Lesbkart für ven Kreis Abonnemens=Preis pro Quartal 1 Mark 50 Pfg. Erscheint Dienstag, Donnerstags und Samstags. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“ Hörde und den Landkreis Dortmund. Insertionsgebühr für die sechsspaltige Zeile oder deren Raum 10 Pig außerhalb des Leserkreises 15 Pfg.; Reklamen 30 Pfg Redaktion, Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Nr. 134 Samstag, 12. November 1892. 25. Jahrgang. In Paris ist am Dienstag ein gräßliches Dynamitattentat vollführt, welchem eine ganze Anzahl Menschenleben zum Opfer gefallen sind. Eine Bombe explodierte auf einem Polizeibüreau, wohin sie zur Untersuchung gebracht war, gerichtet war das Attentat jedoch gegen das Büreau der Minengesellschaft von Carmaux; denn in diesem wurde die Bombe gefunden. Es ist also kein Zweifel daran möglich, daß das Attentat mit dem Streik von Carmaux im Zusammenhang steht. Durch die Explosion wurden vier Personen sofort getötet. Dem bei der Katastrophe verunglückten PolizeiInspektor Troutot mußte das rechte Bein abgenommen werden; er starb bald nach der Amputation. Die Körper der getöteten Polizeibeamten wurden zu Brei zermalmt. Die Zerstörung ist schrecklich. Zwei Stockwerke des Kommissariatsgebäudes sind völlig vernichtet. Die Straße ist mit Trümmern übersäet. Da das Haus dem Einsturz droht, wurde der Zugang untersagt. Im Stockwerk unterhalb des Kommissariats wurden vom durchbrechenden Plafond alle Möbel zertrümmert. Die Fensterscheiben der nmliegenden Häuser fielen zerbrochen in den Hof des Büreaus. Der Boden des Hauses ist mit Glasstücken, menschlichen Fleischfetzen und Blutflecken bedeckt. Am Gasrohr hingen Gehirnteile eines der Opfer, deren Ueberreste nur mit großer Mühe aus den Trümmern herausgezogen werden konnten. Als eine Brigade von Polizeiagenten zu weiterer Hülfsleistung im Laufschritt herbeieilte, brach einer derselben, Unterbrigadier Henriot, zusammen: er war vor dem Thore des Hauses vom Schlage gerührt. Um 3 Uhr nach mittags konnte die Feuerwehrmannschaft die Trümmerstücke beseitigen. Die Körper der Getöteten und Verwundeten wurden in leinenen Tüchern nach einem benachbarten Schuppen geschafft und dort auf Tragbahren gelegt. Die Bergwerksgesellschaft von Carmaux hat während des nunmehr beendeten Novenber Still ist's im Wald geworden, Die Blätter fallen sacht. Es weht ein Wind aus Norden Und seufzt um Mitternacht. Doch dort, am Waldesrande Sprießt schon die Wintersaat— So schwebt durch alle Lande Die Hoffnung ihren Pfad. Nicht sterben kann das Leben, In Traum nur wird's gewiegt. Und muß es sich erheben Wenn Lenz und Sonne siegt. So laß die Blätter fallen, Ein himmlisches Leuchten brennt— Fern schon die Glocken hallen Von unsers Herrn Advent! verborgene (Fortsetzung.) Unter dem Eingang war eine Mannesgestalt erschienen, ein Mann, Mitte der dreißiger im Alter und ziemlich lässig gekleidet. Man konnte seinem Gesicht einen gewissen interessanten Zug nicht absprechen, aber dennoch hatte dasselbe etwas, das abstieß. „Ah, Fräulein Trudchen,“ sagte er,„pardon, daß ich störte. Ich wollte Ihnen nur sagen, daß ich fortgehe und vor Nacht nicht zurückkehre. Sie lassen die Thür wohl offen.“ Damit berührte er leise seinen breitrandigen Filzhut und trat in den Vorplatz zurück. Gleich darauf ward draußen die Wohnungsthür geschlossen. „Das hast Du davon, Karl, der hat es gesehen,“ stieß Trudchen heftig heraus,„und wenn ich nun morgen in der ganzen Nachbarschaft herum bin, so trägst Du die Schuld daran!“ „Warum nicht gar!“ lachte Karl auf.„Der hat was anderes zu thun, als zu alten Waschweibern hinzulaufen und ihnen zu erzählen, daß ich Dich geküßt habe. Ueberdies— vielleicht hat er gar nichts bemerkt—“ „Aber er stand doch schon in der Thür—“ „Die er eben aufgemacht hatte! Komm, denke nicht mehr daran. Was schadet es auch. Du bist meine rechtschaffene Braut und in ein paar Jahren——“ „Daß Du schweigst!“ schlug das Mädchen ihm leicht auf den Mund.„Komm endlich einmal jetzt damit heraus, was Du eigentlich hier wolltest!“ Nun, sagte der junge Mann, ziemlich ernster, es ist allerdings bei uns von neuem etwas Ungeheuerliches geschehen. Der junge Herr ist fort!“ „Fort!“ wiederholte Trudchen.„Er ist geflohen?“ Ausstandes zahlreiche Drohbriefe erhalten, darunter einen, worin der Gesellschaft angedroht wird, das Geschäftshaus derselben werde in die Luft gesprengt, falls nicht sämtliche Bergarbeiter sofort wieder angestellt würden. Die Bläteer geben der Entrüstung der Bevölkerung über die Explosion schärfsten Ausdruck. Westfalen und Rheinland. Schwerte, 10. Nov. Der westfälische Provinzial=Ausschuß hat dem westf. Feuerwehrverbande auch in diesem Jahre 1000 Mark Zuschuß bewilligt und bestimmt, daß dieser Betrag fortan alljährlich als fester Beitrag gezahlt werden soll. Mit Rücksicht auf die Bewilligung sollen wenigstens in diesem Jahre von den Mitgliedern des Verbandes keine Beiträge erhoben werden. Dortmund, 4. Nov. In der letzten Zeit hat sich hier ein angeblicher Schauspieler unter dem Namen Adolf Clemens oder Adolf Adolphi aufgehalten, sich bei mehreren Familien eingemietet längere Zeit dort gewohnt und ist dann, ohne die Kostschuld bezahlt zu haben, heimlich verduftet. Außerdem hat derselbe seine Kostwirte sowie eine große Zahl Gewerbetreibender um nahmhafte Beträge beschwindelt. Bielefeld, 6. Nov. Pastor Wangemann aus Bielefeld hat es jüngst unternommen, in der Gestalt eines reisenden Handwerksburschen Rheinland, Westfalen und Hannover zu durchstreifen in der Absicht, die Lage der „armen Reisenden“, die Einrichtung und Wirksamkeit der Verpflegungsstation, die Thätigkeit der Aufsichtsbehörden gründlich zu erforschen. In dem hannoverschen Städtchen Stolzenau saß er abends in der Herberge mit einem „echten“, armen Reisenden beim Würfelspiel, als plötzlich ein Gendarm eintrat und die „Nein, nicht geflohen, sondern von seinem Vater fortgeschickt! Aber— um Gottes willen, daß Du es keiner Seele verrätst!" Sie sah ihn mit einem Blick an, der ihm das Blut ins Gesicht trieb. „Du hast gehorcht?“ fragte sie spitz. Seine Verlegenheit wuchs. „Nein, Trudchen, wirklich nicht!“ stammelte er.„Aber ich war im Arbeitszimmer des Herrn, seines Rufes gewärtig, und da wurde nebenan auf einmal so laut gesprochen, daß ich es hören mußte. Trudchen, wirklich, gehorcht habe ich nicht!“ Sie warf allerliebst den Kopf zurück. „Pah, das redest Du mir nicht ein!“ sagte sie so obenhin.„Na, sei nur gut, ich will Dir's auch gar nicht zum Vorwurf machen. Weißt Du, nach alledem, was bei Euch vorgegangen ist,— hu, die Neugierde hätte auch mich horchen lassen!“ Er schüttelte den Kopf. „Ich that es aber wahrhaftig nicht,“ sagte er.„Ich mache mir nur Vorwürfe, daß ich nicht aus dem Zimmer ging, sondern blieb und so alles hörte. War der Herr aber in der Fahrt, sage ich Dir! Er schuldigte den jungen Herrn alles möglichen an; es fehlte nicht viel, so hätte er ihm wohl gar gesagt, daß er seine Mutter gemordet habe. Du lieber Gott, der junge Herr mag ein bischen leichtsinnig sein,— wozu haben denn diese Leute das viele Geld?— aber das, was sein Vater zu ihm sagte, ist er ganz sicher nicht!“ „So,“ fiel das Mädchen ihm ins Wort,„also leichtsinnig darf man gern sein, ohne gerade schlecht zu heißen?“ Karl biß sich auf die Lippen. „Wie Du das nur gleich wieder nimmst!“ sagte er.„Ich meinte natürlich nur junge Leute so reicher Herkunft, wie der junge Herr Volkheim, — andere und gar junge Mädchen beileibe nicht!“ Sie drehte sich kurz um und dem Fenster zu. „Na, das wollte ich meinen und Dir geraten haben!“ sprach sie dabei.„Allein Du bist noch nicht zu Ende——“ „Nein,“ hob er, nur zu froh, die Klippe umschifft zu haben, wieder an.„Der Vater verstieß also den Sohn mit harten Worten und um elf Uhr die letzte Nacht kam dann ein fremder Wagen, in welchem der junge Herr auf und davon fuhr, wohin, weiß ich nicht. Der alte Johann könnte sicher mehr sagen, aber der geht mit einem Gesicht umher, daß man keine Frage an ihn stellen mag.“ Anwesenden aufforderte, ihre Militärpapiere ungesäumt vorzulegen. Der Herr Pastor, der wohl im Besitze eines falschen Wanderbuches und einer echten Legitimation war, ein Militärpapier aber nicht sein eigen nannte, wurde als unsicherer Heerespflichtiger in's Gefängnis abgeführt und hier blieb ihm nichts weiter übrig, als sich in seiner Eigenschaft als „Geistlicher auf einer Studienreise" zu eckennen zu geben. Kupferdreh, 4. Nov. Hier stürzte ein Assistent in eine Grube mit glühender Asche, wobei er sich ganz gefährliche Brandwunden zugezogen hatte. Als der Bedauernswerte wieder glücklich aus der Grube geklettert war, wäre er beinahe von einer heranbrausenden Lokomotive erfaßt worden, was der Lokomotivführer noch rechtzeitig zu verhindern wußte. Düsseldorf, 4. Nov. Ueber das Vermögen des Fabrikanten J. Hemmerling von hier, welcher auch Besitzer des Bades Soden bei Salmünster ist, sowie der fürstlich Ysenburg'schen Holzindustrie, J. Hemmerling u. Co., welche zu Birstein und Wächtersbach große Dampfsägewerke betreibt, ist der gerichtliche Konkurs eröffnet worden. Auch die fürstliche Verwaltung erleidet erhebliche Verluste. Buer, 7. Nov. Die Liebesgabe des Gustav=Adolf=Vereins ist durch Abstimmung der Hauptvereine der hiesigen Gemeinde zugewiesen worden. Die Liebesgabe beträgt 17536 M Als Ort der nächsten Hauptversammlung ist Bremen gewählt worden. Villmar, 9. November. Daß sich jemand sein eigenes Grab gräbt, dürfte noch ein sehr wenig vorgekommener Fall sein. Derselbe hat sich jüngst in unserem Flecken ereignet. Der hiesige Totengräber, der seit ungefähr 35 Jahren sein Amt als solcher versieht, fiel, im Begriffe, ein Grab für einen verstorbenen Mann zu graben, plötzlich von einem Schlaganfall getroffen, in dasselbe und wurde „Und was hat das alles mit Deinem Kommen jetzt zu thun? „Das sollst Du gleich hören. Heute morgen gab die Hausdame, die Frau Baumgart, die, wie Du weißt, wir alle nicht leiden können, mir einen Brief von dem Herrn, den ich sofort ins Comptoir bringen sollte. Derselbe war an Herrn Wörner gerichtet, den Prokuristen, wie Dir bekannt ist. Dieser nun bestellte mich auf eine Stunde später wieder ins Büreau. Ich ging nur zu gern; auf der Straße aber stieß ich auf einen Schulkameraden, ein Wort gab das andere und, während wir noch so standen, sah ich auf einmal Herrn Wörner daherkommen. Rasch trat ich unter einen Thorweg. Als er vorüber war, ging ich, weil sein Weg auch zufälligerweise der meine war,— denn ich wollte zu Dir,— ihm nach. Er lenkte die Schritte hierher und ich sah ihn in das Nebenhaus bei dem Heuerbaas Ramsen eintreten!“ Das Mädchen hatte sich ihm zugewandt, ihr Gesicht verriet das lebhafteste Interesse und sah dabei mehr denn je pikant aus. „Bei Ramsen?" wiederholte sie.„Und, o, wie ist mir denn? Gestern spät rasselte ein Wagen heran, der gerade vor unserm Gang hielt. Das ist ein Ereignis in dieser Gegend, wohin so spät selten eine Kutsche kommt. Ich sah ihn unten stehen.“ „Wann war das?“ „Bald nach elf Uhr mochte es sein.“ „Und um elf Uhr fuhr der junge Herr von unserm Hause fort—“ „Das paßt auffällig!“ stimmte Trudchen bei. „Mein Gott, Karl, sollte Dein Herr seinen leiblichen Sohn als Schiffsjunge zur See gesandt haben?“ Der junge Diener war ordentlich blaß geworden bei seinen eigenen Gedanken, denen das Mädchen gleichzeitig die Worte gegeben hatte. „Es wäre nicht das erste Mal, daß derartiges geschehe,“ sagte er gepreßt.„Das ist aber furchtbar ernst. Wenn— wenn doch am Ende etwas an der Sache wäre?" „An welcher Sache?“ forschte Trudchen. „An dem Gerücht, welches unsern jungen Herrn beschuldigt!“ „Karl!" „Trudchen, es ist ja ein schrecklicher Gedanke, aber er ist doch nicht so ganz unmöglich!“ „Du änderst ja schnell Deine Ansichten!“ „Das thue ich nicht, aber Umstände veränderndie Sachlage. Zu solchem Vorgehen muß der Herr doch einen Grund haben!" als Leiche gefunden. Die Gemeinde hat beschlossen, den Verstorbenen in dem für einen anderen bestimmten Ruheplatz niederzulassen. Schwurgericht. Hagen, 8. Nov. Gestern begann unter dem Vorsitz des Landgerichts-Direktors Cremer von Hagen die diesjährige dritte Schwurgerichtsperiode. Es standen zwei Sachen an, von denen die eine wider die Arbeiter Heinr. Herbert und Gust. Strate aus Witten, wegen Diebstahls und Raubes nach kurzer Verhandlung vertagt werden mußte.— Die andere Sache richtete sich gegen den Former Aug. Lüdke und den Gärtner Ew. Schüren, beide aus Rüdinghausen bei Annen. Diese Burschen, im Alter von 19 resp. 21 Jahren, bisher unbescholten, haben sich des Straßenraubes schuldig gemacht, indes will einer von dem andern zu der unseligen That veranlaßt sein. Im Hinblick auf die Jugend der Angeklagten, aber auch in Rücksicht auf die großartige Rohheit derselben, erkennt der hohe Gerichtshof auf eine Zuchthausstrafe von je sechs Jahren und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf gleiche Dauer. Hagen, 9. Nov. Unter Zubilligung mildernder Umstände wurde der Metzgeimeister C. Beckmann von hier wegen Sittlichkeitsverbrechen zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.— In der Nachmittagssitzung wurde gegen den Drahtzieher W. Stute aus Altena verhandelt. Derselbe hatte seine auswärts als Magd dienende Tochter als gestorben gemeldet und 90 J Sterbegeld erhoben. Der Gerichtshof erkannte auf 6 Monate Gefängnis. Dem Angeklagten wurden 2 Monate Untersuchungshaft angerechnet. Soziale Bewegung. Solingen, 8. Nov. Die Differenzen zwischen den Scherenfabrikanten= und Arbeiter=Vereinen sind nunmehr in Güte beigelegt; die Arbeiter haben sich mit den durch die Zeitverhältnisse gebotenen geringen Preisreduktionen einverstanden erklärt, und die neuen Preisverzeichnisse treten schon am 1. Dezember c. in Kraft. Bremerhaven, 7. Nov. 300 Erdarbeiter, in der Mehrzahl Polen, die bei den hiesigen Hafenerweiterungsbaut n beschäftigt sind, haben die Arbeit nedergelegt und fordern Lohnerhöhung und wöchentliche Lohnzahlung. Charleroi, 8. Nov. Auf Kohlengrube La Paix in La Louvière legten 400 Bergleute unter Forderung von Lohnerhöhung die Arbeit nieder. Darin konnte sie ihm nicht widersprechen. Sie hatte sich auf ihren Stuhl vor der Nähmaschine niedergelassen und sah sinnend vor sich hin. „Trudchen," unterbrach er ihr Grübeln,„ich habe eine Idee. Euer Mieter ist nicht da. Von seinem Zimmer aus kann ich die Ramsen'sche Hausthür überwachen. Vielleicht ist Herr Wörner noch da. Komm mit; ich muß Dir etwas wirklich Wichtiges mitteilen!“ Sie erhob sich und sah ihn fragend an. Dann nickte sie kurz und folgte ihm aus dem Seitenzimmer in jenes des Mieters, welches vorn hinaus gelegen war und einen freien Ueberblick über Straße und Wasser bot. Mit drei, vier Schritten stand er vor dem Seitenfenster des Erkervorsprungs, welches gerade auf den Ramsen'schen Hauseingang blicken ließ. Trudchen war ihm gefolgt; sie legte die Hände auf seinen Arm. „Du wolltest mir etwas Wichtiges mitteilen,“ sagte sie. „Ja,“ antwortete er,„etwas sehr Wichtiges sogar, denn Du mußt mir versprechen, keiner Menschenseele, selbst Deiner Mutter nicht, eine einzige Silbe davon zu verraten.“ Wenn etwas, so steigerte das ihre Neugierde bis zur Unerträglichkeit. „Ich verspreche es Dir!“ sagte sie. „Nun. denn: an dem Abend, an welchem der unaufgeklärte Todesfall unserer Herrin stattfand —— ha, was ist das!“ Er brach jäh ab, sein Gesicht so dicht an die Scheiben neigend, daß dieselben von seinem heißen Atem beschlugen. Schnell fuhr er mit der Hand darüber, sich einen wieder freien Blick zu verschaffen, und starr hafteten seine Augen auf dem Vorgang unten auf der Straße. 12. Verschwunden. „Herr Wörner?“ „Das ist mein Name. Sie wünschen?“ Der Sprecher, dem die Anrede des ihm Entgegentretenden gegolten hatte, musterte sein Gegenüber mit großem Blick. „Ich möchte Sie um einige Worte Gehör bitten,— darf ich?“ Damit hatte er bereits die Hand auf den Drücker der Hausthür gelegt und stieß die letztere auf. Der Prokurist des Hauses Volkheim fühlte sich ein wenig seltsam berührt durch diese Art Aufforderung zu einer Unterredung, aber das äußerst bestimmte Auftreten des andern erweckte gleichzeitig London, 7. Nov. Der lange drohende Streik, oder die Arbeitssperre, wenn man so will, der Spi von Lancushire, nahm am Samstag seinen Anfang. 50—60000 Arbeiter verlieren ihr Brot und 1300000 Spindeln hören Samstag mittag auf zu laufen. niemals hat es in dieser Industrie einen so gewalligen Ausstand gegeben. Die Arbeiter sind, wie immer siegesgewiß. Der Sckretär ihres Gewerkvereins, James Mawdsley, erklärte, die Spinner seien bereit, Kampf aufzunehmen. Sie seien besser als je mit Geldmitteln versehen. Einstweilen würden die Streiker 10 sh. die Woche Streikgeld erhalten und für jedes Kind werde eine Summe besonders ausgesetzt werden. Die Fabrikanten sind natürlich nicht minder gerüstet. Bei dem Streik handelt es sich bekanntlich darum, daß die Spinner sich in eine fünsprozentige Lohnherabsetzung welche die Fabrikanten für unvermeidlich erachten, nicht fügen wollen. Auch die Arbeiter geben zu, daß die Baumwollindustrie nicht sehr lohnend ist; nur sagen die Arbeiter, daß eine Lohnherabsetzung die Dinge auch nicht besser machen würde. Lieber solle man die Arbeitszeit verkürzen. Von den 44000000 englischen Spindeln verfügt der Verband der Fabrikanten über 20000000. Es ist nicht unwahrschenlich, daß der Streik lange dauern wird. Wer es am längsten gushalten kann, wied wohl Sieger bleiben. Vermischtes. * In der Nacht zum Sonntag wurde der Diamantenhändler Rombants in der Rue de la Charrue in Antwerpen von vier Männern überfallen, mißhandelt und beraubt. Außer einer gefüllten Geldtasche nahmen die Räuber eine goldene Taschenuhr, sowie eine Brieftasche mit Diamanten im Werte von 30000 Frcs. und 4000 Frcs. in Banknoten mit. Die Thäter sind unbekannt. * In dem Polizeikommissariat in der Rue des Bons Enfants in Paris hat eine Explosion stattgefunden. Zwei Polizeiagenten fanden vor dem Geschäftsgebäude der Bergwerksgesellschaft von Carmaux eine Art von Bombe. Die Polizeiagenten hoben dieselbe auf und brachten sie nach dem Polizeikommissariat. Als man die Bombe dort untersuchen wollte, erfolgte eine Explosion, durch die zwei Agenten getötet und einer verwundet wurden. Der materielle Schaden ist ziemlich erheblich. * Ein Berliner Kolportage=Buchhändler vertreibt augenblicklich eine Zeitschrift unter dem Titel:„Das kleine Buch für Alle. Das Werk enthält„wei Romanfortsetzungen. Außerdem aber teilt der Kolportage=Buchhändler auf dem Umschlage mit:„Zur Beachtung! Durch günstigen Abschluß bin ich in der Lage, meinen worten Freunden bei Abnahme des ganzen Werkes beim letzten Heft ein ca. drei Monate altes lebendes Schwein gegen Zahlung von 20 Pfg. zu überlassen. * Der seltene Fall des Uebertrittes eines Christen zum Judentum ist dieser Tage in Berlin vorgekommen. Ein junger Apotheker wollte die Tochter eines reichen Juden heiraten. Der Vater des Mädchens stellte die Bedingung, daß der Bräutigam zur mosaischen * R e l i g i o n ü b e r t r e t e n s o l l e. L e t z t e r e r i s t d i e s e r Forderung in der That nachgekommen. * In Wien hat ein 17jähriger Lehrling ein 16jähriges Mädchen mit meine Holzschlägel totgea. schlagen, weil es seine Liebesanträge abwies. Der Mörder hatte unmittelbar vor seiner schrecklichen u That in einem Schauerroman gelesen. Er ist offenbar durch Romanlektüre verdorben worden. * Bei einem militärischen Wettmarsch in England unter vollständiger feldmäßiger Ausrüstung errang der Zug eines Freiwilligen Bataillons den ersten Preis. Er legte die gegen 87 Kilometer betragende Strecke bei Regenwetter und grundlosen Wegen in 17 Stunden 36 Minuten zurück. * Havre, 4. Nov. Das englische Petroleumschiff„Northeroß“ geriet heute beim Verlassen des Hafens in Brand. Einige Matrosen sind verbrannt und mehrere ertrunken. Im ganzen haben neun Matrosen das Leben eingebüßt. Drei sind schwer verletzt. * Die Zahl der Irrenyausinsassen in England ist seit 1851 von 10 000 auf 21000 gestiegen, eine traurige Thatsache. * Emden, 9. Nov. Das Ergebnis des diesjährigen Heringsfangs stellt sich um 11 000 Tonnen günstiger als im Jahre 1891. In diesem Jahre wurden 26550 Tonnen gefangen gegen 15 992 im Vorjahre. * Bauernregel für den November. Blüh'n im November die Bäume aufs neu, dann dauert der Winter bis in den Mai. November=Gewitter hat die Kraft, daß es viel Getreide schafft. Wenn die Gänse um Martini auf dem Eise stehn, müssen sie um Weihnacht durch Pfützen gehn. Bringt November Morgenrot, der Aussaat viel Regen droht. Sankt Martin(11. November) liebt ein Feuerchen im Kamin. Ist Brustbein an der gebratenen Martingans braun, wirst Du balde Schneefall schaun; ist es aber weiß und sein, tritt bald trockene Kälte ein. Im November viel Naß, auf den Wiesen viel Gras. Fällt zeitig im November das Laub zur Erden, soll ein feiner Sommer werden. Schaut Sankt Andreas(30. November) hell und klar, schenkt er dem Bauer ein gutes Scv„ * King Vell aus Kamerun hat seinen Besuch in Altona angekündigt. Für denselben wird eine Villa aufgestellt und möbliert. Nach der Abreise des Königs wird die Villa aus einander genommen und mit dem Dampfer „Aline Wörmann" nach Kamerun expediert. * Von vielen Seiten werden Klgen laut über ungebührliche Belästigungen, Angriffe 2c., denen die Radfahrer bei ihren Turen auf öffentlichen Wegen seitens der ländlichen Bevölkerung ausgesetzt sind. Zur Warnung sei deshalb für alle, die es angeht, mitgeteilt, daß vor kurzem ein Mann aus Bronzell, der zwei Radfahrer aus Fulda, die friedliebend ihres Weges fuhren, in roher Weise mißhandelte, sie vom Rade warf und ihnen die Räder schwer beschädigte, vom Scköffengericht in Fulda zu einer Strafe von 6 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. * Ein Hotel ohne Bedienung. Vor einiger Zeit meldeten die Frankfurter Zeitungen, daß ein Konsortium von Amerikanern in Frankfurt gegenüber dem Hauptbahnhof ein Hotel erbauen wollte. Die Sache ist perfekt. Der Bauplatz ist angekauft, er liegt an der Ecke der Gneisenau= und Lützowstraße. Das Baumaterial ist bereits angefahren, doch mit dem Beginne des Baues hat es vorerst noch gute Weile, denn das Betriebskapital fehlt noch. Der Hotelbau sollte im nächsten Sommer vollendet sein, doch wird sein Interesse; dennoch mehr gegen seinen Willen, als mit demselben trat er über die Schwelle, welche er soeben überschritten, in das Haus zurück. Knixend kam Frau Ramsen, den kurz zuvor erst gegangenen Besucher mit dem ihr nur zu wohl bekannten Kriminalbeamten zurückkehren sehend, ihnen auf der Diele entgegen. „Wo gestatten Sie uns einzutreten, um einige Worte sprechen zu können?" ließ der Beamte sie gar nicht erst zu Worte kommen. „Bitte, hier nur!“ antwortete die Frau resolut, eine Seitenthür öffnend, die in ein kleines, recht. winkliges Gemach, offenbar das Schreibzimmer des Hausherrn, führte. Der Beamte, der als letzter über die Schwelle trat, schloß die Thür hinter sich. Dann näherte er sich dem voranschreitenden Prokuristen, der sich verwundert ihm zuwandte. „Verzeihen Sie meine scheinbare Zudringlichkeit, mein Herr," sprach er sehr artig.„Es han delt sich indes um eine Angelegenheit, welche die Ehre Ihres Hauses stark betrifft. Sie werden mich gleich verstehen. Sie wissen bereits, daß der junge Herr Volkheim diese Nacht nicht abgereist ist?“ Herrn Wörner's Erstaunen wuchs. „Ich hörte es zu meiner Ueberraschung, sagte er. „Es war notwendig,“ fuhr Roderich Falb fort.„Ich bedarf seiner zur Feststellung wichtiger Spuren— in seinem eigensten Interesse. Ist das geschehen, mag er reisen, wohin er will.“ Der Prokurist musterte den Sprecher scharf. „Was bezwecken Sie? forschte er langsam. „Ein Alibi festzustellen, wenn das möglich ist. Ich habe meine Gründe dafür." Herr Wörner sah den andern nur unverwandt 3 an. Er stellte keine Frage. Er wußte nur zu * wohl, daß das nutzlos gewesen wäre. „Sie kamen hierher, um sich zu überzeugen, ob der junge Mann abgereist sei?“ „Ja, und der Zufall wollte es, daß ich, ge“ rade als ich eintrat, seine Stimme oben im Hause 9 hörte, wie er mit Frau Ramsen sprach.“ üh „Die Frau kam dann, und ich fügle ihe auf den Kopf zu, daß der Schiffsjunge, den ich gestern abend hierher brachte, noch in ihrem Hause sei. Kleinlaut gestand sie es mir zu, beteuerte dann aber, daß er mit dem nächsten Schiff weg sollte. Jetzt erkenne ich den Grund, weshalb er nicht mit der„Sphynx“ abfuhr!" „Lediglich mit Rücksicht auf die Familie, welcher er angehört!" versetzte der Beamte.„Ich gebe zu, daß die Momente, welche gegen den jungen Mann sprechen, sehr schwerwiegender Natur sind, aber seine Schuld an dem eigentlichen Verbrechen ist damit noch nicht festgestellt!“ Der Prokurist trat unwillkürlich einen Schritt auf den Sprecher vu. B. grchem 9. „Sie— Sie halten es für ein Verbrechen!“ stieß er hervor. „Unzweifelhaft,“ gab Roderich Falb zurück, „und ich habe auch dafür meine guten Gründe, so fern es Ihnen auch liegen mag, dieselben im allergeringsten nur zu ahnen. Herr Wörner, wür den Sie mir offen auf einige Fragen antworten?“ Der Prokurist des Hauses Volkheim musterte den andern scharf. „Wenn es im Interesse unseres Hauses und der Familie ist, ja,“ sagte er. „Nun denn: was wissen Sie über die plötzliche Abreise des jungen Herrn Volkheim?; fragte der Beamte. „Ich vermute, so viel als Sie selbst. Sein Vater schickt ihn über See, weil er ihn für den Urheber alles Unglücks hält, welches über das Haus Volkheim hereingebrochen ist!“ „Und Sie teilen diese Meinung?“ „Widersprechen Sie derselben?“ „Das kommt hier nicht in Betracht. Ich möchte Ihre Ansicht kennen lernen, unbekümmert um alles Nebensächliche.“ „Nun denn, ja und nein," lautete dieet was zögernd gegebene Antwort.„Ja, weil der Vater den Sohn darum verdammt und verstößt,— nein, weil ich es für undenkbar, für ganz undenkbar halte.“ Der Beamte nickte einige Male. „Welche Gründe nannte der alte Herr Volkheim Ihnen?“ forschte er. „Wissen Sie das nicht?“ gegenfragte der andere. „Ich weiß manches, aber noch lange nicht alles,“ antwortete der Beamte.„Ihres Wissens handelt es sich wohl um Brillantkolliers und um ein Accept auf den Namen der Firma Volkheim?“ (Fortsetzung folgt.) die Vollendung nunmehr um ein Jahr verschoben. Der Bau ist für Deutschland etwas gauz Neues. Er wird 106 Zimmer enthalten, wovon ein Teil für Herren, der andere für Damen bestimmt ist. Ein Zimmer gleicht dem andern, wie ein Ei dem anderen. Die Zimmer sind klein. Jedes derselben enthält eine bettstelle mit Unterbett, zwei Koltern und ein Kopfkissen, einen kleinen Tisch, einen Stuhl, einen Kleiderhalter und ein Waschbecken. Zimmer kostet per Nacht eine Mark. Bedienung giebt es nicht. Wer sich morgens waschen will, muß sein Handtuch mitbringen. Wer die Stiefel geputzt und die Kleider ausgebürstet haben will, muß sich in einen Hofraum verfügen, woselbst amerikanische Stiefelputzer und Kleiderreiniger für 10 Pfg. die Reinigung vornehmen. Im Parterreraum des Hotels befinden sich die Erfrischungshallen, in denen man weder einen Stuhl noch einen Tisch findet, ganz nach amerikanischem Muster. Auf dem Buffet dampft morgens Kaffee, Chokolade, Milch 2c.; ein Glas von irgend einem Getränk kostet 10 Pfg. Ein Stück Kuchen kostet 5 Pfg. Ein zweites derartiges Lokal ist hauptsächlich für die mit der Bahn ankommenden Arbeiter bestimmt. Dieses Lokal wird morgens um 3 Uhr bereits geöffnet. Eine Tasse Kaffee mit einem Brötchen kostet 5 Pfg. Man hofft, m't dem Hotel hauptsächlich Touristen und geringeren Reisenden eine Wohlthat zu erweisen. Das Hotel wird nach philadephischem Muster gebaut. Man hätte es gerne siebenstöckig erbaut, doch wurde dies nicht genehmigt. Der Erbauer ist Herr Bauunternehmer Tauber, der lange Jahre in Amerika weilte und mit den Verhältnissen daselbst genau bekannt ist. * Dieser Tage fuhr in Bekes=Csaba in Ungarn ein 60—70jähriger Mann beim Fried hofe vor; der Unbekannte hatte ein Kreuz und einen Sarg mitgebracht. Im Friedhofe zog er Sterbekleider an, legte sich in den Sarg und wollte sich die Adern öffnen, dann aber erhängte er sich am Thore des Friedhofes. Man fand bei ihm 2 Gulden; einen hatte er dem Kantor, den andern dem Totengräber hinterlassen.„„„ 6e B * Madrid. Dem Herzog von Veragua, dem letzten Enkel des Columbus, sind in Madrid vor einigen Tagen seiner Börsenschulden wegen alle seine Möbel öffentlich versteigert worden. Der Herzog hat sich nun nach einem kleinen Dorfe zurückgezogen, wo er in großer Armut lebt. * In einem Kloster in Jerusalem starb dieser Tage eine armenische Nonne im Alter von 115 Jahren. Sie war 17 Jahre alt, als sie in das Kloster eintrat und hatte seit 98 Jahren dessen Thürschwelle nicht mehr überschritten. * Der vom Walfischfang im nördlichen Eismeer in San Francisco eingetroffene Dampfer Belum meldet, daß die Barke Helen Mar, als dieselbe sich anschickte, einen Walfisch einzufangen, durch eine Sturzwelle in die Höhe gehoben worden und zwischen zwei Gletschern zerschellt sei. 35 Menschen seien dabei umgekommen, nur 5 seien unversehrt geblieben. * Es ist eine alte Geschichte, aber sie kommt leider täglich wieder vor. Herr X. hatte einen kleinen Garten mit seiner Frau umgegraben und bestellt. Ein Beet ist noch leer; da sät er heimlich, um seiner Frau eine Freude zu machen, Salat darauf. Des andern Tages denkt seine Frau an das leere Beet und sät Bohnen darauf. Jeden Tag gehen Mann und Frau heimlich zu dem Beete, um zu jäten, ohne von der Aussaat der andern Ehehälfte Kenntnis zu haben. Die Frau hält den Salat für Unkraut, und der Mann die Bohnen. So ist der Erfolg der Kindererziehung, wenn die Mutter erlaubt, was der Vater verbietet und der Vater ausreißt, was die Mutter gepflanzt „ * Die Stadt Chilago hatte dieser Tage eine drollige„große Sensation". Ein riesiges Elefantenweibchen, das den Namen„Duchefs“ führt, die Zierde der Menagerie des LinolaParks, entkam dem Wärter, der die Riesin von einem Stalle nach einem andern bringen wollte. Die„Hezogin“ trabte, Blumenbeete zerstampfend und junge Bäume mit den Wurzeln ausreißend, durch den York und trieb dann allerlei tolle Scherze in mehreren der belebtesten Straßen der massenhaft von Deutschen bewohnten Nordseite Chikagos. So warf sie eine Anzahl Wagen um, die auf einem unbebauten Grundstück standen, schlug Thüren und Fenster ein, zerbrach Zäune und trieb allerlei anderen Schabernack. Nachdem das Tier einen dicken Strick, mit dem man es an einen Baum hatte fesseln wollen, wie einen Zwirnsfaden abgerissen hatte, gelang es endlich, mit schweren Ketten das Tier zu fesseln und nach dem Park und seinem Stall zu bringen. * Unter der Ueberschrift„Minister und König" erzählt der Pariser„Matin" aus Madrid:„Als der junge König erkrankte, besuchte ihn Canovas und frug den kleinen Patienten mit jener Dreistigkeit des Parvenüs, der sich einbildet, die Monarchie der Bourbonen lebe nur durch ihn:„Wie gehts Alfonsito (Alfönschen)?“—„Für Mama, antwortete Atphons XIII.,„bin ich Alfensito, aber für Dich bin ich der König!" * Die„Wiener Presse“ schildert folgende Szene: Ort und Zeit der Handlung: Die jüngste Sitzung der Aerzte. Hofrat Professor Dittel„Hochverehrte Herren! Ich begrüße Sie.....(Man hört ein lantes Mäh!“ .... Professor Dittel setzt nochmals ein: Ich begrüße Sie und gebe der Hoffnung Ausdruck .... Määäh... Professor Dittel(einigermaßen irritiert): daß Ihre rege Teilnahme auch fernerhin.... Määäääh.... Allgemein schallende Heiterkeit. Auflösung des Rätsels für den Leser: Dr. v. Eifelsberg hatte zum Zwecke der Demonstration über die Wirkung der Schilddrüsen=Exstirpation zwei junge Schafe in den Saal bringen lassen, und diese waren so vorlaut, dem Herrn Professor mit ihrem Mäh in die Begrüßungsrede zu fallen. *„Pferde, Rinder, Schweine, auch Gold und Kassenscheine sah man schon unter Plombe reisen— aber Menschen, das wäre entsetzlich, und ich glaube es nicht“, erklärte am Freitag ein dicker commis voyageur auf der Station zu Wegeberg, wurde aber bald von der Möglichkeit und Wirklichkeit überzeugt. Der letzte Wagen des Zuges 1,46 Uhr nachmittags. ab Wegberg in der Richtung Antwerpen war mit Auswanderern besetzt— alles gesunde, kräftige Menschen(Ungarn); diese Leute mußten auf Anordnung des zu Blodrop, der holländischen Douanestation, stationierten Semi=Arztes, ein in ostindischen Diensten befindlicher Arzt, welcher während seines Urlaubs den Dienst zur Revision übernommen hat, in den Wagen bleiben und dürfen denselben nicht verlassen, bevor sie im Antwerpener Hafen anlangen. Um jede Möglichkeit der Flucht auszuschließen, wurde der Wagen mit einem Seile umbunden und dies mit der Plombe versehen! Bisher haben zwei Gendarmen die Transporte begleitet— jetzt versieht die Plombe den Dienst! * Es dürfte wohl schwer fallen, einen Machthaber zu finden, der auf einen längeren Namen stolz sein kann, als der König von Siam. Europäer reden ihn als Chulalon=Korn I. an, aber sein unabgekürzter Name, bei dem ihn seine nächsten Auverwandten nennen, lautet: Somdetch=Phra=Paramind=Maha=Bhulalonkorn= Patindr=Debia=Maha=Monghut=PurusiaratueRaja=Ja=Bamongse=Warnt= mabrongse=ParabutWarack=hat=tiara=raja=mikaro=tamr=Chatu=rantaparama=maba=Chakrubar=tiraga=sankas=Parumadharmmikemaha=rujad=hiraja=Para=Mauart=Pabit=Phra=Chula=Chomklow=Chow=Yu=Hua. * Nürnberg, 9. Nov. Professor Wanderer erhielt von der Stadt Eisleben den Auftrag, Luthers Sterbehaus stilgerecht einzurichten und mit Malereien auszuschmücken. In einem Raum wird in Katafalk errichtet, welcher das noch vorhandene echte Leichentuch Luthers trägt. * Charles O'Connel, welcher am 1. Juli d. J. in Frankfurt a. M. einem aus der Reichsbank kommenden Lehrling die Summe von 224000 Mark raubte, aber nach kurzer Verfolgung ergriffen wurde, ist wegen schweren Raubes und Tötungsversuchs zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. O'Connel ist Mitglied einer internationalen Verbrecherbande und hatte den Raub auf der Rückreise ven Wien nach Paris mit einem Genossen verübt, dem die Flucht nach der That gelungen ist. Merk's! Was muß der arme Menschenmagen Nicht alles mit Geduld ertragen! Bald füllt man ihn bis zum Zerreißen, Bald kommen halbgekaute Speisen, Und bald im Uebermaß gewürzt, Bald siedendheiß hinabgestürzt! Vermeide diese groben Fehler, So wird auch bald der Magen wöhler. Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: „Theegesellschaft.“ C. Kausch, Ottweiler(Trier) # Tuchversand## gegr. 1858, schickt an Private und an Wiederverkäufer seine Muster von Tuch, Buckskin, Kammgarn, Anzug-, Paletot-, Jagd- und Lodenkoffen.„„„„ 1s H# Bei Besteuungen woue man sich auf diese Anzeige der„Schwerter Zeitung" beziehen. Nach wie vor wird der Holländ. Tabak von B. Becker in Seesen a. H. allen ähnlichen Fabrikaten vorgezogen, 10 Pfd. lose i. 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Is. findet auf Beschluß des Bundesrats im Deutschen Reiche eine allgemeine Viehzählung statt. Dieselbe soll sich im Wesentlichen auf den vorhandenen Viehbestand jeder viehhaltenden Haushaltung und zwar auf Pferde, Maultiere und Maulesel, Esel, Rind=, Schaf=, Schweine= und Ziegenvieh, sowie auf Bienenstöcke erstrecken. Das zu beachtende Verfahren bei dem Zählgeschäfte schließt sich an das bei den Volkszählungen übliche an. Darnach wird die Zählung gemeindeweise und innerhalb der Gemeinde nach Zählbezirken stattfinden. Für letztere werden bestimmte Zähler ernannt, welche den Haushaltungs=Vorständen die Zählkarten zuzustellen und von denselben nach erfolgter Ausfüllung abzuholen, auch in den Fällen, in welchen solches er forderlich sein sollte, die Karten selbst auszufüllen und demnächst die Ergebnisse in die Kontrollisten einzutragen haben. Das Amt des Zählers ist ein Ehrenamt. Da die Viehzählung, welche keineswegs steuerlichen Zwecken dient, für die Staats= und Gemeindeverwaltung von großer Wichtigkeit ist, und auch als Grundlage für wissenschaftliche und gemeinnützige Zwecke dienen soll, so darf das allgemeine Interesse für dieselbe in Anspruch genommen und die Erwartung ausgesprochen werden, daß die einzelnen Beteiligten, die zur Mitwirkung berufen werden, sich mit voller Teilnahme der ihnen zufallenden Aufgabe widmen. Arnsberg, den 22. Oktober 1892. Der Regierungs=Präsident. Winzer. sammlung auf, wie immer so auch heute Zeugnis dafür abzulegen, daß die Verbandlungen in der herkömmlichen Treue und Ergebenheit gegen den Kaiser und König geführt werden, und einzustimmen in den Ruf:„Se. Majestät der Kaiser und König lebe hoch!“ Das Haus stimmte dreimal in den Ruf ein. Der Präsident teilte darauf mit, daß das Haus mit 270 anwesenden Mitgliedern beschlußfähig ist. Nächste Sitzung Donnerstag. Tagesordnung: Wahl des Präsidiums, Entgegennahme von Regierungsvorlagen. Die erste Sitzung des Herrenhauses wurde in Abwesenheit des erkrankten Herzogs von Rativor der Geschäftsordnung entsprechend von dem ersten Vicepräsidenten von Manteuffel eröffnet, der die Versammlung aufforderte, das Gelübde der Treue gegen den König zu erneuern und in das Hoch auf denselben einzustimmen. Die Verfammlung erhob sich von den Plätzen und stimmte dreimal in den Hochruf ein. Nachdem der Namensaufruf die Anwesenheit von 98 Mitgliedern ergeben, erfolgte auf Antrag des Prinzen von Hohenlohe=Ingelfingen die Wahl des bisherigen Präsidiums, sowie der Schriftführer durch Zuruf. Nächste Sitzung Donnerstag mittag. Polizei=Verordnung. Auf Grund der§§ 5 und 6 des Gesetzes über die Polizei=Verwaltung vom 11. März 1850 und des § 143 des Landesverwaltungsgesetzes vom 30. Juli 1883 wird mit Zustimmung der Amtsversammlung nachstehende Polizei=Verordnung erlassen: § 1. Nach Ablauf folgender Krankheiten, mögen dieselben mit Genesung oder mit Todesfall endigen, nämlich: asiatischer Cholera, Pocken, epidemischer Ruhr, epidemischen Genickkrampf, epidemischer Lungenentzündung, Typhus jeder Art, Scharlach, Diphtheritis und Lungentuberkulose, bei letzterer jedoch nur nach Todesfällen, müssen die in den betreffenden Kranken=Zimmern befindlichen oder sonstigen mit dem Kranken während der Dauer der Krankheit in Berührung gekommenen Effekten, insbesondere Betten, Matratzen, Kissen, Kleidungsstücke u. s. w. in dem von der Amtsverwaltung aufgestellten oder in einem anderen, von der PolizeiVerwaltung als wirksam anerkannten Dampfdesinfektions=Apparate desinfiziert werden. § 2. Desgleichen müssen die Krankenzimmer nach Ablauf der in§ 1 bezeichneten Krankheiten durch die von der Polizeibehörde bestellten Desinfektoren nach Vorschrift gereinigt und desinfiziert werden. § 3. Behufs Ausführung der Desinfektion sind die Familienvorstände(Haushaltungsvorstände) oder die Besitzer der betreffenden Effekten und Räumlichkeiten bezw. ihre Vertreter verpflichtet, die Genesung bezw. den Todesfall jedes einzelnen Kranken der im§ 1 bezeichneten Art innerhalb 24 Stunden auf dem Polizeibüreau anzumelden. § 4. Die von dem Kranken benutzten Effekten und Gegenstände dürfen aus dem Krankenzimmer nicht entfernt werden, dieselben sind vielmehr ohne Ausnahme bis zur weiteren, seitens der Desinfektoren zu treffenden Maßnahme an Ort und Stelle zu belassen. § 5. Zuwiderhandlungen werden mit einer Geldstrafe bis zu 9 K und im Unvermögensfalle mit entsprechender Haft bestraft. Diese Verordnung tritt sofort in Kraft. Lütgendortmund, den 12. Oktober 1892. Die Polizei=Verwaltung. Westermann. Bekanntmachung. Unter dem Rindviehbestande des Kötters D. Hanebeck zu Wickede ist die Maul= und Klauenseuche ausgebrochen. Das Betreten der Stallung durch Menschen und des Gehöfts durch Wiederkäuer ist verboten. Die Maul= und Klauenseuche unter dem Rindviehbestande des Landwirts Siebe und Kötters Kohlmann zu Wickede ist erloschen. Brackel, den 8. November 1892. Die Polizei=Behörde, Sybrecht. kämpfung leiblicher Not allein beschränkt, sondern auch in religiöser und sittlicher Hinsicht einzugreifen bemüht ist. Daß die Ansprüche, welche auf diesem großen Gebiete an die städtischen Behörden herantreten, von Jahr zu Bekanntmachung. Es wird hierdurch zur öffentlichen Keuntnis gebracht, daß der Bergmann Casp. Heinr. Ortmann zu Menglinghausen von heute an als Fleischbeschauer für den Schaubezirk Menglinghausen=Persebeck ernannt und verpflichtet ist. Stellvertreter ist der Fleischbeschauer Wirt Schäfer zu Station Barop, der als Fleischbeschauer für den Schaubezirk Station Barop und Spörkel weiter fungiert. Barop, den 9. November 1892. Der Ehrenamtmann Meutler. Deutsches Reich. V Preußischer Landtag. Die erste Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde auf Grund der Geschäftsordnung vom bisherigen Präsidenten von Köller eröffnet. Er forderte die VerDer Landtag wurde Mittwoch mittag durch eine Thronrede eröffnet. Dieselbe bemerkt zunächst, daß die Rechnungen für das Etatsjahr 1891/92 einen Fehlbetrag von 42 Millionen Mark aufweisen, als Folge einer Steigerung der Eisenbahn=Ausgaben, welche durch eine Anleihe zu decken sind; auch für das laufende Jahr sei ein günstiger Abschluß nicht erwartbar. Obwohl die Finanzlage nicht besorgniserregend, sei doch die größte Sparsamkeit geboten und eine allgemeine Aufbesserung der Beamtengehälter noch ausgesetzt. Die Thronrede kündigt die Steuerreformvorlage an, welche sie im wesentlichen in den bereits bekannten Grundzügen darlegt; es handele sich nicht um eine Erhöhung der Steuer=Last, sondern um den Ersatz des Ausfalles von 102 Millionen Mark aufgegebener staatlicher Realsteuern. Angekündigt werden außerdem eine Vorlage, betreffend das Wahlrecht, ferner wegen Verwendung der Mehrerträgnisse der Einkommensteuer zu Schulzwecken und endlich wegen Erweiterung des Staatseisenbahnnetzes. Die Berl. Pol. Nachr. hören, daß es sich bei der in der Thronrede angekündigten Einschränkung der Ausgaben für die Erweiterung und Ausstattung des Eisenbahnnetzes wesentlich um die Neuanlage von Sekundärbahnen handelt, und zwar solcher, die nicht dringend notwendig seien; dagegen sollten die Neuanschaffungen und Ergänzungen des rollenden Materials in nennenswerter Weise nicht ge kürzt werden. Es sei kein Grund zu der Befürchtung vorhanden, daß zu der übel angebracht gewesenen Sparsamkeit in der Mitte der achtziger Jahre zurückgegriffen wird, vielmehr würde auf diesem Gebiete den Bedürfnissen voll entsprochen werden. Daß ein neues Wahlgesetz für das Abgeordnetenhaus vorgelegt wird, steht außer aller Frage. Jedoch ist die Vorlegung erst nach dem völligen Abschluß der Steuergesetze zu erwarten. Es heißt indessen, daß die preußische Regierung sich schon in allernächster Zeit über die Grundzüge des Wahlgesetzes äußern werde. Nach der eben veröffentlichten Fraktionsliste des Reichstags werden die Parteien in nachstehender Stärke in die neue Reichstagssession eintreten Deutschkonservative 66, Reichspartei 18, Zentrum 107, Polen 16, Nationalliberale 42, Deutschfreisinnige 67, Volkspartei 10, Sozialdemokraten 36, bei keiner Fraktion 30. Erledigt sind 5 Mandate. Es verlautet, daß die Grundlagen der neuen Militärvorlage noch zu Lebzeiten des Grafen Moltke festgestellt worden sind. Es soll auch eine Denkschrift des greisen Feldherrn zu diesem Gegenstande vorliegen. Schön hat die Kaiserin den Stadtverordneten von Berlin für deren Glückwünsche zum Geburtstage geantwortet. Das Schreiben wurde in der letzten Sitzung verlesen und lautete:„Die Glückwünsche der Stadtverordneten von Berlin zu Meinem Geburtstage, welchen in diesem Jahre die Taufe Unserer Tochter zu einem Tage ganz besonderer Freude und wärmsten Dankes gegen Gottes gnädige Führung gestaltete, habe Ich gern entgegengenommen und spreche dafür Meinen besten Dank aus. Mein Interesse soll auch im neuen Lebensjahre vorzugsweise dem bedürftigen Teile der Bewohner Berlins gelten und versichere Ich erneut, alle Bestrebungen zur Verbesserung der Lage der ärmeren Volksklassen Meiner besonderen Anteilnahme, zumal da, wo diese Fürsorge sich nicht auf die Bewachsen, ist unverkennbar, ebenso gewiß ist Mir aber auch, daß in dieser Richtung redlicher Arbeit und freudiger Opferwilligkeit der göttliche Segen nicht fehlen wird. Neues Palais, den 27. Oktober 1892. Auguste Viktoria, Kaiserin und Königin. Die abfällige Beurteilung der Leistungen der Landwehr im letzten Kriege findet in der Köln. Ztg. ihre Fortsetzung. Warum sollen nicht einige Landwehrleute etwas schlapp gewesen sein. Das bei der Linie auch vorgekommen. In der Hauptsache aber steht es fest, daß die Landwehr im entscheidenden Moment nirgends versagt hat, und allein daranf kommt es doch an. Nicht der Einzelne entscheidet im Kriege, sondern die Gesamtmasse. Gegenüber der Verkleinerung der Landwehr im Militärwochenblatt weisen die Hamb. Nachr. auf das Urteil des englischen Offiziers hin, der 1870 als Berichterstatter der„Daily News den deutsch=französischen Krieg mitmachte. Er schrieb über die Zurückweisung des Ausfalles aus Metz gegen St. Remy am 7. Oktober durch die Landwehrdivision Kummer:„Der Landwehr gebührte die Ehre des Tages. Sie hemmte den Ansturm der Franzosen, indem sie die Dörfer so lange behauptete, bis sie keinen Mann mehr auf den Beinen hatte, der sein Gewehr abschießen konnte. Sie war es, die bei dem schließlich allgemeinen Vorrücken die Franzosen aus den Dörfern herausfegte. Ich habe die preußischen Linientruppen gesehen, wie sie die Spicherer Höhen auf Händen und Knien hinankletterten; ich habe sie vor Cosombey und Montay am 14. August sich entwickeln sehen. Ich bin Zeuge gewesen, wie sie auf den Abhängen von Gravelotte sich gegen die Mitrailleusen behaupteten und am 1. September die Franzosen nach Sedan hineinwarfen. Aber erst gestern konnte ich über die Leistungsfähigkeit der Landwehr ein Urteil gewinnen. Wäre ich General, so würde ich mir keine besseren Leute zu kommandieren wünschen. Kühl in den Erdwerken, hinter denen sie in ruhiger Position lagen, indem sie die bei ihnen einschlagenden Kugeln auflasen, entschlossen, unerschütterlich in ihrem festen Avancierschritt, unwiderstehlich im schließlichen Bajonettangriff, mit dem sie die Dörfer einnahmen, kann ich sie nur als Leute bezeichnen, die jedem Soldatenherzen Freude und Vergnügen bereiten. Nichts war bemerkenswerter als die kühle Art und Weise, wie die Verwundeten sich beim allgemeinen Vorrücken hinter die Front begaben, indem jeder einzelne, wenn er noch gehen konnte, auf sich selbst angewiesen war, den Beistand seiner Nebenmänner abwies, die ihn aus der Gefechtslinie führen wollten, auch wenn die Wunden keineswegs leicht waren. Wahrlich, es sind wackere Leute, und es geht einem ans Herz, wenn man sie fechten und sterben sieht.“ Der Artikel des„Militärwochenblatt" zu Gunsten der Militärvorlage, welcher wegen seiner abfälligen Kritik der Thätigkeit unserer Landwehr im letzten Kriege in weiten Kreisen, namentlich auch innerhalb der Militärvereine böses Blut gemacht hat, wird jetzt als die Privatarbeit eines Statistikers erklärt, der keinerlei aktenmäßiges Material zu Grunde liege. Dieser Tage hat im Reichs=Eisenbahnamt in Berlin eine kommissarische Verhandlung stattgefunden, um über die Frage der Sonntagsruhe im Güterverkehr zu beraten. Zeitraubende Erhebungen über den bisherigen Zustand waren vorausgegangen. Vertreter der Regierungen von Preußen, Baiern, Sachsen, Württemberg, Baden, Hessen, Mecklenburg=Schwerin und Oldenburg, sowie des Senats von Lübeck nahmen an der Verhandlung Teil. Allseitig wurde als erwünscht anerkannt, daß den Eisenbahnbeamten und=Arbeitern eine ausgiebigere Sonntagsruhe gewährt werde; indes schien es erforderlich, zunächst durch eingehende Ermittelungen festzustellen, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Einstellung des Güterverkehrs an Sonn= und Festtagen durchführbar sei. Diese Ermittelungen sollen nach übereinstimmenden, bei der Verhandlung vereinbarten Grundsätzen ausgeführt werden. Auf den preußischen und den sächsischen Staatsbahnen sind derartige Vorarbeiten bereits im Gange. Die ersten ausführlichen Berichte der im Januar dieses Jahres von der aus der Deutschen Kolonialgesellschaft hervorgegangenen Siedelungsgesellschaft nach Südwestafrika gesandten Ansiedler sind dieser Tage eingetroffen. Sie sprechen sich, wie verlautet, in jeder Beziehung über die Reise, die Ankunft und die ersten Eindrücke sehr befriedigend aus. Klima, Bodenbeschaffenheit, Wasserverhältnisse u. f. w. seien günstig; die Ansiedler zweifeln nicht, daß sie in kurzer Zeit ordentlich voran kommen werden. Im Februae nächsten Jahres sollen weitere Ansiedler hinausgehen. Aus den soeben veröffentlichten Berichten verschiedener großer Eisenwerke und Maschinenfabriken ergiebt sich, daß auf fast allen Gebieten der technischen Gewerbe ein erheblicher Mangel an Unternehmungslust herrscht. Die Thätigkeit vieler Fabriken ist dadurch gelähmt. Ein besonders ergreifender Augenblick bei der Wittenberger Festfeier war es, als nach einer Festrede, welcher der Hofprediger Faber von Berlin bei Beendigung des Festzuges auf einem großen Platze im Freien gehalten hatte, die gewaltige versammelte Menge auf das Bekenntnis des Kaisers und der Fürsten das Amen sprach, indem sie laut und einmütig das apostolische Glaubensbekenntnis anstimmte. Es ging ein Hauch der tiefsten Andacht durch die bunte Menge, als sie entblößten Hauptes dies Bekenntnis ablegte. Wie selbstverständlich stimmte man sogleich darnach das Lutherlied an, aber man wartete noch und ging nicht auseinander, bis der Hofprediger Faber nochmals die Tribüne bestieg, um unter Hinweis auf das Vorbild der Treue seitens des Kaisers zu einem Hoch auf den Kaiser aufforderte. Brausend wurde es ausgebracht und als das„Heil Dir im Siegerkranz" verklungen war, blieb ein Warten in der großen Versammlung, bis der Hofprediger wiederum auftrat und mit begeisterten Worten auf die Kaiserin und die drei in Wittenberg mitanwesenden jungen Kaiserlichen Prinzen hinwies, nicht vergessend der kleineren Prinzen und der jungen Prinzessin. Ein mit endlosem Jubel ausgebrachtes Hoch und ein nachfolgendes patriotisches Lied war die begeisterte Antwort. In Hamburg scheint man jetzt mit der Wohnungsfrage Ernst machen zu wollen. Die gesundheitsschädlichen Massenquartiere der Hafengegend, die sich als Brutstätten der Cholera erwiesen haben, sollen nunmehr niedergerissen werden. Zugleich will man außerhalb der Stadt zur Erbauung von Arbeiterhäusern schreiten. Eine gemeinnützige Baugesellschaft ist in der Bildung begriffen, die mit einem Kapital von 6 Mill. M. sofort das Werk beginnen will. Man hofft, im künftigen Frühjahr einige hundert Arbeiterwohnungen fertig zu haben. Die Eröffnungsrede des belgischen Parlamentes in Brüssel hat zu blutigen Unruhen, die schon am Vorabend in Gent ausbrachen, Anlaß gegeben. Die Aufgabe der neuen Parlamentssession ist die Abänderung von Bestimmungen der Verfassung in zeitgemäßem Sinne, doch soll sich darunter nicht die von den sozialistischen Arbeitern geforderte Einführung des allgemeinen Wahlrechts befinden. Eine große Arbeiterversammlung in Gent, welche sich für das allgemeine Stimmrecht aussprach, geriet mit der Polizei in Streit, und als diese blank zog, bewaffneten sich die Tausende mit eisernen Stangen, die sie durch Zertrümmerung der Straßengitter gewannen, und drangen nun gegen die Beamten vor, die Revolverschüsse abgaben. Zahlreiche Personen wurden auf beiden Seiten verwundet, bis endlich eine Kavallerieattacke die Straßen säuberte. In Brüssel selbst ging es am Dienstag ziemlich unruhig zu. Zahlreiche Arbeitergruppen durchzogen singend die Straßen. Als der König sich zur Kammeröffnung begab, wurden laute Hochrufe auf das allgemeine Stimmrecht ausgebracht. In Thronrede werden die Gesetzgeber ersucht, weise Beschlüsse im Interesse des inneren Friedens zu fassen. Nachmittags und abends gab es mehrfach tumultuarische Szenen. Auch aus andem“ belgischen Städten wird von solchen berich.. Die Behörden mußten einschreiten. Da eine Verstärkung der Bewegung zu erwar den ist, sollen allgemeine Anordnungen für das ganze Land getroffen werden. In den Kammern in Brüssel, welche über die Verfassungsfrage zu entscheiden haben werden, werden zu nächst formale Angelegenheiten erledigt. Italien. Durch die Wahlen in Italien hat das Ministerium Giolitti eine große Mehrheit erhalten. Das Ergebnis ist in Bezug auf die Stellung Italiens im Dreibunde, die bei den Wahlen die größte Rolle spielte, so deutlich, man kann sagen drastisch, daß es nirgends verkannt werden kann. So geben denn auch die Pariser Blätter zu, daß die Dreibundspolitik Italiens von der erdrückenden Mehrheit des italienischen Volkes gebilligt werde. Die Radikalen, die den Anschluß an Frankreich verfechten, sind vollständig unterlegen, ihre ersten Führer durchgefallen. Großbritannien. 100000 Bauarbeiter Londons begannen am Montag mit dem achtstündigen Arbeitstag. Bei dem weltbekannten Londoner Nebel ist eine längere Thätigkeit überhaupt unmöglich in dieser Jahreszeit. Amerika. Die Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten ist, wie es scheint, zu Gunsten des demokratischen Kandidaten und früheren Präsidenten Cleveland gegen den jetzt noch im Amt befindlichen Republikaner Harrison ausgefallen. New York, wo auch die hervorragendsten Deutschen für Cleveland ein traten, entschied sich demokratisch, ebenso der bis her republikanische Staat Illinois. Cleveland kann nach den vorliegenden Meldungen auf 257 Stimmen der Wahlmänner(Elektoren) zählen, die im nächsten Jahre den Präsidenten wählen, das ist eine Mehr. heit von 34 Stimmen. Westfalen und Rheinland. Schwerte, 10. Nov. Wie uns mitgeteilt wird, wird ein Taubstummer, Herr Karl Döring, in den nächsten Tagen in unserer Stadt mit behördlicher Genehmigung auf dem Wege der Kolportage ein Schriftchen zum Verkauf anbieten, welches den Titel führt:„Ueber Atmung, eine Anleitung zum Betriebe der wichtigsten Atmungsorgane, ein Beitrag zur Gesundheitslehre für Jung und Alt.“ Herr Döring hat seine aufopfernde Thätigkeit in den Dienst seiner Leidensgenossen gestellt, da die aus dem Verkaufe erzielte Summe zum Besten des Unterstützungsfonds für ältere, von leiblicher Not heimgesuchte Taubstumme bestimmt ist. Wir hoffen, daß der Appell an die Mildthätigkeit unserer Mitbürger nicht ungehört verhallen möge. § Schwerte, 11. Nov. Am verflossenen Sonntag feierte der Gesangverein Liedertafel in seinem Vereinslokale zur„Helle“ sein diesjähriges Stiftungsfest, bestehend in Konzert, Theater und Ball. Wie das Gerücht lautete, sollte der Verein nicht mehr bestehen, darin sind wir aber eines besseren belehrt worden. Um 5 Uhr nachmittags begann das Konzert, die Musik wurde von der Kleff'schen Kapelle ausgeführt. Dieselbe leistete Vorzügliches. Die Lieder, die von dem Verein vorgetragen wurden, konnten als gut geübt gelten. Dann kamen einzelne Kouplets mit Zit erbegleitung zum Vortrag. Ein Solovortrag für Geige und Zither erntete großen Beifall. Sodann wurde ein geschmackvolles Theaterstück aufgeführt. Die Teilnehmer haben auch hier bewiesen, daß sie nicht allein die Kunst des Sanges pflegen, son dern auch Humor und Geselligkeit als ihr Motto gelten lassen. Ein sich anschließender Ball hielt die Festteilnehmer bis zur frühen Morgenstunde zusammen. Wir wünschen dem Verein ein recht deutscher„Gut Sang“. Schwerte, 11. Nov. Im Speckebruch fanden in mehreren Häusern Diebstähle statt, die jedenfalle aber nur von Eingeweihten vollführt worden sind. Schwerte, 11. Nov. Am Dienstag abend entstand in dem zum Gute Steinhausen gehö renden Einwohnerhans im langen Kamp(zwischen hier und Holzen) Feuer. Gegen ½10 Uhr wurde dasselbe von dem kleinen Sohn der in dem Hause wohnenden Familie Schneider zuerst bemerkt. Es gelang den Einwohnern, nur das Vieh und einige Haushaltungsgegen stände zu retten, während Futtervorräte, verschiedene Möbel und Kleidungsstücke mit der Hälfte des Hauses verbrannten. Wären nicht die Spritzen von Holzen und Westhofen so schnell zur Stelle gewesen, so würde jedenfalls das Gebäude bis zur Erde niedergebrannt sein. Ergste, 10. Nov. Am Samstag abend wurde auf der Landstraße zwischen Schälk und Grürmannshaide der Kettenschmied Fr M. von hier von einem unbekannten Individuum angefallen und ihm sein Geld und die Uhr abverlangt. Als der Ueberfallene erklärte, daß er beides nicht bei sich führe, versuchte es der Wegelagerer mit der Drohung„Geld und die Uhr her, oder Du wirst kaput gemacht“. und begann den M zu würgen. Glücklicherweise nahten aber Leute, und der Räuber sah sich veranlaßt, das Weite zu suchen. lich gelingt es, ihn zu ermiteln. Hörde, 9. Nov. In hiesiger Gegend scheint sich eine Falschmünzerbande häuslich ein gerichtet zu haben, wenigstens macht ein frü herer Bergmann L. von Berghofen seit einiger Zeit hiesigen Geschäftsinhabern, von denen er annahm, daß sie geschäftlich nicht gut ständen und deshalb auf seinen Vorschlag eingehen würden, Anerbieten der Art, daß er für 500 Mark gutes Geld 1100 Mark Falsifikate herzugeben bereit sei. Bei solchen Gelegenheiten wurdem von dem Betreffenden zwei Zehnmarkstücke vorgezeigt, von denen das eine angeblich ein falsches, das andere aber ein echtes sei. In Wirklichkeit aber sind beide Stücke echt und geschieht diese Manipulation nur, um die betreffenden Geschäftsleute eher geneigt zu machen, aus den Handel einzugehen. Vorgestern abend gelang es nach dem„Hörder Volksblatt“, der hiesigen Polizei, diesen Geschäftemacher der Falschmünzerbande abzufangen, als er sich auf der Geschäftstour in hiesiger Stadt befand. Derselbe ist gestern der Staatsanwaltschaft ülerwiesen. Der Festgenommene heißt Wilhelm Leidecker und wohnt nach der„Kreisztg.“ in Berghofen=Bickefeld. Dortmund, 5. Nov. Vor dem Schöffengericht hierselbst mußte sich ein junger Bergarbeiter von hier wegen Vergehens gegen das Bergpolizeigesetz verantworten. Dem jungen Manne war auf der Zeche„Westfalia“ in der Grube die Sicherheitslampe ausgegangen. Da er sich gerade in einem einsamen Gange befand, er sich daher unbemerkt glaubte, so machte er mittels eines Nagels ein Loch in den Drahtkorb und zündete die Lampe wieder an, ohne den gefahrdrohenden Folgen seiner leichtsinnigen Handlungsweise Beachtung zu schenken. In der Verhandlung bemerkte der Staatsanwalt bei seinem Antrage, daß die Handlungsweise des Angeklagten eine ganz unverzeihliche gewesen sei; wie leicht hätte dadurch ein großes Unglück geschehen können. Sein Antrag lautete auf 30 Mk. Geldstrafe. Der Angeklagte gab zu seiner Entschuldigung an, er habe nicht gewußt, daß das Oeffnen der Sicherheitslampe verboten sei(?) Der leichtsinnige Bergmann wurde wegen Vergehens gegen§§ 33 und 34 der Berg=PolizeiOrdnung zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt. Hagen, 5. Nov. Gestern und heute hielt hierselbst der Verein zur Förderung des Zeichnenunterrichts in der Provinz Westfalen seine diesjährige Hauptversammlung ab. Eröffnet wurde dieselbe gestern abend durch eine herzliche in ein Hoch auf den Kaiser ausklingende Ansprache des Vorsitzenden. Des weiteren wurde der Abend ausgefüllt durch Beratung innerer Vereinsangelegenheiten. Am Morgen des 5. November fand die Besichtigung der Ausstellung von Schülerzeichnungen des Real=Gymnasiums, einiger Volksschulklassen und der gewerblichen Fortbildungsschule statt und zeigten alle Schulen, daß in ihnen mit Fleiß und E fer gearbeitet wird. Um 9 Uhr wurde dann die Hauptversammlung eröffnet. Begrüßt wurde dieselbe zunächst durch den Herrn Oberbürgermeister Prenzel, dann im Namen der Königlichen Regierung zu Arnsberg durch den Herin Regierungs= und Schulrat Cremer und durch den Vorsitzenden des Oitskomitees. Hierauf hielt Herr Lehrer Elbrecker=Bielefeld eine Lehr probe im Körperzeichnen. Nach Schluß derselben begab sich die Versammlung in den Saal der Concordia wo nach einer Frühstückspause zunächst eine Besprechung der Lehrprobe stattfend, die des Anregenden vieles bot. Nach derselben hielt Herr Lehrer Solbach=Soest einen Bortrag über: die Farbe und die Pflege des Farbensinnes. In geist= und porsievoller Weise schilderte Redner, wie durch falsche Anwendung der Farbe so viel Unschönes geschaffen würde, wie aber durch rechte Zusammenstellung derselben wir unser Heim auch bei beschränkten Mitteln verschönern können. Für die Vollsschule sei jedoch die Form die Hauptsache und die Farbe zu vermeiden. Nach einer kurzen Besprechung des Vortrags, in der sich alle Redner mit dem In halte desselben einverstanden erklärten, wurde der bis herige Vorstand wieder gewählt und demselben die Wahl des nächstjährigen Versammlungsortes überlassen. Ein gemeinsames Mittagsmahl, bei dem der Herr Regierungs= und Schulrat Cremer das Hoch auf den Koiser ausbrach, beschloß die von etwa hundert Teilnehmern besuchte Versammlung. Iserlohn, 8. Noa. Zum Bürgermeister unserer Stadt wurde in der heute nachmittag abgehaltenen Stadtverordneten= Sitzung der Stadtsyndikus Assessor Fritsche aus Kottbus gewählt. Unna, 7. Nov. Gestern abend wurde der Knabe Friedrich Bödler aus Minden hier aufgegriffen. Wie sich jetzt herausgestellt, ist derselbe gestern aus der Erziehungsanstalt zu Holzwickede entlaufen. Unna, 8. Nov. Der vor drei Wochen auf Zeche„Caroline“ schwer verletzte Bergmann Brune aus Holzwickede ist heute an den Verletzungen(Bruch des Rückgrates) im hiesigen katholischen Krankenhause gestorben.— Der in voriger Woche hier festgenommene Deserteur scheint ein ganz gefährlicher Mensch zu sein. Im hiesigen Polizeigefängnis hat derselbe einen Ausbruchversuch gemacht. Er hatte bereits die eisernen Traillen des Fensters durchfeilt, als er durch einen hinzugekommenen Polizeibeamten an seinem Vorhaben gehindert wurde. Camen, 10. Nov. Ein unliebsames Fundstück wurde einem hiesigen Lehrer abgegeben, ein Paket mit Dynamit, das ein größerer Knabe außerhalb Camens am Wegerande aufgehoben hatte. Selbstredend wurde das gefährliche„herrenlose Gut“, sofort der Polizeibehörde übergeben, deren Nachforschungen bis jetzt ohne Erfolg geblieben sind. Wetter, 10. Nov. Verliehen ist, wie wir heute im Reichsanzeiger lesen, dem emeritierten Lehrer Herrn Schäperclaus hierselbst der Adler der Inhaber des Königlichen Haus=Ordens von Hohenzollern. Menden, 10. Nov. Der Gastwirt Peter Buse von hier fiel vorgestern abend in der Nähe der Gasfabrik von seinem Wagen und geriet unter die Räder. Hierbei sind dem jungen Manne 5 dem Stalle eine 4 jährige Kuh, grau mit weißem Kopfe, gestohlen. Von dem Diebe fehlt jede Spur. Uentrop, 5. Nov. Die GenossenschaftsMolkereien im Kreise Hamm mehren sich. So beabsichtigen jetzt auch Landwirte der hiesigen Gemeinde und umliegender Ortschaften die Errichtung einer derartigen genossenschaftlichen Anlage. Bochum, 5. Nov. Die ev. Geistlichen der Synode Bochum treten am Montag unter dem Vorsitze des Herrn Superintendenten König in Witten zu einer außerordentlichen Tagung zusammen, um zu den Auslassungen des Professors Harnack über das apostolische Glaubensbekenntnis Stellung zu nehmen. Elberfeld, 3. Nov. Ein Schriftsetzer von hier, der am 1. Oktober d. J. als DreijährigFreiwilliger bei den Deutzer Kürassieren eingetreten war, versuchte sich vor etwa 14 Tagen dadurch seinen eingegangenen, mittlerweile ihm leid gewordenen Verpflichtungen zu entledigen, daß er sich von einer Häckselmaschine einen Teil des Daumens der linken Hand abschneiden ließ. Die Absicht der Verstümmelung kam aber ans Tageslicht, der leichtfertige junge Mann wurde vor ein Kriegsgericht gestellt und zu sechs Monaten Festung, sowie zur Ueberweisung an die Arbeiterkompagnie auf die Dauer von zwei Jahren verurteilt. Olpe, 6. Nov. Eine ruchlose That ist hier begangen worden. Infolge der reichlichen Ernte hatte der Landwirt Adam Theile zu Frenkhausen etwa 15 Wagen Hafer im Freien untergebracht, die einen Wert von 700 Mk. hatten und nicht versichert waren. Letzteres muß der ruchlose Brandstifter, der den ganzen Haufen einäscherte, gewußt haben; denn Brandstiftung liegt zweifellos vor, weil der Haufen vom Wege so weit entfernt war, daß er durch Zufall nicht in Brand geraten konnte. Steele, 8. Nov. Die Städte Steele und Gelsenkirchen beabsichtigen, sich mittels einer elektrischen Bahn zu verbinden. Die Kosten sind auf 621000 M. veranschlagt. Die beiden Kollegien der Stadtverordneten sind im Prinzip für die Ausführung des Projektes. Zur näheren Prüfung der Angelegenheit ist eine Kommission eingesetzt worden. Düsseldorf. Eine angenehme Ueberraschung hat die Firme Eck& Söhne ihren Arbeitern am Allerseelentage bereitet, indem sie jedem derselben als Angedenken an die vor kurzem verstorbene Gattin des Geschäftsgründers ein Sparkassenbuch überreichte, dessen Einlagen, beginnend mit dem kleinsten Betrage von 120 M., je nach der Länge des Arbeitsverhältnisses steigen. Neueste Nachrichten. Braunschweig, 10. Nov. Eine große sozialistische Protesiversammlung gegen die Militärvorlage, worin u. a. erklärt wurde, für die Arbeiterschaft gebe es kein Nationalitäts= und Vaterlandsgefühl mehr, wurde von der Polizei aufgelöst. Darnach entstand ein stürmischer Tumult, wobei die Polizeibeamten verhöhnt wurden. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. In Posen sind neue Cholerafälle vorgekommen und zwar in Mlawa, wo drei Personen erkrankt sind. Hoffentlich wird die Epidemie keine weitere Ausdehnung mehr gewinnen. Am Mittwoch abend fand in Brüssel wieder eine allgemeine Volks=Versammlung statt, von welcher die Einführung des allgemeinen Wahlrechts gefordert wurde. Nach Schluß der Versammlung veranstalteten die Teilnehmer an derselben eine Straßenkundgebung. Der Zug bewegte sich nach dem Königlichen Palast, eine rote Fahne wurde vorangetragen. In der Rue Montagne de la Cour stellte sich berittene Gendarmerie den Manifestanten entgegen; vor dem Königlichen Schloß und den Ministerien nahm eine Batterie Aufstellung; ferner wurde die Bürgergarde schnell zusammengerufen. Auf der Place Royale sprengte die Gendarmerie den Zug. Die Menge pfiff, zischte und rief: „Es lebe das allgemeine Stimmrecht!" Feuerwehr, Polizei und Gendarmerie hielten die Straßen in der Nachbarschaft des Königlichen Palastes und der Ministerien besetzt. Die Manifestanten begannen darauf sich zu zerstreuen. Um Mitternacht war die Ruhe wieder hergestellt. Die Lage ist sehr ernst. New=York, 10. Nov. Indiana, Mischigan, Illionis und Californien sind vollständig von den Demokraten gewonnen, wodurch Cleveland's Mehrheit auf 266 Stimmen gestiegen ist. Gottesdienste. Schwerte. Größere evangelische Kirche. Sonntag, 13. November: Hauptpr. ½10 Uhr: Pastor Graeve. (Abendmahl). Nachmittags 2 Uhr: Kindergottesdienst. Pastor Heinenberg. Amtswoche: Pastor Graeve. Reformierte Kirche. Sonntag, 13. November: Vorm. ½10 Uhr: Pastor Terberger. Aplerbeck. Sonnabend, den 12. November 1892. Mittags 12 Uhr: Beichte: Pastor Meinberg. sonntag, den 13. November 1892. Frühpredigt 8¼ Uhr: Hülfsprediger Petersmann. Haupipredigt 10 Uhr: Past. Meinberg. Abendmahl Berghofen. 10 Uhr: Gottesdienst: Pastor Baake. Holz=Verkauf! Im Kämmereiwalde der Stadt Schwerte sollen am Dienstag, den 22. November d. I., vormittags 10 Uhr anfangend, 1. 24 Nummern Rottannen, geeignet zu geringem Bauholz, Pallisaden, Leiterbäumen, Frechtungsstangen u. s. w., 2. 20 Nummern Buchen=Brennholz, für Bäcker geeignet, 3. 30 Nummern Eichen=Frechtungs=Stangen und Brennholz, 4. 45 Nummern Eichen= und Buchen=Reisig öffentlich, meistbietend zum Verkaufe ausgesetzt werden. Zusammenkunft„am Freischütz“. Schwerte, den 10. Nov. 1892. Der Magistrat. Horzverkauf. Wegen Aufgabe des Holzgeschäftes werde ich am Donnerstag, d. 24. Nov. cr., morgens 10 Uhr anfangend, auf meinem Holzlager 100 Nummern Eichen, zu Bretter=, Bau= und Geschirrhol; geeignet, öffentlich meistbietend verkaufen. sammelplatz beim Wirt R. Schulte(fr. Baack). Aplerbecker Mark d. 6. Nov. 1892. Ad. Nathe. Empfehlung. Das Neuanlegen von Gas- u. Wasserleitungen mit verzinkten Eisenrohren, sowie sämtliche Reparaturen daran besorgt bei guter Ausführung billigst Schlossermeister Hesse, Hüsingstr. 17. Holz=Verkauf! Montag, den 21. November d. J., vormittags 10 Uhr, sollen in der Waldung des Guts Villigst, Forstort Häbecke, circa 60 Nummern hochstämmige Buchen und 20 Nummern Eichen, sowie 50 Nummern Rottannen, zu Bauholz, Frechtungsstangen, Leiterbäumen, Bohnenstangen, Heckenstöcke 2c. geeignet, und 30 Nummern Brennholz öffentlich meistbietend verkauft werden. Das Holz steht in der Nähe des Kommunalweges von Schwerte nach Iserlohn. Zusammenkunft beim Wirt Schäfer am Ufer und an Ort und Stelle. Haus Ruhr, den 9. November 1892. Freiherrlich von Rheinbaben'sche Rentei. „ giebei fnd den jung Rippen gebrochen, er mußte in seine Wohnung gefahren werden. Mengede, 9. Nov. Dem Landmann Ergmann in Ickern wurde in vorvergangener Nacht aus Ein 2schläf. Bctt mit Lade, 2 Anrichten, 1 Wasserbank und 1 Nähmaschine sind zu verkaufen. ersr. i. d. Exp. d. Bl. empfiehlt Carl Braus. Sonntag, den 13. Novör., findet beim Wirt Herrn Emde, Schwerterheide, Schruß-Walt statt. O. Kornmann, Tanzlehrer. Für eine in der Umgegend von Schwerte belegene Landwirtschaft eine Hansharterin baldigst gesucht. Schriftl. Angeb. bef. die Exped. d. Bl. Ein gelber Hund mit schwarzer Schnauze zugelaufen. Gegen die Inserationskosten abzuholen Konrad Baumbach, Kamp. Garantiert reine Naturbutter. Hochfeine Süßrahmbutter versendet täglich frisch in Postkollis von ca. 10 Pfd. zu 10 M. 50 Nachnahme. L. Rosenberg, Ahlen, Reg.=Bez. Münster. Glanzbügelkarton zu haben bei Carl Braus. Ta jenigen Haushaltungsvorstände, bei denen die Hauslisten zur diesjährigen Personenstandsaufnahme aus Versehen noch nicht wieder abgeholt worden sind, werden ersucht, dieselben unverzüglich hier abzuliefern. Der Magistrat. Bekanntmachung. Der Tagelöhner Friedrich Elshoff, 30 Jahre alt, wohnhaft zu Buchholz, hat sich heimlich entfernt und seine Familie in hülfsbedürftiger Lage zurückgelassen. Es wird ersucht, den Aufenthaltsort des p. Elshoff hierher mitzuteilen. Westhofen, 8. Nov 1892. Der Amtmann: Rebber. Schwerte. Heinr. Kühnholz. Hüsingstrasse 12. MS Lager in englischen und deutschen Strick=, Stick= und Häkelgarne, e Weiß= und Wollwaren. Stickereien, Trikotagen, Handschuhe, Korsetts, Fantasie-Artikel, Normal-Unlerkleider zu den äußersten Preisen. Strumpf=, Kurz=, System Taeger, VIOLmUOIO UDWWWWWWGG! Des Wegzugshalber lversteigere ich für die Firma M. Lebenberg, betreffend Nachweisung der Schulden zur EinkommensteuerVeranlagung für 1893/94. tigung bei der Veranlagung am Mittwoch, den 16. Nov., morgens von 9½ Uhr im Lokale des Wirts Herrn Henrich nen der Gemeinden des hiesigen Amts ersucht, bis zum 20. dieses Monats die Schuldenzinsen, Lasten, Kassenbeiträge u. LebensversicherungsPrämien, deren Abzug sie vom Gesamt-Einkommen beanspruchen, unter Vorlegung der Beläge auf dem hiesigen Amtsbüreau n 6 Habe wieder einen bedeutenden Posten Regen= und 5 Wintermautel für Frauen und Mädchen erhalten. Früherer Preis: 15— 36 Mark, jetzt 5—10 Mark. Schwerte. J. M. Rosenthal, . Brückstrasse 11. Schriftliche Arbeiten, als: Zahlungsbefehle, Klagen, Gesuche pp. werden sachgemäß angefertigt von J. W. Große Marktstraße 7, (neben C. Braus'sche Buchhandl.) Volzvertäuf! Herr Wilh. Böhmer auf den Höfen bei Ergste läßt Samstag, den 19. November er., vormittags 10 Uhr anfangend, in seiner Waldung:„Kreuzschlenke“ 150 Nr. hochstämmige Eichen u. Buchen, zu Bau=, Bretter=, Geschirr=, Gruben= und Brennholz geeignet, öffentlich, meistbietend an Ort und Stelle verkaufen. Nachdem kommen noch einige lose junge Eichen, zu Geschirr= und Grubenholz geeignet, zum Verkauf. Schwerte, im Oktober 1892. Hohenschwert. als Unterhosen, Unterjacken, Betttücher, Kopfhauben, Tücher u. s. w. öffentlich meistGemeinde=Vorstehern nachzu= bietend gegen Barzahlung. weisen. Westhofen, 9. Novbr. 1892. Der Amtmann: Rebber. Ev. Kirchenchor. Samstag, den 12. November, Gesang=Uebung. Rosenthal, Anktionator. Garde-Verein für Schwerte u. Umgegend. Honntag, den 13. er., abends 8 Uhr, Versammlung. Der Vorstand. Wichtiger Angelegenheit halber wird um zaslreiches Erscheinen gebeten. Dilettanten= Verein „Eintracht“. Dienstag, den 15. ds. Mts., abends 8½ Uhr, Generalversammlung. Der Vorstand. N. B. Den Mitgliedern nochmals zur Kenntnis, daß von heute ab Generalversammlungen nur im Vereinslokale(zur Helle) stattfinden. Zeigen den Empfang der neuesten Sachen für Herbst= und Winter=Saison ergebenst an. Größte Auswahl in Ueberziehern, Anzüge für Herren, Burschen und Knaben, in soliden Stoffen und besten Zuthaten, zu enorm billigen Preisen. Unterzeuge in größter Auswahl und bester Qualilät. Unterjacken für Herren und Damen, von 1 Mk. an. Unterhosen für Herren und Damen, von 75 Pfg. an. Normal=Hemde u. Hosen, Hautjacken, sowie sämtl. Arbeiter=Garderobe zu bekannt billigen Preisen. Buhr& Cie., Markt 1. Schwerte, Markt 1. 0 Arbeiter=Garderobe, Flanell=Hemden, Unterhosen, Unterjacken, Hautjacken, in Wolle und Baumwolle, blauleinene Blousen, Jacken u. 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Heute und morgen: Gänsebraten, Rehbraten, Rehragout, Beefsteak, Sü ze, Kavlar, Frankfurter Würstchen. Warmes Frühstück 40 Pfg. Abendplatte 40 Pfg. Carl Raffin. Handelsnachrichten. Dortmund, 9. Nov. 1892. Per 100 Kilo. Karroffeln Stroh(Richt=) Heu Butter. 1 Kilo Eier 60 Stück Dortmund, 10. November. Getreidebörse. Besuch: gut. Tendenz: lustlos. Umsätze: gering. Es notieren: Weizen inl. 16,00—16,50, do. fremder 16,75—18,50, Roggen, inl. 15,00 bis 15,50, do. fremder 16,50 bis 18,00, Hafer inl. neuer 15,00—15,50, do. fremder 15,75—16,75, Futtergerste 11,75—12,50, Mais 12.50—13,50, Weizenvorschuß inkl. Sack 22,00 bis 24,00, Roggenvorschuß inkl. Sack 21,00—22,00. Kleie 9,00 bis 0.00, Rüböl inkl. Faß 56,75—57,50 ### Alles per 100 Kilo frachtparität Dortmund exkl. Sack bei Abnahme von Dopelladungen. Neuß, 10. Nov. 1892. Ein gut gelegenes Ladenlokal mit 1— 2 Zimmern zu vermieten. I. Moses, Hüsingstraße. Akademische Zuschneide-Schule zu Vortmund. 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