genau, so taktmäßig statt, daß es, anstatt zu stören, nur verschönernd wirkte. Es hätte wohl kein Mittel gegeben, die Schönheiten des deutschen Marschierens und militärischer Haltung mehr hervorzuheben, als es durch die folgenden Franzosen geschah. Es waren hübsche Kerle, aber ihre Haltung war schlapp, sie sahen müde aus, als ob sie die ganze Geschichte langweile.“ * Chicago, 25. Mai. Die Geheimpolizei der Ausstellung entdeckte am Sonntag einen Anschlag zum Diebstahl von Uhren und Geschmeide aus der schweizerischen Abteilung, Die Diebe hatten daselbst versucht, den Fußboden zu durchbrechen. Wäre dies gelungen, so hätten sie Pretiosen im Werte von einer vierte! Million Dollars stehlen können. Es konnten bisher keine Verhaftungen vorgenommen werden. * Hingerichtet wurden am Mittwoch in Magde burg der Mädchenmörder Buntrock und seine Mitschuldige, die Erbe. * Drei Vermummte drangen zur Nachtzeit in dem belgischen Dorfe Lendelede bei Brügge in einen Bauernhof, knebelten dessen Bewohner, 3 hochbetagte Geschwister, und stahlen, was ihnen an Geld in die Hände fiel. Von den Räubern fehlt jede Spur. * Ein zentnerschwerer Kassenschrank ist in Frankfurt a. M. von Dieben während der Nachtzeit aus einem Fabrikgeschäft gestohlen worden. Der Schrank wurde mittags in einem nahen Walddistrikt aufgefunden. Er war erbrochen. Wie mögen die Diebe enttäuscht gewesen sein, als sie nur Geschäftsbücher vorfanden * Athen, 23. Mai. Durch ein heftiges Erdbeben wurden gestern in der Stadt Theben mehrere Häuser zerstört. Die Erschütterung worde auch Athen verspürt. * Von einer bewaffneten Räuberbande überfallen worden ist das Stationsgebäude bei Grand Rapids (Michigan in Nordamerika), Glücklicherweise war die Polizei sehr schnill zur Stelle; es entspann sich ein mörderischer Kampf, bei welchem die Räuber den kürzeren zogen, dabei wurde ein Teil derselben gefangen genommen. Die Uebrigen konnten ihre Flucht nach dem Walde bewerkstelligen. * Vanderbildt, der Sohn des bekannten amerikanischen Millionärs, hat sich mit der Tochter des in Turin wohnenden Fürsten Borghese verlobt und wird in Italien dauernden Aufenthalt nehmen. Jedenfalls wird das amerikanische Gold den Borghese's sehr gut zu statten kommen. * In dem Bericht des Direktors des amerikanischen ethnologischen Büreaus wird die Zahl der noc in den Vereinigten Staaten von Amerika vorhandenen Indianer auf ungefähr 250000 geschätzt. Mehr als die Hälfte derselben gehören bereits der einen oder anderen christlichen Sekte an und die Bekehrung des Restes soll nur die Frage weniger Jahre sein Mehr als Zweidrittel haben ihr unstätes Leben aufgegeben und erhalten sich durch Ackerbau und Handarbeit ohne irgendwelche Unterstützung seitens der Regierung. Mit wenigen Ausnahmen halten sie aber an ihren alten Gesetzen bezüglich Erbschaft und Stammesbesitz fest Fehden der Stämme untereinander haben gänzlich aufgehört und auch gegen die Weißen keiegerisch vorzugehen würde sich heute nur noch ein sehr kleiner Teil der Indianer bereit finden. * Ein merkwürdiges Ereignis wird aus Singleton in Queensland berichtet. Etwa 12 Kilometer von dieser Stadt befand sich ein unbedeutender Höhenzug. Derselbe ist durch vulkanische Gewalt plötzlich gesunken und an der Stelle hat sich ein sehr tiefer. 3 Kilometer langer See gebildet, der nicht nur die ganze Gegend völlig veränderte, sondern auch den Einwohnern wesentlich andere Existenzbedingungen giebt. Einen„Seeballon“ hat ein Sicilianer, der Ingenieur Balsamello, konstruiert und jüngst in Civitavecchia mit den ersten praktischen Versuchen vorgeführt Der„Seeballon“ ist zum Konkurrenten der Taucher bestimmt und soll die unterseeischen Nachforschungen und Fortbewegungen erleichtern. Er hat Kugelform, etwa 3 Met. Durchmesser, ein Gewicht von 4½ Tonnen, ist aus Gußeisen gefertigt und mit Glasfenstern, sowie mit Vorrichtungen zur Lenkung und Fortbewegung, auch zur Erfassung außerhalb befindlicher Gegenstände versehen und kann vier Personen aufnehmen. In diesen Tagen hat man zuerst im Hafen von Civitavecchia, bann außerhalb desselben einige Versuche angestellt, während andere wegen ungünstiger Umstände verschoben werden mußten. Mit einer Besatzung von drei Seeleuten bewegte sich der Ballon, den eine mit der Hand in Bewegung gesetzte Schraube vorwärts treibt, zunächst an der Oberfläche in gerader Linie fort und im Kreise um ein anderes Fahrzeug herum, um dann auf den Grund des Hasens gesenkt und durch Auspumpen des als Ballast dienenden Wassers wieder gehoben zu werden. Das Experiment wurde dann außerhalb des Hafens in einer Wassertiefe von 60 Met. wiederholt und zeigte auch hier Lenkbarkeit und Beweglichkeit des Apparates, der vier bis fünf Minuten brauchte, um den Grund zu erreichen und in zwei Minuten wieder aufstieg. Die späte Abendstunde und das nicht ganz ruhige Meer verhinderten weitere beabsichtigte Experimente: das Anbringen einer Dynamitpatrone unter einem Floß, das gesprengt werden sollte, das Abbrechen und Heraufbringen eines Korallenzweiges, die Aufnahme einer Photographie des Meeresgrundes. Der Erfinder hat Hoffnung, durch Vervollkommnung des„Seeballons“ der Marine wesentliche Dienste leisten zu können. * Von einer streikenden Feuerwehr weiß die S.=Z. folgendes zu berichten:„In Adlershof fand am Himmelfahrtstag ein großer Waldbrand statt, der ganz bedeutenden Schaden angerichtet hat. Die Adlershofer freiwillige Feuerwehr war nicht zur Stelle. Ihr Vorstand ist in einen Konflikt mit dem Gemeindevorstand geraten und— streikte nun. Das Feuer konnte sich ungehindert ausbreiten. Die Brandstätie war kaum 15 Minuten entfernt. Eine Feuerwehr, die es fertig bekommt, zu streiken, wenn's brennt, sollte man lieber auflösen. Von dem Erfinder der„kugelsicheren Uniform“, Dowe, wird aus Mannheim berichtet: Dieser Tage sind Dowe's Einrichtung. Möbel, Kleider u. dergl. im Verst eigerungslokale zwangsweise unter den Hammer seinem Gelide zu kommen, die Einrschtung lassen. Die Voraussagungen der Biätter, daß in allernächster Zeit es zum Millionär bringen werde sind durch vorstehende Nachricht schnell widerlegt worden * Ein Berliner Blatt schreibt: Die Familie eines höheren Off'ziers in Porsdam hatte aus einer ihr bisher als zuverlässig bekannten Molkerei die Misch für ihre im Alter von 2—5 Jahren befindlichen Kinder bezogen. Diese erkrankten plötzlich in der heftigsten Weise an der Maul= und Klauenseuche. Es zeigten sich Geschwüre an den Händen, Füßen und Being; auch die Gesichter blieben nicht frei Wie das Arcy für animalische Nahrungsmittelkunde berichtet, war di. Ansteckung eine äußerst schwere, und Monate vergingen. ehe die Kinder von der häßlichen Krankheit geheilt waren. * Werdau(Sachsen). Eine jugendliche Diebesbande ist von der hiesigen Polizei ermittelt worden. Die Gesellschaft besteht aus 5 Knaben im Alter von 9 bis 13 Jahren, die in einem Zeitraum von einem Jahre nicht weniger als 56 Diebstähle ausgeführt haben. * Auf der Calumet= und Hecla=Mine in Michigan(Nordamerika) brach bei der Ausfahrt von 10 Bergleuten aus dem Schacht die Kuppelnadel, und der Fahrstuhl stürzte 1000 Fuß in die Tiefe. Sämtliche zehn Insassen wurden zerschmettert. St. Franzisko, 19. Mai. Der Postdampfer von Hongkong in China überbringt Einzelheiten über den schrecklichen Vorfall, der sich in Cam=Li in China ereignet hat. Drei große Pavillons, in denen sich 3000 Personen befanden, sind während einer Theatervorstellung verbrannt. Die Flammen griffen außerordentlich schnell um sich. Eine in der Gegend unbekannte Bande von Chinesen drang in den für Frauen und Kinder reservierten Pavillon ein und raubten 30 bis 40 junge Mädchen. Während die Einwohner ihnen zur Hülfe eilten, steckte eine andere Bande die Häuser der Stadt in Brand. Etwa 2000 Personen sollen umgekommen sein. und Landwirtschaftliches. Weniger taugliches oder gar krankes Fleisch erkennt man am leichtesten am Fett, welches bei diesem gelblich und schmierig aussieht; es ist weich und läßt beim Drücken schmutzige Flüssigkeit austreten. Von krepierten Tieren sieht das Fleisch tief rot aus, weil der Stich während des noch vorhandenen Blutumlaufs gefehlt hat und dadurch das Blut nicht abg flossen ist. Die ganz blasse Farbe des Fleisches hingegen sagt, daß das Tier blutarm gewesen ist, was seinen Grund verschiedenen Krankheiten haben kann. Solches Fleisch ist mindestens kraftlos Bedenklich ist ferner alles Fleisch, das muffig riecht. Winn auch solchs Fleisch nicht allemal schädlich sein muß, so schrumpst doch beim Kochen auf erordentlich zusammen und verliert viel an Gewicht. Gesundes Fle'sch dagegen erkennt man an dem rein weißen und harten Fett und an dem marmorierten Aussehen, welch letzteres von den Fettlagerungen zwischen den Musk=in herrührt. Es ist fest und läßt den Finger beim Drückn ziemlich trocken, macht überhaupt einen reinlichen einladenden Eindruck. Es riecht fast gar nicht und schrumpft beim Kochen wenig zusammen und verliert weniger an Gewicht. Was gutes Fleisch mehr kostet, wird dadurch außer der größeren Schmackhaftigkeit auch sonst wieder ausgeglichen. Das Vogelnestchen. Zwischen Gestrüpp und Dorngeheg Schritt ich im Abendscheine An dem Bache vorbei den Weg Nach dem Walde alleine. Hab' dort schluchzenden Laut gehört Aus den blühenden Loden; Fand ein Vogelnestchen zerstört, Tote Junge am Boden. Durch des Frühlings schimmernde Pracht Jerte ängstliches Fragen, Und je näher rückte die Nacht, Um so tiefer das Klagen. Nebelschleier zieh'n niederwärts, Dunkel hüllt die Halde,— Armes, trauerndes Mutterherz! Armes Vöglein im Walde! Neueste Nachrichten. Triest, 26. Mai. In Ober=Italien regnet es seit drei Tagen unaufhörlich. Die Flüsse sind aus den Ufern getreten, in Savona mehrere Häuser eingestürzt, 3 Tote. In Monwerden 7 Personen vermißt. Mehrere für Dowe die Hausmiete bestritten und, um wieder zu Eisenbahnlinien sind unterbrochen. Gottesdienste. Schwerte. Größere evangelische Kirche. Sonntag, den 28. Mai 1893. Frühpr. 8 Uhr: Past. Heinenberg. Hauptpr. ½10 Uhr: Past. Graeve. Nachmittags 2Uhr: Kindergottesdienst Pastor Heinenberg. Amtswoche: Pastor Graeve. Todes-Anzeige. Reformierte Kirche. Sonntag, den 28. Mai 1893. ½10 Uhr: Pastor Terberger. Lutherische nicht unierte Kirche (im Hause des Herrn Heinrich Haver). Am Sonntag, den 28. Mai, abends 5 Uhr: Gottesdienst. Superintendent Dr. Schmidt. Syburg. Sonntag, den 28. Mai 1893. Vormittags 9½ Uhr: Predigt, Pastor Falkenberg. Aplerbeck. Samstag, den 27. Mai 1893. Mittags 12 Uhr: Beichte: Pastor Baake. Sonntag, den 28. Mai 1893. Frühpr.: Pastor Baake, Hauptpredigt: Pastor Meinberg. Abendmahl. Am 25. Mai, abends 11 Uhr, entschlief sanft und Gott ergeben meine liebe Frau, unsere liebe Mutter, Schwester und Schwiegerin die Ehefrau des Wagenmeisters Mitze im 42. Lebensjahre. Allenteilnehmenden Verwandten und Freunden widmen diese Trauernachricht statt besonderer Anzeige. Schwerte, 26. Mai 1893. Die trauernden Hinterbliebenen Todes-Anzeige. Dem Herrn über Leben und Tod hat es gefallen, meinen innigstgeliebten Gatten, unseren guten Vater, Sohn, Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel Wilh. Ellringmann im Alter von 40 Jahren und 3 Monaten von seinem langen Leiden zu erlösen. Allen Freunden und Bekannten diese Trauernachricht mit der Bitte um stille Teilnahme. Villigst, 24. Mai 1893. Die trauernden Hinterbliebenen Die Beerdigung findet Montag, den 29. Mai, nachmittags 4 Uhr vom Sterbehause aus statt. Die Beerdigung findet Samstag nachmittag ½3 Uhr vom Sterbehause aus statt. Der Auszug aus der Heberolle der von den land= und forstwirtschaftlichen Betriebsunernehmern der hiesigen Stadt für das Betriebsjahr 1892 aufzubringenden Genossenschaftsbeiträge und Sektionskosten, sowie eine Tabelle über den Beitragszuschlag für das Betriebsjahr 1892 pro Mark der staatlichen Grundsteuer liegt vom 1. Juni d. I. ab 2 Wochen lang auf dem Eielig Magistratsbureau zur der Beteiligten offen. Gegen die Beitragsberechnung können die Betriebsunternehmer unbeschadet der Verpflichtung zur vorläufigen Zahlung binnen einer weiteren Frist von 2 Wochen beim Sektionsvorstande der westfälischen landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft in Hörde Einspruch erheben. Schwerte, 23. Mai 1893. Der Magistrat. Bekanntmachung. Die Auszüge für die Gemeinden hiesigen Amtsbezirks aus der Beitrags=Heberolle der westfälischen landwirtschaftlichen Berufs=Genossenschaft für das Betriebsjahr 1892, sowie die Tabelle über den Beitrags=Zuschlag liegen vom 1. Juni d. J. ab, 2 Wochen lang zur Einsicht der Beteiligten bei den Herren Gemeindevorstehern offen. Binnen einer weiteren Frist von 2 Wochen kann gegen die Beitrags=Berechnung bei dem Sektionsvorstande in Hörde Einspruch erhoben werden. Westhofen, 23 Mai 1893. Der Amtmann Rebber. Bekanntmachung! Unter dem Rindviehbestande des Gutsbesitzers F. Althoff hierselbst ist auf seiner Weide in der Bredde die Maul= und Klauenseuche ausgebrochen, welches ich hiermit zur öffentlichen Kenntnis bringe. Ergste, den 26. Mai 1893. Der Ehrenamtmann Bormarn. Bekanntmachung. In dem zum hiesigen Landbezirk gehörigen Orte Sölde wird am 1. Juni ein Kaiserliches Postamt eingerichtet, welches die Bezeichnung„Sölde(Westf.)" zu führen hat. Die Dienststunden für das künftige Postamt sind, wie folgt, festgesetzt: a. an den Werktagen von 8— 12 vorm. u. „ 3½— 7½ nachm. b. an Sonntagen pp. von 8— 9 vorm. u. „ 5— 6 nachm. Als Ortsbestellbezirk wird dem künftigen Postamte in Soelde der geschlossene Ort Soelde zugeteilt. Die Ortsbestellung wird werktäglich zweimal, und zwar von 8½ vorm. und von 5½ nachm. ab, an den Sonntagen pp. einmal, und zwar von 8½ vorm. ab, stattfinden. Aplerbeck, 20. Mai 1893. Kaiserliches Postamt. fälische Zeitun Bielefeld Erfolgreichstes Insertionsorgan. Spaltenbreite 45 mm= 10 Silben. Zeilenpreis nur 15 Pfg. Rabatt nach Tarif!! Sonntag, den 28., werI- den bei mir Huyner u. Eier ausgeschossen und ausgekegelt. §. Hennemann, Grünenthal. Genossenschäfts-Mölkerer Seide. E. G. m. u. H. Bilanz pro 1892. Aktiva. Grundstücke und Gebäude Maschinen und Geräte. Geschäftsmobiliar Lebendes Inventar Vorräte Ausstehende Forderungen Kassenbestand Vorstehende Bilanz ist auf Grund der Bücher von uns geprüft und für richtig befunden. Mitgliederzahl Ende 1891..... 17 Neu aufgenommen... Bestand am 31. Dezember 1892 Der Vorstand: Falkenroth, Maßmann, Schulze-Sölde, Gräsingschukte. 17 Genossen. Der Aufsichtsrat: Natorp, H. Vieseler, Schoof, Eickhoff, Rasche, Fr. Vieseler. Berding von Bauarbeiten. Zur Verdingung der bei dem Erweiterungsbau des Schulhauses der katholischen Gemeinde in Aplerbeck erforderlichen und zu 35100 Mark veranschlagten Arbeiten sollen den 31. Mai er., nachmittags 3 Uhr, im Sitzungssaale des Amtshauses hierselbst in schriftlicher Submission vergeben werden. Kosten=Anschlag, Zeichnungen und Bedingungen liegen vom 24. Mai cr. auf dem Amtsbureau hierselbst zur Einsicht offen. Angebote sind versiegelt mit der Aufschrift: „Erweiterungsbau des Schulhauses der katholischen Gemeinde Aplerbeck" bis zum 31. Mai cr., nachmittags 3 Uhr, dem Unterzeichneten portofrei einzusenden. Aplerbeck, den 19. Mai 1893. Der Amtmann Gutjahr. emäß§ 4 des Statuts der Sparkasse für das Amt Barop mache ich hierdurch bekannt, daß die Verwaltung der Sparkasse für das Geschäftsjahr 1893/94 außer dem Rendanten Friedrich Klewitz zu Brünninghausen besteht aus: 1. Gutsbesitzer Heinrichs zu Renninghausen als Vorsitzender; 2. Gerichtstaxator W. Baumeister zu Hombruch, stellvertretender Vorsitzender; 3. Gutsbesitzer Neuhoff gt. Lenz zu Lütjenholthausen; 4. Gutsbesitzer Kahmann zu Salingen. Stellvertretern: 5. Gutsbesitzer Wortmann zu Barop; 6. Gemeindevorsteher Watermann daselbst; 7. Kaufmann Josef Tappe zu Hombruch; 8. Gutsbesitzer Brandhoff gt. Siepmann zu Eichlinghofen. Der Ehreuamtmann: I. V.: Der Beigeordnete Brandhoff. Bekannte Glückskollekte A. Gerlof, Nauen v.peri. Für nur 1 Mk. kann man obige Bezeichnung erproben. Freiburger Geldlotterie schon 8. u. 9. Juni. 1 Orign.-Los 3 Mk., Ant. ½ 1 Mk. 60 Pfg., ¼ 85 Pfg. Porto und Liste 20 Pfg. Gstgw. 215,000 Mk. Hptgw. 50000, 20 000, 10000 Mk. etc. Kc! Die Eröffnung meiner## Badeanstalt# zeige hierdurch ergebenst an. H. Ersternbrink. HOPAOPAOPASPAOE L. Mit dem heutigen Tage ers öffnete ich in Hagen i. W., 7 de Bergstraße 99, eine 3 ". Privat=Klinik 5 für chirurgische Kranke. Sprechstunden in meiner bis5 herigen Wohnung Elberfelder“ 0 straße 57. Dr. Hiltrop, 5 # früherer Assistenzarzt des Herrn Sanitätsrat Dr. Schaberg. Hagen i. W., 17. Mai 1893. 0 M AOS SOP•! WE Ae Freundlich Gäßaer Sonntag wird bei mir ein #dickes, " fettes Kalb ausgekegelt. Kegelliebhaber werfreundlichst eingeladen. Fr. Schulte=Höppe, Geisecke. Zwei erfahrene Schneidergesellen finden dauernde Beschäftigung bei Schneidermeister H. Greune, In den Höfen Nr. 2. Sonntag, 28. Mai 1893, nachmittags 4½ Uhr, so Gott will, Bibelstunde Westenort Nr. 12. Jedermann wird hiermit freundlichst eingeladen. * sicht jede Wohnung aus, deren Fussböden mit Müller& Mann’s * Bernstein1 Pussbodenlackfarbe # gestrichen sind. Schnell∆ trocknend, unülbertrefflich in Glanz, Härte und □ Dauer. Vorrätig in Büchsen à 1 und ½ kg bei Herrn Apoth, Lennenschluss in Aplerbeck. Ein 2#4. Wolspitz zugelaufen. Derselbe ist gegen Erstattung der Insertions= u. Futterkosten bei mir abzuholen. H. Daßthaus, Westhofen. Venedig-Lose. Ziehung 30. Juni gegen Monatsraten à Mk. 4. Herzogl. Sachsen-Meininger-Lose. Ziehnng 1. August gegen Monatsraten à Mk. 3. Graf Pappenheimer-Lose. Ziehung 1. September gegen Monatsraten à Mk. 3. Hauptgew. Mk. 100000, 70000, 50000, 40000, 35000, 30000, 25000 etc. Bankgeschäft Hillenbrand, Berlin W. 57. Vertreter Cl. Schocke, Schwerte, Hagenerstr. 83. Prospekte und Gewinnlisten gratis und franko. Bauarbeit. Die Arbeiten zum Neubau eines Wohnhauses veranschlagt zu ca. 15000 Mk. für den Wirt Herrn Carl Lünschermann zu Sölderholz, sollen in Submission vergeben werden. Zeichnung und Kostenanschlag liegen daselbst zur gefälligen Einsicht, aus und werden Offerten bis zum 1. Juni cr. erbeten. Aplerbeck. L. Becker. Empfehle eine schöne Auswahl in Tischen, Schränken, moden, Stühlen, Sofas, Verticos, Bettladen 2c. zu billigsten Preisen. Auch werden Reparaturen bei guter Ausführung billigst besorgt. Wilh. Schneider, Westhofen. Seense Dr. med. Hope homöopathischer Arzt in Hannover. □ Sprechstunden 8—10 Uhr. Auswärts brieflich. Zum 1. Juni wird ein Mädchen gesucht, welches melken kann. Gastwirt W. Barth. Hagen, Rembergstr. 10. Umständehalber auf sofort oder später ein ordentliches Peustmaschen gesucht. Wo, sagt die Exp. Freundliche Wohnung mit Wasserleitung für kleine, stille Familie per 1. Aug. zu vermieten. Wo, sagt die Exp. Sonntag, den 28. d. Mts., werden bei mir 8 fette Gäuse ausgekegelt. Adolf Ruhrfähre Drüpplingsen. 0 O ERADEMANNSE 0 E KINDERMEHLAO 0 WANKAMARKMARMERMR 0 Bestes Kindermehl 0 der Gegenwart. 0 6 Unübertroffen auch als 0 Stärkungsmittel für ReO konvaleszenten und Per0 sonen mit schwacher VerO dauung.— Ueberall zu 0 haben à Mk. 1.20 0 per Büchse, 0 3 Seufen. Ich erhielt eine hübsche Auswahl moderner BIusen in Flanell, Lown=Tennis, Kaschmir, Kattun zu sehr billigen Preisen. Müller, Ostenstraße 18. Turnverein Schwerte. den 30. ds. abends 8½ Uhr, Generalversammlung. Um zahlreiches Erscheinenersucht Der Vorstand. Von der Reise zurück Dr. Denker, Spezialarzt für Ohren-, Nasen- und Halsleiden, Hagen i. W. Elberfelderstr. 65. Eine milchgebende #X. Ziege zu kaufen gesucht. Näh. in der Exped. d. Ztg. Große Auswahl in empfiehlt Emik Aktfeld, Hagenerstraße 4. Atelier für Zahnleidende W. Gesky, Schwerte, Hüsingstraße 22. Vereinigte „ Eingeschriebene Hülfskasse, Schwerte. Montag, den 29. d. Mts., abends 8 Uhr, im Vereinslokale General=Versammlung. Tagesordnung: Feier eines Stiftungsfestes. Der Vorstand. Evangelischer Arbeiter- und Bürgerverein Schwerte. Sonntag, den 28. Mai, morgens 11 Uhr pünklich, Abmarsch nach Hohenlimburg vom Vereinslokale aus. Um recht zahlreiche Beteiligung wird dringend gebeten. Neue Gesangbücher in allen Preislagen empfiehlt Friedr. Neuwerth. Zur Helle, Schwerte. Heute und morgen: Kalbsbraten, Schweinebraten, Lebendfrische Ruhrbarben, Beefsteak, Sülze, Caviar. Warmes Frühstück 40 Pfg. Abendplatte 40 Pfg. Carl Kaffin. Dortmund, 24. Mai, 1893. Dortmund, 25. Mai. Produktenbörse. Besuch gut. Tendenz abwartend. Umsätze gering. Heutige Notierungen: Weizen inl. 16,25—16,75, do. fremder 17,00—18,50, Roggen, inl. 15,50 bis 15,25, do. fremder 16,25 bis 18,50, Hafer inl, neuer 17,00—17,25, do. fremder 16,75—18,00, Futtergerste 12,25—12,75, Mais 12,25—12,75, Weizenvorschuß inkl. Sack 22,75 bis 24,50, Roggenvorschuß inkl. Sack 21,00—22,50. Kleie 0,00 bis 0,00, Rüböl inkl. Faß 00,00—00,00 ### Alles per 100 Kilo fracht parität Dortmund exkl. Sack be Abnahme von Dopelladungen. Neuß, 25. Mai 1893. Weizen 1. Qual. 16 50 per 100 Kilo 2.„ 16 00 Landroggen 1.„ 15/20 per 100Kilo 2.„ 14 20 Wintergerste per 100 Kilo Buchweizen„„„ Hafer 1. Qual.„„ 15/69 „ 2.„„„ Rübsen(Aveel)„„ Raps 1. Qual.„„ „ 2.„„„ Kartoffeln„„ Heu per 500„ Roggenstroh per„„ Rüböl per 100„ in Partieen von 100 Zentner. Rüböl per 100 Kilo faßw. 55/59 Gerein. Oel per 100 Kilo 3 J höher als Rüböl. Preßkuchen per 1000 Kilo 114 Weizen=Vorschuß 00 per 100 Kilo Kleien per 50 Kilo 5/00 Köln, 25. Mai. Weizen hiesiger 17,00—17,50, fremder 17,50 bis 18,00. Roggen hies. 16,00 bis 16,50, fremder 16,75—18,00. Hafer hiesiger 16,25—17,00 M. Berlin, 25. Mai. Weizen Mai=Juni 161,00 M, Sept.=Okt. 164,75 J. Roggen Mai=Juni 151,25 J. Sept.=Okt. 155,00 J, Hafer Mai=Juni 161,50 J., Sept.=Okt. 147,75 J., Rüböl vorr. mit Faß 49.00 J, ohne Faß 48,25 M, Mai 48.75 J., Sept.= Okt. 49,75 J., Spiritus 70er vorrätig 37,60 J. Mai=Juni 36,90 K, Aug.=Sept. 37,40 J, 50er vorrätig 00,00 M. Viehmärkte. Dortmund, 23. Mai. Städt. Viehhof. Zum heutigen Schlachtviehmarkt waren aufgetrieben: 651 Stück Großvieh, 282 Schweine, 214 Kälber, 7 Schafe. Per 100 Pfd. Schlachtgewicht wurde gezahlt: für Ochsen 00—00 M, für Stiere 45—53 M, Kühe 1. Qual. 53—57 K., 2. Qual. 48—52 M. Schweine 1. Qual. 52—56 M, 2. Qual. 00—00 M Kälber per Pfd. Schlachtgewicht 1. Qualität 55—60 9, 2. Qualität 50—54 4, Schafe desgl. 55 4. Unverkauft blieben 13 Stück Großvieh. per Der heutigen Nummer unserer Zeitung liegt eine Beilage bei, betreffend die Militärvorlage. — Moniag vom 23. Mai ab eröffne ich wegen bereits vorgerückter Sommer=Saison einen „„— der noch vorräligen Damen- und Kinder-Konfektion, lusen und Sonnenschirme. Ich empfehle: 100 Stück Regenmäntel von 3 Mark anfangend, reeller Wert 15—40 Mark. Eine große Partie Staubmäntel, Paletots und. Hohenzollern=Faggn. hog 3.,,20 Mark, reller Wert 16—50 Mark. Eine große Partie Jacketts in schwarz und fardig von 1 Murt un, teeller Wert 6—30 Mark. se Bartie Kragen in schwarz und farhig von 2 Mark an. Eine große Partie Jacketts in schwarz und furoig Eine große Packie Kragen in schwarz und farbig von 3 Mark an. Eine große Partie Capes und Umhänge in Wolle, Seide und Spitzenstoffen. Eine große Partie Kinder=Mäutel und Kinder=Kleidchen, von 75 Pfennig anfangend. Eine große Partie Blusen, von 1 Mark anfangend. Cine große Partie Sonnenschirme von 2,50 Mark anfangend. Auf diese nur vorteilhafte Gelegenheit mache ich ganz besonders aufmerksam und bemerke gleichzeitig, daß meine sämtliche Konfektion nur aus besten Stoffen gearbeitet ist. Keine Auswahlsendungen.— Verkauf nur gegen bar. SS. Aufe PMPreddehterg 3—5 Elberfelderstrasse 3—5. 15 * Weris von Horde = Sämtliche Warenvorräte habe, um schnell zu räumen, nochmals billiger gestellt, daher aussergewöhnlich 2 vorteilhaft zum Einkauf für Konhrmanden und Kommunikanten und Aussteuern. 9 Cg 0 9 Schnenl-g O„ 0 Sschirmes 8 0 aus Halbseide 2,00, 0 Ofein gestreift 1,80,□ □ hochfein geblümt 2,75 □) bis zu den hochfein-□ ∆ sten, reinseidenen emphiehlt. 0 O De. aussergewonnlich 2 □ O De billig. □ 8 D. Treu, 8 0 Schwerte, □ O Wilhelmstrasse 34, an den städt. Anlagen. 8 0000000000 B 9 RRRRRRARNN Korsett-Fabrik von D. Treu, Hagen. 8 Filiale in Schwerte, Wilhelmstraße 34, im Hause des Herrn E. 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Ein großer Posten amenblusen, Der etwa 1000 Stück, kommt bedeutend unter Wert zum Verkauf! Ich offeriere: Battist-Blusen zu 1 Mk. Flanell-Blusen zu 1 Mk. 75 Pf. Satin-Blusen zu 2 Mk. Kaschmir-Blusen zu 2½ Mk. Musselin-Blusen zu 3 in schönster und modernster Ausstattung. Sämtliche Qualitäten sind in meinem Schaufenster zur Ansicht ausgestellt. WV. Sondneim. X X 30 X 20 X M X 36 X N X 26 X Nan. N RRERRU 5 Arbeitera Hemden, Blusen,## * Kittel 84 # in grösster Auswahl. 6 Hemden# # von 1,10 Mark an;## K Kittel# # von 1,20 Mark an;## Ablaulein. Hosen 1,50 M. in bester Qual. A empfiehlt 6 D. Treu, * Schwerte,# Wilhelmstrasse 34,### an den städt. Anlagen.# # Hagen, Gerelobers. Felunder, alter korn Lommmans Keint VERLEN besser und billiger wie, Cognac. Albert& Gustav Lohmann, Witten a. d. Ruhr. 1790 gegründet. Höchste Auszeichnungen. gegründet 1790. Vertreter: Friedr. Bährensmann, Schwerte u. Geisecke. Nähmashinenbesitzer: Zum Schmieren der Nähmaschin gebraucht das Beste; es ist das Billigste! Die dem Petroleuy# ähnlichen Vaselineöle haben kei ölenden Fettgehalt un Ein Portemonnaie mit Geld auf der Bahnhofstr. verloren. Der redl. Finder wird gebeten, dass. in der Exped. abzugeben. Ein Mädchen gesucht, welches im Kleidermachen schon etwaserfahren ist. Wo, sagt die Exped. d. nen un ruinierten die Maschine. Klauend it das bese Rähmaschrgng es besitzt größte Schmierse. keit und harzt nicht: Klauen# präpariert, für Nähmaschineg von Möbius& Sohn, nover, ist zu haben in besseren Handlungen in Flasch# à 60 Pfg. Tapeten Alen Musterbücher überall hin fran Die schönsten, neuesten Musich Kammerecker's Tapete Iserlohn. Remsche für den Kreis Gorde. pro Quartal 1 Mark 50 Pfg. Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. „Illustrier Familienfre und. * Kreisbratt Insertionsgebühr für die sechsspaltige Zeile oder deren Raum 10 Kse außerhalb des Leserkreises 15 Pfg.; Reklamen 30 Pfg. Redaktion, Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Nr. 61. Schwerte, Samstag, 27. Mai 1893. 25. Jahrgang. Brandkäthe. (Fortsetzung.) Nach den Stürmen und Regenschauern des Herbstes kam allgemach der Winter und hüllte über Nacht Berg und Thal, Flur und Wald in ein weißes Schneegewand. Als die letzten Blätter hernieder rieselten von den kahlen Zweigen und sturmverweht in irgend einem stillen Winkelchen am Boden sich müde zur Todesruhe betteten, da ging auch Käthe's Vater, der müde, gebrochene Mann, ein zur letzten Ruhe. Nur wenige waren es, die seinem Sarge folgten. Hermann Reinberg war nicht unter ihnen, ich aber konnte es mir nicht versagen, Käthe, die still und blaß am Grabe ihres Vaters stand, in inniger Teilnahme die Hand zu drücken und sie zu bitten, auf mich zu zählen, wo irgend sie eines Freundes bedürfe. Außer mir gaben nur noch Vater Hall und die beiden Freundinnen, Klärchen und Marie, dem Toten das letzte Geleit. Auch Konrad war zu dem Begräbnis herübergekommen, und ich beobachtete, wie seine und Klärchens Blicke mit dem Gruße inniger Liebe sich begegneten und trotz der Trauer des Augenblicks doch die Freude des Wiedersehens wie Sonnenlicht aus Wolkendunkel aus beider Augen leuchtete. Konrad hatte, wie er mir später sagte, eine einträgliche Stelle bekommen in der Fabrik, in welcher er schon früher gearbeitet hatte. Er durfte jetzt nicht lange bleiben, zum Weihnachtsfeste wollte er wiederkommen. Hin und wieder besuchte ich den kleinen Johann, ich traf dann auch meist Käthe zu Hause, weil sie jetzt im Winter nichts Brauchbares zu ihrer Arbeit fand und gewöhnlich im Hause beschäftigt war. Sie kam mir ruhig und freundlich entgegen und doch lag stets ein tief schmerzlicher Zug auf ihrem Gesicht, als ob ein geheimer Kummer sie quäle. Wohl wußte ich, was dies sei, wem das ruhelose Verlangen ihres Herzens galt, und diese Erkenntnis hielt mich ab, jenes Wort zu sprechen, das sich so mächtig auf meine Lippen drängte, jene eine Frage, ob sie mein Weib werden, sich mit mir verbinden wollte in Lust und Weh, Freud' und Leid; ob meine Liebe sie schützen dürfe vor Kränkung und Hohn, Sorg' und Kummer. Für Johann war's stets ein Freudentag, wenn ich kam, und wenn ich seine leuchtenden Augen sah, nahm ich mir jedesmal vor, meinen Besuch bald zu wiederholen ungeachtet des Geredes der Leute, die schon allerlei Bemerkungen und Vermutungen zischelten über den neuen Schulmeister und die Brandkäthe. Eines Sonntags nachmittogs, als ich, nachdem ich meinen Organistendienst in der Kirche versehen, behaglich in der wohlgeheizten Stube einsam bei meiner Tasse Kaffee saß, klopfte es kräftig an die Thür, und auf mein„Herein!“ erschien Peter Bordmanns stämmige Gestalt. „Guten Tag, Herr Schulmeister!" rief er, sich den Schnee von der Pelzmütze klopfend und mir derb die Hand schüttelnd.„Haben's gemütlich warm hier drinnen, s'st aber auch ein schönes Winterwetter draußen.“ „Ja, es hat tüchtig geschneit,“ entgegnete ich, indem ich ihm meinen Korbsessel bot. Er schob ihn zum Ofen hin und setzte sich hinein, daß der leichte Stuhl bedenklich krachte. „Na, gut ist's für die Saat, daß das bißchen Schnee liegt,“ meinte er dann, sich behaglich zurücklehnend und die Beine gegen den Ofen ausstreckend,„wenn's nur meiner Alten und mir nicht immer drei Tage vorher in den Gliedern säß'! Ja, ja, Herr Lehrer, wir werden alle Tage älter und's will gar nicht so recht mehr geh'a.“ „Aber an Ihrem Sohne haben Sie doch in Allem eine tüchtige Hülfe,“ sagte ich. Er nickte zustimmend.„Hm, ja, fleißig und auch brav ist der Junge, das muß man ihm lassen, wenn er nur nicht den eigensinnigen Kopf hätt' und seinem Vater mehr gehorsam wär.“ „Ah. Sie meinen wegen der Schwiegertochter?“ „Grad' das mein ich, und wie er will, so will ich nicht; gegen die Marie hab' ich nichts, aber als Frau auf unserem Hof können wir doch keine nehmen, die auf dem Webstuhl gesessen hat, um sich ihr täglich Brot zu verdienen.“ „Ich meine aber, das ist doch keine Schande; ehrliche Arbeit schändet niemals!“ „Ach, das versteht Ihr nicht, Herr Schulmeister!“ unterbrach der Alte mich kurz. Dann saß er eine Weile schweigend da, räusperte sich mehrmals und schien irgend etwas auf dem Herzen zu haben, mit dem herauszurücken er sich doch nicht so recht entschließen konnte. Er sah mich eine Weile scharf an, dann begann er:„Herr Lehrer, ich wollt' Ihnen was sagen, d'rum bin ich hergekommen, hab schon immer d’ran gedacht, wie ich's so ein bischen schicklich einkleiden könnt', aber ich kann nicht viel Umschweife machen, unsereins fährt am liebsten grad' aus. Also ich mein' es schickt sich doch nicht für Euch, wenn Ihr die Brandkäth' zur Lehrersfrau in Nordenkirch machen wollt.“ Ich fühlte, wie ich rot wurde. „Aber wie kommen Sie denn dazu, anzunehmen, daß ich das thun will?" fragte ich stockend. „Na, das erzählen sich doch die Kinder auf der Straß', daß Ihr immer nach dem Ginsterberg geht und die Dirn besucht. Da hab' ich zu meiner Frau gesogt:„Der Schulmeister ist sonst ein vernünftiger Mann, ich werd' hingehen und es ihm sagen;'s kann ja auch sein, daß er sich nichts Arges dabei gedacht hat, man muß aber doch sorgen, daß man nicht in der Leute Mund kommt.“ „O, an das, was die Leute reden, kehr ich mich nicht,“ entgegnete ich lachend. „Ja, das hat der Hermann Reinberg auch gesagt und nachher hat er's doch anders bedacht und ist weggeblieben von der Käth'; dem hatten sie ja dasselbe Gered' gemacht. Jetzt ist er vernünftig geworden und hat eingesehen, daß die Toni aus der Thalmühle besser zu ihm paßt.“ „Die Toni?“ fragte ich verwundert.„Wie meinen Sie das?“ „Ja wissen's denn noch nicht, daß die Beiden mit einander eins geworden sind? Am zweiten Christtag soll der Verspruch gefeiert werden.“ Die Nachricht überraschte mich gar zu sehr, ich konnte ihr keinen Glauben schenken. So wie ich Hermann Reinberg kannte, schien es mir unmöglich, daß er, der prächtige junge Mensch Wohlgefallen finden konnte an diesem Mädcheu, das reich und auch fleißig und arbeitsam, doch geistig beschränkt, mit Stolz herab sah auf die anderen, die ihr an Reichtum nicht gleichstanden. „Das ist nicht möglich! Ich kenne den Hermann zu genau und weiß wohl, daß er sich niemals in die Toni verlieben könnte,“ rief ich ordentlich empört.„Das ist nur ein dummes Geschwätz von den Leuten.“ „Dummes Geschwätz! mit so was halt ich mich nicht auf!“ entgegnete Peter Bordmann beleidigt.„Wenn ich's Euch aber sag, so könnt Ihr's glauben!“ Ich schüttelte den Kopf.„Nehmen Sie mir's nicht übel, Herr Bordmann; ich kann mir aber gar nicht denken, daß der Hermann die Toni lieben könnte.“ „Lieben? Davon ist auch keine Red'. Das steht blos immer in den Geschichtenbüchern, wo zwei sich erst kriegen, wenn sie vorher allerlei Malheur und Molesten durchzumachen haben! Die vornehmen Leut', die Stadtfräulein und die Stadtherren, die mögen's auch wohl thun, aber wir Bauersleut' haben keine Zeit dazu. Die Frau Reinberg hat's ja schon immer haben wollen mit der Toni, der Hermann ist nun diese Woch' in der Mühl' gewesen und hat angefragt, die Toni und ihr Vater haben ja gesagt, und Christfest ist der Verspruch," berichtete Bordmann ruhig und seiner Sache gewiß. „Aber ich begreife nicht, wie der Hermann das thun konnte, da muß doch etwas Besonderes zu Grunde liegen, daß er diesen Entschluß fassen konnte," bemerkte ich noch immer staunend. Peter Bordmann nickte mit pfiffigem Gesicht. „Hm, die Toni ist ein reiches Mädel, sie kriegt an barer Mitgift so viel, daß einer sich’nen Bauernhof davon kaufen könnt, oder," setzte er bedächtig hinzu,„die Schulden bezahlen, wenn einem die Hypotheken über den Kopf wachsen; na, Ihr wißt ja, was ich neulich gesagt habe. So ein Haushalt wie der bei Reinbergs kostet Geld, viel Geld, und heutigen Tages bringt die Ackerschaft nicht so viel ein, daß man davon leben kann wie ein Baron.“ Er klopfte seine Pfeife aus und begann von anderen Sachen zu sprechen. Ich hörte nur mit halber Aufmerksamkeit hin; zu sehr hatte das eben Vernommene mich erregt. Es that mir leid um Hermann und um Käthes willen. Wie gern hätte ich das Weh von ihr abgewandt, den bitteren Schmerz, den Hermanns Verlobung mit Toni ihr bereiten mußte, ihr erleichtern mögen! Ich dachte daran, daß Hermann lange nicht bei mir gewesen, uns ich wußte nun auch, warum der junge Mann, als ich zuletzt mit ihm zusammen traf, mir so augenscheinlich ausgewichen war. Er hatte offenbar gefürchtet, ich möge in der betreffenden Sache eine Frage an ihn richten. Eh' Bordmann ging, kam er nochmals auf Käthe zurück und meinte, es sei besser, daß ich den kranken Jungen nicht mehr besuche, um den Leuten keinen weiteren Anlaß zum Gerede zu geben. Mißbilligend schüttelte er dann den Kopf. als ich ihm wieder sagte, daß ich mich durch solche Rücksichten nicht abhalten lassen könnte zu thun, wie ich bisher gethan. So hielt ich's denn auch. Nach wie vor besuchte ich meinen kleinen Freund, erzählte ihm, unterrichtete ihn und besah die Arbeit, die er in der Zeit gefertigt hatte. Dabei beobachtete ich Käthe, um zu sehen, wie sie es wohl aufnehmen und tragen würde, was auch sie von Hermann Reinberg gehört haben mußte. Wirklich merkte ich eine große Veränderung an ihr, doch nicht so, wie ich geglaubt und gefürchtet hatte. Der stille, traurige Ausdruck in ihrem Gesichte war verschwunden, sie erschien heiter, ihre Augen blitzten und leuchteten in seltsamem Feuer, doch der alte böse, trotzige Zug trat schärfer als je hervor. Ich wußte nicht, war ihr Hermann schon gleichgültig geworden, oder war ihre Munterkeit nur erheuchelt und erzwungen, um den Schmerz zu verhüllen, der in verborgener Tiefe des Herzens brannte. Mir trat sie wie immer freundlich und dankbar entgegen, doch schien mir in ihrem ganzen Wesen etwas Dunkles, geheimnisvoll Drohendes zu liegen. Weder sie, noch ich erwähnten Hermann. Einmal klagte mir der kranke Knabe ganz betrübt, daß der Herr Reinberg, der ihm früher oft so schöne Sachen gebracht habe, nun schon so lange nicht mehr zu ihm gekommen sei. „Er wird wohl nicht gut die Zeit haben!“ bemerkte ich. „Oh doch, aber er wird zu der Toni gehen, die Schneidersfrau war hier und hat der Käthe erzählt, die Toni wäre Hermanns Braut, da hat die Käthe gelacht, aber wie die Frau fort war, hat sie geweint.“ Des Mädchens Eintritt unterbrach die Worte des Knaben. Eine äußere Angelegenheit führte mich auch in dieser Zeit zu Reinbergs. Die Frau empfing mich mit der glatten zuvorkommenden Freundlichkeit, die ihr stets eigen. Hermann selber sah ich nicht eher, als bis ich im Begriff war, zu gehen; er entschuldigte sich mit der vielen Arbeit, die ihm jetzt obliege. Sein Gesicht war bleicher als sonst, und in den Augen hatte er etwas Flackerndes, Unstätes, wie ich's früher nie bei ihm gesehen. So viel merkte ich wohl, glücklich war er nicht, er ebenso wenig wie Käthe, die unter Scherz und Lachen ihr heißes Weh verbarg. ** * Das heilige Christfest war gekommen. Feierlich läuteten die Glocken durch alle Lande, Ehre dem Herrn und Friede aus Erden kündend. Auch ich war von dem Müller noch besonders eingeladen worden zu dem Verlobungsfest am zweiten Feiertag, obwohl ich schon in meiner Eigenschaft als Lehrer überhaupt teilnehmen mußte an allen Kindtaufen, Hochzeiten und Begräbnissen in Nordenkirch. So beschloß ich, doch am Fest des Verspruchs teilzunehmen. Vorher aber wollte ich meinem Freunde Johann eine kleine Christfreude machen. Ich hatte einige hübsche kleine Sachen gekauft, mit denen ich ihn beschenken wollte, weil ich am heiligen Abend und am ersten Feiertage dringend abgehalten worden, konnte ich sie ihm erst am Tage des Verlöbnisses bringen. Auf dem Wege nach dem Häuschen am Ginsterberg aber traf ich mit Bordmann zusammen, der nicht nachließ, bis ich ihm den Willen that, auf ein Stündchen mit ihm in sein Haus zu kommen, um, wie er sagte, zu prüfen, ob der Christstollen gut geraten sei, den seine Alte gebacken. So war's wider meinen Willen schon Abend geworden, ehe ich zu Schirmers kam. Meine geringen Geschenke bereiteten dem Kranken große Freude. Käthe sah ich nicht, wohl aber Konrad, der zum Feste nach Haus gekommen war. Er erzählte mir von seinem Leben in der Stadt und der großen Fabrik, in der er jetzt arbeitete. So flog die Zeit schnell dahin, bis ich mich endlich darauf besann, daß ich auch noch zur Tholmühle wollte. Ohne mir selbst dieser Absicht recht bewußt zu sein, hatte ich unwillkürlich mit dem Fortgehen gezögert in der Hoffnung, die Vermißte möge kommen. Aber nur Martha saß da und sah mich mit den träumerischen Augen still und sinnend an, ganz glückselig in der festlichen Freude des Tages. „Weißt Du nicht, wohin die Käthe ist, Martha?“ wandte sich endlich Konrad an diese.„Sie ist nun schon so lange sort.“ „Sie hat gesagt, sie müsse etwas besorgen. Es könnte ein wenig lange dauern, aber sie wollte wieder da sein, wenn Johann schlafen ginge.“ Ein Blick auf die Uhr belehrte mich, daß ich nicht länger bleiben könne; so verabschiedete ich mich denn von Konrad und schlug den Weg zur Thalmühle ein. Die Nacht war still und dunkel, ungewöhnlich warm für diese Zeit des Winters. Nur eine kurze Strecke war ich von dem Häuschen Schirmers entfernt, als ich eine große dunkle Gestalt vor mir auftauchen sah, die wie dem Boden entstiegen plötzlich da stand und dann den Weg einschlug, der in der Richtung des Dorfes zu dem Reinbergshof abführte. Mit schnellen, lautlosen Schritten glitt sie dahin und war bald völlig in der Dunkelheit des Abends verschwunden. Mir war, als hätte ich sie schon früher öfters gesehen; an wen erinnerte sie mich doch? War's nicht der Verwalter Winkelbach, dem sie glich in Größe und Bewegung? Doch nein, der Verwalter war ja weit weg und wie sollte er es wagen, heute abend hierher zu kommen? Bald langte ich in der Nähe der Thalmühle an, aus deren festlich erleuchteten Zimmern heller Lichtschein durch die Fenster hinaus drang in die dunkle Nacht. Gläserklingen, Scherzen und Lachen zeugten davon, daß man sich's angelegen sein ließ, den Verspruch würdig zu feiern. Die Buchen und Erlenbäume, welche im Sommer die Fenster beschatteten, waren jetzt kahl und blätterlos, und so drang ungehindert von außen der Blick hinein in den großen, hellen Raum. An den Stamm einer der Bäume gelehnt, stand eine regungslose Gestalt. War es dieselbe, die ich vorhin gesehen? Nein, das war nicht möglich, und jetzt sah ich's auch deutlich, es war ein schlankes Mädchen, dessen Gesicht ein Tuch halb verhüllte. Regungslos, wie gebannt starrte sie hinein in das festlich fröhliche Treiben da drinnen, auf das ihr gerade gegenüber sitzende Paar, den schönen jungen Mann mit dem blassen Gesicht und den sonst so leuchtenden blauen Augen, die jetzt so seltsam verschleiert, wie unter dem Bann eines Traumes in das Dunkel hinausblickten. Weiter wanderten die Blicke der Beobachterin auf das geputzte, rotwangige Mädchen an der Seite Hermanns, das so laut und übermütig lachte und kreischte zu den groben Späßen der jungen Burschen und Mädchen, und sich stolz mit dem drallen, halbentblößten Arm auf die Schulter ihres Bräutigams lehnte. Jetzt mußte die Lauscherin meine Schritte gehört haben. Hastig wandte sie sich um und sah mich erschrocken an, indes ein leiser Schrei ihren Lippen entfuhr. „Käthe!“ sagte ich tiefbewegt und wollte ihr die Hand reichen,„ich bin's, erschrecken Sie nicht!“ Sie wandte ihr blasses Gesicht, auf das jetzt der helle Lichtschein fiel, mir voll zu, und ich erbebte fast vor dem wilden, zornigen Ausdruck desselben und dem irren, starren Blick der großen Augen. Kurz und schrill lachte sie auf,— es klang wie Todesgeschrei eines Vogels, den das verderbenbringende Blei in die Brust getroffen— dann eilte sie lautlos hinweg— doppelt schwer war’s mir nun, in den schwatzenden, lachenden Kreis da drinnen zu treten. Noch stand ich zögernd. Da ward die Thür ausgerissen, und der Thalmüller, der Vater der Braut, trat heraus mit einem der jungen Burscher. „Guten Abend, Herr Lehrer!“ rief er laut, als er meiner ansichtig wurde;.#' ist doch schön, daß Ihr noch gekommen seid. Wenns auch alleweil spät geworden ist, könnt doch noch ein Stündchen lustig sein mit uns! Geht nur schon hinein, ich komme gleich, die Toni meint, es hätt' eben ein Eulenvogel geschrieen da draußen und das bedeutet nichts Gut's. Nun wollt' ich mal sehen, wo das Tier sitzt, und es fortjagen, sonst setzt sich das Mädel noch allerlei dummes Zeug in den Kopf.“ Ich ließ ihn ruhig auf seiner Eulenjagd und trat ein. Mir wurde der Ehrenplatz in der Nähe des Brautpaares zuerteilt neben der dicken Müllerrin, die mir sogleich erzählte, daß zu ihrem Leidwesen Frau Reinberg nicht habe kommen können, weil's ihr gar nicht wohl geworden sei und sie nun zu Bett liegen müsse. Hermann wurde glühend rot, als ich ihn begrüßte, bald aber wich die Röte von seinen Wangen, und er saß blaß und schweigsam da wie vorhin; auch der Braut schien sich jetzt diese trübe Stimmung mitgeteilt zu haben; halte der vermeintliche Eulenruf das Unbehagen hervorgerufen oder die kalte Schweigsamkeit des Bräutigams? Sie machte ein ziemlich mürrisches, verdrießliches Gesicht, und als ihr Bruder Heinz im beginnenden Rausche anfing, Hermann wegen seines auffälligen Wesens zu necken, und allerlei Andeutungen machte von der Brandkäthe, fuhr sie diesen so heftig an, daß auch er trotzig entgegnete. „Haltet den Mund!“ schrie der Müller, der indes von seiner erfolglosen Jagd zurückkehrend, wieder hereingetreten war. „Herr Schulmeister, haltet Ihr doch mal'ne schöne Red', Ihr könnt's ja, das haben wir gesehen an dem Tag, wo Ihr heigekommen seid. Legt mal los, dann wird's anders werden! Ich weiß gar nicht, was das hier für ein verdrießliches Wesen ist.“ „Aber erst laßt uns mal trinken, daß die Grillen verfliegen, das verflixte Eulentier soll uns doch nicht das Fest verderben.“ (Fortsetzung folgt.) * Ein Wolkenbruch mit Hagelwetter richtete bei Iglau(Oesterreich) arge Verwüstungen an. Später trat starker Schneefall ein. * In den israelitischen Tempel zu Dobrowitz, Bezirk Czaslau(Böhmen) drangen unbekannte Thäter und verwüsteten die ritualen Gegenstände. In Strak, Bezirk Podiebrod, wurde die Wohnung einer Israelitin erbrochen, die Hausgegenstände wurden beschädigt. * Auf einem großen Pariser Kirchhofe wurde zur Nachtzeit ein Mann entdeckt, der mit einer schaufel ein frisches Grab aufwühlte. Und mit wem hatte man es zu thun? Mit einem Grafen, der den vor wenigen Tagen erfolgten Tod seiner Frau nicht verschmerzen konnte und lebendig neben ihr im Grabe hatte Platz nehmen wollen. Jetzt sitzt der bedauernswerte Mann in einer Irrenanstalt. * Die Cholera ist in einigen Ortschaften Persiens wieder ausgebrochen. 333333/8/333333 das Neueste in leichten und O Golrsried Prack, Schwerte, Markt 1, in Ganz seid. bedruckte Foulards Mt. 135 bis 5.85 p. Met.—(ca. 450 versch. 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