„ S * U Bolatt für den Landkreis Dortmund und Abonnements=Preis pro Quartal 1 Mark 50 Pfg. Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. Wöchentlich eine Gratisbeilage„Familienfreund“, Insertionsgebühr für die sechsspaltige Zeile oder deren Raum 10 Pfg. Ov außerhalb des Leserkreises 15 Pfg.; Reklamen 30 Pfg. Redaktion, Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Nr. 150. Schwerte, Donnerstag, 15. Dezember 1887. 20. Jahrgang. Bekanntmachungen. erstes Minsterium zu bilden. Diese Minister= Zustände diskrediteren oiz Pexvhon, m. Snate jagd war ein wirriges und entwürdigendes Schau= in allerstärkster Weise, Velanntnaczung, péek. Das Stasoberhaupt sagt hiuter aln sewe Radkaltur besen. ich Erlaß des Herrn OberpiZhiutgzeg, arz aa kmgyr, Kabinet zu bilden; er bittet und bettelt, und Deutsches Stelle des ausgeschiedenen xmizsekretärs Goßmann wenn endlich ein Ministerium bis zur Konsti= Deuischer Reichstag. hr erten Stelhreitreter des Stoande, guigen, iur den tuierung ferig, dann schreit die gegnersche Pressel„(Montagsstzung.) Zmnächst wurde der Gesetzenesdeneune Aun gscher“ den eeg o, De uue Regseug wrde Zich bei hrens uf der. die Gasheag dr Maädhegusckgchang Horunt, dun 6. Ohenur 1467. ersian Aastrian in der Kauuer gtiührend eun iu Gichehostzengen, Bo ic dusfanzsäiche seseite Der Landrat: v. Rynsch. Aus einem Brief der Deutschen Kronprinzessin, datiert San Remo, 7. Dezember, ist die Nat.=Ztg, in der Lage, folgenden Auszug zu geben:„Wir machen eine schwere Prüfungszeit nach allen Richtungen durch; aber das Gefühl, daß die Nation uns nicht vergißt, mit uns hofft, mit uns fühlt, ist ein unendlich trostreiches, erhebendes und beglückendes. Wenn es Gott so will, wird dieses Vertrauen auch ferner dem Kronprinzen als kostbarstes Gut erhalten bleiben Bekanntmachung. Die von der Gemeinde=Vertretung zu bse uemn 1, boen ende Harsez zaum Vorsether den Mut, und Prisdent Carnot begant seine sichieit sauhindenden Gerichevertzandangen. Das Geiseh nag szun so frisch und bläbend siet. sch hale esceh eche a ae e n e. e... e. odras von 28. v. Buk. Nr. 1328 belätg worden, Viaisterkanddaten geleistet, hre Beschinpfangen Da sich bie ganze Zeutamnsparct setz auf einen Zolizsundheit zur Erfülung seiner Pfichten nichzt ee ud Ausäe hud von mahoser besigzlet gelsatz von 5. 4 füir Ragen und Beizen Gor 10, A1o)1tzen prd weun gr auch in günstiasten Fel Der Gewählte ist am 7. d. Mts. von mir lichtet und in sein Amt eingeführt. Castrop, den 9. Dezember 1887. Der Amtmann, I. Schulte=Rauxel, Beigeordneter. und Ausfälle sind von maßloser Heftigleit ge satz, von 5 J4 Iur,igegehzier h.nnahmne Hieses Sazes fenien wird, wenn er auch im günstigsten Fall wesen, und die Folgen davon zeigen sich dentich stat Her 6g 1e der“ Regierungsvorage) sicher. Beilnoch lange sich wird schonen müssen und seine in Auburins Reveiver=Attentat gegen Oules der Lbstimmung wird der Zollsatz von 6 Simme wenig wird gebrauchen iönen.“ Ferry. Die Radikalen sind in der Kammer I(Regierungsvorlage) für Weizen und Roggen] Fürst Bismarck hat in Friedrichsruhe an nicht soe kaut, ale die Rerzubllauer genaßtter mnit 258 9egen Jshonsertzaibe, sopie eit Tei derseinem Anfall von Darmkolki gelten. Das ale Zeit zum Minsier. Dohr, Knmen, Aeud besd Zeutruns, Daggen wit Ucbel ist aber bereits gehoben, und der Kanzser nur noch Diät und Ruhe. Er hatte sich seit Mittwoch voriger Woche unwohl #r französischen Repubik gewählt und Vvor rücksichtelosesten zu schreiten. Und so war esmit 213 gegen 126 Stzimigen angenommen, sgefühlt, und belam dann in der Nacht zum Pritnigten die Republigger big Stimmen aus svon je ia Paris, daß das gröste Anschen der Meiterbergtung: Miwog 41 u. 1557—773 W, Tii vim geet, a. c. 2. n mit seltener Einhelligket. Der neue Präst. genoß, welcher den größten Mund hatte. Ant betonte in seiner Dankrede auf die Glückkünsche der Kammerpräsidien, daß ihm diese] Die Zusranve in der Pariser — Samstag einen Kolikanfall. Professor Schwenninger kam am Samstag nach Friedrichsruhe, reiste Kut beionte in einer Doufov, ou ziege Zußinde in der Parser Deputerten= Kaser Wülheln, der sich recht wohl befirfetz aber am Sonntag schon nach Verlin zurüick, da esche der donnegrechten, bes ie Bug D, Aun, tuign boberlichen seawping an Mountag den Vesch der Grehitzsch, agertet Geichr vortag, An Sozulag st Furt inigkeit besondere Freude vereitet habe, daß er kammer sind bei der gegenwargp:— Katharina von Rußland und hatte wit Bismarck, der nur noch einige Tage Ruhe beisse, sie werde auch in Zukunst um ale Re Uneinigleit der repubikanschen Parteien abbelz Minster von Putkamer und dem Grafen Her= darf, schon wieder ausgefahren. Gerüchte von Peillauner dr Band Seingen. Wean Herlautaltor, und wen dei Hertzealtentg— Ihert Biemarck Kuntrengen.— Die, Kasernsegem Schiagansel snd iatael falsch. Keruer bies witich grest dut e dt er Versuten Endzud gmatzt vot, v v bos, egg Agustae auzfing an Sonutag nachntag bs“: Di, Baheichen aus St. Vatritaun lauten ueck an Seiuemn Letuen Tram ematlur an duen Autzs u denin. Dxr Ve. Rachzlaggpishdion i urger Aadienz, Dersgaue abhoer. Se schent, des die Sienmane Prog vr bertz uit den worn die shautoensder Boditaien gvoen ue Vemshoeg, v zgng, Kranprig, von Grichenland, wechen der Kaserscher dac zur Zat wichen Bostand uns Oeter. Peandalgeschichten Vegrsiter. Dos vur: Stactesae uos r. vue, bvog1, uag Glgalsendgr den Sctwarzgen Wdierondean verichen, it ansricgh opuakltandse Verzälauts aine feilzlicher aer. Perchaupt vor in besthrenpeter Wiom wndIHor der boden Vortoten, vus v. zud„un den Montag abend voen Berin uch Ahen ahgrest. wanden st. Veterstunger Korespondenten, die oun dele egentich anuchmen solen, doß sich Frantreiche in der Hgp), bosten Zesig nchmen.! Der Kroppeinz, desen Algemeinbefiaden täg= sals zuverläisig belanmt sind, Jußern ernftliche ie großen: Geiter der Btepuotg iun, bessthte Hoichen Hiaszäaden und bel der andauern= üch bessr wird, hat die Wagenschrten ganz aufe Zpesel, ob die rusischen Truppendislokatonen Peumnein vurzen, un gen den Feindselgkeit der monarchisischen Abgeord= gegeben, geht enweder spazeren oder benugt die nach der galizschen Grenze, deren Unfang durchPssenhaftes und gesoh och richt sol reten— den Ausschlag in der Deputierten=sihm zur Verfügung gestellte stallenische Dampf= aus nicht festsiteht, als kriegerische Vorbereitungen bi6 de vepubitansg; Stogeso, Monarchisten, Lann sich kein einziges Ministerium,(gacht. De. Mackenze kchrt, nicht nach Sansoder nicht vielmehr als organsatorsche Maßeing v. octen,) Gelcstverleugnung wor in mag es gestaltet sein, wie es wil, für längere Remo zurück. Die Wiener„Med. Zentral=Ztg.regel zu berachten sind. Zugleich wird verA 7.— Moment eine Pflicht für die republika= Zeit am Ruder halten, und auch Carnot's erstes schreibt, daß allerdings die Aerzte an der Richtig= sichert, daß in Petersburg ernstliche Absichten eien Monent einr Veicht, ior ve e bug,(Zuzut wich den Früzing schver ereichen teit iher Krebedignse zu zweistiln begonnen außer in den Redationen etuiger Zeitungen niczt endele, is lüchigen Männern bestehendes riten Minsteriam versuchen, immer wird dos helbare Kehlopf=knorpel=Eatzäündung, die dem der beim Georgsfest der Toast auf den Deuischen endeit, ein aus buchigen bichuen, al Ziesen Resalalt dasselbe sein, denn Frankreich besits Krecbs seyr ähnich in. Tagegen erhält das Kaser ausgebracht und aufgenommen worden ist, inisterium der Erste zu sein. Das hat wohlfzur Stunde keinen Staatsmann, der im stande Londoner Regierungsblatt„Standard vom letzten kann als ein güntiges, Symptom gedeutet werriste tan, be, ee, grwartet, Paris wäre, idrstretenden Elemente mit gewal Sonntag ein Telegramm aus San Remo, ins den, als welches das Verbleiben Kalnoags auf pemnug bunz Exrova erwotte, as aus Puur= ware,„die wiorstrvenden Siempeut,„Au Gade, weschem gesagt wird, das bösarige Gewichssseinem Posten ganz sicher zu betrachten ist. Die Die repupikanschen Eintragspyunen ertonten, üger Haust vosomwen, v—, Zammerauflssung und lam Kehzlklopf des Kronprinzen sei unzweifelhaft Berliner„Kreuzeltung“ krit in einem Ton, der ster ganz Europa hat sich aug toial geichicgt,sbteibt vur eing or Hamit dieses eine seste re= Krcbs, die Aerzte hälten ihre Ansicht nicht im auf gute Insormation schließen läst, dafür ein, Pollg; wos die Handlungen der Parteichess pubilkansche Mehcheit in das Parlament sendet, miadsten geäadert. Aber da das Gewächs nurs daß der Zar nicht nur gegen Deuschland friedder krasseste Egoismus, der Kampf aus welcher dann das Kabinett zu nehmen ist. von kleinem Umfange, hoffen die Aerzte, daß die lich gesinnt sei, sondern auch einer kriegerischen P bvset;, gn ace. kosset: Sootcung, e, opp)— Mitel ist nicht ganz gesahrlos, weil esswunderbare Körperkonstiution des Kronprinzen Lösung der balgarschen Frage sich nicht geneigt zwei Woche hat Präsident Carnot auch den Monarchisten neue Vorteile bringen für lange Zeit einen unglücklichen Ausgang ver= zeige, daß aber in seiner Umgebung eine starke u chuen gehabt, bis es ihm gelungen st, sei kgn, aber es gbt kein anderes. Die sesion szndern werde. Krigspartei ersitere, der die Friedenspartei bis * Weibnachtsüberraschungen. Eine Erzählung aus dem Leben von A. Vollmar. (Nachdruck verboten.) Rudolf und Marie waren nun schon zwei und — kinen halben Monat verheiratet; zehn Wochen, nein, 50 Banz genau gerechnet einundsiebzig Tage waren verMossen, seit Marie das elterliche Haus verlassen und Mudolf mit ihr, obgleich letzterer Vater und Mutter Immer noch mehr als ein Räuber, der ihnen den besten 50Schatz gestohlen, denn als Sohn erschien. Aber er Avar nun einmal eins mit Marie, ganz unmöglich von Uhr zu trennen, und so mußten sie sich endlich bequemen, ###tatt von„dem Kinde“ von„den Kindern" zu sprechen Geobmuter weiche im gcheimriütlichen Houte zpe! anz allerliebste Stuben, hinten nach den Gärten hinaus gelegen, bewohnte, wurde es viel leichter, Rudolf als zur Familie gehörig zu betrachten. War er doch Der Enkel ihrer liebsten Freundin und sie kannte ihn von seiner Geburt an. Hatte sie es nicht stets als in Vorzeichen betrachtet, daß er und Marie für einUander bestimmt wären, seit letztere als vierjähriges Kind laut weinend zu ihr gekommen war und geschluchzt hatte:„Großmutter, Rudolf will mich doch nicht heiraten, er hat es gesagt und ich habe den hanzen Tag alles gethan, was er gewollt hat!“ Und der Angeklagte als verstockter Sünder hitte nicht der Angeklagte als verstockter Sünder ge#antwortet:„Mädchen wollen immer für alles gleich pas wieder haben.“ Hatte nicht die Großmutter mit eigenen Ohren ein ander Mal gehört, wie Rudolf sich mit seinem ruder Max gezankt und dabei gesagt hatte:„Mariechen heirate ich, und nicht Du“, und hatte sich nicht mer Bruder darauf resigniert auf die Tischkante gesetzt ###nd drohend gesagt:„Gut, heirate sie; aber Du ündigst gegen das neunte Gebot, das sage ich Dir,“ Worte, über die der ruchlose Rudolf nur gelacht hatte. War da ein ander Ende vorauszusehen gewesen, als das, welches nun am 1. Oktober dieses Jahres vor Priester und Standesamt besiegelt worden und in allen Zeitungen öffentlich zu lesen gewesen wa. Alles in allem: Rudolf zwar Großmutters Herzvlat und leder wubie er dos. uae#l Mit wem aber hielt es eigentlich Onkel Nikolaus Großmutters Sohn und Mutters leiblicher Bruder, den man fälschlich einen alten Junggesellen nannte, während er doch ein junger Altgeselle war? Jung von Herzen, alt an Jahren, zwar seit dem letzten Kriege dienstunfähig, aber fähig zu allem Guten und Fröhlichen, zu Scherz und Narrenspossen? Onkel Nikolaus war Mariechens Ideal gewesen, seit sie zum erstenmal ihr eitles Kinderköpfchen an seine glänzenden Epauletten gelegt, seit er sie zum erstenmal mit einer Zuckerdüte beschenkt hatte. Das war lange, lange her. Aber die Freundschaft war geblieben, Zeit und Umstände hatten sie nur immer mehr befestigt.„Mariechen kann alles vom Onkel Nikolaus erlangen,“ war stehende Redensart im Hause, und obgleich letzerer sich hoch erhaben über„Weiberherrschaft“ und„Frauenlaune“ dünkte, so war es doch eine Thatsache, daß er auf ihr bittendes Kommando unermüdlich Trepp auf Trepp ab lief, ja sogar in den Läden Besorgungen für sie machte. Alles aus Liebe! Aber nun war’s vorbei damit. Er hatte nichts mehr für das Kind zu thun und sehnte sich fast das Herz nach ihm aus. Es war aber auch so unheimlich still im ganzen Hause nach der unruhigen Hochzeitszeit geworden: Großmutter empfing keine„Dämmerungsbesuche“ mehr von ihrem„Nachtfalter“, so nannte Onkel Nikolaus den dunkelhaarigen Rudolf, Vater und Mutter saßen viel allein in ihren Zimmern„an den Schreibtischen“, nur bei den gemeinsamen Mahlzeiten fanden die vier Zurückgebliebenen sich zusammen. „Essen und Trinken, dem Salz und Schmalz fehlte,“ murmelte Onkel Nikolaus in den Bart, der täglich wilder und gefährlicher emporwuchs; dann las er die Zeitung, der Vater auch, Großmutter strickte unermüdlich etwas mit ellenlangen Nadeln und Mutter unterhielt sich in einem so unleidlichen Flüsterton mit ihr, daß der Onkel sich über jedes einzelne Wort langsam Konnte denn nicht wenigstens irgend ein guter Freund und getreuer Nachbar kommen? Aber es war, als wäre alles weggepustct.„Zum Kuckuck, warum kommen denn Wentzels nie mehr?“ fragte er endlich “„ Was sollen die sungen Leute bei uns Alten santwortete die Mutter mit sanfter Stimme. „und Greifs F“.. Juds uch rüht grs. „Waren krank und dürfen abends noch nicht ausgehen. Zudem ist Weihnachten vor der Thür und da hat manch einer auch mehr als sonst zu thun.“ „Perleustickereien machen?“ höhnte der Onkel. „Am Ende macht mir die Marie noch ein Paar Morgenschuhe. Sieben Paar stehen schon ungebraucht da.“ „Marie wird wohl genug für Rudolf zu thun haben,“ bemerkte die Großmutter. „So, meinst Du? Nun ja, die gehen uns nichts mehr an, Aber wir müssen irgend etwas unternehmen, damit wir nicht ganz versumpfen und versanden.“ „Vielleicht einen Jour füx arrangieren,“ warf der Vater ein. 116 „Wir werden auch ein Diner geben müssen,“ meinte die Mutter. „Wir könnten ja auch lebende Bilder stellen,“ lächelte etwas boshaft die Großmutter,„etwa frei nach Müller. Du, Nikolaus, machtest den Prometheus, an den Felsen der Alltäglichkeit geschmiedet; der Adler „üble Laune“ zerfräße Dir so langsam das Herz. Als abwehrende Helferinnen ließen sich vielleicht Auna und Emmy Wagner bereit finden.“ Sprachlos starrte Nikolaus seine Mutter an. Endlich sagte er mit stiller Verachtung:„Na, auf solche Ideen wäret Ihr alle nicht gekommen, wenn wir noch die Kinder hätten.“ „Da wir sie aber nicht mehr hier haben,“ sprach der Vater, so müssen wir uns eben in den Sachverhalt finden, so gut es geht.“ „Und uns auf einen Besuch im Sommer freuen,“ fügte die Mutter binzu... ug Man sieht; das Wetter im Hause war sehr schlecht. Unter der Asche der Resignation und Zufriedenheit flühten die Kohlen der heißen Sehnsucht und verangenden Liebe. Sie sollten ein entsetzliches Feuer entzünden. Die Großmutter legte ihr Strickzeug mit einem tiefen Seufzer zusammen.„Nun ist bald Weihnachten,“ sagte sie ziemlich unvermittelt. „Für uns gibts kein Weih rachten,“ murrte der Onkel. „Rede doch nicht so,“ bat die Mutter. „Warum soll ich denn die Wahrheit nicht mehr sagen,“ entgegnete Nikolaus trotzig.„mir ist nicht wie Weihnachten zu Mute. Einen Baum machen wir doch hoffentlich nicht? Für Kindereien sind wir wohl zu alt und Ueberraschungen gibts für uns nicht mehr.“ „Einen Baum zünden wir doch an, nicht wahr, Vater?“ „Natürlich.“ „Ganz wie Ihr befehlt,“ murrte Nikolaus und gab der Großmutter den Arm, sie in ihr Zimmer zu geleiten, noch ein paar Donnerworte ausstoßend, weil die Schwefelhölzer nicht am rechten Platze waren. „Seit Marie fort ist, geht hier alles verkehrt.“ „Und Du auch“, lächelte die Großmu tter. Die Zustände im Hause waren unhaltbar und durften so nicht bleiben, das sah ein Kind ein. Konnte Rudolf je verantworten, was er gethan? Wenn nur das junge Paar erst einmal hier gewesen wäre, als Eheleute, daß die acht treuen Augen sahen, wie sie glücklich waren,— gewiß, dann würde allen die Trennung leichter sein. Aber so waren sie wie ein Sturmwind im Lärm der letzten Tage aus dem Hause gefegt,— wenn man sie doch nur einmal in Ruhe hier hätte! Weihnachten sollten. sie nicht kommen, das war abgemacht. Die Reise war anstrengend, vier Stunden Post und zwölf Stunden Eisenbahn,— und sie war sehr teuer. Das junge Paar mußte sich etwas einrichten und wenn es im Frühjahr kommen wollte, konnte es jetzt nicht auch die Reise machen. Das war alles vernünftig besprochen und beschlossen. Aber, aber, die Kohlen unter der Vernunftsasche, — sie brannten lustig, wenn auch ungesehen, fort. (Fortsetzung folgt.) jetzt jedoch die Wage hält; es sei nicht ausgeschlossen, daß der Zar plötzlich allen bedrohlichen Unternehmungen Halt gebiete und sich für die Fortdauer des Weltfriedens entscheide. Schlecht stimmt damit allerdings die Mildung, duß das 5., 7., 8. und 11. russische Armeckorps auf Kriegsfuß gesetzt worden sei und der Zar die 4 Kommandeure dieser Korps empfangen und mit ihnen einen Kriegsrat abgehalten habe. Die Verlegung der 13. Kavallcriedivision vom Mos kauer nach dem Warschauer Militärdistrikt wird als russische Antwort auf die österreichischen Beratungen gedeutet. In Berlin erwartet man beruhigende Erklärungen aus Rußland. Obgleich Bismarck den Zaren in Berlin persönlich aufmertsam gemacht hat, daß Deutschland ein Schutz= und Trutzbündnis mit Oesterreich geschlossen hat, hat man in Petersburg dennoch angenommen, man werde es mit Oesterreich allein zu thun haben. Seitdem sind neue Erklärungen schwarz auf weiß nach Petersburg ergangen, welche dort jeden Zweifel zerstören müssen, daß Deutschland neutral bleiben werde, wenn Rußland Oesterreich angreife. Der Reichsanzeiger publiziert die Verlängerung des kleinen Belagerungszustandes für Frankfurt a. M. und Umgebung bis zum 30. September 1888. Oesterreich=Ungarn. Unter dem Vorsitze des Kaisers fand am Dienstag vormittag in Wien eine zweite militärische Konferenz statt, an welcher der Erzherzog Albrecht, der Kriegsminister Graf Bylandt=Rheyd, der Generalstabschef Frhr. von Beck und verschiedene Abteilungschefs des Kriegsministeriums teilnahmen. Sofortige militärische Gegenmaßregeln gegen Rußland scheinen auch diesmal nicht beschlossen zu sein. Schweiz. Die Schweizer Bundesversammlung in Bern wählte am Dienstag sämtliche jetzige Bundesräte für die neue dreijährige Amtsdauer wieder. Zum Bundespräsidenten für 1888 wurde mit 145 von 155 Stimmen der bisherige Chef des Militärwesens, Hertenstein, zum Vizepräsidenten, mit 125 von 144 Stimmen der Chef der Finanzverwaltung, Hammer, gewählt. Frankreich. Mit äußerster Mühe und Not ist am Dienstag das Ministerium Tirard in Paris definitiv gebildet worden. Es hat noch einen ziemlich gemäßigten Charakter, wenn es auch etwas weiter links steht, als das Kabinett Rouvier. Der Premierminister Tirard war früher schon einmal Finanzminister und hat dieses Amt auch in seinem Kabinett übernommen; der ruhige und bewährte Flourens behält das Auswärtige Ministerium, General Logerot, der Kommandeur des 8. Armeekorps, der als guter Soldat gilt, ist Kriegsminister, der wenig energische Fallieres ist Minister des Innern geworden. Eine lange Lebensdauer hat das Kabinett schwerlich, über das nächste Frühjahr wird es kaum hinauskommen. In der Kammer führte es sich mit einer Botschaft des Präsidenten Carnot ein. Letzterer dankt nochmals für seine Wahl und erklärt, er werde vor allem darnach streben, die jetzigen guten Beziehungen zum Auslande und den Frieden zu erhalten. Im Innern sei vor allem eine Versöhnung der republikanischen Parteien geboten, damit an die nötigen Reformen, namentlich auf dem Gebiete der Finanzverwaltung, herangetreten werden könne. Der Präsident betont, Frankreich werde einen Beweis seiner glühenden Friedensliebe geben, wenn die Kammern eifrig an dem Reformprogamm im Innern mitarbeiten wollten. Dadurch würden gute Beziehungen zu allen Mächten gesichert. In Paris geht leider alles zu einem Ohr hinein, zum andern hinaus! Italien. Zwischen dem Valikan und Brasilien ist eine eigene Differenz entstanden. Der Kaiser von Brasilien will dem Papst zu seinem Jubiläum einen Besuch abstatten, besteht aber darauf, dem König von Italien ebenfalls einen Besuch zu machen. Letzteres will der Papst nicht zugeben. Aus demselben Grunde ist bekanntlich bisher der Gegenbesuch des Kaisers von Oesterreich in Rom unterblieben. Rußland. An der russisch=österreichischen Grenze bei Hysiatyn sind starke Grenzverschärfungen für Ausländer eingetreten. Letztere dürfen nur nach vollzogener Leibesvisitation Rußland betreten. Es wird streng nach mitgeführten Schriften gefahndet. — Ein soeben erschienener Ministerialerlaß befiehlt die Einführung der russischen Unterrichtssprache in den deutschen Schulen von SüdRußland. Westfalen und Rheinland. * Schwerte, 8. Dez. Da es häufig vorkommt, daß Lehrlinge wegen geringer Züchtigung gleich davonlaufen und von den Eltern dann in Schutz genommen werden, so machen wir darauf aufmerksam, daß Lehrlinge nach§ 127 der Gewerbeordnung der väterlichen Zucht des Lehrherrn unterworfen sind und das Züchtigungsrecht diesem oder dessen Stellvertreter daher in gleichem Maße, wie den Eltern zusteht. Die Grenze des Zwangsmittels ist durch dessen Unschädlichkeit gegeben. Erst wenn diese überschritten wird, liegt ein Mißbrauch des Züchtigungsrechts vor. *— Ein Winter=Ueberzieher ist nach einer Entscheidung des Kammergerichts zur Winterszeit als ein unentbehrliches Kleidungsstück anzusehen und darf deshalb für rückständige Steuern nicht gepfändet werden, es sei denn, daß der Steuer=Erheber sich vorher vergewissert hat, daß der Betreffende noch einen zweiten Winter=Ueberzieher besitzt. holzwickede, 13. Dez. Aus gut informier ter Quelle erfahren wir, daß nunmehr die Wasserversorgung hiesiger sowie der Gemeinde Sölde seitens des Unna=Königsborner Wasserwerks in kürzester Frist zur Ausführung gebracht wird. Von der in Aussicht genommenen Versorgung mehrerer Gemeinden im Amte Barop mit Wasser aus der Unna=Königsborner Wasserleitung ist, wie wir vernehmen, der hohen Kosten wegen, welche eine so ausgedehnte Rohrleitung erfordert, definitiv Abstand genommen. Das Schöffengericht zu Hörde hatte den Bergmann Heinr. Rummel aus Lölde zu einer Gefängniestrafe von drei Monat verurteilt, weil derselbe im Juni 1887 den Bergmann Volkmann mit einer Bohnenstange zu Boden geschlagen, so daß der Mißhandelte besinnungslos liegen blieb. Die von Rummel gegen das Erkenntnis eingelegte Berufung hatte insofern Erfolg, als der Gerichtshof mit Rücksicht auf die Jugend des Angeklagten und weil derselbe vor der That gereizt worden, die Strafe auf zwei Monat Gefängnis herabsetzte. Heugsen, 12. Dez. Bekanntlich waren seitens der Kirchen= und politischen Gemeindevertre tungen von Hengsen und Opherdicke Schritte gethan wegen der Erlangung eines besonderen Standesamtbezirks aus den Gemeinden Holzwickede, Hengsen und Opherdicke, mit dem Sitze in Opherdicke. Gegen diese Beschlüsse, soweit sie den neuen Standesamtssitz betreffen, hat die Gemeinde Holzwickede Protest erhoben und den Antrag gestellt, den Sitz nach Holzwickede zu verlegen. Die Gemeindevertretungen von Hengsen und Opherdicke, denen der Protest der Gemeinde Holzwickede zur Kenntnisnahme mitgeteilt wurde, haben nun am 6. d. Mts. einstimmig ihren früheren Beschluß aufrecht erhalten und wollen für den Fall, daß Opherdicke nicht Sitz des neuen Standesamtes werden sollte, den Antrag stellen, eine Teilung des jetzigen Standesamtsbezirks Aplerbeck überhaupt nicht eintreten zu lassen, da eine Verlegung des Sitzes nach Holzwickede für die Bewohner der Gemeinden Hengsen und Opherdicke keinerlei Vorteil biete.— In diesen Sitzungen der Gemeindevertretungen von Hengsen und Opherdicke wurde außerdem beschlossen, zu beantragen, bei der Ausführung der Rohrlegung von der Unna=Königsborner Wasserleitung nach Holzwickede und Sölde den Anschluß den Gemeinden Opherdicke und Hengsen an dieses Rohrnetz zu ermöglichen, weil die genannten Dörfer nur von dieser Wasserleitung mit Wasser versorgt werden können.— In Opherdicke wurde dann endlich noch die Anstellung eines zweiten amtlichen Fleischbeschauers beschlossen; als solcher wurde der Schmiedemeister Pothmann in Opherdicke gewählt. Eine Anzahl Herren, darunter die Handelskammerpräsidenten von Dortmund und Bochum und verschiedene Handelskammer=Mitglieder, haben ein Begnadigungsgesuch für Herrn v. Born eingelegt. Der Bergmann Clemens Brieden von Wischlingen verunglückte am Samstag auf der Zeche„Dorstfeld“ durch Kohlenfall. Derselbe ist im Krankenhause zu Kirchlinde verstorben.— Am Montag früh verunglückte der Kohlenhauer Gustav Lueg von der Schanze auf dem Gisbert=Schachte der Zeche„Glücka. f=Tiefbau". Derselbe wartete im Flötz„Anton“ am Anschlage auf einen Förderwagen; plötzlich fiel ein schwerer Gesteinsblock aus dem Hangenden und traf den Genannten so unglücklich, daß der Tod sehr bald eintrat. Von einem sonderbaren Eindringling wurden die Bewohner eines Hauses in Uluna überrascht. Mitten in der Nacht wurde der Hausherr durch großes Gepolter im Hause geweckt und in der Meinung, es seien Diebe, welche das Tags vorher geschlachtete Schwein stehlen wollten, allarmierte er das ganze Haus, um die Diebe abzu fangen. Im Hausflur unten angelangt, steht die Hausthür offen und die zur Dehle führende Thür ist bereits vollständig zertrümmert. Bei näherem Nachsehen steht gemütlich, das dort vorhandene Viehfutter verzehrend, ein— Elefant, welcher dem gegenüber wohnenden Zirkusbesitzer Althoff aus dem Stalle ausgebrochen war und dem obengenannten Hause einen Besuch abgestattet hatte. Aus Westfalen, 12. Dez. Schwabenstreiche kommen, wie folgendes Geschichtchen beweist, auch in dem im ganzen so grundverständigen Westfalenland wohl mal vor. In einer größeren Stadt— nicht Beckum— befindet sich in einer etwas abseits vom Verkehr gelegenen Straße eine städtische Pumpe, welche die benachbarten Haushaltungen mit dem unentbehrlichen Naß zu versorgen bestimmt ist und alljährlich vor dem Eintritt der Winterkälte zum Schutze gegen das Einfrieren mit einem warmen Strohmantel umkleidet wird. Auch dieser Tage waren wieder ein paar städtische Arbeiter mit ganzen Bunden armdicker Strohseile zur Stelle, als ein alter Bürger hinzutrat.„De Arbeet könnt ji sparen, Kinners, de Pump giww sit tein Joohr kenen Droppen Water." Die sogleich angestellten Ermittelungen bestätigten in der That, daß man seit zehn Jahren alle Mühe und Sorgfalt an eine lahme Pumpe verschwendet hat. — An einer vor einigen Tagen im Ardeygebirge veranstalteten Jagd nahm auch ein Herr im Zylinder teil. Die Heiterkeit ob dieses sonderbaren Naturwunders— man denke sich nur einmal eine angeheiterte Jagdgesellschaft und einen fein aufgeputzten Herrn im Zylinder— war die Ursache, daß alle Schüsse fehl gingen und kein Häslein abgemurkst wurde. Aber furchtbare Rache wurde an dem aristokratischen Möbel genommen; von mehr denn 100 Schrotkörnern durchbohrt, konnte abends der Entzylinderte, dessen Haupt nur eine gewöhnliche Jagdmütze krönte, seine zerschossene Angströhre als einziges Angedenken an den ersten Jagdtag mit nach Hause nehmen. Er soll sich entschlossen haben, ernerhin keine Angströhre zu tragen. In nordwalde passierte ein ergötzlicher Vorfall, der leicht hätte schlimme Folgen haben können.— Es wurden nämlich in einem Gasthause 2 Kindtaufen gefeiert.— Als die lustige Kindtausengesellschaft den üblichen Schmaus vollendet, nahm jede der Wärterinnen ihr Kind, um es nach Haus zu bringen. Aber— horibile dietn— die beiderseitigen Mütter wollten das ihnen überbrachte Kind nicht als das ihre anerkennen; es hatte eine arge Verwechselung stattgefunden. Die Freude der Eltern läßt sich nicht beschreiben, als sie endlich wieder in den Besitz ihres richtigen Kindes kamen. Der Oberbürgermeister von Dortmund, Herr chmieding, hat auf den 19. d. M. eine Sitzung des Ausschusses für den Rhein=Ems=Kanal in Münster anberaumt, in welcher über die bis herigen Bewilligungen zu den Grunderwerbe. losten berichtet und über einen Antrag an das taatsministerium auf Abstandnahme von dem noch restierenden Grunderwerbkostenbetrage und von der Garantieleistung beraten werden soll. Dr. Hinzpeter, der Erzieher der Prinzen Wilhelm und Heinrich von Preußen, hat den Bielefelder Blättern jeder Parteirichtung folgenden Auszug aus einem eigenhändigen Briefe des Kronprinzen an ihn zugehen lassen:„Indem ich für beide Briefe recht von Herzen danke, kann ich mit gutem Gewissen die Mitteilung machen, daß die von den Aerzten angeordneten Mittel bald nach den Tagen der Konsulation den entzündlichen Teil völlig beseitigten und daß die satalen Erscheinungen sich zurückbildeten, wobei ich mich körperlich vollkommen wohl befinde, niemals von Kräften kam, stets den guten Appetit bewahrte, auch zum Erstaunen aller, die mir begegnen, blühend aussehe. Absichtlich teile ich solche Einzelheiten mit, weil es mir vorkommt, als sei die an sich gewiß ernste Erscheinung einer Neubildung ungünstigen Aussehens mit bedeutenden Uebertreibungen ausposaunt worden, so daß man nicht recht an eine günstige Wendung glauben will. Der liebe Gott wird bestimmen, was für einen Verlauf das Leiden nehmen soll, dessen Pflege nächst der Kron prinzessin den besten Sachverständigen anvertaut ist, die trotz aller Anfeindungen, von denen sie ausgesetzt sind, mein volles Vertrauen besitzen. Ich verzage keineswegs und hoffe, wenn auch nach längerer Schonung, meine Kräfte dem Vaterlande dereinst wieder in alter Weise widmen zu können. Tief gerührt von den zahllosen Beweisen der Teilnahme, die mir aus dem ganzen Reiche, wie vom Auslande zugehen, erkenne ich mit aufrichtiger Teilnahme an, da man mir Vertrauen schenkt und daß auf meinen Charakter gebaut wird. Solche Erfahrungen unter solchen Verhältnissen sind ein wahrer Schatz für mich, den ich Zeit meines Lebens hoch in Ehren halten werde.“ Ein schwieriges Reiterstückchen führte ein Leutnant in Benrath aus. Gegen 9 Uhr abends ritt derselbe die steilen Treppen der Benrather Kaserne mit zwei Pferden, das eine als Handpferd führend, bis zum Speicher hinauf und wieder zurück. Der kleine Rat der Kölner Karnevalsgesellschaft hat eine Erklärung abgegeben, dahin gehend, daß er einen Beschluß über eine öffentliche Feier des Faschings überhaupt für taktlos und verfrüht halte, so lange das Befinden eines leider erkrankten Mitgliedes unseres hohen Herrscherhauses das ganze deutsche Volk mit den schmerzlichsten Befürchtungen erfüllt. Großer Schneefall hat am Sonntag und Montag in Köln große Störungen im Telephon Verkehr angerichtet. zeit nur 15 Jahre beträgt. Frankreich kann, das ist sehr wesentlich, auf dem Wege der Heeresvermehrung Deutschland nicht weiter folgen, weil ihm das Menschenmaterial dazu fehlt, Rußland kann es aber auch nicht, weil es seine Finanzen— es gibt jetzt schon ein Drittel seiner Gesamteinnahmen für Heercszwecke aus, Deutschland nur ein Sechstel— nicht gestatten. Des. halb kann ohne Uebertreibung gesagt werden, daß die neueste Vervollkommnung unserer Rüstung Deutschland unangreifbar macht, selbst wenn der in der Begründung der Vorlage erwähnte Fall eines möglichen Krieges auf zwei Fronten in Beirachtung gezogen wird. Heer= und Marinewesen. Durch das neue Wehrgesetz, dessen Annahme im Reichstage allseitig als zweifellos erachtet wird, kann Deutschland mit einem Schlage 1,800,000 gediente Soldaten aufbieten, mit dem Landsturm etwa 3 Millionen waffenfähiger Männer. Hierdurch würde Deutschland die Kriegsstärke Frankreichs überholt haben, da dort wegen der um 10 Millionen Einwohner schwächeren Völkerzahl das jährliche Rekrutenkontingent nicht so groß sein kann, wie bei uns. Das seitherige Mehr in der französischen Kriegsstärke resultierte aus der höheren Gesamtdienstzeit der Linie und Territorial=Armee— erstere 9 Jahre, letztere 10 Jahre— welches Ver hältnis infolge der erhöhten Gesamtdienstverpflichtung in Deutschland nun immer mehr zu unseren Gunsten verändert werden wird. Auch mit der Kopfstärke der russischen Armee wird das deutsche Heer in Zukunft auf ungefähr gleiche Höhe kommen, da dort zwar größere Jahreskontingente, durchschnittlich 220000 Mann zur Einstellung gelangen, aber dafür die DienstPreußische Klassenlotterie. (Ohne Gewähr.) Berlin, 12. Dezbr. Bei der heute angefangenen Ziehung der 3. Klasse 177, königlich preußischer Klassenlotterie fielen in der Vormittags=Ziehung: 1 Gewinn von 15000 M auf Nr. 38896. 1 Gewinn von 5000 M auf Nr. 25133. 1 Gewinn von 3000 M auf Nr. 13471. 1 Gewinn von 1500 M auf Nr. 79692. 6 Gewinne von 500 M auf Nr. 7671 118934 132351 146172 167629 189130 Vermischtes. * Das Reichsgericht in Leipzig begann den Landesverratsprozeß gegen den Kanzlisten vom Bezirkspräsidium in Straßburg. Cabannes. Nach der Anklage hat derselbe von 1880 bis 1887 eine Reihe von geheim zu haltenden Aktenstücken nach Paris gesandt und dafür Geld erhalten. Die Zeugen, welche am Dienstag vernommen wurden, bestätigten ziemlich genau die Ausführungen der Anklage und waren für C. sehr belastend. * Die Reichsregierung hat bekanntlich vor kurzem das einer Londoner Privatgesellschaft gehörende Telegraphenkabel zwischen Deutschland und England für etwas über 6 Millionen Mark erworben. Die Depeschengebühren zwischen Deutschland und England sollen erheblich ermäßigt werden. * Die Regierung von Elsaß=Lothringen hat angeordnet, daß im Reichslande Firmenaufschriften und Schilder in der Regel nur in deutscher nicht in französischer Sprache abgefaßt sein dürfen. * Die verstorbene Frau Boucicault, Besitzerin des Modewarenmagazins„Au bon Marchee“ in Paris hat für die Angestellten des Geschäfts und eine Anzahl von Wohlthätigkeitsanstalten die Summe von 24 Millionen Franken hinterlassen. * In Wien beging der Feldmarschallleutnant Greiner einen Selbstmord durch Erhängen. Mißliche Vermögensverhältnisse waren die Veranlassung zur traurigen That. „Ueber Land und Meer, Deutsche Illustrierte Zeitung", so läßt uns das altbewährte Weltblatt auf den Umschlägen der ersten uns vorliegenden Hefte seines neuen, des 30. Jahrgangs lesen, durch diesen Doppeltitel seine Verschmelzung mit letzterem Journal anzeigend. 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Auf heutigem Viehmarkt standen zum Verkauf: 70 Pferde, 90 Kühe, 800 Schweine. Fette Kühe und Schweine fehlten; sechswöchige Ferkel kosteten 6 M, drei Monate alte 24—30 M Die Pferde waren geringerer Sorten; Schlachtware erzielte nach Qualität 30—60 M. Schlechter Besuch und nur bei den Schweinen Umsatz. Handels=Nachrichten. Schwerte, 14. Dezbr. 1887. 100Kg.—200 Pfd. 1ter 2ter 3ter 444 Weizen saatroggen Roggen Gerste Hafer Kartoffeln Erbsen Heu Stroh Brot 5 Kilo Butter per Eier 6— Pfd. tück 460 —80 1/20 —50 1 5 90 Wechsel= und Geld=Kurse. von der Heydt=Kersten und Söhne. Elberfeld, 12. Dezbr. 1887. Kurse in Reichsmk. Briefe. Geld. Amsterdam London Paris k.S. 168,75 168.15 2M. 167,40 k.S. 203,70 203.20 201,95 80,10 79.60 80.50 80,10 79.55 2W : k.S. 80,50 2M. Antw. u. Brüssel k. S. 2M. Basel u. Zürich k.S. * 2M. Ital. Haupt. bankpl. I.S. Geldsorten. Zwanzigfranks=Stücke 16 K 10 2 Sovereigns... Fünffranks=Otuce 80,00 79.50 79.05 20 20 ∆ 9 Peitor! 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(Bonntagsbeilage:„Damenwelt"). Redaktion und Expedition: Berlin SW., Königgrätzerstraße 41. Das„Deutsche Tageblatt“ gehört zu den meistgelesenen großen politischen Zeitungen Deutschlands und ist die einzige konservative Berliner Zeitung, welche täglich zweimal— Morgens und Abends— erscheint. National und kouservativ zugleich, vertritt das„Deutsche Tageblatt“ in erster Linie überall den Schus und die gesunde Entwickelung der deutschen Lebensinteressen. Dieselben können nur dann auf die Dauer mit nachhaltigem Erfolg gewahrt werden, wenn die Erhaltung einer starken Monarchie, eines stlarken Heeres und die Durchführung einer vernünftigen Sozial- und Steuerreform das Hauptbestreben aller mit Staatssinn begabten Elemente der Nation bleibt. Hauptträger eines solchen richtigen deutschen Staatssinnes müssen die produktiven Stände sein und immer mehr, werden. Die Kaiserliche Botschaft vom 17. November 1881 bildet die Grundlage für jede deutsche Sozialreform. Für die Erhaltung der Landwirthschaft und des Handwerkerstandes tritt das„Deutsche Tageblatt“ mit derselben Energie ein, mit der es die Erweiterung der Absatzgebiete der deutschen Industrie und die Förderung des deutschen Handels befürwortet. Den militärischen Angelegenheiten des In= und Auslandes widmet das„Deutsche Tageblatt“ eine ganz besondere Aufmerksamkeit; es wird auch in dieser Hinsicht von Autoritäten ersten Ranges unterstüzt.— Der lokale Theil spiegelt das große und kleine reichshauptstädtische Leben mannigfaltig und gediegen wieder und in seinem Handelstheil darf sich das„Deutsche Tageblatt“ mit den besten Fachblättern messen. Das Feuilleton, von Dr. Haus Herrig redigirt, erfreut sich der größten Anerkennung seitens aller wirklich gebildeten Kreise der Nation. Außer ernsten und beiteren Betrachtungen und bunten Skizzen bringt das „Deutsche Tageblatt“ fortlaufend Romane aus berufensten Federn. Die Sonntags=Beilage„Damenwelt“(mit Novellen, Räthsein 2c.) gelangt für die auswärtigen Abonnenten schon am Freitag zur Versendung. In den wichtigsten Hauptstädten des Auslandes hat das„Deutsche Tageblatt“, ebenso wie im Reiche felbst, vorzügliche Mitarbeiter. finden im Anzeigen 9 Werischen Tagrblatt die weiteste Verbreitung nicht nur in der Reichshauptstadt, sondern in ganz Deutschland, und tragen daher stets die sicherste Bürgschaft des Erfolges in sich. Der Bezugs= Preis beträgt für das Vierteljaßr einschtießlich Bestellgeld bei läglich zweimaliger Restekkung durch die k. Postanstatten nur 5 Mark 50 Pf. Bestellungen nimmt die nächste k. Postanstalt entgegen unter Nr. 1653(Post=Zeitungs=Katalog 1888). Beilage zu Nr. 150 der„Schwerter Zeitung. 9 dast zu: Drusk und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Redaktion, Drua und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Das Ende der Steinkoblen. Es mag vielleicht als eine müßige Frage erscheinen, wenn wir uns jetzt bereits damit beschäftigen, nach einem Ersatz der Steinkohlen zu suchen, für den Fall, daß die Vorräte dieses unschätzbaren Brennmaterials zu Ende gehen, und doch müssen wir uns gestehen, daß diese Zeit, wenngleich sie noch in weiter Feine erscheint, mit unfehlbarer Sicherheit herannaht. Falich ist es nur, sich jetzt schon Sorgen um einen Ersatz zu machen; die Erörterung der Möglichkeit desselben darf immerhin ein gewisses, zum wenigsten wissenschaftliches Interesse beanspruchen. Gesetzt den Fall, daß wir die Mächtigkeit und den Umfang der in den Tiefen der Erde vorhandenen Kohlenvorräte noch bei weitem nicht kennen, so muß doch der von Tag zu Tag vermehrte Verbrauch derselben, dem, so weit wir es beurteilen können, kein irgendwie nur nennenswerter Zuwachs gegenübersteht, das Eintreten einer Periode beschleunigen, in welcher wir uns nach anderen Brennmaterialien umschauen müssen. Die Steinkohlenlager sind in vergangenen Jahrtausenden entstanden, wie heute das Holz der Wälder entsteht, es sind Produkte eines durch die Sonnenwärme hervorgerufenen riesenhaften Pflanzenwuchses, der in der Tiefe durch später entstehende Neubildungen geologischer Formationen begraben und dort allmählich zu der festen Kohle gepreßt wurde, die heute viele Tausende von Dampfmaschinen speist. Ein derartiger Pflanzenwuchs existiert heute nicht mehr, die Holzvorräte unserer Wälder würden in kürzester Frist aufgebraucht sein, wenn wir uns ausschließlich dieses Brennmaterials bedienen müßten. Von dieser Seite dürfen wir also nicht auf einen Ersatz hoffen. Nach den vorstehenden Bemerkungen, folgern wir weiter, sind die Steinkohlen gewissermaßen als Produkte aufgespeicherter Sonnenwärme anzusehen, die unserer Erde durch den besonderen Prozeß des Pflanzenwuchses, wie auch heute noch im Holz unserer Wälder, zugeführt wurde. Wenn die heute durch denselben Vorgang uns nutzbar gemachte Wärme in der Gestalt des Brennholzes nicht mehr ausreicht, so muß es für den Fall, daß ein Ersatz der Steinkohlen gefordert wird, unsere Aufgabe sein, uns zunächst auf unserer Erde nach in ähnlicher Art aufgespeicherten Wärmevorräten umzusehen, und, im Fall diese nicht in genügender Menge vorhanden sind, uns zu bemühen, die in der Jetztzeit der Erde von der Sonne zugeführte Wärme möglichst auszunutzen. Bislang kennen wir noch keine unseren Bedürfnissen entsprechende Form von aufgespeicherter Sonnenthätigkeit als die Kohle und etwaige verwandte Produkte, wie Petroleum und Erdöle, die einer ähnlichen Entstehungsursache wie die erstere zugeschrieben werden müssen. Die Einwirkung der Sonne auf unseren Erdkörper be steht im Wesentlichen aus der Erhaltung einer wasserdampfhaltigen Atmosphäre, die durch den beständigen Wechsel der Niederschläge und der Verdunstung des Wassers die Erdoberfläche fruchtbar für den Pflanzenwuchs macht. Die Sonnenwärme verrichtet also einesteils die Arbeit des Wassertransports von der Erdoberfläche nach den Wolken, andernteils ermöglicht sie den Pflanzenwuchs in der vorbereiteten Erdoberfläche und durch diesen wieder die Existenz einer ganzen Reihe von anderen Lebensformen animaler Natur. Diese Vorgänge dürfen wir als die Hauptprozesse bezeichnen, welche uns als Ausflüsse der Sonnenthätigkeit bekannt sind, eine Reihe anderer hingegen können wir noch nicht auf die gleiche Ursache zurückführen: hierher ist beispielsweise die Erhaltung der konstanten Zusammensetzung der Erdatmosphäre aus Sauerstoff und Stickstoff zu rechnen, welche Substanzen eine nicht unwesentliche Rolle in allen Lebensvorgängen der Natur spielen. Auf das Erdinnere hat die Sonne keinen direkten Einfluß mehr, da wir wissen, daß die Erdwärme vom Wechsel der Jahreszeiten unabhängig ist; in den größeren Tiefen unseres Erdballs können wir also nicht nach aufgespeicherter, von der Sonne ausgestrahlter Wärme suchen. Die Wärme des Erdinnern selbst, die zuweilen in den vulkanischen Ausbrüchen uns zur Erscheinung kommt, kann, soweit wir bis jetzt absehen, nicht unseren industriellen, noch den direkten Lebenszwecken nutzbar gemacht werden, sondern wir sind mit unserem gesamten Organismus auf die Sonnenwärme angewiesen. Die Frage nach dem Ersatz der Steinkohlen ist daher so zu stellen: In welcher Weise machen wir uns die uns jetzt täglich von der Sonne gespendete Wärme in möglichster Ausdehnung zu Nutze? Die Antwort hierauf kann jetzt noch nicht endgültig gegeben werden, wohl aber lassen sich einige Richtungen erkennen, die wir zur Erreichung jener Absicht einschlagen müssen. Unter den Wirkungen der Sonnenthätigkeit war vorhin der Transport des Wassers von der Erde nach den Wolken erwähnt, von dort kehrt es zu unserer Erde in Form von Regen zurück, daselbst gerät es in fließende Bewegung, von den höher gelegenen Teilen der Erdoberfläche nach den tieferen. Diese Kraft unserer Ströme bildet einen nicht unwesentlichen Teil der uns zugestrahlten Sonnenwärme in umgesetzter Form. Die Bewegungserscheinungen der Atmosphäre, wie die eines Teils der Meeresströmungen, ist in letzter Instanz auf den Einfluß der Sonnenwärme zurückzuführen. Die Kraft des Wassers wie des Winder müssen wir als zwei der hauptsächlichsten Mitglieder betrachten, um die Sonnenwärme uns nutzbar zu machen. Hierzu kommt weiter die dirckte Erwärmung, die wir nur in gewisser konzentrierter Form unseren Zwecken dienstbar machen können. Endlich ist noch die Kraft zu erwähnen, die in den Ebbe= und Fluterscheinungen des Meeres verborgen liegt und die, wenn sie auch nicht von der Wärmestrahlung der Sonne abhängig ist, in ihrer ganzen Erscheinung eine nicht zu unterschätzende Größe besitzt. Hiermit ist uns eine Reihe von Erscheinungen dargeboten, die alle eine Quelle von Kraft und Wärme in sich bergen, und es entsteht weiterhin die Fraze, wie die genannten Hilfsmittel unseren Zwecken möglichst nutzbar gemacht werden können. Ein Teil derselben, wie Wind und Wasser, dient uns schon seit alten Zeiten; wie die anderen zu verwerten sind, dazu sind und werden noch Maschinen erfunden. Das Streben bei Verwertung der genannten Kräfte war stets dahin gerichtet, dieselben direkt industriellen Zwecken dienstbar zu machen. Nach aller bisherigen Erfahrung reichen die so gewonnenen Kräfte nur zur Befriedigung der Bedürfnisse einiger weniger Menschen. Die Zukunft wird erfordern, von jenen Erscheinungsformen der Sonnenwärme das Maximum derselben, welches gewonnen werden kann, aufzuspeichern, und zwar wird uns von allen bekannten Hilfsmitteln hierbei die Elektrizität voraussichtlich die größten Dienste leisten. Hier heißt es also, alle Hebel ansetzen, um die bezüglichen Vorrichtungen, wie Akkumulatoren, leistungsfähig zu machen, oder neue und bessere zu erfinden, und es ist keinen Augenblick zu bezweifeln, daß das erfinderische Talent die Menschheit nicht im Stich lassen wird. Wenn wir es uns auch versagen wollen, das Gebiet der Mutmaßungen zu betreten, so kann das wohl mit Sicherheit behauptet werden: das Aufhören der Steinkohlenvorräte wird eine vollkommene Umgestaltung unserer sozialen Verhältnisse, vorausgesetzt, daß dieselben bis zu jener fernen Zeit nicht andere mächtigere Umgestaltungen durchgemacht haben, mit sich führen; die Menschen, die jetzt in dichtgedrängten Scharen um jene Vorratskammern, die in jahrtausend langer stiller Thätigkeit aufgehäuft sind, um die Steinkohlenbezirke sich sammeln, werden dann unter den Breitenkreisen die Erde am dichtesten bevölkern, wo die Bedingungen zum Auffangen der ihnen täglich gespendeten Sonnenwärme die günstigsten sind. Die Erde wird zu dieser Zeit eine Zahl von Lebewesen ernähren, deren Maximum durch die Größe jener gespendeten Wärme bedingt ist, während in der Jetztzeit, so lange wir an den Vorräten früherer Jahrtausende zehren, eine stellenweise Anhäufung über dieses Maß möglich ist. Weihnachten. Eier. Die letzten Wochen vor Weihnachten darf in der Küche kein Ei zum Gebrauch ausgeschlagen werden; man bläst sie aus, nachdem man oben und unten eine kleine Oeffnung gemacht hat; die Schalen bürste man mit Seifenwasser ab, beklebe mittels Gummiarabikum die beiden Oeffnungen mit kleinen Sternen von Goldpapier, buntem Papier u. s. w., das übrige Ei mit kleinen Bildchen. Bei Beleuchtung sehen die so beklebten Eierschalen reizend aus. Insekten. Schmetterlinge, Bienen, Libellen u. s. w. sind ein schöner Baumschmuck. Sie werden nach Abbildungen gemacht, wie man sie in Naturgeschichten findet, nur etwas größer. Der Körper besteht aus Draht, welcher mit Wolle umwickelt wird, der Kopf und der Mittelkörper wird durch dickeres Umwickeln ausgeprägt. Daran befestigt man die Flügel von Gold= und Silberpapier oder aus Gelatine, vervollständigt die Zeichnung mit Pinsel oder Feder und setzt Schmelzperlen als Augen an. Die Fühler und Füße werden aus ganz feinem Draht oder steifem, schwarzem Zwirn gemacht. Nußschale als Käfer. Man drückt in die Hälfte einer Nuß ein Polsterchen aus Watte und macht den Kopf aus einem Zünd hölzchen, welch letzteres mit Wolle überwickelt und mit Perlaugen und Fühlern versehen ist. Nun nimmt man die Zeichnung der Schale mit tels Feder und Tinte vor, teilt sie in Flügel decken und Halsschild, unten näht man Beine von feinem Draht an. Man kann die Flügel decken auch vergolden oder bunt lackieren. Ketten. Man ziehe mit einer langen Pa pierkette, von der Baumspitze anfangend, Guirlanden rund um den Baum von Zweig zu Zweig. An die untern Ringe jedes Bogens hänge man einen auf beiden Seiten glänzenden Kotillon= orden und verteile zwischen die Kettenguirlanden silberne Nüsse, farbige Früchte, Konfekt, aus Glas gedrehte Eiszapfen, vergoldete kleine Aepfel, (große sind zu schwer und verunzieren den Baum durch übermäßiges Herunterziehen der Aeste) und feine, aus mattfarbigem Seidenpapier her gestellte Netze, in welche man vergoldete hohle Wallnüsse lege. Volle Wallnüsse würden für das leichte Netz zu schwer sein. Körbchen. Körbchen aus der Schale einer halben Wallnuß sind leicht herzustellen und sehen, mit Moos und einem kleinen Rosenknöspchen ausgelegt, allerliebst aus. Henkel und Körbchen werden mit Staniol beklebt. Der Henkel besteht aus feinem Draht und wird in eingelegte Löcher befestigt. Industrie, Handel und Verkehr Aus dem westfälischen Kohlenbezirk, 11, Dezember. Der Absatz der westfälischen Kohlenbergwerke an Kohlen und Kokes hat in der letzten Hälfte des verflossenen Monats einen ungewöhnlich großen Umfang erreicht und es macht den Eisenbahnen alle Ehre, daß sie die riesige Menge von 9753 Wagenladungen von je 10 T. täglich im Durchschnitt, das sind genau 1 950600 Ztr., im allgemeinen ohne erhebliche Stockungen bewältigt haben. Der gesamte Eisenbahn=Absatz der bezeichneten Kohlenwerke betrug in der zweiten Hälfte des Monats November dieses Jahres 126 662 Wagenladungen von e 10 T. gegen 112 561 T. in dem voraufgegangenen vierzehntägigen Zeitabschnitte und gegen 117 736 WaZeit des Vorjahres. des Herbstes nicht unwesentlich erhöht worden und namentlich für Kokes erheblich höher sind als im vorigen Herbst und Winter, so machen die Zechen ein verhältnismäßig gutes Herbst geschäft. Hoffentlich kommt nun bald der Winter mit d Schnee, damit die begonnene Besserung des Kohlengeschäfts anhält und weiter sortschreitet. Dollars zusammengebracht hatte, kaufte er die Fahrbillets und sandte dieselben seiner Gattin zu. Frau Frost war 45 Jahre alt, die 8 Kinder standen im Alter von 22 Jahren bis zu 8 Monaten. * Dieser Tage wurde in Calvitz vei Oschatz eine Frau zur letzten Ruhe gebracht, welche innerhalb acht Tagen dreimal„gestorben“ ist. Zweimal hatten Schlaganfälle bei der Verschiedenen den„Tod“ herbeigeführt. Als beim zweitenmal die Leichenfräu bereits ihres Amtes gewaltet, auch das Ausläuten schon stattgefunden hatte, ließ der Starrkrampf nach und die Totgeglaubte erwachte wieder. Erst beim drittenmal konnte der Tod ärztlicherseits konstatiert werden. * Unglaublich! Aus Pest wird berichtet Eine im Eisenburger Komitate gebürtigte Zigeunerin trieb sich bettelnd in diesem Bezirke herum, und machte vorigen Sonntag die Wahrnehmung, daß ihr zehn Monate altes Kind, welches sie auf dem Rücken mit sich trug, gestorben sei. Sie eilte in die nächste Gemeinde, um dort die Beerdigung zu bewerkstelligen. Man zeigte sie jedoch aus dem Dorfe, und so irrte das arme Weib vier Tage lang, mit der Leiche auf dem Rücken von Ort zu Ort, bis endlich ein katholischer Geistlicher sich ihrer annahm und die unheimliche Last zur Ruhe bettete. * Ausgrabungen der unter der Leitung des Großfürsten Sergius von Rußland stehenden „Rechtgläubigen Gesellschaft“ in Palästina haben auf dem ihr überlassenen Terrain in Jerusalem zur Auffindung der alten Mauern und Thore geführt. Man glaubt, wie der„Berl. Philol. Wochenschr.“ geschrieben wird, in einem derselben die Pforte zu erkennen, welche Christus auf seinem Leidensgange durchschritt. * Die menschliche„Größe“ und Schwere. Der Anatom Professor Broca sagt, daß nach seiner Berechnung ein normal ausgewachsener Mensch so viel Kilogramm schwer sein müßte, wie er Zentimeter an Höhe mißt, nach Abzug des ersten Meters. Ein Mensch also, welcher 1 Meter 75 Zentimeter Höhenmaß hat, sollte 75 Kilogramm Körpergewicht haben. Die geschätzten Leser mögen einmal eine Probe auf dieses Exempel machen! Jetzt bei dem Auftauchen der marokkanischen Frage bietet Alfred Stelzner im neuesten Heft der „Illustrierten Welt“.(Stuttgart, Deutsche VerlagsAnstalt) einen hochinteressanten Artikel, der uns auf's eingehendste von der farbenbunten, seltsam unheimlichen Welt dieses Stücks des Orients unterrichtet.— Ueberhaupt bietet die„Illustrirte Welt“ in diesem Jahrgang Außerordentliches. Der Roman„Die Tochter des Kapitäns“ von Rosenthal=Bonin ist so voll Leben, o spannend, enthält so viel ganz eigenartige, humoristische wie tiefernste Szenen und ist dabei so belehrend, daß wir ein Erzählungswerk ersten Ranges darin erblicken müssen; ebenso fesselt und interessiert die Leser der seit kurzem begonnene Roman von Gregor Samarow: Die Ritter des deutschen Hauses“, welcher dem Leser ein großartiges Bild deutscher Vergangenheit aufzurollen scheint. An kleineren Artikeln gefallen uns noch besonders„Die Schilderung der New=Yorker Polizei“ (mit Bildern), des„Frauenstudiums in Rußland", die„Erinnerungen aus den Feldzügen von 1866, 1870 und 71“ mit Illustrationen von H. Lüders und die Beschreibung der originellen Riesenschildkröten mit prächtiger Abbildung aus der Feder des bekannten L. Martin. Die Bilder sind der Reichhaltigkeit und Gediegenheit des Textes angemessen, sodaß die„Illustrierte Welt“ zu unseren besten und in anbetracht des Preises von nur 30 Pfennig pro Heft auch zu den billigsten Familienjournalen unbedingt gerechnet werden darf. Von der von uns bereits rühmend erwähnten Völkerliunde von Prof. Dr. Friedrich Ratzel liegt uns jetzt der zweite Band vor, über den der sonst so scharfe Kritiker des Berner„Bund“(Dr. J. V. Widmann) bemerkt:„Das wirklich wundervolle große ethnographische Werk Ratzels ist ein Unternehmen, auf das wir unsre Leser nicht genug aufmerksam machen können. Prächtig in der Ausstattung, gibt es im Texte das Wissenswerteste über alle Naturvölker der Erde nach den Beobachtungen der besten ältern, neuern und neuesten Reisebeschreiber, zu welch letztern Ratzel selbst gehört. Behandelte der erste Band ausschließlich die Naturvölker Afrikas, so ist nun dieser zweite Band(mit über 800 Seiten) den Naturvölkern Ozeaniens, Amerikas, einiger asiatischer Inseln, dazu Madagaskars und der Polarländer gewidmet. Unermeßlich ist das kulturgeschichtliche und sonstige geistige Material, das dieser zweite Band enthält. Von dem hohen Werte dieses Buches für den Fachmann und für höhere Schulanstalten ganz abgesehen, heben wir hervor, daß es erstlich für jeden Gebildeten ein Nachschlagebuch ist, bei dem er sich über alle ethnographischen Dinge bestimmten Bescheid holen kann, sodann aber auch ein ebenso lehrreiches wie unterhaltendes Lesebuch, das demjenigen, der für Völkerkunde Sinn hat, wahrhaft genußreiche Stunden verschaffen wird. Wir beneiden diejenigen, welche Muße haben, sich mit Ratzels „Völkerkunde“ auf das Inselreich einer stillen winterlichen Stube zurückzuziehen. Verwischtes. * Hoher Schnee in Frankreich. Litterarisches. Illustrirtes Haushaltungs=Lexikon. Eine Quelle des Wohlstandes für jede Familie. Unter MitFranzösische Blätter melden von einem gewaltigen Schneefall. Die Stadt Briancon ist ganz von Schneebergen umgeben, alle Zugänge sind durch hohe Schneemassen versperit, der Wagen verkehr ist gänzlich unterbrochen und man hat zu Schlitten seine Zuflucht greifen müssen. Ein Gleiches wird aus dem Valoinsethal gemeldet, das während zweier Tage von jeder Verbindung nach außen abgeschnitten war; dort lag der Schnee ringsumher fast 4 Fuß hoch. * Durch den Untergang des Dampfers „Scholten“ ist ein in den Salzweiken von Syracuse im Staat New=York arbeitender Deutscher, namens John Frost, besonders schwer betroffen worden; er hat seine Frau und acht Kinder verloren. Vor etwa neun Monaten kam Frost aus Westpreußen dort an und sparte jeden Zent, den er entbehren konnte, um das Reisegeld für seine Familie zu erschwingen. Nachdem er die erforderliche Summe von 153 wirkung vieler praktischer Hausfrauen in Nord-, Mittelund Süddeutschland, sowie Oesterreich und der Schweiz, herausgegeben von Louise Wilhelmi und Dr. William Löbe. Vollständiges Rezept=Handbuch für alle Bedürfnisse des Haushaltes in der Stadt und auf dem Lande. Sicherer Ratgeber und bequemes Nachschlagebuch in allen Angelegenheiten des Hauses und der Familie. Mit 10 Tafeln und 1192 Textillustrationen. Vollständig in 30 Lieferungen à 40 Pfg. Uns liegen eine Anzahl von Lieferungen dieses Werkes vor, welche uns die Ueberzeugung geben, daß dieses HaushaltungsLexikon in der That ein sehr nützliches und empfehlenswertes Buch werden wird, das in jeder Hausbibliothet eine Stelle verdient. Das Werk umfaßt Tausende von erpropten Koch=, Einmach=, und sonstigen Rezepten, Fleisch, Gemüse und alle sonstigen Warenkenntnisse, Regeln für Umgang und Gesellschaftsformen, Anleitung zum Gartenbau, Obst=, Gemüse= und Bienenzucht; es gibt ferner Auskunft über Erziehung, Gesundheitspflege unter Angabe vieler guten Hausmittel, Kosmetik, Toilette, Wäsche, Betten, Nahrungs= und Genußmittel, Haltung, Behandlung und Verwendung der Haustiere, Einrichtung und Unterhaltung der Wohnräume, Heizung, Lüftung, Desinfektion, Maschinen und was die tausen. derlei Dinge alle sind, welche die Hausfrau zu wissen nötig hat. Das Werk ist nicht teuer. Vorrätig bei C. Braus in Schwerte. Als preiswertes, praktisches Weihnachtsgeschenk empfehle ich: Rohseid. Bastroben(ganz Seide) Mk. 16.80 p. Robe, sowie Mk. 22.80, 28.—, 34.—, 42.—, 47.50 nadelfertig. Es ist nicht notwendig, vorher Muster kommen zu lassen; ich tausche nach dem Fest um, was nicht konveniert. Muster von schwarzen, farbigen und weißen Seidenstoffen umgehend. Seidenfabrik=Dépôt G. Henneberr K. 1. 8. 56 Uürleh. Warnung! Wie ein Falschmünzer versucht mit einem wertlosen Metall durch die den ächten Stücken möglichst nahe kommende Schwere, Glanz, äußere Prägung rc. das flüchtige Auge des Publikums täuschen, gerade so verfahren gewisse, in ihrem Mittel wenig wählerische Industrielle, welche der großartige Erfolg des Herrn Apotheker Rich. Brandt mit seinen beliebten Schweizerpillen nicht ruhen läßt. Daher Vorsicht! Man nehme beim Kaufe der Rich. Brandtschen Schweizer=Pillen die mit einem Gummibändchen um die Schachtel festgehaltene Gebrauchsanweisung ab und überzeuge sich sofort, daß auf der runden roten Etikette sich mit schwarzen Buchstaben die im Kreise gesetzten Worte„Apotheker Rich. Brandt's SchweizerPillen“ finden. In der Mitte des roten Grundes muß ein weißes Kreuz und darauf der Namenszug Rich. Brandt(man achte besonders auf den Vornamen Rich. Brandt) enthalten sein. 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