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Wöchentliche Gratisbeilage:„Familienfreund.“ Insertionsgebühr für die sechsspaltige Zeile oder deren Raum 10 Pfg., außerhalb des Leserkreises 15 Pfg.; Reklamen 30 Pfg. Redaktion, Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Nr. 76. Dienstag, 30. Juni 1891. Rd. Jahrgeng. Amtliche Bekanntmachungen. Bekanntmachung. Die Vakanzenliste in betreff der mit Zivilversorgungsberechtigten zu besetzenden Zivil=Dienststellen liegt auf dem Büreau des königlichen Landratsamts des Landkreises Dortmund zu Dortmund zur Einsichtnahme für die Beteiligten offen. Der Londrat: Geh. Regierungsrat von Rhnsch. Bekanntmachung. Der Rentmeister Herr Thiemann zu Lippholthausen ist zum Gemeindevorsteher von Lippholthausen für die Amtsperiode vom 1. April 1891 bis ebendahin 1897 gewählt, bestätigt und heute in sein Amt eingeführt worden, was ich hierdurch zur öffentlichen Kenninis bringe. Lünen, den 24. Juni 1891. Der Amtmann: Graf von Looz. Wo soll es noch hinaus? Ueber die schweren Drangsale, welche die evang.=luth. Geistlichen in Rußland unter Kaiser Alexander III. ausgesetzt sind, wird geschrieben, wie die Rhein.=Westfäl. Zeitung berichtet: Die kurländischen Pastoren Treu und Krause, die in zwei Instanzen freigesprochen waren, wurden vom Senat, der höchsten gerichtlichen Instanz Rußlands, zu achtmonatlichem Gefängnis verurteilt. Sie wandten sich, so berichtet die K. Ztg., im Gnadenwege an den Zaren und dieser hat das Urteil des Senats noch dahin verschärft, daß beide Pastoren für unfähig erklärt wurden, in den Ostseeprovinzen fernerhin ein geistliches Amt zu bekleiden. Die Schuld der beiden jetzt im Gefängnis schmachtenden und für die Zukunft dem Elende preisgegebenen Männer aber war, daß sie ihre Pfarrkinder ermahnt haben, sich treu und fest zur evangelischen Landeskirche zu halten. Wegen des gleichen Vergehens ist ein dritter evangelischer Prediger Kurlands, Pastor Eisenschmidt, Vater von acht Kindern, zum Verlust seiner Standesrechte und zur Verbannung nach Sibirien verurteilt worden. Nach Tomsk, an einem Nebenfluß des Ob, in berüchtigt rauher und unwirtlicher Gegend, soll der Unglückliche transportiert werden. Eben jetzt werden die Züge der Verbrecher in Bewegung gesetzt.— Ein vierter, Pastor Hörschelmann aus Haggars in Esthland ist zu 1 Sinnsprüche, Denksprüche, Sprichwörter 2c. „Der ist nicht flugs ein Edelmann, Der geboren ist aus großem Stamm.— Oder der Gold und Reichtum hat Und thut doch keine große That.— Die Tugend und die Höflichkeit Adelt den Menschen alle Zeit!—“ Jahr und 2 Monaten Gefängnis verurteilt worden.— Weiter ist über die unerhörten, zum Himmel schreienden Drangsalierungen der unglücklichen evangelischen Glaubensgenossen in den russischen Ostseeprovinzen folgendes zu berichten: Vor einigen Wochen wurde ein Freudenerlaß des Zaren über den Uebertritt der Großfürstin Elisabeth veröffentlicht. Wenngleich er in einer die Gefühle der lutherischen Unterthanen äußerst verletzenden Weise abgefaßt war, so konnte man ja niemand wehren, über diese traurige Konversion sich zu freuen. Vor einiger Zeit verlautete, daß die lutherischen Pastoren würden gezwungen werden, diesen Freudenerguß vor ihren Gemeinden zu verlesen. Trotz aller Erfahrungen von brutaler Gewalt, wollte es doch niemand recht glauben. Da kam zuerst der Befehl an sämtliche lutherische Beamte oder irgendwie offizielle Persönlichkeiten, der Freudenfeier in der griechischen Kirche beizuwohnen. Als sie es unterließen, wurden sie in russischen Zeitschriften verdächtigt Jetzt ist der Befehl wirklich an die Konsistorien angelangt, die Veröffentlichung des Erlasses in den Kirchen den Pastoren vorzuschreiben. Man ist vielfach entschlossen, den Befehl nicht auszuführen. Unterbleibt es, so ist die Auflösung der Konsistorien das Wahrscheinliche. Kommt aber der Befehl an die Pastoren, so werden die meisten ihn nicht erfüllen.— Es mag der Prinzeß Elisabeth doch noch heiß auf das Gewissen fallen, wenn sie jetzt sieht, in welcher Weise ihr Uebertritt von den Russen gegen die evangelische Kirche ausgebeutet wird und welche furchtbaren Bedrängnisse und Qualen infolgedessen wohl über die Evangelischen hereinbrechen werden. Wie muß da der Dame zu Mute werden, die sich sagen muß: das hast du durch deinen Uebertritt hervorgerufen. Wir hatten kürzlich Gelegenheit, auf der Generalversammlung des christlichen Vereins zur Hebung der öffentlichen Sittlichkeit in Dortmund am 10. Juni den Generalsekretär des Vereins Pastor Keller zu hören. Derselbe war bis vor kurzem evangelischer Pastor in der Krim, eine Halbinsel in Südrußland. Lediglich die brutale Gewalt des russischen Regiments, von der er eine Verbannung nach Sibirien befürchten mußte, hat ihn von dort vertrieben. Haarsträubende Dinge wußte er zu erzählen zum Entsetzen der zahlreichen Versammlung. So kommt eine Mutter zu einem evangelischen Geistlichen mit der flehentlichen Bitte, ihr Kind evangelisch taufen zu wollen, da sie auf keinen Fall dasselbe der griechischkatholischen oder russisch=orthodoxen Kirche übergeben wolle. Der Pastor sagt ihr, das dürfe er nicht, andernfalls würde er sofort nach Sibirien transportiert. Da schneidet die unglückliche Mutter ihrem Kinde den Hals durch, wirft es dem Pastor vor die Füße und sagt: So, wenn Sie es denn nicht evangelisch taufen wollen, so begraben Sie es. Kein Pastor darf dort seinen Konfirmanden das Versprechen abnehmen, der evangelischen Kirche treu zu bleiben und nicht zur orthodoxen Kirche überzutreten. Wenn das bekannt wird, droht ihm Sibirien. Wo soll es noch hinaus? Wir hoffen auf unsern Kaiser, der für seine bedrängten Glaubensgenossen beim großmächtigen Zaren in Rußland ein ernstes Wort einlegen wird. Die Hohenzollern haben sich je und je als Schirmherren der Protestanten erwiesen. Wir wollen hier nur hinweisen auf den großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, für den unser Kaiser eine ganz besondere Hochachtung und Verehrung hat. Wiederholt verwandte sich der große Kurfürst beim Kaiser Leopold I. für die schlesischen Protestanten. Ebenso nahm er sich der bedrückten Glaubensgenossen in Posen an. Nicht minder herzliche Teilnahme widmete er den grausam mißhandelten Evangelischen in Ungarn und beklagte sich beim Kaiser darüber, daß die Türken noch ein größeres Maß von Religionsfreiheit gewährten, als der katholische Kaiser es seinen evangelischen Unterthanen angedeihen lasse. Die hochherzigste That seiner Regierung war die Aufnahme der aus Frankreich durch die Aufhebung des Ediktes von Nantes vertriebenen Hugenotten(22. Oktober 1685). Schon am 29. Oktober desselben Jahres erließ er ein Edikt von Potsdam, demzufolge gegen 20000 vertriebene Protestanten gastliche Aufnahme in seinem Reiche fanden, für die in der liebevollsten Weise gesorgt wurde. Eher, sagte der große Kurfürst, soll man mein Tafelgerät verkaufen, als daß man sie ohne Hilfe ließe. Noch auf seinem Sterbelager empfahl er seinem Sohne und Nachfolger die französischen Flüchtlinge, die er wie seine angenommenen Kinder ansehe. So sind wir gewiß, daß auch unser Kaiser, wenn er in diesem Sommer mit dem Zaren zusammentrifft, ein Wort reden wird zu gunsten der drangsalierten Evangelischen in Rußland. Die zweijährige Dienstzeit in Frankreich. Entgegen der bisher von den meisten militärischen Zeitschriften Frankreichs vertretenen Ansicht, daß Frankrich nicht daran zu denken brauche, die dreijährige Dienstzeit herabzusetzen, weil die vorhandenen Stämme die Heranziehung sämtlicher Dienstpflichtigen gestatteten, behauptet neuestens die Zeitschrift„La France militaire" das Gegenteil Der zwingende Grund würde in der auf die bürgerlichen Verhältnisse der Dienstpflichtigen und auf die öffentliche Meinung zu nehmenden Rücksicht liegen. Daneben aber wird betont, daß eine so kurze Dienstdauer, wenn sie auch zur Ausbildung hinreichend sei, nicht genüge, um den Soldaten zu erziehen. Wenn die öffentlichen Schulen dem Heeresdienste in der Weise vorarbeiteten, daß die Neueintretenden diejenige Auffassung ihrer Pflichten mitbrächten, welche sie sich gegenwärtig erst unter den Fahnen zu eigen machen müßten, so würde es möglich sein, sie in zwei Jahren von der Notwendigkeit der Disziplin zu überzeugen und ihnen die berufsmäßige Ausbildung zu Teil werden zu lassen; jetzt aber gehe dies noch nicht an. Inzwischen möge man für tüchtige Unteroffiziere und für möglichst einfache Dienstvorschriften sorgen. Im Bann der Lüge. Erzählung von D. Russell. (Fortsetzung.) Neunundvierzigstes Kapitel. Eine stürmische Nacht. Alwin war fort. Rose hatte ihm das Geleit gegeben, und ich hörte, daß sie vor der Thür noch flüsternd einige Worte sprachen. Dann kam Rose zurück und erwähnte im Verlaufe des Abends Alwins Namen nicht mehr. Aber sie war seltsam unruhig und stand häufig auf und schaute in die dunkle Nacht hinaus. Der Wind heulte am Abend stärker um das Haus und der Regen schlug prasselnd an die Fenster. „Welch ein schrecklicher Sturm!“ sagte Rose. „Er wird doch kein Unglück anrichten, Margarethe?“ „Ich denke nicht, Liebe,“ antwortete ich. „Vielleicht läßt das Rauschen der Bäume das Unwetter schlimmer erscheinen als es ist. Wie es heult!“ Wir blieben nicht lange auf. Um elf Uhr wurde das Haus für die Nacht geschlossen und Rose und ich zogen uns in ursere Schlafzimmer zurück. Aber obwohl ich mich müde und angegriffen fühlte, kam doch kein Schlaf in meine Augen. Die Ereignisse des Tages zogen in bunter Reihenfolge an meinem Geiste vorüber, und so oft mich ein leichter Schlummer umfangen wollte, wurde ich durch das Toben des Sturmes wieder daraus erweckt. Plötzlich war es mir, als vernähme ich inmitten des Lärmes draußen ein Geräusch auf dem Korridor — es klang wie das Oeffnen und Schließen einer Thür. Sollte Rose etwas geschehen sein— oder war ein Fremder im Hause? In meiner überreizten Phantasie stiegen plötzlich schreckliche Bilder auf; ich sprang hastig von meinem Lager auf, warf einige Kleidungsstücke über und trat mit der brennenden Kerze in der Hand klopfenden Herzens auf den Flur hinaus. Ein Lichtschimmer huschte vor mir her über die Treppenstufen, und als ich leise näher schritt und mich über das Geländer lehnte, hätte ich beinahe einen Ruf des Schreckens ausgestoßen. War es ein Traum, was ich sah? Täuschten mich meine Augen oder stand dort wirklich Rose, meine Schwester, in Reisekleidern, bemüht, mit zitternden, unsicheren Händen die Hausthür zu öffnen? In Todesangst flog ich die Treppe hinunter, stürzte auf sie zu und umklammerte ihren Arm. „Rose! Rose! was machst Du— was willst Du thun?" Sie wandte sich nach mir um und ihre Hände sanken schlaff hernieder. Halb trotzig, halb beschämt gab sie zur Antwort: „Es wäre vergeblich, Dich nun noch täuschen zu wollen, Margarethe— ich gehe mit Alwin.“ „Mit Alwin!“ wiederholte ich entsetzt.„Rose, kannst Du so schlecht sein?“ „Was bleibt mir anders übrig?“ antwortete sie bitter.„Glaubst Du, ich könne hierbleiben und mich von den guten Leuten bedauern und verhöhnen lassen? Nein— Alwin wartet— laß mich zu ihm gehen, Margarethe— und vergiß mich, wenn Du kannst.“ Sie machte von neuem den Versuch, das Schloß zu öffnen, aber ich sank vor der Hausthür nieder und schlang die Arme um ihre Kniee, entschlossen, ihr den Ausgang zu wehren. „Rose, thue es nicht— bleibe hier!“ bat ich flehend;„verlaß Dein Geburtshaus nicht im Dunkel der Nacht— zu Deinem eigenen Verderben! Denke an unsern Vater, an unsere gute Mutter— willst Du ihren Namen für immer mit Schande bedecken?" Sie zögerte, sie schwankte, und ich sprang schnell auf meine Füße. „Ist Alwin draußen?" fragte ich;„wenn ja, so laß ihn hereinkommen und sich mir gegenüber stellen, mir, deren Herz er beinahe gebrochen hat und der er jetzt auch das Teuerste rauben will, das sie noch auf Erden besitzt!“ „Dir, Margarethe? Du hast doch sicherlich nie etwas mit Alwin gehabt?“ Ich entfernte mit zitternder Hast die Kette und schob den schwiren Riegel zurück. Die Thür sprang auf— und da, kaum drei Schritte von der Schwelle entfernt, stand Alwin im strömenden Regen. Er wich zurück, als er mich sah, aber ich ergriff seine Hand und zog ihn auf den Flur.„Komm herein, Alwin, unb sprich jetzt endlich einmal die Wahrheit!" „Was soll dies alles?“ sagte er, erst Rose, dann mich ansehend.„Rose, wie kommt es, daß ich Margarethe hier finde?“ „Du sollst es erfahren!“ erwiderte ich, mit ihnen in das Eßzimmer tretend. Hier stellte ich das Licht auf den Tisch und wandte mich zu ihm. „Ist es wahr, Alwin? Wolltest Du Rose verleiten, in der Nacht mit Dir zu entfliehen?“ „Du weißt, was heute morgen geschehen ist,“ antwortete er.„Rose hat nun keine eigentliche Heimat mehr— hat sie durch meine Schuld verloren— und deshalb, wenn sie die meine teilen will—“ „Und was wird aus Deiner Frau?“ fragte ich zornig,„der Frau, welche Du um ihres Vermögens willen geheiratet und dann so grausam vernachlässigt hast?“ „Meine Frau hat mich verlassen—“ „Und Rose's guter Name?“ fuhr ich in gebrochenen Lauten fort.„Deine juage Kousine, welche Du schützen und schirmen solltest, willst Du in Schmach und Unehre bringen?“ „Margarethe, weshalb machst Du diese Szene?“ sagte Alwin.„Du, Du selbst hast uns erzählt, was bereits in der Nachbarschaft gesprochen wird. Rose hat nichts mehr zu verlieren—“ „Ausgenommen ihre Seele!“ rief ich leidenschaftlich. „Rose, höre nicht auf ihn, glaube ihm nicht— wie ich es einst gethan habe! Sieh, er hat meine Liebe zu gewinnen gewußt, hat sich heimlich mit mir verlobt und mir Tieue geschworen, um mich nach kurzer Zeit schon zu verlassen und Anna Bardow zu heiraten! Verstehst Du nun? Es waren nicht Deine Briefe, welche Anna an jenem Tage gelesen hat, sondern die, welche ich einst an ihn geschrieben hatte,— als ich ihn noch über alles liebte!“ Ich brach ab— von meiner Bewegung übermannt— und Rose nahm das Wort.„Ist das wahr?“ fragte sie in scharfem, völlig verändertem Tone, mit einem eisigen, durchbohrenden Blick auf Alwin. „Ja, Rose, es ist wahr; aber—“ „Und während dieser ganzen Zeit hast Du getäuscht— hast vorgegeben, Anna sei auf mich eifer: süchtig und habe Dich um meinetwillen verlassen?" „Ist es nicht die Wahrheit gewesen? Ihre Eiferucht auf Dich hatte sie veranlaßt, nach Briefen zu suchen, sonst hätte sie jene anderen nimmer gefunden. Ich leugne nicht, daß ich unrecht gegen Margarethe gehandelt habe, aber die Verhältnisse zwangen mich dazu— ich war mit Schulden überhäuft.“ „Und Du heiratetest Anna Bardow, um sie zu zahlen?“ sagte Rose verächtlich.„Dann hättest Du meines Erachtens dankbarer und nachsichtiger gegen sie sein sollen.“ Alwin schlug die Augen nieder und die Röte der Beschämung stieg in sein Gesicht. „Und um Dich,“ fuhr Rose bitter fort,—„um Margarethens Verlobten und Anna's Mann, habe ich mein Haus und Heim aufs Spiel gesetzt!“ „Du weißt, wie tief ich es bereue—“ „Deine Reue giebt mir nicht zurück, was ich durch Dich verlor!“ unterbrach sie ihn.„Hätte ich dies alles vorher gewußt— hättet Ihr mir die Wahrheit gesagt— ich würde jetzt noch in Wittelsberg sein! „So giebst Du mich auf?“ fragte Alwin. „Ja— oder glaubst Du, ich könnte dem Manne, der meine Schwester verraten hat, noch irgend etwas zu sagen haben?“ Und ohne ein Wort weiter— ohne einen Blick auf Alwin— ging Rose hinaus, und er und ich waren allein. „Geh, Alwin,“ sagte ich leise und teilnahmsvoll; es war mir peinlich, sehen zu müssen, wie beschämt Ein neuer Eisenbahnunfall in der Schweiz. Im Bortzberg=Tunnel auf der Linie BaselBrück sind am Donnerstag abend ein Güterund niebergedrüick er dastand.„Geh— Du wirst es überwinden.“ „Niemals, Margarethe,“ sagte er; dann wandte er sich von mir ab und schritt aus dem Zimmer, Gleich darauf hörte ich ihn das Haus verlassen, und als ich die Thür hinter ihm zuschloß, vernahm ich den Schall von Wagenrädern. Er war also heute nur gegangen, um alles zur Flucht vorzubereiten; der Wagen hatte draußen gehalten, und ohne mein Dazwischenkommen wäre Rose jetzt fort, rettungslos einem Leben der Reue und Selbstverachtung preisgegeben gewesen! Ich stahl mich die Treppe hinauf und ging zu ihr hinein. Sie saß im Dunkeln und weinte bitterlich, und ich zog sie an meine Brust, dos Herz voll Dankbarkeit gegen Gott, daß er mir vergönnt hatte, sie zu retten Sie lag noch in meinen Armen, manches zättliche Wort war zwischen uns getauscht worden, als wir Beide durch lautes und wiederholtes Klingeln an der Hausthür erschrickt wurden und deutlich eines Mannes Stimme zu uns heraufdrang. „Wer kann es sein?" fragte Rose, vor Furcht zusammenschauernd.„Doch nicht— Alwin?“ „Bleib hier,“ sagte ich,„ich will gehen und nachsehen.“ Und noch einmal nahm ich das Licht und stieg die Treppe hinab. Was stand uus bevor? Sollte diese stürmische und ereignisreiche Nacht noch mehr Unglück bringen? Fünfzigstes Kapitel. Ein Unfall. Während ich eilig die Halle durchschritt, wurde das Läuten ungestüm fortgesetzt.„Wer ist da?“ fragte ich laut. „Ich bin es,“ erwiderte der draußen Stehende, „der Postillon von der Extrapost, Madame. Der Wagen ist zerbrochen— umgestürzt in der Allee— und ich fürchte, der Herr ist tot.“ Ein Schrei drängte sich bei diesen Worten auf meine Lippen, aber ich unterdrückte ihn um Rose's willen und öffnete mit fliegender Eile die Thüc, um den mir wohlbekannten Postillon einzulassen. Des Mannes Gesicht war mit Schrammen bedeckt und blutbefleckt, sein Hut eingedrückt, und die ganze Erscheinung bekundete die Wahrheit seiner Aussage. „Das ist eine schlimme Geschichte, Fräulein,“ sagte er.„Einer von den großen Bäumen ist vom Sturme umgeschlagen und quer über den Weg geworfen worden. Ich konnte es nicht sehen wegen dem dichten Regen und fuhr darüber weg; es gab einen Krach und der Wagen stürzte um. Sobald ich wieder zu mir kam und mich aufrichten konnte, sah ich mich nach dem armen Herrn um. Ich zog ihn aus dem Wagen heraus und legte ihn seitwärts auf den Weg und rannte hierher nach Hilfe. Aber ich fürchte, es zug und ein Personenzug zusammengestoßen. Der Personenzug war abends 6 Uhr von Brück abgefahren, um sich nach Basel zu begeben. Im Boetzberg=Tunnel, 500 mi vom südlichen Ausgang, wurde die Maschine defekt und versagte den Dienst. Der Zug fuhr nach längerem Stillstand rückwärts nach dem Ausgang des Tunnels zu. Inzwischen war von Brück ein Güterzug abgelassen worden, da man glaubte, daß der Personenzug die Strecke längst passiert habe. Hierbei fuhr die Maschine des Güterzuges in das Ende des Personenzuges hinein, wo sich der Postwagen befand. Der Unfall nahm einen verhältnismäßig günstigen Verlauf, weil der Güterzug infolge des starken Ansteigens der Strecke sich sehr langsam bewegte. Verwundet wurden ein Kondukteur, ein Postbeamter ernstlich(derselbe erlitt Arm= und Beinbruch) und ein englischer Reisender leicht am Kopf. Der Post= und Gepäckwagen des Personenzuges sowie die Maschine des Güterzuges sind beschädigt. ohne Brot! Paris steht vor der Gefahr eines Bäckerstreiks! Ueber 6000 Pariser Bäckergesellen hatten sich am Donnerstag früh im TivoliVauxhall versammelt und faßten einstimmig den Beschluß, die Aufhebung der Vermittelungsbüreaux zu fordern und unverzüglich den Ausstand eintreten zu lassen. Nach der Versammlung bildeten die Teilnehmer an derselben einen Zug und beabsichtigten, sich nach der Arbeiterbörse zu begeben. Als das Vereinsbanner entrollt und Rufe:„Es lebe der Ausstand!“ laut wurden, schritt die Polizei ein und versuchte den Zug zu zerstreuen und des Banners habhaft zu werden. Hierdurch entstand ein ziemlich ernster Tumult, das Banner befand sich bald in Händen der Polizei, bald in denen der Bäckergesellen, welche letzteren schließlich in seinem Besitze blieben. Endlich löste sich der Zug auf und die Bäckergesellen erreichten einzeln die Arbeiterbörse.— Am Nachmittag hielten die Bäckergesellen eine zweite Verfammlung ab, die einen lärmenden Verlauf nahm. Man stritt darüber, ob der Ausstand noch am Donnerstag abend oder erst am Freitag früh beginnen solle. Schließlich kam man überein, eine Kommission zu ernennen, welche beauftragt werden sollte, Mittel zur Ueberwachung der Bäckereien zu finden, in denen die Arbeit fortgesetzt wurde, und die Arbeit in der Nacht von Donnerstag auf Freitag zu verhindern. Nach neueren Nachrichten ist der Ausstand kein allgemeiner geworden. Nur in einigen größeren Wertstätten feierten die Gehilfen. Trotzdem erscheint die Gefahr noch keineswegs beseitigt, da die Bäckergehilfen fest entschlossen sind, ihre Forderungen durchzuführen und dabei auf die Unterstützung der Schlächter und Kuchenbäcker rechnen. Die Regierung hat, wie bereits berichtet, alle Maßnahmen getroffen, um eine Unterbrechung in der Verproviantierung von Paris hintanzuhalten; allein die militärischen Proviantanstalten dürften im Ernstfalle hierzu nicht ausreichen, da sie augeblich nur imstande sind, den fünsten Teil des Brotes zu liefern, dessen Paris bedarf Deutsches Reich. Kaiser Wilhelm wird heute Montag Kiel wieder verlassen und sich nach Hamburg begeben, wo der Monarch mit seiner Gemahlin zusammentrifft. Nach einer Fahrt durch Ham burg erfolgt am Nachmittag die Reise nach der Insel Helgoland, wo großer Empfang stattfindet. Von Helgoland begeben sich beide Majestäten nach Wilhelmshaven, um dort am Dienstag dem Stapellauf eines neuen Panzerschiffes beizuwohnen, und treten hierauf die Reise nach Amsterdam zum Besuch der KöniginRegentin Emma von Holland an; Ende der Woche erfolgt dann die Ankunft in England. Der„Köln. Volksztg. zufolge hat eine Grenzterletzung bei Großmoyeuvoe(Lothringen) stattgefunden. Die dort beschäftigten Hochofenarbeiter(Luxemburger) überschritten bei Joeuf die französische Grenze. Auf dem Heimweg waren sie betrunken und überfielen am französischen Zollhause den Grenzaufseher, schleppten ihn auf deutsches Gebiet und brachten ihm 4 bis 5 Messerstiche bei; alsdann kehrten sie nach Großmoyeuvoe zurück. Das Oberlandesgericht in Breslau, als höchste Instanz, entschied heute, unter Verwer fung des gegenteiligen früheren Urteils, daß das Impfgesetz ein Zwangsgesetz sei. Dies Urteil steht im Widerspruch mit denjenigen verschiedener anderer Oberlandesgerichte. In Krakau herrscht große Aufregung über nachfolgenden Vorfall. Oesterreichische Deserteure, die nach Rußland geflohen waren, kamen über die Grenze und machten einen Einbruch im Gebäude des Korpskommando's, und drangen in das Büreau des Kommandanten, um sich vertraulicher Dokumente zu bemächtigen. Die Spitzbuben wurden gefangen. Die Unter suchung ergab, daß die Einbrecher nach der Flucht aus dem österreichischen Militärdienst von russischen Offizieren an der russischen Grenze erwartet und mit Kleidern und Einbruchswerkzeugen versehen wurden. Westfalen und Rheinland. Schwerte, 27. Juni. Zur Erleichterung des Besuchs der elektrotechnischen Ausstellung in Frankfurt a. M. werden laut einer Bekanntmachung der königl. Eisenbahndirektion in Elberfeld auf den Stationen, Altena, Arnsberg, Barmen, Barmen=Rittershausen, Deutz, Elberfeld, Hagen, Hilchenbach, Iserlohn, Laasphe, Lennep, Lüdenscheid, Remscheid, Schwelm, Siegen, Solingen und Warburg am 4. und 18. Juli, 1. und 22. August und 5. und 19. September d. J. Rückfahrtkarten 2. und 3. Klasse nach Frankfurt a. M., zu besonders erwäßigten Preisen mit einer um 2 Tage längeren als der gewöhnlichen Güttigkeitsdauer ausgegeben. Nähere Auskunft erteilen die Fahrkarten Ausgabestellen. Sümmern, 26. Juni. Der seit dem 11. ds. Mts. vermißte Lehrer Funke von hier, über dessen Verbleib die dicht an der Lenne auf einem Grundstück des Hohenlimburger Hütten=Vereins gefundenen Sachen als: Re* 5 volver, Giftflaschchen rc., kaum noch einen Zweifel aufkommen ließen, wurde heute morgen gegen 10 Uhr in dem kürzlich nicht benutzten Badehause genannter Fabrik tot aufgefunden. Jedenfalls ist die Leiche aus dem Lennewasser durch eine seitliche Oeffnung in den sonst verschlossenen Raum gelangt, doch wird erst die sofort eingeleitete polizeiliche Untersuchung endgültig zu ergeben haben, wo der Tod des Unglücklichen erfolgt ist und welche Umstände mitwirkten, dem 62jährigen, wegen eines unheilbaren Krebsleidens verzweifelnden Manne das Leben zu rauben.— Den Hinterbliebenen gab man über den Borfall telegraphische Nachricht. Wanne, 25. Juni. 169 Bergleute, Mitglieder des Krieger=Vereins Bickern=Crange, protestierten in einer öffentlichen Erklärung gegen das Gebahren der Bergarbeiterführer sozialdemokratischer Färbung auf dem Pariser Kongreß und bei den Bergarbeiterversammlungen, dabei betonend, daß es Pflicht eines jeden Kriegers und ehemaligen Soldaten sei, sich von derartigen Umtrieben fern zu halten. Lebhaft wird bedauert, daß ein folcher Protest nicht schon längst von der größeren Mehrzahl der deutschen Bergleute öffentlich kundgegeben sei. Gedern bei Witten, 23. Juni. Drei Maurergesellen aus Witten machten gestern nachmittag einen Spaziergang an dem Gestade der Ruhr entlang. Da wandelte einem die Lust zum Baden an. Wie sich der kühne Schwimmer etwa in der Mitte des Flusses befand, der infolge des starken Regens angeschwollen war, verschwand er plötzlich und kam nicht wieder zum Vorschein. Ein Schlagfluß mußte seinem Leben ein plötzliches Ziel gesetzt haben. Heute morgen wurde die Leiche des Unglücklichen auf einer der Krippen aufgefunden, woselbst sie die Strömung angetrieben hatte. Sie wurde ins Leichenhaus nach Wetter gebracht. Der Unglücksfall mahnt wieder daran, beim Baden in der Ruhr recht vorsichtig zu sein. Silschede, 24. Juni. Den großen Rohrbrüchen der Wasserleitungen von Dortmund und Hagen hat sich heute als dritter im Bunde ein solcher der Barmer Wasserleitung gesellt. In einem hiesigen Roggenfelde spritzte heute früh 6½ Uhr zur Ueberraschung vorübergehender Bergleute das Wasser hoch auf. Bochum, 23. Juni. Am Montag abend gegen 11 Uhr ereignete sich auf dem neuen Stahlwerke ein schrecklicher Unglücksfall. Durch Unkenntnis eines Jungen in der Handhabung des sog. Klaviers, welcher, nebenbei bemerkt, seine erste Schicht machte, sind durch das unvorsichtige Ausschütten des glühenden Eisens aus der Gießpfanne 5 Arbeiter zum Teil sehr schwer verbrannt, besonders der Maurer Hildebrand, welcher sich in unmittelbarer Nähe der Gießpfanne befand, ist so schwer verletzt, daß derselbe in das Krankenhaus gebracht werden mußte. H., dessen Familie aus 6 Personen besteht, dürfte schwerlich mit dem Leben davonkommen. erne, 25. Juni. Hier ist die Pockenkrankheit ausgebrochen und hat der Gemeindevorstand demzufolge die Erbauung einer provisorischen Krankenbaracke angeordnet. Es sind alle nur möglichen Vorbereitungen getroffen, um ein Umsichgreifen der verderblichen Krankheit vorzubeugen. Bis jetzt ist ein Todesfall an Pocken zu konstatieren. Gevelsberg, 24. Juni. Ein seltener oder vielleicht noch nicht dagewesener Fall ist von hier aus dem Tierleben zu berichten. Der Schweizer des Oekonomen Niedernberg am Ufer vernahm in einer weiten Abflußröhre des Kuhstalles ein eigentümliches Geräusch und forschte nach der Ursache desselben. Zu seinem größten Erstaunen beförderte er sieben junge Iltisse aus der Röhre. Nun wurde die Falle aufgestellt, um auch der Alten habhaft zu werden. Am nächsten Tage fand man auch richtig idie Iltismutter mit dem Schenkel des linken Hinterfußes im Tellereisen vor. Man brachte nun die Juugen in ihre Nähe, um zu sehen, was sie anfangen würde. Kaum hörte dieselbe das Gewinsel der Jungen, als sie sich in der Falle herumwarf und so legte, daß die Jungen säugen konnten. Gerührt von dem Vorfalle hätte man gern die Alte, bei welcher trotz des Schmerzes die Mutterliebe siegte, am ist alles aus. Armer Herr! Und ich konnte doch wahrhaftig nicht dafür." Ich war kaum im stande, den Bericht d's Mannes zu Ende zu hören. Längst hatte ich die Glocke im Flur gezogen, um die Dienerschaft herbeizurufen, und gab nun schnelle Befehle, dem Kutscher zu folgen und den Verunglückten behutsam ins Haus zu schaffen. Die schmerzlichsten Gefühle bestürmten mein Herz, während ich Minuten lang in bangem Harren vor der offenen Hausthür stand, bis näherkommende Stimmen mir die Rückkehr der Leute verkündeten. Ich eilte ihnen über den Hof entgegen und nahm Alwins kalte, leblose Hand in die meine. Er lag bewegungslos, mit geschlossenen Augen, und selbst in der durch die Laternen nur matterhellten Dunkelheit konnte ich eine klaffende Wunde an seiner Stirn bemerken; aber als sie ihn in der Halle niedersetzten und ich die Hand auf sein Herz legte, fühlte ich— o mein Gott, wie darkte ich Dir in jenem Augenblicke!—, daß noch nicht alle Hoffnung verloren, daß noch Leben in ihm war. Rose war zu uns getreten, blaß und verstört, — kein Wort gab Zeugnis von dem Jammer, der ihr Inneres erfüllte. Ich küßte sie und flüsterte weinend:„Er ist nicht tot, Rose— Gott wird das Schlimmste verhüten.“ Dann ließen wir ihn in eines der Besuchozimmer bringen und blieben bei ihm bis zur Ankunft des Doktors, zu dem sofort ein Bote abgeschickt war. Nach einem teilnehmenden Blick auf Rose's farbloses Gesicht schritt Doktor Kappmann zur Untersuchung des Kranken.„Der arme junge Mann hat jedenfalls eine Gehirnerschütterung erlitten,“ sagte er leise zu mir;„aber ich glaube nicht, daß noch andere innere Verletzungen stattgefunden haben. Soweit ich es jetzt zu beurteilen vermag, wird sein Leben erhalten bleiben.“ Ich teilte Rose diesen tröstlichen Ausspruch des Arztes mit und bat sie, sich nun schlafen zu legen. Sie gehorchte widerstandslos, und ich benutzte die nächste Stunde dazu, meinen Anzug zu vollenden und zwei Telegramme— eins an Alwins Mutter und eins an Werner— aufzusetzen. Auch an Herrn von Wittelsberg schrieb ich einige Zeilen, um ihn von dem Vorgefallenen in Kenutnis zu setzen; denn ich wußte wohl, daß die schmähsücht'ge Welt bemüht sein würde, dieses Ereignis zu Rose's Nachteil auszubeuten, und deshalb sollte er hören, daß Alwin am Abend abgereist und unterwegs verunglückt war. Nachdem dies geschehen, kehrte ich zu Alwin zurück. Er lag noch genau so, wie ich ihn verlassen hatte— er sprach weder, noch bewegte er sich; nur von Zeit zu Zeit kam ein leises Stöhnen über seine Lippen. Einmal ging ich auch zu Rose hinauf. Sie hatte nur wenig geschlafen und war ganz niedergebengt durch die Erlebnisse dieses Tages. „Armer Alwin!“ sagte sie wiederholt.„Wenn ich mit ihm gegangen wäre, Margarethe, hätte ich bei dem Unfall vielleicht mein Leben verloren. Du rettetest mich!“ Und sie drückte erschaudernd ihr Haupt in die Kissen. Im Laufe des Nachmittags kam eine Depesche von Werner Garsthal und um 9 Uhr abends traf Werner selbst ein. Er ließ sich sogleich in das Krankenzimmer führen und blickte lange und ängstlich auf. Alwins blasses, stilles Gesicht. „Armer, armer Bruder!“ sagte er tiefbewegt „Wie kam er dazu, bei solchem Unwetter abzureisen?“ Wie konnte ich ihm die traurige Geschichte erzählen? Ich schwieg, und dann fragte mich Werner nach einer kurzen Pause:„Hast Du seine Frau benachrichtigt?“ Nein, ich hatte es nicht gethan, denn ich fühlte, daß wir ihr Wahrheit schuldig waren, weni sie kam, und doch durfte sie dieselbe nie erfahren. „So will ich an sie schreiben, wenn Du es erlaubst, Margarethe. „Das ist sehr freundlich von Dir. Aber, Werner ich habe Dir noch eine andere betrübende Mitteilung zu machen: Rose hat sich mit ihrem Manne entzweit und hat Schloß Wittelsberg verlassen.“ „Aus welchem Grunde?“ fragte Werner scharf, und als ich zögerte, fügte er hinzu:„Doch nicht um Alwins willen, Margarethe?“ „Ich fürchte, es ist so. Ein Brief, den Rose an Alwin geschlieben und in welchem sie leichtsinnig und unbedacht über ihren Mann gesprochen hat, ist in des Barons Hände gelangt. Er kam in furchtbarer Aufregung hierher, Rose reizte ihn noch mehr, und das Ende war, daß er ihr für immer das Haus verbot.“ „Lieber Himmel!“ rief Werner aufspringend. „Wie viel Elend doch durch die erbärmliche Eitelkeit mancher Männer heraufbeschworen wird!“ Und dann erinnerle er sich an Alwins Zustand.„Armer Junge, — wir können ihm jetzt keine Vorwürfe machen— nur Mitleid fühlen. Aber meines Erachtens muß seine Frau jedenfalls hören, wie es mit ihm steht.“ So schrieb er an sie. Ich war gespannt, wie Anna diese Nachricht aufnehmen, ob sie Alwin ihre Liebe wiederschenken würde, wenn sie ihn so krank und hilflos sähe. Rose hatte es gethan, glaube ich — wenigstens hatte sie ihm vergeben und sprach zärtlich und mittleidsvoll von ihm. „Was hat er denn schließlich so Böses gethan?" sagte sie.„Er hat Dich geliebt und ein anderes, reicheres Mädchen geheiratet, weil er zu sehr verschuldet war. Hunderte von Männern würden ebenso gehandelt haben, und ich, welche selbst um des Geldes willen gehetratet, habe am wenigsten Ursache, ihn hart zu beurteilen. Ohne Anna's Eifersucht könnte er heute noch glückiich mit ihr leben.“ „Er hat doch manches Unrecht begangen,“ sagte ich ernst. „Weil er so schön war!“ rief Rose, den Kopf erhebend und in ihrer alten, spöttischen Weise sprechend. „Wenn er eine Stumpfnase und rotes Haar gehabt hätte, glaubst Du, daß irgend jemand eifersüchtig auf ihn gewesen wäre? Ich sicher nicht!“ „Dann wünschte ich, er hätte eine Stumpfnase und rotes Haar gehabt, Rose.“ „Es würde vermutlich besser gewesen sein. Aber — da wir eben von roten Haaren sprichen— hast Du inzwischen etwas aus Wittelsberg gehört, Margarethe?“ „Nicht ein Wort,“ antwortete ich; denn der Baron hatte keine Notiz von meinem Briefe genommen, und so hielt ich es für besser, Rose gar nicht zu erzählen, daß ich geschrieben hatte. * Die Nacht verging, ohne daß eine Aenderung in Alwins Zustande eingetreten wäre, und früh am Morgen langte seine Mutter in Heydorf an. Beim Anblick der leblos hingestreckten Gestalt schrie sie auf.„Ihr habt mich getäuscht! Mein Sohn, mein Sohn, habe ich Dich verloren?" Und sie sank laut weinend neben dem Bette nieder. Wir konnten sie kaum überzeugen, daß er noch lebte. Starr und thränenlos saß sie an seinem Lager, ihr Auge keinen Moment von seinem geliebten Gesicht erhebend und eifersüchtig auf jeden, welcher sich ihm nahte. Und als der Tag weiter vorrückte, begannen sich schwache Lebenszeichen zu zeigen, und endlich öffnete er die Augen und schien seine Mutter zu erkennen. „Er kennt mich!“ rief sie voll Freude. Sein Blick wanderte zu mir.„Margarethe!" murmelte er, und ich trat hinzu und nahm seine Hand. „Lieber Alwin!“ sagte ich, und ich sah, er erinnerte sich und wußt, daß ihm vergeben war. (Fortsetzung folgt.) Leben gelassen. Da aber die Räuberfamilie nächstens manchen Raub hätte ausführen können, machte man ihr den Garaus. Münster, 26. Juni. In dem LutherBuch=Fälschungs=Prozeß erhielt Wirt Korte neun Mon. Gefängnis wegen Betrugs=Versuchs, Graveur Hack ebenfalls neun Monate wegen Teilnahme. Korte wurden noch 1000 Mark Geldbuße nebst den Kosten auferlegt. Das Buch wurde eingezogen. Essen, 24. Juni. Eine interessante Radtour traten vier Mitglieder des Essener Radfahrvereins heute an. Die Fahrt geht von hier über Wesel, Emmerich, Arnheim, Utrecht, Amsterdam, Haarlem, Leiden, Haag, Scheveningen, Rotterdam, Dordrecht, Nymwegen über Cleve, Crefeld zurück und sind hierfür fünf bis sechs Tage angesetzt Die holländischen Sportsgenossen sind von der Tour in Kenntnis gesetzt worden und haben sich bereitwilligst zur Verfügung der deutschen Fahrer gestellt und einen herzlichen Empfang zugesichert. Mülheim a. Rh., 25. Juni. Ein Weichensteller saß gestern abend gegen 7 Uhr mit seiner Frau und dem 6jährigen Söhnchen vor seiner Hausthür, als ein Ackerer an ihnen vorüberfuhr. Scherzweise sagte der Vater zu seinem Knäblein, er wolle es vom Ackerer mitnehmen lassen, wenn es nicht artig sei. Der Fuhrmann, der dem ihm lieben Jungen eine Freude machen wollte, holte den Kleinen und setzte ihn auf das Pferd. Kaum war dies geschehen, als das Tier plötzlich unruhig wurde, ausschlug und durchging. Der Kleine stürzte herunter und zwar zwischen Pferd und Deichsel. Hierbei muß das unglückliche Kind einen Schlag von dem Pferde erhalten haben, denn als die Eltern das an einer Kopfwunde blutende Kind aufhoben, war es bereits tot. Aachen, 27. Juni. Auf der Grube „Gouley" bei Aachen brach ein Pfeiler. Durch das nachstürzende Gestein wurde ein Bergmann verschüttet und jedenfalls schwer verletzt oder getötet. Zur Bergung des Mannes sind sofort umfassende Maßregeln getroffen worden. Cleve, 24. Juni. Gestern und vorgestern fand eine sorgfältige Untersuchung der bei Griethausen über den alten Rhein führenden eisernen Brücke statt. Die Betriebsverwaltung hatte zu diesem Zwecke einen Zug aus drei der schwersten Lokomotiven und zehn schwer beladenen Güterwagen zusammensetzen lassen, welcher zur Probe mit größter Geschwindigkeit über die Brücke eilte. Die Untersuchung hatte der„Krefelder Ztg. zufolge das beste Ergebnis, indem die Bewegung der Eisenteile durchaus den natürlichen Gesetzen entsprach. Von der Lahn, 26. Juni. Ein interessantes Produkt der abnormen Witterung, welche seit Ende November v. J. bis jetzt geherrscht hat, befindet sich im Innern eines bei der Eisenbahnstation Aumenau im Freien lagernden Eisensteinhaufens. In demselben sind die etwa 1,5 Meter unter der Oberfläche liegenden Massen heute noch zusammengefroren und am 15. d. Mts. waren sie es noch in dem Grade, daß das beabsichtigte Verladen derselben in die Eisenbahnwagen wegen ihrer durch das Zusammenfrieren erlangten großen Festigkeit unterbleiben mußte. Cochem, 23. Juni. Auf telegraphische Anweisung von Koblenz aus wurde heute morgen in dem Zuge, der nach 7 Uhr hier anlangte, ein Frauenzimmer verhaftet, das sich bei der Festnahme als Mannsperson entpuppte. Bekleidet war die Person mit einem Regenmantel; um den Kopf trug sie ein wollenes Tuch, in der einen Hand hatte sie einen Schirm, in der andern ein Täschchen. Jedenfalls hat die betreffende Person Ursache, das Licht zu scheuen. Man vermutet der„Kobl. Vztg. zufolge in demselben den wegen Totschlags zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilten, jetzt schon zum zweitenmale aus dem Zuchthaus zu Diez entsprungenen Emanuel Schmidt von Sayn abgefaßt zu haben. Saarburg, 27. Juni. Als neuester Fortschritt kann von hier mitgeteilt werden, daß ein hiesiger Schornsteinfeger ein Veloziped benutzt, um schneller zu seinen rußigen Arbeiten in der Umgegend gelangen zu können. Es gewährt einen recht heiteren Anblick, den schwarzen Gesellen, das Handwerkszeug auf dem Rade geschnallt, vorbeijagen zu sehen. Von der Saar, 22. Juni. Eine Bergmannsfamilie in Dudweiler stellte eine mit Wasser angefüllte Waschbütte vor das Bett ihres anderthalbjährigen Kindes. Während ihrer Abwesenheit fiel das Kind in das Gefäß und ertrank. Frankfurt a. M., 22. Juni. Auf der Post wurden in letzter Zeit viele Beschwerden wegen nicht angekommener Briefe laut. Den Nachforschungen der Postverwaltung gelang es nun den Briefmarder in der Person eines 21jährigen Briefträgers zu ermitteln, der zur Haft gebracht wurde. Frankfurt a. M., 25. Juni. Der schreckliche Vorfall im Bärenzwinger des zoologischen Gartens, wo eine Frau durch den Gsbären zerfleischt und getötet wurde, wird zur Folge haben, daß die Wächter des Gartens mit Schußwaffen ausgerüstet werden; denn wäre dies der Fall gewesen, so würde das Leben der armen Irrsinnigen vermutlich durch Erschießen des Bären gerettet worden sein. Gewitterunfälle. Schwerte, 27. Juni. Eine ständige Rubrik in den Zeitungen bilden jetzt die überall mit Hefisset: austretenden Gewitter. Nach einer drückenden Schwüle am gestrigen Morgen zog nachmittags kurz nach 3 Uhr ein schweres Gewitter über unsere Stadt, verbunden mit wolkenbruchartigen Regengüssen. Die Blitze folgten in unheimlicher Schnelligkeit auf einander, haben aber im großen und ganzen verhältnismäßig wenig Schaden in hiesiger Stadt angerichtet. Ein sogenannter kalter Strahl traf das Dach des evang. Krankenhauses und schleuderte einige Steine aus der Giebelwand. Ebenso traf ein kalter Schlag zwei Gebäude in der Nähe der Eisenindustrie, die Menage sehr viel guter Mutterboden liegt jetzt auf den Straßen. Dasselbe Vebiet, nämlich die Nordostseite unserer Stadt, weches schen in früheren Jahren so sehr durch Wolkenbruche geschädigt worden ist, ist auch diesmal wieder aig mitgenommen. Netterbach und Lenne sind gewaltig im Wachsen.„„ Vom Rhein, 27. Juni. Der gestrige Tag ist ein sehr gewitterreicher gewesen, vielfach ist großer Schaden angerichtet. In Ehrenbreitenstein wurden eine Scheune eingerissen und die Straßen überschwemmt, so daß die Einwohner in die oberen Etagen flüchten mußten. Nach Pfaffendorf und sorchheim sind Pioniere zur Hilfeleistung ausein Volten zerrämmer. Bei Gesecke zerschweiterte scheringen an der oberen Mosel wurde ein Vater Saatenstand in Oesterreich. Die Sommersaaten, Gerste, Hafer, Sommerweizen und=Roggen, zeigen mit sehr wenigen Ausnahmen einen sehr erfreulichen, hoffnungsvollen Stand. Nach dem neuesten Saatenstandsbericht verspricht in Ungarn Weizen eine Mittelernte, Roggen mittelschwach, Wintergerste mittel, Sommergerste befriegend. Nach dem Stande der Saaten in RussischPolen wird dort eine mittlere Ernte erwartet. der Blitz eine Telegraphenstange und in Holzen wurde ein Mann durch den Blitz längere Zeit betäubt. Infolge der durch die hiesigen und auswärtigen Gewitter eingetretenen Regengüsse und Wolkenbrüche wurden der Ruhr ungeheure Wassermassen zugeführt. Dieselbe stieg um mehrere Fuß und führte allerhand Gegenstände, wie Balken 2c. mit sich. Daß das Gewitter auch in andern Gegenden arg gehaust hat, zeigen die nachstehend mitgeteilten Hiobsposten. Hörde, 27. Juni. Bei dem gestrigen schweren Gewitter schlug der Blitz in ein Wohnhaus auf der Kipsburg und zertrümmerte ein Fenster jedoch ohne weiteren Schaden anzurichten. Der das Gewitter begleitende starke Regen hat vielfach an den Gartenfrüchten erheblichen Schaden verurDortmund, 27. Juni. Das gestrige starke Gewitter hat im hi sigen Kreise erheblichen Schaden angerichtet. Der Regen ging in solchen Mengen nieder, daß die Kanalöffnungen nicht im stande waren, das Wasser zu fassen. Dasselbe überflutete die Straßen derartig, daß man z. B. in dem„Friggeschen“ Gäßchen, dem„Bissenkamp“ und einem Teile der Jakobstraße hätte bequem Kahn fahren können. Viele haben die Keller voll Wasser bekommen. Der Blitz hat an verschiedenen Stellen eingeschlagen. Ein solcher traf auch den Schornstein am Hause des Lehrers Herrn Keiner an der Kronenstraße. An dem früher Hüserschen Hause am Fredenbaum schlug es gleichfalls ein. Zwei in der Nähe befindliche Leute, die mit Bierabladen beschäftigt waren, wurden betäubt, der eine war eine Stunde später noch nicht zur Besinnung gelangt. Im hiesigen Krankenhause liegen drei Personen, welche bei dem gestrigen Gewitter zu schaden gekommen sind. Der eine hat erhebsiche Verletzungen am Kopfe erlitter. Auch die Nikolai=Schule ist gestern vom Blitz getroffen worden. Dorstfeld, 27. Juni. Das gestrige Unwetter hat hier vielfach Schaden angerichtet. Zunächst sei erwähnt, daß auf Zeche Karlsglück soviel Wasser eingedrungen ist, daß heute nicht gearbeitet werden kann. In der Nähe der Hahnenmühle sind auf dem Terrain der Frau Witwe Deusemann drei große Tagesbrüche entstanden, der eine wird kaum wieder zugefüllt werden können. Unter dem Terrain treibt die Zeche„Tremonia“ Bergbau. Die Straßen in der Nähe von Zeche „Karlsglück“ sind zerrissen, die Häuser wurden unter Wasser gesetzt, so daß in manchen Häusern der Schlamm fußhoch liegt. Verschiedene Gebäude wurden durch kalte Schläge getroffen. Die Saaten haben sehr gelitten, vielfach ist alles weggeschwemmt. Huckarde, 27. Juni. Bei dem gestrigen Gewitter schlug der Blitz in das Haus des Bergmanns Derendorf; es war jedoch ein kalter Schlag, der wenig Schaden anrichtete.„ 6 Eving, 27. Juni. Hier schlug ein Blitzstrahl in das Haus des Herrn Fr. Clodt. Letzterer war mit noch jemand im Keller mit Fässern beschäftigt und wurden dieselben von der Wucht des Schlages, welcher sich durch den Schornstein Eingang verschafft hatte, derartig zu Boden geschleudert und betäubt, daß Herr Dr. D'ham hinzugerufen werden mußte, welcher doch zum Glück nur eine Erschütterung, hervorgcrufen durch den Luftdruck, konstatierte, denn der Schlag war nur ein kalter gewesen. Das Haus ist inwendig ziemlich beschädigt worden. Brechten, 27. Juni. Hierselbst wurde der Bergmann Benthaus in seiner Wohnung in der Küche vom Blitz getotet. Der Verunglückte war 60 Jahre alt und hatte neun Kinder, von welchen das jüngste jetzt in die Schule gekommen ist. Cappenberg, 27. Juni. Bei Herrn Kreutzkamp schlug der Blitz in den Kursaal. Die größte Zahl der Kurgäste hatte einen Ausflug nach Werne unternommen, sodaß sich nur 7 Personen im Saale befanden. Diese gerieten zwar in großen Schrecken; einer Frau stürzte sogar das Kind, das sie auf dem Arme trug, herab, zum Glück ohne Schaden zu nehmen. Der Blitz hatte auf dem Boden liegendes Heu entzündet, Herr Kreutzkamp und sein Personal hatten aber die Geistesgegenwart, das Feuer im Keime zu ersticken; sonst dürfte die ganze Besitzung ein Raub der Flammen geworden sein..„ Guni 8.6. Niederhofen, 27. Juni. Gestern schlug der Blitz hier in eine Pappel, auf Zeche„Bickefeld“ wurde der Schornstein vom Blitz beschädigt. Rahm, 26. Juni. Gegen 4 Uhr wurden die hiesigen Bewohner und die emsigen Arbeiter auf dem Felde und in den Wiesen von einem plötzlich heftig eintretenden Unwetter überrascht, wie es wohl je einer erlebt hat. Die Garten= und Feldfrüchte sind arg mitgenommen, das Heu in den Wiesen ist hinweggespült, überhaupt alles von der Wasserflut arg beschädigt. Vom Blitzschlag zerschmettert wurden zwei Pappeln in der Nähe des alten Wohnhauses auf dem Hofe des Gutsbesitzers Niermann. Ein kalter Schlag ist in das neue Wohnhaus gefahren und hat das Dach etwas beschädigt. Von einem anderen Blitzschlag ist eine hohe Mauer an dem Garten des Brauereibesitzers Bergmann umgeworfen, so daß der Weg vorläufig gesperrt ist. Ein des Weges im heftigsten Regenstrom vorbeifahrender Flaschenbierhändler ist eben mit dem Schrecken davongekommen. Zum Glück ist niemand unter den Trümmern begraben. Ebenso hat der Blitz eine Mauer am Garten des Landwirts Frerich beschädigt. Beim hiesigen Bergmann Samm fuhr der Blitz im Schornsteine hernieder. Die Frau soll gelähmt sein und bis jetzt ihre Sprache noch nicht wieder haben. In einer hiefigen Weide fand man am Drahtzaun die Kuh des Sattler= weisters Trippe ia Wischelingen, ebenfalls vom Blitze „* mit seinen drei Söhnen von den Fluten fortgerissen; die Söhne wurden gerettet, der Vater ertrank. Der Bahnverkehr auf der Strecke Trier=Metz ist unterbrochen. Die Weinreben haben stellenweise durch das Unwetter sehr gelitten.— Durch einen Wolkenbruch ist der Eisenbahndamm zwischen Courcelles und Pange unterwaschen. Bei Teterschen ist der Tunnel zugeschwemmt. Beide Strecken sind unfahrbar.— Vom Eisenbahntunnel bei Hargarten ist das Portal eingestürzt, wodurch der Verkehr gehemmt ist.— Auf der Linie Bern=Luzern bei Langenau ist der Bahndamm auf etwa 30 bis 40 m in die Ilfis gestürzt. Die Verkehrsstörung wird voraussichtlich mehrere Tage währen. — Bei Much im Siegkreise erschlug der Blitz einen Mann und ein Pferd.— In der Umgegend des Bades Soden ist die gesamte Ernte vernichtet; verschiedene Kurbrunnen sind vollständig ersäuft und ganze Ländereien weggerissen.— Bei Gersheim (Pfalz) zerstörte das Wasser die Eisenbahnbrücke, infolgedessen die Passagiere umsteigen müssen.— In Niedergeilbach ist ein Haus eingestürzt; zwei Bewohner ertranken.— Aus Neuß wird gemeldet, daß ein Hagelschlag großen Schaden in den Feldern von Gleyn, Lüttenglehn, Scherfhausen anrichteten. Die Feldfrucht ist vollständig plattgeschlagen, die Gartengewächse sind vielfach vernichtet. Große Feldstrecken sind überschwemmt. Die in diesem Jahre schon wiederholt vorgekommenen heftigen Gewitter veranlassen uns, nachstehende — zum teil bekannte— Vorsichtsmaßregeln in Erinnerung zu bringen...., Iahnstuche anf(a Scth. 1. Hält man sich in der Wohnstube auf, so setze oder stelle man sich nicht in der Nähe des Ofens, der Thüre, der Fenster, der Kronleuchter, des Klaviers 2c, man lege auch alles Metall von sich ab wie Schlüssel, Messer, Uhren, und halte sich in der Mitte des Zimmers auf. Es ist auch ratsam, während eines starken Gewitters das Feuer im Ofen auszulöschen, weil der auffleigende Rauch em gules Eiszlliznulrzent. Ist. Preußische Klassen=Lotterie. (Ohne Gewähr.) Berlin, 26. Juni. Vormittags=Ziehung. 2 Gewinne von 15000+ auf Nr. 62038, 127 757, 1 Gewinn von 10 000 M auf Nr. 134 596, 5 Gewinne von 5000 M auf Nr. 37639, 49547, 78529, 138 487 und 150 927. — 27. Juni, Vormittags=Ziehung. 1 Gewinn von 40000 M anf Nr. 18512, 1 Gewinn von 15000 K aus Nr. 410, 1 Gewinn von 10000 M auf Nr. 112600, 3 Gewinne von 5000 M auf Nr. 166091, 169394 und 182756. Vermischtes. * Christenheit, schäme dich! In Chartum am Nil haben, wie die französische Zeitschrift„L'Afrique“ mitteilt, die Araber Entrüstungsversammlungen abgehalten, in welchen sie gegen den Schnapshandel der „Christen“ protestieren. Sie beratschlagen über Maßregeln, durch welche die Einfuhr von Sprirituosen in Afrika verhindert werden könnte, wobei sie grimmig auf die christlichen Völker schalten, welche hartnäckig das Land mit ihren höllischen Getränken überschwemmen, und beschlossen, daß alle, die bei diesem schändlichen Handel ertappt würden, ohne Gnade als Sklaven verkauft werden sollten. * Zur Theuerungsfrage wirft„ein kleiner Mann“ im Apoldaer Tageblatt die öffentliche Frage auf, wann endlich das Schweinefleisch billiger würde?„Seit Monaten bereits", so aufsteigende Rauch ein auter Elektrizitätsleiter ist. schreibt er,„sind die Einfuhrverbote aufgeWährend des Gewitters halte man immer ein Fenster hoben und der Preis für den Zentner Lebeudr damit wenn der Blitz einschlägt, die Menschen gewicht ist von 60 Mark auf 43 Mk. zurückoffen, vame, wenn der Stig einichlugt, die Menschen nicht in der erstickenden Luft umkommen; Luftzug im Zimmer vermeide man und ebenso das Hinaussehen aus dem geöffneten Fenster. Schon häufig ist es vorgekommen, daß die Menschen beim Hinaussehen vom Blitze erschlagen wurden. Man vermeide alle Räume, wo Gegenstände sind, welche Stickluft und Wasserdampf verbreiten, also Feuerherde, Schornsteine Wäsche, selbst die Nähe vieler Tiere und die Gesellschaft vieler Menschen 2. In den Straßen des Wohnorts gehe man in der Mitte und nicht an den Seiten, besonders vermeide man die Stellen, wo das Wasser in Güssen von den Ehe Dächern niederstürzt, oder wo Dachrinnen sich befinden. beim Landgericht in 3. Im Freien gehe man langsam und sei nicht erklärung der Ehe ängstlich. Laufen und Angst befördern Schweiß, der, wie alle Feuchtigkeiten, zu den El=ktrizitätsleitern gehört. Fährt oder reitet man, so steige man ab und gegangen, was auf das Pfund 17 Pfg. ausmacht, und doch ist hier das Schweinefleisch noch immer so teuer wie vorher.“ * In Bayern hat sich soeben ein neuer Fall der Ungiltigkeitserklärung einer in Norddeutschland geschlossenen Ehe ereignet. Ein zur Zeit in Nürnberg wohnhafter, aus einem bayerischen Orte gebürtigter Maurergeselle hatte im Jahre 1888 eine Ehe in Westfalen geschlossen. Jetzt hat er nun Nürnberg auf Ungiltigkeitsgeklagt, da er bei der Eheschließung nicht der in Artikel 33 des bayerischen Gesetzes über die Heimat, Verehelichung Vernehmen nach sind 300 Mutterschafe und 600 Lämmer prbseret..... a esiest tedd * In Coal=City(Staat Georgiva) versuchten sieben Verbrecher aus dem Gefängnis auszubrechen. Bei der Verfolgung kam es zu einem verzweifelten Kampfe, in welchem ein Aufseher, zwei Wächter und drei der Flüchtlinge getötet wurden. * Aus Paris, 18. Juni, schreibt man der Vossischen Zeitung: Diesen Nachmittag wurde der diamantene Eiffel-Turm in dem Saale der„Geschworenen Courtiers“ in der„Handelsbörse" versteigert. Der Juwelenhändler Martiu=Posno hatte unmittelbar vor der Eröffnung der Weltausstellung von 1888 aus Spekulation teils auf den erwarteten Schah, teils auf einen amerikanischen Milliardär, in dreihundertfacher Verkleinerung das Wunderwerk der Eisenkonstruktion in Diamanten und Silberfassung ausführen lassen. Allein die Spekulation mißglückte bis zum heutigen Tage vollständig. Unglücklicher und unkluger Weise hatte Martin=Posno den größten Teil der Diamonten von einem anderen„Courtier en Bijouterie“ entnommen, ohne sie zu bezahlen. Da sich kein Käufer gefunden hatte, legte der letztere Beschlag auf den Diamantenturm und drang auf dessen Versteigerung. Diese war nur von Juwelieren und ähnlichen Geschäftsleuten besucht. Der Hauptgläubiger war der Juwelenhändler Martin, welcher auch den Diamantenturm für 220000 Franks erstand. Das Angebot war 100000 Franks, steigerte sich bis auf 195000 Franks in Sätzen oder Sprüngen(sauts) von 5000 Franks, dann von 1000 Franks und schließlich von 500 Franks. Der Turm besteht aus 21000 Diamanten, im Gewicht von ungefähr 3000 Karat. Nur einige Brillanten wogen 2 Karat das Stück. Die bei weitem größere Masse der 21 000 Brillanten war sehr geringwertig, denn sonst würde der Turm einen ungefähren Wert von 1 Million gehabt haben. Der Käufer wird seinen Turm noch nicht auseinander nehmen lassen, sondern abwarten, ob er das kostbare Objekt nicht doch noch im ganzen verkaufen kann. Eine Detaillierung der Brillanten würde ungefähr einen Ueberschuß von 80 000 Franks ergeben. Badische 4 p3“. Eisenbahn=Anleihe von 1875Die nächste Ziehung findet am 8. Juli statt. Gegen den Koursverlust von ca. 4 pZt. bei der Auslosung übernimmt das Bankhaus Carl Neuburger, Berlin, Französische Straße 13, die Versicherung für eine Prämie von 9 Pfg. pro 100 Mark. Einladung zum Abonnement auf die Schwerter Der 1. Juli rückt heran und mit demselben der Beginn eines neuen Quartals. Da hört. Fährt oder reitet man, so steige man ab und Gesetzes über die Heimat, Verehelichung i gehe soweit als möglich vor dem Wagen oder neben Aufenthalt vorgeschriebenen Bestimmung nachgekomPferden her Außerdem vermeide man einzeln= unen sei manach nan der den Pferrrn gri:„Außtlugnt vetmeide man einzelnstehende Bäume, Getreidehaufen, die Nähe der Gewässer und der Tiere. Wer auf einem Berge ist, der eile ins Thal. Man stelle sich deshalb nicht unter Bäume, besonders Eichen, Pappeln und Nadelholzbäume. Es ist besser sich beregnen zu lassen, als der Gefahr aussetzen, bei einem trockenen Körper erschlagen zu werden. Für Gebäude gewährt der von Franklin erfundene Blitzableiter den besten Schutz; jedoch versäume man nicht, denselben ofters nachzusehen, ob er nicht sehlerhaft geworten Ist. 46 5. Neben den angegebenen Vorsichtsmaßregeln beobachte man die größte Ruhe und befehle man Leib und Seele, Hab und Gut dem allmächtigen und allgegenwärtigen Vater im Himmel, der auch Donner und Vlitz in seiner Hand hat und uns vor allem Unglück behüten und bewahren kann. Zur Die Filiale Frankfurt des Verbandes deutscher Posamentur=Arbeiter wurde polizeilich geschlossen. Weitere Schließuugen solcher, die Politik der Sozialdemokratie verfolgender Fachvereine stehen bevor. Infolge des Streiks der Bäcke gesellen in Paris wurden am Donnerstag abend die dem dortigen Gouvernement unterstellten Militärbäckereien angewiesen, 400 000 Kilo Brot nach Paris zu senden, welche Freitag vor Anbruch des Tages eintrafen. Eine Versammlung der Schlächtergesellen in Paris forderte den Generalstreik der Arbeiter in den Lebensmittelbranchen. Der Beschluß wird für bedeutungslos gehalten, da die Syndikatskammer der Schlächtergesellen dagegen, als von Lehrlingen gefaßt, protestiert. Die Kornträger der Docks in Dublin, sowie die Kärrner der dortigen großen Mühlenbesitzer haben die Arbeit eingestellt, der Betrieb ruht fast völlig. Auch die Gasarbeiter drohen mit einem Ausstand. Nennenswerte Tumulte sind bisher nicht vorgekommen. Vier Fünftel aller Weißblech=Fabriken von Südwales haben wegen Ueberfüllung der amerikanischen Märkte den Betrieb eingestellt. Etwa 30000 Personen sind obdachlos. 66 25,000 Eisenbahnarbeiter in Pennsylvanien kündigten den Ausstand an, wenn ihnen nicht eine Lohnerhöhung bewilligt werde. und Landwirtschaftliches. Vom Niederrhein. Eine eigentümliche Erscheinung beobachtet man in diesem Jahre am Weizen. Während Hafer sehr üppig und körnerreich steht und auch der Roggen, obmen sei, wonach von der Verwaltungsbehörde des Distrikts, in welchem der Mann seine Heimat hat, ein Zeugnis beizubringen ist, daß gegen die beabsichtigte Eheschließung keine in dem gegenwärtigen Gesetze begründeten Ehehindernisse vorliegen. Die Zivilkammer des Landgerichts hat, der Klage des Mannes entsprechend, die Ehe für ungiltig erklärt. Dem Vernehmen nach will die Ehefrau sich bei diesem Ausspruche nicht beruhigen. Hier hat also ein Ehemann das von ihm selbst verschuldete formelle Versehen benutzt, um sich seiner ihm in Deutschland rechtsgiltig angetrauten Ehefrau zu entledigen. * Der herrschaftliche Kutscher Tost in Schien erschoß drei seiner schlafenden Kinder, verletzte seine Ehefrau durch einen Revolverschuß und erhängte sich selbst auf dem Hausboden. Das Motiv der That war Dienstentlassung und Nahrungssorge. * Aus Thüringen wird geschrieben: Der Flecken Steinbach=Hallenberg im Kreise Schmalkalden ist in der glücklichen Lage, einen„Kaiser" als Totengräber, einen„König" als Nachtwächter, einen„Herzog“ als Ziegenhirten und einen„Markgrafen“ als Gänsehirten zu besitzen. * Bei dem diesjährigen Musterungsgeschäft im Regierungsbezirk Kassel hat sich gezeigt, daß die Listen der Militärpflichtigen des Jahrgangs 1871 erheblich geringere Gesamtzahlen gegen die Listen der Vorjahre aufwiesen; in den Kreisen Marburg und Melsungen z. B. betrug diese Minderzahl rund je etwa 100 Mann. Der Ausfall ist auf den Feldzug 1870/71 zurückzuführen. * Infolge Blitzschlags ist die Schäferei des Rittergutes Peterkau in Westpreußen abgebrannt. Dem wird es Zeit, unsere Freunde in Stadt und Land daran zu erinnern, daß heutigen Tages zu den Unentbehrlichkeiten des Lebens vor allem eine Zeitung gehört. In der That, wer gegenwärtig nicht in Vergessenheit inmitten der ihn umgebenden Kultur seine Tage verbringen will, der muß dafür sorgen, daß eine Zeitung den Weg zu seinem Hause findet. Was die„Schwerter Zeitung" bietet, ist ja bekannt. Wir werden auch ferner bemüht sein, uns des großen Vertrauens wert zu zeigen; wie bisher werden wir alles Wissenswerte in gedrängter Form zur Kenntnis unserer Leser bringen. Vorkommnisse im öffentlichen, lokalen und provinziellen Leben werden in erster Linie Berücksichtigung finden und werden wir durch Gewinnung eines ausgedehnten Korrespondentenkreises fernerhin in der Lage sein, den geehrten Lesern unserer Zeitung schnell und zuverlässig Bericht erstatten zu können. Nicht unerwähnt wollen wir an dieser Steue lassen, daß Mitteilungen von Privaten über Ereignisse, die auch in weiteren Kreisen interessieren, von uns mit Dank entgegen genommen werden und von der Redaktion die strengste Diskretion über Person und Namen des Verfassers zugesichert wird. Eine gute und spannende Erzählung: „Aus der Tiefe“. wird nach Beendigung der jetzigen Erzählung beginnen und sind wir überzengt, das Interesse der Leser auch in dieser Hinsicht befriedigt zu sehen. Da die„Schwerter Zeitung“ verbreitetste Blatt in Schwerte und Umgegend ist, so ist sie nicht nur allein das wirksamste, sondern auch das billigste Insertionsmittel, denn Preis und Wert der Anzeigen werden bekanntlich durch die Verbreitung einer Zeitung bedingt. Verlag und Redaktion der„Schwerter Zeitung". Schrußtermin zum Verkauf der Sörgel'schen Immobilien und Erteilung des definitiven Zuschlags Mittwoch, den 1. Juli, vormittags 10 Uhr, im Lokale des Herrn Wilh. von Lünen hier. Hohenschwert. seioter.. W74chdm uch schan gestern körnerreich steht und auch der Roggen, ob=8=—.= Hemer. 26. Jum. Nagorm un ncoen beretiu schon derseioe stellenweise durch den strengen Zwangsversteigerung nachmitag eimn kartes Gewiter über unsere Gegend Frost des vergangenen Winters etwas gelitten,(Iwunge verstrigerung ühr ein noch schwereies Unweter. Der Regen eraoß eine befriedigende Ernte mit Gottes Hilfe er Mittwoch, den 1. Juli, werde ich im hiesigen Pfandlokal 1 Sofa u. 1 Spitgll gegen bar versteigern. Hammecke, Vollziehungsbeamter. 4 Uhr ein noch schwelctes unwerter. Der blegen ergoß eine befriedigende Ernte mit Gott. ersich wolkenbruchartig, zeitweise mit Hagel vermischt und warten läßt, zeigt der Weizen vielfach reinerrichtete großen Schaden in Feld und Garten an, indem er den Boden wigschwenmte. Ein Strahl fuhr in das von 3 Familien bewohnte Einwohnerhaus des Landwirts H. Hücking in der Urbecke. Im Augenblick stand des Haus in Flammen. Die Hemer'sch: Freiwillige Bürgerfeuerwehr wurde alarmiert. Da auch aus der Nähe rasch Hilfe zur Stelle war, gelang es bald, das Feuer zu dämpfen und es brannte nur der Dachstuhl nieder.„(.. Stumde msärtAltena, 26. Juni. Ueber eine Stunde währte das Unwetter. Gleich Bächen stürzte das Wasser von den Bergen und drang in die Häuser der Kaldewei. Oben auf den Bergen haben die Früchte sehr gelitten; lei Kornansatz. Die Aehren des gut entwickelten Strohes gleichen der gemeinen Grasähre, sogenannte„Schmielen" bildend. Bereits haben die Bauern begonnen, denselben als solchen völlig unbrauchbaren Weizen abzumähen und als Futter zu verwenden. In der Umgegend von Süchteln sah man ganze Morgen, solchen der Sense vorzeitig zum Opfer falenren eizen, deren jeder Wert von sen der Seuse vorzeitig zum Pergamentpapier, iden Weizen, deren jeder einen zum luftdichten Verschließen der Einmindestens 120 Mark darstellte. machgefäße, empfiehlt CarlBraus. Gras=Verkauf „im Linscheid" verlegt auf Donnerstag, 2. Juli, 4 Uhr nachmittags. Freih. von Lilien's Gras=Verkauf. 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