für den Kreis Abonnements=Preis pro Quartal 1 Mark 50 Pfg. Erscheint Dienstags. Donnerstags und Samstags. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienffreund.“ Gorde aub den Lanbrreis Vorrmund. Insertionsgebühr für die sechsspaltige Zeile oder deren Raum 10 Pfe außerhalb des Leserkreises 15 Pfg.; Reklamen 30 Pfg. . Mhchten, Dud und Velig vn Cart Braus u Churt. Nr. 35. Schwerte, Dienstag, 22. März 1892. 24. Jabrgang. Amtliche Bekanntmachungen. Ratschläge zur Bekämpfung der Blutlaus. Die von der Blutlaus befallenen Bäume find in der vegetationslosen Zeit, spätestens in der zweiten Filfte des Monats März vom Wurzelhalse an bis in die Krone, von Moos, Flechten und Rindenschuppen vorsichtig, so daß das Saftgewebe nicht bloßgelegt wird, zu säubern und bei frostfreiem Wetter mit Hülfe einer scharfen Bürste mit einer der nachstehenden Flüssigkeiten zu bürsten; zu diesem Zweck werden empfohlen, entweder 2. Gaswasser(zu billigem Preise an allen Orten käuflich, wo Leuchtgas erzeugt wird), welches wit dem doppelten Quantum von gewöhnlichem Wasser vermischt wird— oder d. eine Abkochung von Soda mit Alaun, wobei 1 kg Alaun und 2 kg Soda in 15 Liter Wasser aufgelöst werden— oder 9. eine Abkochung von Tabak und Karbolsäure. Dieselbe wird in folgender Weise hergestellt. Es werden ¾ kg gewöhnlichen einheimischen Rauchtabaks in 3—4 Liter kochendes Wasser geschüttet; hiernächst werden, sobald der Tabak zu einer braunen Brühe verkocht ist, nach Entfernung der Tabaksblätter 3 Tassenköpfe Karbolsäure in fünsprozentiger Lösung zugesetzt, d. eine Mischung von Sapokarbol und Wasser. Auf einen Liter Wasser werden zwei Eßlöffel Sapokarbol von K. G. Lutz, Sanitätsbazar in Stuttgart genommen. Die Mischung kommt auf 2 Pfg. für den Liter zu stehen. In solchen Anlagen, in welchen von der Blutlaus befallene und von ihr noch nicht heimgesuchte Apfelbäume beisammen stehen, empfiehlt es sich, die vorbezeichnete Säuberung und Behandlung des Stammes auf alle Apfelbäume derselben Pflanzung auszudehnen. Im Uebrigen sind die Bodenstücke um die Stämme— die sogenannten Baumscheiben— aufzulockern und zu säubern. Bei der Ausführung der oben bezeichneten Arbeit sind zugleich verkrüppelte oder verdorrte Zweige zu entfernen und zu verbrennen, und— was sich vielfach als nützlich bewährt hat— alle Wundstellen mit einem scharfen Messer glatt auszuschneiden, die also entstandenen Schnittflächen aber sorgfältig zu verstreichen. Hierzu wird zweckmäßig verwendet, entweder a. Steinkohlentheer, vorsichtig und sparsam anfgetragen, d. eine Mischung von venezianischen Terpentin und Terpentinöl zu gleichen Teilen mit etwas Eisenocker versetzt— oder s. Baumwachs, am besten weichflüssiges. Mit dem Fortschreiten der Vegetation sind die Bäume sorgfältig zu überwachen und alle 8—14 Tage einer näheren Untersuchung zu unterwerfen. Sobald an den Zweigen und Aesten bezw. an Wundstellen die weiße Wolle bemerkt wird, sind die befallenen Stellen mit einer scharfen Bürste, welche in eine der unten angegebenen Flüssigkeiten eingetaucht ist, sorgsam auszubürsten. Finden sich dergleichen Ansiedelungen der Blutlaus an jungen, sehr dünnen oder schwer erreichbaren oder schwanken Zweigen, bei welchen das Abbürsten schwer durchzuführen ist, so sind dieselben abzuschneiden, sorgfältig auf ausgebreitete Tücher oder in Körben zu sammeln und sodann zu verbrennen. Die Ansiedelungen der Blutläufe können auch durch Zerdrücken mit der Hand, welche man mit Lappen oder einem alten Handschuh schützen mag, zerstrört werden, indes wird hierdurch die Anwendung s Sinnsprüche, Denksprüche, Sprichwörter 2c. Gott mißt die Nahrung jedem zu; Deshalb jedoch nicht feire Du! Er lässet Dir die Aehren reifen, Du aber sollst die Sichel schleifen. . So Dir was den Sinn beschwert, Frag erst, ob's der Rede wert; Wenn sich Fröhliches Dir beut, Frag nicht erst, nimm's allezeit. Armendoktor. Von Ewald August König. (Fortsetzung.) „Ich wußte noch nicht, daß Du im Porträtfa Vorzügliches leisten kannst,“ sagte Alfred, während die letzten Lichtchen am Weihnachtsbaume auslösch „bisher sah ich nur Genrebilder von Dir. Ich glaut Du würdest reich werden, wenn Du Dich entschließ wolltest—“ „Reich werde ich nie,“ unterbrach ihn der Mal asch, und ein harmloses Lächeln umspielte dabei sei ippen,„die Kunst, zu erwerben und das Erworbei zusammenzuhalten, ist mir nicht gegeben. Und wo auch? Ich habe niemand, für den ich sorgen mu und ich selbst bin mit allem zufrieden. Ich darbe m derselben Heiterkeit, mit der ich im Uederfluß schwelg habe ich keinen Wein, so nehme ich ebenso gern m Wasser vorlieb.“ #. Aber Du könntest angenehmer wohnen, Di Gesser tleiden und drückende Sorgen vermeiden.“ „Angenehmer wohnen? Mein Atelier ist mei Wohnung, sie genügt mir; an den Komfort, di Tausende nicht entbehren können, war ich nie gewöhr Und das hat auch sein Gutes, lieber Alfred, je g ringer die Bedürfnisse sind, besto zufriedener lebt ma Wenn ich in einer Tonne malen könnte, so würde mir nichts daraus machen, wie Diogenes zu lebe vorausgesetzt, daß die Polizei es erlaubte. Ur drückende Sorgen kenne ich nicht, ich weiß nicht, we die Leute, die so oft darüber klagen, unter Sorge verstehen. Ich habe Schulden, ja, es ist wahr, aber soll mir ihretwegen Sorgen machen? Es genügt, wenn mei GBläubiger es thun, und auch von ihrer Seite ist der Bürste oder des Pinsels wie des Desinfektions= mittels keineswegs erüberigt, da die Läufe und deren Brut vielfach in Ritzen und Wundrändern sich festgesetzt haben, wo der Druck der Hand nicht zerstörend wirkt. Es kommt ehen darauf an, die zur Tötung des Schädlings bestimmte Flüssigkeit in alle diese Versticke hindringen zu lassen. Bleiben auch nur einige Läuse am Leben, so ist in wenigen Tagen wieder eine neue Kolonie entstanden. Bei der Bekämpfung der bezeichneten Ansiedelungen der Blutlaus haben sich bisher außer den oben angeführten und abgesehen von anderen, minder einfach herzustellenden oder kostspieligeren folgende Mittel gut bewährt: 1) Eine Mischung von Schmierseise und Abkochung von Quassiaspähnen. 1 kg Schuierseife wird in 5 Liter heißem Wasser aufgelöst und dieser Flüssigkeit eine vorher durchgesiebte Abkochung von ¼ kg Quassiaspähnen zugegeben, welche vorher in 5 Liter kaltem, weichem Wasser eingeweicht und dann gekocht wurden. Die ganze Mischung wird durch Zusatz von weichem Wasser auf 20 Liter erhöht. Der Preis eines Liters dieser Mischung stellt sich auf 4 Pfennige. 2) Die nach dem Erfinder genannte Hofrat Neßler'sche Mischung. Dieselbe wird bereitet aus 50 gr grüner Seife, welche zunächst in dem erwärmten Wasser vollständig aufgelöst sein muß, bevor man die anderen Bestandteile hinzusetzt, 100 gr Fuselöl(Amylalkohol), 200 gr Weingeist und 650 gr Wasser besteht. Diese Substanz besitzt den Vorzug. sich wie reiner Weingeist, Petroleum und Amylalkohol schnell nach allen Seiten hin zu verbreiten und die Läuse sicher zu töten, ohne dabei Rinde und Triebe zu schädigen. Bei dem Gebrauche ist die Flüssigkeit öfters gut umzuschütteln. 3) Eine Mischung von 35 gr Schmierseife in einem Liter Wisser aufgelöst, mit 60 gr Fuselöl. 4) Eine Mischung von 9 Teilen sußer Milch und 1 Teil Erdöl. Bei der Besichtigung der Bäume muß die Aufmerksamkeit vornehmlich auf die untere, der Erde zugekehrte Seite der Zweige gerichtet werden, da sich die Blutlaus vorzugsweise auf dieser, vom fallenden Tropfen mehr geschützten Seite anzusiedeln pflegt. Ehenso achte man auf etwa rorhandene Wunden und Verletzungen, weil sich erfahrungsgemäß an den Verwallungsrändern derselben die Blutlaus mit Vorliebe festsetzt. Hinsichtlich des Auftretens und des Fortschreitens der Blutlaus auf den befallenen Bäumen der Jahreszeit nach ist folgendes zu beachten. Fedruar bis März: Die Wintera#tartiere am Stamme sind schwer sichtbar. Die Winterlarven scheiden noch keine Wolle aus. März bis April: Die Winterquartiere in den Wunden des Stammes, namentlich über dem Wurzelhals, machen sich bemerkbar und verraten sich durch den weißen Flaum. Im April: In den ersten Apriltagen geht in den Winterquartieren die vorletzte Häutung vor sich, die vorjährigen Kolonien an den Zweigen verschwinden fast vollständig. Mitte April erfolgt in den Winterquartieren die letzte Häutung und damit auch die Geschlechtsreise. Vom 18. bis 20. April an beginnt die Geburt der jungen Blutläuse und ein Auswandern nach den Astwunden. Ende April sind weiße Stellen an den Aesten, aber noch nicht an den vorjährigen Zweigen sichtbar. Vom 1. bis 15. Mai: Die größeren Astwunden werden weiter bezogen, die dortigen Kolonien werden umfangreicher, auch die Wunden an den eine Thorheit, denn sie ändern dadurch nichts. Wenn ich einmal in den Besitz einer großen Summe komme, so werde ich mir ein Vergnügen daraus machen, meine Schulden zu tilgen, aber das kann noch lange währen, und bis dahin müssen sich meine Gläubiger gedulden.“ „Sie könnten die Geduld verlieren, Onkel!" „Ich glaub's nicht; welchen Nutzen auch würde es ihnen bringen?" „Sie könnten Klage erheben und Exekution beantragen—“ „Pah, gedroht haben Sie mir damit, aber zur Klage ist es noch nicht gekommen. Die einzelnen Beträge sind zu klein, und ich wüßte nicht, was man in meiner Wohnung pfänden wollte. Verkauft alles, was ich besitze, und seht zu, ob Ihr nur den vierten Teil der Kosten herausbekommt! habe ich ihnen gesagt, und sie sahen ein, daß ich Recht hatte.“ Alfred folgte dem hageren Manne in die Wohnstube und wiegte mißbilligend das Haupt. „Und was dann, wenn Dir niemand mehr borgen will?“ fragte er. „Damit hat's keine Not, ich finde immer noch gutmütige Leute, und, wie gesagt, meine Bedürfnisse sind außerordentlich gering. Vielleicht würde mein Leben sich anders und wohl auch schöner gestaltet haben, wenn es mir vergönnt gewesen wäre, meine geliebte Braut heimzuführen, ich glaube, ich habe Dir die Geschichte schon einmal erzählt.“ „Sie starb kurz vor dem Hochzeitstage!“ „Jawohl, und ich habe diesen Schicksalsschlag heute noch nicht überwunden,“ sagte der Maler mit einem tiefen Atemzuge.„Indessen, wer kann wissen, ob ich mich in ein Schablonenleben hineingefunden hätte! Jedem ist das auch nicht gegeben, und dann wäre es möglicherweise eine sehr unglückliche Ehe geworden.“ „Das glaube ich nicht,“ sagte der Doktor, der kurz vorher eingetreten war,„Du hättest Dich leiten lassen wie ein Kind, ich kenne Dich zu genau, um daran zweifeln zu können.“ Onkel Stephan griff lächelnd in die Dose seines Bruders und nahm eine Priese. „Ich will die Möglichkeit ja zugeben,“ erwiderte er ruhig;„aber es hat nicht sein sollen, und so ist es unnutz, sich den Kopf darüber zu zerbrechen.“ vorjährigen Zweigen werden bezogen. Vom 15.—30. Mai: Um den 15. Mai herum erscheint bereits die dritte Generation, welche wieder eine Etappe weiter wandert und die diesjährigen Triebe bevölkert. In der zweiten Hälfte Mi sind bereits die jungen, äußersten Triebe besetzt. Wenn diese Vorgänge je nach dem Stande der Bäume und den Temperaturverhältnissen sich auch etwas später abwickeln, so erhellt daraus doch, daß die Hauptarbeit bei der Bekämpfung bis zum Mai zu verrichten ist. Wiederholt ist Aufmerksamkeit zu Ende Juli und nach dem Ende des Hochsommers, im Herbst anzuwenden, weil um diese Zeit nach zuverlässigen Wahrnehmungen der Schädling mit Hülfe der geflügelten Weibchen neue Ansiedelungen gründet. Bekanntmachung. Der Unternehmer Josef Ludwig hierselbst beabsichtigt auf seinem Grundstück Flur II Nr. 1400.—. 213 der Steuergemeinde Hörde einen Ringofen zu erbauen. Gemäß§ 17 der Gewerbeordnung vom 21. Juni 1869 bringen wir dies hierdurch mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis, daß etwaige Einwendungen gegen diese Anlage binnen 14 Tagen entweder schriftlich in 2 Exemplaren oder zu Protokoll bei uns anzubringen sind. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in dem Verfahren nicht mehr erhoben werden. Beschreibungen und Zeichnungen liegen auf dem hiesigen Stadtbauamte zur Einsicht offen. Zur mündlichen Erörterung der eventl. rechtzeitig erhobenen Einwendungen wird hiermit Termin auf Freitag, den 8. k. Mts., früh 11 Uhr, vor dem Stadtbaumeister(Zimmer Rr. 12 des Rathauses) anberaumt, mit dem Eröffnen, daß im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden gleichwohl mit der Erörterung der Einwendungen vorgegangen werden wird. Hörde, den 19. März 1892. Der Magistrat: gez. Feldmann. Bekanntmachung. Unter den Rindviehbeständen, 1. der Gutsbesitzerin Witwe Vieseler zu Sölde, 2. des Gutsbesitzers Friedrich Natorp zu Holzwickede, ist die Maul= und Klauenseuche ausgebrochen. Die betreffenden Gehöfte sind unter Sperre gestellt. Aplerbeck, den 15. März 1892. Die Polizei=Verwaltung: Gutjahr. Bekanntmachung Der Küfer Rudolf Dilewsky, geboren am 16. April 1852, hat seine 4 minderjährigen Kinder seit Anfangs März 1891 in hülfsbedürftiger Lage verlassen und mußten dieselben auf Kosten der hiesigen Armenkasse in Pflegestellen untergebracht werden. „Du hast wieder ein Bild verkauft?“ „Vor einigen Tagen.“ nickte der Maler,„es hing lange in der Ausstellung und wurde wenig beachtet. Ich glaube, Du hast es gesehen: zwei Knaben, die eine Katze ertränken wollen.“ „Ich erinnere mich, es war ein gutes Bild; was hat man Dir dafür gezahlt?“ „Fünfzehn Louisd'ors.“ „Das war zu wenig.“ „Wirklich?“ fragte Stephan erstaunt.„Ich weiß es nicht, ein Russe kaufte es, und ich war froh, als ich das Gold in der Tasche hatte.“ „Viel wirst Du nicht mehr davon besitzen?“ sagte der Doktor, ihn erwartungsvoll anschauend. „Aufrichtig gestanden— nein! Ich habe meine Miete bezahlt und einige Farben und Pinsel eingekauft—“ „Ein warmer Anzug thäte Dir not!“ „Das kann ich nicht behaupten, lieber Ernst, ich habe nie einen Paletot getragen.“ „Du wirst älter, Stephan, Du mußt Dich wärmer kleiden.“ „Nun denn, ich will mit einem Schneider reden, wenn Du in der That meinst, daß es nötig sei.“ „Jawohl, es ist nötig, und Du mußt auch die Kieidungsstücke gleich bezahlen—“ „Dann werde ich wohl warten müffen, bis ich wieder einmal ein Bild verkauft habe.“ „Soviel hast Du nicht mehr?“ Ein verlegenes Lächeln glitt über das Antlitz des Malers, er fuhr mit der Hand langsam über seinen grauen Bart.„Ich hatte so lange keinen Sekt mehr getrunken,“ sagte er mit bedauerndem Achselzucken,„und ich trinke ihn so gerne— weshalb soll ich mir nicht einmal eine frohe Stunde machen, wenn die Mittel es mir erlauben?“ „Hm, hm, dagegen läßt sich im allgemeinen nichts einwenden, aber man muß auch an die Zukunft denken,“ erwiderte der Doktor gutmütig, während er an der Brille rückte und seiner Tochter zusah, die mit den Vorbereitungen zum Abendessen beschäftigt war, „Du versprachst mir im Sommer, Deine Schulden tilgen zu wollen, sobald Du Geld einnehmen würdest—“ „Gewiß, gewiß, und sei dersichert, daß ich nichts Der Geuannte soll sich in der Gegend von Dortmund, Hörde, Crefeld und Düsseldorf aufhalten und hat auch in den beiden letzten Orten in Arbeit gestanden. Wir ersuchen nach Dilewsky zu recherchieren und uns seinen Aufenthaltsort unter III b 71 mitzuteilen. Dortmund, den 12. März 1892. Armenverwaltung Dortmund. Die Krisis im preußischen Staatsministerium. Selten hat eine Ministerkrisis so gewaltiges Aufsehen gemacht, wie diejenige, welche nach dem am Donnerstag im Verliner Schlosse unter dem Vorsitze des Kaisers stattgehabten Kronrate des Volksschulgesetzes wegen im preußischen Staatsministerium ausgebrochen ist. Es ist bekannt, wie das neue Volksschulgesetz mit Zustimmung des Kaisers vom Ministerium dem Abgeordnetenhause unterbreitet und dort vom Grafen Caprivi in seiner Eigenschaft als preußischer Ministerpräsident und dem Kultusminister Grafen Zedlitz=Trützschler auf das Entschiedenste verteidigt wurde, die Zustimmung einer aus den Parteien der Konservativen und des Zentrums bestehenden Mehrheit fand, während es von den Freikonservativen, Nationalliberalen und Freisinnigen heftig bekämpft wurde. Jedenfalls war also trotz der entstandenen lebhaften Bewegung um das Gesetz eine feste und sichere Mehrheit für dasselbe vorhanden, und noch am Tage vor dem Kronrat hat auch der Kultusminister Graf Zedlitz rund und klar ausgesprochen, daß die Regierung nicht daran zweifle, daß das Gesetz noch in dieser Session fertig gestellt werde. Nach dem Kronrat haben dann die beiden Minister, welche das Gesetz eifrig vor dem Parlament vertreten, der Reichskanzler Graf Caprivi und der Kultusminister Graf Zedlitz, ihre Entlassung gegeben. Was ist also im Kronrate geschehen? Die„Nordd. Allg. Ztg.“ sagt, alle Mitglieder desselben seien amtlich zum Schweigen verpflichtet, die Zeitungsnachrichten hierüber seien also Vermutungen. Wir wollen wiedergeben, was der konservative „Reichsbote“, der am Hofe gute Fühlung hat, schreibt; es wird wohl richtig sein: Der Kaiser wies in dem Kronrate auf die dem Volksschulgesetz widerfahrenen Angriffe, auf die lebhafte Bewegung im Volke hin, berief sich auf das nicht sehr freundliche Gutachten des evangelischen Oberkirchenrats, auf die Warnungen mehrerer hochangesehener deutscher Fürsten und warf dem Kultusminister vor, er habe ihn über die Situation nicht genügend aufgeklärt. Der Minister verteidigte sich, und der Reichskanzler empfahl, den Schluß der Beratung des Schulgesetzes abzuwarten, allein der Kaiser entschied: Ms mehr wünsche, als dieses Versprechen einlösen zu können:“ unterbrach sein Bruder ihn lebhaft.„Aber was sind fünfzehn Louisd'ors? Ließ ich ein Goldstück wechseln, so war’s im Handumdrehen verschwunden. „Vielleicht wäre es besser für Dich, wenn Du mie Dein Geld anvertrauen wolltest!“* „Besser?“ fragte der Maler sinnend.„Nun ja, es kann sein, ich will es mir überlegen. Augenblicklich habe ich wieder ein hübsches Bildchen auf der Staffelei, vielleicht findet sich bald ein Käufer dafür, dann wollen wir über Deinen Vorschlag weiter reden.“ Ottilie unterbrach jetzt das Gespräch mit der Meldung, daß das Abendbrot bereit sei. Die Herren nahmen Platz, Alfred entkorkte eine Flasche und füllte die Gläser, und der erste Trinkspruch galt einer fröhlichen, gesegneten Weihnachtsfeier. Es war ein einfach, aber schmackhaft zubereitetes Abendbrot, Fisch und Kartoffeln, dem einige Aepfel und Nüsse nebst Brot und Käse folgten. „Du wolltest von Onkel Heinrich erzählen, Papa!“ sagte Ottilie, als sie beim Dessert angelangt waren. „Er war der Aelteste von uns Dreien,“ nickte der Doktor, mit seiner Tabatière spielend, ein talentvoller, geweckter Junge, aus dem etwas Tüchtiges zu werden versprach. Unser Vater hatte ihn zum Staatsdienst bestimmt, aber Heinrich fand keinen Gefallen daran, er schwärmte für die Musik und erklärte mit aller Entschiedenheit, daß er in diesem Fache sich ausbilden wolle. Nun, unsere Eltern gaben endlich nach, und Heinrich besuchte eine Musikschule, in der sein Talent sich glänzend entwickelte. Berühmte Musiker unterrichteten ihn, und da er mit Leib und Seele sich der selbsterwählten Laufbahn widmete, so konnte es nicht ausbleiben, daß er tüchtige Fortschritte machte und schneller als jeder andere sein Ziel erreschte. Er spielte mehrere Instrumente meisterhaft, und'er hatte bereits einige reizende Musikstücke komponjert, als er die Schule verließ. Er wäre sicher im Laufe der ein berühmter Mann geworden, wenn er sich hätte entschließen können, eine solide Lebensweise zu führen. Sein Unterricht war gesucht; seine Konzerte, die er gab, brachten ihm namhafte Summen ein, und seine Kompositionen wurden von den Verlegern glänzend honoriert. Aber das Geld hatte für ihn keinen Wert. t * Nein, es muß sogleich anders werden.“ Die Mehrzahl der Minister war damit einver standen, daß das Schulgesetz in seiner gegenwärtigen Form im Hinblick auf die Volksstimmung mehr schaden als nützen würde, und es wurde beschlossen, von diesem Gesetz und seiner Ausführung Abstand zu nehmen. Das Schulgesetz, wie es bisher war, ist also gefallen. Der Reichskanzler und der Kultusminister gaben sofort am selben Tage ihre Entlassung; Rücksprachen des Kaiserlichen Kabinettchefs von Lucanus mit dem Kultusminister blieben erfolglos, werden auch wohl kaum noch Erfolg haben. Als künftiger Minister wird jetzt hervorragend der Abgeordnete von Rauchhaupt genannt. Was nun des Reichskanzlers Entlassungsgesuch betrifft, so hat der Kaiser dies abgelehnt, und es wird auch allseitig das Verbleiben des Grafen Caprivi im Amte gewünscht. Der Reichskanzler hat das Schulgesetz warm befürwortet, aber doch nicht gerade daran sein Verbleiben im Amte geknüpft. Am Sonnabend nachmittag hat des Kaisers Bruder, Prinz Heinrich, eine lange Unterredung mit dem Reichskanzler gehabt, und sich dann zu dem im Jagdschlosse Hubertusstock verweilenden Monarchen begeben. Am Sonntag ist dann auch der Reichskanzler Graf Caprivi auf telegraphische Einladung des Kaisers dorthin gereist, während der Monarch seinen bis Dienstag geplanten Aufenthalt in Hubertusstock zu verlängern gedenkt, daraus kann man schließen, daß nur der Kultusminister gehen wird, der Reichskanzler aber auf seinem Posten verbleibt. Jedensalls ist das Schulgesetz beseitigt. Die plötzliche Krisis hat natürlich den Parteien und politischen Kreisen, die nicht die leiseste Ahnung von dem bevorstehenden Umschwunge hatten, sehr viel Anlaß zur Diskussion gegeben. In den Kreisen der dem Schulgesetz freundlich gesinnten Parteien herrscht eine erklärliche und tiefe Verstimmung, während auf der anderen Seite der laute Jubel über das Scheitern des Gesetzes nicht verhehlt, und dem Kaiser Anerkennung für sein Eingreifen gezollt wird. Ueber die direkte Ursache des Vorgehens des Monarchen sind tausend Gerüchte im Umlauf, aber alle sind sie nur Vermutungen. Daß die Krisis den Reichskanzler wenig angenehm berühren muß, wird selbstverständlich hervorgehoben, aber man meint doch meist, der Reichskanzler habe sich nicht so weit zu gunsten des Gesetzes verpflichtet, daß er nun auch gehen müsse. Nur wenige Stimmen sind der Ansicht, Graf Caprivi werde nach diesem Zwischenfalle doch nicht mehr lange im Amte bleiben. Von einer Wiederkehr des Fürsten Bismarck wird nicht gesprochen. Weiteres muß man abwarten. Die fremden Journale, die freilich nur selten wissen, wie die Dinge in Wahrheit liegen, begrüßen das Scheitern des Volksschulgesetzes meist beifällig. Zu ganz konfusen Phrasen kommen natürlich wieder die Pariser Organe. Grund für die Ablösung der Stolgebühren erblicken kann, und auch die Finanzlage wenig günstig sei. Kultusminister Graf Zedlitz weist darauf hin, daß das Abgeordnetenhaus selbst diese Forderung gestellt shebe die übrigens nur der Gerechtigkeit entspreche. Abgg. v. Jagow(kons.), v. Heermann(Zir.), Dr. Enneccerus (nat.), Stöcker(kons.), befürworten die Bewilligung. Abg. Richter bleibt im Hinblick auf die Finanzlage bei seinem Widerspruch. Finanzminister Miquel erklärt, die Forderung des Abgeordnetenhauses sei so bestimmt gewesen, daß die Regierung ihr habe entsprechen müssen. Hierauf wird die Position bewilligt. Es folgt die Beratung des Etats der Medizinalvecwaltung. Abg. Graf=Elberfeld(natl.) wünscht weitere Befugnisse der Aerztekammern bezüglich der Disziplinargewalt. Hieran knüpft sich eine längere Auseinandersetzung, an welcher die Abgg. Langerhans, Myer und Virchow(freis.) teilnahmen. Lebhaft besprochen werden dann noch mehrere Fälle, in welchen Geistesgesunde als angebliche Gelsteskranke in Irrenhäuser gebracht wurden. Seitens der Regierung wird versichert, daß diesem Punkte die größt Aufmerksamkeit geschenkt werden solle. In einer Abendsitzung wurden dann die Forderungen des Medizinaletats und der Rest des Etais überhaupt angenommen. Deutscher Reichstag. In der Mittwochssitzung wird die dritte Lesung des Krankenkassengesetzes fortgesetzt.§ 6a führt die ortsstatutarischen Bestimmungen auf, welche die Gemeinden hinsichtlich der Gemeindekrankenversicherung zu erlassen berechtigt sind.§ 6a, sowie alle Bestimmungen über Gemeindekrankenversicherung werden unter Ablehnung aller gestellten Abänderungsanträge genehmigt. Bei den Bestimmurgen über die Ortskrankenkassen beantragt Abg. Grillenberger(Soz.) die Streichung des § 26a, welcher die Ueberversicherung verbietet.(Kassenmitgliedern, welche gleichzeitig anderweitig gegen Krankheit versichert sind, soll das Krankengeld soweit gekürzt werden, als dasselbe mit dem aus der anderweiten Versicherung bezogenen Krankengelde den vollen Beirag des durchschnittlichen Tagelohns übersteigen würde). Der Antrag wird abgelehnt, der§ 26a bleibt bestehen. Die in zweiter Lesung beschlossene Streichung des§ 49b(Verpflichtungen der freien Kassen) wird jetzt zurückgenommen. Dann wird die Weiterberatung vertagt. Donnerstagssitzung. Die zweite Beratung der Novelle zum Krankenkassengesetz wird fortgesetzt. Zu 55a, welcher bestimmt, daß auf Antrag von mindestens dreißig Versicherten die höhere Verwaltungsbehörde nach Anhörung der Kasse und der Aussichtsbehörde die Gewährung der Kassenleistungen durch weitere, als die von der Kasse bestimmten Aerzte, Apotheken und Krankenhäuser verfügen kaun, liegt eine Reihe von Abänderungsanträgen vor, welche eine längere Debatte veranlassen. Angenommen wird schließlich mit 130 gegen 107 Stimmen ein Zusatz des Abg. v. Stumm (freik), wonach die erwähnte Verfügung erfolgen kann, wenn durch die von der Kasse getroffenen Anordnungen eine den berechtigten Anforderungen der Versicherten entsprechende Gewährung jener Leistungen nicht gesichert ist. Der Rest der gemeinsamen Bestimmungen für die Gemeindekrankenversicherung und die Octskrankenkassen wird debattelos angenommen, ebenso die Bestimmungen über die Fabrik= und Innungskrankenkassen. Zu einer Erörterung hieten dann noch die Knappschaftskassen Anlaß. Die betreffenden Vorschriften wurden aber unverändert angenommen. Zu den Bestimmungen über die freien Hülfskassen beantragt Abg. Hirsch(freis.) die Beibehaltung der heute gelienden Vorschriften, wonach es diesen Kassen gestattet ist, statt freier ärztlicher Behandlung 2c. eine Geldunterstützung zu geben. Das neue Gesetz will in dieser Bezievung die freien Kassen allen anderen Krankenkassen gleichstellen. Der Antrag Hirsch wird aber gegen die timmen der Freisinnigen und Sozieldemokraten abgelehnt und die Weiterberatung vertagt. Deutsches Reich. Preußisches Abgeordnetenhaus. Mittwochsitzung. In der Fortsetzung der zweiten Beratung des Kultusetats giebt die Forderung von 750000 M. als Staatszuschuß zur teilweisen Ablösung der Stolgebühren in der evangelischen Landeskirche einer längeren Debatte Anlaß. Abg. Richter(freis.) bekämpft die Bewilligung, weil er keinen hinreichenden und es fanden sich Freunde genug, die sich gern bereit finden ließen, es ihm verzehren zu helfen.“ „Vor solchen Freunden habe ich mich stets gehütet, schaltete Stephan ein, der die Worte seines Bruders auch auf sich zu beziehen schien.„Sie benutzen uns, solange wir noch einen Thaler in der Tasche haben, und nachher kennen sie uns nicht mehr. Und ein guter, liebenswürdiger Junge war unser Heinrich—“ „Wohl zu gut und zu liebenswürdig,“ fuhr der Doktor in vorwurfsvollem Tore fort,„und ein besonderer Fehler war's, daß die Schmeichler alles von „ihm erlangen konnten. Unsern guten Eltern hat's manche böse Stunde bereitet, aber weder ihre Bitten noch ihre Warnungen und Vorstellungen konnten ihn von der Bahn des Leichtsinns abbringen. Anfangs tilgte mein Vater die Schulden, aber als die Summen immer größer wurden, weigerte er sich entschieden, weitere Zahlungen zu leisten, und eines Tages war mein Bruder verschwunden. Er hatte heimlich die Stadt verlassen, das Drängen der Gläubiger war ihm zu unangenehm geworden. Von Paris aus schrieb er an uns, er befinde sich so wohl wie ein Fisch im Wasser, und er sei überzeugt, daß er viel Geld verdienen werde; wir möchten uns seinetwegen keine Sorge machen, er gedenke eine reiche Französin zu heiraten und dann in seine Heimat zurückzukehren und alle Schulden zu tilgen. Das waren gute Vorsätz; wer aber zwischen den Zeilen lesen konnie, dem wurde aus diesem Briefe klar, daß er noch im ner der Alte war und daß er garnicht daran dachte, ein Anderer zu werden.“ „Mit Sicherheit weiß man das nicht,“ sagte Onkel Stephan, der inzwischen eine Zigarre angezündet hatte;„über seine ferneren Schicksale haben wir nie etwas Sicheres erfahren.“ „Das ist freilich wahr; aber würde er untergegangen sein, wenn er ein Anderer geworden wäre? Bei seinen Kenntnissen und seinem Talent läßt sich das nicht annehmen, und daß er wirklich untergegangen ist, das unterliegt wohl auch keinem Zweifel.“ :„Ich halte noch immer an der Vermutung fest, daß er durch einen Unglücksfall um sein Leben gekommen ist,“ erwiderte der Maler.„Unsere Erkundigungen sind damals resultatlos geblieben, aber das hätte man ja voraussehen können in der großen Weltstadt——“ „Wir würden es erfahren haben,“ sagte der Armenarzt mit einer abwehrenden Handbewegung. „Seltsam und befremdend war es schon, daß niemand in Paris den Namen Winkelmann kannte, die Polizei hat alles aufgeboten, um die genauesten Erkundigungen einzuziehen, sie konnte nichts erfahren. Ich war damals selbst in Paris, man sprach hier und da von einem Der Ausflug des Kaisers nach dem prachtvollen Waldrevier von Jagdschloß Hubertusstock hat zu vielen unzutreffenden Meldungen über das Befinden des Monarchen Anlaß gegeben. Der Ausflug ist nicht eine Folge der neulichen Erkältung, sondern ist unternommen, weil der hohe Herr sich stark überarbeitet hat und etwas abgespannt fühlt. Waldluft und Waldesfrieden sind dafür die beste Medizin. Bei dem Eifer des Kaisers, alles was er zu unterschreiben hat, auch bis in das kleinste Detail selbst zu wissen, ist die Abspannung und leichte Ermüdung erklärlich.— Die Kaiserin reist nicht nach Hubertusstock, sondern stattet ihrer Großtante, der greiseu Großherzogin Alexandrine von Mecklenburg=Schwerin, der Schwester Kaiser Wilhelm I., einen Besuch ab. Der Prinz Heinrich von Preußen ist Sonntag nachmittag wieder aus Hubertusstock in Berlin eingetroffen und im Schlosse abgestiegen. Der Prinz wird in der nächsten Zeit den Kaiser in den Repräsentationspflichten vertreten helfen. Die freikonservative„Post“ schreibt:„Bemerkenswert vor allem in den Vorgängen der letzten Tage ist es, daß die Wendung der Dinge zum Bessern der persönlichen Initiative des Landesherrn zu danken ist. Wie weise der Entschluß ist, eine Vorlage zurückzustellen, deren sachlicher Inhalt so schwer bestritten wird und deren Wirkung auf die allgemeine und insbesondere die Reichspolitik so überaus bedenklich ist, bedarf keiner näheren Begründung. Er zeugt in gleicher Weise von tiefem Verständnis für die politische Gesamtlage und ihre Rückwirkung auf die innere und auswärtige Politik des Reiches, wie von der klaren Erkenntnis der Bewegungen der Volksschule. Nicht minder aber vor dem kräftigen Entschlusse, ohne sich von Nebenfragen beirren zu lassen, ohne Verzug das nach Lage der Dinge Notwendige zu thun. Beide Eigenschaften, die verständnisvolle Erkenntnis des politisch Notwendigen und die Willenskraft, das als richtig erkannte durchzusetzen, sind die charakteristischen Zeichen der hohen staatsmännischen Veranlagung, durch welche die großen Herrscher des Hohenzollernhauses sich stets auszeichneten. Große Beruhigung erweckt in Wien die Nachricht, es glaube niemand, daß Caprivi's Entlassungsgesuch, wenn ein solches an den Kaiser gelangt sein sollte, angenommen wird, ebenso wenig, daß der Kanzler darauf bestehen würde. Auch die Aeußerung der „Post“, Caprivi sei in der Schulfrage nicht so engagiert, daß er nicht trotz des gesetzgeberischen Mißerfolges bleiben könnte, wird zitiert. Ueberhaupt bekundet die öffentliche Meinung bei diesem Anlasse besondere Sympathie für Caprivi. Die„Deutsche Ztg. sagt, Caprivi habe in der Führung der auswärtigen Angelegenheiten eine so geschickte Hand bewährt, daß sein Verbleiben im Amte der Wunsch aller Freunde Deutschlands und des Friedens sein müsse, und der„Pester Lloyd“ erklärt, er halte die Annahme der Demission Caprivi's, der sich auf vielen Gebieten der inneren Politik, ganz besonders aber in den Fragen der auswärtigen Politik vortrefllich bewährt hat, durchaus nicht für wahrscheinlich. Am Samstag nachmittag um 4 Uhr fand ein Zusammenstoß zwischen der Polizei und einer etwa zweitausendköpfigen Volksmenge in der Straußbergerstraße statt. Um 6 Uhr wurde der Friedhof geschlossen, nachdem wohl 30000 Personen tagsüber anwesend gewesen waren. Hierauf wurde die Menge aus dem Friedrichshain und den angrenzenden Straßen zurückgedrängt und zerstreut. Tagsüber fanden viele kleine Ansammtalentvollen jungen Musiker, aber er führte einen französischen Namen, und er hatte schon vor meiner Ankunft Paris verlassen.“ „Onkel Heinrich schrieb nur einmal aus Paris?“ fragte Alfred „Jawohl, nur einmal, und der Vater beantwortete diesen Brief nicht, das mag ihn wohl gegen uns alle erbittert haben. Wir hörten nichts mehr von ihm, und als ich ein Jahr später nach Paris kam, um an der dortigen Universität noch einen Kursus durchzumachen, suchte ich ihn vergeblich. Ich sparte gewiß keine Mühe und keine Kosten, um mir Auskunft über ihn und sein Schicksal zu verschaffen, es war alles umsonst und seit jener Zeit ist e verschollen.“ „Vielleicht wanderte er aus nach Amerika, weil es ihm in Paris nicht gelang, sich eine Exsstenz zu gründen,“ sagte der Assessor mit einem langen prüse den Blicke auf das Porträt, das Ottilie geholt und neben dem Tisch auf einen Stuhl gestellt hatte. „Möglich auch, daß Onkel Stephan's Vermutung be gründet ist; in einer so großen Stadt kann manches sich ereignen, wovon die Polizei nichts erfährt.“ „Was hilft's, ob wir uns den Kopf darüber zerbrechen!“ entgegnete sein Vater.„Er wird nicht wiederkehren, um uns das dunkle Rätsel zu lösen, und es ist eine unangenehme Sache, sich mit Vermutungen u quälen.“ „Das ist's.“ nickte Onkel Stephan,„ich hab's an mir selbst erfahren, während ich das Bild malte. Schade um das schöne Talent, das so jämmerlich untergehen mußte.“ Das Dienstmädchen trat in diesem Augenblicke ein, um den Tisch abzutragen. „Fräulein Pourtalier dankt herzlich,“ sagte es, sie wollte gar nichts annehmen, bis ich ihr sagte, ich dürfe die Sachen nicht wieder mitbringen, dann mußte ich Flörchen rufen, und wie die Beiden zusammen waren, haben sie geweint wie die kleinen Kinder. Und Fräulein Pourialier hat Flörchen gesagt, sie müsse nun jeden Tag für den guten Doktor beten—“ „Jetzt ist es genug!“ unterbrach der Doktor siärgerlich.„Sie wissen ja, daß ich von solch'n Ge chichten nichts wissen will.“ „Fräulein Pourtalier?“ fragte der Maler, seinen Bruder voll ungeduldiger Erwartung anschauend. „Doch nicht Mademoiselle Pourtalier, Tanz= und Austandslehrerin?“ „Dieselbe,“ nickte der Bruder,„kenast Du sie näher?“ „Sie ist meine Freundin, im vergangenen Sommer lernte ich sie draußen in einer Gartenwirtschaft kennen. Ich habe sie einige Mal besucht und der Tanzstunde beigewohnt, um Studien zu machen, die ich demnächst zu verwerten gedenke, und bei dieser G##legenheit bat sie mir erzähl, daß sie ein armes Geschöpf sei.“ „So arm und elend, daß sie wohl an Entkräftung gestorben sein würde, wenn wir uns nicht ihrer angenommen hätten,“ sagte der Doktor,„ihr Stolz und ihr Schamgefühl erlauben ihr nicht, zu betteln, sie muß früher bessere Tage gesehen haben. Vielleicht könntest Du sie veranlassen, die Dame, der sie früher gedient hat, um eine Unterstützung anzusprechen, sie ist dazu berechtigt, aber sie wll es nicht.“ Onkel Stephan hatte sich von seinem Sitz erhoben, er warf einen forschenden Blick auf die Wanduhr und knöpfte sein dünnes Röckchen zu. „Eben neun Uhr vorbei,“ erwiderte er,„es ist noch nicht zu spät, ich werde mich persönlich erkandigen.“ „Aber Onkel," warf Ottilie ein,„um eine unverheiratete Frau zu besuchen, dürfte es doch wohl zu spät geworden sein. Ich will morgen hingehen—“ „Mein liebes Kind, Mademoiselle Pourtalier ist über die Fünfzig hinaus, und ich bin es auch, unterbrach der Maler sie ruhig, und bei uns armen Leuten nimmt man es so genau nicht. Heute habe ich noch eiwas Geld in der Tasche, um der Freundin helfen zu können, wer weiß, wie es morgen in meiner Börse aussicht. Gute Nacht, Ernst, gute Nacht, Kinder! Was heute geschehen kann, soll man nicht auf morgen verschieben.“ „Du kommst doch morgen zum Mittagessen?“ fragte Ottilie. „Sehr gern, wenn Ihr es erlaubt, gute Nacht!“ Sie ließen ihn g hen, seit Jahren waren sie gewohnt, ihn kommen und gehen zu sehen, wie es ihm gestel. „Wenn er sein Geld los sein muß, dann ist es besser, er verwendet es zu solchen Zwecken, als daß er's für Champagner und Anstern ausgiebt,“ sagte der Doktor gedankenvoll.„Ich sagte es ja, er hat das Herz und das Gemüt eines Kindes, und den Wer: des Geldes kennt er nicht. Im Grunde genommen ist es mir lieb, daß er so früh sich entfernt hat,“ fuhr er nach einer kleinen Pause fort,„ich wurde heute abend plötzlich an ein Erlebnis aus früheren Jahren erinnert, das ich Euch mitteilen möchte. Bis zu deser Stunde hat es außer Eurer Mutter noch niemand erfahren, und wie sie es that, so münt auch Ihr mir Verschwiegenheit geloben. „Ein Geheimnis?“ fragte Ottilie, überrascht aufblicken.d. „Du darfst es uns getrost anvertrauen,“ fügte Alfred hinzu. „Und ich muß es thun, weil ich vielleicht später genötigt bin, Deinen Rat in dieser Angelegenheit in Anspruch zu nehmen,“ erwiderte der Doktor, sich zu seinem Sohne wendend. Hole noch eine Flasche Wein, Ottilie, dann werde ich beginnen.“ (Fortsetzung folgt.) lungen statt; die Plänkeleien dauerten bis in die Nacht an. Westfalen und Rheinland. Schwerte, 21. März. Mit heutigem Tage hat der Frühling seinen Anfang genommen, Tag= und Nachtlänge halten sich heute die Wage. Auf die letzten kalten Wochen ist vor einigen Tagen endlich ein energischer Umschwung eingetreten. Die Sonnenwärme kommt jetzt ganz entschieden zur Geltung, und wenn. wir auch vorläufig noch nicht von Nachlfrösten verschont bleiben werden, so wird doch bald Wald und Flur das frische Grün bedecken, das auf jedes Auge einen zauberischen Reiz ausübt. Unsere gefiederten Sänger sind zum großen Teile schon zurückgekehrt, und hatten wir bereis gestern Gelegenheet, ihren Konzerten zu lauschen. Schwerte, 19, März. Folgende Warnung, welche auch anderswo Beachtung finden sollte, veröffentlichen Berliner Blätter:„Wir wiederholen unsere Warnung, Mietsverträge über Räume in neuerbauten oder umgebauten Häusern für eine Zeit abzuschließen, zu welcher die von der Zustellung des Rohbauabnahmescheines ablaufende Frist von 6 Monaten noch nicht verstrichen ist, da die Polizeiorgane vor Ablauf dieser Frist das Beziehen der fraglichen Räume nicht dulden und nach den gesetzlichen Bestimmungen auch nicht dulden können. Die Polizeireviere werden nach wie vor auf Aufragen aus dem Publikum über den voraussichtlichen Termin der Beziehbarkeit von Wohnungen in neuen bezw. umgebauten Häusern bereitwilligst Auskunft erteilen. „ Aplerbeck, 21. März. Die Zeche„Margaretha“ hurstlost laßt in diesem Jahre eine große Separation und Kohlenwäsche=Anlage errichten. Schüren, 18. März. Der am 15. d. M. auf der Zeche„Frcie Vogel und Unverhofft“ schwer verbrannte Kesselheizer Kirchhoff von hier ist gestern an den erhaltenen Verletzungen im Krankenhause zu Hörde gestorben. Hohensyburg, 20. März. Auf Zeche Gottessegen verunglückte der Anschläger Neumann von hier, indem er vom Förderkorb in den Schacht stürzte. Der Tod trat infolge eines Genickoruches sofort ein. Dortmund, 19. März. Am 22. August des nächsten Jahres werden es 600 Jahre, daß der deutsche König Adolf von Nassau den hiesigen Bürgern von Bonn aus das Recht erteilte, überall in der Stadt Bier mit Grüt zu brauen. Es ist dies das erste Mal, daß in einer hiesigen Urkunde das Bier erwähnt wird; man könnte also daraufhin wohl im Jahre 1893 den Gedenktag des 600jährigen Bierbrauens in unserer Stadt feiern. Dortmund, 19. März. 300 Mark Belohnung sind auf die Ergreifung des ca. 23 Jahre alten Kaufmanns Albert Adelmann von hier, welcher nach Unterschlagung von 9500 K, meist Tausendmarkscheine, flüchtig geworden ist, ausgesetzt. Dorstfeld, 19. März. Hier hat eine Ziege ein Lamm geworfen, welches acht völlig ausgewachsene Beine besitzt. Leider hat man das Geschöpf sofort getötet. Lünen, 20. März. Nach dem neuen Einkommensteuergesetze sind dem Herrn Finanzminister die armen Millionäre die gesuchtesten Leute. In dieser Brauche soll unsere Stadt eben Dortmund über sein. Letzteres hat 40 dieser Glücksvögel und da Lünen nur den zwanzigsten Teil der Einwohnerzahl von Dortmund hat, so könnte es sich mit zweien wohl begnügen, es soll aber deren nun fünf haben. Wie wir vernehmen, hai die Selbsteinschätzang ein nicht zu unterschätzendes Plus an Steuern ergeben. Bommern, 19. März. Ein seltsamer Schweinehandel kam hier dieser Tage zustande. Ein hiesiger Wirt verkaufte nämlich sein Schwein an einen Oekonom und zwar unter der Bedingung, daß Käufer die ersten 170 Pfund Schlachtgewicht nichts, dagegen für jedes weitere Pfund 7,50 Mk. zahle. Nur unter diesen Zahlungsbedingungen wollte der Wirt den Handel abschließen. Der Wirt glaubte ein gutes Geschäft gemacht zu haben, mußte aber beim Verwiegen des Schweines wahrnehmen, daß er sich diesmal verrechnet habe. Es stellte sich trotz reichlicher Abwiegung nun ein Gewicht von 176 Pfund heraus, und so erhielt der Käufer für sein etwa 100 Mk. wertes Borstentier 45 Mark gezahlt. Der Käufer, welcher nun prinzipiell auf dem formgerecht abgeschlossenen Geschäft beharrte, war indes uneigennützig genug, aus der Sache keinen Vorteil für sich zu ziehen; er verschenkte etwa 80 Pfd. an unsere Armen, sodaß diese einen billigen Sonntagsbraten erhielten. Das war ein schöner Schluß der Angelegeuheit. „„Unna, 18. März. Der Geflügelverband ffür Wenfaren und Lippe veranstaltet in den Tagen vom April 1892 in der Tonhalle hier eine große G.flügelausstellung. Arnsberg, 20. März. Der erste Staatsanwalt von hier macht bekannt, daß in der Nacht zum 24. Februar d I. aus der Kirche zu Wormbach mittels Einbruch gestohlen sind: Eine Strahlenmonstranz, oberer Teil mil Silber vergoldet, der untere Teil mit vergoldetem Kupfer, ein Ziborium, Kupfer vergoldet, ein silbervergoldeter Kelch, welcher am Fuß zur Verschönerung mit Ringen versehen ist. Ueber die Thäterschaft hat man noch keine Spur. Solingen, 18. März. Die Solinger Stahlwerke haben einen Prozeß gegen den Major Dérns, Generalinspektor des Turnunterrichts an den Pariser Schulen angestrengt. Dieselben haben Einspruch erhoben gegen ein Patent, welches dem Major auf einen eigentümlichen, von ihm erfundenen, im französischen Heere eingeführten Stahl=Kavalleriesäbel vom PatentAmt in Berlin erteilt worden ist. Die deutschen Industriellen behaupten, daß die Klingen, welche dem Major patentiert sind, seit Jahrhunderten in Solingen hergestellt werden. Dérné, der für den 7. April nach Berlin vorgeladen ist, wird seine Sache selber führen. Bochum, 19. März. Der Bochumer Verein hat einen Hochofen ausgeblasen, welcher neu zugestellt werden muß. Diese Arbeit dauert Monate, Emlassungen sind jedoch nicht erfolgt. Barmen, 16. März. Durch die Explosion einer Zigarre wurde am Sonntag nachmittag einem Kaufmannslehrling im Barmer Walde die Oberlippe zerrissen und der ganze Mund verbrannt. Derselbe hatte von einem Freunde und Berufsgenossen eine ExplostonsZigarre geschenkt erhalten und diesetbe, ohne zu ahnen, was sie enthielt, geraucht, als nach ein gen Zügen sich das Pulver entzündete und das Unheit anrichtete. Die Verwundung war laut der„Barmer Ztg.“ so erheblich, daß der junge Mensch einen Arzt zu Rate ziehen mußte Elberfel d, 17. März. Die hiesigen Arbeitslosen beschlossen gestern in einer von etwa 400 Personen besuchten Versammlung, beim Herrn Oberpräsidenten der Rheinprovinz die Erlaubnis zur Abhaltung einer Kollekte für die Notleidenden zu erbitten und beauftragten mit der Ausarbeitung des Gesuches eine dreigliedrige Kommission. Elberfeld, 20. März. In Bohwinkel fiel am Freitag von einem sehr hohen Gerüst der Stuckateur Ph. Sawenk von hier so jämmerlich zu Boden, daß er beide Arme und Beine brach und eine schwere Kopfverletzung davontrug. Der Unglückliche wurde in das städtische Krankenhaus gebracht, wo ihn der Tod von seinen Leiden erlöste. Er hinterläßt eine Witwe und mehrere Kinder. Gelsenkirchen, 18. März. Die Zeche„Königsgrube“ kündigte 115 Bergleuten. Overhausen, 17. März. Auf dem Bahnhofe des Nachbarortes Osterfeld fand der in Niederlahnstein Kationierte Bremser Schweikert dadurch seinen Tod, daß er von den Puffern zweier Wagen zerquetscht wurde. Duisburg, 16, März. Das Ergebnis der Selbsteinschätzung ist laut dem Verwaltungsbericht„kein ungünstiges". Es sei die Möglichkeit geboten, der Kommunalsteuerzuschlag von 300 Proz. auf 175 oder 195 Prozent herabzusetzen, je nachdem die Stadtverordnetenversammlung beschließen werde, den Zuschlag der Grund= und Gebäudesteuer sowie Gewerbesteuer beizubehalten oder fallen zu lassen und eventuell die Straßenreinigungskosten aus dem Stadtsäckel oder von den Hauseigentümern bezw. Mietern bezahlen zu lassen. Neuwie d, 15. März. Das Schwurgericht verurteilte gestern Abend nach viertägiger Verhandlung die Gebrüder Peter und Engelbert Siegel aus Ueckendorf(Westfalen) wegen Raubmordes begangen an dem Ackerer Schug aus Spreitchen bei Waldbreitbach zum Tode. Duisburg, 18. März. Heute nacht erfolgte hier die Explosion des Kessels des auf der Probefahrt begriffenen Schleppboots„Heinrich". Sechs Personen wurden getötet, eine Person schwer verletzt. Tot sind die Fabrikbesitzer Schmitz jr. aus Homberg, der Besitzer des Schiffes, Buchloh, der Kapitän Heckmann, zwei Maschinisten und ein Heizer. Köln, 14. März. Vergangene nacht schlitzte bei einem Streite der Arbeiter Nieß seinem jüngeren Bruder zu Ehrenfeld den Unterleib. Der Verletzte starb bald darauf im Krakenhause. Neukirchen, 19. März. Der Kaiser wird am 1. Mai auf den Stumm'schen Werken hier erwartet. Er macht dann voraussichtlich eine Einfahrt in die Grube und wird später Gast des Frhrn. v. Stumm auf Schloß Halberg sein. Aus der Eisel 18. März. Die wegen ihrer Unfruchtbarkeit so viel verschmähte Eifel birgt einen kostbaren Schatz, der neuerdings hervorragende Aufmerksamkeit erregt hat. Es befindet sich in dem Gebirge eine gewaltige Marmorgrube, die früher im Besitz des Klosters Steinfeld gewesen und später verschüttet, jetzt aber wieder aufgedeckt worden ist. Die in der letzten Generalversammlung der Ortsgruppe Köln des Eifelvereins ausgelegten Proben riefen Erstaunen über ihre Schönheit hervor. Aus diesem Material sind die Altäre und der Taufstein in der Klosterkirche zu Steinfeld hergestellt und höchst wahrscheinlich ist dieser Marmor auch von Friedrich dem Großen zum Bau des„Neuen Palais“ verwendet worden, was man daraus schließen zu müssen glaubt, daß die Struktu# des Eifeler Marmors und des Poisdamer Marmore genau übereinstimmt. Der Eifeler Marmor ist ein ganz vorzügliches Material und viel besser als der in Deutschland meist eingeführte belgische Marmor. Speldorf, 18. März. Eine eigentümliche, bis jetzt wenig beobachtete Kinderkrankheit tritt der„Rh.= u. Rztg.“ zufolge zur Zeit hier in starkem Maße auf. Dieselbe fängt damit an, daß die Augen sich trüben und die weiße Haut im Auge nach und nach biutig anläuft. Gleichzeitig bekommen die Kinder auf dem ganzen Körper einen trockenen Hantausschlag, nach einigen Tagen ist der Verlauf zu Ende, ohne nachteilige Folgen zu hinterlassen. Es giebt viele Familien, deren Kinder sämtlich von dieser Krankheit befallen wurden. ham, welche den Ausstand fortsctzen wollen, nehmen mit dieser Woche die Thätigkeit wieder auf. Die Leute wollen aber nur fünf Tage pro Woche arbeiten, um den Kohleupreis und die Löhne hoch zu halten. Vermischtes. * Die große Grubenkatastrophe in Anderlues in Belgien ist durch ein Verbrechen hervorgerufen worden. Dem Brüsseler Patriote zufolge wäre die Ursache der Katastrophe in Anderlues auf den Racheakt eines gegen die Direktion des Bergwerks erbitterten Arbeiters zu: rück zuführen. * In Reichenbach am Eulengebirge ist die dortige Spinnfabrik von Rosenberger total niedergebrannt, wodurch 600 Arbeiter brodlos geworden sind * In Mitweida haben die Aerzte zu den Ortskrankenkassen ihre Beziehungen abgebrochen. Sie wollen angeblich selbst bei schweren Erkrankungsfällen den Mitgliedern keine Hülfe leisten. Der Grund des Zwistes liegt in den Honorarverhältnissen. Die Aerzte verlangen von der Kasse für jedes Mitglied K 350 Honorar, diese will aber nur K 2,00 zahlen. Jetzt sucht der Vorstand einen auswärtigen Arzt heranzuziehen. * St. Petersburg, 18. März. Gestern abend ist hier ein im Bau begriff nes Zstöckiges Haus eingestürzt, wobei 13 Arbeiter begraben worden sind. Einer derselben ist tot. Einläbung. Soziale Bewegung. roßbritannien. Die streikenden englischen Kohlenbergleute, mit Ausnahme derjenigen von Dur1. April beginnt das zweite Quartal 24. Jahrganges der„Schwerter Zeitung", und gestatten wir uns an unsern Leserkreis die Bitte zu richten, dem Blatte die zugewandte Gunst erhalten und für immer weitere Verbreitung der„Schwerter Zeitung“ gütigst mit bemüht sein zu wollen. Wir werden auch ferner bestrebt sein, der„Schwerter Zeitung" die Stellung eines überall gern gesehenen Hausfreundes zu sichern, unsere Leser von allem Wissenswerten auf politischem, wie provinziellem Gebiete in Kenntnis zu setzen und auch den lokalen Teil immer reichlicher auszustatten suchen. Neu hinzutretenden Abonnenten wird der Anfang des vortrefflichen Romans: „Der Armendoktor“ auf uns mitgeteilten Wunsch gratis nachgeliesert. Da die„Schwerter Zeitung“ das verbreitetste Blatt in Schwerte und Umgegend ist, so ist sie nicht nur allein das wirksamste, sondern auch das billigste Insertionsmittel, denn Preis und Wert der Anzeigen werden bekanntlich durch die Verbreitung einer Zeitung bedingt. der„Schwerter Zeitung". Der Maurer Wilhelm Langemann zu Schwerte ist dur Mch dalch Beschluß des Koniglichen Amtsgerichts zu Schwerte vom 26. Februar 1892 für einen Verschwender erklärt und als solcher unter Vormundschaft gestellt. Schwerte, den 17. März 1892. Königliches Amtsgericht. Verrauf event. Verpachtung in Westhofen. früher Paar’sche Besitzung zu Westhofen, 27151 31 Flur 5 Nr. 283, 284, 285, 286, 287, 773/299, —+774/300, zusammen groß 26 Are, 68 O=Meter, G erten und###, amen groß 26 Are. 68 □)=Meter, Garten und JJofraum mit aufstehenden Gebäuden, werde ich am Mittwoch, 23. März, nachmittags 4 Uhr, im Lokale des Herrn Schmiemann zu Westhofen öffentlich meistbietend zum Verkauf event. zur Verpachtung aussetzen. Hohenschwert. Verkauf. Mittwoch, 23. März, vorm. 9½ Uhr anfangend, läßt Frau Schmitz, Hellpothstraße 1 Kleiderschrank, 1 Glasschrank, 1 rund. 1 Waschtisch, 1 Schreibpult, 6 Rohrstühle, 2 Spiegel, div. Bilder, mehrere Ahren, 3 1 Kuppelsampe, 1 Partie lehrreiche Bücher, 1 Real, 1 neuen Schiebkarren, Vorzellan- und andere Sachen gegen bar verkaufen. Hohenschwert. Danksagung. Seit einem Jahre litt ich an einer Lungenkrankheit, deren wichtigstes Sympthom in Husten mit dickem gelben Auswurf bestand. 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