9 de 1= 2 ste Juni 1887. 1. 100 Kilo 0 Kilo : * 00 Ztr. so faßw. 100 Kilo 1böl. 00 Kilo 0 100 Kilo ärkte. 1950 18/90 14.— 104 50 208.70 80,85 80.75 „ G Krrisbiatt für den Tandtreis Vortmund und den Frreis Erirt. ür den Tunerrrr Iusertionsgebühr für die sechsspaltig Abonnements=Preis pro Quartal 1 Mark 50 Pfg. Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. Wöchentlich eine Gratisbeilage„Familienfreund“. Insertionz9gaß he, H, erg,#eigssalige Zeist, ader deren Raum 10 Pfg. außerhalb des Leserkreises 15 Pfg.; Freklamen 30. Pfg. Redaktion, Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Ner 0 Schwerte, Samtag, d. Jul. 1990. 40 20 Amtliche Bekanntmachungen. ausgefochten werden würde. Es fehlt auf den meisten Seiten an der Neigung, die Entscheidungen über trennende internationale Fragen auf eines Ehrendoktors der Philosophie überreicht. Der Kronprinz hob hervor, daß diese Universität berufen sei, abendländische Kultur nach dem Osten zu verbreiten und wünscht, daß sie auch künftig eine Pflanzstätte des Patriotismus sein werde. Frankreich. Der Ministerrat beschloß die Ernennung einer Kommission, welche die Lage der französischen Betanntwachung, vom 8. Januar die Spitze des Degens zu siellen; man sucht 1884 werden bei den Volkschulen des Kreises Hörde durch mittelbare oder unmitelbare Pressionen, mit Ausschluß der Volksschulen der Stadt Hörde die durch Vorspiegelung gewaltsamer Lösungen diFerien für den Sommer und Herbst 1887 festgesetzt plomatische Erfolge zu erringen; aber vor der wie folgt: I. Sommerferien, 3 Wpo=zr, Zugusteze ultima ratio scheuen die meisten Mächte zurück. II. Herbstferien, 2 Wochen, beginnend am 3. Okt.] Vielleicht allein die Franzosen arbeiten ausdrückbis einschließlich den 16. Oktober kr. Dagegen sollen lich auf einen Krieg hin, indem sie sich in den die fünfwöchigen Hauptferien an den Volksschulen in orientalischen Fragen ohne Zaudern auf die Branntweinst der Stadt 8örde ohne h.pom 18. August bis Seite und in den Dienst Rußlands stellen, um Der französische Kriegsminister General Ferron, ianll. den 21. Septenber kr. Die Ferien an den geho, dies Land zu einer aktiven Polik zu ermuntern, von dem es bei benen Schulen finden statt nach Maßgabe der früheren einen allgemeinen Konflikt hervorzurufen und er gewissermassen eine Bürgschaft für den Fr Bestimmungen der königlichen Regierung zu Arnsherg seine eigenen Rachepläne zu verwirklichen. Ruß= ssei, bekundet augenfällig das Bestreben, in der bezw. nach der Ferien=Ordnung für die Gymnasiten land selbst dürfte keine große Lust verspüren, es Sache seinem Vorgänger nichts nachzugeben. e beon 9 28. Juni 1887. auf einen derartigen Konflikt ankommen zu lassen, Auch die Mobilisierungside hat er von BoulanDer Landratsants=Verweser: und scheint sich die französische Dienstbarkeit nur ger übernommen und will sie J. 8.: Harlinghausen, c. Kreissekretär.(gefallen zu lassen, um womöglich ohne Krieg wenigstens, wie es den Anschein gewinnt. Ob Bekanntmachung. wichtige Erfolge zu erringen. Allein dies Spiel es ihm indessen völlig Ernst ist, muß aus dem Das Verzeichnis der in der 13. Verlosung gezo mit dem Feuer ist bedenklich genug und verhin= Grunde noch etwas zweifelhaft erscheinen, weil genen, durch die eigtaatzschulden on9 Zurz dert eine wirkliche Beruhigung der Gemüter. ser das Doppelte von der Summe, die Boulanger 1887 zur baren Einlösung vom 1. Januar 1888 ge= An den verschiedensten Orten werden die Kon= dafür beanspruchte, für nötig erklärt. Die Komkündigten Schuldverschreibungen der 4% Staatsanleihe flikte geschürt, in Aegypten, in Bulgarien, in mission wird am Samstag Beschluß fassen. vom Jahre 1868 A liegt während 4 Wochen auf dem Afghanistan. Die Aussicht auf die Ratifikation Bekanntlich war man der Meinung, daß schon Kreisbüreau und den Vür sowpie, in den Pokalen der des englisch=türkischen Vertrages ist nur gering, die 4 Millionen viel zu viel seien. und Hörde, den 28. Juni 1887. wenn auch nicht in offizieller Wese, so doch auf splante„internationale“ Weltausstellung. Trotzanderem Wege sich zu Drohungen bezüglich Ar=dem, wie wir wissen, fast alle Regierungen eine geenntunschunge ihtertiht. meniens respektive Syriens verstiegen. Anderer= Beteiligung abgelehnt, bestehen sie auf der AusSetanmimachung. 15. seits muß man auf einen rusischen Vormarsch führung des Planes, natürlich nur um den großen Vosude P eodi Letches gon Dde Phorder Ldich lber. de Bouphod uisen eogrease iu. Laigantan. Sielel u. süäteat. Eis macdan sch ader breie 20. die Regentschaft den Vertretern der Mächte mitgeteilt haben, daß die Volksvertretung sich nur mit Verwaltungsangelegenheiten befassen werde. In wenigen Tagen werden wir ja erfahren, wie weit sich diese„Verwaltungsangelegenheiten“ erstrecken. Daß Rußland einen Koup vorbereitet, wird allseitig angenommen. Großbritannien. Das fünfzigjährige Regierungs=Jubiläum Westfalen und Rheinland. * Schwerte, 30. Juni. Der westfälische Provinziallandtag hat den von seiner Kommission befürworteten Antrag auf Bewilligung von einer Million Mark als Beisteuer der Provinz zu den von den Adjazenten aufzubringenden Grundseiner ohnehin hoch genug geschraubten grwerbs=Kosten des Dortmund= Emskanals mit D Ger. 8.u.#. Seieraiglisg, ird fhirtgurcA Bi. As.#e.r vitetuish ergag hersien wesche dir. v—.6riche) Stimme, zie Aiuer uur matianalen: Nustelung großer Mehrheit genehmigt. Zugleich beschloß die Benutzung der Primatflüsse, wird hierdurch die dies: kann Ueberraschungen bereiten, welche die russische Stimmen, die einer nur„nationalen: Aubstrututg der Landtag, die königl. Staatsregierung zu den Kreis Hörde von Exekatiosrasen Empfindlichkeit aufs äußerste reizen. Während sdas Wort reden. Ob sie zur Gelung kommen, lsuchen, die Deckung des jest noch unbeglichenen von 6 J. für jeden Versäumungsfal angeorduet man es bieher, was die Orientangelegenheiten muß abgewartet werden; viellicht gehen die Hesies der Grunderwerbskosten auf den Staat Die Räumungsarbeiteg, müissen bis zum 20. Oktober betrift, nur mit Einzelfragen zu thun hatte, maßgebenden Kreise doch noch in sich und machen zu übernehmen und eine dahin zielende Aenderung d. Ja. bendek sein. Nach Ablauf dieser Srikt wir, machen sich jezt Erscheinungen bemerkbar, die aus der Rot eine Tugenge ggeug gezichng z, des Kanalgesetzes seitens des preußischen Landeine Besichigung kattfinden, und es wird, bei under; Harauf hindeuten, als bereite sich ein Insrollen=] Der„Intrausigeant“ vrogefortw orzeichurt birsggag herbeinführen. eide beschtoznächt ordnungsmäß, Führter Räu= daraus gindeuten, als bereite sich ein Insrollen=] Der„Intransigeant“ Kogeforte oezeignen die tag herbeizuführen. eoe“ den zur Räunung Verpfichteten die an= kommendes ganzen Komplexes der Orientfragenvor. Ernennung Boulangers zum Korp.kommandanten] g Schwerte. 30. Juni. Aue Dortmund gedrode Exekutivstrafe festgesist, sowie mit weiteren] Der Friede Europas hat seit manchem Jahr in Clermont=Ferrand als Oeportation und meint, wird geschrieben: Man rüstet vier ient de, Zwangsmaßreoein porgegangen, event, die Räumuns auf dem festen Bündnis Deutschlands mittman habe Boulanger von dem Natonalfest und rzste sehr eisrig zu den Vorbereitungen für den au seine Koten ausarführt werden. Hesterreichs geruht wie nach der Sage die Erdel der Froppenschau von Paris entfernen wollen.“els Lhr, auf feine Rrogen gusgesighet werden. Hörde, 25. Juni 1887. Der Landratsamts=Verweser. J. B: Harlinghausen, c. Kreissekretär. Bekanntmachung,### Stärkung erfahren durch die stürmischen Wahlen Italien. tigt und verspricht das Fest im allgemeinen einen Die Räudekrankheit bei dem Pferdebestande der in Ungarn. Minister Tisza ist mit sehr großer Infolge der Vorstellungen des Kardinals glänzenden Verlauf zu nehmen; man spricht hier Gebrüder Linde hierselbst ist erloschen und sind die an= Mehrzahl wiedergewählt worden und sitzt nun 5 Manning und des Erzbischofs Walsh von Dub= davon, daß seit Jahren auf einen großartigeren geordneten Schutzmaßregeln aufgehoben. Jahre lang fest im Sattel. Er ist ein eifriger lin, daß eine Einmischung des Vatikans in die Verlauf eines Festes nicht hingeblickt worden ist, Hörde, 27. Juni 1887. Die Stadtpolizei=Verwaltung: gez. I Bekanntmachung. ist widerrusich zum Fleschbeschauer für den Beziurk das ist um so wichtiger, als es in beiden Reichs= Gualdi nach Irland zu senden, einstweilen auf= wicklung der Arillerie gezeigt werden sol, und der Gemeinde Berghofen bestellt und heute vereidigt hälften Oesterreichs auch gewichtige Gegner und gegeben.„... mit einem derartigen Vorwurf kann wohl keine borgen. 27. Juni 1887 verschämte und unverschämte Schwärmer für die Rußland. andere Waffengattung sich soweit ausdehnen, # ero o, Die Polizei=Verwaltung: Gutjahr. Franzosen gibt. Aus Russisch=Polen wird bestätigt, daß we= wie diejenige vom groben Geschütz. Das KoWie glaubhaft mitgeteilt wird, sollen die gen der den Ausländern drohenden Maßregelun= mitee behält sich die Veröffentlichung der Details Dautsches Reich. Grundzüge für die Alters= und Invaliden=gen und Ausweisungen sehr viele Deutsche ihre für die Festzeitung vor; wir dürfen daher nur lversorgung der Arbeiter schon seit längerer Aufnahme in den russischen Unterthanenverband einige Szenen herausgreifen, soweit sie uns beIm Befinden des Kaisers sind die allerer: Zeiz im Reichsamt des Innern fertiggestellt sein. beantragen. Die Erledigung dieser Anträge geht kannt geworden sind. Da sollen zunächst die freulichsten Fortschritte wahrzunehmen, jedech Eg wird im einzelnen angegeben, daß diese Alters= indessen sehr langsam von statten. Die reichsten alten mechanischen Wurfgestelle vorgeführt wersind auch bis zur heutigen Stunde noch durch= persicherung nach den Absichten der verbündeten nicht russischen Grundbesitzer in den Grenzbezir= den, wie sie vor der Erfindung des Schießpulaus keinerlei endgültige Bestimmungen über Die Regierungen gleichzeitig für alle männlichen Ar= ten haben meist persönlich in Petersburg Schritte vers benutzt wurden. Alsdann wird Berthold Abreise von Berlin nach Bad Ems 2c. seitens(heiter oder, wenn nur ein schrittweises Vorgehen gethan, um eine Milderung der drohenden Maß= Schwarz in seinem, auf einem Wagen errichteten des erlauchten Monarchen getroffen worden. möglich ist, zunächst für die industriellen Arbeiter nahmen zu erhalten. Wie bedeutend z. B. der Laboratorium vor den Augen des Publikums Der diesjährige Aufenthalt in Baden ist, wie eintreten und sich an die Berufsgenossenschaften von Kramstasche Grundbesitz in Polen an Berg= mit dem von ihm erfundenen Sprengstoffe allerlei aus Karlsruhe mitgeteilt wird, der Kaiserin 10 für die Unfallversicherung anschließen soll. Die werken, Eisenhütten 2c. ist, erhellt aus dem Um= Experimente vornehmen. Diesem Wagen wird gut bekommen, daß dieselbe fast täglich die Groß= Grundlage soll ein obligatorischer Minimalrenten= stande, daß in diesen Etablissements 8000 Ar= eine große Reihe von Geschützen folgen, vom herzoglichen Herrschaften im Schloß besuchen und satz von 120 M. im Jahre bilden; zu dieser heiter beschäftigt sind. Sämtliche Direktoren, ersten Vorderlader an bis zum vervollkommnetsten mit denselben im Park sich ergehen konnte. Rente steuert das Reich ein Drittel bei, der Rest Markscheider, Werkführer, Buchhalter 2c. sind gußstählernen Hinterlader. Und in dieser Reihesoll den Ebenfalls in Koblenz benutzt die hohe Frau das wird durch Versicherungsbeiträge je zur Hälfte Deutsche, und sie alle müßten dem neuen Gesetz Glanzpunkt eine vollständige reitende Feldbatterie schöne Wetter zu täglichen Spazierfahrten. von den Arbeitern und den Arbeitgebern aufge= gemäß ihre Stellungen aufgeben. Nicht minder bilden, wie deren von Friedrich dem Großen zuauf dem festen Bündnis Deutschlands mit man habe Boulanger von dem Nationalfest und reits sehr eifrig zu den Vorbereitungen für der Oesterreiche gerucht, wie nuch ver Suge die Erde der Truppenschau von paris entsernen wouen: am Sonntag hier stattfindenden Artilleristenauf den Schultern des Riesen Atlas. In diesen Das mag wohl richtig sein und wird seine guten Kommers; an vielen Häusern und in manchen Tagen hat das Bündnis eine Sicherung und Gründe haben. Stärkung erfahren durch die stürmischen Wahlen Italien. Straßen ist man mit dem Ausschmücken beschäftigt und verspricht das Fest im allgemeinen einen 7. Juni.(StädZum heutigen waren aufgetrieGroßvieh, 130 ber, 63 Hammel. haft, unverkauft roßvieh. Per 100 cht wurde gezahlt: für Stiere 40 he 1. Qualität 52 alität 48—51+, Qualität 48—46 —43 M4 Kälber gewicht 1. QualiQuglität 45—50 I. Qual. 55 4 Paderborn 4. Juli 1887. Geld=Kurse. rsten und Söhne. Juni 1887. Briefe. Geld. 169.00 168.40 167,60 so daß nur ein kaum nehmer: der Reichszuschuß wird auf 22 Millio= den, Leute, die Jahrzehnte im Lande ansässiig— nebenbei bemerkt— der Requisition von Leibarzt Dr. Wegne, nen marr verechner. Daneben steht es aber sind, dort geheiratet und sich in die Verhältnisse(einigen hundert Pferden bedurft. Wenn wir Stück an Prosessor jeder Berufsgenossenschaft frei, für ihren Verband vollkommen eingelebt haben. Es ist erklärlich, nicht irren, sind die Kosten des historischen Teils rotzdem der Kronprinz im allgemeinen oder fur einzelne Gegenden und daß sie die Naturalisation einer ungewissen Zu= des Festzuges, dessen Entwurf von einem be203.20 202.65 80.45 80,00 80.35 79.80 80.15 79.65 80.00 5 irien. dke# 16.10 C. " 20,20 C. : 400 C. dem der Wucherung entfernt, so daß nur ein kaum nehmer; der Reichszuschuß wird auf merklicher zeil zurückblieb. Leibarz: Dr. Wegner /., gi of berechnet. Da schickte sofort das entfernte Stück an Professor jeder Berufsgenossenschaft frei, für ihren Verband vollkommen eingeleot haben. Es ist erklärlich, nicht irren, sind die Kosten des historischen Teils Virchow nach Berlin. Trotzdem der Kronprinz im allgemeinen oder für einzelne Gegenden und daß sie die Naturalisation einer ungewissen Zu= des Festzuges, dessen Entwurf von einem besich Samstag beim Heraustreten aus dem Zim= Orte je nach den Lohn= und Lebensmittel=Ver= kunft vorziehen. kannten Düsseldorfer Maler herrührt, auf zehnmer ins Freie eine Erkältung, die an sich absolut hältnissen einen höheren Rentensatz ins Auge zu In Petersburg wurden am Dienstag vier tausend M. veranschlagt. Die Summe ist durch unbedeutend ist, zugezogen hat, ging die Entfer= fassen und danach die Beiträge zu bestimmen. Nihilisten mittels des Strickes vom Leben zum einige hohe Beiträge von früheren Artilleristen nung in günstigster und raschester Weise vollstän= Gesterreich. Tode befördert. gedeckt worden; so soll u. a. Krupp die Hälfte Po, schmerzio; vor sa; in Betaumn ene W u, welche der Kronpriaz von Oester=I Oeient.(bewillgt haben.— Wie vorausziechen st, wid Sctande vor sevoligen., Immertziuverthudert) Oie Vors, v der poluschen Wbeledepn.) Die bulgarsche Frage scheint dezu bestimmt, eine sehzr große Zahl von Arileristen aus alen se Srtsitung, bog eine gengueg xele vungtg iun Kelau geprochen, machten eien gro= die Kostn der poltischen Dietason in der Zei Gauen unserer Schpesterprosiugen sopost, als “ un de Wagerung begeueg Der Kronprinz sagte, daß ersder sauren Gurke bestreiten zu sollen, und in auch aus anderen Gegenden, der Einladung Hale...(ven C.—.—.. gu. J, 29/, dop e) be, oue, hriangt seder Tag eine neue Nachricht Oortmunds Folge leisten; daß allen vergnügte on der hmneremn vegichzen,„eelük herschiSyupatze und Lieve lur. be), gewerze ver Vho, Elagz der Aaglagenhelt. Während Stunden winkten, daftr bürgt die seit langer velstänige Windtille,„Jagt da vezsiglich der Raten von seiten Bater gerb, un, A5g noch vor duigen Tagen behauptet wurde, daß Zeit bewiesene große Thätgleit des Festomiters, vternatondten Lage. Da schrk und brodst esshn imnmer freuen zu sechen, dos der Vbosl vo Je am 3. Juli zusammentretende Sobransesch,sowie auch mnebesondere das lebhaste Interese, weinich, obigen zmächt de Beiergut auds=lans in Wote dr, Ges,Zi zex, Pratauer La, dem ursprünglichen Prograum eusprechend, doch weiches die Bürgrschaeft dem Unternichman mu Westhofen, 27. Juni. Das gestrige GustavAdolf=Fest verlief, wie immer es bei diesem Feste der Fall ist, auf das allerschönste. Die Festpredigt in der hiesigen Kirche hielt Herr Pastor Heller aus Dortmund über 2. Epistel St. Pauli an Timotheum, 1 Kapitel 7—9 Vers. In der Nachversammlung, welche beim Wirt Herm. Weiberg stattfand, hatten sich über 300 Personen eingefunden. Mehrere auswärtige Pastoren hielten Ansprachen. Auf Anregung des Herrn Pastors Rocholl aus Ramsbeck wurde für den Umbau einer evang. Schule und eines Beetsaales kollektiert. Die Kollekte brachte 78 Mt. 33 Pfg. auf. — Hier wird viel für ein diesjähriges Schützenfest agitiert, infolgedessen auf Einladung am vergangenen Donnerstag der Vorstand des letzten Schützenfestes zu einer Besprechung zusammentrat. Derselbe war in der Mehrzahl der Meinung, in diesem Jahr kein Schützenfest zu feiern, wohl aber ein solches für's nächste Jahr bestimmt in Aussicht zu stellen. — In der am Donnerstag stattgefundenen Schöffengerichtssitzung des königl. Amtsgerichts zu Schwerte wurden die Gebrüder Heinr. und Karl Wachenfeld von hier wegen Sachbeschädigung, ersterer zu 3 Monate, letzterer zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt, ferner wurden in einer 2. Sache in derselben Sitzung der genannte H. Wachenfeld wegen des Verdachtes, den Schlosserlehrling Karl Gerken von hier zum Meineide verleitet, sowie der genannte Gerken, wegen des Verdachtes einen falschen Eid geleistet zu haben, sofort verhaftet. Ein kleiner Junge fand in Iserlohn auf einer Fahrstraße in der Nähe des Waisenhauses zwei Dynamitpatronen. Ein unabsehbares Unglück hätte passieren können, wenn dem Jungen die Gefährlichkeit seines Fundes nicht bekannt gewesen, und er die Patronen nicht sofort abgeliefert hätte. Hoffentlich gelingt es, den früheren Besitzer ausfindig zu machen, damit er für seine Leichtsinnigkeit mit einer gehörigen Strafe bedacht werden kann. In einem Busch bei dem Oertchen Vorhalle bei Hagen fand man die am Baume hängende Leiche des seit dem 15. April kr. vermißten Kanzlisten Br. Dieselbe wurde in die Leichenhalle geschafft. B. soll sich in einem Anfalle von Geistesschwäche erhängt haben. Die Wirte=Vereinigung von Haspe hat beschlossen, in Zukunft das Liter Branntwein um 20 Pfg. teuerer zu verkaufen. In Eilpe konnte ein Bäckermeister dem Reize nicht widerstehen, sich auch einmal in der Turnkunst zu zeigen und über den Springbock zu voltigieren. Der Versuch endete jedoch unglücklich. Der Mann fiel auf den Kopf, klemmte sich die Zunge zwischen die Zähne und zog sich, nach ärztlichem Befund, eine Gehirnerschütterung zu. Ein kleines Kind zu Gütersloh nahm vom gedeckten Tisch ein Messer, um damit zu spielen. Es kam zu Falle und zerschnitt sich dabei eine Ader, infolgedessen es bald darauf verstarb. In Lilschede hatte ein Bergmann das Un glück, bei Gelegenheit des Heueinfahrens aus der Bodenluke auf das Steinpflaster zu fallen. Derselbe trug eine schwere Schädelverletzung und Gehirnerschütterung davon. In Gevelsberg fiel ein 4jähriger Knabe kopfüber in ein in eine Senkgrube gestelltes Jauchefaß und fand auf diese Weise einen frühzeitigen Tod. Am Sonntag morgen gegen 8 Uhr entgleisten auf der Strecke Vohwinkel=Steele beim Einfahren in den Bahnhof Nierenhof der vierte und fünfte Wagen des von Vohwinkel abgelassenen Personenzuges. Der vierte Wagen schlug um, kam auf die Scite zu liegen und wurde, bis der Zug zum Stehen gebracht war, mitgeschleift. Die in demselben befindlichen Fahrgäste schwebten in größter Lebensgefahr. Es ist jedoch niemand verletzt worden. Auf dem neu eingeführten, am Samstag zuerst abgehaltenen Remontemarkte in Münster wurde von den zahlreich angetriebenen Pferden nur eins angekauft, auf dem Beckumer Remontemarkte erwarb die Militärbehörde von 50 Pferden nur 5. Ans Westfalen, 1. Juni. Vor einigen Tagen wurde ein Arzt schleunigst zu einem schwer Kranken gerufen und zwar in eine jener Gegenden des Sauerlandes, die weitab von der großen Heerstraße des Verkehrs liegen und sich weder einer Bahn, noch Post, ja nicht einmal eines Wirtshauses erfreuen. Als es zum Rezeptschreiben kam, war weder im Hause noch im Dorfe ein Blättchen Papier nebst Bleistift zu bekommen; das Rezept aber hatte Eile.„Thür ausgehoben“ kommandierte der Doktor. Im nu wars geschehen und rasch war das Rezept mit Kreide auf die breite Fläche geschrieben, ein Pferd vor einen Wagen gespannt und in die nächste Apotheke gefahren. Der Herr Provisor war nicht einmal sonderlich verwundert über das große Rezept, denn ein richtiger Provisor wundert sich über nichts mehr. Der Kranke aber wurde gesund. Der Kreistag des Kreises Meppen hat den auf den Kreis entfallenden Beitrag von 32,576 M. zu den Kosten des Grunderwerbes für den Kanal Dortmund=Emshäfen bewilligt. Der Verteidiger des jetzt vielgenannten Elberfelder Barbiers Ziethen hatte, nachdem sein Antrag auf Freilassung seines Klienten abgelehnt war, den weiteren Antrag gestellt, daß derselbe in die Untersuchungshaft übergeführt würde. Auch dieses ist abschlägig beschieden mit der Begründung, daß die Aussagen des Wilhelm, der sich jetzt der Ermordung der Ehefrau des Ziethen bezichtigt hatte, nicht als absolut glaubwürdig erschienen. Remscheid. Die Ovationen für Herrn Pfarrer Thümmel mehren sich. Das Bergische Tageblatt schreibt unterm 25. ds. Mts.:„Gleichwie an den vorhergegangenen Abenden versammelte sich auch am gestrigen Abend wieder eine nach vielen Hunderten zählende Volksmenge auf dem Schützenfelde(wo die Wohnung Thümmels liegt) und in den angrenzenden Straßen. Als von verschiedenen Seiten brausende Hochrufe au Herrn Thümmel erschollen, versuchte die Polizei, welche vollständig zur Stelle war, die Menge zu zerstreuen. Das Schützenfeld wurde mehrmals in kategorischer Weise geräumt, wodurch eine gewisse Erregung unter den Anwesenden sich kundgab; einzelne Personen nahmen eine drohende Haltung an und antworteten auf das Einschreiten der Polizei mit Rufen wie:„Wir haben keinen Belagerungszustand hier!“„Wir sind keine Anarchisten!“ u. dgl. m. Gegen 10 Uhr begaben sich die Mitglieder des Gesangvereins„Sängerkreis" in die Wohnung des Herrn Pfarrer Thümmel und brachten demselben ein Ständchen. Herr Pfr. Thümmel dankte in herzlichen Worten für die ihm erwiesene Ehre und brachte ein Hoch auf den„Sängerkreis" aus. Ein Vereinsmitglied ließ sodann namens seiner Sangesbrüder Herrn Pfarrer Thümmel hochleben. Die Bewegung in den Straßen dauerte bis zu später Stunde und pflanzte sich in verschiedene Wirtschaften fort. Wie wir nachträglich erfahren, haben in der zwölften Stunde mehrere Verhaftungen stattgefunden.“ Herr Bürgermeister v. Bohlen erläßt in den hiesigen Blättern folgende Bekanntmachung:„An fast allen Abenden dieser Woche haben auf dem Schützenfelde Ansammlungen vieler Hunderte von Menschen stattgefunden, die bis in die Nacht Aufstellung genommen, gesungen und Hochs ausgebracht haben. Da dieser gesetzwidrige Zustand auf die Dauer nicht geduldet werden kann, so richte ich an die Bürgerschaft die dringende Bitte, sich von diesen Ansammlungen, die nur zu leicht Ursache ernsterer Verwickelungen werden könnten, fern zu halten.“ Das Bergische Tageblatt berichtet ferner:„Am verflossenen Samstagabend hatte sich vor dem Hause des Herrn Pfarrer Thümmel wieder eine große Menschenmenge versammelt, um ihrem geliebten Seelsorger eine Ovation darzubringen und demselben ihre Liebe und treue Anhänglichkeit aufs neue zu bezeugen. Gegen zehn Uhr trat Herr Pfarrer Thümmel ans Fenster und wurde von den Anwesenden, nach unserer Schätzung mindestens 3000 Personen, mit stürmischen Hochrufen begrüßt. Die Versammelten stimmten den zweiten Vers des alten Lutherliedes„Eine feste Burg ist unser Gott“ an. Feierlich klangen die vollen Töne durch den friedlichen Sommerabend. Hierauf forderte Herr Pfarrer Thümmel, um einigen Zeitungsberichten, welche die Versammlungen vor seinem Hause als aus einem Haufen Pöbel bestehend, welcher destruktive Tendenzen verfolge, darstellten, entgegenzutreten, auf zu einem Hoch auf unsern geliebten Heldenkaiser. Nachdem die Kaiserhymne verklungen, ertönte aus der Mitte der Anwesenden ein Hoch auf Herrn Pfarrer Thümmel, in welches dreimal begeistert eingestimmt wurde. Sichtlich gerührt dankte der Gefeierte seinen Pfarrkindern und rief denselben ein„Gute Nacht, lieben Freunde!“ zu. Ganz ruhig entfernten sich hierauf die Erschienenen. Daß gestern vormittag, da Herr Pfarrer Thümmel zum erstenmale nach der bekannten Affaire den Hauptgottesdienst abhielt, der Besuch ein sehr reger sein werde, ließ sich voraussehen, nicht aber, daß der Zudrang so großartig sein werde, wie es in Wirklichkeit der Fall war. Selbst aus dem Wupperthale und aus anderen benachbarten Gemeinden hatten sich Zuhörer eingefunden, Gänge und Treppen waren bis auf den letzten Platz besetzt und gar viele mußten unverrichteter Sache zurückgehen. Ein alter Mann äußerte sich, daß er in 40 Jahren das Gotteshaus nicht so zahlreich besucht gesehen habe. Es machte einen ergreifenden Eindruck, als die Menge der Gläubigen anstimmte:„Es ist das Heil uns kommen her von Güt' und lauter Guaden; die Werk' vermögen nimmermehr zu heilen unsern Schaden" u. s. w., eine allgemeine innere Bewegung aber gab sich kund, als von der oberen Galerie herunterbrauste:„Das Wort sie sollen lassen stahn!“ welches Lutherlied von einem Lehrerchor vorgetragen wurde. Schon das verlesene Evangelium(Apostelgeschichte 4) paßte ganz besonders zu der herrschenden Stimmung; als der Redner die Kanzel bestieg, um, nachdem er sich in der Einleitung über Autoritat ausgesprochen, den Glauben an den Gehorsam und den Gehorsam aus Glauben in seiner kräftigen Art zu erläutern, da haben wir selbst Männeraugen sich feuchten sehen, ein Beweis, daß die eindringlichen Worte den Weg zu den Herzen der Andächtigen gefunden. Wer die örtlichen Begebenheiten der letzten Tage beobachtet hat, mußte zu der Ueberzeugung gelangen, daß das alte Sprichwort:„Kleine Ursachen, große Wirkungen“ auch in seiner Anwendung auf die im Vordergrunde des öffentlichen Interesses stehenden Ereignisse der letzten Zeit voll und ganz zur Geltung gelangt ist.“ Von einem Solinger Eisenwaren=Fabrikanten wurde vor einigen Tagen ein Erzeugnis der heimischen Industrie vorgelegt, wie solches wohl bisher seines Gleichen nicht gefunden hat— nämlich ein 100=teiliges Taschenmesser, welches mit 92 Federn versehen ist. Die Schale ist von Perlmutter in neusilberner Umlage, und das ganze Messer bei einer Größe von 4 Zoll nur 1 Kilogramm schwer. Besonders hervorgehoben zu werden verdient, daß die einzelnen Teile nur durch Handarbeit hergestellt sind, und das ganze Messer sehr exakt gearbeitet ist, was unzweifelhaft bei einer solch komplizierten Herstellungsweise mit Schwierigkeiten verbunden war. Von zuständiger Seite wird der„K. Z.“ mitgeteilt, daß bei dem neulichen Eisenbahnunfall in Mülheim a. Rh. im ganzen acht Personen leicht verletzt worden sind. Unter denselben befinden sich die beiden, angeblich schwer verletzten Damen, Mutter und Tochter, von welchen die erstere, wie in anderen Blättern behauptet worden, an den Folgen der erlittenen Verletzungen bereits gestorben sein sollte. Beide sind aus dem Krankenhause entlassen worden und haben ihre Weiterreise angetreten. Einen schlechten Scherz erlaubte sich ein Arbeiter in Düsseldorf, der einem anderen durch Einsteigen in die Wohnung desselben eines von den zwei im Bett liegenden schlafenden Kindern wegnahm. Durchs Fenster, woher er gekommen, verschwand er auch wieder. Als die Eltern der Kinder nach Hause kamen und den Verlust entdeckten, eilten sie sofort zur Polizei und machten die Anzeige. In dieser Zeit wurde das Kind wieder zurückgebracht. Das Schöffengericht zu Neuß verurteilte einen dortigen Bierbrauereibesitzer, welcher in 88 Fällen dem Bier sogenannte Bierkouleur bezw. Traubenzucker zugesetzt hatte, zu einer Geldstrafe von 2640 M., ferner zu 150 M. Ordnungsstrafe, weil er es unterlassen hatte, der Steuerbehörde eine schriftliche General=Deklaration der von ihm verwandten Malzsurrogate einzureichen. — In große Verlegenheit geriet ein Transporteur auf dem Bahnhofe in Neuß, der mit einem Kandidat für die Arbeitsanstalt Brauweiler angekommen war. Letzterer mußte nach der Retirade und war von dort spurlos verschwunden. Alles Suchen war vergebens und in seiner Not brachte der fremde Beamte selbst die städtische Polizei auf die Beine. Als der Transporteur traurig über das ihm widerfahrene Mißgeschick zur Heimfahrt auf dem Bahnhofe anlangte, traf er dort zu seinem Erstaunen seinen Gefangenen an, welcher bis dahin dort vergeblich auf seinen Begleiter gewartet hatte. Nunmehr konnte denn die Weiterfahrt nach Brauweiler erleichterten Herzens vonstatten gehen. Erzbischof Krementz von Köln vollzog am Donnerstag den feierlichen Akt der Taufe der Kaiserglocke in Anwesenheit des gesamten Domkapitels, der Zivil= und Militärbehörden; die Kaiserglocke erhielt den kirchlichen Namen„Gloriosa“; seit dem Dombaufest 1880 ertönte sie am Donnerstag zum erstenmale. Beim Vollgeläute aller Glocken war eine zahlreiche Menschenmenge Zeuge des erhebenden Schauspiels. Von Frankfurt kommend langte in Koblenz eine Anzahl Japanesen, Mitglieder einer Japanesischen Gelehrten=Gefellschaft an. Die Asiaten haben bereits einen großen Teil Deutschlands bereist, wollen das Rheinthal bis Köln besichtigen und von dort nach Bad Spaa fahren, um später von Antwerpen aus die Rückreise nach Yeddo anzutreten. — Auf dem letzten Wochenmarkte in Koblenz kamen über 300 Ztr. Kirschen guter Sorten, meist zum Versandt, zum Verkauf. Der Marktpreis betrug 20 Pfg. per Pfund. Das Kriegsgericht in Mainz hat einen Soldaten des dritten hessischen Infanterie=Regimentes Nr. 117 wegen thätlicher Wiedersetzung gegen einen Unteroffizier desselben Regimentes zu 7 Jahren Gefängnis verurteilt. Vermischtes. * Paris 29. Juni. Gewitterverheerungen im Departement Var(Provence) haben die Getreide= und Weinernte im Distrikt Beouvoir gänzlich vernichtet; in den Departements Lot und Ariege ist die ganze Mais=, Tabak= und Getreideernte durch Hagel zerschlagen, die Wege sind meist unpassierbar, auf den Eisenbahnstrecken kamen verschiedene Dammbrüche vor. Aehnlich litten Teile des Departements Dordogne; in Serins schlug der Blitz ein, tötete drei Personen und verwundete zwölf Personen schwer. * Einschreckliches Wiedersehen. Aus Prag wird berichtet: Einen Selbstmord aus wahrhaft tragischen Motiven beging vorgestern der Wachtposten in der Strafanstalt Karthaus Franz Kalcovsky vom 18. Infanterieregiment. Im Alter von acht Jahren verlor er Vater und Mutter, welche beide wegen Raubmordes, und zwar ersterer zu 20 Jahren, letztere zu lebeuslänglichem Kerker verurtheilt wurden. Bei dem vorgestrigen Rundgange erkannte Kalcovsky plötzlich nach 12 Jahren seinen eingekerkerten Vater, was er sich so zu Herzen nahm, daß er sich mit dem Dienstgewehre erschoß. Die Mutter des Selbstmörders verbüßt die Strafe in Repy. * In der Angarfrohnfeste in München befinden sich gegenwärtig nicht weniger als sieben vom Schwurgerichte innerhalb vier Monate zum Tode Verurteilte, welche dort ihres Schicksales harren. * Der für Rußland ernannte japanische Gesandte ist ein Pechvogel; nachdem er beim Scheitern der„Oder“, auf welcher er die Reise von Japan nach Europa machte, sein ganzes Gepäck mit Ausnahme von 2 Kisten verloren hotte, sind ihm diese beiden Kisten in Odessa, unmittelbar nach seiner Landung auf russischem Boden— gestohlen worden. So erzählt der Korrespondent der„Daily News“ * Der nach einer Unterschlagung von 3 Mill. Franken flüchtig gewordene Direktor der Pariser Bank wurde in Konstantinopel verhaftet. * Wohl zum ersten Male sind in Berlin dieser Tage drei chinesische Kaufleute eingetroffen. Tsu=nee=ye, Sh=Lar und Ny=Lew, alle drei aus Tor Nan, sind im„Kaiserhof“ abgestiegen. * Vor einigen Tagen verhaftete in Paris die Polizei zwei Bettler fremder Nationalität, die sich als Krüppel verstellten, um das Mitleid der Vorübergehenden zu erregen. Vor dem Polizeirichter sagten die beiden aus, daß sie im Dienste eines Spaniers Namens Nuguez ständen, der auf einem Bauplatz in der Vorstadt noch mehrere ihresgleichen in Seiltänzerwagen beherberge und sie jeden Morgen zur Bettelei ausschicke. Die Obrigkeit forschte nach und machte die sonderbare Entdeckung, daß Nuguez in Paris auf großem Fuße lebt, einzig vom Ertrage eines Bettelunternehmens. Er importiert Krüppel und solche Leute, die sich als Krüppel zu verstellen wissen. Von der einen Art hat er jetzt zwei, von der anderen drei Untergebene, die allesamt durch schriftlichen Kontrakt verpflichtet sind, ihm gegen monatliches Gehalt die empfangenen Allmosen— täglich 12 bis 15 Franks pro Kopf— auszuliefern. Bringen sie nicht die bestimmte Summe, so wird ihnen der Fehlbetrag am Monatsgehalte abgezogen. Der Hidalgo bechäftigt sich nur mit der Ueberwachung seiner „Beamten" Elegant gekleidet und mit Goldchmuck beladen, speist er in den modischen Restaurants und paradiert abends auf den besten Plätzen der Theater. Die Polizei wird ihm jetzt das Geschäft legen und ihn über die Grenze chicken, doch hat er, wie verlautet, schon Vermögen genug erworben, um in seiner Heimat von seinen Renten zu leben. * Das Jahr 1887 ist ein bedeutsames Jubiläumsjahr für die Telegraphie. Vor 50 Jahren, im Juli 1837, wurde der erste Schreibtelegraph zwischen München und der Sternwarte in Bogenhausen praktisch verwertet. Der berühmte Forscher, Professor Steinheil, welcher im folgenden Jahr auch die Leistungsfähigkeit der Erde entdeckte, war es, der auf Veranlassung von Gaus den Gaus= und Weberschen Apparat in einen Schreibtelegraphen verwandelte, bei dem die Idee, die Signale direkt niederzuschreiben, in geschickter Weise durchgeführt war. Ebensalls im Jahr 1837 wurde auch noch der erste Nadeltelegraph von Kook und Wheatstone mit 5 Nadeln kon struiert. Welche Fortschritte sind in diesen 50 Jahren auf dem Gebiet der Telegraphie gemacht worden! Nahezu unübertrefflich arbeitet gegenwärtig Huyhes Typendrucker, mit dem zur Zeit des letzten russisch=türkischen Krieges das Haupttelegraphenamt in Berlin einmal in fünf Stunden 6012 Worte aufnahm, also in der Minute etwa 20 Wörter. * Auf gräßliche Weise versuchte ein 65jähriger Almosenempfänger in Bertin seinem Leben ein Ende zu bereiten. Er durchschnitt sich mit einem scharfgeschliffenen Resser derart die Kehle, daß der Kehlkopf heraustrat. Als er merkte, daß er den Kehlkopf nicht richtig getroffen, schlitzte er sich den Leib von unten nach oben völlig auf. Man fand ihn noch lebend und brachte ihn in die Charitee, doch ist keine Hoffnung das Leben zu erhalten. * Der Hund und der Regenschirm. In den Gasthäusern von Wien macht jetzt folgende Geschichte die Runde: Ein bekannter Advokat machte kürzlich abends seinen gewohnten Spaziergang, als ihm plötzlich eine prachtvolle Dogge zulief, die sich um keinen Preis von ihm mehr trennen wollte. Der Herr nahm einen Wagen, um bei dem gerade drohenden Unwetter rascher in die Stadt zu kommen und zugleich seinem zudringlichen vierfüßigen Begleiter zu entgehen; als aber der Wagen vor dem Hausthore hielt, war auch die Dogge da und sah den Doktor mit so treuherzigen Augen an, daß er sich entschloß, das Tier vorläufig mit in seine Wohnung zu nehmen. Am nächsten Morgen begleitete die Dogge ihren neuen Herrn in die Kanzlei, ins Gasthaus und überall erzählte der Advokat die Geschichte des gefundenen Hundes. Am Abende machte er wieder seinen gewohnten Spaziergang, als er bemerkte, daß die Dogge ihn fortwährend am Rocke zerrte und an ihm hinauf sprang.„Aha“, dachte der Advokat, „der will gewiß ein Apportel haben!" Richtig, so war's; der Hund heulte vor Freuden, als ihm sein Herr den neuen Regenschirm übergab. Aber kaum hatte er denselben zwischen den Zähnen, als er mit gewaltigen Sätzen davonlief und— spurlos verschwand. Der Herr Doktor lief wohl auf und nieder— doch Hund und Schirm sah er niemals wieder. * Der französische Radfahrer Baby hat auf seinem Dreirad die Reise von Paris nach Wien in 7 Tagen 4 Stunden und 50 Minuten zurückgelegt, eine Leistung, welche bisher unerreicht dasteht. Bekanntlich hat vor einigen Jahren der Oberleutnant Zubovics dieselbe Strecke zu Pferd zurückgelegt und hierzu 14 Tage und 22 Stunden gebraucht. Baby meint, daß es möglich sei, dieselbe Strecke auf dem Dreirad in sechs Tagen zurückzulegen, Herr Baby benutzte ein Dreirad im Gewicht von 30 kg. mit 20 kg. Reisegepäck. Die Richtigkeit seiner Angaben ist durch etwa fünfzig Telegramme und Korrespondenzkarten dokumentiert, welche er auf seiner Reise aus verschiedenen Orten absendete. Baby verwendete nur die Tagesstunden zum Fahren. Herr Baby, ein 36 jähriger Mann, kam frisch und gesund in Wien an; auch sein Rad hat nicht den geringsten Schaden genommen. * Statseisenbahndienersgemahlin— ist der neueste Titel, den die BadeDirektion von Schönau in Böhmen in ihrer Kurliste einer Frau aus Trautmannsdorf in Niederösterreich zu teil werden läßt; da wird doch die„Maschinenschlossersgemahlin“, die in derselben Liste aufgeführt wird, vollständig in den Schatten gestellt. * Mißverständnis. Ein holländischer Bauer der nach Amsterdam kam, besuchte dort zum erstenmale in seinem Leben ein Theater. Es wurde„Richard III,“ gegeben. Als Richard rief:„Ein Pferd, ein Pferd! Ein Königreich für ein Pferd!“ schrie das Bäuerlein von der Galerie:„Ich habe zu Hause einen hübschen, fünfjährigen Fuchs, den könnt Ihr für 400 Gulden bekommen.“ * Bürgschaft.„Können Sie mir jemanden nennen, der Zeugnis für Ihren ordentlichen Lebenswandel ablegt?“—„Hm— hm. Unser Nachtwächter!“ * Auf der Hochzeitsreise.„Jetzt werden wir gleich durch einen langen Tunnel fahren.“—„Ach, bitte, Mann, laß mich während der Durchfahrt am Fenster sitzen. Ich habe noch nie einen Tunnel von innen gesehen.“ *„Hast Du schon daran gedacht, lieber Mann, wohin wir reisen wollen? Ich schlage die Schweiz vor. Wie findest Du diesen Gedanken?“—„Unbezahldar.“ * Lehrer: Was ist Geschwindigkeit?— Schüler: Geschwindigkeit ist dasjenige, womit einer einen heißen Teller wegsetzt. Zum Abonnement auf die „Schwerter Zeitung", 8. Vierteljahr 1887, laden wir jedermann in Stadt und Land freundlich ein. Gottesdienste. Schwerte. Größere evangelische Kirche: Sonntag, den 3. Juli 1887. Frühpr. 8 Uhr: Past. Heinenberg. Hauptpr. 9½ Uhr: Past. Heinenberg. (Kollekte für das Friedrich= Wilh.=Stift in Hamm.) Nachm. 2 Uhr: Kindergottesdienst. Past. Terberger. Amtswoche: Past. Heinenberg. Reformierte Kirche: Vorm. ½10 Uhr: Past. Terberger. Syburg. Vorm. ½10 Uhr: Past, Falkenberg. Todesanzeige. Es hat Gott dem Allmächtigen gefallen, heute morgen nach kurzem, schwerem Leiden unsern lieben Bruder, Schwager# u. Onkel, den Leinenweber Wilh. Krieger im 63. Lebensjahre zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Schwerte, 29. Juni 1887. Die Beerdigung fndet Samstag nachmittag 3 Uhr statt. e der Grügelgz. Schwerte am Markt,#S,11 Hörde und Aplerbeck.“* P.: Tar. Fruche unde Belanntmachung. Die Anlieferung 2c. von 5 Stück Warnungs= tafeln soll am Montag, den 4. Juli kr., vormittags 11 Uhr, im hiesigen Stadthause öffentlich zum Verding ausgesetzt werden. Schwerte, den 1. Juli 1887. Der Magistrat. Bekanntmachung. Das Ausweißen der inneren Räume der Schulen sowie das Weißen des Stadthauses soll am„ Montag, den 4. Juli kr., vormittags 11 Uhr. im hiesigen Stadthause verdungen werden. Schwerte, den 30. Juni 1887. Der Magistrat. Bekanntmachung. Die Anlieferung 2c. einer Dachrinne am Spritzenhause soll am Montag, den 4. Juli kr., vormittags 11 Uhr. im hiesigen Stadthause öffentlich verdungen werden. Schwerte, den 1. Juli 1887. Der Magistrat. Verkauf. Der Silberarbeiter Mühlhäuser läßt verziehungshalber sein sämtliches Mobiliar, als: Bettstellen mit Matratzen, 1 Sofa, 1 Kochhd., Ofen, Stühle, Tische, Kommod., Spiegel, Schränke, Wasch= u. Nachtskonsolen, 1 fast neue Nähmaschine(Singer) und sonst. Haus= und Küchengeräte am Mittwoch, den 6. Juli kr., vorm. 9 Uhr anfangend, in seiner bisherigen Wohnung bei Herrn Falkenroth öffentlich gegen Barzahlung versteigern. Hoßenschwert. Schöne weiße Krartossern empfiehlt Schneider, Sölderholz. Sonntag, den 3. Juli, wird bei mir eine milchgebende Ziege ausgekegelt. Wandhofen. Friedr. Deiter. Buckskm. Reiche Auswahl der modernsten Stoffe. DamenKohrektion. Große Auswahl Mantelets, Promenades, Visites, Jaquettes, Trikot-Taillen und Kinder-Kleidchen, Regenmäntel u. Havelocks, Kinder= Mäntel in apparten Fagons, Regenund Sonnenschirme. 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Um zahlreiches Erscheinen wird ersucht. Der Vorstand. Dr. Hartung, Frauenarzt, fr. Assistent d. Hrn. Prof. Dr. Beit zu Bonn. Dortmund, Kaiserstraße 22. Gebildete Damen, welche die Wochenschrift„Frauenheim“. noch nicht kennen, wollen sich Probenummern vom Verleger R. Skrzeczek, Löbau, Westpreußen, kommen lassen. Preis pro Quartal nur 1 Mark(Oesterreich=Ungarn 50 Kr.) Abonnements bei jeder Postanstalt und Buchhandlung. Zu beziehen durch C. Braus in Schwerte. Stempelfarbe zu haben bei Carl Braus. Handels=Nachrichten. Neuß, 28. Juni 1887. Weizen 1. Qual. per 100 Klo g. * Landroggen 1.„ per 100 Kilo 2.„ Sommergerste per 100 Klo Buchweizen per 100 Kilo Hafer, 1. Qual.„„ 2. Rübsen(Aveel) Raps 1. Qual.„„ Kartoffeln. Heu per 500„ Roggenstroh per 500„ Rüböl per 100„ in Partieen von 100 Ztr. Rüböl per 100 Kilo faßw. Gereinigt. Oel per 100 Kilo 3 J. höher als Rüböl. 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Kompanie=Gesehl. Die 2. Kompanie tritt am Samstag, den 2. Juli kr., abends punkt 8 Uhr, mit sämtlichen Ausrüstungsstücken im Saale des Wirts Fr. Panhorst an. Nicht pünktliches Erscheinen wird schwer bestraft. Der Hauptmann. haben als Pferdebursche beim Herrn können sich vorher beim Feldwebel Echt steyrische Sensen, in bekannter Güte, empfiehlt unter voller Garantie für jedes Stück. Schwerte. Fr. Rahlenbeck. Viehmärkte. Hagen, 29. Juni. Faselschweinmarkt bei Herrn Robert Lichtenhagen am Markt: Der Zutrieb belief sich am gestrigem Markte auf ca. 500 Stück Ferkeln. Der Handel ist hier fortwährend sehr lebhaft und verblieb auch gestern nur ein geringer Ueberstand. Bezahlt wurde für Frischlinge per Woche nach Alter 2 M. 20 Pfg. — 30 Pfg., für größere Faselschweine 28—34—38 M. Schlachviehmarkt: Der Auftrieb der Vorwoche in fetten Speckschweinen bei den Gastwirten Herren Wilh. Humpert(früher Hassel) und August Goost am Berg.=Märk. Bahnhofe ergänzte sich bis gestern auf 125 Stück. Beste Ware kostete 46—48 M., 2. Qualität 44—46 M. per 100 Pfund Schlachtgewicht an der Wage. Kälber waren ca. 45 Stück am Markte und kosteten beste Mastkälber 50—55 Pfg., geringere Sorten 40—45 Pfg., per Pfund Fleischgewicht.— Nächster Wochen=, Schlacht= und Faselschweinmarkt: Dienstag, 5. Juli er. Wechsel= und Geld=Kurse. von der Heydt=Kersten und Söhne. Elberfeld, 29. Juni 1887. Haushalt-Seife, invorzüglicher Qualität, ist äusserst mild für die Haut und daher sehr empfehlenswert, à Pfund mit 6 und 8 Stück 60 Pfg. Friedrich Liese. Dr. Kochs’ Fleisch-Pepton. Ein neuer, durch seinen Gehalt an Elweis# thatsächlich nahrhafter Fleisch-Extract. Das wirksamete aller bisher bekannten Mittel zur Ernährung und Kräftigung von Kranken, Genesenden, Blutarmen und Allen, die an gestörter Verdauung leiden. Bei seinem grossen Nährwerthe u. kleinen Volumen vorzüglich für Reisende, Touristen, Jäger etc. Goldene Medaille New-Orleans 1886. Ehren-Diplom Antwerpener Weltausstellung 1885. 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Auf dem Schlosse Hochburg wurde es mit der Hausordnung nicht zu genau genommen: Der Baron und seine beiden Söhne kamen zu jeder Tages= und Nachtzeit, sie wußten sich immer Eingang zu verschaffen, und oft ahnte niemand, wann und wie sie in das Schloß gekommen waren. Auch in jener Nacht, nachdem der Baron Hugo den Hund seiner Schwester abends am Ohr verwundet, konnte keiner behaupten, ob der erstere zu Hause sei, oder anderwärts eine Zuflucht gesucht und gefunden habe; allgemein nahm man an, er werde schon sein Zimmer gefunden haben und sanft ruhen, nachdem er eine so riesige Heldenthat vollbracht. Um so größer war der Schreck, das Erstaunen und teilweise auch der Jammer, als es am Morgen ganz früh plötzlich im Schlosse hieß:„Der Baron Hugo von Lenzig ist ermordet und liegt neben seiner Büchse, dicht am weißen Kreuz im Walde, unweit des Weserufers, mit zerschlagenem Kopfe!“ Ein Bauer, der mit seinem Knechte der Fähre zugewandert war, hatte ihn gefunden und brachte die Nachricht nach dem Sitze des Gutsherrn. Einen wahrhaft tiefen Schmerz legte die Mutter an den Tag. Sie hing mit großer Liebe an den Kindern..,:. Teränen keim e Auch Helene weinte heiße Tyranen beim Empfang der Schauernachricht; denn wenn Hugo sich auch oft sehr rücksichtslos, ja zuweilen brutal gegen sie benommen hatte, so war er doch immer ihr Bruder; und hatte sein tolles Wesen ihr keine Liebe abnötigen können, ging ihr schon der Gram der Mutter zu Herzen. Daß der jähe Tod des Bruders auch in anderer Beziehung furchtbare Folgen für sie und ihr sehr liebe, nahestehende Menschen haben könne, ein solcher Gedanke kam ihr für keinen Augenblick; ihr Herz war ja nicht im stande, das geringste Mißtrauen gegen einen Menschen, viel weniger gegen das Vorgehen von Behörden in sich aufzunehmen. Wenn sie Schlüsse zog, so waren es die: daß es sich wohl herausstellen werde, Hugo sei bei Verübung einer neuen Gewaltthat gegen irgend einen Gutsinsassen von diesem getötet, und der Fall müsse als ein Akt der Notwehr abgeurteilt werden. Der Vater zeigte den Resignierten; aber der genaue Beobachter konnte wohl wahrnehmen, daß eine tief innere Erschütterung ihn ergriffen. Am unberührtesten von der Trauerbotschaft blieb Robert, der ewig rechnete und meist mit seinen Zahlen und Spekulationen zu thun hatte.— Er hätte sich weit mehr zum Kaufmanne geeignet, dann aber sein Geschäft erst gründlich erlernen müssen, um sich Um“sicht und Sachkenntnis anzueignen, als zum Erben bedeutender Liegenschaften. Vater und Sohn begaben sich nach der Todesstätte. Der erstere litt es nicht, daß die Damen sie begleiteten; sein Wort genügte, sie zurückzuhalten. Dem alten Herrn zitterten doch merklich die Knieals er der Schreckensstätte nahe trat, wo einst vor vielen Jahren schon ein Mord verübt worden, weshalb auch das weiße steinerne Kreuz hier seinen Platz gefunden hatte.... Tohn und G. Bald gewahrten sie den Sohn und Bruder, wie ihnen berichtet worden. Er lag lang ausgestreckt da, neben ihm seine Doppelbüchse. Sein Haupt war entblößt, der Hut hatte unweit von ihm auf dem Rasen einen Platz gefunden. Die Stirn des Erbleichten zeigte auf den ersten Blick eine große, breite Wunde, wie mit einer starken Keule oder einem ungewöhnlich dicken Stock gehauen. Doch sah man leicht, daß dieser Hieb wohl nicht die Todesursache gewesen war; die linke Schläfe wies ebenfalls die Spuren eines kräftigen Schlages auf und jedenfalls war infolgedessen der Tod des jungen Mannes sogleich eingetreten. Der alte Baron gab sich für einige Minuten ernsten und trüben Betrachtungen hin; er war sehr bleich, seine Lippen bebten, das Auge richtete sich einige Male zum Himmel, als wolle er fragen: Wozu hast Du mir das gethan? Aber Worte, die sein Weh andeuteten, kamen nicht über seine Lippen. „Es muß dem Gericht sogleich Anzeige erstattet werden,“ sprach Robert;„wir haben die Verpflichtung, den Bruder so lange unverändert in seiner jetzigen Lage zu lassen, bis die Gerichtskommission an Ort und Stelle gewesen ist und den Befund festgestellt hat.“ „Eine tolle Weise!“ rief der Vater. „O, eine sehr zweckmäßige! Der Arzt und der Untersuchungsrichter, der Staatsanwalt und wahrscheinlich auch ein Abgesandter der Polizei, alle diese Leute sehen mit ihren argwöhnischen Augen mehr als wir, und finden vielleicht schon in der Lage oder der nächsten Umgebung des Toten Anzeichen, die wir gar nicht entdecken, ihnen aber helfen, dem Mörder auf die Spur zu kommen und ihn verfolgen zu können.“ „Ja, Du hast Recht, mein Sohn, Du bist immer der Klügste! Wäre dieser nicht so dumm gewesen, er hätte sich hier auch wahrhaftig nicht wie ein Tier abschlachten lassen. Dabei liegt die Doppelbüchse neben ihm; ich muß doch einmal nachsehen, ob sie abgeschossen oder noch geladen ist.“ „Berühre sie nicht, ich bitte Dich! Wir wollen das dem Gericht überlassen, uns können sonst Vorwürfe gemacht werden.“ Es blieb nun unausgesetzt sorgliche Wache bei dem Toten; sofort ging ein expresser Bote mit der Anzeige von dem Morde an das kompetente Gericht ab und schon am Vormittag traf die abgeordnete Kommission zur vorläufigen Feststellung des Thatbestandes ein. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die schauerliche Mähr rings umher in der ganzen Umgegend; die krafsesten Vermutungen wurden aufgestellt und gestalteten sich bei dem Weitertragen von Ohr zu Ohr zu Thatsachen; schon im Laufe des Vormittags kursierten die haarsträubendsten Gerüchte und Otto Hollberg spielte in denselben eine bedeutende Rolle. Die Liebenden hatten in ihrer Arglosigkeit geglaubt, ihre täglichen Zusammenkünfte würden vor jedermann ein Geheimnis bleiben; aber dem Bauführer war bald nach den ersten Wasserfahrten nachgespürt worden und nach jenem frühen Aufbruch der freiherrlichen Familie von dem Forst=Etablissement im Walde von Rosenau munkelte man im Stillen allerlei Verdächtiges über ein inniges Verhältnis der Baronesse von Lenzig mit dem Sohne des Postmeisters Hollberg. In Begleitung von Vater und Bruder des Erschlagenen begab sich die Gerichtskommission nach dem Orte der Frevelthat und nahm dort den Thatbestand mit aller nur möglichen Umsicht auf. Sogleich wurde ein vorsätzlicher Mord konstatiert, der durch zwei heftige Schläge auf den Kopf des Angefallenen mit einem stumpfen knüttelartigen Instrument ausgeführt war. Die Untersuchung der Büchse ergab, daß sie abgeschossen war; beide Läufe waren leer, auf den Pistons saßen noch die Hülsen der verbrauchten Zündhütchen. In einiger Entfernung von dem Toten lag ein halbverkohlter Papierpfropfen, der unbedingt aus dem Gewehr gekommen schien. Es ließ sich also annehmen, daß der Gemordete vor seinem Ende wenigstens einen Schuß, vielleicht gar auf seinen Gegner abgefeuert hatte. Aber nirgends war eine Butspur von dem Entflohenen zu entdecken, überhaupt fand sich nichts Verdächtiges, was auf eine bestimmte Person hätte hinführen können. Der wegen seiner Umsicht berühmte Polizeikommissär Dochter wurde wie zufällig auf das hoch oben auf dem Bergrücken an einer kleinen Stange flatternde Tuch aufmerksam und wandte sich mit der Frage an den alten Baron, was dieses Fähnchen zu bedeuten habe? Der Freiherr wußte keine genügende Antwort zu erteilen, auch sein Sohn nicht. Beide meinten, daß könne wohl nur ein Spiel sein und habe sicher mit dem ruchlosen Morde nichts zu schaffen. Dessen ungeachtet machte sich der Mann von der Polizei die Mühe, den Berg zu besteigen, und kehrte bald mit einem feinen, weißen Taschentuche zurück, in dessen eine Ecke die Buchstaben H. v. L. und über dieselben eine Krone gestickt waren. „Ein Tuch meiner Tochter,“ sagte der Baron harmlos, sobald er einen Blick darauf geworfen.„Das Mädchen ist in mancher Beziehung noch das reine Kind; solch' Aufwachsen in einer Erziehungsanstalt hat doch seine Nachteile. Meine Frau wollte es aber ja durchaus so haben.“ „Ob das Tuch schon lange dort hängt?“ fragte der Kommissär. „Ich hatte es noch nicht bemerkt, es kann also höchstens seit gestern Mittag sein,“ meinte der Baron „So, so!——“ „Uebrigens hat meine Tochter den Ermordeten zuletzt lebend gesehen. Er hat dabei noch den sehr dummen Scherz gemacht, nach ihrem Hunde zu schießen, weil er ihm auf seinen Ruf nicht folgte, und mit einer Kugel das Tier leicht am Ohr verwundet. Zuweilen war er doch ein höchst ausgelassener Patron. Armer Junge!“ „Wo und wann war das?“ fragte der Kommissär sehr eindringlich. „Das kann ich Ihnen so genau nicht angeben. Meine Tochter war erregt und böse auf den Bruder, als sie mir den Vorfall erzählte, der sie sehr erschreckt hatte; ich achtete nicht so genau darauf. Es muß aber gegen Abend gewesen sein.“ Das alles waren wichtige Erörterungen für die Herren von der Kommission. Sie hatten es augenscheinlich mit einem recht schweren Kriminalfall zu thun und durften sich deshalb kein Wort entgehen lassen, das ihnen möglicherweise dazu dienen konnte, sie auf die richtige Fährte zu bringen, auf welcher sie den Verbrecher vor sich hatten. Der Tote wurde auf den Wunsch des Barons, und da auch kein passendes öffentliches Gebäude in der Nähe war, nach dem Schlosse gebracht und hier einer Obduktion unterworfen, nachdem die Leiche mehrfach rekognosziert worden. Die mit der Sezierung beschäftigten Aerzte gaben das unumstößliche Gutachten ab, daß der Verblichene infolge Zerschmetterung des Gehirns gestorben sei und diese durch zwei kräftige Hiebe mit einem stumpfen Instrument, wie einem umfangreichen Knüttel erteilt worden. Auf Antrag des Staatsanwalts erfolgten ohne viel Zeitverlust einige Vernehmungen und zwar zuerst die der nächsten Angehörigen, obgleich die Damen vom tiefsten Schmerz hingenommen schienen, namentlich seit sie die nun der Verwesung anheim gegebene Leiche des noch vor kurzem so lebensmutigen und wilden Sohnes und Bruders gesehen. Habe ich mich nicht in der vorteilhaftesten Weise über den alten Baron von Lenzig ausgelassen, so gestehe ich doch gern zu, daß er auch manche vorzügliche Eigenschaften besaß; er war bis zum äußersten wahrheitsliebend und haßte jede Lüge. Hatte er eine Schuld auf sich geladen und war davon überzeugt, so fühnte er sie auch. Leider ließ er sich nur schwer überzeugen. Wäre er in früher Jugend in gute Hände gekommen, wahrscheinlich hätte ein sehr brauchbares Glied der menschlichen Gesellschaft aus ihm gebildet werden können. Baron von Lenzig verschwieg dem Gerichte nichts, was er über die Lebensweise des nun toten Sohnes wußte; ja, er ging so weit in seiner Aussage, daß er behauptete, Hugo habe unendlich viele Feinde gehabt, weil jeder sein malitiöses Wesen gehaßt; und in der Betrunkenheit, die er geliebt, sei er unausstehlich gewesen. Wie schwer mit ihm umzugehen gewesen, suchte er dadurch zu beleuchten, daß er erzählte: in den letzten acht Tagen habe der Verewigte sogar ohne Unterbrechung mit seiner Tochter Helene auf Kriegsfuß gestanden, die eine wahre Taubennatur besitze und keinem Wurm ein Leid zufügen könne. Aber er habe ihr mit Gewalt Geständnisse ablocken wollen, daß sie zu einem bürgerlichen Bauführer aus Rosenau in einem zärtlichen Verhältnis stehe, mit diesem morgens und abends heimliche Zusammenkünfte unterhalte und auf solche Weise seinen Namen und Stand schände. Auf dem Feste am zweiten Pingstfeiertage im Rosenauer Walde, wo der Bauführer Hollberg ebenfalls zugegen gewesen sei, habe sich Hugo so taktlos benommen, daß Helene krank geworden sei und sie alle hätten aufbrechen müssen. So charakterisierte der Baron seinen hingeschiedenen Sohn. Die Baronin sagte nichts Nennenswertes. Ebenso war Roberts Vernehmung zwecklos. Möglichst zart und milde nahm endlich der Untersuchungsrichter auch die jugendliche Baronesse ins Verhör. Ihre liebliche Erscheinung machte einen überaus angenehmen Eindruck, jetzt umsomehr, da der Gram sie gefangen nahm. Daran durfte sich der Kriminalbeamte indessen nicht kehren. „ 5 be. 81 0 0 6 1900 8900 0 0 0 # 0 Er bat die Baronesse, ihm zu erzählen, wo und wann sie ihrem erblichenen Bruder zum letztenmal begegnet sei, nachdem er sie natürlich vorschriftsmäßig zur Aussage der Wahrheit ermahnt hatte. Helene begann mit ihrer Beichte. „Warum verfolgte Sie Ihr Herr Bruder?“ fragte der Richter plötzlich, als die junge Dame einen Augenblick stockte. Helene errötete, sie wurde verwirrt. „Meine Baronesse, ich muß sie nochmals daran erinnern, daß jedes Wort, welches Sie hier sprechen, die Beeidigung fordert!“ ermahnte der Kriminalbeamte. „Aber, mein Herr, es ist eine äußerst delikate Angelegenheit, die meinen Bruder und mich zuweilen entzweite.“ „Die Habhaftwerdung des Mörders erfordert Ihr Zeugnis!“ „Nun denn, mein Bruder glaubte mich im Walde an der Seite eines Herrn zu überraschen, den er haßte und dem ich nach seiner Ansicht mein Herz geschenkt haben sollte.“ „Wer ist dieser Herr?“ „Der Bauführer Hollberg aus Rosenau!" erwiderte Helene so leise und mit so unsicherer Stimme, daß es dem Untersuchungsrichter notgedrungen auffallen mußte. „War dieser Herr am Todestage Ihres Bruders bei Ihnen am Ufer des Flusses oder im Walde?“ fragte er weiter. Helene erzitterte so heftig, daß sie sich setzen mußte. „Mein Herr!“ rief sie nach einigem Zögern,„ich glaube nicht, daß ich vom Gericht gezwungen werden kann, meine eigenen Herzensgeheimnisse durch offene Darlegung zu profanieren.“ „Meine Baronesse, Sie könnten aber durch mittel angehalten werden, Zeugnis wider einen Verdächtigten abzulegen.“ „Gegen einen Verdächtigten? Wer ist der?“ rief Helene, offenbar in gräßlichster Seelenangst. Der Untersuchungsrichter hatte das auf den Bergen gefundene Schnupftuch an sich genommen. Das ganze Benehmen der jungen Dame konnte zu schlimmen Mutmaßungen Veranlassung geben und er hatte als Inquirent seine Schuldigkeit zu thun. Indem er plötzlich das Tuch ergriff und der Baronesse hinhielt, frug er ziemlich eindringlich: „Wem sollte das Fähnchen als Zeichen dienen? Bitte, sprechen Sie, Baronesse!" „O, mein barmherziger Gott!“ stieß Helene krampfhaft hervor.„Ich bin verraten und er beschuldigt.“ „Darf ich Sie jetzt ersuchen, mir offen meine Fragen zu beantworten, meine Gnädige?“ „Ich werde Ihnen beichten alles, alles seit jener Minute, in der ich den Bauführer kennen lernte, damit auch Sie diesen braven Menschen zu schätzen wissen.“ „Je aufrichtiger Sie sind, meine Baronesse, je leichter wird es mir, Licht in die zur Zeit noch dunkle Angelegenheit zu bringen, und darum kann es uns allen doch nur zu thun sein.“ Helene hatte einen kurzen, aber schweren Kampf bestanden, doch ihre Liebe hatte über ihr jungfäuliches Gefühl gesiegt. Den Verhältnissen nach ziemlich ruhig, beichtete sie dem Untersuchungsrichter völlig wahrheitsgetren, daß sie und Otto Hollberg sich ewige Liebe gelobt, täglich heimlich gesehen und gesprochen hätten und nie von einander lassen würden. Wie er nur sein Baumeister=Examen machen und dann bei ihrem Vater um sie werben wolle, daß zwar Hugo furchtbar böse auf den Bauführer gewesen sei, dieser aber immer zu ihren Warnungen gelächelt und ihr die Versicherung gegeben hatte: es würde nie zu einem ernstlichen Zusammentreffen zwischen ihnen kommen, dazu sei er viel zu ruhig. Er hoffe übrigens, dem Bruder zur rechten Zeit sein Vorurteil zu nehmen, und vermöge er das nicht, so solle uns das doch für die Dauer nicht trennen. Sie sprach die feste Ueberzeugung aus, daß Hugo vor seinem Tode von der Nähe des Bauführers auch nicht das Mindeste geahnt habe, sonst würde es, wen sie sich überhaupt anfeinden wollten, an der Stelle zum Kampfe gekommen sein, swo Hollberg ein Versteck gesucht. Aber dieser sei jeder Entdeckung aus dem Wege geeilt, und Hugo habe unbedingt nach ihrem Davongehen sofort den Weg nach dem weißen Kreuze eingeschlagen, um dort dem Bauführer aufzulauern, wo ihn sein Mörder überrascht; während Hollberg sich still nach seinem weit unterhalb des Schlosses Hochburg angelegten Boote begeben habe und davon gefahren sei. Wohl eine Stunde hatte es gewährt, bevor Helene ihre Geständnisse zu Ende gebracht. Die Dienerschaft wußte eigentlich gar nichts zur Sache Gehöriges anzugeben. Nur wenig Anhalt hatte nach allem diesem das Gericht zur Fortsetzung der Recherchen; aber ruhelos verfolgte es auch die kleinste Spur, die zu umfangreichen Ermittelungen führen konnte. Wo ein Ver=t brechen verübt ist, da will es auch einen Verbrecher haben; in höchster Eile folgten nun täglich neue Vernehmungen. Wenngleich der Baron von Lenzig von seiten der Justizbehörde nichts erfuhr von dem, was seine Tochter ausgesagt, so war diese doch selber nicht länger im stande, ihr süßes Geheimnis zu verbergen; offen bekannte sie auch den Eltern, in welches Verhältnis sie zu dem Bauführer Hollberg getreten war und daß also der Verewigte mit seinem Argwohn ganz recht gehabt habe. Der Vater war außer sich über diese Mitteilung und konnte sich so weit vergessen, sein Kind eine Mörderin zu neunen. „Du und dieser Schurke, ihr habt ihn umgebracht, kein anderer,“ rief der wutentbrannte Mann,„und das Gericht wird Euch auch bald genug in Empfang nehmen. Ha, dieser Bettelbube eine Baronesse von Lenzig zur Frau zu begehren! Und dieses entartete Wesen kann die eigenen Eltern täuschen und sich dem ersten besten Plebejer in die Arme werfen, den edeldenkenden Bruder aber dem Tode überliefern. O, Schmach und Schande!“ Sinnlos tobte er fortwährend umher, die Tochter durfte sich nicht vor ihm blicken lassen. Die Baronin suchte wohl ihr Kind zu trösten, aber sie war ja selber des Trostes so sehr benötigt und das wilde Toben des Gatten, seine Prophezeihung, daß das Kriminalgericht sich bald genug der sauberen Baronesse, wie er seine Tochter nannte, bemächtigen werde, um sie wegen Teilnahme am Morde ihres Bruders zu bestrafen, brachte sie an den Rand der Verzweiflung. In gräßlicher Angst, Sorge und Liebespein rannen die Stuuden an der Baronesse vorüber. Auch nicht die kleinste Nachricht von dem ihr teuren Manne drang zu ihr und sie konnte nichts thun, um ihn wiederzusehen.— Der Vater hatte ihr gesagt, daß er und kein anderer der Möder ihres Bruders sei und daß er sicher sofort ins Gefängnis gesperrt werde und seiner Zeit auf dem Schaffot den Kopf hergeben müsse, denn seine Schuld trete klar zu Tage. Welche grausige Aussicht für ein heißliebendes Mädchenherz! Aber Helene glaubte zum erstenmal in ihrem Leben den Worten ihres Vaters nicht.— O, sie war so fest überzeugt von der Unschuld des Geliebten, in ihr lebte so klar das Bewußtsein, wie Otto Hollberg zu keiner gemeinen Handlung fähig sei, daß sie mit tausend Leben für seine vollste Ehrenhaftigkeit hätte einstehen mögen. Aber der Vater konnte dennoch in gewisser Beziehung Recht haben: vielleicht sprach der Schein gegen den Bauführer; das Gericht konnte zu der Ueberzeugung gelangen, er müsse der Mörder sein. Vieles war ja wohl geeignet, zu täuschen und vermochte gegen ihn zu zeugen; die Herren von der Justiz aber hegten stets ein furchtbares Mißtrauen gegen jeden Verdächtigen, sie wollten ein Opfer für den Ermordeten, und Hollberg war vielleicht außer stande, sich von jedem Verdacht frei zu machen. Das verlangte ja aber das Kriminalgericht von dem Angeschuldigten. Die Baronesse litt grauenhaft unter diesen Betrachtungen. Rechnet man nun noch zu ihren Seelenschmerzen den Kummer über die gräßliche Behandlung seitens des Vaters und Bruders, die gänzliche Treunung von dem Geliebten, die vollständige Hoffnungslosigkeit ihrer Herzensneigung: so ist es kein Wunder, wenn sie zu kränkeln aufing, ein heftiges Fieber ihren Körper beschlich und die noch vor kurzem von höchster Schönheit und Anmut strahlende Jungfrau in wenigen Tagen nur noch ein Bild der höchsten Seelenleiden bot und von den herbeigerufenen Aerzten als eine sichere Todeskandidatin betrachtet wurde. Auch jetzt änderte der Baron seinen harten Sinn nicht so weit, daß er der Tochter hätte Nachgiebigkeit oder Nachsicht zeigen mögen; er hätte sie ja weit lieber im Grabe gesehen, als an der Seite eines bürgerlichen Beamten, den er nun einmal an dem Tode seines Sohnes für schuldig hielt, mochte das Gericht ihm den Mord beweisen oder nicht. Mehrere Tage flossen dahin, Helene litt grauenhaft. Die Mutter kam fast nicht von ihrem Lager fort, sie allein war es, die das arme Kind von ganzem Herzen bemitleidete und gern für sie gestorben wäre, wenn sie ihr damit den wahren Frieden, ein reines Glück hätte erkaufen können. O, wie manche stille einsame Stunde verbrachte sie auf den Knieen vor dem Lager ihrer einzigen, wahren Freude auf dieser Erde. Da, an einem herrlichen Frühlingsmorgen, als die wilden Fieberphantasieen für einige Zeit von der Leidenden gewichen waren und sie ruhig und leise atmend dalag, die Augen vor Schwäche geschlossen, die Wangen totenbleich, die herrliche Fülle des schönen Haares aufgelöst, das schneeweiße Gesicht umrahmend trat vorsichtig der Vater ein. Aber er kam nicht, um sich von dem Ergehen seines Kindes zu überzeugen, sondern seine Gattin eine für ihn freudige Nachricht zu bringen. Seine Blicke fielen voll auf das Kind. Ein Schauer durchzuckte seine Glieder. Sein Inneres schien doch noch besserer Regungen fähig zu sein. Die Gattin, welche wohl bemerkte, daß eine gute Minute über den meist herzlos durch das Leben gehenden Gatten gekommen war, flüsterte:„Sieh, das ist unsere Tochter, die mich nie betrübt hat und in Wahrheit auch Dich nicht. Ihre Liebe hat ihr Gott ins Herz gepflanzt.— Bald ist auch unsere Helene hinüber, wir werden sie in die dunkle Familiengruft tragen lassen, gleichwie Hugo. O könntest Du Dich nur dazu entschließen, die letzten Stunden ihres Lebens noch ein wenig zu erheitern, damit sie mit einem freundlichen Segen auf den Lippen ihre Seele aushauchte.“ Der alte Mann erzitterte heftig, ein furchtbarer Kampf schi n in ihm vorzugehen.„Frau,“ brummte er,„schweig, mir ist nicht wohl zu Mute, auch ich habe ein Herz. Aber was kann ich für meine Grundsätze? Ich kam übrigens nicht hierher, um mich weich stimmen zu lassen, sondern Dir zu sagen, daß wahrscheinlich noch heute jener Bauführer Hollberg verhaftet werden wird, weil er des Mordes dringend verdächtig ist.— Also diesem Schurken sollte ich meine Tochter verloben?“ „Sieh, Dein Kind!" flüsterte die Baronin, indem sie mit dem Finger auf die Leidende deutete. Wie schon angeführt lag Helene, einer Leiche ähnlich, da, ihre Augenlider waren fest geschlossen. Und doch rannen zwei große Thränen zwischen denselben hindurch und über ihre bleichen Wangen. Der Baron konnte vielleicht den Anblick nicht ertragen, denn er wandte sich ab. Seine Gattin beugte sich über ihr Lieblingskind und küßte ihr die nassen Tropfen fort. „Meine gute Mama!“ flüsterte die Kranke. „Was wünschest Du, mein Herz?“ „Ist Papa fort?“ „Er ging soeben.“ „Glaubst Du, daß der Bauführer Hollberg unserm Hugo auch nur ein Haar gekrümmt hat?“ „Nein, mein Kind, gewiß nicht!“ „Ich danke Dir herzlich, er ist unschuldig! Ob es richtig ist, daß er verhaftet werden soll?“ „Mein Kind, mit Verhaftbefehlen läßt das Kriminalgericht nie lange auf sich warten.“ „O versprich mir, gute Mama, mich zu benachrichtigen, wenn der Bauführer eingekerkert werden sollte.“ „Wenn ich es erfahre, werde ich Deinen Wunsch erfülleg.“ „Du mußt es erfahren!“ Die junge Dame hatte sich zu sehr aufgeregt; eine völlige Erschöpfung befiel sie, dann folgten wieder grauenhafte Phantasiegebilde, die ihren Geist gefangen nahmen und sie an den Rand der Raserei brachten:— in solchen Stunden litt sowohl sie wie ihre nächste Umgebung schreckliche Qualen.(Fortsetzung folgt.) „Monopol-Seide“.(Modebericht.) „Vom Fels zum Meer“ 1886— Heft 8 schreibt: „Durch Einführung der„Nonopol=Seide“ hat sich der Züricher Seiden=Industrielle G. Henneberg ein wahres Verdienst um die nach einem einfachen und gediegenen Seidenstoff seit lange vergeblich Umschau haltende Damenwelt erworben. Das Gewebe ist dauerhaft wie Leder, weich wie Samt, glänzend wie Atlas; aus reinster Seide auf! Lyoner Stühlen gewoben, erscheint es als eins der solidesten und reichsten Fabrikate, welche die Webindustrie seit lange erzeugt. Nur direkt und nur echt, wenn auf der Kante eines jeden metre eingedruckt ist Muster G. Hennebergs„Monopol“ Ein Werk zur Förderung des botanischen Lernens ist die in drei dicken Bänden erscheinende„Flora von Deutschland, Oesterreich und der Schweiz“ in Wort und Bild für Schule und Haus, von Professor Dr. Thomé im Verlag von Köhler in Gera herausgegeben. Da sind auf 500—600 Tafeln in mustergüligen kolorierten Figuren die Hauptvertreter der deutschen kund der schweizerischen Flora abgebildet. Wer beim Durchblättern dieser Bände nicht für unsere Pflanzenwelt sympathisch erregt wird, an dem ist in botanischer Beziehung Hopfen und Malz verloren. Ich bedaure, daß dieses beispiellos billige und doch so gute Werk nicht zwanzig Jahre früher erschienen ist. Prof. Dr. Dodel=Port. ausgekegelt. 6 Rechnungs=Formulare 1 C. Scheibler& Ko., Köln a. Rh. uchnde uchnur sinosis den. eine ung de. istlen r Bogs ui!. Krüst=Altbere, Spezialist, Brucharzt in Gais K. Appenzell (Schweiz).