□ T 2• Kreis blart für den Vrreis Gorde und den Landrreis Vörrmund. „„ M Insertiansgebühr für die sechsfnattige Zeile Abonnements=Preis pro Quartal 1 Mark 50 Pfg. Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. Wöchentliche Gratisbeilage:„Familienfreund.“ Insertions gebühr für die sechsspaktige Zeile oder deren Raum 10 Pfg., außerhalb des Leserkreises 15 Pfg.; Reklamen 30 Pfg. Redaktion, Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Nr. 111. Schwerte, Samstag, 19. September 1891. Lebenszweck. Dieses Leben bleibt für uns nur Schule, Wir lernen hier; jedoch der Lohn des Lernens Liegt über jeder Schule weit hinaus. Hienieden ist der Weg, doch nicht die Heimat. Ein Thor, wer unterwegs sich träge säumt, Daheim sich träumt auf off'ner, staub'ger Straße! Wie schnell verirrt sich solchen Pilgers Schritt! Vom Pfad gewichen, der nach Hause führt, Von nächt'gem Dunkel überrascht, Vielleicht vom Irrlicht in den Sumpf getrieben, So taumelk er verloren in's Verderben. Aus der Tiefe. Sozialer Roman aus dem Bergmannsleben von A. Linden. (Fortsetzung.) Das Gewitter hatte sich indessen völlig emladen, Blitz auf Blitz zuckte hernieder, dem lauter Donner folgte. Wilhelm eilte zu den Leuten, um sie von Gewaltthaten abzuhalten. Er selbst war sehr erregt und erbittert und gleich den Kameraden entschlossen, für Antons Tod Rechenschaft von Märzer zu fordern. Jedoch diese wild aufgeregte Menge, deren längst gehegter Groll in dieser Stunde zu wütendem Haß aufgestachelt worden, sie war zu allem, auch zum Schlimmsten Still und öde lag das große Haus, welches Märzer fast allein bewohnte. Hausthür und Läden waren fest geschlossen; nun hatte es die Menge umringt. Alle riefen durcheinander nach dem Bewohner, er solle herauskommen, sie hätten mit ihm zu reden. Da keine Antwort erfolgte, pochte man ungestüm gegen die Thür, die endlich dem Schlage nachgab und aufspcang. Die Menge drängte in den dunklen Hausflur und in die Stube, jedoch ohne den Gesuchten zu finden. Nur die alte Wirtschofterin kam zitternd hervor aus ihrer Dachkammer, wohin sie sich beim Andrängen der Leute geflüchtet. Man schrie sie an, wo ihr Herr sei. Schluchzend entgegnete sie, daß sie es nicht wisse, sie habe ihn weder heimkommen noch ausgehen sehen. „Er hat sich verborgen, wir wollen ihn suchen! Heraus mit ihm!“ schrie es aus der Menge. Die Schar drang wütend in alle Räume des Hauses. Was sich ihr entgegenstellte von Schlössern, Thüren und Möbelstücken, wurde gesprengt und zerschlagen. Je fruchtloser dies Suchen war, je erbitterter und wütender wurden die Eingedrungenen. „Wir wollen den Fuchs ausräuchern aus seinem Bau!“ rief einer der Männer, und der wilde Vorschlag fand Beifall von allen Seiten.. 1 4 „Kameraden! um Gotteswillen, was ist das?“ ertönte da Wilhelms Stimme laut und kiar in den Haufen hinein. Einen Augenblick verstummte das „Wilhelm Wellbach! Der Steiger Wellbach ist da,“ ging's von Mund zu Mund. „Was das ist? Aufstand ist's und die Geschichte geht jetzt los. Den Reichen gehl's an den Kragen, und wir werden die Herren!“ entgegnete einer der fremden Bergleute, die jetzt in großer Menge auf der Grube beschäftigt waren, seitdem dieselbe so sehr vergrößert worden. „Schweigt!“ donnerte Wilhelm ihn an.„Schämt Euch, Kameraden, wenn Aufruhr und Mord Eure Abscht s.:„., Lansckast aeben Ni. Los u. „Sie soulen uns Rechenschaft geven, die das Unglück schuld sind. Aber nicht so wie Ihr's jetzt wolltet! Kommt alle herzu und hört was ich Euch sagen will.“ Die meisten folgten seinen Worten gutwillig. Heinrich Bahners aber rief dagegen:„Nicht von langen Reden und Verhandeln, mit schönen Worten ist nichts gethan; denkt dran, Ihr Kameraden, was Ihr dem Anton versprochen habt. Wir müssen ihn haben, den Mörder, sucht ihn, bis Ihr ihn findet. Unten im Keller wird er sich wohl verborgen haben.“ Den andern voraus eilte er hinab, um im Keller nach dem Verhaßten zu suchen. Die Gemäßigten waren indes Wilhelms Worten gefolgt. Nun standen sie draußen um ihn her, zu hören, was er ihnen sagen wolle. „Laßt uns ruhig nach Hause geb’n, Kameraden! Keine Gewaltihat! Uebermorgen früh aber, eh' wir anfahren, wollen wir alle zusammentreten und vom Direktor verlangen, daß er den Obersteiger Märzer, der das Unglück schuld ist, dafür bestraft, wir wollen ihm auch sonst noch einmal alles sagen, was wir anders haben müssen. Wenn's Euch recht ist, will ich dann für Euch reden und Eure Sach' vertreten, als wenn's die meine wär! Ihr aber sollt Euch auch halten wie ehrliche Leut' und nicht wie Mörder und Aufrührer!“ Seine Worte stießen auf vielen Widerspruch seitens der andren. „Hast nicht auch dem toten Anton die Hand gegeben und ihm damit versprochen, daß Du Rach' nehmen wolltst für ihn grad' so gut wie wir? Und nun willst so lammfromm sein und den Direktor bitten, daß er's für uns thut!“ rief Heinrich höhnisch.„Der ist nicht besser, als der Märzer auch, und eine Kräh' hackt der andren kein Auge aus. Wird ihn noch wohl gar in seinem Haus verborgen haben. Kommt mit, Kameraden, wir wollen zum Direktor jetzt gleich, noch heut' abend, und wenn er uns nicht den Kerl gutwillig herausgiebt, wollen wir ihn selber herausholen!“ Ein lautes Geschrei der Zustimmung antwortete ihm. Wellbach und einige der Besonneneren mahnten vergeblich ab. Der ganze große Haufen setzte sich in Bewegung um von dem Direktor die Entlassung des Verhaßten zu erzwingen... ung Lu, Gershrsh, Da trat ihnen an der Biegung der Vorfstraße eine ehrwürdige Gestalt entgegen. Es war der alte Pfarrer, der auf die Kunde des Geschehenen atemlos hinzukam. Er war unter den Leuten allbeliebt. Man hatte ihm seit einiger Zeit eine andre Kraft zur Hilfe gegeben, einen jungen Geistlichen, der im finsteren Eifer alle Andersdenkende als Ungläubige richtete und jedes harmlose Vergnügen als sündige Weltlust verdammte. Diesem war der alte Herr viel zu milde, die Leute aber schätzten seitdem ihren alten treuen Pastor um so höher.„Haltet ein, Kinder, haltet ein! Hört erst ein Wort, ehe Ihr was Unbedachtes thut und Euch damit zeitlebens unglücklich macht. Ich habe vernommen, was geschehen ist; komme eben von der armen Greta; hart ist's und schwer, und es geht mir auch an's Herz, daß der Anton, der stille, brave Junge, sein junges Leben hat lassen müssen und schon so früh den Bergmannstod gestorben ist. Warum es der Herr gethan hat, das wissen wir hier nicht, wird aber ma! droben offenbar werden. Ihr aber sollt Euch nicht rächen an denen, die die Schuld an seinem Tod auf sich geladen haben.„Die Rache ist mein“, spricht der Herr,„ich will's vergelten!“ Und ein furchtbar' Ding' ist's um die Rache; wenn einer sie unsrem lieben Herrgott aus der Hand nehmen und sie selber üben will, so fällt sie auf ihn zurück und zerschmettert ihn.“ Wir haben's versprochen, Herr Pastor, wir haben's geschworen bei seiner Leiche, wir haben dem toten Kameraden die Hand d’rauf gegeben, daß wir's thun wollen!“ riefen ihm die Leute entgegen, auf die seine Worte ihres Eindrucks nicht verfehlten. „So thut's auf gesetzlichem Wege, verklagt die Schuldigen und sagt vor Gericht alles, was Ihr wißt von der Sache, durch so wilden Aufruhr macht Ihr Eure Sache nur noch schlimmer, und wenn Ihr in Druck und leiblicher Not seid, so wendet Euch zu dem milden Herrn, der ein Herz hat für die Armen und Elenden, und sich ihrer jetzt gerade noch so annimmt, wie dazumal, da er noch auf Erden wandelte und die Geringen und Niederen um sich versammelt hat. Er sagt auch jetzt noch zu Euch: Kommet her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will Euch erquicken.“ „Es ist hier keine Zeit, zu predigen, Herr Pastor!“ unterbrach ihn Hrinrich Bahners, Ihr seid nicht auf Eurer Kanzel und wir nicht in der Kirche! Vorwärts Kameraden!“ Doch nur noch eine geringe Zahl der Bergleute, meist aus f.emdhergezogenen Arbeitern und jungen Burschen bestehend, folgte ihm. „Denke an Eure Frau und Kinder daheim, wollt Ihr die brotlos machen?“ rief Wiihelm ihnen zu. Noch einige kehrten zurück, die Worte des Pastors und des Steigers hatten doch die Meisten zur Besinnung gebracht. Das Wetter war inzwischen ganz nahe gekommen, ein brausender Sturm erhob sich, und Blitz auf Blitz erhellte die Nacht. Da zuckte es wieder herab mit fahlem Licht; jetzt war's, als ob eine einzige Flamme Berg und Thal erfülle. Ein furchtbarer Donnerschlag erdröhnte, und gleich darauf ein vielstimmiger Schrei. Aus dem Dach des Houses, welches Märzer bewohnte, stieg eine blutrote Feuergarbe. „Hurra!“ schrie Heinrich Bahners,„da soll der Pastor doch noch recht behalten! Was wir nicht gethan haben, jetzt geschieht's, fehlt weiter nichts, als daß der schlaue Fuchs drin säß; keine Hand soll angelegt werden zum Löschen. Vorwärts! Und wenn's drauf ankommt, kann ja der rote Hahn da auch mal krähen,“ fuhr er fort, auf das Schloß deutend. „Zurück, Ihr Mordbrenner!“ rief eine laute Stimme, und vor ihnen stand Rudolf Randenberg. Sein stolzes, bleiches Gesicht zeigte den Ausdruck fester und kalter Entschlossenheit, während er mit zornsprühenden Augen auf die Menge schaute. „Mit Euch haben wir nichts zu schaffen!“ schrie einer aus der Schar,„den Märzer suchen wir, gebt ihn uns heraus.“ „Doch mit dem da hab' ich wohl zu schaffen, ich ganz allein!“ rief Heinrich Bahners, auf Rudolf eindringend. Dieser erhob blitzschnell die Hand, in der er einen Revolver hielt.„Zurück, sag' ich noch einmal, keinen Schritt weiter!“ sprach er laut und drohend. Einen Moment stutzten die Vordringenden und hielten betroffen inne, da traf von hinten ein wuchtiger Schlag Rudolfs Hand, die Waffe entfiel derselben und ward im nämlichen Angenblick aufgehoden. Ein fremder polnischer Arbeiter hatte sich, während Rudolf sprach, mit katzenartiger Gewandtheit hinter denselben geschlichen, ihm die Waffe aus der Hand geschlagen und sie sogleich an sich genommen. Nun stand der junge Mann wehrlos da, umringt von der wütenden Schar, doch keine Muskel zuckte in seinem Antlitz, kalt und fest erwartete er den ihm drohenden Angriff. „Das war brav, Bruder Pollack, hast Dein Sach' gut gemacht!“ rief Heinrich. Weit weg warf er den schweren Stock, mit dem er als einer der ersten, Märzers Hausthür eingeschlagen und den er von da noch in der Haud trug. „Jetzt brauch' Deine Fäust'! Du da, grad' so gut, wie iy die meinigen, will kein' andre Waffe haben als Du!“ schrie er zu Rudolf gewandt. „Heinrich, um Gotteswillen laß ab! Ich bitt' Dich, mach Dich nicht ganz unglücklich!“ rief eine klare, doch angstdurchbebte Stimme. Vor ihm stand Annchens schlanke Gestalt; mit beiden Händen hatte sie Heinrichs schon zum wilden Schlag erhobenen Arm umfaßt und suchte den Zornigen zurückzudrängen. Betroffen schaute er mit starrem Blick auf sie nieder.„Bist Du das, Annchen, was thust Du hier? Ach, Du willst Deinen vornehmen Liebsten beschützen, bist bang, daß dem ein Haar gekrümmt werden tönnt!“ sagte er mit bitterem Hoha.„Meinetwegen hättst Dich wohl nicht hergewagt, wo doch Frauen und Mädchen nichts zu suchen haben!“ In demselben Augenblick faßte eine kräftige Hand Heinrichs Schulter und drängte ihn fort. Es war Wilhelm, der zwischen ihn und Rudolf getreten war. (Fortsetzung folgt.) Billigeres Brot. Ein Fachmann schreibt: Aus den verschiedensten Gegenden kommen jetzt Mitteilungen über Mehlgemenge zum Zwecke der Herstellung billigeren Brotes, aber auch viele Klagen über die Beschaffenheit solcher Gemenge, wenn Reis, Gerste, Hülsenfrüchte, Kartoffeln 2c. verwendet werden. Sehr zufrieden ist man dagegen da, wo Versuche mit Mais gemacht wurden und in der That verdient der Mais, welcher in großen Mengen in anderen Ländern verbraucht wird und zwar sowohl Brot, als auch zum Haushalt sonst, alle Beachtung, da er bis 95 p.Zt. Mehl giebt(Roggen nur 81 pZt. und Weizen noch weniger), dieses Jahr außerordentlich reich geerntet wird, also billig im Preise sein muß, nur 20 M Zoll kostet gegen 50 M für Roggen und Weizen und sehr wohlschmeckend ist. Bei dem geringeren Gehalt an Kleder muß er aber mit daran reicherem Mehl gemischt werden. Daß in Deutschland der Mais nur geringe Verwendung findet, ist schon immer auffallend gewesen, daß aber jetzt bei den hohen Brotfruchtpreisen nicht daran gedacht wird, in größeren Mengen Mais zu verwenden, zeigt wenig Einsicht. Die Vereinigten Staaten haben im Durchschnitt der letzten 10 Jahre 1610 Millionen Bushel oder 582 Millionen Hl. geerntet und davon nur 3.15 pZt. zur Ausfuhr gebracht, also 565 Mill. Hektol. selbst verbraucht. Die diesjährige Ernte ist die größte bis jetzt, 2100 Mill. Hekiol., und die Ausfuhrfähigkeit ist über 12 pZt. Ungarn hat ebenfalls eine reiche Ernte. Mischungen mit Mais können in vielfacher Weise gemacht werden; für Vermögendere, welche ein leichtes Brot lieben und auf den Nährstoffgehalt nicht viel Gewicht legen, wird Weizen und Mais oder Weizen, Roggen und Mais genommen werden müssen, für den Mittelstand Roggen und Mais und zwar im Verhältnis von zwei Drittel zu ein Drittel. Handelt es sich aber darum, ein recht kräftiges, gut und lange sich haltendes Brot zu liefern, dann kann nur Roggen, Mais und Hafer in Betracht kommen und zwar in den Verhältnissen 500 Roggen, 200 Mais und 300 Hafer, letztere Sorten auch umgekehrt, da mit Hafermehl das Brot zwar wesentlich an Nahrungswert gewinnt, aber ein weniger schönes Ansehen bekommt; es geht nicht so gut auf, wird fest, wenig porös, schmeckt aber vortrefflich und hält sich doppelt so lange feucht als Roggenbrot. Rechnet man nach den neuesten Notierungen Roggen 290, Mais 160 und Hafer 170 Mark die Tonne, dann stellt sich in den angegebenen Mischungen die Tonne Brotgetreide 1) Roggen 667 und Mais 333 Kg., zusammen je 213,58 Mk. 2) Roggen 500, Mais 200, Haser 300 Kg., zusammen je 203,00 Mk. 3) Roggen 500, Mais 300, Hafer 200 Kg., zusammen je 202,00 Mk. Od es rätlich ist, noch weniger Roggen zu nehmen, wäre erst zu versuchen, obige Mischungen sind bewährt. Die 50=Pfennig-Brote wiegen gut dreidreiviertel Pfund und stellt sich somit ein Pfund auf dreizehndreizehntel Pfennig, während das Roggenbrot 18 Pfennig kostet. Bei Herstellung deses Brotes im großen muß der Preis dis auf 12 Pfennig herunter sich stellen lassen; disher handelt es sich nur um Versuche im kleinen, bei welchen es sich aber auch schon zeigt, wie außerordentlich schwer Neuerungen sich Eingang verschaffen können. Das Brot sieht unansehnlicher aus, wer es aber versucht hat, wird dabei bleiben, auch wenn er nicht allzu ängstlich mit dem Gelde kargen muß. Den Verbrauch schätzt man ungefähr um 10 pZt. geringer, weil das Brot außerordentlich nahrhaft ist und länger sich hält als reines Roggenbrot. Die angegebenen Mischungen der Getreidearten Nr. 2 und 3 sind fast um den Zollbetrag des Roggens billiger und werden sicher bei Bezug im großen den Zollbetrag ganz ersparen lassen. Man ist also mit diesen Mischungen imstande, ein Brot zu liefern, welches einen erträglichen Preis für jedermann hat, und das kann sofort geschehen, während eine Hilfe durch Aufhedung der Zölle im besten Falle wohl nicht vor dem Frühjahr zu erwarten wäre. Jedenfalls ist das MaisRoggen=Haferbrot dem Roggen=Weizenbrot bedeutend vorzuziehen und wahrscheinlich läßt es sich dem äußeren Ansehen nach noch besser herstellen. Läßt sich das Maisdrot, in welcher Mischung immer hergestellt, einbürgern, dann können wir die russische Roggenzufuhr völlig entbehren, da diese, so bedeutend sie auch an sich war, doch nie die Höhe erreicht hat, welche die Verwendung von Mais erreichen kann. Zu Brot und Mehl läßt sich der Mais bis zu ein Drittel des Bedarfs, sicher aber zu ein Viertel verwenden. Nach den neuesten Feststellungen auf dem Saatenmarkt in Wien wird die Weizenernte ein kleines, die Roggenernte ein sehr großes Defizit ergeben, die Maisernte aber einen großartigen Ueberschuß und die Haferernte wird mindestens eine gute, da nur wenige Länder unter Mittel gewinnen. Bei angemessener Verwendung von Roggen=MaisHaferbrot können wir beruhigt dem Winter entgegensehen; es ist deshalb geboten, überall dafür zu wirken, daß dieses Brot auf den Markt kommt. Sicherheits=Lampe. Dem Mitgliede der preuß. SchlagwetterKommission Herrn Dr. Schondorf=Saarbrücken ist jüngst eine Grubensicherheitslampe patentiert worden, welche Erfindung in Fachkreisen lebhaft begrüßt wird. Dr. Schondorf ist ein Gegner der gefährlichen Benzinsicherheitslampe und hat sich seit langer Zeit bemüht, die für die Bergleute weit ungefährlichere OelsicherId. Zaohngeng, heitslampe derart zu verbessern, daß sie nicht nur eine der Benzinlampe gleiche Helligkeit, sondern auch die übrigen der Benzinlampe nachgesagten Vorzüge besitzt. In der äußeren Form gleicht die neue Lampe der Saarbrücker Lampe, welche bei den amtlichen Untersuchungen nächst der Davylampe die größte Sicherheit ergeben hat. Während bei der bisherigen Lampe der Stocher an derselben mehr hindert als nützt, befindet sich an der neuen Oellampe ein gut funktionierendes Messerchen angebracht, das den Docht abschneidet, so, daß jedesmal eine der beiden Brenndochte, welche nebeneinander angeordnet sind, geputzt werden kann. Zur Verhinderung des Beschmutzens des Glaszylinders befindet sich über den Oeltopf eine Bodenblende, welche auch gleichzeitig dazu dient, den unangenehmen und bei der Arbeit störenden Schattenkreis, den die übrigen Lampen werfen, zu verhindern. Dabei ist der untere Teil des Drahtkorbes mit einem niedrigen, ringförmigen Schirme versehen, welcher verhindert, daß die einfallende Luft gegen die im Innern aufsteigenden Verbrennungsgase stößt, und dadurch die Flamme zum Flackern bringt. Wie wir hören, ist die Lampe auch schon im Oberbergamtsbezirk Dortmund mit Erfolg zur Einführung gelangt, so daß möglicherweise die immerhin gefährliche Benzinlampe durch die neue Oelsicherheitslampe noch verdrängt werden wird. Sozialdemokratisches. In Berlin haben am Sonntag wieder heftige Auseinandersetzungen unter den Sozialdemokraten stattgefunden. In Rixdorf konnte der Abg. Bebel nicht durchdringen, es wurden seine schärfsten Gegner zu Mitgliedern des Erfurter Parteitages gewählt. In hunderttausende von Familien hat sich das Versandgeschäft Mey& Edlich in Leipzige Plagwitz nicht nur einzuführen, sondern vor allem dauernd einzubürgern gewußt. Erreicht ist dies einzig durch unentwegtes Festhalten an dem Grundsatze, nur gute, brauchbare Waren zu möglichst niedrigen Preisen zu liefern, und durch das fortgesetzte Bestreben, stets vom Neuesten das Beste der schon vorhandenen Waren=Auswahl hinzuzufügen. Den besten Beweis hierfür liefert der soeben erschienene HerdstKatalog des genannten Geschäfts; die Menge der in demselben durch zahlreiche Abbildungen veranschaulichten Artikel ist ganz erstaunlich. Es liegt im Interesse des Einzelnen, wie jeder Familie, sich den erwähnten Katalog kommen zu lassen. Das Versandgeschäft Mey & Edlich in Leipzig=Plagwitz versendet denselben auf Verlangen überallhia unentgeltlich und portofrei. Auf die heutige Lotterie=Anzeige des Bankhauses August Fuhse, Berlin W. 8, Friedrichstr. 79, betreff. die Einrichtung von Gesellschaftsspielen in der Deutschen Antiklaverei=Lotterie, machen wir unsere geehrten Abonnenten besonders aufmerksam. Größerer Beachtung verdient jedenfalls die getroffene Einrichtung, daß für jeden Beteiligungsschein, der in beiden Klassen nicht gezogen wird, 40 Mark als Entschädigung von dem oben genannten Hause zurückgezahlt wird. Die Beteiligungen werden mit starker Vorliebe gekauft, so daß anzunehmen ist, der kleine Bestand werde baldigst geräumt sein. Wir empfehlen daher, durch baldigste Bestellungen an diesem selten günstigen Unternehmen teilzunehmen. Einladung. Am 1. Oktober d. I. beginnt das 4. Quartal 24. Jahrganges der„Schwerter Zeitung" und gestatten wir uns, aus diesem Anlaß an die Freunde unseres Blattes in Stadt und Land die Bitte zu richten, derselben auch für die Folge das bisher geschenkte Wohlwollen erhalten und für immer weitere Verbreitung der„Schwerter Zeitung“ mit bemüht sein zu wollen. Wir werden auch ferner für interessanten Unterhaltungsstoff Sorge tragen und namentlich den lokalen, den ländlichen und provinziellen Vorkommnissen erhöhte Beachtung schenken. Da die„Schwerter Zeitung" das verbreitetste Blatt in Schwerte und Umgegend ist, so ist sie nicht nur allein das wirksamste, sondern auch das billigste Insertionsmittel, denn Preis und Wert der Anzeigen werden bekanntlich durch die Verbreitung einer Zeitung bedingt. Schwerte, 18. September 1891. Verlag der„Schwerter Zweimal täglich erscheinende Zeitung. = 4 Mark 75 Pf.= für das 4. Quartal 1891 kostet die zweimal täglich erscheinende Rheinisch=Westsärische Beilung. Hauptorgau des Niederrheins und Westfalens. Nr. 5267 der offiziellen Zeitungs=Preisliste. Preszesgutef. Depeschendiensz, Heuastästen, Sepannendes T.nilletSpezialtorrespondenten in allen Haupistadten. Spannendes Femiuckon. Ausführliche Nachrichten über Industrie, Landvirtschaft, Verkehr und Handel... I.6. Scu. Vollständige, den weitesten Ansprüchen genügende tägliche Marktberichte über Kaffee, Haurr, Getreide, Mehl, Spiritus, Oel, Hopfen, Tabak, Kupfer, Zink 2c. Besondere Pflege der sozialen und politischen Bewegungen Berlins. Reichhaltigste Zeitung in bezug auf Nachrichten aus den westlichen Provinzen. Vollständige Ziehungslisten der preußtesuen Krussen=Lotterie. = M a c h t d a s H a l t e n a n d e r e r g r o ß e r Z e i t u n g e n e n t b e h r l i c h. Schon jetzt eintretende neue Abonnenten erhalten nach Einsendung des quittierten Abonnementsscheines an die Expedition in Essen oder Dortmund die bis Ende Sept. erscheinenden Nummern gratis zugeschickt. Ziehung l. Kl. 24.-26. Nov. 1891. II. Kl. 18.-23. Jan. 1892. in der deutschen Antisklaverei-Lotterie. Vierte Emission von 100 Nummern in 10 Serien. Ein 1/100 Anteil an einer Serie I. Klasse, bestehend aus 100 Nummern, kostet 25 10 Anteile an 10 Serien, bestehend aus 1000 Nummern, 250 Mark. Ein 1/100 Anteil, gültig für beide Klassen, 50 Mark, 10 Anteile 500 Mark. Sollte kein Los von den 100 Nummern eines Beteiligungs-Scheines in beiden Klassen gezogen werden, so zahle ich 40 Mk. als Entschädigung 3 Wochen nach Erscheinen der amtl. Liste zurück. Ferner empfehle ich Voll=Lose für beide Klassen gültig: 42 Mk., ½ 21 Mk., ⅛ 8.40 Mk., 1/10 4.20 Mr. Lose 1. Klasse bei planmäßiger Erneuerung: 21 Mr., ½ 10,50 Mk., ⅛ 4,20 Mr., 1/10 2,10 Mk. Anteil=Lose für beide Klassen gültig: 1/16 3 M. ½0 2,40 M., 1e 1,50 M., 19/16 29,— M., 1% 23— M., s3 14.50 M., 10 12.— M... Glg, pheh Friedrichstrasse 79. Aug. Fünse, bankgeschaft, Hohestrasse 187. Porto und Liste 50 Pfg., Einschreiben 20 Pfg. extra. FEF's Stoffhragen, Manschetten und Vorhemdchen& „#u Mart pro Ouriel bei allen deutschen Postanstalten. ll. 5.—. Berliner Neueste Nachrichten“ Unparteiische Zeitung. 2 mal täglich(auch Montags). Redaktion u. Expedition: Berlin 8 98., Königgrätterstrasse 41. Schnelle, ausführliche und unpartelische polit. Bericht- 1. erstattung. Wiedergabe interessierender Meinungsäusserungen der Parteiblätter aller Richtungen.— Ausführliche Parlaments-Berichte.— Treffliche militär. Aufsätze. 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Unsere deutsche Benennung Altenweibersommer erhielten die Marienfäden wohl nur nach der Jahreszeit ihres Erscheinens, wenigstens nennen wir auch die Spinnfäden, welche im Frühjahr bei andauernd schönem Wetter sichtbar werden, gleich dieser Zeit den Mädchensommer. Da kommen nämlich die Krabbenspinnen aus ihren Winterquartieren hervor und wer von ihnen vom Winterquartier aus ein geeignetes Jagdrevier nicht laufend erreichen kann, der rückt eben mit Hilfe des Segelfadens aus, um einen Jagdgrund zu suchen. Dann kündet das Erscheinen der Marienfäden den Beginn jener herrlichen Frühlingszeit, in welcher die Sonne viele Tage hindurch vom tiefblauen Himmel herablacht auf tausendstimmig jubelnde Vögel, auf jungfrisches Grün und eben ssich erschließende Blumen. Schwerte, 16. Sept. Der„Tremonia“, wird von hier geschrieben: Ein eigenartiges Vergnügen macht, wie es sich nunmehr herausgestellt hat, sich einhier in Arbeit stehender Pole. Abends in der Dunkelheit klettert er, öfter sogar mit Lebensgefahr, an den Wohnhäusern empor vor die erleuchteten Fenster und beobachtet die Personen. Auch schleicht er sich in die nicht verschlossenen Häuser. Frauen und Kinder wurden durch den unheimlichen Patron, der, sobald er bemerkt wird, schnell im Dunkeln verschwindet, öfter in große Aufregung versetzt. Verschiedentlich wurden Hetzjagden auf ihn angestellt, so auch am Sonntag abend, als er eben wieder in eine Schlafstube eingedrungen war. Hierbei soll er erkannt sein. Am heutigen Morgen hat er sich der Polizei gestellt, die ihn aber, da keine Anklage gegen ihn vorlag, abgewiesen hat. Er soll hierau geäußert haben:„Gut, dann gebe ich mich an's Morden und Stehlen. Anscheinend hat man es mit einem Irrsinnigen zu thun oder mit einem, der gerne auf Staatskosten verpflegt werden möchte, um nicht arbeiten zu brauchen. Schwerte, 18. Sept. Seitens des Landgerichts ist vor kurzem eine für Bauhandwerker wichtige Entscheidung gefällt worden. In vielen Verträgen, welche Bauunternehmer von Häusern mit Tischlern, Schlossern 2c. abschließen, ist der Vermerk, daß die letzte Rate für die gelieferten Gegenstände, die oft bis zu ein Drittel der ganzen Summe ausmacht, erst nach Regulierung der Hypotheken=Verhältnisse des Neubaues getilgt werden soll. Das betr. Landgericht hat nun einen solchen Satz für rechtlich unwirksam erklärt und zwar deshalb, weil es einem solchen Unternehmer einfallen könnte, die Hypotheken=Verhältnisse nicht zu regeln, so daß kein Bauhandwerker zu seiner Restforforderung würde kommen können. Schwerte, 18. Sept. Es sei nochmals daran erinnert, daß zur Erleichterung des Besuchs der elektrotechnischen Ausstellung in Frankfurt a. M. auf den Stationen Altena, Arnsberg, Barmen B.M., Barmen=Rittershausen, Deutz, ElberfeldDöppersberg, Elberfeld=Steinbeck, Hagen B.=M., Hilchenbach, Iserlohn, Laasphe, Lennep, Lüdenscheid, Remscheid, Schwelm B.=M., Siegen, Solingen und Warburg am 19. September d. J. Rück fahrkarten 2. und 3. Klasse nach Frankfurt a. M. zu besonders ermäßigten Preisen mit einer um 2 Tage längeren als der für den gewöhnlichen Verkehr maßgebenden Gültigkeitsdauer ausgegeben werden. Dortmund, 15. Sept. Die letzte Schwurgerichtsperiode dieses Jahres beginnt am 12. Oktober. Wir wir hören, gelangt während derselben im Wiederholungsverfahren die Anklage gegen den früheren Sekretär Metzenthin wegen Unterschlagung rc. zur Verhandlung. Außerdem wird sich der in der vorigen Schwurgerichtsperiode wegen Raubmordes zum Tode verurteilte Bergmann Michalski wegen versuchter Tötung des Gefangenwärters Lange zu verantworten haben. Dortmund, 15. Sept. Ein 17jähriger Handlungslehrling unterschlug seinem Lehrherrn 7000 Mk. und entfloh. Iserlohn, 13. Sept. Unsere FachschulAngelegenheit ist in ein neues Stadium getreten. Eine soeben ergangene Verfügung des Handelsministers ordnet an, daß die königliche Fachschule für Metallindustrie bis zum 1. April 1892 fortbestehen bleibt. Durch diese neue Wendung der Fachschulfrage hat die Hoffnung auf Erhaltung bezw. Neubildung der Fachschule für unsere Stadt neue Stärkung erhalten. Witten, 16. Sept. Ein Abenteurer drang vorgestern Abend spät mit einem geladenen Sechsläufer in ein Restaurant, um das dort in Dienst stehende Mädchen zu erschießen. Schon hatte er einen Schuß auf dasselbe abgefeuert, als das Dienstpersonal und die Gäste des Hauses herbeieilten, um den unheimlichen Gesellen festzunehmen. Dieser aber entwandte sich ihren Händen und ergriff die Flucht. Die polizeiliche Verfolgung ist bis jetzt noch erfolgos gewesen. Verschmähte Liebe soll das Motiv des Mordversuchs gewesen sein. Bochum, 17. Sept. In den letzten Tagen sind hier bedauerliche Ausschreitungen seitens verschiedener Bergleute gegen höhere Grubenbeamte vorgekommen. Das erste Opfer war am Samstag der Betriebsführer der Zeche „Eintracht Tiefbau“, Herr Diekmann, der in entsetzlicher Weise mißhandelt wurde, so daß sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. Am selben Tage wurde auf Zeche„Friedrich der Große" bei Herne der erste Spatenstich zum neuen Schachte gethan. Im Anschluß an diesen feierlichen Akt fand abends ein von der Gewerkschaft veranstaltetes Fest statt, an dem die Beamten und Arbeiter der Zeche teilnahmen. Auf dem Heimwege wurden die beiden Direktoren Herren Daber und Lauten, sowie die Beamten Schmidt und Fischer von einer Anzahl polnischer Arbeiter überfallen und mit Messern und Knütteln furchtbar mißhandelt. Mehrere der Thäter sind bereits verhaftet. Remscheid, 14. Septbr. Der Lehrling Kauerts, welcher von hier flüchtig geworden, nachdem er sich mittels Fälschung der FirmaUnterschrift einen Geldbrief mit 4000 Mark Inhalt verschafft hatte, ist in München ergriffen und hierher zurücktransportiert worden. Wald b. Solingen, 15. Sept. Ein seltenes Jubiläum ist ein silbernes Nachtwächterjubiläum. Ein solches wird am 16. n. Monats der Nachtwächter Karl Sudberg hier begehen. Kohlsberg b. Höhscheid, 15. Sept. Ein schweres Verbrechen wurde in der verflossenen Nacht an dem Stellmacher Luchtenberg und dessen Frau begangen. Zwei etwa 30 Jahre alte Männer, die Gebrüder Voos, drangen in die Wohnung der Leute ein, fingen mit diesen Streit an und schlugen auf sie ein. Der Frau wurde der Schädel zertrümmert, sie starb auf dem Transport zum Krankenhause, der Mann erlitt ebenfalls schwere Kopfverletzungen, so daß er bis zur Stunde über die Einzelheiten der scheußlichen That nicht vernommen werden konnte. Die beiden Thäter sind verhaftet worden und nach Elberfeld ins Gefängnis gebracht. Düsseldorf, 16. September. In einer Brauerei des alten Stadtteils war ein Junge seit 1½ Jahren als Zapfjunge angestellt. Er genoß das größte Vertrauen und vewaltete die Kasse so, als ob er selbst der Baas sei. Das Vertrauen bekam einen argen Stoß, als man einmal den Koffer des jungen Mannes öffnete. Es fanden sich in demselben über 3200 Mk. Nach vielem Vorhalten gestand er dann, wie die„D. Vz. meldet, ein, daß er das Geld vor und nach der Kasse entnommen. Der Junge wurde eingesteckt. Oberwalluf im Rheingau, 13. Sept Die Obsternte ist hier so reichlich, daß die Bäume zum Brechen voll hängen. Das Fallobst hat fast gar keinen Wert und verfault am Boden. In Schierstein wurde der Zentner Falläpfel mit 1,30 Mark bezahlt. Hier gilt der Zentner gebrochene Aepfel 4 Mark, Birnen 2,50, 3,50 und beste Birnen 6 Mark An Mirabellen, Reineklanden und Zwetschen ist kein Mangel; wäre der Weinstock nur auch so reich an Segen. Bonn, 14. Sept. Ein Sohn von Ernst Moritz Arndt, Leopold Arndt, ist im Alter von 68 Jahren im hiesigen Friedrich WilhelmHospital gestorben, nachdem er 22 Jahre in dieser Anstalt zugebracht hatte. unter dem Namen Fritz Hildebrand in die Liste der Passagiere eingetragen. Man fand 3000 Dollars bei ihm vor. Auf die Mitteilung, er sei der Unterschlagung von 25000 Dollars angeklagt, die Eigentum seiner Prinzipale gewesen seien, ersuchte er, statt einer Antwort, den ihn verhaftenden Polizeibeamten um Rückgabe seines großen Revolvers, damit er sich töten könne. Er soll bei seiner Verhaftung wie ein Kind geweint haben. Bock wird sofort vor einen amerikanischen Richter geführt werden. * Ein Engländer tritt in Frankfurt a. M. an den Eisenbahnschalter und verlangt eine Fahrkarte nach Calais. Mit der den Söhnen Albions eigenen Quetschlaut=Fertigkeit bringt er ein Wort heraus, das der Schalterbeamte als Görlitz deutet. Unser Engländer erhält also eine Fahrkarte nach Schlesien. Zwar wundert er sich über die Verstümmelung des französischen Namens, fragt auch noch einmal mit Knurren und Hand= und Fußbewegung, ob die Karte richtig sei, steigt aber nach wiederholter Versicherung, daß er nach Görlitz befördert werde, in den wartenden Zug. In Görlitz klärt sich mit Hilfe eines englisch sprechenden Kellners die Geschichte auf, worauf der Engländer die Stadt mit Hilfe seines Bädeckers besah und mit dem nächsten Zuge die Richtung nach Calais einschlug. * Die große Herrschaft Laseler Hof bei Poppenbüttel ist während des gestrigen Markttages dort gänzlich niedergebrannt. Alle Wirtschaftsgebäude, Pferde, Kleinvieh wurden ein Raub der Flammen. Die ganze Ernte ist vernichtet. Zwei Milchträger wurden brennend aus den Flammen gezogen, sie sind lebensgefährlich verletzt. * Ueber eine furchtbare Familientragödie, welche große Aehnlichkeit mit dem Schaaf'schen Morde in Berlin hat, wird aus dem deutsch=schweizerischen Grenzorte Bargen im Kanton Schaffhausen berichtet. Der Grenzwächter und Zolleinnehmer Busenhard erschoß in der Nacht zum 2. September seine drei Kinder, wovon das älteste 8 Jahre alt ist, hierauf seine Frau, die guter Hoffnung war, und schließlich sich selbst. Die Kinder, welche angekleidet in ihren Bettchen lagen, sind durch Revolverkugeln getötet; seine Frau, die wahrscheinlich mit der grausigen That einverstanden war, wurde durch einen Schuß aus dem Dienstgewehr umgebracht, welches Busenhard schließlich auch gegen sich selbst richtete. Busenhard wird als ein ordentlicher pflichttreuer Beamter geschildert; in der letzten Zeit sei er aber mehreremale angetrunken im Dienst betroffen worden, infolgedessen seine Strafrückversetzung in den äußeren Dienst erfolgen sollte. Die von seiner Frau bei der Direktion in Schaffhausen unternommenen Schritte, die Strafe abzuwenden, waren vergeblich. Das scheint das Motiv der unseligen That gewesen zu sein. * Ein Tunnel ist auf einer Privat=Eisenbahnlinie bei Triest eingestürzt. 50 Menschen sind umgekommen. Vermischtes * Ueber einen reizenden Vorfall, der die Muster franko. Zu 4 Mark Stoff für einen vollkommenen großen Herren anzug in den verschiedensten Farben. Zu 2 Mark Stoff zu einer Herrenhose für jede Größe, #in gestreift und karriert, waschächt. Zu 5 Mark 3 Meter Diagonal=Stoff für einen Herrenanzug mittlerer Größe in Grau, Marengo Olive und Braun. 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Leutseligkeit der Kaiserin kennzeichnet, erzählt der Potsdamer Zeitung nachträglich ein Augenzeuge folgendes: Die Kaiserin passierte am Tage vor ihrer Abreise nach Wilhelmshöhe zu Fuß mit den drei Prinzen die Alleestraße, wo ein Drehorgelspieler musizierte. Angesichts des armen Krüppels wies die Kaiserin den in ihrer Begleitung befindlichen Kammerherrn Freiherr von dem Reck an, den drei Prinzen einige Silberstücke zwecks Ueberantwortung an den Drehorgelspieler zu übergeben. Erfreut nahmen die Prinzen die Geldstücke in Empfang und legten sie auf die Drehorgel nieder. Als der also Beschenkte nach der Entfernung der edlen Wohlthäter die Gaben nachzählte, ergab sich eine Gesamtsumme von 7 Mark. * Ein junger Mensch aus Thalleben, der seinem Lehrmeister, einem Schuhmachermeister in Frankenhausen, entlaufen war, hatte sich am 7. d. M. in einem halbfertigen Getreidediemen versteckt und war darin fest eingeschlafen. Die später die Fertigstellung des Diemens besorgenden Leute hatten keine Ahnung, daß darin ein Mensch versteckt liege. Den 12. d. Mts., also nach 5 Tagen, hörten Kinder, welche sich in der Nähe des Diemens befanden, einen mehrfachen Hilferuf aus dem Diemen heraus. Der Besitzer ließ darauf den Diemen zerlegen und der vermißte Lehrling kroch abgezehrt und ganz ermattet heraus. Vielleicht noch einen Tag und der junge Mann wäre eine Leiche gewesen. * Der von Berlin flüchtige Ernst Bock, der Unterschlagung von 378000 Pfandbriefen (Eigentum der Hypothekenbank) verdächtig, ist an Bord des Dampfers„Saale" im Hafen von New=York verhaftet worden. Er war Reformierte Kirche. Sonntag, den 20. September 1891. Vorm. ½10 Uhr: Past. Terberger. Westhofen. Sonntag, den 20. September 1891, Vorm. ½10 Uhr: Past. Falkenberg Nachm. 2 Uhr: Kindergottesdienst Allen Freunden und Bekannten, besonders dem Kriegerund Gesangverein aus Ergste, für ihre rege Teilnahme bei der Beerdigung des Herrn Rentners Friedrich Schäfer, sagen wir hiermit unseren wärmsten Dank. Familie Schäfer. Karlosser Eertauf für Herrn D. Hövemann zu Ergste ca. 3 Morgen auf dem Eierland am Samstag, den 19. September, nachmittags 5 Uhr, nummerweise meistbietend an Ort und Stelle. Meine Oost= und vedl.„ ist wieder in Betriev und empfehle dieselbe zur gefälligen Benutzung. Haus Cotten bei Bösperde. Schönlau. Grummetverkau „ für die Herren Schulte und Schwakenberg zu Wandhofen in den Wiesen an der Westhofer Chaussee, unterhalb Schöttler, am Montag, 21. September, nachmittags 5 Uhr, nummerweise meistbietend an Ort und Stelle. Kurlösser Terauuf. Montag, den 21. September, nachmittags 4 Uhr, verkaufe für Herrn SchulteRheinen im Risfelde oberhalb Rheinen 4 Morgen sehr gute Magnum bonumKartollein in Nummern gegen Kredit. H. Albrecht. 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September 1891. 2400 23.00 2350 22/— Allen Damen wird zum Quartalswechsel angelegentlichst empfohlen ein Abonnement auf die durch ihre vorzüglichen Beilagen als reichhaltigste, billigste und beliebteste Frauen-Zeitung der Gegenwart geltende Deutsche Frauen=Zeitung wöchentlich 3 Nummern, verbunden mit Illustrierter Modenzeitung monatlich 2 Nummern und 1 Schnittmusterbogen(sehr viel Handarbeiten, hübsche Monogramme 2c.), ferner monatlich eine elegant ausgestattete Musikbeilage und ein Bogen Kochbuchausgabe im Vierteljahr, so daß jede Abonnentin nach und nach ein vorzügliches Musikalbum und Kochbuch gratis(gezahlt, erhält. Preis für das Vierteljahr frei ins Haus geliefert 13.00# bezahlt. nur Mk. 1.75. Bestellungen bei allen Postämtern, Brief=] Koln, 14. Sept trägern 2c. Vereits gegen 30.000 Abonnenten. 16— 5 114— 20 C. Braus in Schwerte empfiehlt: Wegen Verheiratung des jetzigen Dienstmädchens wird auf den 1. 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Weizen Sept.= Okt. 231,00 M, Okt.=Nov. 228.25 K Roggen Sept.=Okt. 239,00 M Okt.=Nov. 235,75 J. Hafer Sept.=Okt. 157,50 M, Okt.=Nov. 155,75 J. Rüböl vorr, mit Faß 62,25 J ohne Faß 61,25 M, Sept.= Okt. 62,10 J, April=Mai 62,00 M Eine alleinstehende Person Spiritus 70er vorr. 58,90 J. Sept. sucht per 1. Oktbr. ein einzelnes Ho;h% 5., Hep.=Okt 53.25 4, 50er Hamburg, 15. Sept., vorm K0%„San- gng 71½ Olt. Reschliech den 20. September, findet bei mir großes Preiskegeln statt. Heinrich Walter. Kaffee. Santos Sept. 71½, Näheres in der Expedition. 66¼2 Dez. 61 1/8. Marz 59½. A " Vorteilhafte Leinen-Offerte. Durch außerordentlich günstigen Einkauf großer Posten Weißwaren sind wir in der Lage, unserer geehrten Kundschaft etwas besonders Preiswertes bieten zu können. Wir oferieren, so launge der Vorat reicht: 35,.... 65 1 Posten ca. 500 Stück Jacquard- und Dreil-Tischtuchern, nur prima Ware, von 80 Pfg. au. 1 Posten ca. 300 Dtzd. Jacquard-Servietten, nur prima Ware, Grösse 68/70 cm., pr. 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Die in Paris erscheinende„Agence e“ hat den Pariser Blättern aber gar nachstehenden Text mitgeteilt: „Niemals dürfen die Offiziere der deutschen Armee die Tage der Schande vergessen, welche Erfurt in Erinnerung bringt; niemals wird ein Preuße, der die Unisorm trägt, vergessen, daß in Erfurt der Cerberus Napoleon das Herz der angebeteten Königin Luise gebrochen hat; niemals wird ein preußischer Soldat vergessen, daß im Theater zu Erfurt Napoleon seinen Günstling Taima von einem Parterr von Königen applaudieren ließ. Heute erscheint wieder ein Kaiser in Erfurt; aber es ist ein deutscher Kaiser und Frankreich ist jetzt besiegt und gedemütigt. Das vergesset nicht und seid wachsam, damit die Tage des Kongresses von Erfurt niemals wiederkehren.“ Diese Lesart paßt den Pariser Hetzblättern er gewiß auch diesmal nicht he Eine Begegnung zwischen unserm Kaiser Grafen ein huldvolles Handschreiben, in chem der Verdienste gedacht wird, welche der d in gutem deu. schmerzombieren mit endem Zahn1 Jahr ausbei: Aplerbeck. u algemeiner Kenminis. Hörde, den 12. Sept. 1891. Der königl. Landrat. J. V.: Der Kreis=Deputierte: Overweg. Staat erworben. Schuwalow ist deutschfreundlich. Der Herzog von Meiningen beging Sonntag in aller Stille sein 25. Regierungs=Jubiläum. Von neuem sind Gerüchte im Umlauf, nach Bekanntmachung. Die Reparatur der Westhofer Ruhrbrücke,.n an leitender Stelle die Einführung namentlich die Anbringung 6 neuer Hochpfähle,) l„zjährigen Dienstzeit in der Reichs=Armee veranschlagt zu 1200 Mark, soll am Montag, den 28. September d. Is., nachmittags 4 Uhr bei dem Wirt Schneider an der Westhoferbrücke öffentlich verdungen werden. Westhofen, den 21. September 1891. Der Amtmann: Rebber. Bekanntmachung. der zwegzugrigen Sirnrgeit in der Reichs=Armee ernstlich erwogen werden soll. Dagegen würde dann die Friedensstärke erhöht werden. Die amtlichen Mitteilungen über den Versuch, den Arbeitermangel auf dem Gebiete der Landwirtschaft im deutschen Osten durch Gewährung der Beschäftigung russisch=polnischer Arbeiter zu beseitigen, beruhen, wie die Köln. Ztg. erfährt, auf sehr sorgfältigen Erhebungen uzugtoffe in den id nur guten iten versende gen Preisen. isterauswahl Auf Grund des§ 66 des Gesetzes vom 1. August über die Wirkung der Maßregel. Diese hat 1883 wird hierdurch die bes Hen ge,zirk zeg Antes nur teilweise den Absichten entsprochen, naAplerbeck bei Vermeidung der Anwendung der gesetz= mentlich insofern, als thatsächlich die sogenannte lichen Zwangsmittel angeordnet. Die Räumungsarbeiten Sachsengängerei augenblicklich abgenommen hat. müssen bis zum 5. Oktober beendigt sein. Nach Dagegen haben sich die russisch=polnischen ausgeführter Räumung diese polizeilich ausgeführt und die übernommene Beschäftigung erwiesen. werden die hierdurch entstehenden Kosten von den Räu= Gleichwohl ist man nicht gesonnen, die Maßmungsverpflichteten eingezogen werden. regel bezüglich der Zulassung solcher fremden Aplerbeck, den 12. September 1891... Arheiter zurückzuziehen. Die Polizei=Verwaltung: Gutjahr. Arbeiter zurnczugreyrn....„##e 8, ## Im ganzen Königreich Sachsen wito vie Bekanntgiachzung.[“ derste Wiederkehr von Theodor Körners enliste in betreff der mit Ziviersor= Tcunverstr aptebcricgt von Thebbbtretbintts ise eses se esce esecice e. sochgech alcs d die Pair i. Lasten u. Landkreises Dortmund zu Dortmund zur Einsichtnahme Geburtsstadt des Dichters, gestalten. Durch für die Beteiligten offenz.. 4764: von Bunsc den Rat der Stadt Frankenberg und die Der Landrat: Geh,. Regterungsrat: von Bry nI, Bergakademie in Freiberg, welche Körner be4%hes Maich kanntlsich stf. Schinken Attendorn. Deutsches beich. kanntlich besucht hat, werden besondere FestUnser Kaiser ist nach Schluß der großen akte vorbereitet. Manöver in Thüringen in Schloß Wilhelms= Frankreich. höhe bei Kassel bei seiner Gemahlin und seinen Dem sich jetzt wieder in Paris aufhaltenden ältesten Söhnen angekommen. Am Sonntage Großfürsten Alexis ist dasselbe passiert, wie besuchten beide Majestäten den Gottesdienst und seinem Vater, Alexander II., dem der damalige unternahmen nachmittags eine gemeinsame Aus= Rechtsanwalt und heutige Kammerpräsident Floge fahrt. Am letzten Manövertage hatte der Kaiser(zurief:„Es lebe Polen!“ Als per Großfue, am das vereinte 4. und 11. Armeekorps gegen einen! Samstag abend ein Boulevard=Restaurant verließ, markierten Feind geführt und denselben nach tönte ihm ebenfalls der Ruf„Vive la Pologne!“ heftigem Kampfe zurückgedrängt. In der Schluß=sentgegen. Der Rufer, ein geborener Pole, aber kritik sprach der Kaiser beiden Armeekorps seine naturalisierter Franzose wurde verhaftet. Der volle Zufriedenheit mit Ausbildung und Leistung Vorfall rief große Aufregung unter der Menge aller Truppen aus und hob hervor, wie sich hervor, welche dem Großfürsten eine Ovation benamentlich die Reserve=Division in jeder Weise reiteten. Die Sache ist natürlich äußerst harmlos und amüsant, aber einige Zeitungen bitten den Prinzen doch flehentlich, den Zwischenfall nicht übel zu deuten. Ein Journal wittert sogar „preußisches Geld" bei der Sache. Daß die Polen von der französisch=russischen Freundschaft nicht erbaut sind, ist etwas Altes. Von fachmännischer Seite wird über die großen französischen Manöver berichtet, daß die Armee im ganzen recht bemerkenswerte Fortschritte aufzuweisen habe. Mit Befriedigung wird bemerkt, daß die Bevölkerung sich während der Uebung von allen Demonstrationen ferngehalten habe. Spanien. Zwischen Spanien und Portugal scheint eine Verstimmung eingetreten zu sein. Schon seit längerer Zeit bildet in beiden Ländern die Möglichkeit eines spanischen Eingriffes in Portugal, falls dort eine Revolution ausbrechen sollte, den Gegenstand der öffentlichen Besprechung. In den letzten Tagen hatte nun der der spanischen Regierung nahestehende „Imparcial“ diese Frage aufgegriffen und einen spanischen Eingriff nicht als völlig ausgeschlossen bezeichnet. Infolgedessen hat der portugiesische Gesandte am spanischen Hofe Madrid mit der Erklärung verlassen, er werde erst zurückkehren, wenn die spanische Regierung die Ausführungen des„Imparcial“ amtlich zurückgewiesen habe.— Im Zusammenhange damit entbehrt die Nachricht nicht des Interesses, daß die spanische Heeresverwaltung in letzter Zeit die Herstellung von 200000 Mausergewehren und von rauchlosem Pulver beschleunigt hat. Aus Saint Louis am Senegal wird gemeldet, daß auf den im Besitz Spaniens befindlichen Bissagos=Inseln Unruhen ausgebrochen sind. Mehrere Europäer sind niedergemetzelt worden, so daß das französische Handelshaus Blanchard um den Schutz der französischen Regierung nachsuchte. Bei den großen Ueberschwemmungen in Spanien sind in der Provinz Tolado 2300, in den übrigen Provinzen zusammen 500 Menschen ertrunken. Hundertweise werden die Leichen in Massengräbern bestattet. Im Schauplatze der Ueberschwemmung herrscht bittere Not, da alles vernichtet ist. Zahlreiches Gesindel, welches die Leichen zu berauben, und die eingestürzten Gebäude zu plündern versuchte, treibt sich umher. Einige dreißig dieser Hyänen der Ueberschwemmung sind schon verhaftet. Italien. Am Sonntag ist in Rom der Jahrestag der Besetzung der ewigen Stadt durch die italienischen Truppen am 20. September 1870 in üblicher Weise an der Porta Pia mit verschiedenen Ansprachen unter sehr großer Teilnahme der Bevölkerung begangen. Irgend welche Ruhestörungen sind nicht zu verzeichnen gewesen. Türkei. Der türkische Finanzminister Agob Pascha stürzte bei einem Ausritte mit seinem Pferde und starb sofort. Wenn bei dem schnellen Sterben nur nicht eine Handschar=Klinge mit beteiligt war? Asien. In China sind neue Christenverfolgungen vorgekommen, während zugleich in allen von Europäern bewohnten Städten Plakate mit heftigen Aufreizungen verbreitet werden. Die Mächte sind zum Einschreiten im Prinzip entschlossen. Chile. Der gestürzte Präsident von Chile, Balmaceda, hat sich in dem Moment erschossen, als er in der Hauptstadt Sanjago, wo er sich bisher verborgen gehalten, verhaftet werden sollte. Die Meldungen von seiner Flucht waren also falsch. Westfalen und Rheinland. Schwerte, 21. Sept. Nach einer Entscheidung des Reichs=Versicherungsamts ist ein Hitzschlag dann als Betriebs=Unfall anzusehen, wenn die Einwirkung der Hitze und der Sonnenstrahlen auf das Gehirn gerade durch die Eigentümlichkeit des Betriebes veranlaßt und möglich geworden. Auch ist ein Schlaganfall, den ein Arbeiter sich dadurch zuzieht, daß er, nachdem er sich bei seiner Berufsthätigkeit erhitzt, plötzlich einer raschen Abkühlung aussetzt, nach Entscheidung des Reichs=Versicherungsamts als Betriebs=Unfall anzusehen. Aplerbeck, 19. September. Unter zahlreicher Beteiligung wurde heute die sterbliche Hülle des Bergmanns Friedrich Dunker zur letzten Ruhe bestattet. Dunker war am 15. d. Mts. auf Zeche„Schleswig“ verunglückt; das hereinbrechende Hangende hatte ihn sofort erdrückt. Der Verstorbene hinterläßt außer der trauernden Witwe drei unversorgte Kinder. Dortmund, 21. Sept. Zum Gustav Adolf=Festspiel. Heute morgen hat man am Fredenbaum mit dem Aufbau der Bühne für das Gustav Adolf=Festspiel begonnen, welche nahezu die doppelte Größe der damaligen Lutherfestspiel=Bühne erhalten wird. Nach dem Spielplan der Mitwirkenden findet bereits am Dienstag abend die erste Bühnenprobe am Fredenbaum statt. Während die mittelalterlichen Kostüme bei der erstmaligen Aufführung des Festspiels in Jena mit Erlaubnis des Großherzogs von Sachsen=Weimar von der Verwaltung der großherzoglichen Hofbühne geliehen wurden, sind dieselben nunmehr für die Aufführungen in Dortmund neu angefertigt. Wir machen noch darauf aufmerksam, daß an den auswärtigen Verkaufsstellen Eintrittskarten nur noch bis längstens Donnerstag mittag zu haben sind und daß spätere Bestellungen an Herrn Otto Uhlig in Dortmund zu richten sind. Im übrigen verweisen wir auf das Inserat in der heutigen Nummer. § Hagen, 21. Sept. Außergewöhnlich gut besucht war das gestrige im Feilhauer'schen Saale hierselbst vom hiesigen reformierten Kirchenchor veranstaltete Konzert. Obschon der Hagener Verein über tüchtige Gesangkräfte verfügt, so mögen doch am gestrigen Tage die beiden auswärtigen Vereine:„Männerquartett=Elberfeld" und„Echo=Barmen“ den Hauptanziehungspunkt in betreff des Gesanges gebildet haben, sind doch deren vorzügliche Leistungen auf musikalischem Gebiete überall lobend anerkannt und deren Konzerte im Wupperthal wie anderswo stets gut besucht worden. Auch gestern zeigte der letztgenannte Verein durch seine herrlichen Gesänge, was er unter der tüchtigen Leitung des Herrn Lehrers Ackermann zu leisten vermag. Erwähnt möge sein: „Führe mich, o Gott Jehovah!" und„Wo keine Bibel ist im Haus". Letzteres, eine anerkennenswerte Komposition des Dirigenten Herrn Ackermann, fand in den Solopartien durch Frau Gutseel eine herrliche Wiedergabe. Aus dem reichhaltigen Programm möge noch ferner die Hymne,„Alles, was Odem hat", vorgetragen vom Hagener Kirchenchor, als recht gut gesungen, erwähnt sein und ebenso die sämtlichen bewunderungswürdigen und erhebenden Lieder des Elberfelder Vereins. Ansprachen der Herren Pastoren und Posaunenvorträge des Hagener Jünglingsvereins würzten zudem das Fest in besonders schöner Weise. Möge es uns vergönnt sein, in Kürze wieder ein derartiges Konzert beiwohnen zu können, der Besuch wird nicht ausbleiben. Lüdenscheid, 21. Sept. Trichinen wurden im hiesigen Schlachthause in einem Schweine entdeckt, das auf dem Markte in Dortmund gekauft und dänischen Ursprungs war. Es ist dies der zweite Fall seit dem Bestehen des Schlachthauses, daß ein Schwein trichinös befunden wurde. Linden a. d. R., 17. Sept. Eine großartige Drahtseilbahn wird seitens der Verwaltung der Zeche„Hasenwinkel“ projektiert und ist die Ausführung der bedeutenden Anlage bereits in Angriff genommen. Diese neue Drahtseilbahn soll nämlich den Schacht 3 von Maria=Anna und Steinbank in dem mehr als ½ Stunde von„Hasenwinkel“ entfernten „Höntrop“ mit der obengenannten Grube verbinden und so stark sein, daß dieselbe imstande ist, ganze 10 Zentner=Kohlenwagen in ununterbrochener Reihenfolge nach der Endstation„Höntrop“ zu befördern. Diese Einrichtung soll den weiten Kohlentransport von „Hasenwinkel" nach dem„Bochumer Verein“ in Bochum über Steele aufheben resp. dem vorgenannten Werke die Fracht wesentlich verbilligen. Möge die Ausführung des großartigen Projekts, das unserer in industrieller Beziehung hochentwicketen Gegend wieder neues Leben und Wirken bringt, der Zechenverwaltung nebst ihrer Belegschaft zum Segen gereichen. II Soest, 17. Sept. Mit dem heutigen Tage begann wieder im hiesigen nach den fünfwöchentlichen Herbstferien der Unterricht. Wie alljährlich, wurde bei Beginn des Wintersemesters der Tag von Sedan durch eine Ansprache des Herrn Direktors und durch einen Spaziergang gefeiert. Münster, 18. Sept. Hier wurde ein von fünf Familien bewohntes großes Wohngebäude am Bohlweg durch die Unvorsichtigkeit eines 9jährigen Knaben, welcher mit einer brennenden Kerze auf dem Speicher Spähne zum Feueranmachen zusammensuchte, in Brand gesteckt und bis auf die nackten Mauern eingeäschert. Von dem Hausrat, der zumeist nicht versichert war, sind nur wenige Stücke gerettet. Ein im Hause wohnender Lokomotivführer, welcher einen Tag darauf mit seinen bereits gepackten Sachen umziehen wollte, hat fast seine ganze unversicherte Habe verloren. Herford, 18. Sept. Eine Anzahl von Erkrankungen durch„Wurstgift“ ist unter den Arbeitern einer Ziegelei bei Essen festgestellt worden. Einer der Leute, der sogleich nach dem Genusse der gelieferten Wurst Beschwerden gespürt hatte, ist jetzt im Nachbarort Schmeicheln gestorben. Der Staatsanwalt hat eine Untersuchung der Leiche angeordnet. Die Natur des„Wurstgiftes“ ist bekanntlich von der Wissenschaft noch nicht genügend erklärt worden. Remscheid, 18. Sept. Ein Anwohner von Platz wurde vor einiger Zeit vom hiesigen Schöffengericht zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt, weil er bei Gelegenheit einer Schlägerei seinen Nachbar verletzt hatte. Der Bestrafte zeigte nun wenig Lust, die ihm diktierte Strafe selbst abzubrummen, und schickte daher einen Stellvertreter, welchen er durch Geld und gute Worte gefunden und welchem es unter falschem Namen denn auch gelang, hinter die eisernen Gardinen zu kommen. Er hatte bereits neun Tage abgesessen, als ein Mitgefangener, der den richtigen Verurteilten persönlich kannte, über das falsche Spiel Anzeige erstattete. Die Behörde schritt nun sofort ein und nun werden die beiden Helden sich vor Gericht zu verantworten haben. Ohligs, 17. September. Ein„bissiger" Gegner ist hier ein Schleifer, der mit einem Arbeitskollegen Streit bekam und ihm im Verlauf desselben den kleinen Finger einer Hand abbiß! Oberhausen, 17. Sept. Der Polizeisergeant Lamprecht war vor längerer Zeit vom hiesigen Schöffengericht zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er anläßlich einer Verhaftung von seiner Waffe widerrechtlich Gebrauch gemacht resp. in der Anwendung derselben zu weit gegangen war. Auf ein an den Kaiser eingereichtes Gnadengesuch ist nach der„Rh. W. Ztg. dem sonst sehr zuverlässigen Polizisten heute der Bescheid zugegangen, daß der Kaiser die Gefängnisstrafe in eine Festungshaft von 6 Wochen umgewandelt und ihm die Kosten des Verfahrens erlassen habe. Oberhansen, 16. Sept. Bei dem starken Gedränge heimkehrender Kirmeßgäste bemerkte gestern abend auf dem hiesigen Bahnhofe ein Herr, als er im Begriff war in einen Wagen einzusteigen, daß seine Uhrkette durchschnitten war und seine Uhr fehlte. Der Bestohlene hatte Ursache, einen bereits eingestiegenen Mann zu verdächtigen. Der diensthabende Gendarm wurde hinzugerufen und diesem erklärte der Unbekannte, eine Uhr eben auf dem Bahnsteig gefunden zu haben. Der Beamte ließ sich durch diese offene Erklärung nicht irre führen, sondern untersuchte die Taschen des Mannes etwas genauer, wobei sich herausstellte, daß derselbe noch 4 Uhren bei sich führte, über deren rechtmäßigen Besitz er sich nicht auszuweisen vermochte. Selbstverständlich erfolgte seine sofortige Verhaftung. Es wurde hiermit jedenfalls ein guter Fang gemacht, da man es ohne Zweifel mit einem Taschendiebe zu thun hat, welche das Gedränge aufsuchen, um ihr unsauberes Handwerk zu betreiben. Duisburg, 18. September. Nicht wenig überrascht wurden die Gäste eines hiesigen Restaurants an der Poststraße. Es erschien nämlich mitten in der Unterhaltung die gestrenge Person eines Gerichtsvollziehers und forderte im Namen des Gesetzes sämtliche Gäste auf, ihr Glas zu leeren und das Lokal zu verlassen, was natürlich auch geschah. Nachher wurde das Lokal vom Gerichtsvollzieher geschlossen. Es handelt sich dem Vernehmen nach um eine Räumungsklage der Eigentümerin des genannten Lokals in Elberfeld gegen den Wirt. Im Innern des riesigen russischen Zarenreiches sieht es gegenwärtig traurig aus. Eine furchtbare Hungersnot herrscht in einem großen Teile desselben, namentlich in der Provinz Kasan, und im Gefolge der Hungersnot haben sich verheerende Krankheiten eingestellt. Ein Priester, namens Filomanoff, entwirft eine anschauliche Schilderung von der Hungersnot im Gouvernement Kasan: „Vorgestern trat ich eine Wanderung durch das Dorf Narcedey an. In der ersten halben Stunde begegnete ich sechszehn Leuten, die mit dem Tode rangen. Ein altes Mütterlein starb vor meinen Augen. Die meisten von den Verhungerten hatten seit mehr als acht Tagen kein Stückchen Brot gesehen. Fahlen Angesichts, mit trüben Augen, blickten mich die Unglücklichen an, und manche derselben hatten nur noch die Kraft, die Hände nach dem ersehnten Brot auszustrecken. Nur die wenigsten sind so glücklich, diesen ihren Wunsch erfüllt zu sehen. Sie sterben, ehe die Hilfe kommt. Und je weiter ich in das Dorf ging, desto mehr Elend bekam ich zu sehen. Vor den einzelnen Häusern, am Straßenrain, vor der Kirche und an anderen Plätzen erblickte ich zahlreiche bleiche, abgemagerte, krankhafte Gestalten. Aus jeder Miene dieser Leute sprach Hunger und Entbehrung. Ein Teil derselben zeigte sich ganz teilnahmlos. Mit einer dumpfen Gleichgültigkeit stierten die Armen vor sich hin, ergeben in das Schicksal. Andere geberdeten sich wie rasend und verzweiflungsvoll. Sie sprangen wie sinnlos von einem Platz auf den anderen, tobten und schrieen krampfhaft:„Brot! Brot! laßt uns nicht sterben!“ Die Mütter, deren Kinder schon zum Teile der Hungersnot zum Opfer gefallen sind, hören nicht auf, zu jammern. Als ich ihnen etwas Nahrung reichte, gaben sie vorerst von dem Brot den hungerskranken Kindern zu essen und erst dann suchten sie ihren Hunger zu stillen. Alles, was eßbar ist, ist schon längst aufgezehrt. So lange es noch Kräuter und Beeren gab, da ging es noch leidlich gut. Endlich waren auch diese„Nahrungsmittel“ aufgezehrt. In der Not verfielen die Dörfler auf neue Ideen, ihren Heißhunger zu stillen. Sie trockneten Lindenblätter, zerrieben dieselben in Küchenmörsern und bereiteten dann einen Brei daraus. Ein solcher Brei bildete durch vierzehn Tage die ausschließliche Nahrung der ganzen hiesigen Bevölkerung. Auf die Dauer konnte diese Speise nicht das mangelnde Brot ersetzen. Hilfe war nur spärlich vorhanden und es begann das große Sterben. Die Hungersnot machte im hiesigen Kreise während der letzten acht Tage solche Fortschritte, daß in einer einzigen Ortschaft von 150 Familien 47 ganz ausgestorben sind. Schleunigste Hilfe ist das dringendste Gebot der Notwendigkeit, damit diesem unbeschreiblichen Elend wenigstens teilweise Einhalt geboten wird. Zwar haben sich schon einzelne Gesellschaften zur Unterstützung der Notleidenden gebildet. Die Mittel derselben sind jedoch bei weitem unzureichend. Unterdessen ist ja bekanntlich die russische Regierung mit der Gewährung von 30 Millionen Rubeln gleich 60 Millionen Mark zu Hilfe gekommen. In anderen Teilen Rußlands ist es schon zu größeren Volksaufständen gekommen. So stürzte sich in der Stadt Witebsk die Volksmenge, Männer und Frauen, auf die mit Getreide beladenen Eisenbahnzüge. Das Militär schritt ein und schoß in die Volksmassen, so daß einige Tote auf dem Platze blieben. Getreidehändler wurden mißhandelt und ihre Gebäude geplündert. Das sind traurige Zustände. Man darf aber aus denselben nicht schließen, daß dieselben der russischen Regierung keinen auswärtigen Krieg gestatten würden; im Gegenteil können solche Notstände im Innern gerade zu einem Kriege treiben, um die Aufregung nach außen abzuleiten. * Am Donnerstag ist auf der Albulastraße bei Vergrün ein Beiwagen zur eidgenössischen Hauptpost abgestürzt. Zwei Personen, eine Schweizerin und eine Engländerin, sind tot geblieben, vier andere haben mehr oder weniger schwere Verletzungen erlitten. * In Wien geht das Gerücht, Johann Orth(Erzherzog Johann) sei nicht tot, sondern er habe an den jüngsten Kämpfen in Chile hervorragenden Anteil genommen. Allen denjenigen, welche unsere Berichte über die vielen Vorzüge der Leipziger illustrierten Zeitschrift betitelt:„Das Neue Blatt“ gelesen haben und bei dieser Gelegenheit zu dem Enschlusse gekommen sind auf dieses vortreffliche Blatt zu abonnieren, sobald es seinen neuen Jahrgang beginnen werde, sei hiermit zur Kenntnis gebracht, daß der erwartete Zeitpunkt jetzt gekommen. Soeben ist die erste Nummer des neuen Jahrgangs hier eingetroffen.— Nun heißt's also bestellen und sich von dem vielseitigen interessanten Inhalte selbst überzeugen. Alle Postämter nehmen Abonnements bei Hinweis auf Nr. 4325 des 1891er Zeitungs=Katalogs gegen Einzahlung des VierteljahrPreises von Mk. 1.60 gern entgegen.— Wer ohnehin von einer Buchhandlung regelmäßig zu beziehen pflegt, wird am besten thun, dieser die Besorgung des Neuen Blattes aufzutragen. Der in Nr. 1 voranstehende Hauptroman ist wieder aus der Feder der durch das Neue Blatt schnell berühmt gewordenen Verfasserin B. Corony und ist betitelt:„Getrennte Herzen": Mit großer Spannung werden die Leser der Entwicklung dieses, alle Züge der menschlichen Seele offenbarenden Romans von Woche zu Woche folgen und viel Stoff und Anregung dazu finden, das Gelesene in Freundeskreisen weiter zu erzählen. Ein hieraus sich folgernder Gedankenaustausch erhöht oft das Interesse an der Sache und läßt die Moral desto wirksamer werden. — Viel Unterhaltung(vielleicht auch etwas Aufregung) wird die reichlich mit kleinen in den Text gedruckte Illustrationen gewürzte Erzählung„Knaupligs Luftreise" verschaffen, wie auch die Humoreske„Immer spät“ ihre Schuldigkeit thun, der Artikel aber:„Weiße Sklaven“ voraussichtlich viele Ansichten dafür und dagegen heraufbeschwören wird. Die letzteren Rubriken der Nr. 1 sind mit geistigen Spielen, Preisausschreibungen 2c. gefüllt.— Prachtvolle Bilder in feinster xylographischer Ausführung vollenden schließlich den Eindruck des vollkommenen.— Solchen Anstrengungen für so wenig Geld das beste zu bieten, gebührt auch Unterstützung durch lebhafte Beteiligung am Abonnement. — Möge sie zuströmen von allen Seiten, wo das Verlangen nach schöngeistiger Anregung noch nicht im ewigen Einerlei des Alltagslebens untergegangen ist.— Todes-Anzeige. Es hat Gott dem Allmächtigen gefallen, gestern nacht 12 Uhr, unser innigst geliebtes Söhnchen im zarten Alter von 2 Monaten 9 Tagen wieder zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Freunden und Bekannten zeigen wir dieses statt jeder besonderen Mitteilung tiefbetrübt an. Schwerte, 20. Sept. 1891. Lokomotivführer W. Bilke u. Frau. Die Beerdigung findet am Mittwoh morgen 9 Uhr vom Sterbehause aus statt. Gelanntmachung. Diejenigen Personen hiesigen Amtsbezirks, welche für das Jahr 1892 einen Wandergewerbeschein wünschen, wollen sich bis spätestens zum 5. Oktober d. I. unter Vorlegung des diesjährigen Gewerbescheins persönlich im hiesigen Amtsbüreau melden. Ergste, den 16. Sept. 1891. Der Ehrenamtmann: Bormann. Selannimachung. Freitag, den 25. September, morgens 10 Uhr, sollen an hiesiger Gerichtsstelle mehrere hundert Kilogramm kassierter Akten zum Einstampfen verkauft werden. Schwerte, 18. Sept. 1891. Königliches Amtsgericht. Ceranntmachlug. Dienstag, den 22. ds. Ats., nachmittags 4 Uhr, werde ich in den Rosen ca. 3 Sechziger Kartoffeln sowie um 5 Uhr nachmitt. an der Wohnung des Arbeiters Herrn Brünger zu Holzen ca. 4 Sechziger Kartoffeln, mehrere Scheffel Roggen und 1 Partie Roggenstroh öffentlich meistbietend gegen Barzahlung zwangsweise verkaufen. Schwerte, 21. Sept. 1891. Matz, Gerichtsvollzieher. Hausrnecht der auch mit einem Ponny umzugehen versteht, erhält gegen guten Lohn sofort oder später angenehme Stellung bei A. Haape. Beste und billigste Bezugsquelle für garantirt neue, doppelt gereinigt und gewaschene, echt nordische Bettfedern. Wir versenden zollfrei, gegen Nachn. (nicht unter 10 Pfd.) gute neue Bettfedern per Pfund für 60 Pfg., 80 Pfg., 1 M. und 1 M. 25 Pfg.; feine prima Halbdaunen 1 M. 60 Pf.; weiße Polarfedern 2 M. und 2 M. 50 Pfg.; silberweiße Bettfedern 3 M., 3 M. 50 Pf., 4 M., 4 M. 50 Pfg. u. 5 M.; ferner: echt chinesische Ganzdaunen(sehr füllkräftig) 2 M. 50 Pfg. und 3 M. Verpackung zum Kostenpreise.— Bei Beträgen von mindestens 75 M. 5% Rabatt.— Etwa Nichtgefallendes wird frankirt bereitwilligst zurückgenommen. Pecher& Co. in Herford i. Westfl. heit, mit der Diejenigen, welche die günstige GelegenLampforeschmaschlat zu dreschen, noch benutzen wollen, bitte ich, sich recht bald zu melden, da dieselbe bei günstiger Witterung nur noch 2—3 Tage am Ostenthor stehen bleibt. Fr. Osthoff. Jodes-Anzeige. Es hat Gott dem Allmächtigen gefallen, am Sonntag abend gegen 8 Uhr unsere innigstgeliebte Mutter, Schwieger- und Grossmutter, Schwester und Tante, Frau Wilh. Pütter, geb. Lisette Wiedenbruch, im Alter von 61½ Jahren nach längerem, schweren, mit Geduld ertragenem Leiden zu sich in die Ewigkeit zu rufen. Allen Verwandten und Freunden diese Trauerbotschaft mit der Bitte um stille Teilnahme. Höfen b. Ergste, 21. September 1891. Die trauernden Hinterbliebenen Die Beerdigung findet Donnerstag nachm. 4 Uhr statt. Kartoffel-Verkauf. Herr Gutsbesitzer Braß zu Rückshausen läßt Samstag, 26. September cr., nachmittags 5 Uhr, m Wannewege hierselbst: 1½ Morgen gut geratene magnum bonumund rauhrote Kartoffeln n Nummern meistbietend an Ort und Stelle versteigern. Westhofen. Sundermann. Karlösser Gertauf. freitag, den 25. September, nachmittags 4 Uhr, erkaufe ich für Herrn Gutssitzer O. Schwarzelühr in olzen auf dem s. g Stüveken: 2 Morgen Kartoffeln, rzügliche Magnum bonum, Nummern an Ort und Stelle. Westhofen. Sundermann. 1 frenndt. Wohnung von 2 Zimmern u. Keller auf den 1. Nov. zu vermieten. Näh. in der Exp. d. Ztg. Caprivi-Bret, vorzügliches Graubrot, Zuatz feinsten Maismehls, 7½ Pfund 1 Mark, Händler Rabatt, gegen Nachnahme. Hammer Brotfabrik, Hamm i. W. Ein tüchtiger Tischlergesele findet dauernde Beschäftigung. Schwerte. W. Stricker. Wegen Verheiratung des jetzigen Dienstmädchens wird auf den 1. November ein kräftiges Madchen us ordentlicher Familie gegen ohen Lohn gesucht. Zu erf. i. d. Exped. d. Ztg. Für einen kleinen Haushalt wird zum 1. 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Qual.„„ 2 „ G.„„„ Kartoffeln„„ Heu per 500„ Roggenstroh per„„ Rüböl per 100„ in Partieen von 100 Kilo Rüböl per 100 Kilo faßw. Gerein. Oel per 100 Kilo 3 M höher als Rüböl. Preßkuchen per 1000 Kilo Weizen=Vorschuß 00 per 100 Kilo Kleien per 50 Kilo Neuer Weizen wurde mit 22,40+K bezahlt. Neuer Hafer wurde bis 13,50 M bezahlt. Köln, 19. September. Weizen hiesiger alter 24,00—25,00, neuer 21,00 bis 23,00, fremder 23,50—25,00. Roggen hies. alter 23,00—25,00, neuer 22.50—24,00, fremder 25,00 bis 26,50, Hafer hiesiger alter 16,00 bis 17,00, neuer 13,00—14,00 fremder 16,50—17,75 M. Berlin, 19. Sept. Weizen Sept.= Okt. 235,75 M, Okt.=Nov. 233,50 . Roggen Sept.=Okt. 241,75 M Okt.=Nov. 239,75 M. Hafer Sept.=Okt. 161,25 M, Okt.=Nov. 161,75 M. Rüböl vorr, mit Faß 62,90 A ohne Faß 62.00 A, Sept.= Okt. 62,50 J, April=Mai 62,00 M Spiritus 70er vorr. 58,40 J. Sept. 60,10 J, Sept.=Okt 54,80 J, 50er vorr. 00,00 M. 50 20 Die Illustrirten Oktav=Hefte von CUSe Der neue, eben beginnende Jahrgang enthält nur das Beste. Der belleiristische Teil ist so reib,###S###### daß sich der Leser PCTeT richtig einlesen sind das reichhaltigste, vielseitigste und am ausgiebigsten illustrirte Journal ihrer Art. Sie bringen gediegene Aufsätze aus allen Gebieten von ersten Autoren, die besten Romane und Novellen, sind unerschöpflich in der Fülle all jener amüsanten Beiträge, die ein Blatt zum Liebling der Familie machen. Deshalb abonniren Sie auf die „Illustrirten von und warm werden kann, der illustrative Teil zeigt bemerkenswerte Verbesserungen. Die„Illustrirten Oktav= Hefte“ bringen zunächst: die neuesten Werle von Hermann Heiberg, Ossip Schuomn u. Wrphle onnpgue, sowie „eieber Land un, g.u p alle 4 Wochen ein Hesvon 16—17 Bogen und mit Extra=Kunstbeilagen erscheint. GHE Schubin u. Sophie Zunahans, sovie M Briefe, Reisetagebücher 2c. 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Schnittm. mtlch. 3.„Humoristisches Echo“, wöchentlich. 4.„Verlosungsblatt“, zehnt. 5.„Landwirtschaftl.Zeitung“, vierzehntägig. 6.„Die Hausfrau“, vierzehntägig. 7.„Produkten- und WarenMarktbericht“, wöchentl. 8.„Deutscher Rechtsspiegel“. Samml. neuer Gesetze und Reichsger- Entscheid.; nach Bedarf. Großes politisches Tagesorgan. Ausgedehnter Depeschendienst; telegraphische Börsenkurse. Spezialkorrespondenten in allen Hauptstädten. Spanuendes Feuilleton. Ausführliche Nachrichten über Industrie, Landwirtschaft, Verkehr und Handel. Vollständige, den weitesten Ansprüchen genügende tägliche Marktberichte über Kaffee, Zuurr, Scymalz, Getreide, Mehl, Spiritus, Oel, Hopfen, Tabak, Kupfer, Zink 2c. Besondere Pflege der sozialen und politischen Bewegungen Berlins. Reichhaltigste Zeitung in bezug auf Nachrichten aus den westlichen Provinzen. Vollständige Ziehungslisten der preußischen Klassen=Lotterie. = M a c h t d a s H a l t e n a n d e r e r g r o ß e r Z e i t u n g e n e n t b e h r l i c h. 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Wer sich nach seiner Decke streckt, der darf den nopf höher tragen, als der es nicht thut; vielleicht muß er oft krumm liegen, aber die anderen werden wohl gar krumm geschlossen. ** Die sich nach ihrer Decke strecken, die bücken sich auch gern zu ihrer Arbeit. * Deklamation in der Predigt ist nur Taktlosigkeil; ein Deklamator auf der Kanzel ist eine Lüge. *„* Die Demagogie der Dürren hat den Hunger zum Bundesgenossen, die der Fetten die Wollust. Keine Demagogie kann die sittliche Kraft der Nationen erfolgreicher untergraben als eine Handhabung der Regierung, welche den Einfluß der Kirche und ihr Ansehen schädigt. ** Kluge Demagogen kommen viel seltener mit der Polizei in Verwicklung, als unkluge Polizei der Demagogie Vorschub leister. Aus der Tiefe. Sozialer Roman aus dem Bergmannsleben von A. Linden. (Fortsetzung.) „Geh' heim, Annchen! Hier ist's nichts für Dich! Du Heinrich, willst doch nicht wirklich ein Mörder verden, wie sie's einstmal mit Unrecht von Dir sagten? Ind Ihr Kameraden, seid vernünftig, Ihr macht Euch unglücklich und Eure Frauen und Kinder mit!“ „Herr Direktor, es ist der Bruder des Verunsückten. Er und wir alle sind empört über dessen Lod und fordern Genugthuung dafür von denen, velche die Schuld daran trugen!“ rief Wilhelm zu Rudolf Raudenberg gewandt. „Sie soll Euch werden zu seiner Zeit!“ entgegnete derselbe. Sein Blick ruhte erstaunt auf Annchen, die bei Wilhelm's Erscheinen und nach seinen Worten seitwärts getreten war. Jetzt erst, als sie ihr Gesicht ihm voll zugewandt, hatte Rudolf sie erkannt, und nun wußte er auch, warum dieser Mensch ihn so wütend haßte. Sein Nebenbuhler war er gewesen,— mit jäh aufsteigendem Widerwillen dachte er's; und dieser rohe wilde Mensch war vor ihm begünstigt worden, ihn liebte Annchen auch jetzt noch so sehr, daß sie seinetwegen hierhergeeilt war. Doch hatte er ihr nicht soeben heftige Worte zugerufen, deren Sinn er nicht ganz verstanden? Sagte er nicht etwas von dem vornehmen Liebsten, den sie schützen wollte? Dort stand sie, bleich, tötliche Angst in den Mienen und im Blicke der dunklen Augen; und daher erschien sie ihm schöner, als früher und rührend in dem Schmerz, der sichtlich aus ihrem Antlitz sprach. Süß und warm zog's durch Rudolf's Herz bei ihrem Anblick. Doch er hatte nicht Zeit, der Erinnerung nachzusinnen. Er sah, wie Wilhelm Wellbach nur mit Mühe, durch Gewalt und Bitten seinen Gegner abhielt, sich auf ihn zu stürzen. Es wur eine wilde, grausige Szene, deren Aufregendes noch erhöht wurde durch das Zucken der Blitze, das Rollen des Donners, welches den brausenden Sturm übertönte, durch das Gedränge, beleuchtet von dem roten Flammenschein des brennenden Hauses. Plötzlick erschallte von dort her ein vielstimmiges Geschrei „Der Märzer! Der Obersteiger! Er ist noch im Hause, dort am Fenster steht er!“ „Laßt ihn nicht heraus!“ schrie Heinrich und wandte sich den anderen vorauf wieder dem Hause zu, us dessen Dach und Fenster Rauch und Flammen rvorficgen,„„„ 672 Ha.-4 Jus Aunwt: G. In demselben Augenona stürzte eine dunkle GeGestalt aus der Hinterthür, die in den kleinen Garten führle und verschwand in dem angrenzenden Gebüsch. Heinrich Bahner war vor dem Hause angekommen, btemlos rief er den Zunächststehenden zu:„Wo ist er, per Märzer? Wo habt Ihr ihn gesehen?“ „Er stand da oben am Fenster, jetzt ist er schon eine zeitlang fort, kann aber nicht wohl herausgekommen ein, keiner hat ihn draußen gesehen.“ Gellende Hilferufe einer weiblichen Stimme ertönten von einem der oberen Fenster her. „Das ist die alte Kathrin, die steckt noch drin, sie hat sich auf die Bodenkammer verborgen gehabt, als wir im Haus waren und den Märzer suchten," rief einer der Bergleute. Starres Entsetzen lähmte einen Augenblick lang die Dtenge....„JJui., 44. Heinrich anschlasse „Ich werd' sie holen!“ sagre Heinrich entschlossen. „Die kann nicht für dem Märzer sein Sünd'.“ Und ohne ein Wort der andren abzuwarten, drang er unerschrocken durch die halbzerstörte Thür in das mit Rauch und Flammen erfüllte Haus. Einige bange Minuten verstrichen, zwei der Kamneraden wollten Heinrich folgen, kehrten aber unverrichteter Sache wieder zurück. Endlich erschien Heinrich wieder, auf seinen Armen die vor Angst zitternde halbbetäubte Frau tragend. Sein Haar und Bart war versengt, seine Stirn, die ein brennendes Holzstück getroffen, zeigte eine weitklaffende Wunde. Auch an der Schulter mußte er verletzt sein, das bewiesen die Blutspuren auf seinem versengten Kittel. Furchtbar und grausig war sein Aussehen, und einen seltsamen Gegensatz bildete die weiche, zärtliche Sorgfalt, mit welcher er die alte Frau auf seinen Armen trug und sie dann vorsichtig in das hohe Gras des Feldrains niederließ, wo Tante Julchen und noch andre herbeigeeilte Frauen ihr bereitwillig Hilfe leisteten. Schwer atmend stand Heinrich nun da; man soh, daß er sich nur mit Mühe aufreit hielt „Der Märzer war nicht drin“, sagte er wie zu sich selbst.„Ist's nicht heut', ist's ein ander mal!“ Da trat Wilhelm auf ihn zu, der das brennende Haus erreicht hatte, während Heinrich in demselben weilte, und von andren hörte, um was es sich handle. „Sei nicht bös’, Heinrich, daß ich Dir hab' entgegen sein müssen da drüben: Dir zum besten war's, und Du wirst mir noch danken. Hast eine brave That gethan und darüber magst jetzt froher sein, als wenn Du Dich vergriffen hätiest am Direktor.“ Er wollte dem Freunde die Hand reichen, dieser aber stieß sie heftig zurück, und sah ihn zornig an. „Gib mir Deine Hand, Heinrich, Du weißt, daß ich's gut mein' mit Dir und mit Euch allen.“ „So trag' nicht länger auf zwei Seiten, entweder Du gehst mit uns, zu denen Du doch gehörst, oder zu denen da drüben.“ „Mit Euch geh' ich aus ganzem vollem Herzen, doch nicht, wenn Ihr Aufrührer seid gegen Obrigkeit und Gesetz. Unser Recht aber wollen wir suchen, und wenn's sein müßt', und wir's nirgends anders fänden, beim Kaiser selbst.“ „Ja, das wollen wir, der Steiger Wellbach soll's ausmachen für uns, der ist unser Mann!“ rief's aus der Menge.,. g 2., barms Mit Wilhelm war auch Annchen herzugeellt. Die Freude über Heinrichs wackere That leuchtete aus ihrem Blick, als sie ihn anschaute, und herzlich reichte auch sie ihm jetzt die Hand. Er begegnete dabei ihren glänzenden Augen, und deren Ausdruck war ihm Belohnung genug. 5.2 O. Jetzt war auch der junge Direktor erschienen. Ruhig, als sei gar nichts geschehen, schritt er durch die Menge und erkundigte sich nach der Ursache des Brandes, die er schon zu wissen glaubte. Es war nicht anders, der grelle Blitzstrahl mußte gezündet und das Haus in Brand gesteckt haben. Ueberrascht schaute er auf bei dieser Auskunft. Das hatte er nicht erwartet, so hatte er doch den Leuten in Gedanken und Worten Unrecht gethan. Und dort, dort stand sein wütender Feind, der sich bei der Rettung der alten Frau so brav und heldenmütig gezeigt. Ihm war, als müßte auch er ihm die Hand reichen, da sah er, wie der starke kräftige Mann plötzlich lautlos zusammenbrach. Die furchtbare Aufregung, der Blutverlust und die Anstrengung bei der Rettung der alten Kathrin mußten seine Kräfte erschöpft haben. Die zunächst Stehenden leisteten dem Ohnmächtigen Hilfe. Doktor Harten, der soeben herbei kam, beugte sich über ihn. „Der Mann ist schwer verletzt,“ sagte derselbdann,„die Kopfwunde ist für sich allein schon gefährlich, er bedarf der größten Schonung und Ruhe.“ „Ich bitte Sie, Herr Doktor, tragen Sie Sorge dafür, daß ihm die beste Pflege wird, wegen alles Nötige wenden Sie sich an mich,“ sagte Rudolf, bevor er sich entfernte, leise zu dem Arzt. „Komm, Annchen, wir wollen's der Greta sagen und sie vorbereiten auf das neue Unglück, der eine Bruder wird tot heimgebracht, und nachher der andere schwerverletzt, wie mag sie's tragen.“ „Wir müssen ihr beistehn,“ sagte auch Fraulein Julchen, sie faßte den Arm Anuchens und zog diese mit sich fort. Gerhard Holm und sein Vater, welche, nachdem sie den Feuerschein im Dorfe bemerkt, herabgecilt waren, halfen unter Wilhelms Beistand den Verwundeten nach Hause schaffen. Bald lag die Stille der trüben finsteren Regennacht, welche auf das Gewitter gefolgt war, über Dorf und Thal, nur unterbrochen von dem Prasselu des zusammenstürzenden Gebälks und nur erhellt von dem roten Glutschein des niederbrennenden Hauses. Lachend starrte die Lisa vom Heidhofe in die züngeluden Flammen.„Hei, wie schön! Hei, wie lustig!“ rief sie,„warum habt Ihr das hohe Haus da drüben nicht auch angesteckt! Gelt, wenn Ihr noch einmal kommt, dann thut Ihr das, dann soll das hohe Haus auch brennen, daß es leuchtet weit durch die Nacht. Und wenn Ihr's nicht thut, dann thu' ich's!“—Greta war mit Frau Wellbach allein im Hause zurückgeblieben bei dem toten Bruder. Wo nur der Heinrich weilen mochte! Da hörte sie durch das Rollen des Donners das Geschrei und Getöse vom Dorfe her und sah, ans Fenster tretend, den Feuerschein. Mit banger Ahnung gedachte sie des wilden zornigen Sinnes ihres Bruders, dessen Worte vorhin an Anions Leiche sie wenn auch nur unzusammenhängend und teilweise vernommen hatte. „O, Mutter Wellbach, des Leids ist noch nicht genug, es kommt noch mehr, mir ahnt's, wenn nur der Heinrich kein Unglück anfängt!“ „Sei nur still, Greta, der Wilhelm wird wohl bei ihm sein, der wird ihm helfen und mag auch wohl ein Wort mit drein reden, wenn der Heinrich was Unbedachtes thun will,“ suchte Frau Wellbach sie zu beruhigen. (Jortsitzung folgt.) Westfalen und Rheinland. Hörde, 18. Sept. Einen nichtswürdigen Bubenstreich verübten von Sonntag auf Montag Nacht mehrere Burschen auf Zeche„Crone". Auf dem Zechenplatze befindet sich ein kleines Häuschen, welches zum Aufenthalt der Rangierer und Platzarbeiter dient, in dieses waren die Burschen eingedrungen und hatten Kaffeetassen und Kaffeekannen total zertrümmert, ebenfalls Hüte, Mäntel und sonstige Kleidungsstücke waren ganz zerschnitten und lagen am andern Morgen auf dem Fußboden. Den Buben ist man bereits auf der Spur. Duisburg, 18. Sept. Ein von auswärts zugereister Geselle frug an einem Neuban auf der Königsstraße um Arbeit an. In demselben Augenblicke flog einem Zimmermannder Hammer vom Stiele und traf den untenstehenden Mann so unglücklich auf den Kopf, daß die Schädeldecke eingeschlagen wurde. Dem Schwerverletzten ward sofort ärztliche Hilse zu teil, alsdann wurde derselbe ins Krankenhaus gebracht. Duisburg, 18. Septbr. Große Ueberraschung widerfuhr einem jungen Kaufmann hierselbst. Derselbe hatte in einer Konkurssache die Forderung von 70 Mark geltend gemacht und erhielt nun vom Konkursverwalter durch Postanweisung die Zahlung des ihm zukommenden Anteiles von sechszehn Pfennigen. Davon gingen noch 5 Pfennig Bestellgeld ab, macht 11 Pfg.! (Die Ehefrau Steinhauer Valentin Schmidt, Anna Caroline ∆ geb. Gabel zu Wanne bei Westhofen hat für die mit ihrem Ehemann eingegangene Ehe nach§ 789, II, 18 des Allgemeinen Landrechts jegliche Art von Gütergemeinschaft ausgeschlossen. Schwerte, den 16. September 1891. Die billigste, 2mal täglich 2# erscheinende Zeitung ist der Krunstrrische Ang. Gute Sverbetten Güte Anmminn Burgbohl, 18. Sept. Dieser Tage erstickte hier ein Mann auf einer Kellertreppe infolge von angesammelter Kohlensäure; die sofort angewandten Belebungsversuche blieben leider ohne Erfolg. Einstweilen sind die in der Nähe der Tiefbohrungen nach Kohlensäure liegenden Keller polizeilich geschlossen, sowie die Bohrungen eingestellt. Bekanntlich werden durch die bedeutenden Wasserabflüsse die unterirdischen Höhlungen entleert, und hierdurch tritt die Kohlensäure zu Tage, wodurch großer Schaden durch Dürrewerden der Bäume und große Gefahr für alles Lebende entsteht. Breyell, 18. Sept. Ein recht merkwürdiges Ei legte, wie der„Kr. Ztg. berichtet wird, ein Huhn des Krautpressers M. auf Leutherheide. Als man das Ei in einen Kessel siedenden Wassers brachte, um es zu kochen, explodierte dasselbe alsbald mit einem heftigen Knall und aus demselben kam ein zweites Ei von der Größe eines dicken Taubeneis zum Vorschein. Dieses war, abweichend von normalen Exemplaren, mit einer weichen, aber doch kräftigen Schale umgeben(ein sogen. Windei), blieb im übrigen doch unversehrt. Das äußere Ei war von normaler Größe und enthielt Dotter und Eiweiß, welches um das innere Ei herumschwamm. Vermischtes. * Die Bereitung von Brot aus ungemahlenem Getreide ist das Neueste im Bäckereiwesen. Soeben wurde in Petersburg von einer Gesellschaft eine Dampfbäckerei für derartiges Kornbrot eröffnet. Das von dieser Gesellschaft vorerst versuchsweise gefertigte Kornbrot soll seitens des Publikums recht viel Beifall gefunden haben; besonders an Schmackhaftigkeit soll es das gewöhnliche, aus Mehl bereitete Brot übertreffen und auch in der Farbe sei es ansprechender als dieses Wie verlautet, werde auch in Riga dieses neue Unternehmen von einem hervorragenden Bäcker versucht werden. * Am Mittwoch nachmittag sind infolge eines Flugfeuers in dem am Frischen Haff liegenden Dorfe Neu=Passarge 32 Häuser, in dem gegenüberliegenden Alt=Passarge 5 abgebrannt. Mehrere Personen werden ver8 gR * Ein schwerer Hagelschlag zerstolle in Marsico=Vetere in der Provinz Neapel die Ernte. Viele Hütten wurden verwüstet und zahlreiche Tiere getötet. Auch Verlust an Menschenleben ist zu beklagen. * Die russische Regierung hat für die Notleidenden in den von der Mißernte betroffenen Gouvernements 22 Millionen Rubel angewiesen und wird dieselben mit Wintersaatkorn versorgen. Laut einer amtlichen Bekanntmachung sind dreizehn Gouvernements durchweg von einer Mißernte heimgesucht, acht andere nur von einer teilweisen Mißernte. Nach einer Meldung aus Moskau ist der Roggenpreis auf den Binnenmärkten erheblich im Sinken begriffen. Man nimmt an, daß im November und Dezember die Roggenvorräte beträchtlich genug sein werden, um die Regierung zur Aufhebung des Roggenausfuhrverbots zu bestimmen. * Ein tragisches Ende hat das junge Mädchen gefunden, welches vor einigen Tagen von der Gotzkowski=Brücke aus in selbstmörderischer Absicht in die Spree gesprungen, jedoch von einem jungen Kaufmann R., ohne Schaden genommen zu haben, gerettet worden war. Als die Gerettete die Behausung ihrer Eltern betrat, traf sie daselbst ihren Bräutigam an, von dem sie sich verlassen glaubte. Mit einem Freudenschrei stürzte sie sich an die Brust des Geliebten, um im nächsten Augenblick tot zu Boden zu sinken. Ein Herzschlag hatte dem Leben der eben erst Geretteten ein schnelles Ende gemacht. * Ein teurer Toter. Der englische Vollbluthengst„Marsworth,“ der vor 16 Jahren als vierjähriges Pferd für den Preis von 108000 Mk. angekauft worden ist, wurde kürzlich in Trakehnen wegen Kreuzlähmung erschossen. * Schon 1851 konnte man bei der ersten englischen Weltausstellung Papier sehen, das aus Eisen fabriziert war oder Eisen, welches zum Schreiben verwandt werden konnte. Jene Idee ist in der Neuzeit von einigen englischen Eisenfabrikanten wieder aufgenommen worden und es hat sich eine lebhafte Konkurrenz bei Ausführung des Eisenpapiers herausgestellt, bei der vor allen Dingen die Dünne des Schreibmaterials maßgebend sein wird. Letztere wurde mit dem 1,800. Teil eines englischen Zolles erreicht, d. h. mit anderen Worten, 1800 übereinander gelegte Eisenpapierbogen nehmen die Höhe eines Zolles ein. Die wundervolle Feinheit des neuen Schreibmaterials, welches bald in Mode kommen wird, ist um " staunenerregender, wenn man bedenkt, daß uur 1200 Blatter des dünnsten wirklichen 0 Faserstoffpapiers ein Unbedeutendes mehr als einen Zoll einnehmen. Das neue Eisenpapier ist äußerst glatt und man kann mit Leichtigkeit darauf schreiben, obgleich es porös ist, wenn es an das Licht gehalten wird. * Das Erdbeben, welches kürzlich San Salvador heimgesucht hat, hat größeres Unheil angerichtet, als man zuerst annahm. In Stadt San Salvador allein wurden 40 Personen getötet und 50—60 schwer verletzt. Gefäugnis wurden drei Sträflinge unter einer einstürzenden Mauer begraben. Im Hospital wurden zwei Lahme in ihren Betten zermalmt. Die Panik hat sich jetzt fast ganz gelegt. Man befürchtet jedoch ein neues Erdbeben am 21. September, dem Tage der Aequinoctien. Die Berichte aus dem Innern des Landes sind noch sehr unvollständig. Von den 320 Häusern Comasagua's stehen nur noch acht. Familien nichts im Wege. Der geringe Betrag bezahlt sih übrigens schon reichlich durch die Fülle von wirklich praktischen Ratschlägen, die er giebt. Eine wesentliche Verbesserung gegen das Vorjahr ist die Beigabe eines hübschen, reichhaltigen Unterhaltungstextes. Aus dem praktischen Teil heben wir folgende Rubriken hervor: Für die Küche, Backwerke, Getränke, die Einmachkunst von Konserven und Früchten, erprobte Ratschläge für Haus und Küche, Handarbeiten, Gesundheitspflege, Haus= und Zimmergarten, Tiere 2c. 2c. Die beigegebenen, sehr zweckmäßigen Wäschezettel(zur praktischen Benutzung) werden von den Hausfrauen mit Freuden begrüßt werden. Der Inseratenanhang giebt wertvolle Angaben über Bezugsquellen u. dergl. Es steht nach alledem zu hoffen, daß sich der vorliegende Kalender in allen deutschen Haushaltungen, im In= und Auslande, so einbürgern wird, wie es bereits dem„Häuslichen Ratgeber“ gelungen ist. Häuslicher Ratgeber. Praktisches Wochenblatt für alle deutschen Hausfrauen mit den Gratisbeilagen:„Mode und Handarbeit“ und der illustrierten Kinderzeitung:„Für unsere Kleinen.“ Preis vierteljährlich 1 M. 25 Pf. Verlag von Robert Schneewetß in Breslau. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.— Der„Häusliche Ratgeber ist ein Frauenblatt, welches sich durch seinen reichhaltigen und vortrefflichen Inhalt einen großen und ausgedehnten Leserkreis über ganz Deutschland erworben hat. Diese Wochenschrift bringt in jeder Nr. mehrere belehrende Artikel aus den Gebieten der Hauswirtschaft, Erziehung und Gesundheitspflege. In den Rubriken: Fürs Haus— Gemeinnütziges, Haustiere, Haus= und Zimmergarten, Getränke, Backwerke, Für die Küche u. s. w. werden zahlreiche erprobte Rezepte und Hausmittel veröffentlicht, die so manche Hausfrau und ihre Familie vor Schaden bewahren dürften. Die Gratisbeilage:„Mode und Handarbelt“ enthält stets das Neueste, was die jedesmalige Saison bietet. Die darin beschriebenen reizenden Handarbeiten werden den Beifall aller Leserinnen finden. Die illustrierte Kinderzeitung:„Für unsere Kleinen“, welche in bunter Abwechselung Märchen, Erzählungen, Gedichte, Rätsel, Spiele und Handarbeiten bringt, wird unserer Jugend viel Freude bereiten. Ein Vorzug der Wochenschrift„Häuslicher Ratgeber“ besteht darin, daß dieselbe ein reichhaltiges und interessantes Feuilleton bringt. Der Abonnementspreis von Mk. 1,25 ist ein mäßiger. Wer sich von dem Inhalte dieses Frauenblattes überzeugen will, der verlange von der Verlagshandlung von Robert Schneeweiß in Breslau eine Probenummer. Seiden=Datäste schwarze, weiße u. sarbige v. Mk. 2.35 bis 12.40 p. Met.—(ca. 35 Qual.) — vers. roben= und stückweise porto= und zollfrei das Fabrik=Dépöt G. Henneberg(K. u. K. Hoflief.) Zürich. Muster umgehend. Doppeltes Briefporto nach der Schweiz. Vom Büchertiscgze, werz, un (Die unter dieser Ueberschrift angezeig. Witte sine in der C. Braus'schen Buchhandlung in Schwerte vorrätig oder durch dieselbe zu beziehen.) Deutscher Hausfrauen=Kalender für das Jahr 1892, herausgegeben von der Redaktion des Frauenblattes: Häuslicher Ratgeber, Breslau. Verlag v. Robert Schneeweiß. Preis 50 Pfg. Alljährlich im Herbst werden uns eine Unmasse Kalender für das nächste Jahr angeboten. Es ist eine derartige Ueberfüllung des Marktes eingetreten und ist so viel Schund auf diesem Gebiete veröffentlicht worden, daß auch das Gute darunter zu leiden hat, Zu diesen guten Kalendern können wir auch, ohne Widerspruch befürchten zu müssen, den vorliegenden rechnen. Wie der Hausvater sich seinen Fach= oder Unterhaltungskalender besorgt, so hat auch die Hausfrau ein Recht auf einen solchen. Da der vorliegend bei aller Eleganz der Ausstattung nur 50 Pfg. so steht der Anschaffung auch in weniger begüterten Eintäcung. Am 1. Oktober d. I. beginnt das 4. Quartal 24. Jahrganges der„Schwerter Zeitung" und gestatten wir uns, aus diesem Anlaß an die Freunde unseres Blattes in Stadt und Land die Bitte zu richten, derselben auch für die Folge das bisher geschenkte Wohlwollen erhalten und für immer weitere Verbreitung der„Schwerter Zeitung“ mit bemüht sein zu wollen. Wir werden auch ferner für interessanten Unterhaltungsstoff Sorge tragen und namentlich den lokalen, den ländlichen und provinziellen Vorkommnissen erhöhte Beachtung schenken. Da die„Schwerter Zeitung“ das verbreitetste Blatt in Schwerte und Umgegend ist, so ist sie nicht nur allein das wirksamste, sondern auch das billigste Insertionsmittel, denn Preis und Wert der Anzeigen werden bekanntlich durch die Verbreitung einer Zeitung bedingt. Schwerte, 18. September 1891.