□□ 16-7 PVNATNG Kreisblatt für den Kreis Hörde und den Landkreis Dortmund. Abonnements=Preis pro Quartal 1 Mark 50 Pfg. Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. Wöchentliche Gratisbeilage:„Familienfreund.“ Insertions gebühr für die sechsspaltige Zeile oder deren Raum 10 Pfg., außerhalb des Leserkreises 15 Pfg.; Reklamen 30 Pfg. Redaktion, Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Nr. 16. Schwerte, Donnerstag, 3. Februar 1891. e greuenoerenmemmme Dd. Johrgong. Amtliche Bekanntmachungen. des Sektions=Vorstandes der westfälischen landund forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft über die Ausgaben der Sektion Hörde für 1890. Im ganzen belaufen sich die Ausgaben für das Jahr 1890 auf 470,66 Mt., wovon auf die Genossenschaft 42,40 Mt. auf die Sektion 418,26 Mk. treffen. Hierauf kommt in Anrechnung der Ueberschuß aus dem Beitragszuschlag für 1889 mit 39,59 Mk., sodaß die für 1890 umzulegenden Ausgaben 431,07 Mk., beitragen. In der Sitzung des Sektions=Vorstandes vom 17. August 1890 ist der bei Titel V B Ziffer 2 liquidierte Betrag von 100 Mk. dem Kreisausschuß=Sekretär Templin für die Erledigung der schriftlichen Arbeiten beim Sektionsvorstande für 1890 bewilligt und gezahlt worden, weil eine Kraft, welche die kostenfreie Bearbeitung hätte besorgen können, nicht vorhanden war. Der bei Titel V B Ziffer 4 zur Liquidation gebrachte Betrag für Papier im Betrage von 7,50 Mk. ist angemessen und sind diese, wie auch die unter demselben Titel Ziffer 5 aufgeführten Portokosten im Betrage von 50,55 Mk. lediglich im Interesse der Sektion aufgewendet. Hörde, den 31. Januar 1891. Der Vorsitzende des Sektions=Vorstandes: Spring, königlicher Landrat. Bekanntmachung. Das Verzeichnis der in der 12. Verlosung gezoge##nen durch die Bekanntmachung der königlichen Haupt#verwaltung der Staatsschulden vom 2. Januar 1891 zur baren Einlösung am 1. Mai 1891 gekündigten Kurmärkischen Schuldverschreibungen liegt während 4 Wochen im Kreisbureau und den Bureaus der Herren Bürgermeister und Amtmänner, sowie in den Lokalen der königlichen Steuerkassen des Kreises Hörde zu jedermanns Einsicht offen. Hörde, den 22. Januar 1891. Der königliche Landrat: Spring. Sinnsprüche, Denksprüche, Sprichwörter 2c. Warum Stolz? Ein leichter Windstoß und des Lebens Kartenhaus Fällt zusammen! Deine Herrschaft löscht der Tod, der kalte, aus. *** Liebe und Moschus lassen sich nicht verheimlichen. Hüte Dich vor wirrem Weltgewühle, Ohne Staub kommt keiner aus der Mühle. "„ * Glauben steht dem am schönsten, der zugleich hocheeihet in Wissen G. Es ist das kleinste Vaterland der größten Liebe nicht B. u i 9." 4... zu klein; De enger es Dich rings umschließt, je näher wird's dem Herzen sein. *„ Wer sich um Weisheit mühet und nicht anwendet die Gleicht s cm.„. Weisheit, Gleicht dem Manne, der pflügt und zu säen vergißt. Der Tiere König lud sein Volk zum Hochzeitsmahl, Die Tafel war besetzt mit Speisen ohne Zahl; Laut schnüffelnd roch das Schwein an allem, was es sah, Und rief dann voll Verdruß:„Sind keine Kleien da?“ Geächtet. (Fortsetzung.) #. Daß Hermann Sebalds Bemühungen unter diesen Amständen während der ersten Tage ohne jeden Erfolg Nieben, war nur zu leicht erklärlich. Wußte er doch eicht einmal, nach welcher Richtung hin sich seine Forshungen zu wenden hätten, und blieb ihm doch vor er Hand nichts anderes übrig, als das Haus des #aufmanns zu umkreisen und nach dem Anknüpfungsaunkte zu suchen, von dem aus ihm ein weiteres Vorsrhen möglich gewesen wäre. erschien ihm dieses Beginnen nutzlos und weil er selbst kaum eine Hoffnung hegte, 225 ihm der Zufall hier in die Hände arbeiten würde, rrr: gach einigen Tagen geschah doch etwas, das ihn # derenen ließ, sich in der Nähe von Ludwig Nehljens Hause aufgehalten zu haben. seinen Standplatz unter dem Thorweg eines gegenüber liegenden Gebäudes gewählt, von wo jeden, der in Nehlsens Haus eintrat, oder lbe verließ, genau beobachten konnte, ohne daß er selbst von den Fenstern des Kontors oder der ersten Die Vakanzen=Listen bezüglich der für zivilversorgungsberechtigte Militär=Anwärter vorbehaltenen Stellen liegen auf dem Kreisbüreau zu Hörde zur Einsicht offen. Crispis Rücktritt. Das Ministerium Crispi hat in der Deputiertenkammer eine schwere Niederlage erlitten und seine Entlassung genommen! Das ist die große Kunde, welche aus Rom kommt, und um so merkwürdiger erscheint sie, als Herr Crispi bei den letzten Wahlen bekanntlich einen großen Erfolg davongetragen hatte. Seit den Wahlen hatten sich aber die Verhältnisse sehr schnell geändert, es traten persönliche Verfeindungen zwischen dem Ministerium und zahlreichen Abgeordneten ein, welche die Regierungsmehrheit stark erschütterten. Am Samstag platzten nun die Geister auf einander. Es handelte sich um ein neues Alkoholsteuergesetz, welches gar nicht so sehr wichtig war. Bei dieser Beratung wurde der Premierminister durch scharfe Angriffe auf seine Finanzpolitik gereizt, und er erklärte deshalb im schärfsten Tone, daß früher die Verhältnisse noch viel schlechter gewesen seien, bis 1876 hätten die italienischen Regierungen geradezu dem Auslande gedient, Damit hatte der Premier viele einflußreiche Abgeordnete persönlich getroffen, und es entstand ein furchtbarer Skandal. Eine ganze Reihe von Abgeordneten unterbrachen den Redner mit wütenden Zwischenrufen, daß sie die früheren bedeutenden Staatsmänner Italiens nicht beleidigen ließen. Crispi antwortete, ee habe niemand beleidigen wollen, er verlange nun ein bestimmtes Votum, ob die Kammer mit ihm zusammengehen wolle oder nicht. Mit Mühe wurde die Ordnung hergestellt, und dann die Abstimmung über das geforderte Vertrauensvotum vorgenommen, welches mit 186 gegen 123 Stimmen abgelehnt wurde. Dies Resultat, das wesentlich der herrschenden Aufregung, wie sie im italienischen Parlament so häufig vorkommt, zuzuschreiben ist, rief allgemeine Bewegung hervor. Der Ministerpräsident begab sich sofort zum Könige und reichte die Entlassung des Gesamtministeriums ein. Wie auch die Dinge sich gestalten werden, ob ein neues Ministerinm Crispi vor die Kammer treten oder ein anderer Politiker ein Kabinett bilden wird, der unerschütterliche Fortbestand des deutsch=italienischen Bündnisses ist in jedem Falle gesichert, daran kann nicht mehr gerüttelt werden. Es ist aber zu Etage aus sichtbar gewesen wäre. Da gewahrte er nun am Vormittag des dritten Tages nach Gerhards Verhaftung, daß eine Droschke vor dem breiten Eingange hielt, und daß sich ein älterer Mann in gebeugter Haltung und von recht gebrechlichem Aussehen anscheinend sehr mühsam aus ihrem Innern hervorarbeitete. Wie sich der Mann jetzt zurückwendete, um dem Kutscher mit zitternder Hand das Fahrgeld zu reichen, da war es dem Beobachter, als entdecke er in seinen gramvollen, tieftraurigen Zügen eine auffallende Aehnlichkeit mit Gerhards gutem und treuem Gesicht; aber er hatte keine Zeit, sich eingehender von der Richtigkeit dieser Wahrnehmungen zu überzeugen, da der gebrechliche alte Herr schon nach wenigen Sekunden im Innern des verhängnisvollen Hauses verschwunden war. In erregter Spannung harrte Hermann auf seine Wiederkehr; aber seine Geduld wurde auf eine ziemlich harte Probe gestellt, denn es verging eine lange, lange Zeit, ehe der Mann wieder zum Vorschein kam. Der war so schnell als ihm seine Kräfte erlaubten, die wenigen Stufen emporgestiegen, welche von der Diele aus in die Bureauräume führten. Aber als er nun vor der Glasthür stand, welche die Aufschrift „Kontor“ trug, da hatte er doch gezögert, seine Hand auf den Drücker zu legen, und ein Schwindel überfiel ihn, so daß er seine Schulter an die Mauer lehnen mußte, um sich vor dem Umsinken zu bewahren. War es doch nicht das erstemal in seinem Leben, daß er diesen verhängnisvollen Weg zurückgelegt hatte. Schon einmal, vor vielen Jahren hatte er an der nämlichen Stelle gestanden, und damals hatte ihm gerade sowie heute der Mut gefehlt, die Thür zu öffnen, hinter der sich sein Schicksal entscheiden sollte. Aber damals war seine Gemütsstimmung doch noch eine minder verzweifelte gewesen; nur seine kaufmännische Ehre war es gewesen, welche damals auf dem Spiel gestanden und deren Rettung er von seinem Hauptgläubiger hatte erflehen wollen; nur seine geschäftliche Existenz wäre vernichtet gewesen, wenn seine Bitte keine Erhörung gesunden hätte. Heute aber waren es ganz andere, ungleich entsetzlichere Dinge gewesen, die ihn trotz seiner Krankheit und Schwräche hierher geführt hatten und über die er sich eine Aufklärung holen wollte bei dem Manne, welchen er trotz seines harten, beleidigenden Wesens— trotz all der Demütigungen, welche er in seinem Leben von ihm erlitten, bisher als seinen Retter und seinen Wohlthäter verehrt hatte. Am gestrigen Tage erhielt er ein kurzes Billet, das ihn niedergeworfen hatte, wie ein Faustschlag einer harten, erbarmungslosen Hand. In dürren Worten und in einem ganz kühlen geschäftsmäßigen Tone war ihm da auf einem Raum von zehn Zeilen mitgeteilt worden, erwarten, daß die Leitung der Staatsgeschäfte, mit einer kurzen Unterbrechung vielleicht, doch in Crispi's Händen bleiben wird. Die Krisis wäre sicher verhütet, wenn Herr Crispi sich nicht hätte von seiner Hitze fortreißen lassen. Der König Humbert hat schon mit verschiedenen Politikern konferiert. Militäraufstand in Portugal. In Portugal hat wieder einmal ein republikanischer Putsch stattgefunden, dessen Schauplatz Oporto, die zweitgrößte Stadt des Königreichs, gewesen ist. Ein Teil der dortigen Garnison, unterstützt durch Zivilpersonen, geführt von Offizieren, Advokaten und Beamten, hat das Königtum zu stürzen und die Republik an seine Stelle zu setzen gesucht, doch das Unternehmen ist gescheitert und ein großer Teil der Verschwörer sieht hinter Schloß und Riegel seiner Bestrafung entgegen. Der Aufstand hat in der Nacht zum Samstag begonnen. Die Aufständischen suchten sich der Polizeipräfektur und des Telegraphengebäudes zu bemächtigen, was indes nicht gelang. Darauf verschanzten sie sich im Rathaus, wo sie von den der Regierung treu gebliebenen Truppen unter dem Kommando des Generals Cortereal cerniert und beschossen wurden, bis sie sich schließlich ergaben. Von der Bevölkerung hatte sich den Aufständischen nur eine kleine Menge angeschlossen, von Offizieren waren etwa 6 oder 7 von niederem Rang an der Bewegung beteiligt. Es sind von den Aufständischen gegen 100 Personen verhaftet, 7 Mann getötet und 46 verwundet worden. Sämtliche Personen, die sich in den Bureaus der republikanischen Journale befanden, sind ebenfalls verhaftet worden. Es sind nun verschiedene Transportdampfer von Lissabon nach Oporto abgegangen, auf denen die gefangenen Aufständischen bis auf weiteres festgehalten werden sollen. Von der Verhängung des Belagerungszustandes ist abgesehen worden, weil die aufständische Bewegung nirgends im Land einen Wiederhall gefunden hat und vollständig unterdrückt worden ist. Wenn sich dieses Ereignis vor einem Jahr, als ganz Portugal in fieberhafter Aufregung war, abgespielt hätte, so wäre man weit weniger überrascht gewesen als jetzt, da anscheinend schon seit längerer Zeit völlige Ruhe im Lande herrschte. Man sieht daraus, daß die republikanische Agitation nicht müßig gewesen ist und sich namentlich auf die Propaganda in der Armee verlegt hat. Wenn die Regierung diesmal auch Herr der Situation geblieben ist, so ist damit nicht bewiesen, daß die Verschwörer dauernd unschädlich gemacht sind und nicht bald ein neuer Ansturm gegen das Königtum erfolgt. Deutsches Reich. Der Kaiser konferierte am Dienstag mit dem Staatssekretär von Marschall und den Spitzen der Marinebehörden. Nachmittags empfing der Monarch fürstliche Besuche. Die Kaiserin, welche sich am Sonntag bei einer Ausfahrt eine Erkältung zugezogen hatte, ist von derselben in der Hauptsache wieder hergestellt. Kaiser Wilhelm hat das Rücktrittsgesuch des Grafen Waldersee von seinem Posten als Chef des Großen Generalstabes der Armee in einer außerordentlich huldvollen Kabinettsordre genehmigt. Dem General wird darin der Dank des Monarchen für seine Dienste ausgesprochen und ihm zugleich angekündigt, daß er im Kriegsfall Höchstkommandierender einer Armee sein soll. Weiter wird Graf Waldersee zum kommandierenden General des 9. Armeekorps(Schleswig=Holstein) ernannt. Wie es heißt, ist zum Chef des Großen Generalstabes der Armee an Stelle des Grafen Waldersee Generalleutnant Oberquartiermeister Graf vou Schlieffen ernannt worden. Der deutsche Landwirtschaftsrat, der z. Z. in Berlin tagt, hat sich am Dienstag gegen eine Ermäßigung der landwirtschaftlichen Zölle und für den vollen Schutz der Landwirtschaft gegenüber dem Auslande ausgesprochen. Auch das neue Zuckersteuergesetz fand nicht den Beifall der Versammlung. Wie die„Nord. Allg. Ztg.“ erfährt, soll die Stellung der preußischen Generalsuperintendenten eine Aenderung erfahren. Dieselben sollen von den eigentlichen pfarramtlichen Funktionen völlig entbunden werden, wenn ihnen auch die Freiheit bleiben soll, zu predigen. Am Berliner Dom soll Generalsuperintendent Dr. Kögel erster Hofprediger bleiben, das Amt als Schloßprediger soll aber auf den zweiten Hofprediger übergehen, für welchen Posten Dr. Dryander in Aussicht genommen ist. In Rheinland und Westfalen ist nach der „Kreuzztg.“ eine Bewegung im gange, welche zur daß sein einziger Sohn, der Stolz und die Freude seines Daseins, wegen dringenden Verdachts eines schweren Verbrechens verhaftet worden sei, und daß er— der Schreiber dieses Briefes— mit Rücksicht auf die unerhörte Nachsicht und Güte, welche er bisher sowohl dem Vater wie dem Sohne gegenüber an den Tag gelegt, es tief beklagen müsse, daß gerade er von dem durchaus verderbten jungen Menschen zum Opfer dieses Verbrechens ausersehen worden sei. Niemals, selbst nicht bei seines heißgeliebten Weibes Tode, hatte sich Christoph Asmus einem so verzweifelten Schmerze hingegeben, als nach dem Empfang dieses grausamen Briefes. Die alte Haushälterin, welche ihm von ganzem Herzen zugethan war, hatte allen ernstes für sein Leben gefürchtet und hatte, nachdem sie die Ursache seiner Aufregung in Erfahrung gebracht, gewaltige Mühe gehabt, ihn nur einigermaßen wieder zu sich selber zu bringen. Sie selbst war von Gerhards Unschuld so fest überzeugt und so sicher, daß sich alles sehr rasch zu seinen Gunsten aufklären müsse, daß sie den Schmerz des Vaters gar nicht recht zu begreifen vermochte, und ihren zuversichtlichen Trostgründen war es denn auch wirklich gelungen, den alten Christoph Asmus mit einem gleichen Vertrauen auf einen glücklichen Ausgang der Sache zu erfüllen. Aber niemals hätte er es über sich gewonnen, daheim in Neufeld unthätig abzuwarten, wie sich das Schicksal seines geliebten Kindes gestalten würde. Er mußte wenigstens in seiner Nähe weilen, um ihn zu verteidigen, oder, wenn er nichts anderes zu thun vermochte, ihn wenigstens in seinem schweren Unglück zu trösten. Trotz des Widerspruchs der Haushälterin, welche von den unvermeidlichen Aufregungen die schlimmsten Folgen für die ohnedies recht schwache Gesundheit ihres Dienstherrn befürchtete, hatte er sich sofort für die Reise zurecht gemacht und mit dem ersten Zug, der ihm erreichbar war, hatte er wirklich die Fahrt in die unglückselige Stadt angetreten. Anfänglich hatten die Trostgründe der alten Haushälterin noch genugsam nachgewirkt, um ihn aufrecht zu halten und ihn mit guter Zuversicht zu erfüllen, aber je länger die Fahrt in dem einsamen Eisenbahnkoupee währte, desto schwerer und banger war ihm wieder ums Herz geworden, desto mehr war seine Hoffnung, daß bei seiner Ankunft schon alles zu einem guten Ende geführt sein würde, zusammengesunken. Er hatte sein Leben lang so viel Vertrauen in Ludwig Nehlsens unerschütterliche Ehrenhaftigkeit und eine so unbegrenzte Ehrfurcht vor allen Maßnahmen der Behörden gehabt, daß er sich trotz seines festen Glaubens an Gerhards Redlichkeit der bangen Sorge nicht mehr entschlagen konnte, sein Schicksal möge ein nicht unverdientes sein. Je näher er endlich dem Ziel seiner traurigen Reise, dem Hause Ludwig Nehlsens gekommen war, desto mehr war seine Kraft und Selbstbeherrschung geschwunden und wie er jetzt vor der verhängnisvollen Glasthür hilflos an der Mauer lehnte, bot er einen wahrhaft bejammernswerten Anblick dar. Vielleicht hätte er niemals den Mut des Entschlusses gefunden, die Schwell: zu überschreiten, wenn ihn nicht ein junger Mann, der aus dem Kontor heraustrat, freundlich nach seinem Begehren gefragt und ihn auf sein schüchternes:„Ich hatte den Wunsch, Herrn Nehlsen selbst zu sprechen!“ in das Privat=Kabinett des Chefs geführt hätte.(Fortsetzung folgt.) Sind Schutzmittel gegen BergwerksErplosionen möglich? Von einem Meteorologen erhält die„Voss. Zeitung" folgende Zuschrift: Die gräßlichen Katastrophen, welche in immer steigender Zahl alljährlich tausende braver Bergleute jählings in den Tod reißen, zwingen unserem Zeitalter, welches an der Förderung der MontanIndustrie in so hohem Maße interessirt eist, die Frage auf, ob denn nicht menschliche Kunst imstande ist, auch gegen die„schkagende Wetter“ der Bergwerke Schutzwehren zu schaffen. Eine Lösung dieser Frage kann naturgemäß nur dann versucht werden, wenn es gelingt, die Ursachen der Katastrophen klar zu stellen, was bis jetzt noch nicht geschehen ist. Im Gegenteil findet sich bei allen Berichten die sast stereotype Bemerkung, daß die Ursache des Unglücksfalles nicht ermittelt werden konnte, vermutlich aber sei er durch Unvorsichtigkeit eines Bergmannes herbeigeführt worden. Eine derartige Motivierung von regelmäßig wiederkehrenden elementaren Katastrophen zeugt allerdings von keinem allzu tiefen Nachdenken, und doch kann es nicht schwer sein, wenigstens einige Klarheit in dieser Frage zu schaffen. Wollte man sich nur die Mühe nehmen und die Statistik der Bergwerks=Explosionen der letzten fünf Jahre durchzusehen und damit die gleichzeitigen Wetterberichte zu vergleichen so wird man sofort die Beobachtung machen, daß die„schlagenden Wetter“, der Bergwerke regelmäßig mit jähem Witterungswechsel der Oberwelt der Zeit nach in Verbindung stehen. Ebenso läßt sich feststellen, daß vielfach Explosionen zu derselben Zeit an mehreren Stellen stattfanden, wie beispielsweise in Anfang August vorigen Jahres, wo in St. Etienne 200 Bergleute getötet wurden. Den folgenden Tag meldete der Telegraph, daß auch in Schottland und in Nordamerika Bergwerks=Explosionen eintraten, während an den Küsten der Nord= und Ostsee ein furchtbarer Orkan wütete. Den Zusammenhang dieser Erscheinungen leugnen zu Loslösung von den politischen Parteien und zur Bildung einer Wirtschaftspartei aufgefordert. Major von Wißmann, der am 1. April aus dem Kolonialdienst scheidet, hat dem Kaiser ein formelles Entlassungsgesuch eingesandt. Gegenwärtig ist der Reichskommissar bekanntlich auf einem Zuge nach dem Kilimandscharo Holland. Eine Vorlage über die Zivilliste der Königin Emma der Niederlande wird der Kammer alsbald nach deren Wiederzusammentritt noch im Februar zugehen. Die Königin erhält, wie ihr verstorbener Vater, jährlich 600000 Gulden, wozu noch der Ertrag der Krondomänen kommt, der auf etwa 660000 Gulden jährlich berechnet wird. Da die Erziehungskosten der jungen minderjährigen Königin, sowie die der Zivilliste zu entnehmenden Beträge für die Kosten der Regentschaft kaum die Hälfte dieser Summe betragen dürften, so wird Königin Wilhelmine bei ihrem Regierungsantritt in den Besitz eines sehr großen Vermögens kommen. Die dem König zugefallene Erbschaft seines Sohnes Alexander, der seine Mutter Sofie von Württemberg ausschließlich beerbt hat, hat dieser schon früher der Prinzessin Wilhelmine zugewiesen; diese ist außerdem noch die Erbin des von ihrem Vater hinterlassenen außerordentlich großen Privat= vermögens, das infolge des testamentlosen Absterbens des Prinzen Heinrich, oder wie andere wollen, infolge des Verschwindens dieses Testamentes, noch einen riesenhaften Zuwachs erhalten hat. König Wilhelm III. war einer der HauptAktionäre der Billiton=Gesellschaft, die jahrzehntelang geradezu fabelhafte Dividenden bezahlt hat; erst als vor einigen Jahren der Staat ebenfalls einen Anteil an dem Gewinn beanspruchte, ließ der König seine Aktien aus leicht begreiflichen Gründen verkaufen. Außerdem hatte König Wilhelm sein Leben zu gunsten der Königin Emma bei einer großen französischen Gesellschaft für 5 Mitlionen Franken versichert. Königin Wilhelmine wird also einmal eine sehr begehrenswerte Partie sein. Die Königin=Regentin bezieht ein Witwengeld von 150000 Gulden, kann aber als Regentin noch weitere Bezüge aus der Staatskasse beanspruchen. Bemerkenswert ist, daß der hohe Rat entschieden hat, daß bei allen öffentlichen Aktenstücken, sowie bei Beeidigungen u. dgl. nicht „Königin“, sondern, wie bisher„König der Niederlande" zu gebrauchen ist. Belgien. Mehrere hundert Soldaten in Brüssel, welchen Urlaub verweigert worden war, beschlossen, trotzdem die Kaserne zu verlassen und begaben sich am Sonntag zum Bahnhof. Die Regierung ließ letzteren durch Gendarmerie besetzen. Hauptmann Podts versuchte vergebens die widerspänstigen Soldaten zur Rückkehr zu bewegen; sie verweigerten den Gehorsam, durchzogen die Straßen der Stadt unter Absingen der Marseillaise und machten sozialistische Kundgebungen. Mit Hilfe der Gendarmerie und Polizei wurden schließlich die Meuterer verhaftet. Die ganze Garnison ward am Sonntag bereit gehalten. Die Angelegenheit macht großes Aufsehen. Es wird zugestanden, daß im Palais des Grafen von Flandern die schwarzen Pocken herrschen. Prinz Balduin starb auch an der Pockenkrankheit, die nach innen gegangen war, ebenso eine Hofdame und mehrere Palastbeamte. Deshalb geht Prinz Albert sofort nach dem Süden, wohin ihm die Prinzessin Henriette, sobald sie reisen kann, folgen wird. Einem Häusling der Arbeitsanstalt in Brauweiler ist infolge unvermuteter Erbschaft ein Betrag von annähernd 20000 Mark zugefallen, der ihm ausgezahlt werden wird, wenn er die gegen ihn wegen Arbeitsscheu verhängte Strafe verbüßt haben wird. In Lippstadt wird am 15. und 16. März der diesjährige Handwerker=Deligierten= und Innungstag der Provinz Westfalen abgehalten. Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich in der Fabrik des Herrn Karl Julius Bergmann in Barmen. Der dort beschäftigte, 20 Jahre alte Bandwirkergeselle Lambeit vom Rott kam einem Treibriemen zu nahe und wurde mehrere mal um die Transmission herumgeschleudert. Ein Arm und beide Beine waren dem Aermsten, der sosort tot war, vom Körper abgerissen. Auf dem Postamt in Elberfeld wurde reisende Publikum wahrgenommen, daß falsches Geld im Umnämlich die letzte Woche des Januar hindurch starkes Thauwetter eintreten. Dieses dürste derselben Quelle zusolge auch noch die erste Woche des Februar hindurch anhalten, und dann hat Falb für den 9. Februar wieder einen kritischen Tag erster Ordnung gemeldet. Die Wetterkundigen behalten doch immer Recht, ob es nun die Altmodischen sind, die sich nach dem ehrwürdigen Hundertjährigen richten, oder die Modernen, deren Heiliger Falb ist. Schwerte, 4. Febr. Eine dankenswerte Einrichtung steht auf den größeren Bahnhöfen in Aussicht. Da das reisende Publikum während des kurzen Aufenthalts auf den Stationen sehr oft keine Gelegenheit nehmen kann, um in den Bahnhofswirtschaften Erfrischungsmittel jeglicher Art einzunehmen, hat man bisher versuchsweise transportable oder fahrbare Buffets auf den Bahnsteigen oder wo es angängig, zwischen den Bahngeleisen bereit gestellt. Nachdem sich diese Einrichtung als praktisch für das und vorteilhaft für die Bahnhofswirtschaften erwiesen hat, sind neuerdings die Bahnhofswirte der größeren Stationen durch die Eisenbahn=Verwaltungen angewiesen worden, die fahrbaren Buffets auf den Bahnsteigen an passender Stelle allgemein zur Einführung zu bringen, zunächst nur für die verkehrsreiche Sommerzeit, etwa vom 15. Mai bis 1. Oktober. Schwerte, 4. Febr. Die bei den preußischen Staatsbahnen zur Zeit bestehenden Gebühren für die Aufbewahrung von Handgepäck der Reisenden auf den Stationen erleiden seit dem 1. Januar d. J. insofern eine Aenderung, als von diesem Tage ab für jedes Gepäckstück für die beiden ersten Fabrik befindens Tage zusammen 10 Pfg. und für jeden weiteren439 Dampfkessel, Tag der Aufbewahrung weitere 10 Pfg. erhoben werden. Der Tag der Niederlegung und der Tag der Zurücknahme werden je als ein voller Tag gerechnet. Schwerte, 3. Febr. Gestern Nachmittag bewegte sich durch die Straßen unserer Stadt ein großer Trauerzug zum Gottesacke:. Es galt, dem allgemein liebten Erzieher und Bildner der Jugend Herrn Koch aus R fflingsen die letzte Ehre zu erweisen. Nun ruh t er aus von der Last und den Mühseligke ten des L: bens. Daß das, was Lehrer Koch in die Herzen der Jugend gesäet, nicht verloren gegangen,— das zeigte sich, wo es galt, dem lieben Lehrer en letzten Liedesdienst zu erweisen. Herr Pastor Graeve hielt in tief empfundenen und zu Herzen gehenden Worten die Grabrede, in welcher er das treue Wirken des hir geschiedenen besonders hervorhob und daß der Entschlafene sich stets an die Worte der Schrift gehalten: „Es ist der Herr, er thue, was ihm whlgefällt.“ Nachdem die Lehrer, das Lied:„Wie sie so sanft ruh'n 12 700 Kubikmeter Leuchtgas. Dir uugesungen und der Kriegerverein, welchem der Verszorbene sitzt für ihren eigenen Bedarf ein cher angehörte, igm die litzte Ehre erwiesen und schließlich(5; u. 940graph noch— drei Hände Erde in die offene Gruft— ent. gaboratorium, eine photoglaphische un fernte sich bewegt die Tranerversammlung. 8 Schwerte, 4. Febr. In dem Bericht der vor. Nr., betr. Generalversammlung des Kriegervereins, muß es heißen: ein neu aufzunehmendes Mitglied darf keinem anderen militärischen Verein in hiesiger Stadt angehören. Schwerte, 4. Feb. Die bekannte Mordaffaire am Freischütz wird am 23. dss. vor dem Schwurgericht in Hagen zur Verhandlung kommen. Vor einigen Tagen verbreitete sich in Dorstfeld das Gerücht, die unverehelichte Magd Marie L. habe ein Kind geboren und dasselbe verborgen gehalten. Auf Anordnung der Polizeibehörde fand nunmehr Haussuchung statt und wurde denn das Kind auch vorgefunden. Im Keller nnter den Kohlen war ein ganz nackter Leichnam eines eben geborenen Kindes in der Erde vergraben. Die Obduktion der Leiche durch den Herrn Kreisphysikus Dr. Hagemann und den Herrn Staatsanwalt ergab denn auch, daß das Kind bei der Geburt gelebt, es also einen gewaltsamen Tod gefunden hotte. Wem nun die Schuld an dem Verbrechen beizumessen ist, wird die Untersuchung ergeben. Dem Tierarzt Sally Goldstein zu Herford ist unter Anweisung des Amtswohnfitzes in Westfalen und Schwerte, 4. Febr. Die linden Frühlings=Hohenlimburg die kommissarische Verwaltung lüfte der letzten Tage sind genau nach dem hundert= der Kreistierarztstelle des Kreises Iserlohn überjährigen Kalender eingetroffen. Demzufolge sollte tragen. Eine unangenehme Ueberraschung erfuhr in diesen Tagen eine Firma in Iserlohn. Dieselbe hatte beim königlichen Amtsgericht eist die Wetterberichte in daselbst einige 100 Muster von Schiffsscharsüimschlag des Windes van nieren zur Eintragung angemeldet und erhielt eeuag des#ctnes vog####n zing Kostenrechnung von 19650 man deshalb nach der in der Zeche„Hibernia“ wollen, ist unmöglich. Will Ursache der letzten Ka#astreffhe forschen, so ziehe man betracht. Gleichzeitig mi Witterungswechsel unn der Nordost in Südloest ein; am Tage darauf der Bergrutsch bei Biankerstein an der berg.= närk. Eisenbahn, vulkanische Eruptionen zwischen Genua und Spezia und Lawinensturz bei Floresta cuf Sizilien. Vermutlich wird durch wertere Meldungen die Reihe dieser Erderschütterungen, welche sich von Nordwestdeutschland aus in südlicher Richtung fortsetzen, ergänzt werden. Für den Se schrei iber dieser Zeilen, der seit mehreren Jahren alle Begleiterscheinungn der Berzwerkskotastrophen auf des Genaueste verfolgt hat, ist es unzweifelhaft, daß dieselben durch unterirdische Gewitter herbeigeführt werden, wobei deren Blitze in die von Kohlenstand und leicht entzündbaten Stoffen angefüllten Hohlräume der Bergwerte geschleudert werden. Infofern dürften sich wohl folgende Maßregeln zur Verhütung der Grubenexplosionen anempfehlen lassen: 1. Man bringe in allen Bergweiken Blitzableiter an, welche die aus dem Erdinnern dringenden elektrischen Ströme isolieren und unschädlich machen. 2. Man stelle an verschiedenen Punkten der Stollen Barometer auf und lasse deren Bewegungen durch besondere Beamte genau überwachen. Sobald das Barometer plötzlich fällt, sind sofort die Arbeiten einzustellen und alle Arbeiter aus den Gruben zu entfernen. 3. Au allen denjenigen Tagen, an welchem die deutsche Seewarte das Herannahen tiefer Minima ankündigt, oder welche von meteorlogischen Autoritäten als„kritische Tage" bezeichnet werden, ist das Befahren der Gruben entweder ganz zu untersagen, oder es muß zum mindesten die Beobachtung der Barometer mit besonderer Gewissenhaftigkeit ausgeführt und die Mannschaften jeden Augenblick zum Verlassen der Werke bereit gehalten werden. Dsiee Anregungen, welche jederzeit durch ein umfangreiches statistisches Material gestützt werden können, werden hoffentlich dozu heitragen, daß diese hochwichtige Frage wohl in den Kreis einer eingehenden Diskussion gezogen wird. Kostenrechnung von 19650 Mark. konntag stürzte in Marten auf der nun eine Am Wilhelmshöhe das halbe Haus des Kötters Wilhelm Haacke ein und zwar der Teil, in in welchem sich die Dehle und die Stallungen befanden. Eine Kuh und 3 Schweine wurden von den Trümmern erschlagen, während zwei Pferde nur mit vieler Mühe gerettet werden konnten. Die Mutter des Besitzers war eine Viertelstunde vor dem Einsturze, dessen Ursache noch nicht bekannt ist, noch im Stalle gewesen und hatte die Kuh gemolken. Beim Abbruch eines Hauses in Halver fand man in dem Mauerwerk versteckt eine alte, wertvolle Uhr, Ein dortiger Uhrmacher erinnert sich, daß ihm dieselbe vor langen Jahren zur Reparatur übergeben, und ihm s. Z. gestohlen worden war. Jedenfalls hat der Dieb aus Reue oder aus Furcht vor Strafe die Uhr an dem sicheren Orte versteckt Die Uhr ist polizeilich beschlagnahmt; ob aber der Dieb noch gefunden wird, ist zu bezweifeln. In großer Gefahr schwebten jüngst nachts die Insassen des Krankenhauses zu Schildesche, als der Schreckensruf ertönte, der Dachstuhl stehe in hellen Flammen. Der rasch herbeieilenden Feuerwehr gelang es glücklicherweise, das Feuer bald zu löschen. Ein Kranker, der vermutlich das Feuer angelegt, ist in den Flammen umgekommen. lauf sich befindet. Darum Vorsicht! In Remscheid wurde bei der amtlichen mikroskopischen Untersuchung eines Stückes mageren Fleisches aus einer angeblich von Holland eingeführten, und wie es heißt, mit dem Stempel eines deutschen Fleischbeschauers versehenen Speck. seite Trichinen in ungeheurer Menge gefunden. Ein Stückchen Fleisch von der Größe eines Weizen kornes enthielt nicht weniger als 72 Stück dieser gefährlichen Lebewesen. Einer Beschreibung der Krupp'schen Fabrik in Essen sind folgende Angaben über ihre Betriebs=Einrichtungen entnommen: In der ich 3542 verschiedene Oefen, 82 Dampfhämmer von 100 bis 50000 Kilogramm Gewicht, 21 Walzenstrecken, 450 Dampfmaschinen von 2 bis 1000 Pferdestärken, 1622 verschiedene Werkzeugmaschinen. Zur Vermittelung des Verkehrs dienen: 43,96 Kilometer normalspurige Eisenbahn mit 14 Tender=Lokomotiven und 542 Wagen; 29,19 Kilometer normalspurige Eisenbahn mit 14 Lokomotiven und 450 Wagen; 69 Pferde mit 191 Wagen; 80 Kilometer Telegraphenleitung mit 31 Telegraphenstationen und 55 Morse=Schreibapparaten; 140 Kilometer Fernsprechleitungen mit 156 Sprechstellen, welche mit einer Zentralstelle verbunden sind. An jedem Arbeitstage werden durchschnittlich verbraucht 33320 Ztr. Kohlen und Koks, 18834 bis 26 898 Kubikmeter Wasser, 13 350 bis Die Fabrik bemisches und eine lithographische Werkstatt, eine Buchdruckerei mit 4 Dampfschnellpressen und 7 Handpressen, eine Buchbinderei. Der Plan der Fabrikanlage gleicht dem Plan einer ansehnlichen Provinzialstadt. Die ganze Fabrik ist von der Krupp'schen Ringbahn umschlossen und von zahllosen Bahngeleisen durchzogen. Ein besonders großartiges Gebäude ist die Halle für den Stahlguß. In derselben befinden sich 107 unterirdische Tiegelstahlösen für Koksfeuerung, 20 unterirdische und ein überirdischer Ofen mit Regenerator=Feuerung. In jedem der erstgenannten Oefen stehen 12, in den anderen 18 und in dem oberirdischen Ofen gegen 90 Tiegel, so daß im Ganzen etwa 1730 Tiegel in diesen Oefen Platz finden, in denen etwa 80000 Kilogramm Stahl mit einemmale niedergeschmolzen werden können. Die Fabrik hat bereits mehr als 24000 Geschützrohr abgeliefert Wir möchten noch hinzufügen, daß die Fabrik ihre eigenen Kohlenzechen bei Essen und Bochum, in Deutschland allein gegen 550 Eisensteingruben, außerdem mehrere Gruben bei Bilbao in Spanien, ferner 4 Hüttenwerke bei Duisburg, Neuwied und Sayn mit 11 Hochöfen, sowie 4 Transportdampf= schiffe besitzt. In der Gußstahlfabrik in Essen arbeiten etwa 11 500, in den Bergwerken, Hütten u. s w. etwa 8400 Arbeiter, die zusammen nahezu 50000 Familienmitglieder haben. Etwa 20000 Personen wohnen in Häusern, welche Krupp gehören; in einer einzigen Kaserne wohnen 1600 Arbeiter. Die Fabrik hat ihre eigene, aus 70 Mann bestehende Feuerwehr und 32 Feuermeldestellen. Daß die Fabrik ihre eignen Wahlsahrts=Einrichtungen, wie Bäder, Lazarette, Elementarund Fachschulen u. s w. besitzt, ist allgemein bekannt. In Oberbilk hatten sich zu einem Begräbnis eines Sazialdemokraten zahlreich die Genossen eingefunden, auch Agitator Wesch aus Crefeld. Als der evangelische Pastor am Trauerhause erschien, die Leiche zu Grabe zu geleiteu, bedeutete ihm ein Genosse, man habe ihn nicht nötig. Der Geistliche aber wollte sich von einem Fremden nicht abweisen lassen: er verlangte den Sohn des Verstorbenen zu sprechen. Dieser kam und auch er verzichtete auf die Begleitung des Geistlichen. Dieser fuhr also wieder heim. Als der Leichenzug sich in Bewegung setzte, folgten zwei Genossen mit Kränzen, an denen breite rote Schleifen flatterten. Vier Genossinnen mit einem knallroten Kopftuch beschlossen den Zug. Am Grabe wollte Herr Wesch eine Rede halten; allein die Polizei duldete es nicht.„Dann“, meinte Wesch,„müssen“ wir uns auf bessere Zeiten trösten!“ Auf den Ruhrweiden bei Speldorf wurde die Leiche einer Frauensperson aufgefunden und in das Lechenhaus des Friedhofes gebracht. Dem Vernehmen nach soll es die Leiche der seit längerer Zeit vermißten Ehefrau des Milchfuhrmannes Sp. von Menden sein, die wahrscheinlich beim Hochwasser ihren Tod gefunden hat. Die Frau war seit dem 5. November v. I. verschwunden, ist also wahrscheinlich schon bei dem damaligen Hochwasser dort angetrieben und bei dem sogleich folgenden Frost eingefroren. Die Leiche, welche noch nicht in Verwesung übergegangen war, wird nach Menden überführt. Der bedauernswerte Mann der Verstorbenen hatte damals eine hohe Prämie auf die Auffindung der Leiche ausgesetzt, blieb trotzdem aber bis jetzt, also volle 12 Wochen, ohne jede Nachricht von dem Verbleib der Unglücklichen. Eine Neußer Kravattenfirma war in einer öffentlichen Versammlung beschuldigt worden, ihre Arbeiterinnen vielfach mit Stoffen ausbezahlt zu haben. Daraufhin wurde von der dortigen Polizeibehörde eine umfassende Untersuchung über die Richtigkeit dieser Beschuldigung angestellt. Dieselbe ergab, daß die betreffende Firma seit längerer Zeit dieses Verfahren angewandt hat. Ein solches Verfahren ist durch§ 115 der Reichsgewerbeordnung verboten, in welchem es heißt, daß die Arbeitgeber verpflichtet sind, die Löhne ihrer Arbeiter in barem Gelde auszuzahlen. Auch ist es darnach verboten, den Arbeitern Waren auf Borg zu geben. Zuwiderhandlungen werden mit Strafen bis zu 2000 Mark geahndet. Vor einigen Tagen nachmittags spät, als das Betreten des Rheineises bei Uerdingen auf dem Wege über den Strom, offenbar ein strafwürdiger Leichtsinn, ohnehin die Passage über den Rhein bereits verboten war, kamen zwei Reiter in vollem Galopp heran und trabten frischweg in die vor Augen liegende grausige Gefahr hinein. Und richtig: kaum waren sie 20 Schritte auf der mürben Eisdecke, als eines der Rosse bis an den Bauch in das Wasser sank, und kostete es große Mühe von fünf herbeieilenden Schiffern, um das arme Tier aus dem Wasser herauszuschaffen. Daß die tollkühnen Reiter sich keiner freundlichen Aufnahme seitens der rettenden Mannschaften zu erfreuen hatten, kann man sich wohl vor stellen. Eine lustige Geschichte ist dieser Tage in Mülheim a. Rh. passiert. Von zwei Herren, die miteinander etwas spät ihre Heimstätte aufsuchten, wollte der eine seine mit ihm zusammen wohnende Mutter nicht durch Klopfen an der Thür aus dem Schlafe aufwecken. Er verständigte sich deshalb mit seinem Freunde und stieg auf einer Leiter, die dieser ihm hielt, durchs Fenster in sein Schlafzimmer ein. Eben wollte sein Freund die Leiter wieder entfernen, als ein Nachtwächter heranschritt und in barschem Tone fragte:„Wat maht ehr heh?“ Der Gefragte ließ die Leiter stehen und nahm reißaus. Der Nachtwächter zog, um den Fliehenden besser verfolgen zu können, rasch die Stiefel aus und rannte dann auf den Socken hinter demselben her, in dem festen Glauben, es mit einem Diebe zu thun zu haben. Unterdessen kletterte der andere wieder die Leiter hinab und holte die zurückgelassenen Stiefel herauf. Sein Freund war dem Wächter zu flink und unverrichteter Sache kehrte dieser zurück, um seine Fußbekleidung wieder anzuziehen. Brummend und wetternd schritt er an dem Hause auf und ab und suchte, aber umsonst. Endlich steckte der eingestiegene Herr den Kopf hinaus und fragte unschuldig:„Saht, Här Naakswächter, hatt ehr dä Spetzbow kräge?“ „Enä, hä es mer tirre gegange, ävver nen andere Gaudeev hät meer en der Zick ming Siffele gestolle!“ Der am Fenster meinte nun:„Ich wor wahl bang daför, dröm han ich se erengehollt, heh sin se!“ Damit flogen die Fußfutterale herunter.„Danke, leeven Här, güdde Naach, schlof gut!“ sagte der erfreute Wächter Der da oben aber lachte noch lange und selbst im Traume soll er noch gelacht haben. Eine eigentümliche Ueberraschung wurde einem in Kalk wohnhaften kürzlich verheirateten jungen Manne zu teil. Bei der Schwester desselben übergab nämlich der Postbote einen Brief nebst einem Paket von ziemlichem Umfang. Nach der Oeffnung stellte sich nun heraus, daß eine Bekannte aus Münstereifel in dem Glauben, der junge Mann sei kurz vor der Hochzeit gestorben, einen prachtvollen Trauerkranz nebst Beileidsschreiben übersandte. In Coslar fand die Beerdigung eines Ehepaares statt, welches vor 11 Jahren seine goldene und im vorigen Jahre seinc diamantene(60jährige) Hochzeit gefeiert hatte. Der Mann zählte 85 und die Frau 86 Jahre. Beide starben an Altersschwäche, zuerst die Frau, dann, nach Verlauf von 39 Stunden, auch der Mann. Ein gemeinsames Grab nahm die irdischen Ueberreste beider auf, die so viele Jahre hindurch vereint durchs Leben gepilgert waren. In einer Ortschaft bei Aachen sollte dieser Tage eine Beerdigung stattfinden. Dabei passierte einem der Träger das Unglück, auf dem gefrorenen Boden auszugleiten und in die offene Gruft zu stürzen. Da infolgedessen die übrigen Träger nicht imstande waren, den Sarg zu halten, so schlug dieser zur Seite, wobei sich der nicht recht fest zugeschraubte Deckel löste, die Leiche heraus und in die Gruft fiel und schließlich auch der Sarg nachstürzte. Erst als die Leiche, der Sarg und der Träger aus der Gruft hervorgeholt, und die Leiche wieder eingesargt war, konnte die Beerdigung stattfinden. Zur Arbeiter=Bewegung. selbst konnte die Frau eines Ackerwirts, welche ein sost algeneiner Sirest auigbracken insoige— dem Kroute, haus autlofe lit als geheilt aus wie wir hören, Lohndifferenzen. Von der aus über dem Krantelizug entlssen werden. 200 Mann bestehenden Belegschaft sind nicht ein Dutzend angefahren. Die in den Fabriken Wiens beschäftigten Schuhmacher haben die Arbeit niedergelegt. Die Zahl der Ausständischen beträgt etwa 12000. Mit den Arbeitgebern werden Verhandlungen eingeleitet, wilche Erfolg zu versprechen scheinen. Das Koch'sche Heilverfahren. Am Mittwoch hielt Herr Tierarzt Dr. Sticker in der Sitzung des landwirtschaftlichen Kasinos in Köln einen Vortrag über die von ihm mit dem Koch'schen Heilmittel bei tuberkulösen Kühen gewonnenen Ergebnisse. Der Vortragende hält eine Heilung solcher Kühe mittels der Koch'schen Lymphe für ausgeschlossen, dagegen besitzt das Mittel einen unschätzbaren diagnostischen Wert. Bei tuberkulösen Tieren traten ähnliche Erscheinungen wie bei Lupuskranken zu Tage: acht Stunden nach der Einspritzung stellle sich ein Fieber ein, das in einer Eigenwärme bis zu 41 Grad, einer Vermehrung des Pulsschlages bis 110 und einer Zunahme der Atmungs=Intensität sich kundgab. Bei gesunden Kühen blieben die Einspritzungen ohne jegliche Wirkungen. Das Mittel ermöglicht es, so schloß der Vortragende, gesetzliche Bestimmungen zur Bekämpfung und Ausrottung der Tuberkulose unter den Tieren leichter ein= und durchzuführen und die Viehversicherung zu unterstüätzen, indem tuberkulös erkrankte Tiere frühzeitig als solche erkannt und abgeschlachtet werden können; ferner kann man jetzt die Zuchten von kuberkulösen Tieren reinigen und der Verwentung tuberkulöser Tiere als Milchtiere vorbeugen. Die Ausführungen des Redners wurden mit Interesse entgegengenommen. Beifällige Aufnahme fand der Vorschlag, bei der Regierung vorstellig zu werden, Hru. Dr. Sticker für die Anstellung weiterer Versuche einen Geldbetrag zu bewilligen; die Landwirte würden dann anstondsloser ihre Tiere für die beabsichtigten Versuche hergeben, wenn sie bei notwendig werdender Schlachtung schadlos gehalten werden könnten. Aus Triest wird gemeldet, das dortige Stadtphysikat habe in drei Flaschen Koch'scher Lymphe Tuberkelbazillen gefunden, was auf geringe Sorgfalt bei der Bereitung der Lymphe hinweise.(Die Nachricht bedarf wohl der Bestätigung oder weiterer Aufklärung.) Königl. preuß. Klassen=Lotterie. (Ohne Gewähr.) Berlin, 2. Febr. Bei der heute vormittag fortgesetzten Ziehung fielen: 3 Gewinne zu 15000 auf Nr. 79613 109286 163168. 2 Gewinne zu 10000 M auf Nr. 66016 183534. 6 Gewinne zu 5000 M auf Nr. 11696 19•989 65920 67900 131 797 141347. — 3. Febr. Vormittags=Ziehung: 1 Gewinn zu 50000 M auf Nr. 76533, 1 Gewinn zu 15000 K auf Nr. 183935, 1 Gewinn zu 10000 M auf Nr. 37510, 3 Gewinne zu 5000 M auf Nr. 76580 121770 u. 157344. * Die einer milderen Witterung gewichene Kälteperiode der letzten Zeit erreichte auf dem Harze ihren Höhepunkt mit 22½ Grad Reaumur. In den Wildbeständen des Harzes sind große Verherungen angerichtet; namentlich sind Schmaltiere und Rehwild in einem Umfang zu grunde gegangen, wie man ihn seit 20 Jahren im Harzgebirge nicht gekannt hat. * Die große Kälte dieses Winters hat unter den im Jardin des Plantes in Paris gehegten Tieren große Verherungen angerichtet. Außer zahlreichen Affen, seltenen Vögeln 2c. sind vier wertvolle Antilopen, ein afrikanisches Zebra und ein australischer Leiervogel der Kälte erlegen. Der Gesamtverlust beträgt 30000 Franks. * Bei Salzbergen ist infolge der Hochflut die mit einem Kostenaufwande von 15000 Mk. errichtete Emsbrücke zerstört worden. * Am 12. Jan. liefen nicht weniger als 24000 Stück Rindvieh und 60000 Schweine in den Chikagoer Viehhöfen ein. So viel Rindvieh ist an einem Tage noch nie eingetroffen. Was eine solche Zufuhr bedeutet, mag der Leser daraus ersehen daß zur Herbeischaffung des Rindviehs, 30 Stück auf den Wagen gerechnet, 800 Eisenbahnwagen nötig waren. (Chikago hat die größten Metzgereien der Welt. Die Stadt zählt jetzt über 80000 Einwohner.) * In einer Dorskirche in Marion Connty. Staat Alabama, wurde eine Braut ermordet. Die Trauung war eben vorüber und das neuvermählte Paar empfing die Glückwünsche seiner Verwandten und Freunde, als ein durch ein Fenster der Kirche abgefeuerter Schuß fiel und die junge Frau tot zu Boden stürzte, durchbohrt von einer starken Ladung Rehposten. Die anwesenden Männer stürzten aus der Krche, um den Mörder zu fassen, aber derselbe war spurlos verschwunden. Der Verdacht der That fällt auf einen verschmähten Liebhaber der ermordeten Frau. * Beim 1. Bataillon des 18. bayr. Inf.=Rats. in Landau ist eine Typhus=Epidemie ausgebrochen, die bereits 80 Mann ergriffen hat. Am Freitag morgen allein haben sich 40 Kranke gemeldet. * Die Zahl der Ehescheldungen in Berlin ist nach Ausweis des staristischen Jahrbuches Jahr aus Jahr ein eine sehr große. Im letzten Jahre wurden 740 Ehen gelöst. In 5 Fällen hatte die Ehe noch nicht einmal eine einjährige Dauer gehabt, bei 22 hatte das Eheglück 1 bis 2 Jahre, bei 49 zwei bis drei Jahre gedauert. Die statistische Tabelle verzeichnet aber auch 54 Fälle der Ehescheidungen nach mehr jwanzigjähriger Ehe, darunter 2 nach 36jähriger, 1 nach 37jähriger Ehe. * In den letzten Tagen haben sich wieder mehrere Schiffsunglücke ereignet: Das Hamburger Stahlschiff„Potsdam", im letzten Jahr erbaut, ist bei Valparaiso gescheitert, nachdem es von den chilenischen Insurgenten aus Valparaiso vertrieben worden war. Schiff und Ladung sind total verloren, der Gesamtverlust beträgt eine Million Mark. * Die Influenza hält wieder ihren Einzug in Paris. In den Schulen Louis le Grand und Henri IV. sind etwa 30 Schüler erkrankt. * Ein erfreulicher Erfolg des Koch'schen Heilmittels wird aus Natzungen gemeldet. Da„Wie ist es denn dem gegangen?“—„I nan; schmunzelte der Nachbar,„das ist ein recht großes Kalb geworden.“ * Vor einem halben Jahre überzeugte sich die Warschauer Polizei davon, daß Schüler der Handelsschule und einige Gymnasiasten vom Auslande Werke bezogen, die in Rußland verboten sind; der Inhalt war sozialistisch. Die Untersuchung ergab die Schuld 16 junger Leute im Alter von 15—19 Jahren. Der General= gouverneur Gurko bestrafte die Uebelthäter mit 2—3 Monaten Arrest. Die Eltern wandten sich mit einem eingehenden Gnadengesuch an den Zaren. Dieser schrieb eigenhäudig auf die Bittschrift: für die Katholiken(Polen) ist die Strafe zu verfünffachen, für die Inden 30 mal so hoch zu bemessen. Nur der eine#o#rthodoxe(griechische) Schüler erhielt keine Straferhöhhung.(Diese Barbarei erscheint kaum glaubhaft.) Vor einigen Tagen erschien am Postschalter in Friedrichroda eine alte Frau und verlangte eine„Altertumsmarke". Die bekannte Findigkeit der Post bewies sich dadurch, daß der Frau eine Quittungsmarke für di: Altersversicherung übergeben wurde, mit welcher sie sich dankend entfernte. * Ein Herr, welcher die Gewohnheit hatte, auf seinen Reisen stets eine Cognacflasche mit sich zu führen, welche er in seinem Fußsacke der Bequemlichkeit wegen unterbrachte, besand sich dieser Tage auf der Reise nach Damme. Bei einer am Wege liegenden Schänke steigt der Reisende aus und begiebt sich in die Gaststude. Als nun die recht behäbige und sorgsame Wirtin die Flasche, welche sie wegen ihres Umfanges für eine Wärmeflasche hielt, entdeckte, meinte sie:„De is awer recht kolt woren“, und hatte nichts eiligeres zu thun, * 25 Millionen Mark gestohlen hat der Direktor der argentinischen Postverwaltung in Buenos=Ayres während einer Amtszeit von 4 Jahren. Bei der Liquidation des Regime Celman stellte man bei der Durchsicht der Postadministration, welche unter der Leitung des Dr. Carcano, eines Busenfreundes des Expräsidenten, gestanden hatte, einen Fehlbetrag von nahezu 11 Millionen Pesos fest, eine Summe, welche nach deutschem Gelde etwa 25 Millionen Mk. beträgt. Dieses ungeheure Defizit wurde berechnet durch Addition derjenigen Geldbeträge, welche während jener vier Jahre bei der Postverwaltung als„verloren“ angemeldet, aber nicht ersetzt worden waren, ferner durch die Zahl der Postwertzeichen, welche in den verschiedenen Postanstalten der Republik mehr verkauft wurden, als die Staatsdruckerei geliefert hatte. Die Geschäftspraxis Carcanos bestand nämlich darin, täglich mehrere Geldbriefe und Mandate mit hohen Beträgen für sich zu behalten und durch eine in seiner Wohnung eingerichtete lithographische Druckerei täglich Tausende von Brief= und Stempelmarken in jeder Preislage herstellen zu lassen, durch deren Verkauf er viele Millionen„verdiente". Die Argentiner sind jedoch gegenüber derartigen Entdeckungen bereits sehr unempfindlich geworden, und so wurde auch die Mitteilung über diese Räu. bereien des vormaligen Pofidirektors unter den gewöhnlichen Tagesnachrichten der Zeitungen aufgeführt, ohne daß sich jemand in besonderem Maße entrüstet hätte. Auch wird es niemandem einfallen, ein gerichtliches Vorgehen gegen Carcano zu verlangen, welcher vielmehr in ungestörter Ruhe mit den geraubten Millionen in Buenos Aires lebt. Eine amerikanische Dame züchtete zu ihrem Vergnügen Seidenwürmer. Infolge des sehr warmen vorjährigen Winters schlüpften die jungen Seidenraupen zu früh aus den Eiern, zu einer Zeit, wo noch kein Maulberbaum ausgeschlagen hatte und folglich kein Futter für die jungen Tiere vorhanden war. Da gewahrte sie zufällig in ihrer Nachbarschaft einen Strauch des sogen. immergrünen Kreuzdorns und setzte in ihrer Ratlosigkeit die jungen Raupen darauf, und siehe da! sie ließen sich dieses ungewohnte Futter trefflich schmecken. Sie fütterte damit weiter und teilte später ihre Raupen, sodaß ein Teil den immergrünen Kreuzdorn, der andere die inzwischen hervorgekommenen Maulberbaumblätter zur Nahrung empfing. Zu ihrem größten Erstaunen fand sie dann später, daß die mit immergrünen Kreuzdorn gefütterten Raupen viel größere Cocons und auch ein viel feineres Gespinnst geliefert hatten als die mit Maulbeerbaumblättern gefütterten. Der grüne Kreuzdorn ist als Zierstrauch nun über ganz Südeuropa verbreitet, läßt sich überall dort, wo Maulberbäume gedeihen, akklimatisieren und speziell diese Gattung der Rhamneen gehört zu den verennierenden Gewächsen, atürde also eine ununterbrochene Nahrungsquelle für die Seidenraupen bieten. Für das nördliche Klima würden sich andere nicht immergrüne Abarten der Rhamneen eignen. Kurz diese zufällige Eutdeckung dürfte sich zu einer neuen wichtigen Quelle zur Hebung der Seidenindustrie gestalten. * Ein Bauersmann hatte die Scheuern Jahr für Jahr reichlich voll, auch im Geldsack gab es Hülle und Fülle; desto dürftiger war es um— seinen Verstand bestellt. Das war geradeso bei seinem Sohn. Aber der sollte und mußte ein„Gestudierter" werden, die Gelder zum Studium waren ja vorhanden. Und was wahr ist, ist wahr: Geid hat dem Alten das Studium seines Sohnes genug gekostet. Denn der verstand die Kunst vieler Hochstudierenden: Geld, viel Geld zu verbringen. Zwar zog der Papa ein sehr schiefes Gesicht, wenn er immer eine Summe nach der andern herausrücken mußte. Doch tröstete er sich und seine Ehehälfte mit dem Gedanken: Ist der Hans nur erst Regierungsoder Gerichtsrat— dann bringt er die Kosten des Studiums alle wieder ein. Und ob dieser Aussicht that sich Kunz schon im voraus nicht wenig zu gute. „Nun, Nachbar!“ sagte er eines Tags über den Garals die edle Flüssigkeit auszugießen und die Flasche mit warmem Wasser zu füllen.„So, nu sall de Herr de Foile woll warm kriegen“, meinte die Frau in ihrer gutmütigen Weise. Als nun der Reisende unterwegs Durst verspürte, griff er nach seiner Cognacflasche. Doch, wie merkwürdig warm kommt sie ihm vor. Herzhaft nimmt er jedoch einen tüchtigen Schluck aus der Flasche. Doch sein entrüstetes Gesicht zeugt von der Wirkung, die das Spülwasser gehabt. Der Kutscher, der den Hergang mit der Wärmeflasche angesehen hatte, konnte seinem Herrn Aufklärung verschaffen. Dieser soll sich aber vorgenommen haben, nie wieder eine Cognacflasche in den Fußsack zu stecken. In Saaralben bei Metz wurde beim Eissprengen der Feldwebel Rogge durch Sprengstücke getötet. Zwei Soldaten des PionierBataillons Nr. 15 wurden verletzt. Auch in Magdeburg ist ein Sergeant von den dortigen Pionieren bei den Sprengungsarbeiten verunglückt. Es flog ihm ein größeres Eisstück an den Kopf, er fiel infolge dessen ins Wasser und ertrank. * Wie die Rathenow. Ztg. berichtet, ist ein Hauptgewinn der preußischen Klassenlotterie im Betrage von 30,000 Mark dem Trompeterkorps des Husaren=Regiments von Ziethen zugefallen. Schon vor einigen Jahren hat dasselbe einen großen Lotteriegewinn gemacht. Gelegentlich der Illumination hatte ein in der Frankf. Allee in Berlin in einem Keller wohnender Jünger des„Hans Sachs“ an seinem Schaufenster ein Transparent befestigt, auf welchem zwei„verkehrt“ stehende Stiefel aufgezeichnet waren; dazwischen stand folgender Vers geschrieben:„Wer meinen Kaiser und König nicht ehrt, dem mach' ich seine Stiefel verkehrt. Aerztliche Frage. Koch hat gesprochen, zeigend uns die Quellen Der Lymphe, die uns inl’ressiett so sehr. Nun wissen wir, das Mittel herzustellen, Doch, sag, wie stellen wir die Kranken her. Litterarisches. Perthes' Handlexikon für evangelische Theologen. Ein Nachschlagebuch für das Gesamtgebiet der wissenschaftlichen und praktischen Theologie. 23.—24, Lieferung(Reffleughen=Schenkel). Gotha, Friedr. Andr. Perihes 1890. Preis: K 2. Rüstig schreitet Perthes' Handlexikon seiner Vollendung entgegen, die in spätestens 6 Wochen zugesichert wird. Auch der Raumumfang wird nicht überschritten werden, dank sorgfältig beobachteter Oekonomie des Raumes. In dieser Beziehung verdient die Leitung des Werkes in der That uneingeschränkte Anerkennung. Bei dem umfangreichen und verschiedenartigen Stoff war das Einhalten einer so beschränkten Raum= und Zeitgrenze eine fast unlösbare Aufgabe; aber sie ist glücklich gelöst. Die vorliegende Doppellieferung enthält an größeren Artikeln: Rechenunterricht, Rechtfertigung. Reformation, Reformationsfest(viele Predigt= entwürse), Reich Gottes, Religion, Revisionsgesetze, im(über 5 Seiten, nebst 2 Abbildungen der Peterskirche), romanischer Stil, russische Kirche, Sabbath, Sakramente, Satisfactio. Umer 4 p3t. Stadt=Anleihe von 1883. Die nächste Ziehung findet im Fehruar statt. Gegen den Kursverlust von ca. 2½ pZt. bei der Auslosung übernimmt das Bankhaus Carl Neuburger, Berlin, Französische Straße 13, die Versicherung für eine Prämie von 5 Pfg. pro 100 Mark. Gottesdienste. Schwerte. Reformierte Kirche. Donnerstag abend 8 Uhr: Bibelstunde. Beste Bezugsquelle für Buxkin u. Kammgarn reinwoll. u. nadelfertig ca. 140 cm breit à Mk. 1.95 Pf. per Meter bis 8.75 versenden jedes beliebige Quantum portofrei direkt Schr an jedermann Buckskin=Fabrik=Oepot Oettinger& Ko., Frankfurt a. M. Muster=Auswahl umgehend franko. Bestellungen auf die „Schwerter Zeitung“, Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde und den Landkreis Dortmund, für die Monate Februar und März werden fortwährend von den kaiserlichen Postanstalten, unseren Voten und in der Expedition entgegengenommen. Da die„Schwerter Zeitung“ das verbreiteste Blatt in Schwerte und Umgegend ist, so ist sie nicht nur allein das wirksamste, sondern auch das billigste Insertionsmittel, denn Preis und Wert der Anzeigen werden bekanntlich durch die Verbreitung eines Blattes bedingt. der„Schwerter Bei etwaigem eingetretenen Wohnungswechsel wollen unsere Abonnenten ungesäumt bei der Expedition Mitteilung machen, um Unregelmäßigkeiten in der Zustellung der Zeitung zu vermeiden. Die Expedition der„Schwerter Zeitung.“ Be ( Todes-Anzeige. ehweren Leiden unserg liebes T’öchterchen 4 Dienstag, 3. Febr, ent-) (schveren P Leinma (im zarten Alter von 1 Jahr.) ZUm stille Teilnahme bitt Familie Karl Griese. Donnerstag, 5. Febr.: Generalversammlung. Der Vorstand Die Beerdigung findet) Samstag vormittag 10 Uhr# statt Boboobere LOn Se Todes-Anzeige. hat Gott dem Allmächtigen gefallen, nach Kkurzem schweren Leiden Cheute abend 5¾ Uhr unser# innigstgeliebtes TöchterCchen &a Mina Peuckmann (im Alter von 9 Jahren 4## Monaten zu sich in die EwigSkeit abzurufen. Freunden 4 Kund Bekannten diese TrauVernachricht mit der Bitte# um stille Teilnahme 3 Lbietrauernden Hinter4 bliebenen. Villigst, den 1. Febr. 1891 g Die l’eerdigung findet# „Donnerstag nachmittag 4## Uhr statt.2 SSpgz GardeBeri I für Schwerte u. Umgegend. onntag, den 3. ds., abends 8 Uhr: Versammlung. Tagesorduung. 1. Aufnahme der sich neuangemeldeten Mitglieder. 2. Beratung über ein Prämien= schießen. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. Bekanntmachung. Auf sofort eine „ 8 mit Stallung u. Garten abzugeben. w. Aplerbeck Empfehle mich zum Wagern. Frau Rothöft, Westhofen, Bahnhofstr. Die Modenwelt. Illustrirte Zeitung für Coilette und Handarbeiten. 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J. dem Herrn entschlafen und auf dem neuen Friedhofe der Gemeinde Schwerte feierlich bestattet worden. Die zahlreiche Beteiligung der Schulgemeinde an dieser Feier unter Vorantritt des Kriegervereins, sowie sämtlicher Mitglieder der Lehrerkonferenz Schwerte=Westhofen und anderer nahestehender Berufsgenossen und Freunde gaben durch ihre allseitige Teilnahme ein lebendiges Zeugnis ihrer innigen Sympathien und herzlichen Beziehungen, worin sie zu unserm entschlafenen, teuern Mitbruder gestanden, der nach Gottes heiligem Rat im besten Mannesalter seinen Lauf vollendet und durch den unerbittlichen Tod aus unserer Mitte geschieden. Sein Hinscheiden hat gleichfalls eine große Lücke gerissen in sein Familienleben, dem er als Ernährer und Erzieher seiner großen Kinderschar vorstand, eine Lücke, die ungeschlossen noch lange schmerzlich fühlbar bleiben wird. Möge daher das Schriftwort: 1 Sam. 3, 18, das den treuen Dulder in seinen Leidensstunden so oft getröstet und erquickt hat:„Es ist der Herr, er thue, was ihm wohlgefällt!“ auch seinen trauernden Hinterbliebenen zum Troste und zum Segen gereichen, daß sie in gläubigem Vertrauen dem Herrn ihre Wege befehlen und seine gnädigen Führungen in Demut erkennen und preisen! Betrachten wir nun unsern teuern Freund Koch in diesem Nachrufe als Lehrer und Erzieher in der Schule wie im häuslichen Kreise, so dürfen wir sagen: Er war ein Mann nach dem Herzen Gottes, der durch seinen frommen Sinn und Wandel, durch seine Geistesgaben, seine pädagogische Bildung, durch hohe Begeisterung für seinen Beruf in treuer Pflichterfüllung, durch sein freundliches und bescheidenes Wesen und seine edlen Charakterzüge in allgemeiner Liebe und Achtung stand: galt er in Lehrerkreisen durch sein intellektuelles Streben, seine Berufstüchtigkeit und Berufsfreudigkeit, wie durch seine erfolgreiche Lehrthätigkeit, sowie dadurch, daß er in Erkenntnis seines Standesbewußtseins, daß er stets hochhielt und auch darin seinen Berufsgenossen mit einem guten Exempel vorleuchtete: als eine hervorragende Zierde seines Standes. Möge darum sein teueres Andenken unter uns im Segen bleiben und nie erlöschen, und möge der Herr an den trauernden Hinterbliebenen Seine göttliche Verheißung erfüllen: Joh. 14,18 „Ich will euch nicht Waisen lassen, ich komme zu Euch.“ Schwerte, im Februar 1891. Das Lehrerkollegium Schwerte=Westhofen. im Saale des Herrn Kühn zu Dortmund. Programme durch Herrn Direktor Geibel, Dortmund. Die Markt-Kommission. Jeder Deutsche, welcher ein Freund der Natur, des Reisens und des Wanderns ist, sollte auf „Frisch auf“, illustrierte Zeitung für Natur= und Wanderfreunde abonnieren; und zwar bei der nächsten Postanstalt, wo man wohnt, für nur 1,25 Mk. vierteljährlich.„Frisch auf!“ ist der offizielle Wandergruß des Verbandes deutscher Touristenvereine mit seinen ca. 24000 Mitgliedern. Hochinteressantes Blatt für jedermann! Für Hoiels, Restaurationen und Cafés in Deutschland unentbehrlich! Eingetragen in der deutschen Postzeitungsliste 1891 im Nachtrag Nr. 2276 a. Annoncen 36 Pfg. pro Zeile. 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Um rege Beteiligung bittet Der Vorstand. langschaftige Rottannen, zu Bauholz, Leiterbäumen, Wiesbäumen und Frechtungsstangen geeignet, meistbietend verkauft werden. Ostberge bei Schwerte. Fr. Rasche. Cölner Dombau-Lose! Ganze à 3 Mark 25 halbe Ant. à 1,75 Mk., viertel à 1 Mt. empfehlen und versenden Schulte& Bartels, Lotterie-Geschäft. Dortmund, Westenhellweg 69. Für Porto 10 Pfg., Liste 15 Pfg, beifügen. Einladungs=Karten Familien-Festen etc. werden in schönster Ausführung schnell und billigst angefertigt in der Buchdruckerei Carl Braus in Schwerte. Eimsbütteler Str. 64, Altona.) untersucht und ärztlich empfohlen, pro Fl. 1 Mark. R. e do erscre à Paket(10 Stuck) 15 Pf. Alleinverkauf und nur echt zu haben in Schwerte und Umgegend bei Hrn.( Flaschenbierhandlung. NB. Obiges Extrakt war das beste Mittel gegen Influenza. 224 Unübertroffen gegen Asthma, Blutarmut, Bleichsucht, Brust= u. Magenleiden bleibt der 5 Altonaer Malz-Ertrakt. Kontor: Ziehung 20. Februar 1891. 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